Möglichkeiten und Grenzen der Android-Plattform im Businessumfeld

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Hochschule und Studienort:Hochschule für Ökonomie und Management Berlin
Seminararbeit im Rahmen des 5. Semesters zum Bachelor of Science im Studienfach Wirtschaftsinformatik
Titel der Arbeit:Möglichkeiten und Grenzen der Android-Plattform im Businessumfeld
Betreuer:Dr. rer. nat. Vladimir Stantchev
Namen der Autoren:
Alexander BeljaevMatrikel-Nr.: 213847
Eugen BoxlerMatrikel-Nr.: 206410


Inhaltsverzeichnis


1 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
AOSPAndroid Open Source Project
APIApplication Programming Interface
BSDBerkeley Software Distribution
bzw.beziehungsweise
f.folgende
ff.fortfolgende
i.d.R.In der Regel
OHAOpen Handset Alliance
u.a.unter anderem
VMVirtuelle Maschine

2 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Übersicht Marktanteile
2Systemarchitektur Android
3BlackBerry Bold 9000
4iPhone Cisco VPN
5BSI - Strukturierung möglicher Gefährdungen
6IBM Android Lotus - Screenshot

3 Tabellenverzeichnis

Tab.-Nr.Tabelle
1Übersicht Sicherheitsmechanismen iPhone
2Übersicht BlackBerry Enterprise Server vs. BlackBerry Enterprise Server Express
3Übersicht der Businessfunktionen von Android

4 Abstract

"Apples iPhone ist Kult, und Android-Handys liegen voll im Trend."[1] Immer mehr Unternehmen stellen sich die Frage, inwieweit die Android-Plattform für den Einsatz im Businessumfeld geeignet ist. Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit werden die Möglichkeiten und Grenzen der Android-Plattform im Businessumfeld aufgezeigt.

Der erste Teil der Arbeit setzt sich mit dem Aufbau bzw. der Architektur der Android-Plattform auseinander. Im weiteren Verlauf werden einige, besonders für den Businesseinsatz relevanten Funktionalitäten, untersucht und die Android-Plattform mit anderen Plattformen verglichen. Als Referenz werden dabei die Anforderungen an die Marktführer von Smartphone Betriebssystemen aus dem Businessumfeld, wie BlackBerry und Windows Mobile, herangezogen.

5 Einleitung

5.1 Motivation

Neben den gängigen für den Massenmarkt hergestellten Mobilgeräten existierten früher zahlreiche Lösungen, die speziell für geschäftliche Anwendungen geschaffen wurden. Handhelds, Palmtops, Pocket Computer, MDA's oder PDA's waren die klassischen Alternativen, wenn es um die Einbindung mobiler Mitarbeiter in die Unternehmenskommunikation ging.

Die Verwendung mobiler Datendienste ist lange nicht mehr nur im Businessumfeld zu finden. Die Entwicklung des Bandbreiten-Internets hat dies begünstigt. Spätestens seit dem Smartphone-Boom, welches durch iPhone forciert wurde, gehört mobiles Internet zum Alltag im privaten Umfeld. Dies hatte auch einen enormen Einfluss auf den Businessmarkt für mobile Endgeräte. Nicht zuletzt verlor auch BlackBerry Marktanteile und war gezwungen die eigene Vermarktungsstrategie zu ändern, welche einen Einstieg in den Massenmarkt mit sich brachte. Neben Apple, kam HTC als ein weiterer weltweit führender Mobilfunkhersteller dazu. HTC setzt dabei auf Windows Mobile, sowie das offene Betriebssystem Android von Google, mit welchem sich diese Arbeit im Wesentlichen beschäftigt.

5.2 Zielsetzung

Ziel dieser Seminararbeit ist die Untersuchung der Android-Plattform auf die Tauglichkeit im Businessumfeld. Als Vergleich dienen an dieser Stelle die Marktführer Windows Mobile bzw. BlackBerry. Neben der Betrachtung einiger relevanter Funktionalitäten soll auch die Frage geklärt werden, inwieweit sich die Anforderungen an die Marktführer auch mit einem auf der Android-Plattform basierten Endgerät umsetzen lassen.

