Datenschutz und Reputation Management

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Name des Autors / der Autoren: Rafael Arndt, Christian Engert
Titel der Arbeit: Datenschutz und Reputation Management
Hochschule und Studienort: FOM Neuss


Inhaltsverzeichnis



1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Das Web 2.0 - Fluch oder Segen? Das Erste, was viele Menschen heute tun, wenn sie einen neuen privaten oder geschäftlichen Kontakt kennenlernen, ist das Suchen von Informationen zu dieser Person im Internet. Informationen, die früher mühsam beschafft werden mussten, sind heute im Internet leicht zugänglich. In der Regel wird dazu nur eine Information der Person benötigt - der Name. Über Soziale-Netzwerk-Plattformen wie StudiVZ, XING oder Twitter, sowie Personensuchmaschinen wie yasni oder 123people und der einfachen Suche über Suchmaschinen wie Google oder Yahoo erhält man unzählige Informationen zu einer Person. Darunter fallen sowohl Basisdaten wie Anschrift, Geburtsdatum, Ausbildung und Arbeitgeber als auch das Aussehen, Präferenzen (Hobbies, Neigungen und Wünsche) und der momentane Aufenthaltsort. In den meisten Fällen lässt sich aus den gefundenen Informationen bereits ein Bild der Person zeichnen, ohne ihr jemals zuvor begegnet zu sein.

1.2 Zieldefinition

Der zentrale Bestandteil der Fallstudie ist die Untersuchung des Datenschutzes in Verbindung mit der eigenen Reputation im Internet. Ziel dieser Untersuchung ist, den aktuellen Stands des Datenschutzes in sozialen Netzwerken aufzuzeigen und gleichzeitig eine Empfehlung an die Anwender auszusprechen, wie man mit Informationen sowie Daten zur eigenen Person im Internet und insbesondere in sozialen Online-Plattformen umgehen sollte.

1.3 Vorgehensweise

Die vorliegende Fallstudie gibt zunächst eine kurze Einführung in die Bereiche Reputation, Reputation Management, Datenschutz und Soziales Netzwerk und erklärt damit Grundlagen, die für das Verständnis der folgenden Kapitel benötigt werden. Anschließend erfolgt eine Untersuchung des Datenschutzes anhand von drei beispielhaften Netzwerk-Plattformen. In diesem Kapitel wird der Datenschutz auf den Plattformen untersucht und aufgezeigt, was die Unternehmen für den Daten- und Privatsphärenschutz unternehmen bzw. unternehmen müssten. Im sechsten Kapitel wird der Datenschutz aus Sicht des Anwenders betrachtet. Hier ist die zentrale Frage: Was kann der Anwender unternehmen, um seine Daten und Privatsphäre bestmöglich zu schützen, aber dennoch die Vorteile des Sozialen Netzwerks zu nutzen? Dies wird anhand des Geschäftsnetzwerkes XING dargelegt. Abschließend folgt ein Fazit, in dem die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst werden und ein Ausblick auf die Zukunft gegeben wird.

2 Reputation Management

2.1 Begriffsdefinitionen

Die Begriffe Image und Reputation werden häufig als Synonyme verwendet. Im Folgenden werden einzelne Begriffsdefinitionen und Unterscheidungsmerkmale aufgezeigt, die für das Verständnis von Reputation bzw. Reputation Management notwendig sind.

2.1.1 Image

Der Begriff Image stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Bildnis" oder "Abbild". Es sind mit dem jeweiligen Objekt in Verbindung gebrachte Assoziationen und Vorstellungen. Alles, was wahrgenommen wird, hat ein Image. Das beinhaltet, dass sowohl Personen und Unternehmen als auch Gegenstände beziehungsweise Produkte ein Image erlangen. Ein Image ist ein kurzfristiger Eindruck - ein Stimmungsbild. Insbesondere Firmen, Verbände oder Vereine in der Öffentlichkeit bekommen durch die Medien ein Image aufgedrückt. Durch gezielte PR-Strategien oder Werbekampagnen kann das Image von Produkten, Personen oder Unternehmen verbessert werden. So können Fußballvereine bestimmte Spieler oder Trainer verpflichten, um ein positiveres Image zu erlangen oder Firmen Umweltkampagnen starten. Das Image ist also einerseits manipulierbar, andererseits unterliegt es einer Dynamik und schwankt häufig.

2.1.2 Reputation

In der deutschsprachigen Literatur gibt es heute keine eindeutige Definition, die den Begriff Reputation beschreibt. Eisenegger definiert Reputation folgendermaßen: "Reputation bezeichnet das öffentliche Ansehen, das eine Person, Institution, Organisation oder allgemeiner ein (Kollektiv-)Subjekt mittel- oder langfristig, genießt und das aus der Diffusion von Prestigeinformationen an unbekannte Dritte über den Geltungsbereich persönlicher Sozialnetze hinaus resultiert."[1] Schwalbach dagegen ist der Ansicht, es gibt keine genaue Definition, sondern lediglich eine Vorstellung: "Reputation ist das von Außenstehenden wahrgenommene Ansehen eines Unternehmens."[2]

Diese Fallstudie orientiert sich an der Definition von Wieseneder, die die Begriffe Reputation und Image klar voneinander abgrenzt. Wieseneder versteht Reputation als eine Zusammensetzung aus verschiedenen einzelnen Images, durch die ein langfristiges Gesamtbild entsteht. Der Begriff Reputation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "Erwägung" und "Berechnung" Heute ist damit das öffentliche Ansehen einer Person, einer Institution oder einer Organisation gemeint und ist eine Wertschätzungsform, die zur Orientierung dient. Die Reputation entwickelt sich aus der Gesamtheit der Wahrnehmung der Aktivitäten eines Unternehmens oder einer Person und wird sowohl durch einzelne Kontaktpersonen verbreitet als auch darüber hinaus durch die Berichterstattung in den Medien. Eine positive Reputation ergibt sich vor allen Dingen aus den Aspekten der Glaubwürdigkeit, der Zuverlässigkeit, der Vertrauenswürdigkeit und der Verantwortung.

Die Reputation, die in der deutschsprachigen Literatur häufig dem Begriff des Rufs gleichgesetzt wird, ist im Gegensatz zum Image langfristig orientiert und entwickelt sich über Jahre hinweg. Die Entstehung der eigenen Reputation entsteht, sobald mit einer anderen Person kommuniziert wird. Die Auswahl von Schule, Universität oder Arbeitsstelle sind entscheidende Aspekte, aus denen heraus sich der jeweilige Ruf bzw. die Reputation entwickelt.[3]

Wieseneder vergleicht das Image mit einem Girokonto, auf dem kontinuierlich Ein- und Auszahlungen stattfinden und der Kontostand häufig variiert. Die Reputation assoziiert Wieseneder dagegen mit einem Sparbuch. Es ist langfristig ausgelegt und Kapital beziehungsweise Zinserträge können gesammelt werden, wodurch der Wert nachhaltig gesteigert wird.

2.2 Online Reputation Management

Ziel des Reputation Managements ist es, den Ruf eines Unternehmens oder einer Person durch direkte oder indirekte Informationsvermittlung die Wahrnehmung aller so zu beeinflussen, dass deren Handeln so weit wie möglich im Einklang mit den Zielen des Unternehmens oder der Privatperson steht.[4] Reputation Management umfasst die Gesamtheit aller Aktivitäten, die dem Aufbau, dem Erhalt oder der Verbesserung einer Reputation dienen. Der Bereich Vernetzung hat dabei eine Schlüsselrolle eingenommen.

In der vorliegenden Fallstudie wird das Themenfeld der Online Reputation genauer betrachtet. Die Reputation von Firmen und Personen im Internet wird immer wichtiger, ein schlechter Ruf kann der Karriere schaden. Online Reputation Management erlangt deswegen einen immer höheren Stellenwert. Beim Online Reputation Management wird die persönliche, berufliche und geschäftliche Reputation im Internet erforscht, überwacht und gestaltet. Unternehmen sowie Privatpersonen bedienen sich der verschiedenen Möglichkeiten, das Internet mit Homepages, Internetportalen, Foren, Blogs und Sozialen Netzwerken bietet. Dabei geht es nicht darum, omnipräsent zu sein, sondern sich einen glaubwürdigen und vertrauensvollen Ruf zu erarbeiten.[5]

2.2.1 Aufbau der Reputation

Sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen ist es wichtig, die eigene Reputation zu steuern. Für den Reputationsaufbau spielen zunächst Identitätsfindung und Ziele eine wichtige Rolle.[6] Es werden Stärken und Schwächen analysiert und das eigentliche Ziel definiert: Wer ist man, was will man repräsentieren und wo will man hin? Durch aktives Handeln soll auf den Prozess der Reputationsbildung Einfluss genommen werden.

