Media Richness Theorie im Web 2.0

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1 Titel

Name der Autoren: David Eckhorn, Mario Kohl
Titel der Arbeit: "Media Richness Theorie im Web 2.0"
Hochschule und Studienort: FOM Essen
Abgegeben am: 14.06.2009
Betreuer: Prof. Dr. Uwe Kern

2 Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis


3 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
DINDeutsches Institut für Normung
E-Mailelectronical mail
HTTPhypertext markup language
Google I/OGoogle Developer Conference
ICQI seek you
IMAPInternet Message Access Protocol
IRCInternet Relay Chat
ISOInternationale Organisation für Normung
MBitMegabit
M4ADateiendung für MPEG-4 Part 14
M4VDateiendung für MPEG-4 Part 14
MOVDateiendung für Videos im QuickTime-Format
MP3MPEG-1 Audio Layer 3
MP4Dateiendung für MPEG-4 Part 14
MRTMedia Richness Theorie
MSTMedia Synchronicity Theorie
POP3Post Office Protocol
RSSReally Simple Syndication
SMTPSimple Mail Transfer Protocol
TCP/IPTransmission Control Protocol/Internet Protocol
V-Mailvoice mail
WWWWorld Wide Web


4 Abbildungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Stimulus-Response Modell
2Informationstheorie nach Shannon/Weaver
34 Quadranten
4Systemorientierter Kommunikationsansatz
5Funktionen von Kommunikation für den Menschen
6Web 2.0 TagCloud
7Das Modell der Media Richness
8Informationsvolumen im Verlauf eines Gruppenarbeitsprozesses
9Medieneigenschaften in der Media-Synchronicity-Theory
10YouTube Logo
11Schema eines IRC Netzwerkes
12Struktur einer E-Mail
13Wikipedia Logo
14MediaWiki Logo
15Podcasting
16Podcasting-Schema
17Google Wave Logo


5 Tabellenverzeichnis

Tab.-Nr.Tabelle
1Schnellübersicht Web 2.0 Technologien in MST


6 Einleitung

6.1 Ausgangslage

Die Kommunikation des Menschen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und das Internet wird als selbstverständliche Kommunikationsmöglichkeit verwendet. Mit dem evolutionären Fortschritt von Web 1.0 auf 2.0 sind User in der Lage das Internet für ihre aktive Kommunikation auf einfacher Art und Weise zu nutzen. Doch stellt sich die Frage, ob Theorien, die stellenweise noch vor dem Internetzeitalter entwickelt worden sind, auf die heutigen Technologien anwendbar sind. Sicherlich hatte jeder schon einmal eine Situation, dass ein Kommunikationsmedium falsch gewählt war und das Gespräch bzw. die Lösung der Aufgabe zum Scheitern verurteilt war.

6.2 Vorgehen

Im Rahmen der vorliegenden Fallstudie werden zunächst die grundlegenden Kommunikationsaspekte beschrieben und dargestellt. Ohne diese kann bekanntlich keine Kommunikation stattfinden. Darüber hinaus wird in einem groben Ansatz die Idee des Web 2.0 erläutert. In den folgenden Kapiteln befindet sich der Hauptteil der Media Richness Theorie. Diese Theorie wird erläutert und dargestellt. Darüber hinaus werden evolutionäre Erweiterungen oder Anpassungen der Theorie erläutert und der Verlauf der MRT dargestellt. Mit diesen Erkenntnissen können die jeweiligen ausgewählten Web 2.0 Applikationen und Technologien betrachtet und miteinander verglichen werden. Dies folgt jeweils nach einer kurzen Einleitung zu den entsprechenden Web 2.0 Applikationen.

6.3 Zielsetzung

Mit Hilfe der gewonnen Erkenntnissen soll es möglich sein die entsprechenden Web 2.0 Applikationen zu bewerten. Es soll als eine Grundlage dienen, um ein passendes Medium für die vorhandene Aufgabe auszuwählen.

7 Grundlagen

7.1 Kommunikation

Hinter dem Begriff der Kommunikation verbirgt sich eine Informationsübermittlung zwischen kognitiven Systemen. Kognitive Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Lage sind, jegliche Informationen zu verarbeiten. Während des Kommunikationsprozesses zwischen diesen kognitiven Systemen entsteht ein sog. Kommunikationssystem, das sich aus zwei Elementen zusammensetzt. So ist das erste Element, das zu einem bestimmten Zeitpunkt Informationen sendet, der Informationsproduzent, während der Empfänger dieser Informationen (zweites Element des Kommunikationssystems) als Informationsrezipient bezeichnet wird[1].

Im folgenden Kapitel erfolgt eine Bestandsaufnahme von Anforderung an den Kommunikationsprozess. Um diese Anforderungen zu extrahieren, ist es zunächst erforderlich, den Kommunikationsprozess mittels konkreter Theorien und Modelle zu erörtern.

7.1.1 Kommunikationsmodelle und Theorien

Zur spezifischen Einordnung der Modelle und Theorien, lassen sich diese in unterschiedliche Oberthemen, im weiteren Verlauf als Perspektiven bezeichnet, einteilen. Folgende Perspektiven sind hierbei zu nennen:

  • Kommunikation in der Naturwissenschaft
  • Kommunikation in der Sprachwissenschaft
  • Kommunikation in der Sozialwissenschaft.

Die im Rahmen der vorliegenden Fallstudie behandelten Kommunikationsmodelle decken konzentrieren sich auf den naturwissenschaftlichen Bereich (vgl. Kap. 7.1.2) sowie den Bereich der Sprachwissenschaft (vgl. Kap. 7.1.3).

7.1.1.1 Das Stimulus Response Modell

Das Stimulus Response Modell ist eine stark vereinfachte Darstellung des Kommunikationsprozesses. Dieses Modell besteht lediglich aus den drei Elementen Kommunikator, Rezipient und dem Stimulus[2]. In diesem Modell werden Handlungen als messbare Reaktionen auf bestimmte Reize interpretiert. Dabei wird der Mensch als eine Art „Black Box“ angesehen. Der Mensch nimmt einen Reiz (Stimulus) aus der Umwelt auf und reagiert daraufhin mit einem bestimmten Verhalten (Response). Jedoch werden die Vorgänge, die im Inneren des Menschen bei der Aufnahme und Verarbeitung des Reizes ablaufen, außer Acht gelassen. Das kommunikationswissenschaftliche Stimulus-Response-Modell betrachtet nur unidirektionale Kommunikationsprozesse vom Sender zum Empfänger[3]. Dabei kann das Modell im Alltag auf unterschiedliche Art und Weise interpretiert werden. Einerseits lässt sich von der Übertragung von Informationen sprechen. Hierbei spielt es keine Rolle, um welche Art von Informationen es sich handelt; der Übertragungsvorgang an sich rückt in den Vordergrund[4]. Die alternative Interpretation dieses Modells bezieht sich direkt auf die Kommunikation. Diese Interpretation wird bestimmt durch die Festlegung der Elemente Kommunikator und Rezipient als konkrete Rollen oder Positionen innerhalb des Kommunikationsprozesses (s. Abb. 1) Aufgrund der Simplizität handelt es sich bei dem Stimulus-Response-Modell um eines der dominierenden Modelle zur Definition des Kommunikationsprozesses[5].

Abbildung 1: Stimulus-Response Modell
Abbildung 1: Stimulus-Response Modell[6]
7.1.1.2 Kommunikationsmodell nach Shannon/Weaver

Das Kommunikationsmodell nach Shannon/Weaver stellt ein mathematisch technisches Modell der Kommunikation dar, auf dessen Basis die optimale Nutzung technischer Kommunikationskanäle untersucht werden soll. Bei diesem Modell steht nicht so sehr die Nachricht im Vordergrund, sondern vielmehr der Prozess der Übertragung dieser Nachricht. Die Übertragung der Nachricht erfolgt dabei auf folgende Weise: Nachdem der Sender eine Nachricht aus einer Nachrichtenquelle ausgewählt hat, kodiert er diese, um ein Signal zu erzeugen, das dann über einen geeigneten Kanal übertragen wird. Während der Übertragung mittels des ausgewählten Kanals können Störfaktoren aus der Umwelt auf die Übertragung bzw. das Signal einwirken. Anschließend erhält der Empfänger das Signal und muss dieses wieder in die ursprüngliche Nachricht zurück transformieren (s. Abb. 2). Dieses Kommunikationsmodell ermöglicht es, die eigentliche Botschaft zu einer mathematisch berechenbaren Größe für technische Übertragungssysteme zu formulieren. Dies erlaubt schließlich die Wahl des optimalen Kommunikationsmediums[7].