Die Firma Apple mit dem Smartphone iPhone konnte es im Jahre 2008 beweisen und erreichte einen Marktanteil von 14%. Das ergab eine Umfrage des Herstellers ubitexx unter IT-Leitern und Führungskräften. Nachfolgend ein Vergleich der Marktanteile zwischen den Jahren 2007 und 2008:

Umfrage
Abbildung 1: Übersicht Marktanteile[2]

6 Android Plattform

Android ist eine Open Source Software, die für Mobiltelefone und andere Geräte entwickelt wurde. Die stetige Weiterentwicklung von Android wird durch das Android Open Source Project (AOSP) gefördert. Die Leitung des Projektes unterliegt Google. Die Veröffentlichung von Android als Open Source Software und die damit verbundene Offenlegung des Quellcodes soll verhindern, dass kein einzelnes Unternehmen die Innovationen anderer einschränken bzw. kontrollieren kann.[3]

Android ist eine Softwareplattform. In der breiten Öffentlichkeit wird der Name "Android" jedoch oft mit den Android-Endgeräten assoziiert. Dies bestätigt die Vision, die der CEO von Google, Eric Schmidt, im November 2007 beim Start der Android-Plattform angekündigt hat:

„Unsere Vision besteht darin, dass die starke Android-Plattform, die wir heute enthüllen, Tausende von unterschiedlichen Mobilfunkgeräten unterstützt.“

Seit dem 21. Oktober 2008 ist die Android-Plattform offiziell auf dem Markt verfügbar. Als erstes Gerät mit Android als Betriebssystem war das HTC Dream unter dem Namen T-Mobile G1 erhältlich.[4] Aktuell gibt es zahlreiche Geräte, die Android als Betriebssystem verwenden und die Anzahl neuer Geräte steigt. Aktuell ist Android in der Version 2.2 verfügbar.[5]

6.1 Open‐Handset‐Alliance

Initiiert von Google, ging die Entwicklung von Android aus dem Zusammenschluss der Open Handset Alliance (OHA) hervor. Mit der Gründung der OHA am 5. November 2007 hat sich eine Gruppe von führenden Unternehmen aus der Bereichen „mobile“ und „technology“ zusammengeschlossen. Die Initiative zur Gründung der OHA ging von Google aus.[6] Zu den Teilnehmern gehören u.a. Hersteller für Mobiltelefone wie Motorola und HTC, Telekommunikationsunternehmen wie T-Mobile und China Mobile, Chiphersteller wie Intel und Texas Instruments sowie weitere Unternehmen wie Ebay und Google. Alle Teilnehmer der OHA sind auf der offiziellen Hompage zu finden.

Ziel der OHA ist die Entwicklung eines gemeinsamen, offenen und freien Standards für eine neue Kategorie Mobiltelefone - der Handsets. Durch die OHA soll ermöglicht werden, neue innovative Produkte schneller und kostengünstiger auf den Markt zu bringen.[6] Das erste Produkt dieses Zusammenschlusses war die Entwicklung von Android.

6.2 Architektur

Die Softwarearchitektur von Android besteht aus fünf Hauptkomponenten, die die einzelnen Schichten darstellen (Abbildung 2). Die Basis von Android bildet das Linux-Kernel in der Version 2.6, ergänzt mit einer erweiterten und optimierten virtuellen Maschine für Java-Anwendungen. Die Kombination dieser beiden Technologien verschafft Android die wichtigen Merkmale Leistungsfähigkeit und Flexibilität. Die Linux-Komponente ermöglicht den Einsatz auf verschiedenen Hardwareplattformen und Java als Programmiersprache mit den Vorzügen und einer großen Entwicklergemeinschaft.

Abbildung 2: Systemarchitektur Android
Abbildung 2: Systemarchitektur Android[7]

6.2.1 Applications

Android wird bereits mit den wichtigsten Grundanwendungen ausgeliefert. Diese umfassen u.a. einen E–Mail-Client, eine Anwendung für SMS, Kalender, Karten, eine Kontaktverwaltung und einen Browser. Diese Anwendungen sind mit der Programmiersprache Java realisiert worden.[8]

6.2.2 Application Framework

Die Basis für die in Android verwendeten Applikationen stellt das Application Framework dar. Dieses ermöglicht bei der Entwicklung neuer Applikationen eine einheitliche Architektur. Die Entwickler neuer Applikationen haben damit vollen Zugriff auf die gleichen Programmierschnittstellen (API), die auch von den Grundanwendungen genutzt werden. Die Architektur des Application-Frameworks soll die Wiederverwendung und die Integration von Komponenten vereinfachen. Damit können die Funktionen bereits entwickelter Anwendungen von neuen Applikationen verwendet werden. Derselbe Mechanismus ermöglicht ebenfalls den Austausch einzelner Komponenten durch den Anwender.

