Effizienzsteigerung durch Web 2.0 Dienste
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| Name der Autoren: | Sven Eumann, Andreas Röder, Christoph Schicktanz |
| Titel der Arbeit: | "Effizienzsteigerung durch Web 2.0 Dienste" |
| Hochschule und Studienort: | FOM Essen |
Inhaltsverzeichnis |
1 Einleitung
"...vor allem auch Besserwissern, Wichtigtuern oder Paranoikern, die sich im normal life intellektuell verkannt, sozial missachtet fühlen oder einfach viel Zeit haben, bietet das Web 2.0 ein überaus reichhaltiges Angebot, ihren Neigungen rund um die Uhr nachzugehen."[1]
Wie können diese vermeintlichen Laien durch Web 2.0 Dienste in der jüngsten Vergangenheit eine Enzyklopädie geschaffen haben, die sowohl vom Umfang als auch von der Qualität an eine Enzyklopädie wie den Brockhaus[2] heranreicht bzw. diese an einigen Stellen sogar überflügelt? Wie können sich durch private Blogs - deren Ersteller keineswegs eine journalistische Ausbildung genossen haben - Informationen zu Katastrophen wie bspw. die Tsunami-Welle von 2005 oder die Terroranschläge in Amerika am 11. September 2001 schneller verbreiten als das über die klassischen Informationswege wie bspw. Fernsehen oder Radio möglich ist?[3]
Durch dieses Mitmach-Internet wird jedem die Chance gegeben aktiv für Inhalte mitverantwortlich zu sein und mitgestalten zu können. Welche Potenziale lassen sich allerdings durch diese Web 2.0 Dienste für Akademiker in Lehre und Forschung ableiten? Im Rahmen dieser Arbeit werden die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung durch die gebräuchlichsten Web 2.0 Dienste - speziell in der Lehre - geprüft.
Heutzutage wird Effizienz häufig als Schlagwort benutzt, sei es die Reorganisation von Unternehmen oder von Arbeitsabläufen. Jeder Ansatz etwas zu verbessern wird mit dem Begriff Effizienz oder Effizienzsteigerung in Zusammenhang gebracht. Um generell eine Verbesserung – losgelöst vom jeweiligen Anwendungsgebiet - erzielen zu können, müssen die Begriffe Effizienz und Effektivität klar voneinander abgegrenzt werden.
Diese Arbeit lässt sich grundsätzlich in drei Bereiche unterteilen. Zum einen werden in Kapitel 3 die wichtigsten Anwendungsklassen des Web 2.0 und deren Kerncharakteristika vorgestellt. Aufbauend darauf werden die jeweiligen Anwendungsfelder vorgestellt. Kapitel 4 schliesst die Effizienzanalyse mit einer Bewertung der Verfasser anhand eines Beispiels ab und in Kapitel 5 wird ein kurzer Ausblick gegeben.
2 Grundlagen
Um ein ganzheitliches Verständnis für diese Arbeit zu schaffen ist eine Abgrenzung der Fachbegriffe Web 2.0, Social Software und Enterprise 2.0 notwendig. In dem Kapitel 2.4 Effizienz und Messbarkeit werden grundsätzliche Möglichkeiten zur Effizienzanalyse behandelt.
2.1 Web 2.0
Der Begriff Web 2.0 und seine heutige Bedeutung wurde maßgeblich durch Tim O'Reilly geprägt, als es darum ging, für den bis dato nur marketingtechnisch genutzen Begriff eine sinnvolle Definition zu finden. In seinem Artikel What is Web 2.0[4], der die Konzepte dieser neuen Anwendungsgeneration im Web herausstellen sollte, kamen die folgenden wichtigen Merkmale heraus:
- Das Web dient als Service-Plattform. Im Vordergrund von Applikationen des Web 2.0 Zeitalters stehen der Nutzen bzw. der Dienst, den diese erbringen. Die Benutzerschittstelle rückt in den Hintergrund und es muss mit etwaigen Software-Ideologien gebrochen werden. Im Web 2.0 Zeitalter gibt es keine geplanten Software Releases eines Produkts. Der Benutzer ist ständiger Betatester, bekommt kontinuierlich neue Funktionen und Erweiterungen zur Verfügung gestellt und er braucht sich nicht auf eine Systemplattform festzulegen, da in der Regel nichts anderes als ein Browser benötigt wird[5].
- Die Architektur der Beteiligung. Die Benutzer sind das zentrale und wichtigste Element der Webanwendung, da erst durch deren Gebrauch und Aktivitäten der benutzergenerierte Inhalt erzeugt wird. Dies hat den Nebeneffekt, dass nur solche Webanwendungen erfolgreich sind, die eine hohe Benutzerbeteiligung aufweisen, da es sonst an benutzergeneriertem Inhalt und somit an Attraktivität und Nutzen fehlt.[6]
- Daten und deren Management muss zu einer Kernkompetenz werden. Um es mit Tim O'Reillys Worten zu sagen: "Data is the Next Intel Inside"[7]. Nicht die Web 2.0 Applikationen mit der Benutzerschnittstelle sind das Attraktive für den Benutzer, sondern die Daten, die Sie generieren, verwalten, speichern und zugänglich machen. Natürlich dürfen aus diesen Applikationen keine Datengräber werden. Sie müssen einfach integrier- und nutzbar sein, damit der größtmöglichste Nutzen erreicht werden kann. Dies bedeutet, dass einfachen Schnittstellen dabei eine große Bedeutung zukommt. Denn die besten Daten können ihre Vorteile nicht entfalten, wenn diese nur schwer nutzbar und integrierbar sind.[8].
Durch diese 3 Kernmerkmale ergibt sich nach O'Reilly eine neue Art von Designmuster für Webanwendungen der 2.0 Zeit[9]:
- The Long Tail: Der größte Teil des Webs besteht aus kleinen Seiten mit teilweise sehr spezifischem Inhalt. Diese kleinen Seiten bilden "the long tail", den langen Schwanz. Diesen Pool von kleinsten Informationshäppchen durch Datenmanagement und besondere Algorithmen jedermann verfügbar und durchsuchbar zu machen stellt einen großen Hebeleffekt für solche Webanwendungen dar.
- Data is the Next Intel Inside: Die Kernkompetenz bzw. das Kapital heutiger Webanwendungen sind ihre Daten und deren Management. Ziel muss es also sein, einen Datenpool aufzubauen, der nur schwer zu kopieren ist.
- User Add Value: Um eine gute Web 2.0 Anwendung zu erstellen, sollte die Beteilgungsmöglichkeit des Benutzers nicht eingeschränkt werden.
- Network Effects by Default: Ziel muss es sein, dass der Benutzer Netzwerk- und Synergieeffekte erzielt, wenn er die Webanwendung benutzt, um für Ihn einen Anreiz zu schaffen.
- Some Rights Reserved: Das Problem des Urheberrechts darf nicht außer Acht gelassen werden. Dennoch sollten die Restriktionen so gering wie möglich sein, um das "Right to Remix" nicht zu gefährden.
- The Perpetual Beta: Die Webanwendung stellt quasi eine dauerhafte Beta dar. Statt den traditionellen Software-Lebenszyklen, sollten den Benutzern in regelmäßigen Abständen Erweiterungen oder Verbesserungen zur Verfügung gestellt werden.
- Cooperate, don't Control: Eine gute Web 2.0 Anwendung sollte gute und einfache Schnittstellen bieten, damit andere Anwendungen die Daten bzw. Funktionen implementieren können.
- Software Above the Level of a Single Device: Obwohl die Benutzerschnittstelle nur ein untergeordnete Rolle spielt, sollte das Design, die Funktionaliät und die Interaktivität so ausgelegt sein, dass die Webanwendung auf jeglicher Art von Endgerät, sei es ein PC oder Mobiltelefon, benutztbar ist.
Anhand dieser Charakterisierung des Begriffs Web 2.0 zeigt sich, dass es in erster Linie um allgemeine Konzepte und Verhaltensregeln geht. Die Wichtigkeit der Partiziptation durch den Benutzer steht im Web 2.0 Zeitalter im Vordergrund. Trotzdem sollten die sonstigen Rahmenbedingungen nicht vernachlässigt werden. Die Möglichkeit der einfachen Einbeziehung des Benutzers wurden erst durch eine Reihe von Technologien möglich, auf die nun kurz eingegangen werden soll.
