Gestensteuerung - Eine Untersuchung über Marktsituation und Potential
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| Name des Autors / der Autoren: | Torben Duckheim |
| Titel der Arbeit: | "Gestensteuerung - Eine Untersuchung über Marktsituation und Potential" |
| Hochschule und Studienort: | FOM Düsseldorf |
Inhaltsverzeichnis |
1 Einleitung
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Gestensteuerung von Spielekonsolen beziehungsweise PC-Systemen. Dabei wird auf die aktuelle Marktsituation eingegangen, indem die Möglichkeiten der aktuellen Spielekonsolengeneration vorgestellt und untersucht werden. Darauf aufbauend werden die technischen Möglichkeiten einer Gestensteuerung von EDV-Systemen im alltäglichen Praxiseinsatz erarbeitet und unter folgender Fragestellung analysiert: Welches Potenzial bietet eine Gestensteuerung von EDV-Systemen? Liefert die Gestensteuerung einen Nutzen beziehungsweise ökonomische Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen EDV-Steuerungsgeräten? Um das Thema dieser Seminararbeit einzuschränken, widmet sich die vorliegende Arbeit ausschließlich der Gestensteuerung mittels Armen sowie Händen.
2 Begriffsdefinition Gestensteuerung
Der Begriff Geste kommt vom lateinischen gestus und bedeutet: Haltung; Bewegung, Gebärde. [1] Laut Adam Kendon handelt es sich bei Gesten um "Körperhandlungen nichtsprachlicher Art, mit der Absicht etwas zum Ausdruck zu bringen" [2]. "Nöth [hingegen] definiert Gesten im engeren Sinne als das Ausdruckspotential des Menschen mittels der Arme, Hände und des Kopfes." [3] Eine eindeutige allgemein gültige Definition des Begriffs Geste beziehungsweise Gestik gibt es allerdings bisher nicht.
3 Marktübersicht
3.1 Übersicht der Hardware bei Spielekonsolen
Sony Playstation 2:
Im Juli 2003 veröffentlichte Sony eine USB-Kamera als Zubehör für die Playstation 2. Diese Kamera ermöglicht die Steuerung einer Vielzahl von unterstützten Videospielen mittels Hand- beziehungsweise Armbewegungen. [4]
Sony Playstation 3:
Sony's Playstation 3 verfügt seit Veröffentlichung Ende 2006 über eine vereinfachte Art der Gestensteuerung durch den mitgelieferten Gamecontrollers Sixaxis. Allerdings nutzt bisher nur eine begrenzte Anzahl an unterstützten Spielen diese Technologie, wobei grundsätzlich jedes Spiel auch durch die klassische Steuerung zu bedienen ist. Wie bei der Playstation 2 gibt es als Zubehör auch für die Playstation 3 eine USB-Kamera, die sich allerdings quasi auf Multimediaaspekte wie Foto und Videobearbeitung beschränkt, denn nur 2 Spiele unterstützen eine Gestensteuerung mittels Kamera.[5] Am 24. September 2009 kündigte Sony eine Steuerung [6], die ähnlich der der Nintendo Wii konzipiert ist, namens "Move" für die Playstation 3 an. Wie bei der Nintendo Wii kann "Move" ebenfalls über 2 kabellose Controller verfügen, die eine intuitive Art der Bewegung in Spielen ermöglichen soll.
Nintendo Wii:
Die sehr erfolgreiche Spielekonsole namens Wii der Firma Nintendo verfügt bereits seit ihrer Einführung (erste Veröffentlichung am 19.11.2006 in den USA [7]) über eine Gestensteuerung mit Hilfe der kabellosen Wii-Fernbedienung und wahlweise angeschlossenem "Nunchuck". Die Funktionsweise erlaubt dabei eine intuitive und natürliche Art [8] der Bewegung mittels Arm- beziehungsweise Handbewegung mit einer Vielzahl von Videospielen. Eine Besonderheit dieser Spielekonsole besteht darin, dass alle Spiele, im Gegensatz zu den anderen aktuellen Mainstream-Konsolen, Sony Playstation 3 und Microsoft Xbox 360, auf diese Art der Spielsteuerung ausgelegt sind.
Microsoft Xbox 360:
Die mitgelieftern Controller der Xbox 360 verfügen seit ihrer Einführung Ende 2005 bisher über keine Gestensteuerung. Allerdings kündigte Microsoft auf der Electronic Entertainment Expo (E3) 2009 ein System namens Kinect an. Im Gegensatz zu Move oder Wii-Fernbedienung benötigt der Nutzer bei Kinect keinen Controller, sondern eine Kamera, die Bewegungen registriert und verarbeitet. [9]
3.2 Technische Umsetzung der Hardware bei Spielekonsolen
Grundsätzlich ist zu den in Kapital 3.1 erläuterten Spielekonsolen zwischen Gestensteuerung mittels Fernbedienungen, Controllern oder Ähnlichem und Gestensteuerung ohne Hilfsmittel mittels der reinen Bewegung von Armen beziehungsweise Händen, zu unterscheiden. Eine Übersicht, welche Steuerungsmöglichkeiten welchen Steuerungsarten zuzuordnen sind, bietet dazu die folgende Tabelle:
| Konsole | Gestensteuerung mittels Fernbedienung etc. | Kontaktlose Gestensteuerung |
|---|---|---|
| Sony Playstation 2 | Eyetoy | |
| Sony Playstation 3 | Sixaxis, Move | Eyetoy |
| Nintendo Wii | Fernbedienung, Nunchuck | |
| Microsoft Xbox 360 | Kinect |
Playstation 2:
Die Bilder der USB-Kamera werden komprimiert und an die Konsole gesendet. Die Konsole wertet die Bilder anhand einer "konzeptuellen Subtraktion" aus. Dabei "[wird] der Inhalt der einzelnen aufeinander folgenden Frames [..] verglichen. Dieser Prozess nimmt weniger als zehn Prozent der Rechenkraft der Konsole in Anspruch"[10]. Die restlichen 90 Prozent verbleiben also um das eigentliche Spiel zu berechnen. [11].
