Leistungsvergleich Typo3 und Joomla
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Fallstudienarbeit | |
| Hochschule: | Hochschule für Oekonomie & Management |
| Standort: | Hamburg |
| Studiengang: | Bachelor Wirtschaftsinformatik |
| Veranstaltung: | Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten |
| Betreuer: | Prof._Dr._Uwe_Kern |
| Typ: | Fallstudienarbeit |
| Themengebiet: | Content Management Systeme |
| Autor(en): | Thorsten Plickert, Sheila Probst, Evangelia Bremer |
| Studienzeitmodell: | Tagesstudium |
| Semesterbezeichnung: | |
| Studiensemester: | 4 |
| Bearbeitungsstatus: | begutachtet |
| Prüfungstermin: | |
| Abgabetermin: | |
1 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung
| Begriff
|
|---|---|
| ACL | Access Control List |
| CMS | Content Management System |
| CSS | Cascading Style Sheets |
| DNS | Domain Name System |
| HTML | Hypertext Markup Language |
| RTE | Rich Text Editor (Texteditor zur Bearbeitung von Dateien oder Texten) |
| WWW | Worldwide Web |
| WYSIWYG | Akronym für das Prinzip "What you see is what you get" ("Was du siehst, ist [das], was du bekommst.") |
2 Abbildungsverzeichnis
| Abbildung
| Beschreibung
|
|---|---|
| 1 | TYPO3 Designvorlage |
| 2 | TYPO3 Texteditor htmlAreaRTE Allgemein |
| 3 | TYPO3 Texteditor htmlAreaRTE Texteingabe |
| 4 | Joomla! Texteditor TinyMCE |
| 5 | Joomla! Texteditor TinyMCE erweiterte Ansicht |
| 6 | TYPO3 Versionierung |
3 Tabellenverzeichnis
| Tabelle Nr.
| Beschreibung
|
|---|---|
| 1 | Bewertungsskala |
| 2 | Gewichtung der unter 6.1 definierten Kriterien |
| 3 | Gewichtung Teilergebnis 6.3.1.3 |
| 4 | Gewichtung Teilergebnis 6.3.2.5 |
| 5 | Gewichtung Teilergebnis 6.3.3.4 |
| 6 | Gewichtung Teilergebnis 6.3.4.3 |
| 7 | Gewichtung Teilergebnis 6.3.5.4 |
| 8 | Gewichtung Teilergebnis 6.3.6.4 |
| 9 | Übertrag der Teilergebnisse 6.4.1 |
| 10 | Gesamtergebnis 6.4.2 |
4 Einleitung
4.1 Motivation
Am Markt ist eine Vielzahl von Content Management Systemen erhältlich. Gerade diese Vielzahl macht es einem Anwender schwer die richtige Software zu finden, die seinen Bedarf auch wirklich deckt. Ob für die Firma, eine Institution, einen Verein oder privat - die Einsatzgebiete sind so vielfältig und unterschiedlich wie die CMS-Lösungen selbst.
Grob kann das Angebot in kommerzielle und nicht-kommerzielle Content Management Systeme, sogenannte Open Source-Produkte, unterschieden werden. In der Regel werden die Open Source-Produkte neben einem festen Kernteam von tausenden Freiwilligen und Idealisten weltweit ständig weiter entwickelt, stabiler gemacht oder aber verschwinden aufgrund fehlender Fan-Gemeinde vollkommen vom Markt.
Diese Arbeit soll zwei Top-Performer am CMS-Markt aus dem Open Source-Bereich eingehend untersuchen, gegenüberstellen, die Stärken sowie die Schwächen beleuchten und letztendlich auch bewerten.
4.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
Mit dieser Arbeit werden die Leistungen zweier weit verbreiteter Content Managment Systeme (CMS) auf Basis einer Nutzwertanalyse verglichen: TYPO3 und Joomla!. Es werden die für den Vergleich heranzuziehenden Kriterien definiert und detailliert beschrieben und vom Autorenteam gewichtet und bewertet. Durch die transparente Darstellung der gewichteten Kriterien wird der Leser in die Lage versetzt, die Vor- und Nachteile der beschriebenen CMS-Alternativen zu erkennen. Zudem unterstützt diese Arbeit einen potentiellen Nutzer bei der Wahl des für ihn passenden Content Management Systems.
Die Arbeit ist in vier Teile gegliedert. In der Einleitung werden Motivation, Ziele und Aufbau der Arbeit erläutert. Im zweiten Gliederungspunkt Grundlagen werden Content Management Systeme zunächst im Allgemeinen sowie darauf folgend die zu vergleichenden Systeme TYPO3 und Joomla! vorgestellt. Zudem wird auf die angewandte Methode (Nutzwertanalyse) der Gegenüberstellung eingegangen.
Der Gliederungspunkt Leistungsvergleich ist wiederum in vier Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt beschreibt das Zielsystem der Nutzwertanalyse detailliert mit sämtlichen Vergleichskriterien. Darauf folgt die Gewichtung der einzelnen Kriterien. Der dritte Abschnitt des Leistungsvergleichs beleuchtet und bewertet die Ausprägungen der zu vergleichenden Systeme hinsichtlich der vorher definierten Kriterien. Den vierten Abschnitt bildet eine abschließende Auswertung der Daten.
Eine zusammenfassende Schlussbetrachtung schließt im vierten Teil die Arbeit ab.
5 Grundlagen
5.1 Content Management Systeme
5.1.1 Allgemein
Ein Content Management System, oder kurz CMS, im eigentlichen Wortsinn ist ein Werkzeug zur Verwaltung und Speicherung von Inhalten. Barrie M. North definiert ein CMS als Ansammlung von Skripten, die Inhalte von deren Darstellung trennen. Weiterhin identifiziert er als wesentliche Merkmale die Leichtigkeit mit der dynamische Webseiten sowie Inhalte mithilfe eines CMS generiert und editiert werden können[1].
Die Trennung von Inhalten, Struktur und Design ist in der modernen Webseitengestaltung eines der tragenden Konzepte. Von statischen Seiten, die Inhalte und Darstellungsweise in einer einzigen Datei vereinen, über CSS-basierte Webseiten, die eine Trennung von Inhalten und Design ermöglichen, entwickelten sich mit den Anforderungen an moderne Kommunikation und dem Bedürfnis nach Interaktion und Benutzerorientierung die dynamischen Webseiten. Diese weisen nicht nur eine strikte Trennung von Inhalten und deren Darstellungsform auf, sondern entkoppeln beides zusätzlich von der Webseite an sich[2].
Dies hat den Vorteil, dass die Inhalte dynamisch generiert werden, d.h. in Abhängigkeit der Interaktionen zwischen User und Webseite. Eine Seite mit ihren Inhalten existiert erst bei Seitenaufruf, nämlich genau dann, wenn die Inhalte und die entsprechende Darstellungsweise geladen werden[3]. Der Webseitenbetreiber hat so die Möglichkeit individueller und flexibler auf bestimmte User bzw. Usergruppen einzugehen. Des weiteren ermöglicht die strikte Trennung von Inhalten und Design eine höhere Flexibilität hinsichtlich des Layouts. Bei Anpassungen und Änderungen des optischen Auftritts reicht im Idealfall ein Eingriff an nur einer Stelle, nämlich in der CSS-Datei. Aufwändige manuelle Änderungen werden damit hinfällig.
Einen großen Nachteil dieser Entwicklung stellt jedoch das hohe Maß an Expertenwissen dar, welches die Entwicklung und der Betrieb von dynamischen Webseiten voraussetzen. Genügte es in den Anfangszeiten des WWW einige HTML-Befehle zu kennen und anwenden zu können, ist heute wesentlich tiefergehendes Wissen gefragt. Dies stellt vor allem Unternehmen und Organisationen vor ein Problem, da die Personengruppen, die den Inhalt liefern (Texter, Redakteure), im Normalfall nicht über ein derartiges technologisches Wissen verfügen. Auch wird bei einer umfangreichen Webpräsenz die Menge an Daten und Skripten schnell sehr unübersichtlich. Änderungen oder Ergänzungen des Inhalts werden dadurch häufig sehr aufwändig, die Bearbeitung einer Webseite durch mehrere Teams (Redaktionsteams für einzelne Organisationseinheiten, Entwicklerteams etc.) nahezu unmöglich.
Durch diese Problematik entsteht ein Bedarf für Content Management-Lösungen. Content Management Systeme ermöglichen es dem Benutzer auch weitgehend ohne Kenntnisse über den Aufbau und die Funktionsweise von dynamischen Webseiten eine den aktuellen Anforderungen entsprechende Webpräsenz zu erstellen. Inhalte können in einem CMS direkt über den Browser bearbeitet werden. Hierfür stellen die meisten Systeme Editoren zur Verfügung, so dass der User nur wenig bis gar keinen Quellcode zu Gesicht bekommt. Auch ist es in einem CMS durch das Anlegen von Benutzergruppen möglich, die Inhalte durch ein Team von Redakteuren bearbeiten zu lassen, sowie durch eine Versionsverwaltung zu einem vorherigen Zustand der Seite zurückzukehren. Insgesamt stellt ein CMS somit eine erhebliche Erleichterung für die Entwicklung und Pflege einer Webseite dar.
So ist es wenig verwunderlich, dass der Nutzer am Markt eine breite und wenig überschaubare Auswahl an Systemen angeboten bekommt (laut der Webseite cmsmatrix.org gibt es über 1000 unterschiedliche Produkte)[4]. Diese unterscheiden sich im wesentlichen durch die zur Realisierung genutzte Programmiersprache sowie durch deren spezifische Einsatzmöglichkeiten (z.B. Blogsysteme, Shopsysteme etc.).
Neben kommerziellen Systemen, die durch ein Unternehmen entwickelt und vertrieben werden, existiert auch eine hohe Anzahl an Open Source-Lösungen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Quellcode offengelegt und zur Nutzung freigegeben wird. So ist eine Weiterentwicklung und Verbesserung durch einen größeren Personenkreis möglich. Open Source-Software, die eben diese Merkmale aufweist, ist normalerweise unter der Gnu Public Licence lizensiert, jedoch fällt im Gegensatz zu kommerziellen Produkten generell keine Lizenzgebühr für die Nutzung der Software an[5].
Im Rahmen dieses Vergleiches werden zwei der größten und bekanntesten PHP-basierten Systeme für den Betrieb mittlerer bis größerer Seiten verglichen.
5.1.2 TYPO3
Das Content Management System TYPO3 wurde bereits seit 1997 durch den dänischen Programmierer Kasper Skårhøj entwickelt und drei Jahre später unter der Gnu Public Licence (GPL) als Open Source-Software freigegeben [6]. Diese Beta-Version wurde in den folgenden Jahren durch ein Team von Entwicklern weiterentwickelt, bis 2002 die erste "offizielle" TYPO3 Version 3.0 veröffentlicht wurde[7].
Seit der Erstveröffentlichung wurde das System kontinuierlich und bis 2006 unter der Leitung Skårhøjs weiterentwickelt. Seit der Version 3.5 (Veröffentlichung 2003) ist es möglich über Erweiterungen, sogenannte Extensions, erweiternde Funktionalitäten in das System einzubinden und dieses so modular auf spezifische Bedürfnisse abzustimmen[8]. Des weiteren haben die Nutzer die Möglichkeit das Erscheinungsbild ihrer TYPO3-Seite durch individuelle Templates zu gestalten.
TYPO3 basiert auf der Skriptsprache PHP und verwendet eine MySQL Datenbank. Die Konfiguration der einzelnen Seiten ist durch die TYPO3-eigene Sprache TypoScript definiert. Der Zugriff auf das System erfolgt mithilfe eines Webbrowsers. Dabei wird zwischen Frontend, der eigentlichen Webseitenoberfläche, wie sie auch der User sieht, und Backend, der Administrationsoberfäche, unterschieden[9].
Durch seinen großen Funktionsumfang stellt TYPO3 ein weit verbreitetes und sehr bekanntes Content Management System dar. Das aktuelle Release ist die Version 4.3 (November 2009)[10]. An der Version TYPO3 5.0 wird parallel durch ein eigenes Entwicklerteam gearbeitet[11].
Die Aussagen und Bewertungen dieses Leistungsvergleichs beziehen sich auf die aktuelle Version TYPO3 4.3.
5.1.3 Joomla!
Das Content Management System Joomla! wurde erstmals im Jahre 2005 unter diesem Namen veröffentlicht. Es basiert auf dem CMS Mambo, welches durch das australische Unternehmen Miro International seit 2000 entwickelt und als Open Source veröffentlicht wurde. Durch eine Entwicklergemeinschaft wurde das Projekt in den Folgejahren weiter vorangetrieben bis 2005 die Abspaltung der Community von Miro International erfolgte und auf Basis der Mambo-Version 4.5.2.3 Joomla! entwickelt wurde.
Joomla! ist ebenso wie TYPO3 in PHP entwickelt und verwendet eine MySQL Datenbank. Es ist unter der Gnu Public Licence veröffentlicht. Auch bietet es dem Nutzer Möglichkeiten erweiternde Funktionalitäten in das System zu integrieren und das Erscheinungsbild der Seiten durch unterschiedliche Templates anzupassen. Die Bearbeitung der Webseite erfolgt mithilfe eines Browsers. Die Inhalte können sowohl über das Frontend als auch über das Backend angepasst werden.
