Analyse und Bewertung Cloud Computing Strategie der Firma IBM
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1 Titel
| Name des Autors / der Autoren: | Philipp Mischke, Sascha Kappmeier, Michael Klein |
| Titel der Arbeit: | "Analyse und Bewertung Cloud Computing Strategie der Firma IBM" |
| Hochschule und Studienort: | Fachhochschule für Oekonomie und Management in Düsseldorf |
2 Einleitung
Cloud Computing ist in aller Munde – und das seit einigen Jahren. Um sich auf einem Markt behaupten zu können, der durch sich ständig ändernde Anforderungen geprägt ist, muss ein Unternehmen jederzeit flexibel reagieren können. Diese Anforderungen gelten auch für die IT, welche durch die unterschiedlichsten Meilensteine der IT-Revolution unterstützt wurden. Besonders zu erwähnen sind hier der Mobilfunk, Breitband-Internet sowie PC-Absatz und Prozessorleistung, welche alle auf ihre Art die Flexibilität und Verfügbarkeit von IT-unterstützten Unternehmensprozessen verbesserten. Im Bereich der Rechenzentren gab es in der Vergangenheit nur wenig Innovationen. Meistens gingen diese mit der allgemeinen Entwicklung der IT einher, was sich insbesondere in mehr Leistung, Ausfallsicherheit und Netzanbindung widerspiegelte[1].
Diese entsprechende Flexibilität soll durch Cloud Computing ermöglicht werden. Dabei übernimmt nicht mehr der einzelne Server oder Cluster eine dedizierte Aufgabe, sondern er stellt Rechenleistung für die einzelnen Applikationen zur Verfügung. Dies ermöglicht den Unternehmen, neue Leistungen sehr dynamisch zur Verfügung zu stellen, Hardware zu warten oder neue Applikationen bereitzustellen. Dadurch besteht auch die Möglichkeit, Rechenleistung mit anderen Unternehmen zu teilen, anstatt einzelne Server zu mieten oder zu kaufen wie dies im klassischen Rechenzentrum der Fall ist. Damit einher geht außerdem die Möglichkeit der Aufwand bezogenen Abrechnung, bei der die tatsächlich benötigten Ressourcen und Rechenleistung werden anstatt einzelner Server, welche nicht vollständig ausgelastet sind, abgerechnet werden[2].
Die Methoden zur Umsetzung von Cloud Computing unterscheiden sich bei den unterschiedlichen IT-Anbietern teilweise erheblich und integrieren bereits bekannte Konzepte wie Virtualisierung oder ThinClients unter dem Sammelbegriff Cloud Computing. Insbesondere diese Begebenheit macht es so schwer, die einzelnen Produkte der unterschiedlichen Anbieter miteinander zu vergleichen und die optimale Lösung für das eigene Unternehmen zu finden[3].
Im Rahmen dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, was IBM unter Cloud Computing versteht, welche Strategie dahinter steht und wie diese Lösungen nach unseren Kriterien an Cloud Computing zu bewerten sind. Da IBM auf Unternehmen als Kunden abzielt, richten sich auch die Bewertungsmaßstäbe hauptsächlich an den Bedürfnissen der Unternehmen aus.
Im Kapitel der Grundlagen wird unabhängig von IBM die Technologie Cloud Computing beschrieben. Dies gilt als Basis für die einzelnen Bewertungskriterien der Cloud Computing-Strategie welche in Kapitel 4 definiert werden.
Ausgangspunkt für die Analyse sind das Unternehmen IBM und die allgemeine Strategie, die in Kapitel 5 näher dargelegt werden. Dies ist die Basis für IBMs Cloud Computing-Strategie sowie Marketing-Aktivitäten und damit die unternehmenseigene Definition und Umsetzung von Cloud Computing wie in Kapitel 6 beschrieben. Aufbauend hier drauf werden in Kapitel 7 die auf einzelnen Cloud Computing basierten Produkte aufgelistet und erklärt.
Die Bewertung anhand der aufgezeigten Bewertungskriterien liegt in Kapitel 8 vor, die dann in das Fazit und einem kurzen Ausblick in Kapitel 9 übergeht. Dort wird beschrieben, in welchem Umfang und Qualität IBM eine Cloud Computing-Strategie nach den von uns in Kapitel 4 zu Grunde gelegten Kriterien erfüllt.
3 Grundlagen Cloud Computing
3.1 Definition
Für den Begriff Cloud Computing gibt es aufgrund des noch recht jungen Alters und der Komplexität noch keine allgemeingültige Definition. Es kann jedoch als das Verwenden von Computer Technologie, welche sich die Leistung vieler vernetzter Computer zunutze macht, während die Struktur dahinter im Verborgenen liegt, beschrieben werden[4].
Die Herkunft des Wortes „cloud“ kann also auf die verborgene Natur dieser Technologie zurückgeführt werden. Der Benutzer, der mit einem solchen System arbeitet hat keine Idee, welche Komplexität sich dahinter verbirgt. Das Einzige, womit der Benutzer sich befassen muss, ist der Client oder der Terminal-Computer und ob dieser mit dem Internet verbunden ist, damit er Zugriff auf die Applikationen hat, die die Cloud zur Verfügung stellt[5].
3.2 Idee
Ein großer Nutzen dieses Konzeptes ist, dass der Benutzer keinen sehr leistungsstarken Computer mehr benötigt, um komplexe Aufgaben zu bewältigen, wie es Serverfarmen können. Stattdessen spielt die Bandbreite der Verbindung des Benutzers zur Cloud und der Cloud selber eine grössere Rolle. Über diese Breitbandverbindung können alle Benutzer weltweit die Vorteile dieser Rechenleistung nutzen, ohne das technisches know-how von Nöten ist[6].
Seit dem dieses Konzept zu den Zeiten der Mainframes in den 60er Jahren entwickelt wurde, wurde es erst durch die Investitionen in die Breitband-Infrastruktur der 90er Jahre zu dem, was Cloud Computing heute leistet und ermöglicht[7].
3.3 Schlüssel Charakteristika
Das Kern-Element von Cloud Computing ist die Serverstruktur, welche das Gehirn dieser Arbeitsumgebung ist. Sie spielt damit eine wichtige Rolle, was aber nicht bedeutet, dass die Hardware der Serverumgebung zwangsläufig zum High-End-Bereich gehören muss. Stattdessen ist einer der Hauptvorteile dieser Technologie, die Fähigkeit die Leistung von einer Vielzahl günstiger Server zu nutzen, als von wenigen Hochleistungsservern, was den Organisationen ermöglicht schneller ihre Serverumgebungen anpassen zu können[8].
Die Tatsache, dass alle Client-Informationen und Daten in der Cloud gelagert sind, ermöglicht ein recht einfaches Verwalten der Client-Hardware, da diese schnell austauschbar sind. Das Austauschen von Serverhardware und sonstigen Wartungsarbeiten ist genau so einfach, da es dadurch nicht zum Ausfall der Cloud kommt. Bei solchen Prozessen werden lediglich Teile der Rechenkapazität zeitweise verringert[9].
Die Serverfarmen benötigen sehr viel Leistung, weshalb eine sichere Stromversorgung gegeben sein muss. Aus diesem Grund bevorzugen die Betreiber oftmals Städte oder Regionen in denen auch ein Kraftwerk vorhanden ist. Ebenfalls ist eine ausgefeilte Kühlanlage notwendig, um die Maschinen bei einer optimalen Temperatur arbeiten zu lassen. Durch die zu übertragene Datenmenge ist auch eine ständige Backbone-Verbindung zum Internet notwendig, um die Dienstleistungen zu gewährleisten[10].
Die Energie-Effizienz einer Serverfarm ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Zum einen spielen hier Image-Aspekte der Organisation im Bezug auf die Umwelt eine Rolle, zum anderen ist es wichtig Kosten-Effizient zu sein und Energie-Kosten nicht durch ineffiziente Klimaanlagen zu verschwenden, um die oben erwähnte optimale Temperatur zu erreichen[11].
3.4 Allgemeine Vorteile
Jedes Unternehmen ist daran interessiert kosteneffizient und flexibel zu sein. Die Cloud Computing Technologie unterstützt dieses Streben, da große Investitionen in Infrastruktur aus der Bilanz entfernt werden und das Risiko dadurch minimiert wird. Desweiteren können Kapazitäten schneller den Gegebenheiten angepasst werden, als bei "in House"-Lösungen[12].
Die meisten der Unternehmen die Cloud Computing Dienstleistungen anbieten, tun dies unter bestimmten Service Level-Angeboten. Diese Sogenannten "Service Level Agreements" (SLA) legen dem Dienstleister eine bestimmte Erreichbarkeit oder Unterstützungspflicht auf. Hierdurch erlangt der Kunde eine bessere Kontrolle und Handhabe bei entstandenen Schäden durch Ausfälle[13].
Durch die zentrale Datenhaltung wird die Zusammenarbeit verbessert, da Cloud-Dienste das gemeinsame Arbeiten an ein und demselben Dokument ermöglichen, wodurch die Produktivität von Teams gesteigert wird[14].
Da bedingt durch die Globalisierung, die Energiekosten die letzen Jahre stark angestiegen sind, ist eine effiziente Nutzung der Energie immer wichtiger. Eine Vielzahl Server zentral in einem Data Center zu halten, erleichtert es Maßnahmen dafür umzusetzen. Ein Beispiel hierfür sind Server, die zentral gesteuert, in einen Stromsparmodus versetzt werden, wenn nicht alle Kapazitäten benötigt werden[15].
3.5 Geschichte
Das Konzept des Cloud Computings ist nicht neu. Der Beginn von dem, was heute als solches verstanden wird, kann auf die Mainfraime-Zeiten der 60er Jahre zurückgeführt werden. Damals wurde die Idee des „utility computing“ von Wissenschaftlern des MIT und dem Turing Award Gewinner John McCarthy geprägt, was das Bereitstellen von Rechenleistung als Versorger beschreibt. „Utility Computing“ wurde dann zum großen Geschäft für Unternehmen wie IBM. Das Konzept sah vor, Rechenleistung so herunter zu brechen, dass messbare Einheiten für Unternehmen kostenpflichtig bereit gestellt werden können. Nicht anders, als bei Energie- oder Telekommunikations-Unternehmen[16].
Als die "Personal Computer" immer weiter verbreitet waren und in den Unternehmen an fast jedem Arbeitsplatz zu finden waren, wurde "utility computing" zu einer operationalen Extravaganz, die kaum noch ein Unternehmen benötigte. Das hing ebenfalls damit zusammen, dass der PC bezahlbarer und immer leichter zu bedienen war. Ein weiterer Grund für das Schwinden dieses Konzepts war die Limitierung von Bandbreite und Festplattenkapazität, die eine Einschränkung darstellten. Die Infrastruktur für diese Art von Technologie war noch nicht gegeben, wie sie heute für Cloud Computing zur Verfügung steht[17].
