Leistungsvergleich Präsentation MS-Office, Google Docs und Open Office

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Name des Autors / der Autoren: Uwe Jungfer
Titel der Arbeit: Leistungsvergleich Präsentation MS-Office, Google Docs und Open Office
Hochschule und Studienort: FOM München


Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung

Die Vielzahl an Software, die heute den Anwendern zur Verfügung steht, ist positiv zu bewerten. Erlaubt es doch den Anwendern eine geeignete Software für ihren Bedarf als Standardprodukt zu erwerben. Auf der anderen Seite steht der Anwender aber auch vor der Qual der Wahl. Welches Produkt mit welchen Funktionalitäten und Leistungen passt am besten? Die Auswahl muss bzw. sollte nicht auf die finanziellen Aspekte (Lizenzkosten, etwaiger Implementierungsaufwand, Kosten für zusätzliche Hardware) reduziert werden. Insbesondere bei Bürosoftwareprogrammen fallen neben Lizenzkosten kaum noch andere Faktoren ins Gewicht. Office-Suiten sind weitgehend standardisiert und zumindest in den grundlegenden Funktionen vergleichbar. Kosten für Implementierung und Hardware können oftmals vernachlässigt werden. Stellt sich die Frage, welche Leistungskriterien bleiben für die Differenzierung übrig und wie kann man auf deren Grundlage einen begründbare und nachvollziehbare Entscheidung treffen.

In dieser Arbeit wird ein Vergleich der Präsentationsanwendungen MS Office PowerPoint 2007, Open Office 3.0 (Impress) und Google Docs (Beta) vorgenommen. Diese Programme sind alle Teil eines Bürosoftware-Pakets (Office-Suite)und werden im Regelfall als Präsentationsprogramm neben den im Paket ebenfalls verfügbaren Programmen zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation usw. verwendet. Den weitesten Verbreitungsgrad hat hier PowerPoint als Teil der Microsoft Office Suite[1]. Google Docs ist ein relativ neues Angebot.

Unter Heranziehung einer nicht-monetären Bewertungsmethode (Nutzwertanalyse) sollen hier qualitative, fachliche Kriterien für die Auswahl herangezogen werden. Für die Einführung einer Software zur Erstellung und Bearbeitung von Präsentationen können kaum bzw. nur schwerlich Aussagen über Kosteneinsparungen bzw. Umsatzsteigerungen getroffen werden können, so dass eine rein monetäre Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wenig sinnvoll ist[2]. Die Nutzwertanalyse erlaubt eine systematische Analyse zur rationalen Entscheidungsfindung, insbesondere wenn mehrere Zielkriterien vorliegen.

Zunächst wird die Methode der Nutzwertanalyse kurz vorgestellt, und einer kurzen kritischen Bewertung unterzogen. Anschließend werden die Bewertungskriterien für eine Software zur Bearbeitung und Erstellung von Präsentationen ermittelt und diskutiert. Schließlich werden die Zielerreichungsfaktoren für die jeweiligen Entscheidungsalternativen bestimmt sowie die Nutzwerte für die jeweiligen Alternativen ermittelt und das Ergebnis bewertet. In einem Fazit am Schluss der Arbeit wird nochmals das Vorgehen rekapituliert und die Ergebnisse zusammengefasst.

2 Aufbau und Anwendung einer Nutzwertanalyse

2.1 Methode der Nutzwertanalyse

Die Nutzwertanalyse ist eine "Analyse einer Menge komplexer Handlungsalternativen mit dem Zweck, die Elemente dieser Menge entsprechend den Präferenzen des Entscheidungsträgers bezüglich eines multidimensionalen Zielsystems zu ordnen. Die Abbildung dieser Ordnung erfolgt durch Angabe der Nutzwerte (Gesamtwerte) der Alternativen"[3].

Ziel der Nutzwertanalyse ist es, den Nutzen der verschiedenen Entscheidungsalternativen im Vergleich darzustellen und zu bewerten. Dabei muss man zunächst die vorliegenden Alternativen, die zur Entscheidung stehen, bestimmen.