Joomla! ist neben TYPO3 eines der bekanntesten Content Management Systeme. Stand Februar 2005 wurde es von der Webseite joomla.org insgesamt 15 Millionen mal heruntergeladen[12]. Das aktuelle Release ist die Version 1.5 (veröffentlicht 2008) bzw. 1.5.18 (veröffentlicht im November 2009). Eine Betaversion der kommenden Veröffentlichung 1.6 ist seit Mai verfügbar[13].
Die Aussagen und Bewertungen dieses Leistungsvergleichs beziehen sich auf die aktuelle Version Joomla! 1.5.18.
5.2 Vergleichsmethode Nutzwertanalyse
Die Nutzwertanalyse ist eine Methode, mit der die bekannten Eigenschaften verschiedener Alternativen bewertet und miteinander verglichen werden. Die Bewertung erfolgt mehrstufig mit zuvor festgelegten Kriterien.
Zunächst werden die zu bewertenden Eigenschaften festgelegt und erhalten, ihrer Wichtigkeit entsprechend, eine prozentuale Gewichtung. In Summe ergeben alle Kriterien 100 Prozent. Anschließend werden für jedes Kriterium Unterpunkte definiert, die wiederum prozentual gewichtet und mit Punkten bewertet werden. Alle Unterpunkte eines Kriteriums ergeben ebenfalls 100 Prozent. Die Berechnung des Nutzwertes erfolgt zum Schluss, indem die erzielten Punkte mit den jeweiligen Prozentsätzen multipliziert werden. Die Alternative mit dem höchsten Ergebnis ist die mit dem höchsten Nutzwert[14].
Diese Bewertungsmethode ist aufgrund der willkürlichen Gewichtung der Eigenschaften und Kriterien eine subjektive Feststellung. Der Leser kann durch Verändern der Gewichtungen die Nutzwertanalyse an seine eigenen Bedürfnisse anpassen und erhält ggf. abweichende Ergebnisse. Somit wird die Nutzwertanalyse für jedermann transparent, nutzbar und aussagekräftig.
6 Leistungsvergleich
6.1 Zielsystem
6.1.1 Installation/Einrichtung
TYPO3 sowie auch Joomla! sind Web-Applikationen, die in Bezug auf Installation und Einrichtung ein anderes Vorgehen verlangen, als dies herkömmliche Desktop-Anwendungen tun.
Wir beleuchten die technischen Voraussetzungen beider CMS in Bezug auf eine lokale Installation als Testumgebung und der Installation auf einem fernen Webserver bzw. Hoster als Produktivumgebung. Ein wichtiges Kriterium des Leistungsvergleichs wird auch sein, inwieweit ein Anwender Zeit und Fachwissen aufbringen muss, um das CMS inklusive der benötigten Serverumgebung zu installieren bzw. einzurichten.
6.1.1.1 Lokale Installation als Testumgebung
Bevor man seinen Webauftritt der breiten Öffentlichkeit präsentiert, sollte zunächst lokal eine Testumgebung eingerichtet werden. Dazu werden von den CMS-Entwicklern bereits fertige Installationspakete angeboten, die abhängig vom eigenen Betriebssystem und des eingesetzten Webservers verwendet werden können.
6.1.1.2 Installation Produktivumgebung
Die Installation der Produktivumgebung weicht vom Aufwand her nicht sonderlich von der Installation der Testumgebung ab. Die Installationspakete sind in i.d.R. sogar dieselben. Lediglich die Umgebung in der installiert wird ist eine völlig andere als bei der lokalen Installation. Auch hier sind wieder bestimmte technische Voraussetzungen zu beachten, auf die in Kap. 6.3 eingegangen wird.
6.1.2 Contentpflege/Inhaltserstellung
Die Erstellung und Gestaltung von Inhalten durch verschiedene Benutzer bilden das Kernstück eines CMS. An dieser Stelle entscheidet sich - zumindest subjektiv für den Benutzer - wie sich das CMS in der Praxis behauptet. Redakteure oder auch Frontend-Benutzer erstellen Beiträge (Seiteninhalte) und integrieren sie. Layout und Gestaltung des Beitrags basieren auf dem Design des Webauftritts und sind somit festgelegt. Redakteuren soll aber ggf. eine individuelle Ausarbeitung bezüglich der Dokumentstruktur und Formatierung (Überschriften, Absatzformate, Hervorhebungen) des Textes ermöglicht werden.
In diesem Abschnitt wird behandelt, in welcher Form, Ausgestaltung und durch welche Benutzer/-gruppen Inhalte erstellt als auch gepflegt werden können und durch welche Tools sie ggf. unterstützt werden.
6.1.2.1 Seitenerstellung
Bevor Inhalte bspw. in Form von Beiträgen erstellt werden können, müssen Seiten hierfür eingerichtet werden. Diese Seiten entsprechen einem HTML-Dokument als Container für die unterschiedlichsten Inhalte. Seiten werden üblicherweise im Vergleich zu Beiträgen in nicht so hoher Anzahl angelegt und sollten auch sinnvoll in die Struktur des Webauftritts integriert werden. Hier empfiehlt sich bereits eine Einschränkung der Benutzerberechtigung, Seiten erstellen zu dürfen. Verschiedene Rollenkonzepte werden umfassend in Abschnitt 6.1.4 behandelt.
Untersucht wird unter diesem Punkt wie die Seitenerstellung in den zu vergleichenden CMS durchgeführt wird und ob es Möglichkeiten gibt, den Zugriff auf bestimmte Funktionen/Module einzuschränken.
6.1.2.2 Beitragserstellung
Beiträge in einem CMS sind gewissermaßen mit Artikeln in einer Zeitschrift vergleichbar. Die Seite repräsentiert das Ressort und der Beitrag einen Artikel innerhalb des Ressorts. Zu untersuchende Punkte der Beitragserstellung sind, wie Beiträge erstellt und bearbeitet werden können und ob wiederum der Zugriff auf diese Funktionalität/dieses Modul eingeschränkt werden kann.
6.1.2.3 Tools (Editoren)
Durch Editoren werden Möglichkeiten zur Erstellung und Bearbeitung von Inhalten zur Verfügung gestellt. Um die Beiträge hinsichtlich ihres Formats bearbeiten als auch strukturieren zu können, sollten einzelne Abschnitte semantisch korrekt bspw. als Überschrift, Absatztext, Gliederungspunkt etc. definiert werden. Dem Autor werden durch das CMS nur die Formatierungs- und Auszeichnungsoptionen angeboten, die definiert, erlaubt sind und vom System verarbeitet werden können. Grundsätzlich ist für die Struktur eines Webdokumentes (Document Object Model) HTML zuständig. In einem CMS übernimmt der Editor die Aufgabe für den Autor, die Formatierungsanweisungen in die entsprechende HTML-Syntax zu übersetzen. Ein WYSIWIG-Editor ermöglicht dem Autor eine Vorschau darauf, wie der Text in der gewählten Formatauswahl dargestellt wird. So zeigt sich während der Arbeit am Beitrag, wie das Endresultat aussehen wird.
Folgende Merkmale sollen zum Vergleich der Editoren herangezogen werden:
- Benutzerfreundlichkeit (Usability)
- Funktionsumfang
- Möglichkeiten der variablen Nutzung: "WYSIWIG Ein- und Ausschalten"
- Möglichkeit Grafiken einzubinden und zu skalieren
6.1.2.4 Versionierung
Ein weiteres Vergleichsmerkmal stellt die Versionierung der Beitragserstellung durch das Backend bzw. Frontend dar. Wenn mehrere Benutzer gleichzeitig an einem Inhalt arbeiten, sollte es Mechanismen geben, die Unstimmigkeiten vermeiden. Unter Umständen können verschiedene Versionen des Inhalts aufbewahrt und somit die Änderungen protokolliert werden, um den Entstehungsprozess transparent zu gestalten[15]. In diesem Zusammenhang soll die Möglichkeit der Protokollierung, Wiederherstellung und Veröffentlichung (finale Version) der erstellten Inhalte überprüft werden.
Ähnlich der Hierarchie innerhalb eines Zeitschriftverlages, können Chefredakteure Themen vorgeben und Redakteure bzw. Autoren diese Themen in Artikeln behandeln. Der Prozess von Erstellung über Abnahme bis Veröffentlichung kann durch das CMS unterstützt werden. So wird hier auch ein kurzer Vergleich gemacht, ob und ggf. in welcher Ausprägung solch eine Workflow-Funktionalität (Workflow-Management) bereitgestellt wird.
6.1.3 Usability
Zur Usability oder Benutzerfreundlichkeit zählt in hohem Maße die Benutzerführung eines Softwareproduktes. Gemäß DIN EN ISO 9241.11 (Ergonomie der Mensch-System-Interaktion) soll ein interaktives System leicht zu erlernen und intuitiv zu benutzen sein sowie zudem eine geringe Fehlerrate aufweisen und die Zufriedenheit des Nutzers sicherstellen[16].
6.1.3.1 Komplexität des Systems
Je intuitiver und weniger komplex die Benutzerführung und übersichtlicher die Oberfläche gestaltet sind, desto einfacher wird es für den User sein sich zurechtzufinden. Dabei spielt auch die Art und Weise wie ein User an das System herangeführt wird eine große Rolle.
Bewertet werden in diesem Punkt im wesentlichen die Gestaltung des Backends, also der Administrationsoberfläche, der jeweiligen Systeme sowie damit verbunden die Benutzerführung.
6.1.3.2 Einarbeitungsaufwand/erforderliches Vorwissen
Dieser Punkt beleuchtet, welcher Kenntnisstand hinsichtlich Programmierung, Aufbau und Design von Webseiten für Benutzer des Systems vorausgesetzt wird.
Da die Erstellung von Webseiten durch ein Content Management System für den Anwender vereinfacht werden soll, tragen zu einer positiven Bewertung die Nutzung gängiger Technologien (z.B. PHP, HTML/CSS) sowie das in der Installation enthaltene "Grundgerüst" aus Templates und Funktionalitäten bei. Ein weiterer Fokus liegt auf den vom System gegebenen Möglichkeiten zur Anpassung, auch für technisch weniger versierte Nutzer.
6.1.3.3 Barrierefreiheit
Als barrierefrei im rechtlichen Sinne bezeichnet man unter anderem Systeme der Informationsverarbeitung oder Kommunikationseinrichtungen, die "für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind"[17]. Übertragen auf die Gestaltung einer Webseite bedeutet dies, dass die Nutzung und das Lesen der Inhalte jedem User unabhängig vom Ausgabegerät (Monitor, Screenreader etc.) möglich sein müssen.
Eine Webseite sollte vor diesem Hintergrund allgemein so strukturiert sein, dass sie beispielsweise auch bei Nutzung eines Screenreaders oder bei einer Navigation über die Tastatur (ohne Maus) uneingeschränkt funktionstüchtig ist. Die Platzierung der Seiteninhalte über Tabellen ist daher zu vermeiden. Bildinhalte oder Links sollten zusätzlich durch Alternativtexte gekennzeichnet sein, so dass sich dem Anwender aus dieser Kennzeichnung der Sinn der Darstellung erschließt. Dies ist auch für nicht eingeschränkte User von Vorteil, wenn beispielsweise ein Bild nicht angezeigt werden kann.
Durch die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV)[18] oder den BIENE-Wettbewerb[19], bei dem jährlich die bestgestaltete barrierefreie Webseite gekürt wird, sind eine Vielzahl von Kriterien festgelegt. Diese komplett zu erfüllen wird in den wenigsten Fällen möglich sein. Die Verwendung von "sauberem", im Sinne von validiertem, Code sollte vor dem Hintergrund der Barrierefreiheit jedoch selbstverständlich sein.
Webseiten mit einem Content Management System barrierefrei zu gestalten ist häufig nur begrenzt möglich, da der Code durch das System automatisch erzeugt wird und durch den Benutzer nicht oder nur sehr begrenzt zu beeinflussen ist. Bewertet wird an diesem Punkt also nicht streng nach Richtlinien der Barrierefreiheit, sondern inwieweit das CMS Voraussetzungen an Barrierefreiheit erfüllt (vom System erzeugter Quellcode) und welche Möglichkeiten dem User geboten werden, die Barrierefreiheit durch Formatierungsmöglichkeiten (Farbgebung, Kennzeichnung von Bildern und Links, Formatierung von Texten, Vergrößern der Schrift bei Bedarf) zu unterstützen.
6.1.4 Rechteverwaltung/-administration
In einem CMS sind je nach Umfang unterschiedlich viele Personen (Benutzer) mit ebenfalls unterschiedlichen und voneinander abweichenden Motivationen beteiligt. Zur Vereinfachung der Rechteverwaltung gilt es, zu identifizieren, welche Benutzer gemäß Ihrer Motivation und Kenntnisse in Benutzergruppen zusammengefasst werden können. Differenziert betrachtet werden in diesem Zusammenhang das Backend (administrativer Bereich) und das Frontend (Weboberfläche). Um die Rechteverwaltung vergleichen zu können, sollten vorerst die Vergleichskriterien definiert werden:
- Berechtigung
- Die Berechtigung (Authorization) ist eine explizite Zulassung, die sich auf einen Benutzer bezieht. Diesem wird mit der Berechtigung die Erlaubnis eingeräumt, bestimmte Dienste zu nutzen und auf bestimmte Datenbestände zugreifen zu können. Die Berechtigung kann personenbezogen sein oder sich auf die Hardware beziehen[20].
