Potentiale von Mehrwertdiensten auf Basis von Cloud Computing:

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1 Titel

Name der Autoren Christian Groneberg, Manuel Scholz
Titel der Arbeit: "Potentiale von Mehrwertdiensten auf Basis von Cloud Computing"
Hochschule und Studienort: FOM Duisburg


Inhaltsverzeichnis


2 Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung Bedeutung
API Application Programming Interface
CaaS Application Components as a Service
IaaS Infrastructure as a Service
PaaS Platform as a Service
SaaS Software as a Service
VaaS Virtual Infrastructure as a Service



3 Einleitung

In der Vergangenheit hat das Web 2.0 durch neuartige Verwendungsmöglichkeiten zu einer wachsenden Nutzung des Internets geführt, wie man unschwer an der Dominanz der Web 2.0 Dienste in den aktuellen Website Charts erkennen kann[1]. Diese Web 2.0 Dienste verlagern immer mehr Funktionen, die traditionell auf dem Computer zu Hause ausgeführt wurden, in das Internet[2]. Dort zu finden sind unter anderem Dienste für Videobetrachtung[3], Mail[4], Kalender[5], Taskplaner[6], Fotobearbeitung[7], Lexikon[8], Office[9], Backup[10] und Desktop[11], um nur einige zu nennen.

Schaut man sich die Web 2.0 Dienste genauer an, so stellt man fest, dass diese nicht mehr wie früher auf einzelnen Servern laufen, sondern meist auf einer Vielzahl von Servern, die zu einem Verbund zusammengeschlossen sind. Am Beispiel von YouTube kann man erkennen, welche Ausmaße diese Systeme annehmen können. So läuft YouTube weltweit verteilt in mehreren Rechenzentren[12][13]), ohne dass der Nutzer dies bemerken würde oder gar weiß, woher seine Daten kommen. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn sollte ein Server oder gar ein ganzes Rechenzentrum ausfallen, so kann der Dienst weiterhin durch die anderen Server oder Rechenzentren bereitgestellt werden.

In diesem Zusammenhang taucht immer öfter der Begriff Cloud Computing auf, der bei der Bereitstellung der Web 2.0 Dienste scheinbar eine große Rolle spielt. Eben jene Web 2.0 Unternehmen bieten diese Cloud-Dienste der Öffentlichkeit an, so dass auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit haben, große Infrastrukturen zu nutzen[14][15].

Allerdings steht Cloud Computing noch am Anfang der Entwicklung[16], so dass der Durchbruch, der dem Web 2.0 schon gelungen ist[1], der Cloud Computing-Technologie noch bevorsteht. Daher soll sich die hier vorliegende Fallstudie mit den Potentialen von Mehrwertdiensten auseinandersetzen, die auf Cloud Computing aufbauen und dieser Technologie so zum Durchbruch verhelfen können.

4 Grundlagen

In den folgenden Abschnitten sollen nun zunächst die Grundlagen für Cloud Computing und Mehrwertdienste erörtert werden, so dass im Hauptteil ein grundlegendes Verständnis der beiden Technologien vorausgesetzt werden kann. Dazu soll zunächst der Begriff des Cloud Computings definiert werden. Er wird gegen verwandte Begriffe abgegrenzt, um dann näher auf die Funktionsweise einzugehen. Anschließend werden Vor- und Nachteile aufgezeigt. Im Anschluss wird der Ursprung des Begriffes Mehrwertdienst untersucht und analysiert, was ihn vom Basisdienst unterscheidet und welche Abhängigkeiten zwischen den beiden bestehen.


4.1 Cloud Computing

Bei der Definition des Begriffes Cloud Computing wird zunächst versucht, den Begriff aus seiner Wortbedeutung herzuleiten. Es werden weitere Kriterien gesucht, die das Cloud Computing ausmachen und es wird versucht die Unterschiede zu Grid Computing, SaaS und Utility Computing aufzuzeigen. Danach wird die Funktionsweise von Cloud Computing beschrieben und die einzelnen Kategorien werden vorgestellt. Anschliessend wird erklärt, was eine öffentliche und was eine private Cloud ist um am Ende zu den Vor und Nachteilen von Cloud Computing zu kommen. Bevor dies aber geschieht soll zunächst geklärt werden was sich hinter den Begriffen Service-Provider und Service-Consumer verbirgt, da diese im weiteren Verlauf genutzt werden. Der Service-Provider ist ein Anbieter von Diensten, die er im Fall des Cloud Computing über eine Netzwerkinfrastruktur einer bestimmten Kundengruppe zur Verfügung stellt. Der Service-Consumer ist ein Verbraucher, der diese Dienste in Anspruch nimmt. Er kann sowohl eine Privatperson sein, wie auch ein Unternehmen.


4.1.1 Begriffsbestimmung

Die erste Verwendung des Begriffes Cloud Computing geht auf Ramnath Chellapa zurück, der diesen schon 1997 in dem Titel zu seinem Konferenz-Beitrag „Intermediaries in Cloud-Computing: A New Computing Paradigm“ erwähnte[17]. Dennoch gibt es bisher keine einheitliche Definition dieses Begriffes, zumal Cloud Computing erst in den letzten Jahren an Popularität gewonnen hat. Daher soll als erstes versucht werden, den Begriff aus seiner Wortbedeutung herzuleiten.

Der Begriff Cloud steht für Wolke und der Begriff Computing steht für rechnen. Der Begriff Cloud Computing steht also wörtlich übersetzt für Rechnen in der Wolke[18].

Mit einer Wolke werden im IT-Umfeld meist Computernetzwerke dargestellt, deren Inhalt und Struktur weitestgehend verborgen sind[19]. Die Wolke dient somit der Abstraktion des Netzwerkes als solches und soll dem Betrachter unnötige Informationen vorenthalten.

Unter dem Begriff Rechnen kann die Nutzung von Rechnern und ihren-Ressourcen wie Prozessor und Arbeitsspeicher verstanden werden. Hierbei kommt es allerdings nicht mehr so sehr auf das Durchführen von mathematischen Rechnungen an, wie dies früher der Fall war.

Will man diese Rechenleistung nutzen, so muss man auf diese Ressourcen eine Plattform aufsetzen, die diese Ressourcen ansprechen und verwalten kann. Solch eine Plattform verwaltet allerdings nicht nur die Ressourcen, sondern bietet auch Ihrerseits wieder Dienste an, die genutzt werden können.

Anwendungen können die Dienste der Plattformen nutzen, ohne sich um die zugrunde liegende Hardware kümmern zu müssen. So müssen in den Anwendungen lediglich die Funktionen implementiert sein, die die Logik zur Bereitstellung des eigenen Service beinhalten.

Betrachtet man die beiden Begriffe nun in Verbindung, so meint Cloud Computing das Nutzen von Computer-Ressourcen, die irgendwo im Netz bereit gestellt werden, ohne dass der Ort der Bereitstellung eine Rolle spielt.


Aspekte des Cloud Computing

Da wie schon erwähnt eine einheitliche Definition von Cloud Computing fehlt[20][21], sollen nachfolgend nur die wichtigsten Aspekte hervorgehoben werden, bei denen weitestgehende Einigkeit herrscht.

Ortsunabhängigkeit

Ein wesentlicher Faktor ist mit der Unabhängigkeit vom Ort der Leistungserbringung schon gefunden[22].

Nutzungsbasierte Abrechnung

Ein weiteres Kriterium ist die Art der Abrechnung. Im Gegensatz zu frühen Software as a Service (SaaS) Modellen werden Cloud Computing basierte Dienste meist Nutzungsbasiert abgerechnet. Das bedeutet, dass solch ein Dienst flexibel auf Kundenanforderungen reagieren können muss[23].

Skalierbarkeit

Um flexibel auf Anforderungen reagieren zu können, müssen die Service-Provider ihre Dienste Service-orientiert aufbauen, so dass Kunden über Schnittstellen im Bedarfsfall schnell und automatisch neue Ressourcen anfordern können[24].

Abstraktion/Virtualisierung

Ein weiteres Kriterium ist die Unabhängigkeit von der zu Grunde liegenden Hardware. Für einen Service-Consumer, der einen bestimmten Dienst nutzt, ist die Technologie im Hintergrund verborgen. Er sieht nur die Schnittstellen der Dienste des Service-Providers, die ihm bei gleichem Input immer auch den gleichen Output liefern[25].


