Anwendungspotenziale für Location Based E-Business
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Fallstudienarbeit | |
| Hochschule: | Hochschule für Oekonomie & Management |
| Standort: | Essen |
| Studiengang: | Bachelor Wirtschaftsinformatik |
| Veranstaltung: | Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten |
| Betreuer: | Prof._Dr._Uwe_Kern |
| Typ: | Fallstudienarbeit |
| Themengebiet: | Location Based eBusiness |
| Autor(en): | Florian Schmitz, Oliver Eilbrecht, Tim Eisenblätter |
| Studienzeitmodell: | Tagesstudium |
| Semesterbezeichnung: | |
| Studiensemester: | 4 |
| Bearbeitungsstatus: | begutachtet |
| Prüfungstermin: | |
| Abgabetermin: | |
Inhaltsverzeichnis |
1 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| 8-PSK | 8-Phase Shift Keying |
| A-GPS | Assisted Global Positioning System |
| AOA | Angle of Arrival |
| COO | Cell of Origin |
| EDGE | Enhanced Data Rates for GSM Evolution |
| EU | Europäische Union |
| FCD | Floating Car Data |
| GLONASS | russisch: Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema, deutsch: Globales Satellitennavigationssystem |
| GNSS | Global Navigation Satellite System |
| GPRS | General Packet Radio Service |
| GSM | Global System for Mobile Communications |
| HSCSD | High Speed Circuit Switched Data |
| HSDPA | High Speed Downlink Packet Access |
| HSUPA | High Speed Uplink Packet Access |
| ISP | Internet Service Provider |
| LAN | Local Area Network |
| LBS | Location Based Service |
| LTE | Long Term Evolution |
| OS | Operating System |
| POI | Point of Interest |
| SMS | Short Message Service |
| SWOT | Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats |
| TMC | Traffic Message Channel |
| TDOA | Time Difference of Arriva |
| TOA | Time of Arrival |
| UMTS | Universal Mobile Telecommunications System |
| VIT | Virtual Information Towers |
| W-LAN | Wireless Local Area Network |
2 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung |
|---|---|
| 1 | Reaktives LBS |
| 2 | Proaktives LBS |
| 3 | Rollen von LBS |
| 4 | Entwicklung von 2G zu 3G |
| 5 | Lokalisierung eines Endgerätes mittels COO-Methode |
| 6 | Lokalisierung eines Endgerätes mittels TOA-Methode |
| 7 | Lokalisierung eines Endgerätes mittels TDOA-Methode |
| 8 | Lokalisierung eines Endgerätes mittels AOA-Methode |
| 9 | Prinzip der Positionsbestimmung mit Satelliten |
| 10 | Navigation mit Mobilfunkdaten |
| 11 | Durchführung einer Google-Suche über einen stationären PC |
| 12 | Durchführung einer Google-Suche über ein mobiles Endgerät (HTC Desire, Android 2.1) |
| 13 | Registrierung eines Gewerbes bei Google Places |
| 14 | Virtual Information Towers |
| 15 | Screenshot beim Segeln auf offener See in Pirates! |
| 16 | Initialansicht bei Erkundung einer Insel |
| 17 | PDA Interface im Spiel "Treasure" |
| 18 | Funktionsüberblick Flottenmanagement |
| 19 | Das TOLL COLLECT System im Überblick |
| 20 | Übersicht über verschiedene soziale Netzwerke |
| 21 | Umsätze durch LBS in 2011 |
3 Tabellenverzeichnis
| Tabelle Nr. | Tabelle |
|---|---|
| 1 | Benutzer welcher sozialen Netzwerke benutzen welche sozialen Netzwerke |
| 2 | Umsätze durch Location Based Services |
4 Einleitung
4.1 Thema
Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema "Anwendungspotenziale für Location Based E-Business". Dabei handelt es sich um eine Form des E-Business auf mobilen Endgeräten wie beispielsweise Smartphones, bei der der Ort des Nutzers auf verschiedene Weise genutzt wird. Der Begriff "Location Based E-Business" vereint die Ideen von "Location Based Services" und "E-Business" miteinander. Die Palette von Location Based Services wächst mit der Verbreitung moderner Smartphones immer mehr, weshalb ortsbezogene E-Business-Anwendungen zunehmend interessant für Wirtschaft und Verbraucher werden.
4.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Anwendungspotenziale, die Location Based E-Business bietet, dediziert zu beleuchten. Hierzu wird zunächst der Bereich der Location Based Services erläutert und der Bezug zum E-Business hergestellt. Dazu werden die möglichen Anwendungskategorien dargelegt und die Arten aufgezeigt, die der Informationsbereitstellung dienen können.
Anschließend werden die für das Location Based E-Business interessanten Kommunikationstechnologien der Endgeräte behandelt. Dabei wird gezeigt, welche Vorteile die jeweiligen Technologien bieten und deren Relevanz bewertet. Der Themenbereich "Lokalisierung von Endgeräten" bringt dem Leser die Möglichkeiten näher, die sich für die Positionsbestimmung des Gerätes und somit auch dessen Nutzers eignen.
Im Anschluss werden die Potenziale des Location Based E-Business analysiert. Hierzu wird der Wert der Anwendungskategorien für das Location Based E-Business und die wirtschaftlichen Möglichkeiten aufgezeigt. Abschließend wird das wirtschaftliche Potenzial dargestellt. In der Schlussbetrachtung werden die gewonnenen Informationen noch einmal zueinander in Bezug gesetzt und ein Fazit gezogen.
5 Location Based Services
"Location-based Services (LBSs) are IT services for providing information that has been created, compiled, selected, or filtered taking into consideration the current locations of the users or those of other persons or mobile objects." [1]
Das Auffallende an LBS ist die Tatsache, dass Informationen über den Standort des jeweiligen Nutzers nicht etwa manuell eingegeben, sondern automatisch mittels Positionierungstechnologie ermittelt und übertragen werden. Obwohl Location Based Services bereits seit vielen Jahren ein Kernpunkt im Feld der mobilen Kommunikation sind, existiert keine einheitliche Definition. Der Grund hierfür liegt unter anderem in der Tatsache, dass die Art und das Auftreten solcher Dienste von unterschiedlichen Gemeinschaften festgelegt worden sind. Die zwei herausragendsten Gruppen sind der Telekommunikationssektor und der "Ubiquitous Computing Bereich".[2] Der Begriff Ubiquitous Computing ist hier auffallend, entstammt er doch der 1988 von Mark Weiser beschriebenen Vision, in der Computer durch "intelligente Gegenstände" ersetzt werden. Demnach solle das "Internet der Dinge" den Menschen bei seinen Tätigkeiten unmerklich unterstützen und nicht mehr Gegenstand der menschlichen Aufmerksamkeit sein. Von der "GSM Association" werden LBS als Dienste verstanden, die die Position des Ziels dazu verwenden dem Dienst einen besonderen Wert beizufügen. Dieses Ziel muss dabei nicht unbedingt auch der Nutzer des Dienstes sein.[3]
5.1 Arten von LBS
Nach Axel Küpper lässt LBS sich in reaktives und proaktives LBS unterteilen.
- Das reaktive LBS wird explizit von einem Benutzer aktiviert. Zunächst wird der Dienst vom Nutzer aufgerufen und eine Dienstsitzung mit einem mobilen Endgerät oder einem stationären PC aufgebaut. Anschließend werden bestimmte Funktionen oder Informationen angefordert, für die der Dienst die Lokalisierungsdaten ermittelt. Damit kann entweder der Ort des Nutzers selbst oder einer weiteren Zielperson gemeint sein. Diese Informationen werden verarbeitet und dem Nutzer ein ortsbezogenes Ergebnis zurückgegeben. Das könnte beispielsweise eine Liste von in der Nähe befindlichen Freizeitangeboten sein. Dieser Ablauf von Anfrage und Antwort kann einige Male wiederholt werden, bis die Sitzung geschlossen wird. Demnach zeichnet sich das reaktive LBS durch ein synchrones Interaktions-Muster zwischen Nutzer und Dienst aus.[5]
- Demgegenüber stehen proaktive LBS, die automatisch initiiert werden, sobald ein vordefiniertes Ortsereignis auftritt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Benutzer einen gewissen interessanten Ort (Point of Interest bzw. POI) erreicht, tangiert oder verlässt. Der Dienst informiert demnach den Nutzer von sich aus bei Erreichen eines interessanten Ortes über etwas. Denkbar ist dabei eine Touristeninformation oder auch das Sonderangebot eines Restaurants, das sich in unmittelbarer Nähe befindet. Demnach werden proaktive Dienste nicht explizit vom Nutzer angefordert, sondern die Interaktion geschieht asynchron. Im Unterschied zum proaktiven LBS, bei dem der Nutzer lediglich ein Mal lokalisiert wird, sieht proaktives LBS ein stetes Verfolgen des Nutzers, mit der Absicht Orts-Ereignisse zu entdecken, vor.[7]
5.2 Einordnung von LBS im E-Business
Zu E-Business und Mobile Business existieren keine einheitlichen Definitionen. Bei Betrachtung der Vielzahl von Definitionen des E-Business fallen lediglich einige wenige nahezu durchgängige Definitionscharakteristika auf. So ist eine zentrale Bedeutung vor allem die "Gestaltung von Geschäftsprozessen bzw. Transaktionen".[8]
E-Business kann viele unterschiedliche Aktivitäten beinhalten. Darunter versteht sich nicht etwa lediglich die allgemein populärste Aktivität des "Online-Shoppings". Nach Wirtz lassen sich die Aktivitäten funktional wie folgt systematisieren:
| E-Commerce | Elektronische Realisierung von mit Kauf und Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen zusammenhängenden Aktivitäten mittels elektronischer Netze |
| E-Collaboration | Netzbasierte und interaktive intra- oder interorganisationale Zusammenarbeit (orts- und zeitunabhängig) |
| E-Communication | Dienste, die der netzbasierten Kommunikation dienen |
| E-Education | Ressourcen-effiziente Bereitstellung von Bildungsleistungen |
| E-Information / Entertainment | Bereitstellung informierender und/oder unterhaltender Inhalte und Konzepte mittels elektronischer Netze |
Durch die zunehmende Verbreitung internetfähiger Mobiltelefone gilt der PC in Zukunft nicht mehr als dominierendes Zugangsmedium.[9] Neben vielen unterschiedlichen Definitionen kann unter Mobile Business die "Anbahnung sowie die teilweise respektive vollständige Unterstützung, Abwicklung und Aufrechterhaltung von Leistungsaustauschprozessen mittels elektronischer Netze und mobiler Zugangsgeräte verstanden" werden.[10] Nach Bernd Wirtz charakterisieren vier Kriterien das Mobile Business:
- Mobilität
- Erreichbarkeit
- Lokalisierung
- Identifikation von Mobilfunkteilnehmern
Insbesondere bei Betrachtung der letzten beiden Charakteristika wird klar, wo im Mobile Business das Location Based E-Business einzuordnen ist. Location Based E-Business nutzt den Standort des Nutzers für bestimmte Dienste. Zudem ist es möglich, mithilfe der Identifikation des Mobilfunkteilnehmers auf diesen zugeschnittene Informationen reaktiv oder proaktiv verfügbar zu machen.
5.3 Anwendungskategorien
Location Based Services bieten viele Anwendungsmöglichkeiten, wie anhand der unterschiedlichen Rollen in Abbildung 3 ersichtlich ist. Bezogen auf Location Based E-Business lassen sich die Kategorien Navigation, Search, Information, Entertainment/Games, Tracking und Community unterscheiden.