Abbildung 2: Informationstheorie nach Shannon/Weaver
Abbildung 2: Informationstheorie nach Shannon/Weaver[8]
7.1.1.3 Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Im Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun erfolgt die Übermittlung einer Nachricht auf vier verschiedenen Ebenen, wobei diese Ebenen Botschaften darstellen, die in jeder Nachricht enthalten sind. So definiert Schulz von Thun mittels des von ihm geschaffenen Kommunikationsquadrates eine Sachebene, eine Selbstkundgabe, einen Beziehungshinweis und einen Appell als Bestandteile der Kommunikation. Die Sachebene beschreibt die Sachinformation der Nachricht. Es handelt sich um eine verständliche und klare Schilderung der Information. Die Selbstkundgabe erfolgt explizit oder implizit und ermöglicht dem Rezipient, sich ein Bild über die Gemütslage des Kommunikators zu machen. Die Beziehungsseite erlaubt den Einblick in die zwischenmenschliche Beziehung in welcher der Kommunikator zu dem Rezipient steht. Abschließend stellt die Appellseite den Bestandteil der Kommunikation dar, welcher den Zweck verfolgt ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Jede Ebene wird hierbei jeweils von dem Kommunikator und dem Rezipient im Rahmen der Kommunikation wahrgenommen. Hierbei gilt, dass die Qualität der Kommunikation entscheidend durch das Zusammenspiel der Ebenen beeinflusst wird[9].

Abbildung 3: 4 Quadranten
Abbildung 3: 4 Quadranten[9]
7.1.1.4 Systemorientierter Kommunikationsansatz

Die zuvor beschriebenen Kommunikationsmodelle und Theorien konzentrieren sich auf eine unidirektionale Kommunikation vom Sender zum Empfänger. Im Folgenden wird mittels des systemorientierten Kommunikationsansatzes der Schritt in eine bidirektionale Kommunikation vorgenommen. Hierdurch wird erstmalig die Möglichkeit des Feedbacks an den Sender im Kommunikationsprozess berücksichtigt. Das Modell des systemorientierten Kommunikationsansatzes besagt, dass sich die Bedeutung einer übermittelten Nachricht nicht ausschließlich aus dem Inhalt dieser Nachricht ableiten lässt, sondern auch durch die Eigeninterpretation des Empfängers beeinflusst werden kann. Dabei verfügen die am Kommunikationsprozess beteiligten Personen jeweils über einen persönlichen Hintergrund, der dazu beiträgt, dass eine Nachricht unterschiedlich interpretiert wird und dadurch Missverständnisse entstehen können. Insofern ist ein vom Sender ausgehendes Feedback besonders wichtig, um abschließend feststellen zu können, ob die Nachricht ihre eigentliche Wirkung erzielt hat. Insgesamt lässt sich noch festhalten, dass Missverständnisse umso eher vermieden werden können, je größer die gemeinsame Informationsbasis von Sender und Empfänger ist[10].

Abbildung 4: Systemorientierter Kommunikationsansatz
Abbildung 4: Systemorientierter Kommunikationsansatz[11]

7.1.2 Funktionen von Kommunikation

Um die Anforderungen an die Kommunikation zu bestimmen, sind die wesentlichen Funktionen der Kommunikation - die Übermittlung von Information als eine Form der Verständigung sowie die Interessensrealisierung - genauer zu betrachten[12]. Die Funktion der Verständigung dient dazu, zwischen den Kommunikationspartnern einen gemeinsamen Sprachschatz (Gleichartige Interpretation der verwendeten Sprache) zu definieren. Die Funktion der Interessenrealisierung definiert das Ziel eines jeden Kommunikationspartners, mit der von ihm durchgeführten Kommunikation ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das eigentliche Ziel, ob es sich beispielsweise um ein Pausengespräch über den Austausch der Wochenendaktivitäten oder auch Gehaltsverhandlungen handelt, ist nicht entscheidend. Es gilt jedoch die These, dass ein Kommunikationspartner ohne ein konkretes Ziel nicht in die Kommunikation eintreten wird. Abbildung 5 enthält eine Beschreibung der unmittelbaren Kommunikationsfunktionen. Die unmittelbaren Kommunikationsfunktionen bestimmen die Funktionen des kommunikativen Handelns, welches zwischen den an der Kommunikation beteiligten Partnern stattfindet. Es sei an dieser Stelle auch auf die mittelbaren Funktionen hinzuweisen. Die mittelbaren Kommunikationsfunktionen nehmen Bezug auf die real stattfindenden Kommunikationsprozesse für Mensch und Gesellschaft. Die mittelbaren Kommunikationsfunktionen stellen einen wichtigen Beitrag zur Menschenwerdung und der gesellschaftlichen Evolution dar[13]. Im Rahmen der Fallstudie wird auf eine detaillierte Betrachtung der mittelbaren Kommunikationsfunktionen verzichtet.

Abbildung 5: Funktionen von Kommunikation für den Menschen
Abbildung 5: Funktionen von Kommunikation für den Menschen[13]

7.1.3 Anforderungen an die Kommunikation

Auf Basis der vorgestellten und weiteren Kommunikationsmodelle unter zusätzlicher Berücksichtigung der Kommunikationsfunktionen, lassen sich nun die Anforderungen an eine einwandfreie bzw. optimale Kommunikation ableiten.

Informationsverarbeitungskapazität
Ein Kommunikationsmedium aber auch das Individuum welches in eine Kommunikation eintritt besitzt eine bestimmte Informationsverarbeitungskapazität.

Die (spezielle) Intention
Bei der Intuition wird zwischen der allgemeinen Intuition, welche das Ziel verfolgt, einem Individuum in einer für dieses Individuum verständlichen Form etwas mitzuteilen, und der speziellen Intuition unterschieden. Bei der speziellen Intention teilt der Sender dem Adressaten aus eigenem Interesse etwas mit und versucht über diesen Weg sein eigenes Interesse zu realisieren[14].

Das konkrete Ziel
Die Kommunikation erfolgt unter der Annahme, mit der Kommunikationshandlung ein bestimmtes Ziel (unmittelbares Ziel) erreichen zu wollen. Die Ausprägung des Ziels untergliedert sich in das konstante Ziele der eigentlichen Verständigung und das variable Ziel der Interessensrealisierung[12].

Ein Kommunikationspartner
Eine Kommunikation findet statt, sobald mindestens zwei Individuen in den Kommunikationsprozess eintreten und wechselseitig miteinander agieren. Sollte lediglich ein Individuum an der Kommunikation beteiligt sein, handelt es sich lediglich um die Initiierung des kommunikativen Prozesses: dies stellt jedoch keine Kommunikation dar[15].

Ein gemeinsames Ausdrucksmittel
Damit die Kommunikationspartner miteinander kommunizieren können, ist es erforderlich, ein gemeinsames Ausdrucksmittel zu besitzen, welches als Trägerinstrument der eigentlichen Mitteilung dient. Dieses Ausdrucksmittel (= Medium) kann eine Sprache, ein Handzeichen oder ähnliches sein[16].

7.2 Web 2.0


Abbildung 6: Web 2.0 TagCloud  Der zentrale Begriff Web 2.0 wird von Schlagworten umgeben. Die orangefarbenen Begriffe geben passende Schlagworte zum Nutzen von Web 2.0 an. Die weißen Begriffe beschreiben Technologien die für Web 2.0 stehen. Weitere Schlagworte geben die in rosa gefärbten Begriffe. Eine Reihe von Anwendungen, die mit Technologien aus dem Web 2.0 realisiert wurden sind im äußersten Kreis in grauer Schrift hinterlegt.
Abbildung 6: Web 2.0 TagCloud [17]
Der zentrale Begriff Web 2.0 wird von Schlagworten umgeben. Die orangefarbenen Begriffe geben passende Schlagworte zum Nutzen von Web 2.0 an. Die weißen Begriffe beschreiben Technologien die für Web 2.0 stehen. Weitere Schlagworte geben die in rosa gefärbten Begriffe. Eine Reihe von Anwendungen, die mit Technologien aus dem Web 2.0 realisiert wurden sind im äußersten Kreis in grauer Schrift hinterlegt.

Im Jahre 2004 entstand der Begriff Web 2.0 während einer Brainstorming-Sitzung in der man versuchte einen Namen für eine neue Internetkonferenz zu finden. Bei dieser neuen Konferenz sollte es unter anderem um den Austausch von Informationen gehen, wie man die neuen Anwendungsmöglichkeiten des Webs einsetzen könnte[18].

Für den Begriff Web 2.0 selbst gibt es keine allgemeingültigen Definitionen oder DIN-/ ISO-Normen[19]. Schiller Garcia definiert den Begriff Web 2.0 als ein „Sammelbegriff für eine Reihe von Entwicklungen im Bereich des World Wide Web und fasst den aktuellen Stand der Entwicklungen aus technologischen, soziologischen, individuellen und ökonomischen Perspektiven der gesamten WWW-Evolution zusammen“ [20] Erst 2005 erstellte O’Reilly einen Artikel, der den Begriff Web 2.0 bedeutend bekannter machte, indem er nach der New Economy Krise auf die Veränderungen des Internets hinweisen wollte[19]. Kurz darauf erschien von Angermeier ein TagCloud, welches die Prinzipien des Web 2.0 verdeutlichen sollte. (s. Abb. 6)

Die Veränderung von Web 1.0 zu Web 2.0 sind vor allem an drei Veränderungen festzumachen.

