PICO DLP Technologie und deren Einsatzmöglichkeit bei Smartphones und Laptops

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Fallstudienarbeit

Hochschule: Hochschule für Oekonomie & Management
Standort: Düsseldorf
Studiengang: Bachelor Wirtschaftsinformatik
Veranstaltung: Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten
Betreuer: Dipl-Inf. (FH) Christian Schäfer
Typ: Fallstudienarbeit
Themengebiet: PICO DLP Technologie und deren Einsatzmöglichkeit bei Smartphones und Laptops
Autor(en): Björn Kutzka
Studienzeitmodell: Abendstudium
Semesterbezeichnung: WS2010
Studiensemester: 3
Bearbeitungsstatus: in Arbeit
Prüfungstermin: 30.01.2011
Abgabetermin: 30.01.2011


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Produkten mit deren Hilfe mobile Arbeitsplätze realisiert werden können, versuchen die Unternehmen verschiedenste Produkte am Markt zu platzieren.

Dies wird durch die Ergebnisse der Studie „Life2“ untermauert. Innerhalb dieser Studie sind 67% der IT Entscheider davon überzeugt, dass der dezentrale Arbeitsplatz in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. 30% sehen die „Enterprise Mobility“ als einen der drei entscheidendsten IT-Trends für die kommenden Jahre[1]. Besondere Bedeutung erlangt die Mobilität in dem Unternehmensbereich „Vertrieb“. Für Mitarbeiter des Vertriebs ist die Anforderung an Flexibilität und Mobilität stark gestiegen. Diese Mitarbeiter sind oft in der Situation Präsentationen bei Kunden kurzweg durchführen zu müssen. Damit diese Präsentationen nicht aufgrund eines nicht vorhandenen oder defekten Beamers abgesagt werden müssen, werden kleine mobile Projektoren entwickelt. Die Seminararbeit untersucht den Einsatz mobiler Projektoren.

Konkret werden in dieser Arbeit zwei Ziele verfolgt: Zum einen werden drei verschiedene Projektor Technologien erläutert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Digital Light Processing (DLP) von Texas Instruments. Als Vergleich werden die beiden Technologien Laser und Liquid Crystal on Silicon (LCoS) erläutert. Zum anderen werden verschiedene Projektoren verglichen. Dabei stellt sich die Frage, welche Technologie in Zukunft für den mobilen Nutzen eingesetzt werden kann.

Die Seminararbeit ist in drei Hauptbereiche unterteilt. Im ersten Teil wird die DLP Technologie und deren Einsatzmöglichkeiten erläutert. Eine Einsatzmöglichkeit wird anhand des Beispiels „Bildungswesen“ beschrieben. Der nächste Absatz befasst sich mit den zwei anderen Technologien und dem Vergleich der Funktionsweisen. Zu Beginn des abschließenden Bereichs werden drei Projektoren der verschiedenen Bauweisen vorgestellt und mit Hilfe einer Nutzwertanalyse untersucht und bewertet.

2 Grundlagen

Dichroitische Filter / Spiegel Dichroitische Filter sind teildurchlässige Spiegel, bei denen farblose dielektrische und metallische Reflexionsschichten auf ein Glas gedampft werden. Diese Spiegel filtern das einfallende Licht anhand von Wellenlängen. Die Wellenlängenbereiche entsprechen den Farben und werden in Nanometer angegeben. Dichroitische Spiegel hingegen können die einzelnen Wellenlängen zu einer Farbe vereinen.

Farbe Wellenlänge
violett400 - 420nm
blau420 - 490nm
grün490 - 575nm
gelb575 - 585nm
orange585 - 650nm
rot650 - 750nm
In Anlehnung an Dickerson/Geis (1999), S. 193
Tabelle Nr.1: Wellenlängen der Farben


3 DLP Technologie

3.1 Funktionsweise der DMD Technologie

Die Digital Mirror Device (DMD) Technologie von Texas Instruments (TI) besteht aus einem Halbleiter basierenden Feld von schnell bewegenden und reflektierenden Spiegeln[2].

Abb. 1: DMD Chip mit vier Spiegeln
Abb. 1: DMD Chip mit vier Spiegeln

Dieses Feld kann aus bis zu 2048x1152 mechanisch verstellbaren Mikrospiegeln bestehen, die in einem Raster von 16x16 µm angeordnet sind. Der Abstand zwischen den Spiegeln beträgt 1 µm. Die Bewegung der Spiegel erfolgt durch das Anlegen von Spannung an die Elektroden jedes einzelnen Spiegels. Diese Aufladung führt dazu, dass die Stellung der Spiegel durch elektrostatische Kräfte im Rahmen von -10° bis +10° verändert wird. Die Zeit für die Veränderung der Stellung wird Schaltzeit genannt. Diese beträgt 15 Mikrosekunden, was 66kHz entspricht[3]. Die kurze Schaltzeit sorgt dafür, dass 16,7 Mio. Farben dargestellt werden können[4].

Das binärcodierte Bild, welches am Halbleiter anliegt, sorgt für das Ein- uns Ausschalten der Spiegel. Wenn ein Spiegel länger ein- als ausgeschaltet ist, wird ein hellgrauer Bildpunkt reflektiert. Wenn der Spiegel länger ausgeschaltet ist wird ein dunkel grauer Bildpunkt angezeigt. Auf diese Weise können bis zu 1024 Grautöne erzeugt werden[5]. Die gleichzeitige Bewegung aller Spiegel produziert ein formstabiles Bild und sorgt dafür, dass es keinen sequentiellen Aufbau des Bildes gibt[6][7].

3.1.1 DMD 1-Chip

Bei einem 1-Chip existiert vor dem Chip ein rotierendes Farbfilterband, welches das Licht in die Primärfarben grün, rot und blau aufgliedert und seriell an den Chip weiterleitet[8]. Bei einem 1-Chip können 16,7 Millionen Farben hergestellt werden[9]. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht den Ablauf. Das Licht der Quelle gelangt durch eine Kondensorlinse auf das Farbfilterband. Das gefilterte Licht wird durch einen zusätzlichen Polarisator geleitet und somit gebündelt. Der Chip empfängt das Licht und reflektiert es zu der Projektionslinse[10]. Bei dieser Variante wird eine weiße Lampe als Quelllicht verwendet. Das Einsatzgebiet ist auf Anwendungen, die eine geringe Bildhelligkeit benötigen, beschränkt.

Entnommen aus TI (2010a)Abb. 2:  DMD 1-Chip
Entnommen aus TI (2010a)
Abb. 2: DMD 1-Chip

Anwendungsgebiete mit geringer Bildhelligkeit[11]:

  • Fernseher
  • Heimkinosysteme
  • Business Projekoren

3.1.2 DMD 3-Chip

Der 3-Chip besitzt für die Primärfarben jeweils einen eigenen Chip. Dies führt dazu, dass die Spiegel auf dem Chip einfach angeordnet sind. Im Gegensatz zum 1-Chip wird kein zusätzlicher Polarisator benötigt[12] und es können bis zu 35 Billionen Farben erzeugt werden[13].