3.6 Public Clouds
Public Clouds sind cloud-Dienste, die von einem externen Dienstleister bereit gestellt werden. Sie existieren hinter der Unternehmens-Firewall und sie werden vollständig vom Dienstleister versorgt und verwaltet. Public clouds streben danach, die Konsumenten sorgenfrei mit IT-Elementen zu versorgen. Ob Software, Anwendungs-Infrastruktur oder physikalische Infrastruktur, der Cloud-Betreiber trägt die Verantwortung für Installation, Verwaltung, Versorgung und Wartung. Kunden kommen somit nur für die Ressourcen auf, die sie in Anspruch nehmen, wodurch eine Unterauslastung durch eigene Ressourcen vermieden wird. Meist werden diese Dienste nur mit vorher vereinbarten Konfigurationen angeboten, um allen möglichen Anwendungsfällen gerecht zu werden. Dadurch steht meist ein kleineres Sett an Optionen zur Verfügung, als wenn die Ressourcen unter der eigenen Kontrolle ständen[18].
3.7 Private Clouds
Private Clouds sind Cloud-Dienste die innerhalb des Unternehmens bereit gestellt werden. Diese Clouds existieren innerhalb des Firmennetzwerkes und werden auch von dem Unternehmen selbst verwalten. Diese Clouds besitzen alle Vorteile, die auch public Clouds besitzen, jedoch mit einem grossen Unterschied: Das Unternehmen trägt die Kosten für die Anschaffung und für die Wartung der Cloud. Die Schwierigkeiten und die Kosten einer internen cloud können manchmal untragbar sein und die Kosten der Instandhaltung übertreffen meist die Kosten, die durch das Benutzen einer public Cloud anfallen. Doch private Clouds bieten auch Vorteile gegenüber den public Clouds. Eine feinere Kontrolle über die verschiedenen Ressourcen ermöglicht den Zugriff auf alle möglichen Konfigurationen. Desweiteren ist eine private Cloud besser geeignet, wenn die Arbeit eines Unternehmens, aus Sicherheitsbedenken, eine public Cloud nicht zulässt[19].
3.8 Hybride Clouds
Hybride Clouds sind eine Kombination von public und private Clouds. Diese Clouds werden typischerweise vom Unternehmen aufgebaut und die Verantwortlichkeit des Managements liegt darin, diese zwischen Unternehmen und einem Betreiber von public Clouds zu teilen. Diese hybriden Clouds stellen Dienste beider Cloud-Arten zur Verfügung, der private- und der public Clouds. Dadurch kann ein Unternehmen die Ziele und die Anforderungen eines Dienstes abgrenzen und diese entsprechend durch die private- oder die public Cloud umsetzten und erreichen. Eine gut durchdachte hybride Cloud kann unternehmenskritische Prozesse, als auch sekundäre Prozesse, sicher bereit stellen. Ein Nachteil dieser Cloud-Art ist die Schwierigkeit sie effektiv zu gestalten und zu steuern. Dienste unterschiedlicher Quellen müssen so erreichbar und versorgt sein, als würden sie aus einer einzigen Quelle stammen. Doch die nötigen Interaktionen zwischen private- und public Cloud-Komponenten erschweren diese Implementierung, wie in Abbildung 1 gezeigt[20].
3.9 Häufige Terminologien
3.9.1 Virtualisierung
Durch Virtualisierung wird eine Abstraktionsschicht erzeugt, die die physische Hardware vom Betriebssystem trennt. Somit ist es möglich, mehrere Virtuelle Maschinen(VM) auf einem physischen Computer parallel und isoliert auszuführen. Dadurch werden Ressourcen flexibler und effektiver genutzt. Jeder VM wird ein Hardwaresatz simuliert, auf dem das Betriebssystem ausgeführt wird. Unabhängig von der tatsächlich gegebenen Hardware, erkennt jede VM einen konsistenten und normalisierten Hardwaresatz. Die Komponenten einer VM sind in eine Datei gekapselt, wodurch sie schnell kopiert oder bereitgestellt werden können. Komplett konfigurierte Server können somit innerhalb von Sekunden von einer physischen Maschine auf eine andere verschoben werden ohne dabei Ausfallzeiten zu erzeugen [21]. Derzeit gibt es zwei Möglichkeiten, wie Virtualisierung realisiert wird. Einmal durch eine Software, installiert auf einem Hauptbetriebssystem und einmal direkt auf Hardwareebene. Hierbei werden die primären Virtualisierungskomponenten, genannt Hypervisor, mit deren Hilfe die grundlegende Partitionierung von Computer-Systemen in logische Partitionen(LPAR) durchgeführt wird, direkt auf der Hardware ausgeführt[22].
3.9.2 Back Office
Dies beschreibt im Allgemeinen die Herausgabe der Technologie-Aufgaben von z.B. Softwareunternehmen. Diese müssen sich dann weder um Infrastruktur noch um neue Technologien kümmern und können ihre Energie auf die Entwicklung ihrer Produkte oder Dienstleistungen fokussieren[23].
Ein Beispiel hierfür ist die Web Services Plattform von Amazon, welche bereits zugänglich ist. Diese zielt auf kleine Online-Shop Entwickler ab, die Ihren Dienst dort online stellen können. Sollte so ein Shop Erfolg haben und mehr Kapazitäten benötigen, dann ist Amazon der Gewinner[24].
3.9.3 Web 2.0
Web 2.0 ist ein umfassender Begriff, wird jedoch meist mit sozialen online Netzwerken in Verbindung gebracht, mit denen sich Nutzer mitteilen können. Bei sozialen Netzwerken handelt es sich um Nutzer, die über Ihre Beziehungen mit anderen Nutzern oder Dingen verbunden sind[25].
3.9.4 Infrastructure as a Service (IaaS)
"Infrastructure as a Service" verpackt Computer-Ressourcen, wie Rechenleistung und Speicherplatz, zu einem messbaren Dienst, ähnlich wie ein Energieversorger. In diesem Modell zahlen Kunden so viel oder so wenig, wie an Rechenleistung oder Speicherplatz benötigt wird. Unternehmen mit hohen Bedarfsspitzen gefolgt von langen normalen Bedarfsperioden profitieren besonders von diesem Modell, da die höheren Kosten nicht permanent anfallen, um den Bedarfsspitzen gerecht zu werden, wie es im Falle von eigenen Servern wäre. Hauptsächlich werden diese Dienste in Form von virtuellen Servern genutzt, welche beim jeweiligen Betreiber ausgefürt werden. Anstatt in eine eigene Infrastruktur zu investieren, erhalten Kunden solcher Dienste dadurch eine "pay-as-you-go" Lösung[26].
3.9.5 Software as a Service (SaaS)
Auf der Seite der Sofwareenticklung im Bezug auf Cloud Computing ist SaaS das meist bekannte Konzept, für das Bereitstellen von Software-Diensten. Mit Hilfe von SaaS kann eine Applikation vom Betreiber-Server aus tausenden von Benutzern zur Verfügung gestellt werden. Kunden zahlen somit nicht für die Software selbst, sondern nur für die Nutzung dieser. Jede Organisation, die solche Dienste nutz stellt, somit einen Mieter dar, wodurch dieses Konzept eine Mehrfach-Mieter-Achitektur darstellt. Die Betreiber-Server sind dabei so virtualisiert, dass jede Organisation mit einer individuellen virtuellen Instanz einer Applikation arbeitet. Für SaaS-Kunden sind keine Investitionen in Server oder Software-Lizenzen mehr nötig oder Wartungsarbeiten durch das Einspielen von Updates. Diese Aufgabe liegt beim Betreiber, der jedoch den Vorteil hat, diese zentral für alle Kunden zu warten[27].
3.9.6 Platform as a Service (PaaS)
"Platform as a Service" bezieht sich auf das Mieten von Server Technologie, um dessen Ressourcen zur Entwicklung zu nutzen. Viele kleine Unternehmen benötigen eine Plattform, um Ihre Applikationen anzubieten (SaaS). PaaS bietet diesen Unternehmen die Möglichkeit, dies ohne die Investition in eigene Hardware zu tun [28]. PaaS beinhaltet gleichzeitig Entwicklungsumgebungen mit fertigen Komponenten, welche für die eigenen Applikationen genutzt werden können[29].
3.9.7 Thin Client
Thin Client ist die Bezeichnung für ein Terminal, das mit der Cloud verbunden ist. Hierbei kann es sich um einen PC, ein Mobil-Gerät oder Software handeln. "Thin" meint hierbei, dass ein Client nicht viel Rechenleistung für sich selbst benötigt, wenn dieser mit der Cloud verbunden ist[30].
3.9.8 Workload Migration
Workload Migration ist ein Konzept um die Technologie der Serverfarmen zu optimieren. Ziel ist dabei, die Effizienz im Bezug auf Daten und Energie zu steigern. Einige Cloud Computing Unternehmen bieten Dienstleistungen an, um andere Unternehmen, die private Clouds betreiben, in diesem Bereich zu unterstützen[31].
3.9.9 Serverfarm
Eine Serverfarm ist ein Cluster aus Computern, deren einziger Sinn darin besteht, ihre Rechenleistung zur Verfügung zu stellen. Diese Rechenleistung wird dadurch kombiniert und übersteigt die Leistung eines Einzel-PCs. Ein Beispiel, wie Serverfarmen schon länger benutzt werden, ist das Webhosting für individuelle Webseiten. Optimal für eine Serverfarm ist es, in der Nähe einer sicheren Energieversorgung untergebracht zu sein. Daher werden diese meist in Städten gebaut, in denen sich ein Kraftwerk befindet. Durch eine eigene Anbindung an dieses, wird dann die Energieversorgung gewährleistet. Ein weiteres wichtiges Element ist die Kühlung einer Serverfarm. Diese wird oft durch konventionelle Klimaanlagen erreicht oder durch Wasserkühlanlagen. Aus Energie-Effizienzgründen wurden jedoch schon die ersten Serverfarmen in gegenden mit kaltem Klima gebaut, um dieses Problem zu umgehen[32].
3.9.10 Utility Computing
Dieser Begriff beschreibt die Serviceform eines Cloud Computing-Unternehmens, welches seine Dienste auf die selbe Art und Weise anbietet, wie ein Energie Versorger. Dabei kommen die selben tariflichen Abrechnungmöglichkeiten zum Einsatz. Viele Cloud Anbieter haben interesse an diesem Geschäftsmodell. Jedoch umfasst Cloud Computing mehr Technologien, als Utility Computing unterstützen kann. Daher kann Utility Computing als veraltet angesehen werden[33].
4 Bewertungskriterien
4.1 Bewertungsverfahren
Um die Cloud Computing-Strategie von IBM zu bewerten, werden vorab Kriterien definiert, welche als essentiell für eine Cloud Computing-Strategie betrachtet werden. Dies geschieht unabhängig davon, um welche Firma es sich handelt. Um den Erfüllungsgrad von IBM zu bestimmen, wird auf Basis der zur Verfügung stehenden Quellen die Erfüllung dieser Kriterien bewertet. Die Bewertung selbst ist hingegen rein subjektiv. Eine Gesamt beziehungsweise Durchschnittsbewertung wird nicht errechnet, um nicht den Anschein einer Vergleichbarkeit zu anderen, gegebenenfalls ähnlichen, wirtschaftlichen Arbeiten zu erwecken. Dies ist Aufgrund der unterschiedlichen Bewertungskriterien nicht möglich.