Playstation 3:
Das Gamepad "Sixaxis" verfügt über einen sechs-Achsen Bewegungssensor, der neben Längsachse, Querachse und Hochachse zusätzlich über 3-D Beschleunigungssensoren (X,Y und Z) verfügt.[12]
Nintendo Wii:
"In die Fernbedienung ist ein Beschleunigungssensor eingebaut, der Bewegungen in alle Richtungen und Drehungen um alle Achsen registriert. Ein optischer Sensor an der Stirnseite nimmt die Signale des auf oder unter dem Fernseher platzierten Infrarot-Stabes auf und berechnet dazu die relative Position im Raum. So lässt sich beispielsweise ein Zeiger auf dem Bildschirm bewegen. Der per Bluetooth angeschlossene Controller kann auch Daten von der Konsole empfangen. Dazu gehören neben Vibrationen auch Geräusche die von einem kleinen Lautsprecher in der Fernbedienung abgespielt werden. [...] An die Fernbedienung kann man einen zweiten Nunchuk-Controller mit einem kurzen Kabel anschließen. Der Nunchuk hat ebenfalls einen Bewegungssensor und einen analogen Joystick." [13] Seit 2009 verfügt die Wii-Fernbedienung(Wiimote) über ein aufsteckbares Zubehör, die der Verbesserung der "Spielsteuerung durch eine schnellere und präzisere Umsetzung von Bewegungen in einem dreidimensionalen Raum"[14] ermöglicht. Die genauere Steuerung wird durch ein Gyroskop der Firma InvenSense ermöglichlicht. [15] Dabei kann das sogenannte "MEMS IDG-600-Gyroskop [..] Drehungen um die X- und Y-Achse erkennen und somit den in der Wiimote eingesetzten Beschleunigungssensor von STMicroelectronics ergänzen, der keine Drehungen um die vertikale Y-Achse registrieren kann". [16]
Microsoft Xbox 360:
Wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben, besitzt die Microsoft Xbox 360 bisher keine Art der Gestensteuerung. Allerdings wird durch das sogenannte Kinect, welches laut Microsoft noch in diesem Jahr erscheint [17], eine komplett berührungslose Gestensteuerung für die Xbox eingeführt. Die Technik basiert dabei auf einer dreidimensionalen Kamera mit einem speziellen Sensor namens PrimeSensor der Firma Primesense. Ein Projektor sendet dabei ein für den Menschen nicht wahrnehmbares Infrarot-Licht auf seine Umgebung. Anschließend empfängt ein CMOS Sensor dieses Infrarot-Licht und leitet das Bild an den PrimeSense's SOC Chip weiter. Dieser verarbeitet die empfangenen Informationen und produziert daraus ein räumliches Bild. Bewegt sich der Benutzer bei diesem System kann der Tiefen-Erkennungssensor daraus Bewegungsinformationen entsprechend verarbeiten und an die Konsole weitergeben. [18]
Funktionsweise eines Gyroskops
"Ein Gyroskop ist im Wesentlichen ein rotierendes Rad, das so montiert ist, dass es sich frei bewegen kann. Dadurch lässt sich leicht beobachten, wie die Drehgeschwindigkeit die Bewegung beeinflusst."[19] Als "[...]Gyroskop [bezeichnet] man jede Vorrichtung, mit der man eine Drehung feststellen kann." [20] Ein Gyroskop wird unter anderem in der Flugzeug- beziehungsweise Raumfahrtechnik eingesetzt und stellt Drehungen des Fluggerätes fest [21]. Das gleiche Prinzip nutzen teilweise obengenannte Spielecontroller, um damit die Bewegung in einer dreidimensionalen Umgebung zu ermitteln.
3.3 Übersicht der Hardware bei PC's
Wie man in der Übersicht der Hardware bei Spielekonsolen bereits erkennen kann, gibt es für Spielekonsolen bereits die eine oder andere ausgereifte technische Umsetzung einer Gestensteuerung (PlayStation 2 - Eyetoy, Wii - Wiimote und NunChuck). Weiterhin befinden sich momentan sehr interessante Konzepte kurz vor der Veröffentlichung: Allen voran jenes Kinect von Microsoft, welches vermutlich dem Prinzip des Eyetoy entspricht, allerdings mit der wesentlichen Neuerung, dass es auch 3D- und nicht nur 2D-Bewegungen realisieren kann.
Im Bereich der Hardware für PC gibt es bisher praktisch keine für den Massenmarkt erhältliche Gestensteuerung. Zwar gibt es eine durch Bastler entworfene und umgebaute Wiimote mit der sich Windowssysteme auch per Gestensteuerung bedienen lassen können, allerdings gibt es bisher keine wirklich praktikable Anwendung, die auf den Beschleunigungssensor der Wiimote zugeschnitten ist. Somit beschränkt sich der Nutzen dieses Prototyps meist auf die Emulation einer Maus mittels Zeigen mit Hilfe von Infrarotsensoren wie bei einer Fernbedienung.[22]
Es ist zum heutigen Zeitpunkt also festzuhalten, dass Spielekonsolen einen klarer Vorreiter bei der berühungslosen Gestensteuerung darstellen. Diesen Trend hat die Industrie allerdings erkannt, so dass seit ein paar Jahren bereits einige Steuerungskonzepte zur berührungslosen Gestensteuerung in der Planung sind beziehungsweise kurz vor der Veröffentlichung stehen.
Der Hauptaugenmerk dieses Kapitals betrachtet daher die Übersicht der geplanten Hardware bei PC's soweit diese Planungen bereits soweit fortgeschritten sind, dass (beispielsweise durch Fertigstellung eines Prototypens) davon ausgegangen werden kann, dass entsprechende Hardware in gleicher oder zumindest ähnlicher Form in nächster Zeit auf den Markt kommen wird.
Weiterhin befasst sich die Seminararbeit in diesem Kapitel mit der Touchscreen Technik, die bereits seit mehreren Jahren im Bereich von Smartphones etc. Marktreife erreicht hat.
