Cloud Computing Strategie der Firma Novell

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1 Titel

Namen der Autoren: Christian Rukes, Wulf Weich, Daniel Neuhaus
Titel der Arbeit: "Cloud Computing Strategie der Firma Novell"
Hochschule und Studienort: FOM Düsseldorf

2 Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis


3 Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung Bedeutung
AMIAmazon Machine Image
APIApplication Programming Interface
AWSAmazon Web Services
CRMCustomer Relationship Management
DR DOSDigital Research Disk Operating System
EBSElastic Block Store
EC2Elastic Compute Cloud
FZIForschungszentrum Informatik, Karlsruhe
IaaSInfrastructure as a Service
IPXInternetwork Packet Exchange
PaaSPlatform as a Service
S3Simple Storage Service
SaaSSoftware as a Service
SPISoftware Platform Infrastructure
SPXSequenced Packet Exchange
VBSVisual Basic Scripting
VMVirtual Machine
VMMVirtual Machine Monitor

4 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr. Abbildung
1Cloud Computing Schaubild
2Die drei Ebenen des Cloud Computing
3Zwei Ansätze der Virtualisierung
4Umsatz der Produktpalette von Novell 2008
5Amazon AWS Management Console
6Betriebssystem-Nutzung über die Jahre 2007-2009 in Prozent

5 Tabellenverzeichnis

Tabelle Nr. Quelle
1SUSE Linux Enterprise Server Preismodell für x86 und x86-64 Plattformen; Vgl. Novell, Inc. (o.J. f)
2SUSE Linux Enterprise Server Preismodell für Itanium Plattformen; Vgl. Novell, Inc. (o.J. f)
3SUSE Linux Enterprise Server Preismodell für IBM Power Plattformen; Vgl. Novell, Inc. (o.J. f)

6 Einleitung

Ende des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung der Stromzufuhr. Es wurde ein Verteilernetz zur flächendeckenden Versorgung erbaut. Unternehmen mussten nun ihren Strom nicht mehr selbst mit Dampfmaschinen produzieren sondern konnten auf eine zentralisierte Versorgung durch einige wenige Großkraftwerke setzen, wodurch die Kosten für die bezogene Energie stark gesunken sind. Heute hat die Informationstechnologie einen ähnlichen Stellenwert wie damals um die Jahrhundertwende die Elektrizität. Die IT ist heute ein wichtiges Kapital für Unternehmen und meist sogar eine eigene Unternehmensfunktion. Einen ähnlichen Weg wie damals die Stromversorgung geht nun auch die Informationstechnik. Sie wird immer häufiger als eine Leistung über ein gemeinsames Netz bezogen. Das Netz nennt sich heute Internet, die Versorgung mit IT Dienstleistungen Cloud Computing und die Abrechnung erfolgt nicht in Kilowattstunden sondern in Mega- oder Gigabyte.[1]

Nun ist natürlich die Frage interessant, wie sich etablierte Software-Anbieter auf diese neue Thematik einstellen. Im Rahmen dieser Fallstudie wird im Speziellen die Firma Novell und ihre Cloud Computing Strategie untersucht. Novell ist ein Spezialist im Bereich von Netzwerk- und Internet-Software und sollte daher sehr empfänglich für das Thema Cloud Computing sein.

Im folgenden Kapitel werden hierfür die Grundlagen geklärt. Da es bis heute keine klare und eindeutige Definition zu Cloud Computing gibt wird zunächst versucht dieses Thema zu erklären. Im Anschluss werden einige, in dieser Arbeit häufiger vorkommende Begrifflichkeiten erklärt. Es geht dort hauptsächlich um das Thema Virtualisierung und seine spezialisierten Ausprägungen. Der letzte Punkt in diesem Kapitel wird eine kurze Vorstellung der Firma Novell und ihrer Historie sein.

Die eigentliche Strategie, die Novell mit ihrem Produktportfolio fährt, wird im Kapitel "Strategie von Novell" thematisiert. Die allgemeine Unternehmensstrategie lässt sich aus dem Annual Report 2008 der Firma ableiten. Das Portfolio ist in vier Kategorien gegliedert, welche auch erwähnt und beschrieben werden. Aus dem Portfolio wird besonders auf das aktuelle Produkt SUSE Linux Enterprise 11 eingegangen und im Zusammenhang damit auch Amazons Elastic Compute Cloud erläutert.

Zum Schluss wird die Strategie der Firma Novell kritisch betrachtet und bewertet, sowie ein Fazit aus der Arbeit gezogen.

7 Grundlagen

7.1 Cloud Computing

Cloud Computing ist derzeit ein wahrer Hype in der IT-Branche. Kaum ein namhafter Anbieter von IT-Dienstleistungen kann sich ihm entziehen. Man spricht von der Industrialisierung von IT-Dienstleistungen[2]. Was der Begriff bedeutet und was er beinhaltet wird in diesem Kapitel dargestellt.

7.1.1 Begriff

Abbildung 1: Cloud Computing Schaubild
Abbildung 1: Cloud Computing Schaubild

In Abbildung 1 ist der Begriff Cloud Computing bildlich dargestellt. Die Wolke (engl. cloud) ist in den meisten Netzwerkdiagrammen das Symbol für das Internet. Vor diesem Hintergrund ist auch bei dem Cloud Computing Schaubild die Wolke symbolisch eingebunden. Cloud Computing steht demzufolge für die EDV im Internet. Rechenleistung und Serverdienste werden von lokalen Servern in die Wolke, das Internet, verlagert.

7.1.2 Definition

Cloud Computing ist mit seinem Alter von nahezu drei Jahren bis heute nicht eindeutig definiert. Die meisten Definitionsansätze stammen von Cloud Computing Anbietern. In diesen Ansätzen werden meist die eigenen Interessen und Produkte besonders berücksichtigt. Allgemeingültig kann man sagen, dass Cloud Computing die Dienste Software as a Service (SaaS), Platform as a Service (PaaS) und Infrastructure as a Service (IaaS) unter einem Oberbegriff zusammenfasst. Cloud Computing soll Anwendern IT-Lösungen, IT-Plattformen und IT-Infrastrukturen bedarfsgerecht, skalierbar und standardisiert als Services über das Internet zur Verfügung stellen[3].

