Cloud Computing - Chancen und Risiken für international agierende IT-Dienstleister

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Name der Autoren: Michael Gohlke, Niki Lüdtke, Thomas Bensch
Titel der Arbeit: "Cloud Computing - Chancen und Risiken für international agierende IT-Dienstleister"
Hochschule und Studienort: FOM Neuss


Inhaltsverzeichnis


1 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
ASPApplication Service Provider
BDSGBundesdatenschutzgesetz
EC2Elastic Compute Cloud 2
EDGEEnhanced Data Rates for GSM Evolution
EDVElektronische Datenverarbeitung
GSMGlobal System for Mobile Communication (früher Groupe Spécial Mobile)
HSDPAHigh Speed Downlink Packet Access
IaaSInfrastructure as a Service
ITInformationstechnologie
PaaSPlatform as a Service
SaaSSoftware as a Service
SOAserviceorientierte Architektur
SLAService Level Agreement
UMTSUniversal Mobile Telecommunications System

2 Abbildungsverzeichnis

Nr.Abbildung
1Cloud Computing - Ein Begriff, viele Bedeutungen
2Grafik zur Definition von Forrester Research zum Thema Cloud Computing[1]
3Cloud Computing User und Provider[2]
4private, public & hybrid Clouds[3]
5Schichtenmodell des Cloud Computings[4]
6International agierende IT-Dienstleister
7IDC-Umfrage - Vorteile des Cloud Computing[5]
8technische Virtualisierung auf Seiten des IT-Dienstleisters
9"virtuelle" Sicht des Kunden auf die Cloud
10Schematische Darstellung Skalierung
11On-Demand-Nutzung
12Mehr als nur ein Schlagwort - Green-IT im Zeichen des Cloud Computing[6]
13Multi-Tenant-Architektur vs. Single-Tenant-Architektur
14IDC-Umfrage - Risiken des Cloud Computing[7]
15Ungeklärte Rechtslage - Länderübergreifendes Cloud-Computing
16Viele Hürden bis zum Ziel - Cloud Computing

3 Einleitung

Cloud Computing - DAS gegenwärtige Schlagwort in der Informations- und Telekommunikationsindustrie bezeichnet nunmehr seit fast 2 Jahren die An- und Vermietung von Diensten und Infrastruktur über öffentliche und private Netze. Wer bei dem Thema Cloud Computing nach einer einheitlichen Begriffsdefinition sucht, tut sich meisst sehr schwer. Abhängig von den jeweiligen Service-, Infrastruktur- oder Softwareanbietern wird Cloud Computing in vielfältigen Facetten und Begriffsvarianten definiert.

Abbildung 1: Cloud Computing - Ein Begriff, viele Bedeutungen
Abbildung 1: Cloud Computing - Ein Begriff, viele Bedeutungen

Im Rahmen unserer Fallstudie untersuchen wir als Gegenbetrachtung zu den großen Cloud-Computing Service-Anbietern wie z. B. Amazon, Google oder IBM die Chancen und Risiken international agierender IT-Dienstleister. Wir definieren international agierende IT-Dienstleister als Unternehmen mit vorhandener Rechenzentrums-Infrastruktur, welche sich unter wachsendem Kostendruck und Einsparmaßnahmen primär selber in die Rolle von Cloud Computing-Anbietern bringen, um am stark umkämpften Markt weiterhin bestehen zu können. Sekundär verstehen wir darunter auch den temporären "Zukauf" von Cloud-Services um etwaige unerwartete Engpässe und Lastspitzen kundenneutral bewerkstelligen zu können.

In Kapitel 4 definieren wir zunächst den nach unserem Verständnis für o.g. IT-Dienstleister geltenden Begriff Cloud Computing, inklusive der jeweiligen Servicearten wie etwa SaaS, IaaS usw. und differenzieren Cloud Computing nach Anbieter und Endnutzer. Da Cloud Computing bei Unternehmen mit bestehender Infrastruktur diverse vorhandene Software und Services ablösen oder ergänzen soll, erläutern wir ferner die historische Entwicklung des Cloud-Computings sowie die bisher gängigen Technologiekonzepte (ASP, GRID).

In Kapitel 5 zeigen wir dann detailliert auf, was wir unter einem international agierenden IT-Dienstleister verstehen und erläutern bestehende Betriebskonzepte von o.g. Dienstleistern im Hinblick auf mögliches Cloud Computing-Potenzial. Die eigentlichen Gründe die bei einem IT-Dienstleister für Cloud Computing sprechen, also Vorteile wie z. B. Virtualisierung, Skalierbarkeit usw. werden in Kapitel 6 erklärt. In Kapitel 7 weisen wir dann auf die möglichen Risiken bzw. die Nachteile hin, die mit dem Einsatz von Cloud Computing einhergehen können. Hier werden Themen wie die Datensicherheit, Datenintegrität und Datensicherheit im Bereich des Cloud Computings kritisch bewertet.

4 Cloud Computing

4.1 Definition des Begriffs Cloud Computing

Abbildung 2: Grafik zur Definition von Forrester Research zum Thema Cloud Computing
Abbildung 2: Grafik zur Definition von Forrester Research zum Thema Cloud Computing

Für das Konzept des Cloud Computings existiert bis dato keine einheitliche Begriffsdefinition. In Abhängigkeit der jeweiligen Interessenlage definieren Softwareanbieter, IT-Dienstleister sowie Anbieter von Netzwerktechniken und IT-Infrastruktur den Begriff Cloud Computing unterschiedlich.

Ein Zusammenschluss von namhaften IT-Unternehmen definiert unter http://opencloudmanifesto.org zunächst den Begriff der Cloud. Die Cloud, die in der IT als Synonym für das Internet zu verstehen ist, wird aus Sicht von IBM, SAP & Co. als Überbegriff für den Aufbau, die Architektur sowie die weitere Begriffsbestimmung von Cloud Computing verstanden. Cloud Computing ist nach ihrer Ansicht eine Anhäufung von Technologien wie Grid Computing, Utility Computing, SOA, Web 2.0.

Führende Marktforschungsunternehmen wie z.B. Gartner definieren Cloud Computing als eine Art der EDV, in der stark skalierbare, IT-spezifische Einsatzmöglichen einer Vielzahl externer Kunden über das Internet als Service angeboten werden.[8] Forrester Research als ein weiteres Marktforschungsunternehmen versteht unter dem Begriff Cloud Computing einen Pool aus abstrahierter, hochskalierbarer und verwalteter IT-Infrastruktur, die Kundenanwendungen vorhält und nach Verbrauch abgerechnet wird.

Das bedeutet, dass der Anwender einer Software diese nicht mehr selbst auf eigener Hardware gespeichert hat. Vielmehr wird die Leistung der Soft- und der Hardware durch einen Dritten angeboten, der diese Leistungen aber auch anderen Kunden zur Verfügung stellt. Dadurch sind Anwendungen und Dokumente nicht mehr lokal gespeichert, sondern in einer virtuellen Wolke abrufbar. Daraus resultiert der Begriff des Cloud Computings.

Cloud Computing lässt sich andererseits auch als Weiterentwicklung des Software as a Service-Konzepts begreifen. Nicht nur das Hosting von Anwendungen und Speichersystemen wird in die Cloud verschoben, sondern auch die Softwareentwicklung und ergänzende Dienste. Dafür stehen mittlerweile komplette Cloud-Plattformen inklusive Entwicklungs-Tools und der benötigten IT-Infrastruktur zur Verfügung.

Dennoch verbinden die meisten IT-Verantwortlichen mit Cloud Computing gegenwärtig vor allem IT-Infrastruktur wie Rechenleistung oder Speicherplatz, die sich in Form von Services nutzen lässt. Das hat Saugatuck in einer Umfrage herausgefunden.[9]

Die Schlüsseleigenschaften des Cloud Computings liegen in der Tat in den Möglichkeiten die Rechenleistung und oder den Speicherplatz zu skalieren bzw. skaliert zu erhalten, respektive die Rechenleistung und oder den Speicherplatz kostengünstig bereitzustellen oder kostengünstig bereitgestellt zu bekommen. Eine weitere interessante Eigenschaft des Cloud Computings liegt für Endbenutzer, wie z.B. für IT-Abteilungen oder IT-Unternehmen, in der Möglichkeit die ganze Stärke und Vielfalt des Cloud Computings zu nutzen, ohne die im Hintergrund liegende Komplexität der Technologien zu beherrschen.

Aus Sicht der am Markt agierenden Unternehmen ist zudem eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Begriffe wie Kosteneffizienz und Kosteneinsparung zu richten.

4.2 Grundlagen des Cloud Computings

4.2.1 Differenzierung zwischen Providern und Usern

Abbildung 3: Cloud Computing User und Provider
Abbildung 3: Cloud Computing User und Provider

Ein Cloud Computing Provider bzw. Cloud Computing Service-Provider besitzt und verwaltet Cloud Computing-Systeme um die entsprechenden Dienste an den Kunden / den User zu bringen. In der Regel benötigt dieser signifikante Ressourcen finanzieller sowie personeller Art, entsprechende Erfahrung im Umgang, mit der Errichtung und mit der Verwaltung von großen, überdimensionalen Rechenzentren.

Der Kunde bzw. User erhält damit eine sichere und zuverlässige IT-Infrastruktur, Kostentransparenz und Investitionssicherheit. Zudem steht dem Kunden immer die jeweils aktuelle Technologie zur Verfügung. Weitere Kundennutzen sind die hohe und schnelle Skalierbarkeit durch die Möglichkeit, Anwendungen auf tausende Server zu verteilen sowie die beschleunigte Implementierung neuer Applikationen. Nicht zuletzt ergeben sich für den Kunden Kostenvorteile: von der Reduzierung der reinen IT-Kosten bis zu Personaleinsparungen im Bereich der Systemadministration.

Am Markt existieren aber auch Szenarien, in denen Unternehmen gleichzeitig als Provider und User Cloud-Services in Anspruch nehmen bzw. Cloud-Services anbieten. Als Beispiel sei hier ein international agierender IT-Dienstleister genannt, welcher über das ihm zur Verfügung stehende, eigene Rechenzentrum Cloud-Services anbietet und gleichzeitig zu Lastspitzen innerhalb des Rechenzentrums auf Cloud-Services anderer Unternehmen zurückgreift.

