Förderung des Lerneffekts durch Web 2.0
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| Name des Autors / der Autoren: | Cem Donat, Birol Dülek, El Sayed Soulaiman |
| Titel der Arbeit: | "Förderung des Lerneffekts durch Web 2.0" |
| Hochschule und Studienort: | FOM Köln Nord |
Inhaltsverzeichnis |
1 Einleitung
Web 2.0 hat sich in den letzten Jahren zu einem unübersichtlichen Medium entwickelt. Es beschreibt keine neuen Technologien, sondern kombiniert die vorhandenen Techniken miteinander, so das neue Anwendungs- und Nutzungsmodelle geschaffen werden können.
Der Begriff Web 2.0 steht als Sammelbegriff für alle Anwendungen, die auf der Basis des Einsatzes von Sozial Software entstehen, wobei hier der User sowohl als Konsument, der diese Anwendungen mitbenutzt, als auch durch eigene Inhalte, Kommentare, Tags oder auch nur virtuelle Präsenz einen aktiven Produzenten darstellt.
Die wichtigen Merkmale dieser Wertschöpfung sind in ihrer Interaktivität, Dezentralität und Dynamik dargestellt.
In dieser Fallstudie wird das Thema „Förderung des Lerneffektes durch Web 2.0“ behandelt. Das Web 2.0 hat viele Formen von neuartigen, kollaborativen und nutzzentrierten Anwendungen hervorgebracht. Durch einfache Verständlichkeit konnte sie in kurzer Zeit viele Erfolge und damit einen steigen Anzahl an Nutzern verbuchen.
Neben Anwendungen zur Erstellung von sozialen Netzwerken (z.B. xing) [1]. Sind Social Tagging-Systeme zu den Erfolgreichsten Web 2.0-Anwendungen. Diese erlauben den Nutzern, ohne Programmierkenntnisse die verschiedenen Web 2.0-Plattformen (z.B., YouTube [2] StudieVZ [3], Flikr[4]) zu nutzen.
Mit Web 2.0 ist aus einseitiger Kommunikation Interaktion geworden und die Produktion von Inhalten ist nicht mehr bestimmten Personen vorbehalten. Dank einfacher Nutzung, ist es für jeden möglich daran teil zu haben. Gerade in der Zeit der Globalisierung verändern sich Wirtschaft und Gesellschaft mit zunehmender Geschwindigkeit.
Es entstehen neue Netzwerke, dadurch steigt auch die Komplexität der wirtschaftlichen Systeme und Prozesse.
Lernen wird von vielen immer noch auf die Aneignung von Sach- und Fachwissen, von Fertigkeiten und Qualifikationen reduziert. Diese Lernprozesse sind zwar weiter notwendige Voraussetzung betrieblicher Bildung, genügen aber den Anforderungen des globalen Wettbewerbs nicht mehr.
Sowohl die demografische Entwicklung in Europa als auch eine bereits deutlich sichtbarer Strukturwandel der Bildungsanforderung verlangen Maßnahmen zur ausgereiften Lernmedien. Deshalb wollen wir in dieser Fallstudie klären,welche Lerneffekten zu erwarten sind, welche Möglichkeiten für Hochschulen und Unternehmen existieren.
1.1 Aufbau der Arbeit
Nach der Einleitung erfolgt im Kapitel 2 eine kurze Ausführung über die Grundlagen von Web 2.0 und die damit verbundenen neuen Instrumente. Kapitel 3 beschreibt die wichtigsten drei grundlegenden Lerntheorien. Lerntheorien versuchen zu erklären, wie man Wissen erlernen kann und versuchen die Lernprozesse zu beschreiben. Kapitel 4 beschreibt das kollaboratives Lernen in Communities die sich in Web 2.0 anwenden lassen .In Kapitel 5 werden die Medienditaktische zusammenhänge durch den Einsatz von Medien insbesondere des Web 2.0 näher beschrieben. Im vorletzten Kapitel 6 werden die Web 2.0 Anwendungen wie sie in Hochschulen und Unternehmen vorkommen vorgestellt. Mit Kapitel 7 erfolgt abschließend eine Zusammenfassung.
2 Grundlagen und Instrumente des Web 2.0
Das Interesse an Web 2.0-Technologien hat dazu geführt, dass Web 2.0-Anwendungen große Akzeptanz bei Nutzern aus allen gesellschaftlichen Schichten mit unterschiedlichen Interessen und Bildungshintergründen gefunden hat. Die Zahl der Nutzer steigt täglich und somit steigen die Anforderungen der Nutzer an den Anwendungen. Die Entwicklung von Offline zu Online ist nicht mehr aufzuhalten und mit dem „Social Web“ hat sich die gesamt kommunikations- und Informationskultur verändert. Online und Web 2.0 sind somit keine vorübergehende Erscheinung. Das Web wandelt sich durch die unbegrenzten Möglichkeiten zur Eigendarstellung der User, Blogs und Foren, grenzenlose Vernetzung und frei konfigurierbare Kommunikationskanäle haben und werden die Rahmenbedingungen der Kommunikation in allen gesellschaftlichen Ebenen verändern. Im Bezug auf das Ziel dieser Fallstudie „Förderung des Lerneffektes durch Web 2.0“ lässt sich nicht vermeiden zu erwähnen, welche Erfolgschancen für Studierende bestehen, wenn die Hochschulen Web 2.0-Dienste in ihr Hochschulmarketing aufnehmen würden. Der Einsatz von Blogs, Wikis, Podcasts oder auch webbasierte Trainingsinhalte in der Hochschullehre würde den Erwartungen der Studierenden entgegenkommen. Außerdem ermöglichen solche Kommunikationsmittel ein anderes höheres Ausmaß an Vernetzung und Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden. Lernende können ihren Lernprozess selbststeuern und gleichzeitig Eigenverantwortung und Kompetenz im Einsatz vorhandener Technologien selbst bestimmen. Auf dieser Grundlage werden formelle und informelle Lernwege zusammengeführt und Kompetenzen erworben, die den Anforderungen der Lernenden entsprechen . Der Einsatz von Lernsysteme mit dem Ziel der Kompetenzentwicklung, E-Learning oder Social Software gehören zu keiner modewellen. Sie spiegeln die veränderten Anforderungen der Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen an ihre Nachwuchs Mitarbeiter, und Führungskräfte wider[5] Der Einsatz von Lerntheorien kommt in der Praxis in Reinform nicht so oft vor, aber sie dienen als Orientierungshilfe für die Konzipierung von Lernsystemen. Im Kreislauf der Kompetenzentwicklung und Wissenstransfer treffen sich Elemente aller Lerntheorien in einzelnen Phasen wieder aufeinander [6]. Außerdem bedarf es bei dem Einsatz neuer Technologien an Zielformulierung. Wie dies eingesetzt wird. Welche Möglichkeiten für Studierende bzw. Mitarbeiter bestehen. Es müssen sowohl Vorteile und Nachteile berücksichtigt werden. Gerade die Vorteile des Web 2.0 sind auch grundlegend für die nachteilige Entwicklungen. Die viele Unternehmen abschrecken. Deswegen geht es hier zu zeigen, wie notwendig für Unternehmen ist, Web 2.0-Technologien in ihre Kommunikation innerhalb und Außerhalb des Unternehmens einzubeziehen. E-Commerce, Kundengewinnung, Werbung aber auch die eigenen Mitarbeiter alles lässt sich mit Web 2.0 Anwendung besser entwickeln und kommunizieren. Anschlissend folgt eine Zusammenfassung und eine Würdigung der Arbeit aus Sicht der Autoren.
2.1 Grundlagen
Der Begriff „Web 2.0“ entstand aus einem Brainstorming zwischen Tim O´Reilly, Dale Dougherty und Medialive International im Herbst 2004 in San Francisco. Dort stellten die Anwender fest, dass das Internet eine wichtige Rolle im täglichen Leben eingenommen hat und würde diese weiter ausbauen. Die technischen Grundlagen des Web 2.0 beruhen an der ersten Stelle auf die Entwicklung neuer Applikationen wie Ajax, RSS-Feeds oder Ruby on Rails. Darüber hinaus stellt die Datenübertragung von zur Verfügung stehenden Bandbreiten ein wichtiger Faktor dar, das Web 2.0 zu rasantem Wachstum verholfen hat. Die inhaltliche Charakterisierung der Web 2.0-Anwendungen basieren auf der Entstehung der Inhalte, die öfter von den Nutzern selbst bereitgestellt werden. Die Web 2.0-Nutzer haben alle die Möglichkeit, ohne besondere technische Vorkenntnisse Informationen zu erzeugen und anderen zugänglich zu machen. Dadurch verändert sich somit die Sender-Empfänger-Struktur. Der Nutzer, der seine Videos auf eine Online Plattform (wie z.B. YouTube) hoch lädt, oder sine Photographien bei Flickr[7]zeigt oder sein Wissen in Online-Enzyklopädien zur Verfügung stellt und seine Literaturrecherche anderen Akteuren empfiehlt, konsumiert hier nicht mehr an einen Empfänger, sondern stellt diese allen Nutzern zur Verfügung. Der einzelne wird somit zum Broadcaster[8].
2.2 Instrumente
Das World Wide Web verwandelt sich seit Jahren von einem Medium der passiven Konsumenten von Inhalten hin zu einem Netz für aktive Nutzer, die Weblogs schreiben, Diskussionen in Foren führen, Podcast auf YouTube veröffentlichen oder eine wissenschaftliche Arbeit in Wiki schreiben.
Diese Nutzer tauschen im Web sowohl Gedanken als auch verschiedene Interessen aus und knüpfen in virtuellen sozialen Netzwerken (wie z.B. StudieVZ, Facebook, XING, etc…) Beziehungen zu Gleichgesinnten, mit denen sie sich zu virtuellen Communities formieren. Folglich definiert sich die soziale Komponente des Web 2.0 über Veränderung der Verhältnisse der Nutzer.
Web 2.0-Plattformen bestehen aus sozio-technischen Artefakten und basieren auf speziellen Anwendungen und Technologien. Durch die technologische Entwicklung des Web 2.0 wurde es möglich, dass soziale Prozesse der Nutzer unterstützt werden. In diesem Abschnitt werden einige der Anwendungen unter Berücksichtigung der dahinter stehenden Technologien vorgestellt.
2.2.1 Wikis
Wikis sind offene Content Management Systeme, mit denen hypermedialen Online-Seiten erstellt werden können, deren Inhalte von Benutzer nicht nur gelesen, sondern im eigene Browser auch geändert und sogar gelöscht werden können [9].
Somit ist ein Wiki eine einfache und leicht zu bedienende Plattform für kooperatives Arbeiten an Texten und Hypertexten.
Die wichtigste Funktion von Wiki ist das Community-Editing. Die gemeinsame Erstellung von Inhalten durch eine virtuelle Gemeinschaft gestattet es Personen, eigene Positionen zu hinterlegen und gemeinschaftlich zu bearbeiten.
Der Einsatz von Wikis ist abhängig von den Zielen der Community bzw. der Gruppe, die sie nutzen.
Grundsätzlich werden zwei verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Wikis unterschieden: Sie dienen als Werkzeuge von geschlossenen Arbeitsgruppen oder sie richten sich an alle Nutzer über das World Wide Web. Sie eignen sich zur gegenseitigen Abstimmung, zur Kommentierung und zur Dokumentation von Wissen und fördern gleichzeitig den Aufbau sozialer Kontakte und die Zusammenarbeit über Raum und Zeit hinweg.