Bewertet werden neben rein strategischen Gesichtspunkten auch die technischen Merkmale von Cloud Computing. Dabei basiert der jeweilige Erfüllungsgrad auf Qualität und Quantität der Umsetzung durch IBM.
Die Bewertungskriterien und Anforderungen für eine ausreichende Erfüllung werden jeweils kurz beschrieben.
4.2 Bewertungsskala
Die Bewertungsskala reicht von 0 bis 5 Punkten, wobei 5 die Beste und 0 die schlechteste Bewertung ist:
- Wird ein Kriterium in dem Maße erfüllt wie es vorrausgesetzt wurde, so wird dieses mit 4 Punkten bewertet.
- 5 Punkte werden dann vergeben, wenn die Kriterien nicht nur wie vorher beschrieben erfüllt sind, sondern diese klar in Qualität beziehungsweise Quantität übertreffen.
- Im Gegensatz dazu werden 0 Punkte vergeben, wenn das Kriterium aufgrund nicht vorliegender Informationen nicht beurteilt werden kann. Dies ist auch der Fall, wenn ein Kriterium nur in einer (oder sehr wenigen) Quellen Erwähnung findet und in keiner Weise nachvollziehbar ist.
- 1 Punkt wird vergeben, wenn ein Kriterium zwar Erwähnung findet, jedoch nur mangelhaft oder unzureichend umgesetzt wurde.
- 2 Punkte beschreibt eine ausreichende Erfüllung der Kriterien, als Anhaltspunkt kann hier die die Hälfte der Qualität bzw. Menge an 4 Punkte dienen.
- Somit werden 3 Punkte vergeben, wenn ein Grpßteil der Kriterien erfüllt sind, aber nicht alle oder zum vollem Umfang wie dies für 4 Punkte vonnöten wäre.
| Bewertung | Beschreibung |
| 5 | Alle Kriterien erfüllt, plus Zusatzleistung |
| 4 | Alle Kriterien erfüllt |
| 3 | Kriterien zum Großteil erfüllt |
| 2 | Kriterien ausreichend erfüllt |
| 1 | Mangelhafte Erfüllung der Kriterien |
| 0 | Nicht bewertbar, da nicht vorliegend |
Tabelle 1: Bewertungsskala
4.3 Strategische Kriterien
Im folgenden werden die einzelnen Kriterien für eine ausreichende Bewertung dargelegt. Die zwölf Bewertungsriterien sind unterteilt in fünf strategische und sieben technische Kriterien.
1. Strategie
Die dem Begriff Cloud Computing zugeordneten Produkte werden in der allgemeinen Unternehmensstrategie oder Produkt-Roadmaps im Hinblick auf die mittelfristige Entwicklung (1 bis 5 Jahre) beschrieben. Basis für eine vier sind 3 Jahre.
2. Historie
Bewertet wird wie lange sich das Unternehmen schon mit Cloud Computing befaßt. Als Basis für eine vier wird Engagement seit 2006 vorrausgesetzt.
3. Verfügbarkeit
Ausschlaggebend ist die Verfügbarkeit von Cloud Computing Produkten, wie sie im Kapitel 3. Grundlagen, beschrieben sind. Nicht bewertet werden Produkte, die in noch in Planung sind und somit aktuell nicht erworben werden können.
4. Umfang der Produkte
Bewertet wird die Einhaltung der Standards von Cloud Computing, wie in Kapitel 3. Grundlagen beschrieben. Abzug in Punkten gibt es für nicht durch Produkte abgedeckte Aspekte sowie hinzugefügte Produkte, die nicht Cloud Computing Kriterien entsprechen.
5. Stellenwert im Unternehmen
Bewertet wird die Präsenz des Unternehmens bezüglich Cloud Computing in den Medien, bestehend aus Pressemitteilungen, Messen und der Produktseiten im Internet. Sofern verfügbar, wird auch die finanzielle und strategische Gewichtung innerhalb des Unternehmens betrachtet.
4.4 Technische Kriterien
6. Erreichbarkeit per Internet
Zugriff über das Internet als Standard-Medium muss möglich sein.
7. Einfache Implementierung
Benutzung der Produkte ist auch ohne tief gehende IT-Kenntnisse möglich.
8. Versorgung
Der Kunde erlangt Zugriff über ein Self-Service Portal um den Status einzusehen und Veränderungen vorzunehmen. Außerdem wird eine automatische Skalierung der Ressoucen entsprechend den aktuellen Bedürfnissen erwartet.
9. Kosten
Modulare Kostenstruktur, die entsprechend den Cloud Computing Standard dynamisch bemessen wird.
10. Browser
Der Zugang zu den Applikationen ist den Benutzern mit Hilfe eines Web-Browsers möglich.
11. System-Schnittstelle
Verfügbarkeit und Beschreibung von APIs, welche im Rahmen eines Framworks den Zugriff und Integration von Cloud Computing Applikationen ermöglichen.
12. Geteile Ressourcen
Die eingesetzten Ressourcen werden intelligent verteilt und lassen sich durch entsprechende Optionen und Workflows optimieren.
5 IBM (International Business Machines)
Historie
Das Unternehmen IBM wurde 1896 von Herman Hollerith in Washington D.C. gegründet[34]. Der damalige Name des Unternehmens war Tabulating Machine Company[35]. Zu dieser Zeit produzierte IBM die 1895 entwickelten Maschinen zur Lochkartenerfassung, welche als erster großer Auftrag an die New York Central Railroad verkauft wurde.
Erst 1924 wurde die "Tabulating Machine Company" zur heute bekannten "International Business Machines Corporation" (kurz "IBM") umbenannt.
1952 stellte IBM den ersten Computer namens 710 vor, der dafür ausgelegt war, wissenschaftliche Berechnungen durchzuführen. Im Jahre 1975 stellte IBM den ersten tragbaren Computer vor, der noch 25 Kilogramm wog. Aufgrund seines hohen Preises von umgerechnet 6.500 Euro schaffte er aber nie den Durchbruch in den Massenmarkt. 1981 folgte der erste IBM-PC, der komplett aus frei verfügbaren Komponenten zusammen gestellt werden konnte.
1995 übernahm IBM für umgerechnet 2,5 Milliarden Euro die Firma Lotus Software. Im Mai 2005 unterzeichnet IBM den Vertrag für den Verkauf der Computersparte an den chinesischen Hersteller Lenovo für 1,2 Milliarden Euro[36].
Heute gehört IBM zu den größten Unternehmen im Bereich der IT-Beratung und der Herstellung von Hardware und Software. Das aktuelle Logo der Firma IBM wird in Abbildung 2 gezeigt.
Unternehmensbereiche
Das Unternehmen setzt sich aus den folgenden fünf Bereichen zusammen:
- IBM Global Business Services
Dieser Bereich verantwortet die Beratung von Unternehmen in den Bereichen Human Capital Management[37], Customer Relationship Management[38], Supply Chain Management[39] und Financial Management[40].
- IBM Systems and Technology Group
Systems and Technology Group bietet dem Kunden Infrastruktur Services, wie Serverhosting und Speicherlösungen. Ebenfalls werden in diesem Bereich Serverlösungen entwickelt wie z.B. das System Z, welches einen Großrechnersystem darstellt.
- IBM Software Group
Die IBM Software Group verantwortet den Softwareentwicklung und -vermarktungs-Bereich der IBM. Dieser setzt sich aus folgenden Marken zusammen:
- Lotus
Hierunter vertreibt IBM Lösungen für Unternehmenskommunikation, Collaboration und Office-Anwendungen. Die bekannteste Anwendung aus dieser Reihe ist Lotus Notes, welches einen E-Mail-Client und auch ein Dokument-basiertes Datenbanksystem bietet[41].
- Lotus
- Tivoli
Die Marke Tivoli bietet dem Anwender die Möglichkeit, Informationssysteme mittels verschiedener Anwendungen zu verwalten. Zu den Funktionen zählen zum Beispiel Storage-Management, Security-Manamgent und Unternehmensautomatisierung[42].
- Tivoli
- Websphere
Websphere bezeichnet eine Marke der Software-Produkt-Sparte, obgleich der Ausdruck sich auf ein spezifisches Produkt bezieht – den Applikationsserver IBM-WebSphere (WAR). WebSphere ist entworfen worden, um elektronische Geschäftsanwendungen über mehrfache Rechneplattformen verwenden zu können. Dies geschieht durch die Verwendung der Java-Technologie. Des Weiteren werden unter der Marke Websphere Entwicklungsumgebungen vertrieben[43].
- Websphere
- Rational
Rational bietet Softwaredesign und Entwicklungssysteme. Das bekannteste Produkt der Rational-Produktreihe ist Rational Rose, ein Programm zur Softwareentwicklung [44].
- Rational
- IBM Global Finance
Die "Global Finance Group" bietet Finanzierungslösungen für Hardware-Güter. Über diese Einheit steuert IBM z.B. das Leasing von Servern.
- IBM Global Services
Mit "Global Sources" betreibt IBM seinen größten Unternehmensbereich. In diesem Bereich sind sämtliche Beratung und Outsourcing Aktivitäten gebündelt.
5.1 Zahlen & Fakten
Allgemein
IBM ist derzeit in 210 Ländern der Welt auf fünf Kontinenten vertreten[45]. Der Hauptsitz des Unternehmens ist Armonk bei New Castle in New York. Hier arbeiten ca. 386.000 Mitarbeiter[46].
Jahresergebnis 2008
- Umsatz: 73,94 Milliarden Euro
- Gewinn vor Steuern: 11,92 Milliarden. Euro
- Gewinn pro Aktie: 6,37 Euro
- Ergebnis beim Free Cash-Flow: 10,21 Milliarden Euro, ein Plus von 1,36 Milliarden Euro – ohne Berücksichtigung der Global Financing-Außenstände[47]
Gewinnverteilung
In den folgenden Charts werden die Verteilungen der Einnahmen grafisch dargestellt. Die Daten hierfür stammen aus dem IBM-Jahresreport des Geschäftsjahres 2008[48].
Abbildung 3 zeigt die Einnahmenverteilung pro Kundenregion. Hierbei wird deutlich, dass der größte Absatzmarkt von IBM die Region Amerika ist, gefolgt von Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und Asia Pacific. Der Bereich OEM (Original Equipment Manufacturer) bezeichnet jene Hersteller, die die Produkte unter ihrem Namen weiterverkaufen. Dieser spezielle Bereich wird in keiner Region angegeben, da die Produkte in verschiedenen Regionen weiterverkauft werden können.
In Abbildung 4 wird die Verteilung der Einnahmen der verschiedenen Unternehmenssegmente dargestellt. Den größte Bereich in der Umsatzaufteilung nehmen die Global Technology Services ein. Die zweite große Einnahmequelle bildet das Software Segment. Global Business Services und Systems und Technolgien liegen vom Umsatz sehr nah beieinander und bilden den dritt größten Teil des Umsatzes. Das kleinste Segment bildet hierbei das Global Financing.
