Business Intelligence in einem mittelständischen Unternehmen mit Hilfe von Open Source Tools

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Hochschule und Studienort:FOM - Hochschule für Ökonomie und Management Berlin
Fallstudie I im Rahmen des 2. Semesters zum Bachelor of Science im Studienfach Wirtschaftsinformatik
Titel der Arbeit:Business Intelligence in einem mittelständischen Unternehmen mit Hilfe von Open Source Tools
Betreuer:Professor Dr. Ralf Hötling
Namen der Autoren:
Sascha Weis
André Utke
Stephan Bauer
Daniel Richter

1 Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis


2 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
BIBusiness Intelligence
CRMCustomer Relationship Management
DBDatenbank
DMData Mart
DWHData Warehouse
EDVElektronische Datenverarbeitung
ERPEnterprise Resource Planning
ETLExtract, Transform, Load
HOLAPHybrid Online Analytical Processing
KMUkleine und mittelständische Unternehmen
MISManagement Informations System
MSSManagement Support System
ODBCOpen Database Connectivity
OLAPOnline Analytical Processing
ROLAPRelationales Online Analytical Processing
SQLStructured Query Language
UNUnternehmen
z. Bsp.zum Beispiel
XMLExtensible Markup Language
MDXMultidimensional Expressions
J2EEJava Platform, Enterprise Edition
JSPJavaServer Pages
SMTPSimple Mail Transfer Protocol
DNSDomain Name System
IPInternet Protocol
JNDIJava Naming and Directory Interfac
URLUniform Resource Locator
HTMLHypertext Markup Language

3 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.       Abbildung
1Production Reporting
2Operational Reporting
3Embedded Reporting
4Dashboard I
5Dashboard II
6Häufige Fehler in der Projektrealisierung
7Projektphasen des Vorgehensmodells
8BI-Interpretationen
9Aufbau und Funktionalität der BI Suite Pentaho
10Kettle Spoon
11Schema Workbench
12Pentaho Dashboard Commercial Edition

4 Tabellenverzeichnis

Tab.-Nr.           Quelle
1inhaltliche Darstellung der Fallstudie
2Gründe für die Einführung von BI
3Bedarfsanalyse: Was brauche ich für meine BI-Lösung?
4Ist-Analyse: Was habe ich bereits?
5Übersicht Projektphasen
6Übersicht Disziplinen
7Aktivitäten
8Funktionskatalog
9IST-Zustand
10Entscheidungskriterien

5 Glossar

Abkürzung Bedeutung
OLAP-Cube /OLAP-WürfelEin in der Data-Warehouse-Theorie gebräuchlicher Begriff zur logischen Darstellung von Daten. Die Daten werden dabei als Elemente eines mehrdimensionalen Würfels angeordnet.
Data MiningSystematische Anwendung von Methoden, die meist statistisch-mathematisch begründet sind, auf einen Datenbestand mit dem Ziel der Mustererkennung.

6 Ziel

Ziel dieser Fallstudie ist die Darstellung einer allgemeinen Vorgehensweise bei der Einführung einer Business Intelligence Lösung in einem Unternehmen, die im weiteren Verlauf die Umsetzung eines konkreten Projekts anhand eines fiktiven mittelständischen Unternehmens auf Basis von OpenSource beschreibt. Von der IST-Analyse bis zur Implementierung werden die notwendigen Schritte und Prozesse angesprochen. Das Produkt wird in einem eigenständigen Kapitel innerhalb dieser Fallstudie gewählt und vorgestellt.

Aus Gründen der Transparenz ist sie vereinfacht dargestellt und ist nicht als 'Best-Practice-Lösung' zu interpretieren sondern zeigt eine mögliche Systemimplementierung. Sie kann als Rahmen, als Richtlinie bzw. Hilfestellung bei anderen ähnlich angelegten Projekten dienen. In der Praxis sind einige Prozesse (z. Bsp. das Bilden einer Projektgruppe) und Inhalte (z. Bsp. Lösungskonzepte) komplexer. Sie werden zu Gunsten der Übersichtlichkeit nicht bis ins Detail beschrieben.

allgemein wird dargestellt
welche Ausgangssituationen den Einsatz von Business Intelligence präferieren
warum Business Intelligence gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant sein kann
welche Lizenzmodelle für Business Intelligence auf dem Markt angeboten werden
wie aus historisch gewachsenen Strukturen schrittweise eine einheitliche Plattform und Datenbasis für ein unternehmensweites Reporting geschaffen werden kann
wie nutzbare Daten aus diversen und unbestimmten EDV-Systemen für Analysen und Reportings in einem zentralen Data Warehouse konsolidiert und in dezentralen Data Marts bereitgestellt werden können
welche Rolle Data Warehouses und Data Marts in Verbindung mit Business Intelligence -Tools / -Suiten übernehmen
wie mit Hilfe von Business Intelligence -Tools / -Suiten operative und strategische Entscheidungen getroffen werden können


Einer allgemeinen Darstellung unterschiedlicher, in Unternehmen auftretender Ausgangssituationen, folgt die Problemdarstellung, -analyse und -lösung anhand einer konkreten Situation (Controlling / Kennzahlen / Marketing) eines fiktiven Unternehmens.

Als interessanter Nebenschauplatz werden die Begriffe OpenSource und Business Intelligence erklärt, sowie die Historie und Zukunft von Business Intelligence skizziert. Den Anfängen in den frühen 60er Jahren (Management Informationssysteme) und den Entwicklungen bis in die heutige Zeit, folgt ein kleiner Ausblick auf mögliche Weiterentwicklungen.

Am Ende dieser Fallstudie werden im Schlusswort bzw. Fazit, nach einem Jahr aktiver Nutzung, die erreichten Ergebnisse mit den ursprünglichen Zielen des Unternehmens verglichen.

6.1 Zielgruppe

Diese Fallstudie richtet sich an Unternehmen, die sich mit dem Thema Business Intelligence und Data Warehouse auseinandersetzen, sei es weil sie in beratender Funktion tätig sind oder aus eigenem Antrieb heraus ein Interesse an diesem Themengebiet entwickelt haben.

6.2 Fachliche Anforderungen

Die Herausforderungen für Unternehmen sind vor dem Hintergrund globalisierter Märkte, verkürzter Produktzyklen und hohem internationalem Wettbewerbsdruck in der Vergangenheit stetig gestiegen. Durch den Einfluss des technischen Fortschritts ändern sich gesetzliche und marktseitige Rahmenbedingungen permanent und mit zunehmendem Tempo. Die Menge an Informationen aus einer unüberschaubaren Vielfalt unternehmensinterner und –externer Quellen nimmt ständig zu und übersteigt häufig das effektiv Wahrnehmbare und problemorientierte Nutzbare. Der Mensch ist aufgrund seiner Wahrnehmungsstruktur in seiner Fähigkeit, große Informationsmengen zur Entscheidungsfindung heranzuziehen, beschränkt. Umso wichtiger erscheint es im heutigen Geschäftsleben, dass die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt richtig aufbereitet zur Verfügung steht, um die richtige Entscheidung schnell treffen zu können[1]. Damit steigen die Herausforderungen des Controllings, die sich letztlich darin ausdrücken, dass das Management nach immer detaillierteren Informationen auch für die Gesellschafter, Banken und Investoren verlangt.

Eine wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmenssteuerung stellt eine adäquate Informationsversorgung betrieblicher Entscheidungsträger dar. Nur wenige Unternehmer nutzen das Berichtswesen als Informationsmedium und Steuerungsinstrument. Dabei kann es Aussagen über die unterjährige Geschäftsentwicklung für den Unternehmer komprimiert aufzeigen. Es dient der Früherkennung und liefert Basisdaten für die Unternehmenssteuerung. Finanzielle Kennzahlen sollen erkennen lassen, ob die Strategien des Unternehmens greifen und zu Verbesserungen führen. Zu nennen sind hier Rentabilität, Ergebnis, Finanzkraft, Wachstum und fernere Ziele wie z.B. Kostensenkung.


production reporting (Quelle: http://www.pentaho.com/products/reporting/) operational reporting (Quelle: http://www.pentaho.com/products/reporting/) embedded reporting (Quelle: http://www.pentaho.com/products/reporting/)

Dashboard I (Quelle: http://www.pentaho.com/products/dashboards/) Dashboard II (Quelle: http://www.pentaho.com/products/dashboards/)

Microsoft[2] und Oracle[3] bringen die zunehmende Bedeutung der Informationen und Informationsverarbeitung in ihren Slogans „Informationen sind das Lebenselixier jedes Unternehmens“[4] bzw. „Information drives everything“[5] zum Ausdruck.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden betriebswirtschaftlichen Bedeutung der Information und Informationsversorgung und den schnellen Entwicklungen auf dem Markt der Informationstechnologie stellt sich die Frage, welche betriebswirtschaftlichen Weiterentwicklungen der Berichts- und Kennzahleninstrumentariums und welche neuen Informationstechnologien das Controlling adäquat unterstützen können.

Kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt es oft an einem strukturierten Berichtswesen. Controlling sei nur etwas für Großunternehmen, so die herrschende Meinung. Sie sind durchaus geprägt durch eine gewisse Bequemlichkeit, sich über die Zukunft des Unternehmens Gedanken zu machen und diese Entwicklung auch in Papierform darzustellen. Erst wenn Verluste entstehen, die Kontokorrentlinie ausgelastet ist und die Finanzierungspartner reagieren, sucht der Unternehmer nach Ursachen und Lösungsansätzen.

Gründe für die Einführung von Business Intelligence
Umsatzrückgänge
Gewinnrückgänge
geringe Wachstumsraten
wirtschaftliche Schwierigkeiten
starke Kostensteigerungen
Strukturprobleme
geringe Flexibilität des Unternehmens
Veränderung der Eigentumsverhältnisse
strategische Fragestellungen
Abstimmungs- und Koordinationsprobleme
stärkere Kontrolle über Funktions- und Geschäftsbereiche oder Tochtergesellschaften

7 Das Unternehmen

7.1 Vorstellung

Wir sind ein auf Business Intelligence spezialisiertes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt OpenSource. Seit Jahren begleiten wir vor allem mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung von Business Intelligence Projekten. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Auswahl und Implementierung von IT-gestützten Lösungen.

Durch die Fokussierung auf OpenSource Software können wir direkten Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen, um unserem Kundenstamm eine bestmögliche Lösung bereitzustellen.

8 Vorgehensmodell

Das von uns verwendete Vorgehensmodell ab der Umsetzungsphase wurde von Herrn Prof. Dr. Stephan König an der Fachhochschule Hannover entwickelt und als "Wiki-basiertes Vorgehensmodell für Business Intelligence Projekte" veröffentlicht. Die Inhalte des Vorgehensmodells werden an dieser Stelle nur Auszugsweise wiedergegeben, für weitergehende Informationen empflehe ich Ihnen die Lektüre von "Ein Wiki-basiertes Vorgehensmodell für Business Intelligence Projekte". Ein PDF Dokument ist im Internet abrufbereit, siehe dazu die Quellenangabe.

Sofern Sie Fragen zu dieser Fallstudie bezogen auf das Vorgehensmodell haben, so sprechen Sie die Autoren direkt an und nicht Herrn Prof. Dr. Stephan König, der nicht in dieser Fallstudie involviert ist.