Für den Aufbau von Reputation sind neben eigenen Websites Netzwerke ein entscheidendes Instrumentarium. So kann es für die Karriere hilfreich sein, sein Profil bei einem Sozialen Netzwerk zu hinterlegen. In Deutschland ist Marktführer XING dabei laut Eck[7] unabdingbar geworden. Die Position, die in einem Netzwerk eingenommen wird, kann den Anerkennungswert und damit die Reputation stärken. In Bezug auf die Online-Plattformen gehört dazu z.B. die Anzahl der Kontakte - wie eng ist man mit anderen verbunden, wie sehr vernetzt?

Das Soziale Netzwerk XING, das als Business-Plattform gilt, dient hier als praktikables Beispiel. Profile mit fundierten Informationen, einem bemerkenswerten Lebenslauf und einem großen Netzwerk versprechen durch ihre gute Reputation eine größere Chance auf Job-Angebote. Der gute Ruf ist im Netzwerk sehr wichtig - je attraktiver ein Netzwerkpartner ist, desto mehr Nutzer wollen in Kontakt zu ihm treten. Stark vernetzte Menschen sind sehr glaubwürdig und dementsprechend sehr gefragt.

2.2.2 Pflege der Reputation

Die Teilnahme am Netzwerk ist zwar freiwillig, einmal eingegangene Kontakte müssen jedoch gepflegt werden. Dabei gilt es, sich auch an Netzwerkpartner zu wenden, wenn kein akutes Problem anliegt oder Unterstützung erwünscht ist. Sinnvoll ist es, außer der Reihe Treffen vorzuschlagen, zum Geburtstag zu gratulieren oder jemanden zum Essen einzuladen. Netzwerke unterliegen dem Prinzip des Tauschhandels: Unterstützung und Aufmerksamkeit auf der einen Seite werden im Gegenzug von der anderen Seite belohnt werden.

Mayrhofer nennt diese Formen sozialer Beeinflussung mikropolitische Taktiken und hält sie für einen wichtigen Punkt für einen möglichen Karriereerfolg. Es wird durch soziale Beeinflussung eine berechnete Wirkung erzielt, die dem eigenen Nutzen dient. Laut Wieseneder ist der Aufbau von Dreierbeziehungen eine wesentliche Strategie im Reputation Management. Zweierbeziehungen brechen leicht auseinander, bei einer dritten Person wird dies schwieriger. Je mehr gemeinsame Kontakte man hat, desto weniger leicht werden die Beziehungen auseinander gehen. Auf diese Weise ist eine feste Verankerung möglich und die eigene Reputation relativ stabil.[8]

Um die Reputation zu pflegen und nicht zu gefährden, sollte der Nutzer besonders achtsam mit privaten Kommentaren, Einträgen oder dem Hochladen von Fotos, Videos etc. umgehen. Online-Beiträge mit Emotionen und "aus dem Affekt" können der Online-Reputation leicht schaden. Damit der private Verkehr nicht mit dem beruflichen in Verbindung gebracht wird, sollte der Nutzer bei privaten Postings einen Nickname verwenden. Es gilt, bei jeglichen Postings oder Dateneingaben im Internet genau abzuwägen, welche Daten oder Ansichten der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht werden sollen.[9]

Schäden der Online-Reputation, die durch private Einträge oder Datenangaben entstanden sind, zu beheben, sind mit sehr viel Aufwand verbunden und unter Umständen nicht mehr zu reparieren.[10]

3 Datenschutz

3.1 Definition

Beim Datenschutz geht es nur sekundär um den Schutz von Daten, wie es der Begriff vermuten lässt. Viel mehr geht es beim Datenschutz um die Person, dessen personenbezogene Daten geschützt werden sollen. Unter personenbezogenen Daten versteht man Daten, die zu einer bestimmten natürlichen Person zugeordnet werden können. So sind zum Beispiel sämtliche Kontaktdaten und äußerliche Merkmale einer Person personenbezogene Daten. Durch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hat jede Person die Möglichkeit, selbst über die Erhebung und Verwendung dieser personenbezogenen Daten zu entscheiden.

Im Datenschutz gibt es zwei Hauptkonzepte, auch Prinzipien genannt: Datensparsamkeit/Datenvermeidung und Zweckbindung.[11]

3.1.1 Datensparsamkeit und Datenvermeidung

Unter Datensparsamkeit und Datenvermeidung ist gemeint, dass immer nur die, für die jeweilige Aktion beziehungsweise Anwendung notwendigen Daten erhoben und verarbeitet werden sollen. Nicht relevante Daten sollen dabei nicht erhoben werden. Das BDSG regelt dabei Datensparsamkeit und Datenvermeidung in §3a die Ziel der Gestaltung und Auswahl von Datenverarbeitungssystemen. Informationssysteme sollen so konzipiert werden, dass sie ohne oder mit möglichst wenig personenbezogenen Daten auskommen. Darüber hinaus sollen soviele personenenbezogene Daten wie möglich, anonymisiert oder pseudonymisiert werden.[12]

3.1.2 Zweckbindung

Nach dem Bundesdatenschutzgesetz dürfen erhobene Daten nur für den Zweck verwendet werden, für den sich erhoben wurden. Eine Weiterverarbeitung für andere Zwecke ist damit verboten. Dies bedeutet, dass Daten für jede neue Aktion erneut erhoben werden müssen. [13]


3.2 Entwicklung des Datenschutzes

Bereits Ende der 60er Jahre kam das Thema Datenschutz in Deutschland auf. Der Staat hat immer mehr Daten der Bürger eingefordert und gesammelt. Hessen war das erste Bundesland das im Jahr 1970 ein Datenschutzgesetz verabschiedet. Das erste Datenschutzgesetz des Bundes trat 1977 in Kraft. Parallel dazu wurde im Jahr 1978 der erste Bundesdatenschutzbeauftragter von der Bundesregierung gewählt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte ist für die Überwachung der Einhaltung des Bundesdatenschutzgesetzes verantwortlich. Darüber hinaus hat er eine beratende Funktion für Firmen und Bürger.

3.3 Rechtliche Grundlage

In Deutschland regelt das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) in Verbindung mit Datenschutzgesetzen der Bundesländer den Umgang mit personenbezogenen Daten. Das Bundesdatenschutzgesetz ist ein Rahmengesetz und kann durch bereichsspezifische Sondergesetze überstimmt werden.

Bereits am 01.01.77 trat die erste Fassung des Bundesdatenschutzgesetzes in Kraft und wurde seitdem kontinuierlich angepasst. Die letzte Neufassung stammt vom 14.01.03.

