Einsatzmöglichkeiten von Podcasts zur Unterstützung der Lehre
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| Name des Autors / der Autoren: | Björn Blum, Marcel van Stockum |
| Titel der Arbeit: | "Einsatzmöglichkeiten von Podcasts zur Unterstützung der Lehre" |
| Hochschule und Studienort: | FOM Essen |
Inhaltsverzeichnis |
1 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung |
|---|---|
| 1 | Podcast |
| 2 | Phasen des Podcastings |
| 3 | iTunes U - LMU Universät München |
| 4 | iTunes U - Beispiel Videopodcast: Gefäßchirurgie |
| 5 | iTunes U - HPI Potsdam |
| 6 | iTunes U - Beispiel Videopodcast: Data-Oriented XML |
2 Tabellenverzeichnis
| Tabelle Nr. | Tabelle |
|---|---|
| 1 | Gegenüberstellung Web 1.0 und Web 2.0 |
3 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| AAC | Advanced Audio Coding |
| e-Learning | electronic Learning |
| HPI | Hasso Plattner Institut Potsdam |
| LMU | Ludwig-Maximilians-Universität München |
| MP3 | MPEG-1 Audio Layer 3 |
| MP4 | MPEG-4 |
| MSN | Microsoft Support Network |
| PC | Personal Computer |
| PDA | Personal Digital Assistant |
| RSS Feed | Really Simple Syndication Feed |
| USA | United States of America |
| XML | Extensible Markup Language |
4 Einleitung
Aufgrund der Globalisierung und des technischen Fortschritts kommt den Faktoren Zeit und Mobilität eine zunehmende Bedeutung zu. Gleichzeitig haben sich die Medien- und Kommunikationsgewohnheiten stark verändert. Ein Großteil der Kommunikation findet heutzutage im Internet via MSN oder Instant Messanger statt, neue Technologien wie Twitter übertragen sogar informelle Gespräche ins Internet. Soziale Netzwerke werden immer beliebter und werden genutzt, um ein eigenes Profil anzulegen, Freunde zu treffen sowie Neuigkeiten oder Fotos auszutauschen. Auch die Informationssuche und -beschaffung verlagert sich zunehmend ins Internet.
Diesen Veränderungen und den damit einhergehenden Herausforderungen muss sich auch die Lehre stellen. Klassische Lehr- und Lernformen allein scheinen nicht geeignet, diesen Bedingungen gerecht zu werden. Diese kommen weder den Kommunikationsgewohnheiten der Lernenden entgegen, noch sind sie zeitlich und örtlich flexibel, geschweige denn mobil. Lerninhalte sollten nicht mehr nur an einem Ort zentral angeboten werden, sondern Lernen muss flexibler gestaltet werden und Lernmaterial breit zugänglich gemacht werden. Dabei gewinnen informelle Lernprozesse an Bedeutung.
Um Lernressourcen breit verfügbar anzubieten und mobil zu nutzen, eignet sich die Integration digitaler Medien in die Lehre. Vor allem Anwendungen des Web 2.0 entsprechen den veränderten Mediengewohnheiten und eröffnen durch Orts- und Zeitflexibilität ganz neue Perspektiven im Bereich des Lehrens und Lernens. In diesem Zusammenhang wird vielfach der Einsatz von Podcasts zur Verbesserung und Unterstützung der Lehre diskutiert. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung dieses Themas und den damit verbundenen Chancen für die Lehre sollen in dieser Arbeit die Einsatzmöglichkeiten von Podcasts in der Lehre betrachtet werden.
Hierfür werden zunächst die Lehre allgemein dargestellt und Gründe für die Integration von Medien in diese abgeleitet. In einem nächsten Schritt wird das Web 2.0 herausgegriffen. Der Definition und Betrachtung von Anwendungen im Web 2.0 folgt die Beschreibung der Einsatzmöglichkeiten dieser in der Lehre. Dabei wird das Podcast als eine mögliche Anwendung von Web 2.0 in der Lehre identifiziert und einer tiefergehenden Betrachtung unterzogen. Bevor die einzelnen Phasen des Podcastings erläutert werden, werden der Begriff und die Formen eines Podcasts dargestellt sowie die Bedeutung dieser veranschaulicht. Im Anschluss wird erklärt, wie sich Podcasts in die Lehre integrieren lassen und welche Vorteile der Einsatz von Podcasts in der Lehre hat. Darauf aufbauend werden unterschiedliche Szenarien des Einsatzes in Bezug auf Hochschulen und den Fremdsprachenunterricht betrachtet. Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit.
5 Lehre
5.1 Grundlagen der Lehre
In welcher Art und Weise die Gestaltung des Lehrens und des Lernens stattfindet, ist Gegenstand der Didaktik. Lehre ist eine zielgerichtete Tätigkeit, die nicht ununterbrochen stattfindet, und fällt in den Aufgabenbereich des Lehrenden. Eine der geistigen Grundfunktionen des Menschen ist das Lernen, welches als lebenslanger Prozess gilt. In der Lerntheorie wird zwischen den drei wichtigsten Theorien (1) dem Behaviorismus, (2) dem kognitionstheoretischen Modell und (3) den konstruktivistischen Lerntheorien unterschieden[1].
Der Behaviorismus wurde im Jahre 1913 von John B. Watson begründet und wurde überwiegend in den USA vertreten. Da die meisten Psychologen im Bildungsbereich tätig waren, war eine handlungsorientierte Theorie wünschenswert, die auch in der Praxis anwendbar ist. Im Behaviorismus wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass auf bestimmte Reize ein bestimmtes Verhalten folgt. Diese Reiz-Reaktions-Kette kann durch eine Belohnung auf die richtige Reaktion erlernt werden. Die Behavioristen begründen diese Theorie damit, dass innere Strukturen für das Verständnis des menschlichen Verhaltens nicht erforderlich seien[2].
Gegen Ende der 50er Jahre trat dann die kognitive Wende ein, die sich bis Ende der 70er Jahre etablierte. Die kognitive Theorie beinhaltet die menschliche Wahrnehmung als aktive Konstruktionsleistung der Person. Dies bedeutet, dass die Denk- und Verständnisprozesse eine zentrale Rolle einnehmen. Die zentrale Fragestellung des kognitionstheoretischen Modells ist, wie die Speicherung und das Abrufen von Informationen in den unterschiedlichen Subsystemen des Gedächtnisses sichergestellt werden kann[2].
Ein häufig zitierter Konstruktivist ist Dewey, der sich für die Gestaltung eines verständigen Lernens einsetzte. Die konstruktivistischen Lerntheorien verweisen ebenfalls wie im kognitionstheoretischen Modell auf die internen Abläufe. Allerdings wird in dieser Theorie davon ausgegangen, dass die inneren Erkenntnisse noch mehr in den Mittelpunkt rücken und die Wahrnehmung von außen nicht steuerbar ist. Inhalt der konstruktivistischen Lerntheorie ist die Auffassung, dass das Wissen auf subjektive Ideen und Konzepten beruht und es kein reines objektives Wissen gibt[2].
5.2 Medien in der Lehre
Gemäß Brauner und Bickmann (1994) wird durch die rasante Entwicklung der Umwelt, der Bedarf an gebildeten Menschen, die in der Lage sind, Einzelinformationen aufzugreifen, Gesamtzusammenhänge zu erkennen, zu abstrahieren, übergreifende Schlüsse zu ziehen und daraus Handlungsperspektiven abzuleiten, steigen[3].
Diese Anforderung kann durch die Vermittlung von Lernstrategien, die das Lernen effektiver machen sowie fächerübergreifende Lernfähigkeiten und einen eigenständigen Kompetenzaufbau fördern, eine Basis für lebenslanges Lernen schaffen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sollte das Bildungsangebot qualitativ hochwertig und flexibel handhabbar sein. Dies kann durch den Einsatz neuer Medien unterstützt werden[4].
Der Einsatz von neuen Medien im Bildungswesen kann gemäß Döring (1999) in den folgenden drei Gründen gesehen werden.
Zunächst wird der Netzkompetenz im Bildungswesen zunehmende Bedeutung beigemessen. Durch den Einsatz von Informationsnetzen können die damit verbundenen Informations-, Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten die Lehr- und Lern-Prozesse ansprechender und effektiver gestalten. Zudem beeinflussen Informationsnetze die Persönlichkeitsentwicklung, die in ungewohnten Situationen das Aushandeln neuer Möglichkeiten verlangen[5].
