Location Based E-Business im Gesundheitswesen
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Fallstudienarbeit | |
| Hochschule: | Hochschule für Oekonomie & Management |
| Standort: | Essen |
| Studiengang: | Bachelor Wirtschaftsinformatik |
| Veranstaltung: | Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten |
| Betreuer: | Prof._Dr._Uwe_Kern |
| Typ: | Fallstudienarbeit |
| Themengebiet: | Location Based eBusiness |
| Autor(en): | Thorben Klein, Jana Boeck, Julian Rother |
| Studienzeitmodell: | Abendstudium |
| Semesterbezeichnung: | |
| Studiensemester: | 4 |
| Bearbeitungsstatus: | begutachtet |
| Prüfungstermin: | |
| Abgabetermin: | |
1 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| AAL | Ambient Assisted Living |
| CAALYX | Complete Ambient Assisted Living Experiment |
| E-Business | Electronic Business |
| E-Procurement | Electronic Procurement |
| E-Shop | Electronic Shop |
| E-Marketplace | Electronic Marketplace |
| E-Community | Electronic Community |
| EKG | Elektrokardiogramm |
| GPS | Global Positioning System |
| LBS | Location Based Services |
| LED | Light Emitting Diode (lichtemittierende Diode) |
| CAALYX | Complete Ambient Assisted Living Experiment |
| SOPRANO | Service-oriented Programmable Smart Environments for Older Europeans |
2 Abbildungsverzeichnis
| Abbildung Nr. | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Kategorien und Beispiele für Location Based Services Anwendungen |
| 2 | Telemedizin und ihre Anwendungsgebiete |
| 3 | E-Business und seine Teilbereiche |
| 4 | EMO Demenz |
| 5 | EMO Demenz New |
| 6 | GPS Satellit |
| 7 | CardioMessenger® II & II-S |
| 8 | Lumax CRT Herzschrittmachern I/II & S |
| 9 | Ein implantiertes Einkammer-Schrittmachersystem |
| 10 | Verbot Herzschrittmacher |
| 11 | Handyortung |
| 12 | "near me now" |
| 13 | Pollenradar |
| 14 | Geo-Apothekensuche |
| 15 | App-Store |
| 16 | Anbieter Pollenradar |
3 Einleitung
3.1 Problemdarstellung
Neue Technologien haben unser Leben einfacher und bequemer gemacht. Sie haben aber auch zur Folge, dass die Bevölkerung im Allgemeinen und in wohlhabenden Ländern im speziellen immer Älter wird[1]. Die gestiegene Lebenserwartung, verbunden mit einer rückläufigen Geburtenrate, führt zwangsläufig zu einer Belastungsprobe für soziale Sicherungssysteme. So mussten allein im Jahr 2001 100 erwerbstätige Personen für rund 44 Rentenempfänger aufkommen. Diese Entwicklung wird sich so stark fortsetzen, dass in Deutschland im Jahr 2050 100 Erwerbstätige für ungefähr 78 Rentenempfänger aufkommen müssen.[2]
Aus einem höheren Durchschnittsalter folgen auch höhere Ausgaben für medizinische Versorgung. Hieraus resultierte unter Anderem, dass allein in Deutschland im Jahr 2002 17,4 Millionen Menschen stationär in einem Krankenhaus behandelt wurden.[3] Hierfür waren 48 Prozent der, in Deutschland im Jahr 2002 arbeitenden, 301.060 Ärzte notwendig[4].
Ferner entwickelt sich die Haushaltsstruktur in den nächsten Jahren weiter zu Ein- bis Zweipersonenhaushalten, was die häusliche Pflege weiter erschweren wird. Trotzdem möchte ein Großteil der Menschen weiter in der gewohnten Umgebung bleiben.[5] Somit werden auch neue Ortungsdienste zur häuslichen Überwachung benötigt werden[6] Diese sind vor allem für Menschen interessant, die auf Grund von Herzkreislaufkrankheiten(auf welche die meisten Todesfälle, noch vor Tumorerkrankungen, im Jahr 2001 in Deutschland zurückzuführen waren)[7], Demenz und anderen Überwachungsbedürftigen Krankheiten ständiger Beobachtung bedürfen, aber weiter in ihrer gewohnten Umgebung leben wollen. Es scheint somit einen Bedarf an Softwarelösungen mit eingebauten Ortungsservices für kranke Menschen zu geben.
Um diesen Bedarf zu decken stehen mögliche Anbieter dennoch vor einen Vertriebsproblem. Sie müssen neue Produkte im Markt etablieren und diese auch Softwaretechnisch aktuell halten können. Im Gesundheitswesen bleiben als mögliche Vertriebspartner nur Krankenkasse, Ärzte, Apotheken und die Pharmaunternehmen. Diese Strukturen scheinen jedoch so komplex, dass eine schnelle Produktinnovation schwierig erscheint, da auch die Frage der möglichen Kostenübernahme geklärt werden muss.
Es fragt sich somit, ob nicht viel mehr neue Vertriebswege im Sinne von E-Business geschaffen werden könnten. Daher sollte Location Based E-Business im Gesundheitswesen eine genauere Betrachtung erfahren.
3.2 Vorgehensweise
Um diese Themenstellung genauer erfassen zu können, werden zunächst grundsätzliche Begriffe geklärt. Hierdurch soll der Einstieg in die Thematik vereinfacht werden und eine Basis für die Betrachtung exemplarischer Erkrankungen geschaffen werden. Anhand dieser Erkrankungen werden anschließend Produkte und ihre Hersteller vorgestellt, welche sich mit den Problemen dieses Marktes befasst haben. Anschließend erfolgt eine genauere Analyse aktueller Entwicklungsgremien, die schon Heute versuchen, Lösungswege zu erarbeiten und aufzuzeigen. Zum Abschluss erfolgt ein Fazit über die Erkenntnisse der Ausarbeitung.
4 Begriffsklärung
4.1 Definition LBS
Nach Schiller und Voisard handelt es sich bei Location Based Services um einen auf einem mobilen Gerät Integrierten Service, der zur aktuellen Position des Geräts weitere Informationen liefert und somit dem Nutzer einen Mehrnutzen bietet.[8]
Während Anton Eitzinger unter LBS einen Ortsgebundenen Service versteht, welcher auf den Aufenthaltsort des Nutzer bestimmte Informationen bereitstellt[9].
Hieraus wird deutlich, dass der Begriff Location Based Service in der wissenschaft schon eine Vielzahl von Abgrenzungsversuchen erfahren hat. Unstrittig scheint jedoch das er Aspekte aus der Standortbestimmung und der Kommunikation zusammenfasst. Dabei scheint die Grundidee keine Erfindung der Neuzeit, da bereits die Schifffahrt im Altertum die Gestirne als Bezugpunkte nutzte, um die aktuelle Position des eigenen Schiffes ausmachen zu können. Erst im 20. Jahrhundert stand mit der Neuentwicklung auf dem Gebiet der elektromagnetischen Wellen, eine funktechnische Methode zur Verfügung, welche die optische und ungenaue Standortermittlung ersetzte und eine viel genauere und schnelle Navigation ermöglichte. Diese Weiterentwicklung wurde vor allem in der Luft- und Seefahrt genutzt. Der hohe Bedarf an Techniken zur Ortungsbestimmung im Ersten und Zweiten Weltkrieg brachte eine ganze Fülle von Technologien auf Basis Funktechnischer Bodenstationen hervor. Die nächste Entwicklungsstufe der Ortungssysteme wurde am 05.10.1957 mit dem Abschuss des weltweit ersten Satelliten Sputnik und der damit verbundenen Entwicklung der Satellitennavigation erreicht. Jene Basistechnologie, die vor allem durch ihre weltweite Verfügbarkeit, den relativ geringen Geräteaufwand und die vergleichbar große Genauigkeit die Basis für viele moderne Ortungssysteme schuf[10].
Eines der bekanntesten Systeme ist das amerikanische GPS( global positioning system), welches bereits 1970 entwickelt, aber erst 1980 für zivile Zwecke freigegeben wurde. Der eigentliche Entwicklungsschub folge jedoch erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Markteinführung von Mobiltelefonen als günstige und standardisierter Endgeräte. Schätzungsweise 1997, als die Handynetze in Europa und Amerika bereits ausgebaut waren und die technische Basis für erweiterten Datentransfer boten, wurden jene data services als Zusatzprodukt zur bereits existierenden Stimmübertragung interessanter. Allein der in dieser Hinsicht primitivste Dienst, SMS (Short Message Service) machte 2004 15% des Kommunikationsumsatzes in Europa aus. Dieser Erfolg setzte weitere Investitionen ins Mobile Internet und Nachrichtensysteme frei. Hieraus resultierten Entwicklungen, wie zum Beispiel WAP (Wireless Application Protocol) [11]. Mit der erweiterten Basistechnologie wurden auch neue Arten von Location Based Services zur Marktreife gebracht. Grundsätzlich werden diese in „push services" und „pull services" unterschieden. Die zentrale Differenz der beiden Kategorien liegt darin, dass bei einem „push service" Daten automatisch geladen werden ( neueste Meldung im Verkehr) und beim „pull service" eine aktive Nutzeraktion (Daten abrufen) zur Auslösung der Datenübertragung von Nöten ist. In der Praxis vereinen viele Komponenten diese beiden Ansätze jedoch. Die Abbildung 1. gibt Beispiele für die unterschiedliche Verwendung von push und pull services[12]. .
Ferner hat die Bedeutung der GPS Technologie auch dazu geführt, dass andere Staaten eine zu hohe Abhängigkeit ausmachten und ihrerseits selbst Satellitensysteme entwickelten. So initiierte die Europäische Union das Projekt Galileo, dessen vorrangiges Ziel es ist, die Abhängigkeit Europas vom amerikanischen Navigationssystem zu beenden. Galileo scheint somit ein weiteres Indiz für die hohe Bedeutung von Ortungssystemen für unsere Gesellschaft zu sein.[13]
4.2 Definition Telemedizin
Der Begriff der Telemedizin ist interdisziplinär geartet und betrifft daher viele verschiedene Bereiche. Hieraus folgt, dass keine allgemeingültige Definition existiert. Somit sollen hier nur exemplarisch einige Definitionen genannt werden.