5.2 Allgemeine Unternehmensstrategie
Die Allgemeine Unternehmensstrategie wird bei IBM in 4 verschiedene Bereiche eingeteilt[49].
Operations Strategy
- Kurzfristig wirksame Kostensenkungen und Cash-Optimierung in allen Unternehmensbereichen
- End-to-end-Optimierung aller Unternehmens-Kernprozesse und Support-Funktionen
- Strukturelle Optimierung von Unternehmen und des globalen Standortnetzwerks
Business Strategy
- Kurzfristig wirksame Umsatzsteigerung im Kerngeschäft (Produkte – Kunden – Vertrieb)
- New Business Development: Neue Produkte, Management von Innovationen, neue Geschäftsmodelle
- Regionale Expansion: Marktpotenzialbewertung, Markteintritt und Marktexpansion
- Mergers & Acquisitions: Pre-Merger-Assessment, Business Due Diligence und Post-Merger-Integration
Technology Strategy
- Kurzfristig wirksame Effizienzsteigerung der IT-Performance (Applikationsentwicklung, Betrieb)
- Leistungssteigerung in Unternehmens-Kernprozessen und -strukturen durch Enterprise Architecture
- IT-Strategie: Potenziale neuer Technologien für mehr Wachstum und Effizienz, inkl. Invest-Planung
- Neue Geschäftsmodelle: Übernahme der Kunden-IT mit unternehmerischer Mitverantwortung
Transformation Strategy
- Program Management: Programm-Leitstand für das sichere und flexible "Durchsteuern" großer Projekte
- Mitarbeiter-Mobilisierung: Breite Einbeziehung in Transformationen – "vom Betroffenen zum Gestalter"
- Mitarbeiter-Befähigung: Individuelle und Train-the-Trainer-Ansätze für neue Fähigkeiten
5.3 Visionen
Das Unternehmen selbst beschreibt seine selbst gesetzten Werte "Visionen" als[50]:
- "Innovationen, die etwas bedeuten – für unser Unternehmen und für die Welt."
- "Engagement für den Erfolg jedes Kunden."
- "Vertrauen und persönliche Verantwortung in sämtlichen Beziehungen."
6 IBM Blue Cloud
6.1 Definition von Cloud Computing nach IBM
Nach Definition von IBM ist Cloud Computing aus Benutzersicht die Verwendung von IT-Dienstleistungen ohne die dahinter liegende Technologie zu kennnen. Aus Unternehmenssicht stellt Cloud Computing nach IBM auf einfache Weise IT-Dienstleistungen für einzelnen Benutzer und Business-Einheiten zur Verfügung. Die Innovationskraft soll so gefördert und schnelle Entscheidungen daddurch ermöglicht werden. Mit der richtigen IT-Strategie eines einzelnen Unternehmens soll dies helfen, die Business-Performance zu verbessern und die Kosten der IT zu senken[51]. IBM verweist zusätzlich auf die formale Cloud Computing-Definition nach Wikipedia[52].
IBM beruft sich bei dem Bedarf nach Cloud Computing auf mehrere Aspekte. Zum Einen hat heutzutage nahezu jeder Mensch zu jeder Zeit die Möglichkeit sich mit dem Internet zu verbinden. Dies geschieht mit Hilfe vieler elektronischen Geräte, wodurch wiederum das Daten- und Informationsvolumen exponentiell ansteigt. Dies bringt den vernetzten Menschen in einen Konflikt: So steigt mit dem Wunsch nach Vereinfachung der IT zeitgleich im Hintergrund die Komplexität. Außerdem unterliegen, nach Meinung von IBM, die Unternehmen einem ständigen Wandel in einem wachsenden globalen Markt. Gleichzeitig sehen diese sich steigenden sozialen Anforderung für die eigenen Mitarbeiter ausgesetzt[53].
All diese Herausforderungen verlangen somit nach einem fleixblem Konzept, welches schnell Kapazität, Services und innovative Applikationen bereitstellen kann. Cloud Computing kann nach IBM ein Teil eines solchen Konzeptes sein. So erlauben die Technologien innerhalb des Cloud Computings es, Applikationen und Servicen dynamisch zu betreiben, anstatt an einzelnen Komponenten der Infrastruktur gebunden zu sein[54].
Die Unterscheidung von Public und Private Clouds beschreibt IBM wie folgt:
Der größte Teil des bereits verfügbaren Cloud Computings stellen cloud-basierte Services dar. Diese Public Cloud-Services werden von Service-Providern über das Internet den einzelnen Kunden zur Verfügung gestellt, die sich wiederum im Hintergrund eine große Cloud teilen. Dabei bedeutet "public" nicht zwangsläufig "kostenfrei" oder "kostengünstig", sondern die Bereitstellung durch einen Provider im Internet für mehr als ein Unternehmen[55].
Eine "Private" Cloud stellt viele Vorteile der Public Cloud zur Verfügung, die Daten und Services stehen aber nur innerhalb des eigenen Unternehmens zur Verfügung. Dies bedeutet insbesondere Vorteile durch größere Kontrolle über die Infrastruktur, Zugriffsberechtigung und Anbindung an das Netzwerk. Vorstellbar für IBM sind auch Kombinationen von Public & Private Clouds sowie freie Kombination verschiedenster Anbieter[56].
6.1.1 Treibende Faktoren
Am 15. November 2007 verkündete IBM ihre Intitative des Cloud Computings mit dem Namen Blue Cloud[57]. Die treibende Faktoren dahinter sieht IBM in den folgenden Punkten:
- Explosion der Verwendung von datenintensiven Applikationen sowie usergenerierten Inhalten. Insbesondere durch Internet Multimedia-Platformen wie YouTube oder Flickr
- Steigende Anforderung an die Bandbreite und Verfügbarkeit von Netzwerken verschiedenster Technologien, z.B. UMTS, WiFi, WiMax und Ethernet
- Technologische Fortschritte der Computer-Architektur wie z.B. Multiprozessor-Cluster haben Auswirkungen auf das Preis-/Performance-Verhältniss der Ressoucen
Eines der größten Herausforderungen von Cloud Computing stellt das Management und die Verfügbarkeit der dahinter stehenden Infrastruktur da. Mit den in Blue Cloud integrierten Produkten wie dem Tivoli Manager und dem Einsatz von Open Source-Software möchte IBM dafür eine Lösung anbieten[58].
6.2 Infrastruktur
6.2.1 Evolution
IBM bezeichnet Cloud Computing explizit als eine IT Evolutions über die letzte Jahrzente und nicht als eine neue Erfindung.
Wie Abbildung 5 zeigt, ist die Basis für das heutige Cloud Computing in den 1980er Jahren geschaffen worden. Hier werden zum ersten mal verschiedene vernetzte Systeme gemeinsamm an einem Problem rechneten. Das sogenannte Grid Computing unterteilt dabei das Probleme in einzelne Aufgaben, welche parralell von verschiedenen Servern abgearbeitet werden. Damit wird aus mehreren physikalischen Server ein virtueller Server geschaffen. Hingegen bei Cloud Computing werden mehrere physikalische Server zu mehrere virtuellen Servern zusammengeschlossen, welche nicht ein Problem sondern mehrere spezifische Anwendungen zur Verfügung stellen.
In den 1990er Jahren wurde die Evolution durch Utility Computing fortgeschrieben, welche eine verbrauchsorientierte Abrechnung auf Basis der vituellen Platform ermöglicht. Der letzter Evolutions-Schritt vor Cloud Computing wird "Software as a Service" angegeben, wo Software und Applikationen nicht einmalig gekauft, sondern als Service eines Dienstleister erbracht und entsprechend abgerechnet werden[59].
Im Bereich des Grid Computing ist IBM seit vielen Jahren tätig, dies bestätigen viele Erfolge auf diesem Gebiet. 2001 bekommt IBM den Zuschlag für das bis dato größte Grid Computing Center der Welt. Dieses Center wurde von der National Science Foundation finanziert und besteht aus mehreren IBM Servern, welche bis zu 13,6 Billionen Rechnungsschritte pro Sekunde berechnen und 600 Terabyte Daten speichern können. Als System für den Cluster benutzt IBM eine frei verfügbare Linux Variante mit offenem Standard und offenen Verbindungs-Protokollen[60]. 2003 geben die Republik China und IBM bekannt, an einem "China Grid" zusammen zu arbeiten, welches die Universitäten des Landes als ein Grid verbinden soll[61]. Unter dem Namen World Community Grid ist ein Verbund von Rechnern bekannt, welchem private Benutzer und Firmen freistehende Rechenkapazitäten zur Verfügung stellen können. Die zugrunde liegende Software wurde 2004 von IBM entwickelt und frei gegeben. 2006 weitet IBM seine Marktführerschaft im Bereich des Grid Computing auf weitere Firmen aus[62]. Offiziell erklärt IBM den Einstieg in das Thema Cloud Computing mit der Veröffentlichung seiner Pläne für die IBM Blue Cloud 2007, welche bereits in 6.1.1 vorgestellt wurde[63]. Derzeit befinden sich verschiedene Produkte der IBM Blue Cloud in der Testphase. Sobald diese Testphase abgeschlossen ist, sollen diese Produkte für Kunden freigegeben werden.
6.2.2 Server-Virtualisierung
Die Basis für Cloud Computing auf der Infrastruktur-Ebene ist die Virtualisierung der logischen Ressoucen. Dabei ermöglicht die Abtrennung von der physikalischen Infrastruktur den dynamischen Einsatz aller zur Verfügung stehenden Ressoucen, wie Rechenleistung, Speicherplatz und Applikationen.
IBM setzt bei der Virtualisierung auf die Bare-Metal-Hypervisortechnologie (auch als Typ-1 bezeichnet), welche eine Umgebung für virtuelle Server bereitstellt. Dieser läuft unabhängig von einem Betriebssystem direkt auf der Hardware und ist damit unter anderem sicherer und performanter als Typ-2-Lösungen wie "VMware Workstation" welche auf ein Host-Betriebssystem aufsetzt. Die eingesetzte Produktlinie der Firmware basierten bare-metal Hypervisor sind beispielsweise "IBM System z Processor Resource System manager (PR/SM)" und "IBM System i" und "IBM p POWER". "System z PR/SM" hat die Fähigkeit Hardware zu partitionieren und mehrere virtuelle Betriebssysteme zu hosten, wobei jedes in seinem eigenen LPAR läuft[64]. Siehe hierzu die Abbildung 6.
Des Weiteren besitzt der auf Power4 basierte Server über die Fähigkeit, einzelnen CPUs oder dessen Bruchteilen einen bestimmten LPAR zuzuweisen. Als Betriebssysteme können verschiedene Linux-Derivate, wie Red Hat Advanced Server oder SLES eingesetzt werde[65].
Die Auslastung wird mit Hilfe des "IBM Enterprise Workload Managers" verwaltet und ermöglicht eine Lastverteilung von mehreren Rechner-Systemen, die ihre freie Ressoucen in einem Pool für andere Systeme zur Verfügung stellen. Außerdem stehen die klassischen Vorteile virtueller Systeme zur Verfügung, wie z.B. das Kopieren oder Verschieben auf eine andere Hardware[66].