In einem zweiten Schritt werden die Bewertungskriterien ermittelt, die für die Entscheidung relevant sind. Die Bewertungskriterien sollten genau beschrieben und untergegliederte Aspekte sollten im jeweiligen Kriterium beinhaltet sein. Sie sollten desweiteren unabhängig von den anderen Kriterien sein, d.h. keine Interdependenzen aufzeigen. Außerdem sollte man nicht zu viele Bewertungskriterien festlegen, da dies zu einem hohen Arbeitsaufwand führt, zu Lasten der Transparenz des Entscheidungsprozesses mittels der Nutzwertanalyse geht, und man Gefahr läuft, die Ergebnisse zu verzerren. Je mehr Bewertungskriterien einfließen, desto geringer sind die Unterschiede bei der Gewichtung der einzelnen Kriterien, wodurch die Unterschiede in der Wichtigkeit der einzelnen Bewertungskriterien verschwimmen können. Es sollten nicht weniger als 3 und nicht mehr als 10 Kriterien berücksichtigt werden.

Die Bewertungskriterien werden anschließend paarweise verglichen und eine Aussage darüber getroffen, welches Bewertungskriterium jeweils wichtiger, gleich wichtig oder weniger wichtig ist.

Anschließend werden Zielerreichungsfaktoren anhand der verschiedenen Alternativen festgelegt.

Schlussendlich können Nutzwerte für die verschiedenen Alternativen berechnet werden, in dem man die Zielerreichungsfaktoren mit den jeweiligen Gewichtungsfaktoren für jedes Bewertungskriterium für jede Alternative multipliziert. Die Summe der Produkte ergibt dann den Gesamtnutzwert. Die Alternative mit dem höchsten Gesamtnutzwert bietet sich dann für die Entscheidung an[4].

2.2 Bewertung der Nutzwertanalyse

Ein klarer Vorteil der Nutzwertanalyse ist die Tatsache, dass auch ohne monetäre, quantifizierbare Faktoren zu berücksichtigen, eine Entscheidung unter dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit getroffen werden kann. Bei der Nutzwertanalyse werden aus fachlicher Sicht qualitative Bewertungskriterien ermittelt und verglichen, die den Nutzen der jeweiligen Alternativen bestimmen. Zudem ist die Nutzwertanalyse eine rationale Vorgehensweise zur Entscheidungsfindung. Sie ist transparent und nachvollziehbar und lässt sich an objektiven als auch subjektiven Bewertungskriterien wie Erfahrungen und individuellen Einschätzungen festmachen. Gerade auch das Einfliessen von subjektiven Kriterien lassen den Entscheidungsprozeß auch für nicht an der Entscheidung Beteiligte nachvollziehbar werden. Die qualitativen Kriterien können besondere inhaltliche Anforderungen an die Auswahl stellen, die dann auch nachvollziehbar sind.

Aber die Nutzwertanalyse muss nicht immer zu einer eindeutigen Entscheidung führen. Insbesondere wenn zu viele Bewertungskriterien herangezogen werden oder diese "unscharf", d.h. nicht eindeutig, sind, oder aber untereinander abhängig, kommt es zu weniger eindeutigen bzw. klaren Ergebnissen. Und auch wenn monetäre Faktoren, die ebenfalls entscheidend für Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sind, ausgeblendet werden, sollten diese kosten- oder umsatzorientierten Aspekte bei der endgültigen Entscheidung mit berücksichtigt werden.

3 Ermittlung der Bewertungskriterien

Als Alternativen für die Einführung einer Präsentationssoftware stehen in dieser Arbeit Microsoft Office PowerPoint 2007, Open Office 3.0 (Impress) und Google Docs (Beta) zur Wahl[5]. Bürosoftware (Office-Suiten) ist mittlerweile weitgehend vergleichbar. Viele grundlegende Anforderungen an eine Software für Präsentationen (Erstellung und Ausdruck von Folien, Layout-Möglichkeiten, Textverarbeitung, Verwendung von Graphiken u.v.m.) werden erfüllt. Auch Performance-Aspekte (Ladezeiten der Programme etc.) sind häufig nicht mehr relevant, da die Rechnerleistung immmer besser wird und Programmfehler aufgrund des verbreiteten bzw. langjährigen Einsatzes weitgehend behoben sind. Allein Google Docs als Online-Anwendung kann aufgrund des Anmeldeverfahrens etwas Zeit beanspruchen. Die Performance hängt aber von der individuellen Internetverbindung ab. Wichtig ist es deshalb, diejenigen Aspekte hervorzuheben, bei denen wirklich Leistungsunterschiede zu finden sind.