Touchpad
Bei einem Touchpad "handelt es sich um eine rechteckige berührungsempfindliche Fläche, auf welcher durch einen Griffel oder [zumeist] durch Fingerbewegungen die Richtung und Länge einer Cursor-Bewegung makiert wird." [23]
Die Touchpad Technologie hat sich bereits seit Jahren im Bereich des Maus-Ersatzes bei Notebooks durchgesetzt. Beispielhaft werden folgend einige unterschiedliche Gestenarten der Firma Synaptics, einem Touchpad-Hersteller, der unter anderem Asus EEE Netbooks ausstattet, aufgeführt:
- Zwei-Finger-Scrollen (beispielsweise horizontal und vertikal scrollen in Windows Explorer)
- Zwei-Finger-Rotation (zum Beispiel Fotos drehen)
- Zwei-Finger-Zoom (Zoomfunktion um beispielsweise in Fotos herein oder heraus zu zoomen)
- Drei-Finger-Flink (zum Beispiel Blättern durch Dokumente)
- Drei-Finger-Down (öffnet im Schnellstart gespeicherte Applikationen)
Touchscreen
"Ein Sensorbildschirm (engl.: touch screen), Kontaktbildschirm oder berührungsempfindlicher Bildschirm erlaubt die Auswahl von Kommandos beziehungsweise die Eingabe von sonstigen angezeigten Daten (aus einem Menü) durch die Makierung der auszulösenden Aktion mit dem Finger oder einem beliebigen Stift (Zeigen auf dem Eingabefeld)." [24]
Zur Zeit gibt es eine Vielzahl von Geräten mit Touchscreen auf dem Markt. So ist die Verbreitung von Touchscreens seit ein paar Jahren gerade im Bereich von Mobiltelefonen stark gestiegen. PDA's setzen bereits seit ihrer Einführung auf Touchscreens, wobei deren Eingabe auf Grund ihrer Größe in den meisten Fällen mittels Plastikstift erfolgt. [25]
Geräte und Betriebssysteme der Touchscreen-Technik
Aktuell gibt es eine Vielzahl von Geräten wie beispielsweise das Apple Iphone im Bereich der Mobiltelefone oder dem RIM Blackberry Storm 2 im Bereich der Smartphones. Im PC-Bereich schreitet die Entwicklung von Touchscreen-Systemen ebenfalls voran, wobei sich die meisten Systeme neben ihrer technischen Realisierung (siehe Kapitel 3.4) in ihrem Funktionsumfang vor allem durch die eingesetzten Betriebssysteme unterscheiden:
- Microsoft Windows:
Einen Touchscreen-fähigen Bildschirm vorausgesetzt, bietet Microsoft geneigten Windows Benutzern bereits seit 2002 mit einer speziellen Variante von Windows XP, der Tablet PC Edition, ein für die Touchscreen-Gestensteuerung per Stift optimiertes Betriebssystem an. [26] Windows Vista beeinhaltet (je nach Version) bereits seit Erscheinung eine Steuerung per Touchscreen, wobei die Touchscreen-Funktionalitäten grundsätzlich auch in Vista auf die Touchscreen-Bedienung von Tablet-PC's ausgelegt war. Mit der Einführung von Windows 7 verbesserte Microsoft die Touchscreen-Funktionalitäten weiter, so dass unter anderem die vergrößerten Symbole der neuen Taskleiste Windows 7 eine Gestensteuerung per Finger erleichern. Speziell seit Einführung von Windows 7 setzen viele Hardwarehersteller nicht mehr ausschließlich auf Tablet-PCs, sondern bieten auch spezielle, auf Touchscreen optimierte Desktop PCs an.
- Linux:
Seit einigen Jahren sind auch Touchscreen-fähige Tablet PCs mit auf dem Markt, die mit einem Linux-Betriebssystem, zum Beispiel von Suse, betrieben werden. Die Touchscreen-Funktionalitäten der grafischen Oberfläche mittels KDE entsprechen dabei in etwa der von Windows Betriebssystemen. [27] Als aktuelles Beispiel ist der bisher wohl größte Konkurrent zum Apple Ipad, welches wiederum ein einigenes Betriebssystem einsetzt, das WeTab der Firma Neofonie zu nennen. Das WeTab setzt dabei auf eine Linux Eigenentwicklung namens WeTabOS, welche auf dem Linux-Kernel der Version 2.6.33 aufsetzt. [28] "WeTabOS hat eine multitouchfähige Oberfläche samt RIA- oder Android-Applikationen. Die Benutzerschnittstelle baut sowohl auf Qt 4.7 als auch auf GTK 2.20 auf. Für die Apps stehen Adobes AIR, Android 2.0, Java und Silverlight zur Verfügung. " [29]
- Apple OS :
Ende Mai 2010 erschien das Apple Ipad auf dem deutschen Markt. Das Ipad wird per Multi-Touch-Display bedient und soll eine intuitive Steuerung ermöglichen, die es auch nicht-technikaffinen Menschen zugänglich machen soll. Dabei nutzt Apple das selbst entwickelte Iphone OS 3.2, welches ausschließlich für das Ipad eingesetzt wird. Das Ipad unterstützt dabei eine Vielzahl von Gesten wie etwa Rotieren, Ziehen, Schubsen, Zoomen, etc. . [30] [31]
Datenhandschuh
"Ein Datenhandschuh (engl.: dataglove) ist ein mit Sensoren versehenes Eingabegerät, mit dem man dreidimensionale Gegenstände in virtuellen Räumen manipulieren kann. In den Handschuh eingearbeitete Sensoren übermitteln Daten an den Computer, der daraus die jeweilige Position in der virtuellen Welt errechnet." [32]
Bei Datenhandschuhen ist grundsätzlich festzuhalten, dass sie (zumindest bisher) nicht für den Massenmarkt konzipiert sind, sondern sich "primär an Designer, Forscher und Projekte im Bereich 'Virtuelle Realität' [richten]" [33]. Nichtsdestotrotz bieten Datenhandschuhe im Gegensatz zu einer Gestenerkennung per Infrarot Kamera etc. eine recht einfache technische Möglichkeit, eine Gestensteuerung per PC zu ermöglichen, allerdings bleiben Datenhandschuhe bisher Nischenprodukte. Grundsätzlich gibt es zu den oben genannten Anwendungsfeldern aber bereits seit ein paar Jahren entsprechende Handschuhe, kabelgebunden sowie kabellos, auf dem Markt, wie etwa den CyberGlove II, der mit bis zu 22 Sensoren als drahtlose Lösung bereits seit 2005 erhältlich ist. Allerdings stellt man bereits bei einem Einführungspreis von ca. 18.000 US-Dollar 2005 fest, dass der Handschuh nicht für den Massenmarkt konzipiert wurde. [34].
Potentielle PC-Spieler sollen zukünftig ebenfalls von einer Gestensteuerung mit Hilfe des Datenhandschuhs profitieren: Ein Handschuh namens Peregrine, der auf der E3 2009 vorgestellt wurde, bietet eine Hotkeysteuerung für Rollenspiele an. [35]
Mitte 2010 stellte das MIT zudem ein selbstentwickeltes System vor, welches mittels eines einfachen bunten Elastan-Handschuh und einer Webcam eine 3D-Gestensteuerung ermöglichen soll. Als mögliches Anwendungsfeld nennt das MIT Computerspiele.[36]
Sollte einer dieser beiden Handschuhe eine Nachfrage bei PC-Spielern generieren, so könnte die Spielekonsole beziehungsweise der Spiele-PC erneut die Rolle des Vorreiters für alternative Steuerungsmechanismen einnehmen.