- Berechtigungstrategien
- Strategie des expliziten Erlaubens (Benutzer werden nach Neuanlage keinerlei Rechte zugeteilt. Diese muss der Administrator einzeln zuweisen.)
- Strategie des expliziten Verbietens (Benutzer besitzt anfänglich alle Zugriffsrechte. Der Administrator muss daraufhin die Rechte entfernen, die der Benutzer nicht haben darf[21].)
- Berechtigungskonzepte
- Authentifizierung:
- Dem System ist bekannt, wer die Person ist, die gerade mit den Seiten arbeitet. Hierzu wird meistens ein Login benötigt, mit dem sich die Person einmal pro Sitzung anmeldet. Aktionen des Benutzers werden so nachvollziehbar und ermöglichen dem Systemadministrator eine gewisse Kontrolle. Je nach System steht es jedoch unter Umständen einem Besucher frei, sich namentlich oder per Pseudonym anzumelden. Unter dem Aspekt der Sicherheit ist eine reine Authentifizierung folglich ein eher schwacher und ungenügender Schutz.
- Autorisierung:
- Der zweite Schritt nach der Authentifizierung, in dem überprüft wird, ob ein bekannter User auch wirklich die Berechtigung hat, eine Seite zu sehen oder zu bearbeiten. So kann man beispielsweise zwischen lediglich (system-)bekannten Usern, Redakteuren und Administratoren der Seite unterscheiden, die jeweils die für sie reevanten Bereiche sehen und die für ihre Aufgaben wichtigen Aktionen ausführen können. Diese Rechtestruktur kann je nach System relativ differenziert gestaltet sein[22].
6.1.4.1 Benutzergruppen
Unter diesem Punkt wird untersucht, mit welchen Berechtigungen die Benutzer ausgestattet werden können. Es ist zu unterscheiden, auf welche CMS-Bereiche (Backend, Frontend), Ressourcen (Seiten, Beiträge, Systemordner) und in welchem Umfang zugegriffen werden darf. Geprüft werden soll darüber hinaus, inwieweit die Berechtigungsstruktur selbst neu zu erstellen ist bzw. vorgefertigte Varianten (Standard-/Defaultgruppen) eingesetzt werden können und ob diese veränderbar sind.
6.1.4.2 Skalierbarkeit Berechtigungen
- Skalierbarkeit
- Von Skalierbarkeit spricht man in Zusammenhang mit der freien und dynamischen Zuordnung von Bandbreiten und Übertragungsgeschwindigkeiten an den tatsächlichen Bedarf. Durch die Skalierung erreicht man eine hohe Flexibilität in der Anpassung der Übertragungskanäle an die jeweiligen Anwendungen[23].
Frei interpretiert kann man diese Definition der Skalierbarbeit auf die Anforderungen an ein CMS übertragen. Das würde bedeuten, dass bei wachsenden Anforderungen an das CMS entsprechende Anpassungsfähigkeit und Flexibilität durch das System gewährleistet sein müssen. Konkret könnten sich wachsende Anforderungen in Form von wechselnder oder steigender Anzahl der Benutzer, Redakteure oder auch Modul-Administratoren darstellen. Wenn das Konzept der Webpräsenz steht, dann wären rein theoretisch (Anforderungen an die Hardware unberücksichtigt) durch eine hohe Skalierbarkeit einem Wachstum an Inhalt und Benutzern kaum Grenzen gesetzt.
Bewertet werden soll die Flexibilität der Berechtigungsstruktur, ob beispielsweise Zugriffsrechte individuell, für Gruppen oder auch in Kombination verwaltet und vergeben werden können. Anschaulicher wird diese Anforderung wenn man verschiedene Rollenkonzepte modelliert. Für diverse Rollen (Administratoren, Redakteure, Benutzer) unterschiedlicher hierarchischer Abstufung sollen im CMS Benutzergruppen erstellt werden können.
6.1.5 Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit
6.1.5.1 Einbinden/Verfügbarkeit von Erweiterungen
Jedes CMS besteht zunächst einmal aus einem Kernsystem, welches die Grundfunktionen wie Contenterstellung, Rechteverwaltung, Front- und Backend, etc. zur Verfügung stellt. Neben diesem Kern nehmen sogenannte Erweiterungen einen besonderen Stellenwert ein. Erst die Möglichkeit das bestehende System mit weiteren Funktionen anzureichern, die letztlich für einen adäquaten Betrieb unerlässlich sind, macht das CMS praxistauglich. Dabei müssen Erweiterungen nicht immer selbst und immer wieder neu entwickelt werden. Im Gegenteil, am Markt existiert eine Vielzahl von vorgefertigten Erweiterungen verschiedenster Typen, die für alle erdenklichen Anwendungsfelder einsetzbar sind.
Obwohl es sich um Open Source-Produkte handelt, sind Erweiterungen nicht immer gänzlich umsonst. Teilweise verlangt der Autor ein Entgelt oder verbietet das Entfernen bestimmter Werbeinformationen bzw. Internet-Links aus seinen Erweiterungen. Selbstverständlich steht es jedem User frei eigene Erweiterungen zu entwickeln und der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Unter diesem Punkt werden die Verfügbarkeit von Erweiterungen und insbesondere auch das Implementieren von Erweiterungen in einer bestehenden CMS-Umgebung untersucht.
6.1.5.2 Qualitätssicherung von Erweiterungen
Wie es bei Open Source-Systemen üblich ist, kann grundsätzlich erstmal jeder an der Entwicklung des Systems mitarbeiten, Programmcode erstellen, Bugs beheben etc. Genauso verhält es sich mit Erweiterungen: Es existieren Tausende von Modulen, Templates und Plugins, die in mehr oder weniger offiziellen Foren und Webseiten zum Download angeboten werden. Die große Entwicklergemeide, die einerseits die Mächtigkeit von Open Source-Produkten ausmacht, kann in puncto Qualität auch zum Verhängnis werden. Natürlich ist nicht jeder Hobby-Programmierer auch ein guter Programmierer und nicht jedes Programm läuft stabil und fehlerfrei nach der Installation. Besonders den immer wichtiger werdenden Sicherheitsstandards können viele Erweiterungen nicht gerecht werden. Somit können nützliche Erweiterungen, die sogar stabil und fehlerfrei funktionieren, zu einem hohen Sicherheitsrisiko werden, ohne dass der Betreiber einer Webseite davon etwas merkt.
Wir beleuchten die Unterschiede hinsichtlich der Qualitätssicherung von Erweiterungen der beiden Probanden.
6.1.5.3 Multi-Site-Management und Mehrsprachigkeit
Multi-Site-Management bzw. Multi-Domain-Unterstützung beschreibt die Verwaltung mehrerer Webauftritte auf einer zentralen Plattform. Dabei lässt sich Multi-Site-Management in zwei Ausprägungen beobachten: die getrennte Verwaltung mehrerer Websites in einer CMS-Installation und die mehrfache Verwendung von Content über mehrere Domains und den damit verbundenen Webpräsenzen hinweg. Letztere Fähigkeit erlaubt den Datenaustausch zwischen den einzelnen Webseiten in der Form, dass einzelner Content, Seiten oder ganze Seitenbäume kopiert oder über eine Verknüpfung referenziert werden können. Referenzierungen eignen sich besonders dazu, mehrfach vorkommenden Inhalt zu verwalten, da dieser nur an einer Stelle gepflegt und von dort auch dynamisch eingebunden wird[24]. Viele CMS-Experten sehen Multi-Domain-Unterstützung als eines der wichtigsten Features für den professionellen Einsatz von CM-Systemen an.
Eine weitere wichtige Eigenschaft eines CMS ist die Möglichkeit zwischen verschiedenen Sprachen wechseln zu können. Das gilt sowohl für das Backend als auch für das Frontend. Im Backend sind dies i.d.R. nur Systemausgaben, im Frontend betrifft es die tatsächlichen durch die Redakteure erstellten Inhalte. Diese werden bei Bedarf durch Übersetzungstools in andere Sprachen übersetzt. Gerade im professionellen Einsatz darf die Unterstützung der Mehrsprachigkeit heutzutage nicht mehr fehlen.
6.1.6 Zukunftssicherheit/Support
6.1.6.1 Tutorials/Handbücher
Der Punkt Tutorials/Handbücher betrachtet die Möglichkeiten sich durch entsprechende Literatur mit dem Content Management System auseinanderzusetzen.
Tutorials und Handbücher beschreiben die Eigenschaften, den Aufbau und die Funktionalitäten eines Systems meist sehr detailliert und dienen dem Nutzer als Hilfestellung im Umgang mit dem jeweiligen Tool. Dabei dient ein Tutorial normalerweise dem Einstieg in ein bestimmtes Thema oder eine mehr oder weniger komplexe Software. Es bietet dem Benutzer anhand von Beispielen und Aufgaben einen ersten Überblick und eine Anleitung in den grundlegenden Funktionen eines Programms[25]. Weiterführende Tutorials haben häufig einen Fokus auf einen bestimmten Themenbereich, der entsprechend tiefgehend behandelt wird. Handbücher dienen als Wissenssammlung und als Nachschlagewerke und sind daher eher geeignet für erfahrene User[26].
Die Qualität und der Umfang können sehr unterschiedlich sein. So wird einem Einsteiger eine Literatur, welche sich an versierte Webentwickler wendet, wenig nützen. Genauso wird ein fortgeschrittener User Ansprüche bzw. Problemstellungen haben, die ein Einsteigerhandbuch üblicherweise nicht behandelt.
Bewertet wird an dieser Stelle, ob und in welcher Form Literatur zu den jeweiligen Systemen vorhanden ist und wie diese dem User zur Verfügung gestellt wird. Des weiteren fließt in die Betrachtung ein, welchen Nutzen ein User durch die Literatur erwarten kann.
6.1.6.2 Community
Das Kriterium Community beschreibt den Support durch andere erfahrene Nutzer oder auch Entwickler in den entsprechenden Communities.
Die Webseite businessdictionary.com beschreibt den Begriff Community folgendermaßen: "Self-organized network of people with common agenda, cause, or interest, who collaborate by sharing ideas, information, and other resources[27]." Es handelt sich sinngemäß übersetzt also um ein Netzwerk von Menschen mit ähnlichen Interessen und Zielen, die durch das Teilen von Ideen, Informationen und anderen Ressourcen zusammenarbeiten.
Insbesondere bei Open Source-Systemen, die hauptsächlich durch eine Entwicklergemeinschaft oder Community betreut werden, spielt diese Art der Untestützung eine große Rolle. Oftmals können Verbesserungen, Änderungen oder Erweiterungen durch die Vielzahl an Entwicklern schneller vorangetrieben werden als dies bei kommerzieller Software der Fall wäre. Erweiternde Funktionalitäten sind größtenteils modular vorhanden und müssen nicht selbst entwickelt werden, so dass der Wissensaustausch eine große Vereinfachung für den Einzelnen darstellt.
Ein System, das den Rückhalt einer großen und stabilen Community genießt, wird eine verhältnismäßig hohe Zukunftssicherheit aufweisen. Die Entwicklung ist dabei nicht von einer einzigen Person oder einer kleineren Persongruppe abhängig, sondern wird von einer Vielzahl von Entwicklern vorangetrieben.
Bewertet werden die Größe, Verbreitung und Qualität der jeweiligen Community, sowie die Möglichkeiten mit dieser in Kontakt zu treten (Foren, Kontaktseiten, Treffen etc.).
6.1.6.3 Verbreitung des Systems
Unter Verbreitung ist die Nutzungshäufigkeit des Systems zu verstehen (Anzahl/Größe Webseiten, Seiten mit viel/wenig Traffic oder Usern).
Da es schwierig ist, genaue Nutzerzahlen zu ermitteln, muss an dieser Stelle auf Schätzungen zurückgegriffen werden.
6.2 Gewichtung
Die Nutzwertanalyse (s. Kap. 5.2), die in dieser Arbeit als vergleichende Methode herangezogen wird, gliedert sich in 3 Stufen. Diese Stufen ergeben einen Zielbaum aus einem Oberziel, mehreren Unterzielen und zu bewertenden Kriterien. Die Gewichtungen der einzelnen Kriterien eines Unterziels ergeben immer 100 Prozent. Alle Unterziele addiert ergeben wieder 100 Prozent. Daraus ergibt sich das Oberziel. Formuliert heißt das Oberziel: Leistungsvergleich TYPO3 und Joomla!.
Die Unterziele heißen: Installation/Einrichtung, Contentpflege/Inhaltserstellung, Usability, Rechteverwaltung/-administration, Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit, Zukunftssicherheit/Support. Der Aufbau des Ziel- und Kriteriensystems aus Ober- und Unterzielen schafft Transparenz und verhindert, dass gleiche Eigenschaften durch mehrere ähnliche Kriterien beschrieben werden[28].