Zunächst sind die Veränderungen der Kostenstruktur für die Nutzung des Internets von Bdeutung. Sind zu Web 1.0-Zeiten noch eine Grundgebühr, Einwahlkosten und Telefonkosten angefallen, die sich leicht auf dreistellige Eurobeträge summieren konnten, sind heute üblicherweise lediglich die Flatratekosten zu zahlen, die wiederum nur einen kleinen Bruchteil der ehemaligen Kosten ausmachen.

Hinzu kommen die sprunghaften Veränderungen der Datenübertragungstechnik. Ist es zu damaligen Zeiten üblich gewesen mit einem 56k Modem sich einzuwählen, so sind bereits jetzt marktreife 100Mbit Hausanschlüsse vorhanden[21]. Erst durch die große Bandbreite ist es möglich geworden Videos, Fotos oder Musik über das Internet auszutauschen, was vor einigen Jahren aufgrund der niedrigen Bandbreiten und der enorm benötigten Zeit zur Übertragung gescheitert wäre.

Die dritte Veränderung ist das Verhalten der Benutzer des World Wide Web. Der User surft nicht mehr passiv durch das WWW, sondern gestaltet dies aktiv mit. Es werden multimediale Inhalte erzeugt und bewusst verbreitet oder an einem z.B. Wikipediaartikel arbeitet man kollektiv mit anderen Nutzern gemeinsam, um diese zu erweitern oder zu verbessen[22].

8 Media Richness Theorie

Die Überlegungen der Wissenschaftler Daft & Lengel zur Rolle der Sprache für die Kommunikationen in Organisationen führten zur Entwicklung der Media Richness Theorie[23]:

„Information richness is defined as the ability of information to change understanding within a time interval. Communication transactions that can overcome different frames of reference or clarify ambiguous issues to change understanding in a timely manner are considered rich. Communications that require a long time to enable understanding or that cannot overcome different perspectives are lower in richness. In a sense, richness pertains to the learning capacity of a communication.”[24]

Die Reichhaltigkeit eines gewählten Mediums lässt sich nach Daft & Lengel im ersten Schritt an folgende Faktoren festlegen[25]:

  • Channels utilized: Von Medium zu Medium variieren die verwendeten Kommunikationskanäle sehr stark. Die so genannte Face-to-Face Kommunikation übermittelt neben dem gesprochenen Wort, also der Sprache, auch Informationen durch nonverbale Kommunikationskanäle, also z.B. Gestik oder Mimik. Hingegen beschränken sich formell verfasste Texte oder schriftliche Dokumentationen auf den visuellen und textuellen Infomationskanal.
  • The medium’s capacity for immediate feedback: Eine Möglichkeit eines sofortigen Feedbacks kann eine schnelle Raktionen auf z.B. Missverständnisse darstellen. Mit dieser Hilfe lassen sich mögliche Fehler oder Unklarheiten minimieren.
  • Personalization: Die verschiedenen Medien lassen sich unterschiedlich personalisieren oder emotionalisieren. Bei formalen Texten, Berichten, Anträgen oder ähnliches ist dieser Grad besonders gering. Dagegen kann die Face-to-Face Kommunikation den höchsten Grad aufweisen.
  • The number of cues & language variety: Die reine menschliche Sprache übermittelt weitaus mehr Informationen, als nur den reinen Inhalt. Eine sehr hohe Zahl an Hinweisen lassen sich durch Betonung, Wortwahl, Tonfall oder Lautstärke übermitteln. Demgegenüber hat eine reine textuelle Darstellung nur eine eingeschränkte Aussagekraft.

Durch die Aufschlüsselung der Faktoren ist erkennbar, dass eine Face-to-Face Kommunikation eine „reiche“ Kommunikationsform ist, da sie eine Vielzahl verschiedener paralleler Kanäle wie Sprache, Tonfall, Gestik, Mimik, etc. (channels) bietet. Sie ermöglicht grundsätzlich ein unmittelbares Feedback und stellt ein reichhaltiges Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung (cues & language variety). Darüber hinaus erlaubt die Face-to-Face Kommunikation eine Vermittlung und unmittelbarer Wahrnehmung persönlicher Stimmungslagen und Emotionen (personalization). Demgegenüber stellt die Kommunikation mittels Schriftkommunikation durch z.B. Dokumente eine „arme“ Kommunikationsform mit geringem Media Richness Grad dar.

In einem zweiten Schritt stellen Daft & Lengel den Media-Richness-Grad in einer Beziehung zur Komplexität einer Aufgabe her, die mit einem jeweiligen Medium gelöst werden soll. Empirische Untersuchungen führten beide Wissenschaftlern zur Modellierung einer Systematik, die von einigen Wissenschaftlern erweitert wurde[26]. Speziell von Rice wurde ein Media Richness Modell entwickelt[27]. (s. Abb. 7)


Abbildung 7: Das Modell der Media Richness
Abbildung 7: Das Modell der Media Richness [27]



Das Modell zeigt eine Systematisierung der Kommunikationsformen nach ihrem Reichtum. Exemplarisch reicht dieses Spektrum von der Face-to-Face Kommunikation bis hin zu der Briefpost oder der schriftlichen Dokumentation. In Bezug auf die Komplexität der Aufgabe, die mit Hilfe des jeweiligen Mediums gelöst werden soll, fällt auf, dass reiche Medien nicht automatisch besser und im Umkehrschluss arme Medien nicht zwangsläufig schlechter zur Bewältigung verschiedener Kommunikationsaufgaben geeignet sind. Es ist anhand des Modells deutlich zu erkennen, dass ein Korridor des Optimums dargestellt wird, in der die effektivste Kommunikationswahl zur Aufgabe gewählt werden kann. Eine unnötige Verkomplizierung oder eine unangemessene Simplifizierung würde die Lösung der Aufgabe schädigen[28]. In der ursprünglich Fassung der Media Richness Theorie von Daft & Lengel wird daher empfohlen, dass für unsichere (uncertainty[29]) Aufgaben Medien verwendet werden müssen, die viele Informationen vermitteln (z.B. schriftliche Berichte). Ebenso können mehrdeutige Aufgaben (equivocality[30]) auch durch sehr viele Informationen nicht gelöst werden, wenn zur Lösung dieser Probleme nicht reiche Medien eingesetzt werden (z.B. Face to Face Dialog).

Die Effektivität der passenden Medienwahl und der Aufgabenerfüllung wandelt Döring in einen Rationalisierungsgedanken um: „Da Mediennutzung mit Kosten verbunden ist, sollte eine rationale Medienwahl sich derart gestalten, dass […] die mediale Reichhaltigkeit des gewählten Mediums gerade dem von der Kommunikationsaufgabe geforderten Grad an persönliche Nähe entspricht.“[31] Daft, Lengel und Travino stützen ihre Theorie mit der Beobachtung, dass sich erfolgreiche Führungskräfte in Unternehmen durch einen theoriekonformen Medieneinsatz auszeichnen. „Mediensensitive“ Manager, deren Medienwahl in verschiedenen Aufgabensituationen den Media- Choice- Regeln der Theorie entsprach, wurden in ihrem Unternehmen fast doppelt so oft als High Performer eingestuft als Führungskräfte, die ihre Kommunikationsmedien für verschiedene Aufgaben nicht modellgerecht nutzten und sich dadurch als „medien – insensitiv“ erwiesen[32].

9 Empirische Untersuchungen der MRT und Weiterentwicklungen

El-Shinnawy & Markus versuchten die MRT anhand einer empirischen Untersuchung kritisch zu betrachten. Anhand der Medien E-Mail und Voicemail untersuchte man die Nutzung der Gruppenkommunikationsprozesse in Organisationen.

In der Interpretation der MRT soll die E-Mail gegenüber der V-Mail als ärmeres Medium begriffen werden. Diese Interpretation brachte beide Wissenschaftler zu der Vermutung, dass die E-Mail häufiger für unsichere Aufgaben eingesetzt werden würde. Demgegenüber steht folglich die V-Mail, die für mehrdeutige Aufgaben verwendet werden würde. Aufgrund der Befunde der beiden Wissenschaftler wurde die MRT in Frage gestellt: „individuals will prefer to communicate via V-Mail than E-Mail in situations requiring the exchange of information to resolve equivocality“[33]

Als Nutzungsgründe für die E-Mail in Situationen, in denen Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten ausgeräumt werden sollten, gaben die Befragten bessere Ablagerungsmöglichkeiten an, die den Verlauf der Kommunikation besser nachvollziehbar machen.