Die Grundlage aller Applikationen in Android bilden folgende Dienste:

  • View System ermöglicht dem Anwender mit der Applikation zu agieren. Das Application-Framework stellt dazu ein reichhaltiges und erweiterbares Sortiment an Views bereit. Darunter befinden sich z.B. Listen, Textfelder und Schaltflächen.
  • Content Providers bieten den Datenaustausch zwischen den einzelnen Applikationen. Damit kann z.B. der Zugriff auf die Kontakte realisiert werden.
  • Für den Zugriff auf externe Dateien, die keinen Programmcode darstellen, stellt das Application-Framework den Resource Manager bereit. Dieser ermöglicht damit den Zugang zu Ressourcen wie Grafiken oder Layout-Dateien. Android unterstützt hierfür eine Vielzahl von unterschiedlichen Formaten, die in XML–Dateien, Bilddateien und Rohdaten unterschieden werden.
  • Mit Hilfe des Notification Managers können Applikationen benutzerdefinierte Meldungen in der Statusleiste anzeigen.
  • Der Activity Manager verwaltet den Lebenszyklus einer Applikation und bietet zudem eine Navigationsrückverfolgung.[8]

6.2.3 Libraries

Einige Komponenten innerhalb von Android greifen auf eine Reihe von C/C++ Bibliotheken zurück. Durch das Application-Framework stehen diese auch den Entwicklern neuer Applikationen zur Verfügung. Die wichtigsten Bibliotheken werden im Folgenden kurz erläutert:

  • Die System C Library (libc) ist eine Implementierung der Standard C–Bibliothek, abgeleitet von der Berkeley Software Distribution (BSD). Diese ist speziell für Embedded-Linux Geräte abgestimmt.
  • Die Media Libraries basieren auf dem OpenCore des Unternehmens PacketVideos. Diese Bibliotheken unterstützen die Wiedergabe und Aufnahme von vielen gängigen Audio-und Video-Formaten, sowie statischen Bilddateien. Zu den Formaten gehören u.a. MPEG4, H.264, MP3, AAC, AMR, JPG und PNG
  • Der Surface Manager verwaltet den Zugriff auf das Anzeigeuntersystem. Außerdem ist der Surface Manager für eine nahtlose Vermischung von 2D und 3D Grafikschichten aus mehreren Anwendungen zuständig.
  • Basierend auf der Open Source WebKit–Engine, bietet die LibWebCore eine moderne Web–Browser–Engine für Android. Die Entwicklung der WebKit-Engine wird seit 2002 von Apple koordiniert und kommt u.a. auch auf dem iPhone und im Safari-Browser zum Einsatz.
  • Die SGL bietet die 2D–Graphik–Engine innerhalb Androids.
  • Die 3D Bibliotheken basieren auf der OpenGL ES 1.0 API. Diese Bibliotheken greifen auf die 3D–Hardwarebeschleunigung bzw. auf die optimierten 3D–Software–Rasterizer zu.
  • Die FreeType Bibliothek ermöglicht das Rendern der Bitmap– bzw. Vektorschrift.
  • Die SQLite ist eine kompakte sowie leistungsstarke relationale Datenbank–Engine. Die steht für alle Anwendungen innerhalb Androids zur Verfügung.[8]

6.2.4 Android Runtime

Das Android Runtime besteht hauptsächlich aus zwei Komponenten, den Core Libraries und der virtuellen Maschine (VM) Dalvik. Die Core Libraries stellen viele Funktionen zur Verfügung, die auch in den Core Libraries von Java zu finden sind. Dalvik stellt eine Schnittstelle zwischen dem Entwickler und den Bibliotheken dar. Es ermöglicht, alle Android Applikationen als eigene Prozesse in eigenen Instanzen auszuführen. Außerdem sorgt Dalvik dafür, dass mehrere VM parallel auf einem Gerät effizient laufen und bietet somit die von PC-Betriebssystemen gewohnte Multi-Tasking-Fähigkeit. Für das Threading und Low-Level-Speicherverwaltung greift Dalvik auf den Linux-Kernel von Android zurück.[8]

6.2.5 Linux Kernel

Die Core-System-Services von Android basieren auf einer Linux Version 2.6. Diese sind u.a. für die Sicherheit, Speicherverwaltung, Stack-Prozess-Management sowie das Netzwerk-und Treiber-Modell zuständig. Der Linux Kernel von Android fungiert aber auch als eine Abstraktionsebene zwischen der Hardware und Software.[8]

7 Anforderungen an ein mobiles Endgerät

Die Anforderungen lassen sich in drei Bereiche einteilen:

  • Funktionen, Leistungsmerkmale
  • Sicherheit, Datenschutz
  • Technische Infrastruktur

Alle drei Bereiche werden nachfolgend detaillierter untersucht.