Berührungslose Gestensteuerung
Auf dem heutigen PC-Markt gibt es bisher außer neben einigen wenigen Prototypen oder Konzeptstudien wenige bis keine für den Massenmarkt konzipierte Systeme mit berührungsloser Gestensteuerung. So scheint auch bei dieser Technik der Spielekonsole, etwa mit Microsofts Kinect, die Vorreiterrolle zuzukommen. Nichtsdestotrotz werden in diesem Kapitel nachfolgend einige Konzeptstudien beschrieben:
- Ein Post-Doktorant der norwegischen Universität Tromso hat 2010 ein Konzept entwickelt, bei dem sich eine riesige Leinwandprojektion mittels Gesten steuern lässt.[37] "Wie von aktuellen Multitouch-Konzepten bekannt, können über die Bedienung mit zwei Händen oder mehreren Fingern Inhalte geöffnet, gezoomt und neu angeordnet werden."[38]
- Johann Lafer, Spitzenkoch, hat seine Guldentaler Küche so umbauen lassen, dass er mittels Fingerzeig unter anderem den Cursor seines 75-Zoll-Displays bedienen kann ohne diesen dabei zu beschmutzen. Dazu nutzt das System ein Steuerungsystem mit dem Namen iPoint 3D, welches vom Frauenhofer HHI entwickelt wurde. Diese Art der Bedienung in der Küche lässt sich natürlich auch auf andere Bereiche, wie zum Beispiel der Medizin, erweitern, wo steriles Arbeiten erforderlich ist. [39] [40]
- Der Gesture Cube, welchen die Firmen Ident Technology AG, Zinosign und Lunar Europe als Konzept vorgestellt haben, soll zukünftlich als Computerersatz für das Wohnzimmer dienen und wird ebenfalls durch verschiedene Gesten berührungslos bedient. [41] "Insgesamt fünf Displays wurden dazu auf den sichtbaren Seiten des Würfels verteilt, der auf vier Füßchen steht und sich auf Wunsch auch transportieren lässt." [42]
3.4 Technische Umsetzung der Hardware bei PC's
Touchpad
Bei Touchpads unterscheidet man zwischen der resitiven und der kapazitiven Technik.[43] Da diese Techniken auch bei Touchscreens in sehr ähnlicher Art und Weise Verwendung finden, sind sie im nachfolgenden Kapitel beschrieben.
Touchscreen
Touchscreen-Technologien unterscheiden sich durch unterschiedliche Techniken, von denen einige im nachfolgenden Abschnitt dargestellt werden.
- Resistiv:
Bei resistiven Touchscreens "liegt über dem Bildschirm eine lichtdurchlässige Schicht aus Glas"[44], über welche eine Polyesterschicht gespannt ist. "Die mit Metall bedampfte Glasscheibe und das mit einer leitfähigen Beschichtung versehene Polyester werden durch kleine Kügelchen auf Abstand gehalten. Normalerweise liegt über dem Sandwich eine zusätzliche, härtere Schicht, die die empfindliche Polyesteroberfläche schützt." [44] Durch Druck auf die stromführende Polyesterschicht, welche als x-Elektrode dient, entsteht ein Parallelkreis mittels der Metall bedampften Glasscheibe, welche als y-Elekrode dient. [44] "[...] der Touchcontroller bestimmt die Berührungskoordinaten aus dem Spannungsabfall zwischen den leitenden Schichten" [44] Da allein durch Druck bereits eine leitende Verbindung der zwei Layer hergestellt wird, können resistive Touchscreens mit beliebigen Gegenständen bedient werden. Bei der resistiven Technik handelt es sich um eine relativ kostengünstige Variante für Touchscreens, allerdings verschleißt die Polyesterschicht durch die ständige Berührung. Aus diesem Grund eignet sie sich nicht sonderlich für den Einsatz von Infoterminals etc.. [44]
- Kapazitiv:
Bei kapazitiven Touchscreens "liegt über dem eigentlichen Schirm eine mit hauchdünnem Metall beschichtete Glasscheibe". [44] Diese Schicht erzeugt mittels Elektroden, die sich an den Ecken des Bildschirms befinden, ein schwaches elektrisches Feld. Durch die Berührung des Displays durch Finger oder einem anderen leitenden Gegenstand wird das Feld geerdet.[44] "Aus dem (geringen) Strom, der über den Finger des Benutzers abgeleitet wird, ermittelt der Touchcontroller die Koordinaten des Berührungspunktes." [44] Kapazitive Touchscreens sind zwar teurer als resistive, eignen sich aber durch die Verwendung von gehärtetem Glas auch für Systeme an öffentlichen Plätzen. [44]
- Infrarot:
"Touchscreens mit Infrarottechnik arbeiten wie Lichtschranken. Der eigentliche Bildschirm ist von einem Rahmen umgeben, auf dem zwischen Infrarotdioden und Fotozellen ein für den Menschen unsichtbares Lichtgitter aufgebaut wird. Unterbricht ein Gegenstand auf der Bildoberfläche dieses regelmäßige Raster, detektiert das Sensorsystem anhand der fehlenden Strahlen die x- und y-Koordinaten des Berührungspunktes." [44]
Datenhandschuh
"Die Bewegungen der Finger und der Hand werden mit Sensoren erfasst, aus denen sich die Handbewegungen rekonstruieren lassen. Ein Datenhandschuh misst die Krümmung jedes einzelnen Fingers und ermöglicht einen weiteren Arbeitsbereich als Joystick oder Trackballs. In Verbindung mit geeigneter Computersoftware können Gesten des Benutzers interpretiert werden. So könnte zum Beispiel das Zeigen auf ein Objekt in einem virtuellen Raum bedeuten, dass man Informationen darüber erhalten möchte. " [32]
Im Gegensatz zum herkömmlichen Datenhandschuh, unterscheidet sich die Gestensteuerung des vom MIT entwickelten sehr günstigen Elastan-Handschuhs mit Kombination einer Webcam: "Technisch setzt die MIT-Entwicklung darauf, aus dem Webcam-Bild einen Ausschnitt mit den Handschuhen zu extrahieren und mittels Spezial-Software auf 40 mal 40 Pixel zu komprimieren. Der Ausschnitt wird dann mit einer Bilddatenbank diverser Handpositionen verglichen. Eine eindeutige Zuordnung wird möglich, da die Handschuhe 20 unregelmäßige Flächen in insgesamt zehn Farben haben, und erfolgt in Sekundenbruchteilen." [45]
Berührungslose Gestensteuerung
- Ähnlich des Prinzips von Microsofts Kinect funktioniert bei einigen Systemen, wie beispielsweise bei iPoint 3D des Fraunhofer HHI, die berührungslosen Gestensteuerung mittels "[...] zweier Infrarotkameras, die nebeneinandern angebracht und leicht schräg zueinander ausgerichtet sind." [46] Die Informationen der Kameras werden dabei an ein Computersystem übermittelt, welches die Bewegungen in Befehle umsetzt. [47]
- Neben der Infrarotkamera-Technik erfolgt die Gestensteuerung zum Beispiel beim Gesture Cube mittels einer elektrischen Sensor Technologie. Dabei wird, vereinfacht gesagt, ein elektrischen Feld zwischen einem Sender und Empfänger aufgebaut. Tritt die Handfläche oder der Finger in dieses Feld ein, verändert sich das elektrische Feld und der Empfänger misst eine andere Spannung, durch die er die Position der Hand im dreidimensionalen Raum ermitteln kann. [48]
4 Anwendungsmöglichkeiten
Die Anwendungsmöglichkeiten einer Gestensteuerung sind vielzählig. Diese Seminararbeit betrachtet hierbei vor allem die Möglichkeiten in Deutschland.