- Navigation
Navigationsdienste für mobile Endgeräte machen es möglich Routeninformationen vom automatisch bestimmten Standort zu einem beliebigen Ziel zu berechnen. So ist es beispielsweise möglich auf dem Endgerät selbst relativ wenig Funktionalität zu hinterlegen und vorberechnete Routen über die mobile Netzwerkverbindung zu übermitteln.[12]
- Search
Lokationsbasierte Suchmaschinen verbinden Orte mit Web-Ressourcen mit der Absicht, ortsbezogene Suchabfragen zu beantworten. Die Absicht hinter einer ortsbezogenen Suchabfrage ist die Frage nach einem Produkt, Geschäft oder Dienst in einem bestimmten Gebiet. Sie bestehen damit aus zwei Teilen: einem Thema und einem Referenzort. Wird also beispielsweise nach "Werkstätten in Düsseldorf" gesucht, assoziiert der Suchstring den Ort "Düsseldorf" mit dem Dienst/Service "Werkstätten". Eine derartige Suche benötigt eine detaillierte geografische Datenbank, die ständig aktualisiert werden muss und deshalb mit hohen Kosten verbunden ist.[13]
- Information
Der Sinn der meisten Location Based Services ist das Informieren auf Basis von Ortsinformationen. Der von Mobilfunkteilnehmern am meisten nachgefragte Dienst ist beispielsweise der Verkehrsinformationsdienst. Gerade in diesem Fall ist die Relevanz von Ortsinformationen besonders hoch einzustufen. Elf von Fünfzehn der gefragtesten mobilen Dienste zeigen mindestens eine mögliche Relevanz für Ortsinformationen, sieben sogar hohe bis sehr hohe Relevanz.[14]
- Entertainment/Games
Unter Location Based Entertainment oder Location Based Games verstehen sich Dienste, die der Unterhaltung dienen. In traditionellen Computerspielen sitzen Spieler vor einem Bildschirm und nutzen zur Steuerung Eingabegeräte, wie Mäuse, Tastaturen oder Joysticks. Verbunden sind Spieler über das Internet oder ein lokales Netzwerk, treffen sich dabei virtuell an.
Ganz anders funktionieren Location Based Games. Bei diesen bewegen sich die Spieler in der echten Welt, wobei ihre Position über mobile Endgeräte verfolgt wird. Spielaktionen werden zwar auch über Eingabegeräte eingeleitet, jedoch ist das eher nebensächlich. Spieler treffen sich in der echten Welt und interagieren im Kontext des Spieles.[15]
- Tracking
Tracking-Dienste sind sowohl für Konsumenten, als auch für Unternehmen sinnvoll einsetzbar. Ein bekanntes Beispiel ist das Orten von Post-Paketen, um Unternehmen jederzeit wissen lassen zu können, wo ihre Güter sich aktuell befinden. Sie können auch zur Fahrzeug-Ortung eingesetzt werden, um das einem Unfallort am nächsten befindliche Notfallfahrzeug zu lokalisieren.[16]
- Community
Location Based Community Dienste nutzen die Positionsinformationen von vielen Zielen. Nutzer können benachrichtigt werden, wenn sie sich begegnen oder voneinander entfernen. Das Prinzip der Location Based Community machen sich oft andere Dienste zunutze. So ist sie beispielsweise oft Teil von Location Based Games. [17] Anwendungen, die auf dieser Idee basieren machen es möglich, die Position von Freunden auf einer Landkarte anzuzeigen. Darauf aufbauend können Nutzer, wenn sie in der Nähe eines weiteren Nutzers sind, eine Nachricht senden und ein Treffen vereinbaren.
5.4 Arten der Informationsbereitstellung
Die Informationsbereitstellung bei Location Based Services erfolgt entweder als "push" oder als "pull". "Push"-basierte LBS liefern vom Nutzer spezifisch ausgewählte Informationen genau ein Mal. Eingesetzt wird diese Form beispielsweise bei Anforderung des nächsten interessanten Point of Interest.
Bei "Pull"-basierten LBS sendet der Dienstanbieter nutzerrelevante Informationen basierend auf dessen aktueller Nähe zu einem Point of Interest. Bei diesem Ansatz werden Lokalisierungsinformationen des Nutzers ständig überwacht, um relevante Angebote bei Annäherung an interessante Orte mitzuteilen.[18]
6 Kommunikationstechnologien für Endgeräte
Kommunikationstechnologien spielen eine große Rolle beim Austausch von Daten. Besonders sind Kommunikationstechnologien gefragt, wenn es um mobile Endgeräte geht. Für einen Datenaustausch in freier Umgebung müssen mobile Endgeräte auf kabellose Technologien zugreifen können. In diesem Abschnitt werden einige Kommunikationstechnologien beschrieben. Dabei wird auch die Entwicklung der Mobilkommunikation betrachtet. Die Generationsentwicklung von 2G zu 3G ist vorab Abbildung 4 zu entnehmen.
6.1 GSM
Das Global System for Mobile Communication (GSM) gibt es seit den 90er Jahren. GSM wurde ursprünglich als leitungsvermittelndes Netzwerk konzipiert, welches eine herkömmliche Sprach- oder Datenverbindung zweier Teilnehmer auf einen Kanal schaltet.[20] GSM war ein großer Schritt für die Nutzung des Mobilfunks, da erstmals Mobiltelefongeräte untereinander oder mit dem Festnetz verbunden werden konnten.
Bei Einleitung eines Telefonats wird zuerst in den Kommunikationsnetzen eine direkte Leitung vom Anrufer zum Angerufenen geschaltet. Diese direkte Leitung wird ausschließlich von den Telefonatsteilnehmern genutzt. Die Schaltung des Telefonats wird von der Vermittlungsstelle (Switching Center) mit Hilfe einer Verbindungsmatrix (Switching Matrix) übernommen. Ist die Verbindung aktiv, ist die Arbeit der Vermittlungsstelle vorerst erledigt und die Daten werden über die Verbindungsmatrix zwischen den Teilnehmern ausgetauscht. Bei Beendigung des Telefonats nimmt die Vermittlungsstelle ihre Arbeit wieder auf. Sie baut die Verbindung ab und gibt die Leitung in der Verbindungsmatrix wieder frei. Da dieser Prozess für alle leitungsvermittelnden Kommunikationsnetzen gleich ist, können Festnetz und Mobilfunknetz miteinander kommunizieren.[21] GSM ermöglicht dabei Übertragungsgeschwindigkeiten von 64 kbit/s bis 9953.28 Mbit/s.[22]
6.2 GPRS
General Packet Radio System (GPRS) ist die Erweiterung von dem zuvor beschriebenen GSM Standard und ist Bestandteil der 2. Generation der Mobilkommunikation. Als Mitte der 80er Jahre GSM entwickelt wurde, war die Sprachübertragung die wichtigste Kommunikation im drahtgebundenen und mobilen Netzwerk. Demnach wurde das GSM-Netz hauptsächlich für die Sprachübertragung entwickelt. Im Laufe der Weiterentwicklung des Internets musste 10 Jahre später ein neuer Standard entwickelt werden, der auch Daten in angemessener Geschwindigkeit übertragen konnte. So wurde GPRS als Erweiterung der Funktionalität von GSM entwickelt. Mit GPRS ist es möglich Daten im Internet über ein mobiles Gerät abzurufen oder zu versenden.[23] GPRS nutzt für den Datenaustausch über die Datenkanäle so genannte Coding Schemata zur Kanalverschlüsselung.[24] Für GPRS wurden 4 Coding Schemata entwickelt, mit deren Hilfe sich die Übertragungsgeschwindigkeit steigern lässt, indem die Fehlerkorrektur-Bits pro Block im Datenpaket angepasst werden. Die Kodierung der unterschiedlichen Coding Schemata werden erreicht, indem das Verhältnis der Fehlerkorrekturbits und Nutzdatenbits unterschiedlich ausgelagert werden.[25]
6.3 EDGE
Enhanced Data Rates for GSM Evolution (EDGE) ist eine Weiterentwicklung von GPRS. Ziel der Weiterentwicklung war, die Übertragungsgeschwindigkeit von GPRS weiter zu erhöhen. So wurde als nächste Ausbaustufe ein neues Modulationsverfahren entwickelt, das mit dem 8-PSK Standard-Prinzip arbeitet. Bei dem 8-PSK Standard werden 3 Bits pro Übertragungsschicht verarbeitet, anstatt wie bisher bei GSM und GPRS 1 Bit pro Übertragungsschicht.[26] Die Entwicklung von EDGE zählt noch zur 2. Generation der Mobilkommunikation, aber durch EDGE wurden weitere Schritte zur 3. Generation der Mobilkommunikation gesetzt. EDGE ist eine Erweiterung aus den Standards HSCSD und GPRS, die wiederum aus dem GSM Standard entstanden sind.[27]
6.4 UMTS
Mit Univeral Mobile Telecommunications System (UMTS) wurde die dritte Generation (3G) der Mobilkommunikation geschaffen. UMTS gibt es seit dem Jahr 2000. Mit Hilfe dieses neuartigen Standards, kann eine weitaus höhere Datenübertragungsgeschwindigkeit erreicht werden als mit den Mobilfunkstandards der zweiten Generation (2G). Mit UMTS ist eine Geschwindigkeit bis zu 7,2 Mbit/s möglich. Eine derartige Geschwindigkeit schafft UMTS nur mit Hilfe der Erweiterungen von High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) und High Speed Uplink Packet Access (HSUPA).[28] UMTS vereint Eigenschaften eines leitungsvermittelnden Sprachnetzwerkes mit denen eines paketvermittelnden Datennetzwerkes zu einem neuen Standard. Durch diese Bündelung bietet UMTS mehr Einsatzmöglichkeiten als seine Vorgänger der zweiten Generation.[29]
6.5 LTE
Long Term Evolution (LTE) ist der Nachfolger von UMTS. Ab diesem Jahr (2010) soll LTE zur Benutzung bereit stehen und UMTS ablösen. LTE schafft mit Hilfe von UMTS über HSDPA und HSUPA eine bedeutend schnellere Datenverbindung von bis zu 300 Mbit/s. Durch LTE versprechen sich die Mobilfunkanbieter eine kostengünstige Lösung für eine mit DSL vergleichbare Geschwindigkeit in einem Mobilfunknetz.[30] LTE soll UMTS ablösen und wird daher noch zur dritten Generation (3.9G) der Mobilfunkstandards gezählt. [31]
6.6 W-LAN
Das Wireless Local Area Network (W-LAN) ist eine Methode, um sich kabellos in ein LAN-Netzwerk einzubinden. W-LAN ist heutzutage sehr stark verbreitet. Fast jeder Haushalt mit einem Internetanschluss hat ein W-LAN fähigen Router und kann somit ein W-LAN-Netzwerk aufbauen. W-LAN gibt es seit den 90er Jahren. Anfangs war es nicht weit verbreitet, da die Hardware noch sehr teuer war. Als sich die Hardware-Preise in eine endbenutzerfreundliche Richtung bewegten, wurde W-LAN schnell die optimale Variante, um sich kabellos und ohne großen Aufwand in ein Netzwerk einzuklinken und so mit dem Internet zu verbinden.[32] W-LAN basiert auf dem Local Area Network (LAN) Standard. Somit kommunizieren beide Techniken mittels IEEE 802.X Standard mit anderen Computern im Netzwerk. Die Variante 802.11 wurde als Standard für das drahtlose LAN festgelegt.[33] Der 802.11 Standard wird in vier unterschiedliche Standards unterteilt, die sich in Frequenz und Geschwindigkeit unterscheiden. So sind Geschwindigkeiten zwischen 11 und 600 MBit/s und die Frequenzbereiche 2,4 GHz und 5 GHz möglich.
7 Lokalisierung von Endgeräten
Voraussetzung für die Nutzung von Location Based E-Business ist die Bestimmung der Lokation. Dafür existieren verschiedene Verfahren, die sich in ihrer Genauigkeit voneinander unterscheiden. Dabei findet häufig auch eine Kombination verschiedener Verfahren statt, um die jeweiligen Vorteile zu bündeln und so eine höhere und schnellere Lokalisierung durchführen zu können (z.B. A-GPS). Im folgenden Abschnitt werden verschiedene Methoden der Lokalisierung erläutert und auf die jeweiligen Anwendungsarten eingegangen.
7.1 Manuell
"Die einfachste Ausprägung von Ortungsverfahren ist die manuelle Ortseingabe durch den Benutzer."[34] Die Lokalisierung erfolgt dabei über die manuelle Eingabe des aktuellen Standortes. Diese kann beispielsweise durch eine SMS (Short Message Service) oder durch einen Dialog in einer mobilen Anwendung erfolgen. So gehört beispielsweise die Bestellung eines Taxis per SMS zu den manuellen Lokalisierungsverfahren. In Bonn kann unter Angabe der Abholadresse, der Zieladresse, der Personenanzahl sowie der Abholzeit und des Namens ein Taxi bestellt werden.[35] Vergleichbare Dienste gibt es auch in anderen deutschen Städten.