8.1 Anforderungen festlegen

Die Feststellung der Anforderungen ist ein Prozess, der Top-Down – von der Unternehmensführung nach unten in die einzelnen Fachabteilungen – durchlaufen werden sollte[6]. Nur wenn die Umsetzung von Business Intelligence als ein ganzheitlicher Prozess im Unternehmen begriffen wird, kann das Projekt ein Erfolg werden.

Ausschlaggebend für den Beginn der Umsetzung bei der Unternehmensführung bzw. den führenden Fachabteilungen ist die Vermeidung von Insellösungen – was jedoch nicht bedeutet, dass die Fachabteilungen bei der Entscheidungsfindung keine Beachtung finden. Das Gegenteil ist der Fall, es ist von entscheidender Bedeutung, sämtliche Abteilungen, die mit der Business Intelligence Lösung Kontakt haben werden, von Beginn an und über sämtliche Projektphasen hinweg eng in das Projekt mit einzubeziehen[7].

Nehmen Sie als Beispiel zwei typische Abteilungen, die in vielen Unternehmen vorhanden sind: Vertrieb und Rechnungswesen.

Beide Abteilungen werden Anforderungen an Reporting haben, die durch eine Vielzahl an Tools und Verfahren befriedigt werden können. Durch die Abteilungsübergreifende Anforderungsanalyse per Top-Down-Ansatz wird sichergestellt, dass sowohl die Anforderungen der Abteilungen Vertrieb und Rechnungswesen, als auch die Anforderungen sämtlicher anderer Abteilungen berücksichtigt werden. Wenn einzelne Abteilungen den Einstieg in Business Intelligence beschließen, so entwickeln sie weitgehend unabhängig voneinander eigene Tools und Anwendungen, dies führt zu einem bunten Potpourri an Lösungen, bei denen eine Integration in die Unternehmens-IT nur schwer oder gar nicht mehr zu realisieren ist – ebenso wenig wie die Nutzung von gemeinsamen Resourcen (Mitarbeiter) und ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch (Wissensmanagement).

8.2 Häufige Fehler in der Projektrealisierung

Ein gesamtheitlicher Implementierungsansatz von Business Intelligence schon bei der Anforderungsanalyse vermindert das Risiko von kapitalen Fehlern in der Projektrealisierung oder gar einem Scheitern des Projekte. Befragungsergebnisse von Actinium Consulting unterstützen diese Einschätzung dahingehend, dass jeder zweite Anwender rückblickend feststellt, dass unzureichende Anforderungsanalysen zu den größten Fehlern in der Projektrealisierung gehörten. Die Folge ist u.a. eine unzureichende BI-Ausrichtung[8].

Häufige Fehler in der Projektrealisierung (Quelle: Daten von Actinium Consulting Grafik erstellt durch Sascha Weis)
Häufige Fehler in der Projektrealisierung (Quelle: Daten von Actinium Consulting Grafik erstellt durch Sascha Weis)


8.3 Schritt 1 – Bedarfsanalyse: Was brauche ich für meine BI-Lösung [9]

Fragestellungen
Wo gibt es Prozessprobleme?
Wo gibt es hohen manuellen Aufwand?
Wo gibt es Probleme mit der Datenqualität?
Wo gibt es sonstige Defizite beim Reporting?
Wo herrscht ein Mangel an aktuellen und integrierten Daten?
Wo herrscht ein Mangel an Berichten?
Welche Kennzahlen werden benötigt?
Anhand welcher Dimensionen (Kunden, Produkte, Regionen, Zeit, etc.) sollen Daten analysiert werden?
Welche Detailtiefe wird gewünscht?
Welche Analyseperspektiven existieren?
Auf welche Aggregatsebene sollen die Kennzahlen vorliegen?
In welcher Aktualität sollen die Kennzahlen vorliegen?

8.4 Schritt 2 – Ist-Analyse: Was habe ich bereits [10]

Fragestellung
Wo werden bereits Business Intelligence Systematiken angewendet?
Gibt es bestehende Reporting-Systeme, etc.?
Können Komponenten weiterverwendet werden?
Wo liegen die gewünschten Informationen oder Kennzahlen in den operativen Systemen vor?
Sind bereits Technologien im Einsatz, die die gewünschte Transparenz und Funktionalität bieten?
Wo und in welchem Ausmaß können interne Mitarbeiten im Rahmen des BI-Projektes eingesetzt werden?
Welche Eigenleistung kann das Unternehmen sowohl vom Know-How als auch von den personellen Ressourcen stemmen?

8.5 Schritt 3 – Umsetzung des BI-Projekts

Die Umsetzung eines BI-Projekts erfolgt in sieben Phasen. Jede Phase weist ein Ziel und einen Meilenstein auf, ein Durchlauf aller sieben Projektphasen entspricht einer Iteration.

Nach dem Durchlauf einer Iteration wird der Projektplan erneut durchlaufen, bis es keine Notwendigkeit einer erneuten Iteration seitens des Auftraggebers gibt.

Das Angestrebte iterative Vorgehen bei der Implementierung einer BI-Lösung ermöglicht eine agile Umsetzung der Kundenwünsche, indem schnell erste Resultate vorliegen und auf Änderungswünsche dynamisch reagiert werden kann. Einem auseinanderdriften von Kundenanforderung und Projektrealität wird wirksam entgegengewirkt.


8.5.1 Übersicht Projektphasen

Übersicht über die Projektphasen [11]

Projektphase Ziele Meilenstein
Initialisierung Definition des BI Projekts Projektfreigabe
Analyse Detailanalyse fachliche und technische Anforderungen

Erstellung des Projektplans

Abnahme Pflichtenheft und Projektplan
Design Detailentwurf ETL-Prozesse, Datenbanken und BI-Anwendungen (Reports, etc.).

Detailentwurf Infrastruktur-Plattform

Abnahme fachliches und technisches Feinkonzept

Abnahme Infrastruktur-Plattform Feinkonzept

Realisierung Realisierung des Designs bis zur

Implementierungsreife

Abnahme Unit Test BI Anwendungen, Datenbanken und ETL Prozesse

Abnahme Realisierung und Funktionstests Infrastruktur-Plattform

Test Durchführung von technischen und fachlich-/inhaltlichen Tests

Testen der Infrastruktur-Plattform auf Konformität und Belastbarkeit

Fachliche und technische Abnahme

Produktionsfreigabe

Deployment Vorbereitung Produktion.

Deployment der fertigen BI Lösung in die Infrastruktur-Plattform

Start Produktion
Produktion Stabile Produktion, Analyse Notwendigkeit weiterer Iterationen. Projektabschluss


8.5.1.1 Grafische Darstellung

Die einzelnen Projektphasen des Vorgehensmodells werden iterativ durchlaufen, bis sämtliche Anforderungen an die Business Intelligence Lösung erfüllt sind. Die Grafik zeigt sämtliche Projektphasen und deren Reihenfolge, das Vorgehensmodell kann beliebig oft durchlaufen werden.

Projektphasen des Vorgehensmodells (Quelle: Daten Prof. Dr. Stephan König Grafik erstellt durch Sascha Weis)
Projektphasen des Vorgehensmodells (Quelle: Daten Prof. Dr. Stephan König Grafik erstellt durch Sascha Weis)

8.5.2 Übersicht Disziplinen

Die Aktivitäten der jeweiligen Projektphasen werden in sieben Disziplinen gruppiert. Dies ermöglicht eine bessere Strukturierung der Aktivitäten einer Phase.

Übersicht über die einzelnen Disziplinen der Projektphasen [12]

Disziplin Beschreibung
Projektmanagement Aktivitäten des Projektmanagements. Meist wenig BI spezifisch.

Beispiel: Projektstatusüberwachung

Fachlichkeit Aktivitäten im direkten Zusammenhang mit den fachlichen Zielen des BI Projektes.

Beispiel: Definition und Detailanalyse der analytischen Anforderungen

BI Anwendungen Aktivitäten zur Realisierung der verschiedenen Benutzerschnittstellen (Front-End).

Beispiel: Installation und Konfiguration BI Anwendungen

Daten Aktivitäten zur Modellierung und Implementierung der verschiedenen logischen und physikalischen Datenmodelle.

Beispiel: Detaildesign Faktentabelle

ETL Aktivitäten im Umfeld der ETL Prozesse.

Beispiel: Erstellen Source-to-Target Map

Metadaten Aktivitäten zu Entwurf und Umsetzung eines Metadatenmodells.

Beispiel: Inventur Metadaten

Architektur & Infrastruktur Aktivitäten im Zusammenhang mit der Bereitstellung einer geeigneten Architektur und Infrastruktur.

Beispiel: Design Infrastruktur



8.5.3 Aktivitäten

Die Aktivitäten des Vorgehensmodells (Auszug nur für die Phasen Initialisierung und Analyse) [13]

Phasen
Disziplinen
Initialisierung Analyse
Ziele
  • Definition des BI Projektes
  • Detailanalyse fachliche und technische Anforderungen
  • Erstellung Projektplan
Meilensteine
  • Abnahme Projektdefinition
  • Projektfreigabe
  • Abnahme Pflichtenheft
  • Abnahme Projektplan
Allgemeines Projektmanagement
  • Identifikation Projektziele
  • Auswahl Projektmethodik
  • Analyse Stakeholder
  • Erstellung Business Case
  • Entwurf Projektorganisation
  • Identifikation Erfolgskriterien
  • Skizze Projektplan
  • Erstellung Projektplan
  • Auswahl Projektmanagementwerkzeug
  • Implementierung Projektorganisation und -prozesse
  • Projektdokumentation
  • Projektmarketing
  • Projektstatusüberwachung
  • Projektcontrolling
  • Change Management
  • Risiko Management
  • Qualitätsmanagement
Fachlichkeit
  • Definition BI Strategie
  • Analyse BI Reifegrad
  • Definition analytische Anforderungen
  • Identifikation einzubeziehende Schlüsselprozesse
  • Identifikation Auswirkungen auf Organisation
  • Machbarkeitsanalyse
  • Informationsbedarfsanalyse
  • Detailanalyse analytische Anforderungen
  • Homogenisierung Begrifflichkeiten
  • Definition Service Level Anforderungen
  • Validierung und Priorisierung der Anforderungen
  • Entwurf phasenweise Einführungsstrategie
  • Entwurf Organisationskonzept
BI Anwendungen -/-
  • Anforderungsanalyse Informationsservices
  • Analyse Benutzerverhalten
  • Entwurf Prototyp
  • Implementierung Prototyp
Daten
  • Grobes Data Profiling
  • Analyse Datenanforderungen
  • Data Profiling
  • Semantische Datenmodellierung
  • Skizze logische Datenmodellierung
  • Entwurf Datenarchitektur
  • Definition Datenbank Standards
ETL -/-
  • Anforderungsanalyse ETL Prozess
  • Erstellen Source-to-Target Map
  • Entwurf ETL Data Stores
  • Auswahl ETL Tool
Metadaten -/-
  • Anforderungsanalyse Metadaten
  • Inventur Metadaten
  • Auswahl Metadaten Management Tool
Architektur & Infrastruktur
  • A&I Vision
  • Übersicht A&I (Ist)
  • Machbarkeitsanalyse A&I
  • Einrichtung A&I Task Force
  • Anforderungsanalyse BI Anwendungsarchitektur
  • Design BI Anwendungsarchitektur
  • Design Infrastruktur
  • Definition Standards
  • A&I Produktauswahl

8.6 Funktionskatalog

Funktionskatalog zur Unterstützung der Kundenberatung und Produktauswahl.

