RFID - Chancen und Risiken für die Wirtschaft und die Gesellschaft
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| Name des Autors / der Autoren: | Jan Lange |
| Titel der Arbeit: | "Bearbeiten von RFID - Chancen und Risiken für die Wirtschaft und die Gesellschaft" |
| Hochschule und Studienort: | FOM Essen |
Inhaltsverzeichnis |
1 Einleitung
1.1 RFID zur Identifizierung der Welt
Seit Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts hat sich das Leben der Gesellschaft massiv gewandelt. Die Entwicklung des Internets und seine rasche Verbreitung haben einen entscheidenden Einfluss auf diesen Wandel gehabt. Wirtschaft und Politik sehen sich aufgrund von Globalisierung einem immer stärker wachsenden Konkurrenzdruck ausgesetzt. Nur die permanente Beobachtung des Weltmarktes und der massive Einsatz von neuen revolutionären Technologien ermöglicht es den einzelnen Ländern und Unternehmen den Anschluss zu "boomenden" Ländern wie China nicht zu verlieren.
Eine solche Schlüsseltechnologie verspricht man sich von RFID "Radio Frequency IDentification". Seit dem erstmaligen Einsatz im zweiten Weltkrieg zur Freund-Feind-Identifizierung wird an dieser Technologie geforscht und durch Einsatz in Feldversuchen die Massenmarkttauglichkeit erprobt.
Erst durch die ständige Weiterentwicklung und Miniaturisierung des Materials ist der Einsatzbereich nicht auf einige wenige Anwendungen begrenzt.
Die Tatsache, dass diese Identifikationstechnologie unsichtbar in Gewebe und sogar in herkömmliches Papier mit eingebracht werden kann, hat das Einsatzspektrum stark erweitert.
Mittels RFID lassen sich nahezu alle Objekte, seien es nun Gegenstände oder Lebewesen, eindeutig identifizieren. Ähnlich der anderen Auto-ID-Technologien lassen sich diese Identifizierungskennzeichen mit anderen Informationen verknüpfen. Der entscheidende Vorteil von RFID gegenüber anderen Auto-ID-Technologien ist, dass die Informationen frei von Sichtkontakt per Funk übertragen werden können. Aufgrund dieser Tatsache erhoffen sich viele Wirtschafts- und Regierungsakteure ein enormes Einsparpotential bei Prozessabwicklungen, wobei gleichzeitig die Qualität gesteigert werden soll.
Zudem ist nicht abzusehen welche neuen Dienstleistungen sich für die Gesellschaft daraus entwickeln können, um so den Alltag für den einzelnen Bürger noch komfortabler zu gestalten. Zur Zeit befindet sich RFID in der Entwicklungs- beziehungsweise in der Erprobungsphase.
Vielleicht ist RFID aber der Meilenstein des 21. Jahrhunderts, der sich am stärksten auf unser Leben auswirken wird.
1.2 Zielsetzung und Aufbau
Im ersten Teil werden die Grundlagen der RFID-Technik durch Beschreibung der zugrundeliegenden Funktionsweise erklärt. Es folgt ein Vergleich mit den herkömmlichen Auto-ID-Techniken. Im Hauptteil wird der Nutzen von RFID für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erläutert. Im Schlußteil folgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem massenhaften Einsatz von RFID.
2 Grundlagen der RFID-Technologie
2.1 Funktionsweise von RFID
RFID ist eine von mehreren Auto-ID-Technologien. Auto-ID bedeutet automatisch identifizierend. Dabei bildet RFID die derzeit aktuellste Technik um Gegenstände eindeutig zu kennzeichnen.[1]
Die Technik hinter RFID ist nicht neu und basiert auf herkömmlichen Radiowellen. Dies ermöglicht es, unabhängig vom optischen Kontakt Daten zu übertragen. Diese Daten werden zwischen den zwei Hauptbestandteilen von RFID ausgetauscht, dem Transponder, der die identifizierenden Daten speichert und dem Lesegerät, das die Daten sowohl lesen als auch ändern oder schreiben kann.[2]
Dieser Transponder kann dann an dem zu identifizierenden Objekt angebracht werden.[4]
Man unterscheidet bei den Transpondern noch in Read-Only-Transponder und Read-Write-Transponder, also entweder nur lesbare oder wiederbeschreibbare.[5] Zudem kann man noch zwischen passiven und aktiven Transpondern differenzieren.[6] Bei passiven Transpondern liegt keine eigene Energieversorgung vor. Der Transponder bezieht seine Energie direkt vom Lesegerät, die mit den Daten per Funk übertragen wird.[7]
Aktive Transponder haben eine eigene Energieversorgung in Form einer Batterie oder Solarzelle.[8]
Sie können in Verbindung mit Read-Write-Chips zur Erfassung von Daten unabhängig vom Transponder genutzt werden.[9] Eine typische Anwendung wäre z.B die Überwachung eines Herz-Schritt-Machers. Der Einsatz von Batterien und weiteren Messgeräten lässt den Vorteil von RFID aber wieder schwinden. Die Größe und Langlebigkeit von aktiven Transpondern, besonders wenn sie von einer Batterie versorgt werden, lassen nur einen sehr geringen Einsatzbereich zu.