- Ajax: Ajax steht für "Asynchronous JavaScripting and XML". Dahinter steckt keine Programmiersprache, sondern eine Technik der Datenübertragung zwischen Browser und Server, die es ermöglicht Daten einzenler Seitenelemente auszutauschen ohne die komplette Internetseite neu laden zu müssen. Durch diese Technik kann eine ähnliche Interaktivität wie bei Desktopanwendungen erreicht werden.[10]
- WebServices: Diese Art von Serveranwendungen stellen ein besondere Art der Programmierschnittstelle dar, welche über das Web-Protokol HTTP angesprochen werden und einen serviceorientierten Ansatz verfolgen. Sie dienen dazu das Client-Anwendungen direkt auf Daten der Web 2.0 Anwendung zugreifen können.[11]
- REST: Eine Abkürzung für "Representational State Transfer" und eine besondere Art der Implementierung von WebServices darstellt, beschreibt eine Architektur für verteilte Informationsysteme des World Wide Web.[12]
- RSS: "Really Simple Syndication", kurz RSS, trägt einen großen Teil zum Erfolg von Web 2.0 Anwendungen bei. RSS stellt ein definiertes XML-Format dar, in dem Inhalte wie Blogbeiträge oder Blogkommentare eingebettet sind. Diese im RSS-Format vorhandenen Daten heißen RSS-Feeds und können von Benutzern mit einer Vielzahl von Programmen, wie RSS Readern, abonniert werden. Dadurch werden Anwender in die Lage versetzt sich über neue Beiträge oder Kommentare zu informieren, ohne die eigentliche Seite aufrufen zu müssen. Diese Einfachheit dieser Datenschnittstelle machte sie so erfolgreich und beliebt bei Benutzern und Anbietern.[13]
- Mashup und Portal: Durch Portallösungen können Anwender ihre in verschiedenen Web 2.0 Anwendungen liegenden Daten und Dienste zusammenführen und in einer eigenen Oberfläche nutzen und verwalten. Mashups gehen noch einen Schritt weiter. Sie versuchen Daten nicht nur zu aggregieren, sondern aus Ihnen eine neue Anwendung zu generieren. Portallösungen und vor allem Mashups kommen damit den Benutzerwusch des "Right to Remix" nach.[14]
Zusammenfassend zeigt sich das Web 2.0 ein breit gefächertes Konstrukt bildet, welches vor allem auf einer sozialen Bewegung der Benutzer und der Mitwikenden beruht. Doch diese Bewegung allein hätte nicht zum Erfolg von Web 2.0 ausgereicht. Erst die Fokussierung auf den einzelnen Anwender und seine Bedürfnisse in Verbindung mit den neuen technischen Mitteln, wie AJAX oder REST, und der Möglichkeit der Zusammenführung der Dienste und Daten zu einer Umgebung haben Web 2.0 möglich und nutzbar gemachen.[15]
2.2 Social Software
Zwischen den Begriffen Web 2.0 und Social Software gibt es keine allgemeingültige klare Trennung, so dass beide Begriffe als Synonyme verwendet werden. Eine Differenzierung beider Begriffe erfolgt daher im Rahmen dieser Arbeit nicht.[16]
2.3 Enterprise 2.0
Enterprise 2.0 oder auch Enterprise Web 2.0 stellt eine besondere Form von Web 2.0 Diensten dar. Den Begriff prägte Andrew McAffee in seinem Artikel Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration. Im Mittelpunkt dieses Artikel steht der Einsatz von Web 2.0 Diensten in Unternehmensumfeld um die kollaborative Arbeit zu unterstützen. Durch diese Fokussierung, kam auch der Begriff Enterprise 2.0 auf, der nur Anwendungen bezeichnen sollte die in Unternehmen zu finden sind.[17]
Erste Anzeichen des Enterprise 2.0 Gedanken waren der Einsatz von Unternehmenswikis, vor allem in Softwareprojekten, da hierdurch eine unkomplizierte und wenig formalisierte Kommunikation möglich war. Durch Beobachtung dieser ersten Ansätze stellte sich laut McAfee heraus, dass Web 2.0 Anwendungen besser dazu geeignet waren implizites Wissen und Best Pratices einzufangen und zu verbreiten.[18]
Doch wie es häufig beim Einsatz neuer Technologien und Softwareprodukten passiert, die innovativer und moderner sind, reicht es nicht einfach nur die Anwendung zur Verfügung zu stellen! Meistens muss auch etwas an der Unternehmensstruktur bzw. am Prozess geändert werden, damit sich die Akzeptanz und Benutzbarkeit erhöht. Im Fall von Enterprise 2.0 stellt McAfee folgende Anforderungen an ein Unternehmen:[19]
- Die Unternehmenskultur muss sich für seine Mitarbeiter öffnen
- Es muss eine kollaborative Plattform für das Zusammenarbeiten im Intranet vorhanden sein
- Die Benutzer müssen langsam an die Anwendungen herangeführt werden. Es sollte auf ein normales Rollout verzichtet werden, stattdessen sollten die Benutzer "zur Anwendung kommen"
- Das Management muss hinter den Enterprise 2.0 Anwendungen stehen und diese ebenfalls nutzen
Somit zeigt sich, dass Enterprise 2.0 keine Revolution oder Evolution des Web 2.0 Themas darstellt. Viel mehr will Enterprise 2.0 als Anwendungsgebiet von Web 2.0 Diensten im unternehmensnahen Umfeld verstanden werden, wobei nicht nur die Anwendungen eine Rolle spielen sondern auch die Unternehmenskultur selbst.[20]
2.4 Effizienz und Messbarkeit
Um ein gesetztes Ziel zu erreichen, muss das richtige getan werden. Diese Zielerreichung bezeichnet mal als Effektivität. Damit ist jede geeignete Maßnahme, die zu dem gesetzten Ziel führt, effektiv. Effizienz hingegen ist die Optimierung dieser effektiven Maßnahmen, so dass das gesetzte Ziel mit dem geringst möglichen Einsatz von Ressourcen erreicht werden kann. Eine effiziente Handlung ist demnach eine Handlung, die mit geringst möglichem Einsatz von Ressourcen zu dem gesetzten Ziel führt[21].
- Effektivität => Die richtigen Dinge tun
- Effizienz => Die Dinge richtig tun
Um Effizienz oder Effizienzsteigerungspotenziale messbar zu machen, werden in der Regel die von der Maßnahme in Anspruch genommen Ressourcen quantitativ und qualitativ vor und nach der Optimierung zur Messung genutzt. Somit lässt sich bei fest vorgeschriebenen Abläufen anhand einer Wertschöpfungskette das Effizienzsteigerungspotenzial relativ trivial bestimmen.
Die Messbarkeit von Effizienzsteigerung durch Web 2.0 Dienste ist nach Meinung der Autoren nicht trivial zu bestimmen. In Rahmen der Lehre und Forschung ergeben sich folgende häufig genutzte Anwendungsgebiete:[22]
- Gruppenarbeiten
- Informationsmangement
- Kommunikationsmöglichkeiten
- Kontaktmanagement
- Ressourcenkoordination
- Wissenverbreitung
In dem Kapitel Bewertung wird anhand eines praxisbezogenen fiktiven Fallbeispiels unter Einbeziehung der vorgestellten Web 2.0 Dienste in Zusammenhang mit den vorgenannten Anwendungsgebieten eine Abschätzung der möglichen Effiziensteigerungsmöglichkeiten gegeben.
3 Die Anwendungsklassen und ihre Anwendungsfelder
3.1 Anwendungsklassen
In den nachfolgenden Kapiteln werden die bedeutendsten Web 2.0 Dienste, die sog. Anwendungsklassen, beschrieben. Auf die mögliche Effizienzsteigerungen in den jeweiligen Anwendungsfeldern wird später eingegangen.
3.1.1 Blog
Ein Weblog oder Blog ist eine Internetseite, auf der "regelmäßig Inhalte in Form von Texten, Bildern, Sound oder Videos publiziert werden"[23]. Die Beiträge, auch Postings oder Posts genannt, werden dabei in umgekehrter chronologischer Reihenfolge dargestellt, so dass der aktuellste Beitrag immer oben als erstes Posting auf der Seite sichtbar ist.
Blogs sind einfach zu erstellen und setzen keine Programmiersprachen- oder Fachkenntnis voraus. Für das Layout stehen dem Anwender in der Regel mehrere vordefinierte Vorlagen zur Verfügung, aus denen er beim Einrichten des Blogs frei wählen kann. So erscheinen alle Beiträge eines Blogs immer im einheitlichen Design, selbst wenn die Layout-Vorlage zu einem späteren Zeitpunkt noch geändert wird.
Die meisten Blogger (Autoren) nutzen einen Blog zur öffentlichen Niederschrift ihrer persönlichen Erlebnisse und Meinungen, weshalb auch der Begriff des Tagebuchs immer wieder in Zusammenhang mit Weblogs genannt wird. Doch ein Blog ist mehr als nur ein Medium zur Selbstdarstellung. Weblogs sind auch Diskussionsplattformen, da jeder Artikel durch jeden Leser des Blogs kommentiert werden kann[24] und jeder wiederum auf jeden anderen Kommentar eingehen kann. Weiterhin besteht die Möglichkeit auf andere Postings in anderen Blogs direkt und dauerhaft Bezug zu nehmen, da jedes Posting über einen sog. Permalink, einer eindeutigen und dauerhaften URL, adressierbar ist[25]. Über die Tackback-Funktion wird die Verknüpfung auch auf der verlinkten Seite angezeigt. "Durch derartige Verlinkungen können zwischen den Blogs thematische Bezüge hergestellt werden und Themencluster entstehen"[26].
Zudem unterstützen noch weitere Methoden die Vernetzung von Weblogs. In der so genannten Blogroll, eine Linksammlung, die für den Leser sichtbar auf dem Weblog platziert ist, kann der Blogger auf andere, von ihm favorisierte Weblogs verweisen. Außerdem werden neue Beiträge automatisch vom Weblogsystem mit Hilfe von Pings an so genannte Ping-Server gemeldet. Systeme wie Blog-Portale oder Suchmaschinen rufen von diesen die Informationen über aktualisierte Blogs in regelmäßigen Abständen ab[27]. Interessierten Lesern von Weblogs steht zudem das XML-basierte Syndizierungsverfahren RSS zur Verfügung, womit ein Blog abboniert werden kann und man so über neue oder geänderte Beiträge oder Kommentare informiert wird.
Durch diese Funktionen und Verbindungen zwischen vielen einzelnen Weblogs entsteht der Eindruck einer gemeinsamen Community bzw. eines sozialen Netzwerks, welches auch als "Blogosphäre" bezeichnet wird.
Heutzutage werden Weblogs nicht mehr nur als "private Journale, die über die persönlichen Befindlichkeiten und Aktivitäten ihrer Autoren Auskunft geben"[28] verwendet, sondern finden auch im Business-Umfeld großen Zuspruch. So dienen Weblogs heute zum Beispiel als Wissensmanagement- und Lerntools, um Arbeitsprozesse zu unterstützen[29], oder als Marketing- und Kommunikationsinstrumente, um mit Kunden und Mitarbeitern in Beziehung zu treten[30].
"[Damit] spaltet sich .. [die] Blogosphäre .. in eine Reihe von Weblog- Communities auf, die sich um einen Weblog-Autoren, ein Thema oder ein Ereignis bilden"[31]. Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass inzwischen eine große Anzahl an Weblog-Typologien existiert. Zum Beispiel:
- Artblogs, für Kunst- und Kulturinhalte
- Corporate Blogs, als Unternehmensblog
- Knowledge-Blogs, zur unternehmensinternen Wissensverbreitung
- Meeting-Blogs, zur Protokollierung von Sitzungen
- Projekt-Blogs, zur Begleitung und Dokumentation von Projekten
- Fachblogs, für Themenspezifische Informationen
- Reise-Blogs, mit Reise-Berichten
- Warblogs, mit Berichten aus Kriegs- und Krisengebiten
- Watchblogs, mit kritischen Beiträgen zu Unternehmen, Organisationen oder Medien
Chistoph Ehrhardt schrieb 2006 in seinem Artikel Weblogs - Jetzt kommen die Wir-Medien: "[Weblogs] sind der öffentliche Raum für den interneterfahrenen Jedermann. Ein Raum, der schnell reagiert. Die ersten Bilder und Informationen über die Bombenanschläge in der Londoner U-Bahn waren in Blogs zu finden ... Inzwischen will ein neuer Trend entstanden sein: Jeder kann jetzt mitmachen, jeder ist Reporter"[32].
Diese neue Form des Graswurzel-Journalismus hat durch dessen Popularität inzwischen auch auf Politik und Wirtschaft einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss. 2002 trat beispielsweise der amerikanische Senator Trent Lott zurück, nachdem Blogger im Internet über politisch umstrittene Äußerungen berichteten[33]. Immer wieder versuchen Unternehmen Blogger zu animieren positive Äußerungen über deren Produkte zu veröffentlichen. Selbst die etablierte Presse erkennt Weblogs teilweise als Meinungsmacher an und übernimmt aufgebrachte Themen.
Über die Verbreitung von Weblogs lässt sich nur noch spekulieren[34]. Die ersten "Online-Tagebücher" entstanden Mitte der 1990er Jahre. Der Begriff "Weblog" tauchte erstmals 1997 auf den Webseiten von Jorn Barger auf. Der Boom begann jedoch erst mit der Verbreitung professioneller Weblog-Publishing-Systeme 1999[35]. In diesem Jahr prägte der Webdesigner Peter Merholz auch die Abkürzung "Blog", die 2004 vom amerikanischen Wörterbuchverlag Merriam-Webster sogar zum Wort des Jahres gewählt wurde[36]. Heute existieren unzählig viele Weblogs und im Sekundentakt entstehen neue[37]. "Viele dieser Weblogs [werden bereits] nach wenigen Wochen oder Monaten von ihren Betreibern wieder aufgegeben"[38].