Jaspersoft Jedox Palo Pentaho
Version Professional Edition Enterprise Version Enterprise Edition
Anbieterinformation

Gründung: 2001 unter dem Namen Panscopic

nach Übernahme des Entwicklers von JasperReports erfolgte 2004 die Umbenennung in JasperSoft

seit 2005 vertreibt JasperSoft auch kommerzielle Produkte

Hauptsitz: San Fransisco, USA Niederlassungen in Irland, Rumänien, Ukraine, Italien, Indien und Österreich

Gründung: 2002

seit 2008 Aktiengesellschaft

Hauptsitz: Freiburg im Breisgau

Gründung: 2004

2007 von Infoworld zu den zehn wichtigsten Open Source Projekten im Businessumfeld gewählt

Hauptsitz: Orlando, USA Vertriebsniederlassung in Deutschland und weiteren Ländern

Referenzen

Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen Branchen

20% der DAX 30 Unternehmen sowie weitere namhafte Unternehmen aus dem nationalen und internationalen Umfeld

Vielzahl kleiner, mittlerer und großer Unternehmen

Produktinformation Modular aufgebaute BI-Suite:
  • JasperServer
  • JasperReports
  • iReport
  • JasperAnalysis (Mondrian)
  • JasperETL (Talend OpenStudio)
Palo Suite:
  • Palo ETL Server
  • Palo OLAP Server
  • Palo Worksheet Server
  • Palo Excel Add-In
  • Palo Supervision Server
Modular aufgebaute BI-Suite:
  • Pentaho BI Platform
  • Pentaho Data Integration (Kettle)
  • Pentaho Reporting (JFreeReport)
  • Pentaho Analysis (Mondrian und Clearview)
  • Pentaho Dashboards
  • Pentaho Data Mining (WEKA)
Support Nur falls wir den Support nicht übernehmen

Professional Standard / Premium Support (kostenpflichtig mit differenziertem Leistungsangebot) Erweiterte Dokumentationen, Knowledge Base usw. Software Assurance Wartung durch Hersteller

Nur falls wir den Support nicht übernehmen

Professional Support Software Assurance Wartung durch Hersteller

Nur falls wir den Support nicht übernehmen

Enterprise Edition Gold / Platinum (kostenpflichtig mit differenziertem Leistungsangebot) erweiterte Dokumentationen, Knowledge Base usw. Software Assurance Wartung durch Hersteller

Datenintegration
  • Talend Open Studio: Erstellung von ETL-Prozessen

per Drag-and-Drop automatische Umwandlung in Java-Code

  • Vielzahl an Konnektoren
  • SAP Anbindung über SAP JCo möglich
  • Multi-User Metadata Repository
  • ETL Job Monitoring
  • Slowly Changing Dimensions
  • ODBO
  • Palo ETL Server (Freeware)
  • webbasierte Oberfläche
  • Anbindung von Datenbanken über JDBC
  • Drill-Through
  • Mit IMP:Palo ist weiteres ETL-Tool von Drittanbieter als Freeware verfügbar
  • SAP Connector
  • ODBO/MDX
  • Kettle: Erstellung von ETL-Prozessen per Drag-and-Drop
  • Zugriff über JDBC, ODBC oder JNDI
  • "lookup" und Slowly Changing Dimensions
  • SAP-Anbindung über kostenpflichtigen Konnektor
  • ProERPconn von Drittanbieter möglich
  • Remote ETL Management & Monitoring
Analyse
  • Basis: JPivot/Mondrian
  • ROLAP basiert
  • webbasierter OLAP-Client
  • Drag-and-Drop User Interface
  • tabellarische oder graphische Darstellung
  • typische OLAP-Navigation inkl. Drill-Through
  • diverse Exportformate
  • drillbare, interaktive Charts
  • OLAP Server Management Utility
  • kostenpflichtiges Excel Add-In
  • Simba von Drittanbieter verfügbar
  • MOLAP basiert
  • In Memory-Datenbank
  • Excel-Add In als Frontend
  • Write-Back Funktionalität (wichtig für Planungsanwendungen)
  • typische OLAP-Navigation
  • kostenloser Web Client Jpalo von Drittanbieter verfügbar
  • Basis: JPivot/Mondrian
  • ROLAP-basiert
  • webbasierter OLAP-Client
  • Drag-and-Drop User Interface
  • intuitive Bedienung / Navigation
  • tabellarische oder graphische Darstellung
  • typische OLAP-Navigation inkl. Drill-Through
  • diverse Exportformate
  • Pentaho Analyzer
  • Clearview / Mondrian
Reporting
  • JasperReports/iReport
  • WYSIWYG-Editor zur Berichtsgestaltung
  • Wizard-gestützte Reporterstellung
  • Query-Designer
  • Berechtigungskonzept
  • vielfältige Ausgabeformate
  • Vielzahl an Formatmöglichkeiten & Diagrammen
  • Subreports
  • Berichtsverteilung & speicherung auf JasperServer
  • End-User Web 2.0 Ad hoc Abfragen und Berichte
  • Zur Darstellung der Daten für einen Bericht kann auf Standard Excel-Funktionalität zurückgegriffen werden
  • Bereitstellung von Berichten in Form von Web-Excel-Mappen über den Worksheet-Server
  • Großer Teil der relevanten Excel-Funktionalität im Web nutzbar
  • WYSIWYG-Editor zur Berichtsgestaltung
  • Wizard-gestützte Reporterstellung
  • Query-Builder
  • vielfältige Ausgabeformate
  • Vielzahl an Formatmöglichkeiten & Diagrammen
  • Subreports
  • Berichtsverteilung & -speicherung
Dashboards
  • webbasierter Dashboard-Designer
  • Über den Worksheet-Server werden spezielle Grafiken wie bspw. Tachometer bereitgestellt
  • webbasierter Dashboard-Designer
Data Mining
  • nicht vorhanden
  • nicht vorhanden
  • Pentaho Data Mining (WEKA)
Client-/Webbasiert
  • Vollständig Webbasiert
  • Vollständig Webbasiert
  • Vollständige Excel-Integration
  • Vollständig Webbasiert
Anbindung Kunden-Systeme
  • Anbindung über manuell erstellte Datentransformation an beliebige Systeme (Datenbank / Webservice)
  • Konnektor für SAP verfügbar
  • Anbindung über manuell erstellte Datentransformation an beliebige Systeme (Datenbank / Webservice)
  • Konnektor für SAP verfügbar
  • Anbindung über manuell erstellte Datentransformation an beliebige Systeme (Datenbank / Webservice)
  • Konnektor für SAP verfügbar
Schulungsaufwand
  • Mitarbeiter mit Erfahrung in Handhabung von Web-Anwendungen: Mittel
  • Sonstige Mitarbeiter: Hoch
  • Mitarbeiter mit guten / sehr guten Kenntnissen in Excel: Gering
  • Sonstige Mitarbeiter: Hoch
  • Mitarbeiter mit Erfahrung in Handhabung von Web-Anwendungen: Mittel
  • Sonstige Mitarbeiter: Hoch
Sprachen
  • Englisch, Französisch, Deutsch, Japanisch, Spanisch, Chinesisch traditionell
  • Englisch, Französisch, Deutsch
  • Englisch, Französisch, Deutsch, weitere unvollständig
Rechtemanagement (Einzel/Gruppe)
  • Differenziertes Benutzer / Benutzergruppen Rechtemanagement
  • Differenziertes Benutzer / Benutzergruppen Rechtemanagement
  • Differenziertes Benutzer / Benutzergruppen Rechtemanagement
Lizenz
  • Basis: GNU General Public License Version 2
  • Enterprise-Komponenten: Kommerzielle Lizenz / EULA
  • Basis: GNU GPL Lizenz
  • Enterprise-Komponenten: Kommerzielle Lizenz
  • Basis: GNU General Public License Version 2
  • Enterprise-Komponenten: Kommerzielle Lizenz / EULA
Sonstiges
  • Zertifizierte Plattformunterstützung
  • Managed Release Cycles
  • Supervision Server
  • Prozesskontrolle
  • Alerts
  • Workflow
  • Pentaho Enterprise Console
  • Single Sign-On
  • erweiterte Funktionalitäten hinsichtlich Administration & Sicherheit
  • Managed Release Cycles

9 Der Kunde

9.1 Vorstellung

Das betrachtete Unternehmen ist ein Herrenausstatter, der ursprünglich ausschließlich fremdgefertigte Artikel in einem einzigen Ladengeschäft anbot.

Im Verlauf der letzten 10 Jahre wurden aufgrund der stark gewachsenen Nachfrage bundesweit mehrere Filialen eröffnet. Um sich eine gewisse Unabhängigkeit und ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, begann man mit dem Aufbau einer eigenen Designabteilung. Die auf eine geringe Stückzahl limitierten Kreationen werden allerdings noch immer fremdgefertigt und über einen Drittanbieter an die Filialen verteilt.

Das Produktportfolio beinhaltet neben Schuhen, Hosen, Hemden und Krawatten auch Accessoires wie Gürtel, Manschettenknöpfe, Krawattennadeln. Die Hauptzielgruppe sind Herren, die nach seltenen, qualitativ hochwertigen Konfektionen suchen.

Das Unternehmen wird in den nächsten Jahren weiter expandieren. So sind die Errichtung einer eigenen Produktionsstätte und die Anschaffung eines Fuhrparks geplant, um alle Prozesse, von den Entwürfen bis zum Verkauf, unter dem Dach eines Unternehmens zu vereinen.

9.2 IST-Zustand

Ein kleines Einzelunternehmen mit nur wenigen Mitarbeitern und einer spärlich ausgestatteten IT, ist seit seiner Gründung vor 10 Jahren stetig gewachsen. Es wurden Filialen eröffnet, neue Mitarbeiter eingestellt, Geschäftsbereiche getrennt bzw. neu organisiert, das Produktportfolio wurde erweitert und damit der angesprochene Markt. Aus letzteren beiden Punkten resultiert ein erhöhtes Supportaufkommen.

Die IT und EDV des Unternehmens wurde aus Gründen der Kostenersparnis und wegen fehlender Kompetenzen immer wieder vernachlässigt und nur um die gerade aktuell notwendigen Strukturen erweitert ohne diese in das bestehende System zu integrieren. So fehlen wichtige technische Verbindungen zwischen den Filialen und der Geschäftsstelle. Die gesamte Struktur ist nicht an den Unternehmensinteressen ausgerichtet. Sie ist abteilungs- bzw. filialbezogen und es besteht die Gefahr, dass jede Abteilung/Filiale ihre eigenen Interessen verfolgt und die Sicht auf das Ganze verloren geht. Das Unternehmen steht vor einer veralteten und inkompatiblen Infrastruktur, die nicht mit den heutigen Anforderungen des Unternehmens mithalten kann und den zukünftigen nicht gewachsen ist.

Es sind Softwareprodukte für die Bereiche Warenwirtschaft, Rechnungswesen und Personalwesen von unterschiedlichen Herstellern aber auch Eigenentwicklungen im Einsatz. Schnittstellen wurden nur sehr wenige geschaffen, so z.Bsp. werden die Lohndaten an das Rechnungswesen übergeben. Belege der Warenwirtschaft werden allerdings noch immer manuell im Rechnungswesen nachgetragen.

