Analyse von Bonita Open Solution

Aus Winfwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Fallstudienarbeit

Hochschule: Hochschule für Oekonomie & Management
Standort: Düsseldorf
Studiengang: Bachelor Wirtschaftsinformatik
Veranstaltung: Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten
Betreuer: Prof._Dr._Uwe_Kern
Typ: Fallstudienarbeit
Themengebiet: Geschäftsprozessmodellierung
Autor(en): Thorben Beer, Jens Schatten, Raphael Piechocki
Studienzeitmodell: Tagesstudium
Semesterbezeichnung: SS11
Studiensemester: 2
Bearbeitungsstatus: begutachtet
Prüfungstermin:
Abgabetermin:


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Thema der Analyse

Die Geschäftsprozessmodellierung / Geschäftsprozessplanung ist ein Thema, das in immer mehr Unternehmen an Relevanz gewinnt. Sie beschreibt die abstrakte und konzeptionelle Abbildung von Vorgängen innerhalb eines Unternehmens. Diese Darstellung von Abläufen lässt Schwachstellen, Optimierungsmöglichkeiten, sowie generelle Fehler erkennen.

Im Rahmen dieser Fallstudie analysieren wir das Geschäftsprozessmodellierungstool Bonita Open Solution. Hiermit ist es möglich Geschäftsprozesse abzubilden, zu analysieren und Workflowlösungen zu erstellen.

1.2 Zielsetzung

Das Ziel unserer Analyse ist es, Bonita Open Solution im Hinblick auf die Möglichkeiten der Geschäftsprozessmodellierung hin zu analysieren. Dazu ist es nötig, die Software in einzelne Teilbereiche zu untergliedern, welche anschließend untersucht und ausgewertet werden.

Gerade im Bereich der Geschäftsprozessmodellierungs-Tools ist auf eine hohe Interaktivität der einzelnen Komponenten zu achten. Prozesse müssen sorgfältig geplant und übersichtlich dargestellt werden können. Die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mehrere Personen muss durchdacht in die Programmoberfläche bzw. in die Projektgestaltung implementiert sein. Des Weiteren ist die Handhabung und Bedienbarkeit der Software ein weiterer Punkt der Analyse. Hier muss festgestellt werden, in wie weit BOS intuitiv gestaltet wurde. Ebenfalls wird geprüft, ob die Umsetzung einer eleganten Softwarelösung auch im Bereich der Performance gelungen ist.

1.3 Methodisches Vorgehen

Um Bonita Open Solution zu analysieren, beschäftigen wir uns zunächst mit den Grundlagen, auf denen BOS basiert. Danach legen wir die Kriterien fest, nach denen wir BOS analysieren werden. Bevor wir BOS analysieren, machen wir uns mit der Software und ihrer Bedienung durch die Erstellung von eigenen Projekten vertraut. Nun behandeln wir Schritt für Schritt die von uns festgelegten Analysekriterien und untersuchen die Software kritisch nach den genannten Aspekten. Einige Funktionen werden wir anhand eines Beispielprojektes näher beleuchten, bevor wir ein zusammenfassendes Resumé ziehen.

2 Grundlagen

2.1 Prozess-Management

Abb.1: Integriertes Geschäftsprozess- und Workflow-Management
Abb.1: Integriertes Geschäftsprozess- und Workflow-Management[1]

Das Prozess-Management befasst sich mit der Tatsache, dass in immer mehr Unternehmen Effizienz- und Kostenreduzierung ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensplanung ist. Neben dem immer größer werdenden Druck, Kosten zu senken, spielt in dieser Thematik auch die Übersichtlichkeit und Wiederholbarkeit verschiedener Prozessabläufe eine wichtige Rolle. Dort wo früher einfache Abläufe durchgeführt wurden, ist mit der zunehmenden Automatisierung eine regelrechte Komplexität eingekehrt. Hier greift das Prozess-Management. Es beschreibt die inhaltliche und praktische Umsetzung der Organisationslehre, die zu den Konzepten der Aufbau- und Ablauforganisation geführt hat. [2]

Der Prozess an sich wird definiert, als ein Ablauf von Bearbeitungsschritten, der prinzipiell die Charakteristik der Wiederholbarkeit aufweist. Ein Prozess kann also eingeführt werden, wenn ein Vorgang standardisiert werden soll. Die Voraussetzungen dazu sind Gleichheit der gegebenen organisatorischen Mittel und die Umsetzung eines Regelwerkes, welches darstellt, wie der Prozess abzulaufen hat.[3]


Nach Gadatsch ist der Begriff Prozess-Management wie folgt definiert: >>Prozess Management ist ein zentraler Bestandteil eines integrierten Konzeptes für das Geschäftsprozess und Workflow Management. Es dient dem Abgleich mit der Unternehmensstrategie, der organisatorischen Gestaltung von Prozessen sowie deren technischer Umsetzung mit geeigneten Kommunikations- und Informationssystemen.<<[4]


Dem Prozess-Management ist ein Gestaltungsrahmen zugrunde zu legen. Er ist unterteilt in drei Ebenen.[5]

  • Die strategische Ebene: hier werden die Geschäftsfelder inklusive ihrer wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren betrachtet.
  • Die fachlich konzeptionelle Ebene: es erfolgt die Aufteilung in einzelne Prozesse und Unterprozesse (Prozess-Management).
  • Die operative Ebene: sie stellt das Workflowmanagement dar und arbeitet eng mit der Anwendungssystemgestaltung und Organisationsgestaltung zusammen.

Das Prozess-Management ist hiernach in drei Bereiche unterteilt.[6]

  • Die Prozessabgrenzung
  • Die Prozessmodellierung
  • Die Prozessführung

2.1.1 Prozessabgrenzung

>>Die Prozessabgrenzung beschreibt die Prozessentstehung.<<[7] Hierzu ist es zuerst einmal notwendig, den Prozess in einzelne Module aufzuteilen. Dies geschieht im Hinblick auf die einzelnen Geschäftsfelder und Produktionsfaktoren eines Unternehmens. Die einzelnen Produktionsschritte eines Produktes werden also in Prozessketten aufgeteilt, wobei jedem Teilprozess (Abläufe, Vorgänge, Teilvorgänge, Einzeltätigkeiten etc.) wiederum ein eigener Prozess zugrunde liegen kann.[8] Durch diese Aufteilung erhält der übergeordnete Prozess eine regelrechte Transparenz und es werden bereits hier, in dieser frühen Phase, Bewertungsmöglichkeiten geschaffen und Schwachstellen sichtbar.

Einen zentralen Punkt nimmt hier die eigentliche Abgrenzung zwischen den Prozessen ein. Sie ist nicht pauschalisierbar und unterliegt den jeweiligen spezifischen Strukturen eines Unternehmens.