Abgrenzung

Durch die vielen verschiedenen Definitionen zu Cloud Computing kommt es auch immer wieder zu Verwechslungen mit ähnlichen Technologien. Diesen Verwechslungen vorzubeugen soll die nachstehende Abgrenzung helfen.

Cluster

Ein Cluster besteht aus mehreren Computern, die zu einer logischen Einheit zusammengeschlossen sind und sich nach Außen als ein System präsentieren. Hierbei soll die Rechengeschwindigkeit und oder die Ausfallsicherheit erhöht werden oder man benutzt den Cluster um die Last auf die angeschlossenen Systeme zu verteilen[26].

Grid Computing

Das Grid Computing arbeitet ähnlich wie der Cluster, allerdings sind die Systeme meist heterogen und örtlich verteilt. Das Grid selbst koordiniert die Ressourcen dieser Systeme, um sie über eine Oberfläche nutzbar zu machen. Dabei werden Standards genutzt, um nicht triviale Dienste anbieten zu können[27].

SaaS

SaaS bezeichnet das Bereitstellen von Anwendungen über ein Netzwerk. Der erbrachte Service ist hierbei das Bereitstellen einer speziellen Anwendung. Art und Umfang des Zugang zu dieser Anwendung bestimmen dabei die Kosten. Die Anwendung wird dabei zentral verwaltet und der Service-Consumer muss nicht für die Pflege der Anwendung sorgen. Die Anwendung kann zudem von mehreren Service-Consumern genutzt werden, ohne dass diese sich gegenseitig stören. An der Bereitstellung der Anwendung können auch mehrere Firmen beteiligt sein, die sich die Aufgaben teilen.[28]

SaaS funktioniert prinzipiell auch ohne Cloud Computing, ist aber oftmals in genau dieser Kombination anzutreffen, da die Vorteile des Cloud Computing beim SaaS-Modell voll zum Zuge kommen.

Utility Computing

Utility Computing meint die Grundversorgung mit Datenverarbeitung, ähnlich wie dies bei Wasser und Strom schon heute der Fall ist. Es sollen also IT-Grundleistungen jederzeit abrufbar zur Verfügung gestellt werden, welche dann nutzungsbasiert abgerechnet werden[29].

Wie man erkennen kann, stehen alle Begriffe mit Cloud Computing in Verbindung. Während Cluster, Grid und Utility Computing die Grundlage für Cloud Computing bilden, kann SaaS auf Cloud Computing aufsetzen und seine Vorzüge nutzen, um Software günstiger und flexibler bereit zu stellen[30].

4.1.2 Funktionsweise

Die folgenden Absätze sollen zunächst die Unterteilung des Cloud Computing in die wichtigsten drei Ebenen aufzeigen. Anschliessend wird der Unterschied zwischen der öffentlichen und privaten Cloud erläutert.


Cloud Computing Ebenen

Cloud Computing lässt sich in verschieden Ebenen untergliedern. Durch die uneinheitliche Definition von Cloud Computing gibt es auch hier Uneinigkeit über die verschiedenen Gliederungsstufen. Daher sollen folgend die gängigsten drei Ebenen[30] erläutert werden und die restlichen Ebenen zumindest Erwähnung finden.

Infrastructure as a Service (IaaS)

Bei IaaS wird dem Service-Consumer die Infrastruktur bereit gestellt, mit der dieser seine eigenen Plattformen und Anwendungen betreiben kann[30]. Der Service-Consumer betreibt auf dieser Basis seine Plattform, welche auf der Infrastruktur des Service-Providers aufsetzt. Daraus ergibt sich, dass er auf der einen Seite die Freiheit hat, seine Plattform selbst auszusuchen und seinen Möglichkeiten nach an seine Bedürfnisse anzupassen, auf der anderen Seite aber auch die Verantwortung und den Aufwand für Pflege und Betrieb dieser Plattform.

Platform as a Service (PaaS)

Bei PaaS wird dem Service-Consumer die Plattform bereit gestellt, auf der er seine Anwendungen betreiben kann. Oftmals ist dies noch verbunden mit den entsprechenden Werkzeugen, die benötigt werden, um selbst Anwendungen auf dieser Plattform zu entwickeln.[30]. Entsprechend hat er bei dieser Variante den Vorteil, dass er sich nicht um die Plattform kümmern muss, allerdings auch verbunden mit dem Nachteil, dass er auch keinen Einfluss auf die Plattform nehmen kann.

Software as a Service (SaaS)

Bei SaaS wird dem Service-Consumer die Anwendung bereit gestellt, die dieser lediglich noch konfigurieren oder in der er nur noch seine eigene Geschäftslogik implementieren muss[30]. Hier hat er dementsprechend den geringsten Aufwand für das Betreiben seiner Anwendung, da ihm der Großteil des Betriebes vom Service-Provider abgenommen wird. Er kann sich hier also ganz auf seine Kernkompetenzen konzentrieren.


Application Components as a Service (CaaS)

Ein von der Firma ACS eingeführter Begriff, der Anwendungen, so genannte Web Services, die bestimmte Funktionen für andere Anwendungen bereit stellen, unter diesem Begriff zusammenfasst[31]. Bei der dreiteiligen Strukturierung gehört dieser Bereich je nach Ausprägung zu PaaS oder SaaS.

Virtual Infrastructure as a Service (VaaS)

Auch ein von der Firma ACS eingeführter Begriff, um Infrastruktur-Anbieter in Anbieter von physischer und virtueller Infrastruktur unterteilen zu können[32]. Bei der üblichen Aufteilung zählt man diesen zu IaaS.

Data Service

Ein von der Firma Cisco verwendeter Begriff, der zwischen SaaS und PaaS angesiedelt ist und die Datenbankkomponente hervorheben soll. Diese Komponente darf zu PaaS gezählt werden[33].

Web Service

Ähnlich CaaS der Firma ACS sollen hier Anwendungen, die Funktionen über Schnittstellen bereit stellen, gesondert betrachtet werden[33].


Public und Private Clouds

Wie schon eingangs erwähnt handelt es sich bei der Cloud um ein Netzwerk, dessen Struktur verborgen ist, da diese entweder unwichtig oder nicht bekannt ist. Und auch wenn Cloud Computing primär mit dem Internet in Verbindung gebracht wird[34][35], so muss sich dieses doch nicht darauf beschränken. Denn auch innerhalb von Unternehmen besteht das Potential solche Cloud-Strukturen aufzubauen und zu etablieren. Schon jetzt betreiben viele Unternehmen ihre Server in großen Rechenzentren und machen Gebrauch von Virtualisierung[36], so dass es logisch erscheint, dass sich auch Virtualisierungsanbieter beim Cloud Computing einen Teil des Marktes sichern wollen[37] Diese so entstehenden Cloud Computing Strukturen innerhalb der Unternehmen haben verschiedene Namen, wie "Private Cloud", "Internal Cloud" oder auch "Corporate Cloud". Letztlich werden sich aber nur große Unternehmen solche Strukturen leisten können. Vermutlich sind es auch die Unternehmen, die aktuell schon große Rechenzentrum mit Virtualisierung betreiben. Der Vorteil dieser internen Clouds liegen auf der Hand, da die Unternehmen so die Kontrolle über die Strukturen behalten, ihren internen Service-Consumern aber trotzdem die Vorzüge des Cloud Computing wie Flexibilität und die nutzungsbasierte Abrechnung näher bringen können. Desweiteren haben Sie die Möglichkeit die Dienste weiterhin hinter den Unternehmensfirewalls zu erbringen[38], was sich letztlich positiv auf die Sicherheit dieser Dienste auswirken dürfte.


4.1.3 Vorteile und Nachteile

Zunächst sollen die Vorteile für die Service-Consumer der Cloud Computing Dienste abgeleitet werden.