Wikis eignen sich zur Organisation und Lösung von Aufgaben in schnelllebigen und komplexen Systemen. Sie erlauben eine Zusammenarbeit verteilter Autoren über Raum und Zeit hinweg. Der Zugang zu einer entsprechenden Plattform kann restriktiv gehandhabt werden. Durch die Kopplung mit einer Benutzerverwaltung können nur berechtigte Nutzer einen Zugriff auf die Wikis erhalten. Sie eröffnen neuartige Ansätze zur Zusammenarbeit und stellen dabei bewährte Formen der Kooperation vor neue Herausforderungen [10].
2.2.2 Weblogs
Der Begriff Weblog ist ein Logbuch im Internet, auf dem sich regelmäßige Beiträge in Form von Nachrichten, Meinungen, Videos oder Links verbreiten lassen. Die Einträge sind in chronologischen Formen und stellen eine starke Dialogorientierung dar Zusammen mit Trackbacks[11] und der Kommentarfunktion entsteht dadurch in Weblogs eine Art verteilte Kommunikation, in denen Autoren aufeinander Bezug nehmen und mit ihren Lesern in einen Dialog treten.
Darüber hinaus wird in Verbindung mit dem Weblog ein Abonnement Service (via RSS) angeboten. Mit Hilfe dieser Funktion werden Abonnenten automatisch mit Hilfe eines sogenannten „Feed-Reader“ benachrichtigt, sobald ein neuer Artikel veröffentlicht wird.
Weblog Systeme basieren auf Content-Management-Systeme(CMS), die das Einfügen neuer Inhalte sowie Veränderung vorhandener Inhalte auch für Nutzer Ermöglichen, die über keine oder nur geringe Kenntnisse im Webdesign verfügen [12].
An den Hochschulen würden Weblogs die Chats, Foren, Mailinglisten als Lernplattformen ablösen oder auch ergänzen. Dadurch wird eine diskursive Art des Schreibens gefördert und ausgebildet, in dem sich Studierende permanent zu bestimmten Themen Meinungen abgeben und fremde Beiträge kommentieren. Desweiteren Können Weblogs dazu verwendet werden, Informationen von Lehrveranstaltungen, Änderungen in Stundenplänen, Angaben zu Literaturhinweisen, Aufgaben, Lernmaterialien bis zu Prüfungsordnungen zu veröffentlichen.
Die Lehrenden stellt die Unterlagen an zentraler Stelle (Alle Formate werden unterstützt) im Download bereit. Die Weblogs der Lehrveranstaltungen können in die Webseiten des Lehrstuhls integriert oder von dort aus verlinkt werden
2.2.3 Podcast
Ein Podcast ist eine Onlinebereitstellung von Audio- bzw. Videodaten und anderen Informationen unter einem definierten Themenbereich. Diese lassen sich aus zeitlicher, technischer und finanzieller Sicht mit wenig Aufwand produzieren. Daher gelten sie als wichtige Triebkraft der Web 2.0-Welt. Durch einfache Erstellung und Nutzung von Podcastproduzenten für Podcastnutzer zur Verfügung gestellt.
Das besondere an Podcasting ist, dass Podcasts abonniert und automatisch auf den Computer, ein beliebiges Abspielgerät, ein Multimedia-Handy oder PDA übertragen werden können. Podcasting bietet somit die Möglichkeit, die Podcasts überall und zu jeder Zeit zu hören [13].
Als Sonderform, welche in der Lehre und der Bildungskommunikation eine wichtige Rolle spielt, können die sogenannten „Screencasts“ betrachtet werden [14] . Sie stellen vertonte Aufnahmen von Bildschirmaktivitäten dar. Diese Variante ist für die Lehre bzw. die Hochschule von besonderem Interesse, da sie die Möglichkeit bietet, Präsentationsfolien mit einem Audiopodcast zu synchronisieren. Diese können dann zum Download bereitgestellt werden. Studierende können den Worten des Vortragenden folgen und gleichzeitig andere Bemerkungen zum Inhalt berücksichtigen.
Durch die hohe Komprimierungsfähigkeit der Daten, Beispielsweise im MPEG-4-Format, lassen sie sich leicht auf mobilen Abspielgeräten konsumieren.
Podcasts entwickeln sich zum Basis-Tool der Kommunikation über neue Medien. Sie lassen sich in sehr vielen relevanten Arten und Feldern einsetzen.
Durch die Integration von Podcasts in andere Web 2.0 Instrumente (z.B. Chats, Emails, RSS, Weblog, Wikis) haben Studierende somit die Möglichkeit die Vorlesungen nachzubearbeiten. Darüber hinaus erlauben Video-Sharing-Plattformen eine Kommunikation zwischen Nutzern und Dozenten durch Kommentare und Nachrichten, die zum Austausch von Meinungen beiträgt und auch gemeinschaftliche Informationen ermöglicht.
Aus Bildungstechnischer Sicht veranlassen Videos und Kommentare die Studierenden das Gelernte zu wiederholen und sich damit nochmals zu beschäftigen. Der Lernprozess wird optimiert [15].
2.2.4 RSS
RSS steht für Really Simple Syndication. Dieser Technologiestandard erlaubt Online-Herausgebern, Informationen im Internet mittels sog. RSS-Feeds zu verbreiten.
Die meisten RSS-Feeds bestehen beispielsweise je nach Webangebot lediglich aus den Überschriften neuer Nachrichtenartikel, eventuell noch die ersten Sätze oder weiteren Kurzinformationen. Nutzer haben somit die Möglichkeit, diese Feeds im Browser zu integrieren oder anhand Buttons, Links oder Mailprogramme anzubinden.
Die Online-Syndizierung oder RSS ist eine starke Distributionsmaschinerie für die Blogsphäre. Durch das Klicken des RSS-Buttons kommen die abonnierten Inhalte zum Benutzer, ohne dass der Nutzer diese Seiten besuchen muss. Desweiteren sind die RSS-Dateien logisch strukturiert, auf den Inhalt reduziert und zunächst frei von Layout und Design.
Die Vorteile von RSS liegen vor allem in der Zeitersparnis, so ist es möglich Webinhalte schnell und effektiv auf Änderung und Aktualität zu prüfen, diese spart Zeit und Aufwand.
2.2.5 Community System (CommSy)
Community System (CommSY) ist eine webbasierte Kooperationsplattform zur Unterstützung der Koordination und Kommunikation von Arbeitsgruppen und Lerngemeinschaften, insbesondere in der Hochschullehre [16]. Die Gestaltung von CommSy unterstützt die Eigeninitiative und die Verantwortlichkeit der Benutzer. Dies bietet den Lerngemeinschaften die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre Erfahrungen auszutauschen [17]. Das CommSy besteht aus zwei Bestandteilen:
- Projekträume dienen zur Unterstützung geschlossener Arbeitsgruppen. Die Benutzer können die Neuigkeiten ankündigen, Termine absprechen, Diskussionen führen und Arbeitsmaterialien austauschen. Die Gestaltung der System-Räume zielt auf eine einfache und gemeinschaftsorientierte Benutzung
- Der Gemeinschaftsraum dient der Lerngemeinschaft als Plattform zum Austausch von Informationen und Materialien. Insbesondere Ergebnisse aus Projekträumen können hier veröffentlicht werden. Literaturverweise Forschungsgebiete, Veranstaltungen und Lehrsammlungen können verschiedene Perspektiven darstellen [18].
Das CommSy wurde zur Unterstützung von Lehrveranstaltungen an der Universität Hamburg eingesetzt.
An der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg hat man festgestellt, dass CommSy in Blended-Learning-Szenarien hervorragend eingesetzt werden kann, nicht nur für die Wissensvermittlung, sondern durch die Unterstützung der Kollaboration und Kommunikation im virtuellen Raum . Die Benutzer haben die Möglichkeit durch Termine und Neuigkeiten, Ankündigungen ins System zu stellen. Die Kommunikation wird durch thematisch fokussierte Diskussionen sowie durch Veröffentlichung von Personendaten und Informationen über Teilgruppen innerhalb des Projektraumes unterstützt. Die Protokollierung von Arbeitsprozessen und Ergebnissen kann über Einstellung und Verwaltung von Dateien und Literaturangaben in der Rubrik Materialien [19].
3 Grundlegende Lerntheorien
In diesem Kapittel werden die drei generellen Lerntheorien beschrieben, die in der Pädagogik benutzt werden.
Eine Lerntheorie kann als Versuch verstanden werden, kenntnisse bzw. Auffassungen über das Lernen in ein einheitlichens System zusammenzufassen, die als solches ein Paradigma für die Gestalltung von Lehr-/ Lernsituationen bildet. Bei der Gestaltung von Lernarrangements kommen den drei grundlegenden Positionen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus, auf die im folgenden näher eingegangen wird, zentrale Bedeutung zu.
3.1 Behaviorismus
Der Behaviorismus, abgeleitet vom amerikanisch-englischen Wort „behavior“, bedeutet „Verhalten“. Demzufolge versteht man unter Behaviorismus die Theorie der Wissenschaft vom Verhalten. Es wird als das sogenannte „Objektivismus“ betrachtet und diesem auch zugeordnet, wonach das Wissen als ein Augenblick gesehen wird, welches extern und unabhängig vom Lernenden existiert.
Der Grundgedanke des behavioristischen Lernens ist die Veränderung des Verhaltens durch Erfahrung. Innerpsychische Vorgänge (Nicht-Beobachtbares Verhalten wie z.B. Erleben, Denken) zur Erklärung von Verhaltensweisen spielen für den Verhaltensforscher keine besondere Rolle. Sie orientieren sich eng an der empirischen Forschung, wobei das Gehirn des Lernenden selbst als „Black Box“ betrachtet wird. Es reagiert automatisch auf einwirkende Reize[20]. Demzufolge wird beim behavioristischen Lernen das Erlernen durch Belohnung und Bestrafung gesteuert.
Burrhus Frederic Skinner hat Mitte der 50er Jahre die „Reinforcement Theory“ entwickelt.
Diese Theorie erklärt, dass die Wahrscheinlichkeit steigt das Menschen sich auf gewünschte Art und Weise verändern oder lernen, wenn sie dafür belohnt werden.
Skinner behauptete, dass ein Verhalten nicht wiederholt werde, wenn nach dem Verhalten keine Belohnung oder Bestrafung erfolgt[21].
Er entwickelte ein Konzept und stellte verschiedene Regeln auf. Er nannte es „Programmierte Instruktion“. Hierbei handelt es sich um ein Lehr- und Lernmodell, was zur Verwendung von Unterrichtszwecken dienen sollte, wobei der Unterrichtsstoff mit einfacheren Themen beginnt und der Schwierigkeitsgrad langsam steigt. Die Lernziele dürfen nicht kompliziert angesetzt werden und sollten möglichst objektiv und realistisch sein, denn es wird den formulierten Lernzielen eine zentrale Bedeutung gegeben. Dabei kann der Lernende beim Lösen der Aufgaben sein Tempo selbst bestimmen. Hierbei ist jedoch wichtig, dass die Übungen in einer bestimmten Rheinfolge bearbeitet werden, so dass sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Aufgaben auch richtig gelöst werden können[22].