2.1.2 Prozessmodellierung

In der Modellierungsphase geht es darum, eine realistische Abbildung der Geschäftsprozesse unter einer fachlich-konzeptionellen Perspektive zu erhalten. Die strategischen Ziele eines Unternehmens sind hierbei maßgebend. Dies kann dazu führen, dass bereits bestehende Prozesse überarbeitet oder ggf. völlig neu gestaltet werden müssen - z.B. bei einer angestrebten Automatisierung.

  • Modellierung der Geschäftsprozesse
Die eigentliche Darstellung der Prozesse geschieht in den sogenannten Modellierungssprachen (siehe Business Process Modeling Notation 2.0).
  • Integration der Geschäftsprozesse
Die Integration der dargestellten Prozesse erfolgt häufig in sogenannten Workflowlösungen und stellt, wie bereits aus der Grafik (Integriertes Geschäftsprozess- und Workflow-Management) ersichtlich, die Verbindung zwischen Theorie und Praxis her (siehe Analyse des Workflow anhand eines Beispielprojektes).

2.1.3 Prozessführung

Die Prozessführung übernimmt die Kontrollfunktion bei der Durchführung der geplanten Prozesse. Ihr Ziel ist Orientierung an dem zuvor festgelegten Prozesserfolg, welcher vorher anhand von gegebenen Messgrößen ermittelt wurde. Dies kann dazu führen, dass, je nach Erfolgsbewertung, wiederum Schwachstellen im Prozessablauf erkannt werden und die Prozessstruktur überarbeitet werden muss.[9]

2.2 Business Process Modeling Notation 2.0

Um einen Geschäftsprozess darzustellen, muss dieser beschrieben und dokumentiert werden. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einfache Prozessstrukturen lassen sich leicht in textueller oder tabellarischer Form darstellen. Diese werden häufig mit Präsentations- oder Grafikprogrammen erarbeitet und als einfache Ablaufdiagramme ausgegeben. Meist wird hierbei keiner festen Methodik gefolgt und die Darstellung geschieht mit Hilfe von Kästchen und Pfeilen.

Diese Art der Darstellung genügt jedoch nicht für komplexere Prozessstrukturen. Da relevante Aspekte wie Verzweigungsregeln, Ereignisse, ausführende Organisationseinheiten, Datenflüsse usw. außer Acht gelassen werden, benötigt man eine festgelegte, standardisierte Notation. Diese Notation legt fest, mit welchen grafischen Elementen und Symbolen ein Prozess dargestellt wird, was sie genau bedeuten und wie sie miteinander kombiniert werden können. Damit wird eine einheitliche Sprache zur Modellierung geschaffen und es ist möglich, durch diese einheitliche Darstellungsweise, Prozesse zu analysieren und ihr dynamisches Verhalten zu simulieren.[10]

BPMN 2.0 ist ein solcher Standard zur Darstellung von Geschäftsprozessen. Diese Modellierungssprache stellt die nötigen Werkzeuge zur Geschäftsprozessmodellierung bereit.

2.2.1 BPMN 2.0 Elemente

Mit den folgenden grafischen Objekten werden im BPMN Standard die Prozesse dargestellt.

2.2.1.1 Flow Objects
Abb.2: Event, Activitiy, Gateway
Abb.2: Event, Activitiy, Gateway[11]

Flow Objects sind die Hauptbestandteile der grafischen Darstellung und werden in drei Kategorien unterteilt.[12]

  • Events
Ein Event ist etwas, was während des Verlaufs eines Prozesses "passiert". Es nimmt Einfluss auf die Strömung innerhalb des Modells und hat normalerweise eine Ursache oder Auswirkung. Events sind Kreise mit offenen Zentren und ermöglichen internen Markern, diese zu differenzieren. Es gibt drei Arten von Events. Man unterscheidet generell: Start Events, End Events und Intermediate Events.[13]
  • Activities
Activity ist der Oberbegriff für eine Tätigkeit innerhalb eines Prozesses. Eine Activity modelliert eine einzelne Aufgabe, also einen Schritt in einem Prozess oder Ablauf. Setzt ein Prozess also eine Aufgabe um, so sind Activities die einzelnen kleinen Schritte, welche zur Umsetzung dieser Aufgabe notwendig sind.[14]
  • Gateways
Ein Gateway wird verwendet, um die Divergenz und Konvergenz der Sequence Flows in einem Prozess und in einer Choreographie zu steuern. Sie werden zum Verzweigen, Gabeln, Zusammenführen und Verbinden von Pfaden genutzt. Interne Marker zeigen die Art an, wie das Verhalten gesteuert wird.[15]


2.2.1.2 Data Objects
Abb.3: Data Objects
Abb.3: Data Objects[16]

Data Objects liefern Informationen darüber, was Aktivitäten erfordern und/oder was sie produzieren um durchgeführt zu werden. Sie können ein einzelnes Objekt oder eine Sammlung von Objekten darstellen. Dateneingabe und Datenausgabe bieten die gleichen Informationen für Prozesse.[17]


2.2.1.3 Connecting Objects
Abb.4: Connecting Objects
Abb.4: Connecting Objects[18]

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Flow Objekte miteinander oder zu anderen Informationen zu verbinden.

  • Sequence Flows
Eine Sequence Flow wird verwendet, um anzuzeigen, dass eine Activity innerhalb eines Prozesses durchgeführt wurde.[19]
  • Message Flows
Ein Message Flow wird verwendet, um den Fluss der Nachrichten zwischen zwei Teilnehmern, die bereit zum Senden und Empfangen sind, anzuzeigen.[20]
  • Associations
Eine Association wird verwendet, um Informationen und Artefakte mit grafischen Elementen zu verbinden. Text-Anmerkungen und andere Artefakte können mit den grafischen Elementen assoziiert werden. Eine Pfeilspitze auf dem Objekt weist auf eine Fließrichtung (z.B. Daten) hin.[21]


2.2.1.4 Swimlanes
Abb.5: Swimlanes
Abb.5: Swimlanes[22]

Es gibt zwei Möglichkeiten der Gruppierung der primären Elemente durch Swimlanes.