Das Bundesdatenschutzgesetz besteht aus sechs Abschnitten:[14]

  • Erster Abschnitt: Allgemeine und gemeinsame Bestimmungen
  • Zweiter Abschnitt: Datenverarbeitung der öffentlichen Stellen
  • Dritter Abschnitt: Datenverarbeitung nicht-öffentlicher Stellen und öffentlich-rechtlicher Wettbewerbsunternehmen
  • Vierter Abschnitt: Sondervorschriften
  • Fünfter Abschnitt: Schlussvorschriften
  • Sechster Abschnitt: Übergangsvorschriften

3.4 Ziel des Datenschutzes

Das Ziel des Datenschutzes ist es, jeden vor einer Gefährdung durch nachhaltige Folgen einer Datenverarbeitung zu schützen. Das Gesetz umschreibt seine Zweckbestimmung in § 1 Abs. 1 BDSG wie folgt: "Zweck dieses Gesetzes ist es, den einzelnen davor zu schützen, dass er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird."[15]

Denselben Sinn verfolgt auch das Grundgesetz, als Beispiel mit folgenden Artikeln.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."[16] (Artikel 1 Abs. 1 Grundgesetz)

"Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt."[17] (Artikel 2 Abs. 1 Grundgesetz)

Die Grundlage des Datenschutzes beruht auf den Verfassungsartikeln des Grundgesetztes. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu im Volkszählungsurteil vom 15. Dezember 1983 folgendes festgestellt:

"Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen."[18]

Es soll jedem Einzelnen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ermöglichen. Um nicht in Abhängigkeit von Staat und Wirtschaft zu geraten, sollte jeder Einzelne sich seine Privatsphäre erhalten und verhindern. Der Rechts- und Sozialstaat benötigt allerdings einen großen Umfang personenbezogener Daten damit er seine Aufgaben fachlich und gerecht erfüllen kann. Die Sozialämter, Schulen, Steuerbehörden und die Polizei könnten ihre Aufgaben nicht ordentlich erfüllen, wenn sie auf den Einzelnen und seine Mithilfe angewiesen wären. Das Bundesverfassungsgericht hat aber eindeutige Grenzen für Einschränkungen dieses Rechts bestimmt:

Das Recht der informationellen Selbstbestimmung hat aber auch Einschränkungen die nur aufgrund eines Gesetzes zulässig sind. Das Gesetz muss

  • im Allgemeininteresse erforderlich sein,
  • Voraussetzungen und den Umfang für die Einschränkung des Grundrechts für den Bürger regeln, also der Normenklarheit entsprechen und
  • die Verhältnismäßigkeit beachten.

Folgende Punkte muss der Gesetzgeber beachten:

  • nur das erforderliche Minimum an Daten darf verlangt werden.
  • grundsätzlich nur für den Zweck für den sie erhoben oder erfasst wurden.
  • Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass bei der Organisation und beim Verfahren mit personenbezogenen Daten auf die Rechte der Einzelnen Rücksicht genommen wird.

4 Soziales Netzwerk

4.1 Definition

Ein soziales Netzwerk ist ein webbasierter Dienst, der Personen ermöglicht, ein öffentliches oder halböffentliches Profil zu erstellen, sich mit anderen Benutzern des Services zu verbinden, in Kontakt zu treten und Informationen auszutauschen. Da der Portalanbieter nur den Dienst und nicht die Inhalte anbietet, spricht man bei sozialen Netzwerk-Servicen von User Generated Content. Dies bedeutet, dass die Benutzer den Inhalt selbst erzeugen.

Bei sozialen Netzwerken wird zwischen vertikalen und horizontalen Portalen unterschieden. Vertikale Portale decken ein großes Themenspektrum ab. Bei diesen Portalen kann zwar der Benutzerkreis eingegrenzt sein (zum Beispiel Studenten oder Berufstätige), die diskutierten Themen sind aber breit gestreut. Horizontale Portale beschränken sich dagegen auf ein spezielles Thema wie zum Beispiel Fußball- oder Ernährungsportale oder ähnliche.

Zu den bekanntesten und nutzerstärksten sozialen Netzwerken in Deutschland gehören zur Zeit XING, StudiVZ und spin.de. Die frequentiertesten Netzwerke weltweit sind MySpace, Facebook und Windows Live Spaces.

4.2 Plattformen

4.2.1 mySpace

mySpace gilt als Vorreiter der Sozialen Netzwerke und wurde im Juli 2003 von Thomas Anderson und Chris de Wolfe in Santa Monica, Kalifornien, gegründet.[19] 2005 kaufte Medienunternehmer Rupert Murdoch MySpace für 580 Millionen Dollar. mySpace ist heute mit über 250 Millionen Benutzern das weltweit größte Soziale Netzwerk. Täglich melden sich hier bis zu 230.000 neue Nutzer an. Sie erstellen kostenlos Benutzerprofile mit Fotos, Videos oder Blogs.

Das Portal mySpace ist ein Netzwerk für Freizeit und Soziales, das ausschließlich über Werbung finanziert wird. Ursprünglich als Community mit dem Schwerpunkt Musik errichtet unterscheidet sich mySpace darin zum Beispiel von Facebook oder XING, die sich eher als Arbeitsnetzwerke positioniert haben. Auf mySpace haben bekannte und weniger bekannte Musiker, Künstler und Bands Profile eingerichtet und informieren ihre Fans über Konzertdaten, Album-Veröffentlichungen oder sonstige anstehende Events. Seit der Übernahme von Medienmogul Rupert Murdoch und Fox Interactive Media öffnet sich die Website zunehmend auch anderen Medien wie z.B. der Filmindustrie durch Video-Clips - die musikalische Ausrichtung von mySpace wurde unter mySpace Music zusammengefasst.

Zwei Drittel der Besucher der mittlerweile internationalen Seite, die in 12 Sprachversionen verfügbar ist, kommen aus den Vereinigten Staaten; Deutschland stellt mit 4,1% die zweitgrößte Benutzergruppe.

4.2.2 StudiVZ

StudiVZ (Abkürzung für Studentenverzeichnis) wurde im Oktober 2005 von Ehssan Dariani und Dennis Bemmann in Berlin in Anlehnung an das amerikanische Portal Facebook gegründet. StudiVZ ist eine webbasierte Soziale Netzwerk-Plattform für Studenten mit über 13,5 Millionen Mitgliedern. Heute gehört StudiVZ zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die für das Online-Portal 2007 rund 85 Millionen Euro bezahlte, obwohl das Netzwerk bis dato keinerlei Umsatz machte.[20] Das kostenlose Portal, zu dessen Nutzung eine Registrierung notwendig ist, wird ausschließlich von Werbemitteln finanziert.

Bis 2009 auch in Frankreich, Italien, Polen und Spanien betrieben, wurden die anderssprachigen Versionen dann eingestellt und StudiVZ konzentriert sich lediglich noch auf den deutschsprachigen Raum.[21] Dort startete auch im Februar 2007 der Ableger SchülerVZ, ein Online-Kontaktnetzwerk, das sich an deutschsprachige Schüler im Alter von zwölf bis neunzehn Jahren richtet und aktuell über vier Millionen Mitglieder verfügt. Im Februar 2008 kam meinVZ hinzu, dessen Zielgruppe Nutzer mit Hochschulabschluss bzw. Berufstätige sind, trotzdem aber auf den privaten Bereich, Soziales und Freizeit abzielt - und sich damit zu XING abgrenzt, das vorrangig als Business-Netzwerk gilt. MeinVZ ist mit StudiVZ verbunden, so dass von beiden Plattformen auf die jeweiligen Profile zugegriffen werden kann. MeinVZ ist in deutscher sowie englischer Sprache verfügbar.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck fuhr im Jahr 2008 mit StudiVZ, SchülerVZ und meinVZ zehn bis zwölf Millionen EUR Verluste ein. StudiVZ beschäftigt am Firmensitz Berlin heute über 200 Mitarbeiter.

4.2.3 XING

Das heutige XING wurde im November 2003 als Open Business Club (kurz openBC) von Lars Henrichs und Bill Laio in Hamburg gegründet. XING ist eine webbasierte Soziale Netzwerk-Plattform für Geschäftsleute mit über 7 Millionen Mitgliedern. Neben den Kernfunktionen wie der Erstellung eines persönlichen Profils, der Kontaktpflege sowie der Kommunikation der Mitglieder bietet XING zahlreiche weitere Funktionen wie Eventverwaltung, Gruppenpflege, Diskussionsforen und Jobvermittlung an. Zur Nutzung der Plattform ist eine Registrierung notwendig. Die Basis-Mitgliederschaft ist kostenlos, beinhaltet aber nur einen geringeren Funktionsumfang. Die Premium-Mitgliedschaft bietet den vollen Funktionsumfang, der unter anderem eine detaillierte Suchfunktion und die Kommunikation auch mit unbekannten Kontakten ermöglicht. Dieser ist kostenpflichtig und kostet monatlich 4,95 Euro. Acht Prozent der Mitglieder nutzen die Premium-Mitgliedschaft.

Obwohl das Portal heute neben Deutsch und Englisch in 14 weiteren Sprachen zur Verfügung steht, bilden die deutschsprachigen Staaten das Kerngebiet. Weltweit und gerade im amerikanischen Raum steht XING im Schatten des sechs Monate vorher gegründeten Pendants LinkedIn.