In der Lehre können Weblogs vor allem für folgende Zwecke eingesetzt werden:
- Ressourcenkoordination in Teams
- Abstimmungen in Gruppen
- Wissensaustausch
3.1.2 Instant Communication und Presence Awareness
Instant Communication und Presence Awareness, heutzutage auch unter dem Begriff Unified Communication bekannt, versucht im Gegensatz zu den anderen Anwendungsklassen wie Blog oder Wiki, die Problematik der synchronen und direkten Kommunikation zu lösen. Blogs oder Wikis sind darauf ausgerichtet Informationen dem öffentlichen Bereich und somit einer großen meist unbekannten Gruppe zur Verfügung zu stellen, wobei der Zeitfaktor eher eine untergeordnete Rolle spielt.[39] Somit ist mit diesen Diensten keine Echtzeitkommunikation möglich. In diese Bresche schlagen Dienste der Instant Communication. Dabei umfaßt Instant Communication mehrere Kommunikationsarten:
- Instant Messanger wie ICQ oder Skype.
- Voice over IP, also Telefonieren über IP Netzwerke. Skype und Microsoft Office Communicator wären zu nennen.
- Web Conferencing beschreibt virtuelle, also im Netz stattfindende Konferenzen. Hier sind Lösungen wie WebEx oder LiveMeeting zu nennen.
Bei diesen Arten handelt es sich um direkte und synchrone Kommunikation, ein Ausnahme bildet Instant Messaging, dort können auch Nachrichten in Abwesenheit des Empfängers zugestellt werden. Damit sind drei besondere Merkmale hervorstechend:
- Die Kommuniktion läuft vom Sender zu einem bestimmtem Empfänger und nicht in die teilweise anonyme Öffentlichkeit des Netzes
- Der Empfänger erhält die Nachricht ohne relevanten Zeitverzug
- Der Sender erwartet (meistens) eine zeitnahe Antwort des Empfängers
Um diese Art der Kommunikation zu erleichtern bzw. zu optimieren, kommt Presence Awareness ins Spiel. Unter Presence Awareness wird ein System verstanden, welches zu den angemeldeten Benutzern Präsenz- und Verfügbarkeitsinformationen zur Verfügung stellt. Normalerweise sind diese Systeme nicht als dedizierte Anwendung vorhanden, sondern integraler Bestandteil von Instant Communication Anwendungen, wie dem Instant Messanger oder der Voice over IP Anwendung. Durch diese Erweiterung steht dem Anwender folgender Funktionumfang zur Verfügung:
- der Anwender sieht eine Liste aller seiner gewünschten Kontakte
- zu diesen Kontakten werden die aktuellen Verbindungsstatus, wie "online", "in Besprechung" oder "abwechsend" angezeigt
- man kann seinen eigenen Verbindungsstatus nach Wunsch ändern oder der Status wird automatisch geändert, wenn z. B. die Maus eine längere Zeit nicht bewegt wurde
- einige Anwendungen benachrichtigen den Benutzer, wenn sich der Status von Kontakten ändert
Damit kommt der Präsenzawarness zwei wichtige Funktionen zu Gute:
- Der Anwender kann einschätzen ob der Kontaktpartner "gestört" werden kann. Dadurch werden spontane Gesprächsaktivitäten möglich, da aufgrund des Wissens über den Präsenzstatus die Kontakthürden schwinden.[40]
- durch die Awarenessinformationen wird ein wichtiger Beitrag zur direkten Kommunikation geleistet und eine Gruppenkoordinierung wird einfacher, da eine ganz andere Erwartungshaltung der Gruppenmitglieder vorhanden ist.[41]
Wie bereits weiter oben erwähnt, ist die Instant Communication und Presence Awareness meistens Bestandteil einer IM-Anwendung wie Skype, Trillian oder Microsoft Office Communicator. Die Instant Messaging Anwendung bildet den Endpunkt des Instant Messaging-Dienstes, der ein Netzwerk aus angemeldeten Benutzern zur Verfügung stellt und über den die synchrone und direkte Kommunikation mit anderen Teilnehmern möglich ist, wobei diese Kommunikation heutzutage nicht mehr auf textuelle Nachrichten beschränkt ist, sondern über den mittlerweile Video und Telefonkonferenzen möglich sind[42]. Dadurch dass Instant Messaging Systeme diesen großen Funktionsumfang bieten, bestehen sie aus
- einer Client-Anwendung, welche auf dem Endgerät (PC, Smartphone oder ähnlichem) installiert werden muss
- einer Server-Anwendung, die die Kommunikation koordiniert, die Statusänderungen verteilt und an der sich die Client-Anwendung anmeldet
Durch diese Architektur und der Möglichkeit der audiovisuellen Kommunikation ergeben sich für diese Anwendungsklasse des Web 2.0 mehrere Probleme:[43]
- ein Internetbrowser als Anwendung reicht nicht mehr aus
- die Kommunikationsprotokolle der IM-Dienste sind proprietär, und somit teilweise nicht interoperabel
- die Plattformunabhängigkeit ist nicht gegeben. Dies führt dazu das mehrere Client-Anwendungen entwickelt werden müssen
Abgesehen von diesen technischen Problemen bzw. Hürden sollte erwähnt werden, dass das Wegfallen bzw. Verringern der Hürde zur Kontaktaufnahme nicht immer von Vorteil sein muss. Es kann unter Umständen passieren, dass ein Benutzer seine Awareness auf "verfügbar" stehen hat, aber eine Kontaktaufnahme trotzdem störend sein kann.[44]
Im Bildungsbreich kann diese Art der Kommunikation für folgende Anwendungsfelder eingesetzt werden:
- Virtuelle Vorlesung
- Gruppenkommunikationsplattform
- Ressourcenkoordination
3.1.3 Social Networking
Der Gedanke des heutigen Social Networkings lässt sich bis in die Anfänge des 20ten Jahrhunderts zurückführen[45]. Mitte der sechziger Jahre kam der Psychologe Stanley Milgram anhand eines durchgeführten Versuchs zu der Erkenntnis, dass jeder Mensch mit jedem anderen Menschen über eine kurze Kette, mit nur maximal sechs Gliedern, verbunden sei[46].
Unter dem Begriff Social Networking wird heutzutage der Aufbau und die Pflege sozialer Netzwerke verstanden. Zentrales Element sind die angelegten Benutzerprofile, welche überwiegend der Selbstdarstellung dienen. Durch Social Networking Plattformen sollen möglichst enge Netzwerke gebildet werden, um somit einen möglichst breiten Austausch gewährleisten zu können[47].
Laut Teten und Allen ergeben sich für den Anwender durch die Nutzung von Social Networking Plattformen sieben Vorteile[48]:
- Durch intensive Vernetzung lassen sich eigene Qualitäten einer breiteren Zielgruppe darstellen
- Kompetenzsteigerungen des Einzelnen durch kollektives Wissen
- Einfache Lokalisierung neuer Kontakte durch effiziente Suchfunktionen
- Auch geographisch weit entfernte Beziehungen können einfach aufrecht erhalten werden
- Durch die nicht-verbale Kommunikation kann die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme verringert werden
- Das Soziale Netzwerk kann schnell ausgebaut werden
- Kaum geographische, sprachliche oder kulturelle Barrieren
Die verfügbaren Social Networking Plattformen lassen sich nach offenen und geschlossenen Plattformen unterschieden. Offene Plattformen sind für jeden zugänglich und geschlossene Plattformen sind auf den Zugang in einer bestimmten Organisation begrenzt. So ist bereits ein Intranet Telefonbuch, wie es in vielen Unternehmungen eingesetzt wird, bereits eine geschlossene Social Networking Plattform.[49]
Die im Jahre 2008 in Deutschland meistgenutzten Social Networking Portale sind[50]:
- StudiVZ
- Lokalisten.de
- MySpace
Im folgenden sollen exemplarisch die Social Networks StudiVZ und Xing näher betrachtet werden, da diese mit dem Thema der Arbeit in Verbindung zu bringen sind.
StudiVZ - Deutschlands Nummer 1
StudiVZ wurde im Oktober 2005, wie der Name schon sagt, als Plattform für Studenten, gegründet und hat über 5 Millionen registrierte Nutzer. Heute existieren auch die Ausprägungen MeinVZ und SchuelerVZ, die an dieser Stelle allerdings nicht näher betrachtet werden. Neben Informationen zum Studium, wie bspw. Studienort und Studienrichtung, können dem Netzwerk unter anderem auch viele persönliche Informationen von der Adresse über die Geburtsdaten bis hin zur politischen Gesinnung bereitgestellt werden. Funktional hebt sich StudiVZ nicht von anderen Social Networking Plattformen ab und ist vor allem durch seine große Anwenderzahl interessant, welche das Wiederfinden alter Freunde und das Gewinnen neuer Freunde ermöglicht.[51]
Xing - Netzwerken für die Karriere
Xing wurde im August 2003, damals unter dem Namen OpenBC, gegründet und ist als Karriere- und Kontakt-Netzwerk gedacht. Das Prinzip hierbei beruht nicht darauf neue Freunde zu finden bzw. alte wiederzufinden, sondern geschäftliche Kontakte zu knüpfen. Xing ist im Vergleich zu den vorgenannten Social Networking Plattformen die seriöseste und das Durchschnittsalter der Mitglieder ist dementsprechend deutlich höher. Xing dient den Mitgliedern, vor allem auch durch die von Gruppen organisierten Events, dazu reale Geschäftsbeziehungen aufzubauen und den fachlichen Know-how Transfer zu ermöglichen.[52]
Aufgrund der teilweise sehr sensiblen Daten, die in den Profilen hinterlegt werden, welche von Geburtsdaten bis hin zu verschiedenen beruflichen Stationen sowie der politischen Gesinnung reichen, ist bei der Angabe dieser Daten oder bei der Auswahl von Social Networking Anwendungen auf die Seriösität der Anbieter zu achten.
Social Networking Plattformen, vor allem auch die beiden hier vorgestellten Beispiele, können in der Lehre für folgende Zwecke eingesetzt werden:
- Ressourcenkoordination in Teams
- Abstimmungen in Gruppen
- Wissensaustausch
3.1.4 Social Tagging
Social Tagging oder Collaborative Tagging (zu Deutsch: Gemeinschaftliches Indexieren) beschreibt den Vorgang des gemeinschaftlichen Charakterisierens von öffentlichen Objekten eines Systems durch dessen Benutzer[53]. Typische Objekte hierfür sind Webseiten, Bilder, Filme, Musikdateien, Textdokumente, Weblogs und Wiki-Seiten.
Um einfacher nach solchen Objekten suchen zu können, ergänzt man sie mit Metadaten. Zur so genannten formalen Erschließung dienen dabei objektive Kriterien, wie zum Beispiel bei einem Foto der Aufnahmezeitpunkt, der Ort, der Fotograph oder auch die verwendete Kamera.
Durch das Tagging sorgen die Benutzer auch für die inhaltliche (subjektive) Erschließung eines Objekts, indem sie dem Objekt so genannte Tags (Schlag- bzw. Schlüsselwörter) als Metadaten hinzufügen. Die Vergabe dieser Tags unterliegt dabei in aller Regel keinerlei Vorgaben. So kann ein Benutzer für ein Objekt beliebig viele Tags frei auswählen. Dadurch entsteht eine informale Taxonomie (Klassifizierung), mit der sich gewünschte Objekte leicht auffinden lassen. Die Gesamtheit der Tags vieler einzelner Benutzer wird auch als Folksonomie (Folk + Taxonomie) bezeichnet.