In dieser Arbeit wird folgende Bewertungsskala verwendet:
| Methode | Wertung |
|---|---|
| Punktskala | 1 = sehr schlecht 10 = sehr gut |
Die folgende Tabelle stellt die Gewichtung der unter 6.1 Zielsystem definierten Kriterien dar.
| Kriterium | Gewichtung |
|---|---|
| Installation/Einrichtung | 10% |
| Lokale Installation als Testumgebung | 40%
|
| Installation Produktivumgebung | 60%
|
| Contentpflege/Inhaltserstellung | 30% |
| Seitenerstellung | 10%
|
| Beitragserstellung | 45%
|
| Tools (Editoren) | 30%
|
| Versionierung | 15%
|
| Usability | 15% |
| Komplexität des Systems | 40%
|
| Einarbeitungsaufwand/erforderliches Vorwissen | 40%
|
| Barrierefreiheit | 20%
|
| Rechteverwaltung/Administration | 15% |
| Benutzergruppen | 40%
|
| Skalierbarkeit Berechtigungen | 60%
|
| Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit | 20% |
| Einbinden/Verfügbarkeit von Erweiterungen | 60%
|
| Qualitätssicherung von Erweiterungen | 20%
|
| Multi-Site-Management und Mehrsprachigkeit | 20%
|
| Zukunftssicherheit/Support | 10% |
| Tutorials/Handbücher | 30%
|
| Community | 50%
|
| Verbreitung des Systems | 20%
|
| Summe | 100% |
6.3 Beschreibung der Alternativen
6.3.1 Installation/Einrichtung
Da TYPO3 und Joomla! im Grunde keine eigenständigen Programme sind, ist es nicht möglich, beispielsweise eine "joomla.exe" bzw. "typo3.exe" auf dem heimischen PC anzuklicken und somit das Programm zu starten. Für den Betrieb eines CMS sind weitere Hilfsprogramme erforderlich. Grundsätzlich wird ein PHP-fähiger Webserver benötigt, auf dem sie betrieben werden können. Der Anwender verwendet einen handelsüblichen Browser, wie z.B. den Internet Exporer oder den Mozilla Firefox, um mit dem CMS arbeiten zu können. Man spricht bei einer solchen Struktur auch von einem Client-Server-System. Dabei werden Dienste von einem zentralen Server (Webserver) angeboten, auf die beliebig viele Arbeitsstationen (Clients mit Browser) zugreifen können. Der Client kann mit dem Server kommunizieren und stellt die eigentliche Benutzeroberfläche zur Verfügung[29].
Letztlich wird neben dem Webserver, dem PHP-Interpreter und dem Browser auch eine Datenbank benötigt, in der beispielsweise der Content, die Rechteverwaltung und Daten zu statistischen Zwecken abgelegt werden. Die Funktion der Datenbank ist schnell erklärt: hat der Webserver eine Seitenanfrage erhalten, gibt er diese an das CMS weiter. Das CMS schaut in der Datenbank nach, welche Inhalte auf der angefragten Seite erscheinen sollen und gibt diese an den Webserver zurück[30].
Joomla! verwendet den in der Praxis weit verbreiteten und quelloffenen Webserver Apache[31]. Aber auch der IIS von Microsoft lässt sich problemlos verwenden. Wichtig ist, dass der Webserver in der Lage ist PHP-Programme auszuführen. Die zweite wichtige Komponente ist die Datenbank. Joomla! verwendet derzeit ausschließlich die Datenbank MySQL ab Version 3.23. Auch diese Datenbank ist kostenlos im Internet erhältlich.
Bei TYPO3 herrschen im Prinzip die gleichen Rahmenbedingungen wie bei Joomla!. Auch hier ist zusätzliche Software erforderlich, um den Betrieb aufnehmen zu können. Auch arbeiten beide Produkte in etwa mit den gleichen Hilfsprogrammen. Z.B. ist der Apache Webserver bei TYPO3 ebenfalls die erste Wahl. Lediglich bei der Datenbankanbindung ist TYPO3 flexibler als Joomla!. Es könnte jede gängige Datenbank verwendet werden.
6.3.1.1 Lokale Installation als Testumgebung
Für eine Testinstallation von Joomla! auf dem lokalen Rechner sind die oben erwähnten Voraussetzungen an Hilfsprogrammen zu berücksichtigen. Glücklicherweise bekommt man im Internet bereits ein fertiges Paket namens XAMPP, bestehend aus einem Apache Webserver, der MySQL-Datenbank dem PHP- und einem Perl-Interpreter. Nach der Installation dieses einen Paktes sind also alle Voraussetzungen getroffen, um Joomla! zu installieren. Auf joomla.org werden drei verschiedene Joomla!-Installationspakete zum Download angeboten. Eins für Windows, zwei für Linux. Nach Installation der Joomla!-Software und ein paar geringfügigen Anpassungen bezüglich der Datenbank ist die Webseite auf dem lokalen Host direkt aufrufbar. Angenehm ist, dass bereits eine optisch ansprechende Seite mit Beispielinhalten den User begrüßt. Man kann sich sofort im Backend einloggen, Inhalte erstellen bzw. ändern. Mit der Standardinstallation von Joomla! stehen dem User außerdem gleich drei verschiedene Templates zur Verfügung, die leicht austauschbar sind. Das erleichtert den Einstieg und verschafft schnelle Erfolgserlebnisse.
TYPO3 macht es in puncto Installationspaket dem User noch leichter. Die benötigten Hilfsprogramme, auf die TYPO3 ebenso angewiesen ist wie Joomla!, werden direkt in einem Paket mit den TYPO3-Installationsdateien angeboten. Also: fertig konfigurierter Apache-Webserver, PHP-Interpreter und MySQL-Datenbank plus TYPO3 in einem Paket (erhältlich auf typo3.org im Abschnitt Download/Installer). Die Installationspakete sind für die Betriebssysteme Windows, Linux und sogar MacOS erhältlich. Jedoch muss man erwähnen, dass TYPO3 auf einem LAMP-System (Linux, Apache, MySQL, PHP) entwickelt wurde und genau in dieser Umgebung sein ganzes Leistungsspektrum entfaltet. Einige TYPO3-Funktionalitäten können nur auf Linux-Servern mit Apache als Webserver eingesetzt werden. Funktionen wie z.b. die dynamische PDF-Generierung oder die mächtige indizierte Suche, die PDF- und MS-Word-Dokumente durchsuchen kann, stehen auf Windows-Systemen nicht oder nur beschränkt zur Verfügung[32]. Im Gegensatz zu Joomla! steht nach der Installation von TYPO3 jedoch noch kein funktionstüchtiges CMS zur Verfügung. Es wird zunächst nur ein Backend-Zugriff für den Administrator eingerichtet. Das Frontend ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht sichtbar, und somit noch kein Zugriff auf die Webseite möglich. Das ist darin begründet, dass im Gegensatz zu anderen CMS das TYPO3-Template keine reale HTML-Datei mit zusätzlichen Steuerungsinformationen ist. Es ist vielmehr eine Ansammlung von Datensätzen die mit Inhalten verknüpft sind, die wiederum in der Datenbank abgelegt sind. Mittels TypoScript muss also ein Template erstellt und eingebunden werden, was gerade für den Einsteiger nicht ohne Schwierigkeiten zu bewerkstelligen ist. Für eine vollständige Nutzung von TYPO3 sind noch weitere Anforderungen zu erfüllen. So müssen z.B. die Grafikbibliothek GDLib und ein Bildverarbeitsungspogramm, wie GraphicsMagick, eingebunden werden.
6.3.1.2 Installation Produktivumgebung
Für das Einrichten der Produktivumgebung von TYPO3 stehen zwei Wege offen. Der sicherlich einfachere besteht darin, sich an einen spezialisierten Provider zu wenden (Internetsuche nach Begriff Typo3 Hosting), bei dem man auf eine vorinstallierte Umgebung zugreifen kann. Das spart das Installieren von TYPO3 samt der Hilfsprogramme. Bei weniger als 150.000 Seitenaufrufen pro Monat ist dieser Weg vollkommen ausreichend. Ab ca. 200.000 Seitenaufrufen im Monat ist ein eigener Server wahrscheinlich die bessere Wahl. Ein Dual-Core Prozessor mit 2 GB Arbeitsspeicher ist bei diesem Traffic völlig ausreichend. Ab 500.000 Seitenaufrufen im Monat sollte ein Quad-Core-Server mit 4GB RAM eingesetzt werden. Ab einer Million Aufrufen empfiehlt es sich, TYPO3 in einer Cluster- oder Load Balanced-Umgebung zu betreiben. In einem solchen Fall sollten gegebenenfalls RAID-Systeme[33] eingesetzt werden[34].
Die Möglichkeiten zum Einrichten der Produktivumgebung in Joomla! unterscheiden sich nicht von derer in TYPO3. Auch hier stellt sich dem Anwender die Frage, ob er das System auf einem eigenen Server betreiben möchte oder über einen Provider. Auch für Joomla! gibt es Provider, die bereits vorkonfigurierte Installationen anbieten, die nur noch per Mausklick aktiviert werden müssen. Aber selbst wenn der Provider keine fertige Joomla!-Installation zur Verfügung stellt, ist das Einrichten nicht schwer. Per FTP werden die Installationsdateien auf den Webspace übertragen und dort installiert. Im Grunde kein anderes Vorgehen als in der Testumgebung. Nachdem der DNS-Name eingerichtet und die Datenbankanbindung konfiguriert ist, ist die Seite mit Beispieltexten und professionellem Layout online.
6.3.1.3 Teilergebnis Installation/Einrichtung
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Installation/Einrichtung | |||||
| Lokale Installation als Testumgebung | 40% | 4 | 1,6 | 8 | 3,2 |
| Installation Produktivumgebung | 60% | 3 | 1,8 | 7 | 4,2 |
| Summe | 100% | 3,4 | 7,4 | ||
6.3.2 Contentpflege/Inhaltserstellung
6.3.2.1 Seitenerstellung
In TYPO3 wird die Seitenstruktur ähnlich wie ein Baum aufgebaut: es gibt eine Wurzel (Rootlevel), von der aus im Regelfall ein Stamm und diverse Zweige abgehen. Ausgehend von dieser Root-Ebene kann die Navigationsstruktur abgebildet werden. Anschaulich kann man diese Navigationsstruktur mit der Verzeichnisstruktur in Betriebssystemen vergleichen - unterhalb der Datenträger-Ebene können keine Dateien oder Verzeichnisse erstellt werden[35]. So verhält es sich auch mit der Wurzel als Basis aller zu erstellenden Seiten. Innerhalb der Navigationsstruktur können Seiten neu angelegt werden. Diese sind immer mindestens ein Nachfolger des Wurzeldokuments. Die Erstellung dieser Struktur ist je nach Komplexität des angewendeten TypoScript-Templates recht zeitaufwändig.
Über TypoScript-Templates wird TYPO3 mitgeteilt, wie und welche Elemente das System im Frontend, also auf der Webseite, darstellen soll. Hierzu muss noch eine Designvorlage erstellt werden - das zentrale HTML-Dokument als Vorlage für die im CMS angelegten Seiten. Der Inhalt dieses Templates könnte beispielsweise wie im Quellcode-Beispiel (Abbildung 1) aussehen. Die auskommentierten und durch '###' umschlossenen Elemente stellen Platzhalter dar, die von TypoScript als darzustellende Objekte interpretiert werden.
Die eigentliche Seitenerstellung erfolgt im Backendmodul WEB -> SEITE per Klick auf das Symbol der Wurzel(-Seite) und Auswahl des Menüpunktes NEU. Es wird dadurch ein neuer Datensatz in der für Seiten zuständigen Tabelle auf der Datenbank angelegt. Damit ist bereits der Großteil der Seitenerstellung erledigt. Es müssen noch die Felder Seitentitel im Bereich ALLGEMEIN und Zugriff im Bereich ZUGRIFF im Seitenmenü gefüllt werden. Nach dem Speichern des Seitendatensatzes steht die Seite - allerdings noch ohne Seiteninhalt - bereits zur weiteren Verwendung zur Verfügung.
Ebenso wie bei TYPO3 zunächst eine Navigationsstruktur erstellt werden muss, ist auch in Joomla! die inhaltliche Organisation der Webseite als Grundlage anzulegen. Hier wird beim organisatorischen Konzept zwischen dynamischen (häufig wechselnde Inhalte) und statischen (u.a. Kontakt, Impressum) Seiten unterschieden. Im Gegensatz zu TYPO3, in dem die Baumstruktur mit Wurzel verwendet wird, gibt Joomla! dem Benutzer eine feste Struktur zur Organisation der Inhalte vor[36]. Hier wird die Aufteilung in BEREICHE, KATEGORIEN und BEITRÄGE vorgenommen. Erst nachdem Bereiche und ihnen untergeordnete Kategorien erstellt wurden, können Beiträge Bereichen und Kategorien zugeordnet und somit innerhalb der Struktur gespeichert werden.
Diese vorgegebene Struktur ist nicht auf Anhieb verständlich. Es ist in Joomla! zwar im Gegensatz zur umfangreichen Erstellung der Navigationsstruktur in TYPO3 (inkl. Template und Designvorlage) möglich, ohne viele Vorkenntnisse Bereiche und Kategorien zu erstellen. Jedoch ist die TYPO3-Baumstruktur in Hinblick auf den Gesamtaufbau der Website für den Benutzer eingängiger und verständlicher.