Nach Lefebvre meint Telemedizin die „(...) Übertragung von medizinischen Daten mit diagnostischem oder therapeutischen Gegenstand bezüglich eines Patienten und zu dessen individuellen Nutzen"[15]
Faure hingegen sieht die Telemedizin als „(...) eine neue Form der medizinischen Zusammenarbeit auf Distanz zwischen Ärzten, die zeitgleich oder zeitversetzt in Anwesenheit des Patienten mit dessen Einwilligung oder ohne Anwesenheit der Patienten vorgenommen wird"[16].
Insgesamt wird deutlich, dass es einen Konsens über die Tatsache zu geben scheint, dass es bei Telemedizin um die Transferierung von Daten mit medizinischem Kontext geht. Die Übertragung dieser Daten kann auf vielerlei Wegen erfolgen. So sind akustische, visuelle oder schriftliche Übertragungswege möglich, deren Übermittlung entweder zeit versetzt oder in Echtzeit erfolgt. All dies hat zum Ziel, dass eine genaue und differenzierte Diagnose gestellt werden kann und so die Behandlung bzw. die Therapie des Patienten unter optimalen Bedingungen eingeleitet und fortgeführt werden kann.[17]
Bedingt durch die Interdisziplinarität des Begriffs sind die Anwendungsgebiete vielseitig. So werden die gut dokumentierten Bilder und Patientenberichte schon heute für die Ausbildung neuer Fachkräfte genutzt, welche durch die vielen Fallbeispiele und Simulationen bestmöglich auf ihr individuelles Tätigkeitsfeld vorbereitet werden. Diese breite Wissensbasis aus der Telemedizin, wird auch als Enablingsystem verstanden.
Ferner wird der Terminus der Telemedizin auch mit der elektronischen Chipkarte, welche die Krankengeschichte des Patienten enthält und auch als elektronisches Rezept dienen kann,in Verbindung gebracht. Hierbei sind jedoch vor allem datenschutzrechtliche Bedenken und nicht technische Probleme der Grund für die geringe Verbreitung der digitalen Gesundheitskarte So ist natürlich auch der Datenschutzaspekt stark mit dem Begriff der Telemedizin verbunden. Mit zunehmender Digitalisierung der Anamnese, wird es für den Patient schwieriger nachzuvollziehen, welchem Arzt Daten vorliegen und woher dieser diese Daten bezogen hat. Diese Bedenken scheinen jedoch immer aufzutreten, wenn personenbezogene Daten zentral gespeichert und einer bestimmten Personengruppe zugänglich gemacht werden sollen.
Allen Bedenken zum Trotze nutzen Ärzte heute schon die Möglichkeit; andere Spezialisten zu Rate zu ziehen und so zu einer genaueren Diagnose zu gelangen. Hier dient die Telemedizin als zentrale Schnittstelle, welche in der Fachliteratur auch unter den Begriff der Telekonsultation bekannt ist.
Telekonsultation als Teilbereich von Telemedizin wird in vielen Spezialbereichen der Medizin genutzt. Sei dies nun im Rahmen einer Röntgenbildübertragung durch die Radiologie oder einer Echtzeitoperation durch die Fernsteuerung eines Operationsroboters in der Chirurgie. Auch ferngesteuerte Mikroskopie in der Pathologie und Dermatologie sind ein Anwendungsbereich von Telemedizin[19]. Um diesen Vielfältigkeit des Begriffes erneut zu verdeutlichen, sei auf die Visualisierung der Teilbereiche von Telemedizin in Abbildung 2 verwiesen.
Auch die Industrie hat dieses Segment der Medizin als Wachstumsmarkt erkannt, hierauf wird jedoch im weiteren Verlauf der Arbeit genauer eingegangen werden.
4.3 Definition E-Business im Gesundheitswesen
Der Begriff Electronic Business hat in der wissenschaftlichen Literatur eine vielfältige Bedeutung. Im Allgemeinen wird unter diesem Begriff die komplette elektronische Abwicklung aller Geschäftsprozesse innerhalb eines Unternehmens verstanden. Diese elektronischen Geschäftsprozesse beziehen sich ferner fast immer auf das Internet, als Übertragungsmedium. Man kann somit davon ausgehen, dass der Begriff seine Existenz der Verbreitung von Internet- und Kommunikationstechnologien verdankt.[20]
Ferner konnte die Entstehung zahlreicher Neologismen, wie E-Procurement oder E-Community im Zusammenhang mit E-Business beobachtet werden.[21]
Auch im Gesundheitswesen hat diese Entwicklung ihre Spuren hinterlassen. Am deutlichsten werden die Veränderungen im Krankenhaus. Diese beschaffen Güter vermehrt auf dem elektronischen Wege und bilden somit eine elektronische Beschaffung (E-Procurement) ab. Hierbei sind die Motivationen zu diesem Schritt durchaus mit anderen Branchen vergleichbar. So erhofft man sich Kosteneinsparungen durch große Bestellvolumen und bessere Lieferantenkonditionen, sowie geringere Personalkosten durch Zentralisierung des Einkaufsprozesses. Ferner gibt es bereits Dienstleister, welche die gesamte Beschaffung für Ihre Kunden aus dem Gesundheitswesen abnehmen und diese Dienstleistung auch erfolgreich am Markt platziert haben.[23]
Neben dem E-Procurement sieht Kollmann noch 3 andere Aspekte:
1. Den elektronischen Verkauf im Internet, den er unter E-Shop zusammenfasst [24]
2. Den elektronischen Marktplatz (E-Marketplace), als Ort, wo elektronisch Angebot und Nachfrage zusammenlaufen. [25]
3. Die elektronische Community, in der sich Personen untereinander zu verschiedenen Themenbereich austauschen können.[26]
Die Abbildung 3 verdeutlicht noch einmal den Zusammenhang der 4 Teilbereiche von E-Business nach Kollmann. Für das Gesundheitswesen ergeben sich somit neben der elektronischen Beschaffung auch Möglichkeiten, Medizinische Produkte und Dienstleistungen über das Internet zu vermarkten(E-Shop), diese Angebote zur vergleichen (E-Marketplace) und in speziellen Foren Informationen von medizinischen Belangen zu veröffentlichen (E-Communitiy).
5 Exemplarische Anwendungsgebiete
Die Einsatzmöglichkeiten von Location Based Services im Gesundheitswesen sind vielfältig. Durch den Einsatz von LBS lassen sich viele Krankheiten und gesundheitsgefährdende Ereignisse erforschen, lindern, vermeiden oder unterstützen im Ernstfall die schnelle Hilfeleistung. Zum Einen bereichern geolokale Informationen die Erforschung des individuellen Patienten, als auch in die allgemeine Erforschung der Krankheit in der anonymen Masse. Aus den Informationen wiederum lassen sich Behandlungsmethoden oder die individuelle Einstellung von Medikamenten ableiten. Je nach Anwendungsgebiet lässt sich durch Hilfe im Alltag die Selbstständigkeit der Patienten erhöhen und ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Der Einsatz LBS-Basierter Produkte kann sowohl verbeugend als auch im Akut-Fall erfolgen. Der nachfolgende Abschnitt soll eine Einführung in eine Auswahl an Krankheitsbildern als Einsatzgebiete geben, für die LBS Technologien in der ein oder anderen Form von Bedeutung sind.
5.1 Asthma
Die Technologie der Geolokalisierung ist sehr interessant für Asthma Patienten. Asthma ist eine weit verbreitete Krankheit mit steigenden Betroffenenzahlen. Derzeit sind ca. fünf Prozent der Erwachsenen erkrankt, unter Kindern sind es zehn Prozent. Unter Kinder ist Asthma gar die am Weitesten verbreitete chronische Krankheit.[27][28][29]
Asthma äußert sich hauptsächlich in Anfällen mit Atemnot, Husten und Atemgeräuschen. Die Krankheit bedeutet eine starke Einschränkung der Lebensqualität; zudem fordert sie in Deutschland jährlich 5000 bis 6000 Todesopfer.[30][31]
Die Ursachen für Asthma sind vielfältig. Jeder Patient zeigt unterschiedliche Auslöser bzw. Verstärker für die Symptome. In 80% der Fälle lässt sich die Krankheit auf Allergien zurückführen, beispielsweise Allergien gegen Pollen, Schimmelpilze oder ähnliches. Als nicht allergiebedingte Auslöser gelten Chemikalien, z.B. in Haushaltsreinigern, Tabakrauch, Sprays, aber auch Stress oder Wettereinflüsse. Für die Patienten ist es sehr wichtig, ihre Krankheit mit den individuellen Auslösern für Asthmaanfälle kennenzulernen und zu analysieren. Das hilft Anfällen vorzubeugen, oder mindestens gut vorbereitet zu sein.[32][33]
Die Individualität der Auslöser und deren Erforschung, sowohl des Einzelnen Patienten sowie statistisch, stellt den Ansatzpunkt für den Einsatz von Location Based Services dar. In Kombination mit einem Peak-Flow-Meter, einem Asthma-Tagebuch, finden LBS ihre Anwendung. In dem Asthma Tagebuch sollen vom Patienten festgehalten werden, welche Symptome zu welchem Zeitpunkt aufgetreten sind, und in welcher Intensität. Ergänzt durch ein Gerät zur Messung der Lungenkapazität,d.h. dem Druck des Ausatmens, kann die aktuelle Lungenfunktionstätigkeit bestimmt werden. Dies ist täglich zu bestimmten Uhrzeiten anzuwenden, oder bei Bedarf, wenn ein Gefühl der Verschlechterung der Atemtätigkeit auftritt.[34][35][36]
Die Möglichkeit, den Verlauf des Asthmas mobil zu protokollieren und mit ortsbezogenen Informationen anzureichern, birgt ein hohes Potential für den einzelnen Patienten. Durch die Auswertung von Anfallszeitpunkt und Ort lassen sich Wettereinflüsse oder allergene Einflüsse nachvollziehen. Orte, an denen häufiger Anfälle vorgekommen sind, lassen sich identifizieren. Die Analyse des individuellen Krankheitsverlaufs stellt wichtige Informationen für den behandelnden Arzt dar. So kann eine passgenaue Einstellung der Medikamente erfolgen. Ein hohes Potential birgt auch die Verallgemeinerung der Daten, die Analyse der anonymen Masse. Es lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen über die externen Faktoren des Asthmas. [37][38]
Insbesondere der Zusammenhang mit Pollenallergien ist für den Einsatz von LBS-Technologien interessant. Denn nicht nur die Analyse von vergangenen Zeiträumen stellt eine Bereicherung für die Behandlung von Patienten dar, sondern auch die Bereitstellung von individuellen, aktuellen und zukunftsbezogenen Informationen. So können Pollenallergiker, abhängig von ihrem aktuellen Aufenthaltsort, über den aktuellen und vorhergesagten Pollenflug – beispielsweise über das Mobiltelefon – benachrichtigt werden. Sie können eine Warnmeldung erhalten, wenn starke Pollenaktivität gemessen wird, bzw. wahrscheinlich bevorsteht. In Deutschland stehen 45 Pollenfallen, in Europa sind es 662. Diese messen und überwachen den Pollenflug. Die Daten stehen zahlreichen Medien bzw. Pollenvorhersagen zur Verfügung. Aufgrund dieser Warnmeldungen und Vorhersagen kann ein Pollenallergiker Vorkehrungen treffen um akute Asthmaanfälle zu vermeiden. [39][40] [41] Allein die Möglichkeit, die Gefahr eines Anfalls jederzeit frühzeitig zu erkennen gibt ein Gefühl von Sicherheit und beeinflusst die Lebensqualität positiv.
