Beeinflussung der Anwender durch Suchmaschinen
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| Namen der Autoren: | Nancy Kinzel, Ulrich Liedtke |
| Titel der Arbeit: | Beeinflussung der Anwender durch Suchmaschinen |
| Hochschule und Studienort: | FOM Hamburg |
1 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| HTML | Hypertext Markup Language |
| ARPA | Adcvanced Research Projects Agency |
| URL | Uniform Resource Locator |
| Abb. | Abbildung |
| Vgl. | Vergleiche |
| PR | Public Relations |
| Versandk. | Versandkosten |
| berücks. | berücksichtigt |
| BGH | Bundesgerichtshof |
| AG | Aktiengesellschaft |
2 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung |
|---|---|
| 1 | Entwicklung der .de-Domains von 1994 - 2009 |
| 2 | Schematische Darstellung einer Volltextsuchmaschine |
| 3 | Beispiel einer Ergebnisliste einer Preissuchmaschine |
| 4 | Ergebnisse der "Eye Tracking"-Studie |
3 Tabellenverzeichnis
| Tabellen Nr. | Tabelle |
|---|---|
| 1 | Marktanteile der größten fünf Suchmaschinen |
| 2 | Beachtung der Suchergebnisse nach Rang durch den Nutzer |
| 3 | Anzahl der verwendeten Suchbegriffe nach Sprachraum |
| 4 | Wichtigkeit von Kriterien für das Ranking einer Seite |
| 5 | Grösse des Datenbestandes |
| 6 | Anzahl Suchvorgänge vor einem Kauf |
| 7 | Ranking der neun am häufigsten genutzen Preissuchmaschinen |
| 8 | Ergebnistabelle Preissuchmaschinen (Stand 29.12.2009) |
4 Einleitung
Motivation
Die Nutzung des Massenmediums Internet ist für die meisten Menschen heute eine Selbstverständlichkeit. Damit sie sich aus dem scheinbar unendlichen Informationsangebot die für sie relevanten Informationen herausfiltern können, benutzen sie zum überwiegenden Teil Suchmaschinen. Sind die Ergebnisse aber neutral? Gibt es eine Beeinflussung der Anwender durch Suchmaschinen? In dieser Fallstudie beschäftigen wir uns mit der Thematik der Beeinflussung der Anwender durch Suchmaschinen.
Aufbau
In Kapitel 5 wird zunächst kurz auf die Grundlagen und Entwicklung des Internets und der Suchmaschinen eingegangen. Im Kapitel 6 beschreiben wir Faktoren auf Anwender- und Suchmaschinenseite, die zur Beeinflussung beitragen. In Kapitel 7 werden wir Beispiele vorstellen, in denen eine Beeinflussung stattfindet.
Zielsetzung
Das Ziel dieser Fallstudie ist es aufzuzeigen, welche Faktoren zu einer Beeinflussung der Anwender durch Suchmaschinen führen und welcher Art diese Beeinflussungen sind, und wir werden am Ende dieser Fallstudie ein Fazit ziehen und Handlungsempfehlungen geben.
5 Grundlagen
5.1 Entwicklung des Internets
Das Internet entstand Anfang 1960 aus dem ARPA-NET (Adcvanced Research Projects Agency). Es war ein Verbund von US-Rechenzentren und Forschungseinrichtung. Das Internet wurde ausschließlich für militärische Zwecke verwendet. In den 1980er Jahren wurde das Internet weltweit zugänglich. Die Grundlage für das heutige Internet wurde im März 1989 mit der Definition eines Standards – dem Hypertext Markup Language (HTML) - geschaffen. Seit 1990 wird das Internet auch in wissenschaftlichen und kommerziellen Bereichen verwendet[1].
5.2 Suchmaschinen
5.2.1 Definition
Suchmaschinen dienen zur Suche von Informationen, die auf einem Computer oder einem Computernetzwerk gespeichert sind. Suchmaschinen haben eine Indexdatenbank, in der Schlüsselwörter für die Informationssuche mit den zugehörigen Verweisen auf die Informationen gespeichert sind. Suchanfragen werden mit einer nach Relevanz geordneten Trefferliste, in der der Titel, ein kurzer Auszug aus der Informationsquelle und die Verweise zu den Informationen gelistet sind, beantwortet.
Die Hauptaufgaben von Suchmaschinen sind:
-Informationen über Internetseiten einschließlich deren Link in den Index aufzunehmen und diese Informationen dann zu pflegen, z.B. durch die Kontrolle der Einträge auf Aktualität.
- Verarbeitung von Suchanfragen, indem die Suchmaschine nach den Suchbegriffen in ihrem Index sucht.
- Ausgabe der Ergebnisse in einer Ergebnisliste mit einem sinnvollen Ranking der Suchergebnisse.[2]
5.2.2 Entstehung
Die ersten Suchmaschinen gab es bereits Mitte der 80er Jahre. Hierbei handelte es sich um Suchmaschinen für die Bibliotheken. In den USA wurden durch die Universitäten die größeren Bibliotheken vernetzt, um den Bestand der Bibliotheken über das Internet durchsuchen zu können. Aus dieser vernetzten Struktur entstanden wenig später die ersten Webkataloge.
Seit 1991 können die Internetnutzer zum ersten Mal mit Hilfe einer Suchmaschine Dokumente auf bestimmten Servern durchsuchen. Dies wurde durch Lindner und McCahill von der Universität von Minnessota ermöglicht. Sie entwickelten die Software "Gopher".
An Bedeutung gewannen die Suchmaschinen mit der zunehmenden Informationsflut im Internet. Es wurde zunehmend schwieriger, die relevanten Informationen mit einem kurzen Zeitaufwand zu finden.[3] Die Entwicklung des Internets in Deutschland kann man sehr gut an der Anzahl von de.-Domains aufzeigen. Im Januar 1994 gab es lediglich 1.123 de.-Domains, im Januar 2009, also 15 Jahre später, gab es 12.550.737 de.-Domains und im November 2009 ware es wiederum 745.711 de.-Domains mehr als im Januar 2009.[4]
Zum Vergleich, das Audimax der Universität Hamburg hat 1.644 Sitzplätze. Wenn sich 1994 alle Internetseiten-Besitzer im Audimax in Hamburg getroffen hätten, wäre das Audimax nur ungefähr zu zwei Dritteln gefüllt gewesen.[5]
5.2.3 Allgemeine Funktionsweise
Suchmaschinen bestehen im wesentlichen aus zwei Komponenten, einer User-Komponente und der Index-Datenbank. Die User-Komponente besteht aus der Suchmaske, über die ein Anwender nach Informationen suchen kann, und der Anmeldemaske, über die ein Nutzer URL`s melden kann, die in den Index mit aufgenommen werden sollen. Die Benutzer-Komponente läuft auf einem Web-Server, der auch als Schnittstelle zur Datenbank dient. Im Index werden Schlagworte, nach denen der Nutzer suchen kann, zusammen mit der dazugehörigen URL gespeichert, siehe Abbildung 2. Eine Ausnahme sind Metasuchmaschinen. Sie haben keinen eigenen Index. Suchmaschinen können auch noch zusätzliche Komponenten haben, wie zum Beispiel die in Abbildung 2 abgebildete Volltextsuchmaschine. Sie hat noch zusätzlich einen Robot zum Datensammeln.[6]
5.2.4 Arten von Suchmaschinen
Die Aufzählung der Arten von Suchmaschinen in diesem Kapitel ist nicht abschließend. Es sind nur die Suchmaschinen aufgeführt, die im weiteren Verlauf der Fallstudie betrachtet werden.