Einige Definitionsansätze und Beschreibungen von namhaften IT-Spezialisten sollen allerdings auch hier aufgegriffen werden:

  • Dr. Jeffrey Jaffe, Chief Technical Officer von Novell
"Cloud computing provides a means for a user to grab capacity without a lengthy approval process. Moreover, capacity can be ordered as needed. There is no danger of acquiring over-capacity that won’t be needed in the end."[4]
  • Markus Klems, Forschungsassistent am FZI
"What is cloud computing all about? Amazon has coined the word 'elasticity' which gives a good idea about the key features: you can scale your infrastructure on demand within minutes or even seconds, instead of days or weeks, thereby avoiding under-utilization (idle servers) and over-utilization (blue screen) of in-house resources. With monitoring and increasing automation of resource provisioning we might one day wake up in a world where we don’t have to care about scaling our Web applications because they can do it alone."[5]
  • Jeff Kaplan, Gründer THINKstrategies
"I view cloud computing as a broad array of web-based services aimed at allowing users to obtain a wide range of functional capabilities on a ‘pay-as-you-go’ basis that previously required tremendous hardware/software investments and professional skills to acquire. Cloud computing is the realization of the earlier ideals of utility computing without the technical complexities or complicated deployment worries."[6]
  • Damon Edwars, Consultant und Entwickler spezialisiert auf IT-Automation
"Cloud Computing (meaning elastic computing resources paid for on-demand)"[7]

7.1.3 Dienste

Abbildung 2: Die drei Ebenen des Cloud Computing
Abbildung 2: Die drei Ebenen des Cloud Computing[8]

Unter dem Oberbegriff Cloud Computing fallen die Dienste Software as a Service, Platform as a Service und Infrastructure as a Service. Diese Dienste werden als die drei Ebenen des Cloud Computing definiert[8] und sind auch unter dem Begriff SPI Modell bekannt[9]. Die drei Ebenen setzen direkt aufeinander auf und es findet ein fließender Übergang statt. Abbildung 2 zeigt den logischen Aufbau der Ebenen. Dabei ist IaaS als tiefste Ebene anzusehen und SaaS als oberste Ebene. In der untersten Ebene hat der Kunde größtmögliche Flexibilität für die Entwicklung, allerdings ist hier aber der Aufwand, der benötigt wird ein System bereitzustellen, am größten. In der obersten Ebene dagegen gibt es nur vordefinierte Standard-Software und man ist dadurch sehr eingeschränkt. Dagegen ist aber nahezu kein Entwicklungsaufwand zu verbuchen. Im Folgenden wird die Funktionsweise und der Umfang dieser drei Dienste genauer beschrieben.

7.1.3.1 Software as a Service

Als SaaS bezeichnet man eine Dienstleistung, die Software über ein Computer Netzwerk, meist das Internet, bedarfsgerecht bereitstellt. Bei dem traditionellem Lizenzierungsmodell für Software erwirbt der Kunde nur das Recht zur Nutzung dieser Software. Für die zum Gebrauch dieser Software benötigte IT-Infrastruktur sowie die Wartung dieser und der Software selbst muss jedoch der Kunde sorgen. Im Gegensatz dazu wird bei SaaS die Software von einem Dienstleister betrieben. Dieser kümmert sich um Wartung und Instandhaltung der Software und der dazu benötigten Infrastruktur.

Man unterscheidet zwei Arten der Bereitstellung von SaaS, die Webanwendung und die Terminalanwendung. Die Webanwendung läuft vollständig in einem Internet Browser. Es sind außer dem Internet Browser keine weiteren lokalen Installationen auf dem Client Computer für den Betrieb der Software notwendig. Für Terminalanwendungen ist nur ein spezieller Terminal-Client erforderlich, welcher dann eine Verbindung zu einem Terminal-Server herstellt.

SaaS wird hauptsächlich in zwei verschiedenen Preismodellen angeboten. Zum einen gibt es periodische Raten, welche alle in der Periode anfallenden Kosten decken sollten. Risiken wie zum Beispiel Hardwareausfälle liegen komplett bei dem Dienstleister und werden in der Regel in die Raten einkalkuliert. Ein anderes Modell ist die Bezahlung in Abhängigkeit der Nutzung. Hier wird in verschiedenen Taktungen, zum Beispiel pro angefangener Stunde die der Dienst in Anspruch genommen wird, abgerechnet.

Bekannte Anbieter von SaaS sind unter anderem Google mit ihren Google Apps sowie salesforce.com mit ihren CRM-Anwendungen. Faktisch ist aber jede Webanwendung die wir in unserem alltäglichem Leben nutzen eine Software as a Service.

7.1.3.2 Platform as a Service

SaaS bietet den Kunden in der Regel nur Standardanwendungen. Unternehmensspezifische Geschäftsprozesse lassen sich hier nicht abbilden. Genau hier setzt PaaS an, indem es dem Kunden ein Modell zur Anwendungsentwicklung und -bereitstellung bietet. Kunden können mit sogenannten building blocks und speziellen Programmiersprachen ihre eigenen Applikationen entwickeln. Building blocks sind vorgefertigte, wiederverwendbare Software-Bausteine, welche die Anwendungsentwicklung beschleunigen. Genau wie bei SaaS wird bei PaaS das Bereitstellen der entwickelten Applikationen von einem Anbieter übernommen.

Auch bei PaaS spielt Google als Anbieter ihrer App Engine neben salesforce.com mit dem Angebot force.com und Microsofts Azure eine wichtige Rolle.

7.1.3.3 Infrastructure as a Service

Noch eine Ebene tiefer als PaaS ist IaaS anzusetzen. IaaS ist die Bereitstellung von Computer Infrastrukturen als Dienst auf Abruf. Meist wird dies über Virtualisierung umgesetzt. Statt sich Server, Software und Netzwerkinfrastruktur zu kaufen, können Kunden dies als voll ausgelagerten Dienst mieten. Von den drei Ebenen herrscht hier die größte Flexibilität was Entwicklung und Betreiben von Software angeht. Allerdings ist dies auch mit dem größten Aufwand für die Kunden verbunden, da ihm in Bezug auf die Systemarchitektur und Softwareentwicklung nichts abgenommen wird.

