Analyse und Bewertung Cloud Computing Strategie der Firma Google

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Name der Autoren: Gordon Brandt, Christian Schürmann
Titel der Arbeit: "Analyse und Bewertung Cloud Computing Strategie der Firma Google"
Hochschule und Studienort: FOM Essen


Inhaltsverzeichnis


1 Einführung

In dieser Facharbeit setzen wir uns mit dem Thema Cloud Computing bei der Firma Google Inc. auseinander. Gerade in der jetzigen Zeit sind viele IT- Spezialisten geteilter Meinung über die aktuellen Cloud Computing Angebote und Möglichkeiten. Derzeit ist nicht vollständig abzusehen, ob es sich um einen typischen IT- Hype oder um einen wirklichen Wechsel in der täglichen IT- Arbeit handelt. Da es auch noch keine einheitliche Meinung darüber gibt wie Cloud Computing zu definieren ist, sowie manche rechtlichen Fragen ungeklärt sind und in der Praxis gelebte Beispiele fehlen setzen bisher wenige Firmen und Privatanwender auf das neue System. Je nach Anbieter wird die Cloud- Computingbeschreibung eher auf den Storagebereich oder auf den SaaS- Bereich bezogen. Genau genommen muss Cloud Computing jedoch als Kombination aus beidem gesehen werden. Dabei sind einige Cloud Computing- Anwendungen nicht neu. Genau genommen sind sog. Webmail- Dienste wie Googles Gmail nichts anderes als ein eigenständiges Programm im Internet, dass von überall aufrufbar andere lokale Programme wie z.B. Microsoft Outlook als lokale PC- Installation ersetzt. Damit ist Cloud Computing keine theoretische Zukunftsvision, sondern bereits (zumeist im privaten Bereich) gelebte Realität. Aber auch in anderen Anwendungsbereichen baut Google sein Portfolio stetig weiter aus. Wir analysieren in dieser Facharbeit die bestehenden und geplanten Produkte von Google und bewerten diese nach festgelegten Kriterien.

2 Google

Abb. 1 Google Firmenlogo
Abb. 1 Google Firmenlogo

2.1 Das Unternehmen Google

Das Unternehmen Google Inc. wurde am 4. September 1998 durch die Gesellschaftsgründung in Kalifornien von den Studienfreunden Larry Page und Sergey Brin gegründet. Sie lernten sich im Sommer 1995 an der University of Michigan kennen und arbeiteten dort an dem Google-Suchmaschinenvorgänger „BackRub“.

Gefördert wurde die Google Inc. noch vor Ihrer bestehen durch den SUN- Mitbegründer Andy Bechtolsheim mit einem Scheck von 100.000.Dollar. Später wurde die Firma noch von Sequoia Capital und Kleiner Perkins mit mehreren Millionen US- Dollar unterstützt. Hauptgeschäftsbereich von Google ist eine Websuche im Internet, kombiniert mit strategisch vermarkteten Werbeflächen auf der Suchergebnisseite.

Am 09. Mai 2000 unterstützte Google schließlich 10 verschiedenen Sprachen und hatte am 26. Juni 2000 die Marke von einer Milliarden Seitenindexen überschritten. Am 25. Juli 2008 übersteigt der Seitenindex schließlich die Marke von einer Billion Webseiten. Eines der am meisten gewinnbringende Produkte, das „Google Adwords“ startet am 23. Oktober 2000 mit 350 Kunden. Es handelt sich dabei um Anzeigeprogramme, die neben den Suchergebnissen erscheinen.[1]

Google erweitert, meist durch Zukäufe, nach und nach seine Dienste. Die wichtigsten Übernahmen sind nachfolgend aufgelistet:

  • 12. Februar 2001: Übernahme von Deja Usenet Ausbau der Dienste zum heutigen Google Groups.
  • 17. Februar 2003: Übernahme von Pyra Labs, die Erfinder von Blogger.com.
  • 4. März 2003: Übernahme von Applied Semantics und Ausbau der Dienste zum Ad Sense Programm aus, bei dem sich Webseitenbetreiber Werbung auf Ihrer Homepage schalten können.
  • 27. Oktober 2004: Übernahme von Keyhole und Ausbau der Dienste zu Google Earth.
  • 28. März 2005: Übernahme von Urchin, einer Firma für Webanalysen und Statistiken, das in Google Analytics umgewandelt wird.
  • 9. März 2006: Übernahme von Writely, einer Textverarbeitung im Web. Es wird zu Google Text & Tabellen umgebaut.
  • 9. Oktober 2006: Bekanntgabe der Youtube- Übernahme.
  • 5. Juni 2007: Bekanntgabe der Partnerschaft mit Salesforce.com
  • 9. Juli 2007: Übernahme von Postini, einem Mailsicherheits- und Archivierungsanbieter.
  • 11. März 2008: Übernahme von doubleklick, einer der führenden Firmen für Werbung im Internet

Heute ist Google die größte Suchmaschine im Internet. Es wird geschätzt, dass ca. 80% aller Suchanfragen über Google gemacht werden. Die Tendenz ist seit Jahren weiter steigend. [2] Bei den Suchanfragen für Mobile Geräte sind es sogar über 97% und stellt somit ein eindeutiges Monopol dar. [3] Im Jahr 2008 konnte der Umsatz von Google auf 21.795 und der Gewinn auf 4.282 Mio. US- Dollar gesteigert werden und beschäftigt international ca. 25.000 Mitarbeiter. [4] Google ist in 124 Sprachen, darunter jedoch auch Varianten und Kunstsprachen wie klingonisch verfügbar. Die Dominanz der Firma Google zeigt sich unter anderen dadurch, dass nur 0,7% der Internetnutzer angeben Google nicht zu kennen.[5] Zudem wurde mit der 23. Ausgabe des Dudens wurde das Wort "googeln" als synonym für die Suche im Internet aufgenommen.[6] Am 29. April 2004 beantragte Google den Börsengang bei der U.S. Securities and Exchange Commission und ging am 18. August 2004 an die Börse.

2.2 Google's Unternehmensstrategie

Die Firma Google hat als Ziel "...die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen.".[7] Hauptaugenmerk liegt auf dem weiteren Ausbau der Kernkompetenz in der Websuche verbunden mit der gewinnbringenden Vermarktung der sog. "AdWords", die auf Googles Suchseite erscheinen, sowie der "AdSense", die sich jeder Webseitenbetreiber als Einnahmequelle in seine Homepage integrieren kann. Grundsätzlich schließt Google keinen Einstieg in ein Webangebot kategorisch aus, jedoch gibt es Grundsätze, die das Unternehmen strikt einhält, wie die Einfachheit der Startseite.[8] Ein Suchportal, wie Yahoo würde nur laut Google nur unnützen Internet-traffic verursachen und die Suche verlangsamen.

