Effizienzsteigerung der Kommunikation mit sozialen Netzwerken anhand des Beispiels Studivz.

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Name des Autors / der Autoren: Fabian Bedtke
Titel der Arbeit: "Effizienzsteigerung der Kommunikation mit sozialen Netzwerken anhand des Beispiels StudiVZ"
Hochschule und Studienort: FOM Essen


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

Diese Facharbeit setzt sich mit der Nutzung von sozialen Netzwerken zur Effizienzsteigerung der Kommunikation auseinander. Das Beispiel StudiVZ wurde gezielt ausgewählt, weil StudiVZ weit verbreitet ist und von Studenten, Schülern und vielen anderen Personen täglich genutzt wird. Als Alternative standen noch das Business Netzwerk Xing und das ursprüngliche StudiVZ-Vorbild Facebook zur Auswahl. Diese weisen aber nicht dieselbe oder größere Verbreitung in Deutschland auf.

1.1 Zielsetzung

Die Zielsetzung der Facharbeit ist es, zu klären inwieweit StudiVZ zu einer Effizienzsteigerung der Kommunikation beiträgt. Mit Hilfe welcher Instrumente und Methoden führt die Nutzung von StudiVZ zu einer Reaktivierung oder einem Aufbau sozialer Kontakte? Ebenfalls sollen psychologische Aspekte angesprochen werden: Durch welchen Anreiz wird erreicht, dass neue Mitglieder sich im Netzwerk registrieren lassen und zudem noch bereit sind ihre persönlichen Daten zur Verfügung zustellen? Es soll darauf eingegangen werden, welche Auswirkungen das StudiVZ auf das Privat- und Berufsleben hat und wie Wirtschaft und Politik das Netzwerk für sich zu nutzen versuchen.

2 Soziales Netzwerk – StudiVZ

2.1 Definition: Soziales Netzwerk

„Unter Web 2.0 haben sich Community-Netzwerke gebildet, die als soziale Netzwerke, Social Networks, bezeichnet werden und einen Treffpunkt unter Freunden bilden. Solche Netzwerke sind Beziehungsgeflechte, die von Teilnehmern mit gleichen Interessen genutzt werden und über die diese persönliche Daten austauschen und Beziehungen zueinander herstellen und vertiefen.“[1]
In Bezug auf das StudiVZ ist der Begriff wie folgt zu interpretieren: Der Betreiber von StudiVZ stellt einen Dienst zur Verfügung, bei dem sich Internetnutzer registrieren lassen und ein Benutzerprofil erstellen können, welches dann anderen registrierten Nutzern zur Verfügung steht. Dieses Profil enthält im Regelfall persönliche Informationen über den Benutzer aus der realen Welt. Da es einen regen Informationsaustausch unter den Mitgliedern gibt, spricht man von einem Sozialen Netzwerk.

2.2 Das Unternehmen StudiVZ

Abb. 1 - Logo vom StudiVZ
Abb. 1 - Logo vom StudiVZ
Abb. 5 - Ehssan Dariani
Abb. 5 - Ehssan Dariani
Abb. 6 - Dennis Bemmann
Abb. 6 - Dennis Bemmann

Das Unternehmen StudiVZ wurde im Oktober 2005 von Ehssan Dariani und Dennis Bemmann gegründet gegründet und gehört seit Januar 2007 zur Georg von Holtzbrink Verlagsgruppe. Desweiteren verfügt das Netzwerk noch über die Plattformen SchülerVZ (Zielgruppe sind Schüler) und Mein VZ (Zielgruppe sind ehemalige und Nicht-Studenten). Laut eigener Angabe gehört StudiVZ zum größten sozialen Netzwerk für Studenten im deutschsprachigen Raum. Die AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.V.) nennt StudiVZ mit einer Anzahl von 5,73 Millionen Mitgliedern in ihrer Statistik. [2]
Zum Zeitpunkt der Gründung war das Unternehmen noch eine Private Limited Company by Shares (Ltd.). Der Hauptsitz des Unternehmens war Birmingham. Es verfügte zudem über eine Zweigniederlassung in Berlin.[3]
Im Jahr 2007 wurden sämtliche Anteile von StudiVZ vom Holtzbrinck Verlag für einen Kaufwert von 85 Millionen Euro übernommen, obwohl der Axel Springer Verlag mit 120 Millionen Euro deutlich mehr geboten hatte, bekam er trotzdem nicht den Zuschlag.[4]
Im März 2007 veröffentlichte StudiVZ auf der Website des Unternehmens, dass Ehssan Dariani aus der Geschäftsführung zurückgetreten sei und zukünftig, nach einer Umwandlung des Unternehmens in eine GmbH im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen werde.[5] StudiVZ gilt als Paradebeispiel für ein gelungenes Internet-Startup-Unternehmen, welches auf Basis von Venture Capital gegründet worden ist. Es wird deshalb auch gerne als Ansporn und Beispiel für junge Internet-Start-Up-Unternehmer verwendet.[6]