Als Lichtquelle wird eine Halogenmetalldampflampe verwendet. Das Licht der Lampe wird von einer Kondensatorlinse gebündelt und über einen Spiegel in ein Totalreflexionsprisma geleitet. Dieses Totalreflexionsprisma reflektiert das einfallende Licht vollständig ohne es zu brechen. In Prisma A wird der Blauanteil des Lichtstrahls von einem angebrachten dichroitischen Filter (F1) reflektiert, während der Rest des Lichtes durchgelassen wird. Nachdem das blaue Licht absorbiert wurde, gelangt das Licht über Prisma B in einen weiteren dichroitischen Filter (F2), in dem der Rotanteil reflektiert wird. Der verbleibende Lichtstrahl besteht aus grünem Licht. Die Farbanteile treffen auf die DMD Chips und werden dort von den Spiegeln (siehe Abb. 1) zurückgeworfen. Das reflektierte Licht von den DMD Chips 1 und 2 wird in Prisma B wieder vereint. Das vereinte Licht wird in Prisma A mit dem Blauanteil ergänzt. Die entstandene Farbe wird an die Projektionslinse geleitet[14].

Abb. 3: DMD 3-Chip
Abb. 3: DMD 3-Chip

Anwendungsgebiet mit sehr hoher Bildqualität und Helligkeit[15]:

  • Kino
  • Großraumldisplay

3.2 Einsatzgebiete von DMD Chips

3.2.1 Beamer

Abb. 4: BrilliantColor sechs Farbfilterband
Abb. 4: BrilliantColor sechs Farbfilterband

Bei den handelsüblichen Beamern werden Filter eingesetzt, damit kein Staub in das Gehäuse gelangt und dadurch die Optik beschädigt wird. Bei den neuesten DLP Beamern wird ein gekapselter Aufbau verwendet, bei der sich die Optik in einem abgeschlossenen Gehäuse befindet und der Filter obsolete wird. Dies führt zu niedrigeren Betriebskosten und zu weniger Wartungsaufwand[16]. Mit Hilfe der BrilliantColor Technologie wird bei einem DMD 1-Chip ein Farbband mit sechs verschiedenen Farben eingesetzt[17].

Durch dieses erweiterte Farbband wird die Qualität der Farbgenauigkeit erhöht und die Farbhelligkeit um bis zu 50% erhöht[18]. Die Projektoren bieten eine sehr gut Lesbarkeit, die durch hohen Kontrast zwischen Schwarz und Weiß (Kontrastverhältnis 2000:1) hergestellt wird. Die Bildqualität weist dauerhaft ein hohes Niveau auf, da das Licht ausgewertet wird und zu 100% digital auf die Leinwand projiziert wird[19].

Die Merkmale der DLP Beamer:

  • Extreme Short Projektoren Bei diesen Projektoren können aus einer Entfernung von 1.2 Metern Bilder mit einer Diagonalen von 3 Meter erzeugt werden[20].
  • 1080p Technologie Diese Beamer sind mit einem DarkShip ausgestattet, der dafür sorgt, dass es mehr als 2 Millionen Bildpunkte gibt und somit ein sehr dunkles Schwarz dargestellt werden kann[21].
  • SXGA+ Ein hochauflösender Chip kann eine Auflösung von 1400x1050 Bildpunkten herstellen. Dies wird zur Projizierung von CAD/CAM Systemen, medizinischen Bildern, zur 3D-Modellierung und für hochauflösende Inhalte (HD) verwendet[22].
  • Instant Cinema Instant Cinema beschreibt eine Komponente, die einen DVD Player und ein Audiosystem vereint. Dieser Projektor kann ein Bild mit einer Diagonalen von 4 Metern erzeugen und ist Kompatibel zu HDTV's, Konsolen und Digitalkameras[23].

3.2.2 Cinema

Bei der DLP Cinema Technologie wird ein rein digitales Bild verwendet. Dazu können mit Hilfe des DMD 3-Chips 35 Billionen Farben mit einer Reaktionszeit von 16 Mikrosekunden dargestellt werden. Das digitale Bild bietet den Vorteil, dass Lichter, Schatten und Strukturen fehlerfrei angezeigt werden. Zusätzlich ist der Chip 3D fähig, da dieser nicht als Lichtquelle, sondern als Lichtmodulator/Reflektor fungiert. Filmverleiher können aufgrund der einfacheren Vervielfältigung Kosten reduzieren[24].

Der neueste 4K Cinema Chip ist in der Lage ein Bild mit einer Länge von 30 Metern und ein 3D Bild mit einer Länge von 23 Metern zu erzeugen. Mit einem Kontrastverhältnis von 2500:1 ist das Bild von sehr hoher Qualität[25].

3.2.3 HDTV

Entnommen aus TI (2010l)Abb. 5: HDTV 3D
Entnommen aus TI (2010l)
Abb. 5: HDTV 3D

Aktuelle Fernsehgeräte besitzen die Möglichkeit Bilder in HD Qualität auszuliefern. Die HDTV Geräte, die die DLP Technologie nutzen, sind bereits 3D fähig und in der Lage eine Auflösung von 1920x1080 Bildpunkten zu erstellen. Für 3D Bilder nutzen diese Geräte 60Hz für jedes Auge (äquivalent zu 120Hz). Dazu wird eine aktive 3D Brille verwendet, die für eine höhere Bildgenauigkeit und eine ausgezeichnete Bildtiefe sorgt. Die aktiven 3D Brillen werden mit Batterien oder einem Akku Betrieben. Zur Synchronisation der Bildfrequenzen werden die Daten über Infrarot von dem TV Gerät an die Brille übermittelt. Der Sender überträgt codierte IR-Impulse und kennzeichnet damit, ob das Bild für das rechte oder linke Auge dargestellt werden soll. Die in der Brille enthaltene IR-Diode empfängt das Signal und öffnet oder verschließt den Verschluss für die Anzeige des Bildes (links oder rechts). Der Vorteil der aktiven 3D Brille liegt darin, dass "Geisterbilder" ausgeschlossen werden. Die Nachteile sind der Anschaffungspreis und die Wartungskosten (Reinigung, Batteriekosten, usw.).


Zur Realisierung von 3D Bildern wird ein DMD 1-Chip eingesetzt (siehe Abb.5), bei dem das Licht nach der Reflektion vom Chip auf ein zusätzliches optisches Stellelement geleitet wird. Mit der Veränderung dieses Stellelementes werden Bilder für das rechte und linke Auge erzeugt. Beide Bilder zusammen ergeben das 3D Bild[26].

