Datenmanagement in einer heterogenen Systemlandschaft eines Energieerzeugers

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1 Titel

Name der Autoren: Özge Okcuer, Markus Lisse, Rico Witte
Titel der Arbeit: Datenmanagement in einer heterogenen Systemlandschaft eines europäischen Energieerzeugers
Hochschule und Studienort:  FOM Berlin

1.1 Vorwort

Aufgrund des Sperrvermerkes dieser Arbeit sind an einigen Stellen die Informationen ungenau angegeben (insbesondere in den Kapiteln Anforderungen und spezielle Umsetzungsmöglichkeiten) und die Unternehmensvorstellung soweit anonymisiert, dass keine Rückschlüsse auf das Unternehmen möglich sind. Insgesamt wurde darauf geachtet, dass prinzipiell die Rahmenbedingungen und Anforderungen gewahrt werden.

1.2 Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis


1.3 Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung Bedeutung
ARIS Architektur integrierter Informationssysteme
BU Business Unit (Wirtschaftseinheit des Konzerns)
DSO Distribution System Operator (Verteilnetzbetreiber)
EPK Ereignisgesteuerte Prozesskette
ERD Entity-Relationship-Diagramm
ETL Extract, Transform, Load
FiBu Finanzbuchhaltung
L.E. Legal Entity (selbständige Rechtseinheit des Konzerns)
MS Microsoft
MSS Management Support System
ReWe Rechnungswesen


1.4 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Konzernstruktur
2funktionsorienterte Datenhaltung
3ARIS-Konzept, in Anlehnung an A.W. Scheer (1992), S.4
4Funktionsbaum
5Ereignisgesteuerte Prozesskette
6Entity-Relationship-Diagramm
7ARIS-Haus
8Entscheidungstabelle


2 Einleitung

Die heutige Wirtschaft ist durch den zunehmenden Trend der Globalisierung geprägt. Unternehmen werden vermehrt auf dem internationalen Parkett aktiv, um ihre Absatzgebiete zu vergrößern. Dabei werden nicht nur zunehmend Kooperationen mit anderen Unternehmen eingegangen, sondern ganze Firmen aufgekauft, um z.B. auch vom Know How und der Produktpalette des anderen Unternehmens zu profitieren.

Eine weitere vorrangige Motivation solcher Unternehmenszusammenschlüsse bzw. -übernahmen stellt die Nutzung von Synergien dar[1]. Darunter fallen neben den betriebswirtschaftlichen Anpassungen wie z.B. die Zusammenlegungen von Abteilungen mit gleichen Arbeitsfeldern oder die Vereinheitlichung von Prozessabläufen auch die Anpassung von IT-Systemen, die insbesondere bei Großkonzernen viele Prozessabläufe vereinfachen bzw. unterstützen.

Diese Fallstudie befasst sich mit der Anforderung, verschiedene Datenhaltungssysteme eines großen europäischen Energiekonzerns im Rahmen der Synergiepotenziale zu analysieren und ein Datenmanagementsystem zur Erfüllung der Anforderungen des Konzerns, des Managements und der Mitarbeiter zu etablieren. Dabei wird zunächst aus der Vielzahl von Anforderungen und Synergiepotenzialen mittels des ARIS-Ansatzes die Datensicht als Aufgabenfeld identifiziert, um dann von der bestehenden Systemlandschaft aus den Anforderungen eine oder mehrere Zielvarianten für ein Datenmanagementsystem zu erarbeiten. Zum Schluss wird eine konkrete Umsetzungsmöglichkeit herausgearbeitet, die dem Management zur Entscheidung vorgelegt werden soll.

2.1 Vorstellung des Konzerns

Der in dieser Fallstudie betrachtete Energiekonzern ist europaweit tätig. Er bietet neben der Elektrizitätsversorgung auch Gas, Wärme und Kälte sowie Dienstleistungen rund um das Thema Energie an.

Neben der Sparte Energieerzeugung (Kraftwerkspark), dem Transportnetz (Hochspannungsnetz), der lokalen Verteilnetzbetreiber und einem Energiehandel verfügt der Konzern über einen eigenen Vertrieb. Diese Vertriebssparte gliedert sich vornehmlich in das Privatkundengeschäft und das Geschäftskundensegment.

Zur Unterstützung des Vertriebes ist ein Kundenservice im Konzern etabliert worden, der neben Abrechnungstätigkeiten auch die gesamte Zahlungsabwicklung mit dem Kunden sowie das Forderungsmanagement übernimmt:

Abbildung 1: Konzernstruktur
Abbildung 1: Konzernstruktur

In dieser Fallstudie sollen die Synergiepotenziale zwischen Konzernzentrale (Deutschland) und den sogenannten Business Units (Wirtschaftseinheiten) Vertrieb, Kundenservice und Verteilnetz in Deutschland betrachtet werden, da zwischen diesen Einheiten viele verzahnte Prozesse existieren:

Ein Kunde wird nach der Anmeldung sowohl beim Verteilnetzbetreiber (DSO) als auch beim Vertrieb/Kundenservice angemeldet, er erhält neben dem Stromlieferungsvertrag auch einen Netznutzungsvertrag.

Die Abrechnungsdaten aus dem Kundenservice müssen nach erfolgter Abrechnung des Kunden dem Rechnungswesen der Konzernzentrale übermittelt werden, damit diese BU z.B. eine Gewinn- und Verlustrechnung bzw. Bilanz aufstellen kann.


3 Ausgangslage des Konzerns

Mehrere regionale Energieversorgungsunternehmen wurden unter dem Dach eines europäischen Energiekonzerns zusammengeführt. Die Konzernzentrale sieht sich dem Problem gegenüber, dass in den unterschiedlichen Rechtseinheiten (Legal Entities) unterschiedliche Organisationsstrukturen vorherrschen, unterschiedliche Prozesse gelebt werden und viele verschiedene IT Systeme zur Bewältigung der Anforderungen und Aufgaben eingesetzt werden.

3.1 Zusammenspiel der Wirtschaftseinheiten

In dem entstandenen Konzerngeflecht der unterschiedlichen Rechtseinheiten werden viele Daten für die unterschiedlichen Belange des Unternehmens verarbeitet und gespeichert. Für nahezu jeden Bereich des Konzerns gibt es eigenständige Anwendungen, die die Aufgaben der jeweiligen Bereiche unterstützen (funktionsorientiert)[2]. Die gespeicherten Daten stellen gleichzeitig die Datenbasis für Analysen und Berichte auf Ebene der Wirtschaftseinheit bereit.