Zur Visualisierung häufig eingesetzter Tags wird eine so genannte Tag Cloud (Wortwolke) verwendet. In dieser werden die Tags alphabetisch sortiert aufgeführt und je nach Gewichtung visuell hervorgehoben, indem sich die Schriftgröße an der Häufigkeit der Verwendung eines Tags orientiert.
Neben dem Ziel, ein Objekt für die Allgemeinheit zu charakterisieren, können beim Tagging noch weitere Ziele verfolgt werden:
- Eine Person kann zur Selbstorganisation bestimmte Tags vergeben, die nur sie versteht und verwendet. Dazu zählen zum Beispiel zusammengesetzte Wörter wie "MeineFotos" oder ganze Wortneuschöpfungen.
- Gruppen können sich auf bestimmte Tags einigen, um diese ausschließlich für sich zu nutzen.
- Experten können gezielt Fachbegriffe verwenden, um den Adressatenkreis auf gleichartige Experten einzuschränken.
Durch die freie Auswahl von Schlagwörtern kommt es bei der Folksonomie zu einer Reihe von Problemen. So können für Objektbeschreibungen unterschiedliche Schreibweisen ("Taxonomy", "Taxonomie"), verschiedene Sprachen ("Bücher", "Books"), unterschiedliche Numerus (Singular: "Buch", Plural: "Bücher"), Synonyme ("Streichholz", "Zündholz") oder Homonyme (Begriffe mit mehreren Bedeutungen, z.B. "Bank") verwendet werden[54].
Andererseits gilt das Verwenden des eigenen Vokabulars als zentraler Vorteil des gemeinschaftlichen Indexierens. So kann ein Objekt von zwei Benutzern völlig unterschiedlich, aber dennoch korrekt, beschrieben werden ("Handy", "Mobiltelefon").
Eine Stärke der Systeme, auf denen gemeinschaftlich indexiert wird, ist die Möglichkeit, Objekte mit identischen Tags und Benutzer mit gleichen Interessen in Verbindung zu setzen[55]. So lassen sich zum Beispiel Benutzerinteressen ermitteln und gezielt steuern. Amazon nutzt diesen Vorteil beispielsweise, um dem Nutzer zu seiner eigenen Auswahl eine Reihe ähnlicher Produkte vorzustellen.
Als Vorteile des gemeinschaftlichen Indexierens in Bezug zur Lehre sind zu nennen:
- erleichterte Ideenfindung
- bessere Suchmöglichkeiten
3.1.5 Wiki
Wiki Systeme, oder kurz Wikis, sind eine Sammlung von untereinander verlinkten Seiten und dienen der Konsolidierung von Fachwissen mehrerer Internetnutzer. Für die Bearbeitung der Wikis bzw. deren Inhalt sind keine Kenntnisse einer Auszeichnungssprache wie bspw. HTML notwendig. Durch diese einfache Editierbarkeit der Inhalte wird einer großen Gruppe von Anwendern ermöglicht an diesem System teilzuhaben[56]. Mit dem Ziel der Koordinierung von Forschungsseiten und dem Informationsaustausch wurden Mitte der 90er die ersten Wikis entwickelt und genutzt[57]. Heutzutage stellt die Online Enzyklopädie Wikipedia das größte und bekannteste Wiki dar[58]. Weiterhin sind vor allem in jüngster Vergangenheit Wiki Projekte zu verschiedensten Themen entstanden und erfreuen sich steigender Benutzerzahlen[59].
Der größte Vorbehalt ggü. Wikis stellt die Korrektheit der abgebildeten Informationen dar, weil eine vollständig korrekte Abbildung der jeweiligen Inhalte zu keiner Zeit sichergestellt werden kann. Fehlerhafte Inhalte in Wikis lassen sich auf zwei Quellen zurückführen[60]:
- Irrtümer oder Unwissenheit des Vefassers
- Absichtliche Manipulation von Inhalten
Beide der aufgeführten Fehlerquellen können nicht präventiv vermieden werden, da die Behebung dieser Fehler von der Schnelligkeit der aktiven Nutzer abhängt. So kann ein falscher oder fehlender Inhalt erst korrigiert werden, sobald ein oder mehrere Nutzer hiervon Kenntnis erlangen. Wikis bieten zur Behebung der Fehlerquellen standardmäßig Versionierungsmöglichkeiten der jeweiligen Inhalte bzw. Seiten an. Mittels dieser Funktionen können Irrtümer, Löschungen und vermeindliche Manipulationen umgehend durch die Nutzer behoben werden. Bei Unstimmigkeiten zu den jeweiligen Inhalten können die Anwender die Diskussionsfunktion des Wikis nutzen.
In einem Test der Süddeutschen Zeitung im Jahre 2006 wurde sowohl die Qualitätssicherung durch die Nutzer als auch die Verwundbarkeit von Wikis am Beispiel der Online Enzyklopädie Wikipedia bewiesen. So wurden in der Online Enzyklopädie Artikel absichtlich manipuliert und vermeindlich neue Artikel zu fiktiven Themen eingestellt. Von den insgesamt siebzehn eingestellten Fehlern wurden am selben Tag zwölf entdeckt und korrigiert[61].
Eine von Fachleuten bearbeitete Enzyklopädie wie bspw. die Brockhaus Enzyklopädie ist unter Umständen auch nicht fehlerfrei. So waren bei der RTL Show "Wer wird Millionär" im Jahre 2005 alle der vier angegebenen Antwortmöglichkeiten falsch, da sich die zuständigen Redaktuere auf die Brockhaus Enzyklopädie verliessen[62].
Wikis können in der Lehre vor allem für folgende Zwecke eingesetzt werden:
- Erstellung von Einzel- und Gruppenarbeiten
- Veröffentlichung von Arbeiten
- Wissensverbreitung
- Ressourcenkoordination in Teams
3.2 Anwendungsfelder
Die im vorherigen Kapitel vorgestellten Anwendungsklassen lassen sich auf einzelne Anwendugsfelder beziehen. Welche Effizienzsteigerungspotenziale in den einzelnen Anwendungsfeldern möglich sind, soll in den folgenden Kapiteln aufgezeigt werden.
3.2.1 Gruppenarbeiten
Viele Arbeitgeber bemängeln, dass es den heutigen Schülern und Studenten oftmals an den so genannten Soft-Skills wie Team- und Moderationsfähigkeit, Offenheit und Verantwortungsbereitschaft mangelt. Diese Fähigkeiten lassen sich zum Beispiel durch den Einsatz von Gruppenarbeiten hervorragend schulen. Daher nimmt diese Lernmethode immer häufiger Einzug in den Unterricht von Schulen, Universitäten oder sonstigen Bildungseinrichtungen.
Eine Gruppenarbeit lässt sich in zwei Disziplinen unterteilen:
- kollektives Erarbeiten
- arbeitsteiliges Arbeiten
Beim kollektiven Erarbeiten einer Lösung sitzen die Gruppenmitglieder permanent zusammen. Sie diskutieren über jedes Detail und bringen jeden Lösungsansatz zur Abstimmung. Dabei können Wissenslücken oder Verständnisschwierigkeiten eines Gruppenmitglieds direkt von den anderen Mitgliedern beseitigt werden. Außerdem werden unterschiedliche Interpretationsansätze zugelassen. So lernen die Gruppenmitglieder während der Diskussion durch einen regen Meinungsaustausch auch andere Auffassungen und Perspektiven kennen[63]. Diese Art der Gruppenarbeit findet in der Regel nur für kleinere Aufgaben Anwendung, die direkt in der Unterrichtsstunde bearbeitet und fertig gestellt werden.
Handelt es sich um eine größere Aufgabe, die über einen längeren Zeitraum bearbeitet wird, so wird die Aufgabe meistens in Teilaufgaben gesplittet und auf die Gruppenmitglieder aufgeteilt. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit wären dies beispielsweise einzelne Kapitel, die erstellt werden sollen. Die Bearbeitung der Teilaufgaben übernimmt jeder Gruppenmitglied eigenverantwortlich für sich, meistens bei sich zu Hause. Aber grade die arbeitsgeteilte Gruppenarbeit stellt die Gruppe vor einige Probleme:
- Wie kann die Arbeit geplant und koordiniert werden?
- Wie kommunizieren die Gruppenmitglieder miteinander?
- Wie ist es machbar, möglichst eng und parallel zusammenzuarbeiten?
Die größte Schwierigkeit für einen Gruppenleiter eine effektive und zugleich effiziente Planung durchführen zu können entsteht durch die räumliche Trennung der Gruppenmitglieder. Ohne geeignete Mittel zum Beispiel zur Ressourcenkoordination, die noch in Kapitel 3.2.5 näher betrachtet wird, fehlen in der Planung entscheidende Informationen, um beispielsweise einen geeigneten Termin zu finden. Die klassischen Koordinations- und Kommunikationsmittel wie Telefon und Email können hierfür zwar effektiv sein, doch für einen schnellen Überblick zur Ressourcenverfügbarkeit der Beteiligten eignen sie sich nicht. Gegenfalls sind so mehrere Telefonate notwendig, um einen gemeinsamen Termin zu finden.
Ein weiteres Problem, welches durch die räumliche Trennung der Gruppenmitglieder entsteht, stellen physikalische Zusammenkünfte der Beteiligten dar. Je nachdem wie weit die einzelnen Gruppenmitglieder dabei voneinander entfernt wohnen, sind für solche Treffen weite Anreisen erforderlich, die Zeit und Geld kosten.
Abhilfe schaffen hier Web 2.0 Dienste, dessen bedeutendsten Anwendungsklassen wir bereits in Kapitel 3.1 vorgestellt haben. Durch die Unterstützung der Internet basierenden Plattformen und Anwendungen verschwinden zunehmend die räumlichen und zeitlichen Grenzen. Die Gruppenarbeit findet im virtuellen Raum des Internets statt. Es spielt keine Rolle mehr, wo sich ein Beteiligter zum Zeitpunkt der Kommunikation oder der Aufgabenbearbeitung real aufhält.
Gruppenfindung
Unter Umständen ist die Zusammensetzung einer Gruppe nicht so trivial, wie man es sich vorstellen könnte. Im Bereich des Studiums kommt es des Öfteren vor, dass sich eine Aufgabe nicht mit den bekannten oder befreundeten Kommilitonen erarbeiten lässt. Gegebenfalls erstreckt sich eine Gruppenarbeit sogar über mehrere Bildungsstandorte, wodurch eine Zusammenarbeit mit völlig fremden Kommilitonen ermöglicht wird. Mittels Social Networking Plattformen kann ein Suchender durch die intensive Vernetzung von Kontakten und den effektiven Suchfunktionen schnell geeignete Gruppenmitglieder z.B. Spezialisten auffinden (siehe Kapitel 3.1.3) und ggf. zur gemeinsamen Bearbeitung gewinnen.