4.2.2 private, public & hybrid Clouds

Abbildung 4: private, public & hybrid Clouds
Abbildung 4: private, public & hybrid Clouds

Die Bereitstellung von Cloud-Services geschieht wahlweise aus unternehmenseigenen Rechenzentren, den so genannten "private clouds" oder aus der "public cloud" über das Internet. Zudem ist auch eine Kombination aus beidem möglich. Man spricht dann von "hybriden clouds". Nachfolgend werden die drei Cloud-Varianten kurz erläutert:

Der Aufbau von privaten Clouds zeichnet sich durch die Virtualisierung von Servern sowie die Schaffung von SOA-basierten IT-Infrastrukturen innerhalb eines eigenen Rechenzentrums aus. Dieses Modell hat zwar Ähnlichkeiten mit den von IT-Dienstleistern angebotenen Cloud-Services, jedoch werden in einer privaten Cloud sämtliche IT-Anwendungen und IT-Services physisch immer noch zentral im Rechenzentrum vorgehalten. Im Unterschied zu public Clouds bestehen hier nicht die möglichen Einschränkungen hinsichtlich Netzbandbreite und Verfügbarkeit sowie potenzielle Sicherheitsrisiken. Private Clouds bieten dem Anbieter und Nutzer mehr Kontrolle und Sicherheit sowie einen besseren Ausfallschutz.

Neben den private Cloud - Umgebungen gibt es für Unternehmen auch die Möglichkeit public Clouds zu nutzen. Innerhalb einer public Cloud stellt ein externer Service Provider, welcher ebenfalls auch Betreiber der Cloud ist, seinen Kunden über das Internet die jeweiligen Cloud-Services zur Verfügung.

Eine hybride Lösung erlaubt die nahtlose Zusammenarbeit von private Clouds zu und mit den entsprechenden Cloud-Services in einer public Cloud.

4.3 Arten von Cloud Computing

Abbildung 5: Schichtenmodell des Cloud Computings
Abbildung 5: Schichtenmodell des Cloud Computings
Im Prinzip können drei Arten von Cloud Computing unterschieden werden: Software as a Service (SaaS), Infrastructure as a Service (IaaS) und Platform as a Service (PaaS). Nachfolgend werden die einzelnen Begriffe genauer betrachtet und erläutert.

4.3.1 Software as a Service

Bei Software as a Service (SaaS) handelt es sich um ein Modell, bei dem Anwendern eine Standardsoftwarelösung als Dienstleistung über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Die Anbieter sind dabei für Betrieb und Wartung der Software verantwortlich.

Grundsätzlich ist SaaS für eine Vielzahl von Anwendungsgebieten einsetzbar. Besonders geeignet scheint dieses Geschäftsmodell jedoch für Funktionen und Prozesse zu sein, die sich zu einem hohen Grad standardisieren lassen. Im Gegensatz zu klassischer Standardsoftware zahlen die Nutzer in der Regel keine Lizenzgebühr. Vielmehr sind Nutzungsgebühren zu entrichten, die beispielsweise monatlich, quartalsweise oder jährlich anfallen. Zu unterscheiden sind hierbei nutzungsabhängige und –unabhängige Preismodelle.

Aus Sicht der Anwender ist zu beachten, dass SaaS-Lösungen im Vergleich zu klassischer Standardsoftware in der Regel weniger Anpassungsmöglichkeiten an unternehmensspezifische Anforderungen bieten - es sei denn, der Softwareanbieter bietet die Möglichkeit so genannter Iterationsphasen um eben solche unternehmensspezifischen Anpassungen vorzunehmen. Bei der Implementierung einer SaaS-Lösung entstehen, ohne die Anpassung über Iterationsphasen, tendenziell geringere Kosten.

Da es sich bei der Inanspruchnahme eines SaaS-Angebots um die Auslagerung von Funktionen oder Prozessen an Dritte handelt, lassen sich einige potenzielle Vor- und Nachteile der SaaS-Nutzung grundsätzlich aus denen des Outsourcing ableiten. Als ein zentraler Vorteil des Outsourcing wird in der Regel angeführt, dass sich die Anwender stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Dies gilt grundsätzlich auch für die Nutzung von SaaS-Angeboten. Da die Anwender Aufgabenstellungen wie Support, Wartung und Betrieb auslagern, können die auf diese Weise freigesetzten Ressourcen für andere Bereiche eingesetzt werden, etwa um die eigenen Kernkompetenzen zu stärken. Zudem kann SaaS, wie das Outsourcing anderer Aufgabenstellungen, einen Beitrag dazu leisten, das IT-Management beim Anwender zu vereinfachen und flexibler zu gestalten. Beispielsweise wird der Anbieter die jeweils aktuellste Version der Applikation bereitstellen. Darüber hinaus kann die Auslagerung an einen oder mehrere SaaS-Anbieter Zugang zu intern nicht vorhandenem Know-how eröffnen. Aufgrund von anbieterseitigen Skaleneffekten, insbesondere in den Bereichen IT-Infrastruktur, Hard- und Software sowie Personal, lassen sich bei der Nutzung von SaaS grundsätzlich auch Kostenvorteile realisieren.

Mit SaaS können allerdings auch die für Outsourcing typischen Probleme verbunden sein. So zeigen viele Erfahrungen in Outsourcing-Projekten, dass sich die Aufgabe von Know-how zukünftig möglicherweise als nachteilig erweisen kann. Diese Argumentation gilt grundsätzlich auch bei der Nutzung von SaaS-Angeboten. Ein weiteres häufig angesprochenes Thema ist die Sicherheit. Hierbei wird insbesondere von kleinen und mittelständischen Kunden die Auslagerung interner sensibler Daten an externe Dritte als riskant eingeschätzt. Dies ist insofern kritisch, als diese potenziellen Kunden häufig als Zielgruppe der SaaS-Anbieter adressiert werden.

4.3.2 Infrastructure as a Service

Unter der Bezeichnung Infrastructure as a Service (IaaS) wird eine virtuelle Computerinfrastruktur bereitgestellt. In diesem Falle kann beliebig viel Rechnerleistung auf Abruf, für beliebige Arten von Anwendungen bezogen werden. Der Unterschied zum klassischen dedizierten Hosting, liegt darin, dass die Infrastruktur in einer Multi-Tenant Architektur bereitgestellt wird. Multi-Tenant bedeutet, vereinfacht dargestellt, dass nicht für jeden Kunden eine separate, Infrastruktur bereitgehalten wird (Single-Tenant), sondern dass alle Nutzer auf derselben Plattform arbeiten. Die IaaS-Angebote können daher sehr einfach skaliert bzw. nach Bedarf genutzt und abgerechnet werden. Die Flexibilität in Bezug auf die Anwendungsfälle büßt man jedoch durch die reduzierte Anzahl bereits einsatzbereiter Services ein. Das wichtigste Beispiel für IaaS ist momentan Amazon mit den Amazon Web Services.

4.3.3 Platform as a Service

Als Platform as a Service (PaaS) wird das Konzept des Cloud Computings bezeichnet, welches die gesamte Infrastruktur bzw. die Plattform zum Aufbau und zur Ausführung von benutzerdefinierten Anwendungen über das Internet bzw. einen Webbrowser bereitstellt. Gemeint ist hiermit, dass komplette Entwicklungsumgebungen wie z.B. Tools, Programmbibliotheken und Programmierschnittstellen, online verfügbar gemacht werden. Im Gegensatz dazu werden heute noch beim Erstellen von Web-Anwendungen diverse Werkzeuge oder Scripting-Sprachen kombiniert.

Seit geraumer Zeit bietet z.B. ein Unternehmen wie Salesforce die Möglichkeit über http://www.salesforce.com/platform an der Entwicklung ihrer CRM-Software teilzunehmen. Durch den sich einstellenden Erfolg, gemessen an der stetigen Weiterentwicklung der Software, wurde die immer umfassendere Plattform mehr und mehr für Drittentwickler geöffnet, die so uneingeschränkt Ergänzungsmodule für die CRM-Software erstellen konnten.

An vergleichbaren Konzepten arbeiten derzeit Google, Amazon und Facebook.

4.4 Historische Entwicklung - der Weg zum Cloud Computing

Hinter Cloud Computing verbirgt sich eine Entwicklung auf dem Computermarkt, die auf den ersten Blick Jahrzehnte in die Vergangenheit zu führen scheint. Anwender bzw. User saßen damals vor Terminals, während sich der eigentliche Großrechner woanders befand. Der User hatte selbst nur Tastatur und Bildschirm vor sich und war über Datenleitungen an den fernen Großrechner, auch Mainframe genannt, angeschlossen. Cloud Computing verfolgt ein ähnliches Konzept - mit dem Unterschied, dass die heutigen Technologien und das Internet als Basis dienen.

Ausgangspunkte für Cloud Computing sind zwei Entwicklungen. Einerseits sind die PCs heutzutage so leistungsfähig, dass das Können meist ungenutzt bleibt oder für nicht unbedingt benötigte Betriebssystem-Anwendungen in Anspruch genommen wird. Andererseits sind die meisten PCs an das Internet angeschlossen, welches per Breitbandverbindung große Datenmengen innerhalb kürzester Zeit um die Welt transferiert. Neben der großen Anzahl von Einzelrechnern sind an das Internet auch noch Rechenzentren von Firmen wie Amazon, Google oder Microsoft angeschlossen. Fast alle installieren das gleiche Betriebssystem und die gleiche oder zumindest ähnliche Anwendungssoftware für das Schreiben von Texten, für die Tabellenkalkulation und die Anfertigung von Präsentationen. Allerdings sorgen derzeit alle getrennt voneinander für Updates und Backups.

Die Idee von Cloud Computing ist, das Internet per Breitbandverbindung so zu nutzen, wie in der Vergangenheit Großrechner per Terminal oder genutzt wurden oder das Client-Server-Modell zur Anwendung kam. Beim Client-Server-Modell handelt es sich um ein Konzept für die Verteilung von Aufgaben innerhalb eines Netzwerkes. Mittels eines Servers werden Aufgaben auf verschiedene Rechner verteilt und können bei Bedarf von vorhandenen Clients zur Lösung und Bearbeitung der eigenen Aufgaben angefordert werden. Eine Aufgabe wird im Client-Server-Modell auch als Dienst bezeichnet.

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Entwicklung des derzeitigen Cloud Computings, sind die über das Inter-, Intra- oder Extranet bereitgestellten Webanwendungen. Hierbei werden Dienste über einen Browser als Benutzerschnittstelle bereitgestellt, während die Verarbeitung auf einem Webserver stattfindet. Der Vorteil von Webanwendungen liegt darin, dass neben einem Browser keine weitere Anwendungssoftware auf dem jeweiligen PC notwendig ist. Webanwendungen funktionieren zudem plattformunabhängig.