Auf dem IaaS Markt ist Amazon mit seinem Elastic Compute Cloud Angebot derzeit der Marktführer. Daneben gibt es, vor allem in den USA, noch einige kleinere Anbieter, welche aber alle nicht so weit verbreitet und fortgeschritten sind wie Amazon[8].

7.2 Häufige Terminologien

7.2.1 Virtualisierung

Abbildung 3: Die zwei Ansätze der Virtualisierung
Abbildung 3: Die zwei Ansätze der Virtualisierung[10]

Als Virtualisierung bezeichnet man in der Informatik Software- oder Hardwaretechniken, welche eine Abstraktionsebene zwischen den Benutzer und den physischen Ressourcen implementiert. Benutzer können menschliche Benutzer eines Computers oder auch Software-Anwendungen und Schnittstellen sein. Die Abstraktionsschicht kann zwei verschiedene Aufgaben übernehmen. Sie kann entweder mehrere Ressourcen logisch zusammenfassen, so dass für den Benutzer nur eine einzige sichtbare Komponente entsteht, oder umgekehrt eine Ressource so aufteilen, dass der Benutzer mehrere logische Komponenten zur Verfügung hat.

7.2.2 Paravirtualisierung

Bei der Paravirtualisierung ist dem Gast-Betriebssystem bekannt, dass es innerhalb einer virtuellen Maschine läuft. Damit ein Betriebssystem paravistualisiert werden kann, ist es nötig, den Kernel anzupassen. Dies ist gerade bei Microsoft Windows problematisch. Hierbei wird dem Gast-Betriebssystem eine Hardware zur Verfügung gestellt, die zwar nicht gleich der physikalischen ist, aber sehr ähnlich. Auf diese greift das Gast-Betriebssystem nur über eine gesonderte Programmschnittstelle (API) des Hypervisors zu. Dadurch, dass nicht jeder VM eine gesonderte emulierte Hardware präsentiert werden muss entsteht bei der Paravirtualisierung nur ein geringer Performance-Verlust von etwa 0,1 bis 5 Prozent, im Gegensatz zur Komplettvirtualisierung, bei der bis zu 20 Prozent Performance-Verlust entstehen.

7.2.3 Hypervisor

Hypervisor oder auch Virtual Machine Monitor (VMM), beschreibt eine Software, die es ermöglicht, virtuelle Maschinen zu erstellen, verwalten und auszuführen. Dabei wird zwischen 2 Typen unterschieden:

  • Typ 1 wird innerhalb eines (Host-)Betriebssystems ausgeführt und simuliert die Hardware für das auszuführende virtuelle Gast-Betriebssystem. Dabei greift er auf die Hardware-Treiber des Host-Betriebssystems zurück.
z. B. VMware Player/Workstation/Server, Microsoft Virtual PC, Virtual Box
  • Typ 2 wird alleine, ohne ein konventionelles Betriebssystem ausgeführt und abstrahiert die Hardware für das Gast-Betriebssystem. Dabei muss dieses spezielle Host-Betriebssystem selbst über alle nötigen Hardware-Treiber verfügen.
z. B. VMware ESXi / vSpere, Xen, Microsoft HyperV

7.3 Novell

Novell Inc. verkauft Linux-Plattformen und hat ein Portfolio integrierter IT-Management-Software. Kunden auf der ganzen Welt sollen damit ihre Kosten und Risiken minimieren. Mit seiner Infrastruktur und zahlreichen Partnerschaften integriert Novell harmonisch gemischte IT-Umgebungen, so dass Mensch und Technologie ideal zusammenarbeiten[11]. In den letzten Jahren fand bei Novell ein struktureller Wandel statt, sowohl personell als auch von der Firmenphilosophie. Novell hat sich mehr und mehr aus dem Hardware Bereich zurückgezogen und entwickelt Software Lösungen für die Partnerschaften und Großkunden.

7.3.1 Historie

Das Unternehmen wurde 1979 unter dem Namen Novell Data Systems Inc. gegründet. Vier Jahre später wurde es in den heutigen Namen Novell Inc. umbenannt. Damaliger Geschäftsführer war Ray Noorda. Das Unternehmen war gerade auf dem Gebiet der Netzwerktechnik einer der Marktführer und entwickelte das Netzwerk Betriebssystem Net Ware und die Netzwerk-Protokolle IPX und SPX.

1991 wurde Digital Research von Novell übernommen. Digital Research vertrieb mit DR-DOS ein MS-DOS kompatibles Betriebssystem, welches aber im Gegensatz zu MS-DOS Multitasking fähig war.

2003 kaufte Novell den Softwarehersteller Ximian. Ximian entwickelte bis zu diesem Zeitpunkt die SUSE Linux Distribution. Novell wurde damit zu einem der größten Linux Anbieter auf dem Markt.

Seit 2006 leitet Chief Operator Ron Hovsepian das Unternehmen. Seine Restrukturierungsmaßnahmen sorgten dafür, dass das leicht in Schieflage geratene Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben konnte.

Abbildung 4: Umsatz der Produktpalette von Novell 2008
Abbildung 4: Umsatz der Produktpalette von Novell 2008

7.3.2 Kennzahlen 2008

Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2008 einen Umsatz von 957 Millionen US Dollar. Den größten Umsatz, wie in Abbildung 4 zu sehen, erzielte Novell hier mit der Produktgruppe Open Workgroups. Knapp ein Drittel des Gesamtumsatzes von Novell im Jahr 2008 wurden hiermit erzielt. Mit rund 4000 Mitarbeiter in 57 Ländern ist Novell weltweit vertreten. Novell hat aber in den letzten drei Jahren knapp ein Viertel von seiner Belegschaft reduziert.

7.3.3 Standorte

Stand 2008 Der Hauptsitz der Firma Novell ist in Waltham, Massachusetts, USA. Novell ist in 57 Ländern auf der ganzen Welt vertreten und hat in Deutschland drei Niederlassungen.

8 Strategie von Novell

8.1 Allgemeine Unternehmensstrategie

Um weiterhin im Markt bestehen zu können und rentabel zu sein, änderte Novell vor gut drei Jahren die allgemeine Unternehmensstrategie.