3.2.4 Discovery

Im Rahmen der Erschließung neuer Anwendungsgebiete wurde die DLP Discovery Technologie entwickelt. Diese Technologie befasst sich mit Themen der Medizin, Direct Imaging, Strukturierte Beleuchtung und Hyper Spectroscopy. Bei medizinischen Geräten sorgt die Technologie für "genaue, nichtinvasive Einblicke in den menschlichen Körper"[27]. Im Rahmen des Direct Imaging sorgt die DLP Technologie für einen höheren Durchsatz bei der Fertigung von Platinen. Mit Hilfe des Direct Imaging werden Muster auf eine Foto Lack beschichtete Platine gedruckt. In dem Einsatzgebiet der Strukturierten Beleuchtung können präzise Echtzeit-Messungen in der Industrie durchgeführt werden (z.B. in der Dermatologie). Die Hyper Spectroscopy wird für die Qualitätssicherung eingesetzt. Diese Technologie ermöglicht beispielsweise eine Analyse von der Zusammensetzung von Materialien und deren Qualität[28].

3.3 PICO Chipintegration

Entnommen aus TI (2010n) Abb. 6: PICO DLP Handheld
Entnommen aus TI (2010n)
Abb. 6: PICO DLP Handheld

Die PICO (stammt aus dem Lateinischen und bedeutet klein) DLP Chips sind sehr kleine flache Chips, die in viele kleine Endgeräte integriert werden können. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach kompakten Produkten mit integriertem Projektor, ist der PICO Chip als Kit erhältlich. Endgerätehersteller können dieses Kit erwerben und in beliebige Produkte einbauen.

Die Merkmale des Chips:

  • Auflösung von 640x360
  • Kontrastverhältnis von mehr als 1000:1
  • RGB LED Farbtonbereiche für eine hohe Farbqualität
  • Verbesserung der Umwelteffizienz und geringerer Stromverbrauch


Einsatzgebiete des Chips sind im Business Bereich die Integration in Smartphones oder Notebooks. Bei diesen Geräten ist eine Bilddiagonale von 1,27 Meter möglich. Für den Privatgebrauch ist der Chip in Digitalkameras, Mediaplayern oder Spielekonsolen integriert. Als Schnittstelle für Produkte ohne eingebauten PICO DLP Chip wurde ein Handheld Projektor entwickelt (siehe Abb. 6), an dem verschiedene Endgeräte angeschlossen werden können. Hier ist eine Bilddiagonale von 1,52 Meter realisierbar[29].

3.4 Einsatzmöglichkeit der Technologie anhand eines Beispiels: Bildungswesen

Im Bildungswesen kann die Technologie in Klassenzimmern, Vortragssälen und Bibliotheken eingesetzt werden. Aufgrund der Mobilität der Endgeräte ist der Einsatz an jedem Ort denkbar. Aufgrund der Integration in Taschenrechner, Laptops, Dokumentenkameras, interaktive Whiteboards und Schülerreaktionssystem dient die Technik als zentraler Punkt für die interaktive Zusammenarbeit. Beispielsweise kann ein Lehrer mit einem TI Taschenrechner Rechnungen vorführen, so dass alle Schüler die Lösung nachvollziehen können[30].

In verschiedenen Fallstudien wurde die Einsatzfähigkeit untersucht. In der Fallstudie "Enhanced Learning Environment" war es die Aufgabe einen standardisierten Klassenraum zu entwickeln. Dazu wurde ein Mitsubishi Projektor basierend auf der DLP Technologie eingesetzt. Die Resultate waren eine höhere Bildqualität und geringere Ersetzungs- und Wartungskosten. Der größte Kostenfaktor war bislang die Wartung. Aufgrund der filterfreien DLP Technologie wurden die Ausgaben für Wartung deutlich reduziert. Ein weiterer Vorteil wurde in der Skalierbarkeit identifiziert - DLP Projektoren sind 3D fähig[31]. Aufgrund dieser 3D Fähigkeit wurde im Rahmen eines Pilot Projektes untersucht, inwieweit 3D Projektoren in den Unterricht eingebunden werden können und wie sich die Leistungen der Schüler/Studenten veränderten. Die Schwierigkeit komplexe Themen zu erläutern, führt auf Dauer zu Frustration und Desinteresse. Mit dem Einsatz von Projektoren zur Erläuterung von komplexen Fragestellungen konnte diese schneller, effizienter und leichter vermittelt werden. In diesem Test waren die Schüler/Studenten deutlich konzentrierter und aufmerksamer. Die 3D Technik wird im Bildungswesen eingesetzt, um von den Vorteilen der Visualisierung zu profitieren, komplexe Fragestellungen darzustellen und zur Eliminierung von negativen Ergebniseinflüssen[32].

Die Testergebnisse führten zu einer deutlichen Leistungssteigerung der Schüler/Studenten, die an diesem Pilot Projekt teilgenommen haben: “The delta between pre-and post-lesson tests was huge. In the first school, the control group test scores increased 9.7 percent. But the group that received its lesson in 3D saw a 35 percent increase."[33]

4 Gegenüberstellung der DLP, Laser und LCoS Technologie

4.1 Laser Technologie

Entnommen aus HCinema (2007)Abb. 7: Laser Display Technologie
Entnommen aus HCinema (2007)
Abb. 7: Laser Display Technologie

Die Laser Display Technologie (LDT) der LDT GmbH ist die derzeit führende Laser Technologie für Projektoren. Die erste Generation der Laser wurde 2002 entwickelt und diente der Simulation zur Ausbildung von F18 Kampfjet Piloten. Die zweite Generation besteht aus einer Red-Green-Blue (RGB) Laserquelle und einem Projektionskopf. Die Aufteilung der Elemente sorgt dafür, dass das Lasersystem eine sehr geringe bis keine Staubanfälligkeit besitzt und Erschütterungen keine Schädigung des Systems nach sich ziehen. Mit Hilfe der Ethernet Kopplung ist es möglich mehrere Laserprojektoren zu verknüpfen[34].

