Geschäftsmodelle für Cloud Computing

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Namen der Autoren: Felix Eßler, Markus Krolinski, Niklas Ridder
Titel der Arbeit: Geschäftsmodelle für Cloud Computing
Hochschule und Studienort: FOM Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen
Studiengang: 4. Semester, B.Sc. Wirtschaftsinformatik
Dozent: Prof. Dr. Uwe Kern
Datum der Abgabe: 14.06.2009


Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung

Die vorliegende Fallstudie "Geschäftsmodelle für Cloud Computing" orientiert sich an verschiedenen technologischen Ansätzen des Cloud Computings, die als Grundlage für diverse Ausprägungen von Geschäftsmodellen dienen. Das Spektrum der angebotenen Dienstleistungen reicht hierbei vom Angebot physikalischer Ressourcen bis hin zu vollwertigen Applikationen.

Zunächst wird durch eine Definition der Begriffe "Geschäftsmodell" und "Cloud Computing" ein grundlegendes Verständnis der Thematik geschaffen. Der nachfolgende inhaltliche Aufbau der Fallstudie orientiert sich an drei Ansätzen des Cloud Computings, die auf Geschäftsmodelle übertragen werden. Hierbei zählen die Dienstleistungen "Software as a Service", "Infrastructure as a Service" und "Platform as a Service". Nach einer Definition der jeweiligen Technologie werden unterschiedliche Produkte und darauf aufbauende Geschäftsmodelle vorgestellt. Das mögliche Potential des jeweiligen Geschäftsmodells wird anhand einer Bewertung überprüft. Anschließend werden im Rahmen eines Ausblicks zukunftsweisende Konzepte des Cloud Computings vorgestellt, die über derzeitige Konzepte hinausgehen und bisher ungenutztes Potential aufzeigen.

Zum Abschluss der Fallstudie werden die gewonnen Erkenntnisse zusammen gefasst und ein Fazit gezogen. Hierbei steht im Vordergrund, welche möglichen Zukunftschancen sich für das Cloud Computing und den Geschäftsmodellen ergeben.

2 Definition Geschäftsmodell

Für den Begriff des Geschäftsmodells exisitieren verschiedene Interpretationen. Prinzipiell werden Geschäftsmodelle durch unternehmerischen Aktivitäten und der Erlöserzielung definiert [1]. Um ein Geschäftsmodell exakt zu analysieren, bedarf es detaillierte Informationen zu den eingesetzten unternehmerischen Ressourcen, die zur Leistungserstellung verwendet werden. Diese Voraussetzung kann im Rahmen der Fallstudie nicht erfüllt werden, da im unternehmerischen Wettbewerb die Bekanntgabe von unternehmensinternen Informationen den Erfolg beeinträchtigen könnte. Daher wird das Geschäftsmodell im Hinblick auf die Beziehung zwischen den anbietenden Unternehmen und den abnehmenden Unternehmen untersucht. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den unterschiedlichen Produktvarianten des Cloud Computings und der damit verbundenen Erlöserzielung [1].

3 Definition Cloud Computing

Eine eindeutige Definition des Begriffs "Cloud Computing" gestaltet sich aufgrund der gegenwärtigen Entwicklungen und verschiedenartigen Auffassungen dieser Technologie als schwierig [2]. Laut den Untersuchungen einer McKinsey Studie sind in der Vergangenheit (mindestens) 22 verschiedene Definitionen zu "Cloud Computing" mit abweichenden Auffassungen entwickelt worden [3]. Die Uneinigkeit über eine allgemeingültige Definition kann möglicherweise damit begründet werden, dass "Cloud Computing" als eine junge Technologie angesehen wird und sich diese noch nicht als feststehender Begriff in der Informatik etablieren konnte. Um jedoch ein allgemeines Verständnis zu erzielen, werden im Rahmen dieses Kapitels die primären Eigenschaften des "Cloud Computing" herausgestellt.

Das sich hinter dem Begriff "Cloud Computing" verbergende Prinzip entspricht keinem neuartigem Ansatz bisheriger technologischer Infrastrukturen. Bereits vor vielen Jahren sind Computerarchitekturen entwickelt worden, die Gemeinsamkeiten zu denen des heutigen "Cloud Computings" aufweisen [4]. Unternehmen verfolgten die Strategie, Arbeitsplätze mit leistungsschwachen Terminals auszustatten und rechenintensiven Aufgaben auf leistungsfähige Server auszulagern. Gemäß diesem Ansatz liegt der Technologie Cloud Computing ein ähnliches Client-Server Prinzip zu Grunde. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die Verfügbarkeit an Rechenleistung nicht auf dedizierte Netzwerke und Infrastrukturen der Unternehmen beschränkt ist, sondern durch Integration der Server in das Internet bisherige Grenze aufgehoben werden. Dabei gilt es zu differenzieren, ob es sich um Rechenleistung handelt, die ungenutzt und zur optimalen Auslastung der Server dient oder dediziert zur Verfügung gestellt wird [5].

Cloud Computing liefert demnach eine ständig verfügbare und geographisch unabhängige Plattform für das Angebot an Rechenleistung, die für unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten genutzt werden kann. Der Fokus dieser Fallstudie richtet sich auf Geschäftsmodelle des Cloud Computings. Das Portfolio angebotener Dienstleistungen des Cloud Computings reicht vom Angebot einer Infrastruktur ("Infrastructures as a Service") bzw. Plattformen ("Platform as a Service") bis hin zur Bereitstellung vollwertiger Applikationen ("Software as a Service"). Während sich die erstgenannten Konzepte primär für Unternehmen mit einer großen Kapazität an physikalischen Ressourcen eignen, existieren durch das Angebot von Applikationen in der Cloud auch für kleine Unternehmen Möglichkeiten, Applikationen trotz geringer finanzieller und personeller Ausstattung einem breiten Anwenderkreis im Internet zur Verfügung zu stellen.

4 Software as a Service (SaaS)

Das "Software as a Service"-Modell unterscheidet sich im Vergleich zur Nutzung lokaler Softwareinstallationen hinsichtlich der technischen Voraussetzungen und den Nutzungsbedingungen. Die technische Architektur grenzt sich durch die zentrale Ausführung der Applikationen auf Servern ab. Somit können die Systemvoraussetzungen auf Seiten des Anwenders auf die Installation eines kompatiblen Browsers reduziert werden. Durch die Übernahme rechenintensiver Aufgaben durch Server sind auch weniger leistungsstarken Rechnern für die Ausführung der Applikationen geeignet. Der Servicegedanke spiegelt sich in den Lizenzbedingungen und der Gestaltung des Geschäftsmodells wieder. Im Vergleich zum Vertrieb klassischer Software, deren Nutzung durch die Entrichtung einer einmaligen Lizenzgebühr ermöglicht wird, erlaubt das "Software as a Service"-Modell ein flexibleres Lizenzmodell. Statt des Kaufes einer Softwarelizenz für eine lokale Installation, besitzt der Kunde die Möglichkeit die Software zu mieten, so dass die Kosten für die Nutzung der Software an die Nutzungsdauer gekoppelt sind. Neben des Angebots der Software kann der Anbieter weitere Aufgaben übernehmen, die sich auf den Administrationsaufwand eines eigenen Rechenzentrums auswirken. Der Anbieter stellt neben der Software auch die technische Infrastruktur zur Verfügung und übernimmt z.B. mit der Bereitstellung von Datenbackups oder der Wartung der Hardware auch Administrationsaufgaben.

Weitere wesentliche Vorteile ergeben sich auch auf Seiten der anbietenden Unternehmen dieses Geschäftsmodells. Unternehmen mit geringen personellen und finanziellen Ressourcen können Software sämtlichen Nutzern des Internets bereitstellen, indem diese die technische Plattform mieten (Vgl. Kapitel). Unternehmen bedienen sich in diesem Fall den Infrastrukturen anderer Anbieter und können die Applikation mit einer variablen Skalierbarkeit zur Verfügung stellen - ohne der Notwendigkeit eines eigenen Rechenzentrums. Ein möglicher finanzieller Verlust und damit verbundenen Risiken, die aus Investitionen in eine eigene IT-Infrastruktur resultieren, können durch Anmietung einer Infrastruktur reduziert werden.

Das Potential dieses Ansatzes spiegelt sich nicht nur in der Theorie wieder. Laut Untersuchungen des Marktforschungsinstituts Gartner sind für nächsten vier Jahre eine Verdoppelung des Marktvolumens für den Geschäftsbereich Software as a Service [6] prognostiziert worden.

Die angebotene Software lässt sich hierbei nach unterschiedlichen Kriterien unterscheiden. Die "Google Apps" des Suchmaschinenbetreibers Google liefern ein umfassendes Paket an unterschiedlichen Anwendungen und zielen primär darauf ab, sowohl Privatanwendern als auch Unternehmen ein Komplettpaket zur Kommunikation und Zusammenarbeit im Team zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus spezialisieren sich Unternehmen auf das Angebot von Kerndienstleistungen und die Übernahme von Geschäftsprozessen.

4.1 Alternativen zu Officeanwendungen

Browserbasierter Officeanwendungen befinden sich im Vergleich zu etablierten Officeanwendungen wie z.B. dem Microsoft Office in einem frühen Entwicklungsstadium. Diese nachteilige Eigenschaft wird unter anderem durch einen geringeren Funktionsumfang der nachfolgend vorgestellten Produktsuiten zum Ausdruck gebracht. Dahin gegen bietet die Software einige Vorzüge, die in klassischer Software nicht implementiert werden konnte. Besonders hervorzuheben sind die erweiterten Möglichkeiten zur gleichzeitigen Bearbeitung von Dokumenten mehrerer Benutzer und beliebige Möglichkeiten zum Zugang zur Software. Anbieter wie Google oder Zoho sind an einem Ausbau der Fähigkeiten der Software sehr interessiert. In der Vergangenheit konnte eine regelmäßige Weiterentwicklung zum Beispiel der "Google Apps" festgestellt werden [7]. Aus diesem Grund wird der geringe Funktionsumfang auf mittelfristige Sicht nicht als ausschlaggebendes Kriterium herangezogen werden können, welches den Einsatz der Software in Unternehmen verhindert.

Das folgende Kapitel stellt Officeanwendungen zwei verschiedener Anbieter vor, die im Internet bereit gestellt werden. Durch die Erreichbarkeit der Anwendung in der Cloud ergeben sich durch Verzahnungen zu anderen Applikationen zahlreiche Vorteile, die in lokal installierten Officeanwendungen nicht realisiert werden konnten.

4.1.1 Google Apps

Abbildung 1: Die Produktsuite "Google Apps" Entnommen aus: Google (2009n)
Abbildung 1: Die Produktsuite "Google Apps"

Entnommen aus: Google (2009n)


Zu den bekannten Anbietern eines "Software as a Service" Geschäftsmodells zählt das Unternehmen "Google". Durch Nutzung des hohen Bekanntheitsgrades und Ausstattung an entsprechender finanzieller und technischer Ressourcen, besitzt Google ausreichende Kapazitäten das Angebot an webbasierter Software neben dem Kerngeschäft zu ergänzen und einem großen Anwenderkreis bereitzustellen.