Der nächste zeitliche Schritt bei der historischen Entwicklung des Cloud Computings ist die Verwendung und Betrachtung des Software as a Service - Konzepts. Mit Software as a Service, abgekürzt SaaS, sind einzelne Anwendungen gemeint, die in einer Cloud betrieben werden und deren Daten in der Regel auch dort gespeichert werden. Üblicherweise werden sowohl die Applikation wie auch der Datenspeicher von demselben Provider bereitgestellt. Neben SaaS sind aber auch die IaaS und PaaS - Konzepte zur erwähnen, welche insgesamt heute eine enorme Rolle bei der, wie in der Einleitung erwähnten, noch nicht einheitlich vorhandenen Begriffsdefinition von Cloud Computing einnehmen.

Cloud Computing hat dazu geführt, dass Anwendern die Möglichkeit geboten wird über ein internetfähiges Endgerät auf Betriebssysteme und Anwendungsprogramme zuzugreifen. Diese werden nicht mehr direkt beim Anwender ausgeführt, sondern irgendwo in einer Cloud. Daten werden zudem nicht mehr lokal beim jeweiligen Anwender gespeichert - sie liegen vielmehr in einem dem Anwender nicht unbedingt bekannten Rechenzentrum. Softwareanbieter müssen nur noch in ihren Rechenzentren für Updates sorgen - die Nutzer greifen immer automatisch auf die aktuelle Version der Programme zu. Die am Markt vorhandenen Speicherplatz-Anbieter sorgen sich zudem um die notwendigen Backups.

Von jedem Rechner mit Internet-Anschluss fühlt sich das Arbeiten an, als sitzt man vor seinem eigenen Computer. Für den Anwender bleibt ein einfaches Terminal - ähnlich wie beim Mainframe.

4.5 Cloud Computing – Abgrenzung zu anderen Begrifflichkeiten

4.5.1 Grid Computing

Grid Computing leitet sich vom englischen Begriff "power grid" (Stromnetz) ab. Vorhandene Ressourcen wie Recheneinheiten und Datenspeicher werden über das Internet zu einer Grid vernetzt. Damit ist es möglich Rechenleistung wie Strom aus der Steckdose zu beziehen. Mit Hilfe der Grid Computing Technologie können Nutzer rechenintensive Aufgaben verteilt erledigen lassen. Grid Computing bildet somit eine der Grundlagen für das Cloud Computing.

4.5.2 Application Service Providing

Mit Application Service Providing (ASP) wird die Bereitstellung von Anwendungen oder Softwareapplikationen über private Netzwerke oder das Internet bezeichnet. Die Anwendungen laufen somit auf den Rechnern des so genannten Application Service Providers und zum Zugriff ist lediglich ein webfähiger Client erforderlich. Die grundlegende Idee ist somit beim Application Service Providing und dem im Rahmen des Cloud Computing bekannten Software as a service (SaaS) sehr ähnlich.

4.5.3 Utility Computing

Technologien und Geschäftsmodelle mit denen IT-Dienstleistungen wie Rechenleistung und Speicherkapazität nach Bedarf bereitgestellt werden und nach Verbrauch abgerechnet werden. Cloud Computing stellt somit ein weiterführendes Konzept von Utility Computing dar.

4.5.4 IT-Outsourcing

IT-Outsourcing verlagert den Betrieb von Teilen der Unternehmens-IT oder der gesamten IT-Landschaft zu einem Outsourcing-Anbieter, beispielsweise die Desktop-Services oder den Rechenzentrumsbetrieb. Beweggründe für IT-Outsourcing sind meistens die Konzentration auf das Kerngeschäft, die Nutzung der Kompetenz und des Know-hows des Outsourcing-Anbieters und vor allem die Reduktion der laufenden Kosten. Große Outsourcing-Anbieter auf dem IT-Markt sind z.B. IBM, HP und T-Systems.

4.6 Anbieter von Cloud Computing

Cloud Computing ist zwar ein sehr aktuelles und junges Thema auf dem IT-Markt, jedoch bieten schon eine Reihe von renommierten IT-Unternehmen entsprechende Dienste an. Im Folgenden werden die größten und wichtigsten Cloud Computing Anbieter mit deren jeweiligen Cloud Computing Angeboten kurz vorgestellt.


Amazon bietet den Kunden die "Amazon Web Services" an. Durch die "Amazon Elastic Compute Cloud" (Amazon EC2) wird die nötige Infrastruktur bzw. Rechenkapazität zur Verfügung gestellt. Anwendungen lassen sich auf dieser Plattform in so genannten "Amazon Machine Images(AMI) speichern.

Mit der "Google App Engine" bietet Google eine Art Cloud Computing Plattform an. Entwicklern von Web-Anwendungen ermöglicht diese Plattform das einfache Erstellen und Betreiben von entsprechenden Web-Anwendungen. Diese nutzen dann die selbe Infrastruktur, auf der auch Googles eigene Applikationen wie z.B. Picasa, Google-Kalender und Google-Docs aufbauen.

Mit der "Blue Cloud" bietet IBM dem Kunden eine ganze Reihe Software-Tools an, welche es ermöglichen eine eigene Cloud-Infrastruktur aufzubauen. Zudem propagiert die IBM aber auch klassische extern erbrachte Dienste. Dabei greift man auf den eigenen schon seit Jahren verfügbaren Computing-on-Demand-Dienst (CoD) zurück.

Microsofts Angebot im Bereich Cloud Computing heißt "Azure Services Platform". Azure bietet eine Infrastruktur, auf der sich mehrere Instanzen eines Betriebssystems ausführen lassen. Zudem werden eine Reihe von Web-Services angeboten.

Salesforce bietet dem Kunden eine Infrastruktur zur Entwicklung eigener Softwaredienste und eine sehr komplette Softwarepalette zur Nutzung über das Web. Ein Markplatz für On-Demand-Applikationen und Entwicklungstools ergänzen das Angebot.

5 International agierende IT-Dienstleister

Abbildung 6: International agierende IT-Dienstleister
Abbildung 6: International agierende IT-Dienstleister

5.1 Definition – Was verstehen wir unter international agierende IT-Dienstleister

Wir definieren international agierende IT-Dienstleister als Unternehmen mit vorhandener Rechenzentrums-Infrastruktur, welche IT-Lösungen für internationale Kunden entwickeln, implementieren und betreiben. Um unter dem ständig wachsendem Kostendruck auf dem stark umkämpften IT-Markt bestehen zu können, untersuchen wir die Chancen und Risiken des Einsatzes von Cloud Computing Services.

Primär betrachten wir den internationalen IT-Dienstleister selber als Anbieter von Cloud Computing Services durch seine vorhandene Rechenzentrums-Infrastrukur. Gerade die von IBM angebotene Blue Cloud[10] könnte in dem Zusammenhang ihren Einsatz finden. Die Blue Cloud steht für eine große Palette von Werkzeugen, welche den Rechenzentrumsbetrieb helfen zu virtualisieren und automatisieren. Aber auch eigenentwickelte Clouds auf Basis der am Markt etablierten Lösungen könnten zum Einsatz kommen.

Sekundär sehen wir den internationalen IT-Dienstleister auch als Kunden von diversen Cloud Computing Services. Damit könnte bei auftretenden Ressourcenengpässen die eigene Cloud Computing Infrastruktur durch den temporären Zukauf von externen Cloud Computing Services erweitert werden.

6 Chancen des Cloud Computing

6.1 Potenzial des Cloud Computing

Cloud Computing bietet gegenüber der konventionellen Bereitstellung von Hard- und Software (ASP, On Demand, GRID, Client-Server) eine Vielzahl von Chancen für Endkunden und IT-Dienstleister. Viele Rechenzentrumsbetreiber der Gegenwart, die ein Betriebssystem nur einer physischen Hardwareeinheit zuordnen, haben das Problem, das ihre Server im Durchschnitt nur zu ca. 10 % ausgelastet sind. Hier schafft die Virtualisierung der Hardware Abhilfe. Durch den hohen Virtualisierungsgrad erreicht man im Segment des Cloud Computing eine sehr hohe Serverauslastung, bei gleichzeitig hoher Skalierbarkeit der gesamten IT-Infrastruktur. Dies führt für IT-Dienstleister nicht nur zur Reduktion von Betriebskosten und Managementkosten, sondern bedeutet auch Einsparpotenzial bei Lizenzkosten. Die Struktur des Cloud Computing erlaubt ferner wesentlich schnellere Rollout-Zyklen im Bereich des Software-Engineerings was wiederum zu sinkenden Personalkosten führt. Hinzu kommt, dass in Zeiten von Green-IT nicht nur Betriebskosten durch hohe Virtualisierungsgrade gesenkt werden, sondern der gesamte Rechenzentrumsbetrieb umwelt- und ressourcenschonender gestaltet werden kann.


6.2 Marktanalyse und Zukunftsperspektive

Analysten des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner[11] prognostizieren, das das Cloud Computing die Geschäftswelt ähnlich revolutionieren wird, wie seinerzeit das E-Business[12]. Eine Umfrage des renommierten Marktforschers IDC im Jahr 2008[13] ergab ein geschätztes weltweites Marktpotenzial von 42 Milliarden US-Dollar. Der Umfrage zu Folge wäre für die meisten Unternehmen ein Einsparpotenzial von 25-30 % zu realisieren, wenn man standardisierte Anwendungen und Services „in Clouds“ gibt. Nach Schätzungen von Gartner zu Beginn des Jahres 2009 wird der Markt dieses Jahr noch weiter zunehmen als 2008 von IDC ermittelt. Gartner geht von einem Zuwachs von ca. 20 % aus, was derzeit ein Volumen von 56,3 Milliarden US-Dollar bedeutet. Als großer international agierender IT-Dienstleister kann man am Markt nur dann erfolgreich sein, wenn man standardisierte Softwareanwendungen für die Kunden bereitstellt. Doch was bedeutet dies für die großen Hard- und Softwarehersteller wie *SAP, *IBM, *HP, *Oracleusw. im Zusammenhang mit Cloud Computing?