Bei Besprechungen kommt es oft zu Meinungsverschiedenheiten, weil im Unternehmen widersprüchliche Zahlen kursieren. Die einzelnen Abteilungen/Filialen greifen auf unterschiedliche Datenbestände zurück. Die Unternehmensdaten liegen auf mehreren Servern oder - schlimmer - Workstations verteilt und finden sich in diversen Datenbanken, Tabellenkalkulationen und Dokumenten wieder. Eine zusammenhängende Analyse ist nicht möglich und die Inkonsistenz der Daten ist nicht ausgeschlossen. Es existiert kein einheitliches Berichtswesen. Jede Abteilung/Filiale hat ihre eigenen Berichtswerkzeuge, die zu großen Teilen aus selbst erstellten Tabellenkalkulationen oder Textverarbeitungen bestehen. Ad-hoc Auswertungen über den gesamten Datenbestand sind nicht möglich, weil die relevanten Daten von den zuständigen Mitarbeitern aus den unterschiedlichen Systemen zusammengetragen, bereinigt, konsolidiert und in Berichtsform dargestellt werden müssen. Während dieser Zeit verlieren die Daten ihre Aktualität und sind somit für spontane, zeitkritische Unternehmensentscheidungen unbrauchbar. Zudem entsprechen die angefertigten Berichte nicht den gesetzlichen Bestimmungen, weder nach dem HGB noch nach internationalen Richtlinien.

Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Mitteln sind folgende exemplarische Fragestellungen schwer oder gar nicht zu beantworten.
Welcher Kunde kauft was, aus welchem Grund?
Wer sind die Kunden mit dem höchsten Umsatz?
Welche sind die meist verkauften Artikel?
Wie effektiv sind die Außendienstmitarbeiter?
Was kostet dem Unternehmen eine Neukundengewinnung?
Wie lange bleiben Anfragen von Kunden unbeantwortet?
Stimmen die Ist-Zahlen mit den Plan-Daten überein?
Wie hat sich das Unternehmen innerhalb einer Periode entwickelt?
Wie rentabel sind die einzelnen Abteilungen/Filialen?
Wo fallen übermäßig hohe Kosten an?

Das Management hat in den letzten Jahren viele Entscheidungen 'aus dem Bauch' heraus treffen müssen. Obwohl es in der Vergangenheit keine ernsthaften Fehlentscheidungen gab, ist man sich der Gefährdung der Existenz des Unternehmens bewusst. Es mangelt in allen Bereichen an aussagekräftigen Berichten zur Unterstützung des Managements bei der Unternehmenssteuerung. Mit der Aufbereitung der vorhandenen Daten sind viele Mitarbeiter tagelang beschäftigt. So bleiben andere Aufgaben unerledigt auf den Schreibtischen der abgestellten Mitarbeiter liegen, die in ihrer Dringlichkeit gleichermaßen wichtig sind.

Merkbar breitet sich eine große Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern und Kunden aus. Es häufen sich die Fehl- und Krankheitstage der Mitarbeiter, die Fluktuation nimmt zu, die Aufmerksamkeit und Sorgfalt bei der Erledigung der alltäglichen Aufgaben nimmt ab, die Freundlichkeit und der Service dem Kunden gegenüber lässt zu wünschen übrig. Kunden beschweren sich immer häufiger und bleiben schließlich aus. Die Kosten steigen, der Umsatz fällt und damit sind die Gewinne rückläufig.

Immer dringlicher fordert das Management daher Mittel und Wege die Mitarbeiter zu entlasten, um die Existenz des Unternehmens zu sichern und die geplanten Vorhaben nicht zu gefährden.


9.3 SOLL-Zustand

Zeit ist eine kostbare, nicht regenerative Ressource. Dieser Verschwendung Einhalt zu gebieten ist oberste Priorität.

In Anbetracht der rapide sinkenden Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit, ist die dringlichste Aufgabe die Entlastung der Mitarbeiter. Benötigt wird ein schnelles, leicht zu bedienendes, effektives, konsistentes und standardisiertes Berichtswesen über den gesamten Datenbestand hinweg, welches den Zeitaufwand der Mitarbeiter drastisch reduziert und Korrekturen überflüssig werden lässt. Mit einer Erleichterung wird eine steigende Mitarbeiterzufriedenheit einhergehen, die sich letztendlich auch auf den Kunden auswirkt. Ist der Kunde zufrieden, wird sich der Umsatz erholen und die im Augenblick reale Existenzgefährdung abgewendet.

Historische wie vorausschauende Auswertungen und Analysen müssen möglich sein, um vergangene Entscheidungen zu überprüfen und aus eventuellen Fehlentscheidungen zu lernen. Wichtig sind diese Aussagen vor allem für die Kalkulation, Beurteilung und Planung zukünftiger Investitionen bzw. Expansionen. Auftretende Probleme müssen frühzeitig erkannt werden, um ihnen mit den richtigen Mitteln entgegensteuern zu können.

Es müssen Schwachpunkte und Stärken im Unternehmen aufgedeckt werden. Die Kostenanalyse könnte Sparpotentiale aufzeigen, die Umsatzzahlen die erfolgreichsten Produkte oder die umsatzstärksten Kunden. Das Unternehmen muss für interne und externe Interessenten transparenter werden.

Die in den Abteilungen/Filialen existierenden Berichte und Auswertungen sind über die Jahre gewachsen und sollten sich in einem umfassenden Berichtswesen wiederfinden. Gleichzeitig dürfen die geforderten Auswertungen, Analysen und Berichte aus dem IST-Zustand nicht außer Acht gelassen werden.

Im Zuge der geplanten Unternehmenserweiterung ist eine optimierte Prozessverfolgung nötig, um die in der Vergangenheit mit Drittanbietern aufgetretenen Probleme zu verhindern. Als weiteres Teilergebnis erhofft man sich kürzere Reaktionszeiten bei Reklamationen.

9.4 Lösungsansatz

In einem ersten Schritt hat das Unternehmen seine IT-Struktur optimiert und die Bereiche Warenwirtschaft, Rechnungswesen und Produktion in einer ERP-Lösung eines Herstellers zusammengefasst, um deren Datenhaltung in nur noch einer Datenbank zu realisieren. Dieser Prozess wurde durch ein anderes Unternehmen begleitet, die ERP-Lösung wird inzwischen von der Haus-IT eigenverantwortlich betreut. In einem zweiten Schritt werden diese Datenbank und alle noch verbliebenen Datenbestände in einem Data Warehouse konsolidiert und die konsistenten Daten in abteilung-/filialbezogenen Data Marts bereitgestellt werden. Externe Daten von Kunden, Lieferanten und Partnern sind in einer späteren Phase einzubinden. Aus dieser Planung ist die Notwendigkeit einer ausreichend flexiblen BI-Architektur ersichtlich, die auf ihre Einsatzzwecke angepasst werden kann. Aus diesem Grund wird nach einem modular aufgebauten System gesucht, welches möglichst wenige Programmteile beinhaltet und keine überdimensionierten Funktionen bietet.

Die Aktualisierung des Data Warehouse soll abteilungsabhängig erfolgen. So sind tägliche, wöchentliche, monatliche Aktualisierungen und auf Anfrage des Mitarbeiters angedacht.

weitere Entscheidungskriterien für eine Softwareauswahl
Konsolidierung und Standardisierung
geringer Schulungsaufwand der Mitarbeiter und IT
intuitiv nutzbar
Datenverarbeitung sollte schnell und herstellerübergreifend erfolgen
verschiedenen Datenquellen sollten kein Problem darstellen
einfache Integration in das bestehende System
einfache Wartung
Verfügbarkeit des Support
der Preis sollte dem zu erwartenden Aufwand angemessen gegenüberstehen



10 Was ist Business Intelligence? (Historie, Gegenwart, Zukunft von BI)

10.1 Begriffsdefinition

Im Zuge der Recherchen zu dieser Fallstudie wurde festgestellt, dass es keine klare, einheitliche Definition des Begriffs "Business Intelligence" gibt.

Die folgenden Zitate geben eine Auswahl wider, wie teils unterschiedlich der Begriff definiert wird:


"Business Intelligence (BI) bezeichnet den analytischen Prozess, der -fragmentierte - Unternehmens- und Wettbewerbsdaten in handlungsgerichtetes Wissen über die Fähigkeiten, Positionen, Handlungen und Ziele der betrachteten internen oder externen Handlungsfelder (Akteure und Prozesse) transformiert." [14]

"Unter Business Intelligence (BI) wird ein integrierter, unternehmensspezifischer, IT-basierter Gesamtansatz zur betrieblichen Entscheidungsunterstützung verstanden. BI-Werkzeuge dienen ausschließlich der Entwicklung von BI-Anwendungen. BI-Anwendungssysteme bilden Teilaspekte des BI-Gesamtansatzes ab." [15]

"BI sammelt die Geschäftsdaten eines Unternehmens, aggregiert und strukturiert sie, hilft bei der Analyse und Bewertung. In einem ersten Schritt werden alle relevanten Detailinformationen in einem Datawarehouse gesammelt. Anschließend werden die Daten geordnet und mittels verschiedener Verfahren analysiert." [16]

"Business Intelligence (BI) befasst sich mit Verfahren zur Sammlung, Aufbereitung, Auswertung sowie Darstellung von verteilten und inhomogenen Unternehmensdaten. Analyse-Tools verschaffen den Verantwortlichen einen Überblick über die aktuelle Performance ihres Unternehmens. Deren Ziel ist es, Wissen über Status, Potenziale und langfristige Perspektiven sowie Unternehmens-, Markt- und Wettbewerberdaten an zentraler Stelle zu erzeugen.[17]



Die in Bezug auf unsere Fallstudie zutreffendsten Definitionen liefern die beiden folgenden Zitate:


"Ständig verwendet, jedoch selten wirklich verstanden: der Begriff „Business Intelligence“ (abgekürzt: „BI“). Wer sich darüber informieren möchte, erhält die verschiedensten – meist floskelhaften – Erklärungen, was BI bedeutet und was eine BI-Plattform leisten kann, und wird mit einer Vielzahl von vorgeblich optimalen Anwendungen konfrontiert. Aber was genau ist Business Intelligence eigentlich? Kurz gesagt: Business Intelligence ist die Sammlung, Auswertung und Darstellung aller in einem Unternehmen vorhandenen Geschäftsdaten. Das Ziel dabei: Dem Management sollen Informationen bereit gestellt werden, die unternehmenswichtige Entscheidungen erleichtern. Informationen etwa, die Entscheidungsträgern darüber Auskunft geben, ob sich das schon lange auf dem Markt befindliche Auto in Osteuropa noch gut verkauft. Oder ob die Niederlassung in Österreich effizient arbeitet. Betriebswirtschaftlich gesehen ist BI nichts Neues: seit jeher ziehen Unternehmen aus ihren Geschäftsprozessen Rückschlüsse auf ihr Geschäft. BI hat also zunächst gar nichts mit IT zu tun. So ist auch ein handgeschriebener Zettel aus dem Werk mit den Zahlen der Tagesproduktion im Grunde genommen nichts anderes als Business Intelligence: die Informationen zur Produktivität des Unternehmens gelangen auch auf diese Weise zu den Entscheidern."[18]

"Die Geschäftsdaten eines Unternehmens dienen der Steuerung des Tagesgeschäfts, können gleichzeitig aber auch die Basis für strategische Planungen bilden. Für letzteres ist eine Aufbereitung und Analyse der Daten unerlässlich – was für jedes Unternehmen einen echten Mehrwert bietet. Zum Beispiel erkennen Manager dabei auf einen Blick, ob die Erträge den definierten Unternehmenszielen entsprechen oder wo Schwächen in den Geschäftsprozessen liegen. Diese Aufbereitung und Analyse der Unternehmensdaten und die Präsentation der Ergebnisse leisten BI-Werkzeuge. Eine gute BI-Plattform versorgt alle Unternehmensteile schnell, zuverlässig und übersichtlich mit den für sie entscheidungsrelevanten Daten. BI-Systeme liefern die nötigen Informationen komprimiert in Sekundenschnelle, wo andere Unternehmen erst begonnen haben, die Daten zusammen zu fassen. Nur wer seine Daten gut kennt und fehlerlos zur Verfügung hat, kann die Optimierung der eigenen Organisation steuern und erfolgreiche Strategien entwickeln und umsetzen." [19]


10.2 Historie

Historisch geht der Begriff Business Intelligence mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Beitrag „A Business Intelligence System“ des IBM-Informatikers Hans Peter Luhn im IBM Journal zurück.