Novell sieht sich nun mehr als ein Infrastruktur-Software-Unternehmen, das Lösungen für Kunden entwickelt, die mehr Freiheiten, Flexibilität und Produktivitätssteigerung bieten soll. Eine Schlüsselkomponente der Strategie ist es, sicherzustellen, dass alle kritischen Produktfunktionen auf Linux Plattformen oder Misch IT Umgebungen laufen. Dies schafft Novell mit einem Mix aus Open Source, Mixed Source und Closed Source. Novell bietet höchsten Service, den der Kunde für seine Entwicklung im Unternehmen braucht. Die vollkompatible Linux Plattform und das ausgereifte Portfolio von integrierter IT Management-Software hilft Unternehmen weltweit Kosten und Komplexität zu reduzieren. Die Lösungen von Novell sollen dem Kunden mehr Zeit, Energie und Ressourcen für Ihre eigentlichen Tätigkeiten geben[12].

Novell unterscheidet hier in vier verschiedene Teil-Strategien.

8.1.1 Product Strategy

Die Produkt Strategie verfolgt zwei Ziele:

  1. Das Anbieten von Produkten und Dienstleistungen, um Linux bzw. SUSE Linux Enterprise schnell und möglichst weit zu verbreiten.
  2. Nach Verbreitung wird dem Kunden dann die enterprise infrastructure software angeboten. Beispiele wären hier die ZENworks Produkte.

Ein Schlüsselelement dieser Strategie ist es, Open Source oder Open Standard Produkte weiterhin zu fördern, die leicht zu nutzen, einfach zu bedienen und äußerst vertrauenswürdig und skalierbar sind. Bezug nehmend auf die Linux Übernahme plant Novell weiterhin den guten Support für die bestehenden Open Source Communities und Projekte, in denen Novell vertreten ist, zu leisten[13].

8.1.2 Alliances and Partnership Strategy

Novell bildet Partnerschaften mit führenden Hardware- und Softwarehäusern wie zu Beispiel Microsoft, um sich bestmöglich am Markt präsentieren zu können. Um den heutigen Konkurrenzdruck gewachsen zu sein, sind gut geführte Partnerschaften ein Garant für den Erfolg und führen gleichzeitig zu höheren Gewinnen und mehr Kundenreichweite. Die Teilhaber-Strategie basiert auf Single Partner Programs mit dem Ziel konsistente Interaktionen zur Verfügung zu stellen. Dabei konzentriert man sich auf Zertifikate, gemeinsames Marketing und Verkäufe. Um die Partnerleistungsfähigkeit zu sichern, hat Novell ein System entwickelt, welches die Erfahrungen, das Wissen, den Service und die Lösungen von seinen Partnern und von sich selbst verbindet, um den Kunden die Möglichkeit zu geben davon zu profitieren, was Open Source- und Identity-Lösungen mit sich bringen. Im Jahr 2007 schloss Novell mehrere Vereinbarungen mit dem Konkurrenten Microsoft, die sogenannten Microsoft Agreements. Diese Vereinbarungen sollen die Kompatibilität zwischen den Produkten von Microsoft und Novell besser und performanter machen, um so den Kunden die bestmöglichste Lösung anbieten zu können[14]. Die Partnerschaft mit Microsoft besteht aus vier Kollaborationsprojekten:

  • Development of technologies
Das Development of technologies-Kollaborationsprojekt hat zum Ziel, die Virtualisierbarkeit von Microsoft Windows Systemen unter SUSE Linux Enterprise Systemen, und umgekehrt, zu optimieren.
  • Development of management
Das Development of management-Kollaborationsprojekt soll die Verwaltung von Windows und SUSE Linux Enterprise Umgebungen untereinander verbessern.
  • Development of translators
Das Development of translators-Kollaborationsprojekt beinhaltet eine verbesserte Unterstützung des Open-Document-Formats in der Microsoft Office Suite.
  • Collaboration on improving directory
Die Collaboration on improving directory soll die Interoperabilität und die User-Management-Zusammenarbeit zwischen Microsofts Active Directory und Novells eDirectory verbessern.

8.1.3 Multi-Channel Sales Strategy

Die Multi-Channel Sales Strategy beschreibt, wie das Unternehmen versucht über direkte und indirekte Kanäle die Kunden zu erreichen. Über den indirekten Vertriebsweg sollen Klein- und Mittelständler mit Hilfe von Distributoren erreicht werden. Großkunden hingegen werden direkt von Novell betreut. Um den Service noch besser zu gestalten, haben die Kunden freien Zugang zu allen Informationsquellen, Werkzeugen, Trainingsprogrammen und Methodiken.

8.1.4 Personnel Development Strategy

Die Personnel Development Strategy beinhaltet die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter. Für Novell ist der Mitarbeiterstab das höchste Unternehmensgut, der deshalb auch gesondert gefördert wird.

8.2 Portfolio

Die Hauptgeschäftsfelder der Firma Novell sind Open Platform Solutions, Identity and Security Management, Systems and Resource Management und Workgroups. Im Folgenden wird detailliert auf die einzelnen Geschäftsfelder eingegangen. Dazu werden einige Produkte näher erläutert.

8.2.1 Open Workgroup

Eine offene und preisgünstige Alternative zu Windows-Lösungen ist die Open Workgroups Suite von Novell. Mit dieser Produktpalette machte Novell den höchsten Umsatz. Mit über 350 Millionen Euro konnte hier gut ein Drittel des Gesamtumsatzes eingenommen werden. Bei dieser Produktpalette handelt es sich um mehrere Produkte. Als Betriebssystem wird hier Open Enterprise Server angeboten, Novell GroupWise als Kollaborationslösung, Novell ZENworks Suite als plattformübergreifendes Systemmanagementtool sowie Novell Linux Desktop und Open Office für Windows und Linux.

8.2.2 Open Platform Solutions

Die SUSE Linux Enterprise Plattform ist die Basis der Linux Produktpalette. SUSE Linux Enterprise gehört zu den führenden Linux Distributionen, die sich im Bereich der Interoperabilität und Virtualisierung durchgesetzt hat. Es bietet gute Benutzerfreundlichkeit und eine einfache Verwaltung.