Abbildung 7: IDC-Umfrage - Vorteile des Cloud Computing
Abbildung 7: IDC-Umfrage - Vorteile des Cloud Computing

Erst wenn die großen Hardwarehersteller und Softwarehäuser ihrerseits den Markt des Cloud Computing analysiert haben, lohnt eine genauere Betrachtung für IT-Dienstleister die dem Kunden o. g. Standardsoftware in der Cloud anbieten wollen. Microsoft, seinerseits u. a. mit Windows Azure und der Azure Service Platform im Cloud Computing Markt vertreten, stützt sich ebenfalls auf Prognosen des IDC und Experton[14], die besagen, das bis Ende 2011 die Umsätze für SaaS weltweit um 32 % steigen. Ferner könnten Ende 2011 bereits 25 % der Softwareinstallationen reine SaaS-Installationen sein. Alleine in Deutschland werden in 2010 bereits 577 Mio. Euro Umsatz durch SaaS-Lösungen erzielt. Neben Microsoft sind auch andere große Unternehmen wie Oracle, SAP, IBM, HP, Fujitsu, Google, Amazon, Cisco usw. von der Marktfähigkeit des Cloud Computing überzeugt und bieten ihrerseits alle verschiedenste Lösungen und Modelle für Kunden in mehreren Bereichen des Cloud Computing an. Im Hauptfokus liegen bei den Unternehmen zunächst die SaaS-Lösungen, bei denen ein Kunde eine Standardsoftware nurmehr als Dienst zur Verfügung gestellt bekommt. Die Rechenleistung verbleibt dabei beim IT-Dienstleister und nicht mehr beim Kunden. Für das Segment SaaS prognostiziert Gartner für 2009 weltweit einen Zuwachs um 21,9 % auf 9,6 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr 2008 (6,6 Milliarden US-Dollar). Bis 2013 gehen die Analysten von einem konstanten Wachstum aus. Allerdings läuft das Cloud Computing gegenwärtig nur schleppend in Deutschland an. Anhand einer im März diesen Jahres erhobenen Umfrage durch IDC[15] konnte festgestellt werden, das sich von 805 deutschen Unternehmen (mit mehr als 100 Mitarbeitern) nur ca. 25 % bereits mit dem Thema Cloud Computing auseinandergesetzt haben.

6.2.1 Virtualisierung als Erfolgsfaktor

Abbildung 8: technische Virtualisierung auf Seiten des Dienstleisters
Abbildung 8: technische Virtualisierung auf Seiten des Dienstleisters
Abbildung 9: "virtuelle" Sicht des Kunden auf die Cloud
Abbildung 9: "virtuelle" Sicht des Kunden auf die Cloud

Einer der ursprünglichen Grundgedanken des Cloud Computing für die Bereitstellung von SaaS, PaaS und IaaS-Diensten stellt die Fähigkeit der dynamischen Skalierbarkeit dar. Rechenleistung und Speicherleistung können von Kunden zu jeder Zeit in theoretisch unbegrenzter Höhe angefordert und wieder zurückgegeben werden. Dies kann ein IT-Dienstleister nur durch große Rechenzentren bewerkstelligen, in denen er die dafür notwendige Hardware vorhält. Die hierfür benötigten Server werden aus Effizienz- und Kostengründen in der heutigen Zeit meist nur noch virtuell installiert, d. h. es können sich mehrere Server auf einer Hardwareplattform befinden. Dedizierte Server mit einer 1 zu 1 Beziehung sind im Cloud Computing eher die Ausnahme.

Virtualisierung bietet dann nicht nur dem IT-Dienstleister enormes Einsparpotenzial. Auch die Kunden des Anbieters zahlen entsprechend nur ihre abgenommen Leistungen unter Berücksichtigung ihrer lastarmen und laststärkeren Rechenzeiten (siehe 7.2 On-Demand). Bei der Rechen- und Speicherleistung wissen die Kunden des Cloud Computing Anbieters nicht mehr, wo ihre Daten genau liegen. Garantiert man als Dienstleister den Kunden dabei neben Ausfallsicherheit und Datensicherheit auch schnelle Zugriffszeiten, ist der Speicherort für Kunden nicht mehr relevant. Dieser "sieht" nur seinen Vorteil, also geringere Marktpreise des Dienstleisters, weil dieser die Kosteneinsparungen durch Virtualisierung an den Kunden in Form geringerer Preise weitergeben kann.

Virtualisierung birgt weitere Vorteile für den IT-Dienstleister. Bedarf es bei den Rechenprozessen einer kritischen Überwachung, kann man sich die unterschiedlichen Zeitzonen der Länder zu Nutze machen. Bis Abends kann man im deutschen Rechenzentrum rechnen lassen und danach z. B. am amerikanischen Standort. Dies führt dann zu Einsparung von Personalkosten. Latenzkritische Software-Anwendungen stellen in der Cloud auch kein Problem mehr dar, da je nach Service nur noch die Bildausgabe auf einen Thin-Client erfolgt. Auch im Hinblick auf Unterhaltskosten für Strom, Wasser, Klima etc. kann man als Anbieter von Cloud Computing Diensten einen entsprechend günstigen Standort auswählen. Virtualisierung bedeutet also nicht nur die Realisierung hoher Virtualisierungsgrade der Hardware auf Seiten des Dienstleisters, sondern auch die Virtualisierung der gesamten Infrastruktur aus Kundensicht. Dieser weiß wie bereits erwähnt eben nicht mehr, wo seine Daten gespeichert sind und wo seine Geschäftsprozesse und Geschäftsvorfälle gerechnet werden. Für ihn ist die Cloud nur ein "virtuelles Gebilde".



6.2.2 Dynamische Skalierbarkeit im Cloud Computing

Unter Skalierbarkeit versteht man in der Informations- und Telekommunikationsindustrie per Definition[16] das Verhalten von Anwendungssoftware bei wachsendem Ressourcenbedarf. Für das Cloud Computing sind gut skalierbare Programme zwingend erforderlich um einen hohen Skalierungsgrad gewährleisten zu können. Bei entsprechenden Anwendungen, Programmen und Algorithmen wird in den Bereichen SaaS, IaaS und PaaS in der Software-Entwicklung besonderes Augenmerk auf die Skalierbarkeit gelegt.

Abbildung 10: Schematische Darstellung Skalierung
Abbildung 10: Schematische Darstellung Skalierung

Eine Anwendung bezeichnet man dann als "gut skalierbar" wenn sie z. B. bei doppelter Leistung mit nur doppelten Ressourcen "auskommt". Dass bedeutet gleichzeitig, das bei doppelter Rechenleistung die Rechenzeit halbiert wird. Nur so kann man als IT-Dienstleister auf die "On-Demand Wünsche" der Kunden kosteneffizient reagieren. Ein Kunde der temporär, etwa für seinen Monats- oder Quartalsabschluss mehr Leistung benötigt, kann diese Mehrleistung im Cloud Computing vom Dienstleister jederzeit abrufen, sofern durch SLA´s geregelt. Der IT-Dienstleister, der Services über das Cloud Computing zur Verfügung stellt, unterscheidet ferner noch zwischen horizontaler und vertikaler Skalierung. Vertikale Skalierung stellt die eigentliche Aufrüstung von vorhandenen Servern und den Ersatz durch größere Server dar. Diese Variante der Skalierung stellt wenige Anforderungen an die Architektur der Software und ist lediglich durch das eingesetzte Betriebssystem und die Anwendung limitiert. Aufrüstung bestehender Hardware oder der Einsatz von größerer und schnellerer Hardware ist in der Regel aber teurer als die Variante der horizontalen Skalierung. Bei einer horizontalen Skalierung spricht man von einer Erweiterung der Server-Landscape durch neue Server. Beides kommt bei IT-Dienstleistern für Cloud Computing zum Einsatz, weil ständig neue On Demand-Anforderungen und wachsendes Interesse bei den Kunden, vor allem an SaaS-Diensten, unweigerlich zu einer Vergrößerung und Erweiterung der RZ-Infrastruktur führen.


6.2.3 "On Demand" im Cloud Computing

Vor einigen Jahren noch als aussagekräftiger Werbeslogan „E-Business on Demand“[17] der Firma IBM, gewinnt On-Demand im Cloud Computing noch mehr an Bedeutung. Cloud Computing bedeutet nicht nur das Vorhalten von On Demand Infrastruktur wie Rechner, Speicher und Netze sondern auch den effektiven Einsatz von On Demand Software, was bedeutet, das auch Betriebssysteme, Anwendungen, Middleware, Managementtools und auch Entwicklungstools On demand fähig sein müssen.


Abbildung 11: On Demand Nutzung
Abbildung 11: On Demand Nutzung

Die Herausforderungen für IT-Dienstleister liegen primär im Monitoring der Kapazitätsnutzung, sowie der Einschätzung zukünftiger Kapazitätsauslastungen, sowohl im Speicherbereich, als auch in der Rechenperformance. Ferner müssen für die angebotenen Dienste wie z. B. SaaS entsprechende Lizenzmodelle entwickelt werden. Sind diese Bedingungen erfüllt, bringt das den Kunden des IT-Dienstleisters folgende Vorteile. Kunden zahlen wirklich nur dann wenn Sie sich am System via Webbrowser anmelden. Abhängig vom vereinbarten Lizenzmodell in Verbindung mit einer Grundgebühr und der Berücksichtigung von Spitzenlastzeiten. Als IT-Dienstleister schafft man so für die Kunden je nach Lizenzmodell eine maximale Kostentransparenz. Allerdings birgt On-Demand für den Dienstleister auch einige Nachteile. Die Infrastruktur, die für das Cloud Computing vorgehalten werden muss, bedarf einer effizienten Ressourcenplanung, da gerade zu Spitzenlastzeiten die Anforderungen der Kunden berücksichtigt werden müssen. Für den Dienstleister bedeutet das entweder, auch zu Grundlastzeiten viel mehr Ressourcen vorzuhalten, obwohl diese dann nur zu laststärkeren Zeiten benötigt werden, oder aber die gesamten Hardwareressourcen über alle Kunden so zu verteilen, das entsprechende Mehrleistung in der Cloud immer von einem zum anderen Kunden verschoben wird. Dieses Verfahren wir in der Praxis nur sehr begrenzt angewandt, da nicht nur genaue Analysen über den Mehrbedarf notwendig sind, sondern auch die Kunden teilweise gleiche Anforderungen haben, wie z.B. Abrechnungsläufe immer am Monatsende, Monats-, Quartals-, oder auch Jahresabschlüsse. Meist wird bis dato also mehr Hardware vorgehalten, als für den Normallastbetrieb erforderlich. Dies kann unter bestimmten Umständen aber auch als entgegenkommen für die Kunden betrachtet werden, da bei außergewöhnlichen Anforderungen, der Kunde benötigt z. B. in einem Monat noch mehr Spitzenlast als mit dem Dienstleister vereinbart, der Dienstleister sehr schnell auf den Mehrbedarf reagieren kann. Hier steckt Cloud Computing immer noch in den Kinderschuhen, weil langjährige Erfahrungen erst noch gesammelt werden müssen. Setzt ein Dienstleister bereits on demand fähige Hard- und Software ein, kann er auf bestehendes Know-how zurückgreifen, wenn es darum geht Cloud Services anzubieten.