Der Internetdienstleister "Google" legte im Jahr 2005 [8] mit der Veröffentlichung des Dienstes "Google Mail" [9] den Grundstein für die Produktsuite "Google Apps" [10]. Die Verfügbarkeit dieses Google-Dienstes bedeutete jedoch keine Revolution für das Internet, da bereits zahlreiche andere Anbieter sich mit Kommunikationsdiensten in der Vergangenheit etablieren konnten. Die Profilierung der Google Apps als Alternative zu lokal installierter Anwendungen wurde mit der kontinuierlichen Erweiterung des Google Produktpotfolios realisiert. Dabei forcierte Google das Angebot an Online Applikationen nicht ausschließlich durch Eigenentwicklungen, sondern baute das Angebot durch die Akquisition anderer Unternehmen aus. Dieses offensive Vorgehen untermauert das Potential browserbasierter Software, welches auch durch Goolge erkannt wurde. Ein wesentlicher Fortschritt des Umfangs der "Google Apps" bedeutete der Zukauf der browserbasierten Officesoftware "Writely" im Jahre 2006 [11] mit dem Google die weitere Ausrichtung der "Google Apps" bestimmte.

Google Apps versteht sich einerseits als Kommunikationsplattform z.B. durch die Webapplikationen "Google Mail" und andererseits als softwarebasierte Lösung für eine teamorientierte Zusammenarbeit im Internet. Die Grundlage dazu bilden u.a. die Programme "Google Texte und Tabellen" oder der "Google Calendar". Der Funktionsumfang der Programme kann derzeit mit Officeapplikation andere Anbieter noch nicht konkurrieren. Die Möglichkeit zur gleichzeitigen Zusammenarbeit an Dokumenten liefert jedoch einen entscheidenden Mehrwert.

Google versucht durch das Angebot dieses Geschäftsmodells bestehende Unternehmensrisiken zu diversifizieren, da die Einnahmen des Unternehmens maßgeblich aus dem Anzeigengeschäft generiert werden [12]. Das Geschäftsmodell ist sehr transparent definiert: Während die Produktsuite im privatem Umfeld kostenlos benutzt werden darf, stellt Google für den kommerziellen Einsatz die "Google Apps Professional Edition" [13] bereit. Diese Ausprägung der "Google Apps" richtet sich neben anderen Organisationen primär an Unternehmen. Der Funktionsumfang wird im Vergleich zu Standard Edition um zusätzliche Programmierschnittstellen, einer 99,9 % Verfügbarkeit und größerem Speicherplatz [14] angereichert. Die Einnahmen dieses Geschäftsmodell resultieren aus einem benutzerbasierten Lizenzmodell, welches Google zu Beginn 2007 eingeführt hat [15]. Jährlich sind pro Nutzer der Google Apps 50 US $ zu entrichten [16]. Der Vertrieb der Software wird sowohl durch Google direkt als auch durch ein Reseller Programm realisiert [17].

4.1.2 Bewertung des Geschäftsmodells der Produktsuite "Google Apps"

Der Erfolg dieses Geschäftsmodells ist an verschiedenartige Erfolgsfaktoren geknüpft. Viele Unternehmen verfügen über bereits etablierte Infrastrukturen, so dass finanzielle Aufwände im Falle einer Migration überprüft werden müssen. Ebenso gilt es bei einer Migration zu eruieren, inwiefern zur bisherigen technischen Infrastruktur Abhängigkeiten bestehen und welche Schnittstellen im Allgemeinen zu bedienen sind. Für junge Unternehmen stellen browserbasierte Anwendungen aufgrund möglicher knapper finanzieller Mittel und der Beschleunigung zur Aufnahme des Geschäftsbetriebes eine Alternative dar.

Dieser Abschnitt widmet sich im Speziellen dem Potential der Google Apps. Die Produktsuite Google Apps befindet sich noch in einem frühen Stadium, so dass das volle Potential dieser Applikationssammlung noch nicht ausgeschöpft ist. Das Interesse an dem Angebot einer funktionsreichen Software und einem erfolgreichen Produkt offenbart sich u.a. in den ständigen Funktionserweiterungen der einzelnen Applikationen, der sukzessiven Implementierung von Schnittstellen innerhalb der Produktsuite und der Verzahnung zu Diensten von Drittherstellern (z.B. Salesforce [18]).

Zur Beseitigung von Inkompatibilitäten und Hardware unabhängigen Zugriff strebt Goolge die Lauffähigkeit der Softwarekomponenten der Goolge Apps auch auf nahezu allen verbreiteteten Betriebssystemen für Mobiltelefone (Apple IPhone [19], Symbian S60 [20], Blackberry [21] und Windows Mobile [22] ) an, um potentielle Interessenten zum Umstieg auf Cloud Computing zu bewegen und die Attraktivität der Dienste gleichzeitig zu erhöhen. Doch nicht nur die Bereitstellung der Software auf unterschiedlichen Plattformen sollen Unternehmen zu einer Migration bewegt werden. Durch das Angebot von Migrationsassisstenten bzw. Importfunktionalitäten für eine große Anzahl an üblichen Dateiformaten unterschiedlicher Applikationen wird der Umstieg erleichtert. Laut einer Studie der "Burton Group" wurde die mangelnde Interoperabilität zu anderen Softwareprodukten als Hintergrundsgrund für eine Nutzung der Google Apps kritisiert [23].Entsprechende Schnittstellen und Funktionen sind zum verbreiteten Kommunikationssystem "Microsoft Exchange" geschaffen worden, die eine Migration oder Interaktion zu den "Google Apps" ermöglichen [24].

Der Betrieb von Applikationen in der Cloud ist einer Vielzahl an verschiedenartigen Risiken ausgesetzt.Daher ist es notwendig, dass Anbieter von Software as Service auch Backupszenarien einplanen, um das Geschäftsmodell erfolgreich umzusetzen und nicht das Vertrauen der Anwender zu verlieren.

Auf physischer Ebene muss zunächst durch das Unternehmen, welches den Betrieb von Software auf Servern ausgelagert hat, sichergestellt werden, dass eine hohe Verfügbarkeit der Verbindung zum Internet gegeben ist. Zu Minimierung dieses Risikos können sowohl die Verbindungen redundant ausgelegt werden als auch andere Datenübertragungsverfahren wie zum Beispiel UMTS herangezogen werden. Darüber hinaus muss auch bei einem Ausfall eines Applikationsservers die Software zumindest in einem eingeschränkten Umfang zur Verfügung stehen. Dies kann jedoch bei Systemen, die auf riesige Datenbestände zugreifen, eine hohe Rechenleistung oder Daten in Echtzeit beanspruchen nicht gewährleistet werden. Reflektiert man diese Risikopotentiale auf die Produktsuite Google Apps sind zumindest Ansätze von Backupszenarien erkennbar. Im Falle eines Systemausfalls kann der ausbleibende Zugriff auf Daten zu immensen wirtschaftlichen Schäden führen können. Auch Google war in der Vergangenheit von technischen Schwierigkeiten betroffen mit der Konsequenz, dass 14 % der Nutzer für einen Zeitraum von ca. eine Stunde die Applikationen nicht nutzen konnten. Derartige Aussetzer stellen das Geschäftsmodell und die derzeitige Infrastruktur in Frage und beweisen, dass selbst Unternehmen wie Google solche Aussetzer nicht vollständig ausschließen können [25] [26].

Abbildung 2: Funktionsweise von "Google Gears" Entnommen aus: Google (2009o)
Abbildung 2: Funktionsweise von "Google Gears"

Entnommen aus: Google (2009o)


Zur Erhöhung der Unabhängigkeit von einer Verbindung zum Internet wurde seitens Google eine Technologie namens "Google Gears" [27] entwickelt. Diese Software kann entweder als zusätzliches Addon für gängige Browservarianten installiert werden oder als bereits integrierte Komponente des Google Browsers "Chrome" benutzt werden. Die Software ermöglicht es, über den Zugriff auf einen lokale Server und einer Datenbank [28], dass Applikationen auch einer Nichtverfügbarkeit der Google Servern zur Verfügung stehen. Nach automatischer Erkennung einer fehlgeschlagenen Verbindung zu den Google Servern schaltet die Google Software automatisch in einen Offline Modus über, der neben der Applikation im Browser auch die Daten des Nutzers(Dokumente, E-Mails je nach Applikation) zur Verfügung stellt. Somit können die Applikationen unabhängiger genutzt werden und räumen einen immensen Nachteil gegenüber lokal installierter Software aus.

Als weiteres Manko der Goolge Apps und Hinderungsgrund für Unternehmen zu einer Migration wird der mangelnde Funktionsumfang herausgestellt. Laut den Ergebnissen einer Studie der Burton Group [29] scheitert der Einsatz der Google Apps an fehlenden Funktionen, die in der marktführenden Office Bürosuite "Mircosoft Office" [30] bereits laange verfügbar sind. Aber auch dieses Argument wurde durch eine Ankündigung seitens Google teilweise entkräftet, indem der Funktionsumfang der Software innerhalb des nächsten Jahres bedeutend vergrößert wird [31].

4.1.3 Zoho

Abbildung 3: Die Zoho Produktsuite Entnommen aus: Zoho (2009c)
Abbildung 3: Die Zoho Produktsuite

Entnommen aus: Zoho (2009c)


Das Unternehmen ZOHO Corporation [32] entwickelt die Produktsuite "Zoho", die sowohl einen höheren Produkt- als auch Funktionsumfang im Vergleich zu den Google Apps aufweist. Neben des Angebots an vergleichbarer Office-Software zu den Goolge Apps, wird die Programmsammlung um eine große Anzahl an weiteren Diensten ergänzt. Diese sind primär auf den Unternehmeneinsatz ausgerichtet. Hierzu zählen u.a. die Bereitstellung eines Dienstes zur Rechnungserstellung oder eines Customer Relationship Managements (CRM).

4.1.4 Bewertung des Geschäftsmodells der Produktsuite "Zoho"

Das Geschäftsmodell der Produktsuite Zoho wurde im Vergleich zu den Google Apps flexibler gestaltet [33], indem zusammenhängende Softwarekomponenten in einzelne Module zusammengefasst und als Pakete zur Buchung bereitgestellt werden. Die einzelnen Pakete sind wiederum in verschiedenen Varianten verfügbar und unterscheiden sich hinsichtlich der Benutzeranzahl, des Umfangs des Speichers oder der Anzahl der Transaktionen. Dem Anwender wird bei den bezahlbaren Diensten zwar ein große Flexibilität ermöglicht, jedoch tragen die verschiedenen Kombinationen nicht unbedingt zur Transparenz des Geschäftsmodells bei.