Erschwerend zu der konzerninternen Ausrichtung auf diese sogenannten Business Units (BUs) kommt die rechtliche Aufteilung der bisherigen Unternehmensteile in die Legal Entities – d.h. die im Handelsregister als rechtlich selbständig eingetragenen Unternehmen hinzu, die sich in den meisten Fällen über verschiedene Standorte verteilen. Die folgende Abbildung soll dies schematisch am Beispiel von zwei Rechtseinheiten (L.E.1 und L.E.2) verdeutlichen:

Abbildung 2: funktionsorientierte Datenhaltung
Abbildung 2: funktionsorientierte Datenhaltung

Diese Darstellung verdeutlicht das Grundproblem: „Traditionelle, d.h. typisch funktionale ... Organisationen zeichnen sich durch eine sehr stark hierarchische, vertikale Ausrichtung aus. D.h., ... Weisungen [werden] streng von oben nach unten („vertikal") erteilt"[3]. Dies stört z.B. den horizontal verlaufenden Geschäftsprozess ’Kundenanmeldung’ erheblich: Ein Kunde soll mit Energie versorgt werden, weil er sich im Kundenservice angemeldet hat. Es ist vorher eine Bonitätsprüfung durch den Vertrieb erforderlich.

3.2 Systemlandschaft

Durch die Verwendung funktionsorientierter IT-Systeme in den betrachteten Konzernteilen ist die Systemlandschaft heterogen. Es existieren viele unterschiedliche Anwendungssysteme, wie z.B. ein CRM-System für die Kundenbeziehungen im Vertrieb, ein ERP-System im Kundenservice, eine Anwendung zur Verwaltung der technischen Gerätedaten im Verteilnetz und ein Bilanzbuchhaltungssystem in der Konzernzentrale. In den verschiedenen Standorten werden zudem Systeme gleicher Funktion von unterschiedlichen Herstellern verwendet, z.B. je ein unterschiedliches System für das Forderungsmanagement im Kundenservice.

Eine sowohl regionale als auch funktionsbezogene Ausrichtung der IT-Landschaft macht eine Anpassung an schnell wechselnde Anforderungen schwieriger. Außerdem macht die zunehmende Komplexität der Anwendungen eine flexible Prozessintegration teurer. Diese Ausgangssituation der komplexen, historisch gewachsenen, heterogenen IT-Infrastruktur beinhaltet kosten- und pflegeintensive Schnittstellen.

3.3 Plattformen für das Berichtswesen

Die in Abbildung 2 dargestellten Datenbanken sind die Grundlage der in den jeweiligen Wirtschaftseinheiten genutzten Anwendungen. Dabei stehen die Funktionen der Bereiche sowie die Unterstützung deren Aufgaben und Prozesse im Vordergrund. Ein Berichtswesen zur Kontrolle und Steuerung steht nur sekundär zur Verfügung: i.d.R. werden Daten direkt aus den operativen Systemen erhoben, in einigen Fällen existieren weitere Datenbanksysteme, die für das Berichtswesen genutzt werden.

Die Datenbestände werden je Unternehmensteil eigenständig genutzt, ein bereichsübergreifendes Berichtswesen kommt nur über lange Kommunikationswege zustande. So kann u.a. der Vertrieb nicht ohne Weiteres auf Daten des Netzbereiches zugreifen, der Finanzbereich nicht auf die Daten des Vertriebes und keiner der drei Bereiche auf die Daten des Kundenservice. Für ein übergreifendes Berichtswesen müssen die Kennzahlen aus der anderen Business Unit angefordert werden, operative Daten werden mittels Import und Exportschnittstellen ausgetauscht. Dies erfolgt nicht in Echtzeit, so dass inkonsistente Daten vorliegen können:

Ruft ein Kunde z.B. im Kundenservice an, um sich abzumelden, so werden die Daten dort erfasst und aktualisiert. Der Vertrieb erhält erst nach dem Datenabgleich davon Kenntnis und führt diesen Kunden weiterhin als Bestandskunde, obwohl dieser bereits gekündigt hat. Es kann daher in der Kundenkommunikation zu Problemen kommen, wenn z.B. eine Werbeaktion an Bestandskunden gerichtet ist, die Kunden aber nicht mehr zum Kundenstamm gehören. Gleichzeitig steuert die Geschäftsleitung ihren Bereich u.U. anders, als sie es mit aktualisierten Daten machen würde.

Eine unternehmensweite Berichtsplattform gibt es nicht. Kennzahlen werden zumeist mittels Standardbürosoftware (MS Excel, MS PowerPoint) aufbereitet und per E-Mail versendet. Teilweise kommt auch MS Access sowie ein MYSQL-Server aus dem Hause Microsoft für die Aufbereitung großer Datenmengen zum Einsatz. Durch die Vielzahl der unterschiedlichen Quellsysteme und der verwendeten Anwendungen sowie die Berichtsaufbereitung in unterschiedlichen Abteilungen ist nicht gewährleistet, dass für gleiche Kennzahlen aus den verschiedenen Bereichen gleiche Werte berichtet werden. So kann aus obigem Beispiel der Kundenabmeldung durch inkonsistente Datenbestände aus dem Kundenservice eine andere Kundenanzahl gemeldet werden, als aus dem Vertrieb.


4 Evaluierung der Lösungsmöglichkeiten

Aus der in Kapitel 3 beschriebenen Ausgangslage ergeben sich Synergieeffekte, die der Konzern nutzen möchte. Um einen komplexen Prozess zu vereinfachen und die Problemfelder in Teilprobleme zu zerlegen, hat sich das ARIS-Vorgehensmodell bewährt[4]. Die Handlungsfelder sollen beispielhaft anhand eines speziellen Geschäftsprozesses ermittelt werden. Dazu werden bei Bedarf Teilprozesse des komplexen Geschäftsprozesses ’Lebenszyklus des Kunden’, also vom Anmelden eines Kunden (Vertragsbeginn), über die Abrechnung bis hin zur Abmeldung (Vertragsende) betrachtet.

4.1 ARIS

Eine ganzheitliche Sicht auf die Unternehmensprozesse und die Unternehmensgeschehnisse ist notwendig, um zusammenhängende Abläufe zu erkennen, zusammenzufassen und durch unternehmensbezogene Informationssystemlandschaften zu unterstützen. Das Management einer neuen Struktur wird jedoch im Vergleich zur zentral orientierten Unternehmenswelt nicht einfacher, sondern um ein Vielfaches komplexer. Klare und einheitliche Definitionen, transparente Strukturen und eine einheitliche Kommunikationsbasis über alle Ebenen des Unternehmens hinweg und eine Ausrichtung an den strategischen Unternehmenszielen können hierbei zum Ziel führen.

Die Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS)[5] bietet eine ganzheitliche Betrachtung der Unternehmensprozesse, sodass ein betriebliches Informationssystem den Anforderungen gerecht wird.