5.2 Demenz
Auch im Bereich Demenz-Patienten lassen sich Location Based Services sinnvoll zum Einsatz bringen. Nach Prof. Dr. Kurz lässt sich eine Demenz wie folgt definieren:
"Als „Demenz“ bezeichnet man in der Medizin einen anhaltenden oder fortschreitenden Zustand herabgesetzter Fähigkeiten in den Bereichen des Gedächtnisses, des Denkens und anderer höherer Leistungen des Gehirns. Dieser muss eine Minderung im Vergleich zum früheren individuellen Niveau darstellen und zu einer Beeinträchtigung bei gewohnten Alltagsaufgaben führen."[42]
Es ist nicht allein das Gedächtnis betroffen, sondern auch andere Hirnfunktionen wie Sprache und Orientierung. Der Begriff Demenz beschreibt noch keine konkrete Krankheit, sondern ist ein Oberbegriff für alle derart gelagerten Krankheiten. Alzheimer ist eine bekannte Form der Demenz.[43]
Die Symptome sind je nach Fortschritt der Krankheit abzustufen. Sie reichen von Vergesslichkeit und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten bei leichten Schweregraden, über Handfertigkeitsstörungen, z.B. im Haushalt, Sprach- und Erkennungsstörungen und zeitliche wie örtliche Desorientierung bei mittleren Schweregraden, bis hin zu Gedächtniszerfall, mangelnder persönlicher Orientierung usw. Der Grad der Selbstständigkeit nimmt hierbei sukzessive ab.[44]
Das Demenzrisiko steigt mit zunehmendem Alter stark an. Die Schätzung der Betroffenenzahlen liegt derzeit bei 1,2 Mio. Krankheitsfällen. Lt. Dr. Kurz werden es im Jahr 2050, unter der Prämisse, dass sich der Prozess der "alternden Gesellschaft" mit immer mehr alten Menschen weiter fortsetzt, doppelt so viele Fälle sein wie heute.[45]
Besonders bedeutsam für den Einsatz der Geolokalisierung ist die Weglauftendenz Demenzkranker. Etwa 60% der Erkrankten laufen mindestens einmal weg, d.h. sie verlassen ihre Wohnung, das Heim oder das Krankenhaus. Das kann sehr gefährlich für den Patienten sein. Es besteht die Gefahr, dass der Patient über Stunden umherirrt, und nicht mehr nach Hause findet. Durch unangemessen gewählte Kleidung und das Vergessen der Nahrungsaufnahme entstehen leicht Erschöpfungszustände oder gar Infektionen. Da der Patient oft nicht in der Lage ist, Gefahren im Straßenverkehr oder eine mögliche Sturzgefahr zu erkennen, kommt es häufig zu Verletzungen.[46][47][48]
Die ständige Sorge ist eine große Belastung für die pflegenden Personen, seien es Angehörige oder Pflegekräfte. Nicht zuletzt aus ethischen Gründen, ist das Einsperren der an Demenz erkrankten Personen keine Lösung. Ortungssysteme bieten hier eine Möglichkeit, das Wiederfinden der verirrten Personen zu erleichtern. Es lassen sich gar geschützte Zonen oder Sicherheitsgebiete einrichten, die Alarm schlagen, sobald die betreffende Person bestimmte Grenzen überschreitet. So lassen sich die Ortungssysteme sowohl für das Wiederfinden im Ernstfall einsetzen, als auch vorbeugend, um das Weglaufen rechtzeitig zu verhindern.[49]
Für die Realisierung müssen die Patienten mit einem Sender ausgestattet werden, den sie immer bei sich tragen sollten. Diese können sich in Armbändern, Uhren, Handys, oder gar Schuhen befinden. Ein hierbei zu lösendes Problem ist, dass ungewohnte Gegenstände von Demenzkranken leicht vergessen werden. Ist dies sichergestellt, birgt die Patientenüberwachung große Vorteile, sowohl für Patient wie auch für die pflegenden Personen. Es besteht eine höhere Sicherheit für den Patienten, und damit ein beruhigendes Gefühl für die Angehörigen, da sie weniger Angst haben müssen. Der Patient ist zudem in der Lage, für längere Zeit selbstständig zu leben – der Betreuungsbedarf sinkt. Angesichts der erwarteten Erhöhung der Betroffenenzahlen in den nächsten Jahrzehnten, wird es sich lohnen, zukünftig auf diese Technologie zurückzugreifen.[50][51]
5.3 Migräne
Migräne ist ein oft halbseitiger, in Attacken auftretender pochender, pulsierender Kopfschmerz. Diese können von Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Phono- und Photophobie sowie Osmophobie begleitet werden. Die Attacken können sich bis zu einem Tag vorher durch Symptome wie z.B. Gähnen, Befindlichkeitsstörungen oder Heißhunger ankündigen. Wird die Attacke durch eine sogenannte Aura begleitet, kann es zu neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen kommen, wie z.B. Sprachstörungen oder das Sehen von Lichtblitzen. Die Dauer und Häufigkeit der auftretenden Attacken ist von Patient zu Patient und von Mal zu Mal unterschiedlich. Die Bandbreite erstreckt sich von einer Attackendauer von vier bis 72 Stunden – Mehrmals im Monat möglich, aber auch seltener.[52]
Schätzungsweise leben in Deutschland 8 Millionen Betroffene, wobei mit 12 bis 14% eher Frauen unter Migräne leiden, als Männer (ca. 6-8%). Bei den 5% betroffener Kinder ist die Krankheit unter den Geschlechtern gleich verteilt. Die Auswirkungen der Migräne auf die Patienten und ihre Angehörigen sind, zusätzlich zu den verursachten Kosten z.B. für Medikamente, weitreichend. Häufig wiederkehrende Arbeitsunfähigkeit und bei Kindern Fehlzeiten in der Schule haben mutmaßlich sehr negative Auswirkungen auf Leistung und Karriere der Betroffenen. Auch bei der Freizeitgestaltung müssen Abstriche gemacht werden.[53][54]
So unterschiedlich, wie die Migräne sich symptomatisch äußert, so unterschiedlich sind auch die Trigger, die auslösenden Faktoren. Beispiele hierfür sind Hormone, Stress, Alkohol- oder Nikotingenuss, Flickerlicht, Gerüche, körperliche Anstrengung usw.[55] Letztlich ist es nicht abschließend belegt, inwiefern diese sogenannten Trigger wirklich Einfluss auf die Entstehung von Migräneattacken haben. Es besteht lediglich ein begründeter Verdacht.[56]
Dennoch lohnt es sich, seine persönliche Lebensweise zu analysieren, und festzustellen, was eventuell zu einem verstärkten Auftreten der Migräne führt, und prophylaktische Maßnahmen ergreifen zu können. Dies gilt insbesondere, wenn die Schmerzen als unerträglich empfunden werden oder wenn bei der Akuttherapie die Medikamente nicht anschlagen bzw. nicht vertragen werden. Eine Möglichkeit, der Analyse nachzukommen, ist das Führen eines Migränetagebuchs. Dieses kann zudem die Diagnostik unterstützen. In dem Tagebuch wird die Häufigkeit der Attacken nachgehalten, sowie die eingenommenen Medikamente und deren Wirkung. Ziel ist es, die Medikamente optimal einzustellen und identifizierte Trigger zu vermeiden. Werden die Häufigkeit und die Intensität der Migräneattacken um mindestens 50% gesenkt, gelten die Prophylaxemaßnahmen als erfolgreich.[57]
5.4 Herz Probleme
Es gibt eine Vielzahl an Herzkrankheiten in unterschiedlichen Schweregraden. Beispielhaft lassen sich Krankheitsbilder wie die Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen nennen.