Bei der Benutzung der Software Zoho konnte ein Vorsprung im Vergleich zu den Google Apps festgestellt werden. Dies trifft sowohl auf den Funktionsumfang der einzelnen Produkt als auch die Produktpalette zu. Der Konzern General Electric konnte aufgrund der Unklarheit über die sich hinter den Goolge Apps befindliche Infrastruktur zu einem Wechsel bewegt werden [34]. Hinsichtlich der Nutzungsbedingungen der Software Zoho, der Darstellung der technischen Infrastruktur und des Umgangs mit Unternehmensdaten sind auf der Internetseite des Anbieters "Zoho" keine relevanten Details zu erfahren. Aufgrund der Tatsache, dass das nutzende Unternehmender Software dem Anbieter ein erhebliches Vertrauen entgegen bringen muss, können derartige Informationspolitiken den Erfolg des Geschäftsmodells massiv beeinträchtigen und Unternehmen von Nutzung der Software abhalten.

4.2 Unternehmensapplikationen

Neben dem Angebot an Applikationen, die sowohl im privaten als auch im kommerziellen Umfeld genutzt werden können, profilieren sich ebenfalls Anbieter mit geschäftsorientierten Anwendungen. Dabei ist das Spektrum der Softwareprodukte durch ein Angebot verschiedener CRM- und ERP-Lösungen etc. vielfältig ausgelegt. In diesem Kapitel werden die Dienstleistungen des Unternehmens Salesforce.com vorgestellt, dessen bisherige Unternehmensentwicklung das Potential dieses Ansatzes aufzeigt.

4.2.1 Salesforce.com

Das Unternehmen Salesforce.com ist 1999 durch Marc Benioff, einem ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmens Oracle [35], gegründet worden [36]. Die Unternehmensvision stützt sich nach eigenen Anganben auf die folgenden Merkmale. Sämtliche Anwendungen werden auf Servern in der Cloud betrieben und werden nach dem Software as a Service Leitbild in einem Abonnementmodell Unternehmen angeboten [36]. Seit der Gründung konnte basierend auf dieser Strategie die Kundenanzahl auf 55 400 gesteigert werden. Das Produktangebot gründet sich nicht nur auf Eigenentwicklungen, sondern wird durch das Eingehen strategischer Allianzen mit z.B. Google erweitert [37].

Das Produktportfolio des Unternehmens Salesforce.com baut auf zwei unterschiedlichen Technologien auf. Einerseits wird durch Force.com (Vgl. Kapitel 6.3.2) eine Plattform für Drittanbieter zur Entwicklung von cloudbasierter Software angeboten und andererseits unter der Branding "Salesforce.com" eine Bereitstellung von Unternehmensanwendungen. Unter dem Deckmantel eines Customer Relationship Managements bietet Salesforce unterschiedliche Ausprägungen der Software an, die auf die Geschäftsbereiche Verkauf, Marketing, Service und Partnermanagement ausgerichtet sind [38]. Die Software ist browserbasierend und kann durch geöhnliche PCs als auch durch mobile Endgeräte aufgerufen werden.

4.2.2 Bewertung des Geschäftsmodells "Salesforce.com"

Salesforce.com bietet vier unterschiedliche Lizenzmodelle bzw. Editionen, die sich unter anderem hinsichtlich der maximalen Benutzeranzahl und des angebotenen Funktionsumfangs unterscheiden. Die angebotenen Produktpalette adressiert unterschiedliche Unternehmensgrößen [39], so dass das Geschäftsmodell auf unterschiedliche Kundengruppen übertragen werden kann. Die Spanne reicht von der "Group" für kleine Unternehmen bis hin zur "Unlimited"-Edition für Großunternehmen. Die Nutzungsgebühren sind von der gewählten Edition abhängig und sind monatlich zu entrichten. Der Erfolg des Geschäftsmodells kann an verschiedenen Faktoren festgestellt werden. Zum einen verzeichnet Salesforce.com zweistellige Wachstumsraten [40] trotz anhaltenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Zum anderen konnten in der Vergangenheit zahlreiche Großunternehmen für die Nutzung des Salesforce CRM gewonnen werden. Darunter befinden sich nicht nur Unternehmen des IT Bereiches zum Beispiel DELL [41], sondern ebenfalls Unternehmen anderer Branchen, die nicht aus dem IT Umfeld stammen, wie z.B. der Versicherungskonzern Allianz [42].

4.3 Chancen und Risiken von SaaS

Abbildung 4: Potential der Softwareprodukte Entnommen aus: Schaffry (2009c)
Abbildung 4: Potential der Softwareprodukte

Entnommen aus: Schaffry (2009c)


Der Erfolg des Geschäftsmodells "Software as a Service" hängt maßgeblich von der Qualität des Produktes, der Akzeptanz der Unternehmen und Beseitigung derzeitiger Risikofaktoren aus Sicht des anwendenden Unternehmens ab. Die Qualität der Produkte wird sich laut den Ergebnissen einer Studie des Marktforschungsinstituts Forrester in den kommen Jahren bishin zur Marktreife verbessern. Einzig CRM-Lösungen und Web-Conferencing Systeme haben einen hohen Qualitätsstandard erreicht [43].

Im Allgemeinen wird sich das Geschäftsmodell für Anbieter erst dann erweisen, wenn Großkonzerne auf Software as a Service Plattformen umsteigen und damit die ablehnende Haltung zum Cloud Computing entkräften. Hierzu muss bei den betrachteten Anbietern die derzeit gewählte Informationspolitik überdacht werden. Es steht jedoch außer Frage, dass insbesondere für junge Startups diese Alternative eine kostengünstige Lösung darstellt, die ohne Investitionen eine Plattform zur kollaborativen Zusammenarbeit innerhalb kurzer Zeit schafft.

Die Auslagerung unternehmensinterner Applikationen auf fremde Infrastrukturen offenbart bei erster Betrachtung viele Vorteile. Der Aufbau und die Administration einer IT Infrastruktur wird auf einen Drittanbieter verlagert und bringt somit Kosteneinsparungspotentiale mit sich. Gleichzeitig werden Unternehmen hinsichtlich der Skalierbarkeit der IT Infrastruktur neue Perspektiven eröffnet, da die Infratstrukturen der Big Player in einem beliebigen Umfang genutzt werden können. Auch die Verfügbarkeit der Applikationen ist nicht an einen bestimmten Standort bzw. Terminal gekoppelt, da die Applikationen im "World Wide Web" vorgehalten werden. Dies eröffnet Unternehmen eine neue Dimension an Flexibilität. Einen Vertrauensbeweis in eine derartige Infrastruktur wurde durch die Unternehmensgruppe Valeo, einem weltweit operierenden Automobilausrüster [44], geliefert. Das Unternehmen stattete 30.000 Arbeitsplätze mit einem Zugang zu der Produktsuite "Google Apps" aus [45] [46]. Ebenso kann Google einen Anstieg der Nutzerzahlen verzeichnen. Laut Angaben des Unternehmens nutzen bereits mehr als 500.000 Unternehmen die Produktsuite Google Apps [47].

Ein ausschlaggebendes Kriterium, welches einen Einsatz von Software as a Service Ansätzen ausschließt, sind Unklarheiten über die weitere Verarbeitung der Unternehmensdaten und die Unkenntnis über die Maßnahmen zur Datensicherheit des Anbieters. Laut den Ergebnissen einer Studie der Burton Group sind die Geschäftsgebaren und die Unternehmenskultur intensiv zu prüfen [48]. Insbesondere konnte Google in der Vergangenheit keine solide Vertrauensbasis schaffen, so dass eines der Aushängeschilder der Referenzkunden auf die weitere Nutzung der Goolgle Apps aufgrund Unklarheiten über die weitere Verwendung der Unternehmensdaten verzichtete [49]. Gleiches gilt für die mehrdeutigen Formulierungen der Geschäftsbedingungen, die weitere Skepsis den Produkten entgegen bringt [50].

Ein Gegenbeispiel der zuvor genannten Politiken bildet Salesforce. Zur Erhöhung der Transparenz und Schaffung einer besseren Vertrauensbasis sind Bemühungen in dieser Richtung durch eine detailiertere Bekanntgabe von Informationen zur genutzten Infrastruktur, zu Bemühungen zur IT-Sicherheit der Infrastruktur und zum Umgang mit vertraulichen Unternehmensdaten [51] erkennbar. Im Rahmen der Fallstudie kann die Validität des Sicherheitskonzeptes des Unternehmens Salesforce.com nicht überprüft werden. Es steht jedoch außer Frage, dass Software as a Service Ansätze bzw. die Geschäftsmodelle erst dann zum Erfolg geführt werden können, wenn Unternehmen vielfältige Informationen über genutzte Infrastruktur der Produkte bereit gestellt werden und der Missbrauch der Daten ausgeschlossen werden kann. Der Zugang zu vertraulichen Informationen eines Unternehmens kann die weitere Existenz beeinträchtigen.


5 Infrastructure as a Service (IaaS)

Unter "Infrastructure as a Service" ist im weitesten Sinne das Angebot von Speicherplatz, Netzkapazitäten und Rechenleistung zu verstehen, welche flexibel gemietet bzw. gekauft werden können [52]. Im engeren Sinne lässt sich IaaS gemäß einer Studie der Universität Berkeley anhand nachfolgender Merkmale charakterisieren:


  • Grenzenlose Hardwareressourcen, die dem Cloud User jederzeit zur Verfügung stehen
  • Anwenderorientierung: erlaubt es dem Cloud User, genau dann Hardwareressourcen hinzu zu mieten, wenn das Wachstum seines Unternehmens es verlangt
  • Effektive Abrechnung der gemieteten Hardwareressourcen z.B.: stundenweise Abrechnung der Prozessorleistung bzw. tageweise Abrechnung der Speicherplatznutzung [53]


Die nachfolgende Darstellung bringt das Zusammenspiel des IaaS Users und des IaaS Providers zum Ausdruck. Der IaaS Provider tritt dabei in Form eines großen Datencenters auf [54]. Der IaaS User wird von Unternehmen oder auch von privaten Computernutzern verkörpert.

Abbildung 5: IaaS Provider - User  In Anlehnung an: Armbrust (2009), S. 5
Abbildung 5: IaaS Provider - User

In Anlehnung an: Armbrust (2009), S. 5


Der IaaS Provider stellt Hardwareressourcen in Form eines Dienstleisters über die Public Cloud, also über das Internet zur Verfügung. Unternehmen können die bereitgestellten Ressourcen mit ein paar Mausklicks beziehen und flexibel erweitern oder auch zurückbauen, je nachdem wie die aktuelle Situation es erfordert [55]. Die Techniken der Servervirtualisierung, die in den Datencentern der IaaS Provider genutzt werden, ermöglichen die verbesserte Ausnutzung vorhandener Rechenkapazitäten, um so individuell auf die Bedürfnisse des IaaS Users zu reagieren.

Der Standort des IaaS Providers, das bedeutet der Ort, an dem sich das Datencenter befindet, ist von großer Bedeutung. Aus Sicht des Providers sind bei der Auswahl eines geeigneten Standortes Kosten für Elektrizität und die Höhe der Steuern ausschlaggebende Kriterien [54]. Hinzu kommt, dass nach Möglichkeit eine geographische Nähe zum Kunden angestrebt wird, um die Übertragungszeit zwischen Datencenter und IaaS User so gering wie möglich zu halten.