Der Ablauf wird anhand der Abbildung 7 erläutert. Das Eingangssignal wird in einem Bildspeicher abgelegt. Das dort abgespeicherte Bild wird in die drei Komplementärfarben gewandelt und zur Laserquelle weitergegeben. Kern des Systems ist ein diodengepumpter Festkörperlaser, welcher die Farben rot, grün und blau erzeugt. Die Wellenlängen für die drei Farben werden durch die Verwendung nichtlinearer Effekte in Kristallen erzeugt. Akustooptische Modulatoren fügen dem Laserlicht alle notwendigen Bildinformationen (z.B. Helligkeit, Farbe) bei[35]. Ein akustooptischer Modulator ist ein optisches Bauelement, welches die Frequenz und Ausbreitungsrichtung oder Intensität des einfallenden Lichtes beeinflusst. Dazu wird in einem transparenten Festkörper ein optisches Gitter mit Hilfe von Schallwellen erzeugt. An dem Gitter wird der Lichtstrahl gekrümmt und in der Frequenz verschoben, wodurch verschiedene Farben generiert werden können[36]. Beim Verlassen der Modulatoren werden die RGB Strahlen (enthalten alle notwendigen Bildinformationen) mittels dichroitischer Spiegel zu einem Laserstrahl mit einem Durchmesser von 5mm vereint und in die Lichtleitfaser eingespeist. Die Lichtleitfaser ist ein zentraler Bestandteil eines Projektors und besteht aus einem klassischen Lichtwellenleiter. In diesen Lichtleitfasern können Leistungsdichten von einigen Megawatt pro cm2 erreicht werden. Die maximale Länge kann 30 Meter betragen. Die Lichtleitfaser leitet den Laserstrahl mit einer Geschwindigkeit von 90km/s an den Projektionskopf. Der Projektionskopf und die inkludierte Elektronik können alle definierten Videonormen und Signale verarbeiten. Der eintreffende Laserstrahl wird mit Hilfe eines zweiachsigen Scanners horizontal und vertikal abgelenkt, wodurch das Bild Pixel für Pixel auf die Projektionsoberfläche geschrieben wird. Die Ablenkung wird durch einen Polygon (rotierender Spiegel) und einen Spiegelgalvanometer realisiert. Ein Spiegelgalvanometer ist ein sehr empfindliches Messinstrument für sehr kleine Spannungen und Ströme, bei dem der Laserstrahl als Zeiger verwendet wird. Der Laserstrahl wird somit in eine gewisse Richtung reflektiert und erzeugt einen Bildpunkt[37]. Die Scannersteuerung sorgt für eine Synchronisation zwischen dem Scanner und dem abgespeicherten Bild, um eine einwandfreie Bildwiedergabe sicherzustellen.

4.2 LCoS Technologie

Die Abkürzung LCoS bedeutet Liquid Crystal on Silicon und beschreibt eine auf Flüssigkristallen basierende Technologie. Die Technologie wird anhand der Spezifikation Direct-Drive Image Light Amplification (D-ILA) von der Firma Victor Company of Japan (JVC) erläutert. Bei der D-ILA Technologie wird der Freiraum zwischen den einzelnen Pixeln auf ein Minimum reduziert, um eine möglichst hohe Bildqualität zu erreichen. Grundlage der D-ILA Chips ist eine Silizium Schicht, auf der sich die Ansteuerungselektronik befindet. Diese erhält zwei Adressierelektroden, so dass eine X-Y Matrix erzeugt werden kann. Die Adressierung erfolgt zeilenweise. Über der Silizium Schicht befinden sich Pixel Elektroden und die Liquid Crystal (LC) Schicht. Zur Komplettierung des Chips befindet sich über den Bauelementen eine Glasscheibe[38].

Abb. 8: D-ILA 1-Chip Projektor
Abb. 8: D-ILA 1-Chip Projektor

D-ILA Projektoren werden entweder mit einem oder drei Chips ausgestattet. Auf Abbildung 8 ist der Aufbau eines D-ILA 1-Chip Projektors zu sehen. Er besteht aus einer Lichtquelle (LED oder Xenon), einer Kondensatorlinse, einem Polarized Beam Splitter (PBS), einem D-ILA Chip, einem Videosignal und einer Projektionslinse. Der Lichtstrahl gelangt durch die Kondensatorlinse in das PBS. Innerhalb dieses PBS wird der Lichtstrahl in P Wellen (parallel zu der Oberfläche schwingende Wellen) und in S Wellen (senkrecht zu der Oberfläche schwingende Wellen) separiert. Die P Wellen werden direkt durch das PBS an die Projektionslinse geleitet. Die S Wellen dagegen werden über das PBS in den D-ILA Chip geleitet. In dem Chip gelangt der Lichtstrahl durch die LC Schicht und durch Reflexion an der Silizium Schicht wieder an das PBS. Die Lichtanteile, die in der LC Schicht in P Wellen moduliert wurden, werden an die Projketionslinse übertragen, die das Bild auf der Leinwand erzeugt. Während der Modulation wird die Intensität des Lichts durch Veränderung der Polarisation verändert. Bei einer Drehung von 90° werden aus S Wellen P Wellen, die somit durch das PBS auf der Leinwand projiziert werden können[39]. Die Polarisation wird durch das Anlegen von Spannungen an den Pixel Elektroden erreicht. Über die Spannung kann die Helligkeit des Bildes beeinflusst werden[40]. Wenn keine Spannung angelegt wird, findet keine Drehung der Flüssigkristalle statt, da sie senkrecht zu den Elektroden ausgerichtet sind (Vertical Alignment). Die S Wellen werden Richtung PBS reflektiert, der das Licht Richtung Lichtquelle leitet.




Dieses Szenario wird anhand von Abbildung 9 erklärt. Als Signal wird die Farbe „schwarz“ übermittelt. In dem D-ILA Chip wird keine Spannung an den Pixel Elektroden angelegt. Die LC Schicht verharrt somit in ihrem Zustand, die Lichtachse der S Welle und die längliche LC Achse sind parallel zueinander (a). Es findet keine Modulation statt. Die S Welle wird über das PBS zur Lichtquelle geleitet und nicht verwendet. Das PBS erkennt diesen Zustand und übermittelt die Farbe schwarz an die Projektionslinse. Wenn eine beliebige andere Farbe als Signal übermittelt wird, wird Spannung an die Elektroden angelegt, es findet eine Polarisation statt (b). Die Lichtachse der S Welle und die längliche LC Achse kreuzen sich. In dieser Situation wird das Licht in elliptisch polarisiertes und zirkulär polarisiertes Licht konvertiert. Die daraus modulierte P Welle wird an die Linse geleitet. Eine maximale Polarisation wird erreicht, wenn alle S in P Wellen umgewandelt werden[41].

Entnommen aus JVC (2010)Abb. 9: D-ILA Modulation
Entnommen aus JVC (2010)
Abb. 9: D-ILA Modulation

Bei einem D-ILA 3-Chip Projektor wird für die Komplementärfarben rot, grün und blau jeweils ein D-ILA 1-Chip verwendet. Der Lichtstrahl der Quelle wird durch eine Kondensatorlinse auf zwei gekreuzte dichroitische Filter geleitet. Diese filtern das blaue Licht aus dem Lichtstrahl und leiten es über einen Spiegel zu einer zusätzlichen Linse. Das grüne und rote Licht wird mittels des zweiten dichroitischen Spiegels in entgegengesetzte Richtung gespiegelt. Nach Reflexion von diesem Spiegel trifft der R/G Lichtstrahl auf einen weiteren dichroitischen Filter, der das grüne Licht aussondert. Die Lichtstrahlen gelangen ebenfalls an eine zusätzliche Linse. Diese Linse konvertiert die Lichtstrahlen in S Wellen, welche über ein jeweils für die Farbe vorhandenes PBS in die D-ILA Chips gelangen. Dort wird der Lichtstrahl moduliert. Dieses modulierte Licht wird von den einzelnen PBS an ein dichroitisches Prisma geleitet, welches die Lichtstrahlen vereint und an die Projektionslinse leitet[42].