  • Pool
Ein Pool ist die grafische Darstellung für den Prozess eines Teilnehmers. Es wird auch als "Swimlane" bezeichnet und ist der grafische Behälter für die Partitionierung einer Reihe von Aktivitäten.[23]
  • Lane
Eine Lane ist ein Sub-Partition innerhalb eines Prozesses oder manchmal auch innerhalb eines Pools. Sie kann sich während der gesamten Dauer des Prozesses, entweder vertikal oder horizontal ausbreiten. Lanes werden verwendet, um Aktivitäten zu organisieren und zu kategorisieren.[24]


2.2.1.5 Artifacts
Abb.6: Artifacts
Abb.6: Artifacts[25]

Artifacts werden verwendet, um zusätzliche Informationen über den Prozess zu liefern. Es gibt zwei standardisierte Artifacts. Jedoch sind Modellierer oder Modellierungs-Tools frei, so viele Artefakte wie nötig hinzuzufügen.[26]


3 Einführung Bonita Open Solution

Bonita Open Solution ist eine open-source Software für die Planung und Gestaltung des Business Process Management (BPM). Die Software kombiniert eine leistungsfähige BPM & Workflow-Engine mit der Möglichkeit der grafischen Darstellung von Geschäftsprozessen im BPMN 2.0 Standard. Dies erlaubt dem Benutzer den Prozess zu planen und anschließend direkt in eine Workflowlösung zu konvertieren. Darüber hinaus ermöglicht BOS es dem Benutzer, die Prozesse mit anderen Standards und Technologien, wie XPDL oder jBPM zu ergänzen. Die BPM-Engine ist eine Java-API, die programmatische Interaktion mit den Prozessen ermöglicht. Sie stützt sich auf Hibernate und hat eine Lesser General Public License. Die Zusammenarbeit mehrerer User stützt sich auf ein Portal, das jeden Endbenutzer in einer Webmail-ähnlichen Benutzeroberfläche verwaltet. Das Portal ermöglicht es dem Besitzer eines Prozesses, diesen zu verwalten und über diesen Prozess zu berichten. Es stützt sich auf Google Web Toolkit. BOS ist mehrsprachig gehalten und unterstützt Englisch, Französisch, Spanisch sowie Deutsch.[27]

4 Analysekriterien

4.1 Systemanforderungen

In der Analyse werden zunächst kurz die Systemanforderungen des Programms aufgeführt. Hierbei wird zwischen der lokalen und der Serverinstallation unterschieden.

4.2 Produktumfang

Danach werden die Programmkomponenten beschrieben. Hier soll ein Überblick über die einzelnen Elemente von Bonita Open Solution und ihr Zusammenspiel gegeben werden. Es wird überprüft, welche Funktionen die Komponenten von BOS besitzen und welche Aufgabenfelder sie abdecken.

4.3 Funktionsweise

Bei der Analyse der Funktionsweise wird auf die Bedienung des Programms eingegangen. Die Funktionsweise gliedert sich in die Programmoberfläche, den Formulargenerator und die Zusammenarbeit mehrerer User. Bei der Untersuchung der Programmoberfläche wird vor allem darauf geachtet, wie übersichtlich die Fenster und Komponenten angeordnet sind. Bei der Beschreibung des Formulargenerators wird untersucht, wie die Erstellung von Formularen in Bonita Open Solution funktioniert und wie sich mit deren Hilfe Daten eingeben lassen. Abschließend wird darauf eingegangen, wie gut eine Zusammenarbeit zwischen mehreren Anwendern möglich ist und mit welchem Aufwand diese verbunden ist.

4.4 Benutzerfreundlichkeit

Ein wichtiges Kriterium ist die Benutzerfreundlichkeit. Es wird untersucht, wie intuitiv die Bedienung von Bonita Open Solution ist, und wie viel Einarbeitungszeit der Benutzer benötigt, um die verschiedenen Funktionen von BOS zu verwenden.

4.5 Umsetzung des Standards

Da Bonita Open Solution auf dem in 2.2 näher beschriebenen BPMN 2.0-Standard basiert, muss untersucht werden, wie konsequent dieser Standard umgesetzt wurde und in welchen Punkten BOS gegebenenfalls davon abweicht. Dabei kann eine Abweichung entweder bedeuten, dass BOS Elemente von BPMN 2.0 fehlen, dass BOS den Standard ergänzt, oder dass einzelne Elemente abgewandelt werden.

4.6 Workflow

Der Workflow von Bonita Open Solution wird anhand eines Beispielprojektes analysiert. So können die einzelnen Punkte besser nachvollzogen werden. Schwerpunkte liegen hier auf den Themenbereichen Prozessdiagramme, Variablen, Formulare, Connectoren und der User Experience.

4.7 Kosten

Das Programm muss auch nach Kostengesichtspunkten betrachtet werden. Hierbei wird der Frage nachgegangen, wie teuer die Anschaffung ist und ob gegebenenfalls Folgekosten entstehen.

4.8 Support

Zuletzt wird untersucht, in welchem Umfang Support durch die Softwarefirma (BonitaSoft) gewährleistet wird und welche Hilfen es zum erfolgreichen Betrieb von Bonita Open Solution gibt.

5 Analyse

5.1 Systemanforderungen

5.1.1 Lokale Installation

Minimale Hardware Voraussetzungen

Für Bonita Open Studio: 1 GB RAM


Empfohlene Hardware Vorraussetzungen

Für Bonito Open Studio: 2 GB RAM

5.1.2 Server Installation

Minimale Hardware Voraussetzungen

Für einen Test Server: 512 MB RAM

Für einen Server im Produktiveinsatz: mindestens 1 GB RAM (Je nach Anzahl der Prozesse nach oben offen).


Empfohlene Hardware Vorraussetzungen

Für einen Test Server: 1 GB RAM

Für einen Server im Produktiveinsatz: mindestens 2 GB Ram (Je nach Anzahl der Prozesse nach oben offen).


Software Vorraussetzungen:

Windows oder Linux Server-Betriebssytem.

Java Development Kit Version 5 oder höher.

Java EE 5 Application Server (z.B. Tomcat, JBoss oder Glassfish).

Datenbankmanagementsystem das Hibernate unterstützt (z.B. MySQL, PostgreSQL oder Oracle).

5.2 Produktumfang

Bonita Open Solution besteht aus drei Komponenten, die verschiedene Aufgaben erfüllen und ineinander übergreifen. Dies sind das Bonita Studio, der Form Builder und User Experience.

5.2.1 Bonita Studio

Abb. 7 Die Oberfläche von Bonita Studio
Abb. 7 Die Oberfläche von Bonita Studio

Das Kernelement von Bonita Open Solution ist das Bonita Studio. Im Bonita Studio findet die eigentliche Modellierung der abzubildenden Prozesse statt.

Die einzelnen Prozessschritte können per Drag & Drop in eine Arbeitsfläche eingefügt und dort bearbeitet werden. Es ist eine umfangreiche Werkzeugpalette vorhanden, aus der Elemente ausgewählt und miteinander kombiniert werden können.

Des weiteren kann ein Prozess über die Connectoren mit anderen Systemen und Diensten (z.B. SAP, Twitter) verbunden werden, um auf diese Weise Daten auszutauschen.

Ein fertiger Prozess kann „ausgeführt“ werden, was bedeutet, dass ein Durchlaufen der Prozessschritte simuliert wird und gegebenenfalls erforderliche Benutzerinteraktionen, wie die Eingabe von Werten durchgeführt werden.