Des Weiteren wird durch den Einsatz neuer Medien eine Entlastung der grundlegenden Wissensvermittlung erzielt, die mehr Raum und Zeit für vertiefende Dialoge sowie Diskussionen und sozialen Austausch schafft. Zuletzt unterstütz der Einsatz von neuen Medien die Entwicklung von Kompetenzen im individuellen Wissensmanagement, welches als Basis für eine berufliche Tätigkeit gilt[4].
Durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Lehre werden vor allem die Prozesse des Lehrens und Lernens verändert. Diese Veränderung sollte in der Hochschuldidaktik als Chance begriffen werden, den Weg von der Massenuniversität hin zu einem effektiven selbstregulierten Lernen zu unterstützen. Der Einsatz neuer Medien in der Lehre stellt somit eine große Herausforderung an das Bildungssystem dar. Die Annahme, dass die neuen Medien immer mehr Einfluss besonders im Bereich der Hochschullehre nehmen, wird zunehmend bestätigt. Im gleichen Zuge wird aber auch die Annahme getroffen, dass die neuen Medien nicht als Alternative zur traditionellen Präsenzlehre zu sehen sind, da der vollständige Ersatz einer Präsenzveranstaltung nicht die gleiche Lernmotivation sowie Lernerfolge aufweist. Unabhängig von allen Visionen, wird der Lehrende weiterhin im Mittelpunkt der Wissensvermittlung stehen, da die Potenziale medienbasierter Lehre erst dann zum tragen kommen, wenn der Einsatz der Medien auf der Basis einer dedizierten mediendidaktischen Planung und Konzeption beruht. Dies bedeutet, dass die Lehre der Zukunft nicht virtuell stattfinden wird, sondern dass sie die Potenziale der neuen Technologien für eine qualitativ hochwertige Ausbildung nutzen wird[6].
6 Web 2.0
6.1 Definition
Unter dem Begriff Web 2.0 werden Internet-Anwendungen und –Plattformen verstanden die den Nutzer aktiv an der Wertschöpfung beteiligen. Dies kann durch das Erstellen eigener Inhalte, Kommentare, Tags oder durch bloße Präsenz erfolgen. Die bedeutendsten Elemente des Web 2.0 sind Interaktivität, Dezentralität und Dynamik. Durch die Schaffung eines gemeinsamen Standards wird die Interoperabilität heterogener Systeme und damit die Zusammenarbeit räumlich und zeitlich verteilter Nutzer sichergestellt. Geprägt wurde der Begriff Web 2.0 durch den Verleger Tim O´Reilly, der damit die Veränderungen des Internets nach dem Crash der sogenannten New Economy deuten wollte. Im ersten Zuge hat O´Reilly typische Web 2.0 Dienste den klassischen Internet-Anwendungen und Angeboten zugeordnet, die das gleiche Ziel verfolgten. In Tabelle 1 ist ein Auszug des Vergleichs aufgeführt[7].
| Web 1.0 | Web 2.0 |
| DoubleClick | Google AdSense |
| Ofoto | Flickr |
| Akamai | BitTorrent |
| mp3.com | apster |
| Britannica Online | Wikipedia |
| Persönliche Webseiten | Blogs |
| Tabelle 1: Gegenüberstellung Web 1.0 und Web 2.0 | |
Zur Erläuterung werden im Folgenden die Internetangebote von DoubleClick und Google AdSense beschrieben. Beide Plattformen bieten die Vermarktung von Internet-Werbung an. Das Angebot von DoubleClick bietet Bannerwerbung ohne die Anpassung an die jeweiligen Besucher der Internetseite an. Während Google AdSense auf Suchbegriffen der Nutzer basiert und somit ein kontextabhängiges Marketing ermöglicht, das eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit verspricht. Daraus resultiert ein Übergang von der Abrechnung nach Nutzerzahlen zu einer erfolgsabhängigen Abrechnung auf der Grundlage der erfolgreichen Weiterleitungen zu dem Angebot des Werbetreibenden[7].
6.2 Anwendungen
Die schnelle Entwicklung der Breitbandkommunikation hat einen bedeutenden Anteil an der Durchsetzung mobiler und anspruchsvoller Online-Dienste. Schnelle Leitungen sind eine grundlegende Voraussetzung für die Entstehung und Verbreitung von Webplattformen wie Flickr oder YouTube. Erst durch die fortschreitende Technik sind der mobile Datenaustausch und der gestiegene Informationskonsum möglich geworden. Damit trifft die neue Dimension des Breitbandinternets auf die wachsenden Ansprüche mobiler Nutzer[8].
6.2.1 Blogs
Der Begriff Blog ist eine Kurzform des Begriffs Weblog, in dem wiederum die Begriffe „Web“ und „Log“ vereint sind. Allgemein versteht man unter einem Blog eine kontinuierlich aktualisierte Webseite mit chronologisch sortierten Beiträgen. Ein Blog hat damit Ähnlichkeit mit einem Tagebuch oder einem Journal, unterscheidet sich von diesen jedoch insbesondere durch die Veröffentlichung im World Wide Web.
Zudem verfügt ein Blog über mehr Funktionen. In Blogs haben die Leser die Möglichkeit die Einträge zu kommentieren und können auf diese Weise über Kommentare an einer Diskussion teilnehmen, den Autor auf Schwachstellen hinweisen oder weitere Punkte des Themas aufgreifen.
Kritiker des Blogs vertreten die Auffassung, dass Blogs aufgrund der Diskussionen keinen Unterschied zu Foren oder modernen Newsgroups aufweisen bis auf die Tatsache, dass sich die Forumsteilnehmer auf viele Blogs verteilen. Letztendlich besteht der wesentliche Unterschied zwischen Blogs und Foren darin, dass in Foren nicht jeder Besucher eine neue Diskussion starten kann, da der Ausgangspunkt einer jeden Diskussion der Bezug auf einen Originalbeitrag ist.
Sogenannte Trackbacks sind ebenfalls eine Funktion von Blogs. Trackbacks informieren eine Blog-Software, wenn in einem Blog auf einen anderen Blog Bezug genommen wird. Diese Trackbacks sind häufig unter den Originalartikeln mit einem Textauszug aus dem bezugnehmenden Blog vermerkt und ähneln der Darstellung eines Kommentars, da sie inhaltlich einen Kommentar darstellen.
Des Weiteren verfügen Blogs über sogenannte Permalinks. Diese sind Webadressen, unter denen ein einzelner Eintrag permanent aufgerufen werden kann. Permalinks ermöglichen eine vereinfachte Weiterempfehlung eines Eintrags über die Trackbacks eine Verlinkung herstellen können. Der Einsatz von Trackbacks und Permalinks hat die Vernetzung untereinander wesentlich vorangetrieben und trägt so dazu bei, dass Themen schnell verbreitet werden. Blogs beschäftigen sich mit verschiedensten Themen wie z. B. der kritischen Beobachtung von Medien und Firmen, Literatur, juristischen Themen oder finden Anwendung in der Lehre. In welcher Form Blogs in der Lehre eingesetzt werden können, wird in Abschnitt 6.3 beschrieben[9].
6.2.2 Social Software
Der Begriff Social Software ist bisher nicht eindeutig definiert. Dieser wird aber in der Regel zur Benennung von Systemen verwendet, über die Nutzer kommunizieren, zusammenarbeiten oder auf eine andere Art interagieren können. Demnach wäre z. B. auch E-Mail eine Social Software, da sie mehr als einen Nutzer involviert. Da diese Faktoren den Begriff Social Software nicht eindeutig eingrenzen, ist die Förderung und Unterstützung des Aufbaus und des Selbstmanagements einer Community ein weiteres Kriterium. Außerdem sollten Communities in die Lage versetzt werden, sich selbst zu regulieren.
Social Software umschreibt keineswegs ein System, das erst seit dem Aufkommen des Web 2.0 wahrgenommen wird, sondern auch Wikis, die bereits 1997 entstanden sind, fallen unter den Begriff Social Software. Ein weiteres Beispiel für Social Software sind Chatsysteme, die schon Ende der 80er Jahre noch vor dem World Wide Web entstanden sind. Social Software kann in zwei Unterkategorien unterteilt werden. Zu einem in Social Software, bei der die Kommunikation im Mittelpunkt, aber nicht aufgezeichnet wird, und zum anderen in Social Software, bei der überwiegend die Inhalte im Vordergrund stehen, die von den Teilnehmern erstellt und aufbereitet werden[10].