Kurz nach der Umbenennung von openBC in XING am 17. November 2006 ging die XING AG nach eigenen Angaben am 07. Dezember 2006 als erstes Web2.0-Unternehmen an die Börse. Heute existieren neben dem Firmenstandort in Hamburg weitere Niederlassungen in Barcelona, Istanbul, Mailand und Peking. Weltweit wurden zum Ende des ersten Quartals 2009 239 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz betrug zum gleichen Zeitpunkt 10,76 Millionen Euro.

5 Datenschutz auf Plattformen

5.1 Untersuchung des Datenschutz und der Privatsphäre in sozialen Netzwerken

Es wird überprüft inwieweit die Themen, Datenschutz und Privatsphäre in sozialen Netzwerken eine Rolle spielen und welche Voraussetzungen diese stellen um die Plattform nutzen zu können.

5.1.1 myspace

5.1.1.1 Immatrikulationsdaten

Für eine Anmeldung und Nutzung von mySpace muss der Benutzer folgende Daten bei der Registrierung angeben.

  • E-Mail Adresse
  • Vor- und Nachname
  • Postleitzahl
  • Geschlecht
  • Geburtsdatum

Alle anderen Informationen die der User zur Verfügung stellt sind freiwillig. Diese können auch auf seiner Website angezeigt werden. Die Mindest-Altersgrenze beträgt 13 Jahren. mySpace Nutzer die zwischen 13 und 16 Jahren alt sind werden automatisch auf Privat gesetzt und daraufhin geschützt, dass nur Freunde ihr Profil sehen können. Das Alter kann anschließend nicht mehr verändert werden.

5.1.1.2 Die Privatsphärenfunktionen

mySpace unterscheidet zwischen den mySpace Namen und dem wirklichen Namen des Users. Das Mitglied darf entscheiden ob sein wirklicher Name offiziell angezeigt wird oder nur sein mySpace Namen der auch ein Phantasiename sein kann. Darüber hinaus kann der Benutzer die Einstellungen seiner Privatsphäre manuell gestalten und hat folgenden Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Jeder darf
  • Nutzer nur über 18 Jahre
  • Nur Freunde

Folgende Informationen können im Profil verborgen werden oder frei zugänglich gemacht werden mit den oben genannten Optionen:

  • Online - Anzeige
  • Geburtstag
  • Profil auf mobilen Endgeräten verfügbar
  • Wer Kommentare sehen darf
  • Wer die Freunde sehen darf
  • Angelegte Fotos sehen
  • Status & Stimmung

Desweiteren kann der Benutzer entscheiden ob ihn andere User die unter 18 Jahre sind kontaktieren dürfen oder nicht. Es wird auch die Möglichkeit gegeben Nutzer zu ignorieren die an Hand einer Liste angezeigt werden. Die Kommunikationseinstellung beinhaltet Nachrichten wo unterschieden wird ob alle oder nur Freunde dem Benutzer Nachrichten zu kommen lassen können und Kommentare nur von Freunden gepostet werden dürfen oder von jedem unter Berücksichtigung einer Genehmigung des Benutzers.

5.1.1.3 Die Suchfunktionen
Abb.-Nr. 1 myspace Suchoption
Abb.-Nr. 1 myspace Suchoption
Abb.-Nr. 2 myspace Suchoption
Abb.-Nr. 2 myspace Suchoption

Der Suchbereich für nicht registrierte Mitglieder ist gegliedert nach:


  • Namen
  • Angezeigter Name
  • E-Mail oder
  • Alle Namensfelder


Für unregistrierte User ist eine Suche bei Google möglich. Diese können sich das gesuchte Profil ansehen jedoch keine Nachrichten oder Kommentare hinterlassen.


Für registrierte Nutzer besteht die Möglichkeit nach einer Basis-Suche und einer Erweiterten Suche. Die Basis-Suche beschränkt sich auf:

  • Geschlecht
  • Alter
  • Beziehungsstatus
  • Interessen
  • Herkunft


und ob die gesuchten Personen Fotos hinterlegt haben. Des Weiteren wird eine Sortierung nach:


  • Kürzlich eingeloggt
  • Profilaktualität
  • Neu bei mySpace
  • Entfernung


angeboten. Die Erweiterte Suchoption recheriert zusätzlich nach:


  • Abstammung
  • Figur
  • Grösse
  • Raucher ja/nein
  • Alkohol ja/nein
  • Sexuelle Orientierung
  • Bildung
  • Religion
  • Kinder



5.1.1.4 Die Protokolldatei

mySpace kann auch PII (Personally Identifiable Information) von den Mitgliedern erheben, wenn diese an Aktivitäten im Rahmen von mySpace Services teilnehmen, wie z.B. Umfragen, Preisausschreiben oder Verlosungen oder weil sie den Mitgliedern Produkte, Services, Newsletter oder Informationen zur Verfügung stellen möchten.

mySpace verwendet Cookies für die Erkennung des Internet-Browsers, für die Speicherung der Präferenzen des Benutzers und für die Feststellung, ob die Zugangssoftware auf dem Rechner installiert sind, die benötigt werden, um auf bestimmte Materialen auf den mySpace Services zugreifen zu können. Die Informationen der Cookies werden benutzt, um Serviceleistungen zur Verfügung zu stellen.

5.1.1.5 Löschen des Benutzerkontos
Abb.-Nr. 3 myspace Account löschen
Abb.-Nr. 3 myspace Account löschen

Bei mySpace ist das Löschen des Accounts in der Regel durch eine Mail an mySpace ohne konkrete Gründe möglich.

Eine andere Möglichkeit um sein Profil löschen zu können findet der eingeloggte Benutzer in der Rubrik "Account-Einstellungen", "Account löschen". Der Grund der Abmeldung geschieht auf freiwilliger Basis.

Das Löschen des Profils oder Accounts wurde Benutzerfreundlich eingerichtet. Nur was geschieht mit den Daten des Benutzers? Durch das Löschen des mySpace Accounts werden alle Daten, also auch Fotos, Videos, Musik oder Foren Einträge für immer gelöscht. Eine Wiederherstellung ist nicht mehr möglich. mySpace hat keine Eigentumsrechte an Texte, Bilder, Musikwerken oder anderen Inhalten des Benutzers. mySpace sagt auch deutlich wer sich abmeldet, zieht dieses Zugeständnis auch zurück und tilgt seine Beiträge.

5.1.2 StudiVZ

5.1.2.1 Immatrikulationsdaten

Die Nutzung von StudiVZ ist nur durch eine kostenlose Registrierung oder auch Immatrikulation möglich. Es dürfen nur unbeschränkt geschäftsfähige Personen das StudiVZ-Netzwerk nutzen. Man darf nur ein Account besitzen. Zuerst muss ein Registrierungsformular und die abgefragten Daten vollständig und korrekt angegeben werden. Künstlernamen, Pseudonymen oder sonstige Phantasienamen sind untersagt. Ebenfalls verboten sind, fremde oder unzutreffende Angaben. Zur sogenannten Immatrikulation, der Registrierung im StudiVZ, sind folgende Pflichtinformationen erforderlich:

  • Vorname
  • Nachname
  • Geburtsdatum
  • Geschlecht
  • Hochschule
  • E-Mailadresse

StudiVZ bestätigt anschließend die übermittelten Daten per Email. In dieser E-Mail befindet sich ein (Aktivierungs-)Link. Erst mit Abruf des (Aktivierungs-) Link kommt der Vertrag zur Nutzung zustande. Das Login erfolgt per E-Mail und Passwort. Ein Anspruch der Nutzer auf Abschluss des Vertrags besteht jedoch nicht. Die Immatrikulation kann von StudiVZ ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. In diesem Fall löscht StudiVZ die übermittelten Daten aus dem Registrierungsformular.

StudiVZ schließt zwar über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Nutzung von Pseudonymen und Künstlernamen, sowie abgekürzte Namen aus, weißt aber gleichzeitig auf einer Informationsseite darauf hin, dass man die Verwendung von reellen Namen bevorzugt, aber keine Sanktionen, wie Löschung des Profils, bei Nichtbeachtung verhängt. Dies bedeutet, dass eine anonyme Nutzung geduldet wird. Die Nutzung eines Pseudonyms ist die einzige Möglichkeit, der Suchfunktion zu entziehen. Bei Verwendung des reellen Namens kann jeder Benutzer über die Suchfunktion von StudiVZ als Benutzer erkannt werden.