7.2 Mobilfunk
Die Lokalisierung von Endgeräten kann über das Mobilfunknetz erfolgen. Voraussetzung dafür ist ein Endgerät (z.B. Handy, Smartphone) mit SIM-Karte und eine Verbindung zum Mobilfunknetz. In Deutschland existiert eine flächendeckende Netzabdeckung mit Mobilfunk, so dass nahezu die gesamte Bevölkerung Zugang zum Mobilfunknetz hat.[36] Es gibt verschiedene Methoden zur Positionsbestimmung in Mobilfunknetzen, die in den folgenden Abschnitten näher erläutert werden.
7.2.1 Cell of Origin (COO)
Die Positionsbestimmung mittels COO (auch als Cell-ID bezeichnet) ist die einfachste Methode der Positionsbestimmung innerhalb von Mobilfunknetzen. Mobilfunknutzer sind in der Regel mit mindestens einer Basisstation verbunden. Nur so kann eine Verbindung mit dem Mobilfunknetz hergestellt werden. Da drahtlose Übertragungstechnologien nur eine begrenzte Reichweite haben, muss sich das Endgerät innerhalb des Wirkungskreises der Basisstation befinden. COO nutzt die Breiten- und Längengrade der Basisstation mit welcher der Benutzer verbunden ist, als aktuelle Position des Benutzers. Da die Reichweite von Basistürmen in einer städtischen Gegend zwischen 100 und 1000 Metern liegt, ist dieses Verfahren ungenau. In ländlichen Gegenden ist die Reichweite von Basistürmen oft noch wesentlich höher, so dass dort die Position eines Endgerätes sogar nur auf wenige Kilometer genau bestimmt werden kann. [37]
7.2.2 Time of Arrival (TOA)
Die vom Endgerät ausgesendeten elektromagnetischen Signale bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit, also mit einer Geschwindigkeit von 300.000 km/s. Durch technische Verfahren lässt sich mittlerweile präzise die Laufzeit der elektromagnetischen Signale messen. Dadurch kann die Entfernung des Endgerätes zur Basisstation ermittelt werden (Entfernung zur Basisstation = Lichtgeschwindigkeit x Signallaufzeit). In Kombination mit den Informationen über die COO, kann nun die Position des Endgerätes genauer bestimmt werden.[38] Da sich Funksignale jedoch kreisförmig ausbreiten, kann nur der genaue Abstand vom Endgerät zur Basisstation angegeben werden. Das Endgerät befindet sich also auf einem Kreis, der den Basisturm umschließt, wobei die Entfernung zur Basisstation der Radius des Kreises ist (Vgl. Abbildung 6).
7.2.3 Time Difference of Arrival (TDOA)
Bei der TDOA-Methode kann die Lokalisierung des Endgerätes wesentlich genauer erfolgen, als bei den beiden bereits genannten Verfahren. Bei dieser Methode wird wie bei der TOA-Methode die Signallaufzeit der elektromagnetischen Signale gemessen. Um jedoch eine präzisere Lokalisiserung zu erreichen, wird die Signallaufzeit von allen Basisstationen gemessen, die von dem Endgerät elektromagnetische Signale empfangen. Die Basisstationen vergleichen die gemessenen Signallaufzeiten und können so die Position des Engerätes genauer bestimmen. Voraussetzung für die Positionsbestimmung mittels TDOA-Methode ist, dass die Basisstationen exakt die gleiche Uhrzeit aufweisen, da es ansonsten zu Ungleichgewichten kommen würde. Daher erfolgt zwischen den Basisstationen eine Synchronisierung der Uhrzeiten.[39]
7.2.4 Angle of Arrival (AOA)
Bei der AOA-Methode werden die Basistürme mit Antennen ausgestattet, die Richtungscharakteristik unterstützen. Dadurch kann der Basisturm exakt den Einfallswinkel der elektromagnetischen Signale bestimmen, die er von den Endgeräten empfängt. Zur genauen Positionsbestimmung sind mindestens zwei Basistürme erforderlich. Darüber hinaus benötigen die Basistürme noch eine genaue Information darüber, wie weit sie voneinander entfernt sind. Sind diese Informationen bekannt, kann die Position des Endgerätes mittels Triangulation sehr genau bestimmt werden.[40]
Trotz der hohen Genauigkeit wird die AOA-Methode vergleichsweise selten angewendet. Die Ursache dafür liegt zum einen an der kostenintensiven Installation und Beschaffung von Antennen mit Richtungscharakteristik. Zum anderen weist die AOA-Methode eine mangelnde Genauigkeit auf, wenn keine direkte Sicht zwischen Endgerät und den Basistürmen besteht.[41]
7.3 Satellit
Die Idee satellitengestützte Navigationssysteme zu nutzen, kam bereits lange vor Location Based Services auf. Bereits in den späten 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es erste Ideen, ein Verfahren zur satellitengestützten Navigation zu installieren. Die Satellitennavigation bietet die folgenden Vorteile:
- Positionsbestimmung überall auf der Welt
- keine wesentliche negative Beeinflußung durch Umwelteinflüße (Wetter, ...)
- hohe Genauigkeit
Aufgrund der genannten Vorteile waren GNSSs (Global Navigation Satellite System) insbesondere für das Militär interessant. So wurde das erste GNSS (Transit) 1964 vom US-Militär in Betrieb genommen. 1967 folgte die Freigabe für die zivile Nutzung.[42] Nachteilig an Satellitennavigationssystemen sind in erster Linie die hohen Kosten für die Installation und die anschließende Überwachung der Satelliten.[43] Heute wird hauptsächlich das 1973 von der US Air Force in Betrieb genommene NAVSTAR/GPS (Global Positioning System) eingesetzt. [44] Darüber hinaus entwickelte Russland unter dem Namen GLONASS (Globalnaja Nawigazionnaja Sputnikowaja Sistema) ebenfalls ein eigenes GNSS, das 1996 den Wirkbetrieb aufnahm. [45] Sowohl die Europäische Union (GALILEO)[46] wie auch China (COMPASS) entwickeln zur Zeit eigene GNSSs.[47]
Um eine genaue Positionsbestimmung durchführen zu können benötigt der Benutzer ein entsprechendes Endgerät, das Signale von den Satelliten empfangen und die nötigen Berechnungen durchführen kann. Die genaue Position des Benutzers ist abhängig von der Entfernung der Satelliten zum Endgerät und deren Position im Weltall. Die Positionsbestimmung der Satelliten ist dabei relativ einfach. Die Satelliten bewegen sich auf festen Bahnen um die Erde. Jedes Endgerät besitzt eine Verzeichnis aller Satelliten sowie deren Flugbahnen. Die Bestimmung der Entfernung vom Endgerät zum Satelliten ist dagegen komplexer. Jeder Satellit sendet ein kontinuierliches Signal, das den Zeitpunkt seines Aussendens exakt enthält. Das Endgerät empfängt dieses Signal und berechnet anhand der Zeitdifferenz zwischen der Zeit des Satellitensignals und seiner eigenen Systemzeit die Entfernung zum Satelliten.
Für eine exakte Positionsbestimmung müssen Signale von mindestens drei Satelliten empfangen werden. Das Endgerät empfängt Signale von Satellit S1 und berechnet anhand der Zeitdifferenz die exakte Entfernung zu diesem. Ähnlich wie bei der TOA-Methode kann die Position des Endgerätes nun auf einem Kreis eingegrenzt werden, wobei der Radius des Kreises wiederum die Entfernung zum Satelliten S1 ist. Durch die Ermittlung der Entfernung zu einem zweiten Satelliten S2 kann nun die Position genauer bestimmt werden. Das Endgerät muss sich auf einem der beiden Schnittpunkte der Kreise befinden. Um zu ermitteln, um welchen der beiden Schnittpunkte es sich handelt ist die Information eines dritten Satelliten S3 erforderlich. Da sich Funksignale dreidimensional ausbreiten, gibt es darüber hinaus noch einen weiteren Schnittpunkt. Dieser liegt jedoch im Weltraum und kann daher vernachlässig werden (Vgl. Abbildung 9).
Von größter Wichtigkeit für die Positionsbestimmung ist die Genauigkeit des Zeitsignals, das die Satelliten aussenden. Bereits eine Differenz von 1 µs führt bei der Positionsbestimmung zu einer Abweichung von 300 Metern. Daher enthalten Navigationssatelliten Atomuhren, die eine präzise Zeitmessung ermöglichen. Die Endgeräte müssen jedoch auch über eine exakte Uhrzeit verfügen, da diese sonst die Differenz zwischen der vom Satelliten ausgesandten Zeit und ihrer eigenen Systemzeit falsch berechnen. Da Atomuhren für Endgeräte nicht geeignet sind und nur diese eine ausreichende Genauigkeit aufweisen, bezieht das Endgerät einen weiteren Satelliten mit in die Positionsbestimmung ein, der ausschließlich für die Bereitstellung von Zeitinformationen genutzt wird. Es sind also vier Satelliten erforderlich, um eine exakte Positionsbestimmung durchführen zu können.[49]
7.4 W-LAN
Neben den bereits erläuterten Verfahren zur Lokalisation von Endgeräten gibt es noch die Lokalisierung über W-LAN. Dieses Verfahren hat gegenüber der Satellitennavigation einige entscheidende Vorteile. So lässt sich über W-LAN auch die Position bestimmen, wenn keine einwandfreie Sicht zum Himmel herrscht. Per W-LAN kann die aktuelle Position also auch innerhalb von Gebäuden, bei schlechtem Wetter oder in Straßenschluchten bestimmt werden. Darüber hinaus sind W-LAN Access-Points in städtischen Bereichen nahezu überall präsent. So betreibt allein die Deutsche Telekom weltweit nahezu 20.000 Access-Points.[50] In ländlichen Bereichen dagegen ist W-LAN nicht flächendeckend verfügbar, was zu einer deutlich unpräziseren Lokalisierung führen kann.
Voraussetzung für die Lokalisierung ist, dass die genaue Position des Access-Points bekannt ist. Um diese zu ermitteln werden Messfahrten mit speziell ausgestatteten Fahrzeugen durchgeführt, die in bestimmten Zeitintervallen die aktuell georteten Access-Points, deren Position, MAC-Adresse sowie die Signalstärke in einer Datenbank abspeichern. Dieses Verfahren wird beispielsweise von der Firma Skyhook angeboten. Darüber hinaus gibt es auch öffentlich zugängliche Datenbanken wie beispielsweise http://www.mobileaccess.de oder http://www.wigle.net, die ebenfalls die genaue Position von W-LAN Access-Points katalogisieren.[51]
Wie bereits bei den anderen Verfahren zur Positionsbestimmung gibt es auch hier verschiedene Möglichkeiten, die im Folgenden näher erläutert werden.
7.4.1 Cell of Origin (COO)
Die COO-Methode wird bereits bei der Lokalisierung über das Mobilfunknetz verwendet. Empfängt das Endgerät Signale vom Access-Point so befindet es sich innerhalb des Wirkungsradius des Access-Points. Dieser beträgt innerhalb von Gebäuden 5-15 Meter. Innerhalb von Straßenzügen ist durch die hohen Gebäude ein Wirkungsradius von bis zu 150 Metern möglich. Die Genauigkeit der Positionsbestimmung liegt also zwischen 5 und 150 Metern. Darüber hinaus kann zusätzlich noch die Signalstärke der empfangenen Signale ausgewertet werden, um die Entfernung zum Access-Points präziser zu bestimmen (Vgl. TOA-Methode im Mobilfunk). Dieses Verfahren wird jedoch in der Praxis nur selten angewandt, da beispielsweise Wände oder Decken die Signalstärke beeinflussen können.[52]
7.4.2 Time Difference of Arrival (TDOA)
Um die Genauigkeit der Lokalisierung zu erhöhen können Signale verschiedener Access-Points ausgewertet werden. Dieses Verfahren arbeitet vergleichbar der TDOA-Methode im Mobilfunk. Es wird die Qualität der empfangenen Signale verschiedener Access-Points ausgewertet und mit den Referenzdaten aus der Datenbank verglichen. Dadurch kann die Position des Endgerätes bis auf ca. 20-30 Meter genau bestimmt werden.[53]
8 Potenzial von Location Based E-Business
Location Based E-Business bietet als ein neuer Ansatz des E-Business viele Chancen, birgt in sich jedoch auch nicht zu vernachlässigende Risiken. Um diese Thematik eingehend zu betrachten wird im Folgenden jede Anwendungskategorie für sich nach ihrem Anwendungspotenzial analysiert. Dazu wird zusätzlich zu allgemeinen Informationen zu der jeweiligen Thematik jede Anwendungskategorie nach den Prinzipien der SWOT-Analyse jeweils auf Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken untersucht.