Planung und Koordination
Wie vorhin beschrieben benötigt ein Gruppenleiter geeignete Mittel zur Planung und Koordination einer Gruppenarbeit. Eins dieser Mittel stellt die Awarenes dar (siehe Kapitel 3.1.2). Mit ihr können die Gruppenmitglieder Informationen bzgl. ihrer Erreichbarkeit, Termine und Kontaktmöglichkeiten bereitstellen. Da es dadurch beispielsweise zu keiner Terminüberlagerung mehr kommen sollte, wird durch den Einsatz der Awarenes eine effizientere Ressourcenkoordination erzielt (siehe Kapitel 3.2.5).
Kommunikation
Für eine erfolgreiche Gruppenarbeit ist eine intensive Kommunikation zwischen den Beteiligten unerlässlich. Durch den Einsatz der Instant Communication Dienste, die im Kapitel 3.1.2 näher beschrieben sind, können die Gruppenmitglieder zum Beispiel via Videokonferenz miteinander sprechen. Eine physikalische Zusammenkunft ist nicht mehr erforderlich. Die Terminplanung dazu erfolgt wie oben beschrieben mit Hilfe der Presence Awareness. Wenn eine Information oder eine Frage nicht gleich ein anderes Gruppenmitglied erreichen muss, eignen sich Weblogs (Kapitel 3.1.1) oder Wikis (Kapitel 3.1.5) für diese asynchrone Kommunikation. Im Kapitel 3.2.3 wir näher auf die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten eingegangen.
Aufgabenbearbeitung
Jedes Gruppenmitglied bearbeitet seine Teilaufgaben in der Regel dezentral am eigenen Rechner. Zum Schluss werden die erarbeiteten Teile dann zu einem Dokument zusammengefügt. Dabei sollten die Teilergebnisse zueinander passen. Mit Hilfe von Wikis (siehe Kapitel 3.1.5) oder anderen Gruppeneditoren (siehe Kapitel 3.2.6), kann jedes Gruppenmitglied seine Arbeiten direkt im Ergebnisdokument erarbeiten. Ein Zusammenfügen von Teilergebnissen ist nicht mehr notwendig. Außerdem ist der Stand der Gesamtarbeit zu jedem Zeitpunkt gut sichtbar.
In Kapitel 4 werden die Effizienzsteigerungspotenziale einer Gruppenarbeit anhand eines fiktiven Fallbeispiels veranschaulicht.
3.2.2 Informationsmanagement
Mit Hilfe des Internets ist der Zugang zu Informationen einfacher denn je. Früher dienten vorwiegend Bücher zur Wissensverbreitung. Um an Informationen zu kommen, mussten zunächst relevante Bücher oder sonstige zur Verfügung stehende Informationsquellen identifiziert und aufgetrieben werden. Bibliotheken waren (und sind es heute noch immer) beliebte Anlaufstellen zur Informationsbeschaffung.
Durch das Internet kann Wissen nun in digitaler Form veröffentlicht und damit jedem zugänglich gemacht werden. Jeder, der Zugang zum Internet besitzt, hat somit die Möglichkeit, auf dieses Wissen zuzugreifen und sich auf diesem Weg Informationen zu beschaffen und sein eigenes Wissen zu erweitern. Durch Social Software Anwendungen wie Weblogs und Wikis kann heute zudem jeder zur Wissensverbreitung beitragen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Wikipedia-Plattform[64], die sich als freie Enzyklopädie versteht.
Diese Entwicklung ist sowohl Segen als auch Fluch, denn neben nützlichen Informationen wird auch viel "Müll" veröffentlicht. Außerdem steigt die Datenmenge kontinuierlich an. Der Medien-Psychologe und Bestseller-Autor David Lewis ging bereits 2003 in einem Spiegel-Interview auf die Folgen der globalen Datenflut ein[65]. Er berichtete, dass allein im Jahr 2002 etwa 800 Megabyte an Daten pro Erdenbürger erzeugt wurde, "das entspricht 800 voll geschriebenen Büchern"[66].
Um dieser Datenflut noch Herr zu werden, reicht das herkömmliche Informationsmanagement nicht mehr aus. Abhilfe schafft hier das in Kapitel 3.1.4 vorgestellte Tagging-Prinzip, bei dem digitale Informationsobjekte durch sog. "Tags" vom Anwender und von den Lesern kategorisiert werden. "Dadurch aggregieren sich Themengebiete beinahe automatisch, und die Nutzer können auch verwandte Themen schnell erkennen und gegebenenfalls weitere Informationen und Hintergründe einsehen"[67].
Mittels Social Bookmarking Systemen können Bookmarks, also virtuelle Lesezeichen, an einem zentralen Ort gespeichert werden. Sie können für Freunde, Bekannte, Kollegen, etc. zugänglich gemacht werden und helfen dabei, Informationen schnell und auf einfache Art und Weise wieder zu finden. So kann jeder Nutzer von jedem Standort bzw. von jedem Rechner auf seine, für ihn wichtigen Informationen zugreifen. Eines der bekanntesten dieser sog. Social Bookmarking Plattformen ist die Webseite delicious.com[68]
Lernende können durch das global betriebene "Tagging" schneller relevante Informationen finden. In Social Bookmarking Systemen können sie dann gemeinsam themenbezogene Linksammlungen erstellen, um ihre Informationsquellen anderen Lernenden oder sonstigen Informationssuchenden zur Verfügung zu stellen.
3.2.3 Kommunikationsmöglichkeiten
Web 2.0 Dienste wie Instant Communication oder Social Networking bieten ein höheres Interaktionspotenzial als klassische Kommunikationsmodelle, wie Rundschreiben, Newsletter oder Foreneinträge. Früher wurde eine "one-to-many" Kommunikation praktiziert. Dies bedeutet es gibt einen Sender und eine definierte Gruppe von Empfängern, die über simple Kommunikationswege angesprochen werden. Diese Art der Kommunikation ist unidirektional die sich an eine geschlossene Gruppe richtet. Gerade im Bildungsbereich kann diese Unidirektionalität gravierende Nachteile haben, die diese Art der Kommunikation voraussetzt. Hierbei nimmt der Sender an
- dass der kommunizierte Inhalt vom Empfänger verstanden wurde
- dass jeder Empfänger den Inhalt bekommen hat
- dass es keine Rückfragen gibt
- dass der Empfängerkreis, nach ermessen des Senders, vollständig ist
Doch was kann der Empfänger tun, wenn eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist? Wo und wann kann er nachfragen, wie kommt er auf anderem Wege an die Informationen oder wer hat die notwendige Kompetenz zur Lösung inhaltlicher Probleme etwas beizutragen? Diese Problematik läßt sich nur durch den Wechsel von unidirektionaler zu bidirektionaler Kommunikation lösen, welche dann die Möglichkeit zum Informationsaustausch zwischen Sender und Empfängern bietet. Zwar läßt sich dieser Kommunikationsweg mit Diensten wie eMail erreichen, doch weisen diese erhebliche Nachteile auf. Die in den Nachrichten enthaltenen Informationen liegen nur in den jeweiligen Postfächern vor und bieten dadurch nur einen beschränkten Zugriff. Für den bidirektionalen Austausch sowie der Verfügbarkeit der Informationen bieten sich Web 2.0 Dienste an. Doch mit welchen Diensten lassen sich welche Ziele erreichen?
- Instant Communication: Dienste des Bereiches Instant Communication, wie ICQ, Skype oder AIM, kommen dem Wunsch der Kommunikation auf persönlicher Ebene, plus der Möglichkeit auf verschiedenen Ebenen, wie Videokonferenz oder einfacher Textchat, Kontakt mit einer Person oder einer Gruppe aufzunehmen. Weiterhin sind mittels dieser Werkzeuge Präsenzinformationen über die Benutzer abrufbar, wodurch ineffiziente Kommunikationsversuche, die in einer Nichterreichbarkeit enden, nichtig werden. Durch die Möglichkeit von IM Diensten auch audiovisuelle Kommunikationswege, wie eine Webkonferenz nutzen zu können, stellen sie im Bildungsbereich einen großen Asset dar. So könnten beispielsweise Vorlesungen parallel als Webkonferenz veröffentlicht werden, um Studenten die es nicht zur Vorlesung schaffen, trotzdem eine Möglichkeit zu bieten, dieser beiwohnen zu können. Räumliche und zeitliche Barrieren könnten damit durchbrochen werden, welches sich als Effizienzgewinn manifestiert, weil z. B. die Fahrtzeit zur Vorlesung wegfällt. Dadurch das diese Art der Kommunikation eine sehr persönliche darstellt, setzt sie voraus, dass die Teilnehmer über einen entsprechenden Kontaktpool verfügen.
- Social Networking: Durch Social Networking Plattformen werden Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme geschaffen. Weiterhin wird durch die Profilierung der einzelnen Benutzer eine Übersicht geschaffen, um sich ein Bild z. B. von Teilnehmern einer Vorlesung machen zu können oder die passenden Ansprechpartner zu finden. Man lernt seine Kommulitonen und Dozenten kennen. Gerade für Studenten deren Lebensmittelpunkt nicht der Kampus und die Universität ist, bekommen ein Werkzeug an die Hand, um nicht den Kontakt zu verlieren bzw. überhaupt erst einmal den Konatkt zu finden. Für große Bildungseinrichtungen bildet das Social Network eine gute Möglichkeit das Problem der Anonymität des Einzelnen zu bekämpfen. Durch die Beseitigung dieser Anonymität geht auch ein Effizienzgewinn für die Lernenden und Lehrenden einher, da das Wissen übereinander zu einer besseren und zielgerichteten Kommunikation untereinander führt.
- Blog: Ging es bei den anderen Diensten eher um eine zielgerichtete Kommunikation untereinander, bieten sich Blogs eher an, um breit gefächerte Kommunikation mit nicht definierten Gruppen- bzw. Empfängergrenzen zu praktizieren. Auf den ersten Blick scheint es sich bei Blog ebenfalls um ein unidirektionales Kommunikationsmittel zu handeln, doch durch die Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Blogs oder Beiträgen sowie der Kommentierbarkeit von Beiträgen, kann mit diesem Werkzeug bidirektionale Kommunikation zustande kommen. Ebenfalls sollte der Nebeneffekt des Wissenmanagement bzw. der Wissenshaltung durch die Blogginganwendung nicht vernachlässigt werden.
Festzuhalten bleibt, dass sich mit Web 2.0 Techniken ein breites Spektrum an bidirektionalen Kommunikationsmöglichkeiten anbieten und praktizieren lässt. Da im Bildungsbereich und der Lehre ein großer Bedarf an Informationsaustausch und dadurch Kommunikation besteht, sollten gerade Social Networking Dienste und Blogs genutzt werden, um Lernende und Lehrende zu unterstützen. Durch die Verringerung der Anonymität und der Schaffung eines Kommunikationsnetzwerkes wird überhaupt die Möglichkeit zur effizienten, dynamischen und zielgerichteten Kommunikation geschaffen, welche Voraussetzungen für ein gutes und erfolgreiches Lernen sind.