Abb. 10: D-ILA 3-Chip Projektor
Abb. 10: D-ILA 3-Chip Projektor


Der Preis der D-ILA Projektoren ist abhängig von der Anzahl der eingesetzten Chips. Ein 3-Chip Projektor ist aufgrund der einzelnen Chips für die Komplementärfarben in der Lage detailliertere Farben zu erzeugen. Er wird in Planetarien eingesetzt. 1-Chip Projektoren sind für den Privatgebrauch geeignet.

4.3 Vergleich der Funktionsweise

In folgender Tabelle sind die Unterschiede der drei analysierten Technologien kompakt aufgeführt. Hierbei ist zu erkennen, dass sich die DLP und LCoS Technologien in einigen Merkmalen ähneln. Die Lasertechnologie weist außer der Verwendung von dichroitischen Filtern keinerlei Gemeinsamkeiten mit den anderen beiden Technologien auf.

DLP Laser LCoS
Basistechnologie Halbleiter basierendes Feld mit reflektierenden Spiegeln Projektionskopf mit Polygon- und Spiegelgalvanometern Flüssigkristalle (Liquid Crystal)
Lichtquelle Halogenmetalldampflampe Diodengepumpter Festkörperlaser LED oder Xenon
Farbverarbeitung 1-Chip: Farbfilterband
3-Chip: DLP Chip für jede Komplementärfarbe
Laser für jede Komplementärfarbe 1-Chip: Verarbeitung in einem Chip
3-Chip: D-ILA Chip für jede Komplementärfarbe
Helligkeitsveränderung Veränderung der Spiegelstellung durch Spannung Akustooptische Modulatoren Polarisation der Pixel Elektroden
Weg zur Projektionslinse Verwendung von dichroitischen Filtern Verwendung von dichroitischen Filtern
und einer Lichtleitfaser (Glasfaser)
Verwendung von dichroitischen Filtern und PBS
Skalierbarkeit 1 oder 3 DLP Chips Ethernet Kopplung zu Kanälen 1 oder 3 D-ILA Chips
Tabelle Nr.2: Vergleich der Funktionsweisen


5 Bewertung diverser PICO Beamer

5.1 Vorstellung der Kandidaten

5.1.1 DLP PK201

Entnommen aus Optoma (2010a) Abb. 11: Optoma PK201
Entnommen aus Optoma (2010a)
Abb. 11: Optoma PK201

Das britische Unternehmen Optoma hat sich auf die Herstellung von Projektoren mit DLP Technologie spezialisiert. Dabei gibt es spezielle Projektoren für die Bereiche Business, Education und Home Cinema. Im Business Bereich gibt es den PICO Projektor PK201. Der PK201 besitzt einen eingebauten Media Player und verfügt über die Möglichkeit Präsentationen des Dateiformats ppt und pptx wiederzugeben. Für die bestmögliche Mobilität verfügt das Produkt über einen Micro SD Kartenslot mit einer Speicherkapazität von 32GB. Präsentationen und mediale Inhalte (Bild und Ton) können somit ohne zusätzliches Peripheriegerät abgespielt werden. Der PK201 verfügt über die Schnittstellen Mini HDMI, VGA und Composite, die einen Anschluss von externen Geräten erlauben. Im Business Bereich ermöglichen die Schnittstellen den Anschluss von Laptops oder Netbooks. Im Privatgebrauch ist ein einfacher Anschluss von Smartphones, iPods / iPhones, Digitalkameras oder mobile Spielekonsolen (z.B. PSP3000) denkbar. Optional gibt es einen Ständer, auf dem der PK201 aufgesetzt werden kann, damit das Bild stabil dargestellt werden kann. Für die Anwendung bei Präsentationen gibt es zusätzlich ein Fernbedienung[43].


PK201 Merkmale
Projektionstyp DLP
Projektionsdiagonale 12,7 - 178 cm (5 - 70")
Projektionsabstand 0,24 - 3,24 m
Gewicht 160g
Abmessungen 61 x 118 x 17 mm
Lichtquelle LED
Lebensdauer 20.000 Stunden
Kontrast 2000 : 1
Dateiformate avi, wmv, mpg, mpeg, mp4, 3gp, 3g2, mov, m4v, rm, rmvb, ogm, flv, asf, jpg, tiff, gif, png, bmp, tga, fpx, pcx, pcd, psd
Power Netzkabel oder Akku
Akkulaufzeit bis 1,5 Stunden
Akkuladezeit 3 Stunden
Lautsprecher 0,5 W
Helligkeit 20 Lumen
Auflösung 854x480 (W-VGA)
Bildformat 4:3 oder 16:9
Preis 260 €
In Anlhnung an Optoma (2010a)
Tabelle Nr.3: PK201 Merkmale

5.1.2 Laser SHOWWX+

Entnommen aus Microvision (2010) Abb. 12: Microvision SHOWWX+
Entnommen aus Microvision (2010)
Abb. 12: Microvision SHOWWX+

Die Firma Microvision hat mit dem SHOWWX+ einen PICO Laser Projektor speziell für Apple Produkte (iPod, iPhone und iPad) entwickelt. Zusätzlich dazu ist der Projektor kompatibel zu Peripheriegeräten mit einem TV / Video Ausgang. Dazu zählen Smartphones, Digitalkamera, Camcorder, Media Player und mobile Spielekonsolen (PSP3000). Mit einem zusätzlichen VGA Adapter kann der Projektor an jeden beliebigen Computer angeschlossen werden[44].


SHOWWX+ Merkmale
Projektionstyp Laser
Projektionsdiagonale 15,2 - 254 cm (6 - 100")
Projektionsabstand 15,2 - 254 cm (6 - 100")
Gewicht 122g
Abmessungen 60 x 118 x 14 mm
Lichtquelle Laser Klasse 2
Lebensdauer 8.000 Stunden
Kontrast 5000 : 1
Dateiformate abhängig vom Peripheriegerät
Power Micro USB, Ladekabel oder Akku
Akkulaufzeit bis 2 Stunden
Akkuladezeit 3 Stunden
Lautsprecher -
Helligkeit 15 Lumen
Auflösung 854x480 (W-VGA)
Bildformat 16:9
Preis 349 €
In Anlehnung an Microvision (2010a)
Tabelle Nr.4: SHOWWX+ Merkmale

5.1.3 LCoS P2

Entnommen aus Microvision (2010) Abb. 13: AXAA P1
Entnommen aus Microvision (2010)
Abb. 13: AXAA P1

Der P2 PICO Projektor von AXAA Technologies basiert auf der LCoS Technologie. Der Projektor besitzt mit dem eingebauten Lautsprecher, einer Infrarot Fernbedienung, einem Ständer und einem onboard Speicher von 1GB alle Voraussetzungen, um mobil und flexibel Präsentationen durchführen zu können. Zusätzlich besitzt der P2 einen Micro SD Kartenslot mit einer möglichen Erweiterung um 4GB. Der Projektor kann über den VGA und A/V Ausgang mit diversen Geräten (Laptop, Smartphone, iPhone, iPod, PSP3000) verbunden werden. Zusätzlich dazu kann ein externes Audiosystem angeschlossen werden (3,5mm Buchse)[45].