Im Anschluss folgt eine eingehende Betrachtung der konkreten wirtschaftlichen Potenziale von Location Based E-Business, wozu relevante statistische Auswertungen herangezogen werden.
8.1 Anwendungspotenzial
8.1.1 Navigation
- Allgemeine Information
Immer mehr mobile Endgeräte werden mit einem GPS-Empfänger ausgestattet, der eine präzise Lokalisierung ermöglicht. Dadurch ist ein Endgerät mit entsprechender Software in der Lage Navigationsfunktionalitäten bereitzustellen. Solche mobilen Endgeräte stehen in Konkurrenz zu dedizierten Navigationsgeräten, deren ausschließliche Funktion in der Navigation des Benutzers besteht.
Bei Location Based Navigation wird zwischen Onboard- und Offboard-Navigationssystemen unterschieden, die im Folgenden näher erläutert werden.
Onboard-Navigationssystem
Bei einem Onboard-Navigationssystem werden die erforderlichen Kartendaten in dem Speicher des Endgerätes gespeichert (z.B. auf einer Speicherkarte). Dies hat für den Nutzer den Vorteil, dass dieser keine Mobilfunkverbindung benötigt, um die Navigationsfunktion nutzen zu können. Neben einem größeren Speicherplatz für die Kartendaten sollte das Endgerät bei Nutzung eines Onboard-Navigationssystems auch über einen ausreichend schnellen Prozessor und großen Arbeitsspeicher verfügen, da die Berechnung der Route auf dem Gerät durchgeführt wird.[54]
Offboard-Navigationssystem
Bei einem Offboard-Navigationssystem hingegen werden keine Kartendaten auf dem Gerät gespeichert. Die Kartendaten werden abhängig vom aktuellen Standort über eine Mobilfunkverbindung heruntergeladen. Voraussetzung für die Nutzung eines Offboard-Navigationssystems ist also eine Mobilfunkverbindung mit ausreichender Geschwindigkeit. Die Berechnung der Route wird nicht auf dem Endgerät durchgeführt, sondern auf den Servern des Dienstanbieters. Dies hat den Vorteil, dass auch Endgeräte mit wenig Rechenleistung oder einem geringen Arbeitsspeicher Navigationsfunktionalitäten bieten können. [55] Ein Beispiel für ein Offboard-Navigationssystem ist "Google Maps Navigation", das für Android Endgeräte angeboten wird.[56]
- Stärken
Neben den Vorteilen die Navigationsgeräte ohnehin schon bieten, gibt es für den Benutzer von Location Based Navigation einige weitere interessante Vorteile. So können neben der eigentlichen Strecke noch zahlreiche weitere Informationen eingeblendet werden (z.B. Point of Interests, Tankstellen, ...). Durch die Verbindung zum Mobilfunknetz ist gewährleistet, dass immer aktuelle Informationen bereitgestellt werden. Auch können auf dem Endgerät andere Anwendungen parallel laufen, die zusätzliche Funktionalitäten für die Navigationssoftware bieten. Die für iPhone, Android und Blackberry Geräte verfügbare App RadAlert warnt den Benutzer bei der Navigation mit einem akustischen Signal vor Radargeräten. Neue Radargeräte können dabei von Benutzern gemeldet werden. [57] Darüber hinaus ist zumindest bei einem Offboard-Navigationssystem gewährleistet, dass ständig aktuelle Kartendaten vorhanden sind. Neben der Nutzung im Auto gibt es weitere nützliche Anwendungsfelder. So können mit der App MyTracks für Android GPS-Daten aufgezeichnet und anschließend analysiert werden. Dies ist besonders für Jogger oder Wanderer interessant. Ein weiterer Vorteil von Location Based Navigation ist, dass viele Navigationslösungen kostenfrei sind. Neben dem bereits beschriebenen Google Maps Navigation bietet auch Nokia für viele Endgeräte eine kostenfreie Navigationslösung an. [58] Aus funktionaler Sicht sind mobile Endgeräte dedizierten Navigationsgeräten mindestens ebenbürtig. Wie mithilfe der Beispiele gezeigt wurde, bieten sie durch die zusätzliche Kombination mit weiteren Apps einige interessante Vorteile.
- Schwächen
Eine präzise Lokalisierung und Navigation ist nur mit einem eingebautem GPS-Empfänger möglich. Durch die kontinuierliche Nutzung des GPS-Empfängers steigt der Energieverbrauch des Endgerätes stark an, sodass der Akkumulator stark belastet wird. Um eine reibungslose Navigation auch über weite Strecken zu gewährleisten sollte eine permanente Stromversorgung sichergestellt sein.[59] Darüber hinaus kann die Positionsbestimmung mittels GPS bei einem Endgerät mit schwachem Prozessor eine längere Zeit in Anspruch nehmen. Durch den Einsatz von A-GPS (Assisted-Global Positioning System) kann die Positionsbestimmung beschleunigt werden. Bei A-GPS wird die Position des Endgerätes erst grob über das Mobilfunknetz und anschließend präzise über GPS bestimmt.[60] Darüber hinaus verfügen die Endgeräte in der Regel über einen schwachen Lautsprecher, der die Anweisungen oft nicht in ausreichender Lautstärke wiedergeben kann. Auch die Bedienung des Endgerätes lässt aufgrund des kleinen Displays während der Fahrt zu wünschen übrig. Dedizierte Navigationsgeräte verfügen in der Regel dagegen über deutlich größere Displays.
- Chancen
Durch den Einsatz von Mobilfunktechnologien besteht sowohl für dedizierte Navigationsgeräte wie auch für mobile Endgeräte die Möglichkeit, Staus auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen zu reduzieren. Durch das FCD-Verfahren (Floating Car Data) können aufgrund von Verkehrsinformationen Verkehrsmuster erstellt und analysiert werden. Die Verkehrsinformationen werden über Sensoren, die auf den Autobahnen installiert sind, erstellt. Mit diesen Informationen ist es möglich, Verkehrsmuster von der momentanen Verkehrslage zu erstellen, einzuschätzen und andere Fahrzeuge zu warnen bzw. diese umzuleiten (Vgl. Abbildung 10). Die Fahrzeuge werden auf eine weniger befahrene Straße oder Autobahn umgeleitet. Die automatische Stauwarnung wird über TMCpro an die verschiedenen Navigationsgeräte verbreitet. Voraussetzung ist, dass die Navigationsgeräte TMCpro empfangen können, was bei mobilen Endgeräten oft nicht der Fall ist. [61]
- Risiken
Unabhängig davon, ob es sich um dedizierte Navigationsgeräte oder um mobile Endgeräte handelt, bergen Navigationslösungen Risiken. So kommt es häufig vor, dass Kartenmaterial veraltet ist. Hiervon sind insbesondere Onboard-Navigationslösungen betroffen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass Einbahnstraßen nicht erkannt werden. Von daher ist bei der Nutzung von Navigationslösungen immer eine gewisse Vorsicht geboten.[63] Mittlerweile bieten auch viele Hersteller Navigationslösungen an, die speziell auf Fußgänger ausgelegt sind. Oliver Stauch von connect stellte 2007 bei einem Test verschiedener Fußgänger-Navigationslösungen fest: "Man kommt mit den Handy-Navis zwar ans Ziel, bis zur Massentauglichkeit ist es aber noch ein weiter Weg, denn die Handhabung ist alles andere als einfach".[64] In den USA hat eine Frau Klage gegen Google eingereicht. Die Frau nutzte die Fußgängernavigation von Google Maps Navigation mit ihrem mobilen Endgerät und wurde, nach eigenen Angaben, auf eine Bundesstraße geführt. Dort wurde die Frau von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Neben der Erstattung von 100.000 US-Dollar an Krankenhaus- und Arztkosten fordert sie von Google zusätzlich Entschädigungszahlungen für den Verdienstausfall und Schadensersatz. [65]
8.1.2 Search
- Allgemeine Information
Durch Location Based Search können dem Benutzer Informationen in Abhängigkeit des aktuellen Standortes zur Verfügung gestellt werden. Nach einer Studie von Sanderson & Kohler aus dem Jahr 2004 enthalten etwa 20% aller Suchanfragen einen geografischen Bezug.[66] Diese geografischen Informationen können entweder explizit (z.B. "Pizzeria Nettetal") oder implizit (z.B. "Esprit T-Shirt") enthalten sein. Herkömmliche Suchmaschinen verknüpfen die gesuchten Ausdrücke mittels des booleschen UND-Operators und führen dann die Suche durch. Beim oben genannten Beispiel würde also nach "Pizzeria UND Nettetal" gesucht werden. Dabei wird nur die explizit genannte geografische Position (Nettetal) in die Suche einbezogen. Geografische Suchmaschinen hingegen ziehen geografische Aspekte in die Suchabfrage ein. Dafür sind spezielle Mechanismen erforderlich. So muss der Crawler der Suchmaschine geografische Informationen der Seite erkennen und abspeichern. Ebenso muss die Position des Suchenden ermittelt werden. Diese werden dann miteinander in Relation gesetzt, so dass als Treffer des Suchstrings "Esprit T-Shirt" beispielsweise Bekleidungsgeschäfte in der Nähe des aktuellen Standortes angezeigt werden, die Esprit T-Shirts verkaufen. Suchmaschinen, die geografische Informationen auswerten und ausgeben können sind beispielsweise Google und Yahoo.[67]
Location Based Search ist für mobile Endgeräte von besonderer Bedeutung, jedoch auch mit stationären PCs möglich. Während mobile Endgeräten eine ständig wechselnde Position haben, verbleiben stationäre PCs in der Regel am selben Ort. Stationäre PCs können über W-LAN oder über den aktuellen Einwahlknoten des Internet Service Provider (ISP) geortet werden. Während W-LAN eine relativ hohe und für Location Based Search ausreichende Ortung erzielt, ist die Ortung über den Einwahlknoten ungenau und oft wenig verlässlich.[68]
Neben den "klassischen" Suchmaschinen gibt es inzwischen für mobile Endgeräte zahlreiche Apps, die ebenfalls ortsbezogen Informationen bereitstellen. Zu diesen Apps gehören beispielsweise KlickTel, DasTelefonbuch, DasÖrtliche oder GelbeSeiten. Diese Apps erfassen die aktuelle Position des Benutzers und bieten ortsabhängige Informationen an. Beispielsweise können bei DasTelefonbuch alle Apotheken in der näheren Umgebung inklusive Adresse, Telefonnummer und Wegbeschreibung angezeigt werden. Auch die Deutsche Post hat eine eigene Applikation herausgebracht, die unter anderem alle Briefkästen bzw. Filialen der Deutschen Post in der näheren Umgebung anzeigt.
- Stärken
Laut der Webseite Netcraft gab es im April 2010 weltweit rund 205 Milliarden Webseiten.[69] Diese Menge an existierenden Webseiten führt bei Suchmaschinen, je nach Suchstring, ebenfalls zu einer großen Anzahl an Treffern. Nach einer Studie von Jupiter Research aus dem Jahre 2008 besuchen ca. 27% aller Benutzer nur die erste Seite mit Treffern einer Suchmaschine.[70] Daher ist es wichtig, dass bereits die erste Seite mit zu dem Suchstring passenden Informationen gefüllt ist. Aus diesem Grund sind Suchmaschinen, die implizit die aktuelle Position des Endgerätes einbeziehen eine sinnvolle Möglichkeit, um die erste Seite mit relevanten Treffern zu füllen.