ARIS setzt an dem Punkt an, die Unternehmensprozesse zu optimieren. Aus Sicht des Informationsmanagements werden die Prozesse durch Software unterstützt. „Unter einem Prozess wird […] eine wiederholbare Folge von physischen oder informatorischen Tätigkeiten mit klar definiertem Input und Output verstanden"[6]. Das charakteristische für einen Prozess ist, dass dieser eine Folge von Einzelfunktionen darstellt, zwischen denen eine Verbindung besteht. Für das Unternehmen müssen diese Einzelfunktionen im Kontext gesehen werden; so können mit Hilfe der Anwendungssoftware komplexe betriebswirtschaftliche Aufgaben unterstützt werden.

Die Modellierung beim ARIS-Konzept der Geschäftsprozesse betrachtet fünf verschiedene Sichten:[7]

  • Funktion,
  • Daten,
  • Organisationseinheit,
  • Steuerung,
  • Leistung.

Durch die verschiedenen Objekte und Darstellungen kann das komplexe Modell als Abbildung der betriebswirtschaftlichen Realität auf einzelne handhabbare Beschreibungssichten und Beschreibungsebenen reduziert werden[8]. Diese werden in den folgenden Kapiteln anhand von Teilen des oben genannten Unternehmensprozesses näher erläutert.

Die folgende Abbildung verdeutlicht noch einmal das ARIS-Konzept:

Abbildung 3: ARIS-Konzept, in Anlehnung an: A.W. Scheer (1992), S.4
Abbildung 3: ARIS-Konzept, in Anlehnung an: A.W. Scheer (1992), S.4

4.1.1 Organisationssicht

Flexible Strukturen, die eine konsequente Orientierung an den betrieblichen Geschäftsabläufen erfordern, werden für die Unternehmen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Die Festlegung funktional untergliederter, zentral orientierter Organisationsstrukturen führen zu beschränkten Möglichkeiten und dadurch zu einer Inflexibilität der Unternehmen.

In der Organisationssicht werden die Bearbeiter und Organisationseinheiten sowie deren Beziehungen und Strukturen erfasst. Abbildung 1 zeigt eine mögliche Darstellung in Form eines Organigramms.

Die Analyse dieser Sicht durch die Autoren hat ergeben, dass im Rahmen der Unternehmenszusammenführung im ersten Schritt keine organisatorischen Änderungen vorgenommen werden sollen. Diese Sicht wird daher in dieser Fallstudie nicht weiter betrachtet.

4.1.2 Funktionssicht

Abbildung 4: Funktionsbaum
Abbildung 4: Funktionsbaum

„Eine Funktion ist eine fachliche Aufgabe bzw. Tätigkeit an einem Objekt zur Unterstützung eines oder mehrere Unternehmensziele".[9] Die auszuführenden Funktionen (Vorgänge) sowie ihre Zusammenhänge untereinander bilden die Funktionssicht. Die fachliche Aufgabe bzw. die Tätigkeit an einem Objekt ist eine Funktion, die der Unterstützung einer oder mehrere Unternehmensziele dient[10]. Die Funktionen werden dabei in Elementarfunktionen zerlegt und in einer hierarchischen Gliederung entsprechend der betriebswirtschaftlichen (fachlichen) Aufgabe in Form eines Funktionsbaumes dargestellt. Eine Funktion kann nur dann ausgeführt werden, wenn ein entsprechendes auslösendes Ereignis (Trigger) vorhanden ist und wird abgeschlossen, wenn das Ziel der Funktion als ein neues Ereignis erreicht ist[11]. Die nebenstehende Abbildung zeigt dies beispielhaft an dem Prozess ’Kundenauftrag’ bearbeiten.


In dieser Fallstudie wird dieser Teil im Rahmen des Unternehmenszusammenschlusses nicht weiter betrachtet, da die Funktionen im Unternehmen in einem anderen Projekt harmonisiert und teilweise zentralisiert werden sollen.


4.1.3 Steuerungssicht

Abbildung 5: Ereignisgesteuerte Prozesskette
Abbildung 5: Ereignisgesteuerte Prozesskette

Zur Beschreibung der Verbindungen zwischen den Sichten oder zwischen einzelnen Teilprozessen dient die Steuerungssicht[12]. Die Beschreibung der Datensicht entspricht der logischen Datenstruktur des Anwendungsfalles[13]. Die Zusammenfassung ermöglicht es, die Beziehungen systematisch und redundanzfrei zu erfassen. Dargestellt werden diese Verbindungen mit Hilfe einer ereignisgesteuerten Prozesskette (EPK).

Eine EPK stellt den logischen und zeitlichen Ablauf eines Geschäftsprozesses dar. Darin werden Ereignisse durch andere Ereignisse (Trigger) ausgelöst, auf die ein Prozess folgt. Dabei beginnt und endet jedes EPK mit einem Ereignis und wechselt sich im Ablauf des Prozesses mit einer Funktion ab[14]. Der Prozess, einen Kunden anzumelden, wird z.B. durch das Ereignis eines Kundenauftrages ausgelöst. Dieses Ereignis hat die Funktion „Kundenauftrag bearbeiten" zur Folge.

Der Kontrollfluss der Prozessmodellierung steht dabei im Mittelpunkt[15]. Außerdem können die Darstellung der erbrachten Leistungen, der verwendeten Ressourcen sowie Material- und Informationsfluss analysiert werden.[16].

4.1.4 Datensicht

„Zentraler Betrachtungspunkt der Datensicht ist die Definition der Daten, die in einem Informationssystem verfügbar sein sollen"[17]. Die Objekte werden im Fachkonzept durch ein Entiy-Relationship-Diagramm (ERD) zusammen mit ihren Beziehungen zueinander abgebildet. Die folgende Abbildung zeigt eine solche Darstellung:

Abbildung 6: Entity-Relationship-Diagramm
Abbildung 6: Entity-Relationship-Diagramm

Im Rahmen der Analyse von Synergiepotenzialen wurde von den Autoren dieser Fallstudie festgestellt, dass das Management des Konzerns konkrete Anforderungen zur Umsetzung eines konzernweit übergreifenden Berichtswesen hat. Diese Anforderungen sind im Kapitel 5 beschrieben.

4.1.5 Leistungssicht

Ergebnisse von Geschäftsprozessen, die Informationen erzeugen oder bereitstellen, werden auf der Leistungssicht dargestellt[18]. Die Leistungssicht beschreibt die materiellen und immateriellen Leistungen einschließlich der Geldzuflüsse[19]. Die Modellierung von Sach- und Dienstleistungen erfolgt mit Hilfe eines Produktmodells.

Diese Sicht wurde von den Autoren nur der Vollständigkeit halber aufgenommen und wird im weiteren Verlauf der Fallstudie nicht weiter betrachtet, da die Ergebnisse der Leistungen bereits als Objekte in der Datensicht betrachtet werden.