5.1 Marktentwicklung von IaaS

Die Grundidee von Infrastructure as a Service ist nicht neu. In früheren Zeiten war es der "state of being", dass die eigentliche Rechenleistung und die Speicherung von Daten an einer zentralen Stelle erfolgte, dem sogenannten Mainframecomputer [56]. Dieser Mainframcomputer war an diverse Terminals angebunden, an denen nicht viel mehr als eine Ein- und Ausgabe erfolgte. Dieses Konzept wird auch noch in der heutigen Zeit von diversen Firmen weiterverfolgt, jedoch mit dem Unterschied, dass die Terminals durch eine Anwendungssoftware sogenannte "Thin Clients" ersetzt wurden. Der Mainframecomputer wurde durch schnellere und leistungsfähigere Server abgelöst. Dieses Konzept lässt sich in gewisser Weise als Vorstufe des IaaS Gedanken betrachten, wenngleich ein signifikanter Unterschied auszumachen ist. Zum Einsatz der "Thin Client-Technologie" sind eigene Server sowie eine dafür ausgelegte Stromversorgung notwendig. Bei IaaS hingegen wird die gesamte Hardware beim IaaS Provider betrieben.


Der Studie des Marktforschers Pierre Audoin Consultants (PAC), "Infrastructure Services, Germany 2008" zu Folge wächst der Markt für IaaS Lösungen in den kommenden Jahren stetig um mehr als fünf Prozent [57]. In der Grafik von PAC wird deutlich, dass zukünftig die herkömmliche Administration und Wartung der IT-Landschaften vieler Unternehmen durch IaaS abgelöst wird.

Abbildung 6: Marktwachstum IaaSEntnommen aus: Schaffry (2009b)
Abbildung 6: Marktwachstum IaaS

Entnommen aus: Schaffry (2009b)


Der Trend geht zum Outsourcing der IT-Infrastruktur. Aus der Studie geht hervor, dass gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen die Mietung der benötigten Ressourcen eine enorme Kosteneinsparung ergeben kann. Der Grund dafür liegt dabei auf der Hand: Durch IaaS wird jeweils nur die IT-Leistung bezahlt, die man auch wirklich verbraucht [58].

Aktuell ist der Markt überschaubar aufgeteilt. Es gibt zwar zahlreiche Hosting-Unternehmen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Privatpersonen oder kleinen Unternehmen preiswerte Webserver zur Verfügung zu stellen. Anbieter, die die komplette Palette (Speicherplatz, Rechenleistung, Netzkapazitäten) hingegen anbieten, gibt es nur wenige [59]. Als Marktführer ist hier die Firma Amazon zu nennen, welche im Jahr 2008 mit der "Amazon Elastic Compute Cloud" das erste detaillierte Konzept auf den Markt brachte.

5.2 Geschäftsmodelle für IaaS

Neben der IaaS-Lösung des Unternehmens Amazon soll an dieser Stelle auf das Geschäftsmodell "MobileMe" von Apple eingegangen werden. Des Weiteren wird das IaaS-Konzept der Firma Zimory vorgestellt.

5.2.1 Amazon Web Services

Das US-amerikanische Unternehmen Amazon bietet unter dem Deckmantel Amazon Web Services (AWS) eine ganze Reihe IaaS Dienste an. Diese Dienste basieren auf der gleichen technischen Infrastruktur, die Amazon zum Betrieb seines globalen Netzwerks von Webseiten benötigt [60]. Die AWS bestehen insgesamt aus vier Bausteinen, dem Simple Storage Service (S3), der Elastic Compute Cloud (EC2), der SimpleDB (SDB) und dem Simple Queue Service (SQS) [61]. Als wesentliches Merkmal der AWS ist hier zu nennen, dass jeweils nur die Funktionen (z.B.: Rechenleistung oder Speicherplatz) in Rechnung gestellt werden, die auch tatsächlich in Anspruch genommen wurden. Auf die verschiedenen Preismodelle der einzelnen AWS soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Im Folgenden sollen die wesentlichen Funktionen der einzelnen Dienste untersucht werden.

5.2.1.1 Amazon S3

Der Amazon Simple Storage Service richtet sich in erster Linie an Unternehmen und stellt über Standard-Webservice-Schnittstellen Speicherplatz zur Verfügung [62]. Dateien werden in Form von "Objects" in der Speicherplattform abgelegt. Ein Objekt setzt sich aus der eigentlichen Datei (z.B. PDF-Datei) und den sogenannten "metadata" zusammen. Unter "metadata" sind Zusatzinformationen, wie zum Beispiel der Dateityp oder das Änderungsdatum zu verstehen. Die Größe eines "Objects" darf zwischen einem Byte und fünf Gigabyte liegen. Jedes "Object" wird durch einen sogenannten "Key" eindeutig identifiziert.

Die Speicherung der Daten wird in "Buckets" organisiert. Diese lassen sich am besten mit den Verzeichnissen bzw. Ordnern eines Windows-Betriebssystems vergleichen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist, in einem "Bucket" mehrere "Buckets" anzulegen. Bei der Erstellung eines "Bucket" sind verschiedene Regeln zu beachten, zum Beispiel, dass keine Großbuchstaben verwendet werden dürfen. Des Weiteren ist die geographische Region mit anzugeben, in der der "Bucket" erzeugt werden soll, derzeit entweder in den USA oder innerhalb der Europäischen Union.

Der Name des "Bucket" und der Key eines jeden "Objects" werden gemeinsam dazu verwendet, eine eindeutige Identifizierung innerhalb S3 zu gewährleisten. Der Zugriff auf die "Objects" erfolgt über die Protokolle HTTP, HTTPS oder BitTorrent. Die nachfolgende Grafik bringt das Funktionsprinzip der S3 in prägnanter Weise zum Ausdruck.

Abbildung 7: Amazon S3  In Anlehnung an: Chaganti (2008b)
Abbildung 7: Amazon S3

In Anlehnung an: Chaganti (2008b)


Amazon S3 bietet ein Berechtigungskonzept hinsichtlich der Authentifizierung und Benutzerautorisierung. Eine detaillierte Beschreibung des Konzepts würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Die Datenintegrität wird durch eine digitale Signatur mit einem geheimen Schlüssel gewährleistet.

Das Preismodell der S3 gliedert sich in drei nachfolgende Kriterien. Die Abrechnung erfolgt auch in Europa in US Dollar.

  • belegter Speicherplatz pro Monat
  • Menge des Datentransfers pro Monat
  • Anzahl der Webservice Anfragen
5.2.1.2 Amazon EC2

Unter der Amazon Elastic Compute Cloud definiert sich ein Service, der auf Anfrage Rechenleistung zur Verfügung stellt [63]. Dabei bietet Amazon verschiedene virtuelle Serverklassen an, welche "Instanzen" genannt werden. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht, über die zur Verfügung stehenden Instanzen.

Instanz CPU RAM Festplattenspeicher CPU-Architektur
Small Instance 1 EC2 CU 1,7 GB 160 GB 32 Bit
Large Instance 4 EC2 CU 7,5 GB 850 GB 64 Bit
Extra Large Instance 8 EC2 CU 15 GB 1690 GB 64 Bit
High-CPU Medium Instance 5 EC2 CU 1,7 GB 350 GB 32 Bit
High-CPU Extra Large Instance 20 EC2 CU 7 GB 1690 GB 64 Bit

Tabelle 1: Amazon EC2 Serverklassen


Die angebotenen Instanzen sind virtuelle Server, die auf der Xen-Technologie basieren. Es werden verschiedene AMI's (Amazon Machine Images) der virtuellen Server angeboten. Die Images unterscheiden sich durch das verwendete Betriebssystem; zur Auswahl stehen diverse Linux Distributionen oder Windows Server 2003. Des Weiteren ist in den Images verschiedenste Anwendungssoftware eingebunden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, eigene Images zu erstellen und auf den Instanzen einzusetzen. Die CPU Leistungen der Instanzen wird in einer besonderen Einheit gemessen, der EC2 CU. CU steht dabei für "Compute Unit", die Leistung einer CU ist equivalent zu einem 1.0 GHz bis 1.2 GHz AMD Opteron bzw. Intel Xeon Prozessor.

Die Datenspeicherung auf den virtuellen Servern ist flüchtig; das bedeutet nach Abschaltung oder Neustart einer Instanz sind die Daten verloren. Zur persistenten Speicherung ist die S3 oder das EBS (Elastic Block Store) vorgesehen. Unter EBS sind mountbare Festplatten zu verstehen, die jeweils in eine Instanz eingehängt werden können.

Die Amazon EC2 bietet diverse weitere Funktionen z.B. die Protokollierung und Überwachung der laufenden Instanzen, die automatische Erzeugung weiterer Instanzen und die Vergabe einer festen öffentlichen IP Adresse.

Die Verwaltung der EC2, das bedeutet das Starten und Stoppen der Instanzen sowie die Nutzung der weiteren Funktionen; kann über zwei verschiedene Wege erfolgen. Mit der "AWS Management Console" stellt Amazon eine benutzerfreundlich webbasierte Verwaltungskonsole zur Verfügung, die eine Konfiguration per Mausklick ermöglicht. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Services der EC2 über eine webbasierte API-Schnittstelle anzusprechen.

5.2.1.3 Amazon Simple DB

Amazon Simple DB bietet die wesentlichen Kernfunktionen einer Datenbank als Webservice an und ist in erster Linie als eine Ergänzung zu den Services S3 und EC2 anzusehen [64]. Die SimpleDB baut dabei nicht auf einer festgelegten Datenbankstruktur auf. Die Daten werden in sogenannten "Domains" (vergleichbar mit einem Excelarbeitsblatt) in Form von Attribut-Wert-Paaren gespeichert. Attribute sind dabei als Spaltenköpfe anzusehen. In einer Domain können maximal 256 Attribute angelegt werden. Zeilen werden in der SimpleDB als "Items" bezeichnet.

Komplexe Datenbankfunktionalitäten gibt es bei SimpleDB nicht; generell eignet sich der Service auch nicht zum Speichern großer Datenmengen. Die Daten können jedoch bequem nach S3 exportiert werden. Über eine eigene Datenbanksprache (ähnlich wie SQL) können Querys abgesetzt werden. Das Konzept der SimpleDB ist auf Schnelligkeit ausgelegt; Amazon garantiert eine maximale Abfragedauer von 5 Sekunden.

5.2.1.4 Amazon SQS

Der Amazon Simple Queue Service ist ein Nachrichtendienst für die verschiedenen Amazon Webservices. SQS verspricht eine schnelle und stabile Kommunikation [65]. Ein typischer Anwendungsfall ist ein automatisierter Arbeitsablauf, bei dem mehrere Prozesse ineinander greifen und bei dem mehrere Komponenten untereinander kommunizieren.