7.1 Funktionen, Leistungsmerkmale

rightAbbildung 3: BlackBerry Bold 9000
rightAbbildung 3: BlackBerry Bold 9000[9]
Abbildung 4: iPhone Cisco VPN
Abbildung 4: iPhone Cisco VPN[10]

In diesem Schritt werden zwei Anbieter, RIM mit BlackBerry und Apple mit dem Smartphone iPhone auf deren Funktionen untersucht. Klassische Funktionen eines Mobiltelefons wie GSM, SMS, MMS bleiben bei den Funktionen unberücksichtigt. Viel mehr sollen die Kernfunktionen aus dem Businessumfeld abgeleitet werden. Mögliche Erweiterungen durch Zusatzapplikationen aus den Online-Märkten werden nicht berücksichtigt. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu erlangen, werden nur native Leistungsmerkmale der Hersteller verglichen.

Die wesentliche Funktion eines Business-Smartphones besteht darin, überall E-Mails als Push-Dienst empfangen und senden zu können. Dabei hat sich insbesondere BlackBerry in der Vergangenheit auf diese Funktion spezialisiert. Der BlackBerry Enterprise Server (BES) sorgt für Komprimierung, welche im Mobilfunk einen wichtigen Stellenwert hat. So werden nicht mehr als 2 kB Daten an das Gerät geschickt. Erst wenn der Nutzer eine E-Mail gänzlich abruft, werden die Daten vom Gerät angefordert.[11] Auch Kalender- und Adressbuchsynchronisation mit dem jeweiligen Groupware-System zählen zu den Leistungsmerkmalen von BlackBerry. Es wird zwischen der offline und online-Synchronisierung unterschieden. Die mobile Synchronisierung erfordert ggf. ein BES. Ein Browser für Internetzugriff ist ebenso enthalten. Auch das Betrachten der Anhänge in Fremdformaten stellt mittlerweile kein Problem dar. So werden die gängigen Formate unterstützt:

  • Microsoft® Word, Excel, PowerPoint®
  • Corel® WordPerfect®
  • Adobe® PDF
  • ASCII-Dokumente
  • HTML-Anhänge
  • Bilddateien: JPG, BMP, GIF, PNG und TIFF

BlackBerry ermöglicht grundsätzlich Zugriff auf Daten im Unternehmen. Dabei wird eher mit der Integration in die Unternehmensanwendungen geworben.[12] Um BlackBerry tatsächlich in das Unternehmens-Netzwerk zu hängen um bspw. über Berechtigungsstruktur ein Dateizugriff zu ermöglichen, bedarf es Middleware wie Cortado. Cortado bietet seine Produkte auch für iPhone an.[13] Dies bleibt nicht die einzige Möglichkeit. BlackBerry unterstützt auch Einrichtung der VPN's. Je nach Szenario ist demnach ein Dateiaustausch möglich.

Im Jahr 2008 erreichte Apple mit dem iPhone zwar einen beachtlichen Marktanteil im Businessumfeld, bot jedoch relativ wenig Businessfunktionen. [14] iPhone entwickelte sich ziemlich schnell. Apple wirbt mittlerweile mit zahlreichen Funktionen, darunter einer Anbindung an Microsoft Exchange Server 2003 oder 2007, womit E-Mails, Kalenderereignisse und Kontakte per Push-Funktion an das iPhone übertragen werden können. Auch andere E-Mail-Server können via IMAP angebunden werden.[15] Durch Multitouch revolutionierte Apple mit dem iPhone das mobile Browsen. Es werden wie bereits bei BlackBerry die gängigsten Formate unterstützt.[16] Beim Zugriff auf die Unternehmensdaten kommt es auf das jeweilige Szenario an. Der Dateiaustausch innerhalb des Unternehmens ist grundsätzlich mit dem BlackBerry vergleichbar. Nicht zuletzt ist auch die Einrichtung von VPN möglich.