Um dies zu beweisen wurde der Suchstring "Pizzeria" sowohl auf einem stationären PC in die Google-Suche eingegeben, wie auch auf einem mobilen Endgerät (OS: Android). Auf dem stationären Endgerät konnte die Position durch die Bestimmung des Einwahlknotens auf den Raum Düsseldorf eingegrenzt werden. Von daher werden auf der ersten Seite auch zahlreiche Pizzerien in und um Düsseldorf angezeigt (Vgl. Abbildung 11). Auf dem mobilen Endgerät hingegen konnte die Position des Endgerät durch GPS und das Mobilfunknetz wesentlich genauer bestimmt und auf Nettetal eingegrenzt werden. Von daher werden auf der ersten Seite in erster Linie Pizzerien in und um Nettetal angezeigt (Vgl. Abbildung 12). Dieser Beweis zeigt, dass Location Based Search geeignet ist, um die gesuchten Informationen sinnvoll einzugrenzen. Darüber hinaus bietet sich dadurch für die Betreiber der Suchmaschinen die Möglichkeit, Werbung wesentlich genauer auf die Benutzer abzustimmen.
- Schwächen
Die Schwächen bei Location Based Search liegen unter anderem in der relativ ungenauen Positionsbestimmung. So werden nur die wenigsten Benutzer über ein dauerhaft aktiviertes GPS-Modul verfügen, durch das eine genaue Lokalisierung des Endgerätes möglich wäre. Für die meisten Anwendungsgebiete von Location Based Search ist jedoch eine Lokalisierung über das Mobilfunknetz bzw. W-LAN ausreichend. Schwierig wird es erst, wenn bereits in der Location Based Search die Möglichkeit besteht zu dem gefundenen Ort zu navigieren (beispielsweise über Google Maps). Dann wäre eine möglichst genaue Lokalisierung wünschenswert, die jedoch zur Zeit nur über GPS möglich ist.
- Chancen
Location Based Search wird nicht nur in herkömmlichen Suchmaschinen eingesetzt. Die für Android und iPhone verfügbare App Qype beispielsweise, zeigt u.a. Restaurants, Clubs und Bars in der Nähe des aktuellen Standortes. Auch andere Anwendungsfelder sind denkbar. So bietet die Firma Intelligent Apps GmbH eine Applikation für iPhones an, mit der sich in Hamburg Taxis per Knopfdruck bestellen lassen. Die App übermittelt Name, Telefonnummer und die genaue Position des Benutzers an Taxifahrer, die in der Nähe sind. Diese können dann entscheiden ob sie den Auftrag annehmen oder nicht. Wird der Auftrag angenommen, kann der Benutzer sehen wie weit das Taxi noch von ihm entfernt ist und die Anfahrt des Taxis live auf der Karte verfolgen.[71]
Zusammenfassend, bietet Location Based Search für Benutzer, Unternehmen und Betreiber zahlreiche Chancen.
Der Benutzer kann bereits heute durch die implizite Einbeziehung des aktuellen Standortes und durch die Nutzung einer Suchmaschine, die diese verarbeiten kann, relevantere Suchergebnisse erzielen. Voraussetzung dafür ist, dass die Suchmaschinen den Ortsbezug des Suchstrings sinnvoll umsetzen. Auch eine Kombination von Location Based Search mit dem Semantischen Web scheint möglich. Das Semantische Web ist eine von Tim Berners-Lee vorgestellte Erweiterung des bestehenden World Wide Web. Wie bereits erläutert gibt es zur Zeit etwa 205 Milliarden Webseiten. Darüber hinaus haben Untersuchungen ergeben, dass sich das Wissen der Menschheit etwa alle fünf Jahre verdoppelt.[72] Die Informationen, die Suchmaschinen bereitstellen werden also immer weiter zu nehmen, so dass es für Benutzer immer schwieriger wird relevante Informationen zu finden. Hier setzt das Semantische Web an, dessen Ziel es ist eine weniger stichwortbasierte sondern vielmehr inhaltliche Suche anzubieten.[73] Durch die Kombination des Semantischen Webs mit Location Based Search lassen sich Informationen noch weiter eingrenzen und selektiver ermitteln. Auch eine inhaltliche Verknüpfung von Suchbegriffen wäre möglich. So könnte zum Beispiel in einer Semantischen Suchmaschine nach "Discounter in der Nähe" gesucht werden. Diese könnten auf einer Übersichtskarte inklusive der aktuellen Angebote angezeigt werden.
Für die Unternehmen bieten sich ebenfalls zahlreiche Chancen. So können Unternehmen sich beispielsweise bei Google Places registrieren und so bei Google Maps anzeigen lassen. Die eingebenenen Information werden automatisch mit anderen Apps wie beispielsweise Qype abgeglichen und so in deren lokaler Suche angezeigt. Unternehmen können sich so gegenüber in der Nähe befindlicher Nutzer bekannt machen. Dadurch könnte zielgruppenorientierte und ortsabhängige Werbung erstellt werden. Nutzer einer App für Fußball (z.B. ran für Android OS) könnten beispielsweise ein Werbebanner vom nächsten Sportgeschäft in der Nähe erhalten. Das Anbieten solcher Werbebanner ist in Android-Apps bereits heute möglich. Apple wird mit iPhone OS 4 ebenfalls eine Werbeplattform, iAd genannt, anbieten. Dabei wird Apple die Vermarktung der Werbung übernehmen. Die Entwickler von Apps die Werbung enthalten, erhalten 60% der dadurch erzielten Umsätze.[74]
- Risiken
Doch trotz der genannten Stärken und Chancen gibt es zahlreiche Risiken, die nicht zu vernachlässigen sind. So können falsche Einträge Verzeichnissen wie Google Places oder Qype mit relativ einfachem Aufwand angelegt werden. Abbildung 13 zeigt, die Erstellung eines Testeintrages in Google Places mit dem Titel "Testeintrag für Fallstudie" an der Adresse des Autors. Ohne Probleme wäre es möglich gewesen einen negativen Eintrag für die Adresse eines unliebsamen Nachbarn zu erzeugen. Zwar erfolgt eine Sicherheitsüberprüfung über die Festnetz-/Mobilfunknummer bzw. über die Versendung einer Postkarte an die gemelderte Adresse, doch lässt sich diese relativ einfach, zum Beispiel durch Benutzung einer Prepaid-Karte, umgehen. Nun kann es unter Umständen eine lange Zeit dauern bis der so gemeldete Nachbar bemerkt, was mit seiner Anschrift getrieben wurde.
8.1.3 Information
- Allgemeine Information
Im Unterschied zur Location Based Search wird bei Anwendung von Location Based Information vom Benutzer nicht explizit ein Suchbegriff eingegeben, der in Relation zur Position ausgewertet wird. Gemäß der eingangs erläuterten Unterscheidung zwischen reaktivem und proaktivem LBS handelt es sich in der Regel um proaktives LBS, also eine dem User ohne explizites einzelnes Aufrufen zur Verfügung gestellte Information. Diese Technik kann beispielsweise für Supermarket Adverts/Coupons oder Guided Tours eingesetzt werden.[75] Die vom Mobiltelefon aus über http://m.google.com angebotenen Programmmodule sind ebenfalls zum Teil im Bereich Location Based Information angesiedelt. So besteht beispielsweise die Möglichkeit mit Google Latitude die Position seiner Freunde auf der Landkarte verzeichnen zu lassen. Latitude aktualisiert im Hintergrund die Position regelmäßig.
- Stärken
Verschiedene Modelle zur ortsabhängigen Versorgung mit Informationen wurden im Laufe der Zeit entwickelt. Besonders bekannt ist das Prinzip der VIT (Virtual Information Towers), das im Rahmen des Nexus-Projektes entwickelt wurde. Die Stärken der Idee, die zugrunde liegt werden schnell klar. Jeder "Informations-Turm" in der virtuellen Welt hat einen fest bestimmten "Sichtbarkeitsbereich". Erst wenn der Nutzer sich innerhalb dieses Bereiches bewegt, wird eine Information darüber im jeweiligen Location Based Information System angezeigt. Darüber hinaus kann dieser Bereich zusätzlich eingeschränkt werden, indem virtuell die Richtung, aus der bestimmte Informationen sichtbar sein sollen, konfiguriert wird. Vergleichbar mit einem Anschlag an einer Litfaßsäule wird so ein kegelförmiger Bereich geformt, von dem aus die Information sichtbar wird. Ein VIT enthält dabei nicht lediglich Textinformationen (wie Vorgängermodelle) sondern eine große Informationshierarchie, bestehend aus so genannten Postern. Diese können von unterschiedlicher Art sein, z.B. Audio- Video- oder Bild-Poster. Durch das beschriebene Prinzip ist das Einbinden bereits vorhandener Informationen besonders einfach.[77] In einer Studie der Yellow Map AG durchgeführt von Bernhard Kölmel wird die Relevanz des Information-Bereiches der Location Based Services deutlich. 83% der Nutzer präferierten mobilen Preisvergleich mit Ortsbezug, was laut Kölmel insbesonders auf den monetären Nutzen zurückzuführen sei. Mit größerem Abstand folgt in der Studie der Dienst der mobilen Einkaufsführer mit Ortsbezug, der von 34% der Nutzer interessant ist. Für diesen Bereich ist den Nutzern jedoch weniger der Ortsbezug wichtig und "bringt in vielen Fällen nur eine Komfortkomponente".[78] In der Befragung wird deutlich, dass insbesondere die Qualität des Inhaltes ausschlaggebend auf das Interesse der Einkaufsführer ist.
- Schwächen
Schwächen eines Location Based Information Systems sind insbesondere vom zugrundegelegten Modell abhängig. Im Verlauf des Nexus-Projektes wurden vor der Entwicklung der Virtual Information Towers sogenannten "Virtual Post-It notes" eingesetzt. In diesem Modell wurde lediglich ein bestimmtes Objekt in der realen Welt mit einer Text-Information versehen. Im Gegensatz dazu sind Virtual Information Towers komplexer und bieten mehr Möglichkeiten. Allerdings ist bei ihnen keine Bindung ein ein konkretes Objekt in der realen Welt möglich.
Der genannte Dienst "Mobiler Preisvergleich mit Ortsbezug" ist in seiner Realisierung laut Bernhard Kölmel sehr komplex und aufwändig, da der benötigte Inhalt dynamisch ist und unterschiedliche Datenquellen das Sammeln der Informationen erschweren.[79] Auch Stärken anderer Dienste werden von der Qualität der Umsetzung stark beeinflusst. So sinkt das Interesse an mobilen Einkaufsführern, wenn Nutzer die zur Verfügung gestellte Informationen nicht als qualitativ empfinden von 34% auf nur noch 28%. Es wird deutlich, dass im Bereich der Location Based Information nicht allein die genaue Lokalisierung, sondern vielmehr die Art und die Qualität der Informationen entscheiden. [80] Zudem ist es vielen Anbietern noch nicht möglich, die genaue Position ohne Einschränkung festzustellen. Aus diesem Grund wird Nutzern oft eine Auswahlliste möglicher Standorte angezeigt, aus denen gewählt werden muss.[81] Da die Positionsbestimmung somit nicht vollständig im Hintergrund vonstatten geht, ist der Komfort deutlich eingeschränkt.
