Betrachtung von PowerLAN unter sicherheitstechnischen Aspekten

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Name des Autors / der Autoren: Sven Peters
Titel der Arbeit: "Betrachtung von PowerLAN unter sicherheitstechnischen Aspekten"
Hochschule und Studienort: FOM Duesseldorf


Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung

Entnommen aus:tomsnetworkingAbbildung1: Homenetworking Markt 2005
Entnommen aus:tomsnetworking
Abbildung1: Homenetworking Markt 2005

Gerade der Multimediabereich mit "video on Demand" oder auch IP-TV, sorgte in den vergangenen Jahren dafür, dass heutzutage in vielen Haushalten kleine Heimnetzwerke aufgebaut werden. (Vgl. Abb. 1) "Die meisten Industrie-Analysten aber stimmen darin überein, dass das Hauptunterscheidungsmerkmal für neue Unterhaltungselektronikgeräte in den kommenden Jahren ihre Vernetzbarkeit ist. Paul Jackson von Forrester Research postuliert: "Das Digitale Zuhause – eine einzige Netzwerkumgebung, mit der ein Haushalt Unterhaltungselektronik und andere Geräte mit anderen teilen und steuern kann – wird die Anwender von technologischen Zwängen befreien." [1] Dies weist zum Einen auf die steigende Vernetzung hin, zum Anderen steigt durch HDTV-Standards aber zusätzlich auch der Bedarf an Bandbreite, die im Heimnetz verfügbar sein muss, um z.B. die Bild- und Tonsignale konsumentengerecht zum Fernseher zu transportieren. Häuser und Wohnungen werden somit zum "Digital Home", indem Geräte munter elektronisch miteinander kommunizieren. Dabei stellt sich die Frage, wie sie miteinander kommunizieren und vor allem worüber. Auch stellt sich die Frage, ob die Kommunikation sicher ist. Denn es werden ja nicht nur Videosignale über den Äther geschickt, sondern auch eventuell personenbezogene Daten, z.B. Homebanking aus dem Wohnzimmer etc. Neben der gängigen LAN- und WLAN-Technik gibt es auch die elegante, wenn auch weniger verbreitete Möglichkeit, Daten über die vorhandene Stromleitung zu transportieren. Hiermit beschäftigt sich diese Seminararbeit. Zum Einen soll die Technik dieser Methode betrachtet, zum Anderen soll aber auch die Frage nach der Sicherheit dieser Technik betrachtet werden.

2 Grundlagen

2.1 PowerLan

Entnommen aus:homeplugAbbildung2: Bsp. PowerLAN
Entnommen aus:homeplug
Abbildung2: Bsp. PowerLAN

Der Begriff PowerLAN (PL) bezeichnet eine Technik, bei der vorhandene Stromleitungen zum Aufbau eines Netzwerks zur Datenübertragung genutzt werden. Weitere gängige Bezeichnungen hierfür sind z.B. dLan, oder aber auch Powerline Communication (PLC). Ziel hierbei ist es, die bei gängiger Netwerkinfrastruktur vorhandene Verkabelung einzusparen und die in den meisten Fällen bereits vorhandenen Stromleitungen mitzunutzen. Dies geschieht durch Anbringung von mindestens zwei entsprechenden PL-Adaptern an Steckdosen in einem Stromkreis, wobei jeweils ein Adapter als Quelle, der Andere als Senke dient. Der Sender moduliert ein Datensignal im Hochfrequenzbereich auf die Stromleitung, welches von der Senke demoduliert wird. Der für die Datenübertragung genutze Frequenzbereich liegt, hersteller- und standardabhängig, zwischen 2-30 Mhz.