Auf der Webseite von Amazon ist ein Beispiel für die Nutzung von SQS angegeben, anhand dessen das Prinzip deutlich wird. Der nachfolgende Absatz beschreibt eine kleine Abwandlung des genannten Beispiels [66].

Die Amazon Webservices S3, EC2 und SQS werden dazu genutzt, um eine Musikdatei in ein anderes Format zu konvertieren. Die Datei wurde zuvor über eine Webseite hochgeladen und in S3 gespeichert. Als erstes wird eine Nachricht ("the request message") erzeugt und in der Eingangsnachrichten-Warteschlange von SQS abgelegt. Diese Nachricht enthält einen Verweis zum Ablageort der Musikdatei und eine Angabe für das gewünschte Zielformat. Die Musikdatei soll durch eine EC2 Maschine konvertiert werden. Die Konvertierung wird durch den Rechner aufgrund der Angaben in der Nachricht durchgeführt und das Erzeugnis wieder in S3 gespeichert. Abschließend wird eine Nachricht erzeugt ("the response message") mit einem Link zur Konvertierten Musikdatei. Diese Nachricht wird in der Ausgangsnachrichten-Warteschlange von SQS abgelegt. Die Webseite beobachtet während des gesamten Vorgangs die Ausgangsnachrichten-Warteschlange und ist so informiert, wenn die Konvertierung gelaufen ist.

5.2.2 Apple MobileMe

Ein etwas anderes Geschäftsmodell des Infrastructure as a Service bietet die Firma Apple an [67]. Mit dem Konzept "MobileMe" wendet sie sich an Privatanwender und hat sich zum Ziel gesetzt, Daten auf verschiedenen stationären Geräten synchron zu halten. Der kostenpflichtige Service richtet sich in erster Linie an die Geräte iPhone und iPod touch der Firma Apple und Computer mit dem Betriebsystem Mac OS X. PC's mit Microsoft Windows Betriebssystemen werden auch unterstützt. Die Funktionsweise ist dabei recht simple, "MobileMe" speichert E-Mails, Kontakte und Kalenderinformationen auf einem Online-Server. Durch eine Internetanbindung hält dieser alle Geräte auf einem einheitlichen Datenstand. Das beschriebene Prinzip wird durch einen Push-Dienst ermöglicht; dieser dient dazu, die Daten zwischen allen teilnehmenden Geräten auszutauschen und synchron zu halten [68]. Eine entscheidende Rolle spielt dabei ein Online Account bei Apple.

Die Webseite http://www.me.com dient als zentrale Plattform. Mit einem Account bei "Me.com" werden verschiedene Webfunktionen angeboten; dazu gehören E-Mail, die Möglichkeit, Kontakte und Adressen Online zu speichern sowie mehrere Kalender zu verwalten. Ferner können dort Photogalerien angelegt und eine Online Festplatte (iDisk) genutzt werden. Alle vorgenommenen Änderungen auf "Me.com", z.B. an Kontakten, werden innerhalb von Sekunden an die genannten Geräte übertragen, vorausgesetzt diese verfügen über eine Verbindung zum Internet.

Das Programm MobileMe ist in dem Betriebssystem Mac OS X bereits integriert. Zur Nutzung müssen lediglich die Zugangsdaten des Accounts und der Servername unter den Systemeinstellungen konfiguriert werden [69]. Die Mac OS X Anwendungen Mail, Safari, Adressbuch und iCal werden unterstützt [70]. Für MS Windows XP und MS Windows Vista wird eine aktuelle Version von "iTunes" benötigt [71]. In diesem Fall ist MobileMe als Systemdienst installiert; die Einstellungen zur Synchronisation können dann über die Systemsteuerung vorgenommen werden. Zu den unterstützten Windows Anwendungen zählen MS Outlook 2003, MS Outlook 2007, Windows Adressbuch, Vista Adressbuch, Internet Explorer 6, Internet Explorer 7 und Safari [71].

Die Funktion iDisk von MobileMe bietet eine Online-Festplatte. Das besondere ist auch hier, dass diese von allen genannten Geräten zugänglich ist [72]. Auf dem Computer kann die iDisk als eigenes Laufwerk eingebunden werden und ermöglicht so einen permanenten Zugriff. Weiterhin besteht die Möglichkeit, einen öffentlichen Ordner auf der iDisk anzulegen und damit anderen Benutzern einen lesenden oder schreibenden Zugriff zu gewähren.

Eine Einzelmitgliedschaft bei MobileMe inklusiver aller Webfunktionen umfasst 20 GB kombinierten Speicherplatz für E-Mails und Dateien sowie ein 200 GB großes monatliches Datenvolumen [73]. Der Speicher kann gegen einen entsprechenden Aufpreis erweitert werden.

5.2.3 Zimory

"Die Berliner Zimory GmbH ist ein Spin-off der Deutsche Telekom Laboratories das sich der Entwicklung innovativer Lösungen im Zukunftsmarkt Cloud Computing verschrieben hat." [74] Das Unternehmen spricht mit seinem Geschäftsmodell nicht nur den IaaS User, sondern auch IaaS Provider an; es gliedert sich in drei verschiedene Lösungen. Einerseits wird Unternehmen, ähnlich wie bei der Amazon EC2, die Möglichkeit geboten, Rechenleistungen zu mieten. Andererseits können bestehende Ressourcen über Zimory vermietet werden. Der dritte Geschäftsbereich nennt sich "Enterprise Cloud" und bietet eine Lösung, um die vorhandenen Rechenkapazitäten innerhalb eines Unternehmens effektiver zu nutzen. Die Abrechnung erfolgt bei Zimory, analog zu Amazon nur für die tatsächlich genutzten Ressourcen anhand der nachfolgenden Kriterien:

  • "Virtuelle Prozessoren und RAM pro Stunde
  • Netzwerk-Traffic (Upload) in GB
  • Netzwerk-Traffic (Download) in GB
  • Storage in GB pro Monat" [75]
5.2.3.1 Zimory Public Cloud

Unter der "Zimory Public Cloud" ist ein global umspannendes Netz zu verstehen, welches sich aus den Clouds anderer Rechenzentren zusammensetzt [76]. Der Grundgedanke ist dabei die Schaffung einer Handelsplattform. Diese bietet Rechenzentren die Möglichkeit, freie und nicht genutzte Ressourcen über einen Online-Marktplatz den Kunden von Zimory zur Verfügung zu stellen. Der Vorteil für Rechenzentrenbetreiber ist dabei die Senkung der Betriebskosten und die Erzielung eines besseren Auslastungsgrads der vorhandenen Kapazitäten.

Das Funktionsprinzip setzt sich aus den folgenden drei Kernkomponenten zusammen:

  • Zimory Cloud Manager
  • Zimory Cloud Connector
  • Zimory Host Connector

Der "Zimory Cloud Manager" ist eine Online-Plattform für den Handel von Rechenzentrumsressourcen. Über ihn werden sämtliche administrative Tätigkeiten zum Mieten und Vermieten sowie zur Abrechnung der virtuellen Rechenressourcen abgewickelt [77]. Der "Cloud Connector" wird einmal pro angebundenem Rechenzentrum installiert und dient via einer grafischen Oberfläche der Ressourcenverwaltung. Eine Installation des "Host Connector" ist auf jedem teilnehmenden Server erforderlich, sofern keine Virtualisierungs-Managementwerkzeuge installiert sind. Durch ihn werden die Basisfunktionalitäten zur Virtualisierung bereit gestellt.

Die Firma Zimory bietet drei verschiedene Service Level Agreements (Bronze, Silber und Gold) an. Die SLAs unterscheiden sich hauptsächlich in der garantierten Verfügbarkeit der Ressourcen, die über den Online-Marktplatz bezogen werden.

5.2.3.2 Zimory Enterprise Cloud

Mit "Zimory Enterprise Cloud" wird ein Netz innerhalb eines Unternehmens bezeichnet, das sich aus nicht genutzten Rechenkapazitäten zusammensetzt [76]. Bei dieser Variante können verfügbare Ressourcen für eine gewisse Zeit an andere Abteilungen vermietet werden. Dazu sind wie bei Nutzung der "Zimory Public Cloud" das Managementtool sowie die beiden Softwarekomponenten erforderlich. Des Weiteren besteht die Möglichkeit eine "Enterprise Cloud" an die "Zimory Public Cloud" anzubinden, um beispielsweise im Bedarfsfall zusätzliche Rechenleistung hinzuzuschalten, falls die unternehmensinternen Ressourcen nicht ausreichen. Die Verwaltung und Abrechnung der vermieteten bzw. gemieteten Leistungen erfolgt auch hier über den genannten "Cloud Manager".

5.3 Chancen und Risiken von IaaS

Aus Sicht der Autoren lässt sich die Einschätzung der Marktforschungsstudie zur Entwicklung von IaaS in den nächsten Jahren durchaus teilen. Die vorgestellten Geschäftsmodelle zeigen, dass sich bereits einige Anbieter mit wachsendem Kundenstamm auf dem Markt etabliert haben. Dabei sind die Ausrichtung und Zielgruppe des Geschäftsmodells unterschiedlich. Die Vorteile, Ressourcen effizienter zu nutzen, ausschließlich nach Verbrauch zu bezahlen und die schnelle Bereitstellung sind ausschlaggebend dafür, dass sich der Markt für Geschäftsmodelle des IaaS postiv weiterentwickeln wird. Die Einführung von Standards und die Kooperation großer und namhafter Unternehmen in diesem Bereich wird zu einer höheren Akzeptanz auf Seiten der Unternehmen führen.

Das vollständige Outsourcen der IT-Infrastruktur eines Unternehmens und das alleinige Beziehen der Ressourcen durch Infrastructure as a Service ist aktuell noch als Wagnis anzusehen. Ein gewichtiger Aspekt dabei ist die Frage nach der Sicherheit; insbesondere die Themen Ausfallsicherheit und der Schutz unternehmensinternerdaten sind bedeutende Kriterien, die bei einer Entscheidung für oder gegen IaaS nicht vernachlässigt werden dürfen.

Zusammenfassend lässt sich über die vorgestellten Geschäftsmodelle sagen, dass die Dienste im Allgemeinen den in der Definition festgelegten Anforderungen entsprechen.

6 Platform as a Service (PaaS)

6.1 Definition PaaS

Neben den bereits vorgestellten Services "Software as a Service" und "Infrastructure as a Service" komplettiert die Variante "Platform as a Service" die Angebotspalette des Cloud Computings.

Bei Platform as a Service handelt es sich im Grunde um ein Komplettpaket für Softwarentwickler. Eine neue Applikation wird dabei direkt in der Entwicklungsumgebung des Anbieters erstellt. Die technische Ausgestaltung dieser Entwicklungsumgebung variiert dabei von Anbieter zu Anbieter (z.B. zu verwendende Programmiersprache). Nach der Erstellung der Applikation, kann diese unmittelbar in der Laufzeitumgebung getestet werden. Sind die Tests erfolgreich abgeschlossen, ist es per Knopfdruck möglich die Applikation auch für Dritte zugänglich zu machen. In der Regel findet zu diesem Zeitpunkt auch erstmalig eine Abrechnung von Seiten des PaaS Anbieters statt, basierend auf den Zugriffen auf die neu erstellte Applikation.