Derzeit treibt Google seine Arbeit der Cloud Computing Angebote voran. Dies geschieht größtenteils in den sog. Google Labs, in denen Google neue, noch unausgereifte Produkte der Öffentlichkeit vorstellt. Hier kann jeder User selbst an den Produkten mitarbeiten und sein Feedback abgeben. Ziel jedes neuen Tools ist die Bindung der Internetnutzer an Google. Größtes Projekt im Cloud Computing- Bereich ist das neu vorgestellte Google Wave, bei dem verschiedene Internetkommunikationsarten kombiniert werden. Eine Veröffentlichung des Programms ist noch im Jahr 2009 geplant.

Google begründet diesen Schritt damit, dass der E-Mail Kommunikationsdienst bereits in den Anfängen des Internets Erfunden wurde und heute eigentlich veraltet ist. Mit Wave möchte Google eine neue Kommunikationsart, auf Basis des aktuellen technischen Standes erfinden.

2.3 Allgemeines Produktportfolio

Nachfolgend werden die bekanntesten Softwareprodukte, neben der Suchmaschine der Firma Google aufgelistet und kurz erläutert.

2.3.1 Google Mail

Abb. 2 Logo GoogleMail
Abb. 2 Logo GoogleMail

Google Mail ist das Standard Webmailprogramm von Google. Es deckt die gängigen Optionen eines Mailprogrammes ab und besitzt zudem weitere Features, wie Chats über den eigenen Google Messenger, einen Spamfilter und über 7 Gigabyte kostenlosen Datenspeicher für Emails, der stets erweitert wird. Google Mail beinhaltet einen automatischen SPAM- Filter, der SPAM- Nachrichten erst gar nicht an das Postfach weiterleitet. Sollten dennoch SPAM- Emails in das Postfach übertragen werden können Sie an Google zur Aufnahme in den Filter und zukünftigen SPAM- Schutz markiert werden. Da Google sein Mailprogramm kostenlos anbietet schaltet es Werbung auf den Gmail Seiten. Diese Werbung wird anhand gesammelter Nutzerinformationen personalisiert. Google Mail befindet sich im Beta- Status.[9]

2.3.2 Google Kalender

Abb. 3 Logo GoogleKalender
Abb. 3 Logo GoogleKalender

Im Google Kalender können Termine eingetragen und an andere Google- Nutzer freigegeben werden. Zudem ist eine Synchronisierung mit Offlinekalendern wie Microsoft Outlook möglich. Dem User stehen zudem eine Offline- Version des Kalenders zur Verfügung, bei der jedoch keine Termine eingetragen werden können, sowie eine Erinnerungsfunktion über das Handy oder per Email.[10]

2.3.3 Google Text & Tabellen

Abb. 4 Logo Google Docs
Abb. 4 Logo Google Docs

Google Text & Tabellen stellt drei Browserbasierte Office-Programme bereit. Neben der Textverarbeitung und der Tabellenkalkulation gibt es neuerdings auch ein Präsentationsprogramm. Die Nutzung der Programme ist kostenlos, jedoch im Speicherplatz und in der Anzahl der Dateien beschränkt. Das Design lehnt sich für die Steigerung des wiedererkennungswertes an den üblichen Textverarbeitungsprogrammen wie Microsoft Office an. Bereits offline erstellte Dokumente können zudem hochgeladen werden. Es werden alle gängigen Dateiformate unterstützt. Innerhalb von Google-Nutzern können diese Dokumente zudem freigegeben und gemeinsam bearbeitet werden. Die Dokumente können jedoch auch für alle Internetnutzer freigeschaltet werden.[11]


2.3.4 Google Sites

Abb. 5 Logo GoogleSites
Abb. 5 Logo GoogleSites

Auf Google Sites können verschiedene Informationen z.B. für Projekte gespeichert werden. Ziel der Sites ist es Informationen aus verschiedenen Dateitypen und Inhalten zentral anschaulich darzulegen.[12]

2.3.5 Google Maps

Abb. 6 Logo GoogleMaps
Abb. 6 Logo GoogleMaps

Google Maps bietet einen kostenlosen Zugang zu Geodaten und Satellitenbildern. Zudem können eigene Karten mit Informationen hinterlegt werden. Auf den Karten können Verkehrsdaten (derzeit nicht für Deutschland) und Routen angezeigt und ausgedruckt werden. Des weiteren können Firmen Werbung auf die verschiedenen Orte und Suchergebnisse schalten.

2.3.6 Google Picasa

Abb. 7 Logo Google Picasa
Abb. 7 Logo Google Picasa

Google Picasa ist eine kostenlose Bildverwaltungssoftware zum organisieren und bearbeiten von Fotos, erstellen von Fotoalben, die man dann als Webalbum für Freunde und Bekannte zur Betrachtung freigeben kann. Bis zu 1 GB stehen jedem Nutzer von Picasa-Web-Alben gratis zur Verfügung. Wer für seine Alben mehr Speicherplatz benötigt, kann verschiedene kostenpflichtige Angebote nutzen, beispielsweise kosten 10 GB 20 $ pro Jahr, wer mehr benötigt, kann sich zwischen 40 GB (75$/Jahr), 150 GB (320 $/Jahr) und 400 GB (500 $/Jahr) dazu kaufen. [13]

2.3.7 Google Wave

Abb. 8 Logo Google Wave
Abb. 8 Logo Google Wave
Abb. 9 Vorschau auf Google Wave während der Präsentation auf der Google I/O Konferenz
Abb. 9 Vorschau auf Google Wave während der Präsentation auf der Google I/O Konferenz

Google Wave ist eine Google Neuentwicklung, die Ende 2009 bereitgestellt werden soll. Sie wurde am 28. Mail 2009 auf der Google I/O Konferenz vorgestellt.

Wave wird verschiedene Cloud-Applikationen miteinander vereinen und neue Applikationen und Features beinhalten. Im Hinblick auf die Cloud Computing Möglichkeiten könnte Wave eine starke Innovation werden, da es viele bisherigen Onlineangebote in einer Seite kombiniert. Google Wave erinnert im Grundsatz an Microsoft Sharepoint, hat jedoch andere Ansätze in der Onlinezusammenarbeit. Das Projekt wird seit dem Jahr 2007 entwickelt und steht in diesem Jahr kurz vor der Fertigstellung.

