Anwendungsmöglichkeiten von LBS als Stadtinformationssystem
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1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
Seit einigen Jahren gibt es Location Based Services (kurz LBS). Im Jahre 2001 wurde LBS als "Sextant des einungszwanzigsten Jahrhunderts" bezeichnet [1]. Auch die neuste Prognose des Marktforschungsunternehmens Gartner zeigt eine wachsende Anzahl an Teilnehmern von LBS. So soll die Teilnehmerzahl von 16 Millionen aus dem Jahr 2007 auf 43 Millionen in diesem Jahr steigen; dies ist eine Steigerung von 170 Prozent [2].
Aus diesem Grund überlegen mehrere Städte ihre Stadtinformation in diesem Punkt auszubauen. Zur Zeit gibt es verschiedene Ansätze für solche Systeme. Ziel dieser Arbeit ist ein einheitliches Konzept für LBS im Bereich Stadtinformationssysteme zu erstellen.
1.2 Abgrenzung
In dieser Arbeit wird kein endgültiges Fein-Konzept für ein Stadtinformationssystem auf Basis von LBS festgelegt. Für das Fein-Konzept werden weitere Informationen benötigt, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.
In dieser Arbeit wird bewusst nicht auf die Aufwandsschätzung zur Implementierung eines Stadtinformationssystems eingegangen. Diese Aufwandsschätzungen haben einen Umfang, der den Rahmen dieser Arbeit übersteigt.
Des Weiteren wird in dieser Arbeit nicht auf Bezahlsysteme und -services eingegangen, da es sich um eine Sonderform handelt, die in einer gesonderten Arbeit betrachtet werden sollte.
Auf die gesonderte Betrachtung von Endgeräten wird aufgrund des stark diversifizierten Angebotes am Markt verzichtet.
Es gibt unterschiedliche Lokalisierungsverfahren und Datenübertragungstechniken. Im Rahmen dieser Arbeit werden jeweils nur beispielhafte Verfahren vorgestellt.
2 Location Based Services
2.1 Zielgruppen
Als Zielgruppen werden hier die Personengruppen definiert, für die eine Nutzung des Stadtinformationssystems von Interesse sein kann. Es handelt sich hier nicht um eine harte Abgrenzung, sondern um die Definition von verschiedenen Rollen, in die ein Individuum schlüpfen kann, wie sie auch z. B. in der Softwareentwicklung oder in Konzepten der IT-Sicherheit verwendet werden.
2.1.1 Einwohner
Als Einwohner gelten alle die Personen, die innerhalb oder in der Nähe der betrachteten Stadt wohnen und für die daher das Hauptinteresse an sich verändernden Informationen liegt. Dies können z.B. Kino- oder Theaterprogramme sein.
2.1.2 Touristen
Unter Touristen werden alle Reisenden von außerhalb der betrachteten Stadt gefasst. Es wird vorausgesetzt, dass diese Zielgruppe ihr Hauptaugenmerk auf statische Informationen richtet. Dieses können beispielsweise "Daten und Fakten" oder historische Informationen (allgemein oder zu einzelnen POI) sein.
2.1.3 Verkehrsteilnehmer
Verkehrsteilnehmer sind in diesem Sinne alle Individuen, die am öffentlichen Personennah- oder -fernverkehr teilnehmen sowie alle Teilnehmer des öffentlichen Straßenverkehrs. Von Interesse für diese Zielgruppe sind vor allem die Informationen, die eine Erleichterung beim Erreichen des persönlichen Ziels darstellen. Hierunter fallen u.a. Routinginformationen, Informationen über die aktuelle Situation (z.B.: Staulage, Verspätungen und Störungen bei Bahn und ÖPNV aber auch Parkplatzauslastungen).
2.2 Stadtinformation
Unter dem Begriff Stadtinformation bzw. Stadtinformationssysteme kann man verschiedene Informationen über das öffentlichen Leben in einer Stadt verstehen. In dem folgenden Abschnitt soll eine einfache und klare Eingrenzung dieses Begriffs vorgenommen werden.