Nutzungsbasierte Abrechnung und Skalierbarkeit

Anwendungen, die nur temporär Ressourcen benötigen, binden diese in Unternehmen auch in Zeiten, in denen sie nicht abgerufen werden. Zwar kann dem durch großen Rechenzentren und Virtualisierung entgegnet werden, da sich hier die Ressourcen auf viele Anwendungen verteilen lassen, doch können auch hier Spitzen durch die Arbeitszeiten oder andere Einflüsse erhalten bleiben. Für diese Spitzen müssen die erforderlichen Ressourcen bereit gehalten werden, die in den anderen Zeiten brach liegen.
Mit Cloud Computing entstehen für diese Spitzen keine Kosten, da die Kosten ja nach Verbrauch abgerechnet werden. Und selbst, wenn das eigene Rechenzentrum nicht aufgegeben soll, so besteht hier die Chance die Lastspitzen durch Cloud Computing auszugleichen.
Die Nutzungsbasierte Abrechnung unterscheidet sich noch ein wenig bei IaaS auf der einen und PaaS und SaaS auf der anderen Seite, da bei IaaS der Service-Consumer selbst überwachen muss, wann bereitgestellt Ressourcen aktiviert und deaktiviert werden. Bei PaaS und SaaS geschieht dies automatisch durch die Plattform-Betreiber.
Zudem können bei Bedarf theoretisch unbegrenzt Ressourcen abgerufen werden, so dass auch einmalige Projekte mit hohem Ressourcenbedarf durchgeführt werden können[39].

Entfall von Investitionen

Da im Unternehmen selbst keine Hard und Software für die Bereitstellung der Dienste bei Nutzung von Cloud Computing erforderlich ist, fallen hier auch keine Investitionskosten an, was in Hinblick auf die Kapitalbindung von Vorteil sein kann[40][41].

Betrieb durch Service-Provider

Je weiter oben der Service-Consumer in der IaaS, PaaS und SaaS Hierarchie die Dienste nutzt, desto weniger hat dieser mit dem Betrieb seiner Dienste zu tun und kann sich entsprechend auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
Während bei IaaS nur die Wartung der Hardware wegfällt, so muss sich der Service-Consumer bei PaaS zusätzlich nicht um das Betriebssystem und die betriebssystemnahen Komponenten kümmern. Ein weiterer Schritt ist die Nutzung von SaaS Lösungen, bei denen auch der Betrieb der Software vom Service-Provider übernommen wird.
Desweiteren ist ein wichtiger Punkt beim SaaS-Betrieb, dass nun der Service-Provider für die Einhaltung der Sicherheit zuständig ist. Dies kann in so fern von Vorteil sein, als dass der Hersteller einer Software-Lösung sich im Normalfall besser für die Sicherheit seiner Software sorgen kann, als dies dem Service-Consumer möglich wäre[41].

Dem Gegenüber stehen aber auch einige Nachteile.

Kosten

Zu den Nachteilen einer solchen Cloud muss man die Kosten im Vergleich zu einem selbst betriebenen Rechenzentrum sehen. Zwar spart man auf der einen Seite Investitionen ein, diese müssen aber nun vom Service-Provider getätigt werden, der diese Kosten aber über entsprechende Gebühren weiterreichen wird. So kann ein wirtschaftlich geführtes Rechenzentrum dem Service-Consumer günstiger zu stehen kommen, als die Nutzung von Cloud Services[42].

Sicherheit

Ein weiterer Nachteil ist die Angreifbarkeit von Diensten die in der Cloud beheimatet sind. Denn hier wird der Vorteil der Cloud, eben von überall erreichbar zu sein, zum Nachteil. Denn neben dem Service-Consumer können in der Regel auch andere diese Dienste erreichen, so dass diese Dienste einem größeren Kreis von Angreifern ausgesetzt sind, als sie dies hinter der Unternehmensfirewall wären[43].

Kontrollverlust

Durch die Abgabe der Verantwortung für die zu Grunde liegende Infrastruktur, Plattform und oder Software entfällt natürlich auch die Einflussnahme bei der Gestaltung dieser. Dieser Kontrollverlust ist für viele Entscheider derzeit noch ein Hauptgrund nicht auf Cloud Computing umzusteigen[44].

4.2 Mehrwertdienst

Der Begriff Mehrwertdienst (engl: VAS, Value added Service) hat seinen Ursprung im Bereich der Telekommunikation. Hier gehen die Leistungen eines Mehrwertdienst über die Bereitstellung des zugrundeliegenden Basisdienstes hinaus. Mit Basisdienst ist der Aufbau einer Verbindung gemeint, die vom Mehrwertdienst um weitere Funktionen ergänzt werden kann, mit denen die übertragene Nachricht gespeichert oder weiterverarbeitet wird. Diese Funktionen sollen dem Service-Consumer einen Vorteil gegenüber der Nutzung des reinen Basisdienstes bieten. Beispiele für Mehrwertdienste im Telekommunikationssektor sind das Speichern von Nachrichten bei Nichterreichbarkeit, der Versand von Kurznachrichten oder sog. Service-Rufnummern. Ein Mehrwertdienst ist ohne den Basisdienst, also die entsprechende Infrastruktur, nicht nutzbar. Übertragen auf den Bereich des Cloud Computing kann man prinzipiell alle Dienste als Mehrwertdienst betrachten, die angebotene Cloud Computing-Basisdienste nutzen, um diese mit neuen Funktionen angereichert weiter zu vertreiben. Als Basisdienst können beim Cloud Computing je nach Blickwinkel alle drei Formen in Frage kommen. Sowohl IaaS, PaaS als auch SaaS können Dienste bereit stellen, die von anderen Diensten genutzt werden können.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die Bereitstellung von Diensten in Form von Webservices auf Basis einer sog. SOA (Service-oriented Architecture)[45]. Diese können über wohldefinierte Schnittstellen via Internet von anderen Softwaresystemen aufgerufen und deren Funktionalität so für eigene Zwecke verwendet werden. Die (Wieder-)Verwendung von Diensten wird über dieses Konzept signifikant vereinfacht. Durch Kombination von Services (Composition) entstehen wiederum neue, höherwertige Services - mit anderen Worten Mehrwertdienste.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein Mehrwertdienst immer dann gegeben ist, wenn er auf einem Basisdienst aufbaut (d.h. diesen als Infrastruktur nutzt oder ihn z.B. als Webservice einbindet) und Funktionalität erweitert, die dem Kunden einen Mehrwert bietet.

5 Potentialanalyse

5.1 Beschreibung der Methodik

Nachdem die Grundlagen des Cloud Computing behandelt sind und der Begriff des Mehrwertdienstes geklärt ist, kann mit der Analyse ungenutzter Potentiale in diesem Umfeld begonnen werden.

Der Grund, warum Cloud Computing ein enormes Potential für Dienste im Allgemeinen und Mehrwertdienste im Speziellen bietet, liegt im Wesen der Cloud begründet: die Wolke ist im Gegensatz zu den isolierten Desktop-Applikationen modular aufgebaut und stellt ihre Anwendungen als Komponenten in Form von Services zur Verfügung. Dies ermöglicht durch Kombination unterschiedlichster Services eine individuelle Konfiguration von Applikationen und Daten und bietet damit die Basis für neue, Mehrwert schaffende IT-Dienstleistungen[46]. Wie im vorangegangenen Grundlagenkapitel erörtert wurde, ist genau dies das wesentliche Merkmal von Mehrwertdiensten.

Zur Untersuchung der sich hierbei ergebenden Potentiale soll zunächst geprüft werden, welchen technischen und nicht-technischen Hindernissen sich Cloud Computing Service-Anbieter und -Nutzer nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft gegenübergestellt sehen. Ausgehend hiervon kann dann abgeleitet werden, welche beeinträchtigenden Konsequenzen sich daraus für die Bereitstellung und Verwendung von Mehrwertdiensten ergeben und welche zusätzlichen Möglichkeiten sich bei Überwindung der aufgezeigten Probleme auftäten. Darauf aufbauend sollen dann wiederum konkrete Anwendungsszenarien identifiziert und beschrieben werden, deren Realisierung vor dem Hintergrund der beschriebenen Herausforderungen momentan nicht oder nur sehr bedingt möglich ist und mit deren Hilfe sich neue Geschäftsfelder erschließen ließen. Abschließend soll ein Ausblick darauf gegeben werden, wie mit Hilfe von Potentialindikatoren Trends im Mehrwertdienstmarkt erkannt und darüber Prognosen bezüglich zukünftiger Entwicklungen abgeben werden können.