4.1 Wirtschaftlicher Bereich
- Gestensteuerung findet bereits seit Jahren ihren Einsatz im wirtschaftlichen Bereich. Bereits ab Mitte der 1990er Jahre stellte die Deutsche Bahn für ihre Kunden Fahrkartenautomaten mit Touchscreens auf. Die Automaten bieten den Fahrgästen dabei im Gegensatz zu herkömmlichen Automaten vor allem durch den Einsatz von moderner Computertechnik einen größeren Komfort: sie ersparen oft den Weg zu einem Fahrkartenschalter, da Fahrkarten für so gut wie alle Strecken mittels intuitiver Gestensteuerung an allen deutschen Bahnhöfen gekauft werden können.
- Neben Fahrkartenautomaten, die mit Touchscreens bedient werden können, begegnet man im täglichen Leben auch einer Vielzahl von Informationsterminals, die verstärkt von der Werbeindustrie genutzt werden. So findet man bereits beim Optiker "von nebenan" Touchscreen-Terminals, mit deren Hilfe man sich schon im Vorhinein und ohne Berater eine individuelle Brille zusammenstellen kann. Zudem bietet Ikea, eines der größten Mitnehm-Möbelhäuser, in ihrem Selbstbedienungsabhollager durch den Einsatz von Touchscreen-Terminals einen Wegweiser zu den jeweiligen Möbeln. Natürlich zeigen diese Terminals dabei noch entsprechend passende Dekorationsgegenstände als Vorschläge an.
- Seit Einführung der Digitalkamera finden sich bereits in quasi jedem Discounter Fotostationen, mit welchen man mittels USB-Stick, Speicherkarten oder CDs seine Fotos ausdrucken kann. Dabei können mit Hilfe des Touchscreens im Vorhinein meist noch Verbesserung des Bildes, wie Entfernung des Rote-Augen-Effektes oder Wahl des Bildausschnittes, getätigt werden.
- Geldautomaten oder Kontoauszugsdrucker nutzen zur Steuerung ebenfalls meist Touchscreen-Bildschirme.
- In manchen deutschen Supermärkten kommen außerdem automatische Kassensysteme mit Touchscreen-Technik zum Einsatz. Dabei kann der Kunde seinen Einkauf ohne Verkäufer/in durchführen. Entsprechende Sicherheitssysteme liefern hierbei einen Schutz vor Diebstahl.
4.2 Wissenschaftlicher Bereich
- Im wissenschaftlichen Bereich findet die Gestensteuerung vor allem im medizinischen Bereich Anwendung. Ein Beispiel dazu findet sich in der Klinik für Minimalinvasive Chirurgie in Berlin, bei der ein System im Einsatz ist, mit dessen Hilfe sich durch berührungslose Gesten [49] "unterschiedliche Patientendaten wie Bilder, Videos, Röntgen und CT-Aufnahmen darstellen [lassen], die vom Chirurgen während der Operation ausgewählt, vergrößert und markiert werden können, ohne dass er den sterilen Bereich verlassen oder die Operation unterbrechen muss. Die benötigten Daten können über CD oder USB beziehungsweise über Schnittstellen zu gängigen Krankenhausinformationssystemen wie PACS, RIS und KIS eingelesen werden." [50]
- In vielen weiteren wissenschaftlichen Bereichen der Forschung, beispielsweise bei der Autoentwicklung, kommt CAD-Software zum Einsatz. Der Einsatz von Datenhandschuhen bietet Ingenieuren dabei die Möglichkeit einfach mit 3D Modellen zu arbeiten.
4.3 Privater Bereich
- Im privaten Bereich haben vor allem Handys mit Touchscreen dazu beigetragen, dass sich Gestensteuerung auch im privaten Bereich durchsetzten konnte. Dabei bietet der Markt neben einer Vielzahl von Handys mit kompletter Touchscreen-Bedienung (zum Beispiel Apple Iphone oder Blackberry Storm 2) auch Geräte, bei denen sich einige Funktionen durch den Touchscreen und einige Funktionen mittels eingebauter QWERTZ-Tastutur bedienen lassen (zum Beispiel Nokia C6).
- Spätestens seit der Einführung des Apple Ipad liefern die sogenannten Tablet-PC's eine weitere Anwendungsmöglichkeit für Privatanwender. Dabei unterscheiden sich die Geräte ebenfalls wie bei Handys durch die Bedienung mit Hilfe von Touchscreen und eingebauter QWERTZ-Tastatur als auch durch die reine Bedienung mittels Touchscreens.
- Gerade im Bereich Hobby und Freizeit erweitern Spielekonsolen die Anwendungsmöglichkeiten von Gestensteuerung des privaten Bereichs. Die Nintendo Wii aber auch in einigen Monaten Microsofts Kinect bieten dabei Plattformen, auf welche speziell gestengesteuerte Videospiele zugeschnitten sind. Besonders Nintendo hat mit entsprechender Software für die Wii frühzeitig erkannt, dass neben dem Videospielemarkt auch ein interaktiver Markt für Fitness mittels Gestensteuerung erschlossen werden kann. Die Software namens Wii Fit beziehungsweise Wii Fit Plus ermöglicht dem geneigten Privatanwender eine breite Palette an Fitnessmöglichkeiten. Dabei unterstützt die Software sowie ein Fussbrett namens Balance Board den Anwender bei der Wahl des individuellen Trainingsplan. Ähnlich wie in einem Fitnessstudio berechnet das Balance Board dazu durch die eingebaute Waage den BMI und stellt darauf aufbauend ein Trainingsprogamm zusammen. Dabei warnt die Software vor zu ehrgeizigen Zielen und empfiehlt eine maximale Gewichtsabnahme über eine speziellen Zeitraum. Die meisten Übungen erfolgen mittels Balance Board wobei das Board Neigungen oder Gewichtsverlagerungen des Körpers ermittelt und entsprechend auswertet. Zuätzlich dazu verlangen einige Übungen auch nach Handbewegungen beziehungsweise Gestensteuerung. [51]
- Wie bereits in Kapital 3.3 beschrieben gibt es bereits die ersten Haushaltsgeräte, die sich unter anderem mittels berührungsloser Gestensteuerung bedienen lassen.