Derzeit geplante Features sind:

  • Echtzeitbearbeitung von Dokumenten: Man kann anderen Buchstabe für Buchstabe bei der Bearbeitung zuschauen und selbst gleichzeitig im Dokument arbeiten.
  • Einbindungsmöglichkeiten: Die Inhalte lassen sich leicht in einen Blog oder einer Webseite einbinden.
  • Open Source: Jeder kann an der Weiterentwicklung teilnehmen
  • Kombination der verschiedenen Internetinnovationen: Wiki, Email, Blog, SMS, Instant Messenger, Diskussionsforen und Soziale Netzwerke.
  • Kein Austausch der Nachrichten, sondern zentrale Speicherung.
  • Veränderbarkeit der Nachrichten: Der Änderungsverlauf wird dabei stets gespeichert
  • Drag & Drop: Dateien lassen sich einfach hochladen
  • Praktische Zusatzfunktionen: z.B. Real- Time Übersetzung oder Rechtschreibprüfung.
  • "Abwärtskompatiblität" zu E-Mails bzw. Emails können als Wave nach Google konvertiert werden.

[14]

3 Grundlagen des Cloud Computings

Cloud Computing ist eines der „Modewörter“ in der Informationsverarbeitung der letzten Jahre. Jedoch ist eine einheitliche Definition des Begriffes „Cloud Computing“ nur bedingt möglich. Im Allgemeinen beschreibt das Cloud Computing Techniken und Geschäftsmodelle, die ein IT-Dienstleister seinen Kunden anbietet. [15] Die Idee hinter dem Cloud Computing ist es, Kunden Services, Software und Infrastruktur als Dienstleistung und bei Bedarf über eine Breitbandverbindung zur Verfügung zu stellen.
[16] Wie der Abbildung 10 zu entnehmen ist, kann hierbei der Fokus auf die Bereitstellung einer Plattform (PaaS), einer Software (SaaS) oder einer Infrastruktur (IaaS) liegen.

Abb 10. Überblick Cloud Computing Architektur, vgl. Kent Langley
Abb 10. Überblick Cloud Computing Architektur, vgl. Kent Langley

Forrester Research beschreibt Cloud Computing "...als einen Pool aus abstrahierter IT-Infrastruktur, die Kundenanwendungen vorhält und nach Verbrauch abgerechnet wird."
Gartner hingegen beschreibt das Phänomen kurz als "Bereitstellen skalierbarer IT-Services über das Internet für eine potenziell große Zahl externer Kunden".
[17]

Vergleichbar ist Cloud Computing mit einer alten Entwicklung in der IT: Dem Terminalserver – Client Prinzip.
Daten und Anwendungen werden nicht mehr auf dem lokalen Computer gespeichert, sondern in „einer Wolke – der Cloud“, womit die Server in diversen Rechenzentren gemeint sind, die über das Internet miteinander vernetzt sind (siehe Abbildung 11). So ist ein Zugriff auf Daten von jedem Ort der Welt möglich, vorausgesetzt ein Internetzugang ist vorhanden.

Abb 11. Schema Cloud Computing, vgl. infreemation.net
Abb 11. Schema Cloud Computing, vgl. infreemation.net
Abb 12. Cloud Arten, vgl. Sam Johnston
Abb 12. Cloud Arten, vgl. Sam Johnston

Jedoch lässt sich eine Eingrenzung in der Art der Cloud vornehmen, wer auf die angebotenen Services zugreifen darf. Es wird zwischen Public-, Private-, und Hybrid Cloud unterschieden.[18] Die Public Cloud ist ein Netzwerk, welches für jeden über das Internet zugänglich ist. Die Private Cloud ist vergleichbar mit einem Intranet, die Dienste sind nur in einem privaten Netzwerk, wie zum Beispiel einen Firmennetzwerk zugänglich. Die Hybrid-Cloud ist eine Mischform der beiden zuvor genannten Formen. Unterschieden kann hier zwischen Diensten die jedermann und Diensten die nur einer eingeschränkten Anzahl von Personen zur Verfügung gestellt werden (siehe Abbildung 12).

4 Google's Cloud Computing Services

In diesem Kapitel werden die Cloud Computing Services von Google erörtert, Ziele und die Strategie erläutert, sowie die Zukunftsversionen vorgestellt.

4.1 Ziele, Strategie und Zukunftsvision

Die Ziele und die Strategie von Google's Cloud Computing Services zu definieren und erläutern ohne einen Vergleich oder Wettbewerb zu Google's größten Mitwettbewerber Microsoft herzustellen ist nahezu unmöglich. Egal ob Suchmaschine, Freemail oder Officeprogramme, Google und Microsoft stehen in einem ständigen Wettbewerb.
So lassen sich Google's Ziele, die sie mit der Bereitstellung ihrer Cloud Computing Services verfolgen auf einen Punkt bringen: Konkurrenz bzw. Alternativen zu Produkten aus dem Hause Microsoft anbieten zu wollen. Google greift mit seinen Softwareprodukten GoogleDocs, Google Kalender und GoogleMail Microsoft nahezu vorhandene Monopolstellung im Bereich Bürosoftware für Privatkunden und Unternehmen an. Im Jahre 2005 bekann bei Google die Entwicklung der Google Apps. Apps, die Kurzform für Applikationen, nichts anderes wie Computeranwendungen, die jeder Benutzer für seine tägliche Arbeit am Computer, sei es privat zu Hause oder beruflich im Unternehmen benutzt und die aus dem täglichen Gebrauch nicht mehr weg zu denken sind. Aus dem Hause Microsoft stammt das wohl bekannteste und meistverkaufte Sotfwarepaket für die tägliche Arbeit: Microsoft Office, eine Bürosoftware mit Programmen wie Word, Excel und Powerpoint, zum Erstellen von Texten, Kalkulationen, Tabellen und Präsentationen, sowie Outlook für die Verwaltung von E-Mails und Kalenderinformationen. Doch anders als die Office-Anwendungen aus dem Hause Microsoft, die lokal auf dem Computer des Anwenders installiert ist, werden die Google-Produkte über das Internet genutzt. Hintergrund ist die Idee von SaaS. Software muss nicht mehr installiert werden, sondern kann über den Internetbrowser und Plattformübergreifend genutzt werden. Egal ob Windows, Mac OS oder Linux, Internet Explorer, Safari oder Firefox, Google-Produkte können auf jeder Plattform eingesetzt werden ohne ein Problem der Inkompatibilität der einzelnen Programme.