Anhaltspunkte für relevante Bewertungskriterien bieten hier verschiedene Umfragen bzw. Workshops zur Usability von Präsentationssoftware und den funktionalen Anforderungen an eine Präsentationssoftware[6]. Tabelle 1 zeigt ein Ranking aus einer Umfrage von 2007, bei der Antworten auf die Frage, was Anwendern bei einer Präsentationssoftware fehlt, gegeben wurden. Die Antworten wurden zu den zentralen Aspekten ausgewertet und nach Häufigkeit der Nennung (in Prozent) gegliedert.

Kategorien Prozent
Einfache Bedienung 17,1
Nichts/Zufrieden 12,4
Bessere Kompatibilität 10,2
Bessere Graphiken 7,2
Referententools 6,6
Importmöglichkeiten 6,0
Besseres Layout 5,6
Formatvorlagen 5,0
Bessere Animation 4,8
Bessere Textverarbeitung 3,6
Sprachsteuerung 3,0
Einträge während Vortrag 3,0
Exportmöglichkeiten 2,8
Bessere Hilfe 2,0
Geringere Dateigröße 1,8
Navigation Folien 1,6
Handoutgestaltung 1,2
Internetanbindung 1,2
Zeitersparnis 1,2
Sonstiges 4,0

Tabelle 1: Qualitative Auswertung einer Umfrage: Was fehlt Ihnen bei einer Präsentationssoftware[7]?

Einige der genannten Aspekte lassen sich zusammenfassen, andere werden für den hier vorgenommenen Vergleich nicht weiter berücksichtigt. In dieser Arbeit werden folgende Bewertungskriterien definiert:

  1. Bedienbarkeit: Die Software sollte sich durch eine einfache Handhabung durch den Anwender auszeichnen. Sie sollte weitgehend selbsterklärend sein bzw. leicht erlernbar. Eine übersichtliche und klare Struktur der Programme sind in diesen Punkten hilfreich. Bei Bedarf an Hilfe sollten entsprechende Direkthilfen zur Verfügung stehen, sowie eine ausführliche Dokumentation.
  2. Import-Export-Möglichkeiten: Unterschiedliche Dateiformate sollten importiert und die Präsentation in unterschiedlichen Dateiformaten exportiert werden können.
  3. Vorlagen: Die Software sollte vielfältige Vorlagen für Präsentationen haben (zum Beispiel für Themen wie Finanzen, Projektplanungen etc.), verschiedene Layout-Vorschläge bieten, sinnvolle Graphiken anbieten, Übergangseffekte zur Auswahl geben u.v.m.
  4. Multimedia: Videos (z.B. auch Live-Videos), Fotos, Musik, und Spezialeffekte (z.B. 360 Grad Objekte) sollten integrierbar sein.
  5. Kompatibilität: Die Software sollten mit allen Programmversionen kompatibel sein und auch auf unterschiedlichen Betriebssystemen laufen.
  6. Kollaboration: Gemeinsames Arbeiten an Präsentationen sollte möglich sein. Möglichst einfach und möglicht zeitgleich.
  7. Datensicherheit: Vertrauliche Daten sollten auch weitestgehend sicher vor dem Zugriff anderer Personen sein, sowie sicher gespeichert werden können. Digitale Signaturen sollten die Authentizität des Autors sicherstellen können.

Diese Bewertungskriterien können zur Bewertung bzw. Prüfung der verschiedenen Programme für Präsentationen herangezogen werden.

4 Ermittlung der Gewichtungsfaktoren

Um die Gewichtungsfaktoren ermitteln zu können, müssen die Bewertungskriterien paarweise verglichen werden. Tabelle 2 zeigt das Ergebnis des Vergleichs. Die Bewertungszahl 2 wird vergeben, wenn das Kriterium Zeile wichtiger ist als das Kriterium Spalte. Die Bewertungszahl 0 wird vergeben, wenn Das Kriterium in der Spalte wichtiger ist als das Kriterium in der Zeile. Die Bewertungszahl 1 wird vergeben, wenn beide gleich wichtig sind. Die Zeilensummen werden anschließend gewichtet und ergeben damit den Gewichtungsfaktor für das jeweilige Bewertungskriterium. Der Gewichtungsfaktor gilt dann für alle zur Entscheidung stehenden Alternativen bei der Nutzwertbetrachtung.