5.2.4.1 Volltextsuchmaschinen
Volltextsuchmaschinen durchsuchen automatisch das Internet nach noch nicht registrierten oder veränderten Websites. [7] Sie generieren automatisch Schlagwörter aus diesen und speichern die Schlagwörter zusammen mit der URL in einer Datenbank.
[8]
Die Systemkomponente, die dieses durchführt, besteht aus Soft- und Hardware und nennt sich Robot, auch Crawler oder Spider genannt. Ein Website-Besitzer hat keinen Einfluss darauf, ob oder wann eine Internetseite von einem Robot besucht und registriert wird.
[9]
Suchmaschinen können nicht nur reine Textseiten indexieren, sondern auch Bilder und zunehmend Videos. Hierbei wird jedoch nicht das Bild oder Video selbst analysiert. Die Suchmaschinen benutzen z.B. die im Quellcode zum Bild angegebenen <alt>-Parameter des entsprechenden HTML-Tags.[10]
Beispiele für diese Art von Suchmaschinen sind Lycos und Fireball.[11]
5.2.4.2 Webkataloge
Bei Webkatalogen werden die Einträge in die Datenbank durch eine Redaktion manuell vorgenommen. Es wird die einzutragende Website vom Redakteur besucht. Er entscheidet, ob die Website in den Katalog aufgenommen wird. Wenn sie aufgenommen werden soll, dann verschlagwortet er sie. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, nur qualitiativ hochwertige Seiten aufzunehmen. Ungefähr 80 Prozent der in den Index aufgenommenen Internetseiten sind von Nutzern über die Anmeldemaske (siehe Abbildung 2) gemeldete Seiten. Ungefähr 20 Prozent der Internetseiten, die in den Index aufgenommen werden, werden durch den Redakteur selbst gesucht. [12]
Darüber hinaus gibt es spezialisierte Katalogsuchmaschinen, die bestimmte Themen oder Branchen abdecken.[13]
Beispiele für diese Webkatalogsuchmaschinen sind Yahoo! und Allesklar. [14]
5.2.4.3 Metasuchmaschinen
Metasuchmaschinen haben keinen eigenen Datenbestand, sondern sie leiten die Suchanfragen an andere Suchmaschinen weiter. [15] Sie sammeln die Ergebnisse der angefragten Suchmaschinen und geben diese als gebündelte Antwort zurück.
Doppelte Ergebnisse werden durch die Metasuchmaschine herausgefiltert.[16]
Beispiele für Metasuchmaschinen sind Metager und Metacrawler[17]
5.2.4.4 Nachrichtensuchmaschinen
Nachrichtensuchmaschinen funktionieren ähnlich wie Volltextsuchmaschinen, sie durchsuchen ständig das Internet mit Hilfe von Crawlern. Der Inhalt der besuchten Internetseiten wird, genauso wie bei den Volltextsuchmaschinen, indexiert.
Die Auswahl der Infornationsquellen soll sich bei den Nachrichtensuchmaschinen auf journalistische Inhalte beschränken.
Grundsätzlich liegt die Entscheidung darüber, welche Internetseiten journalistischen Inhalt haben und deren Meldungen als News gezeigt werden sollen, beim Betreiber der Nachrichtensuchmaschine.
[18] Googel News hat 700 Nachrichtenquellen, die von den Crawlern durchsucht werden. [19] Die Nachrichten auf der Internetseite der Nachrichtensuchmaschine werden in kurzen Abständen regelmäßig automatisch erneuert.
Quelle [20] Bei den Nachrichtensuchmaschinen gibt es einen Ranking-Algorithmus, der die Wichtigkeit der Nachricht bestimmt. Bei Google News wird die Wichtigkeit der Nachricht nicht nur durch die Relevanz und das Einstelldatum bestimmt, dem sogenannten "Oldscore", es gibt auch einen sogenannten "Source Rank", durch den die Wertigkeit der Nachrichtenquelle bestimmt wird.
Beides wird gewichtet und ergibt zusammen die Wichtigkeit für das Ranking. [21]
Beispiele für Nachrichtensuchmaschinen sind Google News und MSN Newsbot. [22]
5.2.4.5 Preissuchmaschinen
Preissuchmaschinen vergleichen die Preise für ein vom Nutzer gesuchtes Produkt bei den Online-Händlern, die einen Vertrag mit dem Preissuchmaschinenbetreiber haben. In den meisten Fällen müssen Onlineshop-Betreiber an die Preissuchmaschinenbetreiber eine Provision zahlen. Die Provision berechnet sich aus der Anzahl der Seitenaufrufe. Wenn ein Nutzer nach einem Produkt sucht, ist diese Suche für den Anwender kostenfrei. Er bekommt als Ergebnis seiner Produktsuche eine Ergebnisliste mit Preisen und weiteren entscheidenden Informationen, so dass die Konditionen, wie Lieferzeit oder Versandkosten, sich leicht vergleichen lassen. [23]
5.2.5 Meist genutzte Suchmaschinen
Der Marktführer bei den Suchmaschinen ist heute Google. [24] In Tabelle 1 ist deutlich zu sehen, wie Google seinen Marktanteil in nur zwei Jahren ausgebaut hat.[25] Seit 2006 hat sich der Marktanteil von Google von knapp 90 Prozent nicht mehr stark verändert. Bei diesem hohen Marktanteil kann man schon von einem Quasi-Monopol von Google sprechen. [26]
| Rang | Suchmaschine | Anteil 2004 | Anteil 2006 | Anteil 2008 | Anteil 2010 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 56,4 % | 88,0 % | 89,9 % | 89,4 % | |
| 2 | Yahoo! | 21,1 % | 2,7 % | 3,0 % | 2,5 % |
| 3 | MSN | 9,2 % | 2,2 % | 1,7 % | 2,3 % |
| 3 | T-Online | 3,8 % | 1,9 % | 2,0 % | 2,0 % |
| 3 | AOL-Suche | 2,0 % | 1,7 % | 0,9 % | 0,6 % |
6 Faktoren, die zur Beeinflussung beitragen
6.1 Suchverhalten des Anwenders
Die Anwender werden unter anderem durch zwei Faktoren beeinflusst.