Die Hauptprodukte der Open Platform Solutions sind:

  • SUSE Linux Enterprise Server
Hierbei handelt es sich um ein Open-Source-Server-Betriebssystem für den professionellen Einsatz in heterogenen (Open-Source- und proprietäre) IT-Umgebungen aller Größen und Branchen. Dieses Betriebssystem integriert alle Server-Dienste, die für Linux, einschließlich der integrierten Virtualisierung, notwendig sind und stellt eine stabile und sichere Plattform für den kostengünstigen Betrieb von IT-Umgebungen.
  • SUSE Linux Enterprise Desktop
Der SUSE Linux Enterprise Desktop ist ein Business-Desktop-Produkt, welches der Linux-Umgebung eine komplette Reihe von Business-Anwendungen bietet. Unter anderem sind hier Business-Anwendungen OpenOffice.org (eine Office Productivity Suite), Mozilla Firefox-Browser und Novell Evolution (ein Kollaborations-Tool für Linux) enthalten.
  • Andere Open Platform Lösungen
Nicht zu vergessen ist noch das Produkt openSUSE. Es ist ein Betriebssystem, welches für den Heimgebrauch entwickelt wurde. Alle gängigen Funktionen wie E-Mail-Client, Media Player, Chat Programme oder Foto- und Videobearbeitungstools sind in diesem Betriebssystem integriert. Einfache Netzwerkdienste für ein Heimnetzwerk bringen den Benutzer schnell ins Internet und bieten gleichzeitig Tools für den alltäglichen Internetgebrauch.

8.2.3 Identity and Security Management

Die Identity und Security Lösung von Novell bietet dem Kunden eine schnelle, einfache und sichere Lösung zur Identitäts- und Sicherungsverwaltung im Netzwerk. Die Verwaltung erfolgt zentral und automatisiert. Die einzelnen Programme sind modular aufgebaut:

  • Identity Manager
Der Identity Manager ist ein leistungsfähiges Daten-Austausch- und Synchronisations-Programm, welches man auch oft als Meta-Directory-Lösung bezeichnet, das automatisch die neuen und aktualisierten Informationen über alle Anwendungsprogramme- und Verzeichnisse auf einem Netzwerk aktualisiert. Dies soll sicherstellen, dass die vertrauenswürdigen Kunden, Partner und Lieferanten Zugriff auf konsistente Informationen haben.
  • Access Manager
Der Access Manager gibt dem Kunden sowohl außerhalb als auch inhouse optimalen Zugang auf Anwendungen und Ressourcen ohne die Sicherheit oder Kontrolle zu verlieren. Es erlaubt dem Kunden den Zugriff auf Web-basierte und traditionelle Business-Anwendungen und bietet eine sichere Authentifizierung zu Portalen, Web-basierten Inhalten und Anwendungen. Der Access Manager unterstützt eine Vielzahl von Plattformen und Directory Services.
  • SecureLogin
Das SecureLogin Modul ist eine Directory-integrierte Authentifizierungs-Lösung, die zuverlässig Single-Sign-On Zugriff auf Multi-Plattform Netze vereinfacht.

Weitere Module der Identity und Security Lösungen sind Sentinel, Novell eDirectory' oder Compliance-Management.

8.2.4 Systems and Resource Management

Bei dem System and Resource Management Produkten handelt es sich um Lösungen, die die Sicherheit der Netze gewährleisten sollen. Die ZENworks Produkte arbeiten hier zentral und automatisiert, zudem vereinfachen sie das Netzwerkmanagement. Das Verteilen von wichtigen Informationen erfolgt über Desktops und Server und ist mit Linux-, Netware- und Windows-Umgebungen kompatibel. Zu den wichtigsten ZEN-Produken gehören:

  • ZENworks Suite
Die ZENworks Suite verwaltet komplexe Serverplattformen und Umgebungen. Es können zudem IT Ressourcen auf der Grundlage von Benutzeranforderungen oder Identitäten verwaltet werden.
  • ZENworks Patchmanagement
Das ZENworks Patchmanagement ermöglicht den Benutzern ein automatisiertes Update Programm um sich präventiv vor Bedrohungen von außen zu schützen. Das System verarbeitet die Updates im Hintergrund ohne die Benutzer damit zu belasten.

Weitere Produkte sind unter anderem ZENworks Linux Management, ZENworks Configuration Management und ZENworks Endpoint Security Management.

8.3 SUSE Linux Enterprise 11

SUSE Linux Enterprise 11 ist die aktuellste Version der kommerziellen Linux Distribution von Novell. Diese wurde speziell für die Nutzung in virtuellen Maschinen verbessert, wodurch sie jetzt unter allen gängigen Hypervisoren, also VMware ESX / vSphere, Microsoft Hyper-V und Xen, gute Performance bietet. Natürlich ist sie auch direkt auf den am häufigsten genutzten Server-Plattformen, also x86 / x86-64, Itanium, IBM Power und IBM System-z, lauffähig. Es soll Unternehmen den Einsatz von Linux in bestehenden Windows und UNIX Infrastrukturen erleichtern.

SUSE Linux Enterprise 11 ist für die Nutzung in der Amazon Elastic Compute Cloud (EC2) von Amazon zertifiziert und hat mit Xen 3.3.1 einen der führenden Hypervisoren mit an Bord. Zusätzlich bietet Novell mit dem SUSE Linux Enterprise Virtual Machine Driver Pack eine Sammlung paravirtualisierter Treiber für die 32 Bit und 64 Bit Varianten der gängigen Windows Versionen und Red Hat Linux 4 und 5. Diese sorgen dafür, dass das Gast-Betriebssystem teilweise direkt auf die Hardwarekomponenten zugreifen kann, statt auf die emulierte Hardware des Hypervisors, wodurch eine nahezu native Performance während der Virtualisierung unter Xen erreicht wird[15].

Durch Novell ZENworks Linux Management 7.3, welches zur Verwaltung von SUSE Linux Servern, Workstations und Desktops verwendet werden kann, wird die Verwaltung der IT-Infrastruktur stark vereinfacht, wodurch eine erhebliche Kostensenkung im Bereich System-Administration erzielt werden kann.