6.2.3 Infrastruktur-Management
Das Verwalten der physikalischen Server sowie der virtuellen Betriebssysteme der Cloud erfolgt bei IBM zentral mit dem IBM Tivoli(r) Provisioning Manager Modul. Dieser erfüllt laut IBM folgende Funktionen
1) Automatische Bereitstellung
Die zwei meistbenutzen Funktionen eines dynamischen Rechenzentrums sind das de-/installieren von Applikationen. Durch die Verwendung von einmalig erstellten Workflows werden neue Server, Middleware und Applikationen automatisch installiert und konfiguriert. Die frei kombinierbaren Workflows sind nicht nur in der Lage das Betriebssystem und einzelnen Applikationen zu installieren, sondern auch individuelle Konfigurationen (z.B. Netzwerkeinstellungen, Freigaben, Parameter, etc.) durchzuführen[67].
2) Automatische Reservierung und Planung
Die zeitliche Planung des Ressoucen Bedarfes wird innerhalb des Ressouce Managements von Tivoli durchgeführt. Der Status der aktuellen und zukünftigen Ressourcenauslastung ist zu jedem Zeitpunkt einsehbar[68].
3) Self-Service-Portal
Das Self-Service-Portal ist die Schnittstelle zu den Kunden. Diese können Anforderungen und Änderungen beauftragen sowie eine Übersicht und aktuellen Status der Applikationen einsehen. Der Cloud-Administrator die Möglichkeit, Anforderungen abzulehnen oder zu genehmigen. Letzteres führt zu der automatischen Installation durch das Workflow System.
Darüber hinaus kann den Benutzern erlaubt werden, ihre Server zu starten, stoppen oder neu zu starten[69].
4) Monitoring
Außer dem Standardmonitorung der physikalischen Hardware und den darauf befindlichen Applikationen, überwacht das Tivoli Monitoring-Modul auch den Datenverbauch der einzelnen Apllikationen. Die gesammlten historischen Daten dienen dem SLA-Reporting und der weiteren Kapazitätsplannung der virtuellen Umgebung. Jeder einzelne Server der Cloud wird von einem Monitoring-Agent überwacht, die in regelmäßigen Abständen Informationen über den Server an das Monitoring Data Warehouse weiterleitet. Dabei können Server einzeln oder in einer Gruppe zusammengefasst betrachtet werden. Diese Informationen werden dem Kunden auf dem Self Service-Portal auch grafisch aufbereitet angezeigt[70].
5) Kapatitätsplanung
Obwohl der Einsatz von Cloud Computing die Kapazitätsplanung auf Basis einzelner Applikationen verringert, so muss doch die Performance der Cloud als Ganzes betrachtet werden. Da einzelne Applikationen jederzeit mehr Ressourcen anfordern können, ist es wichtig, die zukünftig notwendigen Kapazitäten rechtzeitig zu planen. Im Vergleich zum klassischen Rechenzentrum ist nicht die Entwicklung der einzelnen Applikation und zugewiesen Hardware notwendig, sondern der Bedarf, Wachstum und Performance-Anforderung der Summe aller Applikationen.
Das entsprechende IBM Modul PACES (Performance and Capacity Estimation System) benutzt hierfür als Grundlage die historischen Werte des Monitoring Moduls sowie durch den Benutzer eingestellte erwartete Prognosen der Auslastung. PACES baisert auf einem Mathematischen Modell, das fortlaufend um empirische Daten von IBM erweitert wird[71].
6.2.4 Sicherheit und Datenschutz
IBM ermöglicht es anderen Unternehmen im Rahmen eines Validierungsprogramms das IBM-Gütesiegel "Resilient Cloud" zu erlangen, welches die Zuverlässigkeit der der Cloud Computing Dienste bestätigt. Dabei überprüft IBM die Stabilität, Verfügbarkeit und Sicherheit von Cloud-Infrastrukturen[72].
IBM ist sich bewusst, dass es durch Cloud Computing zu neuen Angriffsmöglichkeiten für Angreifer gibt. Um dem entgegenzuwirken stellt IBM am 21.04.2009 das Produkt "Proventia Virtualized Network Security Platform" vor. Dies ist eine fasst die klassischen Produkte wie "Intrusion Prevention", "Web application protection und "Network policy enforcement" in einem Modul für die Cloud zusammen[73].
6.3 Marketing
6.3.1 Messeauftritt
Das Thema Cloud Computing steht im Mittelpunkt aller IBM Messeauftritten, wie der diesjährigen Cebit[74]. So zeigt IBM beispielsweise anhand eines konkreten Beispieles wie durch den intelligenten Einsatz von IT-Ressourcen in einer virtualisierter Umgebung IT-Prozesse bestmöglich unterstützt und gleichzeitig eine Optimierung ihrer Energie-Bilanz erreicht werden kann. Das ganze wird visuell durch die plastische Darstellung einer Cloud mit schwebenden Bällen unterstützt[75]. Abhängig von den Eingaben des Benutzers werden einzelne Services erklärt[76].
6.3.2 Partnerschaften
Das am 30.3.2009 veröffentlichte Open Cloud Manifesto und gleichnamige Allianz wurde maßgeblich von IBM, Sun und Cisco getrieben und umfasst fast 40 IT-Unternehmen. Ziel der Initative ist es, mehr Zusammenarbeit und offene Standards im Bereich Cloud Computing zu definieren. Insbesondere die Interoperatibiliät, Portabilität von Cloud Applikationen verschiedener Plattformen. Weitere große IT-Unternehmen mit teilweise proprietären Cloud-Plattformen sind hingegen nicht beteiligt, u.a. Microsoft, Google, Amazon und Salesforce.com[77].
Am 12.02.2009 verkündet IBM und Amazon eine Partnerschaft zum Thema Cloud Computing. IBM begründet die Entscheidung insbesondere mit der Erweiterung des Distributionskanals. Dabei steht den Kunden im Rahmen des Amazons Elastic Compute Cloud (EC2) Produktes eine Reihe von IBM Cloud Lösungen kostenpflichtig zur Verfügung. Entwickelt wird auf Basis der Amazon Machine Images. In Zukunft will IBM das Angebot um die Service-Management-Tools von Tivoli erweitern um die Kunden Applikationen zu kontrollieren und automatisieren[78].
Außerdem hat IBM seit mehr als 35 Jahren eine strategische Partnerschaft mit SAP, welche auch Cloud Computing Lösungen berücksichtigt. Bei der mit 17 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln unterstützten Initiative "Reservoir" geht es insesondere darum, Rechenleistung über die Grenzen mehrere Rechenzentren hinweg bereitzustellen. Somit können Applikationen nicht nur innerhalb einer Cloud, sondern auch in andere Clouds verschoben werden. IBM liefert hierfür die Hardware und Manegement Software um dies zu ermöglichen. Die Inititative selber besteht aus 13 Europäischen Firmen, mit dem Ziel IT Services unabhängig von ihrere Platform oder geografischen Lage zu verwalten und betreiben[79].
6.3.3 Kooperation mit Universitäten
IBM arbeitet mit einer Reihe von Universitäten zusammen, um den Studenten die Möglichkeit zu geben mit den IBM Produkten vertraut zu werden und Cloud Applikationen zu entwickeln[80].
Vielen Universitäten stellt IBM so auch Rechenleistung aus der Blue Cloud zur Verfügung um konkrete Probleme zu lösen. So z.B. mit der Harvard Universität, welche in einem globalen Gemeinschaftsprojekt mehrere Universitäten nach organischen Materialien zur Entwicklung von effizienteren und kostengünstigeren Solarzellen sucht[81].
In Zusammenarbeit mit Google verkündet IBM im Oktober den Aufbau eines exklusiven Cloud Rechenzentrums mit einem Gesamtwert von 21 Millionen Euro auf zwei Jare. Dabei stellt Google die Rechenzentrums Open-Source Software und IBM die Web Entwicklungsumgebung. Die Zusammenarbeit begründen beide mit dem Willen die Cloud Computing Technologie bei den Studenten bekannt zu machen. Amazon mit starkem Fokus auf den Privat-Nutzer und IBM auf Unternehmen[82].
7 IBM Service Portfolio
IBM bietet zu den verschiedenen Bereichen des Cloud Computing verschiedene Produkte. Hier eine Übersicht der verschiedenen Produkte.
7.1 Cloud-basierte Services – Bluehouse – LotusLive
Als einer der ersten Cloud basierten Services stellt IBM LotusLive online. Dieser Dienst bietet mit sechs verschiedenen Produkten eine Cloud-basierte Plattform für Collaboration, Networking, Web Conferencing und E-Mail. Derzeit sind zwei der sechs Produkte von IBM veröffentlicht worden, nachdem sie ca. ein Jahr lang in einer öffentlichen Testphase zur Verfügung stand. Diese sind LotusLive Meetings, LotusLive Events. Ein weiteres Produkt ist LotusLive Engage welches derzeit zum Test zur Verfügung steht [83].
- Networking & Collaboration
- LotusLive Engage
Mit LotusLive Engage kann der Benutzer seine eigene Online-Community erstellen. Dort kann der Benutzer zum Beispiel Dateien in die Cloud und damit anderen Benutzern zur Verfügung stellen oder Web-Konferenzen abhalten.
- LotusLive Engage
- LotusLive Connections
LotusLive Connections ist eine abgespeckte Version von LotusLive Engage. Im Gegensatz zu Engage beinhaltet Connections keine Möglichkeit, Konferenzen in der Cloud abzuhalten.
- LotusLive Connections
- Web Conferencing
- LotusLive Meetings
Das Produkt Meetings macht es möglich, Audio- und Video-Konferenzen in einer Cloud abzuhalten. IBM bietet hierbei zwei verschiedene Möglichkeiten der Bezahlung des Produktes. Zum Einen kann es auf einer Monatsbasis bezahlt werden, bei der je nach der maximalen Teilnehmerzahl eine Preisspanne von 34 Euro bis 70 Euro angegeben wird. Zum Anderen kann pro Minute und Teilnehmer ca. 18 Cent berechnet werden.
- LotusLive Meetings
- LotusLive Events
Mit LotusLive Events bietet IBM seinen Benutzern die Möglichkeit, online Konferenzen zu erstellen und verwalten. Hierbei kann wahlweise 70 Euro pro Monat oder ca. 20 Cent pro Minute und Teilnehmer berechnet werden.
- LotusLive Events
- LotusLive Notes/iNotes
Unter den Namen LotusLive Notes und iNotes bietet IBM den schon als Notes und iNotes bekannten E-Mail-Client in der Cloud an. Hierbei ist allerdings weder bekannt wie der Preis für beide Produkte ausfallen soll, noch mit welchem Umfang beide Produkte auf den Markt kommen. Wenn man es mit dem nicht Cloud-basierten Clients vergleicht, wird Notes wohl in seinem Umfang einen E-Mail-Client, einen Kalender als auch die Möglichkeit Termine zu verschicken und verwalten, anbieten.