6.3.2.2 Beitragserstellung
Beiträge werden in TYPO3 im Backend über das Modul WEB -> SEITE per Klick auf das Symbol der gewünschten Seite und der Auswahl NEU im Kontextmenü erstellt. Hier findet die Zuordnung von Seite und Beitrag im Vorwege statt. Die Anlage eines neuen Beitrags, einer neuen Seite etc. wird als Hinzufügen eines neuen Datensatzes dargestellt. So kann an dieser Stelle die Art des Datensatzes festgelegt werden. Für einen Beitrag ist die Auswahl Neues Inhaltselement erstellen zu treffen. Hierfür kann der Assistent oder der direkte Link auf Seiteninhalt verwendet werden. Daraufhin erfolgt die Auswahl des Inhaltstyps:
- Typischer Seiteninhalt
- Normaler Text
- Text mit Bild
- Nur Bilder
- Aufzählung
- Tabelle
- Spezielle Elemente
- Dateiverweise
- Multimedia
- Sitemap
- Reines HTML
- Formulare
- Mail-Formular
- Suchformular
- Anmeldeformular
Nun sind Beitragsüberschrift, Formatwünsche unter dem Register ALLGEMEIN nach Belieben auszuwählen. Unter Register TEXT ist der eigentliche Inhalt mit dem Texteditor zu erstellen. Die Verwendung und Funktionalitäten des Editors werden unter Abschnitt 6.3.2.3 Tools (Editoren) gesondert behandelt. Der erstellte Beitrag kann nun unter Register ZUGRIFF zeitlich und auf Benutzer eingeschränkt werden. Durch die Auswahl Speichern bzw. Speichern und Schließen wird der Beitrag unter der ausgewählten Seite sofort live, ggf. nur für einen eingeschränkten Benutzerkreis, auf der Webseite sichtbar.
Joomla! bietet zur Beitragserstellung mehrere Varianten: Über das KONTROLLZENTRUM und Klick auf Neuer Beitrag gelangt der Benutzer bereits in den Editor. Eine weitere Option ist der Weg über den Menüpunkt INHALT -> BEITRÄGE zum Editor. Hier ist lediglich ein Titel einzugeben, der Bereich und die Kategorie auszuwählen. Die Zuordnung des Beitrags zu einer Seite findet hier erst nach Beitragserstellung statt. Im Texteditor kann dann der Inhalt erstellt und je nach gesetzten Parametern beliebig oder mit den vom CMS bereitgestellten Formaten gestaltet werden. Der Zugriff auf den Beitrag kann vom Autor eingeschränkt werden: Zum Einen besteht die Möglichkeit, den Beitrag nur für die Gruppe registrierter oder speziellen Benutzer freizugeben. Zum Anderen ist der Beitrag auch auf einen zeitlichen Rahmen einzuschränken. Die Kombination beider Zugriffsbeschränkungen ist ebenso möglich.
Aus Sicht des Systemadministrators ist es von hoher Bedeutung, dass den Autoren nur die Berechtigungen zur Beitragserstellung erteilt werden, die zur Erfüllung ihrer Aufgabe benötigt werden, damit z.B. das Standard-Design eines Beitrages nicht vom Benutzer veränder werden kann. Da Joomla! lediglich die drei Varianten ("einfach", "erweitert", "komplett") für das gesamte CMS und nicht benutzergruppenorientiert bereitstellt, ist hier im Vorwege genau abzuwägen, welche Funktionalität angeboten wird.
Hier bietet TYPO3 dem Systemadministrator eine Vielzahl an Kombinationen der Editor-Ausstattung, die als Folge aber auch eine gewissenhafte Planung bedingt.
6.3.2.3 Tools (Editoren)
TYPO3: HTMLArea RTE (Rich Text Editor)
Inhalte werden in TYPO3 mit der Erweiterung htmlArea RTE erstellt und bearbeitet. Dieser Editor ist als Erweiterung bereits in der Standardinstallation, also im Lieferumfang, enthalten. Vor der Erzeugung eines Beitrages - in TYPO3 Seiteninhalt genannt - kann der Benutzer entscheiden welcher Seiteninhaltstyp erstellt werden soll. Hier sind folgende Optionen möglich:
- Typischer Seiteninhalt
- Normaler Text
- Text mit Bild
- Nur Bilder
- Aufzählung
- Tabelle
- Spezielle Elemente
- Dateiverweise
- Multimedia
- Sitemap
- Reines HTML
- Formulare
- Mail-Formular
- Suchformular
- Anmeldeformular
Nach Auswahl des Inhaltstyps wird der Editor geöffnet. Die Ansicht des Editors wird in drei Bereiche - ALLGEMEIN, TEXT und ZUGRIFF - aufgeteilt. Im ersten Bereich ALLGEMEIN können der Inhaltstyp festgelegt bzw. verändert und diverse Beitragsmerkmale gesetzt werden (Abbildung 2). Beitragsmerkmale sind u.a. Sprache, Verbergen (Anzeige im Frontend unterdrücken) und Überschrift. Der zweite Bereich TEXT beinhaltet den eigentlichen Editor (Abbildung 3). Dieser ist in vier Blöcke aufgeteilt: Werkzeugleiste, Textfeld, HTML-Tag-Leiste und RTE-Modus-Schalter.
In der Werkzeugleiste stehen alle gängigen Formatierungsanweisungen als Symbol zur Verfügung.
- Formatvorlagen (gemäß Standard-Design für die Website)
- Schriftgewicht (fett, kursiv, unterstrichen)
- Textausrichtung (links-/rechtsbündig, zentriert, Blocksatz)
- Liste & Aufzählung
- Ein-/Ausrücken
- Letzten Befehl rückgängig/wiederholen
- Hyperlinks und Anker (seiteninterne Links) einfügen/bearbeiten/entfernen
- Bild einfügen
- Trennlinien, Sonderzeichen einfügen
- Tabelle einfügen
Ebenfalls steht in der Werkzeugleiste ein Schalter zur Verfügung, mit dem wahlweise WYSIWIG-Ansicht oder HTML-Syntax angezeigt wird. So kann der Benutzer entscheiden, ob er im HTML-Quellcode oder mit der grafischen Darstellung arbeitet. Der dritte Block zeigt eine Statuszeile, die die Formatierung des aktiven Abschnitts in der HTML-Syntax anzeigt (wie sich also die Formatierungsanweisungen im HTML-Quelltext darstellen). Im vierten und letzten Block kann der Editor komplett abgeschaltet werden, so dass nur ein Block mit einem Feld angezeigt wird, in dem der HTML-Quellcode direkt bearbeitet werden kann.
Im Bereich ZUGRIFF kann der Beitrag zeitlich zugriffsbeschränkt werden. Die Inhalte können hier auch nur bestimmten Benutzern oder Benutzergruppen nach erfolgreichem Login zur Verfügung stellen.
Für den htmlArea RTE steht dem Benutzer - soweit Zugriff auf diesen Bereich erteilt ist - ein Handbuch (OpenOffice-Dokument) im Erweiterungs-Manager zur Verfügung.
Joomla!: TinyMCE (WYSIWYG-Editor)
Um Texte komfortabel und gemäß der CMS-Designvorgaben bearbeiten zu können, ist in Joomla! der WYSIWYG-Editor TinyMCE im Lieferumfang enthalten (Abbildung 4).
Außer dem TinyMCE Editor stehen im Internet noch zahlreiche alternative Editoren zur Verfügung, die in Joomla! eingebunden und verwendet werden können. Als Beispiele seien hier JCE und FCKEditor genannt[37]. TinyMCE ist ein kleines grafisches Textverarbeitungsprogramm, das es dem Benutzer ermöglicht, die Eingaben im Formularfeld ohne HTML-Kenntnisse zu formatieren. Er funktioniert ähnlich wie gängige Textverarbeitungsprogramme: durch Markieren des zu verändernden Textes und Auswahl der entsprechenden Schaltfläche zum gewünschten Format. Die Änderung der Formatierung wird sofort sichtbar. Der TinyMCE läuft in allen aktuellen Browsern.
Die Oberfläche von TinyMCE ist klar strukturiert und ermöglicht dem Autor eine intuitive Nutzung ohne Vorkenntnisse. Die Oberfläche kann in fünf Blöcke geteilt werden: Im ersten Block werden die Metadaten (wie Titel, Freigabe-Status, Beitragskategorie etc.) zum Beitrag angezeigt. Der nächste Block darunter ist die Werkzeugleiste, in der alle zur Verfügung stehenden Formatierungsanweisungen als Symbol bzw. Schaltfläche aufgeführt sind. Hier sind alle gängigen Formatierungsanweisungen und Optionen zur Textgestaltung zu finden:
- Formatvorlagen (gemäß Standard-Design für die Website)
- Schriftgewicht (fett, kursiv, unterstrichen)
- Textausrichtung (links-/rechtsbündig, zentriert, Blocksatz)
- Liste & Aufzählung
- Ein-/Ausrücken
- Letzten Befehl rückgängig/wiederholen
- Hyperlinks und Anker (seiteninterne Links) einfügen/bearbeiten/entfernen
- Bild einfügen
- Trennlinien, Sonderzeichen einfügen
In dieser Symbolleiste findet sich auch ein Schalter, der ein weiteres Fenster öffnet, in dem der dargestellte Text als HTML-Quellcode angezeigt wird.
Den dritten Block bildet das Feld für die Textein- und -ausgabe selbst. Hier kann der Text vom Benutzer eingegeben und im gewünschten Format dargestellt werden. Unter dem Formularfeld folgt eine Statuszeile, die die Formatierung des aktiven Abschnitts in der HTML-Syntax anzeigt. Den fünften und letzten Block bildet die Symbolleiste u.a. mit den Schaltflächen:
- Bild einfügen
- Seitenumbruch einfügen
- Editor WYSIWIG-Modus an/aus (Ist der Editor ausgeschaltet, kann der Text als HTML-Quellcode bearbeitet werden)
Eingefügt Bilder können sehr leicht mit der Maus im Editorfenster skaliert und per "Drag and Drop" (durch Mausklick das Bild an eine andere Position ziehen) an die gewünschte Position gebracht werden.
Das Aussehen von TinyMCE kann im Backend unter Plugins verändert und auch der Funktionsumfang erweitert werden. Hierdurch werden dem Autor noch zahlreiche weitere Textbearbeitungs- und formatierungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Die erweiterte Ansicht (Abbildung 5) ermöglicht auch das Einfügen von Multimedia-Objekten und Textobjekten (z.B. aus MS Word). Somit bietet die erweiterte Ansicht zahlreiche Möglichkeiten, was durchaus positiv in Hinblick auf den gesamten Funktionsumfang zu bewerten ist.Andererseits können durch diese Ansicht Texte in beliebiger Formatierung erstellt werden, die im Zweifel nicht mehr dem festgelegten Standard-Design der Webseite entsprechen. In den erweiterten Parametern zum Plugin TinyMCE können einzelne Optionen allerdings angezeigt oder verborgen werden, so dass hier ein geeigneter Editor-Funktionsumfang definiert werden kann.
Nach Fertigstellung des Artikels können in den Beitragsparametern Veröffentlichungsdetails festgelegt werden. Hier können u.a. die Freigabe des Artikels zeitlich eingeschränkt, eine passende Kategorie sowie die Zugriffsebene (legt fest, welche Frontendgruppen auf den Artikel zugreifen dürfen) festgelegt werden.
Zusammenfassend kann man die Editoren beider Systeme als gleichermaßen leistungsfähige, intuitive leicht zu bedienende Werkzeuge werten. Positiv fällt für TYPO3 ins Gewicht, dass der Funktionsumfang des Editors auf verschiedene selbst definierte Benutzergruppen angepasst werden kann. Der Joomla!-Editor ermöglicht eine direkte - und dadurch einfachere - Größenänderung der Bilder.
6.3.2.4 Versionierung
Wenn nicht explizit ausgewählt, wird generell das Backend als LIVE-Arbeitsumgebung dargestellt. Das bedeutet konkret, dass alle im Backend gespeicherten Änderungen mit sofortiger Wirkung auch auf dem Frontend - also der Webseite - sichtbar sind. Mit TYPO3 wurde eine sogenannte Entwurfsarbeitsumgebung eingeführt, die in der englischen Backend-Sprachauswahl Draft-Workspace bezeichnet wird. In der Entwurfsarbeitsumgebung können Änderungen an Seiten, Seiteninhalten und auch an TypoScript-Templates vorgenommen werden. Diese Änderungen werden indes erst nach dem Veröffentlichen in der LIVE-Umgebung angezeigt. Das Backend ist in der Entwurfsarbeitsumgebung nicht mehr so umfangreich, bspw. fehlen die Dateiliste und der Extension-Manager. Hintergrund hierfür ist, dass in der Entwurfsarbeitsumgebung nur datenbankgestützte Datensätze zur Verfügung stehen, nicht aber das Dateisystem. Somit können auch nur Datenbankinhalte, die über das Backend geändert werden (z.B. Seiten) versioniert werden, nicht aber Dateien. Jegliche Datei-Änderungen haben sofortige Wirkung auf die LIVE-Umgebung (Frontend, Website)[38].