5.2 Potentialbeschränkungen für Mehrwertdienste im Cloud Computing

Das Angebot an Cloud Computing-Anwendungen und -Diensten ist mittlerweile recht umfangreich und auch vielfältig. Die Liste der Dienstanbieter ist entsprechend lang. Neben vielen bekannten Namen der Branche wie Google, Amazon, Microsoft usw. finden sich dort auch eine Menge kleinerer Unternehmen, die das Thema als Geschäftsmodell für sich entdeckt haben.

Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass ein Großteil der angebotenen Cloud-Dienstleistungen auf Privatanwender als Zielgruppe ausgerichtet sind und sich Geschäftsanwendungen noch eher auf weniger komplexe Anwendungen beschränken[47]. Ein Grund hierfür dürfte sein, dass Cloud Computing trotz der bereits beachtlichen Entwicklung noch immer einige gravierende Herausforderungen vor sich hat. Diese führen dazu, dass einerseits Dienstanbieter einige vielversprechende Anwendungsfälle nicht adäquat umsetzen und am Markt positionieren können, andererseits aber auch Dienstnutzer zurückhaltend sind beim Konsumieren von Services respektive der Einbindung in eigene Dienstleistungsofferten. Gerade letzterer Punkt ist jedoch ein Faktor, der die Entwicklung neuer, zukunftsweisender Mehrwertdienstangebote hemmt und damit das Wachstum dieses Marktsegments.

Im Folgenden sollen die wesentlichen Aspekte beleuchtet werden, die allgemein als Defizite in derzeitig angebotenen Cloud-Implementierungen betrachtet werden können und wie der Markt Cloud-basierter Mehrwerdienste hierdurch negativ beeinflusst wird. Ferner soll analysiert werden, welche Potentiale durch die Elimination dieser Schwachstellen mit Blick auf das Mehrwertdienstangebot sowie die -nachfrage freigesetzt werden könnten.


5.2.1 Eingeschränkte Dienstintegration

Wie bereits festgestellt wurde, ist eines der Hauptmerkmale einer Cloud, Funktionalitäten jeglicher Art als Services anzubieten. Diese Services werden dann von den Dienstkonsumenten in Anspruch genommen. Auf technischer Ebene bedeutet diese Inanspruchnahme, dass die Dienste über Schnittstellen angebunden, d.h. integriert werden müssen, um letztlich Daten austauschen und die Kommunikation zwischen Service-Provider und Service-Consumer gewährleisten zu können. Als problematisch erweist sich hierbei häufig, dass in den meißten Fällen beide Seiten mit jeweils verschiedenen APIs (Application Programming Interfaces) und Datenformaten operieren, was entsprechende Konvertierungsmaßnahmen notwendig macht. Grund dafür ist die Tatsache, dass Service-Provider auf proprietäre Formate setzen, die vom Service-Consumer standardmäßig nicht unterstützt werden.

Neben dem reinen Mehraufwand, der in einer solchen Situation anfällt und Kosten verursacht, kommt es zu einer aus Sicht des Service-Konsumenten unerwünschten - weil nachteiligen - Abhängigkeit vom Service-Provider. Diese Abhängigkeit erstreckt sich auf zwei Bereiche, die sich jeweils auf Daten und Applikationen beziehen können[48]:

a) Interoperabilität

b) Portabilität

Interoperabilität zielt darauf auf, mittels standardisierter Schnittstellen die Flexibilität zu gewährleisten, neue Lösungen zu kreieren, indem Daten und Anwendungen beliebig und insbesondere unabhängig von ihrer Herkunft miteinander kombiniert werden können. Portabilität meint hingegen, sich als Service-Consumer die Option offen zu halten, die eigenen Daten oder Anwendungen bei Bedarf wieder zurück ins Unternehmen holen zu können. Beides wird aus heutiger Sicht von den meisten Service-Providern nicht gewährleistet. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Wechsel des Service-Providers ebenfalls nur schwer möglich und zeitaufwendig sowie kostenintensiv ist. Aus Sicht der Service-Provider ist dies im Sinne der Kundenbindung natürlich vorteilhaft. Im Gegenteil fürchten sie sogar, dass die Möglichkeit eines einfachen und schnellen Wechsels des Providers den Wettbewerb unter diesen erhöhen und den Preisverfall erheblich beschleunigen könnte - obgleich dies nicht zwingend die Folge sein muss, schließlich ist es neben dem Preis auch die Servicequalität, die den Kunden interessiert[49].

Zur Lösung der genannten Probleme im Bereich der Interoperabilität und Portabilität plädiert Open Cloud Manifesto für die Etablierung von entsprechenden Standards (z.B. standardisierte APIs) auf seiten der Service-Provider, nicht zuletzt auch, um althergebrachte Systeme in die Cloud einbinden zu können. Dies hätte positive Wirkungen zur Folge:

1. Die reduzierte Abhängigkeit vom Service-Provider würde dafür sorgen, dass potentielle Service-Consumer überhaupt erst Service-Angebote in Anspruch nehmen würden[50].

2. Die reduzierte Abhängigkeit würde eine erhöhte Ausfallsicherheit des Service mit sich bringen - der Dienstleister 'The Linkup' beispielsweise musste diesbezüglich in der Vergangenheit unangenehme Erfahrung machen[51].

3. Schließlich könnten Interoperabilitätsstandards dazu führen, dass unterschiedliche Clouds integriert werden könnten, z.B. private (interne) und öffentliche (externe)[48].

Alle genannten Effekte würden dazu beitragen, die Nutzung von Diensten weiter voranzutreiben und zu beschleunigen. Hierdurch könnten sich auch neuartige Mehrwertdienste herausbilden, die bisher aufgrund der o.g. Hürden nicht als Geschäftsmodell realisiert wurden. Als Beispiel kann die erwähnte Verknüpfung von privaten und öffentlichen Clouds angeführt werden, auf das in einem späteren Kapitel noch eingegangen wird.


5.2.2 Unzureichende Performanz

Ein weiteres Feld, auf dem in Bezug auf Cloud Computing-Anwendungen nach heutigen Erkenntnissen noch Optimierungspotential besteht, ist die Performanz der Datenübertragung. Dieses Thema beinhaltet verschiedene Facetten, die es zu betrachten gilt und die verschiedene Konsequenzen für die Bereitstellung und die Nutzung von Diensten nach sich ziehen:

a) Geschwindigkeit der Datenübertragung

b) Vorhersagbarkeit der Datenübertragungsrate

c) Messbarkeit und Überwachung der Performanz

Es ist leicht nachvollziehbar, dass die Geschwindigkeit der Datenübertragung im Cloud Computing-Umfeld schnell zu einem limitierenden Faktor werden kann. Ein Hauptvorteil von Cloud-Diensten ist die (theoretisch nahezu beliebige) Skalierbeitkeit, um bei Bedarf enorme Rechenkapazität zur Verfügung stellen zu können. In bestimmten Fällen kann diese Skalierung jedoch auch mit einem enormen Anwachsen der zu verarbeitenden Daten einhergehen. Entscheidend ist dabei das Verhältnis beider Größen, nämlich Anzahl Bytes pro Rechenoperation. Bei einer im Verhältnis großen Anzahl von Bytes kann die derzeitig genutzte Netzinfrastruktur an Ihre Grenzen stoßen und die Datenübertragung in die Cloud (und ggf. wieder zurück) sehr viel Zeit oder Kosten in in Anspruch nehmen. Unter Umständen macht es daher mehr Sinn, die Leistung mit Hilfe der eigenen Infrastruktur zu erbringen, anstatt sie durch einen Cloud-Provider durchführen zu lassen, weil dieses Vorgehen scheller oder kostengünstiger ist[52]. Dieser Umstand kann vor dem Hintergrund bestehender technischer Restriktion zu recht unkonventionellen Methoden bei der Lösungsfindung führen. Beispielsweise kann die schnellste Möglichkeit für das Versenden von Daten der Transport der Datenträger via Verkehrslogistik sein[53]. Natürlich muss auch die Kostenseite betrachtet werden. Doch auch von dieser Warte aus gesehen zeigt sich, dass z.B. das Verschiffen von Festplatten anstelle der Datenübertragung mittels öffentlicher Netze die wirtschaftlichere Lösung ist[54].