Erst Ende des Jahres 2010 hat das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) als internationale technische Standardisierungsstelle mit dem IEEE 1901 einen globalen Standard zur Datenübertragung über Stromleitungen definiert."Der neue Standard ermöglicht eine noch leistungsfähigere Datenkommunikation über Stromleitungen und sorgt als neuer Hochgeschwindigkeits-Standard für schnelleren Datenaustausch innerhalb von Häusern oder Wohnungen. Dabei ermöglichen künftige IEEE-1901-Produkte theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 500 MBit/s. Mit dieser Datenrate können zum Beispiel vier hochauflösende HDTV-Videos parallel innerhalb der eigenen vier Wände übertragen werden".[2]Vor dem IEEE 1901 Standard gab es nur herstellergetriebene Standards. Hierzu zählen die von der Homeplug Alliance definierten Homeplug Standards, aber auch PLC-HD (DS2), und HD-PLC (Panasonic). Sie beschreiben Bandbreiten von 14 (homeplug 1.0) bis 200 MBit/s (homeplug AV, PLC-HD und HD PLC). Es gab somit 3 Herstellerfraktionen, die an unterschiedlichen Standards arbeiteten, die Universal Powerline Assocoiation - kurz UPA, die Consumer Electronics Powerline Communication Alliance - CEPCA und die bereits genannte HomePlug Powerline Alliance.[3]

Natürlich sind diese 3 Standards zu einander inkompatibel. In einer Stichprobe bei zwei deutschen online-Händlern konnten allerdings nur Geräte mit Homeplug Standard gefunden werden. Da die meisten auf dem deutschen Markt verfügbaren Geräte damit arbeiten, konzentriert sich diese Seminararbeit auch auf diese. Es wurde nur ein Gerät mit IEEE 1901 Standard gefunden.

Als Modulationsverfahren kommt hier das orthogonale Frequenzmultiplexverfahren (OFDM) zum Einsatz, bei dem die Datenübertragung in 3 Schritten stattfindet:

  • Aufteilung des Frequenzbandes in Kanäle (Vgl. Abb.3)
  • Dekodierung der Daten in den einzelnen Frequenzen
  • Zusammenbauen der Datenpakete
Entnommen aus:DevoloAbbildung3: Bsp. Frequenzaufteilung
Entnommen aus:Devolo
Abbildung3: Bsp. Frequenzaufteilung

Zunächst werden die Trägerfrequenzen festgelegt, die für die Signalübertragung verwendet werden sollen. Das ist bei HomePlug 1.0 der Bereich von 4,3 MHz bis 20,9 MHz in Schritten von jeweils 200 kHz. Das ergibt insgesamt 84 Frequenzen, mit denen die Daten übertragen werden können. Für HomePlug AV werden 1536 Kanäle im Frequenzbandvon 2 bis 28 MHz verwendet.[4] Die Daten werden anschließend kodiert und auf der Empfängerseite wieder zusammengebaut.

Als Verschlüsselungsverfahren werden DESpro (HomePlug 1.x) und AES 128 (HomeplugAV) eingesetzt.

Nicht zu verwechseln ist der Bereich des Homenetworking über Stromkabel (dLAN) mit Bestrebungen, den Internetzugang über die Stromversorgungsleitungen zu realisieren (Access Power Line). Access Power Line sollte als konkurrierendes Verfahren zu ADSL o. ä. die Daten vom Internetanbieter über größere Entfernungen ins Haus übertragen. Beide Techniken werden zwar manchmal fälschlicherweise unter dem Begriff "Powerline Communication" (PLC) zusammengefasst, sind aber zu differenzieren. Access Power Line wird in dieser Arbeit nicht betrachtet. Die hier beschriebenen Standards und Techniken sind nur für den Heimbereich gültig.

2.2 Grundwerte der Informationssicherheit

Heutzutage ist ein Leben ohhne Informations- und Kommunikationstechnik kaum mehr vorstellbar. Der Schutz von IT-Landschaften wird somit immer wichtiger. Gerade Themen wie Onlinebanking oder Onlinebezahlverfahren
vereinfachen das Leben, bergen aber auch Risiken. Bei der Informationssicherheit unterscheidet man 3 Grundbegriffe[5]:

  • Vertraulichkeit: Vertrauliche Informationen müssen vor unbefugter Preisgabegeschützt werden.
  • Verfügbarkeit: Dem Benutzer stehen Dienstleistungen, Funktionen eines IT-Systems oder auch Informationen zum geforderten Zeitpunkt zur Verfügung.
  • Integrität: Die Daten sind vollständig und unverändert.