Zum einen werten laut Mendyuk 87 Prozent aller Suchmaschinennutzer nur die erste Ergebnisseite der Ergebnisliste aus.
[30]
Auf dieser Ergebnisseite werden dann nur die ersten drei Ränge von allen Anwendern betrachtet. Je weiter unten in der Ergebnisliste ein Ergebnis steht, desto weniger Suchmaschinennutzer prüfen dieses Ergebnis. [31]
| Rang | Anteil Anwender |
|---|---|
| Rang 1 | 100 % |
| Rang 2 | 100 % |
| Rang 3 | 100 % |
| Rang 4 | 85 % |
| Rang 5 | 60 % |
| Rang 6 | 50 % |
| Rang 7 | 50 % |
| Rang 8 | 30 % |
| Rang 9 | 30 % |
| Rang 10 | 20 % |
Zum anderem werden nur wenige Suchbegriffe zur Suche verwendet. Im deutschsprachigen Raum werden 30 Prozent der Suchanfragen nur mit einem Wort initiiert. Am häufigsten werden, mit 40 Prozent, Suchanfragen mit zwei Wörtern initiiert. Die hohe Anzahl der „Ein-Wort-Suchen“ im deutschsprachigen Raum liegt auch darin begründet, dass Wörter substantiviert werden können. [33]
| Anzahl Wörter | deutsch | englisch | franzöisch | italienisch |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 29 % | 6 % | 11 % | 13 % |
| 2 | 40 % | 20 % | 35 % | 34 % |
| 3 | 21 % | 30 % | 27 % | 27 % |
| 4 | 7 % | 23 % | 14 % | 17 % |
| 5 | 2 % | 12 % | 7 % | 6 % |
| >5 | 1 % | 9 % | 6 % | 3 % |
Zusammenfassend liegen die größten Beeinflussungen der Nutzer in diesem Kapitel darin, dass die Nutzer sich nur wenige Suchergebnisse der Trefferliste anschauen. Dadurch, dass die Ranking-Algorithmen der Suchmaschinen bekannt sind, versuchen viele Internetseitenbetreiber ihre Internetseite so anzupassen, dass die Suchmaschine der Internetseite ein hohes Ranking zuordnet. Mit der Qualität der Information der Internetseite hat der Rankingplatz nicht unbedingt viel zu tun. Eine weitere Beeinflussung besteht darin, dass die Nutzer zu wenig Suchwörter und Operatoren, wie AND, NOT, OR, benutzen.[35] Dadurch erlangen die Nutzer nicht das optimale Suchergebnis, da die Suche zu ungenau ist.
6.2 Faktoren bei Suchmaschinen
6.2.1 Volltextsuchmaschinen
Eine Beeinflussung entsteht auch durch die Ranking-Algorithmen der Volltextsuchmaschinen. [36] In Tabelle 4 sind die Ranking-Kriterien aufgelistet. Die Prozentzahl zeigt die Wichtigkeit an (100 Prozent entspricht "sehr wichtig").
| Kriterien | Wichtigkeit |
|---|---|
| Häufigkeit der Suchwörter | 74 % |
| Aktualität des Dokumentes | 52 % |
| Position der Suchwörter | 48 % |
| Zahl der Links auf das Dokument | 44 % |
| Linkbezeichnung | 33 % |
| Bezahlung für das Ranking | 30 % |
| Wichtigkeit des Links | 26 % |
| Nutzungshäufigkeit des Dokumentes | 19 % |
Dieses Ranking wird nicht durch Menschen kontrolliert. Durch den Ranking-Algorithmus können "Fehler" passieren, die Einfluss auf das Verhalten der Anwender haben. Durch den Ranking-Algorithmus können z.B. Meldungen, die schon veraltet oder falsch sind, einen hohen Rang bekommen. Ein Beispiel hierfür ist die Falschmeldung von 2008, dass die amerikanische Fluggesellschaft „United Airlines“ kurz vor der Pleite stünde. Die Zeitung „Sun Sentinel“ hatte eine Meldung aus dem Jahr 2002 erneut auf ihre Internetseite gestellt. Diese Meldung wurde von den Googel-Crawlern als eine neue Nachricht mit hoher Wichtigkeit erkannt und hoch im Ranking zugeordnet. Dadurch erschien sie ganz oben bei Google-News. Auf diese Falschmeldung reagierten viele Aktionäre der Fluggesellschaft „United Airlines“ mit dem Verkauf ihrer Aktien, der Kurs fiel innerhalb von Minuten um 75 Prozent.[38]
Dadurch, dass die Ranking-Kriterien bekannt sind, können Internetseitenbetreiber, die Seiten mit anstößigem Inhalt anbieten, ihre Seiten so gestalten , dass bei scheinbar unverfänglichen Suchwörtern die Suchmaschinennutzer zum Beispiel pornografische Angebote als Suchergebnis auf den vorderen Rangen bekommen.[39]
Zusammenfassend liegt die größte Beeinflussung der Nutzer in diesem Kapitel darin, dass das Ranking der Ergebnisse in einer Ergebnisliste durch einen Ranking-Algorithmus der Suchmaschinen automatisch generiert wird. Dadurch sind Suchmaschinen zum einen fehleranfällig, siehe den Fall „United Airlines“, zum anderen kann das Ranking von Außenstehenden manipuliert werden, um der eigenen Internetseite ein gutes Ranking zu verschaffen.[40]
6.2.2 Webkataloge
Wie schon in Kapitel 5.2.3.2 Webkataloge werden die Einträge von Internetseiten in die Index-Datenbank durch einen Redakteur manuell vorgenommen. Der Redakteur entscheidet persönlich, ob er eine Internetseite in die Index-Datenbank aufnimmt oder nicht. [41] Hierdurch gibt es schon eine Beeinflussung, denn es werden einem nur Informationen angezeigt, die der Redakteur für sich persönlich als wichtig eingestuft hat. Der Suchmaschinennutzer hat unter Umständen andere Prioritäten, welche Informationen für ihn wichtig sind. Des weiteren können die Webkataloge mit dem schnellen Wachstum des Internets nicht mithalten. In der fehlenden Aktualität liegt eine weitere Beeinflussung.[42]
Außerdem haben Webkatalogsuchmaschinen einen erheblich geringeren Datenbestand in der Index-Datenbank als zum Beispiel Google. Hier der Vergleich der Indexeinträge der in Kapitel "5.2.3.2 Webkataloge" als Beispiel genannten Webkataloge Yahoo! und Allesklar mit Google.