Anwendungen wie Skype oder ICQ werden zu der ersten Kategorie gezählt. Die zentrale Funktionalität von Skype ist die sogenannte Voice-Over-IP Telefonie, die es Nutzern ermöglicht über eine schnelle Internetverbindung und einen entsprechend ausgerüsteten Computer zum Lokaltarif bzw. zu einem günstigen Tarif über den Computer zu telefonieren. Skype setzt sich des Weiteren von der klassischen Telefonie durch die Möglichkeit der Integration von Videotelefonie und Konferenzschaltungen ohne zusätzliche entstehende Kosten ab.
Der Instant Messaging Dienst ICQ bietet die Funktionen Message File, Web Page Adress und ICQ Chat an. Zur Übertragung von Mitteilungen wird die Message Funktion eingesetzt, die im Gegensatz zu E-Mails in Echtzeit übertragen werden. Durch die erweiterte Funktion File können Dateien in unterschiedlichsten Formaten übertragen werden. Mittels der Web Page Adress Funktion können Internet-Adressen, die sich gerade auf dem Browser befinden, automatisch übertragen werden und beim dem Empfänger geöffnet werden. Die ICQ Chat Funktion sendet eine Chat-Anfrage an eine Kontaktperson, um eine Konferenz aufzubauen[11].
Zu den Anwendungen, bei denen die Inhalte im Vordergrund stehen, zählen z. B. StudiVZ, YouTube oder FlickR. StudiVZ ist ein Social Network für Studenten und Alumni, das neben dem Erstellen eines persönlichen Profils, das Suchen nach Studierenden der gleichen Universität ermöglicht. Außerdem können Verbindungen zwischen Mitgliedern dargestellt werden und Dateien hochgeladen werden.
YouTube ist eine Plattform, die es Nutzern erlaubt Videos hochzuladen, anzusehen und Teilhabenzulassen, die in der Regel kurze selbstgedrehte, aber auch aufgezeichnete Sendungen aus dem Fernsehen enthalten.
Flickr ist eine Community bei der Nutzer Bilder hochladen können, die entweder der gesamten Community oder nur einem definierten Personenkreis zur Verfügung stehen. Nutzer können die Bilder anderer Nutzer bewerten und kommentieren. Häufig angesehene Bilder steigen im Ranking[12].
6.3 Einsatzmöglichkeiten in der Lehre
Die mediengestützte Erneuerung der Lehre gewinnt vor allem in Bezug auf Web-2.0-Anwendungen, also Softwaresysteme zur Kommunikation, Interaktion und Kooperation, zunehmend an Bedeutung[13].
Gemäß Euler gehört es zu den Aufgaben der Bildungsverantwortlichen in Hochschulen, Unternehmen und Bildungsinstitutionen, effektives und effizientes Lernen zu ermöglichen. Dabei ist es eine der größten Herausforderungen, den auftretenden Veränderungen gerecht zu werden[14].
Damit durch den Veränderungsprozess auch weiterhin eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Lehre erzielt werden kann, bietet der Einsatz von e-Learning für Fachbereiche oder Fakultäten vielfältige Chancen. Berichten aus der fachspezifischen Lehrpraxis zufolge ist das Potenzial von e-Learning in der Lehre noch nicht voll ausgeschöpft, da für viele Lehrende der Begriff e-Learning nur für das zur Verfügung stellen von veranstaltungsbegleitenden Materialen und Medien im Netz steht. Andere konnten wiederrum bisher nicht von den Möglichkeiten überzeugt werden, die e-Learning für die Lehre bietet. Durch die technische und soziale Weiterentwicklung des Internets bestehen neue Möglichkeiten, die durch den Einsatz von Web 2.0-Anwendungen in der Lehre genutzt werden können. Die Kombination von e-Learning und Web 2.0, das sogenannte e-Learning 2.0, bietet interessante und innovative Möglichkeiten, die Lehr- und Lernszenarien zu verändern und die Qualität der Lehre zu verbessern.
Beim e-Learning 2.0 geht es im Grundsatz darum, dass durch technische und soziale Entwicklungen des Internets ein höherer Grad an Interaktivität, Partizipation und Kooperation bzw. Kollaboration erreicht wird und damit eine veränderte Einstellung zum Lehren und Lernen mit digitaler Unterstützung erzielt werden kann[15].
Damit e-Learning in der Lehre integriert werden kann, müssen die Perspektiven der Lehrenden und Lernenden neu definiert werden. Die veränderte Rolle des Lehrenden ist dabei sehr genau durch den Wandel von einem Wissensvermittler zu einem Ermöglicher des Lernens mit dem Schwerpunkt auf Beratung und Mentoring definiert. Die Rolle des Lernenden ist dagegen vielschichtiger im neuen Lernparadigma. Diesem wird Anstelle des passiven Zuhörers die Rolle eines selbstorganisierten und auf sozialen Austausch interessierten Wissenskonstrukteurs zugeschrieben[16]. Nutzer werden zu Autoren, d. h. Lernende erzeugen Inhalte und die Abgrenzungen zwischen lokaler und entfernter Datenhaltung und –verarbeitung schwinden. Das Lernen wird dadurch überall ermöglicht und das Private wird zunehmend öffentlich[17].
Zur Anwendung im e-Learning 2.0 kommen u.a. die Social Software Anwendungen YouTube, StudiVZ, Wikis, und Blogs.
Dabei zählt Wikipedia zu den bekanntesten deutschsprachigen Web 2.0 Anwendungen. Im Jahre 2008 umfasste Wikipedia mehr als 750.000 Artikel. Durch ein Open-Source-Projekt zur Erstellung einer Online-Enzyklopädie wurde Wikipedia im Jahre 2001 gegründet.
Wikipedia, auch Wiki genannt, ist eine Webseite bei der Nutzer Lese- und Schreibrechte besitzen. Über Eingabefenster und Uploadmöglichkeiten kann jeder Benutzer Beiträge erstellen, verändern und löschen. Trotz vielfältiger Kritik gehört Wikipedia durch die kostenlose Bereitstellung und einer einfachen Nutzung der Informationen zu den meist genutzten Informationsquellen im Internet.
Seit der Gründung sind durch die Wikimedia Foundation zahlreiche Wikipedia-Schwesterprojekte entstanden wie z. B. die Sammlung freier Lehr- und Sachbücher „Wikibooks“, die Nachrichtenquelle „Wikinews“, das Wörterbuch „Wiktionary“ oder die mit ausschließlichen e-Learning-Bezug geführte „Wikiversity“.
In der Lehre werden Wiki-Systeme zur Vermittlung allgemeiner Studieninformationen, zur Bereitstellung von Arbeitsmaterialien für Lehrveranstaltungen oder von Bibliotheksangeboten eingesetzt. In den meisten Fällen werden geschlossene Wiki-Systeme von Fakultäten, zentralen Einrichtungen oder in Hochschulprojekten eingesetzt[18].
Während in Deutschland der Einsatz von Blogs in der Lehre noch sehr stiefmütterlich behandelt wird, ist der Einsatz dieser in den USA schon über das experimentelle Stadium hinaus. Durch den Einsatz von Blogs z. B. in Schulen wird die eigene Bewusstheit der Schüler gefördert und gleichzeitig Medienkompetenz im Netz vermittelt. Schüler lernen auf diese Weise, die Vertrauenswürdigkeit eines Textes einschätzen.
Blogs können beispielweise als Kursportal eingesetzt werden, damit Kursteilnehmer und Eltern jederzeit auf Kursmaterialien und Aufgaben zugreifen können. Dadurch können Schüler, die eine Unterrichtseinheit verpasst haben direkt auf die Informationen zugreifen und müssen nicht bis zur nächsten Einheit warten. Außerdem können Blogs für die gemeinsame Arbeit bei Gruppenaufgaben eingesetzt werden, um damit eine virtuelle Zusammenarbeit zu schaffen. Durch das Lesen von Blogs werden die Schüler auf das spätere Berufsleben vorbereitet, da Blogs einerseits wertvolle Informationen enthalten, andererseits lernen Schüler auf dem aktuellsten Stand zu bleiben sowie wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden[19].
Eine weitere Anwendung von e-Learning 2.0 sind Podcasts. Die verschiedenen Arten von Podcasts und die Einsatzmöglichkeiten in der Lehre werden im Folgenden detaillierter betrachtet.