Hingegen die Befragten in ähnlichen Situationen bei der Nutzungsfolge der V-Mail die Entstehung von weiteren Mehrdeutigkeiten betonten, hoben aber zugleich die Entwicklung von kreativen Kommunikationsbeiträgen hervor.

El-Shinnawy & Markus formulierten als Folge dieser empirischen Untersuchung im Wesentlichen zwei Kritikpunkte der MRT. Zum einem wird die Unterscheidung nach Sender und Empfänger gefordert: „[…] choose media on the Basis of their communication role.“[34] Diese gewinnt gerade bei neuen Medien an Bedeutung, da unterschiedliche Medienpräferenzen bestehen könnten. Sind keine normativen Übereinkünfte getroffen worden, so kann bspw. für den einen Kommunikationspartner die V-Mail präferiert werden und für den anderen Kommunikationspartner die E-Mail als Königsweg der Kommunikation sein.

Zum anderen sei die MRT nicht auf neue computervermittelte Medien anwendbar. Vielmehr sei die Wahl von vorhandenen „Features“ beeinflusst: „The ability of communicators to handle equivocality may depend, not only on the richness of their media but also on other media features and functionalities such as communication mode und filling / retrieval capabilities.“[34]

Als Folge der beiden Kritikpunkte entstand die Media Featured Theory. Diese fokussierten die beeinflussende Funktionalitäten und die Handhabbarkeit des Kommunikationsmediums, um ein passendes Medium zur Lösung einer Aufgabe zu finden. Als Feature können zum Beispiel die leichten Archivierungsmöglichkeiten einer E-Mail, oder die unproblematische Weiterleitung der Mail gelten. 1994 veröffentlichte Markus in ihrer Studie eine weitere Alternative der MRT. Die Social Defination Theory hob das Auftreten von sozialen Faktoren bei der Medienwahl hervor[35].

Camino hat in seiner Studie zur E-Mail-Nutzung in Organisationen ein ähnliches Ergebnis erzielt. Die sozialen Faktoren wurden an die Seite der MRT gestellt. Hier wurde bspw. die E-Mail als sozial reich bewertet, wenn im Unternehmen eine überdurchschnittliche Akzeptanz des Kommunikationsmediums erreicht wurde.

10 Media Synchronicity Theorie

Dennis & Valacich (1999) bescheinigen der MRT ein hohes Maß an Plausibilität. Allerdings weisen diese auch darauf hin, dass bisherige empirische Untersuchungen nicht sehr überzeugend waren. Die Studien basierten auf Wahrnehmungen der Eignung von Medien für Aufgaben, nicht aber auf echter Nutzung[36].

Von daher argumentierten Dennis & Valacich, dass der Grundansatz der MRT zu grob war: Statt der zu bewältigenden Aufgabe legen beide Wissenschaftler den Schwerpunkt auf die Art des Kommunikationsprozesses und dessen Anforderungen an die Informationsverarbeitungskapazität eines Mediums, welche die Mediennutzung bestimmen. Die Kommunikationsprozesse werden aufgrund der oben festgestellten Befunde zum Ausgangspunkt für ihre neu erstellte Media-Synchronicity-Theory[37].

Nach Schwabes Meinung setzt die MST dort an wo die MRT ihre Schwächen zeige. Sein Focus richtet sich auf die Anzahl der im Kommunikationsprozess beteiligten Personen. Die MRT unterscheide nicht zwischen einer Kommunikation unter zwei Personen und einer Kommunikation in einer Gruppe. Die MRT geht laut Schwabe implizit immer von zwei Personen aus. Dies werde zu einem Problem, wenn die Gruppegröße steigt, da typische Gruppenprobleme nicht berücksichtigt werden[38].

Die MST differenziert hierbei zwischen zwei generischen Kommunikationsprozessen: Konvergente Prozesse und Divergente Prozesse[39].

Die divergenten Prozesse eignen sich demnach möglichst vielen Gruppenmitgliedern Informationen zur Verfügung zu stellen und die konvergenten Prozesse um Informationen zu verdichten. (s. Abb. 8)

Abbildung 8: Informationsvolumen im Verlauf eines Gruppenarbeitsprozesses
Abbildung 8: Informationsvolumen im Verlauf eines Gruppenarbeitsprozesses[40]

Damit sind divergente Prozesse für die Reduktion von Unsicherheiten geeignet, während konvergente Prozesse zur Reduktion von Mehrdeutigkeiten beitragen. Hiermit ist eine deutliche Verwandtschaft zu der MRT in den Grundannahmen erkennbar. Die MST erweitert die relevanten Medieneigenschaften. Nicht der Reichtum eines Mediums ist der ausschlaggebende Faktor für die Wahl eines Mediums, sondern die Synchronizität: „[…] the extent to which individuals work together on the same activity at the same time; i.e. have the same focus.“[40]

Das entsprechende Potential macht die MST an fünf Faktoren fest:

  • Symbol Variety: Symbolvarietät wurde aus der MRT (channel utilized) entnommen. Es wird beschrieben, auf wie vielen Kanälen gleichzeitig Hinweise zum gleichen Kommunikationsvorgang übermittelt werden können. Demnach hat eine schriftliche Dokumentation eine niedrige Symbolvarietät und eine Face-to-Face Kommunikation eine hohe Symbolvarietät[41].
  • Parallelism: Im Gegensatz zu der Symbol Variety beschreibt die Parallelität auf wie vielen Kanälen wie viele Personen gleichzeitig in unterschiedlichen Kommunikationsvorgängen kooperieren[41]. Schwabe ist der Ansicht, dass die MST die MRT um den Faktor Parallelität ergänze. Die Parallelität würde zu der Beseitigung der Gruppenprobleme beitragen. Des Weiteren können erst durch die Parallelität die Bereiche Widerverwertbarkeit und Überarbeitbarkeit entstehen und an Bedeutung gewinnen[42].
  • Feedback: Die Schnelligkeit des Feedbacks ist entscheidend darüber, ob zum Beispiel ein Fehler schnell beseitigt werden kann bzw. Unklarheiten zügig ausgeräumt werden können[41].
  • Rehearsability: Überarbeitbarkeit ermöglicht es dem Sender seine eigene Nachricht oder Beitrag umzuformulieren. Hierbei ist es leichter eine E-Mail oder einen Brief zu überarbeiten, als einen gesprochenen Satz zu verändern[41].
  • Reprocessability: Wiederverwendbarkeit ermöglicht dem Empfänger die Nachricht oder Beiträge weiter zu verwenden. Die Wiederverwendbarkeit gewinnt an Bedeutung je größer und komplexer die übermittelte Nachricht ist[43].
Abbildung 9: Medieneigenschaften in der Media-Synchronicity-Theory
Abbildung 9: Medieneigenschaften in der Media-Synchronicity-Theory[44]

Angesicht dieser fünf Faktoren wird unmittelbar deutlich, dass es nicht in Kategorien von armen und reichen Medien operieren kann. Überarbeitbarkeit und Feedback sind zwei gegenläufige Größen. Die Parallelität und Symbolvarität haben keinen direkten Zusammenhang. Im Kern der Betrachtung stehen die beiden Faktoren Feedback und Parallelität. Medien mit schnellem Feedback und geringer Parallelität ermöglichen eine hohe Synchronizität. Hingegen ermöglichen Medien mit langsamen Feedback und hoher Parallelität eine geringe Synchronizität. Beispielsweise ist elektronisches Brainstorming ein Medium für geringe Synchronizität und der Face-toFace Frontalunterricht ein Medium für hohe Synchronizität.

"Der Unterschied zwischen hoher und niedriger Synchronizität lässt sich auch am Beispiel einer Cocktail-Party erklären: Während sich die Gesprächsgruppen laufend mischen und zusammensetzen, herrscht ein hohes Maß an Parallelität der Konversationen aber von geringem Feedback (außer vom direkten Gesprächspartner). Wenn ein Teilnehmer ruft „Alle herhören, der Gastgeber hat heute Geburtstag!“ werden die Einzelgespräche eingestellt und alle hören auf den Rufer. Die Kommunikation hat mit einem Schlag eine geringe Parallelität und ein schnelles Feedback."[44]

Zwischen den generischen Prozessen und den Medieneigenschaften bestehen folgende Zusammenhänge: Für konvergente Prozesse sind Medien mit hoher Synchronizität geeignet und im Umkehrschluss sind für divergente Prozesse Medien mit geringer Synchronizität geeignet[45]. Generell führen Medien mit einer höheren Überarbeitbarkeit zu einer besseren Leistung; in konvergenten Prozessen führen Medien mit einer höheren Wiederverwendbarkeit zu einer besseren Leistung. Etablierte Gruppen benötigen weniger Synchronizität als noch nicht etablierte Gruppen; im Laufe des Gruppenentwicklungsprozesses nimmt der Bedarf demnach an Synchronizität ab, da sich ein gemeinsames Grundverständnis entwickelt hat[46].