Nicht nur die Limitation der Datenübertragungsrate ist häufig ein Hindernis bei der Implementierung von Cloud-Dienstleistungen, auch die Vorhersagbarkeit der Performanz kann zu einem entscheidenden Kriterium werden, nämlich dann, wenn die benötigte Datenübertragungsrate nur innerhalb eines relativ engen Toleranzbereichs schwanken darf. Im Grundlagenteil dieses Dokuments wurde bereits herausgestellt, dass Virtualisierung häufig das Mittel der Wahl bei der Umsetzung eines Cloud-Konzeptes ist. Hinsichtlich Performanz ist Virtualisierung meist unproblematisch, was die Konstanz der CPU-Leistung und des RAM-Zugriff anbelangt. Der I/O-Zugriff auf Plattenspeicher hingegen unterliegt einer weit größeren Varianz, was für einzelne Anwendungsfälle nicht hinreichend ist. Aus diesem Grund bietet etwa Amazon im Rahmen seines EC2-Dienstleistungsangebots die Möglichkeit, bei der Entscheidung für die Bereitstellung von Rechenkapazität aus einer Palette unterschiedlicher sog. Instanzentypen zu wählen, die jeweils verschiedene Mechanismen zur Ressourcenallokation anwenden und damit individuelle Anforderungen - auch hinsichtlich der I/O-Varianz - abdecken[55].

Zur Erreichung kritischer Performanzkennzahlen ist es über die o.g. Punkte hinaus aber auch unabdingbar, die Leistungsdaten messbar zu machen und kontinuierlich zu überwachen, um einerseits den angestrebten Service-Level einhalten und dies andererseits dem potentiellen Service-Consumer transparent machen zu können. Hierzu ist ebenso eine Vereinheitlichung der Leistungsmessungen notwendig, damit IT-Entscheider bei der Wahl zwischen mehreren Anbietern vergleichen und schnell und fundiert die richtige Entscheidung treffen können. Cloud-Provider sollten ferner existierende Monitoring-Systeme unterstützen, um die Überwachung der Service-Leistung zu erleichtern und Service-Nutzern sicherheit zugeben[48].

Der Markt für IT-Dienste und damit Mehrwertdienste würde durch Minderung oder Aufhebung der angeführten Limitation gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren:

1. Das Angebot und die Qualität komplexer Daten-getriebener Mehrwertdienste (z.B. Mashups) würde sich voraussichtlich signifikant erhöhen.

2. Die Kosten der Umsetzung solcher Dienste würde sinken, so dass Markteintrittsbarrieren verschwinden und neue Marktteilnehmer in den Markt drängen würden. Ferner könnten aufgrund der geringen Kosten auch Nischenmärkte eröffnet werden. Dies hätte eine belebende Wirkung auf den Wettbewerb und damit Vorteile für die Service-Consumer (weiter sinkende Preise, Innovation). Der Wettbewerbsdruck würde schließlich die Service-Provider dazu zwingen, sich durch spezifische Mehrwertdienstangebote von der Konkurrenz abzuheben.

3. Service-Consumer würden möglicherweise weniger zurückhaltend agieren, wenn Sie durch die neu geschaffende Transparenz und Vergleichbarkeit der Services leichter den für sie Richtigen identifizieren und diesen auch selbst beurteilen und überwachen könnten.

In Summe würden somit eine verbesserte Performanz, Performanzmessung und -überwachung ebenfalls einen erheblichen Beitrag zur Schöpfung innovativer Mehrwertdienste liefern.


5.2.3 Fehlende Vertrauenswürdigkeit

Die Nutzung von Cloud Computing-Diensten bedeutet, dass der Service-Consumer einen Teil seiner Kontrolle über Anwendungen und Daten zugunsten der weiter oben diskutierten Vorteile abgibt. Dieser Kontrollverlust stellt ein beachtenswertes Risiko dar, welches sich auf zwei Gesichtspunkte verteilt: zum einen nutzt der Service-Consumer etwas, was ihm nicht gehört. Er muss sich darauf verlassen, dass der Service, den er nutzt und den er selbst weder steuert noch verantwortet, den eigens definierten Anforderungen entspricht. Zum anderen überlässt der Service-Consumer dem Service-Provider etwas von sich, meist einen Teil seines wertvollen Datenbestands. Wiederum muss er sich darauf verlassen, dass der Provider mit dem erhaltenen Gut entsprechend pfleglich umgeht und es schützt. Daraus ergibt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen beiden Parteien, das auf folgenden Säulen ruht:

a) Verfügbarkeit

b) Datensicherheit

c) Stabilität

d) Missbrauchvermeidung

Das Thema Verfügbarkeit ist insofern eminent wichtig, als dass der Service-Consumer i.d.R. voll abhängig ist vom Service-Provider. Ein Ausfall des genutzten Services bedeutet im 'Worst Case', dass der Service-Consumer nicht mehr handlungsfähig ist, die geschäftliche Aktivität - im Fall von Geschäftkunden - nicht mehr möglich ist und das betroffene Unternehmen erheblichen Schaden erleidet. Mehrwertdienste, die per Definition auf Basisdiensten beruhen, sind unter diesem Gesichtspunkt besonders gefährdet. Hinzu kommt, dass die Erwartungshaltung an die Service-Verfügbarkeit durch die Qualitätsstandards alltäglich genutzter Dienste wie z.B. Google Search bereits sehr hoch ist. Selbst vermeintlich offensichtliche Lösungsansätze wie eine geografische Verteilung der Provider-Cloud und die Nutzung mehrerer verschiedener Netzwerk-Provider stellen keine 100%ige Sicherheit dar, weil in den unterschiedlichen Lokationen der Cloud vermutlich noch immer die gleiche Software eingesetzt wird und letztlich auch immer noch ein und dasselbe Unternehmen hinter dem Dienst steht (Insolvenzgefahr)[56]. Erst spezielle Hochverfügbarkeitslösungen versprechen hier einen deutlichen Vorteil[57]. Letztendlich ist aber gerade eine nahezu 100%ige Verlässlichkeit Voraussetzung für eine weite Verbereitung von Cloud Computing-Diensten. Genau in diesem Punkt versagen momentan aber selbst die größten Provider[58].

Auch das Stichwort 'Datensicherheit' wird in Diskussionen um Cloud Computing immer wieder aufgegriffen. Dies ist nicht weiter verwundertlich, wenn man bedenkt, dass selbst Privatanwender den Firmen in Bezug auf Datensicherheit misstrauen[59]. Datensicherheit meint in erster Linie den Schutz personenbezogener Daten vor Missbrauch und Manipulation. Der Themenkomplex lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Technisch gesehen besteht die besondere Herausforderung darin, dass bei Cloud Computing-Systemen Daten verschiedener Kunden (Privatanwender, Unternehmen) physikalisch auf derselben Hardware gehalten werden, wodurch besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen notwendig werden und gleichsam Offenheit hinsichtlicht der Verarbeitung dieser Daten geboten erscheint[60]. Abseits technischer Details geht es vorwiegend darum, gesetzlichen Regularien zu entsprechen. Dies kann im Falle von Cloud Computing-Applikationen besonders prekär sein, da die Infrastuktur nicht selten über Landesgrenzen hinweg ist und die geltenden Gesetze mitunter die Weitergabe von Daten in andere Länder untersagen oder nur unter Anwendung aufwendiger Maßnahmen erlauben[61]. Generell stellt sich in solchen Fällen die Frage nach der Gerichtsbarkeit, da nicht immer leicht zu beantworten ist, wo welche Daten gespeichert werden, wohin sie transferiert werden, welches Recht zur Anwendung kommt und ob die geltenden Rechte überhaupt auf Cloud-Applikationen anwendbar sind. Alle diese Fragestellungen müssen beantwortet werden, um sowohl Service-Consumer als auch die CIOs der Service-Provider zu beschwichtigen. Speziell den Services-Konsumten gegenüber muss eine faire Kommunikationspolitik betrieben werden, bei der die Verwendung ihrer Daten transparent gemacht und getroffene Vereinbarungen eingehalten werden[62].