Die Herzinsuffizienz ist eine Herzmuskelschwäche. Das Herz hat nicht genug Kraft, den Blutkreislauf ordnungsgemäß anzutreiben. Vor der linken Herzkammer entsteht ein Blutstau. Dies äußert sich für den Patienten in Symptomen wie verminderter Belastbarkeit, Luftnot, geschwollenen Beinen durch Wasseransammlungen bishin zum akuten Notfall. Pro Jahr erkranken 200.000 Menschen neu an Herzinsuffizienz, 600.000 sind chronisch betroffen. Bluthochdruck und Herzgefäßerkrankungen können Vorläufer einer Herzschwäche sein.[58][59]
Herzrhythmusstörungen liefern einen Oberbegriff für ein Krankheitsbild mit verschiedensten Ausprägungen. Die Herzrhythmusstörungen äußern sich beispielsweise in Extraschlägen des Herzens, Aussetzern oder einem unregelmäßigem Herzschlag. Herzrasen, und damit ein zu schneller Herzschlag, sowie das zu langsame Schlagen des Herzens zählen ebenfalls zu den Herzrhythmusstörungen. Luftnot, Brustschmerzen und Schwindel bis hin zur Ohnmacht lassen sich als weitere Symptome anführen. Die Gefährlichkeit hängt von der Schwere des Taktverlustes ab. Leichte Störungen sind harmlos. Mit steigender Intensität werden sie behandlungsbedürftig, sie können gar lebensbedrohlich sein.[60][61]
Die Ursachen von Herzrhythmusstörungen sind ebenso vielfältig wie das Krankheitsbild. So können bestehende Herzfehler oder andere Herzerkrankungen genauso zu einer Taktstörung des Herzens führen wie die längere Einnahme von Medikamenten oder gar Sport. Wird eine Behandlung notwendig, werden je nach Art und Schwere der Krankheit Medikamente oder ein Herzschrittmacher eingesetzt. In schweren Fällen bei Gefahr eines Herzstillstandes, werden Defibrillatoren direkt am Herzen eingesetzt, die im Notfall das Herz wiederbeleben.[62]
Die Aufgabe der Technologie besteht in der Überwachung der Lebensfunktionen. Die Daten, z.B. EKG-Aufzeichnungen, können direkt an den Arzt weitergeleitet werden. Durch die Möglichkeit einer langfristigen Beobachtung, wird auch eine schleichende Verschlechterung des Gesundheitszustandes frühzeitig erkannt. Ein Alarm bei signifikanter Über- oder Unterschreitung der Normal- bzw. Toleranzwerte oder das automatische Rufen von Rettungskräften zum richtigen Ort ergänzen den Einsatz.[63]
Die Kombination aus Überwachung der Lebensfunktionen und Notruffunktion gibt dem Patienten und seinen Angehörigen ein Gefühl der Sicherheit. Durch die Früherkennungsmaßnahmen, können viele Veränderungen des Gesundheitszustandes ambulant behandelt werden – weniger Krankenhausaufenthalte werden Notwendig. Der positive Einfluss auf die Lebensqualität lässt sich erahnen.[64]
6 Anbieter & Produkte
6.1 Emo Ortungsdienste für Demenzkranke
6.1.1 Firmenbeschreibung
Die Firma EMO Telematik ist ein 2004 gegründetes Unternehmen in Dessau-Roßland, welches sich auf GPS, Ortung und Telematiklösungen spezialisiert hat. Durch Beratung und Analysen der Ziele ihrer Kunden, unterstützen Sie ihre kunden bei der Anwendung mondernster Telematik. Neben der GPS Fahrzeugortung, Flottenmanagement, Flottensteuerung und Fahrtenbuchschreiber hat sich die Firma EMO Telematik seit 3 Jahren auch auf die Patientenhife durch GPS-Personenortung spezialisiert. Gerade im Bereich Demenz & Alzheimer werden die Produkte bereits in ganz Deutschland eingesetzt.[65]
6.1.2 Produktbeschreibung EMO Demenz & EMO Demenz New
Durch die Problematik der Weglauftendenz sind Alzheimer oder Demenzpatienten einer ständigen Gefahr z.B. dem Straßenverkehr ausgesetzt. EMO Demenz & EMO Demenz New sind leichte und kompakte GPS-Ortungssysteme die wie eine Uhr am Arm der Patienten befestigt werden können. Mit Hilfe von GPS werden die Koordinaten exakt ermittelt und per Mobilfunk an den Server übertragen. Dieser verarbeitet die Daten und zeigt die genaue Position mit Hilfe von GoogleMaps auf dem EMO Web-Portal an. Das System fungiert hier allerdings viel genauer als z.B. bei einer Handy- bzw Zellortung wo nur ein gewisser Bereich von 200 bis 6000 Meter zwischen zwei Handymasten angezeigt werden kann. Mit dieser Technologie lassen sich die Personen, die das Gerät tragen mit einer Treffsicherheit von nur 5 bis 10 Metern orten und auch die Positionen der letzten 90 Tage nachvollziehen. Die ist insbesondere dann vom Vorteil um Bewegungsmuster der Patienten nachzuvollziehen und wird bereits in der Alzheimertherapie erfolgreich eingesetzt. Angehörige können so im Notfall auch ohne direkte Ortung die typischen Laufwege erkennen und an bestimmten Orten die häufiger aufgesucht wurden als andere suchen.[67]
Eine Interessante Möglichkeit der EMO Demenz Systeme ist die sogenannte „geschütze Zone“. Dabei können Bereiche auf der Karte des Web-Portals eingerichtet werden die die Person betreten darf (z.B. Altenheim, Park in der Nähe). Betritt die gewünschte Person nun einen nicht geschützen Bereich, wird eine Alarmmeldung verschickt, so dass der Pflegedienst oder die Angehörigen den Patienten wieder in seine sichere Umgebung zurückführen können.[69]
Die Firma EMO bietet auf ihrer Webseite auch eine Demoversion des Ortungsportal an:
http://rec.mine.nu
Nutzer: test
Passwort: test
6.1.3 Weiter Einsatzgebiete/ EMO Produkte
Die Produkte der Firma Emo Telematik werden nicht nur in der Alzheimer und Demenztherapie eingesetzt. Die EMO Handyortung wird z.B. in Rettungsstellen für eintreffende Notrufe verwendet um Einsatzzeiten zu verkürzen.
Ein weiteres Produkt ist das EMO Security Paket für Krankenhäuser/ Pflegestationen/ Gebäude.
- Sicherung und Überwachung der Säuglingsstation als Überwachungsschutz Kindesdiebstahl. Escortservice für Eltern oder Pflegepersonal.
- Dementensystem mit zentralem Monitoring
- Personennotruf mit Ortsangabe im Gebäude
- Sicherung und Überwachung sowie Zutrittskontrolle von Räumen mit höchstwertigstem Equipment oder Datenmaterialien.
- Mobiles Visitesystem, bei dem das intelligente Bett / und der Patient identifiziert werden.
- Echtzeit-Tracking des intelligenten Bettes im täglichen Krankenhausablauf (Logistik).
- Vorbeugende Evakuierungsmethoden -> Meldung der Personenanzahl an die Feuerwehr oder Polizei bei einem Brand.
- Einrichtung von Sammelstellen oder Mobilen Erfassungseinheiten zum Datenabgleich.
- Personenschutz (Totmann – Überwachung)
- Ankopplung von Altenheimen und Ärzten zum schnellen Datenaustausch
- Flexibele Bezahlsysteme
- Unterstützung bei der Pflegedokumentation
- Personen GPS für den Außenbereich (Therapieunterstützung)
- Digitale Videosysteme zur Überwachung des Gebäudes[70]
6.1.4 Technologie
6.1.4.1 GPS
Global Positioning System (GPS) offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. Es wurde 1970 vom US-Verteidigungsministerium entwickelt und ist seit Mitte der 1990er Jahre im vollen Umfang im Einsatz. [72]
Die Technik basiert auf Satelliten, die kontrolliert in die Umlaufbahn der Erde geschossen werden und dort die einmal eingenommene Flugbahn ständig beibehalten. Sie übermitteln ständig ihre aktuelle Position und Uhrzeit woraus spezielle GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und auch Geschwindigkeit errechnen können.[73]
6.1.4.2 Telematik
Telematik ist eine Technologie welche die Technologiebereiche Telekommunikation und Informatik umfasst. Es ist das Mittel zur Informationsverknüpfung zwischen mindestens zwei Informationssystemen mit Hilfe eines Telekommunikationssystems, sowie einer speziellen Datenverarbeitung. [74]
Es ist ein Kunstwort, welches aus den Begriffen "Informatik" und "Telekommunikation" zusammengesetzt ist. Telematik gewann durch den Wandel des Internets von einem wissenschaftlichen Kommunikationsmedium zu einer wirtschaftlich relevanten Infrastruktur, immer mehr an Bedeutung und wurde dadurch auch erstmals als neue Technologie in die Betrachtung genommen. Telematiksysteme vernetzen Menschen, Unternehmen und Geschäftsprozesse, so dass man inzwischen von einer "digitalen Wirtschaft" mit digitalen Marktplätzen (E-Commerce) spricht.[75]
Zu den Kernbereichen der Telematik gehören das Internet, Telefon- & Mobilfunknetze welche sich in folgende Spezialbereiche gliedern:
- Verkehrstelematik
- Flottentelematik
- Gebäudeautomatisierung (Facility Management)
- E-Commerce
- und Gesundheitstelematik auch Telemedizin genannt.
6.1.5 Distributionswege
Derzeit sind die größten Abnehmer von EMO Telematik eher Privatpersonen die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Sie sind diejenigen, die sich mit dem Thema der sogenannten „Weglauftendenz“ befassen und bestellen die die EMO Demenz /New mit ihrem privaten Login auf der Webseite. Die Krankenkasse übernimmt dabei nur einen Teil der Kosten wenn die betroffenen Personen in der Pflegestufe sind. Kosten für die Systeme für Privatpersonen betragen entweder 399€ für das EMO Demenz oder 429,00 € für das EMO Demenz New. Zusätzlich muss bei beiden Systemen ein monatlicher Betrag zwischen 9-10 € bezahlt werden um auch die Web-Plattform nutzen zu können.[76]
Es gibt mittlerweile bereits einige Pflegeeinrichtungen die mit solchen Systemen arbeiten. Hierbei werden die Kosten auf den monatlichen Beitrag für das Pflegeheim gerechnet und kann dann auch voll abgesetzt werden. Ein Trick der allerdings nur möglich ist, wenn die Angehörigen nicht zu Hause gepflegt werden.[77]
Zu den Gesetzlich Vorgeschriebenen Leistungen der Krankenkassen zählen:
Alternative Therapien
Auslandsschutz
Beitragsrückerstattung
Chronisch Kranke (Def.)
Fahrtkosten
Heilmittel
Hilfsmittel
Impfungen
Implantate
Kieferorthopädie
Kinderkrankengeld
Kontrolluntersuchungen
Kostenerstattung
Krankenhausleistungen
Krebsvorsorge
Kuren
Medikamente
Patientenquittung
Psychotherapie
Wahl des Arztes
Zahnbehandlung
Zahnersatz[78]
Seit November 2006 orten die Rettungsleitstellen in Deutschland mit Hilfe einer Ortungsplattform der Björn Steiger Stiftung 70 000 Notrufe pro Jahr die von einem Handy getätigt werden. Viele dieser Anrufe müssen mit der Handyortung zurückverfolgt werden, da die Angaben entweder nicht korrekt oder unvollständig waren.[79]
6.1.6 Vergleichbare Anbieter/ Produkte
| Anbieter | Produkt |
|---|---|
| http://www.idobber.com | iDobber Personenortung |
| http://www.alarm-center.de | KidsFinder Kinderortung |
| http://www.mecomo.com | MECOMO TRACK & GPS mobile |
6.1.7 Chancen und Risiken
Nicht nur in der Notfallmedizin ist die Personenortung wichtig geworden. Die älter werdende Gesellschaft und der große Pflegebedarf zeigen täglich, dass ein Einsatz solcher Technologie immer wichtiger wird. Viele Menschen lassen sich zu Hause pflegen und es ist nicht immer jemand ständig vor Ort. Die Personenortung sinnvoll eingesetzt im Bereich Menschen mit Demenz, kann daher in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. EMO Telematik hat mit Ihren Produkten eine Basis geschaffen, mit der in Zukunft die Betreuung alter und dementer Menschen einfacher gestaltet werden kann.