Allgemein kann festgehalten werden, dass die Hauptaufgabe darin besteht, den Zielgruppen (= Nutzer) Informationen über bestimmte Bereiche zur Verfügung zu stellen.
Der Begriff teilt sich in folgende Bereiche:
- Routing
- Cityguide
- Infotainment
2.2.1 Routing
Unter Routing versteht man die technische Unterstützung eines Nutzers bei der Wegwahl. Hierbei können auch aktuelle (z.B. Stau) oder zeitnahe Informationen (z.B. Baustellen) mit in die Wegführung einfließen. Dies ist völlig unabhängig von der Wahl des Verkersmittels und kann sogar soweit gehen, dass dem Nutzer verschiedene Verkersmittel angeboten werden (z.B. Einbindung von "Park and Ride" und ÖPNV).
2.2.2 Cityguide
Unter Cityguide wird ein System verstanden, bei dem die POI einer Stadt in einem System zusammengefasst werden. Dem Nutzer können je nach Art des POI auch noch zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt werden. Z.B. könnten bei einem Restaurant die Öffnungszeiten hinterlegt sein und bei einem historischen Bauwerk auf verschiedene geschichtliche Zusammenhänge hingewiesen werden.
2.2.3 Infotainment
Der Bereich Infotainment umfasst Informtionen, die sich auf das kulturelle Leben und die Freizeitaktivitäten in einer Stadt beziehen. Dies kann z.B. das aktuelle Kinoprogramm sein aber auch Informationen über Sportveranstaltungen oder Stadtteilfeste.
2.3 Location Based Services
Unter Location Based Services versteht man individuell auf den Standort eines Benutzers zugeschnittene Anwendungen. Im deutschen Sprachgebrauch spricht man von standortbasierten Diensten. Da keine allgemeingültige Definition existiert, wird die folgende Definition verwendet:
"LBS sind Informationsdienste, die von mobilen Geräten über das mobile Netzwerk abgerufen werden können und die Position des mobilen Gerätes zur Informationsgewinnung verwenden" [3]
Zur Nutzung eines LBS ist ein mobiles Endgerät nötig, das technisch für eine Lokalisierung geeignet ist. Die Lokalisierungsinformationen werden dabei automatisch ermittelt, eine manuelle Eingabe ist nicht notwendig. Ein Benutzer erhält somit nur die für seinen aktuellen Standort relevanten Informationen angezeigt, wie z.B. alle Restaurants im Umkreis von 2 km.
Die Darstellung der angeforderten Informationen wird der Displaygröße entsprechend angepasst. Der wichtigste Faktor in einem Location Based Service ist der Standort des Benutzers. Ohne zuverlässige Standortbestimmung bietet ein LBS nur einen geringen Mehrwert für den Nutzer.
Nach Roeder [4] beschreiben Location Based Services ein breites Feld von Diensten mit unterschiedlichem Informationsbedarf, die man nach folgenden Gesichtspunkten klassifizieren kann.
- Genauigkeit der Positionsermittlung
- Abdeckungsgebiet der Positionsermittlung
- Benötigte Darstellung des Ortes
Ein wesentliches Erfolgskriterium für einen Location Based Service ist die Genauigkeit der Positionsermittlung. Je nachdem welcher Service vom Nutzer angefragt wird, kann die geforderte Genauigkeit von wenigen Metern, beispielsweise bei Notrufdiensten bis hin zu einigen Kilometern, beispielsweise bei der Anzeige von Hotels im Umkreis des Nutzers nötig sein.
Die angeforderten Services stellen desweiteren unterschiedliche Anforderungen an das Abdeckungsgebiet der Positionsermittlung. Es muss differenziert werden ob eine Outdoor- oder Indoorlokalisierung stattfindet, ob man nur Daten eines bestimmten Ortes oder eine weltweite Positionsbestimmung benötigt.
Eine weitere Eingruppierung von LBS ist die Gliederung nach Push- und Pulldiensten.