Nicht minder wichtig ist die Stabilität der Cloud-Services. Aufgrund der Abhängigkeit von aufeinander aufbauenden Services untereinander nimmt diese Anforderungen ebenfalls einen gewichtigen Stellenwert ein. Sie steht allerdings der gesteigerten Komplexität von Clouds entgegen, die folgerichtig den Aufwand für die Qualitätssicherungsmaßnahmen in die Höhe treiben. Speziell treten in hochskalierten verteilten Systemen häufig Fehler auf, welche in einem System mit weniger komplexer Konfiguration (z.B. Testumgebungen) nicht reproduzierbar sind. Aktuell gehen die Bemühungen unter anderem dahin, diesem Dilemmas mit Hilfe von VMWare-Technologien zu begegnen[63]. Es ist festzuhalten, dass Cloud-Systeme andere Qualitätsanforderungen haben als herkömmliche Systeme, z.B. höhere Anforderungen an Skalierung, kürzere Releasezyklen, Änderungen der Service-Implementierung ohne Kenntnis der Nutzer, Umfang des Backups, Disaster-Recovery-Funktionen usw.[64]

Der letzte Punkt, der in diesem Zusammenhang aufgegriffen werden soll, ist der Missbrauch von Diensten. Denkbar sind etwa die Verwendung der Cloud-Funktionen, um schadhafte Software auszuführen (Spam-Mails o.ä.) oder schlicht das Speichern illegaler Inhalte in der Cloud. Da zunächst der Cloud-Betreiber ins Blickfeld gerät, kann der wahre Übeltäter nur schwierig identifiziert werden. Dies kann zur Folge haben, dass die Reputation des Service-Providers geschädigt oder gar die Ausführung seiner Services gezielt behindert wird (z.B. durch Sperrung der IP-Adressen). Die Historie des Amazon EC2-Services beweist, dass ein solches Szenario nicht nur theoretischer Natur ist[65].

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die aufgeführten Risiken das Potential von Diensten und Mehrwertdiensten in zweifacher Hinsicht behindern:

1. Service-Provider werden möglicherweise innovative IT-Dienstleistungen nicht bereitstellen, solange rechtliche Belange nicht vollends geklärt sind und Gesetzeskonflikte drohen.

2. Service-Consumer werden potentiell IT-Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen, solange Verfügbarkeit, Stabilität und Datensicherheit nicht ihren Ansprüchen genügen.

Um alle diese Themen adäquat zu adressieren, wären umfangreiche Richtlinien notwendig. Diese müssten entweder durch eine beauftragte Instanz zentral verwaltet oder in Form von feingranularen SLAs vertragsrechtlich fixiert werden[66].


5.2.4 Unangemessene Abrechnungsmodelle

Die Bereitstellung von Anwendungen erfolgt beim Cloud Computing in service-orientierter Form und 'on-demand'. Die Idee dahinter ist, eine Dienstleistung nach Art und Menge in Anspruch zu nehmen, wie es gerade erforderlich ist. Herkömmliche Softwareprodukte kommerzieller Anieter sind jedoch auf den üblichen Absatz via Handel bzw. Download ausgelegt (z.B. einmaliger Kaufpreis pro Kopie, ggf. zzgl. Wartungspauschale). Es wird deutlich, dass Cloud Computing-Anwendungen wegen der dynamischen Skalierung grundlegend andere Lizenzmodelle erfordern. Solange Cloud-Provider ausschließlich eigene, d.h. selbst bereitgestellte Infrastruktur und Software zur Implementierung ihrer Services nutzen oder auf Open Source-Software setzen, können auch die Lizenzmodelle problemlos selbst definiert werden. Schwieriger wird es beim Einsatz kommerzieller Software von Herstellern, die auf den bedarfs-orientierten Vertrieb auf Basis von Services (noch) nicht vorbereitet sind. Auch beim Vertriebs-Controlling muss ein Umdenken stattfinden, wenn es z.B. darum geht, die Erreichung der Quotas der Vertriebsmitarbeiter zu messen[67]. Einmal mehr sieht das Open Cloud Manifesto die Lösung in weitgehender Standardisierung von Lizenzierungs- und Abrechnungsmodellen, um die Zusammenarbeit zwischen Cloud-Providern zu erleichtern[48].

Ein Thema, das in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf, kann mit dem Begriff 'Neutrale Cloud' umschrieben werden. Cloud-Provider werden häufig Wirtschaftsunternehmen sein, die demzufolge entsprechende finanzielle Interessen verfolgen und sich Ziele wie Maximierung des Gewinns oder des Shareholder-Values gesetzt haben. Damit einhergehend ist durchaus denkbar, dass Provider die Zugriffskontrolle oder gar -beschränkung auf ihre Cloud als Mittel entdecken, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Auch die Preisgestaltung kann zu diesen Zwecken missbraucht werden (z.B. Erhebung zusätzlicher Gebühren). Dem gegenüber stehen allerdings ökonomische Interessen, die das Allgemeinwohl im Blick haben. So wie heutzutage auch die Bereitstellung eines Internetzugangs weitgehend frei von Beschränkungen ist (z.B. Sperrungen bestimter Nutzergruppen oder Seiten), sollten auch Cloud Computing-Dienste allen gleichermaßen zugänglich sein (z.B. auch direkten Konkurrenten)[68].

Erst wenn die vollkommen freie (Wieder-)Verwendung von Daten und Anwendungen sichergestellt ist, wird Cloud Computing sein volles Potential entfalten und fortschrittliche, zukunftsweisende Mehrwertdienste auf Basis bestehender Angebote hervorbringen können.

5.3 Potentiale zukünftiger Mehrwertdienst-Anwendungen

In den bisherigen Diskussionen ging es vorangig darum aufzuzeigen, welche Herausforderungen aktuell noch bei der Bereitstellung von Cloud-Diensten existieren und wie sie die Entwicklung neuer Mehrwertdienste behindern. Zudem wurden ansatzweise einige mögliche Lösungsstrategien angeführt. Auch wurde jeweils ein Ausblick darauf gegeben, welche Wirkung ein Entfall der diskutierten Barrieren auf den Markt der Cloud-Services haben könnte. In diesem Abschnitt soll genau dieser Sachverhalt erneut aufgegriffen und vertieft werden, indem einige für die Zukunft Cloud Computing-basierter Mehrwertdienste bedeutende Trends erläutert werden. Die vorab identifizierten Probleme und Schwierigkeiten sollen bei dieser Betrachtung ausgeblendet und als gelöst vorausgesetzt werden.

Ein sehr offensichtliches Szenario, das geradezu prädestiniert ist für die Einbindung von Cloud-Services, ist die Durchführung von Massenverarbeitungen. Aus Sicht eines Service-Consumers kosten innerhalb der Cloud 1x1000h Rechenleistung dassselbe wie 1000x1h[69]. Daher bietet es sich insbesondere an, Massenoperation an einen Cloud-Provider auszulagern, die entweder ungeplant und daher überraschend anstehen oder die zwar regelmäßig durchzuführen sind, für deren Bearbeitung aber jeweils unterschiedliche Zeitfenster zur Verfügung stehen.

Ein Beispiel für ersteren Fall (unplanmäßig benötigte Rechenkapazität) kann einer Case Study des Amazon Web Service entnommen werden, in der ein findiger Ingenieur der Washington Post Amazons EC2 Service dazu nutzt, ein mehr als 17.000 Seiten umfassendes Dokument automatisiert aufzubereiten, um es rechtzeitig veröffentlichen zu können[70]. Dieses Beispiel kann durchaus Grundage einer Geschäftsidee im Sinne eines Mehrwertdiestes sein, bei dem der Basisdienst lediglich die notwendige Rechenkapazität zur Verfügung stellt (in obiger Case Study Amazon EC2) und der Mehrwert in der Umsetzung spezifischer Anwendungen (in der Case Study die Konvertierung des Dokuments) liegt.