3.2 Kognitivismus
Anders als beim Behaviorismus wird den Denk- und Verhaltensweisen der Lernenden beim kognitiven Ansatz eine zentrale Rolle zugeteilt. Hier wird der Lernende als Individuum gesehen und es werden nicht nur äußere Bedingungen des Lernens in Betracht gezogen[23]. Es wird davon ausgegangen das der Lernende äußere Reize aktiv und selbständig verarbeitet.
Kognitivistische Lerntheorien beziehen sich stark auf die innerpsychischen Vorgänge des Menschen bzw. des Lernenden, welche als „Informationsverarbeitungsprozesse“ betrachtet werden. Hierbei wird Bildung als „Internalisierung“ (v. lat. internus „innen befindlich“, „Verinnerlichung“/ Wikipedia), d.h. als Aufnahme und Verarbeitung von Wissen, verstanden. Dabei geht man davon aus, dass ein extern und objektiv existierendes Wissen beim Lernenden vorhanden sein muss. Daraus kann man schließen, dass diese Theorie auch objektivistische Züge aufweist. Durch die Kombination zwischen externem Wissen und internen Strukturen kommt der Lernprozess zustande[24]. In den 60er Jahren wurde von Brunner die Lerntheorie des Kognitivistischen Lernens weiter entwickelt, so dass mit dem Kognitivismus auch eine stärkere Betonung des entdeckenden Lernens (auch exploratives Lernen genannt) in den Vordergrund gestellt wurde.
Folgende Aspekte des explorativen Lernens werden hierbei besonders hervorgehoben:
• Entdeckendes Lernen wird durch den Lernenden selbst gesteuert.
• Zur Ableitung von Regeln und zur Lösung konkreter Probleme muss der Lernende zunächst Informationen sammeln, sie bewerten und sie strukturieren.
• Entdeckung wird durch die Neugier und das Interesse des Lernenden geleitet. Ziel muss es sein, das der Lernenden interessante Fragen entwickelt, statt auswendig zu lernen.
• Ziel des Lernens ist die Ausbildung der Fähigkeiten zur Problemlösung[25].
3.3 Konstruktivismus
Bei der Lerntheorie des Konstruktivismus wird der Ansatz vertreten, dass Wissen durch eine interne subjektive Konstruktion von Ideen und Konzepten entsteht[26].Der Konstruktivismus ist also durch die aktive und die subjektive Interpretation von Konstruktionen eine Gegenposition zum Objektivismus.
Beim Konstruktivismus werden die internen Verstehensprozesse in den Vordergrund gestellt. Die im Kognitivismus aufgestellte Theorie der Wechselwirkung zwischen der externen Präsentation und dem internen Verarbeitungsprozess wird abgelehnt, was auch ein Gegensatz zum Behaviorismus darstellt[27]. Vielmehr wird der individuellen Wahrnehmung, Interpretation und Konstruktion eine wesentlich größere Bedeutung eingeräumt. Lernen wird somit als ein individuelles Konstrukt eines aktiv Lernenden in einem sozialen Kontext verstanden.
Honebein, Duffy und Fishman interpretieren das Lernen folgendermaßen:„Wahrnehmen, Erfahren, Handeln, Erleben und Kommunizieren, die jeweils als aktive, zielgerichtete Vorgänge begriffen werden“[28].
Der Konstruktivismus Ansatz wird heftig diskutiert, wobei es moderate aber auch radikale Vertreter gibt, die ausschließlich Selbstgesteuertes Kollektives Lernen für sinnvoll halten[29]. Die Vertreter der moderateren Varianten betrachten den Lehrer vielmehr als eine Art „Coach“, der den individuellen Lernprozess vielmehr anregen und unterstützen statt steuern und lenken soll. Die Rolle des Lehrers bzw. des Lehrenden besteht darin, den Lernenden zu motivieren und zur aktiven Mitarbeit anzuregen. Es werden individuelle Lernprozesse sowie die Förderung von Metakognition (Wahrnehmen und bewusstes Steuern des eignen Denkens….) und die Akzeptanz für neue Perspektiven gefördert[30]. Großen Zuspruch erhält das Ganze, weil Wissen nicht aufgezwungen, sondern verstanden wird und als Vorteil des besseren Verstehens begriffen wird.
Aus dem Konstruktivismus lässt sich folglich die Forderung ableiten, dass Lernsysteme nicht als Mittel zur Steuerung von Lernprozessen zu sehen sind, sondern als Informations- und Werkzeugangebot für selbstgesteuerte und kooperative Lernprozesse verstanden wird[31].
4 Computergestütztes kollaboratives Lernen (CSCL)
Wichtig für den Erfolg der verschiedenen Lernformen ist die Schaffung einer aus zusammengesetzten Hard- und Software passenden Systemarchitektur, die die Grundlagen für die konkrete technische Realisierung einer Lernumgebung bildet. In der Lernumgebung werden verschiedene Dienste genutzt, die nicht direkt von den entwickelten Benutzerwerkzeugen bereitgestellt werden, sondern als Basisinfrastruktur vorausgesetzt werden. Hierzu gehört die Unterstützung der verschiedenen Kommunikationswerkzeuge sowie der einfachen Portierbarkeit und Verarbeitung [32] . Mit Hilfe der neuen Kommunikations- und Kooperationstechnologien kann das webbasierte Lernen räumlich und zeitlich flexibler und quantitativer verbessert werden, wenn die Formen netzbasierter Kommunikation mit ihren spezifischen Merkmalen adäquat eingesetzt werden. In Computernetzen werden unterschiedliche Arten von Kooperationswerkzeugen adaptiert oder neu entwickelt, um Lernzwecke zu unterstützen [33].
4.1 Begriffsbestimmung zu CSCL
Der Begriff „Computergestütztes kollaboratives Lernen“ (computer-supported collaboritve Learninng, kurz CSCL) bezeichnet die Ansätze, kooperatives Lernen bzw. Lernen in Gruppen beim Einsatz von Computern zu verbessern. Dieser Begriff wird verwendet, wenn die Akteure sich an verschiedenen Orten befinden und sich durch Computernetze am Lernprozess beteiligen. In solchen Lernprozessen etablieren sich die Rollen, die eine Menge von Rechten, Pflichten und Erwartungen zusammenfassen. Beim kollaborativen Lernen sind dies z.B. administrative Rollen wie Tutor, wie studierender, oder bezogen auf den Lernprozess Diskussionsteilnehmer und Moderator. Diese Rollen sollten bei der Gestaltung von CSCL-Umgebung beachtet werden, da mit einer dezidieren Unterstützung von Rollen in CSCL-Umgebung nicht zuletzt die Hoffnung verbunden ist, Lernprozesse für die beteiligten Akteure effektiver gestalten zu können [34].
4.2 Besonderheiten von CSCL-Umgebung
Der Modus der CSCL-Kommunikation eröffnet neue Möglichkeiten, verschiedene Kommunikationsformen miteinander zu kombinieren, wie bspw. Zweigespräche, synchrone Kommunikation in unterschiedlichen Gruppen und moderierte asynchrone Diskussionen.
In der Regel stellen die asynchronen Diskussionen die Grundlagen dar.
Eine derartige Form der Kommunikation verläuft zeitlich versetzt und erlaubt jedem, sich in einem individuellen Tempo an der Diskussion zu beteiligen. Die Unterstützung reflektierter Antworten trägt zur Gleichstellung der Teilnehmer bei. Durch die Einbindung von Koordinationswerkzeugen in die CSCL-Umgebung kann die Kommunikation und die Koordination innerhalb der Gruppe unterstützt werden. Des Weiteren bietet die CSCL-Umgebung verschiedene Werkzeuge, die die Dokumentation des Lern- und Arbeitsprozesses sowie die Verwaltung der erzielten Ergebnisse unterstützen.
Neben den Werkzeugen für die Kommunikation und Kooperation der einzelnen Akteure sowie die Koordination von Arbeitsabläufen stellen CSCL-Umgebungen Evaluationswerkzeuge dar, mit denen sich Aktivitäten und Lernerfolge der Lernenden ermitteln lassen. Dazu gehören Selbsttests, Kurs-, Lernenden- oder Gruppen-Monitorings.
Anhand dieser Evaluation lässt sich feststellen, wer an welchem Kurs teilgenommen hat, mit welchem Erfolg und wie die Beteiligung der einzelnen Gruppenmitglieder an Gruppenaufgaben war [35].
4.3 Die Bedeutung von Web 2.0 für das CSCL
Die Entwicklung und zunehmende Nutzung des Internet mit steigender Bandbreite haben dazu beigetragen, dass die Zusammenarbeit von Lernenden über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg erleichtert wird. Mit Web 2.0-Anwendungen für computerunterstützte Lern/Lehrprozesse lassen sich verschiedene Prinzipien und Aspekte ableiten:
- Co-Aktivität: Ein wichtiges Prinzip des Web2.0 ist die aktive Beteiligung der Benutzer. Dieses zentrale Element bietet den Konsumenten einen Raum sich zu präsentieren und miteinander zu kommunizieren. Der Teilnehmer wird zum Konsument und Produzent von Inhalten. Somit unterstützt dieses Prinzip den Paradigmenwechsel in der Hochschuldidaktik und beim CSCL. Der Lehrende wird zum Coach und Lernberater und stellt seine Rolle als Inhaltsexperte zurück[36].
- Interaktivität: Dieses Prinzip findet sich in Wikis wie Wikipedia. Diese Systeme ermöglichen zeitlich und räumlich verteilten Autoren die gemeinsame Erstellung und Bearbeitung von Inhalten. Darüber hinaus können diese Inhalte mit Blogs, Podcast und Bookmark-Leseempfehlungen angereichert werden. Eine Integration von RSS-Feeds ermöglicht, Änderungen aktuell und zeitnah zu verfolgen.
- Dienstorientierung und Datenorientierung: Web 2.0-Anwendungen sind von überall zu erreichen und frei zugänglich. Die Grenzen zwischen PC und Webanwendungen verwischen, weil die meisten Applikationen ins Web verlagert werden. Beispielsweise bieten Freemail-Dienste wie GoogleMail viele umfangreiche Funktionen, sie reichen von Kalenderfunktionen bis hin zur Textverarbeitung. Außerdem gewährleiten sie einen Zugriff von jedem Ort aus.
- Entgrenzung des Lernraumes: Die Lernenden haben die Möglichkeit ihre Arbeitsergebnisse über Blogs oder Wikis zu veröffentlichen. Ohne dass sie am Ort erscheinen zu müssen.
Web 2.0 bildet somit die Basis für kollaboratives Lern- und Arbeitsprozesse. Diese könnten im Bereich der Bildung genutzt werden. Weblogs, Wikis, RSS und Podcats können alle sinnvoll in Lernmanagementsysteme eingebunden werden, um den Prozess des kollaborativen Lernens zu erleichtern und zu unterstützen[37].
4.4 Zusammenfassung
In der Zukunft wird computergestütztes kollaboratives Lernen und Arbeiten noch mehr Bedeutung gewinnen. Durch rapide Entwicklung von Technologien im Zusammenhang mit Web 2.0 würde das kollaborative Erstellen von Content sichtbar vereinfacht.
Die Anzahl von Blogs und Social Spaces (z.B. Facebock, ), der tägliche rapide Zuwachs an Artikeln und Einträgen in Wikipedia und der Austausch unterschiedlichen Ressourcen via Internet sind nur einige Beispiele dafür, dass das Interesse an Web 2.0 Anwendungen ein hohes Potential verbirgt.