Bei Pulldiensten werden dem Nutzer auf Anforderungen die gewünschten Informationen zur Verfügung gestellt. Dagegen senden Pushdienste dem Nutzer Inhalte, sobald sich dieser im entsprechenden Lokalisierungsbereich befindet.
Ein System von Location Based Services besteht aus den in der Abbildung "Komponenten eines LBS" [5] dargestellten Komponenten.
2.3.1 Mobile Device
Der Benutzer benötigt ein mobiles Endgerät wie PDA, Smartphone, Mobiltelefon oder Notebook um auf die Dienste und Anwendungen zugreifen zu können. Die technische Entwicklung der Mobiltelefone schreitet weiter voran, sodass aktuelle Geräte LBS nutzen können. Diese Mobiltelefone werden ab Werk beispielsweise mit GPS und WLAN Modul ausgestattet. Einige Nachteile aktueller mobiler Endgeräte sind ein zu kleines Display, eine geringe Akkulaufzeit und Webbrowser, die nicht für die mobile Internetnutzung optimiert sind. Einen Weg in die zukünftige Richtung weist das I-Phone der Firma Apple.
2.3.2 Communication Network
Das Kommunikationsnetzwerk ist für die Übertragung der angeforderten Daten zuständig.
In dieser Arbeit werden verschiedene Datenübertragungstechniken vorgestellt, die in Kapitel Datenübertragungstechnik noch detailierter beschrieben werden.
Das Kommunikationsnetzwerk ist für die Übertragung der Anfragen vom Endgerät zum Service Provider und den Transfer der Daten zurück verantwortlich.
2.3.3 Positioning
Die Komponente zur Positionsbestimmung spielt eine wesentliche Rolle bei der Frage der Genauigkeit von LBS. Man differenziert zwischen der Lokalisierung durch das Netzwerk (z.B. im Mobilfunknetz) und der terminalbasierten Lokalisierung durch das lokale Endgerät (z.B. bei der Satellitenlokalisierung per GPS). In Kapitel Lokalisierungsverfahren werden beispielhafte Lokalisierungsverfahren vorgestellt.
2.3.4 Service and Content Provider
Der Service und Content Provider bearbeitet die Anfragen, die vom mobilen Endgerät eintreffen und stellt einen oder mehrere Dienste zur Verfügung. Teilweise findet durch den Service Provider nur die Datenübertragung statt und ein spezieller Content Provider liefert die Inhalte. Man kann feststellen, dass derzeit keine einheitliche Plattform mit einheitlichen Schnittstellen existiert. Jeder Mobilfunkprovider nutzt seine eigenen Services und schottet diese gerade in Bezug auf Kundendaten von der Konkurrenz ab.
Einen Überblick über die Funktionsweise der einzelnen Komponenten stellt die Abbildung "Funktion eines LBS" [5] dar.
2.3.5 Datenschutz
Persönliche Daten wie z. B. Name, Adresse, Kontoverbindung, Alter, Tarif und Zahlungsverhalten sind dem Netzanbieter bereits im Voraus bekannt. Wenn angebotene Dienste genutzt werden, fallen weitere Daten an. Damit wäre die Erstellung eines Bewegungsprofils möglich. Diesem könnten die individuellen Präferenzen des Nutzers zugeordnet werden.
Mit diesen gesammelten und aufbereiteten Daten kann ein Nutzerprofil erstellt und somit der Verbraucher durch gezielte Werbung beeinflusst werden. Es können ihm z. B. Services angeboten werden, die er an gleicher Stelle in der Vergangenheit öfters genutzt hat. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dem Benutzer ungefragt standortbasierte Informationen zukommen zu lassen.
Ein Szenario wäre die Werbung des Anbieters für bestimmte Produkte. Z. B. könnten Restaurants Nutzern von standortbasierten Services, die sich zufällig in dessen Einzugsbereich aufhalten, tageszeitbezogene Sonderangebote wie z. B. Frühstück oder Mittagstisch zukommen lassen.
