Diebstahlschutz durch Connected Cars

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Fallstudienarbeit

Hochschule: Hochschule für Oekonomie & Management
Standort: Dortmund
Studiengang: Bachelor Wirtschaftsinformatik
Veranstaltung: Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten
Betreuer: Prof._Dr._Uwe_Kern
Typ: Fallstudienarbeit
Themengebiet: Connected Cars
Autor(en): Alexander Gohlke, Przemek Makowski, Philipp Menken
Studienzeitmodell: Abendstudium
Semesterbezeichnung:
Studiensemester: 2
Bearbeitungsstatus: begutachtet
Prüfungstermin:
Abgabetermin:

Inhaltsverzeichnis

1 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
2GSecond Generation
3GThird Generation
C2CCar to Car
C2XCar to X
C2ICar to Infrastrukture
GPSGlobal Positioning System
GSMGlobal System for Mobile Communications (Groupe Spécial Mobile)
IEEEInstitute of Electrical and Electronics Engineers
KFZKraftfahrzeug
LTELong Term Evolution
POIPoint of Interest
RFIDRadio Frequency Identification
SMSShort Message Service
UMTSUniversal Mobile Telecommunications System

2 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.AbbildungQuelle
1Anwendungenen Car to Xhttp://www.volkswagenag.com/vwag/vwcorp/content/de/innovation/communication_and_networking/connected_world/car_to_x.html
2C2C Kommunikation
3Lenkradkrallehttp://www.rcsystems.de/uploads/shop/icons/968-012.jpg
4Lokalsicherung
5Fahrzeugortung
6Man-in-the-Middle-Angriff

3 Tabellenverzeichnis

Tabelle Nr.Quelle
1WLAN Datenraten
2Aktuelle Diebstahlsicherungen

4 Einleitung

Das Konzept Connected Cars wurde enwickelt um in erster Linie Unfälle zu vermeiden und damit auch das Autofahren kompfortabler zu gestalten. Diese Entwicklung kann aber auch einen bedeutenden Schritt in Richtung Diebstahlschutz haben.

4.1 Problematik

Laut den neusten Zahlen des Bundeskriminalamts sind die KFZ Diebstähle im Jahr 2009 in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 8,6 % auf 40375 Fahrzeuge gestiegen. Damit ist der erste Anstieg seit 2003 zu beobachten. Dies ist vor allem durch die stark gestiegenen Diebstahlzahlen in den östlichen Bundesländern zurückzuführen. Der Grund dafür ist wahrscheinlich die Erweiterung des Schengen-Raumes.[1]Doch es gibt auch Möglichkeiten sein Auto vor den Dieben zu schützen. Trotz der immer besseren und intelligenteren Techniken bleiben die Profidiebe auf dem Laufenden und entwickeln passende Methoden um die aktuellen Schutztechniken zu umgehen. Deshalb sind die Kfz Hersteller gezwungen noch mehr in die Sicherung der Kraftfahrzeuge zu investieren, damit ihre Kunden sorgenlos schlafen können. Durch Connected Cars sehen wir eine neue Ära des Diebstahlschutzes kommen.

4.2 Zielsetzung

Zum einen sollen den Lesern die aktuellen Sicherheitstechniken näher erläutert werden. Zum anderen soll gezeigt werden welche möglichen Konzepte in Zukunft eingesetzt werden können um die Zahl der gestohlenen Autos zu reduzieren. Außerdem werden wir mögliche Probleme nennen welche durch dein Einsatz von Connected Cars entstehen werden.

4.3 Methodisches Vorgehen

In dieser wissenschaftlichen Arbeit werden zuerst die bekannten Diebstahlschutzsysteme vorgestellt, deren Funktionsweise erläutert sowie auf die Stärken und Schwächen hingewiesen. Im Anschluss daran werden 4 fiktive Konzepte vorgestellt, welche durch die Auto Kommunikation entstehen können. Diese werden mit einem Fallbeispiel verdeutlicht. Danach werden auch die negativen Seiten der Konzepte erläutert. Zum Schluss wird kurz zusammengefasst ob Connected Cars zu Diebstahlschutz führen kann oder ob es nur neue Wege für Diebstahl Spezialisten bietet.

5 Grundlagen

In diesem Kapitel werden die bedeutendsten Kommunikationstechniken vorgestellt sowie die Kommunikationswege erläutert um nachfolgende Inhalte zu verstehen.

5.1 Kommunikationstechniken

  • UMTS ist internationaler Standard für Mobilfunk. UMTS ist die dritte Generation (3G) des Mobilfunkstandards mit wesentlich höherer Datenrate gegenüber dessen Vorgänger GSM, welches die zweite Generation (2G) des Mobilfunkstandards ist. Die Datenrate von UMTS variiert durch die Entfernung vom Sender zum Empfänger, "UMTS bietet in Pikozellen, die üblicherweise nicht größer als 50 Meter sind Datenraten von bis zu 2Mb/s. Diese Rate nimmt aber mit der Größe der Zelle drastisch ab, so das bei Makrozellen mit einer einigen Kilometern nur noch bis zu 384Kb/s und bei Zellen von einigen 10 Kilometern nur noch Datenraten von bis zu 144Kb/s erreichbar sind." [2] Hauptsächlich wird UMTS für den Mobilfunk und Drahtlosen Datenaustausch via Internet eingesetzt.
  • "Global System for Mobile Communications" (GSM, ursprünglich "Groupe Spécial Mobile") ist ein Standard für zu digitalen drahtlosen Kommunikation. GSM wird Hauptsächlich für Mobiltelefone verwendet und ist hierfür der international am meist verwendete Standard. Die Reichweite von GSM beträgt maximal 35km, allerdings ist die Reichweite stark abhängig von Einflussfaktoren wie z.B. Gelände und Gebäude. In Deutschland verbirgt sich GSM hinter den D- undE-Netz
  • Der Mobilfunkstandard "Long Term Evolution" (LTE) ist der Nachfolger des Mobilfunkstandards UMTS. LTE erreicht im Vergleich zu anderen Mobilfunkstandards eine sehr hohe Datenübertagungsrate von bis zu 100MBit/s Downlink und 50MBit/s Uplink.[3]
  • Wireless Local Area Network (WLAN) ist eine Technik zur Erstellung von drahtlosen Computernetzwerken. Durch die Verwendung von AccessPoints kann eine Netzwerkinfrastruktur aufgebaut werden, ähnlich wie mit einem Ethernet-Switch. Auch eine Direktverbindung ist möglich, diese wird "Ad-hoc Modus" genannt. Als Technik wird ein Standard aus der IEEE-802.11 Familie verwendet. Die Meistverwendeten normen sind 802.11b und 802.11g. Die folgende Tabelle 1 zeigt welche Datenraten bei den verschiedenen IEEE 802.11 Standards erreicht werden können.