[43]
| Suchmaschine | Sites (Stand 2002) |
|---|---|
| Yahoo! | 200.000 |
| Allesklar | 500.000 |
| 3.083.000.000 |
Zusammenfassend liegen die größten Beeinflussungen:
- darin, dass ein Redakteur persönlich darüber entscheidet, welche Internetseiten in die Indexdatenbank der Suchmaschine aufgenommen werden,
- in der Größe des Datenbestandes der Indexdatenbank
- in der Aktualität der Einträge in der Indexdatenbank, da die Einträge manuell gemacht werden.
7 Beispiele für Bereiche der Beeinflussung
Es gibt eine Vielzahl von Bereichen, bei denen die Anwender durch die Verwendung von Suchmaschinen beeinflusst werden.
Wir haben uns dazu entschlossen, in unserer Fallstudie zwei Bereiche, die einen Großteil der Internet-Nutzer betrifft, näher zu betrachten.
Zum einen betrachteten wir den Bereich der politischen Meinungsbildung, 59 Prozent aller Internet-Nutzer haben in der ARD/ZDF-Studie 2009 angegeben, dass sie sich häufig oder zumindest gelegentlich über aktuelle Nachrichten im Internet informieren. [45]
Zum anderen haben wir den Bereich Kaufverhalten näher betrachtet. 79 Prozent aller Internetnutzer verwenden Suchmaschinen, um einen anstehenden Kauf vorzubereiten.[46]
7.1 Politische Meinungsbildung
7.1.1 Vermischung von journalistischen Inhalten, PR und Propaganda
PR-Agenturen machen sich gezielt zunutze, dass die schon beschriebenen Ranking-Kriterien der Ranking-Algorithmen der Suchmaschinen einigermaßen bekannt sind und sie wissen, wie sie ihre Werbeinhalte so plazieren, dass sie bei Google hoch im Ranking stehen. Die Werbung ist häufig so verfasst, dass man sie nicht von seriösen Inhalten unterscheiden kann. So wird diese Werbung bei Google-News als journalistische Nachricht gezeigt.[47]
Die PR-Agenturen machen nicht nur Produktwerbung, sondern manipulieren gezielt die öffentliche Meinung in Richtung ihrer Auftraggeber. Die Auftraggeber kommen auch aus der Politik. Beispiele hierfür sind: positive „Berichterstattung“ durch PR-Agenturen für die Privatisierung der Bahn oder positive „Berichterstattung“ durch PR-Agenturen für das Elterngeld. So wurde Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen für ihre „PR-Leistungen“ 2007 der Deutsche PR-Preis verliehen.[48]
Aber auch extremistische Parteien machen sich das automatisierte Ranking zunutze. So werden Texte der rechtsextremen NPD ebenfalls neben seriösen journalistischen Inhalten als Nachrichten geführt. Da die PR-Meldungen und die Propaganda von den Parteien wie Nachrichten aufgemacht sind, können sie vom Nutzer nicht von redaktionellen Nachrichten unterschieden werden.[49]
[50]
Zusammenfassend liegt die größte Beeinflussung der Nutzer in diesem Kapitel darin, dass PR-Agenturen und extremistische Gruppen ihre „Botschaften“ so verfassen, dass sie von journalistischen Nachrichten kaum zu unterscheiden sind und diese dann gezielt in Nachrichtensuchmaschinen zwischen seriöse Nachrichten plazieren.
Dipl.-Medienwiss. Markus Beiler zu dem Thema: "Hier mangelt es offensichtlich den Machern von "Google" beurteilen zu können, welche Quellen journalistisch sind und welche einbezogen werden sollen."" Google" respektive "Google News" hat offenbar auch kein Interesse, dass andere ihre Quellen einordnen können .“[51].
7.1.2 Beeinflussung durch Zensur der Suchmaschinenbetreiber
Laut Speck, Prof. für Informatik und digitale Medien, sind die Ergebnisse einer Suchanfrage unter anderem auch davon abhängig, in welchem Land eine Suchanfrage durchgeführt wird. Im Folgenden ein Beispiel für diese Aussage: Wird eine Suchanfrage mit dem Inhalt „Tiananmen“ in China gestartet, erscheinen Propaganda-Bilder der chinesischen Regierung. Wird dieser Suchbegriff in Deutschland eingegeben, werden Bilder über die Massaker auf dem Tiananmen-Platz gezeigt.
Zusammenfassend liegt die größte Beeinflussung der Nutzer in diesem Kapitel darin, dass Google eine Zensur durchführt, die dem politischen System des Landes geschuldet ist, in dem die Suchanfrage gemacht wird.[52][53]
7.1.3 Themenfindung von Journalisten
Da die Reichweite einer Internetseite entscheidend für die Werbe-Erlöse ist, wird durch die Redaktionen von Nachrichten-Websites beobachtet, welche Suchbegriffe zur Zeit hauptsächlich gesucht werden.
Diese Suchbegriffe werden dann von der Redaktion als Thema aufgegriffen und redaktionell zu Artikeln verarbeitet, so dass der Web-Auftritt der Redaktion bei einer Suche des Suchmaschinennutzers nach diesem Suchbegriff gefunden wird. Dieses geschieht, damit möglichst viele Leser Artikel der Redaktion finden und die Seiten der Redaktion besuchen. Das heißt letztendlich, dass die Suchmaschinen die Themen bestimmen, der sich eine Redaktion widmet. Dieses ist zum Beispiel gängige Praxis bei Focus-Online. 40 Prozent aller Leser gelangen über die Suchmaschine Google auf Focus-Online.
[54]
Zusammenfassend liegt die größte Beeinflussung der Nutzer in diesem Kapitel darin, dass die journalistische Vielfalt dadurch verloren geht, dass allen Medien zum großen Teil nur noch die Themen bedienen, die gerade bei den Suchmaschinen häufig nachgefragt werden.
7.1.4 Informationsrecherche von Journalisten
Nach Machill, Beiler, Zenker sind 94 Prozent der Journalisten der Auffassung, dass ohne das Internet keine journalistische Arbeit mehr möglich sei. So gaben 99,3 Prozent der Journalisten an, dass sie die Suchmaschine Google nutzen, um Informationen im Internet zu finden. 98,5 Prozent der Journalisten gaben auch an, dass sie sehr oft oder gelegentlich zur Recherche nur die einfache Websuche benutzen. 80,9 Prozent der Journalisten gaben weiterhin an, dass sie Suchmaschinen für eine ausgiebige Recherche eines Themas für wichtig oder sogar sehr wichtig hielten. Dieses sehen Machill, Beiler, Zenker kritisch, da sich die Informationsrecherche nahezu nur auf eine Suchmaschine bezieht, nämlich Google und damit nur auf dessen Index beschränkt bleibt. Machill, Beiler, Zenker sehen darin eine Einseitigkeit, die die Qualität der Berichterstattung verschlechtere. Im Übrigen hielten 66 Prozent aller Journalisten Suchmaschinen für eine hochwertige Recherchemöglichkeit. 61,3 Prozent der Journalisten sind der Auffassung, dass es durch das Internet wichtiger geworden sei, von Suchmaschinen gelieferte Informationen auszuwählen, als neue Informationen durch andere Recherchemöglichkeiten zu beschaffen.