In der Lehre bzw. im Hochschulbereich lassen sich Online-Seminare durch die Integration von Blogs und oder Podcasts ergänzen. Gleichzeitig würden sie dazu beitragen, dass kollaborative Arbeits- und Lernprozesse angeregt werden. Die Einbindung neuer Technologien in Lernmanagementsysteme erleichtert die Zusammenarbeit und vereinfacht die Kommunikationeben. Allerdings setzt die optimale Nutzung neuer Medien als Lernplattform ein Mindestmaß an Selbstorganisation und Selbstdisziplin im Lernen voraus. Lernentwöhnte Personen, die über wenig oder kaum Erfahrung mit selbstständigem Lernen verfügen, benötigen aus dem Grund Hilfestellungen bei der Organisation und Planung ihrer Lernbedürfnisse.
Diese Maßnahmen würden durch externe Bildungsbetreuer behandelt werden. Kollegen und Mitlernende können bei Eintritt solcher Probleme Unterstützung bieten. Diese Unterstützung kann durch Diskussionen in Foren, im Wiki oder Im Chat stattfinden[38].
Der Einsatz neuer Technologien in Lehrveranstaltungen führt nicht allein zum Erfolg, sondern bedarf Permanenter Motivation und Moderation der Nutzung neuer Medien. Desweiteren müssen die Lehrveranstaltungen und die Lernumgebung als Nutzungskontext dargestellt werden, um beides aufeinander abzustimmen. Dazu sollte den SCL-Umgebungen ein psychologisch-didaktisches konzept zugrunde liegen, das den jeweiligen Lernzielen und den Anforderungen des Kontextes Rechnung trägt. Denn Lernsysteme mit dem Ziel der Kompetenzentwicklung, E-Learning oder social Software sind keine Modewellen. Sie spiegeln vielmehr die wachsenden Anforderungen der Unternehmen an ihre Mitarbeiter und ihre Fachkräfte, die Hochschulen an ihre Studierenden und das veränderte Informations- und Kommunikationshandeln in der Gesellschaft und in den Betrieben Wieder[39]
5 Lerneffekte durch Web 2.0
In diesem Kapitel werden die Medienditaktische zusammenhänge durch den Einsatz von Medien insbesondere des Web 2.0 näher beschrieben. Zunächst werden die klassischen Lehrtheorien und Lernstrategien vermittelt um ein grundsätzliches Verständnis zur Prinzipien Wissen zu vermittelt.
5.1 Lehrtheorie
Lerntheorien beschreiben Lernprozesse, erarbeiten aber keine Vorgaben für die Vermittlung von Wissen. Lehrtheorien hingegen beschäftigen sich damit, wie ein Lernergebnis möglichst effizient erreicht werden kann. Folglich mit welchen Strategien und Prinzipien Wissen besser vermittelt wird[40].
Man lernt nicht nur durch gezielten Unterricht. Gliedert man die Lernprozesse nach Ihrem Ziel Wissen zu erlangen und ihrer Strukturiertheit, ergibt sich folgende Einteilung.
- Zufälliges Lernen ist unstrukturiert und nicht zielorientiert. Man lernt ein Leben lang aus Zufällen. Als Kleinkinder erwerben wir einen großen Teil unseres Wissens zufällig.
- Rituale, mit strukturiertem aber nicht zielorientiertem Lernen, nehmen eine besondere Stellung ein. Rituale sollen kein neues Wissen vermitteln, sondern werden durchgeführt um Menschen in soziale Gruppen zu binden (z.B. Lernen, sich in der Kirche zu bekreuzigen)
- Entdeckendes Lernen ist unstrukturiert, jedoch zielorientiert . Neugierde ist die treibende Kraft, die Lernende dazu bewegt durch Probieren und Experimentieren Wissen zu erlangen. (s.a Behavioristische Theorien.)
- Lerne durch Unterweisung ist unstrukturiert und zielorientiert. Es existiert ein Lern plan und ein abgezielter Lernerfolg. Neben den klassischen Unterricht gehört auch Selbststudium mit Büchern oder computerunterstützte strukturierte Lernumgebungen, Blended Learning[41].
5.2 Lehrstrategien
Die wichtigste Aufgabe des Lehrers bei der traditionellen Didaktik ist es, den Lehrstoff in kleinen Teilen zu zerlegen. Mann fängt beim Einfachen an und geht dann Schritt für Schritt weiter zum Komplexen, vom Nahen zum Entfernten, vom Leichteren zum Schwereren und vom Bekannten zu, Unbekannten. Das ist das wichtigste Lernprinzip der traditionellen Didaktik, man geht vom Konkreten aus und endet beim Abstrakten. Diese Lehrprinzipien und Lehrstrategien basieren auf den behavioristischen Lerntheorien.
Die folgenden Lehrstrategien stützen sich auf die Kognitionspsychologie. Sie sollen vor allem die kognitiven Aktivitäten wie Strukturieren, Organisieren und Subsumieren von Wissen beim Lernen unterstützen:
- Die advance organizer-Strategie meint, der Lehrer soll eine Organisationshilfe geben, in die dann konkreteres Wissen eingeordnet werden kann. Der Lehrer gibt dem Lerner Klassifikationsmerkmale (Modelle), anhand derer er die Begriffe immer genauer voneinander unterscheiden kann. Diese Strategie ist aus entwicklungspsychologischer Sicht kritisiert worden. Der Weg vom generellen Modell zum Einzelfall sei ineffektiv und lasse keine kognitive Neugier entstehen.
- Die basic concept-Strategie stellt das traditionelle Lehrprinzip „vom Konkreten zum Abstrakten“ auf den Kopf. Die allgemeinsten und umfassendsten Begriffe eines Bereiches sollen zuerst vermittelt werden, danach erfolgt die Ausgestaltung. Zum Beispiel, wenn der Lehrer zuerst erklärt, was eine Pflanze ist, wie ein Baum aussieht , und dann, was genau ein Apfelbaum ist. Jedoch gibt es gegen diesen Ansatz erkenntnistheoretische und pädagogische Einwände.
- Die Ausbildung von Netzwerken: Begriffe (Knoten) und ihre Zusammenhänge (Kanten) spinnen ein Begriffsnetz. Der Lehrer stellt ein weitmaschiges Netzt vor, in dem bekannte Begriffe Ankerknoten bilden. Durch den Lernprozess soll das Netzt immer feinmaschiger werden. Vernetzter Lehren (web teaching) ist das Gegenteil von linearem Lehren (linear teaching). Ein Beispiel dazu aus der Betriebswirtschaft: Zunächst werden die Begriffe Marketing, Produktion und Verwaltung grob erklärt, danach kann jeder Lernende zusätzliche Informationen (in beliebiger Reihenfolge) z.B. zum Marketing-Mix, Lagerhaltung, Produktionsplan, Organisationsstab etc. abrufen.
- Die Vermittlung von Schemata: Schemata unterstützen und verallgemeinern Begriffe. Dabei müssen vom Lehrenden Begriffe, die dem Lernenden bekannt sind, neu zusammengesetzt und entfremdet werden (z.B. Katamaran=Segelboot+Schlitten). Für die Bildung eines neuen Schemas eignet sich auch die Kontrastierung (z.B. Krieg<>Frieden).
- Die Vermittlung von Algorithmen: Algorithmen sind Ablauffolgen von Maßnahmen (Operationen), die zur Lösung einer eng begrenzten Problemstellung führen. Für den Unterricht ergibt sich daraus die Konsequenz geeignete Algorithmen zu finden. Sobald dem Lernenden der Lösungsschlüssel vermittelt wird, verfügt er über die Möglichkeit ähnliche Problemstellungen zu meistern. Zum Beispiel erlernt jedes Kind in der Schule, wie die Division per Hand funktioniert als Algorithmus (1.wie oft geht der Divisor in den Dividenden, was bleibt als Rest, eine Stelle nach rechts rücken, Vorgang wiederholen)[42].
Aus der physiologischen Theorie kommt die Lehrstrategie, beide Gehirnhälften beim Lernen anzusprechen. Der Lehrer soll nicht nur Fakten vermitteln sondern auch interaktiver Elemente, Geschichten und Beispiele in den Unterricht einbauen. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Wahrnehmung, der Mensch lernt indem er hört, liest, sieht und tastet. Man unterscheidet zwischen vier Wahrnehmungstypen:
- Auditiver Typ - (Lernen durch hören)
- Visueller Typ - (Lernen durch bildliches Sehen)
- Haptischer Typ - (Lernen durch tasten)
- Abstrakt verbaler Typ - (Lernen durch textuelles Lesen)
Aus der Gehirnforschung ist bekannt, dass die linke und die rechte Gehirnhälfte auf unterschiedliche Verarbeitungsprozesse spezialisiert sind. Während die linke Hemisphäre eher für symbolische, analytische und mehr sequenzielle Prozesse zuständig ist (z.B. Schrift), stehen bei der rechten Hemisphäre die auditiven, visuellen, räumlichen und ganzheitlichen Abläufe im Vordergrund.
Die physiologische Theorie geht davon aus, dass man Informationen im Gedächtnis länger speichern kann, wenn beide Gehirnhälften beim Lernprozess beteiligt sind[43].
5.3 Mediendidaktik
Das Medienthema hat lange Zeit in der Didaktik wenig Interesse gefunden. Das hat sich in den letzten Jahren stark geändert, so dass das Thema der „Mediendidaktik“ als erziehungswissenschaftliche Disziplin etablieren konnte. Thema der Mediendidaktik ist das Lernen und Lehren mit Medien. Dies umfasst analoge Medien, wie Texte und Bücher, genauso wie digitale Medien, zum Beispiel Lernsoftware auf einer DVD oder über das Internet abgerufene Materialien, die in institutionellen (schulischen) Kontexten und in der Freizeit genutzt werden[44]. Mediendidaktik beschäftigt sich mit den gleichen Fragen wie die Allgemeine Didaktik und greifen auf die gleichen Prinzipien und Modelle zurück. Die Antworten Mediendidaktik fallen dabei jedoch teilweise anders aus, da sie die besonderen Bedingungen des Lernens und Lehrens mit Medien sowie der Planung und Durchführung berücksichtigen muss. Die Mediendidaktik als erziehungswissenschaftliche Disziplin wird in Medienpädagogik Eingeordnet. Medienpädagogik wird üblicherweise „als übergeordnete Bezeichnung für alle pädagogisch orientierten Beschäftigungen mit Medien in Theorie und Praxis“ verstanden[45]. Darunter fallen :
- Die Mediendidaktik, die sich mit der Funktion und Bedeutung von Medien in Lehr und Lernprozessen beschäftigen,
- Die Medienerziehung, die auf den reflektierten Medienkonsum und kritischen Umgang mit Medienangeboten abzielt,
- Die informations-, medien- oder kommunikationstechnische Bildung, die den kompetenten Umgang mit Technik vermitteln möchte, und als Basisqualifikation für mediendidaktische und –erzieherische Bemühungen aufgefasst werden kann[46].