- Chancen
Im Laufe der Zeit gesammelte Informationen zeigen, dass sich anfängliche Bedenken in Hinsicht auf Lokalisierung durch mobile Geräte abschwächen wird. Dieses Abschwächen ist in erster Linie vom Vertrauen der Nutzer gegenüber den Dienst-Providern abhängig. Bei neueren Diensten hingegen ist es nötig, dass Nutzer zunächst Erfahrungen sammeln um die Nutzenvorstellung zu konkretisieren.[82] Zukünftige Potentiale zeigen sich laut Experteninterviews, die von Marting Wirsing durchgeführt wurden, zusätzlich in Möglichkeiten zur Unterstützung von sozialen Beziehungen (Buddy-Finder, Location Based Communities) und mobiler Unterhaltung insbesondere für junge Kunden. Für die Netzbetreiber und Dienstanbieter ergeben sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Einnahmen mithilfe von Location Based Information zu generieren. Wirsing stellte fest, dass beispielsweise das Einführen eines Location Based Information Dienstes für die Filialsuche eines Unternehmens die monatlichen Seitenaufrufe der Unternehmenshomepage bereits im Einführungsmonat von 60.000 auf 300.000 Aufrufe verfünffachte. Vorhandene Kundendaten bieten zusätzliche Möglichkeiten der Vermarktung, das Weitergeben von Lokalisierungsdaten über Kunden stuft Wirsing jedoch als hypersensibel ein und verweist stattdessen auf interne Nutzung der Daten, z.B. für Cross-Selling oder Netzauslegung.[83]
- Risiken
Nutzer von Location Based Information lassen die Nutzung ihrer Positionsdaten nicht uneingeschränkt zu. Der Datenschutz spielt somit für diese Dienste eine wichtige Rolle. 73% der von Bernhard Kölmel befragten Nutzer lassen demnach die Nutzung ihrer Ortsinformationen lediglich durch den Netzbetreiber zu. Unabhängigen Portalen wie Jamba! wird deswegen eine schwierige Position zugeschrieben, da nur 15% der Nutzer solchen Portalen erlauben, ihre Ortsinformation abzurufen. Eine Relativierung findet in dieser Hinsicht oft statt, wenn ein direkter monetärer Nutzen zu verzeichnen ist. In diesem Fall lehnen nur noch 46% die Nutzung ab. Bernhard Kölmel bezeichnet diesen Umstand als "Kosten-Nutzen-Kalkül" der Nutzer. Lediglich für Not- und Rettungsdienste stimmten 97% der Befragten einer Nutzung der Ortsdaten uneingeschränkt zu. 66% der Nutzer wollen bei anderen Applikationen für jede einzelne Lokalisierung die Erlaubnis explizit selbst erteilen.[84] Das Prinzip der Location Based Information basiert jedoch in vielen Fällen darauf, die Ortsbestimmung automatisch zur Verfügung zu stellen. Ein Nutzer, der während er durch die Stadt geht oft nach der Zustimmung der Nutzung seiner Ortsdaten aufgefordert wird, könnte den Dienst in diesem Fall, um nicht weiter gestört zu werden, einfach abschalten.
8.1.4 Entertainment/Games
- Allgemeine Information
Location Based Games sind eine Unterart der sogenannten "Pervasive Games". Der Spieler kann in dieser Art von Spielen selbst zur Spielfigur werden. Er trägt verschiedene Geräte mit sich, die die Ortsbestimmung ermöglichen. Zudem werden oft zusätzliche Technologien angewendet, wie z.B. GPS, W-LAN und GSM/UMTS, Bluetooth, Kameras oder Mikrofone. Erste Spiele dieser Art kamen 2001 auf.[88]
Location Based Games vereinen die virtuelle Spielwelt mit der realen Welt, indem geographische Informationen der realen Umgebung mit denen des Spiels verbunden werden. Dadurch ist ein Interagieren mit virtuellen und realen Objekten möglich.[89]
Die ersten Spiele dieser Art fanden in geschlossenen Räumen statt. In "Pirates!" verkörpert der Spieler einen Schiffskapitän, der bestimmte Missionen zu erfüllen hat. Das Fortschreiten der Lokalisierungstechniken wie beispielsweise GPS und W-LAN führte zu Location Based Games, die im Freien gespielt wurden. Beispielhaft für dieses Genre findet "Can You See Me Now?" als Vertreter dieser Art von Spielen sowohl online als auch real statt. Online-Spieler werden in den realen Straßen einer Stadt von technisch ausgerüsteten "Runnern" gefangen. Das Spiel wird im Team gespielt, wobei die "Runner" sich per Nahfunk (Walkie-Talkie) verständigen. Nach Dimitri Mizerkin geben die jeweiligen Dimensionen des Spieldesigns an, wie die reale Umgebung in das Spiel eintritt und welche Rolle Ort und Zeit im Spiel einnehmen. Der Autor nennt drei explizite Dimensionen und verweist darauf, dass auch weitere denkbar sind.[90]
Umgebungsintegrierung
In der Dimension der Umgebungsintegrierung sind "klassische" LB-Spiele zu nennen. Dabei handelt es sich um ein Spiel, das Positionierungstechnologien für sich nutzt und diese Informationen in die Spielregeln integriert. Der Spieler muss sich in diesen Spielen zu einem bestimmten Ort der realen Welt bewegen. LB-Spiele mit gemischter Realität fügen eine sogenannte "virtuelle Schicht" zur natürlichen Umgebung hinzu. Das bedeutet beispielsweise, dass Spieler virtuelle Marker setzen, die kein physisches Gegenüber repräsentieren. LB-Spiele mit erweiterter Realität sind als Teilmenge der LB-Spiele mit gemischter Realität zu sehen, unterscheiden sich jedoch darin, dass die Anbindung an die reale Welt nicht durch das Spiel, sondern durch Ressourcen des mobilen Gerätes erfolgt.
Konzeptuelle Dimension
In Hinsicht auf das sich hinter der Spielidee verbergende Konzept lassen sich Location Based Games wie folgt unterteilen.
| Verfolgungsspiele | virtuelle Spieler jagen reale Spieler oder umgekehrt |
| Gegenstands-Jagd | Virtuelle Gegenstände in der realen Welt müssen "eingesammelt" werden, um Punkte zu sammeln |
| Rätselspiele | Spielrunden werden gewonnen, indem Rätsel gelöst werden, die näher an das Ziel führen |
| Strategische Spiele | Durch die Strategie einzelner oder mehrerer Spieler wird der Erfolg bestimmt. In strategischen Spielen ist dabei oft ausführliche Kommunikation und Koordination (teilweise Gruppen von bis zu 100 Spielern je nach Spiel) notwendig |
Orts- und Zeitdimension
In Mulitplayer- und Teamspielen kann es sinnvoll sein, einen Start des Spiels nur zu einer bestimmten Zeit oder an einem bestimmten Ort zu ermöglichen. Bei dieser Art von Spielen wird zwischen orts- und zeitdiskreten (bestimmte Zeit und Ort), ortsdiskreten aber zeitstetigen (Ort bestimmt, Zeit unbestimmt) und orts- und zeitstetigen (jederzeit an jedem Ort) Spielen unterschieden.
- Stärken
Location Based Games bieten ein für Spieler neuartiges und ungewöhnliches Spielerlebnis. Das Verbinden von realer und virtueller Welt eröffnet ganz neue Möglichkeiten, die das Spielen eventuell für Spieler interessant machen kann, die mit gewöhnlichen Mobile Games nichts anzufangen wüssten. Intelligente Spielmechaniken sind dazu fähig, eine der als Schwächen anzusehenden Probleme bei der Positionierung von Spielern mit in das Spiel zu integrieren. Das Spiel "Treasure" ist ein Mehrspielerspiel, das in freier Umgebung von mehreren tausend Quadratmetern gespielt wird. Ziel des Spieles ist es, virtuelle Münzen zu finden, die im Spielgebiet versteckt sind. Dabei wird die Positionierung der Spieler mithilfe von GPS und W-LAN durchgeführt wird. Anstatt zu versuchen, lückenlose W-LAN-Verfügbarkeit zu erreichen werden vielmehr Bereiche, in denen die Verbindung nicht verfügbar ist, explizit gewünscht und in die Spielmechanik integriert. So ist es Spielern möglich sich in diesem "Schatten" aufzuhalten und anderen Spielern aufzulauern, um diesen wiederum Münzen zu stehlen.[91]
- Schwächen
Die sich sehr voneinander unterscheidenden Betriebssysteme von mobilen Endgeräten sorgen dafür, dass nicht jedes Spiel auf jedem Endgerät funktioniert. Einige der Spiele sind beispielsweise auf Windows CE ausgelegt und schließen damit viele andere Geräte aus. Zudem ist der technische Aufwand, je nach gewünschten Spielaktionen, zum Teil immens groß. Die Entwicklungs- und Durchführungskosten sind sehr hoch und stehen der vermehrten Nutzung der Location Based Games im Wege.[92] Weiterhin besteht immer die Möglichkeit, dass die Kommunikation zwischen den Spielern oder die virtuelle Positionierung nicht sehr zuverlässig oder ungenau ist. Diese auf technischen Unzulänglichkeiten basierenden Probleme schaden dem Location Based Game, da sie ab einer bestimmten Ungenauigkeit nicht mehr tolerierbar sind.[93]
- Chancen
Die Entwicklung von Location Based Games befindet sich noch in der frühen Entstehungsphase. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sowohl technisch als auch konzeptionell, wie Spiele verbessert werden könnten.[94] Vier Fallstudien, die in Kooperation der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg und der Keio Universität in Japan durchgeführt wurden, zeigen gänzlich neue Perspektiven. Unter dem Paradigma der "games with a purpose", der Spiele, die einen Zweck verfolgen, wurde das Location Based Game "CityExplorer" getestet. Anstatt nun, wie bei anderen Location Based Games, zufällige virtuelle Objekte in der realen Welt zu finden, verfolgten die Spieler das Ziel Geodaten zu sammeln, die wiederum von Diensten, die nicht mit Location Based Games zusammenhängen genutzt werden können. Zu Beginn des Spieles wählt jeder Spieler eine gleiche Anzahl von Kategorien aus, zu denen es seine Aufgabe ist, zusammenhängende Orte zu markieren. Punkte erhalten diejenigen Spieler, die die meisten Markierungen zu einer gültigen Kategorie auf dem gesamten Spielfeld gesetzt haben. Diese ersten Versuche zeigten bereits Erfolge, wenn auch Probleme in der genauen Positionsbestimmung von Markierungen von Laien bestehen. Als nächsten Schritt planen die Verantwortlichen des Projektes, eine CityExplorer Version für Facebook zu implementieren, um mehr Teilnehmer zu erreichen und die gesammelten Daten weiter nutzbar zu machen.[95] Auch aus pädagogischer Sicht gibt es durchaus Befürworter virtueller Spielwelten. Im Rahmen weiterer Arbeiten verschiedener Universitäten gibt es noch viele weitere interessante Entwicklungen. So wurde beispielsweise an der Universität Weimar ein Framework zur Entwicklung von Location Based Games mit Namen "Mobile Chase" entwickelt.[96]
- Risiken
Location Based Games fehlt das Interesse der Nutzer. Lediglich 14% der Nutzer von Location Based Services präferierten Location Based Games gemäß einer Umfrage von Bernhard Kölmel.[97] Von 2008 auf 2009 war zudem ein Rückgang des Umsatzes bei Mobile Games allgemein um 24% zu verzeichnen, da 16% weniger Spiele als im Vorjahr verkauft wurden.[98]
8.1.5 Tracking
- Allgemeine Information
Das Wort Tracking stammt aus dem Englischen und bedeutet „folgen“. Beim Location Based Tracking wird nicht lediglich einmal die Position bestimmt, sondern es erfolgt eine permanente Positionsbestimmung des Endgerätes. Diese ständigen Ortungen lassen sich als Verbindungsknoten zu einer Route zusammenstellen. Location Based Tracking kommt beispielsweise bei der Sendungsverfolgung von Paketen, dem Flottenmanagement, zur Standortbestimmung bei Notrufen, Ortung von Freunden und den eigenen Kindern oder der Aufzeichnung von GPS-Daten zum Einsatz. Auch Google bietet mit Google Latitude einen Tracking-Dienst an. Google Latitude ermöglicht es Benutzern, andere Benutzer, die ebenfalls diesen Dienst nutzen via Google Maps zu "verfolgen".[99]
- Stärken