5.2.2 Bonita Studio Formbuilder

Abb. 8 Der Bonita Studio Formbuilder
Abb. 8 Der Bonita Studio Formbuilder

Der Bonita Studio Form Builder ermöglicht es, die Standard-Eingabemaske für Benutzerinteraktionen nach eigenen Bedürfnissen anzupassen. Hierfür steht eine Palette mit einem Großteil der üblichen Windows-Steuerelemente zur Verfügung, die in ein Formularfenster gezogen werden können. Das Formular selber ist dabei wie eine Tabelle aufgebaut und in einzelne Zellen gegliedert. Es können sowohl Formularvorlagen („Templates“), als auch individuelle Formulare erstellt werden.


5.2.3 Bonita User Experience

Abb. 9 Die Bonita User Experience
Abb. 9 Die Bonita User Experience

Bonita User Experience ist ein System zum Testen und Verbessern der erstellten Prozesse. Es bietet eine Übersicht über die gestarteten Prozessläufe und die aktuellen Schritte. Dies geschieht über ein Web-basiertes Interface, das den Benutzer, ähnlich wie ein E-Mail-Programm, über Neuigkeiten informiert und diese zusammenträgt. Dies ist besonders bei komplexen Projekten, mit einem Zusammenspiel vieler Prozesse und Benutzer hilfreich, insbesondere dann, wenn die Prozesse viel Spielraum für unterschiedliche Auswahlmöglichkeiten besitzen.

Die verschiedenen Prozessschritte werden unter anderem nach Dringlichkeit kategorisiert, was dem Benutzer einen besseren Überblick über die zu unternehmenden Tätigkeiten verschafft.


5.3 Funktionsweise

Die Untersuchung der Funktionsweise unterteilt sich in drei Punkte: Die Programmoberfläche, den Formulargenerator und die Zusammenarbeit mehrerer User.

5.3.1 Programmoberfläche

Abb. 11 Die Werkzeugpalette
Abb. 11 Die Werkzeugpalette
Abb. 10 Die Menüleiste
Abb. 10 Die Menüleiste

Die Programmoberfläche von Bonita Open Solution ist klar gegliedert. Zuoberst befindet sich eine Menüleiste, welche alle Grundfunktionen beinhaltet. Die wichtigsten Menüpunkte haben unter dem Hauptmenü einen zusätzlichen Shortcut, was den Zugriff beschleunigt.

Der Rest des Fensters ist ähnlich aufgebaut wie ein Browser. Neue Fenster werden als neue Tabs geöffnet, deren Inhalt unterschiedlich sein kann, je nachdem, welches Unterprogramm gerade ausgeführt wird (siehe 5.2 Produktumfang).

Bei Bonita Studio und dem Form Builder befindet sich am linken Bildschirmrand eine Werkzeugleiste, die sich zwischen den drei Ansichten Advanced, Simple und Detailed umschalten lässt. Hier finden sich alle verwendbaren Objekte. Um ein Objekt zu verwenden, wird es per Drag & Drop einfach in den Arbeitsbereich gezogen, der sich unmittelbar neben der Werkzeugpalette befindet und den größten Teil des Bildschirmes einnimmt.

In der unteren linken Ecke befindet sich ein Übersichtsfenster. Hier wird der gesamte Prozess als Miniaturansicht dargestellt und der aktuelle Bildschirmausschnitt angezeigt.

In der unteren rechten Ecke befindet sich das Eigenschaftenfenster. Für jedes markierte Objekt können hier sämtliche Eigenschaften angezeigt und festgelegt werden. Es können Variablen angelegt, Benutzer bestimmt und der Form Builder aufgerufen werden.

Die Unterfenster können relativ frei verschoben, skaliert oder ausgeblendet werden. Im Hauptmenü kann über den Menüpunkt View - Reset View die Standard-Ansicht wiederhergestellt werden.

User Experience ist nicht fest an das Fenster von Bonita Open Solution gebunden. Es kann sowohl über BOS, als auch über einen beliebigen Webbrowser geöffnet werden. Optisch gleicht User Experience sehr einem E-Mail-Programm. Am linken Rand sind verschiedene Ordner aufgelistet. Der oberste ist der Eingang mit den neu eingegangenen Prozessen. Darunter kommen einige verschiedene Kategorisierungen - beispielsweise die überfälligen, oder die durch einen Stern besonders hervorgehobenen Prozesse. Es können auch alte bereits abgeschlossene Prozessläufe angezeigt werden.

Seit der Version 5.5 ist Bonita Open Solution mehrsprachig verfügbar (vorher ausschließlich in englisch). Allerdings ist die deutsche Übersetzung der Funktionen sehr fehlerhaft - sowohl begrifflich, als auch grammatikalisch (z.B. "Bearbeit ein connector" oder "Werfen Nachricht"). Die Übersetzung scheint entweder maschinell oder sehr unprofessionell erstellt worden zu sein. Es empfiehlt sich daher, trotz der deutschen Version die englische Einstellung zu verwenden.

Abb. 12 Das Übersichtsfenster
Abb. 12 Das Übersichtsfenster
Abb. 13 Das Eigenschaftenfenster
Abb. 13 Das Eigenschaftenfenster


5.3.2 Formulargenerator

Der Formulargenerator dient in BOS der Bearbeitung und Erstellung, der zu einem Task gehörigen Formulare. Zur Erstellung der Oberfläche ist man nicht nur auf den Formulargenerator beschränkt, sondern kann die Oberfläche mithilfe von HTML und dynamischen Websites, die mit BOS verlinkt sind, beliebig verändern.

Werden in einem Step Daten eingelesen, wird automatisch ein Formular generiert, das entsprechend der gewählten Daten die passenden Oberflächenelemente erzeugt. Dieses Formular kann natürlich beliebig angepasst werden. Vor dem Erstellen eines Formulars, muss man sich entscheiden, ob dieses nur Daten wiedergeben soll, oder ob auch Daten eingegeben werden können. Entsprechend wählt man für den Task unter dem Reiter Application das Menu Entry Pageflow (Dateieingabe) oder View Pageflow (Dateidarstellung). Hat man seine Wahl getroffen, klickt man auf Add und es öffnet sich ein Dialog, in dem der Name und die Beschreibung (optional) des Formulars eingegeben werden müssen. Hier hat man die Möglichkeit, entsprechend der im Projekt verwendeten Variablen, Oberflächenelemente automatisch erzeugen zu lassen. Mit einem Klick auf Finish wird das Grundgerüst des Formulars erstellt und die Oberfläche von BOS angepasst. Die Palette enthält nun statt der BPMN Elemente die Oberflächenelemente für die Formulare und der Workspace zeigt das tabellarisch aufgebaute Formular. Die Oberflächenelemente lassen sich per Drag & Drop nach Belieben umordnen. Mithilfe der Plus und Minus Symbole lassen sich Zeilen und Spalten hinzufügen und löschen, so dass das Design entsprechend der eigenen Wünsche angepasst werden kann.