IEEE Standard Datenrate
IEEE 802.11b 11 Mbit/s
IEEE 802.11g 54 Mbit/s
Super-G 108 Mbit/s
Tabelle 1: WLAN Datenraten[4]

5.2 Car to X Communication

Abbildung 1. Mögliche Anwendungen Car to X Kommunikation.
Abbildung 1. Mögliche Anwendungen Car to X Kommunikation.

Unter Car to X Communication (C2X) versteht man jegliche Kommunikation zwischen den Fahrzeugen untereinander sowie deren Umgebung. Diese Kommunikation soll das Autofahren sicherer und komfortabler machen. Zu Car to X zählt Car to Car Communikation, welche im nächsten Abschnitt genauer erläutert wird. Ein weiteres Konzept ist die Car to Infrastructure-Communication (C2I) mit der die Kommunikation mit infrastrukturellen Einrichtungen erfolgen soll. Diese Einrichtungen können z.B. intelligente Verkehrszeichen, Ampeln oder Schranken sein. Diese sollen uns über die aktuellen Verkehrsinformationen unterrichten, über Gefahren informieren aber auch den Verkehrsfluss optimieren. Eine weitere Kommunikationsmöglichkeit stellt das Car To Enterprise dar. Hierbei handelt es sich um konkrete Objekte welche mit den Fahrzeugen kommunizieren können. Diese können z.B Kfz Werkstätte sein um drahtlos auf die Steuergeräte der Autos zu gelangen um Diagnose oder Softwareupdate durchzuführen. Es können aber auch Tankstellen sein um automatische Zahlungen durchzuführen. Das Car to home Konzept ermöglicht uns die heimischen Audio oder Video Sammlung drahtlos ins Auto zu bringen, auf den Fahrzeugzustand zuzugreifen um z.B. den Tank- oder Ölstand abzufragen, oder Routen zu übertragen.[5]Für diese Konzepte ist eine drahtlose Übertragung nötig,hierfür würde sich das WLAN anbieten.

5.3 Car to Car Communication

Abbildung 2. Connected Cars senden die Information einer Gefahrenstelle an den Nachfolgenden Straßenverkehr weiter.
Abbildung 2. Connected Cars senden die Information einer Gefahrenstelle an den Nachfolgenden Straßenverkehr weiter.

Car 2 Car (Auto zu Auto, C2C) Kommunikation definiert sich durch die direkte Kommunikation von zwei, sich unbekannten, Fahrzeugen die Informationen austauschen. Die gesendeten Informationen sind ein Broadcastsignal, welches von allen Verkehrsteilnehmern empfangen werden kann.

Momentan gibt es mehrere Projekte[6], die an der Umsetzung solcher Systeme Arbeiten. Die meisten Projekte streben dabei die Erhöhung der Verkehrssicherheit durch C2C Kommunikation an. Dabei werden Gefahrenstellen die durch ein Fahrzeug erkannt werden an den Nachfolgenden Verkehrsteilnehmer weitergesandt, damit diese sich auf die vorausliegende Gefahr einstellen können

Die hierfür bevorzugte Technologie ist WLAN. Der Vorteil von WLAN ist, dass es bereits in vielen Mobilen Geräten (z.B. Mobiltelefone, Notebooks und PDAs) verwendet wird. Somit können diese Geräte mit einem KFZ kombiniert werden (z.B. Informations-Synchronisation, KFZ fungiert als Gateway). Obwohl die Automobilindustrie den Einsatz von WLAN bevorzugt, da diese Technik bereits verbreitet und relative günstig ist, reservierte die EU im Jahr 2008 einen Frequenzbereich von 30 MHz im 5,9 GHz -Band[7] für Funktechnik im Straßenverkehr.

6 Aktuelle Diebstahlschutztechniken

In diesem Kapitel werden fünf meist verwendeten Diebstahlsicherungen kurz vorgestellt sowie deren Vor- und Nachteile in einer Tabelle zusammengefasst.

6.1 Lenkradsperre

Eine der ältesten und einfachsten Methoden ein Bewegen der Autos vor unbefugten Personen zu Schützen ist die Lenkradsperre (auch Lenkradschloss genannt). Diese ist seit Jahren serienmäßig bei allen Kraftfahrzeugen verbaut und sperrt die Lenkung, was dazu führt dass das Lenkrad nicht mehr bewegt werden kann und somit das Fahrzeug nicht steuerbar ist. Die Funktionsweise ist einfach. Sobald der Autoschlüssel aus dem Zündschloss abgezogen wurde und das Lenkrad bewegt wird, wird ein Stahlbolzen in der Lenksäule in eine Öffnung hineingeschoben und somit bleibt das Lenkrad in der Position gesperrt und lässt sich nicht mehr Drehen. Erst wenn der Schlüssel wieder gedreht und die Zündung aktiviert wurde geht der Bolzen wieder raus und das Auto ist wieder lenkbar. Leider lässt sich mit viel Kraft auch diese Sperre umgehen indem der Bolzen aus der Nut rausgerissen wird.

6.2 Lenkradkralle

Abbildung 3. Lenkradkralle
Abbildung 3. Lenkradkralle

Eine weitere Methode welche auch das bewegen des Lenkrads verhindert ist die Lenkradkralle. Lenkradkrallen bestehen aus hochwertigem Stahl. Sie wird mit 2 Haken (die ihr den Namen gegeben haben) am Lenkrad fest befestigt und abgeschlossen und verhindert durch einen langen Stahlhebel, dass das Lenkrad gedreht werden kann. Bei anderen Modellen wird das Lenkrad mit den Pedalen fest verbunden und lässt die Pedale nicht betätigen. Ein weiterer Vorteil von der Lenkradkralle ist dass sie in Signalfarben lackiert ist und meist von weiten zu erkennen ist, dies hat für die Autodiebe eine abschreckende Wirkung. Aus dem Grund versuchen sie nach Möglichkeit sich für ein anderes Auto zu interessieren, welches schneller und einfacher zu stehlen ist. Die meisten Lenkradkrallen werden mit einem Schlüssel abgeschlossen, es gibt aber auch Ausführungen mit Zahlenschloss. Aber auch diese Vorrichtung bieten keinen ausreichenden Schutz, die Schlösser können aufgebohrt werden, die Stangen werden abgeschnitten, wie dem auch sei, trotzdem wir dies den Langfinger für ein paar Minuten beschäftigen oder aber komplett abschrecken, dafür ist diese Methode sehr preiswert.