7 Podcast
7.1 Begriff und Formen
Der Begriff Podcast ist eine Wortschöpfung aus den Wörtern iPod, dem populären MP3-Player der Firma Apple sowie dem englischen Begriff broadcast, was zu Deutsch Rundfunksendung oder auch eine Rundfunksendung ausstrahlen bedeutet. Podcasts können unterschiedliche Inhalte wie z. B. Unterhaltungen, Informationen, Wissen oder Musik enthalten. Diese Inhalte werden in digitaler Form über das Internet für tragbare Endgeräte verbreitet. Das Produzieren und Anbieten von Audio- und Videodateien wird Podcasting genannt. Häufig verwendet man auch den allgemeinen Begriff des Mediacastings für die Distribution von Audio- oder Videodateien im Internet basierend auf der Technik von RSS und Abonnements, um sich in der Terminologie ein wenig von dem Einfluss des iPods in der Namensgebung zu lösen. Podcasts können über ein sogenanntes RSS Feed abonniert werden, so dass die neusten Inhalte automatisch zentral heruntergeladen werden[20].
RSS Feeds sind Dateien, in denen Informationen über einen Podcast in kurzer zusammengefasster Form hinterlegt sind. Dazu zählen u. a. der Titel, die Beschreibung und weitere Informationen zum Inhalt des Podcasts. In einem RSS Feed wird die Internetadresse der konvertierten Datei hinterlegt, das kann bspw. die Adresse eines Blog- oder einer Webseite sein. Mit einem sogenannten Enclosure wird im RSS-Feed auf die entsprechende Mediendatei über den Tag <enclosure> referenziert. Really Simple Syndication (RSS) ist ein auf XML basierendes Dateiformat, welches im Aufbau mit so genannten Tags einer klaren Spezifikation folgt[21].
Podcasts können sowohl auf einen Computer, einen beliebigem MP3-Player, ein MP3-fähiges Handy oder einen PDA übertragen und abgespielt werden. Zur Wiedergabe von Podcasts wird ein Software-Programm wie z. B. iTunes, Dopcatcher oder Juice benötigt, welche im Internet kostenlos zur Verfügung stehen. Durch die Wiedergabe von Podcasts auf mobilen Geräten können Podcasts überall und jederzeit z. B. während der Bahnfahrt, im Auto oder beim Sport gehört werden. Durch die Mobilität werden Podcasts auch als das Radio zum Mitnehmen bezeichnet[20].
Aus technischer Sicht werden Podcasts in drei wesentliche Formen unterteilt, die sich in der Art der bereitgestellten Daten unterscheiden:
- Der Audio Podcast ist die einfachste und die ursprünglichste Form eines Podcasts. Audio Podcasts sind am weitesten verbreitet und beinhalten ausschließlich Toninformationen. Hierbei handelt es sich also lediglich um die Übertragung von reinen Audiodateien[22].
- Ein Video Podcast, auch als Vodcast bezeichnet, ist eine Erweiterung des Audio Podcasts. Neben Toninformationen werden in einem Video Podcast zusätzlich Bildinformationen dargestellt, was die zu übertragenden Dateien in der Regel in der Größe wachsen lässt. Video Podcast werden eingesetzt, wenn neben den dargestellten Informationen auch die übermittelnde Person bzw. das Visuelle im Vordergrund stehen soll[22].
- Der Enhanced Podcast, auch als Screencast bezeichnet, erweitert die Ton- und Bildinformationen um weitere Daten wie z. B. Grafiken, Texte und Weblinks. Auf diese Weise lassen sich Enhanced Podcast für die Darstellung von Power Point Präsentationen einsetzen, die neben der Tonspur auch den Vortrag übermitteln. Mittels Enhanced Podcasts werden beispielsweise an der Stanford University Vorlesungs- Podcasts angeboten. Zusätzlich ermöglichen Enhanced Podcasts das Setzen von Lesezeichen, mit denen der Podcast in Kapitel gegliedert werden kann. Die Lesezeichen sind Sprungmarken, die beim Abspielen des Podcasts gezielt angesteuert werden können, um gerade relevante Bereiche direkt aufzurufen[22].
7.2 Bedeutung von Podcasts
Das Thema Podcast gewinnt zunehmend an Interesse: In einer Umfrage des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Edison Research vom 22.05.2009 mit dem Titel „The Podcast Consumer Revealed“ ergaben sich die nachfolgenden Ergebnisse. Dabei wurden 1.858 US-Amerikaner ab einem Alter von 12 Jahren unter anderem zu den unten aufgeführten Themen am Telefon im Januar 2009 befragt[23]. Bei den folgenden Punkten handelt es sich lediglich um einen Auszug von gestellten Fragen:
- 43% der Befragten haben schon mal von einem Podcast gehört (2008: 37%)
- 22% der Befragten haben sich bereits einen Audio Podcast angehört (2008: 18%)
- 18% der Befragten haben sich schon einmal einen Video Podcast angesehen (2008: 16%)
- 25% der Befragten haben demnach einen Audio/Video-Podcasts konsumiert
- Hauptgründe für den Podcast Konsum:
- Konsum zu einem selbst ausgesuchten Zeitpunkt (35%)
- Zugriff auf Inhalte, die sonst nirgendwo verfügbar sind (15%)
- Konsum an einem selbst ausgesuchten Ort bzw. Portabilität (13%)
- Mehr Kontrolle über die Inhalte (13%)
- Wenig(er) Werbung (9%)
- Zugriff auf knappere Inhalte (3%)
- Alter der Konsumenten: 12-17 (13%), 18-24 (22%), 25-34 (19%), 35-44 (19%), 45-54 (15%), 55+ (12%)
- Geschlecht der Konsumenten: Weiblich (49%), Männlich (51%)
- Genutztes Gerät für den Konsum von Audio Podcasts: Computer (68%), Portable Geräte (32%)
- Genutztes Gerät für den Konsum von Video Podcasts: Computer (77%), Portable Geräte (23%)
Auch in Deutschland ist eine stetige Zunahme der Anzahl an Podcasts zu erkennen. Das größte Podcast-Internetportal im deutschsprachigen Raum podcast.de bietet mittlerweile ein Angebot von mehr als 7.313 Podcasts, von denen 5.833 aktiv sind. Daraus ergeben sich über 500.000 Hör- und Videobeiträge aus über 5.500 Quellen. Die Seite verzeichnet ca. 3.500 angemeldete Mitglieder[24].
Sogar die Politik ist auf diese moderne Art der Informationsverbreitung aufmerksam geworden. Unter der Internetadresse www.bundeskanzlerin.de versorgt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel seit Juni 2006 die Nation, mit wöchentlichen Videopodcasts zu aktuellen Geschehnissen[25].
7.3 Phasen des Podcastings
7.3.1 Produktion
Zur Produktion eines Podcasts wird eine technische Grundausstattung, bestehend aus einem Computer, einer Soundkarte, einem Mikrofon und gegebenenfalls einer Kamera, benötigt. Zudem können unterstützend aus dem Internet kostenlose Software Programme wie z. B. Podifier oder EasyPodcast heruntergeladen werden. In Abbildung 2 ist der gesamte Prozess des Podcasting angefangen bei der Podcastproduktion über die Veröffentlichung bis hin zur Wiedergabe dargestellt[26].
Grundsätzlich muss der Inhalt eines Podcasts in ein digitales Format gebracht werden, damit der Podcast auf einem Server im Internet zur Verfügung gestellt werden kann. Die Digitalisierung kann entweder durch direktes Aufzeichnen (Abb2. Schritt 1) über das Mikrofon an einem Computer erfolgen oder durch Digitalisierung der analogen Inhalte. Zur Reduzierung des Speicherplatzes und der Downloadzeit werden die Inhalte vor dem Ablegen auf der Plattform in ein komprimiertes Format konvertiert (Abb2. Schritt 2). Im Bereich der Audio Podcasts hat sich das bekannte MP3-Format wegen seiner guten Audioeigenschaften und der stark reduzierten Dateigröße durchgesetzt. Des Weiteren ist das MP3-Format auch durch die Kompatibilität mit unterschiedlichsten Podcast-Programmen und Endgeräten eines der meist verbreiteten Audioformate. Ein weiteres weit verbreitetes Audioformat ist das von Apples iPod unterstützte AAC-Format. Im Bereich des Video Podcast kommen u. a. das Microsoft-eigene Format wmv und die Apple-Formate mov und m4v zum Einsatz.
Nachdem der Podcast erstellt ist und in ein komprimiertes Format konvertiert wurde, gilt es, den RSS Feed um Informationen zum Podcast zu ergänzen (Abb2. Schritt 3)[26].