Da sich die MST deutlich besser auf neue Technologien und auf größere Gruppengrößen anwenden lässt, wird die weitere Betrachtung nur noch mit der MST - als Nachfolgemodell der MRT - betrachtet.

11 Vergleich der Web 2.0 Anwendungen mit Hilfe der Media Synchronizitäts Theorie

Im vorliegenden Kapitel sollen nun die verschiedenen Anwendungen des Web 2.0 hinsichtlich der oben genannten Kriterien Feedback-Geschwindigkeit, Symbolvarietät, Parallelität, Änderbarkeit und Wiederverwendbarkeit (vgl. Kap. 10) bewertet werden. Weiterhin wird ein Überblick der betrachteten Anwendung gegeben. Dieser Überblick beinhaltet eine Definition und den technologischen Hintergrund.

11.1 Blogs

Definition
Blogs bzw. Weblogs sind eine Art „Online-Tagebuch“[47]. Hierbei handelt es sich um eine regelmäßig aktualisierte Webseite, welche von den Bloggern mit Inhalten versorgt wird. Die Darstellung eines Blogs erfolgt in der Form, dass zuerst die aktuellen Einträge und anschließend die zuvor erfassten Einträge angezeigt werden (=umgekehrte chronologische Reihenfolge)[48]. Je nach Inhaltsmenge kann sich ein Blog über einige wenige bis zu einigen hundert Seiten hin erstrecken, welche von dem Besuchern des Blogs betrachtet werden können. Zusätzlich zu den regulären Blogs existiert auch die spezielle Form der Mikro-Blogs, welche sich durch die quantitative Begrenzung des Nachrichteninhaltes abgrenzen. Das wohl prominenteste Beispiel zum Thema Mikro-Blogging ist Twitter[49], welches - trotz anfänglicher Probleme durch seine massive Nutzung[50] und der daraus resultierenden Abstürze - ein rasantes Wachstum erfährt[51]. Generell erfreut sich das Blogging einer großen Beliebtheit, was darin begründet liegt, dass die früheren Barrieren, wie beispielsweise die notwendige Programmiererfahrung im Bereich der HTML, welche dem Internetnutzer gegenüberstanden, abgebaut werden konnten[52]. Das Blogging zeichnet sich nun durch einfach zu bedienende Dienste aus, die quasi jedem Internetnutzer zur Verfügung stehen.

Blogs existieren zu den unterschiedlichsten Themenfeldern.

  • Artblogs

Kunst und Kultur

  • Edublogs

Lehre und Bildung

  • Corporate Blogs

Unternehmenseigene Blogs (auch CEO-Blogs)

  • Metablogs

Meta-Sammlung verschiedener anderer Blogs oder aber auch Webseiten

  • Watchblogs

Betrachtung von Unternehmen, Personen, Regierungen etc.

  • Und viele weitere

Die heutige Blogosphäre (= Gesamtheit aller Blogs inkl. Verlinkungen)[53] trägt dazu bei, die eigene Meinung oder eine eigene Darstellung einfach, offen und schnell der Öffentlichkeit kund zu tun.

Technik
Technologisch werden Blogs mittels Content-Management-Systemen realisiert. Heute existiert eine große Anzahl von Bloganbietern[54], welche zum großen Teil die Erstellung eines eigenen Blogs kostenlos anbieten und diesen mittels auf dem Blog angezeigter Werbung finanzieren.

Blogs in der MST
Die Feedback-Geschwindigkeit von Blogs bewegt sich auf einem niedrigen Niveau. Diese Bewertung resultiert aus der Asynchronizität der Informationen, welche dadurch entsteht, dass ein Blog-Autor den Blog-User nicht aktiv über neue Informationen auf dem Blog informiert. Der Blog-User muss sich die Informationen über die Nachrichten aktiv beschaffen. Eine Methode zur Informationsbeschaffung ist es, einen RSS-Feed des entsprechenden Blogs zu abbonieren, um über aktuelle Nachrichten informiert zu werden. Die verfügbare Symbolvarietät von Blogs ist als niedrig zu bezeichnen. Dies resultiert aus der technologischen Beschränkung von Blogs, welche im Kern das Erstellen von Texten im Fokus haben. Die Symbolvarietät ließe sich jedoch durch eine Integration von weiteren Anwendungen steigern. Die Parallelität lässt sich ein geringes Niveau erkennen, was aus der geringen Anzahl der verfügbaren Kommunikationskanäle resultiert. Letztlich beschränkt sich der Kanal für den Blog-User auf die Möglichkeit, Kommentare zu den eingestellten Informationen des Blog-Autors zu hinterlegen. Bezüglich der Änderbarkeit und der Wiederverwendbarkeit lässt sich in beiden Fällen ein hohes Niveau erkennen, da die eingestellten Informationen von den jeweiligen Autoren angepasst werden können und die enthaltene Nachricht vollständig, aber auch teilweise extrahiert und an weiterer Stelle genutzt werden kann.

11.2 Youtube

Definition

Abbildung 10: YouTube Logo
Abbildung 10: YouTube Logo[55]

YouTube wurde im Februar 2005 von drei ehemaligen PayPal Entwickler (Chad Hurley, Steve Chen, Jawed Karim) gegründet[56][57]. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten und der Investition der Venture Capital Gesellschaft Sequoia Capital in November, konnte das Unternehmen im Dezember starten[57]. YouTube entstand aus einer Idee und zwei Ereignissen[58][59] heraus, dass eine unkomplizierte Möglichkeit existieren sollte, Videomaterial auszutauschen.

YouTube hat einen enormen rasanten Anstieg der Popularität erhalten und gilt als einer der ersten Applikationen, die von Beginn an die Web 2.0 Ära mitgestaltet haben. Die Grundfunktionen von YouTube sind gering: Neben dem Einstellen und das Anschauen der Videos, sind auch Kommentare und Bewertungen zu den Videos möglich. Durch diese Einfachheit und der aktiven Mitgestaltung des Webs durch die User erfreut sich YouTube immer größerer Beliebtheit. Es entsteht eine eigene Community innerhalb der Website YouTube. Nach eigenen Angaben von YouTube werden jede Minute 10 Stunden Videomaterial auf das Portal hoch geladen. Nach den letzten Zugriffszahlen aus 2006 wurden täglich über 100 Millionen Videoclips angesehen[60]. Bekräftigt wird dies durch eine Analyse der Ellycoya Networks, die nach eigenen Berechnungen 10% der gesamten Bandbreite des Internets und 20% der HTTP Datenaufkommen alleinig auf den Datentransfer von und zu YouTube anfallen[61].

Technik
Das Unternehmen YouTube verwendet neben einer Datenbank für seine Plattform den Webserver Apache. Für die statischen Inhalte kommt eine modifizierte Lighttpd mit verbesserter Lastverteilung zum Einsatz. Zum Speichern und Anzeigen der Videos wird das Flash-Video-Format verwendet[62].

YouTube in der MST
YouTube richtet sich nach einem ähnlichen Schema des Blogs. Bei YouTube befindet sich die Feedback-Geschwindigkeit eher auf einem niedrigen Niveau. Aufgrund der asynchronen Kommunikation bzw. Datenverteilung muss der User das entsprechende Video aktiv holen oder darüber informiert werden. Die Symbolvarietät ist bei der Videodarstellung mittel bis hoch. Zum Beispiel könnte eine Person abgespielt werden, die durch ihre Mimik und Gestik neben der Sprache eine große Symbolvarietät mitbringt. Andere Darstellungen sind auch unter anderem mit Hinweisen in den Videos wie Untertitel möglich. Eine Gestaltung der Hinweisen zu und im Video ist auch nach dem Hochladen von Youtube möglich und bietet dem User einen gewissen kreativen Freiraum. Zu dem hat YouTube eher eine geringe Parallelität gemäß der MST. Hier beschränkt sich YouTube größtenteils lediglich auf das Veröffentlichen von Videos. Weitere Funktionen, wie bspw. Kommentare, geschehen nicht synchron. Die Videos lassen sich auch nach Veröffentlichung mit einer Zeitverzögerung wieder löschen und überarbeiten. Eine Änderbarkeit ist also in einem mittel bis hohem Maß gegeben. Die Wiederverwendbarkeit bei den Videos bewegt sich eher im Mittelmaß. Ein Video kann nur in seiner Gänze wieder verwendet werden, sofern man diesen nicht manipuliert. Ein Text kann beispielsweise auch partiell wieder verwendet werden.