- LotusLive Notes/iNotes
7.2 Lotus Sametime Unyte
Am 11. September 2008 stellte IBM das neue und auf Cloud Computing basierte Lotus Sametime Unyte vor[84]. Sametime ist zum einen das in der Lotus Suite enthaltene Tool, um Web-Conferencen innerhalb des Unternehmens zu erstellen, zum anderen hat der Benutzer die Möglichkeit, über Sametime mit anderen Benutzern im Unternehmen Instant Messaging zu betreiben. Mit Sametime Unyte bietet IBM die Funktion nun auch unabhängig von Ort oder Internetanbindung an. Installation und dazugehöriger Support ist nicht notwendig. Ebenfalls besteht die Möglichkeit der Anbindung an nicht Cloud-basierten Versionen von Lotus Notes und Lotus Sametime.
7.3 IBM Rational Policy Tester OnDemand
Mit Hilfe dieses Dienstes werden Internetseiten auf mögliche Risiken hin gescannt um damit Compliance-Anforderungen hinsichtlich Datenschutz, Qualität und Erreichbarkeit gerecht zu werden. Die Software prüft Internetseiten auf beschädigte Links, Rechtschreibung und Menüführung[85].
7.4 IBM Rational AppScan OnDemand
Diese Software scannt Web-Anwendungen auf Sicherheitslücken hin. Softwareentwickler können so mögliche Risiken vermeiden und sparen zeit- und kostenintensive Tests und Trainings. Die Sicherheitslücken, nach denen gescannt wird, sind SQL-Injections, Cross-Site Scripting und Buffer Overflow-Lücken, wobei gleichzeitig Lösungsvorschläge gegeben werden, um die Wartung zu erleichtern. Des Weiteren unterstützt die Software das Scannen von Multi-User-Anwendung und dessen Verwundbarkeit sowie ein zentrales Reporting über die unternehmensweiten Sicherheitstests. Die Software ist so skalierbar, dass Großunternehmen auch mehrere Anwendungen gleichzeitig scannen können[86].
7.5 HIPODS
Ein nicht Hard- oder Software-basierter Ansatz für Cloud Computing bieten die IBM Cloud Computing Centers – HIPODS (High Performance on Demand Solutions). IBM Global Services HiPODS bezeichnet ein Team von Experten, welche sich in sieben HIPOD Labs befinden. Die Aufgaben umfassen das Consulting in vier verschiedenen Projektbereichen: Cloud Computing, IBM Idea Factory, Banking Center of Excellence, Scale-out and availability.
Der Projektbereich Cloud Computing umfasst hierbei die Entwicklung von Prozess getriebenen virtualisierten Infrastruktur Lösungen[87].
7.6 Weitere Produkte
Telelogic Focal Point
Portfolio- und Produktmanagement-Software, die Produktideen auf Basis übergreifender Unternehmensziele sammelt, analysiert und prioisiert. Sie verbessert die Kommunikation von Produktmanagement, Entwicklung und Marketing durch zentrale Speicherung der jeweiligen Produktinformationen.
Cloud-Enabled Services-Ressourcen für ISVs
Whitepaper, Online-Demonstrationen und zum Download verfügbarer Software Code helfen ISVs, Cloud-Enabled Services zu entwickeln. Zu den weiteren Ressourcen gehören technische Baupläne auf der IBM delevoperWorks-Webseite sowie technischer Support über die weltweit 40 Innovationszentren von IBM.
Ein neues SaaS-Netzwerk von Infrastruktur-Providern, die die Server-Technologie der IBM nutzen, unterstützen ISVs bei der Entwicklung interoperabler SaaS-Lösungen für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Anwendungen. Im laufenden Jahr hat IBM in ihrem SaaS Specialty Program insgesamt 100 Partner hinzugefügt. Dies ist der bislang größte Zuwachs in einem Jahr und bedeutet eine annähernde Verdopplung der bestehenden SaaS Partner-Basis.
SOFS cloud-based storage services
Bei dem "Scale out file services"-Dienst handelt es sich um einen Dienst zur Datenspeicherung. Dieser zentralisiert und virtualisiert verteilte und isolierte Daten zu einer Speicherumgebung und stellt diese über verschiedene Protokolle, wie HTTP und FTP zur Verfügung. Des Weiteren ermöglicht der Dienst das parallele Bearbeiten von Dokumenten und sperrt diese nicht[88].
Remote Data Protection
Dieser Dienst bietet Offsite-Data-Sicherung und Datenwiederherstellung für verteilte Infrastrukturen. Er beinhaltet alle nötigen Hardwarekomponenten, Software, Monitoring- und Verwaltungslösungen zur Datensicherung und ist eine Pay-as-you-go-Lösung. Des Weiteren ermöglicht der Dienst die Definition spezifischer, zeitbasierter Datenaufbewahrungsrichtlinien sowie das Verschlüsseln der Daten nach dem Advanced Encryption Standard (AES). Über ein Web-Portal sind Managementfunktionen sowie Status- und Trendreports erreichbar[89].
8 Bewertungsergebnis
Im folgenden werden die in Kapitel 4 zu Grunde gelegten Kriterien auf die Cloud Computing-Strategie und Technologie von IBM bewertet. Bei Kriterien die auf frei verfügbare Cloud-Applikationen bezogen sind, wird exemplarisch LotusLive aufgeführt.
8.1 Strategie
Laut einem Interview mit der Computerzeitung hat sich IBM selbst als strategisches Ziel gesetzt, Marktführer im Bereich des Cloud Computing zu werden. Für diese strategische Initiative wurde der Aufsichtsratsvorsitzende der IBM Deutschland Erich Clementi benannt, als CTO zu fungieren. In der Ressourcenverteilung werden Experten aus vielen Bereichen des Unternehmens zusammengezogen um diese strategische Initiative anzugehen. Die sichtbarste Einheit in diesem Umfeld sind die HIPODS, welche die Aufgabe haben, die IT-Management-Kosten des Kunden zu reduzieren, Applikations-Starts zu beschleunigen und eine bessere Verteilung der bereits vorhandenen Ressourcen im Bereich Hardwareleistung besser zu verteilen[90].
Ein weiteres wichtiges Indiz für die strategische Ausrichtung der IBM auf das Thema Cloud Computing ist die Errichtung von neuen Cloud Computing-Centern in China und Südafrika. Mit diesen zwei neuen Centern steigt die Zahl der Center auf dreizehn Stück.
Leider zeigt IBM außer dieser aktuellen, in den Nachrichten gezeigten Neuigkeiten keine veröffentlichte Strategie oder Roadmap. Daher wird dieses Kriterium nicht bewertet und bekommt eine Null.
8.2 Historie
Wie bereits in Punkt 6.2.1 erwähnt, besteht die Historie des Cloud Computing aus drei Evolutionsschritten, wobei sich das Utility Computing hauptsächlich auf die Abrechnung bezieht und deswegen hier keine Erwähnung findet.
Wie man durch die lange Historie im Thema Cloud Computing, welche ebenfalls im Punkt 6.2.1 erwähnt wird, sehen kann, arbeitet IBM schon seit vielen Jahren am Thema Cloud Computing sowie auch dem Vorgänger Grid Computing. Offiziell wurde Cloud Computing 2007 zum ersten Mal mit einem kompletten Konzept vorgestellt.
Dies führt in der Bewertung zu einer drei, da IBM sich erst ein Jahr nach dem gesetzten Ziel zum ersten Mal offiziell zum Thema Cloud Computing geäußert hat.
8.3 Verfügbarkeit
Im folgenden Abschnitt sollen die Bereiche von Cloud Computing anhand der Grundlagen abgegrenzt werden, um zu prüfen, in wie weit IBM die verschiedenen Bereiche von Cloud Computing mit seinem Produktportfolio abdeckt. Anhand der Grundlagen aus Kapitel drei können diese Bereiche wie folgt festgelegt werden. Zum einen sind dies "Infrastructure as a Service", "Software as a Service" und "Platform as a Service", die keine neuen Geschäftsmodelle darstellen, sondern unter Cloud Computing vereint werden.
Ein weiterer Bereich bilden die "Workload Migration Services", unter dem die Dienstleistungen fallen, die Unternehmen beim Aufbau oder Optimieren einer privaten Cloud unterstützen. In diesem hat IBM das "Tivoli(r) Provisioning Manager Modul" im Einsatz, welches, wie in Kapitel 6.2.3 beschrieben, Unternehmen bei der Verwaltung der eigenen Cloud unterstützt. Hinzu kommen die HIPODS-Teams, bestehend aus Beratern und technischen Experten für den Aufbau und das Optimieren von Cloud-Infrastrukturen, weshalb dieser Teil als abgedeckt betrachtet werden kann.
Den Bereich SaaS bedient IBM mit seiner Lösung LotusLive, die aus Collaboration-, Networking-, Web Conferencing- und E-Mail-Diensten besteht. Für Softwareentwickler steht, neben dem noch folgenden PaaS-Angebot, der Dienst "IBM Rational AppScan OnDemand" zur Verfügung. Mit den Management-Diensten "Telelogic Focal Point", "Cloud-based storage services" und dem "Remote Data Protection"-Dienst, welche ebenfalls diesem Bereich zugeordnet werden können, hat IBM diesen gut abgedeckt.
Die Verfügbarkeit der IBM-Produkte ist besonders im Marktsegment des Rechenzentrumbetriebes ausgeprägt, dessen Angebot dem "Infrastructure as a Service" zugeordnet werden kann. Durch diese Kapazitäten ist es IBM auch möglich, eigene "Platform as a Service"-Dienste anzubieten, welche durch die "Cloud-Enabled Services-Ressourcen" für ISVs unterstützt werden. Laut Definition reicht die Plattform jedoch nicht aus, diesen Bereich voll abzudecken, da auch eine Entwicklungsumgebung mit verfügbaren Komponenten für eigene Applikationen gegeben sein muss.
Es ist ein Vorteil für IBM, alles aus einer Hand bieten zu können – der Server-Hardware auf Basis von Hypervisoren, über die Tivoli Management Software bis hin zu eigenen Cloud-Diensten wie LotusLive. Dabei profitiert IBM nicht unwesentlich von der Erfahrung aus der Umstellung der eigenen Rechenzentren. Die sogenannten Cloud Labs sind untereinander vernetzt und bilden die Basis der Blue Cloud, welche neben den eigenen Applikationen auch die von Kunden und Universitäten beherbergt. Damit ist es IBM möglich, Applikationen in der Blue Cloud zu betreiben und jetzt schon große Mengen an Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die aus verschiedenen Modulen bestehende Tivoli Software wurde dabei nach und nach um Cloud Computing-Fähigkeiten erweitert und bildet damit die Basis für die Verwendung von Cloud Computing-Technologie.
Die Erfahrung aus dem Betreiben der eigenen Rechenzentren macht sich IBM zu Nutze, um die Projekterfahrung und Produkte im Rahmen von Consulting-Leistungen zu verkaufen. IBM deckt somit, bis auf PaaS, alle Bereiche des Cloud Computing ab.
Dennoch wird dieses Kriterium mit vier bewertet, da der genannte Bereich nur teilweise unzureichend ist.