In vielen Familien stellt sich auch die Frage, ob die betroffene Person zu Hause gepflegt werden, oder ob eine Pflegestation diese Aufgabe übernehmen soll. Viele Angehörige scheuen aus Bedenken der Orientierungslosigkeit dementer Menschen, die Pflege selber in die Hand zu nehmen. Dabei kommt es dem Alzheimerpatienten zugute, so lange wie möglich in seiner gewohnten Umgebung zu bleiben. Den Angehörigen gäbe diese Technik die Sicherheit jeder Zeit zu wissen was passiert und man könnte sich dann voll und ganz auf die Pflege konzentrieren.
Leider übernimmt heutzutage nicht jede Krankenkasse die Kosten für das System, obwohl die Zahl an Alzheimer- oder Demenzpatienten stetig ansteigt. Dadurch das nicht jeder eine anerkannte Pflegeeinstufung hat, fallen viele Bedürftige durch dieses Raster. Ein Umdenken der Menschen in Alternativen ist daher von größter Bedeutung. Um eine solche Technologie jedoch erfolgreich am Markt zu platzieren, müsste mehr Werbung gemacht werden und Therapieplätze in Pflegestationen als quasi Multiplikatoren mit dieser Technologie ausgestattet und angeboten werden. Die Chance betroffenen Patienten mehr Sicherheit zu bieten und Angehörigen die Pflege zu erleichtern sollte gefördert werden.
6.2 Biotronic Fernüberwachung für Herzkrankheiten
6.2.1 Firmenbeschreibung
BIOTRONIK® ist ein führendes europäisches Unternehmen im Bereich der Medizintechnik. Die Hauptgeschäftsfelder sind Elektrotherapie des Herzens und Vaskuläre Intervention.
Produkte im Bereich Elektrotherapie sind z.B.:
Herzschrittmacher,
Defibrillatoren,
Elektroden und Katheter,
Externe Geräte zur Verarbeitung von Implantatdaten,
Elektrophysiologische Mess- und Ablationssysteme.
Produkte für koronare und periphere Erkrankungen sind z. B.:
Führungsdrähte,
Ballonkatheter,
Stents und Stentsysteme.
BIOTRONIK® hat Weltweit rund 5100 Mitarbeiter in der Bereichen Forschung, Entwicklung, Fertigung und Vertrieb.
Gegründet wurde das Unternehmen von Prof. Dr. Max Schaldach mit der Entwicklung des ersten deutschen Herzschrittmacher vor rund 40 Jahren (1963). Das Markenzeichen der Firma ist eine enge Zusammenarbeit mit Experten, Ärzte, Kliniken und Forschung um den Weg von der ersten Idee zum serienreifen Produkt zu verkürzen.
2009 war BIOTRONIK® mit der Homemonitoring Technologie für den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert.[81]
6.2.2 Produktbeschreibung
6.2.2.1 CarioMessenger® II & II S
2001 Begann BIOTRONIK® als erster Unternehmen mit der Entwicklung einer mobilfunkbasierten Fernüberwachungstechnologie für Patienten mit aktiven Herzimplantaten.[83]
Durch den CardioMessenger® II $ II-S steht der Patient immer in Kontakt mit seinem Arzt. Er empfängt Daten von Herzschrittmachern und leitet diese über das Mobilfunknetz an das Homemonitoring Center weiter. Das alles ohne aktive Mitwirkung des Patienten. Der CardioMessenger® ist eine mobile Datenstation, die über ein integriertes Quadbandmodem und einem Netzgerät mit Spannungswandler jedem Patienten mit Herzschrittmachern das Reisen in bis zu 55 Ländern erlaubt. Die Akkulaufzeit beträgt 72 Stunden unterstützt die einfache Bedienung. Mit nur einer Taste und einem schlichten LED-Display ist der CardioMessenger® gegenwärtig das kleinste und fortschrittlichste Fernüberwachungssystem für aktive Herzimplantate am Markt. Da alle Daten automatisch übertragen werden, ist keine Aktion des Patienten erforderlich und im Notfall ist über die GEO-Lokalisierung der Standort sofort auszumachen.[84]
Die Vereinfachte Version ist der CardioMessenger® II-S und ist eher für weniger mobile Patienten geeignet. Er wird in der Wohnung installiert und empfängt ebenfalls alle relevanten Daten der Herzschrittmacher und überträgt diese weiter an das Homemonitoring Center.[85]
Derzeit unterstützen folgende Länder den CardioMessenger:
Europa Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn, Zypern
Länder außerhalb Europas
Argentinien, Brasilien, China, Iran, Israel, Jordanien, Kanada, Katar, Kuwait, Libanon, Mexico, Neuseeland, Niederländische Antillen, Oman, Papua-Neuguinea, Peru, Saudi Arabien, Südafrika, Taiwan, USA, Vereinigte Arabische Emirate, Uruguay, Vietnam[86]
6.2.2.2 Implantate
Der CardioMessenger® unterstützt alle Implantate (Herzschrittmacher) von BIOTRONIK und leitet alle Daten zum Status des Patienten und des Systems automatisch und ohne Mitwirkung des Patienten, an das Home Monitoring Service Center weiter. Dieses erstellt einen umfassenden Bericht, den sogenannten CardioReport der von den zuständigen Ärzten dann ausgewertet wird.[88][89]
Die Schrittmacher mit der BIOTRONIK Fernüberwachung ermöglicht es dem Arzt jedes Gerät individuell nach den Bedürfnissen des Patienten einzustellen und dadurch unnötige Stimulationen zu verhindern.[90]
Home Monitoring optimiert die Patientenversorgung, indem es alle Nachsorgedaten täglich aktualisiert und den Daten-Zugriff zu jeder Zeit ermöglicht. Durch Prüfung dieser Daten kann die Notwendigkeit persönlicher Konsultationen im Voraus eingeschätzt werden. In speziellen Fällen kann die Nachsorge auch aus der Ferne durchgeführt werden. Dafür hat BIOTRONIK Home Monitoring® die FDA- und CE-Zulassung erhalten. [91]
Die FDA ist die US-US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Zulassungsbehörde TÜV das neue BIOTRONIK Homemonitoring zugelassen hat. Seit dieser Zulassung konnte die Überwachung der Herzpatienten eindeutig verbessert werden und den Menschen mehr Freizeit verschafft werden da Sie nicht jeden Tag den Arzt aufsuchen müssen um sich durchzuchecken. [92]
BIOTRONIK Fernüberwachung zeigt den Austauschzeitpunkt (Elective Replacement Indication, ERI) und alle anderen wichtigen Status-Änderungen des Geräts oder der Elektroden an. Dadurch wird die Sicherheit des Patienten erhöht, die Notwendigkeit außerplanmäßiger Nachsorge-Untersuchungen kann frühzeitig erkannt werden. Termine für reguläre Gerätewechsel sind so frühzeitig planbar.[93]
Nur Verbindung von BIOTRONIK Home Monitoring-Schrittmacher oder -ICD und CardioMessenger funktioniert diese Technologie einwandfrei. Eine kleine Antenne am Schrittmacher sendet regelmäßig die Daten an den CardioMessenger, der diese dann automatisch über das Mobilfunknetz weiterleitet. Nach der Verarbeitung kann dann ihr behandelnder Arzt die übertragenen Daten auf einer geschützten BIOTRONIK-Internetseite sehen und bewerten.[94]
6.2.3 Technologie
6.2.3.1 Herzschrittmacher
Ein Herzschrittmacher, der normalerweise im Brustfleisch eingepflanzt wird, besteht aus einem Impulsgenerator (auch als Aggregat bezeichnet). An dieses Aggregat sind eine oder zwei Elektroden, die im Herz implantiert sind, angeschlossen. [96]
Zusätzlich ist ein kleiner Computer, der Impulsgenerator im Schrittmacher eingebaut. Dieser wird durch eine, im Gehäuse des Aggregats versiegelten Gehäuse, Batterie gespeist und überwacht die Herzfunktion und gibt elektrische Energie an das Herz ab, wenn es einen langsamen Rhythmus wahrnimmt. Alle Daten die das Aggregat wahrnimmt werden zusätzlich vom Computer ausgewertet und können dann mithilfe des eines Zusatzgeräts (den Cardio Messenger) dann auch an einen Zentralen Server weitergeleitet werden. Diese Daten sind vor allem für den Arzt von großer Bedeutung. Anhand dieser Daten kann der Arzt mit Hilfe des Programmiergeräts den Schrittmacher so an die Bedürfnisse anpassen, dass der Patient die bestmögliche Therapie erhält.[97]
Es gibt zwei verschiedene Arten von Schrittmachern: Einkammer- und Zweikammer-Schrittmacher. Beide überwachen die Herzfrequenz ununterbrochen und geben bei Bedarf Schrittmachersignale ab.
Der Einkammer-Schrittmacher weist eine einzige Elektrode auf, die zur Überwachung und zur Übertragung von Signalen aus einer Kammer des Herzens (entweder aus dem rechten Vorhof oder dem rechten Ventrikel) verwendet wird. Gerade bei Patienten, bei denen die Signale vom Sinusknoten zu langsam abgegeben werden, nutzen diesen Herzschrittmacher.[98]
Der Zweikammer-Schrittmacher weist zwei Elektroden auf. Die eine Elektrode wird im rechten Vorhof platziert, die andere im rechten Ventrikel. Der Vorteil bei dieser Art von Schrittmacher ist, dass mit Elektroden in zwei Herzkammern der Schrittmacher zwei Herzkammern entweder einzeln oder gemeinsam überwachen kann und Schrittmacherimpulse abgibt. Die Elektroden leiten das Herzsignal zum Impulsgenerator weiter der daraufhin die Energie vom Impulsgenerator an das Herz zurück schickt, um so den Herzrhythmus zu koordinieren.[99]
6.2.4 Chancen und Risiken
Dies Technologien für Herzschrittmacher und Cardio Messenger sind für die unsere heutige Generation die Chance auf ein verlängertes Leben. Durch die ständige Kontrolle der für die Patienten zuständigen Ärzte steigt die Sicherheit für Menschen mit Herzrhythmusstörungen.