Die Anzahl der Pflichtdaten beschränkt sich bei StudiVZ mit Ausnahme von Geburtsdatum und Geschlecht, auf die notwendigen Informationen. Die Angabe der Hochschule ist für die Einsortierung des Benutzers entscheidend.

5.1.2.2 Die Privatsphärenfunktionen

StudiVZ bietet die Möglichkeit an, sein Profil für Fremde komplett zu sperren. Unter den Menüpunkt "Privatsphäre" kann der Benutzer selbst bestimmen, welche Daten, anderen Benutzern angezeigt bzw. verborgen bleiben. Das Profil ist anschließend zwar über die Suche verfügbar, aber es werden nur Profilfoto, Name und Hochschule angezeigt. Sämtliche darüber hinaus eingegeben Informationen können für das eingeschränkte (gleich öffentliche) Profil separat freigegeben werden.

Folgende Informationen können im eingeschränkten Profil verborgen werden:

  • Fotos
  • Freundeslisten
  • Account (z.B. Mitglied seit)
  • Allgemeines (z.B. Studiengang, Geburtstag, Heimatstadt)
  • Kontakt (z.B. Anschrift, Telefonnummer, Messenger-IDs)
  • Persönliches (z.B. Interessen, Vereine, Musikgeschmack)
  • Arbeit (z.B. Firma)
  • Lehrveranstaltungen
  • Gruppen
  • Pinnwand

Die Einsehbarkeit lässt sich jederzeit beschränken auf:

  • Alle Leute der eigenen Hochschule, eigenen Freunde und deren Freunde
  • Eigene Freunde und deren Freunde oder
  • Nur die eigenen Freunde

Das Geburtsdatum zählt zu den Pflichtangeben bei StudiVZ, kann aber mit einer Privatsphärenfunktion verborgen werden. Dabei kann das Geburtsdatum vollständig angezeigt, vollständig verborgen oder ohne Jahr angezeigt werden. Eine Anzeige des Geburtsdatums führt dazu, dass alle bestätigten Kontakte ab fünf Tage vor dem Geburtstag einen Hinweis auf den Geburtstag auf deren Startseite erhalten.

Wie auch bei anderen privatorientierten Sozialen Netzwerken gibt es bei StudiVZ eine Funktion zum Hochladen von Fotos beziehungsweise Foto-Alben. Jedes Album kann in der Sichtbarkeit neu definiert werden und nachträglich verändert werden. Auf diesen Fotos können Benutzer verlinkt werden. Diese Funktion kann eingeschränkt werden, so dass Freunde ohne oder mit Erlaubnis oder niemand den eigenen Namen zur Verlinkung verwenden kann. Verlinkungen können in eigenen und fremden Fotos durchgeführt werden solange die verlinkte Person Zugriff auf das verlinkte Foto hat.

Man sollte sich im Klaren sein, dass jeder der die Fotos sehen darf, sie über seinen Browser kopieren und lokal speichern oder die URL speichern kann, unter der das Foto abgelegt ist. Die Fotos können den von diesem Nutzer auch betrachtet werden, wenn er nicht bei StudiVZ eingeloggt ist, und er kann sie beziehungsweise die URL auch an Nichtmitglieder weiterleiten.

5.1.2.3 Die Suchfunktionen
Abb.-Nr. 4 StudiVZ SuperSuche
Abb.-Nr. 4 StudiVZ SuperSuche

StudiVZ gliedert die Benutzersuche in drei verschiedene Suchfunktionen. Über die Hochschulsuche und "Überall Suche" können Benutzer anhand des Namens an der eigenen Hochschule beziehungsweise einer ausgewählten Hochschule gesucht werden.


Die unter Datenschutzaspekten interessantere Suche ist die sogenannte Super-Suche. Die Super-Suche kann ohne Kenntnis des Namens verwendet werden. Ist der Benutzer noch zusätzlich mit meinVZ verbunden, lässt sich diese Suche noch mehr ausweiten. Dabei reicht die Befüllung eines der fünfzehn Suchkriterien. Die Menge der Ergebnisse ist dabei auf dreihundert Treffer beschränkt.


Wie bereits erwähnt, kann sich der Benutzer über eine Privatsphärenfunktion von der Suche ausschließen. Wird diese Privatsphärenfunktion nicht genutzt, so reicht die Kenntnis einiger der oben genannten Suchkriterien für das Auffinden der Person. Es werden auch Informationen zur Suche freigegeben, die über eine Privatsphärenfunktion verborgen werden. So wird zum Beispiel die Suche nach dem Geburtstag auch einen Treffer herausgeben, wenn das Geburtsdatum auf dem Profil nicht angezeigt wird.





5.1.2.4 Die Protokolldatei

Bei jeden Seitenaufruf innerhalb von StudiVZ werden folgende Dateien an StudiVZ übermittelt und in einer Protokolldatei (Server-Logfiles) gespeichert:

  • Dateiname
  • Datum und Uhrzeit des Abrufs
  • IP-Adresse
  • Browser-Typ und Version (User-Agent)
  • Betriebssysteminformationen
  • Referrer-URL (Herkunfts-URL)
  • übertragene Datenmenge
  • Statusmeldung, ob der Abruf erfolgreich war

Bei jeden Einloggen ins StudiVZ werden darüber hinaus folgende Information einmalig gespeichert:

  • Zugangsdaten
  • Datum
  • Uhrzeit

Diese Protokolldateien werden durch StudiVZ für eine Zeitdauer von höchstens sechs Monate gespeichert. Sie werden dann ausgewertet und analysiert. Der Sinn und Zweck sind gezielte personalisierte Werbungen an den User zurichten. Unter anderen soll es dazu dienen um Anwendungen zu optimieren.

  • zu welchen Zeiten die Nutzung von StudiVZ erzeugt wird
  • welches Datenvolumen und
  • erkennen von etwaige Fehler (z.B. fehlerhafte Links)

Bei der Auswertung der sogenannten Protokolldateien wird auch der Clickstream analysiert und dahingehend untersucht, welche Bereiche wie oft aufgesucht wurden.

Diese Daten werden in anonymisierter Form aus, um

  • Das Angebot weiter zu verbessern und nutzerfreundlicher zu gestalten
  • Fehler schneller zu finden und zu beheben
  • Serverkapazität zu steuern
5.1.2.5 Löschen des Benutzerkontos

Die sogenannte Exmatrikulation, Löschen des Benutzerkontos, kann vom Benutzer über die Schaltfläche "Meinen Account löschen" in der Rubrik "Mein Account" veranlassen. Der Account ist jederzeit kündbar ohne Angaben von Gründen oder Fristen. Das gesamte Profil, inklusive personenbezogener Daten und Fotos wird dabei gelöscht. Öffentliche Einträge in Gruppen und auf Pinnwänden von anderen Benutzern bleiben erhalten, werden jedoch nicht länger unter dem Namen und dessen Profilfotos veröffentlicht. Auch StudiVZ kann mit einer Frist von 14 Tagen zum Monatsende kündigen.


5.1.3 XING

5.1.3.1 Die Registrierungsdaten

XING nennt alle zur Registrierung notwendigen personenbezogenen Daten Registrierungsdaten. Zu den Registrierungsdaten gehören:

  • Anrede
  • Vorname
  • Nachname
  • E-Mail
  • Ort, der Geschäftstätigkeit
  • Beruflicher Status (zum Beispiel: Unternehmer/-in, Angestellte/-r, Arbeitssuchend/-e)
  • Firma (bei den Stadien Arbeitssuchend und Im Ruhestand optional)
  • Position (bei den Stadien Arbeitssuchend und Im Ruhestand optional)
  • Branche (bei den Stadien Arbeitssuchend und Im Ruhestand optional)

Der Name des Benutzers gehört zu den Registrierungsdaten. Selbst bei einer kompletten Nutzung der zur Verfügung stehenden Privatsphärenfunktionen, wird ein Profil über die Suche bei Eingabe des Vor- und Nachnamens gefunden. Die Nutzung eines Pseudonyms oder Künstlernamens wird dabei unter Punkt 2.2 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen. Jeder Benutzer des Portals kann also über seinen Namen als XING-Benutzer identifiziert werden.