6.2.4 Software-Entwicklung im Cloud Computing

Hat die Software-Entwicklung im Cloud Computing wirklich Vorteile gegenüber gegenwärtigen Client-Server-Architekturen? Cloud Computing bietet, zumindest derzeit schon vereinzelt, einen entscheidenden Marktvorteil. Mit Cloud Computing lassen sich wesentlich schnellere Softwareentwicklungs- und Rollout-Zyklen realisieren. Nur vereinzelt deshalb, weil es im Segment der großen Cloud-Service-Anbieter keine einheitlichen Schnittstellen für die Entwicklung gibt. Betreibt oder bezieht man Cloud-Services von nur einem einzigen Marktanbieter wie z.B. Microsoft mit der Azure Plattform, stimmt die Aussage. Die Azure Plattform stellt Dienste zur Verfügung, die eine lokale Entwicklung etwa auf dem Desktop erlauben und nach erfolgreichem Test via Integrationsroutine in die Cloud-Umgebung installiert werden kann. Andere Anbieter stellen in der Cloud selber ganze Testumgebungen zur Verfügung, die nach erfolgreichem Test und Installation der entwickelten Software in das Produktivsystem dann wieder abgebaut bzw. wieder herunterskaliert werden. Bewegt man sich aber dann zwischen mehreren Anbietern von Cloud-Services, ist die Sachlage eine andere. Derzeit ist es z. B. nicht möglich, Entwicklungen auf Basis von Microsoft´s Azure in die Cloud Plattformen von Google oder IBM zu implementieren, weil einheitliche Standards fehlen.

Ein Schritt in diese Richtung stellt möglicherweise das bereits in Kapitel 5.1 erläuterte Open-Cloud Manifest[18] dar, welches von IBM ins Leben gerufen wurde und mit knapp 25 weiteren weltweit agierenden IT-Unternehmen, darunter auch SAP, VMware, Cisco usw... Standards und einheitliche Schnittstellen auch für die Softwareentwicklung garantieren soll.

Dennoch sind aus diversen Gründen viele große Anbieter von Cloud-Services der Idee von IBM nicht nachgekommen, darunter auch Microsoft, Google, Amazon, Oracle und HP. Der allgemeine Tenor lautet: Cloud-Plattformen waren bis dato immer offen und werden es auch zukünftig sein, da dies zu den entscheidenden Vorteilen gegenüber veralteten Client-Server-Architekturen gehört. Was die Software-Entwicklung im Cloud Computing angeht, ist es sicherlich noch zu früh eine Entscheidung darüber zu fällen, ob einheitliche Standards oder offenen Plattformen der Weg zum Erfolg ist.

Beschränkt man sich, wie in der jetzigen Phase des Cloud Computing nicht unüblich, auf nur einen oder wenige Anbieter als Kunde, kann man wirklich von den o. g. Vorteilen profitieren. Softwareentwicklungen für nur eine Plattform sparen Zeit, verkürzen die Rollout-Zyklen, minimieren das Risiko bei notwendigen Downtimes und sparen Dienstleistern und Kunden bares Geld.

Abhängig von der Nachfrage nach Cloud-Services wird sich vor allem die Software-Entwicklung von unabhängigen Softwareherstellern in naher Zukunft dramatisch ändern. Hat ein Softwarehaus bis dato immer eine klassische Client-Server Variante entwickelt, würde dies im Zuge immer größerer Nachfrage von SaaS-Lösungen an Bedeutung verlieren. Hier gilt es dann, rechtzeitig das Potenzial der Cloud zu erkennen und entsprechende unabhängige Software für die Cloud zu entwickeln, auf Basis von Standards der einzelnen Cloud-Service-Anbieter. Unserer Meinung nach ein Markt, der gegenwärtig in Sachen Höhe des Potenzials kaum zu erfassen ist.

6.2.5 Green-IT im Aufwind von Cloud Computing

Green-IT ist spätestens seit 2008 ein ebenso bekanntes Schlagwort wie Cloud Computing selbst. Green-IT umfasst per Definition[19] die umweltverträgliche Herstellung und Entsorgung von IT-Produkten sowie den Betrieb von IT-Komponenten unter Berücksichtigung maximaler Energie- und Ressourceneffizienz.

Neben den bereits erläuterten Chancen bekommt die Green-IT Thematik dank des Cloud Computing vor allem in Rechenzentren neuen Aufwind und sorgt für einen positiven Nebeneffekt. Durch die Verdrängung von Client-Server-Architekturen hin zu Cloud-Services, findet eine Verschiebung der Umweltschutzpflichten- und Bemühungen vom Kunden zum Dienstleister statt. Der Hauptfokus von Green-IT in Verbindung mit Cloud Computing liegt nun bei den Rechenzentrumsbetreibern.

Abbildung 12: Mehr als nur ein Schlagwort - Green-IT im Zeichen des Cloud Computing
Abbildung 12: Mehr als nur ein Schlagwort - Green-IT im Zeichen des Cloud Computing

Der Kunde kann nur noch wenig zum Umweltschutz beitragen. Eine der wenigen Maßnahmen ist der Austausch von vorhandenen Desktop PC´s durch stromsparendere Thin-Clients sein, da keine leistungshungrige Hardware bei den Kunden mehr benötigt wird. Sämtliche Rechen- und Speicherprozeduren, Sicherungsläufe, Integritätsprüfungen, Userverwaltung, Cloud-Administration, Softwareentwicklung usw. ,eben alljenes was Energie verbraucht, findet nur noch in der Cloud statt und somit physikalisch im Hoheitsgebiet des Rechenzentrumbetreibers. Durch Cloud Computing erlangen große Unternehmen mit eben diesen notwendigen Rechenzentren eine noch größere Verantwortung in Bezug auf Green-IT und den CO2-Ausstoß. Gegenwärtig sind sich bereits sehr viele Unternehmen dieser Verantwortung bewusst, haben vereinzelt Green-IT auch als wirksamen Marketingfaktor für sich entdeckt und wetteifern mit anderen Unternehmen um immer stromsparendere Hardware oder ressourcenschonendere Herstellungsprozesse.

Zu Zeiten von dedizierten 1 zu 1 Lösungen, also ein Server ein Betriebssystem und somit eine Anwendung, wurde der Energieverbrauch in Rechenzentren auf 2.500 Watt pro Quadratmeter[20] geschätzt. Hier hat vor allem die Virtualisierung im Cloud Computing für enorme Reduktion des Stromverbrauchs gesorgt. Gleichzeitig wird neue, effizientere Hardware für horizontale und vertikale Skalierung im Cloud Computing angeschafft (siehe Kapitel 7.1.2), bei denen einzelne Komponenten wie z. B. die CPUs, Speicher und Netzteile wesentlich höhere Wirkungsgrade erzielen, als dies bei älteren Servern und Storage-Systemen der Fall war.

Höherer Wirkungsgrad bedeutet weniger Abwärme bei gleichzeitig mehr Leistung. Folge der Reduzierung des physischen Hardwarefuhrparks durch Virtualisierung und die Anschaffung von immer effizienterer Hardware ist eine reduzierte Abwärmebelastung ganzer Gebäudekomplexe bzw. Serverräume und somit auch ein sinkender Bedarf an Kühlleistung in Form von Klimaanlagen. Im Hinblick auf die freie Wahl von Rechenzentrumsstandorten in der Cloud (siehe Kapitel 7.1.1 Virtualisierung) kann ein RZ-Betreiber auch bereits in der Planungsphase von neuen Rechenzentren kalte oder kältere Regionen der Erde bevorzugen, sofern entsprechende Bandbreiten vorhanden sind.

In naher Zukunft wäre aufgrund der möglichen Dimensionen einiger führender Anbietern auch denkbar, das die Politik Cloud Computing Anbieter in die Pflicht nimmt, um durch Bestimmungen und Auflagen immer neuere Umweltschutzziele zu erreichen, ähnlich wie die Grenzen des CO2-Ausstoß in der Automobilindustrie.


6.2.6 Open Source - günstiger Einstieg in die Cloud

In der heutigen Zeit gibt es für nahezu jede professionelle Software-Anwendung ein Pendant, welches frei entwickelt werden kann und im Gegensatz zur professionellen Software auch noch kostenlos ist. Meist unterscheiden sich die Programme im Funktionsumfang erheblich, gelegentlich sind sie aber sogar besser als die kommerziellen Produkte. Galt früher noch das Argument, mit kommerzieller Software zahle man gleichzeitig auch für entsprechend professionellen Support, so ist heutzutage in Zeiten der Newsgroups, Foren, Twitter und Blogs ein reger Austausch über Open Source[21] Software garantiert. Im Bereich des Cloud Computing gibt es eine Vielzahl von Open-Source Projekten die mit verschiedensten Ansätzen und Lösungen nicht nur den kostengünstigen Einstieg in das Cloud Computing ermöglichen, sondern damit auch schon einen professionellen Betrieb von Clouds und/oder Cloud-Services erlauben. Die wohl bekanntesten Beispiele für frei verfügbare Software im Segment des Cloud Computing sind u. a. EUCALYPTUS[22] 'Elastic Utility Computing Architecture for Linking Your Programs To Useful Systems', eine Software zum Aufbau von Cloud Computing Infrastrukturen und Nimbus[23], eine Sammlung von Tools zum Aufbau von IaaS-Lösungen für Cloud Computing, die vorwiegend an Universitäten zum Einsatz kommen. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Anwendungen, auch für SaaS und PaaS-Lösungen.

6.3 Einsparpotenziale

International agierende Unternehmen erleben gegenwärtig einen Verfall der Preise in allen Bereichen. Das Wirtschaftswachstum stagniert und gleichzeitig steigen die Personal- Energie- und Rohstoffkosten. In Zeiten von Wirtschaftskrisen, Insolvenzen und drohenden Konkursen ist die Bedeutung für Kosteneinsparungen nie größer für CEO´s und Manager von großen Unternehmungen gewesen, als zum jetzigen Zeitpunkt. Ein Unternehmen muss sich auch unter diesen schwierigen Bedingungen dem Markt schnell anpassen, wobei dies nicht selten bedeutet einzelne IT-Services auszugliedern, Stellen abzubauen oder sogar ganze IT-Abteilungen outzusourcen.

Durch den Einsatz der Cloud Computing Technologien sind Unternehmen in der Lage ihre bestehenden Anwendungen, Software und Services als SaaS-Lösung in der Cloud unter Berücksichtigung massiver Einsparpotenziale zu realisieren. Dabei kann auf den drastischen Stellenabbau im Verhältnis zu Outsourcing-[24] oder Outtasking-Strategien[25] meist verzichtet werden. Wie in Kapitel 7.1 Marktanalysen und Zukunftsperspektiven erläutert, geht IDC von einem möglichen Einsparpotenzial von bis zu 30 % bei einzelnen Kunden aus, wenn diese ihre Services in Clouds implementieren würden. Doch welche Kosten lassen sich genau durch den Einsatz der Cloud Computing Technologien einsparen?