Durch eine individuell angepasste Therapie, kann für Patienten mit implantiertem Defibrillator im Laufe der Zeit eine spürbare Entlastung erzielt werden und sogar die Herzrhythmusstörungen vollkommen verschwinden lassen. Es kann allerdings genauso passieren, dass im Laufe der Zeit weitere Rhythmusstörungen, z. B. das Vorhofflimmern auftreten. Die Datenübertragung durch Home Monitoring (mobil oder stationär) kann Ihren Arzt unterstützen, in einem solchen Fall die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln (z. B. durch Medikamente oder Umprogrammierung des Implantats).[101]
Trotz großartigen Ergebnissen ist der Alltag für Patienten mit Herzrhythmusstörungen und einem Therapiesystem (Herzschrittmacher und Cardio Messenger) nicht mehr der gleiche. Beim heutigen Stand der Technik entwickelt fast jedes Elektronikgerät Strahlung, die auf die Funktion eines Herzschrittmacher Einfluß haben können. Telefonieren mit dem Handy, arbeiten am Computer oder sogar schon das Einschalten des Fernsehers kann eine kritische Fehlfunktion auslösen. Die meisten Geräte aus Europa sind zwar nicht gefährlich aber beim Kauf sollte unbedingt darauf geachtet werden, wo ein Schrittmacher Warn-/Verbotsschild angebracht ist. Durch die mobile Einheit von Biotronik sind die Patienten zwar nicht mehr ans Bett gefesselt, jedoch sind im Allgemeinen Reisen – ob mit dem Flugzeug, Schiff oder Zug – vorher mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Gerade bei Reisen mit dem Flugzeug empfiehlt es sich, das Sicherheits- oder Bodenpersonal zu informieren und gegebenenfalls den Ausweis Ihres Herzinsuffizienz-Therapiesystems vorzulegen.[102]
Diese Technologie besitzt ein riesiges Potential das bis jetzt noch nicht vollkommen ausgeschöpft ist. In Zukunft werden Herzschrittmacher noch mehr vernetzt, um das tägliche Leben der betroffenen Patienten weiter zu verbessern. Mit Unternehmen wie Biotronik wird die Entwicklung dieser Technologie in der Medizin weiter voranschreiten und das Leben der nächsten Generationen nachhaltig verbessern.
6.3 Migränetagebuch
6.3.1 Produktbeschreibung
Um ein persönliches Migränemuster zu ermitteln, wird vom Patienten ein sog. Migränetagebuch eingesetzt. Diese Tagebuch ermittelt zum einen durch gezielte Fragen die Häufigkeit, Dauer, Nebenerscheinungen & mögliche Auslöser der Migräne und bietet zum andern eine detaillierte Dokumentation der Migräneattacken in Form eines Kalenders.
Mit einer Individuallösung für einen großen Deutschen Pharmakonzern wurde dieses Migränetagebuch bereits als Mobilelösung entwickelt. Dabei erhalten die Probanden der Studie ein Mobile PDA (Google Android) mit GPRS-Empfänger mit einem online Migränetagebuch. Das System ermittelt zunächst beim Start durch Fragen gezielte die persönlichen Migränefaktoren. Ziel dieser Fragen ist, dem behandelnden Arzt eine Ersten Eindruck der schwere der Migräne aufzuzeigen. Die Fragen werden in einer Datenbank mit anderen Fragebögen verglichen und ausgewertet. Diese Daten werden dann mit möglichen Therapievorschlägen (Medikamentendosierung, Ernährungsplan, Reiseplanung) an den zuständigen Facharzt des Patienten verschickt. Weiter wird die Dokumentation des Kalenders direkt mit dem Server synchronisiert und online auf einem eigenen Web-Portal zur Verfügung gestellt.
Neu beim Moblie-Migränetagebuch ist die automatische Orts-Lokalisierung. Viele Migräneattacken werden durch umweltbedingte Veränderungen ausgelöst. Das System ermittelt beim Start des Programms automatisch wo sich die betroffene Person befindet und erfasst diese Daten im Zusammenhang mit dem vom Patienten eingetragenen Migränebeschwerden. So wird vom System bestimmt welche Gebiete innerhalb Deutschlands aber auch Europaweit (durch Reisen der Probanden) migräneanfällige Zonen seinen können. Hierbei kann es sein, dass je nach schwere der Erkrankung, die Region für den einen Patienten eine höhere Gefährdung darstellt als für andere.
Zusätzlich können mit Hilfe der "Near me now" Geolokalisierung von Google die nahegelegenen Apotheken (Notfallapotheken), Krankenhäuser und Fachärzte angezeigt werden. Diese Funktion ist in das Mobile-Migränetagebuch mit integriert, so dass sofort bei Beschwerden die gewünschten Orte angezeigt werden können ohne erst mühselig danach zu suchen. Diese Funktion ist bisher allerdings in Europa noch nicht 100% ig einsatzbereit und noch in der Testphase in einer amerikanischen Migränestudie. Daher wird in Deutschland die GPS Handyortung für die Personenortung genutzt.
Wichtig bei dem Online-Migränetagebuch ist die tägliche pflege der Anwender. Dies dient dazu um allen Teilnehmern möglichst Originaldaten bereitzustellen aber auch um dem behandelnden Arzt eine möglichst genaue aufschlüsslung der Anfälligkeit des Patienten zu vermitteln.
6.3.2 Technologie
6.3.2.1 GPS Handyortung
Die Ortung von Mobiltelefonen funktioniert mittels den Werten von Handymasten über welche das Handy im Mobilfunknetz registriert wird. Durch die Angabe der Netzbetreiber, in welcher Funkzelle Ihr Handy eingeloggt ist, kann anhand benachbarter Funkzellen und Basisstationen und der Laufzeit per Dreieckspeilung ein mehr oder weniger genauer Aufenthaltsort Ihres Handys ermittelt werden. Das Problem bei der GPS Handyortung befindet darin, dass die Genauigkeit nur bei wenigen hundert Metern (auf dem Land kann es noch mehr sein) liegt. Um die Position des georteten Handys dann grafisch darzustellen, gibt es im Internet einige Anbieter mit zoombaren Karten.[104]
Mögliche Anbieter sind:
| Anbieter | Produkt |
|---|---|
| Handylocator | http://www.handylocator.com/ |
| PiCos | http://www.picosweb.de/ |
| PCFreunde | http://www.pcfreunde.de/ |
| HandyOrtung | http://www.handy-ortung.org/ |
| HandyOrten | http://www.handy-orten.info |
6.3.2.2 "Near me now"
Durch eine neue Suchfunktion von Google, ist es ab sofort möglich bestimmte Orte, wie zum Beispiel Restaurants, Krankenhäuser oder Apotheken einfacher ausfindig zu machen. Um die "Near me now" Funktion nutzen zu können, wird derzeit noch der Google Android oder das IPhone benötigt. Eine zusätzliche Anwendung ist nicht nötig. Im Handybrowser muss "google.de" geöffnet werden und unter dem Suchfeld die Funktion noch aktiviert werden.[106]
"Near me now" ist bis jetzt leider nur für das iPhone (OS 3.x) und Android 2.0.1 und höher verfügbar. Ob es auch für andere mobile Plattformen verfügbar gemacht wird, ist noch nicht bekannt. Auf diese Weise stellt Google seinen Nutzern nicht nur umfangreiche Daten zur Verfügung, sondern erhält auch neue. Um ortsunabhängige Dienste wie z.B. "Near me now" nutzen zu können, muss die Funktion "My Location" aktiviert werden. Das IPhone stellt beim öffnen eines Programms das die Geo-Lokalisierung nutzt immer die Frage ob der aktuelle Ort verwendet werden darf. [107]
Der nächste Schritt wird zusätzlich ein interaktives Bewertungssystem sein. Hat man das Restaurant in seiner Umgebung betreten, kann man nach dem Essen dann direkt seine Bewertung abgeben.[108]
6.3.3 Chancen und Risiken
Durch die Möglichkeit das Migränetagebuch über sein Handy zu führen wird vielen Patienten der Alltag vereinfacht. Sie können in akuten Fällen zeit und ortsunabhängig ihre Daten Pflegen und müssen nicht mehr selbständig zu ihrem behandelnden Arzt laufen um mögliche Therapien zu besprechen. Der Arzt greift auf eine Zentrale Datenbank zu und kann so individuell für jede Patienten die richtige Medikamentendosierung verordnen. Veränderungen werden viel früher entdeckt und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Viele Patienten mit Migräne wollen nicht verreisen, da eine Umstellung ihrer gewohnten Umgebung schnell zu Migräneattacken führen können. Durch die Ortsbestimmung und den Vergleich mit anderen Patienten, können bestimmte Reiseziele ausgesucht werden die es dem Patienten ermöglichen auch andere Umgebungen kennen zu lernen.
Zur Zeit befindet sich die Therapiemöglichkeit mit einem Mobile-Migränetagebuch noch in einer Studie und wird vor allem in den USA eingesetzt. Durch die Betreuung einer Individuallösung sind allerdings bereits auch schon Patienten in Deutschland damit ausgestattet. Das Problem hier ist, dass bisher noch nicht auf die Technologie wie in den USA zurückgegriffen werden kann (z.B. "Near me now" Funktion von Google) und daher mit Abweichungen bei den Daten der Geolokaislierung gearbeitet wird. Google will diese Funktion im laufe des Jahres (2010) auch für den Europäischen Raum einsatzfähig machen. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest.