Als Beispiel für den zweiten Fall (geplante Last, aber variables Zeitfenster) könnte die Analyse von Geschäftsdaten angeführt werden. Tatsächlich wird Rechenleistung immer weniger zur eigentlichen Transaktionsverarbeitung benötigt, sondern immer mehr zur Analyse von Geschäftsdaten. Im Vordergrund steht dabei die schnelle und effektive Entscheidungsfindung auf Basis dieser Daten[69]. So wäre es denkbar, die Datenanalyse für unterschiedliche Funktionsbereiche der Unternehmung (z.B. Controlling, F&E, Marketing) in eine Cloud auszulagern und für die Ergebnisbereitstellung aus diesen Daten regelmäßige zieltermine zu fixieren (z.B. Analyse der Daten in der letzten Monatswoche, so dass die Ergebnisse am Ende des Monat bereitstehen). Kommt es nun zu einem unvorhergesehenen Ereignis, das eine vorzeitige Analyse der Daten notwendig macht (z.B. überraschende Werbeaktion der direkten Konkurrenz, welche Einfluss auf die eigene Kundengruppe hat), können die Kapazitäten des Cloud-Service gebündelt werden, um die Datenanalyse innerhalb weniger Stunden durchzuführen und die gewünschten Ergebnisse zeitnah zu erhalten. Dies würde dem Unternehmen eine enorme Flexibilität hinsichtlich der Reaktionsfähigkeit für Geschäftsentscheidungen gewähren. Auf dieser Basis könnten ebenfalls Mehrwertdienste hervorgehen, die sich etwa auf verschiedene Funktionsbereiche oder Branchen spezialisieren könnten. Neben der Aufbereitung der Daten des Service-Consumers könnte ein weiterer Mehrwert darin liegen, diese Daten mit anderen erhobenen Marktdaten zu verknüpfen oder zu vergleichen.

Überhaupt liegt im Sammeln und zielgerichteten Zusammenführen von Daten verschiedenster Quellen ein schier grenzenloses Potential. Man denke nur an die von Service-Benutzern ständig gelieferten bzw. zurückgemeldeten Informationen oder an die Möglichkeit, Daten mittels Sensoren zu erfassen und in Echtzeit auszuwerten. Zur Verarbeitung der hierbei anfallenden Datenmassen sind gewaltige Datenzentren und hochverfügbare Services vonnöten, was typische Merkmale von Cloud-Systemen sind[69].Unter der Voraussetzung hochgradiger Interoperabilität zwischen verschiedenen Services und Clouds ergäben sich in diesem Bereich vielfältige Optionen für Daten-getriebene Mehrwertdienste wie Mashups.

Unterstellt man zukünftigen Cloud Computing-Diensten eine tatsächlich uneingeschränkte Verfügbarkeit, erscheinen sie auch für Anwendungsfälle praktikabel, bei denen große Datenbestände ständig und ohne Unterbrechung analysiert und bewertet werden müssen. Dies ist beispielsweise beim Aktienhandel der Fall. Die dafür notwendigen Reaktionszeiten liegen allerdings im Millisekundenbereich, weswegen beim aktuellen Stand der Technik ein Outsourcing dieser Funktion in eine Cloud nicht möglich ist[69].

Die Auslagerung von Funktionalitäten in eine Cloud könnte in Zukunft das Design von Desktop-Applikationen nachhaltig verändern. So könnten Applikationen z.B. grundsätzlich rechenintensive Funktionskomponenten per Cloud Computing auslagern oder gar nur noch die Präsentationsschicht auf dem Desktop-PC vorhalten. Entsprechende Tendenzen sind etwa im Videospiel-Markt erkennbar, wo mit OnLive[71] Bestrebungen dahingehend bestehen, die aufwendige Berechnung der Spiele vollständig in der Cloud anstatt auf dem lokalen PC durchzuführen - im Fall von OnLive kann dieser sogar gänzlich entfallen. Ausgehend von diesem Modell könnten sich um die eigentliche Kernfunktionalität herum viele spezialisierte Mehrwertdienste herausbilden, welche die Basisanwendung erweitern und so Benutzerspezifische Anforderungen bedienen. Vorstellbar wäre etwa eine Textverabeitungssoftware, die als Cloud-Service verfügbar ist. Drittanbieter könnten basierend darauf mehrwertige Zusatzdienste wie Rechtschreibprüfungen für verschiedene Sprachen oder Übersetzungsdienste anbieten, die an die Textverarbeitung gekoppelt werden und deren Funktionsumfang individuell ausbauen. Dies würde jedliche Installation von Plugins und Upgrades hinfällig machen: Anwendungen würden unter Angabe der gewünschten Services konfiguriert und diese Konfiguration im Benutzerprofil gespeichert.

Eine ebenfalls interessante Strategie ist die Kopplung von (Unternehmens-)internen und externen (öffentlichen) Clouds. Intel sieht in ihr eine Schlüsselrolle in der Gestaltung von zukünftigen IT-Architekturen. So sollten geschäftsnotwendige Anwendungen zunächst in einer internen Cloud realisiert und genutzt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der Markt vergleichbare Services anbietet und Sicherheitsanforderungen u.ä. adressiert sind, könne eine Migration von der internen auf die externe Cloud erfolgen. Lediglich geschäftskritische Applikationen oder solche, die ein Differenzierungsmerkmal des Unternehmens darstellen, sollten innerhalb der internen Cloud verbleiben[72]. In Richtung von Mehrwertdiensten gedacht könnten Unternehmen innerhalb einer internen Cloud Services anbieten, die öffentlich zugängliche Dienste externer Clouds als Basisservices einbinden, kombinieren und um den geschäftlich erforderlichen Mehrwert ergänzen. Die so entstandenen 'Composed Services' könnten dann Unternehmens-intern benutzt werden.
Bereitstellung eines internen Mehrwertdienstes auf Grundlage externer Basisdienste
Bereitstellung eines internen Mehrwertdienstes auf Grundlage externer Basisdienste
Dieses Vorgehen ist analog der Zulieferindustrie beispielsweise in der Automobilbranche zu sehen. Umgekehrt ist es auch nicht abwegig, dass ein Unternehmen sowohl eine interne als auch eine externe Cloud betreibt, um intern realisierte Services zur Abwicklung des Kerngeschäfts mittels einer externen Cloud zu kapseln und öffentlich zugänglich zu machen. So könnten etwa betriebliche Informationen, die in der internen Cloud anfallen, an die externe Cloud weiterreicht werden, die diese dann in aggregierter Form nach außen anbietet (z.B. interessierten Marktforschungsunternehmen).

Wie die vorangegangenen Analysen gezeigt haben, weisen Cloud Computing-Implementierungen derzeit noch Schwächen im Bereich der Sicherheit auf. Andersherum ist es aber auch möglich, mit Hilfe von Clouds die Sicherheit von Anwendungen zu erhöhen. So könnte etwa im Fall eines Denial-of-Service-Angriffs die Skalierbarkeit der Cloud-Plattform dazu genutzt werden, die maximale Anfragekapazität des betroffenen Service temporär zu erhöhen und damit den Ausfall desselben zu verhindern[56]. In dem Augenblick, in dem diese Anpassung via Monitoringtools automatisiert gesteuert würde, wäre wiederum ein innovativer Mehrwertdienst geschaffen.


5.4 Dienstleistungsmärkte als Potentialindikatoren

Das vorangegangene Kapitel zeigt einige Szenarien für mögliche Mehrwertdienste auf Basis von Cloud Computing auf. Dabei wurden die Bereiche herangezogen, in denen diesbezüglich ein besonders ausgeprägtes Potential für die Zukunft zu erwarten ist, weil eben dort die Vorteile von Cloud-Architekturen voll zur Geltung kommen. Deutlich konkretere Anwendungsfälle aufzuzeigen fällt schwer, da das Thema verhältnismäßig neu ist. Es ist allerdings bereits zu erkennen, dass sich Dienstleistungsmärkte im Umbruch befinden. Durch das Internet spielt die geografische Verteilung von Service-Anbietern und -Nutzern eine immer geringer Rolle. Einerseits verschärft sich aufgrund dieser Rahmenbedinungen der Wettbewerb, andererseits eröffnen sich aber auch völlig neue Märkte. Durch die günstige Verfügbarkeit von Informations- und Kommunikations-Ressourcen können auch kleiner Anbeiter am Wettbewerb teilnehmen. Es ist plötzlich möglich und wirtschaftlich sinnvoll, in Nischen zu agieren. Auf diese Weise kann eine völlig neue Dimension an Zielgruppen erschlossen werden. Durch das neue Angebot an Software und Infrastruktur als Dienstleistung ergeben sich wiederum neue Service-Märkte mit einem hohen Potential an Wachstum und Beschäftigung. Die Bündelung von Dienstleitungen bietet Nährboden für weitere innovative Geschäftsmodelle.