"Der Begriff "Information" wird in der Informationstechnik für "Daten" verwendet, denen je nach Zusammenhang bestimmte Attribute wie z.B. Autor oder Zeitpunkt der Erstellung zugeordnet werden können.
Der Verlust der Integrität von Informationen kann daher bedeuten, dass diese unerlaubt verändert wurden oder Angaben zum Autor verfälscht wurden oder der Zeitpunkt der Erstellung manipuliert wurde."[6]

"Belange des Verbraucherschutzes werden in verschiedenen Gesetzen behandelt. Die Verwendung von Informationstechnik, die Nutzung des Internets oder von Telekommunikationsdiensten werden zum Teil sehr genau geregelt. Einschlägig sind z.B.: Gesetz zur Nutzung von Telediensten, Telekommunika-tionsgesetz, Mediendienste-Staatsvertrag, Urheberrecht sowie verschiedene Richtlinien auf EU-Ebene."[7]Auf Bundesebene versucht das Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) dem Verbraucher sowie privaten und öffentlichen Institutionen mit ensprechenden Leitfäden zum Umgang mit Informationstechnologie bereitzustellen. Hier werden Handlungsempfehlungen entwickelt, Verbraucherinformationen bereitgestellt sowie Zertifizierungen nach BSI-Standard durchgeführt. "Eines der wichtigsten Ziele des IT-Grundschutzes ist es, den Aufwand im Informationssicherheitsprozess zu reduzieren, indem bekannte Vorgehenswei-sen zur Verbesserung der Informationssicherheit gebündelt und zur Wiederver-wendung angeboten werden. So enthalten die IT-Grundschutz-Kataloge Stan-dard-Gefährdungen und -Sicherheitsmaßnahmen für typische IT-Systeme, die nach Bedarf im Unternehmen eingesetzt werden können. Hier finden sich praxiserprobte Standardsicherheitsmaßnahmen für typische IT-Systeme, die nach dem aktuellen Stand der Technik umzusetzen sind, um ein angemessenes Sicherheitsniveau zu erreichen. Dabei werden die Bereiche Infrastruktur, Organisation, Personal, Technik und Notfallvorsorge berücksichtigt und so eine ganzheitliche Vorgehensweise unterstützt."[8]

2.3 Einsatzszenarien

PL-Adapter dienen dem Aufbau eines kleinen Heim- oder Büronetzwerkes über haus- oder firmeninterne Stromleitungen. Auf diese Weise können zwischen zwei oder mehreren Computern oder auch anderen Netzwerkgeräten, wie z.B Multimediaplayern, Spielekonsolen, etc. Daten ausgetauscht werden. Für die Vernetzung mit der PL-Technologie gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten und Varianten. PL-Technologie kommt sinnvollerweise dort zum Einsatz, wo aus aus baulicher Sicht keine andere Technologie in Frage kommt, z.B. durch Denkmalschutz, Stahlbetonwände, etc. Mögliche Einsatsszenarien sind:
Entnommen aus:DevoloAbbildung4: Beispiel Hotelvernetzung
Entnommen aus:Devolo
Abbildung4: Beispiel Hotelvernetzung
  • Internetzugang: Weil der Anschluss sich meistens physikalisch nicht dort befindet, wo sich z.B. der Rechner befindet, am Rechner aber meistens eine Steckdose verfügbar ist
  • kleines Heim- oder Firmennetzwerk : Hier benötigt man keine separate Netzwerkinfrastrukturverkabelung (Vgl. Abb.3)
  • Spielekonsolen im Netzwerk: Priorisierung von Audio und Videodaten durch Quality of Service (QoS)
  • IP-Telefonie: Geringerer Einfluß der baulichen Gegebenheiten und Hürden
  • Fernsehen über das Netzwerk: Priorisierung von Audio und Videodaten durch Quality of Service (QoS)

So können, ohne Kabel zu verlegen, an jeder Steckdose im Gebäude Daten-, Audio- und Video-signale ausgetauscht, gesendet oder empfangen werden, natürlich auch ohne Computer. Grundsätzlich werden mindestens 2 Adapter benötigt, die aber durchaus mit anderer Netzwerktechnik wie z.B. WLAN kombiniert werden können.