4.1.6 Zusammenfassung ARIS-Ansatz

Die nachstehende Abbildung zeigt den ARIS-Ansatz im Zusammenspiel der verschiedenen Sichten, wie sie im Konzern vorliegen (auszugsweise):

Abbildung 7: ARIS-Haus
Abbildung 7: ARIS-Haus

Für die Organisations-, Funktions- und Steuerungssicht liegen entweder keine Anforderungen vor bzw. werden in einem anderen Projekt bearbeitet. Aufgrund der in Kapitel 4.1.4 genannten Anforderungen wird in dieser Fallstudie nur die Datensicht weiter verfolgt. Die konkreten Anforderungen, die mittels des ARIS-Konzeptes aus der Datensicht identifiziert wurden, werden im folgenden Kapitel beschrieben.


5 Anforderungsanalyse

5.1 Anforderungen des Konzerns

Im betrachteten Energiekonzern werden die IT-Systeme durch eine zentrale Koordination in der Konzernzentrale verwaltet. In diesem Bereich werden grundlegende IT-Fragen geklärt und strategische Entscheidungen getroffen. Anforderungen der einzelnen Konzernunternehmen müssen an die jeweiligen IT-Koordinatoren gestellt werden, welche die Anforderungen im Rahmen regelmäßiger Abstimmungsrunden mit der zentralen IT-Koordination diskutieren und mit den Konzernrichtlinien abgleichen.

Der in dieser Fallstudie betrachtete Konzern hat in seiner IT-Richtlinie festgelegt, dass IT-Systeme des Herstellers SAP aufgrund der Integrität der Daten zu bevorzugen sind.

5.2 Anforderungen des Managements

Das Management erhebt die Anforderung, konzernweit einheitliche Kennzahlen aus einem zentralen Informationssystem abrufen zu können. Das Informationssystem muss die im Konzern üblichen Datenmengen von deutschlandweit mehreren Millionen Endkunden, mehrere Millionen Verbrauchsstellen (Häuser, Gewerbe, Wohnungen, Industrie, öffentliche Beleuchtung, etc.) sowie dem Verkauf von mehreren TWh Strom und Wärme verarbeiten können.

Die Geschäftsleitung des Kundenservices erhebt insbesondere die Anforderung, dass das Informationssystem ein von den operativ genutzten Systemen unabhängiges System darstellt. Dieser Anforderung liegt zu Grunde, dass insbesondere das Call-Service Geschäft reibungslos funktionieren muss, ohne dass die Dialogzeiten, d.h. die Antwortzeiten nicht durch langwierige und komplexe Abfragen verlängert werden dürfen.

5.3 Anforderungen des Controllings

Während in der Vergangenheit der Einsatz von Standardreports weitgehend ausreichend war, ergeben sich aus heutiger Betrachtung die daraus gewonnenen Informationen als nicht mehr ausreichend. Vor allem Aspekte wie die Verbesserung von Prozessen, Ist-Kostenerfassung pro Kunde und die Qualitätssicherung, also der Vergleich von Leistung und Ergebnis müssen berücksichtigt werden, um dem wirtschaftlichen Druck standhalten zu können.

Umfassende Kennzahlensysteme bieten dem Controlling eine Versorgung mit relevanten Informationen, die zur Unterstützung der strategischen Ausrichtung der Unternehmensführung dienen. Denn die vom Management festgelegte Strategie des Unternehmens wirkt sich auf alle Geschäftsprozesse aus.

Die Einführung eines entsprechenden Systems soll die Datenversorgung mit den relevanten Kennzahlen sicherstellen. Dazu müssen die Kennzahlen für den Konzern einheitlich definiert werden, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Ziel ist es, dem Controlling ein Analysemodell mit leistungsfähigen Analysewerkzeugen zu implementieren.

5.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen

Im Energiesektor sind seit der Gründung der Bundesnetzagentur 2005 diverse gesetzliche Regelungen erlassen worden, die die Energieversorger in Deutschland beachten müssen. Die wichtigste Änderung bezüglich der Organisation eines Energiekonzerns hat das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) hervorgebracht, in dem es heißt: „... Energieversorgungsunternehmen haben sicherzustellen, dass Netzbetreiber, die mit ihnen ... verbunden sind, hinsichtlich ihrer Rechtsform unabhängig von anderen Tätigkeitsbereichen der Energieversorgung sind"[20].

In Verbindung mit §§ 6-9 des EnWG bedeutet dies, dass Daten des Verteilnetzbetreibers nicht dem konzerneigenen Vertrieb zur Verfügung gestellt werden dürfen (Entflechtung), ohne dass diese Daten – sofern sie wirtschaftliche Vorteile bringen - auch den Vertriebsbereichen anderer Energieversorgungsunternehmen zugänglich gemacht werden.

5.5 Ergebnis der Anforderungsanalyse

Die Analyse der verschiedenen Anforderungen aus der Datensicht des ARIS-Konzeptes hat ergeben, dass das Management sowohl des Konzerns (Holding) als auch die jeweiligen Vorstände/Geschäftsführer der Tochterunternehmen in Deutschland ein einheitliches Berichtswesen zur strategischen und operativen Steuerung der Konzernteile benötigen. Die für das Berichtswesen relevanten Kennzahlen sollen die Basis für gegenwärtige Entscheidungen und für die zukünftige Ausrichtung (Planung) darstellen.

Von den Autoren wird aufgrund dieses Ergebnisses die Einführung eines Management Support Systems vorgeschlagen.

5.6 Management Support Systeme (MSS)

Management Support Systeme (MSS) oder auch Managementunterstützungssysteme (MUS) genannt, sind Anwendungssysteme unter Einsatz von Kommunikations und Informationstechnologien, die die Führungskräfte eines Unternehmens in ihrer täglichen Arbeit und bei Entscheidungen unterstützen[21].

Sie dienen der Organisation, Planung, Kontrolle und Steuerung der betrieblichen und unternehmensrelevanten Prozesse. Sie unterstützen beim Informations- und Datenaustausch zwischen allen Managementebenen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Aufgaben der Analyse, der Planung und Entscheidung, die die Verfügbarkeit problem- und entscheidungsrelevanter Informationen und Daten in richtiger Form, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen.

Es werden unternehmensinterne Daten und Informationen, die aus den Anwendungssystemen der einzelnen Funktionsbereiche wie z.B. der Buchhaltung, dem Vertrieb, dem Controlling oder der Kundenbetreuung stammen, bereitgestellt, wie auch unternehmensexterne Daten wie z.B. Statistiken oder Markt- und Branchenanalysen.

Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Management Support Systemen, problemrelevante Informationen und Daten dem entsprechenden Managementkreis zeitnah zur Verfügung zu stellen. Die Sammlung, Verdichtung und Selektion dieser entscheidungsrelevanten Informationen kann dabei nur auf der Basis einer unternehmensweit konsistenten Datenhaltung durchgeführt werden. Bedingt durch die Heterogenität der im Unternehmen eingesetzten Systeme müssen die Daten aus den unterschiedlichen Systemplattformen zusammengetragen werden.

Die meisten MSS sind datenorientiert und dienen vor allem der Informationsversorgung. Zu den verschiedenen Arten von MSS zählen auch Management-Informationssysteme (MIS), Executive Information Systeme (EIS), Executive Support Systeme (ESS), Entscheidungsunterstützungssysteme (EUS) und Decision Support Systeme (DSS).

An alle Management Support Systeme werden neben den spezifischen Anforderungen (siehe Kapitel 5) folgende allgemeine Anforderungen gestellt:[22]

  • Die Mitarbeiter sollen bei ihren allgemeinen Tätigkeiten unterstützt werden. Die Integration einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation, einer Grafikbearbeitung und/oder eines Terminplaners sind wünschenswert.
  • Das Managementunterstützungssystem soll eine Möglichkeit zur Kommunikation innerhalb und außerhalb des Unternehmens bieten. Informationen wie Texte, Daten oder Grafiken müssen jederzeit verfügbar sein.
  • Eine einfache und schnelle Form des Informationszugriffs ist erforderlich. Der Informationsbegriff umfasst dabei nicht nur Daten im engeren Sinn, sondern auch Grafiken, Dokumente, Abbildungen usw.
  • Neben der Abbildung von internen Unternehmensdaten muss das System über Schnittstellen zur Einbindung unternehmensexterner Daten wie z.B. Marktdaten verfügen.
  • Eine Unterstützung der Entscheidungsträger bei Planung, Kontrolle und Entscheidung setzt eine Benutzerfreundlichkeit voraus, d.h. einfache und intuitive Bedienung und ein Glossar über die verwendeten Fachbegriffe können helfen.

5.7 Systemarchitektur für ein Management Support System

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, welche Anwendung bzw. welche Technik für ein Management Support System geeignet ist. Dazu werden die in der Praxis gebräuchlichsten Anwendungen zur Verarbeitung von Massendaten (im weitesten Sinne) auf ihre Tauglichkeit für ein MSS geprüft.

5.7.1 Tabellenkalkulation

In vielen Firmen wird standardmäßig das Office-Paket von Microsoft als Softwarepaket für Büroanwendungen eingesetzt[23]. Mittels der enthaltenen Tabellenkalkulation MS Excel wird häufig versucht, Datenbankfunktionalitäten abzubilden, da ähnlich einer relationalen Datenbank (siehe 5.7.2) die Daten in Zeilen und Spalten abgebildet werden. Ursprünglich versteht man unter einer Tabellenkalkulation die rechnerunterstützte Formulierung und Berechnung von Modellen in Form tabellarischer Arbeitsblätter auf dem Bildschirm[24].

Die Berücksichtigung der Anforderungen des Managements zur Verarbeitung unternehmensüblicher Datenmengen (Kapitel 5.2) kann von der Tabellenkalkulation MS Excel bis zur Version 2007 mit einer maximalen Zeilenanzahl von 216 Zeilen (65.536 Zeilen) nicht erfüllt werden. Selbst eine aggregierte Darstellung von Unternehmenskennzahlen beinhaltet pro Monat mehr als 1 Mio. Datensätze für die verschiedenen Sichten auf die Daten. Die Architektur einer Tabellenkalkulation ist daher für den Aufbau eines Management Support Systems ungeeignet und findet für die Findung der Zielarchitektur keine weitere Betrachtung in dieser Fallstudie.

5.7.2 Relationale Datenbanken

Eine relationale Datenbank ist auf ein Modell von E. F. Codd zurückzuführen, welches sich ausschließlich auf Tabellen stützt. Eine relationale Datenbank ist im Prinzip eine Sammlung von Tabellen, die über Beziehungen miteinander verknüpft sind[25]. Diese sogenannten OLTP-Datenbanken werden insbesondere für die Verwaltung veränderlicher Daten, eine große Anzahl von Benutzern, gleichzeitige Transaktionen, Änderungen von Echtzeitdaten sowie viele parallele Anfragen eingesetzt[26].

Ziel einer relationalen Datenbank ist es, die Daten redundanzfrei zu speichern, um den Benutzern konsistente Datenbestände zur Verfügung zu stellen. Durch Normalisierung der Datenbank wird zudem erreicht, dass Anfragen (Transaktionen) schnell bearbeitet werden können und der Benutzer eine schnelle Rückmeldung erhält.

Diese Ausrichtung auf die Verarbeitung von Massendaten machen OLTP-Datenbanken inflexibel und langsam bei Sonderabfragen wie z.B. Ad-hoc-Analysen[27]. Diese Architektur ist für ein Management Support System daher ungeeignet und wird in dieser Fallstudie nicht weiter als Zielarchitektur verfolgt.

5.7.3 Data Warehouse / Business Warehouse

„Der Begriff Data Warehouse [(DWH)] wurde bereits Mitte der 80er Jahre geprägt als Definition einer Technologie-Lösung für die entscheidungsorientierte Datensammlung, -aufbereitung und Bereitstellung geschäftsrelevanter Informationen"[28]. Bei einem Datawarehouse handelt es sich um eine zentrale Datenbank im Unternehmen, die große Mengen an Daten aus verschiedenen operativen Systemen zum Zweck der Datenanalyse speichert.

Die Architektur von BW- / DWH-Systemen wird insbesondere für OLAP, d.h. für OnLine Analytical Processing verwendet. Die sich hinter einem DWH verbergenden „OLAP-Datenbanken bieten die Möglichkeit, Daten aus unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten und flexibel zu verdichten, ohne komplexe Anfragecodes und ohne dramatischen Performanceverlust"[29].

In einem DWH werden die Daten in drei Stufen ver- bzw. bearbeitet:

  • Extraktion: In diesem Schritt werden die Daten aus den operativen Systemen ermittelt und aus den entsprechenden Tabellen der originären Datenbank gelesen.
  • Transformation: In diesem Schritt werden die Daten, bevor sie in die Cubes (Würfel) des Datenwarenhauses geschrieben werden, in eine aggregierte Form gebracht. Es werden z.B. keine Detaildaten aus einer Rechnung gespeichert, sondern nur die Anzahl der Rechnungen oder die Summe aller Rechnungsbeträge.
  • Laden: In diesem Schritt erfolgt das Laden der aggregierten Daten in die Cubes, d.h. in mehrdimensionale Tabellen. Dabei werden Daten i.d.R. auch redundant in mehreren Tabellen gespeichert.