IM Dienste sollten gesondert betrachtet werden, da hierdurch eher der Bereich der persönlichen und synchronen Kommunikation abgedeckt wird. Trotzdem bieten Anwendungsfälle der Instant Communication wie die virtuelle Vorlesung, durch den Wegfall räumlicher Barrieren ein hohes Potential, um im Bildungsbereich schneller und effizienter arbeiten und damit lernen zu können.
3.2.4 Kontaktmanagement
In der heutigen schnelllebigen Welt ist nichts so vergänglich wie Kontaktdaten. Eine Visitenkarte ist meisst schon nach dem Druck nicht mehr aktuell. Das Adressbuch im persönlichen Timeplaner immer auf dem aktuellsten Stand zu halten ist somit beinahe unmöglich. Private Kontaktdaten von Freunden oder engen Bekannten lassen sich noch am einfachsten aktuell halten, da man in der Regel auf dem Laufenden ist. Hingegen verändern sich geschäftliche Kontakte heutzutage in Position, Funktion und Arbeitsort deutlich häufiger als dies noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Um den Adress- und Kontaktbestand des privaten als auch des geschäftlichen Netzwerkes aktuell zu halten, können Social Networks, wie in Kapitel 3.1.3 beschrieben, dienen. In einem solchen Netzwerk ist man nur für seine eigenen Daten verantwortlich. Durch die Vernetzung mit anderen Mitlgiedern sind diese direkt über eine Änderung der persönlichen Daten informiert. Des Weiteren ist man natürlich auch direkt über eventuelle Änderungen in seinem eigenen Netzwerk informiert.[69]
Im Gegensatz zu einer dezentralen Pflege und dem, wie einleitend beschrieben, damit verbundenen administrativen Aufwand, ist eine Nutzung einer solchen zentralen Kontaktdatenbank unter gewissen Vorraussetzungen deutlich effizienter:
- An der genutzten Plattform müssen ausreichend eigene Kontakte angemeldet sein
- Die Plattform muss sich am Markt etabliert haben und ausreichend bekannt sein
Um eine Social Networking Plattform als Kontaktdatenbank zu nutzen, müssen allerdings auch folgende Nachteile beachtet werden:
- Für verschiedene Bereiche (privat, geschäftlich) ist meisst die Nutzung unterschiedlicher Plattformen unumgänglich
- In der Regel sind nicht alle persönlichen Kontakte auf einer Social Networking Plattform angemeldet
- Aufgrund der sensiblen Daten muss auf die Datenschutzrichtlinien der Portale wie unter Kapitel 3.1.3 beschrieben geachtet werden
Viele Social Networking Plattformen bieten den angemeldeten Nutzern die Möglicheit Änderungen der persönlichen Kontakte direkt in ein Mail- oder Adressprogramm exportieren zu können, wodurch die Nutzung auf mobilen Geräten wie bspw. einem Handy deutlich erleichtert wird[70].
Ein weiterer Punkt, der unter das Anwendungsfeld Kontaktmanagement fällt, ist die Möglichkeit der Expertensuche. In professionellen Social Networking Anwendungen werden die Mitglieder angehalten nicht nur Ihre Kontaktinformation zu hinterlegen sondern auch Informationen zu aktuellen und vergangengen Arbeitsgebieten, Informationen zu dem persönlichen Expertenwissen und ggf. Themenbereiche für die man aktuell Informationen benötigt. Abbildung 6 zeigt welche Ausmaße ein Netzwerk von nur rund einhundert direkten Kontakten im zweiten bzw. dritten Grad annehmen kann. Hierdurch wird den Nutzern eine weitaus effizientere Suche nach interessanten Fachleuten für benötigte Themengebiete ermöglicht, als das über klassische Wege wie bspw. Konferenzen möglich war.[71]
Ein gut ausgebautes Netzwerk ist mittlerweile nicht nur förderlich für den Erfolg im Beruf, sondern nötig. Alumni Netzwerke werden mittlerweile nicht nur von Universitäten und Fachhochschulen, sondern auch von Unternehmen gefördert.
3.2.5 Ressourcenkoordination
Um die Teamfähigkeit heutiger Lernenden zu schulen, verlangen Universitäten, Fachhochschulen oder sonstige Bildungseinrichtungen immer häufiger Gruppenarbeiten, wie z. B. Beispiel Fallstudien, bieten aber selten Mittel oder Plattformen zur Unterstützung dieser Gruppenarbeiten. Bei Lernenden die sich neben dem Studium noch einer hauptberuflichen Tätigkeit widmen, manifestiert sich mangels dieser Unterstützung ein Koordinations- und Resourcenproblem. Diese räumliche und zeitliche Trennung der Beteiligten in eine effiziente und effetiktive Plannung durch den Gruppenleiter umzusetzen wird fast zu einer größeren Herausforderung als die Aufgabe selbst.
Ohne eine geeignete Plattform sind bis dato die klassisch genutzten Koordinationsmittel Telefon und eMail. Durch den Mangel an passenden Informationen, die in der Fachsprache Awareness heißen, wird der Gruppenleiter gezwungen, die Resourcenplanung vage und seiner Meinung nach passend vorzunehmen. Wie tiefgreifend dieses Problem ist hat Stefana Broadnet im Auftrag von Swisscom durch Studien untersucht[72]. Dabei stellte sich heraus, dass der häufigste Grund der persönlichen Kontaktaufnahme ist, einen Termin zu finden, um eine Besprechung durchzuführen. Dies zeigt wie ineffizient heutige Resourcenkoordination ohne geeignte Hilfsmittel ist. Doch was kann dagegen gemacht werden? Welche Informationen und Hilfsmittel sind notwendig, um eine bessere Koordination bieten zu können?
Den Lösungsansatz bietet die Awareness. Von Awareness spricht man, wenn Gruppen- oder Teammitglieder gegenseitig Informationen bezüglich der Erreichbarkeit, der Termine und der Kontaktmöglichkeiten voneinander haben[73]. Vorteil des Vorhandenseins dieser Awareness ist, dass die Kontaktaufnahme spontaner und zielgerichteter ist, der Gruppenleiter und die Gruppenmitlieger sich leichter einen Überblick verschaffen können und eine Koordination effizienter wird, da beispielsweise keine Termine vorgeschlagen werden, die schon belegt sind.
Es sollten verschiedene Arten von Awareness, deren Nutzen sowie den Web 2.0 Diensten, die dies erreichen unterschieden werden[74].
- Awareness zu Personeneigenschaften: Dies sind eigentlich die "Web 2.0 Bewegungsdaten" des Benutzers, die darüber informieren ob und wie der jeweilige Benutzer im Moment erreichbar ist. Dies läßt sich heutzutage mittels Instant Messenger Dienstes am einfachsten umsetzen, da hier die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme bestehen. Des Weiteren sind die Gruppenmitglieder in der Lage zu sehen wie der Anwesenheitsstatus des jeweiligen Benutzers ist. Damit sinken Kontaktaufnahmehürden und die Effizienz steigt, da Teilnehmer wissen ob sein Gegenüber Zeit hat oder nicht.
- Awareness zu den Gruppenaktivitäten und Gruppenresourcen: Hiermit kann jeder Teilnehmer sich über den Status des Projektes informieren, wie z. B. der Fortschritt von Aufgaben. Zur Realisierung einer solchen Funktionalität bieten sich heutzutage Gruppeneditoren bzw. Wikis an, da diese zusätzliche Informationen, wie z. B. letzter Bearbeiter und Versionshistorie bieten.
- Kompetenzawareness: Hierdurch wird ein Überblick der Kompetenzen und Schwerpunkte der einzelnen Teilnehmer möglich. Somit können für Fragen oder Probleme zielgerichtet und effizient die richtigen Ansprechpartner gefunden werden und die Möglichkeit einer Lenkung von Aufgaben wird geschaffen. Um diese Informationen verfügbar und einsetzbar zu machen, sollte auf Social Networking Plattformen zurüchgegriffen werden, die optimaler Weise mit anderen eingesetzten Web 2.0 Diensten vernetzt bzw. verbunden sind. Da in Social Networking Plattformen die Benutzer ihre Daten selbst pflegen, ist hierdurch eine hohe Aktualität gewährleistet, welche für eine effiziente Koordination wünschenswert ist.
Schlussfolgernd bedeutet dies für die Resourcenkoordination, dass bevor eine effiziente Planung stattfinden kann, eine große Anzahl an Informationen über die jeweiligen Resourcen und Teilnehmer vorhanden sein muss.
Um auf unser Anfangsproblem der Koordination in Gruppenarbeiten zurückzukommen, wäre es erstrebenswert Lernenden eine Plattform zur Verfügung zu stellen, die:
- Schnittstellen zu Social Networking Plattformen bieten, um Profile verwalten bzw. integrieren zu können. Es ist davon abzuraten in diese Plattform eine eigene Profilverwaltung einzubauen, wenn überhaupt nur eine Rudimentäre, da dies zur Folge hätte, dass Daten und Profile redundant gepflegt werden müssten, welches ineffizient und fehleranfällig ist.
- ein Modul zur Projektarbeit, welches eine Mischung aus Aufgabenverwaltung und Gruppeneditor bzw. Wiki darstellt. Dadurch wäre gewährleistet, dass Medienbrüche verhindert werden und jeder Teilnehmer sich über den Status der anderen Teilnehmer informieren kann.
- die Möglichkeit bieten, externe IM Dienste einzubinden. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, sich über die Awareness der einzelenen Personen zu informieren, schnell mal Kontakt aufnehmen zu können zwecks kleinerer Koordinationen bzw. überhaupt eine weitere Kontaktmöglichkeit zu bieten.
Die wünschenswerte und optimale Ausbaustufe dieser Plattform wäre, sie Geräte- und Betriebssystemunabhängig anzubieten. Dadurch würde die Möglichkeit geschaffen, dass der Lernendene seine Awarenessinformationen immer aktuell halten kann, sowie dass er zwecks Koordinierung fast immer verfügbar wäre. Denn wie sich zeigte, ist eine effiziente Koordination und Planung nur mittels aktueller Awareness über die Teilnehmer möglich.
Damit zeigen sich zum Thema effiziente Koordination und Resourcenplanung zwei Probleme:
- Für jeden einzelnen Problembereich bezüglich Awareness gibt es Web 2.0 Dienste, wie Wikis für Projektawareness oder Social Networking Dienste für Kompetenzawarness. Und genau hier liegt ein ursächliches Problem: Es gibt keine Lösung für alle Anwendungsfälle im Bildungsbereich. Es wird eine hoch integrierbare und dynamische Plattform benötigt, quasi ein funktionsstarkes Mashup, die all diese Dienste in einer Anwendung bündeln. Da aber ein Grundsatz des Web 2.0 Gedankes die Schnittstellenfähigkeit und das "Right to Remix" ist, ist dies eher ein technisch zu lösendes Problem.
- Wie schon mehrfach erwähnt ist eine grundlegende Voraussetzung für eine effiziente Koordination und Plannung die Aktualität der Awareness und dies ist in erster Linie kein technischen sondern ein Anwenderproblem. Nur wenn die Benutzer auch den Web 2.0 Gedanken leben und ihre Awareness regelmäßig aktualisieren kann eine gute Planung stattfinden.