[55]
Zusammenfassend liegen die größten Beeinflussungen der Nutzer in diesem Kapitel darin, dass viele Journalisten Suchmaschinen, und zwar zum weitaus überwiegenden Teil Google, als Recherchemittel nutzen. Damit werden nur Informationen verwendet, die im Google-Index stehen. Ein überwiegender Teil der Journalisten sehen ihre Hauptaufgabe nicht mehr darin, neue Informationen zu beschaffen. Viele Journalisten halten sich auch nicht an die alte BBC-Regel „never rely on one source“ bei der Recherche mit Suchmaschinen und vertrauen dem Ergebnis von nur einer Suchmaschine.[56]
7.1.5 Kaufen eines Spitzenrankings in der Ergebnisliste
Ergebnisseiten der Suchmaschinen können in folgende Bereiche unterteilt werden: die Natural-Listings und die Paid-Listings. Beim den Natural-Listings werden die Suchtreffer aus dem Index der Suchmaschinen generiert, bei den Paid-Listings bestehen die Suchergebnisse aus gebuchten Anzeigen von Werbetreibenden.
[57]
Eine Plazierung für Paid-Listings ist oberhalb der Natural- Listings.[58] Diese Paid-Listings haben auch eine Sichtbarkeitsquote von 80 bis 100 Prozent, wobei die Blickkontakte in direktem Zusammenhang mit der Anzahl der Klicks gesetzt werden können.[59]
Beim Paid-Placement vereinbart der Werbekunde mit dem Suchmaschinenbetreiber ein bestimmtes Keyword, bei dem die Anzeige erscheinen soll.[60] Dieses machen sich Online-Medien zu Nutzen, um die Seitenzugriffe für die eigene Internetseite zu erhöhen. Ein Beispiel dafür ist „Die Zeit“. So erschien beim Suchbegriff „US-Wahl“ ganz oben in der Trefferliste bei Google eine Anzeige, die zu einer Seite von Zeit.de führte.[61]
Zusammenfassend liegt hier die größte Beeinflussung darin, dass nicht die journalistische Qualität über den Spitzenplatz in einer Trefferliste entscheidet, sondern nur, wer am meisten zahlt.[62]
7.2 Kaufverhalten
7.2.1 Statistische Erhebung zur Nutzung von Suchmaschinen durch Online-Käufer
Suchmaschinen sind ein wichtiges Mittel für Internetnutzer, um Kaufentscheidungen vorzubereiten. Wie schon erwähnt, nutzen 79 Prozent aller Internetnutzer Suchmaschinen, um sich erste Informationen für einen anstehenden Kauf zu suchen.[63] So trugen Suchmaschinen bei 50 Prozent aller Online-Käufer zur Kaufentscheidungsfindung bei. Beim Buchen von Reisen wurde die Kaufentscheidung bei 75 Prozent der Online-Käufer durch Suchmaschinen beeinflusst. Im Bereich Unterhaltungselektronik haben sich nur 25 Prozent der Internet-Nutzer über Unterhaltungselektronik vor einem Kauf informiert, lediglich haben dann nur 18 Prozent dieser Internet-Nutzer online gekauft. Es haben 23,8 Prozent aller Online-Käufer in der gleichen Internet-Sitzung gekauft, in der sie sich über ein Produkt informiert haben. 21,6 Prozent aller Online-Käufer haben in der ersten Woche und 64,6 Prozent aller Online-Käufer nach der zweiten Woche gekauft. Das Suchverhalten hinsichtlich der Anzahl von Suchvorgänge vor einer Kaufentscheidung unterscheidet sich je nach Produktgruppe.[64] Tabelle 6 zeigt die durchschnittliche Anzahl der Suchvorgänge vor einem Kauf.
| Branche | Duchschnittliche Anzahl der Suchvorgänge |
|---|---|
| Sport und Fitness | 2,5 |
| Bekleidung | 4,7 |
| Computer | 4,9 |
| Reisen | 6 |
7.2.2 Preissuchmaschinen
In diesem Abschnitt haben wir persönlich untersucht,
- ob es unterschiedliche Ergebnisse bei der Produktsuche in unterschiedlichen Preissuchmaschinen gibt ,
- wie diese Ergebnisse ausgegeben werden und
- ob hieraus Beeinflussungen des Käufers entstehen können.
Wir haben die neun meist genutzten Preissuchmaschinen[66] untersucht. (Siehe Tabelle 7)
| Suchmaschinenname | Nutzungshäufigkeit |
|---|---|
| Billiger.de | 23 % |
| Guenstiger.de | 22,4 % |
| Preisvergleich.de | 16,6 % |
| Geizhals.de | 13,3 % |
| Geizkragen.de | 10,8 % |
| Preissuchmaschine.de | 8,5 % |
| Kelkoo.de | 4,3 % |
| Shopping.com | 3,7 % |
| Getprice.de | 1,8 % |
Wir sind so vorgegangen, dass nach dem Notebook Acer Aspire 5942G mit dem Begriff „Aspire 5942G“ in den oben genannten Preissuchmaschinen gesucht wurde. Von dem Notebook Acer Aspire 5942G gibt es verschiedene Ausstattungsvarianten, die sich z.B. in der Festplattengröße oder der Speichergröße unterscheiden.
Uns interessierten bei unserer Untersuchung primär folgende Punkte:
- die Anzahl der Ergebnisse, die wir bei der Suche bekommen,
- die Standard-Sortierung,
- ob die Sortierung verändert werden kann,
- Anzeige der Versandkosten und des Gesamtpreises in der Ergebnisliste,
- Höhe der Versandkosten,
- Anzeige der Lieferzeit.
- Gibt es Händlerbewertungen.
