Aufbau eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) zur Steuerung eines Dokumentenworkflows in Softwareentwicklungsprojekten

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Name des Autors: Tim Golly
Titel der Arbeit: "Aufbau eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) zur Steuerung eines Dokumentenworkflows in Softwareentwicklungsprojekten"
Hochschule und Studienort: FOM Duisburg


Inhaltsverzeichnis


1 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
DIN Deutsche Industrienorm
DMS Dokumentenmanagementsystem
EN Europäische Norm
ISO International Standards Organisation
V-Modell Vorgehensmodell in der SW-Entwicklung in Form eines V.
WFMS Workflowmanagementsystem

2 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Titel
1 Das V-Modell
2 Schaubild DIN EN ISO 9001:2008
3 Logo des Unternehmens Pavone
4 Logo des Unternehmens KnowledgeTree
5 Logo des Unternehmens DocuWare
6 Freigabeprozess ohne DMS
7 Freigabeprozess mit DMS

3 Tabellenverzeichnis

Nr.Titel
1 Nutzwertanalyse

4 Einleitung

Die Zielsetzung dieser Seminararbeit ist es, die Vorteile bzw. Nachteile der Nutzung eines Dokumentenmanagementsystems (DMS) im Umfeld einer Softwareentwicklungsabteilung aufzuzeigen, die bisher zwar definierte Prozesse zur Erstellung von projektrelevanten Dokumenten hatte, diese aber nicht mithilfe eines DMS realisiert hat. Ein Zweck zur Einführung eines DMS ist die Erstellung eines DIN EN ISO 9001:2008 (ISO 9001:2008) gerechten Workflows[1] zur „Verbesserung des prozessorientierten Qualitätsmanagements“[2] . Der Nachweis dieses Standards ist für viele Kunden unabdingbar, da es von wesentlichem Interesse ist, dass ein Unternehmen nach bestmöglicher Qualität arbeitet. Des Weiteren verspricht man sich mit der Nutzung eines DMS eine bessere Wartbarkeit und Archivierung der Dokumente und Zeitersparnis beim Erstellen neuer Projektordner mithilfe von sog. Templates. Ferner entstehen in Softwareentwicklungsprojekten in diversen Projektphasen verschiedenartige Dokumente. Des Weiteren soll mithilfe des DMS ein Genehmigungsprozess für Dokumente abgebildet werden. Im Folgenden wird beschrieben, welche Dokumente in einem Softwareentwicklungsprojekt von Bedeutung sind und ob ein Nutzen aus der Einführung eines DMS entsteht.

5 Grundstruktur eines DMS

Grundsätzlich sollte ein DMS alle Belange berücksichtigen, die in Unternehmen und Behörden für die Erzeugung, den Empfang, die Ablage, das Verwalten, das Wiederauffinden und die Weiterverarbeitung eines Dokumentes relevant sind.[3] Nach Klaus Götzer besteht ein DMS aus den fünf Funktionsbereichen[4] Eingabe, Indizieren, Ablage, Archivierung und Ausgabe. Der Funktionsbereich Eingabe hat die Aufgabe sämtliche Arten von Dokumenten, welche in einem DMS zur Verfügung stehen müssen, dem System zugeführt werden. Der Funktionsbereich Eingabe hat die Aufgabe, sämtliche Arten von Dokumenten, welche in einem DMS zur Verfügung stehen müssen, dem System zuzuführen. Der Funktionsbereich Indizieren beinhaltet den Vorgang des Auffindbarmachens von eingelesenen Dokumenten, indem den Dokumenten Attribute zugeführt werden. Der Funktionsbereich Ablage befasst sich mit der Versionskontrolle sowie dem aktuellen Status von Dokumenten. Das DMS muss immer festhalten, welchen Status ein Dokument in seinem Lebenszyklus eingenommen hat. Die Funktion Archivierung umfasst das Thema Speicherung und Wiedergewinnung der Dokumente.[5] Zur Bewältigung dieser Aufgabe kommen einerseits Datenbanken zum Einsatz, die Metadaten der Dokumente vorhalten. Andererseits werden Festplatten eingesetzt, die die Dokumente selbst speichern. Der Funktionsbereich Ausgabe hat die Teilaufgaben der Recherche und der Reproduktion inne. Die Recherchefunktion ermöglicht die genaue Suche nach Dokumenten. Die Funktion der Reproduktion kann das in der Recherche gesuchte Dokument in der Anzeige ausgeben.