5.3.3 Zusammenarbeit mehrerer User

Bonita Open Solution ist dafür konzipiert, dass ein Prozess von mehreren Benutzern getestet werden kann. Die Zusammenarbeit findet in dem Tool User Experience statt. Hier kann sich jede beteiligte Person in einem Benutzerprofil anmelden und auf diese Weise anstehende Prozessschritte abarbeiten.

Abb. 14 Geöffneter Prozess in der User XP
Abb. 14 Geöffneter Prozess in der User XP

Aktuelle Neuigkeiten werden sofort nach der Anmeldung in der sogenannten Inbox angezeigt. Klickt der Benutzer auf einen Punkt, öffnet sich das dazugehörige Formular, welches ausgefüllt und abgeschickt werden muss. Dadurch wird sofort der nächste Prozessschritt eingeleitet, der dann bei eventuell erforderlichen weiteren Benutzern in der Inbox erscheint. Wenn das Formular vorher entsprechend benutzerfreundlich gestaltet wurde, können auf diese Weise alle beteiligten Personen ohne weitere Einarbeitung an der Prozessentwicklung mitarbeiten.

Jeder Benutzer kann einen Prozess kommentieren und auf diese Weise unkompliziert mit den anderen Benutzern kommunizieren. Der Administrator erhält einen Überblick über sämtliche Benutzer und deren Aktionen und kann somit die Zusammenarbeit koordinieren und den Prozessablauf beobachten.

Da Bonita User Experience sich vom Aufbau her sehr an einem E-Mail-Programm orientiert, ermöglicht es den Benutzern ein unkompliziertes Zusammenarbeiten. Neue Prozessschritte werden wie eingehende E-Mails angezeigt und automatisch nach Dringlichkeit sortiert.


5.4 Benutzerfreundlichkeit

Bonita Open Solution ist auf den ersten Blick übersichtlich gestaltet und gegliedert. Die Menüleiste ordnet die Grundfunktionen strukturiert und gut nachvollziehbar an und versieht die wichtigsten Einträge mit einem zusätzlichen Symbol in der darunter liegenden Schnellzugriffsleiste.

Abb. 15 Auswahlmöglichkeiten an einem Task‎
Abb. 15 Auswahlmöglichkeiten an einem Task‎

Die Erstellung eines Prozesses erfolgt durch Drag & Drop und ist somit ohne viel Vorwissen möglich. Die Grundstruktur eines Prozesses kann allein durch das Verschieben der entsprechenden Symbole aufgebaut werden. Die Werkzeugpalette ist zwischen drei verschiedenen Ansichten unterschiedlicher Detailtiefe umschaltbar, was unerfahrenen Benutzern den Einstieg erleichtert. An jedem bereits eingefügten Element befinden sich bei Auswahl Optionen zur weiteren Vorgehensweise, wie zum Beispiel das Anfügen einer weiteren Verbindung.

Verbindungslinien passen sich beim Verschieben eines Elementes automatisch an, wobei sie meistens logisch angeordnet werden, sich in manchen Fällen jedoch unübersichtlich überschneiden, was vom Benutzer aber mit wenigen Mausklicks angepasst werden kann.

In der unteren linken Ecke des Fensters befindet sich standardmäßig ein Übersichtsfenster, in dem eine Miniaturansicht des gesamten Prozesses mit dem aktuellen Bildausschnitt zu sehen ist. Dies ist bei komplexen Prozessen, die mehr als eine Bildschirmgröße in Anspruch nehmen, ein sinnvolles Werkzeug.

Wenn ein Element ausgewählt wird, werden unten rechts die dazugehörigen Eigenschaften angezeigt, die dort bearbeitet werden können. Diese sind relativ unübersichtlich angeordnet, da sowohl horizontal, als auch vertikal Reiter vorhanden sind. Ein mit dem Programm nicht vertrauter Benutzer kann bestimmte Optionen ohne Hilfe nicht finden und auch, wenn man bereits über Erfahrungen mit BOS verfügt, ist die Anordnung nicht immer schnell nachzuvollziehen.

Bei mehreren offenen Fenstern werden diese, wie in einem Browser, in Tabs angeordnet, was positiv zur Erhaltung der Übersicht beiträgt.

Die Bedienelemente sind zwar überwiegend intuitiv angeordnet, beim Bearbeiten eines Prozesses muss der Benutzer jedoch immer wieder zwischen verschiedenen Fenstern hin- und herspringen (z.B. Erstellung von Variablen/Formularen). Es gibt keinen stringenten Arbeitsablauf an dem man sich orientieren kann, da viele Optionen erst über die Untermenüs einzelner Objekte ausgewählt werden. Dadurch ist das erste Anordnen von einzelnen Ereignissen zwar schnell erledigt, die weitere Bearbeitung, bis der Prozess in der gewünschten Form ausführbar wird, erfordert jedoch eine gewisse Zeit der Einarbeitung.

Was die Performance angeht zeigt das Programm einige Schwächen. Bereits das Starten von Bonita Open Solution dauert selbst auf aktuellen Rechnern, die weit über den Systemanforderungen liegen, überdurchschnittlich lange. Während des Erstellens und Bearbeitens eines Prozesses läuft BOS dafür flüssig. Es scheint als würden sämtliche Komponenten zu Beginn geladen (vermutlich um das spätere Arbeiten zu beschleunigen), was gerade bei Bürorechnern mit eventuell weniger Kapazitäten an deren Grenzen und zu sehr langen Wartezeiten für den Benutzer führen könnte.

Noch stärker bemerkbar macht sich dieses Problem beim Ausführen eines Prozesses. Dieser Vorgang kann leicht mehrere Minuten in Anspruch nehmen, wobei für den Benutzer über weite Strecken der Wartezeit kein Fortschritt erkennbar ist. Der eingeblendete Fortschrittsbalken verharrt an einer Stelle und das Fenster bekommt die Überschrift „Keine Rückmeldung“ (unter Windows). Wenn der Benutzer nicht weiß, dass dieses Verhalten bei BOS regelmäßig auftritt, kann es schnell zu Frustrationen führen, da er sich nicht sicher ist, ob das Programm noch läuft oder „abgestürzt“ ist.

5.5 Umsetzung des Standards

Bonita Open Solution verwendet als Notation BPMN 2.0. Dieser Standard wird durchweg konsequent verwendet. Die Symbole sind farbig gestaltet, was sie anschaulicher macht.

Alle in BOS verwendeten Objekte entsprechen dem Standard, es sind jedoch nicht alle in BPMN 2.0 definierten Objekt vorhanden. Es gibt beispielsweise kein Complex Gateway. Ebenso sind die in Kapitel 2.1.1 erwähnten Data Objects nicht implementiert.