6.3 Gangschaltungssperre (Gear Locking)

Eine Gangschaltungssperre ist eine mechanische Diebstahlsicherung welche das Einlegen von Gängen sperrt. Sie wird unauffällig in der Schaltkonsole im Inneren des Fahrzeugs montiert und mit der Karosserie fest verbunden. [8]Um die Anlage zu aktivieren muss das geparkte Auto im Rückwärtsgang stehen. Danach wird ein Sperrbolzen in das Schaltmechanismus bis zum Einrasten eingeführt. Nun ist das Getriebe gesperrt und es lassen sich keine anderen Gänge einlegen. Bei Automatikgetriebe wird in der Parkposition „P“ die Gear Locking Sperre aktiviert. Dies verhindert das Vorwärtskommen mit dem Fahrzeug. Um das Schließsystem zu deaktivieren wird ein Schlüssel benötigt, welches das System wieder entriegelt und das rausziehen von dem Sperrbolzen ermöglicht. Die Sperre ist nun wieder deaktiviert und es lassen sich wieder alle Gänge einlegen. Diese Diebstahlsicherung hat sich in vielen Tests als sehr sicher erwiesen, auch die Kosten von ca. 350€ können als angemessen bezeichnet werden.[9]

6.4 Elektronische Wegfahrsperre

Elektronische Wegfahrsperren sind seit 1998 bei neuen Fahrzeugen gesetzlich vorgeschrieben. Beim Abschalten der Zündung aktiviert sich die elektronische Wegfahrsperre, im Fahrzeug automatisch. Das System nutzt eine im Zündschlüssel integrierte Sende- und Empfangseinheit (Transponder). Diese übermittelt bei jedem Startvorgang einen neuen Code an die Fahrzeugelektronik. [10]Dieses Prinzip wird auch als RFID (Radio Frequency Indentification) bezeichnet. Nur wenn der Schlüssel einen entsprechenden Berechtigungscode hat, wird die Sperre aufgehoben, ansonsten bleibt die Sperre weiterhin aktiv. Da die Überprüfung des Codes einige Zeit dauern kann, kann der Motorgestartet werden, falls das Steuergerät aber kein gültiges Code erhält wird der Motor wieder abgeschaltet [11] Trotz aller Neuerungen hält die elektronische Wegfahrsperre Diebe nicht gänzlich ab. Diese bringen zu ihren Einbrüchen einfach ein Motorsteuergerät mit oder lassen sich neue Methoden einfallen.

6.5 Alarmanlage

Alarmanlagen sollen den Diebstahl eines Fahrzeuges erschweren aber auch Gegenstände welche sich im Auto befinden oder fest eingebaute Geräte wie z.B. Radios sollen geschützt werden. Die Auslösung der Alarmanlage wird durch einen akustischen und optischen Alarm meistens per Warnblinkanlage signalisiert. Je nach Ausführung der Alarmanlage kann das Auslösen unterschiedliche Ursachen haben. Es können alle Türen mit Sensoren versehen werden und bei aktivierter Anlage das Öffnen der Türen die Anlage aktivieren. Aber auch die Motorhabe und Heckklappe lassen sich mit Sensoren absichern. Weiterhin gibt es die Möglichkeit durch Bewegungssensoren den Innenraum des Fahrzeugs zu überwachen. Durch sogenannte Shock Sensoren werden Erschütterungen aufgezeichnet, welche z.B. bei Vandalismus Schäden oder Scheibenbruch entstehen. Außerdem gibt es noch Lagesensoren welche das Abschleppen von Fahrzeugen verhindern sollen. Da die meisten Signalhörne mit Akkus ausgestattet sind, wird trotz der Bordspannungsunterbrechung der Alarm ausgelöst. Auch die Benzinzufuhr lässt sich dadurch abstellen und somit das Auto sich nicht mehr starten lässt. Die de- und Aktivierung der Alarmanlage ist mit dem Schlosssystems des Fahrzeugs verbunden, kann aber auch mittels Fernbedienung erfolgen. Auch manche Fernbedingungen informieren über die Aktivierung der Alarmanlage wenn sich das Auto in bestimmten Entfernungen von der Fernbedingung befindet. In Deutschland werden Alarmanlagen als Sonderausstattung angeboten, in den östlichen Ländern gehören Alarmanlagen zur Standardausstattung. Eine Alarmanlage schützt nicht nur vor Diebstählen von kompletten Autos sondern auch vor Einbrüchen um z.B. im Auto vergessene Gegenstände wie z.B. Handys oder Navigationssysteme zu schützen. Somit sind die je nach Anlage 200-400 € investierten Euros gut angelegt.

6.6 Tabellarische Übersicht:

Typ Schutzwirkung Kosten Vorteile Nachteile
Lenkradsperre ausreichend serienmäßig (+) serienmäßig verbaut

(+) automatische Aktivierung


(-) niedriger Schutz
Lenkradkralle befriedigend 30-60 € (+) günstig

(+) abschreckende Wirkung

(+) einfache Montage

(-) Platzbedarf

(-) manuelle Montage nach jeder Fahrt

(-) Demontage vor der Fahrt

Gangschaltungssperre gut 250-300 € (+) hoher Schutz

(+) einfache Aktivierung

(-) teuer

(-) manuelle Aktivierung nach jeder Fahrt

(-) Deaktivierung vor der Fahrt

el. Wegfahrsperre gut serienmäßig (+) serienmäßig verbaut

(+) hoher Schutz

(+) automatische Aktivierung

(-) kein Hindernis für Profis
Alarmanlage sehr gut 200-400 €

je nach Schutzintensivität

(+) sehr hoher Schutz

(+) auch Einbruchschutz

(+) automatische Aktivierung

(-) teuer

7 Konzepte zum Diebstahlschutz durch Connected Cars

Hier werden 5 fiktive Konzepte vorgestellt, mögliche Szenarien vorgeführt sowie deren Nachteile genannt.