6.3.1 Einsparungen durch erhöhte Flexibilität

Cloud Computing versetzt den IT-Dienstleister, aufgrund der eingesetzten Technologie, in die Lage, den Kunden völlig neue flexible Preismodelle anzubieten. Gegenüber von starren Festpreis- oder Userlizenzen ist dies gerade im Hinblick auf die aktuelle Marktlage ein entscheidender Faktor. Unternehmen können mit ihren Kunden flexiblere Service-Level-Agreements[26] vereinbaren. Bereits erprobte und erfolgreiche Preismodelle sind z.B. die Abrechnung nach Userverhalten, vergleichbar mit der Mobilfunk-Industrie. Abhängig von den angebotenen Diensten berechnet der Cloud-Provider seinen Kunden lediglich das tatsächliche Nutzungsverhalten[27] oder das Nutzungsverhalten in Verbindung mit einer Grundgebühr. Eben solche flexiblen Preismodelle könnten dem Cloud Computing den Weg zum Erfolg ebnen, da nicht nur bei Unternehmen mit bestehender IT-Infrastruktur Einsparungen zu realisieren sind, sondern weil man gleichzeitig als Cloud-Provider auch für Start-Up Unternehmen ohne eigene IT viel interessanter wird, als dies in der Vergangenheit mit z.B. fixen Client-Server-Modellen der Fall war. Bei neuen, jungen Unternehmen kann so die IT dynamisch mit dem Erfolg der Unternehmung mitwachsen, ohne das sich diese mit aufwendigen und kostenintensiven Mittelfristplanungen für ihre IT auseinandersetzen muss.

6.3.2 Einsparungen im Bereich Infrastruktur

Wie bereits erwähnt setzt Cloud Computing auf einen hohen Virtualisierungs- und Skalierungsgrad. Die damit verbundenen Kosteneinsparungen liegen auf der Hand. Cloud-Provider können ihre IT-Infrastruktur durch Virtualisierung enorm reduzieren, entweder vertikal durch den Austausch von effizienterer Hardware oder horizontal durch die Verwendung von einer Vielzahl günstiger Hardware. Beides führt zur Reduktion der Anschaffungskosten von Hardware. Dank Virtualisierung kann man auch im Softwarebereich Einsparungen im Hinblick auf Lizenzkosten erzielen. Viele Softwarelizenzmodelle der heutigen Zeit werden immer noch nach physischen CPUs, Speicher und Userlimits ermittelt. Laufen Systeme auf virtualisierten Maschinen, senkt das die Lizenzkosten im hohen Maße. Durch vereinfachte Softwareentwicklung, schnellere Rollout-Zyklen und kleine Entwicklerteams lassen sich auch im Bereich der Softwareentwicklung Einsparungen erzielen.


6.3.3 Einsparpotenzial auf Kundenseite

Kunden von Cloud Computing Providern können ihrerseits ebenfalls Einsparpotenziale im Bereich der Infrastruktur realisieren, da sie z.B. ihre vorhandenen Desktop-Systeme durch kostengünstigere und energieeffizientere Thin-Clients ersetzen können. Somit findet nicht nur im Bereich des Umweltschutzes und der Ressourceneffizienz eine Verlagerung vom Kunden zum IT-Dienstleister statt, sondern auch im Hinblick auf Kosteneinsparungen und nutzenmaximiertem Hardwareeinsatz.


6.3.4 Einsatz von Multi-Tenant-Architektur bei Cloud-Providern

Abbildung 13: Multi-Tenant-Architektur vs. Single-Tenant-Architektur
Abbildung 13: Multi-Tenant-Architektur vs. Single-Tenant-Architektur

Durch den Einsatz von Multi-Tenant-Architekur lassen sich sowohl auf Seite der Kunden, als auch auf Seite des Cloud-Providers Einsparungen realisieren. Der Begriff Tenant steht dabei für den einzelnen Kunden. Multi-Tenant-Architektur bedeutet, dass nur eine einzige Instanz, entsprechend dimensioniert, als SaaS-Lösung betrieben wird. Mehrere Kunden teilen sich also ein und dieselbe SaaS-Plattform.

Im Gegensatz zur Single-Tenant-Architektur bzw. Multi-Instanz-Infrastrukturen bringt dies folgende Vorteile, welche sich letzten Endes als Einsparpotenzial für den Cloud-Provider darstellen. Betriebskosten für die SaaS-Lösung werden durch Konsolidierung von Ressourcen minimiert bei gleichzeitiger Erhöhung der Konfigurierbarkeit und Anpassbarkeit des Systems. Das bedeutet, das gemäß des Prinzips "one to many" ein Cloud-Provider bei Anpassungen im System immer nur ein System anpassen muss und dies dann aber gleichzeitig Auswirkung auf viele Kunden hat. Folglich lassen sich in der Administration und Software-Entwicklung die Personalkosten minimieren. Kunden profitieren bei Multi-Tenant-Systemen von der erhöhten Servicequalität, die eine solche Architektur mit sich bringt. Schnellere Rollout-Zyklen und System-Upgrades bieten allen Kunden ständig neue Funktionalitäten, welche entscheidend für die Vermarktung von SaaS-Lösungen sind.

6.3.5 Reduzierung von Personalkosten

Cloud Computing kann, wenn Cloud-Provider es sinnvoll betreiben, sowohl auf Seite des Dienstleisters als auch auf Seite der Kunden zu erheblichen Einsparungen von Personalkosten führen. Cloud Computing zeichnet sich besonders durch eine kostenoptimierte Administration aus. Vor allem dann, wenn Cloud-Provider auf Multi-Tenant-Architekturen setzen. Diese Plattformen lassen sich mit viel weniger Administratoren betreiben als klassische Client-Server Anwendungen in Multi-Instanz-Systemen. Die bereits erwähnte, vereinfachte und schnellere Softwareentwicklung führt auch zu Einsparungen der Personalkosten, da in Cloud Provider-Plattformen auch die Entwicklerteams wesentlich kleiner geplant werden können. Kunden sparen Personalkosten ein, in dem sie die Administration und Betreuung von Desktop-PC´s vor Ort reduzieren, weil sie beispielsweise auf Thin-Clients setzen.

6.3.6 Reduzierung von Betriebskosten

Die Einsparungen im Bereich der Infrastruktur führen nicht nur zu einer Reduzierung der Hardware, sondern auch zu einer Reduzierung der Betriebskosten. Zum einen werden die Betriebskosten durch stromsparendere und effizientere IT-Komponenten realisiert. Gleichzeitig führt auch eine damit verbundene geringere Kühlleistung der Server-Räume zu einer Reduzierung des Strombedarfs und senkt somit ebenfalls die Betriebskosten. Unter Betriebskosten verstehen sich auch Kosten, die für Wartung, Instandhaltung sowie Reparaturen bei einem Cloud-Provider anfallen. Durch eine für Cloud Computing optimierte RZ-Infrastruktur lassen sich hier ebenfalls Einsparungen erzielen.

7 Risiken des Cloud Computing

Neben den in Kapitel 7 erläuterten Chancen gibt es im Bereich des Cloud Computing, gerade jetzt in der Startup Phase, auch viele Risiken. Cloud Computing, auf der einen Seite als neue Technologie und Instrument zur Kosteneinsparung, birgt auf der anderen Seite eine ebenso große Vielzahl an Risiken wie Vorteile. Eben diese Risiken und Nachteile werden im folgenden Kapitel erläutert, um im Fazit eine unseres Erachtens mögliche Herangehensweise an die Cloud Computing Thematik für IT-Dienstleister zu empfehlen.


7.1 Mangelndes Vertrauen in Anbieter

Nach einer zu Beginn des Jahres 2009 in Auftrag gegebenen Studie[28] durch das IT-Beratungsunternehmen Avanade[29], die in 17 Ländern erhoben wurde, geben 72 % der weltweit 500 befragten Manager und IT-Verantwortlichen an, das sie ihren eigenen, internen IT-Infrastrukturen mehr vertrauen als Cloud Computing Lösungen. Im Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit konservativerem Deutschland sind es sogar 80 % der Befragten. Neben Sicherheitsbedenken bezüglich der Datenhaltung und Datenintegrität sind vor allem die Angst vor einem Kontrollverlust über die eigenen Daten und mangelnde Einflussnahme auf Kundenseite für viele Unternehmen derzeit noch die K.O.-Kriterien für Cloud Computing, obgleich alle Befragten wissen, das sich mit Cloud Computing gravierende Einsparungen erzielen lassen.

Abbildung 14: IDC-Umfrage - Risiken des Cloud Computing
Abbildung 14: IDC-Umfrage - Risiken des Cloud Computing

Zu den o. g. Bedenken haben in jüngster Vergangenheit die Berichte über erste Komplettausfälle von Cloud Computing Plattformen und Cloud Computing Providern die IT-Branche zusätzlich verunsichert. Ende Januar 2009 musste der Web-2.0-Startup ma.gnolia[30] mit seinem Social-Bookmarking-Service einen Totalausfall seiner Hardware verzeichnen. Sowohl der primäre Speicher mit fast allen Kundendaten, als auch die Datensicherungen gingen dabei unwiederbringlich verloren. Aktuell immer noch offline, wird nach eigenen Angaben ma.gnolia Anfang Herbst einen Neubeginn starten. Dieses Beispiel zeigt vor allem auf, das sich etliche Cloud-Provider immer noch nicht mit entsprechenden Backup- und Recovery-Szenarien auseinander gesetzt haben. Eben solche Maßnahmen müssen in der Zukunft von Cloud-Providern erprobt, getestet und zu guter letzt auch entsprechend vermarktet werden. Dies muss neben der eigentlichen Recoverfähigkeit dann auch mit entsprechend garantierten Recoveryzeiten verbunden werden.