P2 Merkmale
Projektionstyp LCoS
Projektionsdiagonale 17,8 - 203 cm (7 - 80")
Projektionsabstand -
Gewicht 260g
Abmessungen 110 x 57 x 27 mm
Lichtquelle LED
Lebensdauer 30.000 Stunden
Kontrast 1000 : 1
Dateiformate MP4, MP3, WMA, OGG, WAV, AVI, WMV, SMV, BMP, JPG, GIF, TXT
Power Ladekabel oder Akku
Akkulaufzeit 35 Minuten bis 3 Stunden mit einem zusätzlichen Akku
Akkuladezeit 4 Stunden
Lautsprecher 1 Watt
Helligkeit 33 Lumen
Auflösung 1280x720 VGA, 800x600 SVGA
Bildformat 4:3
Preis 229 €
In Anlehnung an AXAA (2009)
Tabelle Nr.5: P2 Merkmale

5.2 Nutzwertanalyse

Allgemein definiert ist die Nutzwertanalyse ein Verfahren zur Entscheidungsfindung. Christof Zangemeister definierte bereits 1976 die Nutzwertanalyse als eine „Analyse einer Menge komplexer Handlungsalternativen mit dem Zweck, die Elemente dieser Menge entsprechend den Präferenzen des Handlungsträgers bezüglich eines multidimensionalen Zielsystems zu ordnen“[46]. In dieser Definition ist bereits die Grenze der Nutzwertanalyse aufgezeigt, da Kriterien und Gewichtungspunkte von dem "Handlungsträger" definiert werden. Es handelt sich somit um eine subjektive Einschätzung des Entscheiders.

Die Analyse wird in folgende Teilschritte aufgeteilt:

  • Festlegung der Bewertungskriterien
  • Ermittlung der Gewichtungsfaktoren
  • Skala der Zielerfüllungsfaktoren
  • Ermittlung der Nutzwerte
  • Auswertung der Ergebnisse

5.2.1 Bewertungskriterien

Im ersten Schritt erfolgt die Auswahl der Kriterien. Diese Kriterien werden nach ihrer Wichtigkeit bewertet. In die Nutzwertanalyse werden nur Kriterien mit der Wichtigkeit hoch bis sehr hoch aufgenommen.

KriteriumWichtigkeit
Lebensdauer der LichtquelleMittel, da die Lebensdauer der Lichtquellen sehr hoch ist und somit kein Entscheidungskriterium ist
DarstellungsqualitätSehr hoch
Mobilität - AkkulaufzeitSehr hoch
AnschaffungskostenHoch
KompatibilitätMittel, da die 3 Produkte an die gleichen Geräte angeschlossen werden können
Tabelle Nr.6: Bewertungskriterien


Die Bewertungskriterien Lebensdauer der Lichtquelle und Kompatibilität werden in dieser Nutzwertanalyse nicht näher betrachtet. Die Lebensdauer der Lichtquellen ist bei den drei genannten Alternativen sehr hoch. Mit der Annahme, dass der Beamer pro Arbeitstag (220 Arbeitstage im Jahr) 4 Stunden genutzt wird, liegt die Lebensdauer der Lichtquelle bei dem DLP Produkt bei ~22,73 Jahren, bei dem Laser Produkt bei ~9,1 Jahren und bei dem Projektor mit LCoS Technologie bei ~34,1 Jahren. In allen drei Fällen ist nicht davon auszugehen, dass die Produkte nach dieser Zeit noch state-of-the-art sind und somit nicht mehr genutzt werden. Die verglichenen Produkte weisen die gleiche Kompatibilität auf, wodurch kein Unterschied festgestellt werden kann.

5.2.1.1 Darstellungsqualität

Bei der Projektion von Bildern, Videos oder Präsentationen spielt die Darstellungsqualität eine entscheidende Rolle. Die Darstellungsqualität der untersuchten PICO Projektoren setzt sich aus verschiedenen Kriterien zusammen. Diese Kriterien sind: Kontrast, Helligkeit, Auflösung und Projektionsdiagonale.

Kontrast Das Kontrast-Verhältnis gibt Auskunft über den Helligkeitsunterschied zwischen Schwarz und Weiß. Es beschreibt die qualitative Leistungsfähigkeit eines Projektors, ein scharfes, kontrast-reiches und somit farbgetreues Bild darzustellen. Ein Projektor mit einem hohen Kontrast-Verhältnis erzeugt Bilder mit sehr hoher Detailgenauigkeit. Je geringer dieses Verhältnis ist, desto matter ist das Bild. In diesem Fall deckt die Farbsättigung durch die Beimischung von Weißanteilen nur eine geringe Bandbreite ab. Die Farben wirken ausgebleicht und das Schwarz wird als dunkelgrau war genommen. Ein hoher Kontrast sorgt für eine gute Lesbarkeit[47].

Helligkeit Die Helligkeit ist ein Maß für die Lichtleistung von Projektoren, die in Lumen angegeben wird. Hierbei wird der Lichtstrom für eine Projektionsfläche von einem Quadratmeter gemessen. Besitzt die Helligkeit einen hohen Wert, empfindet der Betrachter das Bild als hell, bei einem kleinen Wert als dunkel. Wird die Projektionsdiagonale erhöht, verringert sich die Bildhelligkeit dementsprechend[48].

Auflösung Für eine hohe Darstellungsqualität ist das Maß an Detailgenauigkeit ausschlaggebend, mit der ein Projektor mediale Inhalte darstellen kann. Diese Genauigkeit ist dabei abhängig von der Anzahl der Pixel (Bildpunkte) in horizontaler und vertikaler Richtung, aus denen der Projektor das Bild erstellt. Bei den vorgestellten Alternativen werden folgende zwei Auflösungsarten verwendet: Super Video Graphics Array (SVGA) und Wide Video Graphics Array (WVGA). Bei SVGA wird standardmäßig eine Auflösung von 800x600 Bildpunkten, mit einem Seitenverhältnis von 4:3 erreicht. Bei WVGA beträgt das Seitenverhältnis 16:9 mit einer Auflösung von 854x480 Bildpunkten[49].