Da OLAP-Systeme zur Kategorie der Entscheidungssysteme gehören und sich auf die in einem DWH gespeicherten Daten stützen[30], wird diese Architektur für ein Managment Support System in dieser Fallstudie als Zielarchitektur weiter verfolgt. Im folgenden Kapitel wird die Auswahl eines bestimmten DWH anhand definierter Kriterien beschrieben.


6 Spezielle Umsetzungsmöglichkeiten

In diesem Kapitel soll eine spezielle Lösung für ein Management Support System auf Basis eines Data Warehouses erarbeitet werden. Dazu werden zunächst Kriterien zu einer späteren Produktauswahl und einem –vergleich definiert.

6.1 Kriterien (Kennzahlen) zur Beurteilung der Systeme

6.1.1 Performance

Die Performance ist gleichzusetzen mit der Leistungsfähigkeit. Sie beschreibt die Übertragungsgeschwindigkeit, das Echtzeitverhalten, die Verfügbarkeit und den Durchsatz[31].

Die zur Auswahl stehenden Softwarelösungen des BW / DWH sind daraufhin zu prüfen, ob sie hinsichtlich der Extraktion/Beladung (Schnelligkeit und Durchsatzrate) sowie der anfallenden Datenmenge für das Reporting gewachsen sind.

6.1.2 Integration

Bei der Integration ist zu prüfen, ob alle erforderlichen Softwarekomponenten und Tools in einer Oberfläche integriert werden.

6.1.3 Schnittstellen

Schnittstellen in der Informationstechnik sind definierte Übergangspunkte zwischen Programmen und Gerätekomponenten[32].

Es ist zu untersuchen, ob der Hersteller der Softwarelösung vordefinierte bzw. für den Kunden angepasste Schnittstellen ausliefert bzw. vorhandene Schnittstellen unterstützt.

6.1.4 Flexibilität

Die Softwarelösungen sind dahingehend zu testen, ob sie dem Administrator die notwendige Flexibilität hinsichtlich von Neuaufbauten und Aufrüstungen bieten.

6.1.5 Administrationsaufwand

Beim Administrationsaufwand wird untersucht, wie der Aufwand ist und welche Aktivitäten bei einer Änderung entstehen und welche der Administrator für diese Änderungen vornehmen muss[33].

Bei der Prüfung ist darauf zu achten, wie hoch der Administrationsaufwand hinsichtlich Beladungsplanung der einzelnen Softwarelösungen ist.

6.1.6 Vollständigkeit

Es ist zu testen, ob durch die Software-Pakete bzw. -lösungen alle vom Management geforderten und relevanten BW / DWH-Prozesse wie ETL, Administration, Reporting, Data Mining abgedeckt werden.

6.1.7 Entwicklungsaufwand

Bei den zur Entscheidung stehenden Lösungen ist darauf zu achten, wie hoch der Entwicklungsaufwand hinsichtlich BW / DWH-Strukturen, Meta-Daten und Extraktoren ist.

6.1.8 Kompatibilität

Kompatibilität beschreib die Verträglichkeit, Zusammenschließbarkeit und die Austauschbarkeit verschiedener Geräte, Systeme und Programme unterschiedlicher Hersteller[34].

Hier ist zu kontrollieren, dass die Hersteller ein vordefinierten, dem Quellsystem entsprechender „BusinessContent" mitliefern.

6.1.9 Berechtigungen

Geprüft wird, dass die Software-Pakete bzw. -lösungen über hinreichende Berechtigungsobjekte zur Umsetzung eines Berechtigungskonzepts, das den vom Management definierten Sicherheitsanforderungen genügt, verfügen.

6.1.10 Hardware

Hier wird bemessen welche und wie viel neue Hardware wie Server, Prozessoren, Speicher etc. benötigt werden und welche Kosten dafür entstehen.

6.2 Marktanalyse

Für die Softwarelösung eines BW / DWH - Systems wird nach etablierten Anbietern gesucht. Etabliert heißt nach Meinung des Managements, dass die Anbieter langjährige Erfahrung und Know-How in der Entwicklung von DWH-Systemen haben.

Nach einer Vorauswahl durch das Management aus einer Vielzahl von Herstellern für BW / DWH – Systeme kamen drei Anbieter in die nähere Auswahl. Diese drei Anbieter wurden aufgrund bereits im Unternehmen vorhandener Software und die Bekanntschaft im Unternehmen mit den Beratungs- und Dienstleistungen dieser Anbieter ausgewählt. Weiterhin ist beim konzerneigenen IT-Dienstleister bereits Know-How für z.B. Aufbau und Administration von Systemen dieser Anbieter vorhanden.

6.2.1 IBM

IBM ist ein weltweit aufgestelltes IT-Unternehmen das seit Jahrzehnten Erfahrungen, Kenntnisse und Fertigkeiten in der Entwicklung von Softwarelösungen hat. IBM beschäftigt in über 170 Ländern ca. 400.000 Mitarbeiter. Bei IBM Deutschland mit Hauptsitz in Stuttgart sind ca. 21.000 Mitarbeiter an 40 Standorten angestellt.

Das Unternehmen ist strukturell nach vier Kernkompetenzen ausgerichtet:[35]

  • Research & Development
  • Sales & Consulting
  • Solutions & Services
  • Management & Business Support

IBM bietet im Bereich BW / DWH - Systeme das Produkt InfoSphere Warehouse Edition Version 9.5 an. Diese Version ist eine Weiterentwicklung von IBM DB2 Data Warehouse Edition. Sie ist eine integrierte Data-Warehouse-Lösung, die in den Editionen Starter, Intermediate, Advanced, Base, Enterprise und Developers Edition verfügbar ist. Die Version erhält drei neue Data-Warehouse-Funktionen:[36]

  • Cubing-Services,
  • Workload-Management und
  • Analyse unstrukturierter Textdaten

Dieses BW / DWH – System bietet zudem folgende Vorteile:

  • keine Einschränkung hinsichtlich der Anzahl der Benutzer oder des Volumens der Benutzerdaten
  • Verschafft ohne großen Aufwand neuen Einblick in Geschäftslösungen
  • Umfassende, voll integrierte Data-Warehouse-Lösung für Unternehmen
  • Steigert die Data-Warehouse-Leistung durch Features von DB2 9
  • Unterstützte Betriebssysteme: Linux, UNIX und Windows

6.2.2 SAP

SAP wurde 1972 gegründet und zählt derzeit weltweit zu einen der größten unabhängigen Softwareanbietern.

SAP ist ein Unternehmenssoftwarelieferant mit Niederlassungen in ca. 50 Ländern, beschäftigt ca. 51.500 Mitarbeiter und liefert maßgeschneiderte Unternehmenslö-sungen an bisher ca. 86.000 Kunden[37].