6 Dokumente in der Softwareentwicklung

Nach traditionellem Sinn ist ein Dokument ein „Mitteilungsmittel mit unbefristet gespeicherter, schwer veränderbarer authentischer und sichtbarer Mitteilung in der Gestalt von Texten oder Festbildern mit gerichtlicher Beweiskraft.“[6] Heutzutage charakterisiert ein Dokument weitere Eigenschaften: Ein Dokument ist ein Informationsträger, „auf dem Informationen gespeichert sind, egal ob aus Papier oder Video[…]." [7] Weitere Charakteristika eines Dokumentes sind:

1.) Erhaltung von Informationen für einen gewissen Zeitraum,

2.) Zusammenfassung inhaltlich zusammengehörender Informationen.[8]

Nun sind in der Softwareentwicklung diverse Dokumententypen anzutreffen, die einen eigenen Lebenszyklus besitzen und durch ein im DMS hinterlegtes Rollen- und Rechtekonzept vor Missbrauch geschützt sind. In der vorliegenden Beschreibung in der Seminararbeit wird von dem V-Modell als Vorgehensmodell zur Softwareentwicklung ausgegangen. Die Dokumente, welche bei Befolgung des V-Modells vorkommen, werden kurz erläutert.

Abbildung 1: Das V-Modell
Abbildung 1: Das V-Modell[9]

Es wird innerhalb des Softwareentwicklungsprozesses zwischen folgenden Dokumenten unterschieden: Bevor mit der Programmierarbeit gestartet werden kann, werden zunächst die Anforderungen, die der Kunde an die zukünftige Softwarelösung stellt, analysiert und in einer sogenannten Anforderungsspezifikation niedergeschrieben. Eine Anforderungsspezifikation ist ein Dokument, welches die technischen und funktionalen Anforderungen an ein neues Software-Produkt beinhaltet. Sind einmal die Anforderungen offiziell bestätigt, beginnt das Projektteam mit der Planung der technischen Umsetzung. Die Ergebnisse dieser Planung werden in der technischen Spezifikation festgehalten und veröffentlicht. Darauf aufbauend macht sich das Entwicklerteam Gedanken darüber, welche funktionellen Anforderungen bzw. welche Anwendungsfälle der Kunde in seiner Wertschöpfungskette hat. Hierzu werden sogenannte Use-Cases[10] definiert, die die Grundlage für das Testteam bilden, um nachher die Funktionen der Software gegen die Anforderungen des Kunden zu testen. Somit dient die Funktionale Spezifikation als Basis zur Erstellung des Testplans. Der Testplan beinhaltet die notwendigen Ressourcen und die Zeitplanung sowie die Definition der konkreten Testfälle, die von dem Testteam durchgeführt werden. Als letztes Dokument ist der Testbericht zu nennen. Hierbei handelt es sich um ein Dokument, das den Test zusammenfasst und formal das Testende bekleidet.