Projektionsdiagonale Die Projektionsdiagonale wird in Zoll (“) angegeben und beschreibt die Größe der projizierten Bildes.

5.2.1.2 Mobilität – Akkulaufzeit

In der heutigen mobilen Welt ist die Akkulaufzeit ein entscheidender Faktor für die Auswahl eines Produktes. Dieses Kriterium ist gerade in der Berufswelt von besonderer Bedeutung.

5.2.1.3 Anschaffungskosten

Die Anschaffungskosten sind ebenfalls ein wichtiger Faktor für die Kaufentscheidung.

5.2.2 Gewichtungsfaktoren

Die Kriterien werden in Bezug zueinander gesetzt. Dabei wird der Bezug mit Hilfe folgender Fragestellung untersucht:

Ist der Kontrast wichtiger als die Helligkeit?

  • Ein ja ergibt einen Punktwert von 2
  • Ein nein ergibt einen Punktwert von 0
  • Ein gleichgewichtig ergibt einen Punktwert von 1

Diese Fragestellung wird für alle Kriterien durchgeführt. Die Punkte für die einzelnen Kriterien werden im Gewicht zusammenaddiert. Die Gesamtgewichtung ist die Summe aus den Einzelgewichtungen. Der Gewichtungsfaktor der Kriterien ist das Ergebnis aus der Division von Gesamtgewichtung durch Einzelgewichtung. Die Summe der Faktoren ergibt 1.

Kriterien Kontrast Helligkeit Auflösung Projektionsdiagonale Akkulaufzeit Anschaffungskosten Gewichtung Faktor (gerundete Werte)
Kontrast
1
1
2
1
2
7
0.23
Helligkeit
1
1
2
1
2
7
0.23
Auflösung
1
1
2
1
2
7
0.23
Projektionsdiagonale
0
0
0
0
1
1
0.03
Akkulaufzeit
1
1
1
2
1
6
0.20
Anschaffungskosten
0
0
0
1
1
2
0.07
Summe
30
1
Tabelle Nr.7: Ermittlung der Gewichtungsfaktoren


5.2.3 Ermittlung der Zielerfüllungsfaktoren

Zur Verfeinerung des zu ermittelnden Nutzwertes wird ein zusätzliches Zahlensystem eingeführt. Dabei werden die Kriterien in drei Gruppen (schlecht, mittel, gut) unterteilt, die wiederum in drei Punkte Bereiche aufgeteilt werden.

Kriterien / Skala 0-2 ("schlecht") 3-5 ("mittel") 6-8 ("gut")
Kontrast
< 2000:1
< 4000:1
< 6000:1
Helligkeit
< 20 Lumen
< 30 Lumen
< 40 Lumen
Auflösung
niedrig
mittel
hoch
Projektionsdiagonale
< 40“
< 80“
< 120“
Akkulaufzeit
< 1 Stunde
< 2 Stunden
< 3 Stunden
Anschaffungskoten
< 600 €
< 400 €
< 200 €
Tabelle Nr.8: Ermittlung der Zielerfüllungsfaktoren


5.2.4 Ermittlung der Nutzwerte

Nach der Untersuchung der Produktalternativen in Bezug auf die vorher erstellte Skala, wird der ermittelte Wert mit dem Gewichtungsfaktor multipliziert. Daraus resultiert der Zielerfüllungsfaktor. Die Summe der Zielerfüllungsfaktoren bildet den Nutzwert des Produktes.

In der nachfolgenden Betrachtung erhält der Aspekt der Mobilität in dem Kriterium „Akkulaufzeit“ eine höhere Bedeutung. Die untersuchten PICO Projektoren werden hauptsächlich im Business Bereich eingesetzt, wobei die Mobilität ein wichtiges Kriterium darstellt.

DLP Laser LCoS
Kriterien
Faktor
Zielerfüllungsfaktor
Zielerfüllungsfaktor
Zielerfüllungsfaktor
Kontrast
0.23
2
0.46
7
1.61
1
0.23
Helligkeit
0.23
2
0.46
1
0.23
6
1.38
Auflösung
0.23
4
0.92
4
0.92
4
0.92
Projektionsdiagonale
0.03
4
0.12
7
0.21
5
0.15
Akkulaufzeit
0.20
4
0.80
2
0.40
1
0.20
Anschaffungskosten
0.07
4
0.28
3
0.21
5
0.35
Nutzwert
3.04
3.58
3.23
Tabelle Nr.9: Ermittlung der Nutzwerte Alternative 1


In der nachfolgenden Tabelle ist eine Alternative dargestellt. Hierbei wird die Darstellungsqualität als wichtiger erachtet als die Mobilität.

DLP Laser LCoS
Kriterien
Faktor
Zielerfüllungsfaktor
Zielerfüllungsfaktor
Zielerfüllungsfaktor
Kontrast
0.28
2
0.56
7
1.96
1
0.28
Helligkeit
0.28
2
0.56
1
0.28
6
1.68
Auflösung
0.24
4
0.96
4
0.96
4
0.96
Projektionsdiagonale
0.03
4
0.12
7
0.21
5
0.15
Akkulaufzeit
0.10
4
0.40
2
0.20
1
0.10
Anschaffungskosten
0.07
4
0.28
3
0.21
5
0.35
Nutzwert
2.88
3.82
3.52
Tabelle Nr.10: Ermittlung der Nutzwerte Alternative 2


5.2.5 Auswertung der Ergebnisse

Die durchgeführte Analyse der Nutzwerte hat gezeigt, dass der Projektor mit der Laser Technologie in beiden Alternativen den größten Nutzwert besitzt. Bei detaillierter Betrachtung der Zielerfüllungsfaktoren ist zu erkennen, dass jedes Produkt im Vergleich zu den anderen Produkten einen Vorteil aufweist (siehe Abbildung 14). Der DLP Projektor PK201 besitzt die längste Akkulaufzeit und ist damit unter Betrachtung des Kriteriums Mobilität am besten geeignet. Die beiden anderen Produkte weisen in der Summe der Darstellungskriterien deutlich höhere Werte (Laser: 2.97; LCoS: 2.68) auf, als der DLP (1.96) Projektor. Der Laser Projektor SHOWWX+ weist im Vergleich den höchsten Kontrast auf (5000:1). Der P2 Projektor mit der LCoS Technologie besitzt mit 33 Lumen die höchste Helligkeit.

Abb. 14: Ergebnisse der Nutzwertanalyse
Abb. 14: Ergebnisse der Nutzwertanalyse

Bei der ersten Alternative wurde der Fokus zusätzlich zu der Darstellungsqualität auf die Mobilität gelegt. Hierbei weisen alle drei Produkte einen ähnlichen Nutzwert auf. Der Unterschied zwischen dem größten und kleinsten Nutzwert liegt bei 0.54 Punkten.