Je präziser und nutzenbringender standortbasierte Dienste für den jeweiligen Interessenten ausgelegt sein sollen, desto mehr Informationen muss dieser über sich preisgeben. Somit ist jeder Benutzer für alle lokalisierbar und zu verfolgen. Eine weitgehende Überwachung ist möglich.
Eine Möglichkeit der teilweisen Anonymisierung ist das Zwischenschalten eines Mittlers. Hierbei werden die Ortsinformationen vom Netzanbieter nicht direkt an den Dienstanbieter weitergeleitet. Dieser fragt die Daten über den Mittler ab. Wenn der Interessent einen Dienst nutzen möchte, fragt er den entsprechenden Service beim Anbieter an. Dieser benutzt den Mittler um die Ortsinformationen des Benutzers vom Netzanbieter zu erhalten. Der Mittler leitet diese Informationen an den Dienstanbieter weiter. Durch den zwischengeschalteten Mittler werden die abgefragten Dienste vor dem Netzanbieter verschleiert. Der Mittler kennt die abgefragten Dienste und Ortsinformationen, erfährt aber die Identität des Benutzers nicht. Der Netzanbieter kennt die Identität des Benutzers aber nicht dessen genutzte Dienste. Der Dienstanbieter hat keine Kenntnisse über die Identität des Nutzers. Der Benutzer wäre pseudonymisiert. Es können nur Dienste vom Netzanbieter abgerechnet werden, denen der Nutzer vorher zugestimmt hat. Die Zustimmung kann durch Datenfreigabe beim Mittler erfolgen. Anfragen des Dienstanbieters werden vom Mittler, aufgrund der Benutzerfreigaben, auf Zulässigkeit geprüft.
Im Positivfall werden dem Dienstanbieter die Ortsdaten übermittelt. Dieser kann dann die genutzten Dienste über den Netzanbieter abrechnen lassen.
Im Negativfall kann der Benutzer kurzfristig beim Mittler entsprechende Einstellungen vornehmen oder bei fehlendem Einverständnis verwerfen. Damit die nötige Transparenz für den Nutzer gewahrt bleibt, sollte der Mittler die Einsicht aller genutzten und abgerechneten Daten ermöglichen.
3 Lokalisierungsverfahren und Datenübertragungstechnik
3.1 Vorstellung Verfahren
In dieser Arbeit wurden verschiedene Lokalisierungsverfahren sowie Datenübertragungstechniken betrachtet und miteinander verglichen.
Folgende Lokalisierungsverfahren wurden berücksichtigt:
Funkzellenbasiert:
- Cell-Identifier oder Cell-of-Origin
- Time of Arrival und Time Difference of Arrival
- Angel of Arrival
Satellitenbasiert:
- GPS
- Galileo
und ein Verfahren mit passiver Datenübermittlung.
Es wurden folgende Datenübertragungstechniken betrachtet:
- WLAN
- Bluetooth
- GSM
- UMTS
3.2 Evaluierung
Bei der Evaluierung wurde festgestellt, dass GPS als satellitenbasiertes Lokalisierungsverfahren für ein Stadtinformationssystem am besten geeignet ist.
UMTS erhält durch die Kombination Geschwindigkeit und Flächenabdeckung bei der Datenübertragungstechnik den Vorzug.
4 Anwendungsmöglichkeiten und Bewertung
4.1 Betrachtung möglicher Services
Die Betrachtung möglicher Services soll mit einem Szenario begonnen werden.
Szenario:
Der Tourist Max Mustermann kommt in Berlin an. Schon bei der Ankunft am Flughafen Berlin Schönefeld greift er auf eine Lokalisierung zurück, indem er vom Terminal aus per Mobiltelefon zum Bahnhof am Flughafen geleitet wird.