7 Auswahl eines Dokumentenmanagementsystems

7.1 Anforderungsprofil

Um ein geeignetes DMS zu finden, bietet sich die Bildung eines Anforderungsprofils an. Dieses Anforderungsprofil wird dann mit den Funktionen von auf dem Markt bestehenden DMS entgegengestellt und bewertet. Im Folgenden werden die Anforderungen an ein DMS dargestellt, um die oben genannten Dokumententypen zu verwalten. Eine wichtige Anforderung an das zukünftige System ist die Möglichkeit einen Prozess zu definieren, welcher DIN EN ISO 9001:2008 (ISO 9001:2008) tauglich ist. Die Industrienorm 9001:2008 ist eine Norm zur „Verbesserung des prozessorientierten Qualitätsmanagements“. [11] Abbildung 2 zeigt den genormten Prozess schematisch auf. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Anforderungsliste an das zukünftige DMS stellt die Möglichkeit einer Benutzer- bzw. einer Gruppenverwaltung dar. Diese soll verhindern, dass nichtautorisierte Personen die Möglichkeit bekommen, als vertraulich markierte Dokumente zu öffnen oder gar zu ändern. Des Weiteren soll das DMS die Erstellung von Projektvorlagen ermöglichen, so dass eine Zeitersparnis erwirkt wird, neue Projekte zu pflegen. Aus Sicht der technischen Nutzbarkeit des Systems ist es ferner erstrebenswert, Fernzugriff auf das System erlangen zu können. Daher wäre es wünschenswert, wenn es per Browser zu nutzen wäre. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit, das DMS auf einer virtuellen Maschine laufen zu lassen, die so ausgestattet ist, dass das System gleichzeitig mindestens zwanzig Benutzer verwalten kann. Es wird eine 20 Nutzer Lizenz für die Nutzung des DMS benötigt.

Abbildung 2: Schaubild DIN EN ISO 9001:2008
Abbildung 2: Schaubild DIN EN ISO 9001:2008[12]

7.2 Auswahl eines DMS

Genauer Betrachtung zur Einführung wurden folgende drei auf dem Markt erhältlichen DMS-Lösungen unterzogen:

a.Pavone[13]
b.Knowledgetree[14]
c.DocuWare[15]

Abbildung 3: Logo des Unternehmens Pavone

Pavone ist aufgrund bestehender geschäftlicher Partnerschaft mit hiesiger Unternehmung in den Fokus des Interesses gerückt, da es in die bestehende Lotus Notes Umgebung DMS-ähnliche Funktionen einbettet. Jedoch hält dieses System keine fertige Dokumenten-Management Lösung parat, sondern stellt lediglich eine lose Ansammlung einzelner Tools zur Verfügung. Eine Nutzung des DMS wäre somit erst nach aufwändiger Konfiguration möglich. Ferner ist der Preis mit 7.500 € als zu hoch anzusiedeln. Zusätzlich zu den Anschaffungskosten sind jährliche Kosten von 2.500 € für Wartung und Support zu kalkulieren.

Abbildung 4: Logo des Unternehmens Knowledgetree

Des Weiteren stand das Produkt KnowledgeTree zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine OpenSource Lösung, welche die komplette Bandbreite der oben genannten Anforderungen erfüllt. Der Preis für diese Software mit einer 20 Personenlizenz liegt bei 3.000 €. Hinzuzukalkulieren sind 1.500 € jährlich für Support und Updates.

Abbildung 5: Logo des Unternehmens DocuWare

DocuWare ist eine Dokumenten-Management Lösung, die sich als anforderungsdeckend herausgestellt hat. Der Preis für dieses Produkt liegt bei 2.800 € pro Jahr für eine 5 Nutzerlizenz inklusive 1 Jahr Support. Jedes weitere Jahr Support kostet 1.000 € extra. Eine Lizenz für 20 Nutzer kostet 7.000 €.

Es wurde eine Nutzwertanalyse[16] durchgeführt, die eine Bewertung der einzelnen DMS Produktalternativen vornehmen sollte. Diese bestätigte ebenfalls, dass die DMS – Lösung KnowledgeTree den höchsten Nutzwert mit 2,9 Punkten (96,7%) erzielt und daher zukünftig eingesetzt werden sollte. Tabelle 1 verdeutlicht die Bewertung der einzelnen Kriterien und zeigt die Eigenschaften der DMS – Lösungen auf sowie den errechneten Nutzwert. Für die Berechnung der Nutzwerte wurde ein Punktesystem verwendet. Den Unterkriterien 1.1 Anschaffung und 1.2 Support / Wartung wurden für die verschiedenen Preisintervalle Punkte mit verschiedener Wertigkeit zugeordnet. So gab es für beide Kriterien drei Preisintervalle. Folgende Intervalle wurden ermittelt und dem Punktesystem zugeordnet: 0 € bis 5.000 € mit drei Punkten, 5.001 € bis 10.000 € mit zwei Punkten und über 10.000 € wurde mit einem Punkt bewertet. Die Intervalle und Punkte für Kriterium 1.2 Support / Wartung sahen wie folgt aus: 0 € bis 1.000 € mit drei Punkten, 1.001 € bis 1.500 € mit zwei Punkten und alles über 1.500 € wurde mit einem Punkt bewertet. Für alle anderen Kriterien gab es die Bewertungen gut (drei Punkte), befriedigend (zwei Punkte) und ausreichend (ein Punkt). Die Berechnung des Nutzwertes geschah zum Einen durch eine Multiplikation der Punkte mit den Prozentsätzen der Gewichtung und der anschließenden Aufsummierung der einzelnen Ergebnisse.