11.3 E-Learning / Webinare

Definition
Unter dem Begriff Webinare verstehen sich Seminare welche im Web stattfinden. Webinare definieren sich als eine Art virtuelles Klassenzimmer, welches den Teilnehmern eine Zusammenkunft ermöglicht - unabhängig von der Fragestellung, an welchem Ort sich die Teilnehmer aufhalten. Dies ermöglicht den Teilnehmern eine hohe Flexibilität, da die regulären Vorbereitungen, wie die Anreise oder Übernachtung, welche zur Teilnahmen an einem Seminar erforderlich sind, wegfallen. Die Inhalte eines Webinars sind je nach Bedarf variabel. Häufig wird diese Form von Seminaren im Bereich von Schulungen, Produktpräsentationen oder Unternehmensmeetings genutzt[63]. Zu diesem Zweck integrieren die virtuellen Klassenzimmer verschiedene Werkzeuge (Präsentationstools, Audio, Video, Whiteboards) in eine einheitliche Oberfläche, um den Teilnehmer alle regulären Vorzüge einer Präsenzveranstaltung bieten zu können[64].

Technik
Die dem Webinar zugrundeliegenden virtuellen Klassenzimmer basieren auf verschiedenen Applikationen, welche zu einem gemeinsamen Werkzeug zusammengesetzt werden. Das Portfolio der Applikationen reicht von Audio- über Videointegration, Desktop-Sharing und weiteren Optionen[65]. Das Spektrum der verfügbaren Applikationen ist jeweils vom Anbieter des virtuellen Klassenzimmers abhängig.

In der MST
Die Feedback-Geschwindigkeit von Webinaren bewegt sich auf einem hohen Niveau. Dieses hohe Niveau resultiert aus den synchronen Vorgängen welche im Rahmen eines Webinars vorherrschen. Der Leiter des Webinars steht im direkten Kontakt zu seinen Teilnehmern. Der synchrone Austausch kann per Audio, Video oder auch Text erfolgen. Die Symbolvarietät bewegt sich zwischen einem mittleren und hohen Niveau. Tendenziell lässt sich ein hohes Niveau der Symbolvarietät erkennen. Bedingt durch minimale Unterschiede zu einer Präsenzveranstaltung kann kein hohes Niveau erzielt werden. Die Parallelität bewegt sich auf einem niedrigen bis mittleren Niveau, diese Bewertung basiert auf der Annahme, dass Anzahl der parallelen Kommunikationsvorgänge beschränkt wird. Als einfaches Beispiel sei hier der in der Regel unerwünschte "Plausch" zwischen den Seminarteilnehmern während eines Seminars denkbar, welcher im Rahmen eines Webinars durch den Leiter unterbunden werden kann. Die Änderbarkeit der Nachrichten bewegt sich zwischen einem niedrigen bis mittleren Niveau. Hinsichtlich der Änderbarkeit sind alle Kommunikationsformen eines Webinars zu betrachten. Während das gesprochene Wort eine absolut niedrige Änderbarkeit besitzt, hat eine elektronische Präsentation eine hohe Änderbarkeit. Die Charakteristika der Wiederverwendbarkeit von Webinaren sind auf einem mittleren Niveau anzusiedeln. Je nach Wunsch ist es möglich, die Informationen eines Webinars dauerhaft zu speichern und einer zukünftigen Verwendung zuzuführen. Das Hauptaugenmerk sollte an dieser Stelle jedoch auf die potentiell erarbeiteten Ergebnisse und die enthaltenen Präsentationen gelegt werden, welche als Artefakt für sich eine hohe Wiederverwendbarkeit aufweisen.

11.4 Messenger / Chat

Defintion

Abbildung 11: Schema eines IRC Netzwerkes
Abbildung 11: Schema eines IRC Netzwerkes[66]

Die ersten Experimente mit einem real-time Chat wurden bereits schon in den 1960er und 1970er Jahren gemacht. Erst 1988 erstellte der finnländische Student Jarkko Oikarinen einen Multiuser-Chat-System welches Internet Relay Chat - kurz IRC - benannt worden ist. Im Laufe der Jahre entwickelten sich sehr schnell immer mehr Netzwerke, die die IRC Technologie sehr populär machte[67]. Besonders in den 1990er Jahre konnten einige geschichtliche Ereignisse zur Popularität von IRC beitragen, da die aktuellsten Berichte und deren Verläufe von betroffenen Usern erzählt und berichtet worden sind. Als Beispiel sind hier 1991 der Golfkrieg und 1993 der Putsch von Staatsoberhaupt Bors Jelzin zu erwähnen[68]. Bei den vier größten internationalen IRC Netzwerken wurden pro Netzwerk bis zu 40000 User gleichzeitig online gemeldet[68]. In den späteren Jahren wurden das Konzept und die Kultur des Chattens aufgegriffen und stets weiter entwickelt oder neue Systeme wie z.B. ICQ oder webbasierte Chatsysteme erstellt[67].

Technik
Anhand des Beispiels eines IRC Netzwerkes lassen sich die verschiedenen Bereiche aufteilen. Ein IRC Netzwerk benötigt mindestens einen Server, der die Kommunikation unter den Usern und zu anderen IRC Servern verwalten kann. Um als User auf solch einen Server zugreifen zu können benötigte man eine lokale Installation eines IRC Client. Erst mit diesem Client war man in der Lage verschiedene Channels zu erstellen oder beizutreten, um mit einem Nutzerkreis über die favorisierten Themen zu schreiben.

Chat in der MST
Ein Chatsystem ist in Bezug auf die Feedback-Geschwindigkeit mittel bis hoch. In der Regel befindet man sich innerhalb einer direkten – also synchronen - Kommunikation, die nur durch das reine Tippen der gewünschten Nachricht oder einer eventuellen kurzen Abwesenheit des Users verzögert wird. Die Symbolvarietät ist in einem Chatsystem niedrig, da hier lediglich die reine textbasierte Nachrichtenversendung betrachtet wird. Chatuser versuchen teilweise die Symbolvarietät zu erhöhen, indem sie ihren Gefühlen oder Gesichtsausdrücken mit Hilfe eines so genannten Smiley[69] Ausdruck verleihen wollen. Darüber hinaus kann die Parallelität hier sehr stark von niedrig bis hoch variieren. Sie ist niedrig, wenn man sich lediglich mit einem einzigen Chatpartner unterhält, aber hoch, wenn man sich in einem Channel mit x gleichzeitigen Themen mit vielen Chatpartnern unterhält. Eine Änderbarkeit der Nachricht ist in den meisten Fällen nicht gegeben. Ähnlich wie ein gesprochenes Wort ist die Nachricht zunächst versendet und nicht mehr änderbar. Ebenso ist eine Wiederverwendbarkeit eher gering, da kein unmittelbarer Zugriff auf diese Nachricht vorhanden ist. Sie erscheint lediglich textuell auf dem Bildschirm, aber man kann diese nicht wie in einer E-Mail später wieder aufrufen.

11.5 E-Mail

Definition
Die E-Mail bezeichnet einen Dienst, welcher in elektronischen Netzen Nachrichten zwischen Kommunikationsteilnehmern überträgt. Eine E-Mail besteht aus den Bestandteilen Header, Body, Attachement und Signatur. Während der Header und der Body einer E-Mail obligatorischer Natur sind, handelt es sich bei dem Attachement und der Signatur um optionale Inhalte [70].

Abbildung 12: Struktur einer E-Mail
Abbildung 12: Struktur einer E-Mail[70]
  • Header

Der Header einer E-Mail beinhaltet die E-Mail-Adressen, der an der Kommunikation beteiligten Teilnehmer und den Betreff. Weitere zusätzliche Informationen können je nach Bedarf eingeblendet und genutzt werden. Die E-Mail-Adressen entsprechen dem Aufbau Benutzername@Domain-Name. In Abbildung 12 ist das Beispiel des E-Mail-Senders Peter.Mustermann@fom.de verwendet worden.

  • Attachement

Das Attachment dient dazu, beliebige Artefakte an die E-Mail hinzuzufügen.

  • Body

Der Body beinhaltet den eigentlichen Nachrichtenfließtext. Der Nachrichtentext wird je nach verwendetem E-Mail Client in einem anderen Format übertragen.

  • Signatur

Die Signatur dient dem Zweck jede E-Mail-Nachricht automatisiert mit einer personifizierten Information zu ergänzen.[71]

Die erste E-Mail wurde bereits im Jahre 1971 verschickt, es dauerte jedoch eine Weile bis der Siegeszug der E-Mail starten konnte. Über die Jahre hinweg hat sich die E-Mail zu einem beliebten Kommunikationsmedium entwickelt[72]. Laut einer aktuellen Studie der BITKOM sind E-Mails das beliebteste Kommunikationsmedium im Internet[73].