7.1 Lokalsicherung

Abbildung 3. Überwachung eines Fuhrparks.
Abbildung 3. Überwachung eines Fuhrparks.

Die Lokalsicherung ist eine Möglichkeit Kraftfahrzeuge Standortgebunden zu Sichern. Die Besonderheit bei diesem Konzept ist, dass mehrere Fahrzeuge gleichzeitig überwacht werden können. Hierfür befindet sich das Fahrzeug in einem lokalen WLAN Netzwerk in dem das Fahrzeug anmeldet werden muss. Ebenfalls befindet sich in diesem Netzwerk ein Gerät, welches eine Verbindung zu dem Fahrzeug hält. Dieses Gerät kann z.B. ein Software oder vom Automobilhersteller erwerbliches Gerät sein. Im Gegensatz zu den meisten Systemen, muss bei dem Konzept der Lokalsicherung, die Alarmanlage manuell aktiviert werden. Durch die Vernetzung mit einem externen Dienst entsteht eine doppelte Sicherung. Zum einen kann die Aktivierung des Alarms durch einen Klassischen Einbruchsversuch (z.B. einschlagen einer Scheibe) aktiviert werden und zum anderen kann der Alarm ausgelöst werden, wenn die Verbindung zwischen dem überwachenden Endgerät und dem Fahrzeug abbricht. Ein großer Vorteil dieses Systems ist, dass selbst wenn die Sensoren des Fahrzeuges überlistet werden können und somit das Fahrzeug dem Alarm nicht selbst auslösen kann, der Alarm spätestens dann Aktiviert wird, wenn das Fahrzeug bewegt wird und die Reichweite des WLAN Netzwerkes überschreitet. Ein weiterer Vorteil ist, dass das unterbrechen der Netzwerkverbindung durch einen Störsender alleine nicht ausreicht, da das abbrechen der Verbindung den Alarm sofort aktiviert. Bei Aktivierung des Alarms, kann das Gerät, mit dem das Auto verbunden, ist einen örtlichen Alarm auslösen. (z.B. Gebäude-Alarmanlage). Des weiteren kann durch Verwendung eines GSM Moduls die Informationen der Alarmauslösung an ausgewählte Mobiltelefone via SMS oder einen Anruf weitergeleitet werden.

7.1.1 Szenario

Ein Unternehmen (z.B. Spedition oder Autovermietung) unterhält einen großen Fuhrpark. Die Mitarbeiter werden angewiesen, nachdem sie ihrer Schicht beendet haben, die Alarmanlage für ihr Fahrzeug im Betriebsgebäude an einem Terminal/Computer zu aktivieren. Hierzu gibt der Mitarbeiter seine Fahrzeug ID und ein Kennwort im System ein um den Alarm zu aktivieren. Jetzt ist die Alarmanalage scharf geschaltet. Nachdem die Mitarbeiter das Betriebsgelände verlassen haben, wird im Betrieb eingebrochen. Die Diebe verfügen über das Notwendige Wissen das Fahrzeug aufzubrechen ohne den Alarm zu aktivieren. Nachdem der Bordcomputer überlistet ist und das Fahrzeug gestartet wurde, bewegen die Diebe das Fahrzeug vom Firmenparkplatz weg. Dabei verlassen sie die Netzabdeckung des WLAN Netzwerkes. Hierdurch wird die Verbindung zu dem Server unterbrochen auf dem die Software zur Überwachung des Fuhrparks läuft. Die Software greift auf ein am Server angeschlossenes GSM Modul zu und sendet an alle verantwortlichen Mitarbeiter eine SMS über die Auslösung des Alarms. Zu dem wird die Alarmanlage die außen am Gebäude angebracht ist aktiviert.

7.1.2 Nachteile

Nachteil des Systems ist, dass es extern aktiviert und deaktiviert wird. Dies erfordert einen gewissen organisatorischen Aufwand. Dieses System bietet nur Schutz, wenn es aktiviert ist. Würde das System aus den Auto heraus aktiviert werden, besteht die Gefahr durch Eingriffe in die Bordelektronik den Alarm zu deaktivieren.

7.2 Remote-Stop

Das Konzept des Remotestops beschreibt ein System, mit dem ein Auto wenn es gestohlen wurde schnell fahruntüchtig gemacht werden kann. Der Remotestop verfolgt den Zweck, das Fahrzeug für den Autodieb unbrauchbar zu machen, ohne es zu beschädigen. Konkret soll ein KFZ, wenn es entwendet wurde, ferngesteuert zum Anhalten gezwungen werden.

Es bestehen folgende Vorraussetzungen zur Realisierung dieses Konzepts:

  • Das Kraftfahrzeug muss mit der Umwelt verbunden sein, zum Beispiel über Funk oder WLAN.
  • Der Diebstahl des Autos muss bereits bemerkt und den zuständigen Behörden gemeldet worden sein.
  • Den zuständigen Behörden muss das Nummernschild und/oder die ID des Autos mitgeteilt worden sein.


Wenn diese Vorraussetzungen gegeben sind, kann ein solches Fahrzeug entweder manuell gesichtet und über das Nummernschild indentifiziert werden, oder es wird anhand einer ID, welche es per Funk aussendet, identifiziert.

Um ein Flüchten des Diebes mit dem gestohlenen Auto zu verhindern, kann nun ein Signal gesendet werden. Dieses zwingt das KFZ zum Anhalten indem der Motor abgeschaltet wird. Somit erleichter sich dei Arbeit der Polizei erheblich, da die Chance des Autodiebs zu Flüchten und wieder im Verkehr unterzutauchen erheblich gemindert wird. Außerdem bleibt das KFz in den meisten Fällen unbeschädigt.

Dieses Konzept kann noch erweitert werden. In späteren Phasen des Connected Car-Konzepts werden auch Ampeln und andere Komponenten in Straßennähe mit Fahrzeugen kommunizieren. Da dies in der Zukunft sicherlich realisiert werden wird, wird ein riesiges Netz an Verkehrsanlagen zur Verfügung stehen um gestohlene Kraftfahrzeuge zu stoppen. Nachdem die Verkehrsanlagen den Befehl der Polizei erhalten haben das Kraftfahrzeug zu stoppen, halten sie Ausschau nach der ID des Fahrzeugs und sendet das Remote Stop-Signal sobald diese lokalisiert wurde. Anschließend wird ein Signal an die örtliche Polizeistelle gesendet, damit diese das Fahrzeug in gewahrsam nehmen und den Aufenthaltort des Autodiebes eingrenzen kann.