Nr. Kriterium Gewichtung Alternative 1 (Pavone) Alternative 2 (Knowledgetree) Alternative 3 (Docuware)
Eigenschaft / Nutzwert Eigenschaft / Nutzwert Eigenschaft / Nutzwert
1 Kosten (Gesamt) 50% 10.000 € / 1,8 4.500 € / 2,8 11.000 € / 1,8
1.1 Anschaffung 80% 7.500 € / 1,6 3.000 € / 2,4 8.500 € / 1,6
1.2 Support/Wartung 20% 2.500 € / 0,2 1.500 € / 0,4 2.500 € / 0,2
2 Zuverlässigkeit (Gesamt) 35% 2,75 3 2,25
2.1 Wartbarkeit 25% Befriedigend / 0,5 Gut / 0,75 Gut / 0,75
2.2 Technische Konzeption 25% Gut / 0,75 Gut / 1,5 Befriedigend / 0,5
2.3 Benutzbarkeit 50% Befriedigend / 1 Gut / 0,75 Befriedigend / 1
3 Herstellerunterstützung (Gesamt) 15% 2,4 3 1,8
3.1 Schulung 20% Gut / 0,6 Gut / 0,6 Ausreichend / 0,2
3.2 Erstinstallation 20% Gut / 0,6 Gut / 0,6 Befriedigend / 0,4
3.3 Support 60% Befriedigend / 1,2 Gut / 1,8 Befriedigend / 1,2
Summe 3 = 100% 2,22 = 74% 2,9 = 96,7% 1,78 = 59,3%

Tabelle 1: Nutzwertanalyse

8 Transfer des bestehenden Workflows in einen DMS-gestützten Workflow

Nachdem die Auswahl des DMS vollzogen ist, steht die Implementierung und Adaptierung des bestehenden Workflows in das DMS gestützte Verfahren an. Im Folgenden werden diese Workflows näher beleuchtet und beschrieben.

8.1 Funktionalität eines Workflowmanagements

Workflowmanagementsysteme (WFMS) steuern die gezielte Verteilung von Dokumenten, dessen Ursprung idealerweise ein DMS bilden kann. Im Unterschied zu Groupware[17] , wo eine unstrukturierte Kommunikation zwischen Projektmitarbeitern besteht, werden Geschäftsabläufe in WFMS fest vorgegeben. Ein WFMS besteht laut Lehmann aus Tätigkeiten wie „organisieren, planen, entscheiden, kontrollieren, steuern und führen." [18] WFMS „[…] sind eine wesentliche Voraussetzung für die effiziente Dokumentenverwaltung und Archivierung“[19] und eignen sich besonders zur Planung und Durchführung von stark strukturierten Prozessen, die - "eine Reihe von Aktivitäten in einer bestimmten Reihenfolge bzw. parallel zueinander auffassen, - immer wieder in der gleichen oder ähnlichen Form auftreten, - mehrere Personen involvieren und - einem starken Koordinationsbedarf unterliegen."[20] „Mit Hilfe eines WFMS lassen sich Arbeitsabläufe standardisieren und automatisieren. Durch diverse Protokollfunktionen werden diese Arbeitsabläufe nachvollziehbar und transparent.“[21]