Dienstleistungsmärkte dienen jedoch nicht allein als Umschlagsplatz, auf dem Anbieter und Nachfrager zusammentreffen. Sie stellen auch eine eigenen Service dar: Dienstleistungsmärkte lassen sich als Prognosewerkzeuge benutzen. Die Idee besteht darin, das kollektive Wissen der Gesamtheit aller Marktteilnehmer zu nutzen, um Bewegungen am Markt zu erkennen und vorherzusagen. Als Indikator kann dazu der Wert einer Dienstleistung oder einer bestimmten Art von Dienstleistung herangezogen werden. Dies geschieht anhand sog. Erwartungswerte, die vergleichbar einer Aktie gehandelt werden. Im Kurs dieser Erwartungswerte spiegeln sich die Einschätzungen der Marktteilnehmer wieder. Hohe Erwartungswerte signaliseren eine positive Resonanz am Markt, niedrige Erwartungswerte eine negative. Auf dieser Grundlage können Potentiale neuer Services und Geschäftsideen beurteilt werden[73]. Schließlich können hieraus Trends abgeleitet werden, welche die Richtung markieren, in die sich Dienste - Basisdienste wie auch Mehrwertdienste - in Zukunft voraussichtlich entwickeln werden.


6 Fazit

Wie die vorstehenden Ausführungen gezeigt haben, steckt in Cloud Computing als Technologiebasis noch ein enormes, bisher nicht genutztes oder noch nicht nutzbares Potential für Mehrwertdienste. Eine Reihe ungelöster Probleme und bestehender Restriktionen in den Bereichen technische Dienstintegration, Performanz, Vertrauenswürdigkeit und Abrechnungsmodelle können als Ursache dafür angesehen werden, dass wichtige Anforderungen von Unternehmen, die als Service-Provider oder aber als Service-Consumer agieren, nicht erfüllt sind. Während die technischen Herausforderungen (Integration, Performanz) insbesondere als Hemmnis für die Entwicklung neuartiger Mehrwertdienste angesehen werden können, sorgen weniger technische bis organisatorische Hürden (Vertrauen, Zusammenarbeit) dafür, dass Dienstanbieter und -nutzer auf dem Servicemarkt eher zurückhalten agieren und damit vorwiegend die Verbreitung von Basisdiensten behindert wird. Einerseits sind hiervon speziell große Unternehmen betroffen, deren erhöhte Anforderungen z.B. hinsichtlich der Betriebssicherheit von Services nicht abgedeckt sind, was mit der Feststellung von Li et al. korrespondiert[74]. Andererseits wird aber auch die Erschließung von Nischenmärkten erschwert, was typischerweise eine Domäne kleinerer Unternehmungen ist.

Zusammengenommen führt dies dazu, dass einige interessante Anwendungsfälle, in denen ein großes Potential für die Zukunft Cloud Computing-basierter Mehrwertdienste zu erwarten ist, noch nicht oder nur mit Einschränkungen umgesetzt werden können. Zu nennen sind in erster Linie Daten-getriebene Dienste wie Mashups, die Kopplung klassischer Desktop-Applikationen mit Cloud-Services bzw. deren vollständige Auslagerung in die Cloud und individuelle Konfiguration anhand spezialisierter Mehrwertdienste sowie die Dienstintegration verschiedener Cloud-Systeme (z.B. intern und extern). Auch die Nutzung von Clouds, um die Sicherheit von Anwendungen zu erhöhen, könnte den Markt Mehrwert schaffender IT-Dienstleitungen beflügeln. Um auf diesen Gebieten signifikante Fortschritte zu ermöglichen, sind nicht nur neue Technologien im Bereich der Datenübertragung von Nöten, sondern es muss vor allem die Vernetzung von Service-Providern und -Consumern erleichtert werden. Hierfür sind kooperative Anstrengungen erforderlich, um Markt-, Industrie- und Technologiestandards zu etablieren und so die Voraussetzungen für die Realisierung innovativer Mehrwertdienstangebote zu schaffen.

7 Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Vgl. Mister Wong GmbH (2009)
  2. http://www.zoho.com/
  3. http://www.youtube.com
  4. http://mail.google.com
  5. http://www.google.com/calendar
  6. http://www.rememberthemilk.com
  7. http://www.picnik.com/
  8. http://wikipedia.org/
  9. http://docs.google.com
  10. http://www.getdropbox.com/
  11. http://eyeos.org/de
  12. Vgl. Hoff (2008)
  13. Vgl. Do (2007)
  14. http://code.google.com/intl/de-DE/appengine/
  15. http://aws.amazon.com/
  16. Vgl. Gartner (2009), S.3
  17. Vgl. Chellappa (1997) passim
  18. Vgl. Jörn (2009)
  19. Beispielsweise ist in Microsoft Office Visio 2007 für diese Netzwerke eine solche Wolke als Zeichnung enthalten
  20. Vgl. Schaffry (2009)
  21. Vgl. McKinsey (2009)
  22. Vgl. Leuchters (2009)
  23. Vgl. Witte (2008)
  24. Vgl. Armbrust et al. (2009), S.1
  25. Vgl. Macquarie Telecom(2009), S.2
  26. Vgl. Körbler (2008), S.24 u. 28
  27. Vgl. Foster (2002)
  28. Vgl. SIIA (2001), S.4 f.
  29. Vgl. Rajkumar et al. (2008)
  30. 30,0 30,1 30,2 30,3 30,4 Vgl. Baran (2008)
  31. Vgl. ACS (2008), S.7
  32. Vgl. ACS (2008), S.8
  33. 33,0 33,1 Vgl. Cisco (2008) S.2
  34. http://blog.picol.org/wp-content/uploads/2008/08/internet_cloud_diagramm.jpg
  35. http://electronsoup.net/wp-content/uploads/2008/07/cloud-computing.jpg
  36. Vgl. Paessler (2008)
  37. siehe http://www.vmware.com/solutions/cloud-computing/
  38. Vgl. Amrhein, Quint (2009)
  39. Vgl. Reuner (2008)
  40. Vgl. Kraus (2009)
  41. 41,0 41,1 Vgl. SaaS-Magazin
  42. Vgl. McKinsey (2009), S.22 ff.
  43. Vgl. Cloer (2008)
  44. Vgl. CIO (2009)
  45. Vgl. Vouk (2008)
  46. Vgl. Rodenhäuser (2008)
  47. Vgl. Miller (2008), passim
  48. 48,0 48,1 48,2 48,3 Vgl. Open Cloud Manifesto, S.4
  49. Vgl. Armbrust et al. (2009), S.15
  50. Vgl. Foley (2008)
  51. Vgl. Brodkin (2008)
  52. Vgl. Gray (2008), S.63-68
  53. Vgl. Armbrust et al. (2009), S.16
  54. Vgl. Gray / Patterson (2003)
  55. Vgl. Redhat (2008), S.11
  56. 56,0 56,1 Vgl. Armbrust et al. (2009), S.14
  57. Vgl. Kumar (2008)
  58. Vgl. Rayport / Heyward (2009), S.29 f.
  59. Vgl. Institut für Demoskopie (2009)
  60. Vgl. Open Cloud Manifesto, S.3
  61. Vgl. Armbrust et al. (2009), S.15
  62. Vgl. Bruening / Treacy (2009)
  63. Vgl. Armbrust et al. (2009), S.18
  64. Vgl. Myerson (2009), S.5 f.
  65. Vgl. Krebs (2008)
  66. Vgl. Jaeger et al., passim(2008)
  67. Vgl. Armbrust et al. (2009), S.19
  68. Rayport / Heyward (2009), S.28 f.
  69. 69,0 69,1 69,2 69,3 Vgl. Armbrust et al. (2009), S.7
  70. siehe http://aws.amazon.com/solutions/case-studies/washington-post/
  71. siehe http://www.onlive.com/
  72. Vgl. Li et al. (2009), S.9 ff.
  73. Vgl. CLIC (Hrsg.), S.5-11
  74. Vgl. Li et al. (2009), S. 6


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