Bei der Nutzung der Entwurfsarbeitsumgebung sollte unbedingt berücksichtigt werden, dass (vereinfacht dargestellt) lediglich Seiten und Seiteninhalte versioniert werden. Somit ist die Trennung von Entwurfs- und Live-Umgebung für redaktionelle Tätigkeiten ein nutzbringendes Merkmal. Es empfiehlt sich, die Ansicht für Benutzergruppen mit Schwerpunkt "Redaktionstätigkeit" auf die Entwurfsarbeitsumgebung einzuschränken. Der Redakteur ist weiterhin in der Lage, ganz regulär redaktionelle Änderungen, in ihm zur Verfügung stehenden Rahmen, vorzunehmen. Seiten, die in der Entwurfsarbeitsumgebung geändert wurden, werden praktischerweise farblich hervorgehoben (Abbildung 6).
Diese Änderungen können dann durch eine Benutzergruppe mit Veröffentlichungsrechten (analog zu der Funktion des Chefredakteurs zum Redaktionschluss) gesichtet werden. Im weiteren Veröffentlichungsprozess ist es nun möglich, die fraglichen Änderungen zu veröffentlichen oder auch unter Angabe einer Begründung abzulehnen. Zwischen Redakteur und Begutachter können Nachrichten ausgetauscht werden, um die Änderungen bekanntzugeben und den Veröffentlichungsprozess anzustoßen.
Vor Veröffentlichung der Änderung ist es möglich eine ältere Version des Dokuments zurückzuschalten. Nach Veröffentlichung ist ein nachträgliches Zurückschalten nicht mehr möglich und von daher entsprechende Sorgfalt bei der Rechtevergabe für dieses Modul zu berücksichtigen.
Für Joomla! ist keine Versionierung im Lieferumfang inbegriffen. Durch den Download einer Erweiterung Joomla Content Version Control ist aber eine Versionierung implementierbar[39]. Diese Erweiterung wurde aber im Rahmen dieser Arbeit nicht getestet. Jedoch soll der Hinweis auf eine mögliche Versionierung (ohne Gewähr) an dieser Stelle nicht fehlen.
Somit steht in der Joomla! weder eine Versionierung noch ein Workflow-Management zur Verfügung. Allerdings ist hier abschwächend zu bemerken, dass Joomla! wohl nicht schwerpunktmäßig für entsprechend große Umgebungen konzipiert wurde.
6.3.2.5 Teilergebnis Contentpflege/Inhaltserstellung
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Contentpflege/Inhaltserstellung | |||||
| Seitenerstellung | 10% | 7 | 0,7 | 5 | 0,5 |
| Beitragserstellung | 45% | 9 | 4,05 | 8 | 3,6 |
| Tools (Editoren) | 30% | 9 | 2,7 | 9 | 2,7 |
| Versionierung | 15% (s. Hinweis) | 8 | 1,2 | 3 | 0,5 |
| Summe | 100% | 8,65 | 7,3 | ||
Hinweis: Ohne den Verwendungszweck des CMS zu berücksichtigen ist die Gewichtung der Versionierung eher subjektiv beurteilbar. Generell ist die Versionierung in einer Mehrbenutzerumgebung nahezu verpflichtend und somit bei Fehlen als Ausschlusskriterium für die Wahl des CMS gewertet. Wird der Inhalt allerdings von mehreren Benutzern gleicher Berechtigungsstufe gepflegt (bspw. für eine kleinere Vereinswebseite) so fällt dieser Aspekt kaum ins Gewicht.
6.3.3 Usability
6.3.3.1 Komplexität des Systems
Das System TYPO3 weist bedingt durch seinen großen Funktionsumfang eine entsprechend hohe Komplexität auf. Es erfordert einen gewissen Einarbeitungsaufwand um die teilweise sehr komplexen Strukturen zu verstehen und im Backend zu navigieren.
Das Backend an sich ist sehr technisch gestaltet. Es ist in drei Bereiche geteilt. Auf der linken Seite befindet sich eine Navigation für die unterschiedlichen Sichten des Systems (z.B. Page, View, User). Daneben verfügt es über eine Ordnerstruktur und erinnert damit an den Windows Explorer. Dies stellt für den Nutzer durch die bekannte Optik eine große Erleichterung dar. Auch behält der User auf diese Weise stets den Überblick, in welchem Bereich der Webseite er gerade arbeitet.
Der rechte und größte Bereich dient der Bearbeitung des Contents.
Das Backend bietet damit trotz der hohen Komplexität eine gute Übersichtlichkeit. Es ist jedoch wenig intuitiv gestaltet. Die genaue Funktion einiger Bereiche ist nicht gleich erkennbar.
Joomla! verfügt über einen sehr reduziert gestalteten Backend-Bereich. Der User wird nicht mit den Möglichkeiten, die das System bietet, überfordert, sondern eher langsam an das System herangeführt. Man gewinnt den Eindruck, dass sich bei der Entwicklung stark um eine intuitive Benutzerführung und ein optisch ansprechendes Design bemüht wurde. Viele Funktionen sind durch mehr oder weniger sprechende Icons gekennzeichnet, was das Zurechtfinden in dem System erleichtert.
Ungünstig ist, dass der Nutzer nicht auf den ersten Blick erkennen kann, in welchem Bereich er gerade arbeitet. Dies könnte eine potentielle Fehlerquelle darstellen. Auch werden alle Artikel in einer Listenansicht dargestellt, was trotz Filtermöglichkeiten sehr unübersichtlich ist.
6.3.3.2 Einarbeitungsaufwand/erforderliches Vorwissen
TYPO3 erfordert aufgrund des Einsatzes von TypoScript zur Konfiguration der Seiten einen sehr hohen Einarbeitungsaufwand. Dem User ist es nicht ohne weiteres möglich, größere Änderungen am Layout der Webseite vorzunehmen.
Kleinere Änderungen (beispielsweise Farbe, Schriftart, Hintergrundbild) können durch Editoren bequem durchgeführt werden. Jedoch sind in der Grundinstallation leider eher weniger moderne Templates enthalten, so dass ein Nutzer, der etwas höhere Ansprüche an das Design hat oder ein individuelles Layout für seine Webseite gestalten möchte, nicht umhin kann, sich mit TypoScript zu beschäftigen.
Insofern hat TYPO3 insgesamt eine sehr steile Lernkurve, da insbesondere bei den grundlegenden Themen bereits viel Vorwissen vorausgesetzt wird. Ist diese Hürde überwunden, eröffnet es jedoch dem fortgeschrittenen Anwender viele Möglichkeiten.
Joomla! bringt in der Grundinstallation bereits einige sehr schön gestaltete Templates mit. Auch das Einbinden anderer oder eigener Templates ist ohne großen Aufwand möglich. Kleinere Änderungen können ebenso wie bei TYPO3 schnell und problemlos auch durch ungeübte Anwender durchgeführt werden. Der Einarbeitungsaufwand hinsichtlich Technologien ist daher gering.
Joomla! weist eine zunächst sehr flache Lernkurve auf und beschert dem Anwender daher sehr schnell Erfolgserlebnisse.
Das Bearbeiten von Inhalten erfolgt in beiden Systemen recht komfortabel über Editoren (siehe hierzu 6.3.2 Contentpflege/Inhaltserstellung).
6.3.3.3 Barrierefreiheit
Beide Systeme bieten dem User durch komfortable Editoren die Möglichkeit Farben, Textgestaltung etc. anzupassen. Auch die Möglichkeit, Grafiken und Links durch Alternativtexte zu ergänzen, ist gegeben.
Negativ anzumerken ist, dass TYPO3 für das Layout auf der offiziellen TYPO3-Webseite in weiten Teilen eine Tabellenstruktur verwendet [40]. Dies ist bedingt durch das verwendete Template. Ein Aufbau der Seite ohne Tabelenstruktur wäre generell durch einbinden eines entsprechend gestalteten Templates möglich.
Die offizielle Joomla!-Webseite geht an dieser Stelle hingegen mit gutem Beispiel voran[41]. Auch erzielt Joomla! bei Überprüfung durch den W3C Markup Validation Service mit nur "4 Errors, 2 warning(s)" ein sehr gutes Ergebnis[42], TYPO3 dagegen mit "22 Errors, 49 warning(s)" ein nicht ganz so gutes, jedoch immernoch akzeptables Ergebnis[43].
6.3.3.4 Teilergebnis Usability
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Usability | |||||
| Komplexität des Systems | 40% | 8 | 3,2 | 5 | 2 |
| Einarbeitungsaufwand/erforderliches Vorwissen | 40% | 5 | 2 | 8 | 3,2 |
| Barrierefreiheit | 20% | 6 | 1,2 | 8 | 1,6 |
| Summe | 100% | 6,4 | 6,8 | ||
6.3.4 Rechteverwaltung/Administration
6.3.4.1 Benutzergruppen
Benutzergruppen werden in TYPO3 grundsätzlich in Administratoren und übrige Benutzer unterteilt. In der Standardinstallation ist nur ein Administrator eingerichtet, der über alle Rechte im System verfügt. Es sind keine Benutzergruppen angelegt. Benutzergruppen können beliebig erstellt werden, es sind keine Default-Gruppen vorgesehen. Dies bedeutet Eingangs einen Mehraufwand, bietet aber auch höchstdifferenzierbare Implementierungsmöglichkeiten und motiviert die Bereitstellung einer an die Systemanforderungen angepassten Benutzerstruktur. Wie strukturiert und verzweigt eine Berechtigungsstruktur für das CMS gestaltet wird obliegt allein dem jeweiligen Systemarchitekten. Standardmäßig wird in TYPO3 nicht zwischen Backend- und Frontend-Benutzern unterschieden. Dies ist ebenfalls von der Art der Implementierung der Benutzerstruktur durch den Systemarchitekten/-administrator abhängig. Ob der Aufbau hierarchisch oder funktionell motiviert ist, bleibt freigestellt. Die Möglichkeiten, Vor- und Nachteile dieses Merkmals werden ausführlich in Abschnitt 6.3.4.2 beschrieben.
Das genaue Gegenteil dieses Benutzerkonzepts ist die Benutzergruppenstruktur von Joomla!. Hier wird die Standardinstallation mit einer unveränderlichen Benutzergruppenstruktur ausgeliefert. Diese stellt sich wie folgt dar:
Frontend-Benutzergruppen
- Registered
- Registrierte Benutzer dürfen sich einloggen und haben eingeschränkten Zugriff auf Inhalte, sehen also mehr als Besucher der Seite.
- Autor
- Darf zusätzlich zu den Rechten eines registrierten Benutzers Nachrichten schreiben und seine eigenen Nachrichten ändern (erweiterte Ansicht im Benutzermenü)
- Editor
- Entspricht den Rechten des Autors, darf zusätzlich jede Nachricht, die im Frontend erscheint, ändern.
- Publisher
- Entspricht den Rechten des Autors, darf zusätzlich darüber entscheiden, ob Nachrichten veröffentlicht werden oder nicht.
Backend-Benutzergruppen
- Manager
- Ein Manager darf Inhalte erzeugen und verschiedene Informationen über das Systsem sehen. Im Vergleich zum Administrator stehen ihm folgende Rechte nicht zur Verfügung:
- Benutzer verwalten
- Module und Komponenten installieren
- Einen Benutzer zum Super Administrator machen oder Super Administratoren ändern
- Den Menüpunkt SITE -> KONFIGURATION bearbeiten
- Eine Rundmail an alle Benutzer versenden
- Templates und Sprachdateien ändern und installieren
- Administrator
- Ein Administrator hat alle Rechte außer:
- Einen Benutzer zum Super Administrator machen oder Super Administratoren ändern
- Den Menüpunkt SITE -> KONFIGURATION bearbeiten
- Eine Rundmail an alle Benutzer versenden
- Templates und Sprachdateien ändern und installieren
- Super Administrator
- Ein Superadministrator hat alle Funktionen in der Joomla!-Administration zur Verfügung und darf sie ausführen. Im Übrigen darf nur ein Super Administrator einen anderen Super Adminstrator anlegen.
- Special User
- Jeder Benutzer der mehr Rechte als ein Manager hat.
Grundsätzlich ist es in Joomla! nicht möglich selbstdefinierte Benutzergruppen anzulegen. So kann die Gruppe Special User helfen, Inhaltselemente auf diese Gruppe zu beschränken.[44]
Zusammengefasst sind die Zugriffsstrategien in TYPO3 und Joomla! sehr unterschiedlich motiviert. TYPO3 stellt dem Administrator alle Möglichkeiten zur Verfügung und übergibt die Verantwortung, die Rechte angemessen einzuschränken bzw. zu erteilen. Joomla! hingegen schränkt die Zugriffsverwaltung stark ein; ermöglicht daher aber auch dem unerfahrenem Adminstrator, ein größtenteils solides Zugriffskonzept für das CMS zu realisieren.