Daher findet eine breite Anwendung nur auf Basis von passiven Transpondern statt, wie zum Beispiel in Büchern.[10]
Je nach Frequenzbereich wird der Transponder innerhalb von 0 bis 5 Metern durch das Lesegerät aktiviert und ausgelesen.[11] Zum Abgleich der Daten sind die Lesegeräte über einen angeschlossen Rechner oder über ein Netzwerk mit Servern und Datenbänken verbunden.[12] Dabei werden die IDs in den Transpondern mit den Daten aus der Datenbank, dem Backend, verknüpft.[13]
2.2 Vergleich zu anderen Auto-ID Systeme
Neben RFID gibt es bereits andere etablierte Auto-ID Techniken. Allen voran der Barcode. Neben dem Barcode gibt es auch noch das Optical Charakter Recognition(OCR) Verfahren, die Speicherung auf Chip-Karten oder Magnetstreifen und die biometrische Identifizierung.
Beim Barcode werden unterschiedlich breite schwarze Streifen auf einer weißen Oberfläche so angeordnet, dass sie durch eine Laserabtastung und durch einen Computer interpretiert eine bestimmte ID ergeben.[14]
Das OCR- Verfahren beinhalten die Klarschriftinterpretierung von maschinell angefertigten Dokumenten, die ebenfalls visuell gelesen werden können.[15] Ähnlich dem Barcodeverfahren werden hier unterschiedliche Ausprägungen zu Daten interpretiert.
Dabei werden die Ausprägungen durch magnetisierte Teile realisiert.[16] Die Chipkarte kommt RFID am nächsten.
Sie besitzt teilweise Prozessoren und zeichnet sich durch komplexe Sicherheitsmechanismen aus. Der Unterschied zu RFID besteht darin, dass der Austausch von Daten einen Kontakt zwischen Lesegerät und Chip erfordert.[17].
Bei der biometrischen Identifikation ist das Merkmal direkt an eine Person gebunden, dabei muss die erkannte Struktur einer ID zugeordnet werden.[18]. Beim Barcode hingegen ist das Merkmal die ID selbst.
RFID soll all diese Auto-ID Techniken ergänzen und teilweise komplett ersetzen.
Langfristig beabsichtigt man den Barcode durch die neue Technik abzulösen. Dabei soll RFID in naher Zukunft auf Artikelebene platziert werden, dem sogenannten Item-Level.[19]
3 Nutzen und Gefahren beim Einsatz von RFID
3.1 Einsatzmöglichkeiten von RFID
Hier folgt eine Darstellung, wie sich RFID in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sinnvoll einsetzen lässt. Im Anschluss wird der Einsatz kritisch beurteilt. Besonders auf die Analyse des Datenschutzes soll hier näher eingegangen werden.
3.1.1 Nutzen für die Wirtschaft
Der Einsatz in der Wirtschaft hat die Entwicklung von RFID langfristig gefördert. Aber erst die Weiterentwicklung von RFID in den Neunzehnhundertneunzigern ermöglichte einen breiten Einsatz von RFID.[20]
Am weitesten fortgeschritten ist die Warenkennzeichnung zur Qualitätssteigerung in der Logistik.
Die Metro Group spielte dabei eine entscheidende Rolle, in dem sie seit 2004 eine Arbeitsgemeinschaft mit verschiedenen Firmen bildete.[21] Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft ist es die Entwicklung und Verbreitung von RFID zu fördern. Hierzu haben die Metro Group und die Verbundunternehmen in zahlreichen Feldversuchen die Praxistauglichkeit und die Effizienz von RFID getestet. Bekanntestes Beispiel ist der Future Store der Metro Group, der die Vorzüge beim Einsatz der Technologie für Unternehmen aufzeigen soll.[22]
Dazu werden verstärkt Produkte mit RFID gekennzeichnet. Dies ermöglicht gegenüber anderen Auto-ID-Technologien eine dauerhafte Verfolgung und Abfrage vom Status der einzelnen Produkte. So ist es möglich das Produkt über die ganze Warenbewegungskette zu analysieren und auf Prozesse zu reagieren. Aufgrund der Funkübertragung der Kennzeichnung ist es z.B. möglich den Lagerbereich komplett autonom von Maschinen verwalten zu lassen.[23]
Dies findet auch schon teilweise Anwendung in der Praxis. Dabei ist es aber nötig, dass alle beteiligten Instanzen entlang der Versorgungskette transparent und mit einheitlichen Standards bezüglich der RFID-Technologie arbeiten.[24] Nur so lassen sich die erfassten Daten an den einzelnen Zwischenstationen erfassen und mit den Informationen in den Datenbanken verknüpfen.
Die Nutzungsmöglichkeiten sind hierbei sehr vielseitig.
Wird z.B. Ware bei einem Lieferanten bestellt, fasst dieser die Produkte zusammen und sammelt sie in versandfertigen Kartons und auf Paletten zusammen. Intern hat der Lieferant alle größeren Produkte mit RFID ausgestattet. Der Lagerfacharbeiter liest nun an seinem mobilen Terminal, wo und in welcher Stückzahl die bestellten Produkte auffindbar sind. Ohne den Inhalt eines Kartons einzusehen, kann er auf dem Bildschirm ablesen, welche Produkte sich in dem Karton befinden.[25] Eine enorme Zeitersparnis bei der Zusammenstellung ist das Ergebnis.