5.4 Merkmale mediengestützten Lernens
Der Mediendidaktik geht es um die Nutzung von Medien in Lehr-Lernprozessen, mit dem Ziel neue Qualitäten des Lernens und Lehrens für Bildung zu ermöglichen und die Effektivität durch Einsatz von Technik wie z.B. durch Web 2 (Internet) zu steigern. Mit dem Einsatz von Medien werden somit auch Erwartungen auf Kostensenkungen erwartet, dass in der betrieblichen Bildungsarbeit als auch im (Hoch-) Schulwesen, mit zunehmender Nachdrücklichkeit, diskutiert werden. Damit kommen Themen wie Optimierung, Kostenersparnis oder Effizienzseigerung ins Spiel, die im pädagogischen Abhandlungen bzw. Diskussionen kritisch hinterfragt werden[47].
Herr Prof. Dr. Kerres, Leiter des Lehrstuhls für Mediendidaktik und Wissensmanagement der Universität Duisburg-Essen geht folgenden Fragen nach. Was ist das Besondere von mediengestützten Lernarrangements gegenüber konventionellem („face-to-face“) Unterricht?
Sind beim Lernen mit Medien bestimmte Besonderheiten zu berücksichtigen?
Was sind Merkmale „guter“ Medien und wie kann man Lernangebote so gestalten, dass sie Lernprozesse möglichst positiv beeinflussen?[48].
Die Qualität von Unterricht zwischen Menschen hängt wesentlich von der Durchführung ab. Lehrpersonen haben die Möglichkeit ihr
Verhalten der Unterrichtssituation anzupassen und können einen Unterrichtsplan kurzfristig ändern, um sich den aktuellen Forderungen der Situation im Klassenzimmer zu stellen. Die Qualität mediengestützten Lernens hängt stark von der Konzeption , Entwicklung und Einsatz (design,development,delivery) des Lernangebotes ab. Beim mediengestützten Lernen muss eine explizite und deutlich vollständigere Planung in einer didaktischen Medienkonzeption vorliegen, die die Interaktionsmöglichkeiten zwischen Lernenden und Medium sowie Lernenden und Lehrenden definiert und den Interaktionsraum somit deutlich eingrenzt[49].
Deswegen stellt die gestaltungsorientierte Mediendidaktik eine Reihe von Analyseinstrumensten zur Verfügung (siehe nächstes Kapitel). So werden etwa der Zielspezifikation, der Zielgruppenanalyse und auch der Kosten-Nutzenanalyse besondere Bedeutung zugeschrieben. Es interessiert, welche Bedingungen sich bei der Planung und Einsatz von Medien in der Bildung besonders günstig oder hinderlich auswirken. Die gestaltungsorientierte Mediendidaktik nimmt dessen ungeachtet explizit keine Stellung zu bestimmten didaktischen Methoden oder Medienformaten, sondern betrachten alle Varianten als mögliche Mittel zur Erreichung eines definierten pädagogischen Ziels[50].
Fehler in der Planung können bei mediengestützten Lernangeboten schwer oder gar fast unmöglich kompensiert werden. Im Unterrichtsgeschehen kann die Lehrende Person Schwächen eines Mediums, sei es die Person selbst oder ein unterstützendes Medium (Video, Computer Program), an der Reaktion der Lernenden erkennen und ihr Verhalten entsprechend anpassen. Bei mediengestützten Lernangeboten lassen sich diese Probleme schlechter identifizieren und es ist schwieriger, auf diese Probleme Zeitnah mit einer Anpassung des Lernangebotes zu reagieren . Hierzu sind Lernprogramme erforderlich,
die auf komplexeren Methoden basieren und den Lernenden durch Probleme, Fälle oder Projekte zum Nachdenken und Handeln motivieren.
Bereits in den 80er Jahren Erfolgte, die mangelnde „Diagnostizität“ mediengestützten Lernens mit „intelligenten tutoriellen Systemen“ zu verbessern. Es wurde versucht, während der Bearbeitung von Aufgaben am Computer Schlussfolgerungen über Verständnisprobleme zu ziehen und das Lernangebot des Computers anzupassen. Ein „intelligentes“ tutorielles System sollte sich dadurch kennzeichnen , dass es nicht nur Fehler registriert, sondern die Fehler, wie eine gute Lehrkraft, auswertet, die zugrunde liegenden fehlerhaften Konzepte identifiziert und das Lernangebot auf der Grundlage einer solche Diagnose anpasst. Die Forschung zu künstlich-intelligenten tutoriellen Systemen zeigt, wie komplex die Programmierung solcher Anwendungen
ist. Bislang konnten solche Systeme nur für relativ wenige Fragestellungen
programmiert werden, etwa aus der Mathematik und Physik.
Die Qualität der Planung von mediengestützter Lernangebote rückt in den Mittelpunkt: Es ist unrealistisch, dass ein Computer das Lernangebot an den
Lerner anpasst. Es ist vielmehr eine pädagogische Aufgabe ein mediendidaktisches Konzept zu entwickeln, dass auf die Anforderungen und Rahmenbedingungen des Lernens angepasst ist[51].
5.5 Qualität von Lernmedien
Qualität lässt sich nicht an Merkmale des Medium festmachen, sondern daran, ob das richtige Medium für die richtige Lernsituation gefunden wird. Um diesen Prozess gestalten zu können werden Kenntnisse über die Lernwirksamkeit von Medienmerkmalen benötigt. Diese sind jedoch nicht hinreichen, um den erforderlichen Entscheidungsprozess gestalten zu können[52] . Ein multimediales Lernprogramm, dass in der Praxis nicht genutzt wird, dass von lernenden nicht akzeptiert wird und nicht hinreichend Einsatz findet, kann überragende technische Leistungsmerkmale oder auch ein innovatives didaktisches Konzept beinhalten, der didaktische nutzen bleibt minimal. Beispiel für ein „schlechtes“ Lernprogramm aber einem „guten“ Medium zu versagen: Mandl & Reimann (1997) berichten über eindidaktisch „hochwertiges“ Lernprogramm in der Ausbildung von Kaufleuten, das nach konstruktivistischen Prinzipien konzipiert war, aber keineAkzeptanz bei den Auszubildenden fand. Bei näherer Untersuchung des Prüfungswesens war dies einfach zu erklären. Denn die entsprechendenPrüfungen werden im multiple choice Format durchgeführt, und das muss ein fallbasiertes Lernen den Lernenden als wenig zielführender Luxus erscheint haben[53]. Dieses Beispiel zeigt, dass eine Erkenntnis langjähriger Forschung zu Lehrmethoden auch für mediengestützte Lernangebote gilt : Es gibt nicht die eine beste Lehrmethode. Die Auswahl hängt von einer ganzen Reihe von Parametern des didaktischen Feldes ab, bis hin zu Aspekten wie der individuellen Präferenz und Kompetenz der einzelnen Lehrperson im Methodenbereich, den Erwartungen von Eltern und Kolleg/innen, der Lernkultur der Institution, gesellschaftlichen Trends usw. Bestimmte didaktische Methoden, wie das situierte oder kooperative Lernen, sind nicht grundsätzlich gegenüber instruktionalen Ansätzen vorteilhaft. Die Herausforderung besteht darin, aufzuzeigen,wann ein Ansatz Vorteile mit sich bringen kann und welche Bedingungen dazu gegeben sein müssen[54].
5.6 Gestaltungsorientierte Mediendidaktik
Die Konzeption von internetgestützten Lernen (Lernarrangement) ist ein mediendidaktisches Gestaltungsproblem und eine Erprobung bestimmter technischer Möglichkeiten, nicht jedoch ein Bildungsbedürfnis oder ein Bildungsbedarf. Viele Konzepte bleiben technology driven und nicht problem driven. Der Mediendidaktik geht es dagegen um die Lösung von Bildungsproblemen bzw. Bildungsanliegen mithilfe von technischen Medien. Die didaktische Relevanz eines Mediums ergibt sich erst aus der Anpassung des Lernmediums zur Lernsituation[55].
Die Herausforderung besteht darin, die oben erwähnte Anpassung herzustellen, d. h. der Fokus der Mediendidaktik verschiebt sich von den Eigenschaften des Medienproduktes hin zu dem Prozess der Gestaltung solcher Lernangebote: Die Qualität des Lernangebotes hängt dann davon ab, ob es gelingt, die mediendidaktische Analyse, Konzeption und Evaluation angemessen anzulegen und die richtigen Schlussfolgerungen hieraus zu ziehen. Das zentrale Anliegen ist nicht die Bewertung von Medienprodukten bzw. die Bewertung „guter“ oder „schlechter“ Medien, sondern die Frage, wie man ein mediengestütztes Lernangebot entwickelt, dass ein bestimmtes Bildungsanliegen einlöst[56].
Die gestaltungsorientierte Mediendidaktik geht davon aus, dass die Qualität eines Lernmediums davon abhängt, ob das Angebot ein zuvor benanntes Bildungsproblem oder Bildungsanliegen zielgerichtet löst. Damit folgt sie einem Verständnis von Qualität als fitness for purpose, d. h. kann das Lernangebot ein bestimmtes, genau zu beschreibendes Anliegen einlösen? Die gestaltungsorientierte Mediendidaktik hat dazu folgende Antwort[57].
1.Das Vorhaben muss ein Bildungsproblem oder, allgemeiner ausgedrückt, ein Bildungsanliegen ansprechen. Das Ziel, ein digitales Medium herzustellen, ein internetbasiertes Lernangebot zu entwickeln, Materialien für Lernende bereitzustellen, ist nicht hinreichend. Der Erfolg eines Vorhabens hängt davon ab, ob mit der Lösung ein bestimmtes Bildungsanliegen adressiert wird.
2.Es geht nicht darum, die eine, „beste“ didaktische Methode zu finden und anzuwenden. Die Lösung eines Bildungsanliegens macht es vielmehr erforderlich, die Konzeption und Entwicklung als Gestaltungsaufgabe zu erkennen. Die Herausforderung besteht also darin, die Anforderungen in diesem Prozess zu verstehen und die Konzeption und Entwicklung von Bildungsmedien als vielschichtiges Entscheidungsproblem zu verstehen.
3.Ein Vorhaben ist an Parametern des didaktischen Feldes auszurichten. Es sind dazu die bekannten didaktischen Eckwerte zu spezifizieren wie Zielgruppe, Bildungsbedarf und -bedürfnisse, Lehrinhalte und - ziele, Lernsituation und -organisation. Hieraus lässt sich ein didaktisches Konzept ableiten und begründen.
4.Die Medienkonzeption muss den Mehrwert gegenüber anderen ggfs. bereits etablierten Lösungen aufzeigen. Zu beachten ist die Effizienz der gefundenen Lösung, d. h. das Verhältnis von Kosten und Nutzen verschiedener Varianten ist abzuwägen. Effiziente Lösungen entstehen oft durch Kombination unterschiedlicher medialer und methodischer Elemente, die in bestimmter zeitlicher Folge zu arrangieren sind (s. a. Blended Learning“)[58].
Das Anliegen der gestaltungsorientierten Mediendidaktik besteht darin, Wege aufzuzeigen, wie Potenziale der neuen Medien eingesetzt werden können. Die Vorgehensweisen erfolgt dabei nicht algorithmisch bzw. einer strengen Regel. Angesichts der Komplexität der bei der Planung zu berücksichtigen ist,stellt die gestaltungsorientierte Mediendidaktik einen Raster vor, die den Planungsprozess strukturieren.