Die eigentliche Funktion des Netzwerkes wäre auch ohne eine Vielzahl dieser Daten möglich. Die Daten dienen lediglich dazu, die Qualität des Portals zu steigern. Bei einer optionalen Eingabe der Daten hätten die Benutzer die Möglichkeit ein leeres Profil zu erzeugen. Dieses kann nicht im Sinn von XING sein.

5.1.3.2 Die Privatsphärenfunktionen

XING ist ein abgeschlossenes Portal, dessen Funktionen nur nach vorheriger Registrierung genutzt werden können. Dennoch öffnet sich XING gegenüber Suchmaschinen, so dass bei der Eingabe des Namens auf Suchmaschinen, wie zum Beispiel Google, ein Link zum XING-Profil mit einer Kurzbeschreibung erscheint. Das Gleiche gilt auch für Artikel in öffentlichen Gruppen des XING-Portals. Für beide Bereiche bietet XING eine Privatsphärenfunktion an, die ein Auffinden von Profil und Gruppenartikel verhindert. Darüber hinaus bietet XING eine Funktion an, die es dem Benutzer erlaubt sein Profil für Nichtmitglieder, bei Kenntnis des Profil-Links, abrufbar zu schalten.

Ein wichtiges Kriterium bei einem sozialen Netzwerk sind die persönlichen Kontakte. Über die Kontakte ist für jedes Mitglied sichtbar, wer wen kennt und wer wen über wen kennt. Verbindungen zwischen Benutzern des Portals sind über sogenannte Verbindungspfade leicht erkennbar. XING bietet eine Privatsphärenfunktion an, die es ermöglicht seine Kontakte niemanden, für einen eingeschränkten Personenkreis, in Abhängigkeit des Bekanntheitsgrades, oder allen Mitgliedern zu offenbaren. Es ist jedoch zu beachten, dass selbst bei einer kompletten Verbergung der Kontaktliste, die Verbindungen zwischen Benutzern weiterhin über die Verbindungspfade ersichtlich sind. XING bietet dafür aktuell keine Privatsphärenfunktion an.

Der Nachrichtenversand ist ein weiterer zentraler Bestandteil eines sozialen Netzwerkes. XING bietet seinen Mitgliedern an, den Nachrichtenversand in Abhängigkeit des Bekanntheitsgrades einzuschränken. Eine komplette Deaktivierung des Nachrichtenempfangs für alle Mitglieder inklusive der eigenen Kontakte ist nicht möglich. Es ist jedoch möglich, Benutzern einzeln über die Funktion "Datenfreigabe bearbeiten" auf der Profilseite des Benutzers, die Erlaubnis des Nachrichtenversand zu entziehen.

XING wertet das Nutzungsverhalten seiner Mitglieder aus und berechnet daraus den sogenannten Aktivitätsindex. Dieser Index kann einen Wert zwischen 0% und 100% annehmen und berechnet sich aus der Häufigkeit, Dauer und Regelmäßigkeit der Nutzung. Die genaue Aufschlüsselung der Berechnung wird von XING geheim gehalten. Der Aktivitätsindex wird auf der Profilseite des Benutzers zusammen mit dem Beginn der Mitgliedschaft, der Anzahl der Seitenaufrufe angezeigt und des Mitgliedsstatus (Basis-Mitglied oder Premium-Mitglied) angezeigt. Der Aktivitätsindex kann über eine Privatsphärenfunktion deaktiviert werden, die restlichen zuvor genannten Informationen sind für jedes XING-Mitglied jederzeit abrufbar.

Für Skype-Mitglieder, die ihren Benutzernamen auf dem Profil ausgeben, kann optional der Skype-Online-Status dazu ausgegeben werden. Hier werden Informationen von einer nicht zur XING AG gehörenden Applikation auf dem XING-Profil ausgegeben.

Wie zuvor beschrieben, gehört der Ort der Geschäftstätigkeit zu den Registrierungsdaten und kann nicht verborgen werden. Eine relativ neue Funktion von XING ermöglicht die Anzeige des Geschäftsortes auf einer Landkarte. Mit dieser Information lässt sich leicht erkennen, in welcher Region der XING-Benutzer geschäftlich aktiv ist. Diese Funktion kann jedoch ausgeschaltet werden.

5.1.3.3 Die Suchfunktionen

XING unterteilt die Suche in zwei verschiedene Kategorien. Die "Erweiterte Suche" ist eine Freitextsuche und die "Powersuche" enthält festgelegte Suchaufträge.


Erweiterte Suche
Abb.-Nr. 5 XING Erweiterte Suche
Abb.-Nr. 5 XING Erweiterte Suche


Die "Erweitere Suche" erlaubt die Freitextsuche anhand von neunzehn unterschiedlichen Parametern. Wie zuvor beschrieben ist eine Verwendung von Pseudonymen und unwahren Angaben durch Punkt 2.2 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen. Daraus resultiert, dass jeder XING-Benutzer durch die Erweitere Suche gefunden werden kann. Das Suchergebnis wird dabei auf 200 Ergebnisse eingeschränkt.



Powersuche

Die "Powersuche" besteht auf fünfundzwanzig vordefinierten Suchaufträgen in fünf Kategorien.

Aus Sicht des Datenschutzes verdient die Kategorie "Aufrufe meines Profils" die größte Zuwendung. Hierbei wird das Benutzerverhalten durch XING ausgewertet und anderen Benutzern zur Verfügung gestellt. XING betitelt diese Art der Information "Klickpfade". Über diese, nicht abschaltbare, Funktion können Benutzer erkennen, welche Benutzer die eigene Profilseite aufgerufen haben, die eigene Firmen-Homepage angeklickt haben und die eigene "Über mich"-Seite aufgerufen haben. Laut eigenen Angaben löscht XING die durch den Klickpfad erhobenen Daten eine Woche nach der Erstellung.

5.1.3.4 Das Protokoll

Bei jeden Seitenaufruf werden folgende Daten von XING in einer Logdatei gespeichert:

  • IP-Adresse
  • Remote Host
  • Uhrzeit
  • übertragene Datenmenge
  • Referrer (zuvor aufgerufenen Webseite)
  • Browserinformationen

XING kann mit diesen Informationen zum Einen eine Vorhersage der Auslastung der Webseite errechnen, aber darüber hinaus auch bei Gesetzes- oder vertragswidrigem Nutzerverhalten, Informationen des Benutzers zu erhalten. Über die IP-Adresse ist der Rechner eindeutig identifizierbar.

5.1.3.5 Löschen des Benutzerkontos

Die Löschung des Benutzerkontos kann im Hilfemenü unter der Rubrik "Die Funktionen von XING" und der Unterrubrik "Mitgliedschaft und Rechnungen" in Auftrag gegeben werden. Bei der Löschung werden sämtliche personenbezogene Daten im Profil, sowie Nachrichten, Kontakte, Gruppenmitgliedschaften und Termine gelöscht. Erhalten bleiben Gästebucheinträge auf fremden Profilseiten, Nachrichten in fremden Postfächern und Forenartikel in Gruppen. Diese können jedoch ebenfalls bei Kontaktaufnahme mit XING gelöscht werden lassen.