Da es unterschiedliche Ausstattungsvarianten des Notebook Acer Aspire 5942G gibt, interessierte uns noch zusätzlich, ob die Preissuchmaschinen die unterschiedlichen Modelle in einer Liste ausgeben, oder ob die Preissuchmaschine die Ergebnisse nach Ausstattungsvarianten zusammenfasst.
| Suchmaschinenname | Treffer | Standard- sortierung | Sortierung veränderbar | Sortierung Versandk. berücks. | Modell Differenzierung | Versandkosten Angezeigt | Versandkosten Euro | Gesamtpreis Angezeigt | Liefer- barkeit | Shopbe- wertung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Billiger.de | 5 | Beliebtheit | ja | nein | nein | nicht bei allen | 0,00 - 11,00 | ja | ja | ja |
| Guenstiger.de | 6 | niedrigster Preis | nein | ja | nein | ja | 0,00 - 14,00 | nein | ja | nein |
| Preisvergleich.de | 5 | niedrigster Preis | nein | ja | ja | ja | 0,00 - 7,99 | nein | nein | ja |
| Geizhals.de | 0 | niedrigster Preis | nein | ja, nach Haken setzen | nicht bei allen | nein | ja | ja | ||
| Geizkragen.de | 0 | niedrigster Preis | nein | ja, nach Haken setzen | nicht bei allen | nein | ja | ja | ||
| Preissuchmaschine.de | 4 | niedrigster Preis | ja | ja | ja | ja | 0,00 - 7,00 | nein | ja | ja |
| Kelkoo.de | 2 | Popularität | ja | ja | nein | ja | 7,99 | ja, nur | ja | ja |
| Shopping.com | 6 | nidrigster Preis | nein | nein | ja | ja | 0,00 - 7,90 | ja | ja | ja |
| Getprice.de | 5 | nicht nachvoll- ziehbar | nein | nein | ja | 0,00 - 11,00 | nein | ja | ja |
Das Ergebnis zeigt, dass nicht alle Preissuchmaschinen-Betreiber dieselben Anbieter unter Vertrag haben. Geizhals.de und Geizkragen.de sind dieselben Suchmaschinen. Gibt man Geizhals.de ein, wird man auf Geizkragen.de geleitet. Daher werden wir für beide Anbieter nur noch Geizkragen.de schreiben. Geizkragen.de hatte keine Händler, die das Acer Aspire 5942G im Programm hatten. Bei Geizkragen.de wurde ohne Hinweis das ältere Modell Acer Aspire 5940G, das optisch genauso aussieht, als Suchergebnis gelistet. Dieses fiel erst nach genauerem Hinsehen auf. Da Geizkragen.de das Acer Aspire 5942G nicht im Programm hatte, haben wir die Punkte "Sortierung", "Sortierung veränderbar", "Versandkosten angezeigt" und "Gesamtpreis angezeigt" mit dem Angebot des Acer Aspire 5940G erhoben.
Durch die unterschiedliche Anzahl der Ergebnistreffer zeigt sich, dass man beim Gebrauch von nur einer Preissuchmaschine nicht den gesamten Marktüberblick bekommt.
Erhebliche Unterschiede gab es auch bei den Versandkosten. Sie variieren von 0,00 Euro bis 14,00 Euro. Bei der Sortierung "niedrigster Preis" wurden die Versandkosten bei folgenden Preissuchmaschinen nicht berücksichtigt: billiger.de und Shopping.com. Bei Geizkragen.de wurden sie erst berücksichtigt, nachdem ein Haken gesetzt wurde. Werden beim Ranking die Versandkosten von bis zu 14,00 Euro nicht berücksichtigt, so gibt das Ranking "niedrigster Preis" ein falsches Bild wieder.
Eine weitere Beeinflussung des Nutzers hinsichtlich der Versandkosten ist, dass die Versandkosten in der Ergebnisliste der Preissuchmaschinen nicht immer eindeutig ausgewiesen sind. Bei Billiger.de sind die Versandkosten durch den Zusatz "ab" ergänzt, so dass man nicht sicher sein kann, wie hoch wirklich die Versandkosten sind. Bei Billiger.de und Geizkragen.de waren nicht bei allen Händlern die Versandkosten aufgeführt. Geizkragen.de hat im unteren Bereich einen Hinweis: “Es können Verpackungs- und Versandkosten entstehen. Auf den Produkt-Seiten des Anbieters findest du hierzu konkrete Angaben“. Bei Billiger.de gab es nur den Hinweis "Siehe Shop".
Nach dem BGH Urteil vom 16. Juli 2009 I ZR 140/07 müssen die Versandkosten direkt in der Ergebnisliste mit aufgeführt sein[68].
In der Pressemitteilung des BGH heißt es:
"Bei Preisangaben in Preisvergleichslisten müsse der Verbraucher auf einen Blick erkennen können, ob der angegebene Preis die Versandkosten enthalte oder nicht. Denn die Aussagekraft des Preisvergleichs, der üblicherweise in einer Rangliste dargestellt werde, hänge von dieser wesentlichen Information ab. Unter diesen Umständen sei es nicht ausreichend, wenn der Interessent erst dann, wenn er sich mit einem bestimmten Angebot näher befasse, auf die zusätzlich anfallenden Versandkosten hingewiesen werde."
[69]
Die Gesamtkosten wurden auch nicht in allen Preissuchmaschinen angegeben (Siehe Tabelle 8).
Bei Kelkoo.de wurde nur der Gesamtpreis inclusive Versandkosten angegeben.
Die Ergebnislisten waren auch nicht alle standardmäßig nach Preis sortiert. Bei Getprice.de konnte man die Liste nicht nach dem niedrigsten Preis sortieren.
Wie anfangs beschrieben gibt es von dem Acer Aspire 5942G verschiedene Ausführungen. Bei Billiger.de, Günstiger.de, Kelkoo.de und Getprice.de wurden die unterschiedlichen Ausführungen zusammen in einer Liste angezeigt. Dieses war unübersichtlich. Bei anderen Preissuchmaschinen wurden die unterschiedlichen Modelle erst in Gruppen zusammengefasst.
In Abbildung 3 ist ein Teil einer Ergebnisliste von der Preissuchmaschine Billiger.de zu sehen. Hier sind noch weitere Faktoren, die den Käufer beeinflussen, zum einen die Produktbewertung, auf dieses Thema wird in Kapitel 7.2.3 näher eingegangen, zum anderem die Shopbewertung und die Lieferbarkeitsanzeige.
Die Shopbewertungen sind von Kunden des Shops generierte Bewertungen. Hier schreiben die Kunden, was sie für Erfahrungen mit dem Shop gemacht haben, zum Beispiel in Bezug auf die Lieferbarkeit von Ware, Erfahrungen mit Umgang von Garantiefällen oder ob Lieferzeiten der Ware eingehalten wurden. Diese Shopbewertungen werden häufig mit Sternen dargestellt.
Diese Shopbewertungen bieten alle untersuchten Preissuchmaschinen in ihrer Ergebnisliste an, außer Guenstiger.de.