7.2.1 Szenario

Ein KFZ wird gestohlen. Der Besitzer dieses KFZ meldet das der zuständigen Behörde. Außerdem gibt er der Behörde auchnoch das die KFZ-Nummer und die ID, welche dem KFZ eindeutig zugeordnet werden kann. Mit diesen Daten kann diese nun zum Beispiel auf Streifen das Fahrzeug schnell identifizierenund entsprechende Schritte einleiten. Mit Hilfe des Remote Stop-Systems kann die Polizei dannn den Motor des Fahrzeugs per Funk deaktivieren. Somit kann der Autodieb nicht vor den Gesetzeshütern fliehen und schnell gefasst werden.

Eine Erweiterung dieses Fallbeispiels ist ebenfalls möglich. Diese basiert auf der Annahme das zusätzliche Komponenten am Straßenrand ebenfalls mit Autos kommunizieren können. In diesem Fall wird angenommen das die zuständigen Behörden eine Möglichkeit haben Daten und Befehle an diese zusätliche Komponenten (z.B. Ampeln, welche ebenfalls mit Funktechnik ausgerüstet sind) abzugeben. Dies kann zum Beispiel über UMTS geschehen oder über eine kabelgebundene Anbindung der Komponente an das Internet. In folgendem Fallbeispiel sind diese Vorraussetzungen gegeben und es wir davon ausgegangen, dass sämtliche Verkaehrsanlagen Deutschlands mit dieser Technik ausgerüstet sind. Wenn diese vorraussetzungen gegeben sind, wird der Autodieb schon kurze Zeit nachdem der Diebstahl aufgefallen ist nicht mehr weiterfahren können. Anschließen benachrichtigt die Verkehrskomponente, welche den Remote Stop eingeleitet hat die zuständige Polizeistelle in ihrer Nähe, diese schickt eine Streife zu dem Ort wo das Auto zum Stillstand gekommen ist und kann den verhaftet den Dieb.

7.2.2 Nachteile

Das Konzept des Remote-Stops, so wie es im vorangegangenen Konzeptteil beschrieben wurde weist noch einige Fehler und Probleme auf:

  • Verursachung von Staus

Da Verkehrskomponenten keine intelligenten Systeme sind fehlt ihnen die Möglichkeit über die Richtigkeit eines Stops an eienr bestimmten Stelle zu entscheiden. Ein Kraftfahrzeg kann sich wenn es angehalten wird mitten auf einer Kreuzung befinden. Da nachfolgende Fahrzeuge die Kreuzung dann nicht mehr Überqueren können wir der Verkehr sich dann hinter diesem Fahrzeug stauen. Dies kann auch genau in der Rush-Hour passieren, dann kann es zu erheblichen Behinderungen des Verkehrs kommen.

Um eine Lösung für den angesprochenen Fall zu finden, gibt es 2 mögliche Ansätze:


1. Nur Menschen dürfen den Remotestop ausfüren

Wenn nur Streifen den Remote Stop ausführen dürfen, können diese von Situation zu Situation entscheiden ob ein Remote Stop in der gegebenen Situation sinnvoll ist.


2. Umgebungsabhängige Programmierung der Verkehrskomponenten

Verkehrskompoenenten werden umgebungsabhängig programmiert. Somit wissen sie an welcher Stelle sie Autos anhalten dürfen und wo diese die Straße blockieren würden.


  • Gefährdung der Verkehrssicherheit

Ein Auto könnte zum Beispiel angehalten werden, wenn es gerade auf der Überholspur der Autobahn fährt. Dies kann schwere Unfälle verursachen und muss vermieden werden.

Dies kann gelöst werden indem Bereiche und Geschwindigkeiten festgelegt werden in denen Fahrzeuge auf keinen Fall angehalten werden dürfen.


  • Unsicherheiten der Autohalter

Es ist anzunhemen, das zahlreiche Autohalter sich bei dem Gedanken das ihr Auto jederzeit von Dritten ohne ihr einwirken gestoppt werden kann nicht wohl fühlen werden und daher das Konzept ablehnen werden.

Um dies zu lösen könnte der Remotestop als zusätzliches Feature für sicherheitsbewusste Autokäufer angeboten werden und nicht verpflichtend verbaut werden.

7.3 Intelligenter Alarm

Der Intelligente-Alarm ist ein Konzept welches von bisherigen Kfz-Sicherungen abweicht, da hier der Alarm nicht durch ein konkretes Ereignis ausgelöst wird. Das Auslösen des Alarms hängt hier von vielen Faktoren ab, die nicht im physischen Zusammenhang mit dem Kfz stehen. Hier wird der Zeitpunkt der Alarmauslösung durch Umwelteinflussfaktoren ermittelt und autonom vom Bordcomputer aktiviert. Um dies zu erreichen, werden mehrere voneinander unabhängige Faktoren die im Zusammenhang mit dem Kfz stehen gesammelt und Protokoliert. Somit besteht die Möglichkeit aus den gewonnen Informationen ein eindeutiges Profil des Fahrzeug und dessen Halter zu erstellen.

Die Informationen zur Erstellung eines geeigneten Profils, werden durch diverse Punkte ermittelt.
Durch Straßenkatalogisierung kann ein Index erstellt werden der Auskunft über die Wahrscheinlichkeit gibt, dass eine Straße befahren wird. Zur Ermittlung der Straßen wird der GPS-Sender des KFZ in Kombination mit dem Kartenmaterial aus der Navigationssoftware des Bordcomputers eingesetzt. Zudem werden Straßen nach der Häufigkeit der Benutzung priorisiert.
Durch Synchronisierung des Mobiltelefons werden Adressen aus den Kontaktdaten verwendet. Dadurch werden Bereiche in der Nähe der synchronisierten Adressen als wahrscheinliche Ziele eingestuft.
Über das Fahrverhalten werden wichtige Informationen gewonnen. Der Bordcomputer erstellt ein Profil über das Fahrverhalten. Dabei fließen Informationen wie Brems- und Beschleunigungsverhalten als auch die gefahrene Geschwindigkeit mit in das Profil ein. Diese Daten werden zusätzlich in Kombination mit der Straßenkatalogisierung abgelegt.
Der direkte Bereich von POIs wird als weniger Kritsch eingestuft. Die Informationen über POIs werden hierzu aus Navigationsgerät des Bordcomputers ermittelt, dies sind z.B. Behörden, Krankenhäuser oder Flughäfen.