5.1.4 Vergleich des Datenschutzes der unterschiedlichen sozialen Netzwerke

XING:

Das zentrale Anliegen von XING ist der Schutz personenbezogener Daten. Die Community nutzt die Daten ausschließlich um dem registrierungspflichtigen Internet - Diensten von XING zu ermöglichen. Da XING für Premium Mitglieder kostenpflichtig ist, werden die Daten nicht zu Werbe- oder Marketingzwecken Dritter weitergegeben. Log Dateien werden auf das wesentliche (IP-Adresse, Remote Host, Uhrzeit, Status über die Datenmenge und den verwendeten Browser) gespeichert. Die Protokolldateien sind anonymisiert und ohne Zuordnung oder Hinweise auf die Person, für statistische Auswertung. Erst bei Verdacht der gesetztes- oder Vertragswidrigkeit werden diese Log-Dateien personalisiert.

mySpace:

Da mySpace Services in den Vereinigten Staaten gehostet werden, gelten andere Datenschutzrichtlinie und Gesetzte. mySpace kann jederzeit auf private Profile zugreifen und im begrenzten Maß bestimmten Dritten eine Zugriffsbefugnis erteilen. Die Werbung von Dritten, die auf MySpace Services gezeigt wird, kann unter Umständen Cookies von Internet-Werbeagenturen oder von Unternehmen beinhalten. Die Community kann zusammenhängende Daten, wie z. B. IP-Adressen, an bestimmte Werbepartner der Vereinigten Staaten oder im Ausland übertragen. Mitarbeiter, Vertreter und Vertragsunternehmen von MySpace müssen einen geschäftlichen Grund haben, um auf Ihre PII und zusammenhängende Daten zuzugreifen. MySpace kann Ihre PII und zusammenhängende Daten Unternehmen oder Personen zur Verfügung stellen, die uns bei der Verwaltung oder Bereitstellung von Informationen zu MySpace Services unterstützen. Sie können auch externen Vertragsunternehmen, Vertretern oder Sponsoren mitgeteilt werden, die uns bei der Verwaltung, Beurteilung und Preisvergabe im Zusammenhang mit Preisausschreiben, Werbekampagnen und Verlosungen unterstützen.

StudiVZ:

StudiVZ ermöglicht seinen Mitgliedern selbst zu entscheiden ob sie ihre Daten für werbemaßnahmen zur Verfügung stellen möchten oder nicht. Bestandsdaten und Nutzungsdaten werden bei Gefahren für staatliche und öffentliche Sicherheiten sowie Verfolgung von Straftaten weitergegeben. Die Weitergabe der Daten an Dritte für kommerzielle odergewerbliche Zwecke findet jedoch nicht statt. Server Logfiles die der Auswertung und Analyse dienen, werden maximal sechs Monate gespeichert. Diese Informationen dienen für die Optimierung der Community.

5.1.5 Vergleich der Privatsphäre der unterschiedlichen sozialen Netzwerke

Der Vergleich der Privatsphäre ist unter gewissen Gesichtspunkten bei allen Communities unterschiedlich. Ein Grund könnte sein das immer unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Bei den einen geht es darum recht unauffällig alte oder neue Bekanntschaften zumachen, bei anderen wiederum geht es mehr darum, je interessanter der Internet Auftritt und je mehr Freunde und Profilaufrufe desto besser. Benutzerprofile von XING und mySpace können von Suchmaschinen gesucht und angezeigt werden. XING und StudiVZ sind geschlossene Netzwerke. Die Einsicht der Profile für Besucher ist teilweise begrenzt oder komplett ersichtlich. Bei StudiVZ können Besucher keinerlei Einsicht über die gesuchten Profile erlangen. Dies ist erst durch Registrierung möglich. Die Freigabe von Fotos, Freunden, der Pinnwand oder anderen Services kann der registrierte Nutzer individuell für seine Bedürfnisse freischalten lassen.

Bei mySpace und StudiVZ besteht die Möglichkeit anonym im Netzwerk nach Freunden und Bekannten zu suchen und teilweise (sofern diese freigegeben sind) sich Profile genauer anschauen. Bei StudiVZ können Mitglieder durch Einstellung ihre Privatsphäre anonym im Netzwerk unterwegs sein. Sobald ein Mitglied von XING auf anderen Profilen sich bewegt, werden Spuren hinterlassen. Das besuchte XING Mitglied kann unter der Rubrik "Aufrufe meines Profiles" ersehen wer zuletzt ihm besucht hat und sich sein Profile genauer angeschaut hat. Da mySpace auch für Künstler eine interessante Community ist es für die Zielgruppe eher ein sehen und gesehen werden und mehr Profilaufrufe desto besser fürs Image.

6 Praxisbeipiel

Im vorangegangen Kapitel wurde herausgestellt, dass Soziale Netzwerke, wie das Business Portal XING, wesentlich mehr Daten speichern als die vom Benutzer zur Verfügung gestellten. Nicht nur personenbezogene Daten wie das Geburtstag, das Profilfoto, die Ausbildung und den Werdegang, sondern auch die Kontakte, Nutzungszeiten, Nutzungsdauer und genutzte Funktionen beziehungsweise angesehene Profile. Dieses Kapitel zeigt Funktionen und Empfehlungen auf, mit deren Nutzung der Datenschutz und der Schutz der Privatsphäre gewährleistet ist.

6.1 Profilempfehlung unter Beachtung des Datenschutzes

Um eine Profilempfehlung geben zu können, ist zunächst der Nutzungsgrund des Benutzers wichtig. Es kann hierbei zwischen zwei verschiedenen Nutzungsarten unterschieden werden. Soziale Netzwerke können als selbstaktualisierdes Telefon- und Nachrichtenverzeichnis mit Erinnerungsfunktionen für Geburtstage und Termine genutzt werden. Diese Profilempfehlung bezieht sich jedoch auf die Nutzung als Selbstdarstellung zur Erlangung einer höheren Reputation. Bei dieser Nutzungsart besteht der Konflikt zwischen der nützlichen und unnützlichen Preisgabe von Daten. Unter dem Aspekt des Datenschutzes beim Reputation Management sollen so wenig Daten wie möglich preisgeben werden, aber dennoch eine hohe Reputation erreicht werden.

6.1.1 Registrierungsdaten

Die Registrierungsdaten sind mit Ausnahme des Geburtsdatum Pflichtdaten. Bei einem Business-Portal wie XING sollte die geschäftliche E-Mailadresse angegeben werden. Die Veröffentlichung der E-Mailadresse kann zwar verhindert werden, durch die Funktion 'Adressbuch-Abgleich' kann jedoch über die E-Mailadresse ein Profil gefunden werden. Die berufliche E-Mailadresse lässt sich durch die Angabe des Firmennamens häufig leicht ermitteln. Private E-Mailadressen jedoch nicht.

6.1.2 Kontaktdaten

XING versichert dem Nutzer über die Datenschutzbestimmungen, dass die Datenschutzgesetze der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union eingehalten werden und keine Daten an Dritte weitergeben werden. Daraus resultiert, dass Dritte keine Werbe- und Marketingmaßnahmen mit den Informationen des Nutzers betreiben können. XING selbst jedoch, kann und darf die eingeben Daten auswerten und auf den Nutzer angepasste Werbung für Basismitglieder präsentieren. So kann die angezeigte Werbung zum Beispiel auf den Geschäftsort des Nutzers angepasst werden oder bei der Angabe eine privaten Mailadresse bei einem Freemaildienst wie web.de, Werbung für einen Konkurrenten wie GMX angezeigt werden.

Premiummitglieder können über XING Nachrichten versenden. XING sendet daraufhin, wenn aktiviert, eine Benachrichtigung an die eingegebene E-Mailadresse. Eine Kontaktaufnahme per XING ist also jederzeit möglich. Die Kontaktdaten sollten daher auf ein Minimum begrenzt werden und selektiv für die Kontakte freigegeben werden.

6.1.3 Neues aus meinem Netzwerk

Über die "Neues aus meinem Netzwerk"-Funktion werden Kontakte über Änderungen und Ereignisse auf der Startseite informiert. Damit diese Informationen geschützt werden, sollten die Privatsphärenfunktionen zu dieser Funktion vollständig aktiviert werden. Es ist anschließend zum Beispiel nicht ersichtlich, welche neuen Kontakte hinzufügt, Daten geändert oder Gruppenmitgliedschaften geschlossen wurden.

6.2 Missbrauchspotential bei Nichtbeachtung der Profilempfehlung

6.2.1 Headhunting/Spam

Bei Angabe von Kontaktdaten beschränken sich Headhunting-Anfragen beziehungsweise Spam-Nachtrichten nicht nur auf die XING-Nachrichtenfunktion, sondern können auch per Telefon, Fax, Instant Messenger oder E-Mail erfolgen. Bei einer Erfolgsprämie von 30% des Jahresgehalts der geworbenen Person[22] kann eine einmal bekannte Telefonnummer oder E-Mailadresse für die werbende Person sehr interessant sein.