5.7 Blendet Learning
Blended Learning ist nach der Enttäuschung über eLearning im Jahre 2000 vor allem in der Wirtschaft schnell populär geworden. Blended Learning ist eine Kombination von Präsenzelementen und medienbasierten Elementen, und wie eine solche Kombination aussehen soll bzw. wie eine Auswahl und Kombination von Elementen theoretisch begründet ist. In der Regel ist die Vorstellung verbunden, dass man Teile des konventionellen Unterrichts ersetzt durch internetbasierte Verfahren , dass der Rest des Unterrichts aber wie bisher stattfinden könnte. Es wird dabei vernachlässigt, dass hierbei ein ganz neues Lernangebot entsteht, das Rückwirkungen auf den „normalen“ Unterricht hat. Es entsteht ein neues „Produkt“, das als Ganzes neu durchgeplant werden muss.
5.8 Medienwahl
Der Unterschied zwischen didaktischen Methoden und Medientechniken ist hierbei zu beachten: Internetgestütztes Lernen, multimediales oder mobiles Lernen sind keine didaktischen Methoden, sondern beziehen sich auf bestimmte Medientechniken für die Distribution bzw. Präsentation („delivery“). Ein Vortrag lässt sich als aufgezeichnetes Video auf DVD oder im Internet ablegen (Rapidshare) oder als Live‐ Video im Internet streamen. Didaktisch relevant ist hier die Entscheidung, ob eine synchrone oder asynchrone Kommunikation gewählt wird. Eine synchrone – für Lehrende wie Lernende ist in der Regel der aufwändigere Variante. Diese wird man wählen, wenn eine bidirektionale Kommunikation tatsächlich stattfindet und für das Lernergebnis relevant ist. Andernfalls bietet die asynchrone Variante deutliche Vorteile für die Distribution und den individuellen Abruf aus dem Internet[59].
Die Wahl des Mediums und die Wahl einer didaktischen Methode ist relativ unabhängig voneinander. Das „kooperative Lernen“ in einer Gruppe lässt sich gleichermaßen „face - to‐ face“ in einem Klassenraum realisieren, wie über eine Telefonkonferenz, ein asynchrones Internet‐Forum, einen Arbeitsbereich in einer Groupware‐Umgebung oder mit einem Instant‐Messenger. Damit wird deutlich, dass für die Frage der Medienwahl vor allem das Kriterium der Effizienz entscheidend ist, d.h. wie sieht das Verhältnis von Aufwand und Ertrag, unter den gegebenen Bedingungen der Zielgruppe, aus? Wie gut unterstützt das Medium die in der Gruppe zu bearbeitende Aufgabe? Wie aufwändig ist die Umsetzung eines bestimmten Szenarios und welcher Lernerfolg ist damit Verbunden?[60].
Bei der Medienwahl ist allerdings zu bedenken: Ein Lernszenario , oder besser, ein Lernarrangement, ist in der Regel zusammengesetzt aus verschiedenen methodischen und medialen Elementen. Effiziente Lösungen zeichnen sich durch die geschickte Kombination dieser Elemente aus. Mit dem Begriff der „hybriden Lernarrangements“ bzw. „Blended Learning“ werden Szenarien verbunden, die sowohl Präsenzformate als auch unterschiedliche mediengestützte Elemente verbinden. In der Praxis haben sich verschiedene Varianten etabliert, wie durch die geschickte inhaltliche und zeitliche Organisation von Online- und Präsenzmethoden als Elemente eines Lernarrangements. So können sich bestimmte Mehrwerte ergeben. [61].
6 Praktische Anwendungsbeispiele von Web 2.0
In dem nächsten Kapitel werden die Web 2.0 Anwendungen wie sie in Hochschulen und Unternehmen vorkommen und in welchem masse sie vorkommen vorgestellt. Zunächst unter Punkt 6.1 Web 2.0 in Hochschulen wird der Ausmaß beschrieben wie die neuen Medien bereits eingeführt worden sind und in welcher Form sie eingeführt worden sind in den Hochschulen und wo noch die Schwachstellen sind. Anschließend wird darauf hingewiesen das die Hochschulen in Deutschland eine Reformation erleben sollten und mit der neuen Generation der neuen Medien sich vertraut machen sollten, denn in dem Zeitalter des Web`s ist es an der Zeit das auch Lehrende sich anpassen sollten an die Formen und Werkzeuge die wir heute zur Verfügung haben auch didaktisch wirksam einsetzen sollten.
Als nächstes wird unter Punkt 6.2 beschrieben welche Vorteile das E-Learning heute in Unternehmen haben und welchen Nutzen die Unternehmen daraus ziehen können. Wie Effektiv ein online gestütztes Weiterbilden der Mitarbeiter, welchen Vorteile es für die Unternehmen selbst hat.
Zum Schluss unter Punkt 6.3 werden die Askpekte der Web 2.0 Anwendungen wie Wikis, Blogs, Podcasts an Hochschulen und in Unternehmen verwendet werden Diskutiert. In welcher Form sie in den Unternehmen und Hochschulen vorkommen und es werden Fachartikel vorgestellt die es befürworten oder in welchen Ausmaße es ein Vorteil die Web 2.0 Anwendungen mitbringen.
6.1 Web 2.0 in Hochschulen
Es haben sich verschiedene Multimediale Aktivitäten als ein selbstverständlicher Bestandteil im Hochschulalltag etabliert, dies wären beispielsweise die Literaturrecherche und Literaturbeschaffung, die Dokumentbearbeitung und Distribution ebenso die Präsentation und Kommunikation im weitesten Sinne, die als Medien des Lehrens und Lernens betrachtet werden.
Durch langjährige Forschungen und Erkenntnisse ist man lt. Kerres der Auffassung, dass es heute nicht mehr darum geht das das Web 2.0 neue Ansätze des Lernens mit bringt, sondern das es vielmehr darum geht Strukturen und Prozesse weiter zu entwickeln und bestehende Ansätze auf der Basis solcher Erkenntnisse konsequent erweitert und die aufgezeigten Potenziale des Web 2.0 in der Lehre gezielt nutzt[62].
Das Lernen mit neuen Medien wird nicht mehr als Alternative zur konventionalen Lehre aufgefasst, sondern es wird zunehmend nach innovativen Formen der Kombination verschiedenartiger Lernformen auf dem Campus gesucht.
Hybride Lernformen erweitern das methodisch-didaktische Repertoire der Hochschullehre, indem sie traditionelle Lehrkonzepte mit neuen Lernformen bereichern[63]:
Hochschuldidaktische Ansätze, die sich durch Phasen eines intensiven selbstgesteuerten und kooperativen Lernens, durch eine stärkere Anwendungsnähe und Transferorientierung des Lernens auszeichnen[64]. Die neuen Ansätze bieten vor allem eine größere zeitliche und räumliche Flexibilität für Studierende mit sehr unterschiedlichen Zeitbudgets. Zum anderen werden Möglichkeiten der Entwicklung kooperativer Strukturen bei der Organisation von Lehrangeboten über die einzelne Hochschule hinaus angeboten[65].
Das deutsche Hochschulensystem wird generell von vielen Experten als reformbedürftig angesehen. Zum einen werden die hohen Studierendenzahlen kritisiert, die nämlich zu überfüllten Hörsälen führen und zum anderen werden die im internationalen Vergleich durchschnittlich hohen Studienzeiten kritisiert[66].
Rainer Albrecht benutzt in seiner Dissertation ein Zitat von Peter Glotz aus der Zeitschrift Spiegel dem Vorsitzendem der gemeinsamen Expertenkommission Hochschulentwicklung durch neue Medien der Bertelsmann Stiftung der Heinz Nixdorf Stiftung, welches sehr zutreffend ist für die Hochschulen der Zukunft:
„Deutsche Hochschulen müssen sich in vielerlei Hinsicht verändern. Die Einstellungen auf die Kommunikationsrevolution, in der wir stecken, ist eines der wichtigsten Elemente einer zweiten Hochschulreform. Bald werden Studierende in die deutschen Hochschulen strömen, die schon als Kinder ganz selbstverständlich mit Computern (wenn auch oft nur in Form von Gameboys) umgegangen sind. Spätestens dann wird es unverzichtbar sein, das auch die Universität auf moderne Medien umgestellt ist. Es ist dringend nötig, dass sowohl Politiker als auch Hochschulleute verstehen lernen, wie wichtig es ist, dass sich unser Bildungssystem auf die neuen Medien einstellen“[67].
Im Rahmen dieser Arbeit wird in diesem Kapitel nicht die generelle Reformierung der Hochschulen ausgearbeitet, sondern es soll der Teil angesprochen werden der im Rahmen der Hochschul- Reformierung das E-Learning betrifft. Laut Kerres und Schulmeisters werden in vielen Hochschulen mediengestütztes Lernen erprobt bzw. neue Projekte eingeführt. Das Problem nach Kerres ist das diese Projekte aber nicht weiter geführt werden, sei es aus Mangel an Fördermitteln oder aber auch aus wenig Zuspruch von alteingesessenen Lehrenden oder aus der Politik.
Nach einer Studie von Rolf Schulmeister und Kerres wird den Lehrenden eine grosse Rolle bei der dauerhaften Einführung des Web 2.0 an Hochschulen zugeschrieben. Diese werden als gate keeper (Tor Wächter) betrachtet, denn die Motivation mit innovativen Lernkulturen zu arbeiten und diese dauerhaft in Universitäten zu verankern, ist eine individuelle Angelegenheit der Lehrenden, denen aber die Motivation zum Teil fehlt[68]. Schulmeister gibt zu erkennen, dass es einige Bemühungen gibt Lehrende für E-Learning zu motivieren, aber es sollte ein generelles Umdenken stattfinden, nicht nur die Lehrenden sollten motiviert werden, es sollten Kompetenzen der Einzelnen und der Organisation als Ganzes eine Basis finden[69].
Einige aber wichtige Förderprogramme wurden gestartet, die auch erste Erkenntnisse liefern. Empirische Untersuchungen zeigen, das E-Learning als Teil eines Hochschulentwicklungsprozesses zu begreifen ist und es eigentlich um die Veränderung der Hochschule im digitalen Zeitalter geht.
Im Rahmen einer Studie von Birgit Feldermann und Gunter Schlageter welches in dem Buch von Prof. Dr. Kerres Digitaller Campus erschienen ist, mit dem Titel der Studie „Das verflixte siebte Jahr, Sieben Jahre Virtuelle Universität“. Die FernUniversität Hagen war zunächst ein kleines Projekt von Informatikstudenten, welches im Wintersemester 1996 gestartet wurde. Heute arbeiten mehr als 25.000 Nutzer aktiv mit dieser Plattform und können aus über 300 Kursen aller Fachbereiche ihr individuelles Studienprofil auswählen. Die virtuellen Universitäten haben dieses Umdenken an für sich überhaupt angestoßen und ein Umdenken von Lehren und Lernen bewirkt[70].
Lebenslanges Lernen, arbeitsplatzbezogene Weiterbildung, Lerning on Demand etc., sind Schlagworte mit denen sich eine moderne Bildungseinrichtung auseinandersetzen muss[71].
Die Fernuniversität in Hagen hat sehr früh diesen Fortschritt erkannt und intensiv an dieser Erkenntnis gearbeitet. Es wurden verschiedene Formen von Ist-gestützter Lehre vorangetrieben und weiterentwickelt. Ziele des Projektes „virtuelle Universität“ waren und ist es heute noch, die Entwicklung und Erprobung von Szenarien, Anwendungen und Werkzeugen für E-Learning. Räumlich sowie zeitlich flexibles, individualisiertes und bedarfsorientiertes Lernen durch konsequente Nutzung neuer Medien und Kommunikationstechnologien. Im Mittelpunkt steht der Studierende mit seinen individuellen Bedürfnissen[72].