Bewertungskriterien (1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) Summe Gewichtung
Bedienbarkeit (1) x 2 2 2 2 2 1 11 0,262
Import-/Exportmöglichkeiten (2) 0 x 1 2 1 2 0 6 0,143
Vorlagen (3) 0 1 x 1 0 1 0 3 0,071
Multimedia (4) 0 0 1 x 0 0 0 1 0,024
Kompatibilität (5) 0 1 2 2 x 2 1 8 0,190
Kollaboration (6) 0 0 1 2 0 x 0 3 0,071
Datensicherheit (7) 1 2 2 2 1 2 x 10 0,238
                42 1,000

Tabelle 2: Ermittlung der Gewichtungsfaktoren

Für den Leistungsvergleich stellt sich heraus, dass ein zentraler Usability-Aspekt[8], nämlich die Bedienbarkeit definiert als möglichst intuitiv oder zumindest leicht erlernbar, von größter Bedeutung ist. Dicht gefolgt von der Datensicherheit. Die Auswahl an Vorlagen und das Vorhandensein an Multimedia-Effekten befinden sich am Schluss der Bewertungsskala. Das ist nicht weiter verwunderlich, da die Import- Export-Möglichkeiten dem Anwender auch ein gewisse Unabhängigkeit von den Funktionalitäten der Software bieten könnte. Diskutieren könnte man über die Bewertung der Kollaboration, da diese aus Anwendersicht heute nicht unbedingt im Vordergrund steht, wohl aber aus Managementsicht einen höheren Stellenwert bekommen könnte.

5 Ermittlung der Zielereichungsfaktoren

Anhand der Bewertungskriterien wird nun in einem weiteren Schritt der jeweilige Zielerreichungsfaktor anhand der Bewertungskriterien für die jeweilige Alternative ermittelt. Hier bietet sich eine Bewertungsskala von 1(schlecht) bis 5 (sehr gut) an, um eine differenzierte Einschätzung für die jeweiligen Alternativen zu bieten, gleichzeitig aber auch eine klare Differenzierung der Bewertungen zu ermöglichen. Die Diskussion der Zielerreichung der jeweiligen Alternativen anhand der Bewertungskriterien sollte in einer Arbeitsgruppe bzw. Projektgruppe erfolgen, um eine möglichst objektive Bewertung der einzelnen, meist subjektiven Entscheidungen zu bekommen.


Bewertungskriterien PowerPoint Impress GoogleDocs
Bedienbarkeit 3 3 5
Import-/Exportmöglichkeiten 4 4 3
Vorlagen 5 4 2
Multimedia 4 4 3
Kompatibilität 5 4 3
Kollaboration 3 3 5
Datensicherheit 4 4 1

Tabelle 3: Ermittlung der Zielerreichungsfaktoren

Auffällig ist hier die klare Dominanz von Google Docs bei den Kriterien Bedienbarkeit und Kollaboration. Google Docs bietet einen intutiven Zugang bei der Bedienbarkeit, was vor allem auch in dem Fehlen einer Vielzahl an Teilfunktionen ablesbar ist und damit den Anwender nicht mit zahlreichen Optionen und diversen Unterpunkten im Menü belastet[9]. Zudem ist es im Bereich Kollaboration führend, da es als reine Online-Anwendung ein gleichzeitiges Bearbeiten von Präsentationen ermöglicht und die Anwender auch über eine Messenger-Funktion zur parallelen Kommunikation einlädt. Google Docs schneidet als Online-Anwendung am schlechtesten bei der Datensicherheit ab, so dass man bei vertraulichen Daten unter diesem Aspekt eher auf die Anwendung verzichten sollte. Die führende Position von PowerPoint bei der Kompatibilität liegt v.a. darin begründet, dass die Microsoft Office Suite den mit Abstand weitesten Verbreitungsgrad hat und am längsten auf dem Markt ist.