Durch die Kooperation mit Microsoft werden einige Technologien in SUSE Linux Enterprise 11 unterstützt, auf die bei bisherigen Linux Distributionen meist verzichten werden musste. Dazu gehören vor allem:

  • .Net
siehe SUSE Linux Enterprise Mono Extension
  • Active Directory
Der SUSE Linux Enterprise Desktop bietet Usern die Möglichkeit, sich in einer Windows Domäne per Active Directory anzumelden[16].
Dies ist vor allem während einer Umstellungsphase sinnvoll, wenn die Clients nach und nach auf Linux umgestellt werden, während die Server noch mit Windows betrieben werden.
  • Microsoft Office Alternative
Der SUSE Linux Enterprise Desktop besitzt ein vorinstalliertes OpenOffice.org, welches allerdings von Novell gegenüber der normalen Community Edition modifiziert wurde, um die Kompatibilität zu Microsoft Office zu verbessern. Die Modifikationen beinhalten Verbesserungen in der Kompatibilität von Excel, speziell zu VBS Makros. Zusätzliche Import-Filter ermöglichen das Lesen von zum Beispiel Microsoft Works- und WordPerfect-Dateien sowie skalierbare Vektorgrafik-Dateien. Außerdem wurde die Unterstützung für Formulare verbessert und weitere Effekte für Präsentationen hinzugefügt[17].


8.3.1 Erweiterungsmodule

Für SUSE Linux Enterprise 11 sind folgende Erweiterungsmodule verfügbar:

  • SUSE Linux Enterprise Mono Extension
Mit der Mono Extension erhält SUSE Linux Enterprise 11 ein Framework, welches kompatibel zu Microsofts .Net Framework (derzeit bis Version 2.0) ist.
Dadurch ist es möglich Windows Programme auf Basis des .Net Frameworks unter Linux ohne Neukompilierung auszuführen und ASP.Net Web-Applikationen innerhalb des Apache oder anderen Web-Servern zu hosten[18].
In der Praxis hat sich aber leider gezeigt, dass es bei komplexeren Web-Applikationen vorkommt, dass diese nicht brauchbar in einem Linux-System gehostet werden können.
  • SUSE Linux Enterprise High Availability Extension
Die SUSE Linux Enterprise High Availability Extension ist eine Open-Source-Sammlung von Clustering-Tools.
Sie ermöglicht es Anwendungen auf mehreren Servern parallel auszuführen und, durch ein spezielles Dateisystem, Daten parallel auf mehreren Servern abzulegen, so dass sie beim Ausfall eines Servers weiterhin verwendet werden können, da die anderen Server die Arbeit des ausgefallenen übernehmen[19].
  • SUSE Linux Enterprise Real Time Extension
Die SUSE Linux Enterprise Real Time Extension ist ein speziell für Echtzeitanwendungen modifiziertes und optimiertes Linux.
Dies sorgt für kürzere Latenzzeiten, höhere Vorhersehbarkeit und höhere Zuverlässigkeit beim Einsatz von unternehmenskritischen Anwendungen[20].

8.3.2 Preismodell

Im Gegensatz zu Windows ist bei SUSE Linux Enterprise eine Abonnementgebühr von mindestens 349 USD für ein Jahr beim Server, beziehungsweise 100 USD für ein Jahr beim Desktop, fällig um mit Sicherheits-Updates und Patches versorgt zu werden. Wenn weiterer Support gewünscht ist, steigen die Abonnementgebühr, je nach System-Architektur, auf bis zu 1.499 USD für ein Jahr. Hierbei ist zu beachten, dass die Gebühren pro physikalischem System (bei x86 / x86-64 Systemen bis zu 32 CPUs, bei den anderen pro CPU) erbracht werden müssen, wobei Multikern-Prozessoren als eine CPU gelten. Wenn nun also ein System, welches mit vier Quadcore-Prozessoren bestückt ist, mit 32 virtuellen Maschinen ausgestattet wird, muss trotzdem nur eine Abonnementgebühr gezahlt werden.

Die Abonnement-Kosten für SUSE Linux Enterprise Server unterscheiden sich je nach System, Support-Level und Nutzungs-Zeitraum, wie in den folgenden Tabellen zu sehen[21]:

Support-Level Varianten:

Basic Support
  • Updates und Patches während der gesamten Laufzeit
  • 30 Tage Web basierter Installations- und Konfigurations-Support
Standard Support
  • Updates und Patches während der gesamten Laufzeit
  • Werktags 12 Stunden eMail- und Telefon-Support mit Antwortzeit bis zu vier Stunden
Priority Support
  • Updates und Patches während der gesamten Laufzeit
  • Rund um die Uhr eMail- und Telefon-Support mit Antwortzeit bis zu vier Stunden. Eine Stunde bei Stufe 1 Anfragen

Übersicht der Abonnementgebühren:

  • x86 und x86-64 Plattform (pro Server, maximal 32 CPUs):
Zeitraum Basic Standard Priority
für ein Jahr 349 USD 799 USD 1.499 USD
für drei Jahre 940 USD 2.160 USD 4.050 USD
Tabelle 1: SUSE Linux Enterprise Server Lizenzmodell für x86 und x86-64 Plattform
  • Itanium Plattform (pro CPU):
Zeitraum Basic Standard Priority
für ein Jahr 750 USD 850 USD 1.000 USD
für drei Jahre 2.025 USD 2.295 USD 2.700 USD
Tabelle 2: SUSE Linux Enterprise Server Lizenzmodell für Itanium Plattform
  • IBM Power Plattform (pro CPU):
Zeitraum Basic Standard Priority
für ein Jahr 750 USD 850 USD 1.000 USD
für drei Jahre 2.025 USD 2.295 USD 2.700 USD
Tabelle 3: SUSE Linux Enterprise Server Lizenzmodell für IBM Power Plattform
  • IBM System z Plattform
nur auf Anfrage

Für den SUSE Linux Enterprise Desktop lassen sich bis heute (14.06.2009) keine genaueren Lizenzkosten nennen, da im Shop-System von Novell immer noch die alte Version 10 gelistet ist.