7.3.2 Veröffentlichung
Sind Podcast und RSS Feed erstellt, so können beide auf einen so genannten Podspace, wie bspw. einem Webserver[28], geladen werden (Abb2. Schritt 4/5). Somit steht der Podcast zum Download zur Verfügung. Damit der Podcast über das erstellte RSS Feed automatisch von Abonnementen heruntergeladen werden kann, sollte abschließend das RSS Feed öffentlich gemacht werden. Sollte der Podcast zu einer Episode gehören, so ist lediglich eine Aktualisierung des RSS Feed durchzuführen. Die Aktualisierungen von RSS Feeds müssen in der Regel nicht manuell vorgenommen werden, sondern werden von Podcast-Hosting-Anbietern wie z. B. http://www.podhost.de automatisiert durchgeführt[29].
Je nach Anbieter durchlaufen Podcasts nach der Veröffentlichung eine Prüfung. Apple iTunes setzt Podcasts zunächst auf eine Warteliste und lässt diese dann durch ein iTunes Team auf technische Probleme, Inhalt (z. B. Jugendfreigabe, Pornografie) und den Missbrauch von urheberrechtlich geschütztem Material oder eine andere Verletzung der Rechte Dritter prüfen[30].
7.3.3 Empfang und Wiedergabe
Mittels RSS Feed URL und einem sogenannten Podcatcher oder Aggregator, kann der Endanwender den entsprechenden Podcast abonnieren. Der RSS Feed enthält Informationen für den Podcatcher über den Speicherort der Episode. Der Podcatcher ist eine Anwendung, welche zum Abonnieren und Wiedergeben von abonnierten Inhalten genutzt wird. Bei einer Aktualisierung des RSS Feeds prüft der Podcatcher (Abb.2 Schritt 6), ob eine neue Episode eines Abonnements zur Verfügung steht. Diese Anwendung kann bspw. im Hintergrund mitlaufen und bei Erscheinen von aktualisierten, abonnierten Inhalten gleich einen Download dieser initiieren (Abb.2 Schritt 7) und diese im Anschluss automatisch auf ein Endgerät übertragen. Dieser Vorgang wird auch Synchronisieren genannt (Abb.2 Schritt 8). Ist dieser Vorgang abgeschlossen, kann der Podcast nun überall und beliebig häufig abgespielt werden.
Möchte man auf den Einsatz einer Podcatching Software verzichten, so lassen sich Podcasts auch in Form von Audiodatei-Links auf Webseiten verlinken, die über einen Webbrowser heruntergeladen werden können. Audiodateien ohne Newsfeeds, die in einem Webblog veröffentlicht sind, werden auch Audioblogs genannt.[21].
8 Podcasts in der Lehre
8.1 Einsatzmöglichkeiten
Im Rahmen der Integration von digitalen Medien in Lern- und Arbeitsprozesse gewinnen Podcasts als eine neue und innovative Lehr-Lernform zunehmend an Bedeutung[31]. Das didaktische Potenzial von Podcasts wird einerseits in der Produktion von Podcasts durch Lernende und andererseits in der Nutzung der Podcasts durch diese gesehen[32].
Durch die Einbindung von Lernenden in die Produktion von Podcasts kann vor allem die Teilnahme an Gruppenaktivitäten, die Medienkompetenz und die Zufriedenheit mit der gesamten Lernerfahrung erhöht werden. Zudem trägt die Erarbeitung und Darstellung von Ergebnissen im Team sowie die Unterstützung des virtuellen Team Buildings z.B. in Form von Online Commmunities zur Stärkung der sozialen Strukturen unter den Lernenden bei[32]. Trotz dieser positiven Effekte nutzen die meisten Bildungseinrichtungen dieses Potenzial nicht und setzen Podcasts lediglich als Element der Vorlesungsaufzeichnung ein. Amerikanischen Untersuchungen zufolge sind 90% der produzierten Podcasts Vorlesungsaufzeichnungen[33].
Zur Vorlesungsaufzeichnung oder auch digitalen Aufbereitung der Lerninhalte für die Lernenden werden die in Abschnitt 7.1 dargestellten Formen Audio-, Video- und Enhanced-Podcasts eingesetzt. Während Audio-Podcasts nur die reine Tonaufzeichnung einer Vorlesung oder von Lerninhalten ermöglichen, können den Studierenden über Video- und Enhanced-Podcasts zudem die Folien und visuelle Aufzeichnungen der Vorlesungen zur Verfügung gestellt werden. Auch die Notizen der Dozierenden können durch den Einsatz von SmartBoards oder Tablet PCs im Rahmen von Podcasts übertragen werden[34].
Die Nutzung von Podcasts hat für Lernende die Vorteile, dass sie auf diese Weise die Lerninhalte nochmals kognitiv durcharbeiten können. Dabei fördert das erneute Durchdenken die Wissensvermittlung und -aneignung. Neben einem besseren Verständnis wird der Lernstoff noch einmal memoriert und so strukturell im Gehirn verankert. Gleichzeitig ergibt sich bei dieser Lernform eine vertraute Lernsituation, die durch ihre Authenzität und Lebensnähe das Aktivierungsniveau des Lernenden positiv beeinflusst. Gerade durch die menschliche Stimme ist die Aufmerksamkeit in verschiedene Richtungen lenkbar. Weitere Vorteile der Nutzung von Podcasts liegen in der Zeit- und Ortsunabhängigkeit, da die Podcasts zu jeder Zeit und überall über mobile Endgeräte abgerufen werden können. Darüber hinaus ist das Protokollieren und Mitschreiben während einer Vorlesung nicht mehr erforderlich[32].
8.2 Einsatzszenarien an Hochschulen
8.2.1 Allgemein
Bereits seit geraumer Zeit veröffentlichen Hochschulen Skripte und Präsentationen aus Vorlesungen auf ihren internen Webseiten und stellen diese den Studierenden in digitaler Form bereit. Versäumt ein Student eine Vorlesung, so ist es oft aufwendig die versäumten Inhalte anhand der bereitgestellten Unterlagen aufzuarbeiten. Diskussionen und Anmerkungen der Dozenten werden in den Unterlagen nicht erfasst und können nur schlecht reflektiert werden. Aus diesem Grunde stellen einige Hochschulen bereits heute zusätzlich zu digitalen Skripten, Audio- und Video Podcasts zur Verfügung. Diese dienen als Bindeglied zwischen digitalen Schriftstücken und den gesprochenen Inhalten aus der Vorlesung, so dass es möglich ist, auch nach Wochen oder Versäumnis, Bezüge von Texten, Vorlesungen und Skripten herzustellen[35].
Mit Hilfe von Audio Podcasts lassen sich komplette Vorlesungen in digitaler Form abbilden. Diese Form der Podcasts eignet für alle Vorlesungen bei denen in erster Linie das gesprochene Wort im Vordergrund steht. Enhanced Podcasts bieten zusätzlich die Möglichkeit zu den gesprochenen Inhalten, visuelle Inhalte, wie bspw. eine Vorlesungspräsentation, synchron zu dem gesprochenen Wort darzustellen. Video Podcasts unterstützen sowohl die visuelle, als auch die akustische Wiedergabe der Vorlesung. Enhanced Podcasts und Video Podcasts eignen sich besonders für technische, mathematische oder naturwissenschaftliche Vorlesungen, bei denen zusätzlich zu den gesprochenen Inhalten, auch das Visuelle, wie bspw. praktische Versuche, im Vordergrund steht[36].
Gemäß einer Studie der University of Michigan aus dem Jahre 2006, bevorzugten 66% der befragten Studenten Audiopodcasts, 22% Video Podcasts und 13% der Befragten Enhanced Podcasts. Zusätzlich zu den Podcasts standen den Studierenden auch Vorlesungsskripte in digitaler Form zum Download bereit, so dass die Podcasts in erster Linie begleitend zu den Kursmaterialien benutzt wurden. Die Studierenden gaben an, dass die Skriptunterlagen als Bezug zu den gesprochenen Inhalten ausreichten, um den Inhalten des gesprochenen Podcasts folgen zu können[37].