Dadurch, dass der Großteil des Standards aber vorhanden ist, lassen sich alle üblichen Prozesse BPMN 2.0-konform abbilden.

5.6 Workflow

5.6.1 Analyse des Workflow anhand eines Beispielprojektes

5.6.1.1 Prozessdiagramme
Abb. 16 Ein Prozessdiagramm mit Tasks und Transitions
Abb. 16 Ein Prozessdiagramm mit Tasks und Transitions

Prozessdiagramme visualisieren die einzelnen Prozessschritte und stellen Beziehungen und Abläufe einzelner Prozessschritte dar. Einzelne Elemente des Prozessdiagramms werden per Drag & Drop aus der Werkzeugleiste in den Pool gezogen und können dort frei angeordnet werden. Die verwendeten Symbole entsprechen den Symbolen des BPMN 2.0 Standards, nur dass sie eingefärbt sind. Jedes Prozessdiagramm muss einen Startpunkt und einen Endpunkt besitzen, da es sonst nicht dem BPMN Standard entspricht und damit nicht ausgeführt werden kann.

Zur Steigerung der Übersichtlichkeit hat man beim Anordnen der Elemente die Möglichkeit, die Elemente zueinander so auszurichten, dass sie auf gleicher Höhe liegen. Hat man ein Element platziert, kann man es anklicken um seine Eigenschaften zu ändern. Weiterhin hat man hier die Möglichkeit neue Elemente anzulegen, die direkt eine Transition zum ausgewählten Objekt haben, was es vereinfacht, logische Verknüpfungen zu erstellen.

Das Beispielprojekt ist relativ simpel aufgebaut und besteht aus vier Tasks, die über 3 Transitions und 2 Fallunterscheidungen miteinander verbunden sind (vgl. Abb. 15). Der Kunde soll seine Kontonummer eingeben und wird dann gefragt, ob er seine Kontoauszüge einsehen, oder ob er Geld abheben möchte. Abhängig von der Entscheidung bekommt er den Kontostand angezeigt, oder muss seinen Pin eingeben, um Geld abzuheben. Nach erfolgreicher Authentifizierung erhält der Kunde eine Bestätigungsnachricht.

5.6.1.2 Variablen
Abb. 17 Dialog zum Anlegen der Variablen OptionenAbheben vom Datentyp "list of options"
Abb. 17 Dialog zum Anlegen der Variablen OptionenAbheben vom Datentyp "list of options"

Variablen (häufig auch als Daten bezeichnet) sind in Bonita Open Solution Objekte zur Speicherung von Informationen. Dadurch ist es möglich, Informationen über einzelne Arbeitsschritte und über verschiedene Softwarepakete hinweg zu transportieren.

Daten können in BOS als globale Variablen (Prozessvariablen) oder lokale Variablen (Taskvariablen) deklariert werden. Dadurch lässt sich die Sichtbarkeit von Variablen regulieren und Fehler durch z.B. Redundanz oder Zugriffskonflikte vermeiden.

Zum Anlegen einer Variablen wählt man den Menüpunkt Data → Add, worauf sich ein Assistent öffnet, der beim Anlegen der Variablen hilft. Zuerst muss man der Variablen einen Namen geben und kann nun optional eine Beschreibung hinzufügen.

Anschließend muss der Datentyp definiert werden. BOS hat standardmäßig einige Datentypen implementiert, die man auch aus der Programmierung kennt, z.B. String, Integer oder Boolean. Jedoch implementiert BOS auch erweiterte Datentypen wie z.B. Attachement (Dateien), XML-Dateien oder Java Objekte. Auch ist es möglich, eigene Objekte zu definieren.

Arrays werden ebenfalls von BOS unterstützt. Dazu wählt man im Assistenten bei der Option multiplicity den Eintrag multiple.

Standardmäßig werden Variablen in BOS automatisch in einer internen Datenbank gespeichert. Dies kann durch die Option Transistent vermieden werden. Das macht z.B. Sinn, wenn die Daten nur temporär zur Überprüfung angelegt werden und anschließend nicht mehr von Relevanz sind.

Als letzte Option im Assistenten kann man einen Standardwert übergeben. Dieser kann entsprechend dem Datentyp ein fester Wert sein, oder aus einem Groovy-Skript dynamisch erzeugt werden.

Mit einem Klick auf Finish wird die Variable erzeugt und kann dann verwendet werden.

Für das Beispielprojekt legen wir folgende Variablen an:

  • Globale Variablen
Kontonummer (Text)
Pin (Text)
Optionen (Liste)
OptionenAbheben (Liste)


  • Task: Geld abheben
Betrag (Integer)
PinEingegeben (Text)

Diese Variablen gewähren eine Informationsübertragung von der Eingabemaske an das Programm.


5.6.1.3 Formulare
Abb. 18 Formular zur Eingabe der Kontonummer und zur Wahl der nachfolgenden Aktion.
Abb. 18 Formular zur Eingabe der Kontonummer und zur Wahl der nachfolgenden Aktion.

Formulare dienen in Bonita Open Studio dem Informationsaustausch zwischen dem System und dem Benutzer, der den Prozess bearbeitet. Dadurch kann der Benutzer Einfluss auf den Prozess nehmen, sobald dieser gestartet wurde und dies gewünscht ist.

Formulare werden in BOS mithilfe des Bonita Form Builders angelegt. Dieser wird wie beim Erzeugen von Prozessen per Drag and Drop bedient. Erstellt man einen Task, der eine Dateneingabe voraussetzt, wird automatisch ein Formular aufgebaut, dass für jede Dateieingabe ein Eingabeelement definiert hat. Dieses kann man anschließend den eigenen Bedürfnissen gemäß anpassen.

Der Form Builder ist jedoch nicht nur auf einfache Oberflächenelemente, wie Buttons oder Textfelder beschränkt, sondern kann auch Dateien oder Bilder anzeigen und HTML einbinden.

BOS unterscheidet zwischen zwei Arten von Formularen, den View Pageflows und den Entry Pageflows. Der View Pageflow dient der Darstellung von bereits zur Verfügung stehenden Daten, während beim Entry Pageflow Daten vom User selbst eingegeben und verarbeitet werden können.

Ein Formular besteht aus mindestens einer Zelle, in der ein Oberflächenelement abgelegt ist. Das Element ist dann auf die Größe der Zelle beschränkt. Benachbarte Zellen können jedoch verschmolzen werden, um so größere Zellen und damit mehr platz für größere Oberflächenelemente zu schaffen. Pro Zelle kann jedoch immer nur ein Oberflächenelement abgelegt werden.

Hat man der Zelle ein Objekt hinzugefügt, können nun die grundlegenden Eigenschaften (z.B. Name und Beschriftung) des Elements bearbeitet werden.