Über einen befreundeten Professor hat Herr Mustermann eine Empfehlung für ein zentral gelegenes Hotel direkt am Kurfürstendamm bekommen. Nach Eingabe des Hotelnamens bekommt er die genaue Adresse und den Standort des Hotels auf einer Karte auf dem Display seines Mobiltelefons angezeigt. Da Herr Mustermann das Hotel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen möchte, greift er auf die mobile Fahrplanauskunft zurück und erfährt, dass in 2 Minuten die S-Bahnlinie 9 in Richtung Spandau bis zur Friedrichstraße fährt. An dieser Haltestelle muss er umsteigen in die S-Bahnlinie 2 Richtung Teltow Stadt. Er steigt dann am Postdamer Platz um in die U-Bahnline 2 Richtung Ruhleben. An der vierten Haltestelle steigt er am Kurfürstendamm aus und läuft noch zwei Minuten bis zum Hotel. Er erhält Information über die Umsteigezeit, das Abfahrtsgleis und den Weg zum Gleis.
Zum Mittagessen möchte Herr Mustermann gerne in ein gutes italienisches Restaurant, nicht weit vom Hotel entfernt, essen gehen. Er verwendet den mobilen Cityguide auf seinem Mobiltelefon und bekommt kurze Zeit später alle italienischen Restaurants im Umkreis von 2 km angezeigt. Über diesen Service ruft er eine kurze Beschreibung des Restaurants sowie einige Restaurantkritiken von anderen Gästen ab. Da die meisten Bewertungen positiv sind nutzt Herr Mustermann den automatischen Reservierungsdienst per Email und lässt sich zum Restaurant lotsen.
Im Anschluss an das Mittagsessen möchte Herr Mustermann einen Stadtrundgang machen und sich dabei auch einige Sehenswürdigkeiten ansehen. Er wählt den 2-stündigen Stadtrundgang Berlin Mitte, individuell zugeschnitten auf seinen aktuellen Aufenthaltsort als Startort, aus.
Um nicht permanent das Display im Auge zu behalten wählt er die Option Audioguide. An jedem Point of Interest (POI) bekommt er Informationen über das Gebäude angesagt wie z.B. Baujahr, geschichtliche Informationen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Für weitere geschichtliche Hintergründe besteht die Möglichkeit eine Verbindung zum Internet herzustellen, um sich weiteren Content auf dem Display anzeigen zu lassen.
Am Abend plant Herr Mustermann den Besuch eines Rockkonzertes. Da er für 23 Uhr noch mit Freunden in einer Cocktailbar in Friedrichshain verabredet ist, schränkt er seine Suche auf das Umfeld von 5 km ein. Der mobile Begleiter bietet ein passendes Konzert an, beschreibt den Veranstaltungsort, gibt Informationen über die Band inklusive einiger Probesongs als MP3-Datei und bietet wie beim Restaurant erneut die Möglichkeit der Kartenreservierung. An der Veranstaltungsstätte eingetroffen, kann sich Herr Mustermann das Warten an der Abendkasse sparen, da er direkt mit seinem Handy sein Ticket an einem bereitgestellten Ticketdrucker bezahlen kann und das Ticket direkt ausgedruckt wird.
Dieses Beispielszenario beschreibt die Nutzung von Location Based Services aus der Sicht eines Touristen. Selbstverständlich lassen sich auch für die anderen in Kapitel Stadtinformation genannten Zielgruppen Szenarien aufstellen; dies würde allerdings den Umfang der Arbeit sprengen.
In diesem Szenario werden folgende Servicearten beschrieben.
- Routing
- Cityguide
- Infotainment
Diese drei Servicearten lassen sich nicht immer getrennt voneinander betrachten. Häufig bietet insbesondere die Kombination zweier Servicearten einen Mehrwert für den Benutzer.
Das Routing ist ein wesentlicher Anwendungsbereich von Location Based Services. Routing kann sowohl Indoor z.B. in Flughäfen, Bahnhöfen, Messehallen, Hochschulen als auch Outdoor stattfinden. Da für die Indoorlokalisierung auf andere Lokalisierungsverfahren und Datenübertragungstechniken zurückgegriffen werden muss, wird im Folgenden der Schwerpunkt auf Outdoorlokalisierung gelegt.