Seit dem Aufkauf vom Holtzbrincks Verlag sitzen in der Geschäftsführung Markus Berger-de León (CEO) und Dr. Clemens Riedl. "Markus Berger-de León, Jahrgang 1973, ist seit März 2009 CEO von studiVZ Ltd. […]Von 2002 bis 2007 war Markus Berger-de León bei der Jamba! GmbH tätig, die letzten zwei Jahre als Geschäftsführer mit der Gesamtverantwortung für das Unternehmen. Danach wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der MY-HAMMER AG berufen. Neben seiner Tätigkeit als CEO von studiVZ Ltd. ist Markus Berger-de León Vorstandsvorsitzender der Abacho AG und Mitglied des Aufsichtsrats der MY-HAMMER AG."[7]
"Dr. Clemens Riedl, Jahrgang 1971, ist seit dem 22. Oktober 2008 Geschäftsführer der studiVZ Ltd. […]Seine berufliche Laufbahn begann er als Assistent der Geschäftsführung beim Verlag Der Tagesspiegel GmbH (1998) und Projektleiter Zeitungen bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (2000). Zwischen 2005 und 2008 war er als Geschäftsführer für den Verlag Der Tagesspiegel GmbH, dessen Online-Tochter Urban Media GmbH sowie die Zweite Hand Verlags-GmbH verantwortlich."[7]

2.3 Ableger

StudiVZ gründete im Jahr 2006 ausländische Ableger, welche im Janur 2009 wieder geschlossen worde sind.[8] Im Februar 2007 folgte der Ableger schülerVZ. Um die Zielgruppe zu erweitern, entschloss sich das Unternehmen im Februar 2008 dazu, den Ableger meinVZ zu gründen. StudiVZ und meinVZ sind miteinander verbunden. Aus Jugendschutzgründen steht diese Funktion dem SchülerVZ nicht zur Verfügung.[9]

  • Frankreich - StudiQG
  • Italien - StudiLN
  • Spanien – eStudiLN
  • Polen – StudentIX
  • Zielgruppe Schüler – schülerVZ
  • alle anderen Zielgruppen – meinVZ


2.4 Finanzierung

Das Unternehmen selbst finanziert sich durch Werbung. Die Werbepartner des Unternehmens ordnen ihre Werbung in Kategorien und Zielgruppen ein. Das Unternehmen blendet dann dem jeweiligen Mitglied anhand seiner Profildaten gezielt Werbung ein. Mitgliedern ist es überlassen, ob Sie gezielt beworben werden wollen oder ob sie ein anonymisiertes Verfahren vorziehen wollen. Durch die vielen Mitgliederdaten und die vielen Studenten ist StudiVZ ein interessanter Werbepartner wie der Mitgründer Ehssan Dariani feststellt:
"Dariani rechnet damit, daß bald jeder zweite Student im deutschsprachigen Raum bei StudiVZ eingetragen sein wird. Angesichts der Nutzermenge könnte sein Unternehmen bald für Werbekunden eine Alternative zu den großen Fernsehsendern werden. 'Unsere Mitglieder sind jung, gut gebildet und haben ein hohes zu erwartendes Einkommen. 20 bis 30 Minuten sind sie täglich im Durchschnitt online. Damit können wir Sat1 und Co. durchaus Konkurrenz machen.'"[10]

3 StudiVZ

3.1 Beschreibung

Abb. 2 - Standard Benutzerprofil aus dem StudiVZ
Abb. 2 - Standard Benutzerprofil aus dem StudiVZ

Das soziale Netzwerk StudiVZ verfügt über einige Instrumente und Methoden, um bei seinen Mitgliedern die Kommunikationsbereitschaft zu fördern und zu steigern. Jedem registrierten Mitglied wird die Möglichkeit geboten, sich im Netzwerk frei zu bewegen, sich von anderen Nutzern die Profile anzusehen und mit diesen in Kontakt zu treten. Einschränkungen sind dadurch möglich, dass jeder Benutzer darüber entscheiden kann, welche persönlichen Informationen er öffentlich machen möchte. In den folgenden Abschnitten werden diese Instrumente und Funktionen des Netzwerks näher erläutert.