Hat man das Entry Pageflow erstellt, können zusätzlich noch so genannte Validatoren definiert werden. Diese überprüfen eingegebene Werte anhand vorher bestimmter Kriterien auf ihre formale Richtigkeit (z.B. Keine Buchstaben bei der Postleitzahl).

Ist man mit der Erstellung des Formulars fertig, kann mit einem Klick auf Preview eine Vorschau des Formulars angezeigt werden.

Im Beispielprojekt erstellen wir für jeden Task ein eigenes Formular, dass die benötigten Daten (Siehe Variablen) einliest und in den Variablen für die Weiterverarbeitung speichert.


5.6.1.4 Connectoren
Abb. 20 Übersicht der vordefinierten Connectoren
Abb. 20 Übersicht der vordefinierten Connectoren
Abb. 19 Konfiguration des MySQL Connectors
Abb. 19 Konfiguration des MySQL Connectors

Connectoren sind in Bonita Open Solution Schnittstellen, die dem Informationsaustausch mit Diensten von Drittanbietern dienen. So ist es z.B. möglich, sich mit sozialen Netzwerken und Datenbanken zu verbinden oder E-Mails zu verschicken. Dabei werden je nach Typ des Connectors Eingaben aus BOS an die entsprechenden Dienste verschickt, bzw. Werte von diesen Diensten in BOS eingelesen.

In BOS sind standardmäßig zahlreiche Connectoren vordefiniert. Es können jedoch auch eigene Connectoren erstellt werden.

Zum Anlegen eines schon vorgefertigten Connectors wählt man in der Menüleiste von BOS die Option Details → Connectors → Add. Daraufhin wird ein Assistent gestartet, der bei der Einrichtung des Connectors hilft.

Hat man sich für einen Connector entschieden, müssen die grundlegenden Eigenschaften wie z.B. der Name und (optional) die Beschreibung festgelegt werden. Auch erhält man hier die Möglichkeit festzulegen, wann der Connector gestartet werden soll. Dabei kann man zwischen Anfang und Ende des Tasks wählen. Bei manchen Tasks gibt es jedoch auch noch die Möglichkeit, den Connector zu starten, falls der Prozess abgebrochen oder unterbrochen wurde. Dies ist z.B. sinnvoll um schon erhaltene Daten zu sichern und für den späteren Gebrauch zu archivieren.

Weiterhin hat man die Möglichkeit Maßnahmen für den Fall, dass der Verbindungsaufbau zum Drittanbieter scheitert, zu definieren. Dabei kann man die aus Java implementierten Exceptions verwenden, die Fehlermeldung ignorieren und das Programm anweisen, weiterzuarbeiten oder ein eigenes Error Event erstellen, um auf Fehler zu reagieren.

Klickt man auf Next, wird eine neue Seite im Assistenten geöffnet, die abhängig vom gewählten Connector weitere Daten verlangt (z.B. beim Verschicken von Mails der SMTP-Host).

Für das Beispielprojekt benötigen wir einen MySQL Connector, da die Kontonummer und die Pin in einer MySQL Datenbank hinterlegt sind. Die Datenbank liegt für unser Beispiel local und hat eine Tabelle mit den Attributen ktn (Kontonummer) und pin (Pin). Diese Daten sollen mit den eingegebenen Werten zum Zwecke der Authentifizierung abgeglichen werden.

5.6.1.5 User Experience
Abb. 21 Das compilierte Projekt ausgeführt in der User XP
Abb. 21 Das compilierte Projekt ausgeführt in der User XP

Bei der Bonita User Experience (User XP) handelt es sich um eine Oberfläche zur Verwaltung von Prozessen.

Die User XP wird mit einem Klick auf den gleichnamigen Button geöffnet. Daraufhin öffnet sich eine Oberfläche, die der eines E-Mail Programms (z.B. Microsoft Outlook oder Mozilla Thunderbird) ähnelt. Auf dieser Oberfläche erhält man im Bereich Inbox Mails für jeden bearbeiteten Task eines Users und kann somit den Verlauf des Projektes nachvollziehen.

Mit einem Klick auf den Button „Run“, wird die Bonita User Experience auf dem Server gestartet, die Formulare werden generiert und der modellierte Prozess wird gestartet. Jedoch wird nicht direkt die User XP gestartet, sondern das Formular des ersten Tasks. Am oberen rechten Rand des Formulares befindet sich immer ein Button, der es ermöglicht zur User XP zu gelangen.

Ein weiteres Element der User XP ist das Dashboard. Dieses gibt eine graphische Übersicht über den Verlauf des Projektes und zeigt, wie viele Tasks welchen Status haben. Die User XP unterscheidet zwischen verschiedenen Benutzern und ermöglicht es somit, den Fortschritt von Tasks und Prozessen nur für bestimmte Personen sichtbar zu machen.

Standardmäßig ist man nach dem Starten der User XP als Administrator eingeloggt. Diese Voreinstellung kann jedoch über Edit –> Preferences -> Bonita -> User XP geändert werden. Dort lassen sich noch weitere Einstellungen z.B. der Webserver, auf dem die User XP gestartet werden soll, oder die Sprache der Oberfläche festlegen.

Startet man das Beispielprojekt in der User XP, bekommt man den erstellten Prozess zu sehen und kann diesen Prozess so oft man will durchlaufen und die Ergebnisse analysieren.

5.7 Kosten

Die Software Bonita Open Solution an sich ist kostenlos.

Jedoch müssen die Anschaffungs- und Betriebskosten für die Infrastruktur aufgebracht werden (vgl. Systemvoraussetzungen). Weiterhin können noch weitere Kosten für Weiterbildung und Support entstehen.

5.8 Support

Die Firma BonitaSoft, welche Bonita Open Solution vertreibt, bietet verschiedene Formen des Supports an. Während das Programm selber und umfangreiche Dokumentationen kostenlos bezogen werden können, ist der Support kostenpflichtig. Dabei differenziert BonitaSoft zwischen unterschiedlichen Support-Leveln, die sich im Umfang des gewährten Supports unterscheiden:

  • Silver: Das Support-Level Silver beinhaltet automatische Updates, Bugtracking, Zugang zum Support-Forum und garantierte Antwortzeiten durch BonitaSoft.
  • Gold: Im Support-Level Gold werden zu Silver garantierte Fehlerdiagnose-Zeiten, eine unbegrenzte Anzahl an Fehlervorfällen, E-Mail-Support und 24h-Support (nur an Geschäftstagen) hinzugefügt.
  • Platinum: Das Level Platinum enthält die gleichen Leistungen wie Gold, erweitert um telefonischen Support.

Daneben bietet BonitaSoft Trainingsseminare mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten an.