Bei der Darstellung von Routinginformationen muss zunächst die grundlegende Entscheidung getroffen werden, für welche Verkehrsmittel die Informationen dargestellt werden sollen. Eine Fußgängernavigation stellt andere Anforderungen an die Genauigkeit der Darstellung, die Geschwindigkeit der Lokalisierung sowie der Anzeige bzw. Ansage der Information.
Entscheidend für den Erfolg eines LBS ist der Bezug zur relevanten Zielgruppe die von diesem Dienst profitiert. In der Definition im Kapitel Zielgruppen wurden die Zielgruppen Einwohner der Stadt, Touristen sowie Verkehrsteilnehmer erläutert.
Routinginformationen generieren sowohl für Touristen als auch für Einwohner einen Mehrwert, somit beziehen wir uns bei diesem Service auf die Zielgruppe der Verkehrsteilnehmer.
Der Bereich Routing bietet eine Vielzahl von Anwendungsfeldern für Location Based Services. Eine Anwendung für die öffentlichen Verkehrsmittel im Stadtgebiet enthält neben den kompletten Fahrplandaten auch Informationen über die Lage der nächsten Bushaltestelle oder des nächsten Bahnhofs. Ein Nutzer kann an jedem Ort im Stadtgebiet zur nächsten Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels geleitet werden. Durch Eingabe seiner Zieldestination, entweder durch direkte Adresseingabe oder durch Auswahl eines POI, wird ihm direkt die nächste Verbindung inklusive Abfahrtszeit und Umsteigebahnhöfe angezeigt.
Dieser Service kann auf den gesamten Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel erweitert werden und somit Nahverkehrszüge, S-Bahnen, Busse, Straßenbahnen und Schiffe beinhalten.
Für das Segment der Fahrzeugnavigation bietet die Integration eines Parkleitsystems Vorteile.
Der Verkehrsteilnehmer bekommt auf seinem Mobiltelefon bzw. Navigationssystem die nächstgelegenen freien Parkplätze angezeigt. Er erfährt auch die Anzahl der freien Parkplätze. Als Zusatzfunktion lässt sich bei diesem System ein automatisches Bezahlen der Parkgebühr über das Handy implementieren.
Eine sinnvolle Erweiterung des Routing Service ist die Auswahl des schnellsten Verkehrsmittels unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrssituation. In Folge der Einbeziehung von Informationen über Staus, Streckensperrungen, Baustellen und Verspätungen, schlägt das mobile Endgerät dem Nutzer das optimale Verkehrsmittel vor. Um diesen Service anzubieten ist eine Integration der Navigation von Fahrzeugen und des öffentlichen Nahverkehrs notwendig.
Eine mögliche Erweiterung ist die Integration von Taxen in das Routingsystem. Bei diesem Service soll dem Nutzer der nächste Taxistand mit freien Taxen angezeigt werden. Ein Tracking der einzelnen Taxen ist allerdings schwierig zu realisieren und auch datenschutzrechtlich bedenklich.
Ein LBS in der Rubrik Cityguide erhält Informationen über Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Hotels und Einkaufsmöglichkeiten.
Es muss differenziert werden, ob die Information automatisch auf dem Mobiltelefon erscheint, sobald sich der Nutzer im Lokalisierungsbereich des Objektes befindet oder die Lokalisierung auf Wunsch des Nutzers stattfindet. Eine Anwendung für eine automatische Lokalisierung bietet ein virtueller Cityguide, bei dem der Nutzer von seinem mobilen Endgerät durch die Stadt geroutet wird und an Sehenswürdigkeiten oder sonstigen POI Informationen erhält. Die Informationen können in visueller oder akustischer Form offeriert werden. Bei der Komplexität des Services spielt die Frage eine Rolle: "Welche Sehenswürdigkeiten und Gebäude sollen erfasst werden?" und "Wieviel Content soll jeweils bereitgestellt werden?" Eine Möglichkeit wäre zusätzlichen Webcontent über einen Browser verfügbar zu machen, falls dem Nutzer die Informationen nicht ausreichend erscheinen. Differenziert werden muss ebenso wie beim Routing die Art der Darstellung.