Gerade im privaten Bereich zeigt sich, dass viele Hersteller ihre elektronischen Geräte auf Gestensteuerung optimieren beziehungsweise neue Geräte für diesen Bereich entwickeln. Dabei werden immer neue Anwendungsmöglichkeiten erschlossen: Haben sich Handys, die per Touchscreens bedienbar sind, bereits seit einiger Zeit zum Standard entwickelt, liefert Nintendo mit Wii Fit eine Art von virtuellem Fitnessstudio. Ebenso die Gestensteuerung von Haushaltsgeräten, wie sie bereits beispielsweise bei Induktionsherdplatten im Einsatz ist, bekommt mehr und mehr Bedeutung im privaten Anwendungsbereich.
5 Potenzial
5.1 Vorteile der Gestensteuerung
Einer der größten Vorteile der Gestensteuerung ist sicherlich die intuitive Art entsprechende Geräte zu bedienen, denn quasi jeder Mensch erlernt bereits im Kindesalter durch Gesten zu kommunzieren, wie zum Beispiel durch Zeigen. So genügt bei vielen Touchscreen-Systemen bereits das simple Drücken auf ein Symbol, um einen entsprechenden Befehl auszulösen.
Die intuitive Art der Gestensteuerung erlaubt dabei eine auch für nicht-technikaffine Menschen einfache Art der Bedienung von EDV-Geräten ohne entsprechende Technik-Vorkenntnisse. Dabei kann vor allem auch älteren Menschen ein Zugang zur "digitalen Welt" ermöglicht werden und kann bestehende Ängste gegenüber dieser verringern. Des Weiteren zeichnet sich die intuitive und natürliche Art der Bedienung einer Gestensteuerung durch eine physiologische Körperhaltung gegenüber herkömmlichen Steuerungsgeräten wie Computer-Maus und Tastatur aus, deren Nachteil eine auf Dauer schädigende Körperhaltung ist.
Touchscreen-Systeme, die mittels Gestensteuerung bedient werden, können ökonomische Vorteile generieren unter anderem am Beispiel der Touchscreen-Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. Durch den Einsatz dieser Systeme und entsprechender Software lässt sich Personal sparen, denn Fahrkartenautomaten können den klassischen Schalterverkauf von Fahrtickets reduzieren beziehungsweise ersetzen. Anhand solcher Ticketautomaten kann ein Fahrticket an deutschen Bahnhöfen so gut wie für jede Zugverbindung erworben werden. Dabei spielt die intuitive Touchscreen-Bedienung sicherlich eine große Rolle. Bei einem komplizierten System scheuen viele Kunden die Maschine und lassen sich lieber am Schalter beraten: Durch einfache und schnelle Bedienung bei annähernd gleicher Qualität werden viele Kunden die Warteschlange des Schalterverkaufs meiden.
Doch neben offensichtlichen ökonomischen Vorteilen durch die Einsparung von Personal bei beispielsweise Ticketverkauf, liefern auch Informationsterminals entsprechende Vorteile: Gerade in der modernen anonymen Welt informieren sich viele Menschen bereits im Vorhinein über ein Produkt ohne den direkten Kontakt zum Verkaufspersonal zu suchen. Neben der Informationsbeschaffung mittels Internet bieten Informationsterminals grafisch ansprechende Inhalte, durch die sich ein Kunde über ein entsprechendes Produkt informieren kann. Auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten bieten Geschäfte eine meist individuelle Beratung, entsprechende Software vorausgesetzt, per Terminal an. Eine intuitive Gestensteuerung, die in diesem Fall meist per Touchscreen erfolgt, spielt hierbei eine entscheidene Rolle: Kunden möchten Informationen zielgerichtet und vor allem schnell erhalten, eine komplizierte nicht-intuitive Steuerung würde viele Menschen davon abhalten entsprechende Informationssysteme zu nutzen, da die jeweilige Steuerung erst erlernt werden müsste.
Den gleichen ökonomischen Vorteil der Personaleinsparung durch Selbstbedienungsticketautomaten machen sich auch Supermärkte mit Hilfe von Selbstbedienungskassen zu Nutze. Das Prinzip ist dabei grundsätzlich das gleiche wie beim Ticketverkauf, allerdings unter technisch viel komplexeren Voraussetzungen: Bei einem Ticketverkauf erkauft sich der Kunde lediglich einen Anspruch auf eine Dienstleistung, bei einem Verkauf von materiellen Gütern besteht immer die Gefahr des Diebstahls, welche durch entsprechende Sicherheitssysteme eingegrenzt werden soll.
Unter gewissen Gesichtspunkten bietet die Gestensteuerung per Touchscreen auch eine Platzersparnis. Das Hauptaugenmerk von Mobiltelefonen liegt in der Mobilität; Handys mit herkömmlicher Tastatur benötigen dabei für diese in den meisten Fällen einen gewissen Bereich des Telefons zu Lasten der Bildschirmgröße. Zwar gibt es dazu bereits entsprechende Ansätze der Industrie zur Lösung des Problems durch zum Beispiel Schiebe- oder auch Klapphandys, allerdings erlangen Handys, die auf eine Tastatur zugunsten eines Touchscreens verzichten immer mehr Marktanteile. Die Vorteile dabei liegen in der Bildschirmgröße, die meist nahezu das gesamte Handy umfasst (zum Beispiel beim Apple Iphone). Durch größere Bildschirme bei gleicher Gesamtgrößte eines herkömmlichen Mobiltelefons mit Tastatur lassen sich Multimediafunktionen wie beispielsweise Handy-TV komfortabler nutzen, ohne dabei Abstriche bei der Mobilität machen zu müssen.
Weitere Vorteile einer Gestensteuerung liegen im medizinischen Anwendungsbereich. Neuartige Operationssysteme erlauben dabei zum Beispiel eine Auswahl und Bearbeitung von Bildmaterial und Patientendaten. Das System wird durch berührungslose Gestensteuerung bedient und bietet dabei einen enormen hygenischen Vorteil.[49] "Bisher muss der Chirurg den OP-Tisch und damit den sterilen Bereich verlassen, um die Befunde des Patienten anschauen zu können, oder er bittet eine Schwester im "unsterilen" Bereich, die notwendigen Informationen bereitzustellen. Beides bindet teure personelle Ressourcen und kostet wertvolle Zeit, die der Patient länger in Narkose verbringen muss." [50]
Ein weiterer Vorteil von Gestensteuerung ist die Erschließung von neuen Geschäftsfeldern beziehungsweise Marktlücken. Am Beispiel von Nintendos Wii fit zeigt sich, dass neben ökonomischen Aspekten auch gesundheitliche Vorteile geschaffen werden können. Durch individualisierte Trainingspläne werden Kunden dazu animiert, von zu Hause angeleiteten Sport zu treiben. Natürlich steckt diese Art seine persönliche Lebensweise gesünder zu gestalten noch am Anfang ihrer Entwicklung, doch entsprechende Weiterentwicklungen könnten in naher Zukunft dafür sorgen, dass viele Fitnessstudios der Vergangenheit angehören.