8.4 Umfang der Produkte
Bedingt dadurch, dass IBM stärker im Rechenzentrumsbetrieb vertreten ist, als in anderen Bereichen, zielt IBM es auf große und mittelständische Unternehmen ab. Dies zeigt sich auch im Bereich SaaS, in dem IBM lediglich Dienste für diese Zielgruppe und ausschließlich für den Unternehmensbereich anbietet. Frei verfügbare Dienste für Privatanwender, wie z.B. Terminkalender, existieren nicht und sind auch nicht geplant.
Diese Zielgruppe ist jedoch nur aus Gründen des Marketings relevant und kann nicht als essentiell betrachtet werden, weshalb dieses Kriterium dennoch mit vier bewertet wird.
8.5 Stellenwert im Unternehmen
Mit dem im Kapitel 6.3 erwähnten Showcase stellt IBM das Thema Cloud Computing bewusst in den Mittelpunkt seines Messestandes. Dabei belässt es IBM nicht bei der einfachen Darstellung, sondern lässt den Benutzer über eine Steuerkonsole Einfluss auf die Wolke nehmen, die sich selbst erklärt.
Mit der Gründung des Open Cloud Manifest bringt sich das Unternehmen aktiv mit eigenen Mitarbeitern und Forschungsergebnissen in eine Allianz ein, die offene Standards für Cloud Computing entwickelt. IBM treibt Cloud Computing nicht nur als Initiator innerhalb des eigenen Unternehmens, sondern auch in strategischen Allianzen und Partnerschaften voran. Letztere dienen insbesondere dazu, die eigenen Produkte zu promoten, was sich auch in den Pressemitteilungen des Jahres 2009 widerspiegelt. Dort geht es neben den eigenen neuen Produkten insbesondere um Referenzen und Partnerschaften. Bis Ende Mai hat IBM Deutschland acht Pressemitteilungen in der Kategorie Cloud Computing veröffentlicht, die sich in Inhalt und Umfang positiv von anderen Technologien abheben.
Sowohl die englische als auch die deutsche IBM-Unterseite zu Cloud Computing beschränkt sich im Wesentlichen auf die Be- und Umschreibung der Cloud Computing-Technologie im Allgemeinen sowie die Umsetzung durch IBM und damit verbundenen Vorteile für ein Unternehmen. Obwohl die Produkte zum größten Teil auf eignene Webseiten erklärt sind, verweist IBM in den meisten Fällen erst auf eine Referenz eines Projektes bei Kunden oder mit Partnern. Zusammengefasst ist die Seite ein Einstiegsportal mit Links zu Whitepapern, Referenzen, Neuigkeiten und Multimediainhalten aus allen Bereichen des IBM Produktportfolios, die in irgendeiner Form mit Cloud Computing in Verbindung gebracht werden können.
Zum finanziellen Umfang der Forschung und Marketing-Aktivtäten im Bereich Cloud Computing macht IBM keine Aussage. Zumal die Technologie durch ihre komplexe Integration in eine Vielzahl von IBM Produkten integriert und damit nicht klar abgrenzbar ist. Details zu den allgemeinen Kosten sind in der Bewertung von Kriterium neun dargelegt.
Ende Januar unterstreicht IBM den Stellenwert von Cloud Computing im eigenen Unternehmen durch die Ernennung eines Cloud Computing-Teams. Dieses besteht aus hochrangigen und erfahrenen Experten mehrerer Unternehmensbereichen, wie z.B. Marketing, Verkauf und Entwicklung. Ziel des Teams ist die Bündelung und Koordination aller Cloud Computing-Aktivitäten innerhalb von IBM[91].
Aus den oben genannten Gründen ist ersichtlich, dass Cloud Computing für IBM nicht nur ein Hype, sondern eine unternehmenskritische Technologie ist, an der sie über das eigene Unternehmen hinaus aktiv mitgestaltet. Das Kriterium wird mit einer fünf bewertet, da die Kriterien über erfüllt sind.
8.6 Erreichbarkeit per Internet
Die Erreichbarkeit über das Internet ist bei allen Endkunden-Produkten gegeben. Abhängig von den eingesetzten Funktionen, wie beispielsweise Audio- oder Video-Streaming, sind jedoch Internetanbindungen von 300 Kbps empfohlen[92]. Bei dem Zugriff auf eine Public Cloud von mehreren Benutzern über die gleiche Internetverbindung muss die Bandbreite entsprechend mehrfach zur Verfügung stehen.
Firmenkunden überlässt IBM die Entscheidung, ob die Dienste in einer Private oder Public Cloud angeboten werden. Generell ist beides für jedes Produkt möglich. Die technischen Voraussetzungen sind davon unberührt und von Applikation zu Applikation verschieden. Die in LotusLive zur Verfügung gestellte Video- und Audio-Konferenz ist, im Vergleich zu klassischen Applikationen wie CRM, wo ein Großteil der Rechenleistung in der Cloud bewältigt wird, sehr breitbandintensiv.
Das Verwalten eigener Applikationen, inklusive Neustart und neuen Anforderungen funktioniert, wie in Kapitel 6.2 beschrieben, mit dem Zugriff auf das Self-Service Portal mittels eines Browsers.
Das Kriterium wird mit einer vier bewertet, da der Zugriff über das Internet auf alle Applikationen ermöglicht werden kann.
8.7 Einfache Implementierung
Die von IBM zur Verfügung stehenden Produkte, wie LotusLive sind einfach zu implementieren. Dafür bedarf es einer Registrierung auf der entsprechenden Seite und einer Bestätigung der entsprechenden Verifizierungs E-Mail, welche auf die AGBs verweist. Die Implementierung aller drei verfügbaren LotusLive-Applikationen ist gleich, steht aktuell aber nur in Englisch zur Verfügung.
Das Aufsetzen eines eigenen, auf Cloud Computing-Technologie basierten Rechenzentrums ist nicht Teil der Bewertung, da diese die Grundvoraussetzung für das Bereitstellen von Applikationen ist. Details zum Ablauf und Aufwand der Neuinstallation einer Applikation innerhalb eines Cloud-Rechenzentrums stehen nicht zur Verfügung und können somit nicht bewertet werden.
Die Kategorie wird mit einer drei bewertet, da nur die Erfahrung von LotusLive berücksichtigt werden konnten, welche als ausreichend zu bewerten sind.
8.8 Versorgung
Wie in Kapitel 6.2 beschrieben ist es dem Kunden möglich, seine Applikationen jederzeit mit Hilfe eines Self-Service-Portals zu konfigurieren und zu steuern. Dies umfasst neben dem aktuellen Status auch die zukünftige Planung an benötigten Ressourcen. Dies ist insbesondere in Private Clouds wichtig, da Ressourcen nur firmenintern und nicht über mehrere Kunden geplant werden und entsprechend begrenzt zur Verfügung stehen.
Die von den Applikationen benötigten Ressourcen werden dann, ohne weiteren Eingriff eines Nutzers oder Administrators, automatisch bereitgestellt. Veränderungen an den Applikationen kann der Benutzer auch im Self-Service-Portal vornehmen, muss aber je nach Einstellung und Auswirkung gegebenenfalls erst von einem Administrator überprüft und freigegeben werden.
Bei LotusLive kann der Benutzer wie ein Administrator innerhalb seiner Session Rechte verteilen sowie eine Sitzung starten oder beenden. Weitere Funktionen werden nicht zur Verfügung gestellt, sondern zentral von IBM administriert, da es sich um eine Public Cloud-Applikation handelt.
Das Kriterium wird mit einer vier bewertet, da es die Erwartungen im vollen Umfang erfüllt.
8.9 Kosten
In der Presse sind selten Zahlen rund um das Thema IBM und Cloud Computing zu finden. Bestätigte Kosten sind zum Beispiel zum Ausbau des Research Triangle Parks in North Carolina für 258 Millionen Euro oder die Investition von 72 Millionen Euro in vier neue Cloud Computing-Center[93] [94]. Leider lassen sich keine Informationen zum Gesamtbudget von IBM finden. Auch im Jahresbericht gibt es keine Aufstellung der detaillierten Cloud Computing-Kosten.
Dieser Bereich wird aufgrund fehlender Informationen mit Null bewertet.
8.10 Browser
Die derzeit verfügbaren LotusLive-Dienste können komplett über den Browser ausgeführt werden und sind daher unabhängig vom Client. Als mögliche Hürde stellen sich jedoch die technischen Anforderungen an den aus Browser und Betriebssystem bestehenden Client heraus. So sind beispielsweise die Anforderungen der einzelnen LotusLive-Applikationen durchaus verschieden. Während ein Sametime Unyte auf Macromedia basiert und unter Windows, Mac OS und Linux in vier verschiedenen Browsern läuft, ist Engage auf Basis von Java und Flash offiziell nur auf Windows-Betriebssystemen mit Internet Explorer 6.0 SP2+ oder Firefox 2.0+ lauffähig. Auch wenn die Anforderungen an den Anwender-PC sowie die Internetanbindung gemessen am aktuellen Standard der Computer sehr niedrig sind, ist doch insbesondere der Browser und entsprechende Plug-Ins die wichtigste Voraussetzung, um die Public Cloud-Dienste in vollem Umfang und Qualität benutzen zu können[95].
Da alle derzeit gezeigten Produkte Browser-basiert arbeiten, wird hier eine vier vergeben. Eine fünf kann nicht vergeben werden, da die Anforderungen sehr stark schwanken.
8.11 System-Schnittstelle
Die einzige Software von IBM im Bereich Cloud Computing, die Schnittstellen bietet, ist "Lotus Sametime Unyte". Durch diese lässt sich der Dienst in eigene Anwendungen integrieren. Dabei kann es sich um eine Applikation oder eine Webseite handeln, von der aus Mitarbeiter auf die Dienste zugreifen können oder die Technologie für die eigene Anwendung genutzt werden kann[96]. Schnittstellen für IBMs LotusLive stehen derzeit noch nicht zur Verfügung. Diese sollen jedoch für Partner ab dem dritten Quartal 2009 bereit stehen[97].
Daher wird dieses Kriterium mit zwei bewertet.
8.12 Geteile Ressourcen
In Kapitel 6.2 wird die Technologie der Virtualisierung basierend auf Hypervisor-Technologie und Tivoli Management Software beschrieben. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Verteilung der Ressourcen eine Kombination der aktuellen Situation, als auch der eingestellten zukünftigen Planung ist. Eine genaue Erklärung wie dies im Hintergrund geschieht, gibt IBM nicht. Die verwendeten Informationen aus den historischen Werten des Monitorings der Cloud sowie empirischer Daten von anderen IBM-Kunden, lassen jedoch auf eine solide Basis schließen, um die Ressourcen intelligent zu verteilen.
Die in der Kriteriumbewertung geforderten Workflows sind vorhanden und vereinfachen die Installation und Konfiguration von Servern und Applikationen. Inwieweit diese automatisch angepasst und somit optimiert werden, ist aus den zur Verfügung stehenden Quellen nicht abzuleiten.
Das Kriterium wird daher mit einer drei bewertet, da die Basis für geteilte Ressourcen zur Verfügung steht, jedoch nicht klar ersichtlich ist, wie diese optimiert werden.