6.2.2 Identitätsdiebstahl

Sind personenbezogene Daten wie Anschrift, Geburtsdatum, eventuell sogar Bankverbindung einer Person bekannt, kann die Identität leicht gestohlen werden. Es können Profile mit den gleichen Informationen auf anderen Plattformen angelegt werden und unter der Identität und der Reputation des Bestohlenen Kommunikation mit Kunden, Freunden oder Unternehmen betrieben werden. Selbst wenn dies schnell auffallen sollte, ist die Reputation dadurch gefährdet.

Neben dem Angriff der Reputation kann der Identitätsdiebstahl aber auch finanzielle Folgen für den Betroffenen haben. Mit der Kenntnis von personenbezogenen Daten können unter anderem Verträge abschlossen und Passwörter leichter ermittelt werden.

Identitätsdiebstahl wird durch einen lockeren Datenschutz im Bezug personenbezogene Daten im Internet einfacher gemacht. So stieg die Anzahl von Identitätsdiebstählen in den USA von 2007 nach 2008 um 22%. Die Rate der Diebstähle über das Internet liegt bei 22%. Es ist zu erwarten, dass diese Rate in Zukunft steigen wird, wenn Benutzer des Internets nicht sorgfältiger mit personenbezogenen Daten umgehen.[23]

6.2.3 Verlust der Privatsphäre

Die vermehrte Offenlegung von Informationen bedeutet einen Verlust der Privatsphäre. Dies fängt bei dem öffentlichen Profil im Businessportal XING nur an. Über Soziale Netzwerk-Plattformen kann eingesehen werden welche Hobbies die Person hat, über Twitter wird verfolgt was die Person gerade macht, über Bewertungsportale kann nachvollzogenen werden, welche Restaurants oder Hotels die Person gerne besucht.

7 Schlussbetrachtung/ Fazit

Die Untersuchung hat gezeigt, dass der Datenschutz nicht alleine auf die Plattformbetreiber abgewälzt werden kann. Die Plattformbetreiber halten sich an die Gesetzgebung und verwenden gespeicherte Daten nur intern und geben sie nicht an Dritte weiter. Dies reicht jedoch nicht, um seine Daten im weltweiten Internet zu schützen. Daten die offen präsentiert werden, können von jedermann eingesehen, gespeichert und verwendet werden. Dies verstößt nicht gegen geltendes Recht, da die Daten öffentlich verfügbar sind.

Die Plattformbetreiber bemühen sich mit Privatsphärenfunktionen die Daten der Benutzer zu schützen. Die Konfiguration der Privatsphärenfunktionen ist bei der Registrierung bei allen drei getesteten Plattformen jedoch auf ein Minimum vorkonfiguriert. Dies bedeutet, dass der Benutzer sich aktiv um seinen Schutz der Daten bemühen muss.

Die Privatsphärenfunktionen sind bei allen drei getesteten Plattformen umfangreich. Allerdings wirken sich die Privatsphärenfunktionen bei myspace und StudiVZ nicht auf die Suchfunktionen aus. Dies bietet Angreifern zu Zeit ein offenes Tor zum Ausspähen von Daten, auch wenn der Benutzer sie schützen wollte. Die Untersuchung von Angriffsmöglichkeiten ist nicht Bestandteil dieser Fallstudie. Es ist jedoch erstaunlich, dass lediglich XING Daten verschlüsselt über das Internet sendet.

Abschließend bleibt festzustellen, dass die Plattformbetreiber untereinander lernen können. StudiVZ und myspace könnten ihre Datenübermittlung wie XING verschlüsseln und die Privatsphärenfunktionen auch auf die Suchfunktionen einwirken lassen. XING könnte die hohe Anzahl an Registrierungsdaten mindern.

Ohne die Interaktion des Benutzers kann der Datenschutz nicht aufrecht erhalten werden und die Reputation des Benutzers ist stets gefährdet.

8 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1mySpace Suchoption
2mySpace Suchoption
3mySpace Account löschen
4StudiVZ SuperSuche
5XING Erweiterte Suche

9 Fußnoten

  1. Vgl. [Eise05]
  2. Vgl. [Schw00]
  3. Vgl. [WiCe06]
  4. Vgl. [LiPe0X]
  5. Vgl. [Comp09a]
  6. Vgl. [Wies0X]
  7. Vgl. [Eck08]
  8. Vgl. [MaMe05]
  9. Vgl. [Comp09b]
  10. Vgl. [Comp09b]
  11. Vgl. [Dass08]
  12. Vgl. [NaKi05]
  13. Vgl. [BDSG]
  14. Vgl. [BDSG07]
  15. Vgl. [BDSG07]
  16. Vgl. [GeBu02]
  17. Vgl. [GeBu02]
  18. Vgl. [BDSG07]
  19. Vgl. [Comp09c]
  20. Vgl. [Hage09]
  21. Vgl. [Schm09]
  22. Vgl. [Sued09]
  23. Vgl. [MiBe09]

10 Literatur- und Quellenverzeichnis

[BDSG07] Bundesdatenschutzgesetz (BDSG 2006), Datakontext, 2007
[Comp09a] Funk, Karen: Wie Sie Xing zu Ihrem Vorteil nutzen, Oktober 2008

http://www.computerwoche.de/job_karriere/karriere_gehalt/1875494/ (29.05.2009)

[Comp09b] Vaske,Heinrich: Reputation Management - was Web-Nutzer tun können, April 2009

http://www.computerwoche.de/knowledge_center/it_strategie/1893147 (29.05.2009)

[Comp09c] Computerwoche: MySpace zählt in Deutschland bereits 2,5 Millionen Mitglieder, Januar 2007

http://www.computerwoche.de/nachrichtenarchiv/586064/index.html (29.05.2009)

[DsdG99] Bäumler/v. Mutius: Datenschutzgesetze der dritten Generation, 1999
[DsiA07] Prof. Dr. Alexander Roßnagel: Datenschutz in einem informatisierten Alltag, 2007
[Eck08] Eck, Klaus: Karrierefalle Internet, Hanser Wirtschaft, 2008
[EfDs05] Tinnefeld, Ehmann, Gerling: Einführung in das Datenschutzrecht, 2005
[Eise05] Eisenegger, Mark: Reputation in der Mediengesellschaft, 2005
[GeBu02] Grundgesetz für die Bundesrepulik Deutschland, 2002
[Hage09] Hage, Simon: Holtzbrincks Web-2.0-Deal "Ein riskantes Investment", Januar 2007

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,458797,00.html (29.05.2009)

[Irvr08] Anselm Brandi-Dohrn, Mathias Lejeune: Recht 2.0 - Informationsrecht zwischen virtueller und realer Welt, 2008
[LiPe09] Liehr, Kerstin; Peters, Paul; Zerfaß, Ansgar: Reputationsmessung: Grundlagen und Verfahren. (communicationcontrolling.de Dossier Nr. 1). Berlin / Leipzig: DPRG / Universität Leipzig, 2009.
[MaMe05] Mayrhofer, Wolfgang; Meyer, Michael; Steyrer,Johannes: macht? erfolg? reich? glücklich? Einflussfaktoren auf Karrieren, Linde Verlag, 2005
[MiBe09] Mills, Elinor;Beiersmann, Stefan: Studie: Identitätsdiebstahl nimmt 2008 um 22 Prozent zu, Februar 2009

http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_sicherheit_security_studie_identitaetsdiebstahl_nimmt_2008_um_22_prozent_zu_story-39001024-41000279-1.htm (04.06.2009)

[NaKi05] Nagel, Kurt; Kiefer, Erich: Informationsbroschüre zum Bundesdatenschutzgesetz, Oldenbourg Verlag, 11. Auflage, 2005
[mySpace] http://www.myspace.com/
[Schm09] Schmidt, Holger: Die neue Strategie von StudiVZ, Januar 2008

http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2008/01/27/die-neue-strategie-von-studivz.aspx (29.05.2009)

[Schw00] Schwalbach, Joachim: Image, Reputation und Unternehmenswert, 2000
[Sued09] Süddeutsche Zeitung: Beruf im Detail Headhunter, 2009

http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/special/126/44082/1/index.html?action=detail&detail=gehalt&id=353&searchAction=abisz (05.06.2009)

[Studi] http://www.studivz.net/
[WiCe06] Wiesenede, Susanna; Cerny, Thomas: Reputationsmanagement: Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt, Hanser Wirtschaft, 2006
[Xing] http://www.xing.com/
Persönliche Werkzeuge