5.2 Nachteile der Gestensteuerung
Einer der größten Nachteile der Gestensteuerung liegt in ihrer Genauigkeit. Vergleicht man beispielsweise die Bedienung eines Touchscreens mit einer herkömmlichen Computer-Maus, so stellt man schnell fest, dass bei einer Bedienung per Finger zwar große Symbole grundsätzlich schneller als mit einer Maus angewählt werden können, allerdings auch leicht ein nebenliegendes Symbol ausgewählt wird. Dieser Effekt reduziert sich durch die Nutzung eines speziellen Stiftes, doch eine pixelgenaue Steuerung bleibt, entsprechender Erfahrung beim Umgang vorausgesetzt, der Maus vorbehalten. Dieser Umstand zeigt sich auch bei der Bedienung einer Tastatur per Touchscreen: Eine herkömmliche Tastatur lässt sich durch fühlbare physische Tasten, insbesondere der Orientierungstasten "F" und "J", die sich durch eine leichte Erhöhung auszeichnen, leicht im 10-Fingersystem blind bedienen. Eine entsprechende Touchscreen-Tastur ist durch diese fehlenden Druckpunkte quasi nicht blind zu bedienen und eignet sich nur für kurze Texte. Bei einer berührungslosen Gestensteuerung muss weiterhin technisch das Problem gelöst werden, dass der bekannte Doppelklick bisher nicht ausgereift realisiert werden kann.
Eine berührungslose Gestensteuerung ist im Vergleich zu Touchscreens noch ungenauer: Zwar wurde die Genauigkeit in den letzten Jahren unter anderem durch den Einsatz von Infrarot-Kameras und der damit verbundenen dreidimensionalen Erfassung von Steuerungsbefehlen verbessert, aber gerade bei einer berührungslosen Bedienung zeigt sich, dass sie technisch noch nicht Massenmarkt-tauglich ausgereift ist. Nach der Einführung von Microsofts Kinect wird sich zeigen, ob sich mit berührungsloser Gestensteuerung ein Massenmarkt erschließen lässt.
Ein weiterer Nachteil ist der Verschleiß von vor allem resistiven Touchscreens, bei welchen durch häufige Nutzung die Polyesterschicht beschädigt wird. Dieser Effekt lässt sich zwar durch die gelegentliche Kalibrierung des Touchscreens reduzieren, allerdings nicht verhindern. Zusätzlich zu diesem Aspekt bilden Fingerabdrücke und Verschmutzung einen weiteren Nachteil von Gestensteuerung mittels Touchscreens.
5.3 Zukunftsaussichten
Die Zukunftsaussichten der Gestensteuerung sind sehr vielfältig. So hat sich bereits seit Jahren vor allem im mobilen Bereich, durch Mobiltelefone, eine Touchscreenbedienung durchgesetzt. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren auch weiter fortsetzen, denn der Bedarf der Kunden an multimedialer Anwendungen wird, zum Beispiel durch die Weiterentwicklung von mobilem TV, ansteigen. Dabei ist eine entsprechende Bildschirmgröße natürlich unabdinglich und kann durch den Verzicht einer physischen Tastatur erreicht werden. Der etwaige Nachteil einer dadurch bedingten kürzeren Akkulaufzeit wird auch hier durch technische Evolution vermindert.
Der Aspekt, dass Kunden entsprechende Mobiltät wünschen, zeigt sich aktuell auch am Interesse beziehungsweise den Verkaufszahlen des Apple Ipads. Zwar gibt es technisch ausgreifte Tablet-PCs bereits seit einigen Jahren, doch Preis, Gewicht und Bedienkomfort konnten nie zum Durchbruch auf dem Massenmarkt genügen. Gerade durch die technische Möglichkeit, Geräte lediglich auf ein Display ohne Tastatur etc. zu beschränken und dadurch die Möbilität weiter zu erhöhen, scheint die Bedürfnisse der modernen Kunden zu treffen. Dabei werden sich die Geräte sicherlich über die nächsten Jahre hinweg weiterentwickeln, gerade was die Leistungsfähigkeit angeht.
Auf lange Sicht gesehen, scheinen die Zukunftsaussichten der Gestensteuerung enorm erfolgreich zu sein. Durch die Einführung von Microsofts Kinect Ende 2010 wagt sich der erste Hersteller an eine relative ausgereifte berührungslose Gestensteuerung für den Massenmarkt heran, wobei sich natürlich erst im Nachhinein sagen lässt, ob die Steuerung wirklich ausgereift war. Sollte sich das System im privaten kommerziellen Bereich durchsetzen, erscheinen auf lange Sicht auch entsprechende Systeme ähnlich eines Holodecks à la Star Trek möglich. Durch den momentanen Boom der 3-D-Technik im Kino aber auch im Heim-Kino Bereich, könnten schon bald Videospiele, die berührungslose Gestensteuerung mit moderner 3-D-Technik vereinen, entsprechende realitätsnahe Spielerlebnisse erzeugen.
Die Zukunftsaussichten von Gestensteuerung bei klassischen Bürorechnern sind aus meiner Sicht nicht gerade ideal. Zwar gibt es immer mehr Computer, die sich vor allem durch Einsatz von Windows 7, auch per Touchscreen steuern lassen, allerdings sind vor allem im Büroeinsatz klassische Steuergeräte weiterhin praktikabler. Gerade die Erstellung von Dokumenten, Powerpoint-Präsentation oder Exceltabellen gehen mit Maus und Tastatur leichter und performanter von der Hand. Auch eine berührungslose Gestensteuerung eignet sich für den Einsatz im Büroalltag weniger - wer möchte schon wild herumgestikulierend in einem Großraumbüro sitzen. Aus meiner Sicht kann Gestensteuerung also maximal eine Erweiterung zu bestehenden herkömmlichen Steuergeräten darstellen. Ein Ansatz, der die herkömmliche Bedienung eines PC's, vor allem wenn es um die Erstellung vieler Dokumente geht, ersetzen könnte, ist eine ausgereifte Sprachsteuerung. Eine Sprachsteuerung hat allerdings den Nachteil, dass Arbeitskollegen durch die Lautstärke vor allem in Großraumbüros sehr gestört werden könnten.
Bessere Zukunfsaussichten scheint eine berührunglose Gestensteuerung in Bereichen zu haben, in denen Hygiene beachtet werden muss. So gibt es bereits erste Kliniken, die ihren Operationssaal mit Bildschirmen ausgestattet haben, welche anhand berührungsloser Gestensteuerung bedient werden. Einer Kontamination, wie sie bisher bei Touchscreen-Display bestand, besteht dadurch nicht mehr. Aber auch Bereiche, in denen nicht peinlich auf Hygiene geachtet werden muss, kann durch die oben genannte Technik profitieren: Informationsterminals und Fahrkartenautomaten die zur Zeit quasi ausschließlich mittels Touchscreens bedient werden, könnten, wenn sie eine nahe berührungslose Steuerung ähnlich der des Gesture Cubes verwenden, ebenfalls hygienische Vorteile haben. In Zeiten von Schweingrippen und multiresistenten Bakterien ist dies sicherlich eine Technik, die bei ängstlichen Bürgern auf Zustimmung treffen würde. Weiterhin würde dadurch der Verschleiß, Vandalismus ausgenommen, reduziert werden und eine längere Laufzeit ermöglicht werden.