Die Lesegeräte im Regal registrieren das Entfernen der Produkte aus dem Regal und melden dies automatisch an den Zentralrechner. Dort kann je nach Konfiguration des Warenwirtschaftssystems eine Meldung an den Einkäufer geschickt werden, damit dieser die Ware nachbestellt oder es wird vollautomatisch vom System nachbestellt.
Der Lagerfacharbeiter hat die Palette zusammengestellt und stattet diese nun mit einer neuen RFID Kennzeichnung aus, welche dem internationalen Standard, ähnlich der EAN.UCC-Datenstandard beim Barcode, gerecht wird.[26]Die erfassten Daten werden nun an den Kunden und an das Logistikcenter übermittelt.
Einen Tag später trifft die Ware im Logistikverteilzentrum ein. Im Wareneingang werden die RFID-Chips der Palette ausgelesen. Auch hier entfallen die zeitaufwendige Kontrolle und das Umpacken der Waren. Das Eintreffen und Verlassen der Ware im Logistikzentrum wird dem Kunden und dem Lieferanten umgehend autonom übermittelt. Im Lager wird die eintreffende Ware durch die Lesegräte in Lagerzugängen erfasst und in die Stammdaten des Warenwirtschaftssystem eingetragen.[27] Die Ware kann nun in korrekter Anzahl und in der gleichen Qualität, wie sie den Lieferanten verlassen hat, in den Verkaufs- oder Verarbeitungsräumen verteilt werden. Auch hier kann der Status, sei es nun die korrekte Anzahl im Verkaufsregal oder der Produktionsstatus eines Autos am Fließband, genau und permanent erfasst werden. Der Warenkreislauf ist damit vollständig und geschlossen. Diesen Kreislauf gibt es in dieser Form noch nicht.
Die einzelnen Abschnitte finden heute aber schon teilweise ihren Einsatz in der Praxis und aufgrund der Vielseitigkeit der Technologie wäre ein solcher Ablauf in naher Zukunft vorstellbar.
Vorteile sind die erhöhte Diebstahlsicherung, da die Ware ständig und überall erfasst wird, die bessere Verfügbarkeit von Waren, da ein "Leerverkauf" praktisch entfällt, die Minderung von Fälschungen und Rückrufaktionen, die erhöhte Datenverlässlichkeit und die Prüfung der Qualität, da zum Beispiel Verfallsdaten unter anderem bei verderblichen Waren ebenfalls erfasst werden können.[28]
Zudem lassen sich genaue Historien der einzelnen Warenbewegungen erfassen. Die Dokumentation kann so weit gehen, dass ein Produkt vom Herstellungsort bis zum Entsorgungsunternehmen registriert und ausgewertet wird. Die Produkte erlangen eine eigene individuelle Geschichte, die jedem zugänglich ist. Dies sind nur einige Möglichkeiten die schon heute Anwendung finden. Die Mitarbeiter können dahingehend unterstützt werden, dass sie wie oben beschrieben, durch mobile intelligente Terminals umfassend mit den notwendigen Daten für ihre Arbeit versorgt werden. Nicht mehr die Daten werden gesucht, die Daten suchen sich ihren Nutzer.
Kosten und Zeitersparnis können hier nur grob geschätzt werden, aber bei der Metro Group rechnet man mit einer Einsparung von 8,5 Mio. Euro im Jahr, wobei bei dieser Berechnung nur zwei der elf Prozessschritte im Unternehmen berücksichtigt wurden.[29]
Ein weiterer Einsatzort, der sich ebenfalls in den letzten Jahren vermehrt etabliert hat, ist der Einsatz in der Tieridentifikation, die der Tierforschung und der Tiermast zugutekommen. In der Forschung wurde RFID zuerst eingesetzt, da die einfache Auffindbarkeit, die Einfachheit der Standortbestimmung und die Verfolgungbarkeit der Tiere, ohne dass diese in ihrer Umgebung gestört werden, große Vorteile gegenüber anderen Methoden sind. In der Tiermast wäre eine automatische Fütterungsmaschine denkbar.[30] Die Überprüfung und Einhaltung von Kühlketten beim Transport von Lebensmitteln bildet dabei auch eine entscheidende Schlüsselfunktion.[31]
Aber auch in Bibliotheken und anderen öffentliche Einrichtungen kommt RFID zunehmend zum Einsatz. Auch hier unterstützt die Technologie die genaue Bestandsauswertung und den Diebstahlschutz.
In Zukunft wird auch RFID für mittelständische Unternehmen interessant, wenn die Anschaffungskosten in den nächsten Jahren sinken. Die oben genannten Vorteile werden dann auch hier greifen und dem Unternehmen einen Konkurrenzvorteil verschaffen.
Weitere Anwendungen die hier nicht näher erläutert werden sollen wären:
- Personalzugang
- Berechtigungsverwaltung
- Betriebsmittelüberwachung und deren Analyse
3.1.2 Nutzen für den Staat
In den letzten Jahren hat auch das Interesse des Staates für die Möglichkeiten von RFID zugenommen. Besonders die europäischen Regierungen haben das Potential von RFID erkannt.[32] Diese Potentiale gibt es in den Bereichen öffentlicher Dienst, Sicherheit und Verbrechensbekämpfung.