Ab 1989 verwendete der Gartner-Analyst Howard Dresner den Begriff."[20]

Seitdem wird er in vielschichtiger Bedeutung verwendet. Einige verstehen BI als Oberbegriff für verschiedene Methoden und Werkzeuge, wie etwa Data Warehouses, Management Information Systems, Data Mining oder Balanced Scorecards. Andere setzen BI gleich mit einzelnen Analysesystemen wie Data Warehouses oder Management Information Systems oder verstehen BI ganz anders als Frühwarnsystem. Sinnvoll erscheint es, drei Sichtweisen zu unterscheiden (siehe Grafik BI-Interpretationen)."[21]

Bild:Bi_interpretationen.png



2001
Die Entwicklung von JasperReports wurde durch Teodor Danciu im Juni 2001 gestartet, das Sourceforge Projekt wurde im September desselben Jahres gegründet und die erste Version (0.1.5) am 3. November 2001 veröffentlicht.[22]


2002
2002 gründet Kristian Raue die Jedox AG, die in den folgenden Jahren ein weltweit führender Anbieter von Open Source Business Intelligence- und Corporate Performance Management-Lösungen wird. Das Kernprodukt der Jedox AG, Palo, deckt den gesamten Bereich BI einschließlich Planung, Reporting und Analyse ab.[23]


2004
Seit 2004 entwickelt die Pentaho Corporation die Open Source BI-Lösung "Pentaho".[24]


Die Firma JasperSoft entstand aus der Firma Panscopic, welche von Al Campa (CEO) und Raj Bhargava (VP) im Jahre 2001 gegründet wurde. 2004 erwarb Panscopic alle Rechte an JasperReports und nannte sich in JasperSoft um. JasperSoft vertreibt kommerzielle Software rund um JasperReports und vertreibt auch JasperReports an Kunden, welche es mit einem nicht Open-Source Produkt verbinden wollen.[25]


2005
Version 1.0 von von JasperReports wird am 21. Juli 2005 veröffentlicht.[26]


2007/2008
Besonders in den Jahren 2007 und 2008 fanden regelrechte Übernahmeschlachten statt. Namhafte Softwarehäuser haben kleinere geschluckt und deren Tools in das eigene Portfolio integriert. So sicherte sich SAP den BI-Spezialisten Business Objects, Cognos wurde von IBM übernommen und Hyperion von Oracle.[27]

2007: Übernahme von Hyperion Solutions durch Oracle[28]

2008: Übernahme von Cognos durch IBM[29] und Übernahme von Business Objects durch SAP[30]




10.3 BI in der Gegenwart

Aktuell nutzen bereits viele große Unternehmen Business-Intelligence-Lösungen. Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen erkennen immer mehr die Notwendigkeit einer gesamtumfassenden Business-Intelligence-Lösung. Bisher genutzte Tools, wie z.B. MS Office, die auch nur separat in einzelnen Unternehmensbereichen genutzt wurden, werden durch eine umfassende BI-Lösung ersetzt bzw. erweitert, die nun Kennzahlen aller Geschäftsprozesse im Unternehmen übergreifend betrachtet und so zu besseren, transparenteren Ergebnissen gelangt, die wiederum erheblich zum langfristigen Erfolg des Unternehmens beitragen.

Wir befinden uns heute in einer schnellen, globalisierten Welt. Viele neue Möglichkeiten für Unternehmen haben sich durch die Nutzung des Internets ergeben. Neue Märkte können erschlossen werden, neue Vertriebswege entstehen. Andererseits sehen wir anhand der aktuellen Wirtschaftskrise aber auch die Anfälligkeit dieses Systems. Unternehmen müssen nun immer schneller auf sich verändernde Gegebenheiten reagieren bzw. möglichst sogar proaktiv agieren. Eine professionelle Business-Intelligence-Lösung ist dazu eine wichtige Voraussetzung, um weiter am Markt bestehen zu können.

Hierzu einige Zitate aus der ersten Ausgabe der Themenzeitung "Business Intelligence" vom Mai 2010:


BI als Managementwerkzeug

"Klassische Managemententscheidungen werden in vielen mittelständischen Unternehmen noch immer auf Basis von Daten aus nicht standardisierten, teilweise manuell erstellten und damit unsicheren Quellen getroffen. Der Einsatz einer integrierten Business-Intelligence-Lösung hilft, Vorhersagen zu verbessern und ein Unternehmen proaktiv zu führen.

In den heutigen Geschäftsprozessen fallen sehr große Datenmengen an. 80 Prozent dieser Daten sind unstrukturiert und benötigen zur weiteren Verwendung eine gewisse Pflege. Bleibt dieses Potenzial ungenutzt, kommt es einer Verschwendung von von Kapital gleich. Indem Daten automatisiert gesammelt, strukturiert und bereinigt werden, werden sie erst vergleichbar und damit nutzbar. So wird aus Informationen Wissen gewonnen, welches die erfolgreiche Steuerung der Unternehmensprozesse und damit den langfristigen Erfolg des gesamten Unternehmens ermöglicht. Business Intelligence hilft, alle Kennzahlen eines Unternehmens aus beliebiger Perspektive zu betrachten und zu jeder Zeit zu analysieren.

Die Datenbasis liefert zu einem großen Teil ein ERP-System, das alle relevanten Unternehmensbereiche abdeckt, vom Einkauf bis zur Produktionsplanung und Logistik. Diese Datenbasis und vielfältige weitere Datenquellen nutzt ein Business-Intelligence-System, um essentielle Kennzahlen aus allen Unternehmensbereichen sowie Finanzkennzahlen wie Liquidität und Rentabilität stets aktuell bereitzustellen. Aber auch die Durchlaufzeit von Prozessen lässt sich damit messen oder die Lieferantenbewertung verbessern.

Grundlage der analytischen Datenbanken ist die standardisierte Verbindung zu den operativen Systemen, beispielsweise zu modernen ERP Systemen. Komplexe Analyseanfragen lassen sich einfach und effizient auf Basis einer solchen unternehmensweit einheitlichen analytischen Datenbank lösen. Moderne Report- und Analyse-Instrumente bereiten die Daten in Form verständlicher Reports auf. Über Workflow-Prozesse können BI-Reports auch direkt in die jeweilige Arbeitsumgebung integriert werden."[31]


BI in Zeiten der aktuellen Wirtschaftskrise

In der globalen Wirtschaftskrise haben BI-Lösungen eine große Bedeutung. BI sammelt, strukturiert, analysiert und bewertet Geschäftsdaten und bietet Unternehmen damit die Chance im Wettbewerb zu bestehen.[32] (nicht wörtlich übernommen)


"Im Jahr 2009 war Business Intelligence nicht von der Krise betroffen, sondern wurde Teil ihrer Lösung."[33]


"Trotz Wirtschaftskrise weist der BI Markt hohe Wachstumsraten auf. Warum setzen gerade jetzt immer Unternehmen auf Geschäftsanalytik? Sicherlich ist die Steigerung von Effektivität und Transparenz in Krisenzeiten gefragter denn je. Doch das ist nur ein Grund der erhöhten Nachfrage. Themen wie Basel II haben den Mittelstand für die sorgfältige Überwachung der eigenen Kennzahlen sensibilisiert, Prozesse sollen zentral und zeitnah überwacht werden. So werden BI-Lösungen heute nicht mehr nur im strategischen, sondern auch verstärkt im operativen Bereich eingesetzt."[34]


10.4 Wohin geht der Trend? - Anforderungen an BI in der Zukunft

In Zukunft wird Business Intelligence eine immer größere Rolle auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen spielen, denn auch hier steigen die Anforderungen stetig. Der Trend geht zu immer schnelleren und detaillierteren Ergebnissen, um in immer kürzerer Zeit schnell auf Veränderungen reagieren bzw. anhand von Prognosen besser agieren zu können. Einfache Office-Anwendungen, wie sie heute noch in vielen KMU genutzt werden, werden zukünftig als Business Intelligence-Lösung nicht mehr ausreichen. Gerade auch schwierige konjunkturelle Phasen können Unternehmen mit einer professionellen Business Intelligence Lösung besser überstehen, als wie Unternehmen, in denen solch eine Lösung nicht implementiert ist. Für kleine und mittelständische Unternehmen gibt es auch im Bereich Open Source gute ausreichend professionelle Lösungen.

Hierzu einige Zitate, die dies verdeutlichen sollen:


Höhere Anforderungen, kürzere Reaktionszeiten / BI ist kritisch für den Unternehmenserfolg

"Der Gesetzgeber fordert in allen Bereichen mehr Transparenz und Nachverfolgbarkeit, Kapitalgeber und Partner wollen besser informiert werden, z.B. um die immer engere Vernetzung von Informations- und Warenströmen besser nutzen und kontrollieren zu können und auch das Management in allen Unternehmen erkennt den Wert von Daten, um z.B. Kunden passendere Angebote zu machen, Kosten- und Qualitätsprobleme frühzeitiger zu erkennen oder die Veränderung von Märkten und Wettbewerben schneller einplanen zu können. Insgesamt zeigen Unternehmen, die Business Intelligence Systeme erfolgreich einsetzen eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Den durch die aktuelle Wirtschaftskrise noch verstärkten Anforderungen an eine höhere Qualität der Entscheidungsgrundlagen stehen häufig ineffiziente Prozesse zur Datensammlung und -aufbereitung gegenüber: Handarbeit mit Microsoft Excel statt maschinelle Datenverarbeitung ist die Realität im Unternehmensalltag. Studien des unabhängigen Instituts Business Application Research Center (BARC) zeigen, dass durch die Nutzung von Standardsoftware für Business Intelligence großer Nutzen erzielt werden kann - in Planungsprozessen lässt sich beispielsweise nachweisen, dass durchschnittlich 25% der Zeit eingespart werden kann."[35]


BI in Real Time

"Aufgrund der enormen Datenmengen und hochkomplexen Zusammenhänge funktioniert Business Intelligence heutzutage nur noch IT-unterstützt. Aktuelle BI-Lösungen können Daten aus einer Vielzahl von Quellen gleichzeitig nutzen und zusammenführen. Der Trend geht zu Real-Time-BI mit Echtzeitinformationen. Die Analysen erfolgen nicht mehr ex post, sondern zeitnah und erlauben Prognosen für das Verhalten der Geschäftsprozesse."[36]


BI auch für Mittelstand unverzichtbar

"Im globalen Wettbewerb werden langfristig nur Unternehmen bestehen, die ihre Prozesse optimieren und Kosten reduzieren. Die meisten Großunternehmen haben dies erkannt. Viele Mittelständler schrecken allerdings häufig vor einem BI-System zurück. Dies kann - gerade in stark wachsenden Märkten - eine Zeitlang gut gehen. Auf Dauer aber und in schwierigen konjunkturellen Phasen ist Business Intelligence für ein systematisches und professionelles Management erforderlich."[37]



11 Interview und Produktauswahl

In Vorbereitung der Einführung einer BI-Lösung wird beim Kunden eine eingehende Bedarfs- und Ist-Analyse durchgeführt, um die tatsächlich vorhandenen Anforderungen einzugrenzen und die vorherrschenden Probleme zu identifizieren.