Um die Produkte schnellstmöglich einer großen Masse zur Verfügung stellen zu können fährt Google eine simple Strategie. Zunächst werden die Anwendungen für die Privatnutzer veröffentlicht und nach durchlaufenden Beta-Phasen werden erweiterte Versionen für Unternehmenskunden angeboten. Für Privatanwender sind die Apps kostenlos. Für Unternehmen bietet Google eine kostenpflichtige Premium Versionen seiner Applikationen an.[19]
Abb13. Bestandteile der Google Apps Premium Edition, vgl. http://www.google.com/a/help/intl/de/business/applications.html
Abb13. Bestandteile der Google Apps Premium Edition, vgl. http://www.google.com/a/help/intl/de/business/applications.html

Was an Software in Zukunft noch alles aus dem Hause Google erwartet werden kann ist schwer zu beurteilen. Doch bei einem Blick in das Google Labs [20], Google's "Versuchslabor" für Anwendungen wird deutlich, das auch zukünftig mit weiteren Produktentwicklungen und Neuerungen zu rechnen ist und neben der etablierten Suchmaschine, Anwendungssoftware für den Büroalltag, einem Internetbrowser, einem digitalen Globus sowie Routenplaner (Google Earth, Google Maps), Fotobearbeitungs- und Veröffentlichungssoftware (Picasa) sowie einem Handybetriebssystem (Antroid) noch viele Innovationen für die Nutzung des Internet von Google bereit gestellt werden.

Die wohl größte Zukunftsvision von Google liegt derzeit auf dem Cloud Computing Projekt Google Wave. Es konsolidiert fast alle gängigen Internet-Kommunikationsarten in einem. Darunter Blogs, Diskussionsforen, Chats, Instant Messenger, Filesharing und Online- Zusammenarbeit. Neu in dieser Kommunikationsform ist, dass de Nachrichten nicht wie bei Emails an alle beteiligten versand werden, sonder zentral auf einem Server abgelegt sind. Ähnlich wie bei Exchange- Servern kann jedoch jede Firma einen eigenen Wave- Server unterhalten, der dennoch eine reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Wave- Servern ermöglicht. Des weiteren ist das User- Frontend änder- und erweiterbar, so dass jede Firma Ihr eigenes Layout entwerfen und abändern kann. Zudem können erweiterte Funktionen in das System eingebracht werden, wie z.B. eine Echtzeitübersetzung.[21]

4.2 Infrastruktur für Cloud Computing

Das Internet als Plattform für die Bereitstellungen von Dienstleistungen zu nutzen, bedarf einer Serverleistungs- und Speicherkapazität, die bei weitem die Kapazitäten von normalen Rechenzentren überschreitet. Wieviele Rechenzentren Google weltweit betreibt und wie viele Server dort für die Bereitstellung der Dienste zur Verfügung stehen, ist eines der größtem Unternehmensgeheimnisse von Google. [22][23]

Google's Cloud Computing Strategie lässt sich grundsätzlich in 2 Bereichen unterteilen. Zum einem die Bereitstellung von Software, sowie die Bereitstellung einer Entwicklungsplattform.

4.2.1 Software as a Service (SaaS)

Unter Software as a Service versteht man ein Geschäftsmodell, das Software als Dienstleistung zur Verfügung gestellt wird. Da die Software via Internet zur Verfügung gestellt wird, unterscheidet sie sich bei der Nutzung von herkömmlicher Software. Da die Software über einen Internetbrowser genutzt wird entfällt die lokale Installation der Software und die Applikation wird nicht auf dem lokalen Computer, sondern auf dem Server des Dienstleisters ausgeführt. Ebenfalls ergeben sich Unterschiede in den Lizenzbedindungen bei der Nutzung der Software. In der Regel muss die klassische Software vor der Nutzung erworben werden. Software as a Service bietet zusätzlich die Möglichkeit Software für die Nutzungsdauer zu mieten.[24]

Google bietet neben den im Kapitel 2.3 Allgemeines Produktportfolio genannte kostenlosen Applikationen, seinen kostenpflichtigen Google Apps noch weitere Software, wie z. B. Google Booksearch (Volltextsuche in Büchern) ihm Rahmen von Software as a Service an. [25]

4.2.2 Platform as a Service (PaaS)

Unter Platform as a Service versteht man die Bereitstellung einer Entwicklungsumgebung für Softwarentwickler. Neue Applikation können mit Hilfe der gelieferten Plattform direkt in der Entwicklungsumgebung des Anbieters erstellt werden. Softwaretests können in der Laufzeitumgebung des Anbieters durchgeführt werden und bei erfolgreichen Testabschlüssen kann die Applikation anschliessend für Dritte zur Verfügung gestellt werden.PaaS ist also eine Kombination aus IaaS und SaaS.[26]

Google stellt seit April 2008 mit seinen PaaS-Dient „Google App Engine“ zur dabei eine komplette Entwicklungsumgebung (Google Web Toolkit) zur Verfügung. Diese basiert auf der Basis der "Google Apps".[27] Das Preismodell für die Nutzung der App Engine ist schlicht gehalten und orientiert sich am belegten Speicherplatz und auf den Zugriffszahlen der entsprechenden Applikation. Bis zu einem Speicherbedarf von 500 MB und 5 Millionen Page Views im Monat stellt Google die App Engine kostenlos zur Verfügung. Ansonsten ergeben sich nachfolgende Kosten:

  • $0.10 - $0.12 für jede CPU-Kern-Stunde
  • $0.15 - $0.18 für jedes GB Speicherplatz pro Monat
  • $0.11 - $0.13 für jedes GB ausgehenden Traffic
  • $0.09 - $0.11 für jedes GB eingehenden Traffic [28]

5 Bewertung von Googles Cloud Computing-Strategie

In diesem Kapitel finden eine Bewertung der Cloud Computing Strategie von Google nach verschiedenen, von uns festgelegten Kriterien statt. Da zur Nutzung der diversen Anwendungen ein ständiger Internetzugang benötigt wird haben wir den Fokus der Bewertung auf internetkritische Aspekte gelegt. Wir werden daher eine Bewertung zur Sicherheit der Daten durchführen und Aspekte des Datenschutzes durch Google beleuchten. Zum anderem wie die Verfügbarkeit der Applikationen und meiner Daten, und wie angenehm das Arbeiten damit ist. Außerdem werden wir auf die Punkte Ausgereiftheit der Software, sowie den Aspekt der Wirtschaftlichkeit eingehen.

5.1 Datensicherheit / Datenschutz

Wenn Informationen über ein Breitbandnetz ausgetauscht werden, muss zwingend auch der Aspekt der Sicherheit und der Schutz der Daten berücksichtig werden. Gerade kritische Unternehmensdaten könnten in den falschen Kreisen unternehmensschädigende Wirkung haben. Google greift diese Thematik in ihrem Datenschutzbestimmung[29] auf.