Weiter wird der Nutzer durch die Anzeige der Lieferbarkeit beziehungsweise durch die Anzeige der vorraussichtlichen Lieferzeit in der Shopauswahl beeinflusst. Die Anzeige geschieht meist im Ampelformat, nur Shopping.com und Kelkoo.de hatten den Hinweis auf die Lieferzeit in Textform. Preisvergleich. de hatte als einziger keine Information zur Lieferzeit angezeigt.
Beide Faktoren Lieferbarkeit und Shopbewertung beeinflussen den Nutzer der Preissuchmaschine bei seiner Shopwahl.
Zusammenfassend sagt dieses Kapitel aus, dass die größten Beeinflussungen der Nutzer in ihrer Kaufentscheidung hinsichtlich des Online-Händlers und des Produktes besteht.
Zusätzlich bieten die meisten Preissuchmaschinen benutzergenerierte Händlerbewertungen an, die der Nutzer mit in seine Händlerwahl einbeziehen kann. Weiter bieten die meisten Preissuchmaschinen benutzergenerierte Produktbewertungen, die den Nutzer in der Produktauswahl beeinflussen können.
Eine Beeinflussung der Händlerwahl besteht auch darin, dass die Preissuchmaschinenbetreiber unterschiedliche Händler unter Vertrag haben. Um einen erweiterten Marktüberblick zu bekommen, müssen Nutzer mehrere Preissuchmaschinen verwenden.
Es gibt aber auch noch weitere Beeinflussungen des Nutzers von Preissuchmaschinen, so zum Beispiel sind nicht bei allen Preissuchmaschinen die Versandkosten klar aufgelistet. Bei den Versandkosten gibt es eine weite Bandbreite, so dass der Preissuchmaschinennutzer in der Art beeinflusst wird, dass er nicht den Händler auswählt, der tatsächlich das günstigste Angebot hat.
7.2.3 Anwender generierte Produktbewertung
Wie schon im Punkt „Statistische Erhebung zur Nutzung von Suchmaschinen durch Onlinekäufer“ beschrieben, nutzen 79 Prozent aller Internetnutzer Suchmaschinen, um Kaufentscheidungen vorzubereiten.
[70]
Ein wichtiger Punkt für die Kaufentscheidung sind unter anderem auch die durch andere Nutzer generierte Produktbewertungen. Mit "nutzergenerierte Produktbewertungen" ist gemeint, dass Nutzer ihre Erfahrungen mit einem Produkt im Internet veröffentlichen. Viele Preissuchmaschinen bieten deren Nutzer die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit Produkten zu veröffentlichen. Von den in Punkt 7.2.2 "Preissuchmaschinen" untersuchten Preissuchmaschinen bot nur eine, getprice.de, den Nutzern nicht die Möglichkeit, Produktbewertungen abzugeben. Die Betreiber von Shopping.com zahlen Nutzern sogar fünf Euro, wenn sie zehn Produktbeurteilungen abgegeben haben. Die nutzergenerierten Produktbewertungen werden von dem Großteil der Internetnutzer, genauer von 88 Prozent der Internetnutzer, genutzt, um sich zumindest gelegentlich über Produkte zu informieren. Fast die Hälfte, genauer 46 Prozent aller Internetnutzern, sind der Auffassung, dass nutzergenerierte Produktbewertungen informativer sind, als Produktinformationen aus anderen Informationsquellen.
Aber nicht nur das, 41 Prozent aller Internetnutzer halten die von Anwendern geschriebenen Produktbewertungen für glaubwürdiger als Produktbewertungen aus anderen Informationsquellen. Nutzergenerierte Produktbewertungen beeinflussen die Kaufentscheidung, 54,8 Prozent aller Internetnutzer wurden durch die nutzergenerierten Produktbewertungen schon von einem Kauf abgehalten und bei 48,9 Prozent aller Internetnutzer haben sie zu einem Kauf geführt.
[71]
Zusammenfassend liegt die größte Beeinflussung des Nutzers in diesem Kapitel darin, dass er durch Suchmaschinen Produktbewertungen anderer Internetnutzer finden kann, die ihn dann von einem Kauf abhalten, oder zu einem Kauf bewegen.
7.2.4 Search Engine Optimization
Wie schon in Tabelle „Beachtung der Suchergebnisse nach Rang“ aufgezeigt, werden nur die ersten drei Ergebnisränge von 100 Prozent der Anwender betrachtet. Dieses wurde mit Hilfe einer "Eye Tracking"-Studie festgestellt. Beim "Eye Tracking" wird beobachtet, wohin die Augen des Testprobanten auf dem Bildchirm, auf dem eine Ergebnisliste der Suchmaschine Google zu sehen war, wanderten. Die Ergebnisse der "Eye Tracking"-Studie sind in Abbildung 4 zu sehen. [72]
Wie deutlich auf der Abbildung 4 zu sehen ist, beachten die Augen aller Testprobanten besonders die obere linke Ecke des Bildschirmes. Dieser Bildschirmbereich wird wegen seiner Form auch das "Goldene Dreieck" genannt.[73]
Da die Haupaufmerksamkeit der Suchmaschinennutzer sich haupsächlich auf die ersten Suchergebnisse der Ergebnisliste konzentriert, wird beim Search Engine Optimizating versucht, die eigene Website so den Ranking-Kriterien der Suchmaschinen (Siehe Tabelle: Kriterien für das Ranking einer Seite) anzupassen, so dass die eigene Website einen möglichst guten Ranking-Platz bekommt.
[74]
Durch ein gutes Ranking wird der Nutzer insofern beeinflusst, als das er suggeriert bekommt, dass ein erstplaziertes Unternehmen zu den führenden der jeweiligen Branche gehört. Diese Auffassung haben 36 Prozent der Suchmaschinennutzer.
[75]
Um ein gutes Ranking zu erzielen, bauen einige Anbieter ihre Internet-Seite so auf, dass zum Beispiel versteckte Schlüsselwörter auf ihren Seiten integriert werden. [76] Diese Art der Manipulation des Rankings wird auch als Cloaking bezeichnet.[77]
Ein anderes Beispiel für Manipulationen sind Linkfarmen. Das sind Internetseiten, auf denen kein für den Nutzer relevanter Inhalt steht, sondern einfach nur eine große Anzahl von Schlüsselwörtern und eine hohe Anzahl von Links auf die eigentliche Internetseite des Anbieters, der seine Seite im Ranking oben plazieren will.[78]
Manupulationen des Rankings durch Cloaking und die Linkfarmen werden allgemein als Spam bezeichnet und von den Suchmaschinenbetreibern nicht geduldet. Wenn einem Anbieter Spaming nachgewiesen werden kann, so wird er aus dem Index der Suchmaschine entfernt. Ein bekanntes Beispiel hier in Deutschland war die BMW AG. Einige Seiten von BMW wurden aus dem Index von Google gestrichen, nachdem Unregelmäßigkeiten, die als Spam vom Suchmaschinenbetreiber gewertet wurden, auf der Internetseiten von der BMW AG festgestellt wurden.