PaaS kombiniert also Elemente der anderen beiden Services. Nach Fertigstellung der neuen Applikation handelt es sich im Grunde um eine SaaS Dienstleistung. Eine Applikation wird übers Internet zur Verfügung gestellt und direkt in der Wolke ausgeführt. Da sowohl die zu Grunde liegende Applikation, als auch mögliche zu speichernde Daten bei dem PaaS Anbieter gehostet werden, sind ebenfalls Elemente von IaaS vorhanden [78].

Die folgende Abbildung verdeutlicht die Einordnung von PaaS (in der Abbildung als "Cloud Platforms" bezeichnet) in den Gesamtkontext Cloud Computing:

Abbildung 8: Cloud PlatformsEntnommen aus: Chappell (2008)
Abbildung 8: Cloud Platforms

Entnommen aus: Chappell (2008)


Es wird deutlich, dass die Übergänge zwischen einer SaaS, einer IaaS und einer PaaS Leistung teilweise fließend sind. In diesem Sinne differenzieren auch viele Anbieter nicht 100% zwischen ihren angebotenen Services. So bezeichnen einige Anbieter ihre Services als IaaS obwohl eben auch noch eine Entwicklungsumgebung zur Erstellung neuer Applikationen angeboten wird.

6.2 Funktionsweise PaaS

Durch die vollständige Entwicklung einer Applikation in der Cloud und die anschließende Ausführung ebenfalls in der Cloud, ergeben sich deutliche Unterschiede im Vergleich zur traditionellen Softwareentwicklung. Um die Unterschiede darzustellen, ist es sinnvoll in einem ersten Schritt sich über die verschiedenen Komponenten einer Plattform für die Softwareentwicklung Gedanken zu machen.

Die folgende Abbildung visualisiert diese Komponenten:

Abbildung 9: Applikations KomponentenEntnommen aus: Chappell (2008)
Abbildung 9: Applikations Komponenten

Entnommen aus: Chappell (2008)


Unter "Foundation" versteht man dabei die zu Grunde liegende Plattform, auf der die Applikation ausgeführt wird. Diese setzt sich zusammen aus dem Betriebssystem und dem Local Support. Als Betriebssystem wird heute in der Regel eine Windows Variante, Linux oder eine Unix Variante verwendet. Unter Local Support versteht man unterstützende Technologien zur Applikationsentwicklung wie z.B. das .NET Framework von Microsoft oder Java EE. Seit geraumer Zeit nutzen Applikationen auch häufig Services, die sich auf anderen Systemen befinden. Dieser Aspekt wird hier mit "Infrastructure Services" bezeichnet und enthält z.B. Remote Storage (z.B. Microsoft Sharepoint), Integration Services (z.B. IBM WebSphere) oder Identity Services (z.B. Microsoft Active Directory). Da Applikationen auch vermehrt untereinander kommunizieren und so z.B. eine Applikation bestimmte Daten an eine andere Applikation zur Verarbeitung übergibt, wird auch dieser Aspekt als "Application Services" berücksichtigt [79].

Auf dem Weg zu einer Cloud basierten Lösung ist es sinnvoll, sich zuerst über ein Zusammenspiel beider "Welten" Gedanken zu machen. Da die Zukunft der derzeitigen Cloud Computing Ansätze zum heutigen Zeitpunkt noch äußerst ungewiss ist, wird kaum ein Hersteller zu einer reinen Cloud Lösung tendieren.

Ein Zusammenwirken der beiden Modelle kann man sich wie folgt vorstellen:

Abbildung 10: Zwei Welten der ApplikationsentwicklungEntnommen aus: Chappell (2008)
Abbildung 10: Zwei Welten der Applikationsentwicklung

Entnommen aus: Chappell (2008)


Sowohl Cloud Applikationen als auch herkömmliche Applikationen können somit auf die Infrastructure und Application Services der jeweils anderen "Welt" zugreifen. Dabei unterscheidet sich in der Cloud Architektur allerdings die zu Grunde liegende technische Basis.

Die Cloud Foundation stellt die Basis Funktionen für die Applikation zur Verfügung. Als Cloud Betriebssystem ist derzeit Amazon's EC2 am populärsten. Der Local Support ist in der Cloud Umgebung sehr strikt an den jeweiligen Anbieter gebunden. So verwendet Google für die AppEngine als Programmiersprache Python, während Force.com eine neuartige Sprache Apex kreiert hat. Diese enge Verbindung zur jeweiligen Plattform resultiert aus den unterschiedlichen Anforderungen für eine Cloud Software (z.B. Speicherplatz, Skalierbarkeit).

Im Bereich der Infrastructure Services sind die Unterschiede in der Cloud Umgebung nicht ganz so groß. Es besteht auch hier der Bedarf nach Storage, Integration und Identity Services. Ein populärer Anbieter für Remote Storage ist Amazon mit dem "Simple Storage Service" (S3). Auch im Bereich der Integration Services ist Amazon mit dem Simple Queue Service (SQS) vertreten. Eine Alternative hierzu stellen die BizTalk Services dar. Allgemein gestaltet sich die Verknüpfung mehrerer Cloud Anwendungen untereinander und der gegenseitige Datenaustausch derzeit noch als schwierig und bietet noch Verbesserungspotential für die Zukunft. Dies gilt auch für den dritten Bestandteil der Infrastructure Services nämlich die Identity Services. Hier gibt es derzeit noch keine plattformübergreifende Lösung und der User benötigt einen Google Account für die Google AppEngine, eine Windows Live ID für Live Mesh, usw. [79]

Der Bereich der Cloud Application Services wird durch Software as a Service (SaaS) behandelt und soll an dieser Stelle deshalb nicht weiter behandelt werden.

6.3 Geschäftsmodelle für PaaS

Während die Anbieter von SaaS und IaaS Dienstleistungen gerade zu aus dem Boden sprudeln, wird der PaaS Markt derzeit nur von wenigen Anbietern bedient. Im Folgenden soll auf die derzeit wichtigsten eingegangen werden.

6.3.1 Google App Engine

Als einer der führenden Cloud Computing Anbieter vermarktet Google seit dem 7. April 2008 unter der Bezeichnung "App Engine" [80] auch einen PaaS Dienst.

Abbildung 11: Google App EngineEntnommen aus: Google (2009m)
Abbildung 11: Google App Engine

Entnommen aus: Google (2009m)


Google stellt den Interessenten dabei eine komplette Entwicklungsumgebung (Google Web Toolkit) zur Verfügung, die auf der gleichen technischen Basis basiert, wie die hauseigenen "Google Apps". Das SDK wird samt Web-Server geliefert, damit ein lokaler Test der Anwendungen möglich ist [81].

Dies bietet zwar den Vorteil einer bereits zu Genüge erprobten Plattform, hat allerdings den Nachteil einer sehr spezifischen Gestaltung der Entwicklungskomponenten. So wird zur Datenbankabfrage die Google Query Language (GQL) und für die Anwendungsentwicklung die objektorientierte Skriptsprache Python eingesetzt. Der Funktionsumfang von Python wurde zudem eingeschränkt, da z.B. die Funktion zur Dateierstellung unterbunden wurde [82]. Auf diesem Weg zwingt Google die Anwender dazu, die Google Datenbank zur Datenspeicherung zu Verwenden. Über die Nutzung von Application Programming Interfaces (APIs) ist es möglich, Dienste wie Google Mail, URL Fetch oder Image Manipulation in der Anwendung zu nutzen.

Das Preismodell ist sehr einfach gehalten und orientiert sich am belegten Speicherplatz und auf den Zugriffszahlen der Applikation. Bis zu einem Speicherbedarf von 500 MB und 5 Millionen Page Views im Monat stellt Google die App Engine kostenlos zur Verfügung. Ansonsten werden folgende Preise in Rechnung gestellt:

  • $0.10 - $0.12 für jede CPU-Kern-Stunde
  • $0.15 - $0.18 für jedes GB Speicherplatz pro Monat
  • $0.11 - $0.13 für jedes GB ausgehenden Traffic
  • $0.09 - $0.11 für jedes GB eingehenden Traffic [83]

Am 7. April 2009 verkündete Google die Aufnahme von Java als neue Sprache innerhalb der Google App Engine. Die Unterstützung befindet sich derzeit allerdings noch in einem Entwicklungsstadium [84].

6.3.2 Force.com

Ein weiteres Schwergewicht im SaaS Bereich ist Salesforce. Diese bieten unter Force.com seit dem Sommer 2007 Zeit auch eine PaaS Plattform an [85].

Laut Auskunft des Salesforce CEO Mark Benioff sind auf dieser Plattform bisher mehr als 60.000 Applikationen entwickelt worden [86]. Den Kunden werden dabei Entwicklungs- und Collaboration-Tools sowie ein Marktplatz genannt "AppExchange" für die fertigen Anwendungen angeboten [87]. Dort stehen derzeit rund 800 Anwendungen zur Verfügung. Als Sprache für die Anwendungen verwendet Salesforce Apex.

Ein Beispiel für eine Anwendungsmöglichkeit stammt von JobScience, einem US-Jobvermittler aus der Gesundheitsbranche. Diese verwendeten ursprünglich nur die CRM Lösung von Salesforce. Nachdem es bei einigen anderen Anwendungen aber zu Problemen kam, migrierten sie ihren gesamten Geschäftsprinzip zu Salesforce respektive Force.com. Dafür benutzten sie 20 bereits fertige Applikationen aus der AppExchange und erstellten 11 neue Applikationen [88].

Der Zugang zu Force.com ist an einen Enterprise Edition oder Unlimited Edition Account bei Salesforce.com geknüpft. Es ist nicht möglich, diesen separat zu erwerben. Für Kunden der Enterprise Edition belaufen sich die Gebühren auf $20 pro User und Monat und für Kunden der Unlimited Edition auf $25 pro User und Monat [89].

6.3.3 Bungee Labs

Der Schwerpunkt des US-amerikanischen Unternehmens Bungee Labs mit seinem PaaS Dienst "Bungee Connect" [90] liegt auf der Interoperabilität mit anderen WebServices.

Abbildung 12: Bungee ConnectEntnommen aus: Bungee (2009)
Abbildung 12: Bungee Connect

Entnommen aus: Bungee (2009)


So handelt es sich bei dem Vorzeigeprojekt "WideLens" um eine Webapplikation, welche die Kalenderfunktionen von Exchange, Google und Salesforce in einer Anwendung vereint.

Abbildung 13: WideLensEntnommen aus: WideLens (2009)
Abbildung 13: WideLens

Entnommen aus: WideLens (2009)


Für sämtliche Schritte des Entwicklungsprozess von der Erstellung des eigentlichen Codes, über den Test der erstellten Anwendung, bis hin zur Veröffentlichung einer lauffähigen Version wird lediglich ein Webbrowser benötigt. Damit unterscheidet sich Bungee Connect z.B. von Force.com wo zumindest ein Plugin für Ecplise benötigt wird.