Die zu klärenden Fragestellungen sind Kundenspezifisch, orrientieren sich aber immer an den Vorgaben des Vorgehensmodells.

Die Ergebnisse des Kundeninterviews fließen in die Produktauswahl ein, bei der neben den konkreten fachlichen Anforderungen auch persönliche Präferenzen und Vorkenntnisse der Anwender ein wichtiges Auswahlkriterium darstellen.

Für die Produktauswahl findet zu jedem der drei Produkte (JasperSoft, Palo und Pentaho) eine Präsentation mit anschließender Diskussion und Bewertung hinsichtlich der fachlichen und technischen Anforderungen statt. Dazu werden auch sämtliche späteren Anwender und insbesondere die PowerUser eingeladen, da deren operative Sichtweise maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungsfindung hat.


12 Umsetzung

Umsetzung Kunden Szenario – Entscheidung für Pentaho[38]


Auf Basis der Anforderungen bzw. der Ansprüche unseres Kunden, auch unter Betracht der Kosteneffizienz und der Ideologie des Kunden in Bezug auf Open Source Lösungen fällt unsere Entscheidung auf die Pentaho BI Suite bzw. die Komponenten, die zur Nutzung der BI Plattform notwendig sind.

Mit der Pentaho BI Suite entscheiden wir uns für eine mächtige Business Intelligence Lösung, die eine ganze Palette an nützlichen Funktionen liefert, wie z.B. ein umfangreiches Reporting und OLAP Pivot-Tabellen. Unser Kunde erhält mit Pentaho eine einheitliche BI Plattform, die eine Zusammenführung aus allen für BI Prozesse notwendigen Tools (ETL, Analyse, Reporting, Workflow etc.) bildet.

Die einzelnen Module von Pentaho sind aus verschiedenen Open Source Projekten gewachsen. Das Reporting entstammt dem Projekt JFreeReport, der OLAP Komponente Mondrian, die Daten Integration basiert auf dem Projekt Kettle, das Data Mining ging aus dem Projekt WEKA hervor und die BI Plattform ist eine Eigenentwicklung der Pentaho Corporation. Das Unternehmen Pentaho fasst die einzelnen Projekte unter dem Label „Pentaho BI Project“ zusammen.

Die Pentaho BI Suite wird in zwei Versionen angeboten:

Zum einen gibt es die Community Edition, die den kompletten Funktionsumfang beinhaltet und kostenlos zum Download auf http://sourceforge.net/projects/pentaho/ zur Verfügung steht. Die Enterprise Edition (über http://www.pentaho.com/download) stellt eine optimierte Version dar, mit zusätzlichen Management-Funktionen sowie professionellem Support durch Pentaho.

Wir beschäftigen uns konkret mit der kostenfreien Communtiy Edition und werden im Anschluss prüfen, in welchem Ausmaß der Support von Pentaho in Anspruch genommen werden muss.


Der Aufbau und die umfangreiche Funktionalität der BI Suite werden über nachfolgende Abbildung gut verdeutlicht:

Auf der untersten Ebene befinden sich die 3rd Party Applications, die jegliche Art von verteilten Systemen darstellen können.

Die erste „Pentaho“-Ebene bildet die Daten- und Anwendungsintegration. Hier findet die Anbindung an die verteilten Systeme statt sowie die Datentransformation statt. Die Daten werden hier geladen, und aufbereitet.

Die zweite „Pentaho“-Ebene stellt die BI Plattform dar. Hier läuft der Pentaho Server, der sowohl die komplette Anwendungslogik beinhaltet, als auch das Data-Warehouse als Repository für die Datenhaltung.

Auf Ebene drei finden sich die eigentlichen BI-Komponenten, die aus Reporting, Analysis, Dashboards und dem Prozess-Management bestehen. Darüber steht der Presentation Layer, der dem Nutzer die generierten Daten auf mehreren Wegen darstellt. [39]

Im Folgenden werden wir auf die einzelnen Bestandteile bzw. Projekte eingehen, aus denen die Pentaho BI Suite gebildet wird:


1. ETL: Pentaho Data Integration (Kettle)
Das ETL-Tool der Pentaho BI Suite heißt Pentaho Data Integration und entstammt dem Open-Source Projekt Kettle.
Kettle ist aus folgenden vier Einzelapplikationen zusammengesetzt:
  • Spoon: verantwortlich für die grafische Benutzerschnittstelle
  • Pan: zuständig für die Stapelverarbeitung von Transformationen
  • Kitchen: erledigt die Stapelverarbeitung von Job-Ketten
  • Carte: übernimmt die Aufgabe, einen „Remote-Server“ zu aktivieren, mit dem Spoon-Transformationen remote ausgelöst werden können
Kettle basiert auf Eclipse, ist deshalb ähnlich strukturiert und mit Hilfe von Plugins erweiterbar. Es bieten sich freie als auch kostenpflichtige Plugins – hier gilt es z.B. das SAP-Plugin „ProERPconn“ zu erwähnen, dass den Datenaustausch mit SAP-Systemen ermöglicht.
Bei Kettle unterscheidet man zwischen Jobs und Transformationen. Transformationen umfassen Im- und Exporte von Daten. Jobs befassen sich z.B. mit der Umsetzung von mehreren Transformationen.
Die Entwicklungsumgebung von Kettle überzeugt durch ihren übersichtlichen Aufbau und die unkomplizierte Bedienung. Per Klick können einzelne Bestandteile von Jobs bzw. Transformationen erzeugt werden. Das Durchführen von Im- und Exporten erfordert eine Datenbankanbindung, die einmalig über das View-Fenster erstellt und mehrmals verwendet werden kann. Erstellte Jobs können innerhalb von Pentaho in der speziellen „administration console“ verwaltet werden. [40]


2. Pentaho Analysis Services (Mondrian)
Die Pentaho Analysis Services bestehen im Hauptteil aus dem Projekt Mondrian und setzen sich aus der Schema-Workbench, der Mondrian-Webanwendung und dem Aggregation Designer zusammen.
Der Mondrian Schema-Workbench ist besonders für die Erstellung von Mondrian-Schemata, basierend auf ROLAP-Systemen geeignet. Ein Schema kann per Drag-And-Drop erstellt und als XML-Datei abgespeichert werden. Besonders wichtig ist dabei die Betrachtung von ROLAP-Systemen, weil sich die Schema-Workbench auf die strukturierten Tabellen eines relationalen DBM-Systems bezieht.
Zur Erstellung eines Schemas wird ein Cube definiert, der aus einer Faktentabelle und mehreren Dimensionen besteht. Das Schema-Workbench umfasst Cubes, die dazugehörigen Dimensionen, Hierarchien, Levels oder Kennzahlen und wird in einer Baumstruktur angezeigt. MDX-Abfragen können in einem Editor durchgeführt werden. Über das Frontend kann der Bediener ein neues Schema, bzw. eine neue MDX-Anweisung erstellen oder eine vorhandene öffnen bzw. editieren. Wenn ein neues angelegt wird, muss eine Datenbankverbindung angegeben werden. Per Klick wird dann ein Cube generiert, sowie die zugehörige Faktentabelle mit Dimensionstabellen hinzugefügt. Durch diesen Vorgang entsteht eine Baumstruktur, die das einfache Anlegen von Elementen, wie Kennzahlen oder Hierarchien ermöglicht. Das Workbench speichert das Schema im XML-Format. Es besteht die Möglichkeit, das Schema in der BI Platform zu publizieren.
Das Webfrontend von Pentaho kann über drei Anwendungen abgebildet werden: über das klassische Webfrontend JPivot, die Pentaho Analysis Tools oder über das Tool ClearView, dass vom Drittanbieter LucidEra von Pentaho erworben wurde, jedoch nur in der Enterprise Edition zur Verfügung steht.
JPivot bietet zwar alle Funktionen zum Durchführen von OLAP-Analysen, glänzt aber nicht durch seine Bedienbarkeit und wirkt mittlerweile etwas unzeitgemäß. Es ist geplant, JPivot innerhalb der Community Edition durch die Pentaho Analysis Tools zu ersetzen.
Der Datenzugriff wird bei JPivot über MDX Abfragen durchgeführt. Mit Hilfe des Mondrian Schemas findet eine Übersetzung der Abfragen in eine SQL-Syntax statt, die dann auf der Datenbank ausgeführt wird. JPivot liefert eine grafische Darstellung in Form von Tabellen oder Diagrammen. Die Cubes können wiederum in Excel mit Hilfe von Pivot Tabellen ausgewertet werden. Der Drittanbieter Simba bietet das kostenpflichtige SimbaO2X-Plugin, mit welchem Excel als Frontend zur Darstellung von Cubes verwendet werden kann. Dies stellt besonders für IT-fremdere Anwender eine attraktive Alternative zu JPivot dar. [41]


3. Pentaho WEKA
Das Projekt WEKA, das den Data Mining in der Pentaho BI Suite übernimmt, umfasst drei Oberflächen:
  • Explorer: Der Explorer ermöglicht es dem Anwender, Datenquelle anzugeben, aus denen die benötigten Daten exportiert werden. Gleichzeitig werden über den Explorer Daten geändert und gefiltert, um später die Algorithmen ausführen zu können.
  • Experimenter: Dieser besitzt eine Oberfläche für das Anlegen und Testen von Lernansätzen in Form von Experimenten. Der User legt eine Datei an, in der die Ergebnisse geschrieben werden, wählt die auszuführenden Algorithmen aus und gibt Datenquellen an. Nach dem das Experiment durchgeführt wurde, wird das Ergebnis in einem Extra-Window angezeigt.
  • Knowledge Flow: Dieser ermöglicht dem Anwender Daten Mining Analysen als Datenflussdiagramme darstellen zu lassen. [42]