Das Kfz erstellt aus den gewonnen Daten ein Profil, welches das Verhalten des Fahrers beschreibt. Wird das Kfz nun in Bewegung gesetzt startet der Bordcomputer mit der Analyse des Fahrers. Weicht das Fahrverhalten vom üblichen Verhalten ab, da anders gebremst und beschleunigt wird als auch die Fahrgeschwindigkeit auf häufig gefahren Straßen differenziert und die gefahrene Route nicht nachvollziehbar ist bzw. das Ziel nicht erkannt werden kann, wird der Alarm ausgelöst.

Der Alarm selbst ist ein stiller Alarm. Der Bordcomputer sendet einen Notruf über die im Kfz verwendete Kommunikationstechnik. Diese kann je nach Kfz z.B. eine GSM, UMTS oder LTE Sendeeinheit sein. Der Notruf kann gleichzeitig aus mehren Medien bestehen (SMS, Email, Anruf). Inhalt eines solchen Notrufes sind Position, Uhrzeit der Alarm Aktivierung und Zusammenfassung der Ereignisse, die den Alarm ausgelöst haben. Nun hat der Halter die Möglichkeit weitere Schritte einzuleiten, unteranderem die Verständigung der Polizeibehörde.

7.3.1 Szenario

In diesem Szenario befindet sich ein Kfz Werktags um 11 Uhr in der Nähe des Arbeitsplatzes des Halters. Nun wird das Kfz von seinem Standort wegbewegt. Dies wird als Anomalie gewertet, da das KFZ üblicherweise erst zur Mittagspause um 12:30 Uhr bewegt wird. Das KFZ bewegt sich auf einer üblichen Route, was nicht auffällig ist. Es wird auf eine Autobahn gefahren, die selten benutzt wird, jedoch in dieser Richtung sich mehre potentielle Ziele befinden. Diese Informationen gehen aus den Kontaktdaten hervor die vorab vom Smartphone mit dem Bordcomputer synchronisiert wurden. Die Autobahn wird verlassen bevor die bekannten Ziele passiert werden. Es wird jetzt eine Häufig verwendete Landstraße befahren, da hier eine höhere Geschwindigkeit verwendet wird als üblich steigt das Risiko eines Diebstahls. Nachdem die Landstraße verlassen wird und der Bordcomputer feststellt, dass die letzten Minuten anstatt degressiv eher gleichmäßig gebremst wird und auch keine weiteren Ziele aus Kontaktdaten oder öffentlichen Einrichtung angesteuert werden können und die voraus liegenden Straßen selten und/oder nie benutzt worden sind, wird der Alarm aktiviert. Der Bordcomputer sendet jetzt in Intervallen von wenigen Minuten seinen aktuellen Standort, die Uhrzeit der Alarmaktivierung und die Ereignisse die zum Auslösen des Alarms geführt haben an Halter. Dazu werden SMS und die private als auch die Email Adresse des Arbeitgebers verwendet.

7.3.2 Nachteile

Damit dieses System ordnungsgemäß eingesetzt werden kann, müssen zunächst diverse Informationen zum Fahrverhalten analysiert als auch die verwendeten Routen gespeichert werden. Um diese Informationen zu sammeln muss eine gewisse Zeit das Kfz gefahren werden. Je nach dem wie häufig das Kfz eingesetzt wird, kann es lange dauern bis ein verwendbares Profil des Fahrers erstellt wurde. Dazu kommen noch mehrere potentielle Schwachstellen um einen Fehlalarm auszulösen oder das System zu überwinden:

  • Das überwachen des Fahrverhaltens wird zum Problem, wenn das Kfz von mehr als einer Person benutzt wird. Noch problematischer ist z.B. der Einsatz von Firmenwagen, weil diese von vielen Personen gefahren werden.
  • Der Einsatz eines GPS-Jammers[12] verhindert, dass eine Positionsbestimmung durch GPS durchgeführt werden, zwar kann hier noch die Ortung durch die Mobilfunkzelle stattfinden, welche aber von der Genauigkeit je nach Standort zu Stark abweichen kann.
  • Der Einsatz eines GSM-Störsenders würde das Komplette System unbrauchbar machen, da das Kfz nicht mehr in der Lage wäre mit der Außenwelt zu kommunizieren.
  • Das System Arbeit nur mit dem Bordcomputer des Kfz, für Kriminelle die mit einem Modell besonders gut vertraut sind oder über die nötigen Technischen Hilfsmittel verfügen, kann dieses System leicht deaktivieren, ohne das Kfz fahruntauglich zu machen.
  • Unter Datenschutztechnischen Aspekten ist fraglich in wie weit ein Fahrzeughalter damit einverstanden ist, ob sein Verhalten in einem Profil gespeichert wird. Hier entsteht ein Problem, wenn diese Informationen von Unbefugten entwendet werden.

7.4 Fahrzeugortung

Das Konzept der Fahrzeugortung basiert auf der Annahme, dass alle neu gebauten Fahrzeuge eine feste und einmalige ID haben, welche Vergleichbar mit einer MAC-Adresse ist. Mit Hilfe dieser ID kann das KFZ dann zweifelsfrei identifiziert werden. Somit können alle Aufenthaltsorte des KFZ der Polizei übermittelt werden und in einer Datenbank gespeichert werden. Diese kann dann genaue Bewegungsprofile des Kraftfahrzeugs erstellen. Dies ist nicht nur für den Diebstahlschutz ein großer Vorteil, sondern kann auch zum Überwachen von Ein- und Ausreise aus Deutschland genutzt werden und somit zur Überführung von Drogenringen, Steuersündern und ähnlichen Vereinigungen genutzt werden.