In der zweiten Alternative lag das Hauptaugenmerk auf dem Kriterium Darstellungsqualität. Die Mobilität spielt eine untergeordnete Rolle. Bei Minimierung des Mobilitätsfaktors und gleichzeitiger Erhöhung der Darstellungsfaktoren, bleibt die Reihenfolge der Produkte nach ihrem Nutzwert erhalten. Allerdings ist der Unterschied zwischen dem Produkt mit dem höchsten und dem niedrigsten Wert höher (0.94).

An dieser kleinen Veränderung ist zu erkennen, dass die Nutzwerte in Abhängigkeit zu der Fokussierung zu betrachten sind. Die Veränderung der Gewichtungsfaktoren hat einen großen Einfluss auf die endgültigen Nutzwerte. Zusätzlich wird die Nutzwertanalyse von der Subjektivität der Auswahl der Kriterien und der Punktevergabe geprägt.

6 Resümee

Im Mittelpunkt der Seminararbeit stand die Frage, welche Projektor Technologie sich in Zukunft durchsetzen kann. Um ein umfassendes Bild von verschiedenen Technologien zu erhalten, wurden drei Technologien erläutert und untersucht. Es wurde jeweils ein Produkt der drei Technologien vorgestellt, die im Zuge der durchgeführten Nutzwertanalyse verglichen wurden.

Die Existenzberechtigung von neuartigen Projektor Technologien wurde am Beispiel unter Punkt 3.4 erläutert. Der Einsatz dieser Projektoren ist bereits über den Business Sektor hinaus in andere Bereiche wie dem Bildungswesen und der Medizin fortgeschritten. Das Beispiel des Bildungswesens hat gezeigt, dass die Leistung von Schülern und Studenten deutlich gesteigert werden kann.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Schwachpunkt „Lichtquelle“ nahezu eliminiert worden. Durch die Verwendung von neuartigen Lichtquellen ist die Lebensdauer deutlich angestiegen. Weiterhin können die Wartungskosten durch die Verwendung von filterfreien Projektoren gesenkt werden.

Die Beantwortung der Frage, welche Technologie die größten Potentiale für die Zukunft aufweist, ist nur in Teilen möglich. Die betrachteten Technologien weisen eine hohe Skalierbarkeit auf. Dabei verfolgen alle Bauweisen den Ansatz, die Komplementärfarben getrennt voneinander zu verarbeiten und somit die Qualität der Projizierung zu verbessern. Im Rahmen der Nutzwertanalyse konnte festgestellt werden, dass jede Technologie auf ihre Weise Vorteile gegenüber den anderen besitzt. DLP Projektoren weisen demnach die beste Akkulaufzeit auf und sind somit unter Berücksichtigung des Aspektes „Mobilität“ am besten geeignet. Laser und LCoS Projektoren weisen im Gegensatz dazu eine bessere Darstellungsqualität auf. Anhand dieser Ergebnisse kann keine allgemeine Aussage darüber getroffen werden, welche Technologie sich in Zukunft auf dem Markt der PICO Projektoren durchsetzen wird, da alle Verfahren Nachteile aufweisen, die sich negativ auf die Praxis Tauglichkeit auswirken.

7 Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung
Beschreibung
D-ILA
Direct-Drive Image Light Amplification
DLP
Digital Light Processing
DMD
Digital Micomirror Device
JVC
Victor Company of Japan
LC
Liquid Crystal
LCoS
Liquid Crystal on Silicon
LDT
Laser Display Technologie
PBS
Polarized Beam Splitter
RGB
Red-Green-Blue
SVGA
Super Video Graphics Array
TI
Texas Instruments
WVGA
Wide Video Graphics Array

8 Abbildungsverzeichnis

Abbildung-Nr.
Beschreibung
1
DMD Chip mit vier Spiegeln
2
DMD 1-Chip
3
DMD 3-Chip
4
BrilliantColor sechs Farbfilterband
5
HDTV 3D
6
PICO DLP Handheld
7
Laser Display Technologie
8
D-ILA 1-Chip Projektor
9
D-ILA Modulation
10
D-ILA 3-Chip Projektor
11
Optoma PK201
12
Microvision SHOWWX+
13
AXAA P1
14
Ergebnisse der Nutzwertanalyse

9 Tabellenverzeichnis

Tabelle-Nr.
Beschreibung
1
Wellenlängen der Farben
2
Vergleich der Funktionsweisen
3
PK201 Merkmale
4
SHOWWX+ Merkmale
5
P2 Merkmale
6
Bewertungskriterien
7
Ermittlung der Gewichtungsfaktoren
8
Ermittlung der Zielerfüllungsfaktoren
9
Ermittlung der Nutzwerte Alternative 1
10
Ermittlung der Nutzwerte Alternative 2

10 Fußnoten

  1. vgl. Deutsche Telekom (2010)
  2. vgl. Whitaker (2001) S.439
  3. vgl. Bauer (2003) S.9
  4. vgl. Computerworld (2007) S.77
  5. vgl. TI (2010a)
  6. vgl. Whitaker (2001) S.440ff
  7. vgl. Computerworld (2007) S.77
  8. vgl. Computerworld (2007) S.77
  9. vgl. TI (2010a)
  10. vgl. Motamedi(2005) S.407f
  11. vgl. TI (2010a)
  12. vgl. Motamedi(2005) S.407f
  13. vgl. TI (2010a)
  14. vgl. Whitaker (2001) S.439-443
  15. vgl. TI (2010a)
  16. vgl. TI (2010b)
  17. vgl. TI (2010c)
  18. vgl. TI (2010d)
  19. vgl. TI (2010e)
  20. vgl. TI (2010f)
  21. vgl. TI (2010g)
  22. vgl. TI (2010h)
  23. vgl. TI (2010i)
  24. vgl. TI (2010j)
  25. vgl. TI (2010k)
  26. vgl. TI (2010l)
  27. vgl. TI (2010m)
  28. vgl. TI (2010m)
  29. vgl. TI (2010n)
  30. vgl. TI (2010o)
  31. vgl. TI (2010p)
  32. vgl. TI (2010q)
  33. vgl. TI (2010r)
  34. vgl. Zeiss (2006) S.26f
  35. vgl. LDT (2010)
  36. vgl. Surhone/Tennoe/Henssonow (2005) S.8
  37. vgl. LDT (2010)
  38. vgl. Schmidt (2009) S.496
  39. vgl. JVC (2010) S.5
  40. vgl. Schmidt (2009) S.497
  41. vgl. JVC (2010) S.6
  42. vgl. JVC (2010) S.7
  43. vgl. Optoma (2010b), S.2
  44. vgl. Microvision (2010a)
  45. vgl. AXAA (2009)
  46. vgl. Zangemeister (1976) S. 45
  47. vgl. Display-Magazin (2009)
  48. vgl. ct (2005)
  49. vgl. Sinard (2010)

11 Literatur- und Quellenverzeichnis

Verweis Literatur / Quelle
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