8.2 Der ursprüngliche Workflow

Abbildung 6: Workflow ohne unterstützendes DMS
Abbildung 6: Workflow ohne unterstützendes DMS

Der bisherige Geschäftsablauf zur Dokumentenerstellung und deren Freigabe in Softwareentwicklungsprojekten basiert auf manuellen Eingaben des Verfassers und des Dokumentenprüfers. So findet nach der Erstellung des Dokuments die Versionierung manuell statt sowie das Weiterversenden an den Prüfer. Damit das Dokument in jedweder Art bearbeitet werden kann, wird es per Email an den nächsten Bearbeiter geschickt. Zur Veranschaulichung des Geschäftsablaufs siehe Abbildung 6. Dies hat den Nachteil, dass durch Fehleingaben der Mailadresse ein Verzug im Freigabeprozess entstehen kann. Des Weiteren kann es passieren, dass der nächste vorgesehene Bearbeiter krankheits- sowie urlaubsbedingt nicht anwesend ist und es so zu weiteren Vezögerungen im Projekt kommen kann. Dies lässt den Schluss zu, dass der Workflow ohne Verwaltungsunterstützung im Sinn eines DMS nicht mehr zeitgemäß und praktikabel ist. Denn wenn die Fertigstellung eines wichtigen projektbezogenen Dokumentes (z.B. das Feinkonzept einer Softwarearchitektur) aufgrund fehlender organisatorischer und technischer Maßnahmen nicht im Sinne der Projektplanung gelingt, kann ein Projekt in eine zeitliche Schieflage geraten und somit ein wirtschaftliches Risiko für das Unternehmen darstellen. Auch Ernst Tiemeyer kommt zum Schluss, dass „erhebliche Risiken […] durch fehlende Verfügbarkeit der notwendigen Ressourcen (Sachmittel und Personal)“[22]entstehen. Um diese zeitlichen und organisatorischen Nachteile zu verringern, wird ein DMS eingesetzt.




8.3 Der DMS gestützte Workflow

Abbildung 7: Workflow mit DMS
Abbildung 7: Workflow mit DMS[23]