  • Benutzerprofil: Das Benutzerprofil verfügt über Angaben des Mitglieds in Form eines Steckbriefs, der persönliche Daten wie unter anderem den Beziehungsstatus, Musikgeschmack, Geburtsdatum, Studiengang, Universität/Fachhochschule, früherer Wohnsitz, Hobbies und Informationen über vergangene und aktuelle Arbeitgeber (die Angabe-Kategorien sind vielfältig daher hier nur ein Auszug).


  • Privatsphäre: Aufgrund von Druck durch Presse und Mitglieder ist nachträglich eine Privatsphärenfunktion in dass Netzwerk integriert worden. Diese gewährt den Mitgliedern die Möglichkeit, darüber zu entscheiden, welche Informationen andere Mitglieder sehen dürfen.


  • Suche: Die Suchfunktion ist eine sehr entscheidende Funktion von StudiVZ. Sie ist eine Hauptmöglichkeit, Personen im Netzwerk zu suchen. Die Suchkriterien sind vielfältig. Es kann beispielsweise nach Name, Hochschule, Geburtsdatum, Wohnort, Geschlecht, Beziehungsstatus, ehemaliger Schule und politischer Richtung gesucht werden. Desweiteren gibt es die Möglichkeit nach Gruppen zu suchen (diese Funktion wird im nächsten Punkt erläutert).


  • Gruppen: Mitgliedern wird die Möglichkeit gewährt, diversen Gruppen beizutreten oder diese zu gründen. Die Mitgliedschaft einer Gruppe wird im Profil aufgelistet und ermöglicht es anderen Mitgliedern die Person genauer einschätzen zu können. Für das Mitglied bietet die Gruppe ein neues Diskussionsforum mit Gleichgesinnten sowie eine Kenntlichmachung und Präsentation gegenüber anderen Mitgliedern.


  • Freunde: Mithilfe der Freundschaftsfunktion ist es möglich, mit anderen Personen in Freundschaft zu treten. Dies erfolgt durch das Versenden einer Freundschaftseinladung,, welche vom jeweils anderen Mitglied bestätigt werden muss.


  • Verbindungen: Das Anzeigen der Verbindung gibt Auskunft darüber, ob ein Nutzer mit einer Person aus seiner Freundesliste gemeinsame Freunde hat. Sie wird Mitgliedern angezeigt, die ein anderes Prfoil besuchen.


  • Gruscheln: Das sogenannte Gruscheln bietet die Möglichkeit mit anderen Mitgliedern in Kontakt zu treten und ist mit Flirten gleichzusetzen. Der Leiter von SchülerVZ (Ableger von StudiVZ) Oliver Skopec weist in seinem Blog ausdrücklich nochmal darauf hin, dass es keine Wortmischung aus Grüßen und Kuscheln ist, wie in der Presse oft behauptet wird.[11]


  • Buschfunk: Diese Funktion ist gewissermaßen wie eine Nachricht an alle befreundeten Mitglieder. Sie soll kurz und prägnant über den aktuellen Status Auskunft geben. Die Länge ist auf 140 Zeichen begrenztund es gibt große Ähnlichkeit mit den Eigenschaften des Online-Dienstes Twitter. Die über die Buschfunk-Funktion versendeten Nachrichten landen nicht im Posteingang des Nachrichtendienst-Moduls sondern werden lediglich auf der Startseite des befreundeten Mitglieds angezeigt.


  • Nachrichtendienst: Dieses Instrument ist mit dem normalen Emaildienst gleichzusetzen. Man kann andere Mitglieder anschreiben bzw. Nachrichten von diesen empfangen.


  • Fotoalben: Das Fotoalbum bietet die Möglichkeit, Fotos im Netzwerk hochzuladen und anderen Mitgliedern zu zeigen.