4. Pentaho Report Designer
Der Pentaho Report Designer ist eine Weiterführung von JFreeReport. Es handelt sich dabei um eine freie Bibliothek von Java-Klassen zum Generieren von Berichten. Anhand von JFreeReport lassen sich XML-basierte Berichte erstellen, die als csv, html, oder pdf-Datei exportiert werden können. Dem Nutzer steht dazu eine eigene Oberfläche, der Pentaho Report Designer zur Verfügung.
Das Generieren von Berichten wird in zwei verschiedenen Varianten erlaubt. Zum einen durch den Pentaho Report Designer, zum anderen innerhalb der BI Platform durch fertige Vorlagen.
Über eine Report-Palette werden alle Berichtselemente des Report Designers aufgelistet. Per Drag- and-Drop können die jeweiligen Komponenten auf der Oberfläche platziert und bearbeitet werden. Die Struktur der Berichte wird hierarchisch gegliedert wiedergegeben.
Der Anwender kann entweder die manuelle Berichterstattung oder einen Report Design Wizard nutzen. Mit dem Wizard werden einfach Standardberichte erzeugt. Wenn mehr Flexibilität bei der Erstellung und Gestaltung der Berichte gewünscht ist, sollten die Berichte manuell erstellt werden. Ein Bericht wird in einzelne Bereiche wie "Page Header", "Report Header", "Item Band", "Report Footer" und "Page Footer" gegliedert. Sobald das Layout und das Design des Berichts definiert ist, kann der Bericht gespeichert oder auf der BI Platform publiziert werden.
Der Pentaho Report Designer ist einfach strukturiert, lässt sich sehr intuitiv bedienen und das Handling ist sehr schnell zu erlernen. Er umfasst eine breite Palette an hochwertigen Diagrammen, die das Anlegen von ansprechenden Berichten ermöglicht. Durch Plugins von Drittanbietern lassen sich SAP-Systeme und Excel-Dateien anbinden. [43]
Pentaho Dashboard Commercial Edition (Quelle: http://wildanm.files.wordpress.com/2009/04/pentaho.jpg)
Pentaho Dashboard Commercial Edition (Quelle: http://wildanm.files.wordpress.com/2009/04/pentaho.jpg)


5. Pentaho Dashboard-Builder
Eine Oberfläche zur grafischen Erstellung von Dashboards bleibt den Nutzern der Pentaho Enterprise Edition vorbehalten. Die Community Edition enthält allerdings Bibliotheken des Projekt Community Dashboards, mit denen manuell Dashboards generiert werden können.
Für technisch weniger versierte Anwender gestaltet sich das Generieren von Visualisierungen über die manuelle Dashboard-Erstellung schwierig. Hier sind Kenntnisse von XML, HTML und Java Script erforderlich.


6. Pentaho Enterprise Edition
Die PEE enthält alle Designer-Tools wie z.B. den Aggregation Designer, Kettle, den Report Designer und das Schema-Workbench. Die Tools unterscheiden sich von denen, die auch bei der Community Edition von Pentaho zur Verfügung stehen bis auf den Dashboard Designer.


12.1 Prozessphasen

  • Bereitstellung:
Hier werden alle quantitativen, strukturierten und unstrukturierten Daten aus dem Datenbestand unseres Kunden gesammelt und im zentralen Data Warehouse zusammengeführt. Dieser Arbeitsschritt ist notwendig, um die Analyse sowie das Reporting über die Pentaho BI Suite möglich zu machen. Es werden hier von den Mitarbeitern die Daten gesammelt und an uns weitergereicht, damit wir diese in eine MySQL-Datenbank einspielen können.
  • Entdeckung:
Hier kommt die BI Suite zum Einsatz. Nach erfolgreicher Anbindung von Kettle an die zuvor eingerichtete Datenbank können nun über die BI Suite Analysen durchgeführt, Daten ausgewertet und dann entweder auf dem BI Server oder über andere Kanäle (z.B. E-Mail, Excel) publiziert werden. Über Daten aus dem Einkauf, dem Vertriebscontrolling und dem Management sind nun Auswertungen zur Übersicht von Kostensteigerungen beim Einkauf, Verkaufszahlen aus den jeweiligen Filialen und Berichten über die stattgefundenen Managementaktionen zu erstellen. Dem Kunden wird damit die Möglichkeit geboten, z.B. in Zukunft Einsparungen beim Einkauf vorzunehmen (welche Artikel wurden wo, zu welchem Preis bezogen und sind evtl. bei welchem alternativen Anbieter günstiger zu beziehen) oder auch Vertriebsstruktur neu zu definieren (über welche Kanäle wird am meisten abgesetzt, z.B. Neukundengeschäft, Cross-Selling oder Bestandskundengeschäft)
  • Kommunikation:
Die Kommunikation erfolgt im Unternehmen. Die Daten bzw. die Auswertungen und Berichte, die über die BI Suite von Pentaho geliefert werden, bieten gute Grundlagen um erfolgreiche und effiziente Management- und Vertriebsentscheidungen treffen zu können.
  • Nutzung:
Die Nutzung der kommunizierten Daten unterliegt unserem Kunden. Unser Ziel ist es, dem Kunden alle dafür notwenidgen Hilfsmittel zur Hand zu geben, sowie die entsprechende Implementierung bzw. Extraktion, Transformierung und Aufbereitung der firmeneigenen Daten aus den jeweiligen Datenbeständen vorzunehmen. Dabei sollen sowohl zentrale Auswertungsmöglichkeiten für das Management, als auch Auswertungsmöglichkeiten für die einzelnen Filialen geschaffen werden.


12.2 Beschaffung

Die Community Edition gilt es per Download über die Website http://sourceforge.net/projects/pentaho/ zu beziehen. Aktuell steht hier die Version 3.5.2 des BI Servers zur Verfügung. Abhängig davon, welches Betriebssystem genutzt wird, fällt die Entscheidung auf das zip-Archiv für Windows-User oder das .tar.gz-Archiv für Unix-Systeme.

Auf http://ci.pentaho.com finden wir die aktuellsten Citrus Releases, die allerdings noch nicht offiziell veröffentlicht wurden und sich in der Entwicklung befinden. Unter Beachtung des Open Source Gedankens kann es der Pentaho Community dienlich sein, mit den CI-Releases zu arbeiten, um Issues gleich zu melden und somit zur Weiterentwicklung von Pentaho aktiv beizutragen.

Pentaho bietet auf der firmeneigenen Website http://www.pentaho.com/download die Möglichkeit, die Enterprise Edition als 30-tätigen Trial zu testen. Zudem wird im Download-Bereich auch die Pentaho Data Integration in der Version 4.0 GA als 30-tägige Trial-Version angeboten.


12.3 Installation

Die Pentaho BI Suite ist vollständig in Java entwickelt, d.h. zum Betrieb ist zwingend die Installation von Java notwendig. Um die Suite ausführen zu können wird mindestens eine Installation von Java in der Version 1.4 benötigt.

Für die Installation der Pentaho BI Plattform bieten sich zwei Möglichkeiten. Entweder man greift auf die Pentaho Open BI Suite Pre-configured Installation (PCI), also eine Demoversion des Ganzen zurück oder man installiert Pentaho durch ein „Manual Deployment“.

Die Demoversion hat den Vorteil, dass sie nach dem Download nur noch entpackt werden muss und dann gleich gestartet werden kann.

Zudem beinhaltet die PCI Version einen vorkonfigurierten App-Server, eine Datenbank und Beispiele für mögliche Lösungsvarianten, die über die Suite abgebildet werden können. In der Windows-Version ist zusätzlich ein Java Run Time Environment enthalten.

Wie schon erwähnt, setzt sich Pentaho BI Suite aus mehreren Projekten zusammen. Den Kern der Suite bildet der Pentaho Server. Dieser läuft auf einem J2EE konformen Web-Server wie Apache, JBoss Application Server, Oracle Application Server, WebLogic oder WebSphere. Die Elemente zur Erstellung von Berichten, von E-Mails oder Business-Regeln sowie zum Analysieren der Daten sind im betreffenden Pentaho Server verankert. Das Kernelement des Servers stellt die Solution Engine dar. Sie verwaltet den Zugriff auf die einzelnen Komponenten. Components sind einzelne Module, die in das System eingefügt werden können und definieren, welche Funktionen auf dem Server ausgeführt werden sollen. Unterhalb der Components befinden sich die einzelnen Engines. Jede Engine ist, je nach Funktionalität, mit einer entsprechenden Component verbunden. Beispielsweise greifen Dashboards und Pivot Views auf die OLAP Engine zu. Die OLAP Engine ist mit einer Data-Mart oder dem Data-Warehouse verbunden, das die zu analysierenden Daten liefert. Das Data-Warehouse selbst ist, wie alle Repositories für die Datenhaltung, nicht Bestandteil des Pentaho Servers, liegt folglich außerhalb der Server-Architektur, muss also zusätzlich installiert und an die Pentaho Plattform angebunden werden. Das Laden der Anwendungsdaten in das Data-Warehouse kann in einem ETL-Prozess über KETTLE, das Pentaho ETL-Programm geladen werden. Dieser Ladeprozess kann auch über die Solution Engine gestartet werden. Die Kommunikation zwischen dem Server und einem Client erfolgt überwiegend mit dem Browser über http. Der Zugriff auf die Solution Engine kann entweder direkt über bspw. Jave Server Pages (JSP) oder über die Navigation Components, von denen dann auf die Solution Engine zugegriffen werden kann.

Nachdem wir uns für die PCI Version entschieden und diese über die oben genannten Bezugsquellen besorgt haben, entpacken wir diese auf dem dafür vorgesehenen Rechner, der fertig eingerichtet sowohl als Server für die BI Plattform, als auch als Development-Rechner für die Erstellung der Reports fungieren soll.

Wie schon angesprochen beinhaltet die PCI eine Hypersonic Datenbank, die für die Demoversion benötigten Daten beinhaltet. Die Datenbank startet erst beim Start der Pentaho-Plattform. Das Verzeichnis, in das Pentaho entpackt wurde enthält vier Skripte, die zum Starten von Pentaho (entweder für Windows oder Linux) verantwortlich sind. Die Skripte starten die Datenbank und den JBoss Application Server mit dem Portal. Der User, unter dem die Plattform gestartet wird, muss die Rechte zum Anlegen von Ordnern und Dateien besitzen.

Die PCI Version ist als erstes so konfiguriert, dass sie als Standalone auf einem einzelnen System läuft. Da wir die Plattform in einem Netzwerk als Server fungieren lassen wollen, müssen wir den Pentaho Server vom Standalone- in den Sever-Modus umschalten.

Die BI Platform läuft standardmäßig auf dem JBoss Application Server mit dem Standardport 8080. Falls dieser schon von anderen Anwendungen belegt ist, müssen in die entsprechenden Konfigurationsdateien andere Ports eingetragen werden.

Zudem enthält die BI Platform die Möglichkeit ein Publisher-Passwort, das als Sicherheitsvorkehrung verhindert, dass Daten unerlaubt auf dem Server publiziert werden. Auch hier sind die nötigen Konfigurationen in den dafür vorgesehenen Dateien vorzunehmen. Dieses Publisher-Passwort gilt auch für die anderen Pentaho Applikationen, die ihre Daten nur nach erfolgter Eingabe das definierten Passworts auf dem Pentaho Server ablegen können. Da über Pentaho auch E-Mails an das Management versandt werden sollen, ist es erforderlich für den Versand der E-Mails einen SMTP zu konfigurieren. Dabei müssen Angaben zu DNS und IP-Adresse des Servers, evtl. zur Authentifizierung auf dem Server, zur Absenderadresse, der Benutzer-ID, über die die E-Mails versendet werden soll und das zugehörige Passwort gesetzt werden.

Die Enterprise Edition kann man über die Eingabe eines erworbenen Lizenz-Schlüssels in der dafür vorgesehenen XML-Datei frei schalten.