Die Fahrzeugortung kann auf zwei Arten realisiert werden:

1. mit Hilfe von GPS:

Diese Variante gibt es bereits. Bisher sendet ein Auto jedoch erst sobald es gestohlen wurde ein Notsignal an den Halter. Ein weiterer Unterschied zum Konzept ist, dass die Lösung nicht zum Ausstattungsstandard gehört, sondern als zusätzliches Feature oder von Dritten eingekauft zugekauft werden muss. Bei dieser Realisierung des Konzepts sendet das Kraftfahrzeug ständig seine ID und Positionsdaten an die zuständigen Behörden. Diese können nun hieraus ein genaues Bewegungsprofil erstellen. Im Falle eines Diebstahls kann die Polizei nun den Standort des Kraftfahrzeugs ausmachen und den Dieb überführen. Diese Technik ist allerdings sehr anfällig für Störungen. Heutige Autodiebe sind in der Lage GPS-Sender zu stören und somit wäre die Polizei nicht in der Lage das Signal zu orten. Daher ist das zweite Konzept das aus heutiger Sicht das innovativere.


2. mit Hilfe von WLAN/UMTS/LTE:

Abbildung 4. Fahrzeugortung mit Hilfe von Empfängern am Straßenrand.
Abbildung 4. Fahrzeugortung mit Hilfe von Empfängern am Straßenrand.

Die Fahrzeugortung kann auch über Empfänger am Fahrbahnrand realisiert werden. Diese haben eine Verbindung zum Internet und können somit Informationen an die nächste Polizeistelle weitergeben. Mit Hilfe der empfangenen Fahrzeug-IDs und den zugehörigen Positionsdaten kann die Polizei dann Bewegungsprofile erstellen und gestohlenen Autos schnell lokalisieren. Diese Variante ist weniger Störanfällig als GPS.

7.4.1 Szenario

Ein Kraftfahrzeug wird gestohlen. Der Besitzer des Kraftfahrzeugs meldet dies kurze Zeit später den zuständigen Behörden. Mit Hilfe des GPS-Senders im Auto hat diese bereits ein detailliertes Bewegungsprofil des gestohlenen Kraftfahrzeugs erstellt und weiß daher seinen letzten bekannten Aufenthaltsort vor dem Diebstahl. Da der Autodieb das Signal aber schon kurz nach dem Autodiebstahl gestört hat, funktioniert diese Methode nicht mehr. Daher werden nun die Daten der Empfänger am Fahrbahnrand ausgewertet. Die WLAN/UMTS/LTE-Sender sind für den Fahrzeugdieb schwerer zu deaktivieren, daher werden weiterhin Daten an die Datenbank der Polizei gesendet. Mit Hilfe dieser Daten kann die Polizei nun den genauen Ort des gestohlenen Kraftfahrzeugs bestimmen und den Fahrzeugdieb überführen.

7.4.2 Nachteile

Aktuell hat dieses Konzept noch einige Mängel:

Datenschutz: Das Konzept der Fahrzeugortung funktioniert ähnlich wie das Konzept der automatischen Nummernschilderkennung. Dieses wurde vor kurzem vom Verfassungsgericht für illegal befunden und wird somit nicht realisiert werden. Auch bei diesem Konzept dürften Datenschützer erhebliche Bedenken haben. Daher müssen die Daten mit höchster Vertraulichkeit behandelt werden und dürfen das Netzwerk der deutschen Polizei nur aufgrund von gerichtlichen Beschlüssen verlasse. Sollte das Konzept dennoch gerichtlich verboten werden, wäre es auch möglich die Sender nur im Falle eines Diebstahls per GPS-Signal, oder per Mobilfunksignal (UMTS/LTE) zu aktivieren. Somit wäre die Erstellung eines umfangreichen Bewegungsprofils nicht mehr möglich und die Ortung der Fahrzeuge dennoch möglich.


Manipulation der Sender:

Die Sender im inneren des Kraftfahrzeugs können gestört werden. schon heute ist das bei GPS-Signalen möglich. Der einzige Weg dies zu umgehen ist die Entwicklung immer neuer Techniken.

8 Neue Diebstahlmöglichkeiten durch Connected Cars

Das Konzept Connected Cars bringt auch neue Probleme mit sich. Hier werden vier mögliche Angriffe genannt, welche vor der Einführung abgestellt werden müssen.

8.1 Man-in-the-middle-Angriff

Abbildung 6. Man-in-the-middle-Angriff.
Abbildung 6. Man-in-the-middle-Angriff.

Der Man-in-the-middle-Angriff ist eine Methode die es einem Dritten erlaubt den Netzwerkverkehr zweier Personen abzuhören. Dies geschieht ohne dass die beiden abgehörten Personen davon wissen. Der Datendieb fungiert bei dem Man-in-the-middle-Angriff als logisches oder physikalisches Bindeglied zwischen den beiden abgehörten Kommunikationspartnern. Alle gesendeten Daten werden von ihm zwischengespeichert und dann weitergeschickt. Er kann auch verfälschte Daten weitersenden.

Dies ist ein großes Problem da es durch die Verbindung zweier Kraftfahrzeuge auch für diese anwendbar wird. Der Fahrzeugdieb kann dann durch modifizierte Signale den unsichtbaren Alarm deaktivieren oder Viren und Trojaner einschleusen.

Man kann diesem Problem entgegenwirken indem man die versendeten Datenpakete verschlüsselt. Also müssen beide Kommunikationspartner ihre Zertifikate oder einen gemeinsamen Schlüssel ausgetauscht haben.

Alternativ kann eine sogenannte Integrity Protection eingesetzt werden. Bei dieser erhält jede übertragene Nachricht einen Integritätsstempel. Dieser wird von den beiden Nutzern im Vorfeld ausgehandelt. Nur wenn der Integritätsstempel vom Sender mit der vom Empfänger erwarteten übereinstimmt wird die Nachricht angenommen. Um bei dieser Sicherungsmethode den Kommunikationspartnern falsche Datenpakete unterzuschieben müsste der Hacker den Integritätsstempel kennen.

Dem Man-in-the-middle-Angriff kann auch mit einem TAN-Verfahren entgegenwirkt werden. Diese funktioniert ähnlich wie im Onlin-banking. Dem Anwender wird hierbei eine Tan zugesendet, mit der nur die gerade laufende Übertragung durchgeführt werden kann. Dieses Verfahren ist jedoch bei den Konzepten, welche in dieser Fallstudie angesprochen werden nicht empfehlenswert. Da für jede Datenübertragung, in der Positionsdaten übertragen werden eine neue TAN erforderlich ist.