Location Based Tracking wird zum Beispiel von Speditionen oder Paketdiensten genutzt, um Fahrzeuge effizient verwalten zu können. Das Unternehmen easyfleet bietet ein solches Flottenmanagement-Tool an. Dieses Tool beinhaltet Funktionen wie beispielsweise Ortung der Flotten, Kommunikation zwischen Fahrern und Disponenten, Planung der Routen, Navigation, Informationen zu den Ladungen, Überwachung und Steuerung der Aufträge. [101] Allgemeine Voraussetzung für die Funktionalität solch eines Systems ist, dass die LKW mit einem Fahrzeugendgerät ausgestattet sind. Über dieses Gerät kann per GPS die aktuelle Position bestimmt werden. Anhand der im Fahrzeugendgerät verbauten SIM-Karte wird die aktuelle GPS-Position über das Mobilfunknetz zu dem Internetserver des Disponenten gesendet. Dieser wertet die Daten aus und erstellt neue Aufträge bzw. ändert bestehende. Die Daten werden anschließend wieder über das Mobilfunknetz zum Fahrzeug übertragen.[102] Durch den Einsatz von Flottenmanagement-Tools können durch effizientere Auftragskontrollen, eine optimierte Fahrzeugnutzung sowie Prozessoptimierung Kosten reduziert werden.[103] Location Based Tracking ist vielseitig einsetzbar. Auch die unter anderem in den USA angewendete elektronische Fußfessel für Straftäter basiert auf dieser Technik. Straftäter bekommen dabei einen Transmitter am Fuß befestigt. Dadurch wird eine ständige Lokalisierung des Trägers ermöglicht. [104]
- Schwächen
Voraussetzung für Tracking-Systeme ist die präzise Lokalisierung des verwendeten Endgerätes, die zur Zeit nur mit einem eingebauten GPS-Empfänger möglich ist. Da GPS über keinen Rücksendekanal verfügt, können GPS-Daten nur abgerufen werden.[105] Zur Nutzung von Location Based Tracking muss also eine Verbindung zum Internet bestehen (in der Regel geschieht dies über eine Mobilfunkverbindung). Voraussetzung für eine präzise Ortung über GPS ist, dass einwandfreie Sicht zum Himmel besteht. In Straßenschluchten oder bei starkem Nebel, ist es unter Umständen nicht möglich eine Lokalisierung durchzuführen. Dies ist insbesondere beim Einsatz von Flottenmanagement-Tools, satellitengestützten Mautsystemen oder der elektronischen Fußfessel ein Problem.[106]
- Chancen
Die Chancen von Location Based Tracking sind vielfältig. So stellt die Björn Steiger Stiftung einen kostenlosen Dienst namens "Lifeservice 112" zur Verfügung. Mit diesem Dienst soll das Eintreffen von Rettungskräften noch schneller und reibungsloser erfolgen können. Die Rettungszentrale kann den Anrufer am Unfallort orten und anhand der aktuellen Position das Rettungsfahrzeug zum Unfallort ordern. Die Rettungskräfte können sich durch den Einsatz von "Lifeservice 112" bereits vor dem Eintreffen am Unfallort einen Überblick verschaffen.[108] Seit dem 18.03.2009 ist keine Registrierung des Endgerätes mehr erforderlich. Dadurch können die Notrufleitstellen Endgeräte im Notfall auch ohne vorherige Registrierung orten. [109] Location Based Tracking wird außerdem beim Maut-System für LKW auf deutschen Autobahnen angewendet. Die Firma TOLL-COLLECT stellt ein satellitengestütztes System bereit, um kilometergenau die gefahrenen Autobahnkilometer von LKW zu ermitteln und anschließend in Rechnung zu stellen. Eine im Fahrzeug eingebaute OBU (On-Board Unit), die einen GPS-Empfänger enthält, zeichnet die während der Fahrt gesammelten GPS-Informationen auf. Die gesammelten Informationen werden anschließend zur Abrechnung per Mobilfunkverbindung an TOLL-COLLECT übermittelt. Das deutsche Mautsystem gilt als weltweit einmalig und könnte zukünftig auch in anderen Ländern eingesetzt werden. [110] Nach Informationen von T-Systems strebt die EU (Europäische Union) ein einheitliches Mautsystem für Europa auf Basis des GNSS Galileo an. TOLL COLLECT könnte bei der Entwicklung dieses Systems beteiligt werden. [111]
- Risiken
Location Based Tracking bietet viele Stärken und Chancen. Die jederzeitige Lokalisierung des eigenen Kindes über TrackYourKid (http://www.trackyourkid.de/) ist beispielsweise aus Sicherheitsgründen durchaus zu begrüßen. Fraglich ist jedoch, inwieweit davon ausgegangen werden kann, dass mit solchen Diensten immer verantwortungsvoll umgegangen wird. Auch ein Kind hat, vor allem mit zunehmendem Alter, ein Recht auf seine Privatsphäre. Auch andere Tracking-Dienste bieten viele Vorteile, doch gesammelte Daten können auch missbraucht werden. Location Based Tracking Anwendungen sollten deshalb immer mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden und die Anbieter solcher Dienste genau auf die Einhaltung des Datenschutzes untersucht werden.
8.1.6 Community
- Allgemeine Information
Eine Community ist eine Gemeinschaft. Im Rahmen dieser Fallstudie wird dabei ausschließlich auf sogenannte Onlinecommunities eingegangen. Beispiele für Onlinecommunities sind Foren, Blogs oder soziale Netzwerke. Eine Kommunikation zwischen den Mitgliedern kann beispielsweise über E-Mail, Instant-Messenger oder zum Teil über in die Onlinecommunity integrierte Nachrichtenfunktionen erfolgen. Für Location Based E-Business sind von den genannten Plattformen nur soziale Netzwerke wie beispielsweise Facebook, Twitter, die VZ-Netzwerke, XING oder Google Buzz interessant, da sich nur bei diesen ortsbezogene Informationen sinnvoll mit der Community verknüpfen lassen.
Facebook ist das zur Zeit größte soziale Netzwerke und wurde 2004 an der Harvard Universität von Mark Zuckerberg gegründet. Am 04. Februar 2010 wurde bekanntgegeben, dass Facebook mittlerweile über 400 Millionen Benutzer hat von denen sich 200 Millionen täglich einloggen. Noch im Januar 2009 hatte Facebook 175 Millionen Benutzer. Das entspricht einer Steigerung von rund 228 Prozent in 13 Monaten.[112][113] In sozialen Netzwerken legen Benutzer in der Regel ein Profil an, dass sie dann mit Informationen über sich füllen. Je genauer die Informationen mit denen ein Profil gefüllt ist, desto besser lässt sich der Benutzer finden. Die Betreiber sozialer Netzwerke nutzen diese gut gefüllten Profile häufig, um Werbung gezielt auf den jeweiligen Benutzer abstimmen zu können. Im Januar 2010 gab Facebook bekannt erstmals mehr Seitenaufrufe auf sich vereinigen zu können als Google, dass einen Großteil seiner Einnahmen mit Werbung realisiert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Google im Februar 2010 ein eigenes soziales Netzwerk, Google Buzz genannt, startete.[114]
Soziale Netzwerke haben bereits heute das soziale Miteinander verändert. Während früher Brieffreundschaften geschlossen und Briefe ausgetauscht wurden, geschieht dies heute durch soziale Netzwerke. Während Foren häufig noch unpersönlich sind, ist dies bei sozialen Netzwerken anders. Häufig stellt der Gegenüber viele Informationen über sich zur Verfügung, ähnlich einem Lebenslauf. Dies führt dazu, dass schneller ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann. Facebook bietet darüber hinaus nach der Anmeldung auf der Übersichtsseite eine Zusammenfassung über alle Freunde, bei denen sich Änderungen im Profil oder auf der Pinnwand ergeben haben. So ist man beispielsweise jederzeit über den Beziehungsstatus oder die Lieblingsfilme seiner Freunde informiert. Auch andere soziale Netzwerke bieten vergleichbare Funktionen.
- Stärken
Sowohl für den Benutzer, wie auch für Unternehmen, bieten Location Based Communities viele Vorteile. Das soziale Netzwerk Foursquare nutzt beispielsweise die aktuelle Position des Benutzers um über Location Based Search Restaurants, Clubs oder andere Lokalitäten in der näheren Umgebung anzuzeigen. Der Benutzer hat die Möglichkeit an diesen Orten "einzuchecken". Dafür bekommt der Benutzer Punkte auf seinem Konto gutgeschrieben und kann sich mit Freunden vergleichen. Mittlerweile nutzen zahlreiche Firmen Foursquare zu Marketingzwecken. So bietet beispielsweise die international agierende Kaffeehauskette Starbucks allen Foursquare Benutzern, die an fünf verschiedenen Starbucks Kaffeehäusern eingecheckt haben, ein Präsent in Form eines Kaffeebechers.[115]
Auch andere soziale Netzwerke wie Twitter bieten ortsabhängige Informationen an. So lässt sich bei Twitter automatisiert bei jedem Tweet der aktuelle Standort angeben. Folgende Benutzer können dann auf einer Übersichtskarte den aktuellen Standort des Benutzers sehen. Dadurch lassen sich beispielsweise kurzfristig, spontane Treffen mit Freunden absolvieren. Ein Tweet "Mir ist langweilig, sitze im Café" verknüpft mit der aktuellen Position, kann so beispielsweise schnell Freunde herbeirufen.
Unternehmen können durch die Teilnahme an Location Based Communities, wie Foursquare unter Umständen neue Kunden akquirieren. Auch können sie Werbung, wie beispielsweise spezielle Sonderaktionen über das soziale Netzwerk veröffentlichen. So haben heutzutage viele Discotheken, Restaurants oder auch Einzelhändler eigene Profile bei Facebook oder Twitter. Die Betreiber von Location Based Communities sind im Gegenzug jederzeit über den Standort der Benutzer informiert und können so Werbung auf die Benutzer abstimmen.
- Schwächen
Um mit seinen Freunden über Location Based Community zu kommunizieren, muss in der Regel eine Mitgliedschaft zu dieser bestehen. Doch häufig sind nicht alle Freunde bei einer Community. Um also mit allen Freunden kommunizieren zu können, muss zwangsweise eine Mitgliedschaft zu mehreren sozialen Netzwerken bestehen. Die meisten sozialen Netzwerke bieten daher Apps für mobile Endgeräte an. Trotzdem gibt es immer noch ein Problem, denn um die Neuigkeiten in dieser Community mitzubekommen, muss der Benutzer diese jedesmal aufrufen. Ist er also Mitglied in mehreren Communities, muss er diese alle aufrufen, um wieder up to date zu sein. Wünschenswert wäre es also, mehrere soziale Netzwerke zu vereinigen. Solche Dienste werden als Social-Networking-Aggregators bezeichnet (z.B.: ContextMind, FriendFeed, Gathera). In der Vergangenheit haben sich die Betreiber sozialer Netzwerke jedoch gegen solche Dienste gewehrt. So klagte Facebook gegen den Dienst power.com, der Inhalte aus verschiedenen sozialen Netzwerke bündeln wollte. Facebook fürchtete wahrscheinlich ebenso wie andere soziale Netzwerke, dass durch diesen Dienst Benutzer der offziellen App bzw. der Webseite fern bleiben würden. Dies hätte für die Betreiber negative Auswirkungen auf die Einnahmen durch Werbung.[116]
| MySpace | ||||
| - | 12% | 21% | 6% | |
| 82% | - | 91% | 57% | |
| 31% | 20% | - | 17% | |
| MySpace | 36% | 49% | 70% | - |
- Chancen
Zur Zeit haben die großen und in Deutschland erfolgreichen sozialen Netzwerke wie Facebook, die VZ-Netzwerke und XING noch keine wirklichen ortsabhängigen Funktionen und Dienste. Dies wird sich jedoch in naher Zukunft ändern. Gerüchten zufolge arbeitet Facebook bereits an ortsabhängigen Diensten, die in kürze vorgestellt werden sollen.[118]
Bereits heute haben Location Based Communities stark steigende Nutzerzahlen. Die bereits genannte App Foursquare startete ihren Dienst im März 2009, verfügte im September 2009 bereits über 60.000 Nutzer und überschritt im April 2010 die Grenze von 1 Million Benutzern [119][120] Die Beliebheit solcher sozialen Netzwerke und Apps zeigt, dass die Pflege sozialer Kontakte im 21. Jahrhundert nicht mehr zwingend persönlich, über Briefe oder über Telefon erfolgt, sondern vielmehr über das Web. Zukünftig sind beispielsweise Apps denkbar, über die sich die Benutzer zu BlindDates verabreden können.
So könnte Benutzer A seinen Status in einer solchen App auf "Suchend" setzen. Benutzer B kann sich auf einer Übersichtskarte Benutzer anzeigen lassen, die den Status "Suchend" tragen und findet so Benutzer A. Benutzer B schaut sich das Profil von Benutzer A, dass rudimentäre Informationen wie beispielsweise Alter und Geschlecht enthält und kann sich nun über das Endgerät mit ihm kurzfristig verabreden. Auch andere Anwendungsbeispiele sind denkbar. Sinn macht beispielsweise auch eine App auf der sich ortsbezogene Anzeigen publizieren lassen. Benutzer veröffentlichen dort einen Eintrag, wie zum Beispiel "Suche 10 Männer zwischen 15 und 45 die Lust haben, am 16.06.2010 mit mir zusammen Fußball zu spielen". Interessierte Benutzer können sich dann für diese Veranstaltung eintragen. Fest steht, dass Location Based Community unser soziales Miteinander in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird.