3 Risikopotenzial des PowerLan

Die PL-Technik wird sehr kritisch hinsichtlich der abgestrahlten Leistungen und der Störsignale betrachtet, zudem liegt der eingesetzte Frequenzbereich im Kurzwellenfunkbereich. Wenn es um Sicherheit geht, sollte deshalb vor allem die Beeinträchtigung der Gesundheit und anderer technischer Prozesse, die im Folgenden betrachtet werden.

3.1 Abstrahlung

Es gibt Menschen, die der PLC-Technologie in Sachen Abstrahlung sehr kritisch gegenüberstehen, wobei hier meistens nicht zwischen PLC und Powerline Access differenziert wird, was für eine zusätzliche Verwirrung des Endverbrauchers wirkt. Als Beispiel hierzu sei hier der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club e. V.) genannt, der u.A. dazu aufruft, FRequenzbänder zu beobachten und Störungen zu melden.[9] Einer Technik kritisch gegenüberzustehen ist sicherlich lobenswert, dies sollte nur halbwegs wissenschaftlichen Charakter haben. Kann man den Herstellerangabe glauben, so liegt die Abstrahlung von Homeplug Adaptern weit unter der von Mobiltelefonen.(Vgl. Abb.5) Auch ist die Signalreichweite auf 200 Meter begrenzt, was zu einer Abschwächung des benötigten Signals beiträgt.

Entnommen aus:DevoloAbbildung5: Abstrahlung
Entnommen aus:Devolo
Abbildung5: Abstrahlung

Geräte mit Homeplug-Standard versuchen, im Sendebereich die Amateurfunkbänder jeweils mit einer Dämpfung von 30 dB auszublenden. "Es bleibt die Frage ob diese Dämpfung ausreicht, um den Amateurfunk hinreichend zu schützen, und wie stark die verursachten Störungen in den Rundfunkbereichen sind."[10]Dies muss sicherlich im Einzelfall betrachtet werden, denn zum Einen sind die Elektroinstallationen von Haus zu Haus unterschiedlich, zum Anderen ist natürlich auch die Anzahl der eingesetzten Adapter entscheidend. Die Natostudie "HF Interference, Procedures and Tools"[11] weist auch auf mögliche negative Einflüsse bei steigender Nutzung der HomePlug-Technologie hin.Sie beschreibt auch die generelle Wirkung von Stromleitungen als Antennen. Bei der genannten HomePlug-Technologie wird hier das verschlüsselte und modulierte Signal abgestrahlt, was bei "Lauschangriffen" bzw. dem Abhören der Leitungen nicht den gewünschten Effekt hätte, dass Datenpakete einfach mitgeschnitten werden könnten.Im dLAN-Chip wird das Signal sowohl verschlüsselt als auch direkt moduliert, so dass sich der Angreifer nur zu den modulierten Daten Zugang verschaffen könnten, mit denen er allerdings nichts anfangen kann, da er keine Möglichkeit zur Rückmodulierung besitzt. Der Einfluß von Funkfrequenzen auf die Datenübertragung ist als gering einzuschätzen.[12]