Die Tatsache das heutzutage größere Vorlesungsräume mit Audiosignal Verstärkungsanlagen ausgestattet sind, bietet eine gute Voraussetzung, Audio-Signale bei der Sprachübermittlung aufzuzeichnen und später in Form eines Audio-Podcasts zu digitalisieren und bereit zu stellen. Weiterhin verfügen einige Hochschule zusätzlich über ein Videosystem, mit dem komplette Vorlesungen aufgezeichnet werden können. Diese Inhalte können für Enhanced- und Videopodcasts genutzt werden. Somit sind die vorhandenen technischen Gegebenheiten häufig bereits ausreichend, um Podcasts erstellen zu können, ohne größere Investitionen tätigen zu müssen[38]. Als Aufwand bleibt letztlich der Schritt, die mitgeschnittenen Inhalte in einen Podcast umzusetzen, bei der bspw. aus einem Powerpoint Vortrag des Dozenten und den Audio-, sowie visuellen Mitschnitten ein Podcast für die Studierenden bereitgestellt werden kann. Weiterhin müssen RSS Feeds gepflegt werden, um den reibungslosen Ablauf der Abonnements gewährleisten zu können. Leider kann dies noch nicht komplett automatisiert abgewickelt werden und erfordert nach wie vor den menschlichen Eingriff. Mit Hilfe klar definierter Abläufe und den Einsatz von Software-Tools kann der Aufwand jedoch auf ein geringes Maß reduziert werden.
Es existieren mehrere didaktische Ansätze für den Einsatz von Podcast an Universitäten - zum einen ein sogenanntes Anreicherungskonzept, bei dem es darum geht, dass die Studierenden auf die bereitgestellten Inhalte zugreifen können, es aber nicht müssen. Diese Form eignet sich besonders als Ergänzung zu den Vorlesungen und zur Vorbereitung auf Prüfungen. Zum Anderen das Integrationskonzept. Dieses Konzept kann die Anwesenheit bei einer Vorlesung komplett ersetzen oder alternativ als Pflichtprogramm zur Vorbereitung auf eine Vorlesung vorausgesetzt werden[39].
Ergebnisse einer Umfrage der Universität Michigan (2006) ergaben, dass 90% der Befragten die aufgezeichneten Inhalte zur Aufarbeitung bzw. Wiederholung bereits besuchter Vorlesungen nutzten, hingegen verzichteten nur rund 10% der befragten Studenten, auf Grund angebotener Vorlesungs-Podcasts, komplett auf den Besuch der Vorlesungen. Umfragen einer anderen Universität in Zürich zeigten hingegen, dass dort ca. 36% der Studierenden auf Grund angebotener Podcasts auf den Besuch einer Vorlesung im Bereich eCorporate Finance verzichteten[40].
8.2.2 iTunes U für Universitäten
Apple betreibt seit Mai 2007 ein Portal für Universitäten mit der Bezeichnung iTunes U. Anfangs war das Portal auf verschiedene Universitäten Nordamerikas, wie bspw. der Stanford University oder der Yale University, beschränkt. Mitte des Jahres 2008 folgten dann Universitäten aus Australien, Großbritannien, Irland und Neuseeland.
Seit 2009 stellen auch deutsche Universitäten ihre Inhalte über eigene iTunes U Portale weltweit zur Verfügung. Zu diesen Universitäten gehören die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), die RWTH Aachen, die Albert-Ludwig-Universität Freiburg und das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam[41].
Die angebotenen Inhalte liegen in Form von Audio und/oder Video Podcasts vor und umfassen Vorlesungen, Skripte und andere Lehrmaterialien. Die Universitäts-Portale stehen über den iTunes Store und die Apple iTunes Software frei zur Verfügung. Inhalte des Portals lassen sich ebenso auf portable Endgeräte für den Konsum unterwegs, wie auch direkt auf einen Computer herunterladen und dienen Studierenden bspw. zur Vorbereitung auf Prüfungen oder zur Nachbereitung von Vorlesungen[42].
8.2.3 Einsatz von iTunes U an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), derzeit eine der größten Universitäten Deutschlands, mit Sitz in München, bietet ein großes Spektrum an Fakultäten unter anderem in den Bereichen Theologie, Kunst und Geschichte, Medizin, sowie an naturwissenschaftlichen Bereichen. Derzeit sind an der Universität über 44.000 Studenten eingeschrieben[42].
Die Universität bietet seit Januar 2009 in ihrem Podcast-Online-Angebot Inhalte zum kostenlosen Download für Studierende und Interessierte über Apple iTunes an. Diese Inhalte sind in die Bereiche „Über die LMU“, „Forschung“, „Studium“ und "Kongresse und Events" untergliedert.
In dem Bereich „Über die LMU“ finden sich Video- und Audiopodcasts, mit allgemeinen Informationen über die Hochschule, die erste Einblicke in das Lernen, Lehren, Forschen und das Uni-Leben selbst an der Universät vermitteln. Der Bereich „Forschung“ bietet ein umfangreiches Angebot an digitalisierten Unterlagen der Uni-Bibliothek in München. Der Bereich Studium richtet sich hauptsächlich an Studierende der Universität und stellt ein großes Spektrum an Podcasts zu den einzelnen Vorlesungen bereit und ist in die einzelnen Vorlesungsthemen untergliedert, die sich mit einem Klick abonnieren lassen. Diese Podcasts bestehen vorrangig aus Audio Podcasts und sind ca. 45 bzw. 90 Min. lang und zwischen 40 und 100 MB groß. Die Podcasts liegen im MP3 Format vor und benötigen bei einer Spielzeit von 90 Min. ca. 40 MB Speicherplatz. Bei den Podcasts handelt es sich um Mitschnitte aus realen Vorlesungen der Hochschule. Zu den Vorlesungs Audio Podcasts findet man unter anderem im Bereich Medizin Video Podcasts zu den Vorlesungen und Lehrfilme, die den Studierenden audiovisuell Techniken aus dem Bereich der Chirurgie, wie bspw. Schnitt- und Nähtechniken anschaulich vermitteln sollen. Die Videopodcasts zu Vorlesungen sind so aufgebaut, dass man neben dem Redner (links im Bild) das entsprechende Vorlesungsskript in Form einer Präsentation (rechts im Bild) eingeblendet sieht. Videopodcasts in Form von Lehrfilmen sind so konzipiert, dass sie ergänzend zu den Vorlesungen gesehen werden können. In einem Beispielfilm zu Nähtechniken lässt sich so bspw. ein Mediziner dabei beobachten, wie er die einzelnen Instrumente und Techniken erläutert[42].
Der Bereich „Kongresse und Events“ widmet sich aktuellen Geschehnissen, wie bspw. dem 60 jährigen Jubiläum der Bundesrepublik Deutschland. Des Weiteren findet sich auf der Seite ein studentisches Videokunstprojekt mit dem Titel „LMUeMotions“, welches Einblicke in die Universitätsgeschichte und das heutige Leben vermitteln soll[42].
8.2.4 Einsatz von iTunes U am Hasso Plattner Institut Potsdam
Das Hasso Plattner Institut für Softwaresystemtechnik mit Sitz in Potsdam (HPI) ist Deutschlands einziges privat finanziertes Uni-Institut, an dem Studierende „IT Systems Engeneering“ studieren können. Namensgeber und Stifter ist Hasso Plattner, der auch gleichzeitig einer der Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzenden des Software Konzerns SAP ist. Das Institut wirbt mit elitären Ansprüchen und verzeichnet derzeit rund 450 Studierende und 50 Professoren[45].
Mit dem Motto „IT Wissen in Bewegung“, „Lernen: jederzeit und überall“ wirbt das Hasso Plattner Institut für Softwaresystemtechnik Potsdam (HPI) mit seinen seit Januar 2009 Online gestellten iTunes U Portal für Studierende und IT Interessierte. Zu den verfügbaren Inhalten gehören Vorlesungen, Kolloquien, Symposien, sowie Vorträge, Reden, Ansprachen und Interviews aus dem Bereich IT. Des Weiteren finden sich Dokumentation und Präsentationen von Studentenprojekten. Das iTunes U Portal der HPI ist in die Bereiche Studium, Forschung, Foren/Symposien/Konferenzen und HPI Life untergliedert. Im Bereich Studium finden sich kurze Videopodcasts zu den einzelnen Vorlesungen. Diese Video Podcasts sind durchschnittlich 10 Min. lang (min. 5 / max. 25 Min). Im Bereich Forschung finden sich Beiträge zu aktuellen Projekten des Instituts, die wie auch die Beiträge des Bereichs Foren/Symposien/Konferenzen im Video Format vorliegen. Auch der Bereich HPI Life Bereich liegt im Video Podcast Format vor und umfasst Festlichkeiten und andere Events der Studierenden. Nahezu sämtliche Podcasts liegen im Videoformat MP4 vor, was die Podcasts in seiner Größe auf 60 MB bei 22 Min. Spielzeit ansteigen lässt. Video Podcasts zu Vorlesungen Visualisieren zum einen die Materialen in Form einer Präsentation und zum anderen synchron zu den Folien eine Video-Aufzeichnung des Redners, sowie eventuelle Fragen und Diskussionen mit dem Publikum[47].