Das Preismodell von Bungee Connect ist sehr einfach gehalten. Die Entwicklung einer Applikation, der Test und auch noch die Beta-Testphase mit ausgewählten Usern sind kostenlos. Erst während der wirklichen Nutzungsphase durch die Endanwender berechnet Bungee eine Gebühr von $ 0.06 pro User und Nutzungsstunde [91].

6.3.4 10gen

Ein Anbieter aus dem Bereich Open Source ist die Plattform 10gen [92]. 10gen bietet wie Google ein Komplettpaket zur Erstellung von Web Applikationen an. Dieses setzt sich zusammen aus verschiedenen Schichten wie in der folgenden Grafik illustriert:

Abbildung 14: 10gen ModellEntnommen aus: 10gen (2009)
Abbildung 14: 10gen Modell

Entnommen aus: 10gen (2009)


Für die fertigen Anwendungen wird entweder JavaScript oder Ruby eingesetzt. Das Framework zur Anwendungsentwicklung ist an Django angelehnt. Zur Datenspeicherung verwendet 10gen die objektorientierte Datenbank Mongo.

Auf Grund der Open Source Policy ist 10gen für die private Verwendung kostenlos. Für die kommerzielle Verwendung gibt es kein öffentliches Preismodell, sondern es werden individuelle Konditionen vereinbart [93].

6.4 Vorteile von PaaS

Der große Vorteil von PaaS liegt in der deutlichen Verringerung der Zeitspanne zur Markteinführung einer neuen Applikation. Die Applikation wird nicht nur direkt in der Cloud entwickelt, sondern kann unmittelbar nach Fertigstellung für die Allgemeinheit freigegeben werden. Dabei muss sich der Entwickler keine Gedanken über die möglichen Zugriffszahlen auf die fertige Applikation machen, denn diese Skalierung übernimmt der Anbieter des Cloud Services für ihn. Somit spielt es keine Rolle ob sich nur 10, 100 oder 1000 neue User pro Tag für die Anwendung interessieren.

Da die Abrechnungsmodelle der Anbieter in der Regel auf einer Abrechnung pro Zugriff basieren und bis zu diesem Zeitpunkt keine oder nur sehr geringe Kosten auftreten, wird auch die Experimentierfreudigkeit der Entwickler geweckt. Sie können Applikationen, von deren Erfolg sie nicht 100% überzeugt sind, trotzdem veröffentlichen und die Reaktion des Marktes beobachten. In der herkömmlichen Softwareentwicklung wäre ein solches Verhalten nicht möglich, die Herstell- und Folgekosten würden das Unternehmen stark belasten. Gerade für kleine, unabhängige Softwareentwickler bietet PaaS somit eine deutliche Verbesserung ihrer Marktposition gegenüber den großen Konzernen [94].

6.5 Nachteile von PaaS

Der größte Nachteil der derzeit am Markt befindlichen PaaS Lösungen, besteht in der noch nicht vorhandenen Standardisierung der Services. Wie bereits im Bereich der Funktionsweise dargestellt, setzt jeder Anbieter derzeit auf eine eigene Lösung. Entscheidet man sich daher als Softwareentwickler derzeit für einen Anbieter, so bindet man sich auch für die spätere Produktivphase an diesen. Es ist derzeit nicht ohne weiteres möglich, eine fertig erstellte Applikation zu einem anderen Anbieter zu transferieren. Erst wenn diese Möglichkeit gegeben ist, kann PaaS als wirkliche Alternative zu herkömmlicher Softwareentwicklung betrachtet werden [95].

Dazu sind die Möglichkeiten der Entwickler arg eingeschränkt. Während bei einer lokalen Softwareentwicklung aus einer breiten Palette von Programmiersprachen, Bibliotheken und Entwicklungsumgebungen gewählt werden kann, werden diese Rahmenbedingungen von den PaaS Anbietern vorgegeben. Eine Wahl besteht somit nicht bzw. nur noch in sehr geringem Maße [96].

Eine weitere Schwierigkeit besteht im Transfer von teilweise seit Jahren unveränderter, unternehmensspezifischer Software. Diese ist vermutlich nur in sehr wenigen Fällen in eine Cloud basierte Lösung zu verwandeln, da der Aufwand hier in der Regel den Nutzen übersteigen dürfte. Somit wird es auf absehbare Zeit vermutlich immer eine parallele Existenz von lokaler und Cloud basierter Software geben [97].

7 Geschäftsmodelle der Zukunft

7.1 Marktentwicklung

Basierend auf einer Umfrage der International Data Corporation (IDC) unter CIOs und anderen Führungskräften könnten sich die weltweiten Ausgaben für Cloud Computing bis zum Jahr 2012 auf einen Wert von 42 Milliarden Dollar erhöhen [98]. Damit würden etwa 10% der gesamten IT Kosten für Cloud Computing ausgegeben. Den Schwerpunkt sehen die Befragten bei Web-Plattformen, die in der Lage sind komplette Geschäftsprozesse abzubilden.

Die Analysten von Gartner sehen für die kommenden Jahre drei verschiedene Phasen für den Cloud Computing Markt. So wird der Zeitraum bis 2011 wohl die Phase der Pioniere auf diesem Gebiet. In dieser Marktentwicklungsphase gilt es sich auf kurzfristige Erfolge zu konzentrieren und Geschäftsmodelle, die innerhalb von 18 bis 24 Monaten Erträge erwirtschaften. Die Kundschaft stammt vermutlich erstmal aus dem Bereich der "early adopters". Daran schließt eine Phase der Marktkonsolidierung bis etwa 2013 an. In dieser Phase werden sich die führenden Anbieter der Branche herauskristallisieren. Interessante kleinere Anbieter werden dann von diesen akquiriert und integriert werden. In dieser Marktphase wird die Technologie mehr und mehr zum Mainstream werden und auch kritischere Kundschaft anlocken. Ab 2013 sehen die Analysen dann die Phase der Marktbeherrschung durch ein paar wenige große Anbieter. Diese werden die favorisierten Technologien der vergangenen Jahre zum de-facto-Standard machen und APIs für die Kommunikation von Applikationen innerhalb der Cloud bieten [99].

Aus der Vielzahl der verschiedenen Anbieter und der verwendeten Technologien, sehen die Marktforscher von Saugatuck Technology ein neues mögliches Geschäftsmodell entstehen. Dieses wird als "Integration as a Service" bezeichnet und bezeichnet Dienstleister, die für den Kunden den Prozess der Auslagerung bestimmter Daten in die Wolke übernehmen. Diese agieren also als Schnittstelle zwischen dem Cloud Anbieter und dem Kunden [100].

7.2 Trends

Eine typische Anwendung der Zukunft könnte der Web-Desktop sein. Dabei handelt es sich quasi um ein komplettes SaaS Betriebssystem. Man benötigt lediglich einen Internetzugang und einen Webbrowser und kann sich an jedem Ort der Welt, mit jedem beliebigen Computer auf seinem individuellen Desktop einloggen. Dort findet man dann seinen eigenen Programmen auch seine persönlichen Daten. Schon 2005 stellte Bill Gates in einer Mail an Microsoft Führungskräfte diese Vision in den Raum [101].

Einen Ausblick wie eine solche Umsetzung aussehen könnte, bietet seit dem 7. April 2009 der Service von iCloud [102].

Abbildung 15: icloud DesktopEntnommen aus: icloud (2009b)
Abbildung 15: icloud Desktop

Entnommen aus: icloud (2009b)


Nach erfolgter Registrierung kann man sich über die Website von icloud auf seinem persönlichen Desktop einloggen. Man kann dann entweder eine der vorinstallierten 30 Applikationen (Mail, Instant Messaging, Mp3 & Video Player, Textverarbeitung) nutzen oder die 3 GB freien Speicherplatz auf der virtuellen Festplatte zur Speicherung seiner Daten verwenden. Die Nutzung von icloud ist in der derzeitigen Version kostenlos möglich. Für die Zukunft wird es aber wohl kostenpflichtige Versionen mit mehr Programmen, mehr Speicherplatz, etc. geben.


Ein weiterer Service mit ähnlichem Ansatz ist eyeOS [101]. Dabei handelt es sich um ein freies Cloud Computing Betriebssystem. Zur Benutzung benötigt man lediglich einen Webbrowser. Als privater User kann man nach erfolgter Registrierung die kostenlosen "Public Server" benutzen. Alternativ kann man aber auch ein Installationspaket herunterladen und eyeOS auf einem eigenen Server installieren.

Abbildung 16: eyeOSEntnommen aus: eyeOS (2009)
Abbildung 16: eyeOS

Entnommen aus: eyeOS (2009)


Alternativ dazu kann man auch auf ein professionelles Hosting eines eyeOS Servers zurückgreifen. Dazu kooperiert eyeOS mit Safehosting.com [103]. Diese bieten verschiedene Konfigurationen für den Betrieb eines virtuellen eyeOS Servers an [104]:

Typ Speicherplatz RAM Dynamischer RAM Transfervolumen Preis
eyeOS 5 5 GB 128 MB 512 MB 1000 GB $11,96/mtl.
eyeOS 10 10 GB 256 MB 768 MB 2000 GB $19,96/mtl.
eyeOS 20 20 GB 384 MB 1024 MB 3500 GB $23,96/mtl.
eyeOS 40 40 GB 768 MB 2048 MB 5500 GB $39,96/mtl.

Tabelle 2: eyeOS virtuelle Server


Der Start von Services wie icloud und eyeOS, in Verbindung mit den Überlegungen der Branchenriesen von Apple und Microsoft ähnliche Services auf den Markt zu bringen, zeigen deutlich wohin der Trend geht. In der Zukunft werden vermutlich mehr und mehr Internet-Terminals Verbreitung finden, deren einziger Zweck es ist, den Zugriff auf einen vollständig in der Cloud betriebenen Desktop zu ermöglichen. Auf diesem Wege hat man nicht nur von jedem Ort der Welt Zugriff auf seine persönlichen Daten, sondern kann auch mit seinen Programmen samt individueller Konfiguration arbeiten.

8 Fazit

Im Rahmen dieser Fallstudie wurden einige Geschäftsmodelle aus dem Bereich Cloud Computing untersucht. Dabei diente die allgemein übliche Dreiteilung des Cloud Computing Begriffs in Software as a Service, Infrastructure as a Service und Platform as a Service als Orientierung. Zu jedem dieser Services wurden zuerst die wichtigsten Anbieter identifiziert und anschließend deren Geschäftsmodelle genauer analysiert. Mit Ausnahme einiger Software as a Service Angebote (z.B. der CRM Lösung von Salesforce), handelt es sich bei allen Geschäftsmodellen noch um recht neue Angebote. Insgesamt stellt der Markt für Cloud Computing derzeit noch eine sehr in Bewegung befindliche Branche dar. Es kommen viele neue Anbieter auf den Markt und viele davon verschwinden aber auch sehr schnell wieder.