Möglichkeiten für den Einsatz im öffentlichen Dienst sind Lebensmittelkontrolle, Entsorgung und Verwaltungsrationalisierung. Hier als Beispiel das System zur Abrechnung von Straßennutzungsgebühren bei dem sehr kostspieligen Mout-Projekt. RFID könnte zur Neustrukturierung eingesetzt werden.[33]Greiner Beim derzeitigen Mout-Projekt ist der entscheidenden Nachteil, dass die Mouterfassung bisher nur auf bestimmte Bereiche auf den Autobahnen begrenzt ist. Folglich werden die LKW-Fahrer von ihren Auftraggebern dazu angehalten, diese Bereiche zu vermeiden und stattdessen bevorzugt Landstraßen zu nutzen. Gemeinden die auf solchen Routen liegen, haben in den letzten Jahren verstärkt mit dieser Überbelastung zu kämpfen und fordern von der Regierung auch hier eine Erfassung der Mout durchzuführen. Aus Kostengründen wurde dies aber bisher vermieden. RFID könnte hier eingesetzt werden. Aufgrund der fallenden Preise für die Technologie würde sich der Einsatz auf einen vertretbaren Kostenrahmen beschränken.
Die Warenversorgungsüberwachung wie in 3.1.1 beschrieben ermöglicht auch z.B. die Kontrolle auf die Einhaltung der Kühlkette im Bereich der Lebensmittelkontrolle. Zudem bietet die Historie des Produkts genauen Aufschluss über Herkunft und Weiterverarbeitung, z.B. beim Bio-Siegel.
Auch im Bereich der inneren und öffentlichen Sicherheit findet RFID Anwendung.
RFID soll im Import und Export helfen die Aufklärungsrate bei Plagiatsfällen zu steigern.[34] Beim Zoll würde die importierte Ware genau erfasst und identifiziert werden. Zeitaufwändige Probedurchsuchungen der Container wären nur noch bei konkreten Verdachtsfällen nötig. Diese würden durch das Auslesen der Waren durch RFID-Lesegeräte in Durchgangstoren erfasst und auf Plagiatsfälle geprüft. Zudem wäre das Fälschen von RFID-Chips mit so hohen Kosten verbunden, dass sich eine rentable Kopie von Waren ausschließt. Würde ein global einheitlicher Identifizierungsstandard festgelegt, wie es teilweise beim Barcode gemacht wurde, erschwerte dies zusätzlich die Nachahmung der Technologie.[35] Würde dann ein Produkt mit einer weltweit eindeutigen Nummer zweimal importiert, wäre sichergestellt, dass es sich um ein Plagiat bei einer der beiden Waren handelt. Aufgrund der teuren Ausstattung eines solchen Kontrollsystems liegt das noch in der Zukunft.Der bisher größte Einsatz für die innere Sicherheit ist in der Anbringung von RFID in Reispässen zu sehen. Derzeit wird RFID schon in europäischen Reisepässen angewandt. China und die USA wollen in nächster Zeit folgen.[36] Jeder neu ausgegebene Reisepass besitzt einen RFID-Chip. Aufgrund der höheren Fälschungssicherheit will man der steigenden Terrorismusgefahr Einhalt gebieten. Zudem wurde mit der Einführung von biometrischen Merkmalen in den Pässen die Forderung seitens der USA für die Einreise in die Staaten erfüllt.[37]
Die Politik ist gefordert weltweit gültige Standards festzulegen, um die Verbreitung und das Potential von RFID nicht zu begrenzen.[38] Viele Datenschutzverbände fordern rechtzeitig mit gesetzlichen Änderungen auf diese neue Technologie zu reagieren. Dies wird im Abschnitt 3.2 noch näher erläutert.
In Zukunft wird keine Regierung um die Auseinandersetzung mit RFID herumkommen, um global mit den führenden Ländern mithalten zu können und auch weiterhin internationale Warenbewegungen und das Aus- und Einreisen von Bürgern zu ermöglichen.
3.1.3 Nutzen für die Gesellschaft
Der Nutzen von RFID für die Gesellschaft beziehungsweise für den Bürger als Konsumenten und Arbeitnehmer hält sich bisher in Grenzen. Die Technik steckt noch in den Anfängen und wird meistens nur für die interne Prozessabwicklung in Unternehmen eingesetzt. Trotzdem gibt es wie in 3.1.1 beschrieben einige Feldversuche in denen der Nutzen für den Bürger erprobt wird.
Nachrangig sollen nun einige Beispiele aufgeführt werden wie diese Technologie in unseren Alltag Einzug halten könnte.
Der wohl bekannteste Feldversuch ist der Future-Store der Metro Group. Hier können Kunden sich selbst einen Einblick verschaffen wie das Einkaufen in Zukunft von statten gehen könnte. Durch eine persönliche Identifizierungskarte mit einem RFID-Chip registriert sich der Kunde in dem Markt.