6 Berechnung der Nutzwerte

Für die Berechnung der Nutzwerte der jeweiligen Alternativen werden nun für jede Alternative anhand der Bewertungsfaktoren die Gewichtungsfaktoren mit den Zielerreichungsfaktoren multipliziert. Das Produkt ist der jeweilige Teilnutzwert, den die Alternative bei den einzelnen Bewertungskriterien hat. Die Summe der Teilnutzwerte ergibt den Gesamtnutzwert für die Alternative. Der höchste Gesamtnutzwert wäre aufgrund der Nutzwertanalyse die geeignete Alternative.

    PowerPoint
Bewertungskriterien Gewichtungsfaktoren Zielerreichungsfaktoren Teilnutzwert
Bedienbarkeit 0,262 3 0,786
Import-/Exportmöglichkeiten 0,143 4 0,571
Vorlagen 0,071 5 0,357
Multimedia 0,024 4 0,095
Kompatibilität 0,190 5 0,952
Kollaboration 0,071 3 0,214
Datensicherheit 0,238 4 0,952
Gesamtnutzwert     3,929

Tabelle 4: Nutzwertberechnung für die Alternative PowerPoint

PowerPoint zeichnet sich hier vor allem aufgrund der guten Teilnutzwerte bei der Kompatibilität und Datensicherheit aus, aber auch bei der Bedienbarkeit. Hier kann PowerPoint die relativ lange Erfahrung auf dem Markt als Präsentationssoftware nutzen.

    Impress
Bewertungskriterien Gewichtungsfaktoren Zielerreichungsfaktoren Teilnutzwert
Bedienbarkeit 0,262 3 0,786
Import-/Exportmöglichkeiten 0,143 4 0,571
Vorlagen 0,071 4 0,286
Multimedia 0,024 4 0,095
Kompatibilität 0,190 4 0,762
Kollaboration 0,071 3 0,214
Datensicherheit 0,238 4 0,952
Gesamtnutzwert   3,667

Tabelle 5: Nutzwertberechnung für die Alternative Impress

Impress kann ebenfalls bei den Kriterien Datensicherheit und Kompatibilität mit vergleichsweise guten Teilnutzwerten punkten, wenngleich etwas schlechter bei der Kompatibilität aufgrund des geringeren Verbreitungsgrades. Auch bei dem Kriterium Vorlagen hat Impress weniger zu bieten als PowerPoint. Hinsichtlich der Bedienbarkeit schneiden PowerPoint und Impress gleich ab.

    GoogleDocs
Bewertungskriterien Gewichtungsfaktoren Zielerreichungsfaktoren Teilnutzwert
Bedienbarkeit 0,262 5 1,310
Import-/Exportmöglichkeiten 0,143 3 0,429
Vorlagen 0,071 2 0,143
Multimedia 0,024 3 0,071
Kompatibilität 0,190 3 0,571
Kollaboration 0,071 5 0,357
Datensicherheit 0,238 1 0,238
Gesamtnutzwert     3,119

Tabelle 6: Nutzwertberechnung für die Alternative Google Docs

Google Docs hat ein sehr gutes Ergebnis bei dem Kriterium Bedienbarkeit, welches bei der Gewichtung das wichtigste Kriterium ist. Die gute Position von Google Docs bei dem Kriterium der Kollaboration schlägt sich nicht so sehr beim Teilnutzwert wieder, aufgrund der vergleichsweise geringen Gewichtung dieses Kriteriums in der Gesamtbetrachtung.


Rangfolge
1. PowerPoint 3,929
2. Impress 3,667
3. Google Docs 3,119

Tabelle 7: Rangfolge der Nutzwertbetrachtung


Im Ergebnis erzielt PowerPoint den höchsten Gesamtnutzwert (siehe Tabelle 7). Aufgrund der Marktverbreitung und der langjährigen Erfahrung in der Programmentwicklung ist es bei wichtigen Kriterien wie der Kompatibilität und Bedienbarkeit und vor allem beim Funktionsumfang im Vorteil. Im Hinblick auf die Datensicherheit ist es als auf dem Rechner bzw. in sicherer Umgebung installiertes Programm mit Impress gleich zu bewerten. Impress hat aber geringere Teilnutzwerte bei der Kompatibilität und aufgrund der geringeren Anzahl an Vorlagen auch in diesem Punkt einen geringeren Nutzwert. Google Docs kann die guten Ergebnisse bei der Bedienbarkeit und Kollaboration nicht aufgrund der vergleichsweise schlechten Teilnutzwerte bei den anderen Bewertungskriterien halten. Als Konsequenz aus der hier vorgenommenen Nutzwertanalyse fällt die Entscheidung für PowerPoint.