8.2 Denial of Service

Beim Denial of Service werden Infrastruktursysteme überlastet. Dies kann durch Zufall, aber auch mutwillig geschehen. Ein Autodieb kann den Denial of Service einsetzen um die Systeme des Autos zu überlasten. Zwar zieht er aus dieser Überlastung noch keinen Nutzen, aber sie kann als Ablenkungsmanöver um Viren, Trojaner und Würmer einzuschleusen.

Außerdem kann er so den verschiedene Alarmsysteme, welche auf der Connected Car-Technik basieren stören und deaktivieren.

Die Denial of Service Attacke kann mit Hilfe von Dienstverweigerungen abgewehrt werden. Die Dienstverweigerung funktioniert mit einfachen Sperrlisten oder auch mit Hilfe von Firewalls. Daten von IP-Adressen werden dann einfach verworfen.

8.3 Viren, Würmer und Trojaner

Da das Kraftfahrzeug nun eine Verbindung zur Außenwelt hat können auch Viren, Würmer und Trojaner in das Computersystem eingeschleust werden. Dies eröffnet den Autodieben zahlreiche neue Angriffsmöglichkeiten. Zum Beispiel könnte mit Hilfe eines Virus/Wurms der Boardcomputer übernommen werden. Dann hat der Autodieb die Kontrolle über die Zentralverriegelung und den Alarm des Autos. Somit müsste er nur noch einsteigen und wegfahren. Passanten würden nicht merken das das Kraftfahrzeug gerade gestohlen wird.

Wie im klassischen Schutz von Computern ist eine Firewall und ein guter Virenschutz die beste Möglichkeit den Boardcomputer vor Viren zu schützen. Sobald mehr Kraftfahrzeuge mit der Connected Car-Technik auf dem Markt sind, werden diese auch mit immer besseren Anti-Virenprogrammen ausgestattet, welche dann auch speziell für Boardcomputer von Kraftfahrzeugen entwickelt werden.

8.4 Hacken der Fahrzeugkomponenten

Die Programmierung von Fahrzeugkomponenten kann verändert werden. Die Komponenten können beispielsweise so umprogrammiert werden, dass ein RFID-Chip des Hackers genau so funktioniert wie der originale RFID-Chip.

Eine mögliche Lösung hierzu hat Volvo entwickelt. Bei diesem Konzept können Fahrzeugkomponenten nur bei einer direkten Verbindung zum Werk umprogrammiert werden. Dies geschieht mit Hilfe einer verschlüsselten Verbindung. Somit haben Dritte keine Möglichkeit die Programmierung der Fahrzeugkomponenten zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

9 Fazit

Auch wenn die Connected Car Technologie im Moment noch in der Entwicklung ist und keinen unmittelbaren Schutz vor Diebstahlsicherung leistet. So trägt sie zumindest jetzt schon per GPS Ortung dazu bei, dass die vermissten Autos möglichst schnell wiedergefunden werden bzw. dass die Täter auf frischer Tat gestellt werden können.

Da die technische Entwicklung rasch voran geht und die diesjährigen Diebstahlzahlen im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen sind, wird diese Entwicklung die Autohersteller dazu zwingen, verstärkt nach neuen Wegen zu suchen um die KFZ Diebstähle wieder zu reduzieren oder besser ganz zu vermeiden. Aus dem Grund wird das Konzept Connected Cars in den nächsten Monaten und Jahren weiter ausgearbeitet werden. Natürlich müssen zuerst alle genannten Schwächen der von uns vorgestellten Konzepte beseitigt werden, und auch die neuen von uns erarbeiteten Gefahren welche nach der Einführung eintreten könnten, müssen dabei berücksichtigt werden. Erst wenn diese Problematik behandelt und auch erfolgreiche Lösungen umgesetzt wurden können die Diebstähle durch Connected Cars verringert oder komplett vermieden werden.

Auch die Tatsache das sich die Connected Car Technik im allgemeinen noch nicht durchgesetzt hat, ist ein Grund für die geringe Verbreitung der Diebstahlschutztechniken durch Connected Cars. Solange sich die Technik nicht durchgesetzt hat wird sie auch nicht für den Diebstahlschutz eingesetzt werden.

10 Fußnoten

  1. vgl. http://www.sueddeutsche.de/auto/autodiebstahl-offene-grenze-nach-osten-hilft-autodieben-1.937012-2
  2. Claudia Eckert (2008), Seite 807
  3. vgl. LTEmobile.de, LTE Technik
  4. vgl. Karl 2005, Seite 32 Abb. 2.15
  5. vgl. http://www.volkswagenag.com/vwag/vwcorp/content/de/innovation/communication_and_networking/connected_world/car_to_x.html
  6. Car 2 Car Communication Consortium ist ein Projekt zu Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr durch C2C Kommunikation
  7. vgl. heise.de Artikel (EU vergibt Frequenzen für Car-to-Car-Communication)
  8. vgl. http://www.kfz-diebstahlsicherung.de/
  9. vgl. http://www.kfz-diebstahlsicherung.de/presse.html
  10. vgl. http://www.volkswagen.de/vwcms/master_public/virtualmaster/de3/metacontent/Technik_Lexikon/elektronische_wegfahrsperre.index.html
  11. vgl. Kai Borgeest (2008), Seite 302
  12. siehe SAT-Spionage für Insider S.71 bis 73

11 Literatur- und Quellenverzeichnis

EU vergibt Frequenzen für Car-to-Car-Communication (heise.de) http://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-vergibt-Frequenzen-fuer-Car-to-Car-Communication-193382.html (02.06.2005 22:16)
IT-Sicherheit: Konzepte- Verfahren- Protokolle (Claudia Eckert 5. Auflage 2008) IT-Sicherheit: Konzepte- Verfahren- Protokolle
LTE Technik (LTEmobile.de) http://www.ltemobile.de/lte-technik/ (29.05.2010 17:15)
SAT-Spionage für Insider (Christian Mass, Kinga Szentesi 2005) SAT-Spionage für Insider
WLAN (Arno Kral 2005) WLAN
Elektronik in der Fahrzeugtechnik (Kai Borgeest 2008) Elektronik in der Fahrzeugtechnik(02.06.2010 17:25)
Süddeutsche (29.04.2010) Offene Grenze nach Osten hilft Autodieben(04.06.2010 19:31)
Volkswagen Konzern Car to X(03.06.2010 16:45)

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