8.4 Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2)

Abbildung 5: Amazon AWS Management Console
Abbildung 5: Amazon AWS Management Console[22]

Die Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) ist Teil des Amazon Web Service (AWS) Angebots. Sie ermöglicht es, virtuelle Server innerhalb der Server-Farmen von Amazon kurz- oder langfristig zu "mieten". Dabei hat man die Wahl, eines von über 1200 vorkonfigurierten Betriebssystem-Images (Amazon Machine Image, kurz AMI) zu verwenden, oder selbst eins zu erstellen und auf den per Amazon Simple Storage Service (S3) bereitgestellten Online-Speicher hochzuladen. Amazon S3 ist ein gesonderter Service des AWS Angebots, welcher zusätzliche Kosten verursacht.

Bezahlen muss man nur die Zeit, in der die Server tatsächlich laufen. Zusätzlich sind auch für den verbrauchten Internet-Traffic Gebühren fällig. Die Server-Nutzungs-Kosten unterschieden sich je nach Betriebssystem (Windows oder Linux), der Region (in Europa sind sie etwas höher als in USA) und des verwendeten Instanz-Typs, welche sich durch Prozessorleistung, Arbeitsspeicher und Festplattenplatz unterscheiden. Die Preise liegen derzeit zwischen 0,10 USD pro Stunde für die kleinste Linux Instanz in den USA und 1,28 USD pro Stunde für die größte Windows Instanz in Europa. Bei Langzeit-Nutzung verringern sich die Stundensätze auf 0,04 USD bis 0,32 USD für Linux-Instanzen in Europa, wobei zwischen 325 USD und 2600 USD für ein Jahr bzw. zwischen 500 USD und 4000 USD für drei Jahre als einmalige, Region unabhängige Zahlung fällig sind[23].

Um die gemachten Änderungen seit dem Start der Instanz zu behalten, müssen diese Änderungen im Amazon Elastic Block Store (EBS) gespeichert werden, wodurch weitere Kosten entstehen. EBS ermöglicht es außerdem, jedes beliebige dort abgelegte Image als weitere Festplatte in eine Instanz einzubinden. Als weitere Sicherung gibt es die Möglichkeit Snapshots, also Abbilder des aktuellen Zustandes, im EBS oder S3 abzulegen.

Seit Anfang 2009 gibt es mit der AWS Management Console eine web-basierte Management Lösung (siehe Abbildung 5) mit der die Administration der Amazon EC2 Instanzen stark vereinfacht wurde. Damit ist es möglich, seine eigenen AMIs zu verwalten und neue AMIs hochzuladen, Instanzen zu starten und zu beenden und weitere Einstellungen an den laufenden Instanzen vorzunehmen. Bis dahin stellte Amazon eine Möglichkeit der einfachen Verwaltung der Instanzen durch die Mozilla Firefox Erweiterung Elasticfox bereit.

9 Bewertung

Die Bewertung der Strategie von Novell kann nicht auf klassische Weise über Bewertungskriterien durchgeführt werden, da Novell kein direkter Cloud Anbieter ist und auch keine Cloud ähnlichen Applikationen (z. B. für den Dienst SaaS) anbietet. Hierbei ist es also nicht möglich eine vergleichende Analyse von SPI-Diensten durchzuführen. Standardkriterieren wie Performance, Benutzerfreundlichkeit, Kosten oder Erreichbarkeit können daher nicht angesetzt werden. Aus diesem Grund wurden in dieser Fallstudie für die Bewertung der Strategie von Novell zwar Kriterien entwickelt, welche sich aber im Speziellen auf die internen ökonomischen Kennzahlen beziehen.

Auf Grund der erst seit kurzem bestehenden Welle des Cloud Computing werden zusätzlich Annahmen getroffen um die firmeninterne Strategie von Novell bewerten zu können. Eine Gewichtung der Kriterien wird hier nicht durchgeführt. Bewertet wird, ob anhand der unten folgenden Kriterien, die von Novell publizierten Strategien Product Strategy, Alliances and Partnership Strategy, Multi-channel Sales Strategy, und Personnel Development Strategy erfolgreich verfolgt wurden. Zudem wird eine Alternativlösung mit Hilfe von Annahmen untersucht, um gegebenenfalls eine Empfehlung und Schlussbetrachtung auszusprechen.

Die definierten Kriterien zur Bewertung der Strategie von Novell sind Umsatz und Marktposition. Bei der Betrachtung dieser zwei Aspekte wurden die Unternehmenszahlen der letzten zwei Jahre untersucht. Hierbei sind die Zahlen nicht 100-prozentig aussagekräftig, da das Thema Cloud Computing gerade erst ins Rollen kommt. Es gibt keine empirischen Statistiken zu Umsatz und Marktposition in Bezug auf Cloud Computing.

9.1 Umsatz

Viele Unternehmen haben als eines der Elementarziele die Umsatzsteigerung in ihrer Strategie verankert. Wenn man die Umsatzzahlen für das Jahr 2007 und 2008 näher betrachtet, erkennt man grundlegend eine Umsatzsteigerung für das Jahr 2008. Sowohl mit Software Lizenzen als auch mit Wartungsverträgen und Abonnements konnte rund acht bis neun Prozent mehr als im Vorjahr erwirtschaftet werden[24]. Zu dem jetzigen Zeitpunkt kann man jedoch noch nicht beurteilen, ob diese Steigerung allein durch den Cloud Computing Hype entstanden ist, da hierzu Untersuchungen über einen größeren Zeitraum und späteren Zeitpunkt erforderlich wären. Bewertet man speziell die Product Strategy von Novell kann man ohne Zweifel sagen, dass dieser Teil komplett umgesetzt wurde. Eine Umsatzsteigerung, bei der Annahme von gleich bleibenden Preisen, von ungefähr neun Prozent in einem Jahr für den Bereich Software Lizenzen, Wartungsverträgen und Abonnements ist durchaus eine gute Quote.