Der Bereich Infotainment bietet Möglichkeiten LBS als Informationsquelle für Freizeitaktivitäten unterschiedlichster Art zu benutzen. Aus Zielgruppensicht können Infotainment Services sowohl für den Einwohner der Stadt als auch für den Reisenden ein interessantes Angebot darstellen.
Bei einem Stadtinformationssystem bietet sich an, alle Veranstaltungen von Sport, Musik, Theater, Ausstellungen, Volksfeste, Festivals bis hin zu Businessveranstaltungen wie Messen und Kongresse zu erfassen und als mobiler Content aufbereitet dem Nutzer zur Verfügung zu stellen. Infotainment lässt sich ebenso wie ein Cityguide sinnvoll mit dem Bereich Routing kombinieren, um dem Nutzer neben der Information über die eigentliche Veranstaltung und den Veranstaltungsort auch direkt dorthin zu routen.
Da der Bereich Infotainment in erster Linie Freizeitaktivitäten berücksichtigt, können sich mit Hilfe von Location Based Services Personen finden, die über die selben Interessen hinsichtlich Freizeitgestaltung verfügen. Über ein Benutzerprofil kann der Nutzer seine Hobbys anderen Teilnehmern dieses Services offenlegen und sich "Gleichgesinnte" in seinem Umfeld anzeigen lassen. Dieser Dienst kann dazu genutzt werden beispielsweise gemeinsam ins Theater oder zum Fußballspiel zu gehen. Da dieser Service über den Bereich Stadtinformation hinausgeht, wird er an dieser Stelle nicht weiterverfolgt.
Ebenso abgegrenzt wird der Bereich der ortsbezogenen Werbung. Ein Scenario wäre z. B. das Sammeln von Daten über die Einkaufsgewohnheiten eines Benutzers mit dem mobilen Endgerät. Kommt der Benutzer dann beispielsweise in einer anderen Stadt in die Nähe einer Filiale eines Geschäftes, bei dem er bereits Kunde war, bekommt er aktuelle Angebote oder einen Gutschein aufs mobile Endgerät um ihn erneut zum Kauf anzuregen. Das gleiche Verfahren lässt sich auch für Restaurantketten, Fitnessstudios, Kinocenter etc. realisieren.
Einen Überblick über mögliche Services zeigt die Abbildung "Übersicht möglicher Services".
4.2 Handlungsempfehlung
Die Evaluierung in Kapitel Lokalisierungsverfahren und Datenübertragungstechnik hat ergeben, dass Stadtinformationen auf Basis von Location Based Services am Besten mit der satellitenunterstützen Lokalisierungstechnik GPS und der Datenübertragungstechnik UMTS angeboten werden.
In Europa hat heute lt. Statistik schon fast jeder Einwohner ein mobiles Endgerät (hier: mobiles Telefon).[6] Die Verbreitung nimmt weiter zu.
Dabei werden diese mobilen Telefone mit jeder weiteren Entwicklungsstufe immer besser ausgestattet. Bei heutigen und zukünftigen Telefongenerationen ist es normal, dass ein GPS-Empfänger serienmäßig zur Ausstattung gehört. Auch werden immer mehr Telefone produziert, die UMTS unterstützen. Demnach werden diese Techniken auch vom Benutzer eingesetzt. Gemäß einer IBM-Studie von 05/2008 wird die Nutzung mobiler Webservices jährlich um 24 % ansteigen. [7]
Die nötige Infrastruktur ist schon soweit ausgebaut, dass überall eine Lokalisierung per GPS möglich ist. Ein Problem ist je nach bevorzugtem Service die Genauigkeit.
Hier besteht noch Handlungsbedarf, damit alle Möglichkeiten des Location Based Services genutzt werden können.