Zum Thema Datensicherheit und Datenschutz folgt dort folgender Hinweis:

Wir treffen die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen, um Daten vor unerlaubtem Zugriff, unerlaubten Änderungen, Offenlegungen und Vernichtung zu schützen. Hierzu gehören interne Prüfungen unserer Praktiken der Datenerhebung, -speicherung und -verarbeitung und Sicherheitsmaßnahmen sowie physische Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor unberechtigtem Zugriff auf Systeme, auf denen wir personenbezogene Daten speichern.Wir beschränken den Zugriff auf personenbezogene Daten auf Mitarbeiter von Google, Auftragnehmer und Vertreter, für die diese Informationen zwingend erforderlich sind, um unsere Services bereitzustellen, zu entwickeln und zu verbessern. Diese Personen sind an Vertraulichkeitsverpflichtungen gebunden und es kann zum Ausspruch einer Kündigung sowie einer strafrechtlichen Verfolgung kommen, falls Sie diesen Verpflichtungen nicht nachkommen.

Jedoch wurde Google in der Vergangenheit schon desöfteren von Datenschützern wegen der Vorgehensweise kritisiert. Kritik kam ebenfalls bei der Einführung von Google Mail auf, als Google ankündigte, E-Mails zu scannen, um qualifizierte Werbung schalten zu können. [30]

Die Daten mögen zwar sicher sein, doch wenn man Google Diente benutzt, muss man sich bewusst sein, das alle Daten von Google mitgeloggt und analysiert werden. Im Jahre 2007 ist Google in einem Bericht der Datenschützergruppe Privacy International scharf kritisiert worden. Als einziges aufgeführtes Unternehmen wurde das Verhalten von Google als "datenschutzfeindlich" eingestuft.[31]

5.2 Verfügbarkeit

Da die Applikationen nicht auf dem eigenen PC installiert sind, sondern eine Internetverbindung zur Ausführung der Applikationen notwendig ist, ist eine Bewertung der Verfügbarkeit nur unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit des Internetproviders, sowie der Verfügbarkeit der Google Server möglich.

Die Verfügbarkeit von Google kann mit hochverfügbar, d.h 99,99 Prozent angenommen werden. Ausfälle sollten Einzelfälle bleiben und auch nicht weltweit zur Nichtverfügbarkeit führen. Vom letzten Ausfall waren gerade einmal 14 Prozent der weltweiten Google-Nutzer betroffen. [32]

Die Verfügbarkeit der eigenen Internetanbindung ist abhängig vom jeweiligen Internetprovider und lässt sich schwer pauschalisieren. Meistens sind Ausfälle jedoch durch externe Faktoren bestimmt (Unwetter, Serverausfälle, Leitungsarbeiten) und eher die Ausnahme.

Aus diesem Grunde lässt sich annehmen, dass die Verfügbarkeit der Google Cloud Computing Services als hoch einstufen lassen und man von überall auf der Welt auf seine Daten zugreifen kann. Vorausgesetzt man hat eine funktionierende Internetanbindung.

Für Google Wave treffen hier dieselben Informationen, wie bei den anderen Google- Produkten zu. Jedoch ist es möglich, dass sich Firmen einen eigenen Wave- Server unterhalten und somit eine interne Kommunikation abgekoppelt vom Internet möglich ist, was die Verfügbarkeit der firmeninternen Informationen von Internetstörungen unabhängig werden lässt.

5.3 Performance

Analog zum Bewertungskriterium Verfügbarkeit ist auch die Performance von externen Faktoren abhängig. Zu einem wäre da die Internetanbindung zu nennen. Sicherlich ergeben sich Unterschiede in der Verwendbarkeit der Services, wenn ich mit einem Analog Modem die Services nutzen möchte oder ob ich eine ein, zwei, sechs oder sechzehn Mbit/s DSL Anbindung habe. In den meisten Unternehmen werden Standleitungen mit ähnlichen Geschwindigkeit inzwischen zum Standard gehören. Ebenso ergeben sich durch die Hardware des eigenen Computers signifikante Unterschiede. Jedoch ist anzunehmen, dass die meisten Unternehmen keine Computer mehr im Einsatz haben, die älter als fünf Jahre sind und auch die meisten Privatpersonen aktualisieren Ihren PC in der Regel auf einem aktuellen Stand der Technik. Aus diesem Grunde sollte es keine Performanceeinbußen oder Probleme bei der Nutzung von Google Cloud Computing Services für die Mehrheit der Benutzer geben.[33] Eindeutige Systemvorraussetzungen für die Google Apps wurde von Google nicht veröffentlicht.

Die Performance in Google Wave soll nach seinem Hersteller sehr schnell sein, da Just in Time geschrieben und Daten übertragen werden können. Der Datenaustausch soll zudem durch z.B. Erstellung von Thumbnails bevor ein Foto hochgeladen ist zügiger gemacht werden. Da durch die Zentrale Nachrichtenspeicherung keine einzelne Email inklusive dem vorherigen Verlauf mehr an alle Server geschickt werden muss entsteht hierduch zudem geringerer Traffic, was sich ebendfalls positiv auf die Performance auswirkt.

5.4 Flexibilität / Variabilität

Nachfolgend befindet sich eine Aufstellung von Google Services, die über Optionen je nach Bedarf flexibel eingestellt und genutzt werden können. Diese Angaben beziehen sich auf die kostenlosen Versionen für Privatanwender. Bei den kostenpflichtigen GoogleApps für Unternehmen besteht die Möglichkeit sich zusätzliche Features, wie z. B. größere Postfächer zusätzlich zu den bereits erworbenen Applikationen und Konfigurationen gegen einen Aufpreis zu erwerben.