Aus den Funktionen der beiden Hersteller lassen sich vier Businessanforderungen innerhalb der Funktionen bzw. Leistungsmerkmale ableiten:

  • E-Mail, Kalender, Kontakte
  • Umgang mit Office-Formaten
  • Internet
  • Datei-Server-Zugriff

7.2 Sicherheit, Datenschutz

Die Sicherheitsmechanismen haben innerhalb der Unternehmen die höchste Priorität. Bei der Vielzahl der verfügbaren mobilen Endgeräte mit ihren Diensten und den jeweiligen Anwendungen existieren eine Menge potentieller Gefährdungen gegen diese Systeme. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) skizziert in der Broschüre "Mobile Endgeräte und mobile Applikationen: Sicherheitsgefährdungen und Schutzmaßnahmen" folgende Bedrohungen:

Umfrage
Abbildung 5: BSI - Strukturierung möglicher Gefährdungen[17]

BlackBerry sieht sich im Bereich Informationssicherheit und -konformität als Marktführer. Dies belegen auch zahlreiche Zulassungen und Zertifizierungen, die das Unternehmen von unabhängigen Dritten machen lässt. "Die BlackBerry® Enterprise Solution wurde von der NATO (North Atlantic Treaty Organization) sowie von Regierungsorganisationen in den USA, in Kanada, dem Vereinigten Königreich, Österreich, Australien und Neuseeland für die Speicherung und Übertragung sensibler Daten zugelassen."[18] Auch die Sicherheitsprüfung des Fraunhofer SIT wurde erfolgreich bestanden.

BlackBerry bietet eine breite Pallete an Funktionen, um den Sicherheitsrichtlinien diverser Konzerne gerecht zu werden:

  • End-to-End-Verschlüsselung zwischen dem Gerät und BES Advanced Encryption Standard (AES)
  • RSA-SecurID Two-Factor-Authentifizierung
  • HTTPS für sicheren Datenzugriff
  • Unterstützung für IBM Lotus Notes E-Mail-Verschlüsselung
  • Codesignierung und digitale Zertifikate
  • anpassbaren IT-Richtlinien
  • lokale Verschlüsselung aller Daten
  • Remote-Administration
  • Remote Wipe-Funktion
  • u. a.

Auch Apple ist sich dessen bewusst, wie wichtig das Thema für die Unternehmen ist. Es werden gegenwärtig folgende Sicherheitsmechanismen unterstützt:

Geräteschutz Datenschutz Netzwerksicherheit Plattformsicherheit
Tabelle 1: Übersicht Sicherheitsmechanismen iPhone[19]
  • Komplexe Passcodes
  • Passcode-Ablauf
  • Verlauf für die Passcode-Wiederverwendung
  • Maximale Anzahl an Fehleingaben
  • Passcode-Zwang für kabellose Verbindungen
  • Progressiver Geräteschutz
  • Remote Wipe-Funktion
  • Local-Wipe-Funktion
  • Verschlüsselte Konfgurationsprofle
  • Verschlüsselte iTunes Datensicherung
  • Hardwareverschlüsselung (iPhone 3GS)
  • Cisco IPSec, L2TP, PPTP VPN-Protokolle
  • SSL/TLS mit X.509-Zertifkaten
  • WPA/WPA2 Enterprise mit 802.1X
  • Zertifikatbasierte Authentifzierung
  • RSASecurID, CRYPTOCard
  • Laufzeitschutz
  • Verbindliche Codesignierung
  • Schlüsselbunddienste
  • Allgemeine Crypto APIs

Insbesondere die Hardwareverschlüsselung ist für mobile Endgeräte für Unternehmen von Bedeutung. In einem Heise-Artikel war 2009 die Rede von Aushebelung der im iPhone 3GS eingeführten Verschlüsselung. Dazu reiche es, das Gerät mit frei zugänglicher Jailbreak-Software zu versehen, so die Aussage von Jonathan Zdziarski.[20] Dabei muss ein Angreifer jedoch über ein Zugang zum entsperrten iPhone haben. Dies wird je nach Sicherheitsrichtlinie und der damit verbundenen Länge des Passcodes schwierig. Besonders dann, wenn nach einer begrenzten Anzahl der Fehlversuche das System eine Rücksetzung des kompletten Systems durchführt.