  • Tagging/Verlinken: Mitglieder können sich auf den Fotos verlinken, so dass andere Mitglieder erkennen können, wer die Person auf dem Foto ist.


3.2 Entwicklung Mitgliederzahl und Seitenaufrufe

Abb. 3 - Statistik der AGOF über Mitgliederzahlen in deutschen Netzwerken
Abb. 3 - Statistik der AGOF über Mitgliederzahlen in deutschen Netzwerken
  • Mitgliederzahl: Über die Entwicklung der Mitgliederzahl konnten leider keine genauen Details ausfindig gemacht werden. Folgendes ist aber zu erwähnen: Zur Zeit verfügt StudiVZ über 5,73 Millionen Mitglieder[2] und spricht selbst davon, dass jeden Tag ein Mitgliederzuwachs von mehreren Tausend zu verzeichnen sei.[12]


  • Seitenaufrufe: In der Statistik von Juni 2009 weist IVW StudiVZ mit 176 Millionen Besuchern und 4,36 Milliarden Seitenaufrufen aus. Vergleichend dazu: Im Juni 2007 verfügte das Netzwerk mit 87,8 Millionen Besuchern und 2,89 Milliarden Seitenaufrufen pro Monat gerade einmal über die Hälfte der bisherigen Besucher.[13]


Um diese immensen Anfragen verarbeiten zu können verfügt das Netzwerk über eine umfangreiche Serverfarm, welche das Netzwerk wie folgt erläutert: "Unsere Plattformen laufen auf 550 Hochleistungsservern mit über 2.200 Prozessorkernen und 7.000 Gigabyte Hauptspeicher (RAM). Nahezu wöchentlich nehmen wir zusätzliche Web- und Datenbankserver in Betrieb und schaffen damit den benötigten Raum für Eure Fotos, Nachrichten, Gruppen u.v.m. Unsere Server sorgen dafür, dass Euch zu Spitzenzeiten 4.300 Mbit pro Sekunde an Daten erreichen. Zum Vergleich: Ein normaler DSL-Anschluss schafft 2 Mbit pro Sekunde. Damit sind wir 2.150 Mal schneller. Übrigens: Zu Stoßzeiten werden unsere Datenbanken mit 150.000 Anfragen bombardiert. Pro Sekunde."[14]

Abb. 4 - Verlauf der Seitenaufrufe von 2007 an
Abb. 4 - Verlauf der Seitenaufrufe von 2007 an




3.3 Strategien zur Gewinnung neuer Mitglieder sowie Mitgliederhaltung

Das soziale Netzwerk StudiVZ ist ein gelungenes Beispiel für virales Marketing.[15] Das Unternehmen selbst benutzt so gut wie keine Werbung, sondern macht sich die Mund-zu-Mund-Propaganda der Mitglieder zu Nutze. Gewonnene Mitglieder werden dazu genutzt, den Namen StudiVZ zu verbreiten und weitere neue Mitglieder zu gewinnen.
Ein weiterer Vorteil sind die hohen Mitgliederzahlen. Diese führen dazu, dass jeder in seinem Umfeld Personen kennt, die ebenfalls im Netzwerk Mitglied sind. Das Netzwerk dient als Hilfe, um den Kontakt aufrecht zu erhalten und ein Aufgeben der Mitgliedschaft führt gewissermaßen dazu, dass man den Kontakt zu seinen Freunden und Bekannten einschränkt.

3.3.1 Campus Captains

Eine weitere Methode der Mitgliedergewinnung sind die Campus Captains. In jeder Uni und Fachhochschule gibt es sogenannte Campus Captains. Sie werben für das Netzwerk und sind zugleich auch selbst Mitglied. "Wer besonders Studiverzeichnis-begeistert ist, kann Campus Captain werden. Was das bedeutet? Der Erklärung des StudiVZ zufolge kann man ihn sich wohl als eine Mischung aus Jesus und Tom Cruise im Superman-Kostüm vorstellen. Tobias (22) ist einer von vier Campus Captains für die Uni Bremen. Ein Cape trägt er nicht, und er wirkt auch nicht wie ein übereifriger Missionar. Der Student sieht die Sache eher locker: 'Klar, man wird darauf angesprochen, aber viel geändert hat sich eigentlich nicht, seit ich Campus Captain bin.' Über die Kriterien, nach denen er ausgewählt wurde, kann Tobias nur spekulieren. 'Ich bin ziemlich aktiv auf der Seite. Vielleicht hat ihnen mein Profil gefallen?' Als Campus Captain macht Tobias Werbung für die Website und beantwortet Fragen von Studenten, die sich noch nicht so gut auskennen. Ihm gefalle am StudiVZ, dass alle überraschend ehrlich mit ihren Angaben seien. 'Fast jeder gibt seinen richtigen Namen an. Das macht es weniger anonym und man lernt die Leute, mit denen man in den Vorlesungen sitzt, erst richtig kennen.'"[16]