Die Netzabdeckung für UMTS ist in Deutschland bisher nur auf die Ballungszentren und große Städte konzentriert. Auf dem Land können die Services nur über das langsamere und teurere GSM, GPRS oder EDGE genutzt werden. Die 4 großen Provider T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus unterscheiden sich in dieser Hinsicht nur marginal. Um in Deutschland flächendeckend UMTS nutzen zu können, muß die Infrastruktur weiter ausgebaut werden.
Die Gesamtkosten für Flatrates bzw. 5 GB Datenvolumen belaufen sich zwischen 45,00 und 50,00 Euro. Zu diesen Preisen ist sicherlich nicht jeder Benutzer bereit, mobil ins Internet zu gehen und die entsprechenden Datendienste zu nutzen. Die Opportunitätskosten empfindet jeder anders, jedoch ist davon auszugehen, dass bei einem Preisverfall von 50 % nahezu jeder potentielle Interessent, dem die Gesamtkosten zu hoch waren, Location Based Services nutzen wird.
Werden die oben erwähnten Handlungsempfehlungen umgesetzt, kann mit einer hohen Akzeptanz der Benutzer gerechnet werden. Möglicherweise werden dann die von IBM prognostizierten Marktzuwächse noch überboten.
5 Fazit
Aufgrund der noch nicht so stark verbreiteten, kompatiblen Endgeräte wird sich die Nutzung von Stadtinformationssystemen auf der Basis von LBS auf kurzfristige Sicht nicht so stark verbreiten. Ein weiters Problem im Moment sind die noch sehr hohen Kosten für die mobile Datenübertragung. Mittelfristig wird sich der Trend zu LBS aber sicherlich um ein Vielfaches verstärken.
Da die Nutzer kostenpflichtige Dienste vorerst wohl nicht akzeptieren werden, wäre es jetzt durchaus eine gute Gelegenheit für die Städte als Anbieter von LBS eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen und so auf der einen Seite am erwarteten Erfolg zu partizipieren und auf der anderen Seite die Möglichkeit offen zu halten die Angebote in einem gewissen Maße beeinflussen zu können.
Um die Nutzer besser an ein solches System heranzuführen, sollte es unbedingt auf offenen, verbreiteten Standards aufgebaut sein.
Dies ist auch besonders wichtig um die Zielgruppe der Touristen für ein System zu interessieren, denn wer will sich schon im Urlaub mit einem neuen technischen System auseinandersetzen, geschweige denn dieses ausgerechnet für den Urlaubsort auch noch kaufen oder mieten.
Wenn sich solch ein System erst einmal etabliert hat und eine gewisse Akzeptanz durch die Nutzer erreicht wird, lassen sich auch sicherlich "Bezahlsysteme" (z.B. das Ticketing für den ÖPNV oder für Parkplätze) oder kostenpflichtige Angebote einführen, die durchaus in der Lage sein werden, Gewinne abzuwerfen. Allerdings sollte auch danach weiter ein gewisser Grundstock an (relevanten) Informationen und Services kostenfrei vorgehalten werden, um das System für die Nutzer interessant zu halten.
6 Literatur
- ↑ Jo Bager. Location based services. C't, 22, 2001. [S.168]
- ↑ Ursula Zinsser. Markt für location based services wächst um 170 prozent. elektroniknet.de, 2008.
- ↑ K. Virrantaus and J. Markkula. Developing gis-supported location based services. First International Workshop on Web Geographical, 2001.
- ↑ Patrick Röder. Location server - ein verteiltes framework für die nahtlose nutzung von lokalisierungsverfahren für ortsbezogene dienste. 2004.
- ↑ 5,0 5,1 Stefan Steiniger and Moritz Neun. Foundations of location based services. CartouCHe - Lecture Notes on LBS, v. 1.0.
- ↑ Europäische Kommission. Fakten und Zahlen zur Europäischen Union. 2004. [Seite 24]
- ↑ Christian Seider, Sean La erty, and Dr. Sungyoul Lee. Go mobile, grow. 2008. [Seite 4]