8.3 Einsatzszenarien im Fremdsprachenunterricht
8.3.1 Allgemein
Durch den Einsatz neuer Technologien eröffnen sich auch im Sprachunterricht neue Möglichkeiten. Aktuelle und informative Inhalte tragen positiv dazu bei, dass ein Lernfluss entsteht, in dem Lernende nahezu vergessen, dass sie etwas in einer Fremdsprache hören bzw. lesen. Im Fremdsprachenunterricht sind Teilnehmer mit einer Sprache konfrontiert, die zunächst ungewohnt und schwerer verständlich ist als die eigene Muttersprache. Um die Fähigkeiten des Hörverständnisses mit Fremdsprachen zu verbessern, bedient man im sich häufig gezielter Aufgaben, die es mit Hilfe von akustisch vorgelesenen Texten, zu lösen gilt. Studien haben ergeben, dass Lernende, die innerhalb und außerhalb einer Bildungsstätte mehr Kontakt zu verständlicher Sprache erfahren, einen höheren Kenntnisstand aufweisen, als Lernende, denen Inhalte nur innerhalb des Unterrichts vermittelt wird[49]. Weiterhin ist erwiesen, dass Schüler im Fremdsprachenunterricht, unter der Nutzung von Kassettengeräten mit besprochenen Inhalten für zu Hause, höhere Lernfortschritte erzielten als Schüler, die herkömmliche Bücher und Lernmethoden nutzen. Des Weiteren kann den Lernenden bei dieser Art der Aufgaben ein Gefühl für die korrekte Aussprache der Wörter vermittelt werden. Hörverständnisaufgaben als Hausaufgabe stellen die Lehrenden vor die Herausforderung, dass den Lernenden die akustischen Inhalte bereitgestellt werden müssen, daher finden solche Übungen meist nur in den Unterrichtsräumen statt[50]. Während des Unterrichts kann jedoch selten auf die individuellen Bedürfnisse oder Schwächen der einzelnen Teilnehmer eingegangen werden.
Aufgenommene Inhalte in Form von Podcasts sind daher eine sehr gute Ergänzung zu dem Fremdsprachenunterricht in Schulen. Podcasts können, nach dem sie erstellt wurden, auf einem zentralen Server im Internet bereitgestellt und durch Lernende heruntergeladen und/oder abonniert werden. Die Technik macht es möglich Inhalte wahlweise langsamer abzuspielen und unter Zuhilfenahme von Zeitstempeln oder Kapitelmarkierungen nur bestimmte Bereiche von Podcasts anzuwählen oder wiederholt abzuspielen. So lassen sich Podcasts an das individuelle Lerntempo anpassen. Das Hören oder Ansehen von Podcasts in einer heimischen bzw. selbst gewählten Umgebung trägt dazu bei, dass eine vertraute und dadurch zwanglose Hörsituation entsteht[51]. Authentizität, Aktualität und Vielfalt sind weitere Faktoren die aufgrund einer mittlerweile großen, virtuellen Hörbibliothek im Internet, für steigende Motivation und verbesserte Lernergebnisse sorgt.
Lehrende haben die Möglichkeit, je nach Anforderung und Unterricht verschiedene Strategien für den Einsatz von Podcasts zu wählen:
(1) kommerziell produzierte Podcasts, (2) von Pädagogen erstellte Podcasts oder (3) von Lernenden hergestellte Podcasts[51].
Quellen für kommerzielle Podcast sind bspw. der „iTunes Store“ oder das „Educational Podcast Network“ (http://epnweb.org). Beide liefern Inhalte in unterschiedlichen Sprachen für unterschiedliche Lern- und Zielgruppen.
Simple und kostenlose Tools, wie bspw. Garageband ermöglichen es auch Pädagogen und Schülern eigene Podcasts aufzuzeichnen, die auf die Bedürfnisse der Lernenden zugeschnitten werden können. Des Weiteren ist es möglich, die Stimmen andere Personen in das Gesprochene einzubringen, um die Lernenden so mit wechselnden Sprechern und Dialekten zu konfrontieren. Durch die Technik der Enhanced Podcasts ist es möglich gesprochene Podcasts auch mit Textinformationen oder visuellen Unterstützungen zu versehen, die während des Abspielens betrachtet werden können.
Ein drittes Szenario – von Lernenden erstellte Podcasts, bietet den Anreiz, das Schüler selbst Ideen und Themen verwirklichen können. Ein weiterer Ansatz ist, dass erfahrene Lernende Podcasts für weniger erfahrene Lernende unterer Klassen erstellen, aus denen sich dann für beide beteiligten Gruppen ein positiver Lerneffekt ergibt. Sukzessive kann so eine virtuelle Sammlung an Podcasts aufgebaut werden, die sich über mehrere Unterrichtsreihen hinweg benutzen lässt. Diese virtuellen Bibliotheken lassen sich auch mit anderen Schulen teilen, so könnten bspw. Schüler einer deutschen Schule deutschsprachige Geschichten oder Themen aufnehmen und ausländischen Partnerschulen bereitstellen, die deutsch lernen. So ergeben sich interkulturelle und soziale Symbiosen gleichaltriger Zielgruppen[52].
8.3.2 Fremdsprachen Podcasts
Im Internet finden sich mittlerweile unzählige kostenlose und kommerzielle Podcasts zum Thema Fremdsprachentraining. Diese lassen sich bspw. für das tägliche Vokabeltraining auf dem Weg zur Bildungsstätte am Morgen nutzen. In der Regel sind diese Podcasts äußerst kompakt und haben eine recht kurze Spieldauer von 5-10min. In regelmäßigen Abständen lassen sich mittels Abonnement automatisch neue Episoden herunterladen, so dass das Training eine Art Kurs-Charakter erhält. Diese Podcasts lassen sich auch zur Ergänzung mit dem Fremdsprachenunterricht in der Schule einsetzen und bieten so alternative Anreize zu den gelehrten Inhalten des Unterrichts. Firmen, wie bspw.die PONS GmbH - ein großer Anbieter von Fremdsprachen Training Literatur und Sprachkursen, bietet auf seiner Homepage kostenlos Audio Podcasts zum herunterladen bzw. abonnieren an. Diese Podcasts richten sich an unterschiedliche Sprachniveaus und bieten kurze Geschichten zu Alltäglichem. Durch das Hören der Podcasts werden sowohl Wortschatz als auch Sprachverständnis trainiert[53].
8.3.3 eTwinning
eTwinning beschreibt die Möglichkeit europäische Schulpartnerschaften über das Internet kostenlos zu verknüpfen. Über diese Partnerschaften können Kontakte geknüpft werden und ortsunabhängig Inhalte zu Unterrichtsthemen in sogenannten virtuellen Unterrichtsräumen ausgetauscht werden. Schüler haben die Möglichkeit mittels Chat, E-Mail oder Dateitransfer zusammen zu arbeiten. Fremdsprachenerwerb, Einsatz neuer Medien und interkultureller Austausch lassen sich so lebendig verknüpfen. eTwinning ist Teil von Comenius einem Programm für lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission. Ein Team von Schulen ans Netz e. V. koordiniert in Deutschland eTwinning[54].
Das Projekt eTwinning kann dazu genutzt werden, die Schüler eigene Podcasts erstellen zu lassen und sich mit anderen Schulen bzw. Schülern audiovisuell in einer Fremdsprache auszutauschen. Die Inhalte der Podcasts können von den Lernenden frei gewählt oder auch durch den Lehrer vorgegeben werden. Durch die freie, kreative Entfaltung bei der Wahl der Inhalte durch Lernende wird zusätzlich die Motivation gesteigert. Somit werden Hör- und Sprachkompetenzen spielerisch gefördert und soziale Kontakte mit anderen Lernenden geknüpft[54].
8.3.4 Audioblogging
Typische Hausaufgaben bestehen heutzutage meist aus der schriftlichen Lösung von Aufgaben aus schulischen Übungsbüchern. Diese Art von Aufgaben gehen jedoch nicht auf die Förderung des Sprechens einer Fremdsprache ein. So kommt es, dass selbst versierte Fremdsprachenschüler Probleme mit der Sprachproduktion haben, da das freie Reden meist nur im Unterrichtsraum gefördert werden kann.