Technik
Basierend auf TCP/IP Netzen wird mittels SMTP eine asynchrone Übermittlung von Nachrichten ermöglicht. Die E-Mails werden von dem E-Mail Sender an den Mail-Server des Empfängers übermittelt. Der Empfänger der E-Mail kann die für Ihn bestimmte Nachricht unabhängig von Ort und Zeit mittels POP3 oder IMAP von seinem Mail-Server abrufen. Hinsichtlich des Mail Servers lässt sich der Vergleich mit einem Briefkasten aufstellen, welcher eine Nachricht enthält und diese bis zu dem Zeitpunkt der Abfrage bevorratet[74]. Fortan obliegt die Entscheidung dem E-Mail Empfänger, ob er die Nachricht auf seinem Mail-Server belassen möchte oder nicht.

E-Mail in der MST
Die Feedback-Geschwindigkeit von E-Mail Nachrichten ist aufgrund der Asynchronizität der Nachrichten als niedrig einzustufen. Es obliegt dem E-Mail Empfänger, zu welchem Zeitpunkt er die für ihn bestimmten Nachrichten abholt und auf die Nachricht reagieren kann. Eine schnelle bidirektionale Kommunikation wird durch E-Mails nicht gewährleistet. Für die Symbolvarietät ist der E-Mail in der Form einer Textnachricht lediglich ein niedriges Niveau zuzusprechen. Sollte die E-Mail jedoch komplexere Informationen in dem Attachement beinhalten, so kann die Symbolvarietät auf ein hohes Niveau gesteigert werden. Die Parallelität von E-Mails ist als niedrig zu bewerten, da keine weiteren Kommunikationskanäle verfügbar sind. Zu den Faktoren der Änderbarkeit und Wiederverwendbarkeit ist jeweils ein hohes Niveau zu erkennen. Der Sender der Nachricht entscheidet, zu welchem Zeitpunkt die Nachricht final ist und diese an den Empfänger versand wird. Nicht zuletzt lassen sich bereits verfasste E-Mails für einen zukünftigen Gebrauch archivieren.

11.6 Wikisysteme

Abbildung 13: Wikipedia Logo
Abbildung 13: Wikipedia Logo[75]

Defintion
Wikisysteme sind Webanwendungen, in denen Internetuser Artikel lesen, erstellen und bearbeiten können. Das wohl bekannteste Wikisystem ist Wikipedia, welches 2007 Platz vier der international bekanntesten Marken belegte[76]. Mit Hilfe eines Wikisystems kann man Artikel kollektiv mit allen verfügbaren und zugreifbaren Usern erstellen. Somit versucht man ein möglichst breites Wissen zu erreichen und die Qualität des Artikels zu steigern.

Zu jedem Artikel existieren verschiedene Diskussionsmöglichkeiten, bei dem Änderungen vorerst diskutiert werden können. Bei Wikipedia hat dies einen großen Erfolg. Mehr als 7000 User bearbeiten täglich Artikel der deutschen Wikipedia[77]. Unterstützt wird diese große Popularität durch die einfache Eingabe der Artikel, der ein beschränktes Maß an Formatierungen und Textgestaltung inklusive das Einbinden von Bildern zulässt.

Technik

Abbildung 14: MediaWiki Logo
Abbildung 14: MediaWiki Logo[78]

Die dazu verwendete Technik fand den Ursprung in der UseModWiki. Diese konnte aber den hohen Anforderungen nicht lange Schritt halten, da diese Anwendung noch ohne Datenbank lief. Nach diversen Verbesserungen wurde die MediaWiki 2002 als PHP Open Source Projekt online gestellt. Die neue MediaWiki war in der Lage auf verteilte Großrechner betrieben zu werden und hatte die Möglichkeit eine MySQL Datenbank als Datenquelle zu nutzen[79].

Wikisysteme in der MST
Wikisysteme haben eine niedrige Feedbackgeschwindigkeit. Texte werden zwar kollektiv erstellt, aber nicht zu einem Zeitpunkt in direkter Kommunikation mit möglichem anderem Bearbeiter des Artikels. Die Symbolvarietät ist ebenfalls wie bei einer E-Mail niedrig, da es sich lediglich um eine schriftliche Dokumentation handelt. Die Parallelität hingegen ist durch das Grundprinzip des kollaborativen Gedankens extrem hoch. Die Änderbarkeit ist bei Wikisystemen stets vollständig gegeben und damit hoch. Ebenso, weswegen ein solches Wikisystem überhaupt erschaffen worden ist, ist die Wiederverwendbarkeit hoch.

11.7 Podcast

Abbildung 15: Podcasting
Abbildung 15: Podcasting[80]

Definition
Der Begriff des Podcastings stellt ein Akronym der Begriffe Broadcasting im Sinne des Ausstrahlens einer Nachrichtensendung und dem iPod der Firma Apple dar. Podcasts werden als Video- (= Video-Podcast) oder als Audioformat (= Audio-Podcast) publiziert. Ein Podcast kann daher als eine neue Form von Radio oder Fernsehen verstanden werden, welche dem User überwiegend kostenlos angeboten wird[81]. Der Unterschied zu den klassischen Radio- und Fernsehangeboten besteht hierbei in der freien Wahl des Angebotes durch den User. In Analogie zu Blogs können Podcasts mittel RSS von Usern abboniert werden, so dass die User regelmäßig automatisch den neusten Podcast erhalten.

Technik
Podcasts basieren hauptsächlich auf den Formaten mp3 oder m4a für Audio-Podcasts oder mov, m4v oder mp4 für Video-Podcasts[82]. Um aktiv am Podcasting teilnehmen zu können und selber einen Podcast zu erstellen, bedarf es gewisser technologischer Vorraussetzung. Diese Vorraussetzungen betreffen im Wesentlichen die multimedialen Aspekte wie die Aufnahme- und Editiereigenschaften der zu verarbeitenden Informationen. Heutzutage erfüllen fast allen modernen Desktop- und Notebooksystemen diese Anforderungen. Die Verbreitung von Podcasts erfolgt nach der Aufzeichnung über einen Podserver. Der Podserver stellt den Interessenten den Podcast zur Verfügung[83].

Abbildung 16: Podcast-Schema
Abbildung 16: Podcast-Schema[84]

Podcast in der MST
Die Feedback-Geschwindigkeit von Podcasts befindet sich auf einem niedrigen Niveau. Eine Reaktion erfolgt aufgrund des asynchronen Prozesses zeitlich verzögert. Die Symbolvarietät von Podcasts ist je nach Typ Audio-Podcast oder Video-Podcast zwischen mittel und hoch. Diese Unschärfe ergibt sich aus den unterschiedlichen Möglichkeiten, welche durch die Übertragung von Audio und Videoinformationen entstehen. So besteht im Rahmen einer Videoübertragung eine höhere Symbolvarietät als bei einer reinen Audioübertragung. Die Parallelität ist bedingt durch die geringe Anzahl paralleler Kommunikationskanäle niedrig. Eine Änderbarkeit von Podcasts ist vor der Veröffentlichung jederzeit möglich und daher hoch. Die abschließende Wiederverwendbarkeit von Podcasts liegt im mittleren Bereich. Ein Podcast kann in der Regel nur in Gänze verwendet werden, daher ist eine hohe Wiederverwendbarkeit nicht gegeben.

11.8 Google Wave

Defintion

Abbildung 17: Google Wave Logo
Abbildung 17: Google Wave Logo[85]

Google Wave wurde am 27.05.2009 auf der I/O 2009 vorgestellt. Aufgrund der frühen Pre-Beta Vorstellung und lediglich einer einzigen Primärquelle muss besonders betont werden, dass die Informationen nach dem Besten Gewissen ausgewertet worden sind. Bis zum tatsächlichen Release können sich noch Veränderung oder neue Fakten ergeben. Google Wave verbindet die wichtigsten Web 2.0 Technologien und Grundideen in einer einzigen Webapplikation. Der User ist in der Lage eine „Wave“ zu starten. Dies kann ein Textbeitrag sein, der von einem anderen User um Bilder und Filme erweitert wird. Ein paralleles Arbeiten ist bei Google Wave möglich. So kann jeder die Bearbeitungsschritte live mitverfolgen und bereits während der Bearbeitung Einschreiten, um bspw. einen Tippfehler zu beseitigen. Hinzu findet während der Eingabe eine Rechtschreibprüfung seitens Google Wave statt. Ein Ändern ist mit den üblichen Office Funktionen möglich. Neben den Möglichkeiten der textuellen und bildlichen Erfassung in das System nach einem Wikischema ist es möglich eine asynchrone oder synchrone Kommunikation zu führen. Anwendungen wie GoogleMap oder einem Onlineschach sind jederzeit möglich in eine Wave einzubinden bzw. die Wave an sich zu erweitern. Jeder User erhält die Möglichkeit die Wave bzw. die Kommunikationsart auf einer zentralen Plattform nach seinem Belieben zu gestalten. Ebenso kann die Wave in andere Systeme eingebettet werden, so dass die Möglichkeit besteht, Waves auf seiner eigenen Homepage zu veröffentlichen. Darüber hinaus können per Drag&Drop Verfahren Dateien unter User ausgetauscht werden[85].