- Risiken
Noch mehr als bei "normalen" Communities[121], ist bei Location Based Communities der Datenschutz zu beachten. Denn Location Based Communities beziehen immer in irgendeiner Form die aktuelle Position des Endgerätes bzw. Benutzers ein. So lassen sich beispielsweise anhand der über Twitter publizierten Nachrichten ganze "Roadmaps" erstellen, wo der Benutzer zu welcher Zeit war. Die Webseite http://www.pleaserobme.com macht sich die über Twitter publizierten Foursquare zu nutze und zeigt so an, welche Benutzer nicht zu Hause sind. Über Google Maps bzw. Google Street View kann nun das Haus des potentiellen Opfers betrachtet werden ("Wie sieht es aus?", "Ist die Person wohlhabend?"). Zusätzlich kann noch über Facebook geprüft werden, ob die Person alleinstehend oder liiert ist. Die beiden Entwickler von PleaseRobMe Boy Van Amstel und Barry Blorsboom wollen dabei keinen wirklichen Anreiz zum Einbrechen geben sondern vielmehr warnen und mahnen besser mit Informationen umzugehen, die in diversen sozialen Netzwerken publiziert werden.[122]
8.2 Wirtschaftliches Potenzial
Vor 10 Jahren galten Location Based Services als die Killerapplikation der Personal Digital Assistants (PDAs). Doch das sind sie nicht geworden. Dies lag zum einen an unzureichend ausgebauten Mobilfunknetzen und der mangelnden Bedienbarkeit. Mittlerweile hat sich dies jedoch geändert. Spätestens seit dem iPhone ist klar, wie die Bedienung von Smartphones ideal erfolgen kann. Auch die Datenverbindungen wurden ausgebaut, so dass heute nahezu flächendeckend Zugang zum Hochgeschwindigkeitsmobilfunk besteht.[124]
2007 gab es weltweit etwa 20,1 Millionen Benutzer, die einen Umsatz in Höhe von 640 Millionen US-Dollar generierten.[125] Laut Gartner haben sich die Nutzerzahlen von Location Based Services im Jahr 2008 auf 41 Millionen mit einem Umsatz von 998,3 Millionen US-Dollar gesteigert. Im Jahre 2009 stiegen die Nutzerzahlen auf 95,7 Millionen, während der Umsatz auf über 2 Milliarden US-Dollar stieg. Bemerkenswert ist dabei, dass lediglich 303,5 Millionen US-Dollar, also 13,78 Prozent des Umsatzes in West-Europa generiert wird. Damit liegt West-Europa, gemessen am Umsatz, auf dem vierten Platz (Vgl. Tabelle 2).[126] 2011 wird der Umsatz laut Strategy Analytics bei etwa 4,3 Milliarden Euro liegen (Vgl. Abbildung 21).[127] Bis 2014 wird der Umsatz laut Juniper Research auf bis zu 12 Milliarden US-Dollar steigen.[128]
| Region | 2008 (in Mio. $) | 2009 (in Mio. $) | Steigerung (in %) |
| North America | 327,2 | 713,7 | 218,12% |
| Asia/Pacific | 327,1 | 607,4 | 185,69% |
| Japan | 268,8 | 524,7 | 195,2% |
| Western Europe | 69,5 | 303,5 | 436,69% |
| Middle East | 4,1 | 22,7 | 553,66% |
| Eastern Europe | 0,2 | 13,6 | 6800% |
| Latin America | 1,2 | 2,8 | 233,33% |
| TOTAL | 998,3 | 2.201,1 | 220,48% |
Annette Zimmermann, Senior Research Analyst bei Gartner sieht die Gründe für die starke Steigerung in einer Mischung aus Konsolidierung, verbessertem Preis-/Leistungsverhältnis und sinnvollen ortsbezogenen Anwendungen. Faktoren, die ebenfalls zu der Steigerung beitrugen, seien darüber hinaus die gestiegene Verfügbarkeit von Endgeräten mit GPS-Empfänger.[130] Gemeinsam mit dem rapiden Anstieg an Nutzern von Location Based Services hat auch der Verkauf von Smartphones zugenommen. Laut Bitkom werden 2010 in Deutschland etwa 8 Millionen Smartphones verkauft werden. Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 27 Prozent. Damit wird 2010 jedes dritte verkaufte mobile Endgerät ein Smartphone sein (2009: jedes fünfte). Auch der Umsatz mit mobilen Datendiensten wird 2010 um 8 Prozent steigen.[131]. Die genannten Zahlen zeigen, welches witschaftliche Potenzial noch mit mobilen Endgeräten in Kombination mit Location Based Services möglich ist.
9 Schlussbetrachtung
"With all the capabilities these phones that are coming out have like GPS, cameras, we think there is the potential to actually make this mobile web better than the PC web." [132] Diese Aussage des Google Vize-Präsidenten zeigt, wie wichtig mobile Endgeräte und Location Based Services mittlerweile für Google geworden sind. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Google am 27. April 2010 ein Patent unter dem Namen "Determining and/or using location information in an ad system" anmeldete. [133] Dieses Patent ermöglicht es Google, Werbung durch standortbezogene Informationen noch effizienter auf die Benutzer abzustimmen.
Location Based Services bieten als Werkzeug des Location Based E-Business innovative Möglichkeiten, Informationen und Dienstleistungen an Kunden weiterzugeben. Dazu steht, je nach Wunsch des Nutzers, sowohl die manuelle Eingabe als auch das automatische Ermitteln des Standorts im Hintergrund zur Verfügung. Keine Marketingmaßnahme vor Einführung von Location Based Services bot die Möglichkeit jederzeit zu wissen, ob sich ein Kunde in der Nähe befindet. Anstatt Flyer unter die Scheibenwischer von Autos zu klemmen oder Briefeinwürfe in bestimmten Gegenden zu veranlassen, erreicht ein Location Based Service auch wirklich einen potentiellen Interessenten. Der Grund dafür liegt darin, dass Informationen dem Nutzer nach vorher ausgewählten Interessen und nicht per Zufall mitgeteilt werden.
Verwendete Kommunikationstechnologien bieten immer mehr Möglichkeiten eine genaue Lokalisierung durchzuführen. Während eine Lokalisierung über GSM nur auf einige hundert Meter genau ist, steigt die Verbreitung von Mobiltelefonen mit GPS-Empfänger, die eine Lokalisierung auf wenige Meter genau ermöglichen. Je nach gewünschter Anwendung lassen sich zudem zahlreiche Technologien miteinander vereinen. Eigentliche Schwächen von Technologien lassen sich bei intelligentem Einsatz sogar zu einer Stärke wandeln. Bei W-LAN-Netzen entstehende Lücken in der Verfügbarkeit können so beispielsweise bei Location Based Games als "Schatten der Spielkarte" ausgelegt werden und mit in das Spielkonzept eingebaut werden.
Auch die Geschwindigkeit der Datenübertragung und die Reaktionszeiten der Mobilfunk-Datenverbindungen verbessern sich stetig, was immer komfortabler werdende Dienste verspricht. Mit der Verbreitung von UMTS beginnend setzt sich diese Steigerungsserie mit der LTE-Technologie fort, die erst ab 2010 eingeführt wird. Ein Erfolg der Technik verspräche eine mobile Datenverbindung, die mit der Qualität von DSL durchaus vergleichbar ist.
Die betrachteten Punkte zeigen, dass der Höhepunkt von Location Based E-Business nicht erreicht ist. Bei vielen Anwendungen ist die sich dahinter befindliche Technik noch nicht ausgereift und die Dienste deswegen nicht zu hundert Prozent komfortabel. So kommt es beispielsweise immer noch häufig vor, dass bei der Lokalisierung eines Nutzers eine Auswahlliste von möglichen Orten angezeigt werden muss, da die Lokalisierung noch nicht mit jedem Handy gleich genau geschehen kann. Bestimmte Dienste, wie z. B. Navigationsdienste greifen zudem anderen Märkten die Kunden ab. Betrachtet man jedoch die in den verschiedenen Märkten auftretenden Umsatzsteigerungen, so zeigt sich in Location Based Services ein Markt, der ein enormes Wachstum erfährt. Nicht in einem einzigen geografischen Bereich war von 2008 auf 2009 eine Verringerung des Umsatzes durch LBS zu verzeichnen. Die Eingangs erläuterte Patent-Anmeldung des Google Konzerns zeigt, wie viel Wachstumspotential Location Based E-Business noch in sich birgt.
Doch die Verbreitung von Location Based E-Business zeigt auch Risiken. Bereits der römische Dichter Juvenal prägt mit seinem berühmten Ausspruch "Quis custodiet ipsos custodes?" (lat. für "Wer bewacht die Wächter?") 2000 Jahre vor unserer Zeit das eigentliche Problem. Wer garantiert dem Nutzer ein verantwortungsvolles Umgehen mit Lokalisierungsdaten? Die von den Nutzern gesammelten Daten besitzen einen immensen Wert. Der Gedanke sie zu verkaufen liegt deshalb für die Netzanbieter nahe. Ein solches Vorgehen könnte laut Martin Wirsing jedoch selbst nach einem einzelnen Skandal LBS "in seiner Gesamtheit in Frage stellen".[134]
10 Fußnoten
- ↑ Küpper (2005), S. xi
- ↑ Vgl. Küpper (2005), S. 1
- ↑ Vgl. Küpper (2005), S. 22
- ↑ Entnommen aus Vollmer (2007), S. 7
- ↑ Vgl. Küpper (2005), S. 3
- ↑ Entnommen aus Vollmer (2007), S., S. 7
- ↑ Vgl. Küpper (2005), S. 3
- ↑ Vgl. Wirtz (2001), S. 32
- ↑ Vgl. Wirtz (2001), S. 44
- ↑ Wirtz (2001), S. 45
- ↑ Entnommen aus Küpper (2005), S. 11
- ↑ Vgl. Steiniger (2006), S. 10
- ↑ Vgl. Asadi(2007), o.S.
- ↑ Vgl. Kölmel (o. J.), S. 2
- ↑ Vgl. Nicklas, Pfisterer, Mitschang (2001), S. 1
- ↑ Vgl. Steiniger (2006), S. 10
- ↑ Vgl. Ruppel, et al. (2006), S. 116
- ↑ Vgl. Xu (2010), S. 4
- ↑ In Anlehnung an Jung, Warnecke (2002), S. 279
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 87
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 1
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 5
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 87
- ↑ Vgl. Jung, Warnecke (2002), S. 277
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 97
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 100
- ↑ Vgl. Jung, Warnecke (2002), S. 278 f.
- ↑ Vgl. Vachon, Graziani (2009), S. 69
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 149
- ↑ Vgl. Vachon, Graziani (2009), S. 69
- ↑ Vgl. LTEmobile (o.J.), o. S.
- ↑ Vgl. Sauter (2008), S. 271
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- ↑ Vgl. Taxi Bonn (2010), o.S.
- ↑ Vgl. GSM World (2010), o.S.
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- ↑ Vgl. Roth (2005), S. 277
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- ↑ Vgl. Sikora (2009), o.S.
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- ↑ Vgl. Dodel, Häupler (2010), S. 178 f.
- ↑ Vgl. Dodel, Häupler (2010), S. 246 f.
- ↑ Vgl. Dodel, Häupler (2010), S. 257 f.
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- ↑ Vgl. Meyer (2008), S. 6
- ↑ Vgl. Meyer (2008), S. 2
- ↑ Vgl. Meyer (2008), S. 3
- ↑ Vgl. Immler (2008), S. 169
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- ↑ Vgl. Kölmel (2002), S. 10
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- ↑ Vgl. Wirsing (2002), S. 141
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- ↑ Entnommen aus Tennent (2005), S. 8
- ↑ Vgl. Edegger (2007), S. 48
- ↑ Vgl. Mizerkin (2008), S. 14f
- ↑ Vgl. Mizerkin (2008), S. 14f
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