Mit Audiobloggingsystemen wie „Loudblog“ (www.loudblog.de) ist es möglich den Lernenden Aufgaben zu erteilen, die sowohl Sprachproduktion, Kreativität als auch Umgang mit neuen Medien fördert. Lernende könnten bspw. ihre eigenen Podcasts aufzeichnen und über das Portal von Loudblog veröffentlichen. Lernende würden so also ihre Hausaufgaben nicht aufschreiben sondern aufsprechen. Der Lehrer hat nun die Möglichkeit die RSS Feeds der Kommentare des Podcasts zu abonnieren und wird so benachrichtigt, sobald die Schüler mit der Aufgabe fertig sind bzw. Änderungen vorgenommen haben. Des Weiteren hat der Lehrer die Möglichkeit die Sprachproduktionen der Lernenden zu kommentieren und den Lernenden so ein individuelles Feedback zu geben[55].
9 Fazit
In dieser Arbeit wurde aufgezeigt, dass Lernen als ein lebenslanger Prozess verstanden werden kann, den es durch geeignete Lehr- und Lernstrategien zu unterstützen gilt. Dabei gewinnt der Einsatz von Medien in der Lehre zunehmend an Bedeutung, vor allem weil hierdurch eine Entlastung der Wissensvermittlung und der Aufbau von Kompetenzen im individuellen Wissensmanagement erzielt werden können. Das Web 2.0 bietet in diesem Rahmen eine Reihe von Anwendungen, die nicht nur die Lehre verbessern und unterstützen können, sondern auch den aktuellen Anforderungen an die Lehre gerecht werden. Neben Blogs und Social Software haben sich in den letzten Jahren insbesondere Podcasts in der Lehre aber auch in anderen Lebensbereichen etabliert. Diese können als Mediendateien, die sich aus dem Internet herunterladen lassen und verschiedene Inhalte wie Informationen und Wissen enthalten, definiert werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Formen eines Podcast (1) dem Audio Podcast, (2) dem Video Podcast und (3) dem Enhanced Podcast. Die Phasen der Produktion, Veröffentlichung, Empfang und Wiedergabe eines Podcast werden als Podcasting bezeichnet.
Podcasts können in alle Bereiche der Lehre eingebunden werden. Beispiele der Nutzung von Podcasts sind jedoch vorwiegend im Bereich der Hochschulbildung und des Fremdsprachenunterrichts zu finden. Dabei unterstützen Podcasts vor allem das Memorieren und Speichern von Wissen durch die Möglichkeit, die Lerninhalte so oft wie nötig und in einem individuellen Lerntempo abzuspielen und nachzuvollziehen. Zudem werden die Lehrinhalte auf eine anschauliche und verständliche Art dargestellt. Ein großer Vorteil von Podcasts liegt des Weiteren in der Zeit- und Ortsunabhängigkeit, da diese zu jeder Zeit und überall über mobile Endgeräte abgerufen werden können.
Es zeigt sich jedoch, dass das Potenzial der Einbindung von Podcasts in der Lehre vielfach noch nicht ausgeschöpft wird. Während Podcasts häufig zur Vorlesungsaufzeichnung verwendet werden, wird die Produktion von Podcasts durch Lernende in der Lehre meist noch vernachlässigt. Dabei lassen sich auch durch diese Form der Einbindung von Podcasts in die Lehre positive Lerneffekte sowie eine Steigerung der Medienkompetenz und Teamfähigkeit erzielen.
Insgesamt können Podcasts als ein hilfreiches Medium zur Unterstützung und Verbesserung der Lehre verstanden werden, deren Einsatz noch verstärkt und deren Vorteile sicherlich noch mehr, wie bspw. zur Aufnahme von Hausaufgaben für den Sprachunterricht o.ä., genutzt werden könnten. Da jedoch auch die Gefahr besteht, dass die Motivation der Lehrenden negativ beeinflusst wird und dass der Inhalt eines Podcasts im Falle des Auftretens technischer Störungen missverstanden werden kann, sollte sichergestellt werden, dass die Lernenden die Podcasts nicht als Ersatz für die Teilnahme an Lehrveranstaltungen sehen. Von einer vollständigen Virtualisierung der Lehre wird daher in der Literatur bis heute überwiegend abgeraten.
10 Fußnoten
- ↑ Vgl. Sander, U. et al. (2008), S. 440 ff
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Vgl. Sindler, A. (2004), S. 14 ff
- ↑ Vgl. Brauner, J.; Bickmann, R. (2001), S. 86 f
- ↑ 4,0 4,1 Vgl. Sindler, A. (2004), S. 2
- ↑ Vgl. Döring, N. (2002), S. 443
- ↑ Vgl. Sindler, A. (2004), S. 4 f
- ↑ 7,0 7,1 Vgl. Haas, B. et al. (2007), S. 5 ff
- ↑ Vgl. Friedmann, V. (2007), S. 56
- ↑ Vgl. Alby, T. (2007), S. 21 ff
- ↑ Vgl. Alby, T. (2007), S. 89
- ↑ Vgl. Beuschel, W. et al. (o. J.), S. 5 f
- ↑ Vgl. Alby, T. (2007), S. 91 ff
- ↑ Vgl. Wannenmacher, K. (2008), S.147
- ↑ Vgl. Euler, D. et al. (2007), S. 3 ff
- ↑ Vgl. Mayrberger, K. (2008), S.158 ff
- ↑ Vgl. Euler, D. et al. (2007), S. 4 f
- ↑ Vgl. Mayrberger, K. (2008), S.159
- ↑ Vgl. Wannenmacher, K. (2008), S. 148 ff
- ↑ Vgl. Alby, T. (2007), S. 44
- ↑ 20,0 20,1 Vgl. Löser, P.; Peters, D. (2007), S. 139 ff
- ↑ 21,0 21,1 Vgl. Horn, D.; Fiene, D. (2007), S. 20
- ↑ 22,0 22,1 22,2 Vgl. Klee, A. (2007), S. 156
- ↑ Vgl. Webster, T. (2009), S. 3 ff
- ↑ Vgl. http://www.podcast.de/presse/
- ↑ Vgl. http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BK/DE/Aktuelles/VideoPodcast/video-podcast.html
- ↑ 26,0 26,1 Vgl. Niemann, P. (2007), S. 20 ff
- ↑ http://www.podcast.de/podcasting/schritt-fuer-schritt-erklaert
- ↑ Ein Webserver ist eine Anwendung, die Dokumente oder Dateien im Internet bereitstellt welche über das Internet abgerufen werden können.
- ↑ Vgl. Niemann, P. (2007), S. 18 ff
- ↑ Vgl. http://www.apple.com/de/itunes/whatson/podcasts/specs.html
- ↑ Vgl. Schiefner, M. (o. J.), S. 5
- ↑ 32,0 32,1 32,2 Vgl. Rauning, M. (2008), S. 16
- ↑ Vgl. Schiefner, M. (o. J.), S. 4
- ↑ Vgl. Rauning, M. (2008), S. 17
- ↑ Vgl. Ketterl, M. (o. J.), S. 7
- ↑ Vgl. Ketterl, M. (o. J.), S. 6
- ↑ Vgl. Meier, C. (2007), S. 97
- ↑ Vgl. Ketterl, M. (o. J.), S. 4
- ↑ Vgl. Ketterl, M. (o. J.), S. 7 f
- ↑ Vgl. Meier, C. (2007), S. 96
- ↑ Vgl. Klaß, C. (2009
- ↑ 42,0 42,1 42,2 42,3 o. V. (2009) http://www.uni-muenchen.de
- ↑ http://deimos.apple.com/WebObjects/Core.woa/Browse/lmu.de
- ↑ http://deimos3.apple.com/WebObjects/Core.woa/Browse/lmu.de.1807781573.01854400011.1852795689?i=1678546656
- ↑ Vgl. http://www.hpi.uni-potsdam.de/hpi.html
- ↑ http://deimos.apple.com/WebObjects/Core.woa/Browse/hpi-de-public
- ↑ Vgl. Allgaier, H.-J. (2009)
- ↑ http://deimos3.apple.com/WebObjects/Core.woa/Browse/hpi-de-public.2195165112.02195165114.2195001526?i=1218734549
- ↑ Vgl. McQuillan, J. (2006), S. 4
- ↑ Vgl. McQuillan, J. (2006), S. 7
- ↑ 51,0 51,1 Vgl. McQuillan, J. (2006), S. 8
- ↑ Vgl. McQuillan, J. (2006), S. 9
- ↑ Vgl. http://www.pons.de/home/specials/ponsblog/
- ↑ 54,0 54,1 Vgl. http://www.schulen-ans-netz.de/ueberuns/unsereprojekte/projektetwinning.php
- ↑ Vgl. Dorok, S. J., Fromm, M. (2006)
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