Nachdem sich der vorige Prozess als nicht Risiko reduzierend herausgestellt hat, wurde nach einer Möglichkeit gesucht, den Dokumentenfreigabeprozess durch technische Unterstützung zu realisieren. Der Geschäftsablauf funktioniert derart, dass der Autor im ersten Schritt ein Dokument anfertigt und dem DMS zur Vorversionierung zur Verfügung stellt. Nachdem dies geschehen ist, erzeugt das DMS einen Dokumentenzustand, welcher als „fertig für Prüfung“ definiert ist. Nach dieser Statuszuweisung erhält der Prüfer des Dokumentes eine Benachrichtigung, dass ein Dokument zur Überprüfung bereitliegt. Hier liegt ein weiterer Vorteil der Nutzung eines DMS für solche Zwecke. Es ist organisatorisch ein Rollenkonzept hinterlegt. Denn die Benachrichtigung über die Verfügbarkeit eines Prüfgegenstandes erhält nicht nur der Prüfer allein. Für jeden Akteur in diesem Prozess gibt es eine Ersatzressource, welche ebenfalls über eine Änderung per Benachrichtigung informiert wird. Somit reduziert man das Projektrisiko fehlender Ressourcen, auf die Tiemeyer, wie oben beschrieben, schon hingewiesen hat. Nachdem nun der Prüfer und sein Vertreter über das Vorliegen eines Prüfgegenstands in Form eines Dokumentes hingewiesen wurden, wird das Dokument inhaltlich und formal geprüft und an den Autor mit der Bitte um Berichtigung zurückgewiesen. Ist dann die Bearbeitung geschehen und die erneute Prüfung positiv ausgefallen, wird das Dokument offiziell freigegeben. Die folgende Abbildung 7 stellt schematisch den beschriebenen Workflow dar. Der DMS gestützte Geschäftsablauf zur Erstellung und Freigabe projektbezogener Dokumente bietet eine Reihe von Vorteilen zum vorigen nicht technisch unterstützten Prozess. Es ist anzumerken, dass durch die automatisierte Versionierung der Dokumente eine Zeitersparnis gegenüber dem vorigen Workflow zu verzeichnen ist. Außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass nicht jeder Projektmitarbeiter die Regeln von Dokumentenversionierungen verstanden und verinnerlicht hat. Somit ist anzunehmen, dass die Fehlerrate in der Versionierung zurückgehen oder gar gen null gehen wird. Ferner ist davon auszugehen, dass die Undurchsichtigkeit über den aktuellen Status von Dokumenten im technisch nicht unterstützten Prozess Vergangenheit sein wird. Denn mithilfe des DMS ist eine volle Transparenz über den Verbleib und den aktuellen Bearbeitungsstand von Dokumenten gewährleistet und somit kann sich jeder Projektmitarbeiter genau informieren. Daniel Wittwer kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass durch die Verwaltung von Versionen es jederzeit möglich ist, „anhand der Dokumentenhistorie zu ermitteln, wer und wann seit der Erstellung auf das Dokument in welcher Version zugegriffen und unter Umständen verändert hat." [24] Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil bietet das Rollenkonzept, welches mit der Rechteverwaltung einhergeht. Dies trägt dem Datenschutz Rechnung. Denn durch die Einführung eines Rollenkonzepts wird sichergestellt, dass keine unrechtmäßige Einsichtnahme in als vertrauenswürdig eingestufte Dokumente geschehen kann. Der Vorteil der Archivierung ist ebenfalls von bedeutender Relevanz. Das Archivieren und Wiederfinden der Dokumente erfolgt über Verzeichnisse, die hierarchisch aufgebaut sind. Die Nutzung eines DMS unterstützt ein Unternehmen auch im Wissensmanagement. Lehner definierte den Begriff Wissensmanagement in der Literatur als „Management der Daten-, Informations- und Wissensverarbeitung im Unternehmen […]. Wissen und Informationen werden dabei als grundsätzlich handhabbare Objekte angesehen, die direkt oder indirekt über Wissens- bzw. Informationsträger in materieller Form vorliegt.“[25] Der Nutzen des Wissensmanagements liegt darin, dass ein gewisser Grad an Fluktuation der Projektmitarbeiter überstanden werden kann, wenn das Wissen der Mitarbeiter in digitalisierter Form vorliegt. Somit wird gewährleistet, dass sich neue Mitarbeiter rasch in neue fachliche Anforderungen einarbeiten können.

9 Fazit

Es hat sich herausgestellt, dass die Einführung eines Dokumenten-Management Systems zur Abbildung eines Workflows zur Dokumentenbearbeitung von Vorteil ist. So werden einerseits die geforderten Prozesse nach DIN EN ISO 9001:2008 erfüllt und andererseits die Projektrisiken Nichtverfügbarkeit von Sachmitteln und Personal erheblich reduziert. Die Erwartung der besseren Wartbarkeit der IT-Infrastruktur, welche den Speicherort der Dokumente betrifft, stellt sich ebenso als verbessert dar wie auch die Archivierung der Dokumente. Denn durch das Archivieren wird ein Wissensmanagementprozess in Gang gesetzt, welcher sich in Zukunft noch detaillierter darstellen wird. Nun gehen die Überlegungen sogar soweit, eine Personalressource zu schaffen, welche sich ausschließlich mit Wissensmanagement in der Softwareentwicklungsabteilung beschäftigt.