Der im Voraus im Internet erstellte digitale Einkaufszettel wird dann auf das Einkaufwagenterminal geladen.[39] Eine Karte weist nun den Weg zu den Produkten. Findet man in den jeweiligen Regalen die Produkte nicht, kann man sich das Everywheredisplay zu Hilfe rufen.
Dabei handelt sich um einen beweglichen Beamer, der mit Pfeilen den genauen Standort des gesuchten Produktes verrät. Zusätzlich werden dem Nutzer über das Terminal am Einkaufwagen und den stationären im Supermarkt angebrachten Terminals Zusatzinformationen zu den Produkten angeboten.[40] Diese reichen von Sonderangeboten und Warenbestand bis zum Verfallsdatum und zur Herkunft.
Hat der Kunde das passende Produkt für sich gefunden, wird es vom Einkaufswagenterminal erfasst.
Am Ende des Einkaufs kann der Kunde mithilfe seiner Kundenkarte und dem Einkaufswagenterminal die Ware automatisch an den Selbstbedienungskassen bezahlen. Die Abbuchung erfolgt dann direkt von seinem Kundenkonto.[41]
Auch hier helfen die zahlreichen Terminals den Kunden bei ihrer Einkaufsentscheidung mit vielen Zusatzinformationen, wie Größe, Farbe und Bestand. Projezierende Displays in Spiegeln wurden direkt in den Umkleidekabinen angebracht. Die integrierten RFID-Lesergeräte erfassen die Ware und bilden die Informationen großflächig auf den Spiegeln ab. Über Zusatzfunktionen ist es den Kunden möglich sich ein bestimmtes Produkt von einem Mitarbeiter bringen zu lassen.[42]
Für den Haushalt gibt es bereits intelligente Möbel die uns ebenfalls im Alltag helfen. Dabei wird RFID bis jetzt beim intelligenten Kühlschrank eingesetzt. Hier erfasst der Computer im Kühlschrank den Zustand und die Menge der Lebensmittel. Wird ein bestimmtes Produkt knapp, ist es nicht mehr vorhanden oder abgelaufen wird der digitale Einkaufszettel ergänzt oder die Ware wird automatisch im Internet nachbestellt.
Zudem werden passend zu den vorhanden Produkten Rezepte aus dem Internet geladen und auf dem Display angezeigt.
Viele Einsatzorte sind aber auch im Bereich unserer Freizeit möglich oder auch schon im Einsatz.
In Tokio können Fahrgäste des öffentlichen Nahverkehrs ihre Fahrten digital mit RFID ausgestatteten Tickets bezahlen. Diese können immer wieder aufgeladen werden und mittlerweile auch in vielen teilnehmenden Geschäften als Zahlungsmittel genutzt werden.
In den USA konnte die Wartezeit an den Moutstationen minimiert werden, indem man RFID-Karten vorne an der Frontscheibe des PKWs anbrachte.[43]
Generell kann RFID zu höheren Sicherheit bei digitalen Zahlvorgängen beitragen indem es den herkömmlichen Mikrochip auf EC- oder Kreditkarten ersetzt. In dem naturhistorischen Museum im dänischen Aarhus werden interaktive Austellungsführer mittels RFID realisiert. An den jeweiligen Präparaten werden die Chips ausgelesen und die jeweiligen Informationen dem Besucher auf dem Display präsentiert.
Tokio hat die Technologie großflächig in der Stadt an Sehenswürdigkeiten und Geschäften angebracht um den Touristen die Orientierung in der Stadt zu erleichtern.[44]
Diese Chips könnten auch mit Lesergeräten im Handy ausgelesen werden. Proprietäre Geräte würden entfallen. RFID-Chips in Mobiltelefonen können derzeit für mobiles Bezahlen im Parkhaus oder anderen Einrichtungen genutzt werden. Aber auch komplette Informationen oder Dateien könnten so den Weg auf das Handy finden.
Im Ski-Urlaub ersetzten RFID-Tickets vermehrt die etablierten Barcode- oder Magnetstreifentickets. Auch hier konnte die Wartezeit aufgrund der funkübertragenen Informationen an Skiliften minimiert werden.[45] Diese Art der Zugangskontrolle findet bereits in Firmen zur Authentifizierung der Mitarbeiter statt.
Aber auch in Bibliotheken wird die Technik vielerorts erfolgreich eingesetzt, wobei der Kunde von vielen neuen Dienstleistungen profitiert
um ihm den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, aber auch um die digitale Welt mit den Informationen aus der Bibliothek zu vernetzen.
Dabei kann der Besucher sich zusätzliche Informationen über Autoren und deren Werke im Internet einholen. Dafür hält er das Buch mit dem RFID-Transponder an ein Terminal. Sucht er ein bestimmtes Buch kann ihm dessen aktueller Status und Standort genau mitgeteilt werden.
Das Ausleihen und Zurückbringen kann der Besucher selbständig an den Lesegeräten am Ausgang vornehmen.Dabei spielt die Tageszeit der Rückgabe keine Rolle mehr. Lange Warteschlangen gehören so der Vergangenheit an.[46]
Die Einführung des neuen Ausweises zum Ende des Jahres erfolgt ebenfalls mit einem RFID-Chip. Dieser dient zur Speicherung biometrischer Daten und der digitalen Signaturen einer Person.