SAP bietet im Bereich BW / DWH - Systeme das Produkt SAP BusinessObjects XI 3.0 an. Es handelt sich hierbei um eine Business Intelligence (BI)-Plattform und enthält SAP BusinessObjects Enterprise-Software und Software für das Auffinden und Bereitstellen von Informationen sowie Informationsverwaltung und Abfrage, Berichtserstellung und Analyse. Dadurch wird der sofortige Zugriff auf zuverlässige Unternehmensdaten ermöglicht[38].

Das Produkt bietet weiterhin:

  • eine BI-Plattform für heterogene Umgebungen, sodass Unternehmen eine zuverlässige und vollständige Sicht aller Informationsbestände bereitgestellt werden kann.
  • eine einfach zu bedienende Benutzeroberfläche für Fach- und Geschäftsanwender, die zu größerer Unabhängigkeit von der IT-Abteilung und zu schnelleren und besser informierten Entscheidungen führt.
  • Flexibilität bei der BI-Implementierung, sodass die IT-Abteilung für mehr Anwender im Unternehmen BI-Anwendungen bereitstellen und warten kann.

6.2.3 SAS

SAS wurde 1976 gegründet und ist einer der weltweit größten Anbieter von Business-Intelligence-Lösungen. SAS ist ein Unternehmen, das Business-Analytics-Software anbietet und beschäftigt weltweit ca. 11.000 Mitarbeiter in rund 400 Niederlassungen.

Die von SAS entwickelten Lösungen helfen Unternehmen an ca. 45.000 Standorten[39].

Im Bereich von BW / DWH – Systemen bietet SAS das Produkt SAS 9.1 Business Intelligence Plattform an. Es ist auf den schnellen Aufbau von Data-Warehouse Lösungen und das einfache Handhaben komplexer BI-Landschaften optimiert.

SAS Business Intelligence integriert Daten unternehmensweit und versetzt jeden Anwender in die Lage, selbst Berichte zu erstellen und Daten zu analysieren. So benötigt das Management weniger Zeit, die richtigen Antworten zu finden[40].

6.3 Vergleich der Produkte

6.3.1 Gewichtungsfaktor

Die Kriterien zur Beurteilung der einzelnen Anbieter und deren Softwarelösungen (siehe Kapitel 6.1) wurden dem Management vorgestellt. Zusammen mit dem Management wurden anschließend Gewichtungsfaktoren für diese Kriterien festgelegt. Hinsichtlich ihrer Bedeutung fallen die Faktor wie folgt aus:

1 = niedrig
2 = mittel
3 = hoch

6.3.2 Bewertungsskala

Durch die Autoren wurde jedes Produkt in jedem Kriterium mit einem Wert zwischen 1 und 5 bewertet. Die Bewertung ist dabei wie folgt:

1 = trifft nicht zu / schlecht

5 = trifft voll zu / sehr gut

6.3.3 Entscheidungstabelle

Zum Vergleich der einzelnen Softwarelösungen wurde eine Entscheidungstabelle erstellt. Entscheidungstabellen dienen der Darstellung und Dokumentation von Entscheidungsregeln und können somit zur Erstellung von IT-Fachanwendungen genutzt werden[41].

Abbildung 8: Entscheidungstabelle
Abbildung 8: Entscheidungstabelle

6.4 Vorschlag für ein System

Nach Auswertung der Entscheidungstabelle und dem daraus resultierenden Ergebnis und den Vorgaben des Management, wurde dem Management die Softwarelösung SAP BusinessObjects XI 3.0 von SAP zur Einführung im Konzern vorgeschlagen.


7 Zusammenfassung und Ausblick

Nach dem Zusammenschluss des Energieversorgers zu einem Konzern haben sich sehr viele Synergiepotenziale ergeben. Mittels des ARIS-Konzeptes wurde das Aufgabenfeld für diese Fallstudie auf den Bereich des Datenmanagements eingegrenzt.

Über die konkreten Anforderungen wurde ein Management Support System identifiziert, welches es dem Management des Konzerns und den Tochterunternehmen ermöglichen soll, jederzeit und umfassend über den Konzern informiert zu sein sowie operative und strategische Entscheidungen durch fundiertere Kenntnisse des Konzerns treffen zu können.

Die Analyse möglicher Anwendungen bzw. Architekturen hat ergeben, dass sich die Technik eines Data Warehouses am besten für ein MSS eignet. Mittels Gewichtungsfaktoren wurden verschiedene Kriterien zur Bewertung solcher Systeme festgelegt und drei Produkte unterschiedlicher Hersteller mittels einer Entscheidungstabelle verglichen.

Das Management ist der Empfehlung der Autoren dieser Fallstudie aus dieser Entscheidungstabelle heraus gefolgt und hat ein Projekt zur Einführung von SAP BusinessObjects XI 3.0 zum Aufbau eines konzernweiten Managementinformationssystems eingerichtet.

Die weiteren Schritte in diesem Projekt sind zunächst die Ermittlung der benötigten Kennzahlen sowie eine konzernweit eindeutige Definition dieser. Weiterhin müssen die Quellsysteme identifiziert werden, die an das DWH angeschlossen werden sollen.

8 Literaturverzeichnis

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GADATSCH, A. (2005) GADATSCH, Andreas: Grundkurs Geschäftsprozess-Management: Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis: Eine Einführung für Studenten und Praktiker, 4. Aufl., Wiesbaden 2005
HANSEN, H. R., NEUMANN, G. (2009) HANSEN, Hans Robert; NEUMANN, Gustaf: Wirtschaftsinformatik 1 – Grundlagen und Anwendungen, 10. Aufl., Stuttgart 2009
LANGENAU, F. (2001) LANGENAU, Frank: Microsoft SQL Server 2000 – Für Datenbankadministration und –entwicklung, München 2001
MERTENS, P., u.a. (2005) MERTENS, Peter; BODENDORF, Freimut; KÖNIG, Wolfgang; PICOT, Arnold; SCHUMANN, Matthias; HESS, Thomas: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik, 9. Aufl., Berlin Heidelberg 2005
SCHEER, A.-W. (1992) SCHEER, August-Wilhelm: Architektur integrierter Informationssysteme: Grundlagen der Unternehmensmodellierung, 2. Aufl., Berlin 1992
SCHEER, A.-W. (1998) SCHEER, August-Wilhelm: ARIS - Business Process Modeling, Berlin 1998
SCHEER, A.-W. (2001) SCHEER, August-Wilhelm: ARIS Modellierungsmethoden, Metamodelle, Anwendungen, 4. Aufl., Berlin Heidelberg New York 2001
SCHEER, A.-W. (2002) SCHEER, August-Wilhelm: ARIS Vom Geschäftsprozess zum Anwendungssystem, 4. Aufl., Berlin Heidelberg New York 2002
SCHRÖDER, T. (2006) SCHRÖDER, Thomas: SAP® BW – Performanceoptimierung, Bonn 2006
SEIDLMEIER, H. (2002) SEIDLMEIER, Heinrich: Prozessmodellierung mit ARIS® Eine beispielorientierte Einführung für Studium und Praxis, Braunschweig/Wiesbaden 2002
THOMAS, T. W. (2006) THOMAS, Thomas Werner: Unternehmenszusammenschlüsse in der Energieversorgung – Empirische Analyse der Übernahmewelle der 1990er Jahre in Nordamerika und Europa, Wiesbaden 2006