3.3.2 Psychologische Aspekte

In diesem Abschnitt möchte ich das Phänomen StudiVZ ein wenig von der psychologischen Seite betrachten. Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie gibt für das Phänomen folgende Erklärung: „'Menschen wollen immer einen guten Eindruck von sich präsentieren und so einen hohen Selbstwert erhalten', sagt die Psychologin. Auch im direkten Kontakt seien Menschen darauf bedacht, freundlich, nett und toll zu wirken - denn nur so kann man positive Rückmeldung erhalten, was das Selbst aufplustert. ‚Auf diesen Portalen können Menschen ihre Selbstdarstellung besser kontrollieren, auch Menschen, die normalerweise ungeschickter sind‘, sagt Krämer. Diese Selbstdarstellung wird zudem gestützt über die Mitgliedschaft in Gruppen. 'Hier bekommen Menschen wieder Rückmeldung, ob sie lustig, interessant oder toll sind', sagt die Psychologin. Zudem werde über die Gruppen die Sehnsucht nach Zugehörigkeit erfüllt. […]Der Mensch brauche diesen sozialen Vergleich, um sich verorten zu können und seinen Selbstwert zu steigern. 'Wenn ich sehe, dass jemand im 17. Semester immer noch studiert, tut mir das gut', sagt Krämer.“ [17]
Roland Mangold, Medienpsychologe an der Hochschule der Medien in Stuttgart geht explizit auf die positiven Seiten von sozialen Netzwerken ein: „'Schüchterne Menschen können sich hier besser öffnen und mit Menschen in Kontakt treten, weil soziale Reize fehlen, die Gehemmtheit fördern können', sagt Roland Mangold, Medienpsychologe an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Zudem würden Studien zeigen, dass sich Menschen im Internet erstaunlich ehrlich zeigen. […]Und die Gefahr der Internetsucht, das völlige Abtauchen in die Virtualität? ‚Das könnte nur Menschen betreffen, die generell ein Problem haben, doch den Betreibern kann man deswegen keinen Vorwurf machen', sagt auch Mangold. Der Medienpsychologe geht sogar noch weiter: ‚Die Möglichkeiten des Networking über solche Portale ist grandios und wer sich daran in Zukunft nicht beteiligen wird, kann Probleme bekommen', sagt Mangold.“[17]
Den Selbstdarstellungszwang und den Drang im Netzwerk Mitglied zu sein, um nicht in eine Außenseiterposition zu geraten, macht sich StudiVZ sich zu Nutze. Diese beiden Aspekte unterstützen das Netzwerk bei der Mitgliedergewinnung sowie der Mitgliedschaftserhaltung.

4 StudiVZ als Kommunikationsplattform – Auswirkungen

Die neuen Netzwerke schaffen eine Verlagerung der Kommunikationswege. Es wird heute wesentlich mehr über soziale Netzwerke kommuniziert und nicht mehr über die klassische Email oder den Messenger. Frau Karin Rothgänger, Pressesprecherin vom sozialen Netzwerk wer-kennt-wen äußert sich zu der Thematik wie folgt: "'Wir merken immer mehr, dass unser Nachrichtensystem die Funktion der privaten E-Mail ablöst', so Karin Rothgänger. Die Nutzer fänden es 'natürlicher', weil die Mitglieder 'nicht an eine E-Mail-Adresse schreiben, sondern an eine Person mit Namen und Vornamen'. MySpace-Gründer Tom Anderson habe mit seinem sozialen Netzwerk ähnliche Erfahrung gemacht: 'Vor allem bei jungen Leuten sehen wir den Trend, dass sie keine E-Mails mehr benutzen. E-Mail ist etwas sehr Elitäres, das man benutzt, wenn man sich irgendwo registriert. Junge Leute nutzen lieber MySpace als E-Mails'."[9]