3.2 Faktor Mensch

Im Mittelpunkt all der erwähnten Technik steht der Mensch, als Nutzer. Es stellt sich somit die Frage nach gesundheitlichen Aspekten der PL-Technologie. Allein die Betrachtung der Abb. 5 zeigt, dass die Abstrahlung geringer ist, als z.B. bei Mobiltelefonen. Der Einfluß von Funktechnik auf den Menschen wird in SAR (Spezifische Absorptionsrate; Einheit: W/ kg)angegeben. Sie ist eine physikalische Größe und ein Maß für die Absorption von elektromagnetischen Feldern in biologischem Gewebe, welche zu dessen Erwärmung führt und somit zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung.[13] Sie ist sowohl stark von der Frequenz, als auch aufgrund von Resonanzeffekten von der Größe des absorbierenden Körpers abhängig. "HomePlug erzeugt in 1 cm Abstand eine elektrische Feldstärke von 0,01 V/m und entspricht somit einer Leistungsflussdichte von 0,26 μW/m². Eine DECTStation (schnurloses Heimtelefon) erzeugt selbst in 1,5 m Abstand noch eine Leistungsflussdichte von 17500 μW/m², liegt also um ein 67000faches über dem Wert der HomePlug-Technologie."[14]

Die Gesundheit steht natürlich im Vordergrund, der Mensch hat aber auch generell Einfluß auf alle sicherheitstehnischen Aspekte. Hierzu zählen:

  • der physikalische Zugriffschutz
  • Umgang mit sicherheitsrelevanten Informationen
  • Bewusstes Handeln im Umgang mit Informationstechnologie
  • Datenschutz

3.3 Einflussfaktoren der generellen Netzwerksicherheit

Bei der Betrachtung von Sicherheit in PL-Netzwerken sollten generell die gleichen Kriterien wie bei der herkömmlichen LAN- und WLAN-Technolonie angewandt werden, da PL in den meisten Szenarien als Brückentechnik eingesetzt wird. Die PL-Sicherheit stellt somit immer nur einen Teil der Gesamtsicherheit des Netzwerkes dar, jedoch bietet diese Technologie z.B. bei den HomePlug-Varianten grundsätzlich eine Verschlüsselung, so dass sich der Betreiber dieser Netzwerke auf die Schwachstellen konzentrieren sollte, wie z.B. die angeschlossenen Endgeräte, weitere Netwerkkomponenten wie managebare Switches und Modems aber auch den physikalischen Zugriffsschutz im Gebäude.

3.4 Vergleich mit Alternativen

Das Abhörrisiko ist bei der Powerline-Technologie prinzipbedingt deutlich geringer als bei einer unverschlüsselten Funkübertragung oder beim Einsatz herkömmlicher Ethernettechnologie. Dennoch sollten die Möglichkeiten der verbesserten 128-Bit-AES-Verschlüsselung des HomePlugAV-Standards auf jeden Fall ausgereizt werden. Die integrierte Dienstgüte sorgt zudem für Zuverlässigkeit und Integrität.(Vgl. Abb.6)

Bild:Vergleich2.png
Abbildung6: Vergleich mit Alternativen

4 Schutzmechanismen

PL bietet, wie bereits erwähnt, verschiedene Schutzmechanismen. Diese sollen die Integrität, Unversehrtheit der Daten und Schutz vor Manipulation sowie Vertraulichkeit gewährleisten. Anders gesagt, müssen die Grundwerte der Informationssicherheit eingehalten werden. Im Folgenden werden diese betrachtet.

4.1 Authentifizierung

In einem PL- Netzwerk wird den einzelnen Geräten über eine Managementsoftware ein Kennwot zugewiesen, was die Geräte innerhalb der Infrastruktur authentifiziert. Dies ist vergleichbar mit der SSID bei der WLAN-Technologie. Die Kennwörter sollten natürlich bei Installation geändert und nicht das Standardkennwort des Herstellers verwendet werden. Somit kann sichergestellt werden, dass hier kein Dritter mitlauscht. Die Geräte verfügen Zusätzlich über eine interne ID, wodurch sie eindeutig zuordbar sind.

4.2 Verschlüsselung

Geräte mit HomePlug Standard nutzen standardmäßig eine Verschlüsselung, welches diese Technologie grundsätzlich von anderen z.B. der herkömmlichen LAN Technologie unterscheidet.