Doch Web 2.0 Dienste bieten ein großes Effizienzpotential zur Resourcenplanung, da durch diese Werkzeuge genügend Informationen und Kontaktschnittstellen über Teilnehmer und Resourcen vorhanden sind. Somit würde der anfangs erwähnte Grund zur persönlichen Kontaktaufnahme wegfallen, da die Resourcenkoordination ohne Rücksprache stattfinden könnte. Weiterhin würde sich der Einsatz einer solchen Plattform ebenfalls in der Zeitachse einer solchen Gruppen- bzw. Projektarbeit in Form einer Verkürzung bemerkbar machen, da weniger Zeit und damit weniger Ressourcen für die Planung verwendet würden.
3.2.6 Wissensverbreitung
Durch das weltumspannende Internet hat die Wissensverbreitung in den letzten Jahren stark zugenommen. Durch Projekte wie Wikipedia werden Informationen einer ganzen Enzyklopädie kostenlos Lesern in aller Welt zur Verfügung gestellt. Vor einigen Jahrzehnten, als Wissen überwiegend in Büchern abgedruckt war, war ein Wissenstranfer in dritte Welt Länder nur schwer möglich. Durch Projekte wie bspw. Wikipedia ist Wissen kein luxoriöses Gut mehr.[75]
Viele Unviersitäten und Fachhochulen haben in dem Anwendungsfeld Wissensverbreitung heute noch Nachholbedarf. So werden durch Studenten jedes Semesters eine Vielzahl von Arbeiten erstellt. Die meisten dieser gedruckten Arbeiten erreichen allerdings nur einen kleinen Leserkreis von wenigen Korrekturlesern und Prüfern und verschwinden danach im Archiv. Einzig die Veröffentlichung des Studenten selbst über eine eigene Plattform wie einen Blog oder eine eigene Homepage schaffte hier in Einzelfällen bislang Abhilfe. Durch die Web 2.0 Anwendungsklasse des Wikis kann dieser dezentralen Wissenshaltung Abhilfe geschafft werden. So können Arbeiten zusätzlich oder ausschließlich in einem Wiki erstellt und anschliessend direkt veröffentlicht werden. Folgende Vorteile ergeben sich durch diese Art der Wissenshaltung:[76]
- Doppelarbeiten bzw. Themenüberschneidungen werden vermieden
- Vereinfachte Informationsbeschaffung
- Vereinfachter Informationsaustausch (ggf. Disskussion untereinander)
- Einheitliche und zentrale Ablage
- Einfache Wissensverbreitung
Dozenten und Hochschullehrer haben über Wiki Systeme die Möglichkeit Ihre Skripte online zur Verfügung zu stellen und sich so thematisch mit anderen Hochschullehrern abzustimmen und die Möglichkeit ggf. Inhalte aufeinander abzustimmen. Durch die Veröffentlichung in einem Wiki haben Studenten in höheren Semestern oder auch ehemalige Studenten nach Beendigung ihres Hochschulstudiums die Möglichkeit sich das unter Umständen aktualisierte Skript im Wiki erneut anzuschauen.
Wenngleich muss in einer Informationswelt, die wie die heutige stark vernetzt ist und in der durch Speicherplatz keine besonderen Kosten mehr entstehen, auch auf die Informations- und Wissensüberflutung beachtet werden. So ist Information die einzige Ressource die ständig wächst, weswegen im Allgemeinen schon vom Info-Smog gesprochen wird.[77]
4 Bewertung der Effizienzsteigerungspotenziale
Eine Bewertung der aufgezeigten Potenziale zur Effizienzsteigerung durch Web 2.0 Dienste wird in folgendem fiktiven Fallbeispiel durchgeführt.
Im Rahmen eines Studiums bekommt ein Team mit den Mitgliedern A, B und C die Aufgabe sich innerhalb von drei Monaten mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen, welches wissenschaftlich erarbeitet und präsentiert werden soll. Die Personen studieren jeweils an drei verschiedenen Standorten in Deutschland (Berlin, Düsseldorf und München) siehe Abbildung 7. Um sich auf eine Gliederung für das Thema, die finale Abstimmung der wissenschaftlichen Arbeit und die Erstellung der Präsentation zu verständigen müssen sich die Teammitglieder im Laufe der Arbeit drei mal Treffen, einmal jeweils in Berlin, in Düssldorf und in München.Die drei Städte sind in diesem Beispiel fernverkehrstechnisch gut miteinander verbunden. Für die Kostenkalkulation werden jeweils die Preise der kürzesten Luftfahrtverbindung angesetzt, so dass jede Person zwei innerdeutsche Flüge (jeweils Hin- und Rückflug) buchen muss. Für Hin- und Rückflug müssen die Teilnehmer inklusive Check-In 4 Zeitstunden einplanen. Wöchentlich vereinbaren die Personen eine Telefonkonferenz miteinander um sich über den aktuellen Stand und die jeweils aufgetretenen Probleme abzustimmen.
Für die gesamte Arbeit entstehen rein für die Organisation und Abstimmung folgende Reisekosten und Zeitaufwände:
- Insgesamt 700 Euro; Hin- und Rückflug ca. 350 Euro [78]
- Ingesamt 8 Stunden Zeitaufwand; 2 Stunden pro take-off inkl. Check-In
Für die wöchentlichen Telefonkonferenzen wurden in diesem Beispiel keine Kosten angesetzt, da die Kosten im Rahmen dieser Aufstellung vernachlässigbar sind und sich heutzutage Handy- und Telefonflatrates am Markt etabliert haben.
An welcher Stelle und mit welchen Methoden Web 2.0 Dienste den vorgenannten Prozess verbessern und somit effizienter gestalten können, soll im folgenden Arbeitsablauf verdeutlicht werden.
Für die Abstimmung der Gliederung werden die Möglichkeiten der Instant Communication genutzt Somit treffen sich die Teilnehmer online per Web Konferenz zu einem fest vereinbarten Termin zwecks Abstimmung ung Erarbeitung des Themas mittels bspw. Brainstorming und MindMapping - ein persönliches Treffen ist wegen der audiovisuellen Kommunikationsmöglichkeiten hierfür allerdings nicht mehr nötig. Die Gruppenarbeit wird in einem gemeinsamen Wiki erstellt, jedes Teammitglied ist somit jederzeit über den aktuellen Stnad der Gruppe informiert und die sprachliche Abstimmung der einzelnen Kapitel aufeinander kann direkt durch die Teammitglieder im Wiki erfolgen. Auch die Ressourcenkoordination und Zuweisung von einzelnen Inhalten zu Teammitgliedern kann direkt über Kommentierungen im Wiki erfolgen. Weiterhin entfällt die aufwendige Zusammenführung der einzelnen Arbeitsergebnisse in einem Texteditor[79] und somit auch das zweite Treffen für die finale Abstimmung, da diese Schritte bereits online im Wiki erfolgen können. Im Laufe des gesamten Prozesses bloggen die Teammitglieder neueste Erkenntnisse oder Probleme bei der Bearbeitung in einem Blog, diese Informationen stehen den anderen Teammitgliedern sofort zur Verfügung und können umgehend kommentiert werden. Bei größeren Abstimmungbedarf bzw. Problemen können sich die Teammitglieder auf einen Termin für eine erneute Web Konferenz mittels Instant Messaging einigen und gemeinsam an der Problembehebung arbeiten. Die zu erstellende Präsentation kann auch im Rahmen einer Web Konferenz durch die Teammitglieder erarbeitet und abgestimmt werden, womit auch das dritte Treffen nicht mehr nötig ist. Sollte der Inhalt der Arbeit während der Bearbeitungsphase nicht veröffentlicht worden sein, ist es durch die Nutzung des Wikis kein Problem die Arbeit im letzten Schritt auch zu veröffentlichen und einer breiteren Leserschaft zur Verfügung zu stellen.
Anfallende Kosten für die Anreise zur gemeinsamen Präsentation wurden nicht berücksichtigt, da diese in beiden Fällen auftreten würden, diese könnten sich durch eine Web Konferenz ggf. vermeiden lassen. Die Softwarekosten für Blogs, Wikis etc. wurden nicht betrachtet, da am Markt genügend freie Produkte zur Verfügung stehen, weiterhin wurden die Kosten für den benötigten Webspace nicht betrachtet, da die erforderlichen Ressourcen für wenige Euro pro Monat bei verschiedensten Anbietern gemietet werden können.
Das gezeigte Beispiel zeigt die möglichen Potenziale zur Effizienzsteigerung durch die vorgestellten Web 2.0 Dienste, die im ursprünglich - ohne Anwendung von Web 2.0 Diensten - aufgetretenen Kosten konnten gänzlich eingespart werden und die Beanspruchung der knappen Ressource Zeit der einzelnen Teammitglieder konnte reduziert werden.
Das gezeigte Beispiel lässt sich auf viele andere Anforderungen übertragen bspw. könnten Hochschuldozenten, verschiedener Hochschulen, ihre gemeinsame Vorlesungsreihe ohne persönliche Treffen aufeinander abstimmen. Internationale Kooperationsprojekte und gemeinsame Arbeiten zwsichen verschiedenen Hochschulen sowohl länder- als auch kontinentübergreifend können mit den eingangs vorgestellten Web 2.0 Diensten effizienter abgewickelt werden.
Folgenden Nachteile entstehen bei der Nutzung von Web 2.0 Diensten zur Unterstützung der Lehre:
- Verfügbarkeit von Breitbandverbindungen
- Technische Probleme
Ohne eine Breitbandverbindung sind die vorgestellten Web 2.0 Dienste nicht vollständig bzw. gar nicht nutzbar, in Deutschland bzw. in den Industriestaaten ist eine Breitbandverbindung beinahe flächendeckend verfügbar, jedoch gibt es auch hierzulande Regionen die nicht erschlossen sind[80].
Ein weiteres wichtiges Problem stellt die technische Verfügbarkeit der genutzten Systeme dar, durch Systemausfälle kann die Arbeit unter Umständen stark beeinträchtigt werden. Desweiteren muss eine vernünftige Backup Strategie vorhanden sein, ansonsten können durch Ausfälle die erstellten Inhalte ggf. verloren gehen.
5 Ausblick
Im Rahmen dieser Arbeit wurden einige Potenziale zur Effizienzsteigerung durch Web 2.0 Dienste aufgeführt und beschrieben. Welche zukünftigen technischen Entwicklungen möglich sind, soll hier kurz erläutert werden.
Web 3.0
Aktuell wird von vielen Seiten über Semantic Social Software oder Web 3.0 als konsequenten nächsten Schritt gesprochen. Unter Semantic Web versteht man im Allgemeinen die Idee Informationen die derzeit im Web ausschließlich für den Menschen abgelegt sind durch Zusatzinformationen, den sog. Metadaten, für Maschinen oder besser Agentendienste verwertbar zu machen[81]. Das Konzept beruht auf einem Vorschlag[82] von Tim Berners-Lee, dem Begründer Der World Wide Web (WWW).