6.4 Pollenradar Ratiopharm
6.4.1 Firmenbeschreibung
Die ratiopharm[110] Gruppe ist ein 1881 gegründetes international ausgerichtetes Generikaunternehmen, das auf die Entwicklung und Vertrieb biotechnologisch hergestellter Präparate spezialisiert ist. Generika sind Arzneimittel, die eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem anderem Namen auf dem Markt befindlichen Medikaments. [111]
Der Stammsitz des Unternehmens ist Ulm. Mit einem Gesamtumsatz von 1,666,7 Milliarden Euro im Jahr 2009 ist ratiopharm eines der größten internationalen Generikaunternehmen. Deutschlandweit beläuft sich der Umsatz der ratiopharm Gruppe auf 789,5 Millionen Euro. Jährlich stellt ratiopharm 170 Millionen Packungen her und ist damit in Deutschland die meistverwendete Arzneimittelmarke.[112]
Neben dem Stammsitz in Deutshland ist ratiopharm in 24 Ländern mit Niederlassungen vertreten. Zusätzlich läuft Vertrieb der Produkte noch in weiteren 31 Ländern außerhalb Deutschlands. Die ratiopharm Gruppe beschäftigt weltweit 4.716 Mitarbeiter, wovon 2.759 in Deutschland arbeiten.[113]
6.4.2 Produktbeschreibung IPhone App Pollenradar
Ratiopharm bietet für alle Heuschnupfen-Geplagten Apple IPhone Besitzer eine neue mobile Pollenflug-Radar Applikation an. Diese Anwendung ist kostenlos und liefert aktuelle, wichtige Informationen über den Pollenflug in der lokalne jeweiligen Region. Die Daten werden von WetterOnline zur Verfügung gestellt und enthalten Informationen über die 14 stärksten Allergenen Pollen und die Belastung der Atemluft in der gewählten Region.[116]
Die Bedienung der Anwendung ist auch für Ungeübte kein Problem. Auf der Startseite wird man zu den einzelnen Bereichen des Systems geführt. Bei der Pollenvorhersage wird zunächst der aktuelle Standort ermittelt (automatisch oder durch Eingabe der PLZ). Anschließend kann zwischen den einzelnen Pollenarten gewählt werden, bei der sich die Allergiker die gewünschten Allergieauslöser anzeigen lassen können. Wurden die entsprechenden Pollenarten ausgewählt zeigt das Pollenradar von ratiopharm die Belastung der Atemluft im gewünschten Gebiet in einer Art Ampelform an. Es gibt dabei 4 Farben Grün, Gelb, Orange und Rot. Grün bedeutet das keine Pollenbelastung vorliegt, Rot eine sehr starke.
Neben der Pollenvorhersage gibt es noch Informationen über Allergien, eine Übersicht verschiedener spezifischer ratiopharm Medikamente und einen Selbsttest. Dieser dient jedoch nicht wie beim Migränetagebuch dazu die schwere der Allergie und Nebenwirkungen für den Arzt festzuhalten, sondern ist lediglich ein Test um festzustellen, ob der Anwender überhaupt eine Pollenallergie hat. [117]
Eine mobile Apothekensuche ist ebenfalls in dieser Anwendung enthalten. Dabei wird allerdings nicht die "Near me now" Funktion verwendet. Die Applikation fragt zu Beginn nach, ob der der aktuelle Ort für die Anwendung verwendet werden darf. Die Software zeigt anschließend per GoogleMaps die nahegelegenen Apotheken an.[118]
Alle Daten werden vom Deutschen Wetterdienst erhoben und weitergeleitet. Das Pollenradar von ratiopharm greift dabei auf die verarbeiteten Daten von WetterOnline zurück. Je nach Pollenkalender, kann so mit Bestimmtheit angesagt werden, wo derzeit die größte Pollengefahr auftritt. [119]
6.4.3 Technologie
6.4.3.1 IPhone Apps
Apps ist ein Begriff, der in dieser Form von Apple eingeführt wurde und auf zweierlei Dinge zurückzuführen ist. Zum einen ist es eine Anlehnung an den Firmennamen Apple und zum anderen die eigentliche Bedeutung nämlich "Application" oder auf Deutsch "Anwendung". Der Begriff App ist mittlerweile so geläufig geworden, dass auch andere Applikationen z.B. vom Google Betriebssystem Android diesen Begriff synonym verwenden. Weltweit betrachtet hat Apple wohl aber mit der Popularität des iPhones den Begriff salonfähig gemacht. [121]
Die Applikationen "Apps" sind heutzutage der Clou vieler Smartphones, wobei jedoch nicht jedes Smartphone diese Technologie unterstützt. Durch wenige Klicks können diese Applikationen heruntergeladen werden und bieten somit direkt verfügbare praktische und spielerische Funktionalitäten. Insbesondere Apple mit dem Appstore, der ausschließlich Programme für das Iphone enthält, bietet eine riesige Auswahl an Programmen. Darin besteht auch die besondere Attraktivität des IPhones, seinen Anwendungsbereich über die normale Handyfunktion hinaus mit mehr oder weniger sinnvollen Programmen zu erweitern. [122]
Um attraktive Zielgruppen zu erreichen, versuchen immer mehr Unternehmen sich den stetig wachsenden Trend zu Nutze zu machen und bringen daher immer mehr Apps heraus. Die Statistik besagt, daß Haushalte mit einem Nettoeinkommen von über 4000 € bisher die intensivsten Nutzer der Apps sind. Diese Gruppe macht bereits 25 Prozent der Gesamtnutzerzahl aus. Ca. ein Fünftel der App-Nutzer verwendet die Zusatzanwendungen für mobile Endgeräte mittlerweile sogar häufiger als das Internet. 51 Prozent der Deutschen ist darüber hinaus der Meinung, dass kein Unternehmen auf Dauer heutzutage an dem Thema "App" vorbeikommt. In Zukunft wird es daher wahrscheinlich so aussehen, dass eine Identifikation eines Unternehmens stark an den bisher Entwickelten Apps gemacht wird.[123]
6.4.4 Distributionsweg Apple App-Store
Auf der World Wide Developer Conference gab der Apple-Chef Steve Jobs bekannt, dass der App-Store mittlerweile schon rund 225.000 Applikationen umfasst und damit weit vor seinen Konkurrenten Android oder Blackberry steht. Jede Woche werden im App-Store zusätzlich 15.000 Apps bereit gestellt, wovon es rund 95 Prozent in den Download-Store schaffen. [124]
Bis heute wurden insgesamt mehr als fünf Milliarden Apps aus dem App-Store herunter geladen. Für die Entwickler der Applikationen entspricht dies einem Erlös von mehr als einer Milliarden US-Dollar und lässt damit den App-Store für das Android-Handy von Google weit hinten anstehen, obwohl derzeit mehr Android-Handys als IPhones verkauft werden. Andere App-Stores, wie die von Nokia, Blackberry oder dem Windows Marketplace sind zwar nicht so groß wie der Apple Downlaod-Store, jedoch haben die anderen Handyanbieter durchaus auch erkannt, welche Chancen dieser Markt bietet. Für das iPad sind laut Apple mittlerweile rund 8.500 Apps verfügbar. Bisher sind 35 Millionen iPad-Apps heruntergeladen worden, das entspricht ca. 17 pro Gerät. Auch sind bisher 5 Millionen elektronische Bücher verkauft worden.[125]
Diese Zahlen zeigen, daß der App-Store auch zu einem wichtigen Marketing-Instrument geworden ist. Unternehmen können sich mit Hilfe der IPhone Apps einem neuen Kundenkreis präsentieren und durch Werbung in der Applikation diese sogar kostenlos anbieten. Die Art und Weise wie diese Technologie und die Applikationen vertrieben werden, stellt eine großartige Innovation dar. Direkter Download aus dem App-Store und eine direkte Abrechnung z.B. über den PayPal Service bieten den Anwendern hohen Komfort, da keine Wartezeiten entstehen und sich auch der Kostenfaktor für eine Applikation in Relation zu anderen Softwareprodukten in Grenzen hält.
6.4.5 Chancen und Risiken
Mit der Entwicklung eines IPhone/IPod App Pollenradars hat ratiopharm einen großen Schritt in die Zukunft gemacht. Anstatt ein eigenes Gerät zu entwickeln, hat sich der Ulmer Konzern durch die Verwendung einer der derzeitig populärsten Technologie einen großen Vorteil verschaffen. 2009 waren Deutschlandweit mehr als 620.000 Geräte im Umlauf und Weltweit sprach Apple von Verkaufszahlen über 26 Millionen Handys. Werden die Verkaufszahlen vom IPod touch noch zu dieser Statistik hinzugerechnet sind es 1 Millionen Nutzern in Deutschland.[126]Eine offizielle Statisitk für 2010 gibt es noch nicht, allerdings kann man sagen das die Zahlen weiter ansteigen.
Ratiopharm hat mit der Entwicklung einen großen Interessentenkreis erreicht und kann so zusätzlich Werbung in eigener Sache machen.
Das Pollenradar ist eine große Hilfe für Menschen mit starker Allergischer Reaktion. Ohne diese Anwendungen konnten Allergiker sich nur auf den Pollenkalender verlassen und wussten in welchen Monaten die einzelnen Pollen fliegen. Jetzt kann jedes Gebiet mit aktueller Pollenkonzentration angezeigt werden und Reisen somit auch schon im Vorfeld geplant werden.
Viele Anwendungen sind kostenlos jedoch gibt es auch kostenpflichtige Anwendung. Ratiopharm bietet ebenfalls ein kostenloses Produkt an, kompensiert dies allerdings durch Werbung für Ihre Produkte. Leider bieten die Pollenwarnsysteme keine Verbindung zum Arzt. Patienten können sich bisher nur selbst vor dem Pollenflug schützen und können ihre Allergie nicht mit dem Arzt abstimmen. Ein System wie beim Migränetagebuch wäre für die nächste Stufe ein weiter Fortschritt. Bisher sind allerdings noch keine Studien dazu bekannt.
6.4.6 Weitere Anbieter
Das Pollenradar ist keine neue Erfindung und es gibt auch im Apple App-Store viele Anbieter die Ihr Produkt vertreiben wollen. Das Radar von ratiopharm ist kostenlos und daher wohl das am meisten heruntergeladen App.