Er wird in Zukunft Online-Geschäfte die eine sichere Authentifizierung erfordern vereinfachen.[47]
Zudem bieten sich weitere Funktionen an, wie z.B. die Nutzung von Pseudonymen die im Ausweis hinterlegt sind, um die Anmeldung in Internetportalen zu beschleunigen.
All diese Beispiele zeigen den sehr flexiblen Einsatz der Technologie. In Zukunft werden noch viele weitere Einsatzbereiche hinzukommen von denen man jetzt noch nichts ahnen kann. Allein die verschiedenen IT-Projekte der letzten Zeit, wie die Sozial-Netzwerke im Internet, haben gezeigt, welches Potential hinter einer simplen Idee stecken kann.
3.2 Kritische Würdigung beim Einsatz von RFID
Die in 3.1 aufgeführten Möglichkeiten zur Nutzung von RFID in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft haben aufgezeigt wie schnell Datenpools aufgebaut werden können. Diese Datenpools ermöglichen es den Unternehmen ihre Prozesse zu optimieren und so Zeit und Kosten zu sparen. Dem Staat verhilft die Technologie zur Sicherstellung der inneren und öffentlichen Sicherheit. Den Bürgern eröffnen sich komfortable Dienstleistungen,die in Zukunft noch stark ausgebaut werden um den Alltag im Beruf und Freizeit zu erleichtern.
Es stellt sich jedoch die Frage, bis zu welchem Maß diese Daten gesammelt und miteinander verknüpft werden. Wird nicht mit gesetzlichen Regelungen auf diese Technologie reagiert, kann es zu Einschränkungen beim Datenschutz und damit zur Einschränkung der freien Entfaltung eines jeden Bürgers in seinem Umfeld führen.[48] Daher gilt es hier nun zu prüfen, in welchem Maße der bisherige Datenschutz den Gebrauch von RFID und dessen Datenerfassung Rechnung trägt. Die Einführung des neuen Personalausweises birgt z.B. ein erhebliches Risiko, wenn zukünftig persönliche Daten direkt und ohne Kenntnis des Besitzers ausgelesen oder sogar manipuliert werden könnten. Zunächst ist zu klären, ab wann der Datenschutz beim Erheben von Daten überhaupt greift. Dies ist erst dann der Fall, wenn die Produktdaten von dem RFID-Chip in einer Datenbank mit personellen Daten in Verbindung gebracht werden oder persönliche Daten direkt auf dem RFID-Chip gespeichert werden.[49] Der erstgenannte Fall kann zum Beispiel dann auftreten, wenn eine Person ein mit RFID gekennzeichnetes Produkt an der Kasse mit einer Kundenkarte oder einer EC-Karte bezahlt. Dabei kann dann die Nummer des RFID-Chips mit den Personendaten zusammen in der Datenbank, dem sogenannten Backend, abgelegt werden. Dies kann dem Unternehmen zur Analyse von Verbraucherverhalten dienlich sein.
Bei den Fußball-WM Tickets im Jahr 2006 wurde dieses Verfahren zur sicheren Authentifizierung und zum Unterbinden von Schwarzmarktgeschäften erstmalig durchgeführt. Nachteil für den Verbraucher war der ausgeschlossene Weiterverkauf der WM-Tickets. Die Speicherung personenbezogener Daten direkt auf dem Chip ist beispielsweise bei Zugangskontrollen der Fall, wie sie bei öffentlichen Nahverkehrs-Tickets eingesetzt werden.
Um die Bürger vor Datenmissbrauch zu schützen und unnötige Massendatenerhebung seitens der Konzerne zu unterbinden, wurden grundlegende Datenschutzgesetzte im Grundgesetz verankert. Darunter fällt zum einen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, dass dem Bürger das Recht einräumt über seine personenbezogenen Daten selbst zu bestimmen um ihn in seiner freien Lebensentfaltung nicht zu hemmen. Nur er allein darf entscheiden an wen und in welchem Ausmaß diese Daten an Dritte weitergegeben werden. Nur durch das Bundesdatenschutzgesetzt oder einer anderen Rechtsvorschrift kann dieses Recht außer Kraft gesetzt werden. Wenn Daten durch Dritte erhoben werden gilt es erstens, die Daten für einen bestimmten wirtschaftlichen oder rechtlichen Zweck zu erheben und zweitens so sparsam wie möglich zu handeln, also nur so viele Daten zu sammeln wie dem Zweck dienlich sind.
In Anbetracht dieser Gesetze und der verhängten Bußgelder beim Verstoß gegen diese, mag eine kritische Auseinandersetzung mit dem Datenschutz bezüglich der Erhebung von personenbezogenen Daten mittels RFID nicht nötig erscheinen. Doch in den letzten Jahren wurde durch zahlreiche Medienskandale das genaue Gegenteil bewiesen: Allumfassende Konsumentenprofile wurden erstellt um aus dem Handel mit diesen zu profitieren oder sie als Basis zur Entwicklung von neuen Marktstrategien zu nutzen. Dabei wird immer weniger vor den drohenden Bußgeldern zurückgeschreckt und das Grundrecht der Bürger bewusst umgangen.