Das Internet stellt eine Möglichkeit dar, die Daten der Welt miteinander zu vernetzen. Aber derzeit kann das World Wide Web nur von Menschen verstanden werden. Kein Computer kann aus den Daten einer herkömmlichen Webseite direkt Informationen gewinnen. Gleichzeitig wächst die Informationsflut im Internet derart, dass die Informationen von Menschen nicht mehr erfasst werden können. Die Lösung: Das Semantic Web sieht vor, eine Anfrage eines Benutzers zu verstehen und die relevanten Informationen auf der Ebene ihrer Bedeutung miteinander zu verknüpfen, um ein zufrieden stellendes Ergebnis zu liefern. Bei einer Reise etwa könnten Wetterdaten und Staumeldungen mit Informationen über Sehenswürdigkeiten und Vorlieben des Reisenden in Bezug gesetzt werden.
Ubiquitäre Benutzerschnittstellen
Eine weitere technische Entwicklung, an der zur Zeit intensiv geforscht und gearbeitet wird, sind Ubiquitäre Benutzerschnittstellen. Sie sollen "besser und natloser in Arbeitsprozesse und Arbeitsumgebungen integriert werden, die den Zugriff auf Social Software dann ermöglichen, wenn er gebraucht wird bzw. wenn der Benutzer Zeit und Lust hat etwas beizutragen, jederzeit, an jedem Ort, in jeder Situation"[83].
Der Begriff des Ubiquitous Computing wurde 1991 in dem Aufsatz The Computer for the 21st Century[84] von Mark Weiser geprägt und beschreibt die Situation, in der Computer überall ("ubiquitous", zu deutsch: allgegenwärtig) eingebettet in die Infasturktur sein werden, z.B. in Tischen. Sie stellen den Benutzern verschiedene Dienste zur Verfügung und erlauben die natürliche Interaktion zwischen den Benutzern und ihrer Umgebung.[85]
Dieses Konzept sieht auch die Ausstattung nahezu aller Alltagsgegenstände um Kommunikationsfähigkeit und einer gewissen Intelligenz vor, um den Menschen bei Bedarf auf natürliche Art und Weise zu unterstützen, wodurch der Alltag spürbar erleichtert wird. Ein erstes Anwendungsfeld ist z.B. das intelligente Haus. Die Einrichtungen wie Heizung und Rollläden lassen sich remote bedienen, also aus der Ferne her steuern und passen sich den Bedürfnissen der Bewohner an.
6 Anhang
6.1 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| bspw. | beispielsweise |
| ebd. | ebenda |
| ggf. | gegebenenfalls |
| ggü. | gegenüber |
| inkl. | inklusive |
| IT | Informationstechnologie |
| f. | folgende |
| ff. | fort folgende |
| S. | Seite |
| sog. | sogenannte |
| vgl. | vergleiche |
6.2 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung | Quelle |
|---|---|---|
| 1 | Web 2.0 Meme Map | O'Reilly (2005) |
| 2 | meistgenutzte Social Networking Portale in Deutschland | http://www.chip.de/ii/168606301_7c2b014885.jpg (05.06.2009, 12:00) |
| 3 | Wortwolke (Tag Cloud) | http://jilltxt.net/wp-content/uploads/2006/10/tagcloud-bards-to-blogs.png (03.06.2009, 14:40) |
| 4 | Wikipedia.org Einstiegsportal | http://wikipedia.org (01.06.2009, 13:10) |
| 5 | Leser und Redakteure im Wiki | in Anlehnung an Komus, Wauch (2008) S. 6 |
| 6 | Populäre Social Bookmarking Plattform: delicious.com | http://delicious.com (14.06.2009, 17:00) |
| 7 | Ausmaße des persönlichen Netzwerks | xing.de (11.06.2009, 13:00) |
| 8 | Geographische Verteilung der Teammitglieder | erstellt in Anlehnung an: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2c/Karte_Bundesrepublik_Deutschland.svg (05.06.2009, 14:00) |
6.3 Fußnoten
- ↑ Maresch 2007
- ↑ Brockhaus Enzyklopädie
- ↑ Vgl. Komus, Wauch (2008); S. 7 ff.; Vgl. ebd., S. 42ff.
- ↑ Vgl. O'Reilly (2005)
- ↑ Vgl. O'Reilly (2005) S.2 ff
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.3
- ↑ O'Reilly (2005) S.8 ff
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.3
- ↑ Vgl. O'Reilly (2005) S. 14-15
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.8
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.9
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.9
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.10
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.10
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S.4
- ↑ Vgl. Komus, Wauch (2008), S. 2
- ↑ Vgl. McAfee (2006) S.23
- ↑ Vgl. McAfee (2006) S. 25
- ↑ Vgl. McAfee (2006) S. 26-27
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 16
- ↑ Vgl. Drucker (2007), S.1
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 71
- ↑ Back et al. (2008), S. 19
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007b), S. 13
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007b), S. 13
- ↑ Koch, Richter (2007b), S. 13
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007b), S. 13
- ↑ Back et al. (2008), S. 20
- ↑ Vgl. Schmidt und Mayer (2005)
- ↑ Vgl. Eck (2007); Jüch und Stobbe (2005)
- ↑ Back et al. (2008), S. 20
- ↑ Ehrhardt (2006)
- ↑ Vgl. Back et al. (2008), S. 19
- ↑ Vgl. Back et al. (2008), S. 19
- ↑ Vgl. Back et al. (2008), S. 20
- ↑ Vgl. Thompson (2006)
- ↑ Vgl. Ehrhardt (2006)
- ↑ Back et al. (2008), S. 19
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 64
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 66
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 66
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 65
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 69ff
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 68
- ↑ Vgl. Komus, Wauch (2008), S. 17 f.
- ↑ Vgl. Milgram (1967)
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 54 ff.
- ↑ Vgl. Teten, Allen (2005), S. 18 ff.
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 58 ff.
- ↑ Vgl. Lanzerath (2008)
- ↑ Vgl. Lanzerath (2008)
- ↑ Vgl. Lanzerath (2008)
- ↑ Vgl. Back at al. (2008), S. 40
- ↑ Vgl. Back at al. (2008), S. 42
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007b), S. 23
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 36 f.
- ↑ Vgl. Komus, Wauch(2008), S. 5
- ↑ Vgl. Komus, Wauch(2008), S. 44
- ↑ Vgl. Komus, Wauch(2008), S. 6 f.
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 37 f.
- ↑ Vgl. Rühle (2006)
- ↑ Vgl. Rest (2006)
- ↑ Vgl. Rost (2007), S. 77
- ↑ www.wikipedia.de
- ↑ Vgl. Lewis (2003)
- ↑ Lewis (2003)
- ↑ Knappe, Kracklauer (2007), S. 124
- ↑ Vgl. Knappe, Kracklauer (2007), S. 124
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 85
- ↑ Vgl. Koch, Richt (2007a), S. 55
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 86
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 98
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 98
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a) S. 99
- ↑ Vgl. Heuzeroth (2008)
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 91 ff.
- ↑ Vgl. Lewis (2003)
- ↑ Preise Lufthansa Economy (Stand Juni 2009)
- ↑ Annahme: Es wird kein Document Management System eingesetzt
- ↑ BMWi (2009)
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 163
- ↑ Berners-Lee et al. (2001)
- ↑ Koch, Richter (2007a), S. 176
- ↑ Weiser (1991)
- ↑ Vgl. Koch, Richter (2007a), S. 177
6.4 Literatur- und Quellenverzeichnis
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| Berners-Lee et al. (2001) | Berners-Lee, Tim; Hendler, James; Lassila, Ora: The Semantic Web: A new form of Web content that is meaningful to computers will unleash a revolution of new possibilities, in: Scientific American, 284 (5), S. 34–43, May 2001 (dt.: Mein Computer versteht mich, in: Spektrum der Wissenschaft, August 2001, S. 42–49) |
| BMWi (2009) | Bundeswirtschaftsministerium für Wirtschaft und Technologie: Breitband-Verfügbarkeit in Deutschland, 14.01.2009 (05.06.2009, 16:00) |
| Drucker (2007) | Drucker, Peter F.: The effective executive, 2. Auflage, Butterworth-Heinemann (2007) |
| Eck (2007) | Eck, Klaus: Corporate Blogs: Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden, Orell Füssli Verlag (2007) |
| Ehrhardt (2006) | Ehrhardt, Christoph: Weblogs - Jetzt kommen die Wir-Medien, F.A.Z., 26.01.2006, Nr. 22 / Seite 46 (03.06.2009, 14:20) |
| Heuzeroth (2008) | Heuzeroth, Thomas: Wikipedia wäre mehrere Milliarden Dollar wert, Welt online, 23.02.2008 (12.06.2009, 13:35) |
| Hohenstein, Wilbers (2009) | Hohenstein, Andreas/Wilbers, Karl (Hrsg.): Kooperatives Lernen mit Social Network Services, Handbuch e-Learning, Deutscher Wirtschaftsdienst (2009) |
| Jüch, Stobbe (2005) | Jüch, Claudia; Stobbe, Antje: Blogs: ein neues Zaubermittel der Unternehmenskommunikation?, Forschungsbericht der Deutschen Bank Research, Frankfurt am Main 2005 |
| Knappe, Kracklauer (2007) | Knappe, Martin; Kracklauer, Alexander: Verkaufschance Web 2.0: Dialoge fördern, Absätze steigern, neue Märkte erschließen, Gabler Verlag, Wiesbaden 2007 |
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| Komus, Wauch (2008) | Komus, Ayelt; Wauch, Franziska: Wikimanagement: Was Unternehmen von Social Software und Web 2.0 lernen können, Oldenburg Verlag, Oldenburg 2008 |
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| Maresch (2007) | Maresch, Rudolf: Die Bühnen des Mobs und der Wichtigtuer, Telepolis, 21.01.2007 (21.05.2009, 13:30) |
| McAfee (2006) | McAfee, Andrew: Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration, MITSloan, 2006 (09.06.2009 09:52) |
| Milgram (1967) | Milgram, Stanley: The Small World Problem, in Psychology Today Vol 1, Mai 1967, S. 60–67 |
| O'Reilly (2005) | Tim O'Reilly: What is Web 2.0 - Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software, O'Reilly (2005) |
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| Rost (2007) | Rost, Friedrich: Lern- und Arbeitstechniken für das Studium, 5. Aufl., Springer Verlag (2007) |
| Rühle (2006) | Rühle, Alex: Wikipedia-Fälschungen: Im Daunenfederngestöber, Süddeutsche Zeitung, 03.11.2006 (26.05.2009, 14:25) |
| Schmidt, Mayer (2005) | Schmidt, Jan; Mayer, Florian: Wer nutzt Weblogs für kollaborative Lern- und Wissensprozesse, in: Dittler, Ullrich; Kindt, Michael; Schwarz, Christine (Hrsg.), Online-communities als soziale Systeme: Wikis, Weblogs und Social-software im E-learning, Waxmann Verlag (2007), Bd. 40, S. 61-80 |
| Teten, Allen (2005) | Teten, David; Allen, Scott: The Virtual Handshake: Opening Doors and Closing Deals Online, Mcgraw-Hill Professional, New York 2005 |
| Thompson (2006) | Thompson, Clive: The Early Years: A Timeline of Blogging, New York Magazine, 13.02.2006 (03.06.2009, 14:30) |
| Weiser (1991) | Weiser, Mark: The Computer for the 21st Century, Aufsatz, 1991 |