4.1 Privatleben

Im privaten Umfeld ist das Netzwerk ein De-Facto Standard. Wie bereits oben erwähnt, ist das Netzwerk mit 5,73 Millionen Mitgliedern Marktführer in Deutschland. Wenn man SchülerVZ und MeinVZ hinzurechnet, kommt man auf knapp 14 Millionen Mitglieder.[18] Diese hohe Anzahl an möglichen Kontakten sowie die Instrumente, welche die Kontaktaufnahme mit Mitgliedern erheblich erleichtern, führt dazu, dass das Unternehmen erheblich zu einer effizienteren Kommunikation beiträgt. Man kann leicht neue Leute und sehr leicht den Kontakt aufrecht erhalten (leichter als in der realen Welt). Durchschnittlich besitzt jedes StudiVZ-Mitglied über 92 Freunde.[19] Wenn man anhand dieser Zahl Berechnungen aufstellt, wird einem das Potential des Netzwerkes bewusst. Als Mitgliedergesamtzahl wurde 5,73 Millionen zur Berechnung verwendet.


1. Grades 92 Personen 0,0016 % des Netzwerks
2. Grades 8464 Personen 0,15 % des Netzwerks
3. Grades 778.688 13,59 % des Netzwerks
4. Grades 71.639.296 1250 % => Theoretisch 12,5 Fache des Netzwerks


Dieses Rechenbeispiel macht deutlich, dass man bereits im Verhältnis des 2. Grades mit theoretisch 8464 Personen in Kontakt treten kann. Selbst wenn man nur 1% dieser Kontakte nutzen würde wären das immer noch ganze 84 neue Freunde. Diese Rechnung soll verdeutlichen welches enorme Potential zur Effizienzsteigerung der Kommunikation in sozialen Netzwerken wie StudiVZ steckt.

4.2 Beruf

In den beruflichen Aspekten ist den Mitgliedern ein sensibler Umgang mit den eigenen Daten bei StudiVZ empfohlen. Das Gefühl, dass man unter Gleichgesinnten und Freunden ist, stellt die Gefahr dar, dass Mitglieder dazu neigen, Daten zur Verfügung zu stellen, welche für Freunde interessant und evtl. belustigend sind, aber für potentielle Arbeitgeber abschreckend wirken. Gerade in Bewerbungsphasen werden soziale Netzwerke wie StudiVZ von Personalabteilungen durchsucht und die Bewerber genauer unter die Lupe genommen. Auch geschulten und gut überwachten Personen können solche Fehler passieren. So enttarnte die Ehefrau des Chefs des britischen Geheimdienstes MI6 ihren Mann unabsichtlich auf Facebook und stellte sogar Urlaubsfotos von ihm ein. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein Geheimnis gewesen, dass es überhaupt einen Chef dort gab. Diese Sicherheitslücke blieb von den britischen Behörden ein ganzes Jahr lang unbemerkt.[20]
Trotz der Gefahren können Mitglieder den leichten Zugang zu ihren öffentlichen Informationen auch gezielt nutzen. So kann man sich z.B. gezielt mit Eigenschaften ausstatten, die für zukünftige Arbeitgeber interessant sein könnten.

4.3 Wirtschaft und Politik

In der Wirtschaft ist das Netzwerk auf Grund der vielen Besucher und der zahlreichen Seitenaufrufe ein interessanter Werbepartner. Das Netzwerk selbst finanziert sich nur durch Werbung. Es bietet seinen Partnern anhand der Profildaten, die das Unternehmen besitzt die Möglichkeit sehr zielgruppengerecht zu werben. Mitglieder können aber wählen, ob sie individualisierte oder nicht individualisierte Werbung bekommen möchten. Das Netzwerk weist ausdrücklich darauf hin, dass zu keinem Zeitpunkt personenbezogene Daten weitergegeben werden.[21]
In der Politik hat das Netzwerk zum Superwahljahr 2009 einen neuen Stellenwert bekommen. Der erfolgreiche Internetwahlkampf des US-Präsidenten Barack Obama in den USA ist einer der Gründe, aus denen die Parteien das StudiVZ als wichtige Plattform nutzen, um relativ direkt ungefähr 6 Millionen potentielle Wähler zu erreichen. Die aktuelle Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits mehr als 50.000 Anhänger im Netzwerk und plant sogar in direkte Kommunikation zu treten. Gerade junge Wähler, die unter der Politikverdrossenheit leiden und denen die Politik nicht modern genug erscheint, stehen der neuen Art der Wählergewinnung sehr positiv gegenüber.[22]