Bei GoogleMail

  • Postfachgröße von mindestens 7 GB, stetig wachsend
  • senden um empfangen mit diversen E-Mailkonten
  • extra Version für den Aufruf von Smartphones
  • integrierter Messanger GoogleTalk
  • integrierter Reader für E-Mailanhänge[34]

Bei GoogleKalender

  • Synchronisation mit Microsoft Outlook, Apple Ical und Mozilla Sunbird möglich
  • Gemeinsame Nutzung von Kalender mit mehreren Benutzer [35]
  • Offline Betrachtung der Termine möglich

Bei Google Text & Tabellen:

  • Dokumente: Die maximale Größe eines Dokuments beträgt 500 KB. Pro eingebettetem Bild sind weitere 2 MB zulässig.
  • Tabellen: Eine Tabelle kann bis zu 256 Spalten, 200.000 Zellen oder 100 Blätter umfassen - je nachdem, was als Erstes erreicht wird. Für Zeilen gibt es keine Beschränkung.
  • Präsentation: Für Dateien im PPT- und PPS-Format ist eine maximale Größe von 10 MB zulässig. Dateien, die aus dem Web hochgeladen werden, können bis zu 2 MB, per E-Mail gesendete Dateien bis zu 500 KB umfassen.
  • PDFs: Sie können bis zu 10 MB pro PDF von Ihrem Computer und 2 MB aus dem Web in Ihrer Dokumentenliste speichern, insgesamt bis zu 100 PDFs.
  • Es besteht ein Limit von insgesamt 5000 Dokumenten und Präsentationen und 5000 Bildern
  • Es besteht ein Limit von 1000 Tabellen.
  • Keine Macrounterstützung, wie bei Mircosoft Office, implementiert.

[36]

Abb. 14 Google Wave Gadgets im Einsatz
Abb. 14 Google Wave Gadgets im Einsatz

Bei Google Wave
Da Google sein Wave- Projekt Open Source betreibt kann das Programm problemlos erweitert werden. Kleine Makroähnliche Programme zur Kommunikationsfunktion wurden ebenfalls schon vorgestellt. Z.B. ist es in dem Prototyp der Software bereits möglich durch Aktivierung der „Makros“ verschiedene Inhalte zu twittern, in Blogs zu veröffentlichen oder auch simultan zu übersetzen. Diese kleinen Zusatzprogramme können durch einen einfachen Mausklick in das eigene Wave- Programm installiert werden. Es ist denkbar, das es hierzu eine ähnliche Auswahl wie der App- Store von Apple geben wird. Vorgefertigte Formulare werden ebenso leicht zu erstellen sein. Als Beispiel wurden auf der Präsentation für die Gadgets ein Schachspiel, eine Abstimmung, sowie eine aus Google Maps eingebundene Karte präsentiert (siehe Abbildung 14).

5.5 Ausgereiftheit der Software / Beta- Status

In der Softwareentwicklung spricht man von einem Beta-Status bei einem Softwareprodukt, wenn es sich um eine unfertige Version handelt.[37]. In der Regel werden Softwareprodukte zu Testzwecken veröffentlicht. Der Nutzen eines Betatests besteht darin, dass Fehler, die erst in der Praxis auftreten, schon vor der finalen Version des Programms zu erkennen und zu beheben.

Wenn man diesen Grundsatz bei Google's Cloud Computing Services zu Grunde legt, befinden sich alle Applikationen mit Ausnahme der Fotoanwendung Picasa noch im Langzeit-Betatest. Zum Beispiel GoogleMail wurde 2005 eingeführt, GoogleDocs 2006 und beide Applikationen befinden sich seit Einführung in einer öffentlichen Betaphase. Anders als bei Microsoft nimmt sich Google die Freiheit nach und nach neue Funktionen in ihre Applikationen zu implementieren ohne eine Art "Service Pack" einspielen zu müssen.

Die Funktionalität der Applikationen wird durch den Beta-Status nicht beeinträchtigt. Es bleibt abzuwarten wie und wann die Applikation GoogleWave der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird. Google Wave kombiniert die meisten GoogleApps zu einer großen Applikation und könnte damit einen weiteren großen Schritt für Google im Bereich der Cloud Computing Services bedeuten.

5.6 Wirtschaftlichkeit

Abb. 15 Überblick Kosten GoogleApps Standard / Professional, Google Apps
Abb. 15 Überblick Kosten GoogleApps Standard / Professional, Google Apps

Ähnlich wie bei Ihrer Suchmaschine finanziert Google ihre Cloud Computing Services über Werbung. So können dem Privatanwender kostenlos die verschiedenen Softwareangebote zur Verfügung gestellt werden.

Bei den Google Apps unterscheidet Google zwischen dem Standard und Professional Paket für Unternehmen. Im Standardpaket sind 50 kostenlose Benutzerkonten enthalten. Jedoch muss man Einbußen wie z. B. beim E-Mailkonten Speicher oder beim Support in Kauf nehmen. Der volle Funktionsumfang steht Unternehmen bei dem Professional Paket zur Verfügung. Jedoch fallen hier jährliche Kosten von 40 Euro pro Benutzerkonto an.[38]

Die wirtschaftlichen Grundargumente für Cloud Computing sind ebenso bei Google vorhanden. Durch Nutzung von Googlemail können beispielsweise eigene Exchange und Storage- Server entfallen, da die Emails von Google gehostet werden. Damit wird nicht nur das Material, sondern auch die Arbeitskraft in Form von Administratoren oder IT- Betreuern gespart. Sicherheitsinfrastruktur, sowie Einsparung von Energiekosten und Raummieten, sowie spezielle Raumausstattung und Wartung fallen zudem schwer ins Gewicht. Firmen, deren Geschäftsmodell nicht den IT- Bereich betrifft fällt es dadurch leichter sich auf Ihre Kernkompetenzen zu besinnen und müssen kein Rechenzentrum betreuen, dass möglicherweise nicht vollständig ausgelastet ist.

6 Analyse / Google's Cloud Computing in der Praxis

6.1 Business

Im Businessbereich ist bei der Implementierung neuer Technologien die Sicherheit oftmals eine der wichtigsten Prioritäten.[39] Dies könnte ein Grund sein, warum die aktuellen Cloud Computing Produkte bisher von den meisten Firmen ungenutzt geblieben sind. Desweiteren bemängeln IT- Verantwortliche den angehenden Kontrollverlust.[40] Bei der Einführung der Cloud Computing- Produkte in eine bestehende IT- Infrastruktur bestehen zudem Hemmnisse die aktuellen Dienstprogramme und Daten in die Cloud- Struktur zu integrieren. Viele Firmen verbieten es in Ihren IT- Policys gänzlich Firmeninterne Daten extern zu speichern. Dieses Problem begegnet Google mit seinem Wave Open Source Projekt, bei dem jede Firma ähnlich einem Exchange- Server einen eigenen Wave- Server bereitstellen kann, bei dem in internen Gesprächen auch keine Informationen ausserhalb des Firmennetzes gesandt werden. Hierbei wird natürlich nicht der größte Kostenvorteil von Cloud Computing genutzt seine eigene Serverlandschaft zu verkleinern. Jedoch kann mit die der Cloud Computing- Lösung zumindest eine Einsparung im Bereich der Client- Lizenzen, sowie der Nutzung der neuen zentralen Kommunikation genutzt werden.