7 Fazit

PowerPoint erzielt den höchsten Gesamtnutzwert. Dies ist einerseits in der bereits erwähnten starken Marktposition und damit dem Verbreitungsgrad der Microsoft Office Suite, andererseits auch in dem vergleichsweise umfangreichen Angebot an Funktionalitäten begründet[10]. Dennoch überrascht es ein wenig, wie nah die Nutzwerte beieinander liegen. Das Impress aus der Open Office Suite hinter Microsofts PowerPoint liegt ist demnach vor allem im geringeren Verbreitungsgrad als auch ein wenig im geringeren Umfang an Vorlagen begründet. Google Docs Vorteile hinsichtlich Bedienbarkeit und Kollaboration können nicht die Nachteile vor allem hinsichtlich der Datensicherheit und Funktionalitäten (Vorlagen, Multimedia) wettmachen[11].

Dennoch muss hier kritisch angemerkt werden, dass im Hinblick auf die Funktionalitäten, die beide unterlegenen Programme hier in naher Zukunft aufholen können. Zudem können künftig Bewertungskriterien wie beispielsweise Kollaboration in den Vordergrund treten (mit anderen Worten: höher gewichtet werden), so dass künftig auch ein höherer Gesamtnutzwert für die eine oder andere unterlegene Alternative möglich ist. Gerade hinsichtlich der Kollaboration könnten künftig einige grundsätzliche Kritiken an Softwareprogrammen für Präsentationen begegnet werden[12]. Es kann davon ausgegangen werden, dass mit zunehmenden Kollabortionsmöglichkeiten, eine kreativerer Umgang mit den verschiedenen Präsentationsprogrammen möglich wird, der die "starren" Vorgaben der Programme zur Gestaltung und Präsentation etwas relativiert. Microsoft hat auch diese Zeichen bereits erkannt und mit Microsoft Office Workspace Beta (auch "Office Live" genannt) ein neues Softwareangebot lanciert, um auf dem Markt für mobile Anwendungen vertreten zu sein. Es ist ebenfalls wie Google Docs und Impress kostenlos erhältlich, hat einen deutlich geringeren Funktionsumfang und zielt hauptsächlich darauf, auch im Bereich der mobilen Anwendungen eine Alternative zu bieten[13].

Abschließend muss an dieser Stelle nochmals auf die monetäre Betrachtung eingegangen werden. PowerPoint hat in dieser Untersuchung den größten Gesamtnutzwert, ist aber gleichzeitig die einzige Software unter den Alternativen, für die Lizenzkosten gezahlt werden müssen. Unter Berücksichtigung dieses Aspektes relativiert sich das Ergebnis und lässt eine Entscheidung zwischen PowerPoint und Impress sicherlich noch knapper ausfallen.

8 Fußnoten

  1. Der Verbeitungsgrad kann auf etwa 90% aller Anwender geschätzt werden (siehe Winkelmann (2007), S. 27). Bei einer Umfrage über Präsentationssoftware aus dem Jahr 2007 haben sich 82,8% als PowerPoint-Anwender bezeichnet (siehe Thielsch, M. et.al. (2007), S. 4)
  2. Methoden der monetären Wirtschaftlichkeitsrechnung sind z.B. die Kapitalwertmethode, Interner Zinsfuß, Annuitätenmethode (vgl. Däumler (1992)), aber auch die Return-on-Investment Berechnung oder das Konzept der Total Cost of Ownership
  3. vgl. Zangemeister, C. (1970), S. 45
  4. vgl. hierzu die sehr praxisorientierte Beschreibung der Vorgehensweise von Niklas, C. (2002) und die mathematisch orientierte Beschreibung von Dinkelbach, W. (2006).
  5. Die Programme PowerPoint (vgl. Fahnenstich,F. et.al. (2008) und Muir, C. (2007)) und Open Office (vgl. Assisi, R. (2006)) sind relativ gut dokumentiert, bei Google Docs bleibt allein die Beschäftigung mit dem Programm.
  6. vgl. Thielsch, M. et.al. (2007)und Thielsch, M. et.al. (2006))
  7. siehe Thielsch, M. et.al. (2007), S. 6
  8. vgl. Thielsch (2006), S. 92 ff.
  9. vgl. Humpa, M. (2008)
  10. vgl. Humpa, M. (2008)
  11. vgl. den Vergleich der Office-Suiten für MAC-User von Bindel, R. (2008)
  12. vgl. Parker, I. (2001) und House, R. et.al. (2005)
  13. vgl. Sangani, K. (2008)