5 Gefahren bei der Nutzung von StudiVZ - Persönliche Daten ins Internet stellen

Die Gefahr der Bereitstellung von persönlichen Daten ist nicht zu unterschätzen. Einige sind im vorigen Punkt schon erwähnt worden. Ein Gefahrenpotenzial ist die Datenmenge, über die das Unternehmen verfügt. Schon heute arbeitet der amerikanische Geheimdienst NSA daran sich die Daten zu Nutze zu machen. Es wird versucht die gewonnen Profile mit Finanzdaten von Banken, Rabattkarten, Handyabrechnungen uvm. zu verbinden und so die Personen weiter transparent zu machen.[23] Ein weiterer Gefahrenpunkt ist, dass das Netzwerk gezielt von Pädophilen und Stalkern verwendet wird. So kam im November 2006 heraus, dass sich bewusst hunderte von Männern zusammen geschlossen haben und gezielt attraktive Frauen mit Gruschelnachrichten überflutet haben. Dies führte bei den Opfern zu Verfolgungsängsten.[24]
Ein weiterer Kritikpunkt ist das sogenannte Cybermobbing. Hier werden Opfer wissentlich und unwissentlich in der Anonymität des Netzes gemobbt. Dies führt zu Verleumdungen und die Opfer können sich gegen die Täter nur schwer zur Wehr setzen. Wobei das Cybermobbing nicht durch öffentliche Zugänglichkeit der Daten der Opfer in sozialen Netzwerken gefördert wird, sondern da soziale Netzwerke wie StudiVZ eine Plattform für die Täter bieten. Das Cybermobbing ist wesentlich ausgeprägter im SchülerVZ vorzufinden.
Das soziale Netzwerk ist durch seine Popularität dauerhaftes Ziel von Angreifern. So gibt es eine Inoffizielle Statistik, welche die Daten aus ca. einer Millionen StudiVZ Mitgliederprofilen bezieht. Der Angreifer konnte sämtliche Daten mit einem eigens programmierten Script auslesen. Im Jahr 2006 wurde diese Sicherheitslücke von StudiVZ geschlossen.[25]
Im Februar 2007 gab es erneut einen Angriff auf das Netzwerk. Dem Angreifer war es gelungen direkten Zugriff auf die Datenbank zu bekommen. Er konnte die persönlichen Daten auslesen, sowie Emailadressen und Passwörter. Das Unternehmen musste das System mehrere Stunden vom Netz nehmen und sämtliche Kennwörter zurücksetzen.[26]
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die hochgeladenen Bilder theoretisch von jedem eingesehen werden können. Die Bilddateien liegen offen auf Webservern. Die Sicherheit wird lediglich durch einen Hash-Generierten Dateinamen gewährt.

6 Resümee

Trotz der Gefahren, die soziale Netzwerke wie StudiVZ bieten, sollte man die Entwicklung dieser Netzwerke nicht mehr rückgängig machen. Den Mitgliedern wird ein neuartiges und interessantes Netzwerk zur Kontaktaufnahme mit neuen Freunden und Bekannten geboten. Gerade introvertierte Menschen, die in der realen Welt Probleme haben, auf Leute zuzugehen bekommen ein hilfreiches Instrument zur Seite gestellt. Da die Mitgliedschaft in einem Netzwerk nicht so anonym wie beispielsweise in einem Chatroom ist, kann man das Argument, dass die Person nicht mehr zwischen realer und virtueller Welt unterscheiden könnten, nicht gelten lassen. Ebenfalls wird durch den Prozess der Selbstdarstellung erreicht, dass die Mitglieder lernen sich selbst besser zu reflektieren und ihre Wirkung auf andere besser einzuschätzen. Wenn man sich die durchschnittliche Freundschaftsstatistik mit 92 Kontakten anschaut, ist festzustellen, dass es in der realen Welt sehr aufwändig ist, mit so einer hohen Anzahl von Personen in Kontakt zu bleiben. Das StudiVZ bietet hierfür ein geeignetes Instrument. Natürlich kann man die Kontaktqualität unter den Mitgliedern nicht mit der Qualität einer persönlichen Begegnung vergleichen. Doch gerade durch die persönlichen Daten der Mitglieder ist die Kontaktqualität bei weitem nicht so schlecht wie beispielsweise in einem anonymen Forum.