Ein weiteres Hemmnis für den Einsatz von Googles Apps im Businessbereich betrifft den kleineren Funktionsumfang der Programme. Wichtige Funktionen aus Microsoft Office, die gerade in großen Unternehmen benutzt werden müssen bietet der Softwareumfang der Apps nicht, der zudem seit Jahren im Beta- Status verharrt.[41] Ein großes Problem stellt dann der Austausch der Dateien dar, die nicht mit den Google- Produkten bearbeitet werden können. Kundenfreundlich ist definitiv eine kleine Auswahl an möglichen Speicherorten. Somit wäre es umständlich eine Microsoft- Project Datei von einem normalen Netzlaufwerk zu öffnen und die Präsentation des entsprechenden Projektes in den Google Apps gespeichert zu haben. Zudem wird der IT- Support bei höheren Kundenanforderungen an die Textverarbeitung immer zu lokal installierten Programmen ausweichen müssen, da Änderungen bei Google nur durch Google selbst vorgenommen werden können.

Ein großer Vorteil der App- Nutzer ist der leichte Austausch der Firmendaten, der jedoch gleichzeitig einer der größten Nachteile ist. Das Firmeninterne Storage von Dateien verhindert zumindest versehentliche Dateifreigaben an dritte Unbeteiligte.

Weiteres Hemmnis für die Nutzung von Google Apps ist der rein englische Kundensupport.

Zusammengefasst könnten die Google Apps für kleinere Firmen, die keine großen Ansprüche an die Programme stellen eine kostengünstige Alternative zu sein. Für große Firmen mit entsprechenden IT- Richtlinien könnte dagegen die neue Wave- Technologie interessant werden.

6.2 Privatanwender

Für Privatanwender sind Googles Cloud Computing Produkte unter verschiedenen Gesichtspunkten interessant. Zum einen fallen keine Lizenzgebühren wie bei Microsoft Office an, zum anderen sind die Funktionen von jedem Rechner verfügbar. Durch die Speicherung „in der Wolke“ wird zudem eine hohe Datensicherheit gewährleistet, so dass wichtige Daten auch einen Festplattendefekt überleben. Da Privatanwender zudem oft keine zu hohen Anforderungen an den Datenschutz stellen und in der Regel Einzeluser sind, sinkt die Hemmung sich für einen Dienst bei Google anzumelden. Dies zeigt auch schon die große Gmail- Useranzahl von über 100 Millionen Nutzern.[42]

Zum anderen bieten gerade das Zusammenspiel zwischen GoogleMail und GoogleKalender einen kostenlosen Exchangeersatz für Privatanwender die mehrere Computer oder ein Smartphone wie das Apple Iphone ihr Eigen nennen. GoogleMail ist einer der weniger Freemailanbieter die kostenlos die IMAP-Technologie anbieten. Mails die bereits auf einem Endgerät gelesen oder gelöscht wurden, werden auch auf dem nächsten Endgerät nicht mehr angezeigt. Ebenfalls die kostenlose Anwendung Picasa, mit denen Privatanwender die Möglichkeit bekommen, eine kostenlose Bildverwaltungssoftware benutzen zu können und so Bilder des letzten Geburtstagen oder von Weihnachten der Verwandtschaft als Webalbum zur Verfügung stellen zu können. GoogleTalk, Google's Messanger und Videochat Software wendet sich ebenfalls ähnlich wie Skype, ICQ oder MSN eher an die Zielgruppe "Privatnutzer". Mit Hilfe von GoogleTalk kann man zeitnah mit seinen Freunden chatten und Informationen austauschen.

Interessanter als die bestehenden Produkte könnte auch hier Google Wave werden. Aufgrund der angewachsenen Kommunikationsplattformen im Internet kann Wave als "Sammelprogramm" dem privaten User viel Arbeit bei dem Besuch der einzelnen Homepages, sowie bei der Zusammenlegung diverser Account behilflich sein. Google könnte mit dem Programm sämtliche Web 2.0 Anwendungen "one face to the customer" bündeln, wenn es Ihnen gelingt durch Ihre Macht im Internet die verschiedenen Onlineangebote unter einen Hut zu bringen. Die Nachfrage im Privatbereich dürfte für Wave sehr groß sein.

7 Fazit

Kaum ein Thema wird in der IT- Branche derzeit so stark diskutiert wie Cloud Computing. Während viele IT- Manager der neuen Technik sehr reserviert gegenüberstehen glauben andere an den Großen Durchbruch in ein paar Jahren.[43] Fest steht, dass im SaaS Anwenderbereich bereits seit Jahren auf Cloud-Möglichkeiten zurückgegriffen wird. Auch Google war bereits vor dem Cloud Computing Hype in dem Segment aktiv. Für Privatanwender dürfte der weitere Ausbau der Cloud- Computing Angebote sehr interessant erscheinen, zumal hier die Datenschutzbedenken kleiner sind als im Geschäftlichen Bereich. Eine große Abhängigkeit des Erfolgs von Cloud Computing liegt ganz klar in der Leistungsfähigkeit des Netzes. Zwar sind DSL- Anschlüsse in den Haushalten in der Regel Standard, um sein Fotoarchiv in die Wolke zu laden benötigt man jedoch immer noch Geduld.

Das Hauptargument auf der Business- Seite dürften Sicherheitsbedenken bleiben. Ist ein Hackerangriff heutzutage gegen eine gut geschützte Firmenfirewall nahezu ohne Aussicht auf Erfolg ist das hacking von Benutzern im Internet wesendlich leichter, nicht zuletzt durch zu einfache Kennwortvergabe. Der Mangelnde Funktionsumfang von Googles Text & Tabellen wird auch weiterhin Business- Nutzer abhalten. Zwar geht der Trend immer mehr zum Homeofficearbeiter, der eigentlich eine Unterstützung zu Cloud- Computing sein könnte, auf der anderen Seite gehört ein VPN- Tunnel auf einem Firmenlaptop bei vielen großen Firmen bereits zur Standardausstattung.[44]