Die FoeBuD ist ein Verein begeisterter technikversierte Bürger die sich dem Datenschutz und der freien Verbreitung von Informationen in den neuen Kommunikationstechniken verschrieben haben. Sie verleihen unter anderem den durch Medien bekannten Big Brother Award. Für sie stellt RFID eine Gefährdung der Privatsphäre dar. Die eindeutige Nummer eines jeden RFID-Tags und weitere auf dem Chip gespeicherte Informationen, können aufgrund der technischen Möglichkeit ohne das Wissen des Trägers aus einer großen Entfernung ausgelesen werden und ermöglichen so das Erstellen umfassender Datenbänke. Anhand dieser Daten können von jeder Person nicht nur Konsumprofile erstellt werden, sondern sie ermöglichen das Herleiten ganzer Interessens-und Bewegungsprofile. Die Bitte um Stellungnahme und einen öffentlichen Diskurs zum Thema RFID seitens der FoeBuD, wurde von der Metro Group ignoriert. Aus der Erfahrung mit der Technologie hat FoeBuD weitere Szenarien herausgestellt, die durchaus bald zur Realität werden könnten oder bereits schon real sind. Zum Beispiel, dass durch RFID-Chips die in der Arbeitskleidung oder in Seifenspender angebracht werden, die Überprüfung der Toilettengänge oder die Rauchpausenzeiten kontrolliert werden könnten. In den USA wird diese Vorgehensweise bereits praktiziert.
Aber als besonders kritisch wäre das folgende fiktive Szenario zu betrachten, das technisch heute überhaupt kein Problem mehr darstellt:
Dieses Beispiel findet in vielen Berichten und Dokumentarfilmen Anwendung bei der RFID kritisch begutachtet werden soll. Um solche Szenarien nicht erst Wirklichkeit werden zu lassen, hat vor allen Dingen die FoeBuD, Vorschläge herausgestellt die den Datenschutz der Bürger verstärkt berücksichtigen sollen, ohne dabei gravierend die Unternehmensinteressen bezüglich der Optimierung ihrer Prozesse zu behindern. Dabei plädieren sie dafür, dass die Chips ohne aktives Handeln des Konsumenten grundsätzlich an der Kasse deaktiviert werden. Zudem sind sie strikt gegen das Auftragen der RFID-Chip auf Einzelprodukten, dem sogenannten "Item-Level". Wird nur ein einziges Produkt durch die oben beschriebenen Methoden mit den personenbezogenen Daten verknüpft, lassen sich auch alle anderen Produkte transitiv der Person zuweisen. Tracking, also das Verfolgen einer Person anhand der Produkte die sie erwirbt, wird dadurch um ein vielfaches erleichtert. Daher sollte, wenn möglich, komplett auf den Einsatz von RFID in Verkaufsräumen verzichtet werden. Auch Bargeld und Ausweisdokumente sollten laut FoeBuD nicht mit RFID versehen werden, um auch in Zukunft nicht ständig eine Datenspur zu hinterlassen. Andernfalls könnte die freie Entfaltung eines Jeden und einhergehend damit die freie Meinungsäußerung unterdrückt werden. Darauf aber baut unsere Demokratie auf.
EPC-Global eine Gruppe von Unternehmen, die die Standardisierung der RFID Technologie weiter entwickelt, vertritt die Meinung, dass ihr eigenes Verhalten bezüglich des Datenschutzes über das der gesetzlichen Forderung hinausgehen muss. Befürworter von RFID halten die vom EPC-Global festgelegte Selbstverpflichtungserklärung für eine hinreichende Maßnahme zum Schutz der Bürgerrechte. Bestandteil dieser Erklärung ist die Transparenz der Technologie nach Außen, z.B. durch Kennzeichnung aller Produkte welche mit RFID ausgestattet sind. Außerdem soll den Bürgern die Technologie anhand ihrer Vorteile nahe gebracht werden. Die Bürger sollen wissen welche Daten in welcher Form durch RFID erhoben werden, auch wenn es sich dabei nicht um personenbezogene Daten handelt.
Die FoeBuD halten diese Erklärung für nicht ausreichend, da sie nur freiwillig für die einzelnen Unternehmen einzuhalten ist und die Bürgerinteressen nur geringfügig beachtet.
Auf Produktebene wird es nicht schwer sein die Daten auszulesen, da durch Sicherheitszertifikate oder andere Verschlüsselungen nur die Hersteller/Lieferanten an die Daten kommen. Dies würde jedoch jeglichen Nutzen von Synergien aus dem Kundenbeziehungsmanagement zu Nichte machen. Die vom Lieferanten gekennzeichneten Waren können im Wareneingang nicht kommissioniert werden, außer die Sicherheitszertikikate werden mitgeliefert. Auch würde eine teure Verschlüsselungstechnik auf Artikelebene keinen Sinn machen. Die einzige Möglichkeit größere Waren oder Paletten zu sichern, ist der unternehmensübergreifende Austausch von Sicherheitszertifikaten, die wiederum kostspielig sind und bei größerer Verbreitung mehr Risiko bergen. Zudem wäre eine verschlüsselte Kennzeichnung auch eindeutig.