Ein weiteres negatives Beispiel, hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Daten, wurde ebenfalls zu Beginn des Jahres 2009 durch den PaaS-Anbieter Coghead bekannt. Coghead musste sich zu Beginn des Jahres nach eigenen Angaben wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage aus dem Cloud Computing Geschäft zurückziehen[31]. Doch was bedeutet dies für die Kunden, wenn diese den Cloud-Provider dann wechseln müssen? In der Regel stehen Kunden dann vor der bereits in Kapitel 7.2.4 erwähnten Problematik, das aufgrund fehlender Standardisierung und Schnittstellen die entsprechenden Anwendungen fast komplett neu geschrieben werden müssen, da der neue Cloud-Provider unter Umständen eine komplett andere Plattform einsetzt. Ein unnötiger und abschreckender Kostenfaktor für alle Kunden. Als Alternative bliebe den Kunden dann nur, sich an einen Cloud-Provider zu wenden, der nahezu ähnliche oder die gleiche Technologie einsetzt. Hier stellt sich dann die Frage, ob sich Kunden so in ihrer Wahl der Provider einschränken lassen wollen oder evtl. höhere Preise des neuen Cloud-Providers in Kauf nehmen. Dies dürfte aber eher die Ausnahme sein. Im Falle der Coghead Firmenpleite hatten die Kunden diesbezüglich noch Glück. Die für die PaaS-Lösung betrieben Infrastruktur wurde über Amazons EC2 bereitgestellt und Coghead sicherte seinen Kunden zu, einen unterbrechungsfreien Wechsel zu einem anderen Dienstleister zu gewährleisten, ließ den Kunden gleichzeitig dafür aber nur 2 Monate Zeit. Diese Vorgehensweise dürfte zukünftig eher die Ausnahme bleiben. Im "worst-case" bedeutet eine Insolvenz eines Cloud-Providers für die meisten Unternehmen, eine nach wenigen Tagen schon erreichte eigene Zahlungsunfähigkeit.

Mangelndes Vertrauen auf Kundenseite, welches für viele große internationale Cloud-Providern einen Nachteil darstellt, vor allem im Bereich Marketing, Kundenaquise etc. kann aber durchaus für einen kleineren international agierender IT-Dienstleister zum Vorteil werden. Bestandskunden, die bereits über Jahre entsprechende Dienstleistungen von einem IT-Dienstleistern abnehmen, haben eine ganz andere Vertrauensbasis zu ihrem Dienstleister. Sofern rechtlich und vertraglich mit Kunden festgezurrt, haben kleinere Dienstleister weniger Probleme, Kunden von Vorteilen des Cloud Computing zu überzeugen.

7.2 Rechtliche Aspekte des Cloud Computing

Ein weiterer gravierender Kritikpunkt in der aktuellen Phase des Cloud Computing sind die bis dato noch ungeklärten Rechtsfragen bzgl. Datenschutz, Datenspeicherung, Datenzugriff, Archivierung, Recoveryszenarien und Business-Continuity.

Abbildung 15: Ungeklärte Rechtslage - länderübergreifendes Cloud Computing
Abbildung 15: Ungeklärte Rechtslage - länderübergreifendes Cloud Computing

Gemäß deutschem und auch europäischem Recht geht der Gesetzgeber davon aus, dass man jederzeit feststellen kann, wo sich die Daten einzelner Kunden von Informations- und Telekommunikationsunternehmen befinden. Trifft dies noch für klassische Client-Server-Architekturen zu, ergeben sich, bedingt durch die Technologie, mit Cloud Computing hier gravierende Änderungen. Daten bzw. Datensätze als logische und physikalische Einheiten auf Speichersystemen, können sich im Cloud Computing sehr schnell und sehr variabel verlagern. Die Spitze stellen hier Cloud-Provider dar, die aufgrund noch nicht ausgereifter Konzepte nicht einmal selber sagen können, zu welchen Zeiten, in welchen ihrer Rechenzentren gerade welche Daten verarbeitet werden.

So können sich Datensätze innerhalb von Millisekunden an anderen Standorten in anderen Ländern befinden. Problematisch wird es vor allem dann, wenn einzelne Datensätze nur in Verbindung mit anderen Datensätzen einen Sinn ergeben, diese dann aber zur gleichen Zeit an einem anderen Standort in einem anderen Land gespeichert sind. Besonders im Hinblick auf Strafverfolgung und eindeutige Rechtssprechung bzw. Zuständigkeit birgt Cloud Computing hier noch viele Risiken.

Garantiert ein Cloud-Provider, dass seine Cloud-Dienste nur mit Infrastruktur innerhalb der EU betrieben werden, so gilt nach bestehendem EU-Recht und dem Bundesdatenschutzgesetz das sogenannte Territorialprinzip. Nach §1 Abs. 5 BDSG nutzt, verarbeitet und erhebt die verarbeitende Stelle die Daten "im Inland". Ausnahmsweise stellt dabei nur der §1 Abs. 5 Satz 1 BDSG dar (Sitzprinzip), jedoch kann also BDSG und geltendes EU-Recht ohne Bedenken zur Anwendung kommen so lange sich der Cloud-Provider innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten bewegt.

Schwieriger wird die Situation, wenn Cloud Computing Anbieter ausser Standorten in der EU auch Standorte in z. B. Kanada oder den USA betreiben. Nicht nur in Sachen Zuständigkeit sondern auch im Hinblick auf andere Rechtssprechung aufgrund anderer Gesetzeslagen schrecken viele Kunden vor Cloud-Diensten ab. Hinzu kommt, das in den USA der sog. Patriot-Act eine Sichtung und Überprüfung aller in den USA gespeicherten Daten, zum Schutz vor Terroranschlägen erlaubt. Hier stellen sich viele Kunden sicherlich die Frage, ob sie der US-Regierung Zugriff auf ihre Geschäfts- und Mitarbeiterdaten gewähren lassen wollen. Kanada hat bereits auf den o. g. Sachverhalt reagiert und per Gesetz verboten, das öffentliche Stellen ihre Daten auf US-Infrastruktur-Betreibern nicht speichern dürfen.

Solange die rechtlichen Aspekte des Cloud Computing weiterhin so unklar bleiben wie dies bis dato der Fall ist, wird dies eine Vielzahl potentieller Interessenten und Kunden vor Cloud Computing Lösungen abschrecken. In Zeiten von Wirtschaftskrisen und wachsendem Konkurrenzdruck sind die Daten eines Unternehmens eines der höchsten Güter.

7.3 Gewährleistung der Datenintegrität

Gerade bei Cloud Computing Services muss man auf die Integrität von Daten, also die Echtheit von Daten, besonderes Augenmerk legen. Datenintegrität bedeutet, das vorhandene Daten bei Verarbeitung und Übertragung innerhalb von Clouds nicht beschädigt werden dürfen, vor unberechtigten Veränderungen sowie Manipulationen und dem kompletten Austausch durch manipulierte Daten geschützt werden. Dabei muss der Cloud-Provider geeignete Maßnahmen treffen um die Unversehrtheit der Daten garantieren zu können.

Bewegte man sich in einer klassischen Client-Sever-Architektur im Idealfall nur innerhalb unternehmenseigener Netze oder nutzt man alleine sichere, angemietete Netzleitungen von Netzprovidern, ergeben sich für das Cloud Computing hier weitere Risiken. Während der gesamten Verarbeitung der Daten, welche im Cloud Computing auch die Verlagerung und Speicherung an unterschiedlichen Orten beinhaltet, muss der Cloud-Provider für diese speziellen Anforderungen geeignete technologische Mittel finden, um die Integrität bei der Verarbeitung gewährleisten zu können. Ausfallsichere und evtl. geclusterte Hardwarelösungen sowie gespiegelte Storagelösungen in Verbindung mit speziellen Prüfsummenverfahren beim Transport der Daten stellen im Cloud Computing eine absolute Notwendigkeit dar, wenn man unternehmenskritische Daten von Kunden verarbeitet. Abhängig von SLA´s und Brisanz der Daten lassen sich darüber hinaus noch weitere Vorkehrungen treffen, oder bei der Verarbeitung von unkritischen Daten, weniger Vorkehrungen etwa für Testumgebungen bzw. Testclouds, welche dann in der Regel kostengünstiger angeboten werden.

Noch wichtiger als Maßnahmen zum Schutz vor Beschädigung der Daten, sind jedoch Maßnahmen zum Schutz vor Manipulationen. Findet man innerhalb einzelner Rechenzentren von Cloud-Providern noch höchste Sicherheitsanforderungen vor, so ist es mit Wegen bzw. Netzen zwischen einzelnen Rechenzentren anders bestellt. Solche Netzleitungen bedürfen besonderem Schutz, der in der Regel von den meisten Cloud-Providern in Höhe der Brisanz verstanden wird, aber nie zu einer hundertprozentigen Sicherheit gereichen wird.

Dabei ergibt sich im Cloud Computing eine Verlagerung der Verantwortung vom Kunden zum Dienstleister, im Hinblick auf die Datenintegrität, da der Kunde mit einem Thin-Client nurmehr seine Daten grafisch aufbereitet. Alle tatsächlichen Datenbewegungen und Berechnungen finden auf Seite des Cloud-Providers in der Cloud statt. Cloud-Provider müssen zukünftig ihren Kunden garantieren, das ihre Daten bei ihnen sicher. Nur so kann Cloud Computing zum endgültigen Durchbruch verholfen werden. Dies ist in der aktuellen, frühen Phase des Cloud Computing aber noch nicht zur Regel geworden.


7.4 Nachhaltigkeit der Daten

Ebenso wichtig wie die Integrität von Unternehmens- und Kundendaten ist die Nachhaltigkeit der Daten. Bei drohenden Insolvenzen von Cloud Computing Anbietern müssen deren Kunden frühzeitig informiert werden, um auf die Insolvenz des Anbieters reagieren zu können. Denn wie bereits erläutert kann ein Wechsel zu einem anderen Cloud Computing Anbieter mit erheblichen Kosten und großem Zeitaufwand für die Kunden verbunden sein. Nämlich dann wenn Anwendungen aufgrund anderer Technologien beim neuen Anbieter neu entwickelt werden müssen.

Ferner muss garantiert werden, dasd der Betrieb der Kunden zu keiner Zeit unter Beeinträchtigungen aufgrund von Insolvenz ausgesetzter Datenverarbeitung leidet. Gerade in diesem Bereich haben jüngste Vorfälle gezeigt, das besonders bei Pleiten und Insolvenzen die Kunden alleine gelassen werden und entsprechende abschließende Supportmaßnahmen nicht mehr durch den Anbieter ergriffen werden.

Eine mögliche Lösung für das Risiko von Datenverlusten aufgrund von Insolvenzen könnten entsprechende Maßnahmen vom Gesetzgeber sein, die einen Cloud Computing Anbieter zur Bildung von Rücklagen zwingen um in Insolvenzfällen den Kunden einen ordentlichen Wechsel zu einem anderen Anbieter kostenneutral zu ermöglichen.