Bei Homeplug 1.x wird eine DESpro Verschlüsselung eingesetzt, eine Variante des bekannten DES-Verfahrens (Data Encryption Standard), welches von IBM entwickelt wurde.[15] Bei der DESpro-Verschlüsselung handelt es sich um ein symmetrisches Verschlüsselungsverfahren. Für die Vorgänge der Verschlüsselung der Daten beim Sender und der Entschlüsselung beim Empfänger wird also der gleiche Schlüssel verwendet, der beiden Seiten bekannt ist. Als Schlüssel wird das verwendete Kennwort genutz, was dessen Bedeutung hervorhebt und daher als kritischer Sicherheitsfaktor einzustufen ist.

Bei HomePlugAV wird mit dem "Advanced Encryption Standard" (AES) mit einer Schlüssellänge von 128 Bit ein anderes Verfahren eingesetzt. Durch eine Schlüssellänge von 128 Bit und zusätzlich dynamischer Änderung der Schlüssel handelt es sich hierbei um ein komplexeres Verschlüsselungsverfahren. Dieses Verfahren kommt auch beim Internet-Sicherheitsstandard IPsec (secure Internet Protocol), bei TLS (Transport Security Layer) und bei der WLAN-Technologie im Standard IEEE 802.11i zum Einsatz.[16]

4.3 physikalischer Zugriffsschutz

Der Physikalishen Zugriffschutz hat bei der PL-Technologie eine besondere Bedeutung, da die eingesetzten Adapter meist in Gebäuden offen zugänglich sind. Es gilt hier die eingesetzten Infrastrukturkomponenten vor Manipulation und Beschädigung zu schützen. Eine Manipulation würde die gesamte Sicherheit der vorhandenen Infrastruktur gefährden, wenn nicht sogar aufheben. Gleiches gilt natürlich für den Zugriff auf die verwendeten Passwörter und weitere Komponenten wie z.B. die angeschlossenen Peripheriegeräte.

4.4 Sicherheitsrichtlinien

Zum Schutz vor Manipulation und Mißbrauch sollten sich Nutzer der PL-Technologie Gedanken über Sicherheitsrichtlinien machen. Dies vor allem, wenn die Technologie in Klassenräumen oder Firmen eingesetzt wird. Generell ist diese Technologie beim Einsatz in Firmen in vorhandene Sicherheitsrichtlinien zu integrieren und daraufhin von den Verantwortlichen neu zu prüfen.

5 Vor- und Nachteile von PowerLan

Aufgrund der Dienstgüte und der standardmäßig eingesetzten Verschlüsselung braucht sich die Technologie nicht hinter Alternativen verstecken. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber den herkömmlichen Technologien liegt in der Kostenreduzierung, die entsteht, wenn durch bauliche Bedingungen kein WLan zum Einsatz kommen kann. Durch die Verwendung des vorhandenen Stromnetzes entfällt die kostenintensive Verlegung zusätzlicher Netzwerkkabel. Ausschlaggebend ist aber auch die gewünschte Bandbreite. Die genannten Bruttotransferdaten werden in der Regel nicht erreicht werden können. Dies ergibt sich aus der Anzahl der Einflussfaktoren. Einfluss auf die Transferraten haben sowohl die Anzahl der eingesetzten Geräte, die Qualität des vorhandenen Stromnetzes, als auch die Länge des Signalwegs. Zusätzlich erzeugt die Codierung der Nutzdaten weitere Daten, den so gennanten Overhead. Bei einer vom Hersteller genannten Bruttodatenrate von 85 MBit/s resultieren daraus eine Nettotransferrate von 34 MBit/s.[17] Die Dienstgüte unterstützt die Integrität und Zuverlässigkeit der Informationen aus sicherheitstechnische Aspekten.