Interessant wird die Zukunft der Neuentwicklung Wave werden. Durch bisher einzigartige Online- Zusammenarbeit sowie praktische Tools könnte Google damit die Email 2.0 erfinden. Durch Live- Übersetzung und Kompatiblität zu anderen Netzwerken könnte Waves der Durchbruch für eine neue Welt der Kommunikation werden, bei selbst Sprachbarrieren durchbrochen werden können und eine neue Form der internationalen Online- Zusammenarbeit entstehen kann. Da im Gegensatz zu den heutigen Cloud- Computing Angeboten die Firmen einen eigenen Wave- Server hosten können und dennoch eine Kommunikation zu externen Wave- Nutzern möglich ist dürften auch Datenschutzbedenken ausgeräumt werden. Die Zukunftsfähigkeit der Wave- Technologie hängt jedoch stark vom Benutzerkreis (wenig User = wenig Erfolg) sowie der Kompatiblität mit aktuellen Kommunikationsformen zusammen. Durch die offene Programmierschnittstelle könnte Google auch bestehende Produkte wie Skype, Communities wie Studivz oder Facebook, Messenger wie MSN oder ICQ und schließlich Office- Produkte wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und andere in Wave integrieren. Dem Produkt selbst sind dann keine Grenzen mehr gesetzt. Schließlich gibt es eine schier unendliche Liste mit möglichen Features die das neue System haben könnte. Diesen Trend bestätigt auch eine von Web.de in Auftrag gegebene Studie, die das Surfverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener durchsucht hat. Eine Bündelung verschiedener Dienste wurde hier durch eine Toolbar versucht.[45][46]

Wahrscheinlich ist es jedoch, dass Cloud Computing, sowie Cloud Computing Services nie den Computer- Client ersetzen kann. Zu stark werden diese personalisiert. Die Zukunft des Cloud Computing wird wahrscheinlich als Ergänzung zu den heutigen "offline-Programmen" benutzt. Letztendlich muss auch immer ein Client Computer vorhanden sein um auf die Cloud- Dienste zugreifen zu können.

Google wird mit ziemlicher Sicherheit mit dem Cloud- Computing- Markt wachsen wollen. Sollten die eigenen Produkte Apps und Wave dabei nicht erfolgrich sein, kann man davon ausgehen, das das Unternehmen sich durch Zukäufe in diesem Markt etabliert. Als bestes Beispiel steht hier die Übernahme von Youtube nach dem flop des eigenen Videoportals Google Video.

8 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
01Google Firmenlogo
02Logo GoogleMail
03Logo GoogleKalender
04Logo GoogleDocs
05Logo GoogleSites
06Logo GoogleMaps
07Logo GooglePicasa
08Logo GoogleWave
09Vorschau auf Google Wave während der Präsentation auf der Google I/O Konferenz
10Überblick Cloud Computing Architektur
11Schema Cloud Computing
12Cloud Arten
13Bestandteile der Google Apps Premium Edition
14Google Wave Gadgets
15Überblick Kosten GoogleApps Standard / Professional

9 Fußnoten

  1. http://www.google.de/tenthbirthday/#start
  2. http://marketshare.hitslink.com/search-engine-market-share.aspx?qprid=5
  3. http://marketshare.hitslink.com/mobile-phones.aspx?qprid=57&sample=32
  4. http://www.google.com/intl/en/press/pressrel/revenues_q408.html
  5. http://netzwertig.com/2008/11/26/studie-viele-deutsche-kennen-google-reader-und-docs-wenige-nutzen-es/
  6. http://www.pcwelt.de/start/gaming_fun/archiv/102572/googeln_schafft_es_in_den_neuen_duden/
  7. http://www.google.de/intl/de/corporate/index.html
  8. http://www.google.de/intl/de/corporate/features.html
  9. http://mail.google.com/mail/help/intl/de/about.html
  10. http://www.google.com/intl/de/googlecalendar/about.html
  11. http://www.google.com/google-d-s/intl/de/tour1.html
  12. http://www.google.com/sites/help/intl/de/overview.html
  13. https://www.google.com/accounts/PurchaseStorage?hl=de
  14. http://wave.google.com/
  15. http://www.computerwoche.de/knowledge_center/software_infrastruktur/1856879/
  16. http://www.manager-magazin.de/it/cio-spezial/0,2828,582750,00.html
  17. http://www.computerwoche.de/knowledge_center/software_infrastruktur/1860108/
  18. http://www.circleid.com/posts/20090306_cloud_computing_types_public_hybrid_private/
  19. http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,576477,00.html
  20. http://labs.google.de/
  21. http://wave.google.com/
  22. http://www.googlewatchblog.de/2008/04/12/karte-von-googles-rechenzentren-rund-um-die-welt/
  23. http://www.golem.de/showhigh2.php?file=/0904/66376.html
  24. http://www.computerzeitung.de/articles/software_as_a_service_krempelt_den_groupware-markt_um:/2009019/31911094_ha_CZ.html
  25. http://www.google.de/intl/de/options/
  26. http://netzwertig.com/2008/05/14/platform-as-a-service-das-naechste-it-schlachtfeld/
  27. http://code.google.com/intl/de-DE/appengine/docs/whatisgoogleappengine.html
  28. http://code.google.com/intl/de/appengine/
  29. http://www.google.de/privacypolicy.html
  30. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17108/1.html
  31. http://www.golem.de/0706/52790.html
  32. http://www.zdnet.de/news/digitale_wirtschaft_internet_ebusiness_netzwerkfehler_verursacht_weltweiten_google_ausfall_story-39002364-41004107-1.htm
  33. http://bitkom.de/de/presse/59551_59076.aspx
  34. http://mail.google.com/mail/help/intl/de/about.html
  35. http://www.google.com/intl/de/googlecalendar/about.html
  36. http://docs.google.com/support/bin/answer.py?answer=37603&cbid=-fn9pnn4963nz&src=cb&lev=answer
  37. http://www.at-mix.de/beta.htm
  38. http://www.google.com/a/help/intl/de/admins/editions.html
  39. http://www.heise.de/security/Deutsche-Firmen-nehmen-IT-Sicherheit-wichtig--/news/meldung/38295
  40. http://www.linux-magazin.de/Online-Artikel/IDC-Studie-zur-Nutzung-von-Cloud-Computing-in-Deutschland
  41. http://www.computerwoche.de/nachrichtenarchiv/599312/
  42. http://www.ft.com/cms/s/0/fc3d8a86-02a0-11de-b58b-000077b07658.html?nclick_check=1
  43. http://www.cio.de/knowledgecenter/rm/875431/index1.html
  44. http://www.channelpartner.de/knowledgecenter/management_karriere/253381/
  45. http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2008/10/26/web-de-will-web-2-0-zentrale-werde.aspx
  46. http://presse.web.de/de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/8187190.html

10 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
APIApplication Programming Interface
CCCloud Computing
GBGigabyte
IaaSInfrastructure as a Service
IMAPInternet Message Access Protocol
PaaSPlattform as a Service
SaaSSoftware as a Service
Persönliche Werkzeuge