7.5 Datenverlust und Wiederherstellung

Neben den bereits bisher erläuterten Risiken die mit dem Einsatz von Cloud Computing einhergehen, müssen Anbieter von Cloud Computing Services bei Datenverlust, Verletzung der Datenintegrität und Systemcrashs geeignete Maßnahmen zur Wiederherstellung der sensiblen Daten in die Wege leiten. Dies setzt zunächst einmal voraus, dass Anbieter Ausfälle, Manipulationen von Daten und die Beschädigung von Daten selber frühzeitig realisieren. Für die Anbieter bedeutet das, dass sie eine schnelle und pro-aktive Systemüberwachung nicht nur für ihre sämtliche Hardware wie Server, Storage, Netze, Klimatechnik sondern auch für ihre Datenbanken und Anwendungen benötigen. Monitoringsoftware und Monitoringsysteme haben längst den Weg in Rechenzentren gefunden. Die eigentliche Schwierigkeit im Segment des Cloud Computing liegt hier vor allem in der Zuständigkeit aufgrund der komplexen und gesharten Architektur über viele Rechenzentrumsstandorte hinweg.

Hat man einen Ausfall in den Systemen realisiert, so mangelt es gegenwärtig bei fast allen Cloud Computing Anbietern an ausgereiften Notfallszenarien. Ebenso Recoverypläne und Notfallübungen sucht man bei vielen vergebens. Viele Anbieter geben ihren Kunden nicht einmal Garantien darauf, dass diese ihre Daten im Fehlerfall wieder hergestellt bekommen. Auch hier steht Cloud Computing erst am Anfang. Viele Kunden scheuen im Moment wg. der unklaren Datensicherheit vieler Anbieter noch das Cloud Computing. Hier muss in den nächsten Jahren seitens der Anbieter noch sehr viel Vertrauensarbeit geleistet werden, um Cloud Computing zum gewünschten Erfolg zu verhelfen.


7.6 Bandbreiten - Einschränkung des Cloud Computing

Entscheidend für den positiven Verlauf des Cloud Computing ist neben den bereits erwähnten Kriterien der permanente Ausbau von Netzkapazitäten. Cloud Anbieter der Zukunft werden sich entscheidend daran messen lassen müssen, in wie weit sie große Datenmengen über sämtliche Netzwerkstrukturen hinweg versenden können. Derzeit mangelt es in vielen Ländern aber an entsprechenden Bandbreiten. Betrachtet man den asiatischen Kontinent, hier vor allem Länder wie Japan oder Singapur und den amerikanischen Kontinent, so sind diese Länder bzgl. Ausbaus der Bandbreite wesentlich weiter als viele Länder in Europa. 100 MBit-Anschlüsse selbst in entlegeneren Gebieten Japans sind keine Seltenheit. Die Spitze der Geschwindigkeit in US-amerikanischen Netzen, eine sogenannte T4-Leitung[32] mit ca. 275 MBit/sec, wird ebenfalls kontinuierlich ausgebaut.

Nicht nur in Sachen Geschwindigkeit, sondern vor allem im Hinblick auf den Preis ist Europa verglichen mit den beiden anderen Ländern noch Entwicklungsland. Hier stellt die Spitze der derzeitigen Netzwerkgeschwindigkeiten ca. 50 MBit/sec[33] dar. Diese ist dann aber nur in entsprechenden Ballungsgebieten zu meist horrenden Preisen anzumieten. Was als genereller Nachteil für die Cloud Anbieter anzusehen ist, kann sich für den ein oder anderen international agierenden IT-Dienstleister durchaus positiv darstellen. Entsprechende Anbieter mit vorhandener Netzinfrastruktur könnten, unter Berücksichtigung regional angebundener Rechenzentren, hier vor weniger Problemen stehen. Sie müssen nicht zwingend große Bandbreiten über mehrere Ländern hinweg realisieren, sondern könnten sich auf einen oder mehrer Standorte in einem Land beschränken, sofern die Anbindungen an vorhandene Rechenzentren entsprechend gegeben sind.

Cloud Computing zeichnet sich vor allem dadurch aus, das man sich mit einer Vielzahl von Clients direkt "in der Cloud" anmelden und dann dort seine tägliche Arbeit verrichten kann. In diesem Zusammenhang wird auch Mobile-Commerce in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. Die klassische Datenverarbeitung, also z. B. Client-Server Modelle könnten durch das Cloud Computing immer mehr aussterben. Der Trend im Cloud Computing geht hin zu Zugriffen durch mobile Endgeräte. Doch auch hier steht man vor entsprechenden Bandbreitenproblemen. HDSPA[34] und UMTS[35] sind mit Stand dieser Fallstudie ebenfalls nur in Ballungszentren anzufinden. GPRS[36] und EDGE[37] sind zwar größtenteils flächendeckend verfügbar, jedoch wird eine vernünftige Datenverarbeitung aufgrund der geringen Geschwindigkeiten schon problematisch. Hat man in entsprechenden Gebieten überhaupt keinen Empfang mit mobilen Endgeräten steht man vor einem ganz anderen Problem. Ohne entsprechende Netzanbindungen müssten Kunden mit ihren mobilen Endgeräten offline arbeiten. Dies widerspricht jedoch den meisten Cloud-Anwendungen, da diese eine permanente Netzanbindung an die Cloud erfordern. Synchronisationslösungen sind derzeit im Cloud Computing eher die Ausnahme.

Es bleibt abzuwarten, mit welcher Geschwindigkeit europäische Provider ihre Netze in den nächsten Jahren ausbauen werden. Der Erfolg des Cloud Computing wird davon aber maßgeblich abhängen.

8 Fazit

Quo vadis Cloud Computing? - Viele Hürden bis zum Ziel

Abbildung 16: Vielen Hürden bis zum Ziel - Cloud Computing
Abbildung 16: Vielen Hürden bis zum Ziel - Cloud Computing

Cloud Computing bietet, wie in unserer Fallstudie erarbeitet, zweifelsohne ein großes Potenzial. Dem gegenüber steht gegenwärtig aber auch eine Vielzahl von Risiken. Aufgrund eben dieses Verhältnisses kommt es derzeit noch nicht zu dem gewünschten Durchbruch. Auf der Habenseite stehen die Möglichkeit zur Kosteneinsparung, effizientere Auslastung der gesamten Infrastruktur sowie eine vereinfachte Administration. Dem gegenüber stehen teilweise vollkommen unausgereifte Konzepte im Bezug auf die Datensicherheit und Business Continuity sowie Vertrauensprobleme im Hinblick auf die Verarbeitung und Speicherung unternehmenskritischer Kundendaten. Hier müssen entsprechende Anbieter von Cloud Computing Lösungen in den nächsten Jahren vor allem den Nachteilen marketingwirksam entgegen treten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die derzeit unklare Situation bzgl. Standards im Cloud Computing. Hier mangelt es nicht nur im Bereich des Betriebs von Cloud Computing Plattformen, sondern vor allem im Bereich der Softwareentwicklung an standardisierten Abläufen und Schnittstellen. Derzeit diskutieren viele Cloud Computing Anbieter noch, ob sich Cloud Computing durch einheitliche Standards oder aber eben durch das "Nichtvorhandensein" solcher Standards definiert. Auf der einen Seite haben Anbieter entsprechende Freiheiten, auf der anderen Seite sind mit Blick auf die Kunden solche Standards unserer Meinung nach zwingend erforderlich. Erste Initiativen wie das Opencloudmanifest, durch IBM ins Leben gerufen, sind aus unserer Sicht der Schritt in die richtige Richtung. Wenn aber solchen Initiativen namhafte Unternehmen wie Microsoft, Amazon usw. fernbleiben, ist es um das Vertrauen der Kunden schlecht bestellt.

Was derzeit für Privatkunden im Cloud Computing sehr gut funktioniert, Bedarf für Geschäftskunden noch einer Vielzahl von Verbesserungen, welche letzten Endes marktentscheidend für Cloud Computing sein werden.

Unsere Fallstudie hat gezeigt, dass vor allem auf der technischen Seite aufgrund der teilweise schon populären Nachteile des Cloud Computing die Vorteile nicht direkt greifbar sind. Setzt ein international agierender IT-Dienstleister bereits jetzt schon auf Virtualisierung und hohe Skalierbarkeit in seinen Rechenzentren, wird es noch schwieriger, die Vorteile des Cloud Computing darzustellen.

Allerdings gilt für international agierende IT-Dienstleister, vor allem folgendes. Die Nachteile der großen Anbieter am Markt wie IBM, Amazon, Google, Microsoft etc... können die Vorteile der kleineren international agierende IT-Dienstleister werden. Hat man sich bei Bestandskunden über Jahre hinweg bereits das Vertrauen der Kunden erarbeitet und setzt man auf technisch ausgereifte Konzepte in Bezug auf Desaster-Recovery und ansatzweise einheitliche Standards, so birgt der Cloud Computing Markt für solche Anbieter noch größeres Potenzial. Dies in Verbindung mit über SLA´s geregelte Vereinbarungen, wie z. B. eine Garantie, das Kundendaten nur in Clouds in deutschen oder europäischen Rechenzentren gespeichert und verarbeitet werden, oder die Einhaltung von Wiederherstellungszeiten im Fehlerfall, könnten den Anbietern die wir in der Fallstudie betrachtet haben, zum Vorteil gereichen.

Zuvor müssen aber erst durch die gesamte Branche die Nachteile durch wirksames Marketing, bessere Konzepte und entsprechende Service Level Agreements ausgeräumt werden. Schafft man dies, so hat das Segment des Cloud Computing ungeahntes Potenzial. Schafft man es in den nächsten Jahren nicht, so wird Cloud Computing weiterhin sein Dasein als "größere Nischenlösung" fristen oder der gegenwärtige Hype ebbt wieder komplett ab.

9 Fußnoten

  1. Vgl. http://www.pcwelt.de/bildpopup/164400/164486/473694/index.html
  2. Vgl. http://d1smfj0g31qzek.cloudfront.net/abovetheclouds.pdf
  3. Vgl. http://www.circleid.com/posts/20090306_cloud_computing_types_public_hybrid_private/
  4. Vgl. http://www.oldenbourg.de:8080/wi-enzyklopaedie/lexikon/uebergreifendes/Kontext-und-Grundlagen/Markt/Softwaremarkt/Geschaftsmodell-(fur-Software-und-Services)/Cloud-Computing
  5. Vgl. http://www.isupergrid.com/it_cloud_services_benefits.jpg/it_cloud_services_benefits-full;init:.jpg
  6. Vgl. http://www.greenbang.com/fujitsu-siemens-slaps-%E2%80%98green-it%E2%80%99-labels-on-pcs/
  7. Vgl. http://www.isupergrid.com/it_cloud_services_challenges.jpg/it_cloud_services_challenges-full;init:.jpg
  8. Vgl. http://www.gartner.com/it/page.jsp?id=766215
  9. Vgl. http://www.saugatech.com/researchbytopic.htm#cloud
  10. Vgl. http://www.ibm.com/ibm/cloud/
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  19. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Green_IT
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  29. Vgl. http://www.avanade.com/de/
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  31. Vgl. http://www.computerwoche.de/knowledge_center/it_services/1888014/
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