9 Tabellenverzeichnis

Tabelle Nr.Quelle
1Qualitative Auswertung einer Umfrage: Was fehlt Ihnen bei einer Präsentationssoftware?
2Ermittlung der Gewichtungsfaktoren
3Ermittlung der Zielerreichungsfaktoren
4Nutzwertberechnung für die Alternative PowerPoint
5Nutzwertberechnung für die Alternative Impress
6Nutzwertberechnung für die Alternative GoogleDocs
7Rangfolge der Nutzwertbetrachtung

10 Literatur- und Quellenverzeichnis

Assisi, R. (2006): Open Office.Org 2, München/Wien 2006

Bindel, R. (2008): Büro-Pakete zwischen Komfort und Kompatibilität, in: MAC LIFE Nr. 4/2008, S. 58-64 (www.ragtime-online.nl/downloads/rt6/OfficePaketeMacLife.pdf) Stand: 23.01.2009

Däumler, K.D. (1992): Grundlagen der Investitions- und Wirtschaftlichkeitsrechnung, Herne/Berlin 1992, 7. vollst. überarb. Auflage

Dinkelbach, W. (2006): Nutzwertanalyse, in: Wirtschaftslexikon, Handelsblatt (Hg.),S. 4080-4084, Stuttgart 2006

Fahnenstich, F./Haselier, R.G. (2008): Microsoft Office PowerPoint 2007, Unterschleißheim 2008

House, R./Watt, A./Williams, J. (2005): Work in Progress - What is PowerPoint? Educating Engineering Students in Its Use and Abuse, in: 35th ASEE/IEEE Frontiers in Education Conference, S. 15-16, IEEE, New Jersey 2005

Humpa, M. (2008): Präsentieren ohne Microsoft, in: CHIP Magazin (http://www.chip.de/artikel/Die-besten-PowerPoint-Alternativen-zum-Download_32291633.html) Stand: 23.01.2009

Niklas, C. (2002): Mehr Entscheidungssicherheit mit der Nutzwertanalyse, in: Projektmagazin Nr. 23, 2002 (http://www.projektmagazin.de/magazin/abo/artikel/2002/2302-5.html)Stand: 23.01.2009

Muir, N. (2007): PowerPoint 2007 auf einen Blick, Unterschleißheim 2007

Parker, I. (2001): Absolute PowerPoint: Can a software package edit our thouhts?, in. The New Yorker, 2001, May 28, Pg. 76

Sangani, K. (2008): Separated At Birth, in: Engineering & Technology, 2008, 21 June – 4 July

Thielsch, M.T./Förster, N. (2007): Präsentationssoftware: Nutzung und funktionale Anforderungen, (http://www.thielsch.org/download/thielsch_2007.pdf) Stand: 23.01.2009

Thielsch, M.T./Nikolaeva, N./Förster, N. (2006): Usability von Präsentationssoftware, (http://www.thielsch.org/download/thielsch_2006.pdf) Stand: 23.01.2009

Winkelmann, A. (2007): Alltagstauglichkeit von Office-Lösungen – ein Vorgehensmodell zur Auswahl einer Office-Lösung angewendet am Beispiel eines internationalen Logistikunternehmens, (http://ibis.in.tum.de/mkwi08/01_Alltagstauglichkeit_von_Anwendungssystemen_und_Infrastrukturen/03_Winkelmann.pdf) Stand:23.01.2009

Zangemeister, C. (1970): Nutzwertanalyse in der Systemtechnik-Eine Methodik zur multidimensionalen Bewertung und Auswahl von Projektalternativen, München 1970

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