9 Quellenverzeichnis

Gesetze

  [1]  EnWG: Energiewirtschaftsgesetz (Gesetz über die Elektrizitäts und Gasver-sorgung) § 7, Stand: 2005

Internet:

  [1]  FOLEY, Mary Jo; BEIERSMANN, Stefan (2009): „Microsoft will im Geschäftsjahr 2010 seine Marktanteile vergrößern", auf den Seiten von ZDNet,
  http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_unternehmen_business_microsoft_will_im_geschaeftsjahr_2010_seine_marktanteile_vergroessern_story-39001020-41500262-1.htm, Stand: 19.08.2009
  [2]  o.V. (o.J.): „Administrationsaufwand" auf den Seiten des Instituts für Informatik der Ludwig-Maximilians-Universität München,
  http://www.nm.ifi.lmu.de/pub/Diplomarbeiten/scha98/HTML-Version/node59.html
  [3]  o.V: (o.J.): „Entscheidungstabelle" auf den Seiten des Bundesministeriums des Innern – Organisationshandbuch,
  http://www.orghandbuch.de/nn_413618/OrganisationsHandbuch/DE/6__MethodenTechniken/62__Dokumentationstechniken/623__Entscheidungstabellen/entscheidungstabellen-node.html?__nnn=true, Stand. 25.08.2009
  [4]  o.V. (o.J.): „InfoSphere Warehouse Edition Version 9.5" auf den Seiten von IBM Softwareprodukte,
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  [5]  o.V. (o.J.). „Kompatibilität" auf den Seiten von IT Wissen – Onlinelexikon für Informationstechnologie,
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  [7]  o.V. (o.J): "Performance" auf den Seiten von IT Wissen – Onlinelexikon für Informa-tionstechnologie,
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  [8]  o.V. (o.J.): "Relationale Datenbank", auf den Seiten von IT Wissen – Onlinelexikon für Informationstechnologie,
  http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Relationale-Datenbank-database-relational.html, Stand: 19.08.2009
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[10]  o.V. (o.J): „SAS 9.1 Business Intelligence Plattform" auf den Seiten von SAS Software-Produkte,
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[12]  o.V.(o.J.): "Schnittstelle" auf den Seiten von EDV-Lexikon,
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[13]  o.V. (o.J.): „Unternehmensstruktur IBM" auf den Seiten von IBM,
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[14]  o.V.(o.J.): „Unternehmen SAP" auf den Seiten von SAP,
  http://www.sap.com/germany/about/index.epx, Stand: 22.08.2009

9.1 Fußnoten

  1. Vgl. Thomas, T. W. (2006), S. 80.
  2. Vgl. Mertens, P., u.a. (2005), S. 31.
  3. Seidlmeier, H. (2002), S. 1.
  4. Vgl. Scheer, A. W. (2002), S. 1 f.
  5. Vgl. Scheer, A.-W. (1992), S. 18.
  6. Vgl. Seidlmeier, H. (2006), S. 3.
  7. Vgl. Seidlmeier, H. (2002), S. 12.
  8. Vgl. ebd. (gleiche Seite wie bei 7).
  9. Seidlmeier, H. (2002), S. 15.
  10. Vgl. ebd. (gleiche Seite wie bei 9).
  11. Vgl. ebd. (gleiche Seite wie bei 9).
  12. Vgl. Hansen, H.R., Neumann, G. (2009), S. 280.
  13. Vgl. Seidlmeier, H. (2002), S. 17.
  14. Vgl. Gadatsch, A. (2005), S. 159.
  15. Vgl. Allweyer, T. (2005), S. 135.
  16. Vgl. ebd., S. 136.
  17. Hansen, H.R., Neumann, G. (2009), S. 280.
  18. Vgl. Hansen, H.R., Neumann, G. (2009), S. 281.
  19. Vgl. Scheer, A.-W. (1998), S. 93 f.
  20. EnWG (2005), § 7.
  21. Vgl. o.V. / „Management Support Systeme“ / URL siehe Quellverzeichnis
  22. Vgl. o.V. / „Management Support Systeme“ / URL siehe Quellverzeichnis
  23. Vgl. Foley, M.J., Beiersmann, S. / „Microsoft will im Geschäftsjahr 2010 seine Marktanteile vergrößern“ / URL siehe Quellenverzeichnis.
  24. Vgl. Hansen, H.R., Neumann, G. (2009), S. 463.
  25. Vgl. o.V. / „Relationale Datenbanken“ / URL siehe Quellenverzeichnis
  26. Vgl. Fiedler, R. (2005), S. 265.
  27. Vgl. ebd. (gleiche Seite wie bei 26).
  28. Schröder, T. (2006), S. 19.
  29. Fiedler, R. (2005), S. 265.
  30. Vgl. Langenau, F. (2001), S. 796.
  31. Vgl. o.V. / „Performance“ / URL siehe Quellverzeichnis
  32. Vgl. o.V. / „Schnittstelle“ / URL siehe Quellverzeichnis
  33. Vgl. o.V. (o.J.): „Administrationsaufwand“ / URL siehe Quellverzeichnis
  34. Vgl. o.V. / „Kompatibilität“ / URL siehe Quellverzeichnis
  35. Vgl. o.V. / „Unternehmensstruktur IBM“ / URL siehe Quellverzeichnis
  36. Vgl. o.V. / „InfoSphere Warehouse Edition Version 9.5“ / URL siehe Quellverzeichnis
  37. Vgl. o.V. / „Unternehmen SAP“ / URL siehe Quellverzeichnis
  38. Vgl. o.V. / „SAP BusinessObjects XI 3.0“ / URL siehe Quellverzeichnis
  39. Vgl. o.V. / „SAS – Das Unternehmen“ / URL siehe Quellverzeichnis
  40. Vgl. o.V. / „SAS 9.1 Business Intelligence Plattform“ / URL siehe Quellverzeichnis
  41. Vgl. o.V. / „Entscheidungstabelle“ / URL siehe Quellverzeichnis
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