Neben genannten Zukunftsaussichten bietet vor allem berührungslose Gestensteuerung in bestimmten Bereichen eine Mensch-Computer-Interaktion die selbst der Anwender nicht mehr wahrnimmt. So könnte beispielsweise in einem Museum ein Gemälde durch gewisse Gesten Informationen über Künstler etc. Auskunft geben. Dabei interagiert der Betrachter nicht mehr direkt mit einer Maschine, sondern im eigentlichen Sinne mit dem Gemälde. [52]
Dieser Aspekt bietet vor allem auch bei der Interaktion mit Küchengeräten eine Rolle: So zeigt sich an der technisierten Küche von Starkoch Johann Lafer, dass Gestensteuerung beziehungsweise Interaktion mit Küchengeräten zumindest im professionellen Bereich bereits Einzug gehalten hat und sich zukünftig auch im privaten Bereich durchsetzen könnte.
6 Fazit
Gestensteuerung ist in unserem Alltag selbstverständlich geworden. So besitzt ein Großteil von Mobiltelefonen aber auch fast jeder Fahrkartenautomat einen Touchscreen, welcher mit Hilfe von Zeige-Gesten bedient werden kann. Doch auch Tablet-PCs, die sich ausschließlich auf die Steuerung mittels Touchscreen beschränken, drängen, unter anderem auch durch den Erfolg des Apple Ipads, mehr und mehr auf den Markt. Zusätzlich zu dieser bereits bewährten und ausgereiften Technik, entwickelt die Industrie immer mehr Systeme, mit denen anhand von berührungsloser Gestensteuerung interagiert werden kann. Es wird sich zeigen müssen, inwieweit sich solche Systeme in welchen der vielfältigen Einsatzgebieten durchsetzen werden. Zwar gibt es bereits einige Anwendungsmöglichkeiten, wie der Einsatz von Bildschirmen in einem Operationssaal, die sich berührungslos und damit hygienisch steuern lassen, oder Microsofts Kinect im privaten Spielekonsolen-Markt, doch es wird sich zeigen müssen, ob sich die, gerade bei der Einführung einer neuen Technologie bestehenden, technischen Schwierigkeiten soweit verringern lassen, dass eine intuitive und natürliche Art der Steuerung, die ein Touchscreen bereits bietet, ermöglicht werden kann.
7 Fußnoten
- ↑ vgl. Langenscheidts Schulwörterbuch Latein 1998
- ↑ Kendon (2004) in Hofemann (2006), Seite 14
- ↑ Nöth (2000) in Hofemann (2007), Seite 14
- ↑ vgl. Sony (2010)
- ↑ vgl. Sony (2009_a)
- ↑ vgl. Sony (2009)
- ↑ vgl. Nintendo (2006)
- ↑ vgl. Nintendo (2010)
- ↑ vgl. Microsoft (2010)
- ↑ Technology Review (2004), Seite 60
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- ↑ vgl. Sony (2006)
- ↑ c't (2010)
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- ↑ vgl. heise (2010)
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- ↑ Microsoft (2010_a)
- ↑ vgl. PrimeSense (2010)
- ↑ Lesch (2010), S.55
- ↑ Zeilinger (2004), S.187
- ↑ vgl. Zeilinger (2004), S.187
- ↑ tomshardware (2009)
- ↑ Henning (2007), S. 222
- ↑ Hansen/Neumann (2002), S. 861
- ↑ Hansen/Neumann (2002), S. 862
- ↑ c't (2002)
- ↑ vgl. Linuxuser (2005)
- ↑ vgl. golem (2010)
- ↑ golem (2010)
- ↑ iPhone Gesten (2010)
- ↑ macnews (2010)
- ↑ 32,0 32,1 Hansen/Neumann (2002), S. 858
- ↑ golem (2005)
- ↑ vgl. golem (2005)
- ↑ vgl. golem (2009)
- ↑ vgl. pc welt (2010_a)
- ↑ vgl. pc welt (2010)
- ↑ pc welt (2010)
- ↑ vgl. golem (2010_a)
- ↑ vgl. focus (2009)
- ↑ vgl. heise (2010_a)
- ↑ heise (2010_d)
- ↑ tastaturen.com (2010)
- ↑ 44,0 44,1 44,2 44,3 44,4 44,5 44,6 44,7 44,8 44,9 c't (2000), Seite 116
- ↑ pc welt (2010_a)
- ↑ golem (2010_a)
- ↑ vgl. Fraunhofer HHI (2009)
- ↑ vgl. Physics and Media Group MIT Media Laboratory (1998)
- ↑ 49,0 49,1 vgl. Mirjam Kaplow M.A (2010)
- ↑ 50,0 50,1 Mirjam Kaplow M.A (2010)
- ↑ vgl. Nintendo (2010_b)
- ↑ vgl. Hellige 2008, S. 299
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9 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung | Quelle |
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| 1 | Wiimote: Dimensionen der Bewegungserkennung | http://jornadas.cafelug.org.ar/8/es/filminas/tercer%20dia/Experimentando%20con%20un%20wii%20remote%20en%20Linux/imagenes/pry-wiimote.gif (08.07.2010 20:00) |
| 2 | Primesense Technology | http://www.primesense.com/files/FMF_2.PDF (08.07.2010 20:01) |
| 3 | Unterschiedliche Gesten am Beispiel eines Touchpads der Firma Synopsis | http://www.golem.de/1004/74606.html (08.07.2010 20:02) |
| 4 | Gesture Cube | http://www.golem.de/showhigh2.php?file=/1002/72888.html&wort[]=gesture&wort[]=cube (08.07.2010 20:05) |
| 5 | Resistive Touchscreen Technik | c't (2000), Seite 116 |
| 6 | Kapazitive Touchscreen Technik | http://www.tci.de/typo3temp/c5a508977b.gif (09.07.2010 14:27) |
| 7 | Aufbau eines Datenhandschuhs | http://schaugg.hdm-stuttgart.de/mj/pages/03ss/as45/Dataglove.gif (09.07.2010 16:57) |
| 8 | Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn | http://www.reiseberichte.bplaced.net/auto-bahn-bus/deutsche-bahn-rail-and-fly-e-ticket-fahrkarten-automat.html (08.07.2010 20:22) |