Technik
Google Wave ist eine Server Software, die aktuell noch in der Entwicklung bei Google ist. Seit der Veröffentlichung kann ein eingeschränkter Nutzerkreis als Tester fungieren, aber auch aktiv an das Produkt mit entwickeln. Google Wave soll beim endgültigen Release als OpenSource Projekt zur Verfügung gestellt werden. Weitere technische Informationen werden von Google aktuell noch nicht veröffentlicht[85].

Google Wave in der MST
Aufgrund der Tatsache, dass sehr viele Web 2.0 Applikationen zentral nach eigenen Wünschen des Users gestaltet werden kann. So kann der User die Kommunikationsart so gestalten, dass diese für die Lösung des Problems nach der MST perfekt ist. Je nach Gegebenheit können die fünf Faktoren der MST bewusst gesteuert werden, bei dem nur noch sehr wenige Kompromisse eingegangen werden müsste. Google Wave könnte in der Grundidee eine zentrale Antwort auf die MST sein. Dies müsste allerdings empirisch untersucht werden.

11.9 Schnellübersicht

Aufgrund der bisherigen Kapitel zu den einzelnen Web 2.0 Technologien lassen sich die Feststellungen und Ausarbeitungen in einer Schnellübersicht in Form einer Tabelle zusammen fassen.

Anwendung / Kriterium Geschwindigkeit des Feedbacks Symbolvarietät Parallelität Überarbeitbarkeit Wiederverwendbarkeit
Blog niedrig niedrig niedrig hoch hoch
Youtube niedirg mittel-hoch niedrig hoch mittel
E-Learning / Webinare hoch mittel-hoch niedrig-mittel niedrig-mittel mittel
Messaging / Chat mittel-hoch niedrig niedrig-hoch niedrig niedrig
E-Mail niedrig niedrig niedrig hoch hoch
Wiki niedrig niedrig hoch hoch hoch
Podcast niedrig mittel niedrig hoch mittel
Google Wave niedrig-hoch niedrig-hoch niedrig-hoch niedrig-hoch niedrig-hoch



12 Fazit und Ausblick

Im Rahmen der vorliegenden Fallstudie wurde der Versuch unternommen, mittels der MRT ein Bezug zu dem Thema Web 2.0 herzustellen und mehrere Anwendungen untereinander zu vergleichen. Während des Studiums konnte festgestellt werden, dass eine Anwendung der MRT auf den Themenkomplex Web 2.0 zwar grundsätzlich möglich ist, diese jedoch wichtige Aspekte der Kommunikation außer Acht lässt. Eine weitere Eigenschaft der MRT ist die Beschränkung auf die Kommunikation zwischen zwei Kommunikationspartnern unabhängig davon, ob einzelne Personen oder Gruppen miteinander kommunizieren (vgl. Kapitel 10). Für eine Betrachtung von Anwendungen des Web 2.0 ist die MRT daher ungeeignet.

Mit dem Ziel einen großen Teil der Kommunikationseigenschaften zu berücksichtigen, fiel die Entscheidung auf die Verwendung der MST. Die MST greift die Ideen der MRT auf, ergänzt diese jedoch um die erforderlichen Aspekte. Durch eine Untersuchung des Kommunikationsprozesses mittels kommunikationswissenschaftlicher Theorien wurden vorweg die Anforderungen an eine Kommunikation bestimmt. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass die MST den Anforderungen an eine Bewertung der Anwendungen genügt.

Die Bewertung der einzelnen Anwendungen erfolgte mittels der für die MST bekannten Kriterien (vgl. Kapitel 10) Die Bewertungsergebnisse sind an dieser Stelle jedoch kritisch zu hinterfragen, da aufgrund der Komplexität der Kommunikationseigenschaften eines Mediums, nur schwer von einem eindeutigen Ergebnis gesprochen werden kann. Es ist daher zu prüfen, inwieweit die ermittelten Ergebnisse einer zukünftigen empirischen Studie standhalten.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die heutigen Anwendungen des Web 2.0 im direkten Vergleich ein durchwachsenes Bild abgeben. Die aktuellen Entwicklungen wie Google Wave (vgl. Kapitel 11.8) deuten jedoch auf eine zunehmende Integration aller bisherigen Einzelanwendungen hin. Sollte Google es schaffen, die eigenen Ziele in der bisher bekannten Form umzusetzen, so steht den Nutzern des WWW der nächste große Meilenstein der Kommunikation bevor.

13 Fußnoten


  1. Vgl. [Strohner], S.21ff
  2. Vgl. [Merten], S.54
  3. Vgl. [Bussemer], S.178ff
  4. Vgl. [Krippendorf], S.86
  5. Vgl. [Merten], S.55
  6. [Merten], S.54
  7. Vgl. [SW], S.12ff
  8. Vgl. [SW], S.16
  9. 9,0 9,1 Vgl. [SThun]
  10. Vgl. [HB], S.19ff
  11. [HB], S.20
  12. 12,0 12,1 Vgl. [Burkart], S.27ff
  13. 13,0 13,1 Vgl. [Burkart], S.538
  14. Vgl. [Burkart], S.26ff
  15. Vgl. [Burkart], S.30ff
  16. Vgl. [Burkart], S.35
  17. [Angermeier]
  18. [BBGT], S.3
  19. 19,0 19,1 Vgl. [HWK], S.5
  20. [Ziser], S.6
  21. Angebot eines Feldversuches der T-Home; Angebot der Kabel Deutschland
  22. [Ziser], S.5
  23. Vgl. [RM], S.6
  24. [DL1], S.560
  25. Vgl. [DL1], S.560
  26. Vgl. [DL2]
  27. 27,0 27,1 [Rice]
  28. Vgl. [RMSEO], S.57
  29. „Uncertainty exists when a framework for interpreting a message is available, but there is a lack of information to process.” Daft & Lengel 1984
  30. „Equivocality can be seen as a measure of inability to reduce uncertainty, or a measure oft he absence of knowledge about a given task“ Kock 1998
  31. [Döring], S.352
  32. Vgl. [RMSEO], S.58
  33. [ESM], S.454
  34. 34,0 34,1 [ESM], S.464
  35. Vgl. [Ojelanki]
  36. Vgl. [DV], S.1
  37. Vgl. [Schwabe1], S.5
  38. Vgl. [Schwabe1], S.11
  39. Vgl. [DV], S.1;S.4
  40. 40,0 40,1 [Schwabe1], S.13
  41. 41,0 41,1 41,2 41,3 Vgl. [DV], S.2
  42. Vgl. [Schwabe1], S.13
  43. Vgl. [DV], S.3
  44. 44,0 44,1 [Schwabe2], S.8
  45. Vgl. [DV], S6
  46. Vgl. [DV], S8
  47. Vgl. [Alby], S.21
  48. Vgl. [Lenz], S.27
  49. [Twitter]
  50. Vgl. [Appslab]
  51. Vgl. [Nielsen]
  52. Vgl. [Alby], S.25
  53. Vgl. [BlogRetrieval]
  54. Vgl. [Bloganbieter]
  55. [YouTube]
  56. Vgl. [YouTube]
  57. 57,0 57,1 Vgl. [SpiegelOnline]
  58. Vgl. [FTD], Tsunami Katastrophe am 26.12.2004
  59. Vgl. [WeltOnline1] Skandal von Janet Jackson durch das Zeigen der nackten Brust
  60. Vgl. [Reuters]
  61. Vgl. [Ellycoya]
  62. Vgl. [Wikipedia1]
  63. Vgl. [Mathworks]
  64. Vgl. [Hugl], S.109ff
  65. Vgl. [VIWIS]
  66. [Wikipedia3]
  67. 67,0 67,1 Vgl. [Bidgoli], S.311
  68. 68,0 68,1 Vgl. [atxmix]
  69. Verweis an Lexikon [SmileyLexikon]
  70. 70,0 70,1 Vgl. [Beck], S.81
  71. Vgl. [Beck], S.80ff
  72. Vgl. [STERN]
  73. Vgl. [BITKOM]
  74. Vgl. [Beck], S.80f
  75. [Wikipedia4]
  76. Vgl. [WeltOnline2]
  77. Vgl. [Wikipedia2]
  78. [MediaWiki2]
  79. Vgl. [MediaWiki1]
  80. [Podcaster]
  81. Vgl. [Huber], S.43f und [Alby], S.73ff
  82. Vgl. [Alby], S.79
  83. Vgl. [Huber], S.45f
  84. [Podcasting]
  85. 85,0 85,1 85,2 Vgl. [Google]


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