Damit der Pentaho Server mit Mondrian über den JBoss AS auf eine Datenbank zugreifen zu können, muss eine Datenbankverbindung konfiguriert werden. Hierzu werden in die entsprechenden XML-Datein der JNDI-Name, die Connection URL, die Treiberklasse sowie die Benutzerangabe mit Passwort eingetragen. [44]


12.4 Schaffung Power User

Da es im Unternehmen nicht allen Mitarbeitern, die mit Pentaho arbeiten ermöglicht werden soll, Berichtsvorlagen, Datenbank-Modifizierungen etc. vornehmen zu können, ist es zwingend notwendig Power User zu definieren. Diese werden aus der IT-Abteilung bzw. der System-Administration des Unternehmens dafür gestellt. Bei der Einführung der Pentaho BI Suite werden wir diese zum einen permanent über die jeweilig erfolgten Einführungsschritte informieren sowie die notwendigen Berechtigungen für die Nutzer innerhalb der Pentaho Konfiguration definieren.

Es soll diesen Nutzern möglich sein, sowohl Anpassungen an der Datenbank vorzunehmen, Berichte innerhalb von Pentaho zu erstellen und auf dem Pentaho Server zu publizieren, als auch Konfigurationen am Pentaho Server vorzunehmen. Gleichzeitig ist auch ein IT Hintergrund bei der Nutzung von JPivot notwendig, weil hier wie schon angesprochen Kenntnisse in XML, HTML und Java Script zum Erstellen des Dashboards bzw. von Visualisierungen erforderlich sind.


12.5 Schulung Mitarbeiter

Die Nutzung von Pentaho gestaltet sich nicht sonderlich schwer. Pentaho ist intuitiv zu bedienen. Eine exzessive Schulung der Mitarbeiter ist somit nicht erforderlich. Dennoch werden wir nach Testing und erfolgreicher Implementierung der BI Suite alle Nutzer im Gebrauch der Report Designer und der Pentaho Analyse Tools schulen. Da Anwender existieren, die über das reine Durchführen von Berichten auch Berichte erstellen sollen, müssen diese speziell geschult werden.


12.6 Support

Da wir neben der Vorstellung von BI, der Nutzen-Ausführung für das Unternehmen und der Auswahl der, für das UN geeigneten BI Suite auch für die Implementierung des Systems verantwortlich sind, ist es auch in Zukunft notwendig die BI Suite auf aktuellstem Stand zu halten und regelmäßig Updates aufzuspielen. Diesen Part werden wir auch weiterhin übernehmen. Gleichzeitig bilden wir auch die erste Anlaufstelle bei Problemen bzw. Fragestellungen, die nicht von den geschulten Mitarbeitern aus dem UN beantwortet werden können. Wir fungieren somit als Schnittstelle zwischen UN und dem Professional Support von Pentaho.

13 Schlussbetrachtung

13.1 Nicht betrachtete Prozesse

Im Rahmen der Fallstudie werden Teilprozesse betrachtet, zu einer Umsetzung von Business Intelligence in einem Unternehmen gehören neben den organisatorischen und fachlichen Aufgabenstellungen, auch eine vielzahl an technischen und peripheren Problemstellungen, die zu lösen sind.

Dazu gehört unter anderem:

  • Datensicherungskonzept
  • Datenschutzkonzept
  • Rechtemanagement
  • Implementierung ETL-Prozesse
  • Anbindung an Nicht-Datenbanksysteme (Webservice, etc.)
  • Wartung und Support
  • Regelmäßig wiederkehrende Change Coordination Boards (Änderungswesen)
  • Erstellung, Inbetriebnahme und Verteilung von Berichten

14 Fazit

Im Rahmen der Fallstudie wird gezeigt, dass auf Basis des verwendeten Vorgehensmodells eine standardisierte Umsetzung von BI in einem Unternehmen möglich ist. Die dadurch reduzierte Einführungsdauer macht es auch kleinen und mittelständischen Unternehmen möglich von den Vorteilen einer BI-Lösung zu profitieren.

Des Weiteren wird deutlich, dass die heute am Markt verfügbaren Open Source BI-Lösungen hinreichend Leistungsfähig und Flexibel für den Einsatz im Unternehmensalltag sind.

Letztendlich trägt zur Entscheidung Pro Open Source aber nicht der Kostenvorteil der Softwarelizenz bei, denn diese Kosten sind vernachlässigbar, sondern die Einstellung des Kunden gegenüber freier Software und deren Förderung. Ebenso sind nur durch Open Source kundenspezifische Änderungen an der Software ohne die Einbeziehung des Herstellers und die damit verbundenen Kosten möglich.

15 Fußnoten

  1. Vgl. Engels, C.: Basiswissen Business Intelligence, W3L GmbH 2009, Vorwort
  2. Microsoft ist ein eingetragenes Warenzeichen der Microsoft Corporation, Seattle, N.Y.
  3. ORACLE ist ein eingetragenes Warenzeichen der Oracle Corporation, Redwood Shores, CA.
  4. Vgl. Gates, B.: Digitales Business, Wettbewerb im Informationszeitalter, München 1999, S. 21.
  5. Vgl. o. V.: Information-Warehouse liefert Entscheidungsgrundlagen, in: Oracle Magazin, o. Jg. (1962), 2, S. 36-37, hier S. 36.
  6. Vgl. Manhart (2009), S. 13, http://www.tecchannel.de/server/sql/2023090/business_intelligence_bi_fehler_irrtuemer_fehlentscheidungen_fallen/index4.html (13.06.2010, 12:54)
  7. Vgl. Alexander (2009), S. 65
  8. Vgl. Manhart (2009), S. 13
  9. Vgl. Alexander (2009), S. 65
  10. Vgl. Alexander (2009), S. 65/66
  11. Vgl. König (2010), S. 13
  12. Vgl. König (2010), S. 15
  13. Vgl. König (2010), S. 18
  14. Vgl. Grohe/Gentsch (2010), S.19
  15. Vgl. Kemper/Mehanna/Unger (2006), S.8
  16. Vgl. Scheer (2010)
  17. Vgl. Zimmermann (2009), S.104
  18. Vgl. Zimmermann (2009), S.104
  19. Vgl. Zimmermann (2009), S.109
  20. Vgl. Manhart (2010), S. 11
  21. Vgl. Zimmermann (2009), S. 108/109
  22. Vgl. Wikipedia-Beitrag zu JasperReports
  23. Vgl. Historie der Jedox AG
  24. Vgl. Wikipedia-Beitrag zu Pentaho
  25. Vgl. Wikipedia-Beitrag zu JasperReports
  26. Vgl. Wikipedia-Beitrag zu JasperReports
  27. Vgl. Manhart (2010), S.16
  28. Vgl. Presseinformation auf ORACLE-Webseite zur Übernahme von Hyperion Solutions
  29. Vgl. Presseinformation auf IBM-Webseite zur Übernahme von Cognos
  30. Vgl. Presseinformation auf SAP-Webseite zur Übernahme von Business Objects
  31. Vgl. Hedwig (2010), S. 3
  32. Vgl. Scheer (2010), S. 2
  33. Vgl. Scheer (2010), S. 2
  34. Vgl. Schmidt (2010), S. 9
  35. Vgl. Bange (2010), S. 4
  36. Vgl. Scheer (2010), S. 2
  37. Vgl. Scheer (2010), S. 2
  38. Pentaho ist ein eingetragenes Warenzeichen der Pentaho Corporation, Orlando, FL
  39. Vgl. Volkert/Freyburger (2007), S. 26
  40. Vgl. It-novum (2009), S. 22
  41. Vgl. It-novum (2009), S.24
  42. Vgl. It-novum (2009), S.27
  43. Vgl. It-novum (2009), S.28
  44. Vgl. Volkert/Freyburger (2007), S. 51-57

16 Literatur- und Quellenverzeichnis

[1] Manhart (2009) Manhart, Dr. Klaus: Die zehn häufigsten BI-Fehler und –Irrtümer aus Tecchannel Compact 01/2010, http://www.tecchannel.de/server/sql/2023090/business_intelligence_bi_fehler_irrtuemer_fehlentscheidungen_fallen/ (13.06.2010, 12:54)
[2] Alexander (2009) Alexander, Sascha: Checkliste für Business Intelligence aus Tecchannel Compact 01/2010, http://www.computerwoche.de/software/bi-ecm/1900217/ (13.06.2010, 13:28)
[3] Prof. Dr. Stephan König (2009/2010) König, Stephan: Ein Wiki-basiertes Vorgehensmodell für Business Intelligence Projekte, http://www.fakultaet4.fh-hannover.de/fileadmin/media/doc/fawul/2010_Koenig_Wiki_basiertes_Vorgehensmodell_fuer_BI_Projekte.pdf (Detailiert (Seitenangaben referenzieren hierauf): http://ceur-ws.org/Vol-542/paper03.pdf) (30.06.2010, 17:11)
[4] Grohe/Gentsch (2010) Grohe, Martin / Gentsch, Peter : Business Intelligence - Aus Informationen Wettbewerbsvorteile gewinnen, 2000, Addison-Wesley Verlag, 1.Auflage, ISBN 3-8273-1591-3
[5] Zimmermann (2009) Zimmermann, Mark (Geschäftsführer Infomotion GmbH): Beitrag "Business Intelligence" im Magazin "TecChannel compact" Juni/Juli/August 2009, Seiten 104, 108/109
[6] Manhart (2010) Manhart, Dr. Klaus: Beitrag "Die zehn häufigsten BI-Fehler und -Irrtümer" im Magazin "TecChannel compact" 01/2010, ISBN 978-3-86850-567-2
[7] Kemper/Mehanna/Unger (2006) Kemper,Hans-Georg/Mehanna, Walid/Unger, Carsten: "Business Intelligence – Grundlagen und praktische Anwendungen", 2., ergänzte Auflage 10/2006, Friedr. Vieweg & Sohn Verlag / GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006, ISBN-10 3-8348-0275-1
[8] Scheer (2010) Themenzeitung "Business Intelligence" von Media Planet, 1.Ausgabe, Mai 2010, Seite 2, Vorwort von Prof. Dr. August Wilhelm Scheer, Präsident BITKOM
[9] Bange (2010) Themenzeitung "Business Intelligence" von Media Planet, 1.Ausgabe, Mai 2010, Seite 4, Artikel 'Business Intelligence - kritisch für den Unternehmenserfolg' (von Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer BARC)
[10] Schmidt (2010) Themenzeitung "Business Intelligence" von Media Planet, 1.Ausgabe, Mai 2010, Seite 9 Expertenpanel (von Marc Schmidt, Geschäftsführer Forward GmbH)
[11] Hedwig (2010) Themenzeitung "Business Intelligence" von Media Planet, 1.Ausgabe, Mai 2010, Seite 3 Artikel 'Business Intelligence als Managementwerkzeug' (von Armin Hedwig, Produktmanager Business Intelligence SoftM AG/Comarch Group)
[12] Volkert/Freyburger (2007) Arbeitsbericht 01-2007 "Open Source Business Intelligence zur Unterstützung eines Software-Validierungsprozesses" (von Norman Volkert (B. Sc) und Prof. Dr. Klaus Freyburger (IBI Institut für Business Intelligence))
[13] It-novum GmbH (2009) White-Paper Produktvergleich "Open Source Business Intelligence" (von It-novum GmbH, November 2009)

17 Linksammlung

  • Computerwoche - Die Topanbieter im BI-Markt (Beitrag vom 21.09.2009)

17.1 Webseiten der Pentaho Corporation

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