Viele Studien besagen auch das 90% der Studierenden heute einen PC und Internetanwendungen benutzen und das diese unentbehrlich für ihr Studium ist. Deswegen sollte auch darüber nachgedacht werden, wie die Hochschuldidaktik zu überdenken und zu revolutionieren ist.
6.2 Web 2.0 in Unternehmen
Durch die fast vollständig digitalisierten Arbeitsplätze ist es Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen bzw. Angestellten und Angestelltinnen möglich, unabhängig von Zeit und Ort zu arbeiten, zu lernen, auf Unternehmensressourcen zuzugreifen, sich für neue Projekte in virtuellen Teamnetzwerken zusammenzuschließen sowie ihre Arbeitsprozesse, ihr Lerntempo und ihre Freizeit vermehrt selber zu gestalten und zu verwalten. Damit etablieren sich zunehmend neue Arbeitsformen und Arbeitsregelungen die wie folgt aufgelistet aussehen[73]:
• Arbeiten in virtuellen, organisationsübergreifenden Teams
• Arbeiten und Lernen von zu Hause aus
• Arbeiten und Lernen während Geschäftsreisen
• Neuverteilung der Arbeitszeiten durch flexible Arbeitszeitmodelle wie z.B. eine Lebensarbeitszeitregelung[74]
Die Einführung dieser Möglichkeiten und die damit verbundenen Potentialen bezüglich Lern- und Arbeitsformen sind lt. Back, Bendel und Stoller-Schai noch ein Innovatives Modell, was aber in der Öffentlichkeit immer mehr an Zuspruch gewinnt[75]. Es hat weitaus mehr Potential als es bisher genutzt wird, daher sollten vielmehr Finanzmittel für Online-Lernsysteme investiert werden.
Heutzutage ist es von überall auf der Welt möglich sich in Firmennetzwerke einzuloggen, was Angestellten und Angestelltinnen oder Lernenden einen Vorteil verschafft. Die zu Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten bieten eine hohe Erreichbarkeit. Online Portale und mobile Geräte wie z.B. Laptops, PDA’s, Mobiltelefone und Pocket-PC’s ermöglichen ständiges Lernen wann und wo immer man möchte.
Die Einführung vom Web basiertem Lernen geschieht häufiger in erster Linie aus Effektivitäts-, Effizienz- sowie aus Wettbewerbsgründen[76]. Es können kostspielige Schulungen, aber auch teure Lehrer/innen oder Trainer/innen gespart werden. Mitarbeiter/innen müssten nicht mehr an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, die an anderen Orten stattfinden. Dies würde dem Arbeitgeber eine Freistellung seiner/s Angestellten ersparen und somit eine dauerhafte Anwesenheit sicherstellen[77].
Dadurch dass sämtliche Daten elektronisch festgehalten werden, ist die Möglichkeit gegeben die Effektivität des Lernens zu überwachen, sie zu messen oder aber auch die Fortschritte des effektiven Lernens festzustellen. Diese Daten sollten aber nicht zur Kontrolle der Mitarbeiter dienen, sondern vielmehr zum Planen sinnvoller Investitionen, zur Ergebnismessung, zur Verbesserung von Lernprogrammen beispielsweise von didaktisch- methodischen Prozessen oder zur Erkennung von Fehlern, dienen.
Laut einer Studie in Hessen unter der Leitung des Wirtschaftsinformatikers Dipl.-Oec. Andreas Kuhlenkamp (Universität Kassel), wird behauptet dass Lernziele nicht zwangsläufig als Unterbrechung der Arbeitsabläufe gelten, sondern fundierte Hilfen in aktuellen Problemlagen bieten können. In diesem Zusammenhang wird von „Learning on demand“ (Lernen bei Bedarf) gesprochen.
Im Zuge des sich ausweitenden Einsatzes von neuen Lernmedien, der Nutzung leistungsfähiger Kommunikationstechnologien sowie der zunehmenden Verbreitung des Internets als Informations- und Kommunikationsplattform, stellt die Bereitstellung von Aus- und Weiterbildungsangeboten eine Bereicherung der Bildungslandschaft dar[78]. Demzufolge sind mittlerweile eine große Anzahl von Kammern und Organisationen dazu übergegangen Aus- und Weiterbildungsangebote über das Internet anzubieten. Dies wären beispielsweise die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern, aber auch zahlreiche private und staatliche Bildungsträger, die sich auf diese Veränderung eingestellt haben[79].
Die Autoren Reiner Neumann, Ralf Nacke und Alexander Ross gehen in dem „Buch Corporate E-Learning“ noch einen Schritt weiter und geben klar zu verstehen, dass die Ressource „Personal“ eine wichtige Rolle in jeder Unternehmensstrategie spielt. Unternehmen die gerade in einem Veränderungsprozess sind oder in Zukunft vorhaben sich zu verändern, auf richtige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen setzen müssen und nur wer im „War for Talent“ die richtigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewinnt und langfristig an das Unternehmen bindet, wird dauerhaft erfolgreich sein[80].
Dabei stellen Weiterbildungs-und Entwicklungsmöglichkeiten zunehmend die Schlüsselgröße im Kampf um qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dar. Werden Entwicklungsmöglichkeiten zum Erfolgsfaktor der Mitarbeiterbindung, wird „Bindung durch Bildung“ zur Leitmaxime[81].
Durch das fördern des Wissensmanagements wird die Steigerung der Handlungskompetenzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch das Lernen in realen Situationen gesteigert. Externe und interne Wissensquellen, wie beispielsweise das Internet, die Web 2.0 Instrumente und das Intranet, werden heute als „Marktplatz des Wissens“ genutzt. Die Informations- und Kommunikationstechnologien bilden die Infrastruktur für diese neue Lernarchitektur, wobei der einzelne Mitarbeiter oder die einzelne Mitarbeiterin seinen/e persönlichen/e Lernprozess möglichst selber steuert. Diese Technologie bietet Mitarbeitern in Unternehmen immer die aktuellsten Informationsquellen, hingegen Präsenzveranstalltungen „Wissen von Gestern“ vermitteln. Dies bedeutet nicht, dass man heute ganz auf Präsenzveranstallungen verzichten sollte, sie sollten jedoch ergänzend bevorzugt werden.
Neue Lernformen sollten nicht plötzlich eingeführt werden, sondern vielmehr so John Cone, Vice President von Dell Learning, für eine Erfolgsvoraussetzung, so nahe wie möglich am „klassischen Lernen“ orientiert sein. Daher sind Lernzeiten und Lernorte bereitzustellen, Gruppeneffekte des Lernens zu schaffen sowie Lernerfolge zu Kommunizieren[82]
In diesem Zusammenhang sollte man den Begriff des „Blendet-Learnings“ erwähnen, welches besagt das es sich hierbei um ein gemischtes Lernsystem handelt „hybrides“, also ein Methodenmix aus Präsenzschulungen und elektronischem Lernen darstellt. Blendet-Learning ist ein integriertes Lernkonzept, das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet in Verbindung mit klassischen Lernmethoden und Medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzt[83]
6.3 Aspekte der Web 2.0 Anwendungen wie Wikis, Blogs, Podcasts an Hochschulen und in Unternehmen verwendet werden
Trotz aller Skepsis und Bedenken und eines schleppenden Fortschrittes haben dennoch Web 2.0 Anwendungen Einzug an Hochschulen und Unternehmen eingehalten.
Die Generation des Internets hat die Wende an Hochschulen und Unternehmen eingeführt, wenn auch noch bedingt wie in dem Kapitel vorher ausführlich beschrieben worden ist.
In diesem Kapitel wird die Form der Nutzung von Wikis, Blogs, Podcasts in Hochschulen und Unternehmen diskutiert.
Dazu gibt es noch nicht viele wissenschaftliche Ausarbeitungen, aber jede Menge Internetquellen die auch zum Teil Artikel von Universitäten sind oder von Internetfirmen wie Netzwertig.com die speziell die Entwicklung der Internet-Wirtschaft verfolgen. Da dieser Teil der Arbeit eine Diskussion des bestehenden Web 2.0 Einzuges in der Unternehmenswelt und in Hochschulen ist, werden viele aktuelle Artikel die im Netz sind erwähnt.
Die Seite der Universität Hamburg campus-innovation.de sagt z.B: Das noch nicht die gesamte Institution wie die Universität Hamburg diese Plattform nutzt, sondern es ist ein nützliches Instrument von Studierenden, Lehrkräften, Fachschaften, Fachbereichen und Fakultäten zum einfachen und spontanen Austausch dient. Zum gemeinsamen Aufbau eines Online-Lexikons, oder zur Veröffentlichung von interessanten Vorlesungen[84].
Jeelka Reinhard, Brigitte Grote und Harriet Hoffmann sind in der Studie „E-Learning 2.0 in den Geisteswissenschaften Entwicklung, Erprobung und Evaluation didaktischer Modelle jenseits digitaler Handapparate“ welches in dem Buch „Medien in der Wissenschaft“ von Sabine Zauchner, Peter Baumgartner, Edith Blaschitz, Andreas Weissenbäck erschienen ist, ist man der Meinung, dass man mit Web 2.0 die Entwicklung integrativer Konzepte schneller und effektiver vorangetrieben werden können, die den Fokus auf die kollaborative Inhaltserstellung, Bearbeitung und Präsentation setzen und den wissenschaftlichen Diskurs und die Partizipation der Studierenden unterstützen sowie die Arbeitsprozesse abbilden[85].
Dies ist insbesondere mit Hilfe der Konzepte und Anwendungen von Web 2.0 möglich. Immer mehr Hochschulen führen Wikis ein oder haben sie bereits eingeführt. Laut Zauchner, Baumgartner, Blaschitz und Weissenbäck werden sie z.B. zur Vermittlung allgemeiner Studieninformationen, zur Bereitstellung von Arbeitsmaterialien für Lehrveranstaltungen und Projektgruppen oder von Bibiliotheksangeboten eingeführt. Weblogs verbessern die Kurse und projektbegleitende Internet Kommunikation oder unterstützen die externe Öffentlichkeitsarbeit des Wissenschaftsbetriebs. Vorlesungen, Interviews und Umfrageergebnisse werden per Audio oder Video-Podcast auf Hochschulportalen zur Verfügung gestellt. In Amerika veröffentlichen Hochschuldozenten ihre Vorlesungen sogar auf Videoportal YouTube[86].
Klaus Wannemacher ist in seinem Artikel „Wikipedia-Störfaktor oder Impulsgeberin für die Lehre?“ der Meinung, das Wikipedia die populärste deutschsprachige Web 2.0 Anwendung ist und einer der Pioniere einer neuen Online-Publikationskultur ist[87]. Trotz einiger Kritik von Hochschulen, der Zitierbarkeit von Wikipedia, gehört es zu den meist genutzten Informationsmedien im Internet. Angesicht ihrer wachsenden Popularität wird Wikipedia selbst unter Fachwissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mitunter als ein „heimliches Leitmedium“ gehandelt. Da die Autorschaft der Artikel nicht überprüfbar ist und nach Kriterien der Wissenschaftlichkeit daher nicht zitierbar ist, wird die Nutzung von Wikipedia für wissenschaftliche Arbeiten an Hochschulen nicht empfohlen[88]. Aber diese Art der Informationsbereitstellung wird immer häufiger von Studenten für ihre Recherchen benutzt. Die hohe Qualität der Artikel ist ein willkommener Leitfaden sowohl für die Studenten aber auch für die Lehrkräfte.