Weitere Anbieter sind z.B.:
| Anbieter | Produkt |
|---|---|
| MeteoGroup Deutschland GmbH | Pollen Pro (1,59€) |
| Yonetco GmbH | iPollen (1,59€) |
| Robocat | Outside - Visual Weather Forecast (2,39 €) |
| Monks | Allergiehelfer (kostenlos) |
| sinngemaess GmbH | Pollenalarm (kostenlos) |
| ISB, a.s. | European Pollen Calendar (2.39€) |
7 Entwicklungsgremien
7.1 AAL
Wie bereits in der Problemstellung angedeutet, leben wir in einer Gesellschaft, in der es zu einer Zunahme von Alter und Individualisierung kommt. Schaut man sich die demografische Entwicklung in den letzten Jahren an, so kann kein Zweifel daran bestehen, dass es in der Zukunft zu einem Versorgungsproblem kommen wird, da nicht mehr genügend junge Menschen für die Pflege der älteren Generation aufkommen können. [127]
In diesem Zusammenhang steht der Begriff AAL (Ambient Assisted Living) und beschreibt Ideen, Konzepte, Dienstleistungen und Produkte, die das zentrale Ziel haben, die Lebensqualität von Menschen im letzen Lebensabschnitt zu verbessern[128].
Auch die Europäische Union hat indes das Problem erkannt und das Ambient Assisted Living Joint Programm im September 2007 gegründet. Die 23 Initiatorstaaten haben sich dazu verpflichtet, bis zum Ende der Laufzeit im Jahre 2013 ein Gesamtbugbudget in Höhe von 50 Mio. Euro bereitzustellen. Ferner werden auch privatwirtschaftlich initiierte Projekte und joint venture mit diesen Forschungsgeldern unterstützt[129]. Diese Projektgruppen beschäftigen sich zumeist mit technologischen Lösungen für diese Altersgruppe. Sensoren und Interfaces sollen die Pflege erleichtern und den Betroffenen ein möglichst eigenständiges Leben ermöglichen. Der neue Aspekt dieser Entwicklung ist jedoch, dass nun auch die Bedürfnisse dieser Generation im Bereich der Bedienbarkeit und Verständlichkeit von Hardware und Software eine große Berücksichtigung finden sollen. Der Patient soll also aktiv in die Entwicklung mit einbezogen werden und Maßstab für die erfolgreiche Umsetzung dieser Konzepte sein. Projektgruppen, wie SOPRANO oder CAALYX haben sich dies zum Ziel gesetzt.[130] Folgend soll genauer auf die Entwicklungsideen und Lösungsvorschläge des CAALYX Projektes eingegangen werden.
7.2 CAALYX
Die Alterung der Gesellschaft auch und vor allen in den Grenzen der Europäischen Union hat zu einer Reihe von Maßnahmen durch die Regierungen und das Europäische Parlament geführt. Dem Problem wurde mit der Gründung von Projektgruppen begegnet, welche die technischen und gesellschaftlichen Möglichkeiten erfassen und auswerten sollen und somit zu einer besseren Planbarkeit der Problemstellung beitragen sollen. Eine dieser Entwicklungsgremien ist CAALYX ( Complete Ambient Assisted Living Experiment[131]) CAALYX wird somit im Rahmen des AAL (Ambient Assisted Living) auf Europäischer Ebene durchgeführt.
Das Entwicklungsgremium setzt sich aus 8 Partnern aus 7 Staaten der Europäischen Union zusammen und wurde 2007 gegründet
| Teilnehmer | Herkunftsland |
| Telefónica Investigación y Dasarolle | Spanien |
| Instituto de Engenharia de Sistemas e Cumputadores do Porto | Portugal |
| COOS Marche Onlus | Italien |
| Synkronix Ltd. | Vereinigtes Königreich |
| University of Plymouth | Vereinigtes Königreich |
| University of Limerick | Irland |
| Hospital Sant Antoni Abat | Spanien |
| Corscience GmbH & Co KG | Deutschland [132] |
Diese Partner haben sich im Rahmen des zweijährigen Projektes das Ziel gesetzt, die Unabhängigkeit und die Würde von älteren und pflegebedürftigen Menschen mit der Entwicklung eines Ganzheitlichen Betreuungssystems zu bewahren.[133]
Konkret besteht dieses System aus einem leichten Bekleidungsstück, welches zum Einen in der Lage ist, die Vitalfunktionen seines Trägers zu überwachen und zum Anderen bei Komplikationen und Unfällen automatisch Hilfe über ein integriertes Mobiltelefon mit GPS Sender herbeizurufen.[134]
Die Entwickler sehen ferner vor, dass der Anzug Stürze und andere Erschütterungen automatisch erkennt und so die Indikation eines Unfalls feststellen kann. In diesem Fall wird automatisch der Notruf gewählt, mit dem der Träger über eine Freisprecheinrichtung kommunizieren kann. Weiter ist auch angedacht, eine Vertrauensperson über den Vorfall zu unterrichten; dies kann zum Beispiel per SMS geschehen. Als Ergänzung zu diesem System sehen die Verantwortlichen auch ein über den Fernseher gestütztes Kommunikationssystem vor, welches den Patienten in seinem täglichen Leben begleitet, indem es ihm zum Beispiel an die Medikamenteneinnahme erinnert oder einen Besuch ankündigt. Auch das Anlegen des Anzuges soll von dieser Komponente überprüft und durchgesetzt werden. Durch das im Anzug integrierte GPS Modul wird es auch möglich sein zu prüfen, wo sich die Person gerade aufhält, was vor allem für die Betreuer und Angehörigen wichtig sein kann.
Zusammengefasst soll der Anzug in der Designversion von 2007 folgende Komponenten enthalten.
1. Elektroradiogramm zur Überwachung der Herzfunktion
2. Pulssensor zur Messung des Puls
3. Blutdrucksensor
4. Bewegungssensor um unter Anderem zu prüfen, ob die Person steht oder geht
5. Fall Sensor, welcher einen Unfall erkennen soll
6. GPS Sensor, welcher Aufzeichnet, wie schnell sich die Person bewegt und wo sie sich befindet
Um die Einsatzmöglichkeiten des Projektes auch auf kranke ältere Menschen, die stark pflegebedürftig sind, auszuweiten, sind in der zweiten Designversion von 2008 zusätzlich noch folgende Schnittstellen vorgesehen
1. Sensor zur Sauerstoffsättigung des Blutes
2. Blutdrucktrendanalyse
3. Körpertemperaturmessung
4. Gewichtsmessung (Über den Toilettensitz)
5. Sensor für Hautfeuchtigkeit
Hierdurch möchte man erreichen, dass CAALYX nicht nur Grenzwerte für Vitalfunktionen berücksichtigt, sondern viel mehr eine Ganzheitliche Betrachtung und Überwachung , welche individuell auf die Person bezogen ist, umsetzt.
Um auch subtile Symptome, wie Kurzatmigkeit, berücksichtigen zu können, wird die Sprachkommunikation ein weiteres wichtiges Feature im Leistungspaket von CAALYX sein. Diese Schnittstelle ermöglicht eine direkte Kommunikation mit einem Call Center, welches die Symptome durch einen Fragekatalog konkretisieren und weitere Behandlungsschritte einleiten kann[135].
Mit all diesen Maßnahmen beabsichtigen die Initiatoren die negativen Einflüsse des demographischen Wandels zu mindern und gleichzeitig aufkommende wirtschaftliche Potentiale optimal nutzen zu können[136].
8 Fazit
Der demografische Wandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wir müssen Lösungen entwickeln, die es uns ermöglichen, die Kosten für die zahlenmäßig unterlegende Junge Generation gering und den Lebensstandard für die gesamte Gesellschaft hoch zu halten. Es ist deutlich geworden, dass für neue Technologien für dieses Ziel brauchen. Wir benötigen bessere Pflegetechniken, ein intelligenteres Gesundheitswesen und eine Behandlung, die sich näher am Patienten und seinen individuellen Bedürfnissen bewegt. Die Ortungstechnik wird, daran sollte kein Zweifel bestehen, einen größeren Anteil an diesen Technologien gewinnen. Der wachsende Markt wird weitere Produktinnovationen hervorbringen und Menschen mit chronischen Krankheiten, wie Herzkreislaufstörungen, Asthma oder ähnlichen, Lösungsmöglichkeiten in Form von neuen Dienstleistungen und Produkten anbieten. Doch es gibt aus Risiken. Zweifelhaft ist unter Anderem, ob die Möglichkeit der Ortung nicht nur für den Vertrieb von medizinischen Dienstleistungen und Produkten interessant ist, sondern auch Datenschützer auf den Plan ruft. Die zentrale Frage, wie viel ein Mensch von seiner Privatsphäre bereit ist abzutreten, um die Vorteile dieser Technologie zu Nutzen, konnte in dieser Ausarbeitung nicht beantwortet werden. Fraglich ist ferner, ob Menschen in Zukunft bereit sein werden, sich mit diesen Geräten zu beschäftigen, da vor allem bei älteren Menschen die Skepsis gegenüber Neuerungen, den Aspekt des Nutzens überwiegt. Der Industrie muss es somit gelingen, nicht nur neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und diese zu vertreiben, sondern sie muss auch die Akzeptanz in der Gesellschaft finden. Nehmen wir das CAALYX Projekt als Beispiel, so muss die Frage erlaubt sein, ob ein Mensch es mit seiner Würde vereinbaren kann, auf diesen „Anzug“ angewiesen zu sein und in tragen zu müssen, wie ein Stigma, das ihn immer daran erinnert, dass er auf die Hilfe Anderer zurückgreifen muss. Gerade im Gesundheitswesen muss darauf geachtet werden, dass der Aspekt der Effizienz nicht zu weit in den Vordergrund rückt, da man sonst schnell Gefahr läuft, an den eigentlichen Bedürfnissen der Betroffenen vorbei zu arbeiten. Location Based E-Business kann im Gesundheitswesen somit nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, datenschutzrechtliche Probleme zu lösen und die Bedürfnisse des Kunden bestmöglich zu berücksichtigen.
Wir hoffen diese Ausarbeitung ist als Einführung in diese Themenstellung hilfreich und regt Andere dazu an, sich weiter mit dieser wichtigen Thematik auseinander zu setzten.
9 Fußnoten
- ↑ Vgl. Oberender P., et al. (2009) S. 108.
- ↑ Vgl. Nagel E., (2007), S.16.
- ↑ Vgl. Nagel E., (2007), S. 21.
- ↑ Vgl. Nagel E. (2007), S.321.
- ↑ Vgl. Nagel E., (2007), S.109.
- ↑ Vgl. Nagel E., (2007), S.109.
- ↑ Vgl. Lose R., (2004), S.40.
- ↑ Vgl. Schiller J. H., et al., (2004), S.10.
- ↑ Vgl. Eitzinger A., (2004), S.16.
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