Aus den Sicherheitsmechanismen der beiden Hersteller lassen sich folgende Funktionen für die Prüfung ableiten:

  • anpassbare IT-Richtlinien
  • lokale Verschlüsselung aller Daten
  • Remote-Administration
  • Remote Wipe-Funktion
  • WPA/WPA2 Enterprise mit 802.1X
  • Zertifikatbasierte Authentifzierung
  • Komplexe Passcodes

7.3 Technische Infrastruktur

Der bereits bei E-Mail erwähnte Push-Dienst von BlackBerry wird durch den BES bereitgestellt. Der BES verfügt wiederum über eine Anbindung an die Groupware-Systeme Microsoft Exchange, Novell Groupwise oder Lotus Domino. Je nachdem welche Systeme ein Unternehmen einsetzt, BES bringt die nötige Flexibilität mit. Für kleine bis mittelständische Unternehmen existiert zusätzlich der BlackBerry Enterprise Server Express mit [11] Die nachfolgende Tabelle liefert einen groben Vergleich der beiden Server-Versionen:

Plattformunterstützung Bemerkung
Tabelle 2: Übersicht BlackBerry Enterprise Server vs. BlackBerry Enterprise Server Express[21]
BlackBerry Enterprise Server
  • Microsoft Exchange
  • IBM Lotus Domino
  • Novell GroupWise
  • Windows Server ab 2000 & Microsoft SQL Server
  • Web-basierte Administration
  • over-the-Air Provisionierung
  • granulare Kontrolle mit 450 IT-Richtlinien
  • hohe Verfügbarkeit
BlackBerry Enterprise Server Express
  • Exchange Server 2010, 2007, 2003
  • Windows Small Business Server 2008 oder 2003
  • Kostenlos
  • limitierte Funktionen

Apple dagegen setzt bspw. direkt auf Microsoft Exchange auf. Eine zusätzliche Infrastruktur speziell von Apple ist gegenwärtig nicht vorgesehen. Mit dem zusätzlichem Produkt BES ist erkennbar, dass BlackBerry komplexere Anforderungen erfüllen kann. Dennoch hat es auch Apple geschafft mit weniger Funktionen einen wesentlichen Marktanteil zu erobern. Auch für ein Smartphone mit dem Android-Betriebssystem ist keine zusätzliche Infrastruktur vorgesehen. Die Strategie ist an dieser Stelle mit Apple vergleichbar.

8 Prüfung der Anforderungen gegen die Android-Plattform

Für den Vergleich wurde die Android-Plattform 2.2 herangezogen, die letzte Version mit signifikanten Verbesserungen der Benutzer-Funktionen.

Android-Plattform Anmerkungen
Tabelle 3: Übersicht der Businessfunktionen von Android
Leistungsmerkmale
E-Mail, Kalender, Kontakte
Ausschlaggebend ist die Unterstützung von Microsoft Exchange, welche seit Version 2.0 vorhanden ist.
Umgang mit Office-Formaten
Keine Unterstützung ohne Erweiterungen durch zusätzliche Anwendungen aus dem Android-Markt.
Internet
Besonders durch die in der Version 2.0 eingeführte "double-tap zoom" Funktion wurde die Internetnutzung deutlich verbessert.
Datei-Server-Zugriff
Mit Hilfe von VPN nur mit hohem administrativen Aufwand möglich. Weiterhin sind klassische Webszenarien mit Web Content Management Systemen denkbar.
Sicherheitmechanismen
anpassbare IT-Richtlinien
lokale Verschlüsselung aller Daten
Remote-Administration
Beschränkt sich nur auf die Exchange-Funktion.
Remote Wipe-Funktion
Mit der Version 2.2 wird im Zusammenhang mit Microsoft Exchange auch das entfernte Löschen unterstützt
WPA/WPA2 Enterprise mit 802.1X
Zertifikatbasierte Authentifizierung
Komplexe Passcodes

8.1 Möglichkeiten des Android-Systems

Durch die Veröffentlichung von Android als Open Source Software kann die Weiterentwicklung des Systems von einer Entwicklergemeinschaft, einer Community, nur profitieren. Diese Gemeinschaft sorgt dafür, dass die Software auch in der Zukunft weiterentwickelt und verbessert wird. Fehler und Sicherheitslücken können durch die breite Community u.U. schneller entdeckt und behoben werden.

Auch der Zusammenschluss der OHA trägt dazu bei, dass strategische Entscheidungen und Weiterentwicklungen von Android nicht nur von einem einzelnen Unternehmen abhängig sind. Dies gewährleistet eine gewisse Zukunftssicherheit und Förderung der Innovation.