6 Fazit

PL stellt eine Alternative zu den gängigen, bei der Vernetzung eingesetzten Technologien dar. Der Einsatz sollte im Einzellfall geprüft werden, gerade im Bezug auf Bandbreiten. Aus sicherheitstechnischen Aspekten ist die Technik mit den gängigen Netzwerktechniken vergleichbar. Hervorzuheben ist, dass sich das vorhandene Stromnetz nutzen lässt, die Daten generell verschlüsselt werden und der neue Standard nach IEEE 1901 den Bedarf nach höheren Transferraten und der Dienstgüte befriedigt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Technik am Markt behaupten kann. Die Zukunft scheint vielversprechend.

7 Fußnoten

  1. tomsnetworking.de
  2. teltarif.de
  3. Vgl. tomshardware.de
  4. Vgl. Devolo
  5. Vgl. BSI
  6. BSI
  7. BSI
  8. BSI
  9. DARC
  10. DARC2
  11. NATO
  12. Vgl. DARC2
  13. Vgl. BfS
  14. Devolo
  15. Vgl. Ewald
  16. Vgl. Paar
  17. Vgl. Devolo

8 Literatur und Quellenverzeichnis

BSI BSI : Leitfaden Informationssicherheit, https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Grundschutz/Leitfaden/GS-Leitfaden_pdf.pdf?__blob=publicationFile (24.01.2011, 17:32)
BfS Bundesamt für Strahlenschutz: Biologische Wirkungen infolge von Energieabsorption und Erwärmung, http://www.bfs.de/de/elektro/hff/wirkungen/Energieabsorption_und_Erwaermung.html (23.01.2011, 17:00)
DARC DARC-Info, Thilo Kootz - http://www.darc.de/geschaeftsstelle/technische-verbandsbetreuung/plc/ (25.01.2011, 16:42)
DARC2 Bericht über Erfahrungen mit 5 verschiedenen Inhaus-PLC-Modems, Thilo Kootz - http://www.darc.de/uploads/media/inhaus.pdf (25.01.2011, 17:42)
Devolo Devolo: DLan Handbuch, 2006, http://www.devolo.de/downloads/data/devolo-dlan-handbuch-de.pdf (24.01.2011, 16:40)
Ewald Gerd Ewald: DES, Triple DES, 14.09.2010, http://www.regenechsen.de/phpwcms/index.php?krypto_des (27.01.2011, 18:20)
Tomshardware.de High-speed-powerline-communications Testberichte, Arno Kral, 25.05.06, http://www.tomshardware.de/high-speed-powerline-communications,testberichte-1468-5.html (24.01.2010, 16:46)
tomsnetworking.de Das richtige Heimnetzwerk, Arno Kral , 11.05.2006 http://www.tomsnetworking.de/content/reports/j2006a/report_av_plc/index.html (24.01.2011, 16:42)
NATO TECHNICAL REPORT TR-IST-050 HF Interference, Procedures and Tools , Juli 2007, http://ftp.rta.nato.int/public/PubFullText/RTO/TR/RTO-TR-IST-050/$$TR-IST-050-ALL.pdf (25.01.2011, 17:42)
Paar Christof Paar, Jan Pelzl:"The Advanced Encryption Standard", Kapitel 4 , S.87, Springerverlag, 2009, http://wiki.crypto.rub.de/Buch/download/Understanding-Cryptography-Chapter4.pdf (26.01.2011, 16:32)

9 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
AESAdvanced Encrytion Standard
BSIBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie
CEPCAConsumer Electronics Powerline Alliance
EUEuropäische Union
HDTVHigh Definition Television
IEEEInstitute of Electrical and Electronics Engineers
IPInternet Protokoll
IPsecInternet Protocol Security
ITInformationstechnologie
LANLocal Area Network
NATONorth Atlantic Treaty Organization
PLPowerLAN
PLCPowerline Communication
TLSTransport Layer Security
UPAUniversal Powerline Alliance
W-LANWireless Local Area Network

10 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Homenetworking Market 2005
2Bsp. PowerLAN
3Beispiel Frequenzaufteilung
4Hotelvernetzung
5Abstrahlung
6Vergleich mit Alternativen
Persönliche Werkzeuge