In der Wirtschaft wird diese Art der Informationsquellen auch ähnlich genutzt, dort interessiert aber die Zitirfähigkeit keinen. Vorhandenes Wissen der Mitarbeiter kann durch Wikipedia oder allgemein durch Wikis aufgefrischt werden.
Matthias H.J. Gouthier, Hajo Hippner sind der Meinung in dem Artikel „Web 2.0-Anwendungen als Corporate Social Software“ der Grund der Beliebtheit der Web 2.0 Anwendungen sind:
• Einfachheit: Ein zentraler Grund ist das jeder mit der Software arbeiten kann
• Massenkommunikationsfähig:. „many to many“ wie es Wikis oder Podcasts sind und nicht wie „one to one“ wie E-MAILS oder SMSe sind.
• Selbstorganisation: Social Software benötigt kein Kontrollgremium, welches gewisse Regeln von Nutzern überwacht.
• Offene Standards: UM die Inhalte zwischen Systemen auszutauschen bedarf es offener Standards, wie z.B. RSS[89]
Web 2.0 wird in Unternehmen zunehmend als Mittel zum Markt und insbesondere zur Kundenkommunikationskanal genutzt. Es werden z.B. Blogs als PR-Instrument eingesetzt bei dem sich Vorstände oder Geschäftsführer zur aktuellen Themen äußern, oder es werden Mitarbeiter Blogs unterstützt, um ein positives Image des Unternehmens zu vermitteln. Es können aber auch Blogs von bekannten Blogern, wie z.B. von Prominenten zu Werbezwecken verwendet werden. Es existieren auch Produktblogs bzw. Servicesblogs, die speziell Auskunft zu Produkten bzw. Dienstleistungen des Unternehmens geben[90].
Beim Podcasting werden die sechs Zentralen Fragen von der Firma NET- Network for Educational Technology gestellt, um diese an der richtigen Stelle zu verwenden[91]:
Zielgruppe / Wen möchte ich mit meinem Podcast erreichen?
Ziel / Welches didaktische Ziel möchte ich mit dem Podcast erreichen?
Autor/in / Wer produziert den Podcast?
Inhalt / Welchen Inhalt möchte ich transportieren (lassen)?
Format Welches/(technische) Format soll der Podcast haben?
Gestaltung / Wie gestalte ich den Podcast?
Das Vorgehensmodell dient als Planungsinstrument für Podcastproduzenten und Produzentinnen, die einen Podcast möglich zielorientiert und mediengerecht einsetzen wollen. Ob diese an Unternehmen oder in den Hochschulen verwendet werden, sollten die sechs W Fragen beantworten, damit es die erwünschten Leute erreicht.
Wie auch an Hochschulen und Unternehmen wird der Hype lt. Berthold, Walsh und Kilian die Herausgeber des Buches „Web 2.0 Neue Perspektiven für Marketing und Medien“ um die Web 2.0 Anwendungen übertrieben, so das die Web 2.0 Anwendungen die bisherigen klassischen Medien ablösen werden. Hingegen sind die Autoren mit den veröffentlichten Artikeln der Meinung, dass die Unternehmenswelt und die Hochschulen eine neue Art bzw. ein neues Instrument des Marketings oder des Lehrens und Lernens haben und diese sinnvoll und ökonomisch einsetzen, um die alten Medien zu ergänzen[92].
7 Zusammenfassung
Mit Web 2.0 werden neue ganze Reihe neuer Technologien oder Anwendungen verbunden, die für eine neue Dynamik im Internet sorgen. Es entstehen neuartige Produkte und Geschäftsmodelle. Die Schlagworte lauten unter anderem Wikis, Weblogs und Podcasts, es geht um RSS-Feeds, AJAX und Portlets oder auch socialsoftware, etc. In Einige dieser Instrumente wurden in dieser Wissenschaftlichen Arbeit bereits eingegangen. Die mit Web 2.0 verbundenen Anwendungen beinhalten weniger technologie-getriebene Innovationen, sondern können vor allem als konsequente Anwendung bestehender Internet-Technologien gesehen werden. Web 2.0 ist vor allem eine neue Art der Wahrnehmung und Nutzung des Internet.
Die Einführung neuer Medien führt keineswegs zu Verbesserungen oder gar zur einen Revolution im Bildungsbereich. Von einer unmittelbaren Wirkung neuer Medien auf den Lernerfolg kann nicht ausgegangen werden. Medien sind kein Treatment für die Bildungsarbeit, deren Einsatz Effekte auf das Lernen erzielt, sondern ein „Potenzial“, dass bestimmte Innovationen in der Bildung unterstützen kann, die jedoch einer eindeutigen Planung und Konzeption bedürfen. Werden Medien derart als Potenzial aufgefasst, rücken nicht so sehr die innovativen, technischen Merkmale der Medien in den Vordergrund, sondern die Frage, wie diese Merkmale bestimmte innovative, didaktische Ansätze, wie projektorientierte Konzepte oder das kooperative Lernen, im Feld unterstützen können. Insofern erscheint eine Lernumgebung, die das Lernen in einem sozialen Raum verankert ist, grundsätzlich attraktiv, auch für Menschen, die nicht besonders mit anderen Mitmenschen in Interaktion lernen wollen. Gleichzeitig ist die Nutzung von Web 2.0 allerdingst weitgehend offen gegenüber einem bestimmten didaktischen Ansatz. Es hindert oder unterstützt weder einen behavioristischen noch irgendeinen konstruktivistischen Ansatz. Es ist durchaus als Vorteil zu werten, weil so Umgebungen geschaffen werden können, die flexibel genug sind, um die sich in einem bestimmten didaktischen Feld stellen Bildungsprobleme angehen können.
Lernprozesse lassen sich, kritisch betrachtet, nicht beliebig „herstellen“ und durch ausgefeilte neue Technologien „optimieren“, wie es bei Produkten üblich ist. Bildung kann, auch durch die beste Technik bzw. Medien, nicht erzeugt werden, sondern sie kann nur „ermöglicht“ werden. Das mitmachen des Lernenden ist die Voraussetzung und bestimmt die Richtung und Intensität des Lernprozesses. Siebert verwies bereits in den 90er Jahren dass, Lehren ein Angebot für Lernende ist, was diese aus einem solchen Angebot machen, ist nicht determiniert und nur und Grenzen vorhersagbar[93].
Kerres & de Witt (2002) vertreten folgende Meinung: Den Wert eines Medium bestimmt die Situation, und nicht das Medium selbst. Medien sind Artefakte, die keinen Wert an sich haben, sondern ihre Bedeutung erhalten sie erst durch eine bestimmte Nutzung in bestimmten Kontexten und zu bestimmten Zeiten. Bei der Gestaltung mediengestützter Lernangebote ist deswegen die gesamte Lernorganisation einschließlich der Einbettung eines Angebotes in ein soziales System zu berücksichtigen [94].
In jedem Fall bleibt es spannend: Mit der Diskussion um Web 2.0 und den damit verbundenen Entwicklungen scheinen einige wesentliche Neuerungen verbunden, mit denen sich schon jetzt neue Perspektiven zur Förderung der Lehre und des Lernens abzeichnen.
8 Fußnoten
- ↑ www.xing.com
- ↑ www.youtube.com
- ↑ www.studievz.de
- ↑ www.flikr.com
- ↑ Vgl. Kuhlmann, A.M., [2008], S. 1-10
- ↑ Vgl. Kuhlmann, A.M., [2008], S. 43-44
- ↑ Flikr ist eine Web 2 0-Anwendung, die es Benutzern erlaubt, digitale Bilder mit Komponentaren und Notizen auf die Web Seite und so anderen Nutzer zur Verfügung zu stellen: http://www.flikr.com
- ↑ Vgl., Hass,B.H [2008], S.10-12
- ↑ Vgl. Walter, V., [2008], S. 2-5
- ↑ Vgl.,Hass, B.H.[2008], S. 10-12
- ↑ Trackbacks sind ein Art rückwärtsgerichtete Hyperlinks, mit dem lässt sich feststellen ob das eigene Weblog in anderen Weblogs erwähnt wird.
Sie stellen somit ein ideales Werkzeug zur Vernetzung von Weblogs dar - ↑ Vgl. Fischer, T.E. [2006], 161-169
- ↑ Vgl. Huber, F., [2008], S.2-5
- ↑ Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Screencast.27.05.2009
- ↑ Vgl. http://wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/admin/public_dateien/files/33/1228396337vortrag_30.pdf. 28.05.2009
- ↑ Vgl.,Breitner, H.M. [2005], S.275.
- ↑ Vgl. http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/einrichtungen/elearning/Commsy_Moderationshandbuch.pdf.27.05.2009.
- ↑ Vgl., Breitner,B.H, [2005], S.275
- ↑ Vgl. http://agis-www.informatik.uni-hamburg.de/fileadmin/asi/Diplomarbeiten/DiplA_Finck.pdf.10.06.09
- ↑ Vgl. Engert; Hamburg; Terstriep, 2000, S. 42
- ↑ Vgl. Engert; Hamburg; Terstriep, 2000, S. 42
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- ↑ Vgl. Matalik, 2003 S. 119 f.
- ↑ Vgl. Matalik, 2003 S. 120 f.
- ↑ Vgl. Engert; Hamburg; Terstriep, 2000, S. 43
- ↑ Vgl. Engert; Hamburg; Terstriep, 2000, S. 42
- ↑ Vgl. Matalik, 2003 S. 127 f.
- ↑ Honebein/Duffy/Fishman, 1991, S. 106
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- ↑ Vgl. Engert; Hamburg; Terstriep, 2000, S. 43
- ↑ Vgl. Brettschneider, J .,[1999], S.12-13
- ↑ Vgl.Fischer, F.,[2009], S.765-766
- ↑ Vgl. https://web.imtm.iaw.ruhr-uni-bochum.de/pub/bscw.cgi/d272147/30412.pdf.10.06.2009
- ↑ Vgl., Niegemann. H.M.[2008], S.343-344
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- ↑ Vgl. Breitner, H. M., [2005], S. 474-476.
- ↑ Vgl. Kuhlmann, A. M., [2008], S. 5.
- ↑ Vgl., Erik Minass [2002], S. 20f
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- ↑ Vgl., Erik Minass [2002], S. 22f
- ↑ Vgl., Erik Minass [2002], S. 45f
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- ↑ Vgl. Kerres;Voß 2003 S. 9
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- ↑ Vgl. http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/node/3616 stand 01.06.2009
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- ↑ Vgl. Kerres; Voß 2003 S. 44
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- ↑ Vgl. Back; Bendel; Stoller-Schai, 2007 S. 209 ff.
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- ↑ Vgl. Neumann; Nacke; Ross; 2002 S. 30
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- ↑ Vgl. Hass; Walsh; Kilian; 2008 S. 94
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- ↑ Vgl. Zauchner; Baumgartner; Blaschitz;, Weissenbäck; 2008 S. 71 f.
- ↑ Vgl. Hass, Walsh, Kilian, 2008 S. VI.
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