Ein weiterer Vorteil von Android gegenüber anderen Plattformen sind die offenen Technologien Linux und Java. Diese Technologien ermöglichen Android den Einsatz auf verschiedener Hardware. Besonders im Businessumfeld ist dadurch die Leistungsfähigkeit und Flexibilität gegeben.

8.2 Grenzen des Android-Systems

Google bietet mit der Android-Plattform den Nutzern eigene Dienste an. Das erste mit dem Android-Betriebssystem vertriebene HTC Dream (auch T-Mobile G1 genannt) ließ sich in den ersten Versionen nicht ohne Einrichtung einer GMail-Adresse (Google-Konto) benutzen. Es gab daraufhin viele negative Reaktionen. Mit der Version 1.5 reagierte Google darauf und machte dies zur Option. Seitdem ließen sich Konten via POP oder IMAP einbinden, auf den Push-Dienst musste jedoch verzichtet werden.[22] Mit der Android-Version 2.0 wurde Microsoft Exchange Unterstützung integriert.[23] Mittlerweile lassen sich somit Smartphones auf Android-Basis gänzlich ohne Abhängigkeit von Google nutzen.

Im Juni 2010 wurde die Kritik über Googles Einfluss auf das Android-System laut.[24] Demnach ist Google in der Lage, Software ohne Nachfrage des Benutzers zu entfernen bzw. zu installieren. Dies ermöglicht der im Hintergrund laufende Dienst Google Talk. Google Talk stellt eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Android-Betriebssystem und den Google-Servern her. Im Juni 2010 hat Google erstmals Anwendungen auf den Endgeräten der Anwender durch einen entfernten Zugriff deinstalliert, da ein Sicherheitsexperte demonstrieren wollte, wie einfach schadhafter Code auf Android-Smartphones verbreitet werden kann.

Mit dieser Sicherheitspolitik steht Google jedoch nicht allein da. Apple iPhone oder Amazon Kindle bieten auch die Möglichkeit, über einen Fernzugriff Daten auf dem Endgerät zu löschen. Die Statistik über den Einsatz dieser Geräte zeigt jedoch, dass das Vertrauen der Nutzer durch diese Funktion nicht schwindet. Weiterhin sind keine negativen Vorkommnisse bekannt.

Aufgrund der Offenheit des Systems sind den Unternehmen bei der Integration in die eigene IT-Landschaft keine Grenzen gesetzt. Strebt jedoch ein Unternehmen eine Migration von einer anderen mobilen Plattform an, so muss das Unternehmen aufgrund der fehlenden Interoperabilität mit hohen Aufwänden rechnen. Als Beispiel dafür kann die Transformation einer individuellen Windows Mobile Anwendung auf ein Android-Gerät dienen. Diese ließe sich unter Umständen nur mit zusätzlichem Programmieraufwand auf die neue Plattform anpassen.

9 Schlussfolgerung

Abbildung 6: IBM Android Lotus - ScreenshotReferenz-Fehler: Ungültige <ref>-Verwendung: „ref“ ohne Namen muss einen Inhalt haben.

Die Entwicklung der Android-Plattform schreitet sehr schnell voran. Die aktuelle Version bietet ausreichend Funktionen, um die Bedürfnisse vieler Unternehmen erfüllen zu können. Dies spiegelt sich auch in der Unterstützung der Plattform von bekannten Telekommunikationsherstellern im Businessumfeld wieder. So unterstützt bspw. Alcatel bereits heute Android-Smartphones mit dem Produkt OmniTouch 8600 My Instant Communicator und gehört zu den ersten Anbietern in der Telekommunikationsbranche.[25] Mit der Pressemitteilung im Januar 2010 kündigte auch IBM die mobile Lotus Collaboration Unterstützung für Android an.[24] Auch bei Cisco Systems findet sich Android auf der Roadmap wieder.

Die Open Handset Alliance sowie die Veröffentlichung der Android-Plattform als Open Source tragen sicherlich einen erheblichen Teil zu dieser rasanten Entwicklung bei. Besonders die Vorteile aus Open Source und der Einsatz offener Technologien (Linux und Java) stehen dabei für Zukunftssicherheit sowie die stetige Innovation, unterstützt durch eine starke Community.

Dennoch ist die Android-Plattform noch nicht reif für den professionellen Einsatz in einem Businessumfeld mit hohen Sicherheitsanforderungen. So spielen die Sicherheitsaspekte für den Unternehmenseinsatz eine zentrale Rolle. Diese können von der Android-Plattform jedoch zum heutigen Zeitpunkt nur teilweise erfüllt werden (siehe Tabelle 3). Auch der Umgang mit Office-Formaten lässt sich derzeit nur mit zusätzlichen Anwendungen aus dem Android-Markt realisieren.