Im Kern sind es die Unternehmen, die man auch an anderer Stelle im IT wiederfindet, wie Google, Amazon und zukünftig vermutlich Microsoft, die auch hier große Teile des Marktes beherrschen.

Doch der vermutlich größte Nutzen aus den Angeboten des Cloud Computings besteht vermutlich eher für kleine und mittlere Unternehmen. Diese können durch die Nutzung einer Cloud Infrastruktur einen sehr hohen Kostenfaktor einsparen, welcher in der Vergangenheit die Realisierung vieler guter Ideen nicht zugelassen hat. Durch die Anmietung beliebiger Ressourcen können sich diese Unternehmen ganz auf ihr Produkt konzentrieren und brauchen sich um Nebeneffekte, wie ausreichend groß dimensionierte Plattformen, kümmern. In diesem Zuge verkürzt sich auch die viel diskutierte "Time to Market", also die Zeit bis zur Markteinführung einer in Entstehung befindlichen Software [105].

Durch die allgemein praktizierte nutzungsabhängige Abrechnung können viele neue Ideen erstmal angetestet werden und haben keine enorm hohen Vorlaufkosten zur Folge. So kann die Reaktion der Kunden beobachtet werden und bei Nichtgefallen der Service schnell wieder eingestellt werden. Ebenfalls auf den Faktor Geschwindigkeit zielt die temporäre Nutzung enormer Ressourcen. Falls für bestimmte Anlässe plötzlich ein signifikant höherer Bedarf vorhanden ist (Einmaliger Rollout, Enkodierung bestimmter Dateien, Markteinführung einer neuen Software, etc.) bietet die Nutzung fremder Ressourcen eine gute Möglichkeit diesen Bedarf kurzfristig zu decken.

Für Startups bieten Dienste wie die Google Apps die bisher nicht vorhandene Möglichkeit quasi mit einem PC und einer Idee alleine den Geschäftsbetrieb aufzunehmen. Durch die ständige Erweiterung der Anwendungen in Google Apps werden diese immer mehr zu einem ernsthaften Konkurrenten für die Microsoft Office Produkte und ergänzende Collaboration Tools (Exchange, Sharepoint, etc.).

Während im Bereich der Application as a Service Anbieter eine breite Palette von Angeboten vollkommen verschiedener Art zu erwarten ist, hält der Bereich Infrastructure as a Service nur wenige Überraschungen bereit. Die Branchenriesen wie Google und Amazon besitzen einen zu großen Vorsprung in dem sie ihre riesige Infrastruktur nun auch Dritten zugänglich machen, als dass noch viele andere Anbieter diesen Markt besiedeln könnten. Von daher ist mit Ausnahme der Microsoft Azure Plattform hier vermutlich kein ernst zu nehmender Konkurrent für die derzeitigen Marktführer in Sicht.

Im Bereich des Platform as a Service sind die Prognosen für die Zukunft noch recht uneindeutig. Hier fehlt es in erster Linie an einer Anbieter-übergreifenden-Standardisierung der Dienstleistungen. Solange sich Kunden bereits mit der Wahl eines Anbieters für die Entwicklung einer Web Applikation für alle Zeit an diesen binden, da die erstellten Anwendungen nur in dessen Laufzeitumgebung lauffähig und nicht portierbar sind, solange werden sich vermutlich nur kleinere Unternehmen für eine Nutzung dieser Services entscheiden. Um auch größere Softwarehersteller anzulocken, bedarf es zudem einer Vergrößerung der Flexibilität in der Unterstützung verschiedener Programmiersprachen- und umgebungen.

Übergreifend über alle Services ist zu sagen, dass die derzeitig zugesicherte SLA Verfügbarkeit mit in der Regel 99,9% für kleine Unternehmen noch gerade akzeptabel sein mag, für große Unternehmen aber ein großes Hindernis darstellt. Diese haben bisher ihre selbst betriebene Infrastruktur redundant ausgelegt und durch Verfolgung einer getrennten Wegeführung, etc. auf Hochverfügbarkeit getrimmt. Auf dieser Basis sind 99,9% SLA Verfügbarkeit von einem externen Dienstleister nicht akzeptabel. Hier besteht also noch ein Verbesserungspotential, damit auch Großkonzerne über eine Nutzung der Dienste aus der Wolke nachdenken.

Ein weiteres derzeit noch existentes Hindernis für eine größere Akzeptanz der Cloud Services ist die fehlende Transparenz. Unternehmensinterne Daten sind für viele Unternehmen von solch hoher Relevanz, dass allein nur der Gedanke einer Auslagerung auf fremde Server, welche in einem fremden Land mit einer dazugehörigen fremden Reglegung hinsichtlich des Datenschutzes lagern, viele CIOs wohl gar nicht erst weiter zum Nachdenken bringen wird.

Es bleibt abzuwarten, ob Cloud Computing weiterhin nur einen von vielen kurzfristig gehypten Trends darstellt oder aber zu einer elementaren Veränderung in der Art der Datennutzung, Datenhaltung und Datenverarbeitung führt.

9 Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Vgl. Wirtz (2008)
  2. Vgl. Schaffry (2009)
  3. Vgl. Accenture (2009)
  4. Vgl. Accenture (2009)
  5. Vgl. Postinett (2008)
  6. Vgl. Parbel (2008)
  7. Vgl. Google (2009)
  8. Vgl. Zurheiden(2009)
  9. Vgl. Google (2009l)
  10. Vgl. Google (2009a)
  11. Vgl. Mazzon (2006)
  12. Vgl. Hamann (2006)
  13. Vgl. Goolge (2009c)
  14. Vgl. Goolge (2009d)
  15. Vgl. Google (2007)
  16. Vgl. Google (2009e)
  17. Vgl. Google (2009f)
  18. Vgl. Beiersmann, Ricciuti (2008)
  19. Vgl. Chang (2008)
  20. Vgl. Google (2009f)
  21. Vgl. Google (2009g)
  22. Vgl. Google (2009h)
  23. Vgl. All (2009)
  24. Vgl. Schüler (2009)
  25. Vgl. Mah (2009)
  26. Vgl. Paul (2009)
  27. Vgl. Google (2009i)
  28. Vgl. Google (2009j)
  29. Vgl. Computerwoche (2007)
  30. Vgl. Mah (2009b)
  31. Vgl. Mah (2009c)
  32. Vgl. Zoho (2009b)
  33. Vgl. Zoho (2009)
  34. Vgl. Ricadela (2009)
  35. Vgl. Hillenbrandt (2004)
  36. 36,0 36,1 Vgl. Salesforce.com (2009)
  37. Vgl. Ihlenfeld (2007)
  38. Vgl. Salesforce.com (2009b)
  39. Vgl. Salesforce.com (2009c)
  40. Vgl. Dignan (2009)
  41. Vgl. Salesforce.com (2009d)
  42. Vgl. Salesforce.com (2009e).jsp
  43. Vgl. Schaffry (2009c)
  44. Vgl. Valeo (2009)
  45. Vgl. Valeo (2009b)
  46. Vgl. Vgl. Guiraud (2009)
  47. Vgl. Langley (2008)
  48. Vgl. Müller (2008)
  49. Vgl. Ricadela (2009)
  50. Vgl. Schüler (2007)
  51. Vgl. Salesforce.com (2009f)
  52. Vgl. Kranzlmüller (2009)
  53. Vgl. Armbrust (2009), S. 4
  54. 54,0 54,1 Vgl. Armbrust (2009), S. 5
  55. Vgl. Schaffry (2009b)
  56. Vgl. im Folgenden Kalkuhl (2009)
  57. Vgl. Schaffry (2009b)
  58. Vgl. Bayer (2008)
  59. Vgl. Kalkuhl (2009)
  60. Vgl. Amazon (2007)
  61. Vgl. Chaganti (2008)
  62. Vgl. im Folgenden Chaganti (2008b)
  63. Vgl. im Folgenden Chaganti (2008c)
  64. Vgl. im Folgenden Chaganti (2008e)
  65. Vgl. im Folgenden Chaganti (2008d)
  66. Vgl. im Folgenden Amazon (2009)
  67. Vgl. im Folgenden Apple (2008)
  68. Vgl. Computerbild (2008)
  69. Vgl. Apple (2009)
  70. Vgl. Damaschke (2008)
  71. 71,0 71,1 Vgl. Apple (2009b)
  72. Vgl. im Folgenden Apple (2009c)
  73. Apple (2009d)
  74. Zimory (2008)
  75. Zimory (2008b)
  76. 76,0 76,1 Vgl. im Folgenden Zimory (2009), S. 3f
  77. Vgl. im Folgenden Zimory (2009), S. 4ff
  78. Vgl. Herrmann (2008)
  79. 79,0 79,1 Vgl. Chappell (2008)
  80. Vgl. Miller (2008), S. 43f
  81. Vgl. Stäuble (2008)
  82. Vgl. Google (2009p)
  83. Vgl. Google (2009q)
  84. Force (2009)
  85. Vgl. Herrmann (2008)
  86. Vgl. Herrmann (2009)
  87. Vgl. Salesforce (2009g)
  88. Vgl. Salesforce (2009h)
  89. Bungee (2009b)
  90. Vgl. Bungee (2009c)
  91. 10gen (2009b)
  92. Vgl. 10gen (2009c)
  93. Vgl. Orenstein (2009)
  94. Vgl. Knorr, Gruman (2008)
  95. Vgl. Hayes (2008)
  96. Vgl. Accenture (2009)
  97. Vgl. Herrmann (2008)
  98. Vgl. Gartner (2009)
  99. Vgl. Herrmann (2008b)
  100. 101,0 101,1 Vgl. Martin-Jung (2008)
  101. icloud (2009)
  102. Safehosting (2009)
  103. Vgl. Safehosting (2009b)
  104. Vgl. Herrmann (2008)

10 Abkürzungssverzeichnis

AbkürzungBedeutung
APIApplication Programming Interface
AWSAmazon Web Services
CEOChief Executive Officer
CIOChief Information Officer
CRMCustomer Relationship Management
CUCompute Unit = Einheit für CPU Leistung
EBSElastic Block Store
EC2Amazon Elastic Compute Cloud 2
IaaSInfrastructure as a Service
PaaSPlatform as a Service
Pay-as-you-goNutzungsabhängige Abrechnung
S3Simple Storage Service
SaaSSoftware as a Service
SDBSimpleDB
SLAService Level Agreement
SQSSimple Queue Service

11 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Die Produktsuite "Google Apps"
2Funktionsweise von "Google Gears"
3Die Zoho Produktsuite
4Potential der Softwareprodukte
5IaaS Provider - User
6Marktwachstum IaaS
7Amazon S3
8Cloud Platforms
9Applikations Komponenten
10Zwei Welten der Applikationsentwicklung
11Google App Engine Logo
12Bungee Connect
13WideLens
1410gen Modell
15icloud Desktop
16eyeOS

12 Tabellenverzeichnis

Tabelle Nr.Inhalt
1Amazon EC2 Serverklassen
2eyeOS virtuelle Server

13 Literatur- und Quellenverzeichnis

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