[79]
Zusammenfassend liegt die größte Beeinflussung des Nutzers in diesem Kapitel darin, dass Internetbetreiber ihre Internetseiten so aufbereiten, dass sie hoch im Ranking der Suchmaschinen stehen, und so den Suchmaschinennutzer auf ihre Internetseite lotsen. Diese Internetseiten haben häufig mit dem Thema, das vom Nutzer eigentlich gesucht wird, nichts zu tun und sind häufig unseriös.[80]
8 Fazit und Handlungsempfehlungen
Wie in dieser Fallstudie aufgezeigt, gibt es viele unterschiedliche Beeinflussungen der
Anwender durch Suchmaschinen. Wie dargestellt wurde, sind die
Ergebnislisten der Suchmaschinen nicht objektiv, d. h. die Ergebnisse sind
durch die Suchmaschine schon nach deren eigenen Rankingkriterien
geordnet. Diese Kriterien sind für den Nutzer nicht unbedingt
nachvollziehbar, häufig stimmen die Ergebnisse nicht mit dem überein,
was eigentlich gesucht wurde oder die Auswahl an angebotenen Ergebnissen ist nach den Kriterien der Suchmaschine beschränkt.
Eine Beeinflussung entsteht dadurch, dass die Anwender zu wenig
Suchwörter benutzen und diese nicht logisch miteinander verknüpfen. Deshalb ist es empfehlenswert, eine komplexere Suchanfrage zu machen. Für
gute Suchergebnisse ist es ebenfalls empfehlenswert, Fachbegriffe zu
verwenden. Generell aber gilt, dass man sich nicht nur auf die Suchergebnisse
einer Suchmaschine verlassen sollte.
Bei Webkatalogen liegt die Beeinflussung der Nutzer zum einen darin,
dass einzelne Redakteure bestimmen, was in den Index aufgenommen wird
und zum anderen darin, dass die Webkatalogsuchmaschinen einen kleineren
Index haben. Eine gute Alternative zu Volltextsuchmaschinen sind
Webkatalogessuchmaschinen trozdem, denn die Inhalte der Index-Datenbanken
von Webkatalogsuchmaschinen haben meist eine höhere Qualität, so dass
der Nutzer oft bessere Ergebnisse bekommt.
Eine sehr störende Beeinflussung der Nutzer gerade bei
Volltextsuchmaschinen ist das Spaming. Das heißt, dass das Ranking der
Suchmaschinen von außen manipuliert wird, indem Internetseiten auf die
Ranking-Kriterien der Suchmaschine abgestimmt werden. Diese so auf hohe
Rankingplätze gebrachten Seiten sind teils von zweifelhaftem Inhalt und
haben häufig nichts mit der eigentlichen Suche zu tun.
Eine weitere Beeinflussung der Nutzer ist die Möglichkeit, Plätze
über den eigentlichen Rankingergebnissen der Ergebnisliste zu „kaufen“.
Diese bezahlte Plazierung sollte deutlich als Anzeige gekennzeichnet
sein, und von der Ergebnisliste getrennt sein.
Problematisch ist die Beeinflussung durch die Vermischung von
Public-Relations, Propaganda und journalistische Nachrichten bei
Nachrichtensuchmaschinen. Diese den Nutzern beeinflussende beabsichtigte Vermischung von journalistischen mit nicht-journalistischen Inhalten bei Suchergebnissen verstößt im übrigen gegen die
publizistischen Grundsätze des deutschen Presserates [81].
Hier sollten die Betreiber der Nachrichtensuchmaschinen ihre Quellen
sorgfältiger auswählen und nur wirkliche Nachrichtenportale in den
Index aufnehmen.
In den publizistischen Grundsätze des deutschen Presserates ist auch
geregelt, dass Redakteure sorgfältig recherchieren sollen[82] . Hier ist die Tendenz bei den
Redakteuren zu beobachten, dass sich ihre journalistische Arbeit überwiegend auf die Weiterverarbeitung von durch Suchmaschinen bereitgestellter Informationen beschränkt und darüber hinaus oft nur
eine Suchmaschinen genutzt wird, meist
Google.
So liegt auch hier eine Beeinflussung der Anwender
vor. Journalistische Arbeit sollte sich nicht nur, meist aus nur einer Quelle generiert, auf die Auswahl von
Informationen beschränken, sondern sollte neue Tatsachen hervorbringen.
Eine weitere Beeinflussung des Nutzers im journalistischen Bereich ist, dass
sich sehr stark bei der Themenfindung auf die gerade am häufigsten
verwendeten Suchbegriffe beschränkt wird. Hier ist die journalistische
Vielfalt in Gefahr, wo bleibt der Aufklärungs-Journalismus?
Durchaus positiv kann man aber die Beeinflussung der Anwender bei
der Produktsuche mit Preissuchmaschinen sehen. Preissuchmaschinen
gewährleisten einen leichten Vergleich der Konditionen der verschiedenen
Anbieter. Wobei auch hier gilt, will man einen umfassenden
Marktüberblick, sollte man die Suche nicht nur auf eine
Preissuchmaschine beschränken. Aufpassen muss man bei den Versandkosten,
die werden beim Ranking nach Preis nicht von allen Suchmaschinen
einbezogen; teils sind die Versandkosten auch nicht klar ausgezeichnet.
Als positive Beeinflussung sind die Benutzerbewertungen von Produkten
und den Händlern zu sehen , die viele Preissuchmaschinen anbieten.
Letztendlich sollte dem Suchmaschinennutzer bewußt sein, dass es eine Vielfalt von Beeinflussungen bei der Nutzung von Suchmaschinen gibt, und dass er immer kritisch den Suchergebnissen von Suchmaschinen gegenüber stehen sollte. Eine Faustregel sollte sein, dass der Anwender sich mindestens einer weiteren Informationsquelle bedient.
9 Fußnoten
- ↑ Vgl. Siefken (2008), S. 13 f.
- ↑ Vgl. o.V. wikipedia.org
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- ↑ Vgl. Fernges (2007), S. 13
- ↑ Vgl. Bischopinick, Ceyp (2007), S. 36
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- ↑ Vgl. Pepels (2004) S. 227
- ↑ Vgl. Siefken (2008), S. 21
- ↑ Vgl. Koch (2007), S. 23
- ↑ Vgl. Pepels (2004), S. 227
- ↑ Vgl. Pepels (2004), S. 227
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- ↑ Vgl. Pepels (2004), S. 227
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- ↑ Vgl. Machill, Welp (2003), S. 78
- ↑ Vgl. Machill, Welp (2003), S. 79
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- ↑ Vgl. o.V. Deutschen Presserat (1973)
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