10 Fußnoten

  1. Ein Workflow bildet die an einem Arbeitsprozess beteiligten Personen und Arbeitsprozesse in einem Prozessmodell ab (Vgl. http://www.software-kompetenz.de/?2368, Stand: 01.01.2010).
  2. http://www.ihk-schleswig-holstein.de/produktmarken/innovation/anhaengsel/qmsfaq.pdf, Stand: 01.10.2010
  3. vgl. Götzer, Klaus (2001), S. 11
  4. vgl. Götzer, Klaus (2001), S. 12 - 22
  5. vgl. Götzer, Klaus (2001), S. 19
  6. http://www.it-infothek.de/fhtw/semester_4/grdlkt_4_01.html, Stand:31.12.2009
  7. Götzer, Klaus (2001), S. 3
  8. vgl. ebd.
  9. http://www.it-infothek.de/fhtw/grund_wi_05.html#grund_wi_05_13, Stand 31.12.2009
  10. Use Cases “sind den elementaren Geschäftsprozessen” einer Unternehmung zugeordnet. (vgl. Klockenbusch (2005), S. 79)
  11. ebd.
  12. http://www.ihk-schleswig-holstein.de/produktmarken/innovation/anhaengsel/qmsfaq.pdf, Stand: 01.01.2010
  13. http://www.pavone.de, Stand 31.12.2009
  14. http://www.knowledgetree.de, Stand 31.12.2009
  15. http://www.docuware.de, Stand 31.12.2009
  16. Definition:„Die Nutzwertanalyse ist eine Methode, mit der die bekannten Eigenschaften verschiedener Alternativen bewertet und miteinander verglichen werden. Die Bewertung erfolgt mit zuvor festgelegten Kriterien. Die zu bewertenden Eigenschaften werden festgelegt und erhalten, ihrer Wichtigkeit entsprechend, eine prozentuale Gewichtung. Anschließend werden die Kriterien aufgestellt, nach denen die Alternativen mit Punkten bewertet werden. Die Berechnung des Nutzwertes erfolgt zum Schluss, indem man die Punkte mit den jeweiligen Prozentsätzen multipliziert. Die Alternative mit dem höchsten Ergebnis ist die mit dem höchsten Nutzwert.“( Kern, Uwe, (2006), S.)
  17. Software zur Unterstützung von Gruppenarbeit
  18. Lehmann(1999), S.30
  19. Wittwer(2002), S.51
  20. Walburg (1999), S. 120
  21. Wittwer (2002), S. 51
  22. Tiemeyer (2009), S. 170
  23. Manueller Prozess zur Erstellung und Freigabe projektbezogener Dokumente.
  24. Wittwer (2002), S. 48
  25. vgl. Lehner (2009), S. 32

11 Literatur- und Quellenverzeichnis

Götzer (2001) Götzer, Klaus(2001): Dokumentenmanagement, 2.Auflage, d.punkt Verlag, Heidelberg 2001
Lehmann (1999) Lehmann, Frank R. (1999): Fachlicher Entwurf von Workflow-Management-Anwendungen, Teubner Verlag, Stuttgart 1999
Lehner (2009) Lehner, Franz (2009): Wissensmanagement, 3. Auflage, Hanser Verlag, Passau 2009
Steinweg (2005) Steinweg, Carl (2005): Management der Softwareentwicklung, Vieweg Verlag, Wiesbaden 2005
Tiemeyer (2009) Tiemeyer, Ernst (2009): Handbuch IT-Management, 3. Auflage, Hanser Verlag, München 2009
Walburg (1999) Walburg, Ernst (1999): Finden statt suchen, Ueberreuter Wirtschaft, St. Georgen 1999
Wittwer(2002) Wittwer, Tobias (2002): Dokumentenmanagementsysteme und deren Einführung in einem Unternehmen, Grinn Verlag, 2002



Internetquellen

DocuWare (2009) http://www.docuware.de/, Stand 31.12.2009
IHK Schleswig Holstein (2010) http://www.ihk-schleswig-holstein.de/produktmarken/innovation/anhaengsel/qmsfaq.pdf, Stand 01.01.2010
IT-Infothek (2010) http://www.it-infothek.de/fhtw/semester_4/grdlkt_4_01.html, Stand 01.01.2010
Knowledgetree (2009) http://www.knowledgetree.com/de, Stand 31.12.2009
IT-Infothek (2010) http://www.it-infothek.de/fhtw/grund_wi_05.html#grund_wi_05_13, Stand 01.01.2010
Pavone (2009) http://www.pavone.com, Stand 31.12.2009
Software Kompetenz (2010) http://www.software-kompetenz.de/?2368, Stand: 01.01.2010
Persönliche Werkzeuge