Mitglieder, die das Netzwerk zur Gewinnung neuer Kontakte nutzen, sind daher gezwungen eine Balance zwischen der Bereitstellung persönlicher Daten und der Bewahrung der Privatsphäre zu finden.

7 Anhang

7.1 Literatur- und Quellenverzeichnis

  1. http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Soziales-Netzwerk-social-network.html
  2. 2,0 2,1 vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1553/umfrage/ranking-der-goessten-online-medien/
  3. vgl. http://www.heise.de/newsticker/StudiVZ-Umstrittener-Gruender-scheidet-aus-Geschaeftsfuehrung-aus--/meldung/86598
  4. vgl. http://www.heise.de/newsticker/StudiVZ-Umstrittener-Gruender-scheidet-aus-Geschaeftsfuehrung-aus--/meldung/86598
  5. vgl. http://www.studivz.net/l/press/16
  6. vgl. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,457536,00.html
  7. 7,0 7,1 http://www.studivz.net/l/press/1/
  8. vgl. http://www.onlinekosten.de/news/artikel/32486/0/StudiVZ-stampft-Auslandsportale-ein
  9. 9,0 9,1 vgl. http://www.faz.net/s/Rub2F3F4B59BC1F4E6F8AD8A246962CEBCD/Doc~E82F9190E67BB4367A9C83251DCE815A5~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  10. http://berufundchance.fazjob.net/s/Rub1A09F6EF89FE4FD19B3755342A3F509A/Doc~EB3E7C2CF11134DA9B6402D39BDAAC03E~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  11. vgl. http://www.mehrblog.net/2008/08/antworten-von-oliver-skopec
  12. vgl. http://www.studivz.net/l/press/
  13. vgl. http://www.ivwonline.de/ausweisung2/search/angebot.php
  14. http://www.studivz.net/l/about_us/1
  15. vgl. Hutzschenreuter, Thomas: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre: Grundlagen mit zahlreichen Praxisbeispielen, 3 Auflage, Gabler Verlag, 2009 S. 190
  16. http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2006/10/07/a0345
  17. 17,0 17,1 http://www.welt.de/wissenschaft/article1141831/Acht_Schritte_zu_Paris_Hilton_und_damit_zur_Manie.html
  18. vgl. http://www.studivz.net/l/about_us/1
  19. vgl. http://www.wz-newsline.de/?redid=357500&print=1
  20. vgl. http://www.tagesblick.de/aktuelles/13/1950/geheim.html
  21. vgl. http://www.studivz.net/l/wozu_das_ganze
  22. vgl. http://www.welt.de/webwelt/article4067283/Merkel-hat-bei-StudiVZ-schon-50-000-Anhaenger.html
  23. vgl. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,420514,00.html
  24. vgl. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,450866,00.html
  25. vgl. http://studivz.irgendwo.org/
  26. vgl. http://www.focus.de/digital/internet/online-community_aid_125470.html


7.2 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.AbbildungQuelle
1Logo vom StudiVZStudiVZ http://www.studivz.net/l/press/4/
2Standard Benutzerprofil aus dem StudiVZStudiVZ http://www.studivz.net/l/press/4/
3Statistik der AGOF über Mitgliederzahlen in deutschen Netzwerken Statista http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1553/umfrage/ranking-der-goessten-online-medien/
4Verlauf der Seitenaufrufe von 2007 anIVW http://www.ivwonline.de/ausweisung2/suchen2.php
5Ehssan DarianiFAZ http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2007/11/23/wie-studivz-750-millionen-dollar-vergeigte.aspx
6Dennis Bemmann55Plus-Magazin http://www.55plus-magazin.net/php/social_communities_im_netz_welche_rolle_spielen_medienunternehmen,16919,11853.html

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