6.3.4.2 Skalierbarkeit Berechtigungen
TYPO3 wird in der Standardinstallation ohne Benutzergruppen zur Verfügung gestellt. Jedes CMS geht mit einer individuellen Anforderung an das Benutzer- bzw. Zugriffskonzept einher. Hier punktet TYPO3, da kein statisches, starres Benutzergruppenkonzept vorgegeben wird. Wohl müssen Entwicklungszeit und damit auch -kosten für die Erstellung des Benutzerkonzepts kalkuliert werden. Dagegen steht, dass durch folgendes Zugriffslistenkonzept kaum Grenzen in der Ausgestaltung noch dem Umfang an Zugriffsberechtigungen gesetzt werden. Vorausgeschickt sei hier, dass an dieser Stelle lediglich die Gruppenzugriffe behandelt werden. Gleiche Möglichkeiten gelten auch für einzelne Benutzer, werden aber aufgrund des unverhältnismäßig höeheren Wartungsbedarf vernachlässigt.
Der Zugriff wird per Zugriffsliste (ACL: Access Control List) realisiert. Unterschieden wird hier der Zugriff auf einzelne:
- Module
- Tabellen (Sicht- und Modifizierungsrechte)
- hier insbesondere Seiten und Seiteninhalte
- Seitentypen
- Felder
- Einstiegspunkte im Seitenbaum
Für jede verfügbare Benutzergruppe kann eine individuell ausgestaltete Zugriffsliste erstellt werden. Die Anzahl der zu erstellenden Benutzergruppen ist nicht begrenzt. Somit können verschiedene Berechtigungskonzepte wie z.B.:
- Rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC: Role Based Access Control)
- Benutzerbestimmbare Zugriffskontrolle auf einzelne Objekte (DAC: Discretionary Access Control)
sowie beliebige Kombination realisiert werden.
Die Rechte der Gruppen werden auf die von Ihnen erstellten Objekte vererbt. Dieser Zustand ist nicht immer erwünscht, kann aber durch Konfigurationsänderungen unterdrückt werden. Die Rechte einzelner Objekte werden an ihre Unterobjekte vererbt (ähnlich der Template-Vererbung, wo jeder neuen Seite das Standard-Template vererbt wird). Es soll jedoch nicht zu detailliert auf die technischen Möglichkeiten eingegangen werden.
Voraussetzung, ein solches Berechtigungskonzept umzusetzen, ist entweder ein hohes Maß an Vorwissen oder entsprechender Aufwand, um sich diese Kompetenz anzueignen oder zu beschaffen. Ein Herausstellungsmerkmal ist jedoch die signifikant hohe Anforderungs-Umsetzbarkeit von TYPO3.
Die Skalierbarkeit der Berechtigungen in Joomla! ist kaum gegeben. Die Berechtigungsgruppen sind systemseitig vorgegeben, eventuelle Anpassungen sind nur durch Vergabe von Rechten auf Benutzerebene (Special User) möglich.
6.3.4.3 Teilergebnis Rechteverwaltung/Administration
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Rechteverwaltung/Administration | |||||
| Benutzergruppen | 40% | 9 | 3,6 | 7 | 2,8 |
| Skalierbarkeit Berechtigungen | 60% | 10 | 6,0 | 3 | 1,8 |
| Summe | 100% | 9,6 | 4,6 | ||
6.3.5 Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit
6.3.5.1 Einbinden/Verfügbarkeit von Erweiterungen
TYPO3 besitzt einen modularen Aufbau, wodurch es gut erweiterbar und skalierbar wird. Erweiterungen werden in TYPO3 auch als Extensions bezeichnet, die sowohl für das Front- als auch für das Backend verfügbar sind. Erhältlich sind diese Extensions i.d.R. über das offizielle Extension Repository[45]. Aber auch auf anderen, zum Teil privaten Seiten stehen Extensions zum Download bereit. Der Begriff Extensions dient in TYPO3 als Oberbegriff für die Begriffe Modul und Plugin.
- Module: Unter einem Modul versteht man eine Erweiterung für das Backend, welches nicht direkt auf der Webseite eingesetzt wird. Weit verbreitet ist beispielsweise das Modul "phpMyAdmin" zur Administration von MySQL-Datenbanken.
- Plugins: Ein Plugin wird in TYPO3 als Erweiterung für das Frontend verstanden. Klassisches Beispiel hierfür ist das Plugin "News"[46].
Eigene Erweiterungen sind mittels PHP zu realisieren, wobei ergänzend Kenntnisse in TypoScript erforderlich sind. TypoScript ist keine eigenständige Programmiersprache, sondern ist als Konfigurationssprache zwischen HTML und einer Skriptsprache einzuordnen.[47].
Auch Joomla! ist ähnlich einem Baukastensystem modular aufgebaut. Und ebenso wie in TYPO3 ist es der Fan-Gemeinde zu verdanken, dass tausende von Erweiterungen im World Wide Web zu finden sind. Durch die intuitive grafische Oberfläche des Backends ist das Einbinden von Erweiterungen sehr komfortabel und einfach gelöst. Joomla! besticht vor allem durch die Vielfalt an optisch ansprechenden Templates[48], die zum Teil mit dynamischen Elementen angereichert sind.
In Joomla! lässt sich das Schlagwort Erweiterung in weitere Unterbegriffe aufteilen, wobei die Übergänge oft fließend sind und eine Erweiterung nicht immer eindeutig einer Rubrik zugeordnet werden kann:
- Komponenten: CM-Systeme müssen erweiterbar sein und mit den Anforderungen wachsen. Komponenten bringen die größte zusätzliche Funktionalität mit sich und sind beinahe schon als eigenständige Anwendungen zu betrachten. Eine Komponente kann beispielsweise ein Online-Shop, eine Bildergalerie oder ein Forensystem sein[49].
- Module: Für die dynamische Anzeige von Inhalten werden Module eingesetzt. Module bilden häufig die Oberfläche von Komponenten. Module sind bspw. das Login- und Suchen-Feld, die "wer-ist-online"-Anzeige, Umfrage-Polls, etc.
- Plugins: Plugins sind kleine Programme, die im Hintergrund arbeiten. Sie verändern den Inhalt einer Seite bevor sie ausgeführt werden, bspw. um Bilder im Text zu platzieren. Ein typischen Beispiel für ein Plugin ist der Text-Editor.
- Templates: Templates[50] unterstützen das visuelle Erscheinungsbild der Seite. Sie definieren das Layout und die Anordnung der Contentobjekte, der Navigation und der Erweiterungen. Templates legen die verwendeten Schriftarten, Schriftgrößen, Farben und Hintergrundbilder fest. Das hat den großen Vorteil, dass neue Objekte bei der Erstellung automatisch an das bestehende Layout angepasst werden. Ein Template besteht mindestens aus einer HTML-Datei für die Struktur der Seite und einer CSS-Datei für das Design. Darüber hinaus sind spezielle Templates, bspw. für die Gestaltung barrierefreier Seiten, denkbar[51].
Natürlich können auch in Joomla! eigene Erweiterungen geschrieben werden. Es sind lediglich Kenntnisse in der Skriptsprache PHP erforderlich. Für das Erstellen einfacher Templates sollte man HTML und CSS beherschen.
6.3.5.2 Qualitätssicherung von Erweiterungen
In Joomla! findet praktisch keine Qualitätssicherung bezüglich der Erweiterungen statt, da jedermann Komponenten, Module etc. ungeprüft im Web zum Download anbieten kann. Was aber nicht bedeuten soll, dass Erweiterungen in Joomla! durchweg von schlechter Qualität wären. Im Gegenteil, die Entwickler sind aus eigenem Interesse i.d.R. sehr bemüht, funktionstüchtige und fehlerfreie Produkte anzubieten. Auch wenn die meisten Erweiterungen kostenlos sind, versprechen sich doch viele Programmierer über diesen Weg eine gewisse Reputation zu erlangen. Zudem wird der mächtigen Community hier die Rolle eines Qualitätsprüfers zu teil. Schlechte, fehlerbehaftete Erweiterungen werden mit entsprechenden Kommentaren bzw. Warnungen durch andere User versehen, bis das Programm entweder vom Entwickler verbessert oder aber komplett aus einem Forum verbannt wird. Es ist durchaus Verlass auf die Selbstregulierung innerhalb der starken Joomla!-Gemeinschaft.
In TYPO3 sehen die Verhältnisse nicht grundlegend anders aus. Auch hier kann jeder, der sich dazu berufen fühlt, Erweiterungen schreiben und der Öffentlichkeit präsentieren. Wenn man sich als Anwender jedoch an das offizielle Extension Repository hält, ist der Qualitätsstandard schon relativ hoch. Dort sind die Entwickler angehalten, ihre Produkte mit einem entsprechenden Entwicklungsstand zu kennzeichnen. So erkennt man bspw. am Status Stable, dass es sich hierbei um eine geprüfte und fehlerfreie Version handelt, die zum professionellen Einsatz geeignet ist. Erweiterungen mit Hinweisen wie Experimental, Alpha oder Obsolete raten von einer ernsthaften Verwendung eher ab. Zu guter Letzt trifft man häufig auf Erweiterungen mit dem Status Beta, die durchaus schon für einen "echten" Betrieb einsetzbar sind, obgleich noch Fehler enthalten sein könnten.
6.3.5.3 Multi-Site-Management und Mehrsprachigkeit
- Multi-Site-Management:
TYPO3 eignet sich hervorragend zur Verwaltung mehrerer Webauftritte unter einem Dach. Auch ein Austausch der Daten zwischen den einzelnen Auftritten ist möglich. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit auf die Datensätze (wie News) eines anderen Webauftrittes zuzugreifen und diese einzubinden. Unterstützt wird das Multi-Site-Management durch die feingranulare Administration der Benutzerrechte, so dass die unterschiedlichen Seiten aus Sicht des Redakteurs komplett voneinander getrennt werden können[52].
Die Einfachheit von Joomla! hat ihren Preis bezüglich erweiterter Features, die komplizierte CMS oft bieten. Multi-Site-Management mit der mehrfachen Content-Verwendung und die getrennte Verwaltung von mehreren Websites in einer Installation sind nicht direkt vorgesehen. Zwar kann man mit einigen Erweiterungen etwas Abhilfe schaffen, aber dazu benötigt man streng genommen mehrere Joomla!-Installationen.
- Mehrsprachigkeit:
Im Standard-Funktionsumfang von TYPO3 wird die Verwaltung von mehrsprachigen Webseiten bereits voll unterstützt. Übersetzungen von Inhalten sind ebenfalls standardmäßig möglich. Extensions sind prinzipiell auch mehrsprachig realisierbar. Ob die gewüschte Sprache unter den Verfügbaren ist, hängt in der Regel vom Übersetzungseifer der Entwickler ab. Um einen Wechsel der Sprachen im Frontend zu ermöglichen, müssen einmalig Änderungen am TypoScript-Template durchgeführt werden.
Joomla! unterstützt Mehrsprachigkeit erst nach Installation der Erweiterung Joom!Fish[53]. Aber selbst mit dieser Erweiterung ist die Übersetzung nicht ganz so komfortabel gelöst wie in TYPO3. Man benötigt relativ viele Mausaktionen, bis die Übersetzung eines Textes in eine andere Sprache durchgeführt ist.
6.3.5.4 Teilergebnis Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit | |||||
| Einbinden/Verfügbarkeit von Erweiterungen | 60% | 7 | 4,2 | 8 | 4,8 |
| Qualitätssicherung von Erweiterungen | 20% | 6 | 1,2 | 4 | 0,8 |
| Multi-Site-Management und Mehrsprachigkeit | 20% (s. Hinweis) | 9 | 1,8 | 3 | 0,6 |
| Summe | 100% | 7,2 | 6,2 | ||
Hinweis: Eine objektive Gewichtung für dieses Kriterium vorzunehmen ist äußerst schwierig. Wer ein CMS unter der Maßgabe einsetzen möchte, mehrere Webpräsenzen zu Verwalten, wird diesen Aspekt als K.O.-Kriterium bewerten. Hat jemand von vornherein keine Ambitionen mehrere Seiten zu administrieren, wird eher einen Wert gegen 0% vergeben wollen.
6.3.6 Zukunftssicherheit/Support
6.3.6.1 Tutorials/Handbücher
Für beide Systeme gibt es eine Vielzahl an Literatur mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Anfänger, Webdesigner, Redakteure etc.). Der Onlineshop amazon.de findet für den Suchbegriff "typo3" 332 Ergebnisse[54] in der Kategorie "Bücher", für "joomla" findet er 244 Treffer[55].
Besonders hervorzuheben sind die für das System Joomla! kostenlos online verfügbaren und in deutscher Sprache geschriebenen Bücher auf der Webseite galileocomputing.de. Diese sogenannten Openbooks stellen eine große Hilfe für die schrittweise Einarbeitung in das System dar. Ebenso existiert eine offizielle Dokumentation für das CMS. Diese ist aber nur in englischer Sprache verfügbar. Zudem sind die Informationen auf der Seite nicht sofort ersichtlich[56].
Für TYPO3 findet man leider keine kompletten und kostenlosen Online-Ausgaben von Fachliteratur. Die englische TYPO3 Dokumentation hilft jedoch dem User weiter und ist sogar in weiten Teilen in mehreren anderen Sprachen, auch Deutsch, verfügbar[57]. Auch wird in Deutschland seit 2005 das T3N Magazin herausgegeben, welches einen Schwerpunkt auf TYPO3 und Open Source-Themen legt[58].