9.2 Marktposition

Abbildung 6: Betriebssystem-Nutzung über die Jahre 2007-2009 in Prozent
Abbildung 6: Betriebssystem-Nutzung über die Jahre 2007-2009 in Prozent

Um die Marktposition bewerten zu können, wurden verschiedene Statistiken analysiert. W3Counter bietet ein freies Web Analysetool an, welches Nutzungsdaten der Webseitenbesucher speichert. Ca. 22000 Webseiten aus der ganzen Welt sind dort registriert. Es kann somit eine Auswertung der verwendeten Betriebssysteme erstellt werden. In Abbildung 6 ist der Statistikvergleich über die letzten drei Jahre dargestellt. Diese Statistik ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da die dargestellten Werte zu hohen Interpretationsspielraum zulassen. Zwei Aspekte müssen dabei beachtet werden: zum einen handelt es sich bei den gemessenen Werten um Client-Zugriffe, und zum anderen wird Linux im Allgemeinen betrachtet und nicht in die verschiedenen Linux Distributionen aufgeteilt.

Aus der Statistik kann man erkennen, dass Linux in den letzten drei Jahren mehr und mehr als Client-Betriebssystem genutzt wird.

Somit kann auch das Bewertungskriterium Marktposition positiv bewertet werden, da die von Novell publizierte Product Strategy, also das Verbreiten von Linux, aufgeht.

9.3 Alternativen

Gibt es für das Unternehmen Novell eine Alternative? Wenn ja, wie könnte sie aussehen um trotzdem der internen Firmenstrategie treu zu bleiben? Hier kann man nur eine logische Schlussfolgerung ziehen. Novell muss mit auf den Zug des Cloud Computing aufspringen. Auch wenn Novell keine Cloud Dienste direkt anbietet, haben sie aber die für Cloud Computing notwendige Software. Mit SUSE Linux Enterprise Server 11 wurde ein Betriebssystem unabhängig von Cloud Computing für Cloud Computing entwickelt. Dies bedeutet, selbst wenn es diesen Hype und diese Dienste nie gegeben hätte, hätte Novell das Betriebssystem für den Markt entwickelt. Somit fielen für Novell auch keine Investition oder zusätzliche Entwicklungskosten an. Novell nutzt hier die Partnerschaft mit Amazon geschickt aus. Amazon ist einer der größten Anbieter für Cloud Computing. Somit bietet sich für Novell eine Vielzahl von potenziellen neuen Kunden an. Durch die Zertifizierung Amazon EC2 erklärt Amazon dieses Produkt als kompatibel, sicher, schnell und benutzerfreundlich. Hier kann Novell mit einer Verbreitung im Markt und die daraus resultierenden Umsatzsteigerungen rechnen. Selbst wenn der Vertrieb von Novell's Betriebssystemen über die Amazon EC2 nicht erfolgreich läuft, werden dadurch für Novell keine Umsatzeinbußen entstehen, da SUSE Linux Enterprise Server 11 bereits entwickelt ist.

10 Schlussbetrachtung

In der Fallstudie Cloud Computing Strategie der Firma Novell konnte die Erkenntnis gewonnen werden, dass Novell in Bezug auf Cloud Computing keine spezielle Strategie verfolgt. Dies ist auch nachvollziehbar, da Novell keine Kernprodukte anbietet, die direkt für Cloud Computing angeboten werden können. Novell nutzt hier jedoch die Partnerschaften aus, um auch auf den rollenden Zug des Cloud Computing aufzuspringen, um das Produkt SUSE Linux Enterprise 11 besser vermarkten zu können.

Novell bleibt mit der Veröffentlichung von Suse Linux Enterprise 11 seinen Strategieansätzen, Product Strategy und Alliances and Partnership Strategy, treu. Das Produkt wurde unabhängig von Cloud Computing entwickelt, jedoch wurde es auf die Bedürfnisse für Cloud Computing hin optimiert. Für Novell entsteht nur ein geringes Risiko auf Verluste, wenn die Verkaufszahlen mit den Partnerschaften wie Amazon oder Microsoft nicht wie erhofft laufen.

Die in SUSE Linux Enterprise 11 integrierten Möglichkeiten zur Interoperabilität sind ein guter Ansatz, um potenziellen Kunden den Umstieg von Windows Systemen auf Linux zu erleichtern. Aus einigen Berichten aus dem Internet ist aber zu entnehmen, dass die beworbenen Funktionen noch nicht ausgereift sind.

Einige Internetartikel und Umfragen im Jahr 2009 haben gerade bei IT-Spezialisten den Trend erkennen lassen, das Firmen auf Open Source Produkte umstellen, um Kosten zu sparen. Gerade in Bezug auf die derzeit anhaltende Welt-Wirtschaftskrise kann Novell mit seinen Produkten davon profitieren.

11 Fußnoten

  1. Vgl. Rodenhäuser, Ben (2008)
  2. Vgl. Eriksdotter, Holger (2008)
  3. Vgl. Mrksa, Denis (2008)
  4. Jaffe, Jeffrey (2009)
  5. Klems, Markus (2008)
  6. Kaplan, Jeff (2008)
  7. Edwards, Damon(2009)
  8. 8,0 8,1 8,2 Vgl. Von Gunten, Andreas (2009)
  9. Vgl. Urquhart, James (2009)
  10. Vgl. ITWissen.info (o.J.)
  11. Vgl. Novell, Inc. (2009)
  12. Vgl. Novell, Inc. (2009), Seite 4
  13. Vgl. Novell, Inc. (2009), Seite 5
  14. Vgl. Novell, Inc. (2009), Seite 6
  15. Vgl. Novell, Inc. (o.J. g)
  16. Vgl. Novell, Inc. (o.J. c)
  17. Vgl. Novell, Inc. (o.J. b)
  18. Vgl. Novell, Inc. (o.J. e)
  19. Vgl. Novell, Inc. (o.J. d)
  20. Vgl. Novell, Inc. (o.J. a)
  21. Vgl. Novell, Inc. (o.J. f)
  22. Vgl. Amazon.com, Inc. (o.J. b)
  23. Vgl. Amazon.com, Inc. (o.J. a)
  24. Vgl. Novell, Inc. (2009) , Seiten 37-39

12 Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzung Quelle
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Von Gunten, Andreas (2009) Von Gunten, Andreas: Die 3 Cloud Computing Ebenen, 2009, http://www.ondemandnotes.com/ondemandnotes/2009/4/29/die-3-cloud-computing-ebenen.html?printerFriendly=true (12.06.2009)
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