8.13 Bewertungsübersicht
Zusammenfassend ergibt sich damit die folgende Bewertung der einzelnen Kriterien.
| Nr | Krititerium | Bereich | Bewertung |
| 1 | Strategie | Strategisch | 0 |
| 2 | Historie | Strategisch | 3 |
| 3 | Verfügbarkeit | Strategisch | 4 |
| 4 | Umfang der Produkte | Strategisch | 4 |
| 5 | Stellenwert im Unternehmen | Strategisch | 5 |
| 6 | Erreichbarkeit per Internet | Technisch | 4 |
| 7 | Einfache Implementierung | Technisch | 3 |
| 8 | Versorgung | Technisch | 4 |
| 9 | Kosten | Technisch | 0 |
| 10 | Browser | Technisch | 4 |
| 11 | System-Schnittstelle | Technisch | 2 |
| 12 | Geteile Ressourcen | Technisch | 3 |
Tabelle 2: Bewertungsergebnis
9 Fazit
Die von uns erarbeiteten Ergebnisse geben einen Überblick über Cloud Computing im Allgemeinen und die Definition sowie aktuelle Einsatzmöglichkeiten nach dem Verständnis von IBM. Die Bewertung zeigt die Stärken und Schwächen beispielhaft auf und fasst die aktuellen Schwerpunkte und Bemühungen von IBM kurz zusammen. Offen bleiben Details zu den Produkten der zukünftigen Cloud Computing-Strategie von IBM, welche leider nicht öffentlich in zitier-fähiger Form zugänglich sind. Von besonderem Interesse wäre sicherlich ein Vergleich von IBM zu verschiedenen anderen Unternehmen auf Basis gleicher Bewertungskriterien.
Für IBM ist Cloud Computing nicht nur ein Hype oder weiterer Schritt der IT-Evolution, sondern essentieller Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Ernennung eines zentralen Teams in diesem Jahr und permanente Veröffentlichung neuer Produkte unterstreichen die Bedeutung von Cloud Computing für IBM. Dabei beschränkt sich IBM nicht nur auf das eigene Unternehmen, sondern beteiligt sich mit dem Cloud Manifest und Universitäts-Kooperationen aktiv an der Entwicklung, Definition und Standardisierung über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinweg. Andere große Unternehmen wie zum Beispiel Microsoft setzen hingegen ausschließlich auf unternehmenseigene proprietäre Lösungen.
Die ist besonders deshalb wichtig, weil Marktforscher aus dem Hause Gartner den Cloud Computing-Markt für das Jahr 2009 auf einen Wert von 40 Milliarden Euro schätzen, was eine Steigerung von 21,3% im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutet. Für das Jahr 2013 erwartet Gartner bereits ein Marktvolumen von 107 Milliarden Euro[98]. Damit ist Cloud Computing eines der am stärksten wachsenden Marktsegmente der IT-Branche und für ein Unternehmen wie IBM von großer Bedeutung.
Die Schwäche von IBM im Rahmen des Cloud Computings liegt in der Verfügbarkeit und Implementierung von Produkten – insbesondere solcher, die sich an den privaten Benutzer richten. Der Großteil der IBM-Produkte und Services richtet sich, wie auch ihre Nicht-Cloud Computing-Produkte, an Unternehmen als Zielgruppe. Eines der wenigen bekannteren Produktpaletten, welche auch mit als erste Cloud-fähig gemacht wurde, ist LotusLive. Aber selbst dieses Produkt wird fast ausschließlich in Unternehmen eingesetzt. Somit richten sich die meisten Produkte an IT-Dienstleister, welche eigene Rechenzentren betreiben oder neu aufsetzen möchten.
Hier liegt klar die Stärke von IBM. Mit aktuell 13 eigenen Cloud Computing-Rechenzentren und der damit verbundenen Erfahrung, wie bestehende Rechenzentren und Anwendungen migriert werden können, hat IBM ein breites Wissen, Projekterfahrung und Tools, um dies auch anderen Unternehmen zu ermöglichen. Hinzu kommt der Vorteil durch die Größe und weltweite Verfügbarkeit von IBM. Dies ist auch aus technischer Sicht von hoher Bedeutung, da die Cloud entsprechende Bandbreite und Antwortzeiten benötigt, welche hauptsächlich durch die Nähe zum Benutzer erreicht werden.
Auch in Zukunft wird IBM sicherlich maßgeblich die Entwicklung und Einsatzgebiete der Cloud Computing-Technologie mitbestimmen und versuchen, die eigenen Schwächen durch Kooperation mit anderen Unternehmen zu kompensieren. So wird IBM den Umfang von System-Schnittstellen dieses Jahr ausbauen und ein Cloud Computing-Service anbieten, welcher in Konkurrenz zu anderen Unternehmen, wie Amazon, Google und Microsoft sowie Salesforce.com, steht. Das Angebot erlaubt es, Software zu schreiben, die mit Web-basierter Technologie kompatibel ist[99].
Insgesamt ist IBM mit seinen aktuellem Cloud Computing-Produkten gut aufgestellt und tut alles dafür die aktuellen Schwächen in zukünftige Stärken umzuwandeln.
10 Fußnoten
- ↑ Vgl. Financial Times Deutschland (2008)
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S. 7 f.
- ↑ Vgl. Schaffry, Andreas (2009)
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.7
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.7
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.8
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.9
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.10
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.11
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.12
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.13
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.15
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.15
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.17
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.17 f.
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.18 f.
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.20
- ↑ Vgl. IBM (2009o)
- ↑ Vgl. IBM (2009o)
- ↑ Vgl. IBM (2009o)
- ↑ Vgl. Hellberg (2007) S. 5
- ↑ Vgl. Hellberg (2007) S. 11 f.
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S. 23
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S. 24
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S. 24
- ↑ Vgl. Miller, Michael (2009) S. 41 f.
- ↑ Vgl. Miller, Michael (2009) S. 40
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S. 26 f.
- ↑ Vgl. Miller, Michael (2009) S. 41
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.27
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.28
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.28 f.
- ↑ Vgl. Menken, Ivanka (2008) S.30
- ↑ Vgl. IBM (2003)
- ↑ Vgl. IBM (2009e)
- ↑ Vgl. Landwehr, Andreas/Bauer, Peter (2004)
- ↑ Vgl. Stepstone (2009)
- ↑ Vgl. Business-wissen.de (2009a)
- ↑ Vgl. Business-wissen.de (2009b)
- ↑ Vgl. Hisolutions.com (2009)
- ↑ Vgl. IBM (2009f)
- ↑ Vgl. IBM (2009g)
- ↑ Vgl. IBM (2009h)
- ↑ Vgl. IBM (2009h)
- ↑ Vgl. IBM (2009i) S. 32
- ↑ Vgl. IBM (2009j)
- ↑ Vgl. IBM (2009k)
- ↑ Vgl. IBM (2009l)
- ↑ Vgl. IBM (2009m)
- ↑ Vgl. IBM (2009n)
- ↑ Vgl. IBM (2008a) S. 3
- ↑ Vgl. IBM (2008a) S. 3, zitiert nach: Wikipedia (2009)
- ↑ Vgl. IBM (2008a) S. 3
- ↑ Vgl. IBM (2008a) S. 4
- ↑ Vgl. IBM (2008a) S. 4
- ↑ Vgl. IBM (2008a) S. 4
- ↑ Vgl. IBM (2008b)
- ↑ Vgl. Dooley, Brian J. (2008) S. 3 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 6 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009s)
- ↑ utilitycomputing.com (2009)
- ↑ Vgl. IBM (2009u)
- ↑ Vgl. IBM (2009t)
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 10 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 10 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 10 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 11 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 12
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 12 ff.
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 14
- ↑ Vgl. IBM (2009a) S. 15 f.
- ↑ Vgl. IBM (2009ab)
- ↑ Vgl. IBM (2009ac)
- ↑ Vgl. IBM (2009b)
- ↑ Vgl. IBM (2009c)
- ↑ YouTube (2009)
- ↑ Cloud Manifesto (2009)
- ↑ Vgl. Weiss, Harald (2009)
- ↑ Vgl. IBM (2009z)
- ↑ Vgl. IBM (2009d)
- ↑ Vgl. IBM (2009d)
- ↑ Vgl. Lohr, Steve (2007)
- ↑ Vgl. Thibodeau, Patrick (2008)
- ↑ Vgl. IBM (2009p)
- ↑ Vgl. IBM (2009ad)
- ↑ Vgl. IBM (2009ac)
- ↑ Vgl. IBM (2009r)
- ↑ Vgl. IBM (2009x)
- ↑ Vgl. IBM (2009y)
- ↑ Vgl. IBM (2009q)
- ↑ Barnitzke, Armin/Weiss, Harald (2009)
- ↑ Vgl. IBM (2009aa)
- ↑ Vgl. IBM (2009v)
- ↑ Vgl. IBM (2009w)
- ↑ Vgl. IBM (2009aa)
- ↑ Lotus Unyte (2009)
- ↑ Vgl. Zotow, Nikolai (2009)
- ↑ Vgl. Gartner (2009)
- ↑ Vgl. IT-Times (2009)
11 Tabellenverzeichnis
| Tabelle 1 | Bewertungsskala |
| Tabelle 2 | Bewertungsergebnis |
12 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung | Quelle | |
|---|---|---|---|
| 1 | Cloudarten | Abgeleitet aus Menken, Ivanka (2008) | |
| 2 | Aktuelles IBM Logo | IBM Press room - photo gallery http://www-03.ibm.com/press/us/en/photos.wss | |
| 3 | IBM Geografische Einnahmenverteilung | Abgeleitet aus IBM Jahresbericht 2008 ftp://ftp.software.ibm.com/annualreport/2008/2008_ibm_annual.pdf | |
| 4 | IBM Umsatzverteilung der Unternehmens Segmente | Abgeleitet aus IBM Jahresbericht 2008 ftp://ftp.software.ibm.com/annualreport/2008/2008_ibm_annual.pdf | |
| 5 | Evolution zu Cloud Computing nach IBM | Abgeleitet aus IBM Perspective on Cloud Computing | |
| 6 | IBM System Z10 | IBM Mainframe Wiki http://www.ibm.com/developerworks/wikis/display/Mainframe/Home | |
| 7 | freigegebene Firefox session | Screenshot einer freigegebene Firefox session. Angezeigt in einem Internet Explorer mit Sametime Unyte |
13 Literatur- und Quellenverzeichnis
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14 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| AES | Advanced Encryption Standard |
| API | Application programming interface |
| CTO | Chief Technology Officer |
| IaaS | Infrastucture as a Service |
| ISV | Independent software vendor |
| LPAR | Logical patition |
| MIT | Massachusetts Institute of Technology |
| OEM | Original Equipment Manufacturer |
| PaaS | Platform as a Service |
| PACES | Performance and Capacity Estimation System |
| SaaS | Software as a Service |
| SLA | Service level agreement |
| SLES | SUSE Linux Enterprise Server |
| UMTS | Universal Mobile Telecommunications System |
| WiFi | synonym for wireless LAN |
| WiMax | Worldwide Interoperability for Microwave Access |