Insgesamt wird also ein umfangreiches Support-Paket angeboten, welches jedoch - da die Software kostenlos ist - nicht in der Software enthalten ist, sondern separat erworben werden muss. Wenn Bonita Open Solution also aus Kostengründen angeschafft wird, sollte dieser Faktor nicht unberücksichtigt bleiben. [28]

6 Schlussbetrachtung

6.1 Fazit/Kritische Würdigung

Bonita Open Solution besticht durch seine Komplexität. Neben der Möglichkeit Geschäftsprozessmodelle abzubilden, besitzt die Software die Fähigkeit, diese unmittelbar in Workflowbasierten Lösungen umzusetzen. Durch die konsequente Umsetzung des BPMN 2.0 Standards wird eine bekannte Notation eingebunden, welche die Handhabung der Software erleichtert und einen schnellen Überblick ermöglicht.

Der Produktumfang umfasst ein vollständiges Tool zur Darstellung von Geschäftsprozessen (Bonita Studio), eine Komponente zur Umsetzung der beschriebenen Geschäftsprozesse in eine Workflowlösung (Bonita Studio Formbuilder), sowie die Möglichkeit der Zusammenarbeit mehrerer User(Bonita User Experience). Aufgrund dieser Vielzahl von Modulen und ihrer Komplexität ist BOS ein enorm leistungsfähiges Werkzeug im Business Process Management. Im Hinblick auf die Themen mit denen sich das BPM befasst - Prozessabgrenzung, Prozessmodellierung und Prozessführung - bietet Bonita Open Solution ein umfangreiches Arsenal an Möglichkeiten, die einzelnen Themengebiete mit Softwareunterstützung zu behandeln und im Sinne der Strategieentwicklung umzusetzen. Erfahrene Computer User werden mit der Programmoberfläche von BOS schnell vertraut. Die Bedienung der Software ist intuitiv gestaltet und ermöglicht es dem Benutzer, sich schnell zu orientieren und zurecht zu finden. Tiefere Programmfunktionen hingegen, wie die Arbeit mit Variablen, erfordern eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Programm. Hier ist es nötig, entweder die Dokumentation zu nutzen oder auf eine angebotene Schulung des Softwareherstellers zurückzugreifen.

Die Performance weist, wie bereits in der Analyse beschrieben, an einigen Stellen Schwachpunkte auf. Gerade im Hinblick auf die angegeben Systemanforderungen sind hier deutliche Defizite erkennbar.

Die Aspekte Kosten und Support sind eng miteinander verknüpft. Da BOS eine Open-Source-Lösung darstellt, ist der Support, gemeinsam mit den angebotenen Schulungen, die einzige Umsatzmöglichkeit für den Softwarehersteller. Demnach fallen, je nach Supportart, unterschiedliche Kosten an.

6.2 Ausblick

Zum Ende unserer Fallstudie hin veröffentlichte die Firma Bonitasoft die Version 5.5 von Bonita Open Solution, die folgende Änderungen mit sich brachte[29]

  • Implementierung eines Debuggers zum leichteren Beseitigen von Fehlern während der Prozessmodellierung.
  • Einführung von Decision Tables zur verbesserten Verwaltung von Fallunterscheidungen.
  • Eine optimierte Dokumentenverwaltung um die Arbeit mit Attachements zu verbessern.
  • Kleinere Optimierungen an der Benutzeroberfläche

7 Anhang

7.1 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
BPMNBusiness Process Modeling Notation
BPMBusiness Process Management
BOSBonita Open Solution
jBPMeine von JBoss entwickelte Plattform
XPDLXML Process Definition Language
User XPUser Experience
GBGigabyte
RAMRandom Access Memory
XMLeXtensible Markup Language
HTMLHyperText Markup Language
SMTPSimple Mail Transfer Protocol

7.2 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Integriertes Geschäftsprozess- und Workflow-Management
2Event, Activitiy, Gateway
3Data Objects
4Connecting Objects
5Swimlanes
6Artifacts
7Die Oberfläche von Bonita Studio
8Der Bonita Studio Formbuilder
9Die Bonita User Experience
10Die Menüleiste
11Die Werkzeugpalette
12Das Übersichtsfenster
13Das Eigenschaftenfenster
14Geöffneter Prozess in der User XP
15Auswahlmöglichkeiten an einem Task
16Ein Prozessdiagramm mit Tasks und Transitions
17Dialog zum Anlegen einer Variablen
18Formular bestehend aus einem Textfield und einem Button
19Übersicht der vordefinierten Connectoren
20Konfiguration des MySQL Connectors
21Das kompilierte Projekt ausgeführt in der User XP

7.3 Fußnoten

  1. Gadatsch (2010) S.2
  2. Vgl. Staud (2006) S.4
  3. Freund / Götzer (2008) S.7 f
  4. Gadatsch (2010) S.1
  5. Vgl. Gadatsch (2010) S.2
  6. Vgl. Gadatsch (2010) S.2
  7. Gadatsch (2010) S.2
  8. Vgl. Staud (2006) S.23
  9. Gadatsch (2010) S.3
  10. Vgl. Allweyer (2009), S. 8
  11. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 31ff
  12. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 27
  13. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 31
  14. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 32f
  15. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 34
  16. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 36
  17. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF
  18. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 29
  19. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 29
  20. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 29
  21. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 29
  22. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 30
  23. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 30
  24. Vgl. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 30
  25. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 30
  26. http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF S. 30
  27. Vgl. http://www.bonitasoft.com/
  28. Vgl. http://www.bonitasoft.com/services/support_levels.php
  29. Vgl. http://www.bonitasoft.com/company/blog/whats-new-bonita-open-solution-55

7.4 Literatur- und Quellenverzeichnis

Gadatsch (2010) Gadatsch, Andreas: Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 6. Auflage, Vieweg+Teubner Fachverlage, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8348-0762-5
Staud (2006) Staud, Josef: Geschäftsprozessanalyse: Ereignisgesteuerte Prozessketten und objektorientierte Geschäftsprozessmodellierung für Betriebswirtschaftliche Standardsoftware, 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-24510-0
Freund / Götzer (2008) Freund, Jakob; Götzer, Klaus: Vom Geschäftsprozess zum Workflow, 1. Auflage,Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-41482-2
Allweyer (2009) Allweyer, Thomas: BPMN 2.0 - Business Process Model and Notation: Einführung in den Standard für die Geschäftsprozessmodellierung, 2. Auflage, Books on Demand-Verlag, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8391-2134-4
Object Management Group, Inc. Business Process Model and Notation (BPMN) Version 2.0, http://www.omg.org/spec/BPMN/2.0/PDF [07.06.2011, 16:18]
Homepage von BonitaSoft, Inc. Support / Dokumentation, http://www.bonitasoft.com/services/support_levels.php [15.06.2011, 21:32]
Persönliche Werkzeuge