Aufgrund der beschriebenen Grenzen und Mängeln hinsichtlich der Sicherheitsaspekte ist die Android-Plattform zum heutigen Zeitpunkt eher für klein- bis mittelständische Unternehmen geeignet. Es ist jedoch abzusehen, dass immer mehr Unternehmen auf Smartphones mit Android setzen werden. Die rapide Entwicklung der Plattform sowie Offenheit und Flexibilität des Systems sprechen für sich.

10 Literatur- und Quellenverzeichnis

  1. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Android-iPhone-Co-Smartphones-im-Business-Einsatz-1035278.html (Stand 14.07.2010)
  2. Vgl. Apple iPhone - 14 Prozent Marktanteil im Business-Bereich http://www.pcwelt.de/start/mobility_handy_pda/pda_smartphone/news/194487/14_prozent_marktanteil_im_business_bereich (Stand 17.04.2010)
  3. Vgl. http://source.android.com/index.html (Stand 12.06.2010)
  4. Vgl. Mosemann, H., Kose, M., Android - Anwendungen für das Handy-Betriebssystem erfolgreich programmieren, Carl Hanser Verlag, München 2009 (Seite 3)
  5. Vgl. http://developer.android.com/sdk/android-2.2.html (Stand 12.06.2010)
  6. 6,0 6,1 Vgl. http://www.openhandsetalliance.com/press_111207.html (Stand 05.06.2010)
  7. http://developer.android.com/images/system-architecture.jpg (Stand 31.05.2010)
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 Vgl. http://developer.android.com/guide/basics/what-is-android.html (Stand 31.05.2010)
  9. Vgl. RIM Smartphones http://de.blackberry.com/devices (18.04.2010)
  10. Vgl. iPhone in Unternehmen http://www.apple.com/de/iphone/business/integration (18.04.2010)
  11. 11,0 11,1 Vgl. BlackBerry http://de.wikipedia.org/wiki/BlackBerry (Stand 17.04.2010)
  12. Vgl. BlackBerry Smartphone - Funktionen http://de.blackberry.com/devices/features (Stand 17.04.2010)
  13. Vgl. Cortado http://www.cortado.com/eude/de/Produkte/CorporateServer.aspx (Stand 17.04.2010)
  14. Vgl. Das Rennen um das mobile Office http://www.computerwoche.de/netzwerke/mobile-wireless/1866355/index2.html (Stand 17.04.2010)
  15. Vgl. iPhone im Unternehmen http://www.apple.com/de/iphone/business/integration (Stand 17.04.2010)
  16. iPhone - technische Daten http://www.apple.com/de/iphone/specs.html (Stand 15.04.2010)
  17. Vgl. BSI https://www.bsi.bund.de/cae/servlet/contentblob/486912/publicationFile/30766/mobile_endgeraete_pdf.pdf (Stand 18.04.2010)
  18. BlackBerry Security http://de.blackberry.com/ataglance/security/certifications.jsp (Stand 21.04.2010)
  19. Überblick Sicherheitsmechanismen iPhone http://images.apple.com/de/iphone/business/docs/iPhone_Security_Overview.pdf (Stand 21.04.2010)
  20. Vgl. Hacker: iPhone-Verschlüsselung ist ein Placebo http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hacker-iPhone-Verschluesselung-ist-ein-Placebo-7531.html (Stand 23.04.2010)
  21. BES vs. BESE comparison chart (PDF) http://na.blackberry.com/eng/services/business/server/express/ComparisonChart_NA_021610_v3.pdf (Stand 26.04.2010)
  22. Vgl. Android (Betriebssystem) http://de.wikipedia.org/wiki/Android_%28Betriebssystem%29 (Stand 17.04.2010)
  23. Vgl. Android 2.0 Platform Highlights http://developer.android.com/sdk/android-2.0-highlights.html (Stand 17.04.2010)
  24. 24,0 24,1 Vgl. Googles Einfluss auf Android-Handys http://www.heise.de/newsticker/meldung/Googles-Einfluss-auf-Android-Handys-1029709.html (Stand 12.07.2010)
  25. Vgl. Alcatel-Lucent OmniTouch 8600 http://enterprise.alcatel-lucent.com/docs/?id=9566 (Stand 29.04.2010)
Persönliche Werkzeuge