6.3.6.2 Community
Laut der TYPO3 5.0 Experience Concept Presentation zählt die TYPO3-Community mehr als 100.000 registrierte User weltweit. In etwa 5000 Entwickler und ebenso viele Agenturen bieten Unterstützung bei aufwändigeren Vorhaben. Des weiteren haben User die Möglichkeit, sich in mehr als 60 Usergroups weltweit auszutauschen[59]. Deutsche User finden sogar in fast jeder größeren Stadt eine entsprechende Usergroup[60].
Auf der Seite typo3.org finden User durch Blogthemen sowie durch einen IRC Chat Unterstützung. Die Deutsche TYPO3-Community ist außerdem mit einem eigenen Forum vertreten[61].
Die Joomla!-Community zählt für ihr englischsprachiges Forum Stand Juni 2010 weit mehr als 300.000 registrierte User[62]. Deutsche User finden vor allem bei Joomla! Deutschland e.v. Unterstützung. Für die Unterstützung vor Ort gibt es laut Joomla! Deutschland e.v. Usergroups in Berlin, Nürnberg und Köln[63] sowie zahlreiche Usergroups weltweit[64].
Zusammenfassend gibt es für beide Systeme zahlreiche Anlaufstellen bei Fragen oder Problemen und Möglichkeiten zum Ustausch mit anderen Nutzern.
6.3.6.3 Verbreitung des Systems
Laut Google Trends ist deutlich zu erkennen, dass Joomla! anscheinend von wesentlich höherem Interesse für Webuser ist als TYPO3. Besonders auffällig ist das Interesse an TYPO3 im deutschsprachigen Raum[65].
Auf der offiziellen Joomla!-Webseite finden sich ca. 1700 Showcases von Seiten, die Joomla! verwenden[66]. Auf der TYPO3-Webseite werden 9745 Seiten vorgestellt[67].
Beide Systeme werden für sehr unterschiedliche Seiten verwendet. Es finden sich Beispiele aus dem privatem sowie kommerziellen Umfeld, Seiten unterschiedlicher Größe und Struktur, Webseiten mit lokalen Themen ebenso wie Seiten, die ein globaleres Interesse auslösen könnten.
Beide Systeme weisen eine Hohe Verbreitung auf, wobei Joomla! (vermutlich aufgrund der relativ einfachen Handhabbarkeit) ein weltweit höheres Interesse genießt.
6.3.6.4 Teilergebnis Zukunftssicherheit/Support
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Zukunftssicherheit/Support | |||||
| Tutorials/Handbücher | 30% | 8 | 2,4 | 9 | 2,7 |
| Community | 50% | 10 | 5 | 10 | 5 |
| Verbreitung des Systems | 20% | 8 | 1,6 | 10 | 2 |
| Summe | 100% | 9 | 9,7 | ||
6.4 Ergebnis
6.4.1 Übertrag der Teilergebnisse
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Installation/Einrichtung | |||||
| Lokale Installation als Testumgebung | 40% | 4 | 1,6 | 8 | 3,2 |
| Installation Produktivumgebung | 60% | 3 | 1,8 | 7 | 4,2 |
| Contentpflege/Inhaltserstellung | |||||
| Seitenerstellung | 10% | 7 | 0,7 | 5 | 0,5 |
| Beitragserstellung | 45% | 9 | 4,05 | 8 | 3,6 |
| Tools (Editoren) | 30% | 9 | 2,7 | 9 | 2,7 |
| Versionierung | 15% | 8 | 1,2 | 3 | 0,5 |
| Usability | |||||
| Komplexität des Systems | 40% | 8 | 3,2 | 5 | 2 |
| Einarbeitungsaufwand/erforderliches Vorwissen | 40% | 5 | 2 | 8 | 3,2 |
| Barrierefreiheit | 20% | 6 | 1,2 | 8 | 1,6 |
| Rechteverwaltung/Administration | |||||
| Benutzergruppen | 40% | 9 | 3,6 | 7 | 2,8 |
| Skalierbarkeit Berechtigungen | 60% | 10 | 6 | 3 | 1,8 |
| Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit | |||||
| Einbinden/Verfügbarkeit von Erweiterungen | 60% | 7 | 4,2 | 8 | 4,8 |
| Qualitätssicherung von Erweiterungen | 20% | 6 | 1,2 | 4 | 0,8 |
| Multi-Site-Management und Mehrsprachigkeit | 20% | 9 | 1,8 | 3 | 0,6 |
| Zukunftssicherheit/Support | |||||
| Tutorials/Handbücher | 30% | 8 | 2,4 | 9 | 2,7 |
| Community | 50% | 10 | 5 | 10 | 5 |
| Verbreitung des Systems | 20% | 8 | 1,6 | 10 | 2 |
6.4.2 Addition der gewichteten Unterziele / Gesamtergebnis
Die Zahlen spiegeln das Ergebnis der Nutzwertanalyse wider:
| Kriterium | Gewichtung | TYPO3 | TYPO3 gewichtet | Joomla! | Joomla! gewichtet |
|---|---|---|---|---|---|
| Installation/Einrichtung | 10% | 3,4 | 0,34 | 7,4 | 0,74 |
| Contentpflege/Inhaltserstellung | 30% | 8,65 | 2,60 | 7,3 | 2,19 |
| Usability | 15% | 6,4 | 0,96 | 6,8 | 1,02 |
| Rechteverwaltung/Administration | 15% | 9,6 | 1,44 | 4,6 | 0,69 |
| Erweiterbarkeit/Skalierbarkeit | 20% | 7,2 | 1,44 | 6,2 | 1,24 |
| Zukunftssicherheit/Support | 10% | 9 | 0,9 | 9,7 | 0,97 |
| Summe | 100% | 7,68 | 6,85 |
7 Schlussbetrachtung
In dieser Arbeit wurden die Leistungen zweier sehr erfolgreicher CMS im Open Source-Segment verglichen. Beide Systeme profitieren von ihrer großen Fan-Gemeinde, die dafür sorgt, dass die Systeme auch langfristig einen festen Platz am CMS-Markt einnehmen werden. So sind auch in Zukunft Updates (Aktualisierungen), Bugfixes (Fehlerkorrekturen), neue Versionen und zahlreiche Erweiterungen aus beiden Communities zu erwarten.
Einige Eigenschaften bzw. Fähigkeiten der Systeme bilden eine Schnittmenge. Beispielsweise sind die CMS in puncto modulare Erweiterbarkeit, Barrierefreiheit oder der Einbindung/Verwendung von WYSIWYG-Editoren durchaus ebenbürtig.
Deutliche Abstriche muss Joomla! beim Multi-Site-Management machen, welches praktisch nicht vorhanden ist. Auch eine passable Versionsverwaltung lässt Joomla! vermissen. Hingegen punktet Joomla! durch die einfachere Installation und anfangs intuitivere Bedienung. Dadurch sind dem User schnelle Erfolge sicher.
TYPO3 hat Vorteile bei der Benutzerverwaltung und der Vielseitigkeit. Gerade die Rechteverwaltung ist in TYPO3 so granular einstellbar, dass keine Wünsche offen bleiben. Außerdem sind ein Workflow-Management sowie eine Versionsverwaltung bereits im Lieferumfang enthalten. Durch seine Komplexität ist TYPO3 in der Handhabung komplizierter. Es ist zu erwarten, dass aufwändige Schulungen für die späteren Redakteure nötig sein werden, was das Budget belasten kann.
Grundsätzlich haben beide Systeme ihre Vor- und Nachteile. So ist trotz des Punkteunterschieds im Gesamtergebnis der Nutzwertanalyse kein eindeutiger Sieger zu ermitteln. Für die Wahl des richtigen CMS ist es zwingend erforderlich das entsprechende Umfeld zu betrachten, in dem das CMS eingesetzt werden soll. Für Einsteiger und kleinere Webseiten, bei denen unmittelbar kein großes Wachstum an Inhalten oder bestimmten Funktionalitäten zu erwarten ist, ist Joomla! aufgrund einer geringen Einarbeitungszeit sicherlich die bessere Wahl. TYPO3 entfaltet erst bei grösseren Projekten sein ganzes Leistungsspektrum und wird auch dort seine Grenzen kaum erreichen.
Es bleibt abzuwarten wie sich beide Systeme mit den kommenden Versionen weiterentwickeln oder auch einander annähern werden.
8 Fußnoten
- ↑ vgl. North (2009), S. xxvi
- ↑ vgl. North (2009), S. 2 ff.
- ↑ vgl. North (2009), S. 6
- ↑ vgl. Webseite CMS Matrix
- ↑ vgl. Wikipedia - Open Source
- ↑ vgl. Stöckl/Bongers, 2006, Seite 26
- ↑ vgl. TYPO3 Webseite - Geschichte
- ↑ vgl. Stöckl/Bongers (2006), S. 26
- ↑ vgl. Stöckl/Bongers (2006), S. 26 ff.
- ↑ vgl. TYPO3 4.3 Release Notes
- ↑ vgl. TYPO3 Roadmap
- ↑ vgl. Joomla! Webseite - Joomla! in Zahlen
- ↑ vgl. Joomla! Webseite - Joomla! beta1
- ↑ vgl. Kern/Führer/Schröder (2006)
- ↑ vgl. Ebersbach/Glaser/Kubani (2008), S. 17
- ↑ vgl. Webseite Handbuch Usability
- ↑ Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen, Abschnitt 1, § 4
- ↑ vgl. BITV Infos
- ↑ vgl. BIENE Webseite
- ↑ vgl. Lipinski (2004), S. 87
- ↑ vgl. GlossarWiki Fachhochschule Augsburg FHA
- ↑ vgl. Ebersbach/Glaser/Kubani (2008), S. 157 f.
- ↑ vgl. Lipinski (2004), S. 649
- ↑ vgl. Contentmanager.de Praxishandbuch
- ↑ vgl. Wikipedia - Tutorial
- ↑ vgl. Wikipedia - Handbuch
- ↑ Webseite Business Dictionary - Community
- ↑ vgl. Drews/Hillebrand (2010) S. 119 ff.
- ↑ vgl. Graf (2007), S. 49
- ↑ vgl. Schürmann (2008), S. 12 ff.
- ↑ vgl. The Apache Software Foundation
- ↑ vgl. Meyer (2008), S.15
- ↑ Redundant Array of Independent Disks - dienen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit
- ↑ vgl. Meyer (2008), S. 11
- ↑ vgl. Meyer (2008), S. 63 f.
- ↑ vgl. Ebersbach/Glaser/Kubani (2008), S. 91 f.
- ↑ vgl. Graf (2007), S.108
- ↑ vgl. Meyer (2008), S. 400 ff.
- ↑ vgl. Joomla Content Version Control
- ↑ vgl. Quelltext auf typo3.org
- ↑ vgl. Quelltext auf joomla.org
- ↑ vgl. W3C Check joomla.org
- ↑ vgl. W3C Check typo3.org
- ↑ vgl. Graf (2007), S. 107
- ↑ vgl. Extension Repository
- ↑ vgl. Meyer (2008), S. 272
- ↑ vgl. Meyer (2008), S. 73
- ↑ vgl. Templates auf Joomlaos
- ↑ vgl. Graf (2007), S. 35
- ↑ zu deutsch: Vorlage, Schablone
- ↑ vgl. Graf (2007), S. 34
- ↑ vgl. Contentmanager.de Praxishandbuch
- ↑ vgl. Joom!Fish
- ↑ vgl. amazon.de Ergebnisliste TYPO3
- ↑ vg. amazon.de Ergebnisliste Joomla!
- ↑ vgl. Joomla! Official Documentation
- ↑ vgl. TYPO3 Dokumentation
- ↑ vgl. Webseite T3N Magazin
- ↑ vgl. TYPO3 5.0 Experience Concept Presentation
- ↑ vgl. TYPO3 Usergroups
- ↑ vgl. TYPO3 Forum
- ↑ Forum auf joomla.org
- ↑ vgl. Deutsche JUGs
- ↑ vgl. Internationale JUGs
- ↑ vgl. Google Trends - Vergleich
- ↑ vgl. Joomla! Community Showcase
- ↑ vgl. Sites made with TYPO3
9 Literatur- und Quellenverzeichnis
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| Ebersbach/Glaser/Kubani (2008) | Anja Ebersbach, Markus Glaser, Radovan Kubani, "Joomla! 1.5 für Einsteiger", 1. Auflage, Galileo Press, Bonn 2008 |
| Ebner/Schuster (2007) | Alexander Ebner, Patrick Schuster, "TYPO3 und TyposScript", Carl Hanser Verlag, München 2007 |
| Feth (2008) | Joscha Feth, "Das TYPO3 Anwenderhandbuch", Addison-Wesley, München 2008 |
| Graf (2007) | Hagen Graf, "Joomla! 1.5: Websites organisieren und gestalten mit dem Open Source-CMS", 1. Auflage, Addison-Wesley, München 2007 |
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| Lipinski (2004) | Klaus Lipinski, "Handlexikon der Informationstechnologie", mitp-Verlag, Bonn 2004 |
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| Schürmann (2008) | Tim Schürmann, "Praxiswissen Joomla!", 1. Auflage, O'Reilly Verlag, Köln 2008 |
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