Die Kritik an der Rückschlussmöglichkeit anhand von Produkten auf eine Person ist also berechtigt. Jedoch ist festzuhalten, dass Dritte nicht ohne weiteres auf die Daten im Backend, also der Datenbank und die damit verbundenen Daten, zugreifen können, da sie meist durch sehr sichere Verfahren geschützt werden.
Bei Ausweisdokumenten insbesondere beim neuen Personalausweis, gibt es bessere und sicherere Verschlüsselungsprotokolle. Dient der Pass nur in seiner Ausweisfunktionen wird nach dem BAC-Protokoll entschlüsselt, dazu müssen die MRC Daten optisch vom Ausweis gelesen werden um den Zugriff auf die Daten wie etwa die Personendaten und das digitale Lichtbild zu erlangen. Für die digitale Signatur wird das Pace-Protokoll verwendet das den sechsstelligen Pin des Besitzers zur Entschlüsselung erfordert. Zudem werden die Schlüssel per Zufall mit weiteren Kennungen generiert. Das Lesen der Daten wird so erschwert. Jedoch konnten einige Hacker die gängige Verschlüsselung der Chips umgehen. Das im Ausweis eingesetzte BAC-Protokoll lässt sich mit der Brute-Force Attacke teilweise in wenigen Tagen mit gängigen PCs umgehen. Damit käme man zwar nur an die Daten die auch auf dem Ausweis selbst ersichtlich sind, diese können aber schon einen großen Wert für Datensammelunternehmen darstellen.
Trotzdem kann festgehalten werden, dass die Angst vor dem "Schnüffelausweis" in der Hosentasche nicht berechtigt ist. Zumal selbst das BAC-Protokoll mit einigen Bits mehr, die Dauer der Entschlüsselung auf einige tausend Jahre heben würde. Viel schwerwiegender ist aber die Tatsache, dass durch die Behörde die biometrischen Daten direkt ohne Schlüssel ausgelesen werden können. Würden diese Zertifikate zur Entschlüsselung in die falschen Hände geraten, wären die Folgen nicht abzusehen. Dennoch wäre auch das Tracking und somit die Erstellung von Bewegungs-, Konsum- und Interessenprofilen grundsätzlich kein Sicherheitsproblem, da es für den Hacker extrem schwer ist an Signaturen zu gelangen, mit denen er auf die Konten des Inhabers zugreifen könnte. Doch die Möglichkeit des Trackings an sich verstößt schon gegen das Datenschutzgesetz und beeinflußt somit die Privatsphäre eines jeden Bürgers beträchtlich und das nicht nur in einem so harmlos erscheinenden Bereich wie dem der gekennzeichneten Lebensmittel.
4 Fazit
RFID wird in den nächsten Jahren das Leben in der Gesellschaft entscheidend verändern, so wie es auch zu großen Veränderungen durch das Internet oder das Mobiltelefon gekommen ist. Aufgrund der kompakten und günstige Bauweise wird RFID als neue Schlüsseltechnologie in vielen Bereichen vermehrt eingesetzt werden. Dabei fungiert die Technik als Verbindung zwischen der realen und der digitalen Welt.
Gegenstände bekommen quasi ein Gedächtnis, das mit Maschinen und Computern kontaktlos in Verbindung steht. RFID wird vieles im Leben vereinfachen und auf ein neues qualitatives Niveau heben. Ob in der Wirtschaft intelligente Computer in Verbindung mit Robotern und Maschinen ganze Logistik-Bereiche selbst verwalten, ob in Zukunft der Staat durch den Einsatz von RFID die innere Sicherheit erhöht und die Verwaltung in öffentlichen Einrichtungen und Ämtern verbessert wird oder ob die Technik beim Einkaufen durch mehr Information für bessere Produkttransparenz sorgt.
Das Potential dieser Technologie scheint enorm und aus heutiger Sicht sind zukünftige Einsatzgebiete nicht ab zu sehen. Doch Technologie birgt auch Risiken. Aufgrund der eindeutigen Identifizierung eines jeden Chips und der Übertragung der Informationen per Funk, lassen sich so unbemerkt die Daten von den Transpondern auslesen.
Die Politik ist gefordert, rechtzeitig die Initiative zu ergreifen, um mit einer gesetzlichen Regelung des Datenschutzes die Bürger in ihrer Lebensentfaltung zu fördern und ihre Rechte zu schützen.
Die Wirtschaft sollte das Vetrauen der Konsumenten nicht mißbrauchen um fragwürdige Marketinganaylsen zu betreiben, schließlich ist der Konsument ihr Kapital. Auf diese Weise würden alle Parteien von der Technologie profitieren um auch in Zukunft den Wohlstand und die Lebensqualität eines jeden Bürgers zu steigern.
5 Fußnoten
- ↑ Vgl. Finkenzeller (2008), S.1
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.33
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.33
- ↑ Vgl. Bögel (2007), S.162
- ↑ Vgl. Bögel (2007), S.162
- ↑ Vgl. Bögel (2007), S.162
- ↑ Vgl. Finkenzeller (2008), S.9
- ↑ Vgl. Bögel (2007), S.162
- ↑ Vgl. Bögel (2007), S.162
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.34
- ↑ Vgl. Finkenzeller (2008), S.9
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.34
- ↑ Vgl. Prof. Dr. Holznagel, Bonnekoh (2007), S.369
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.16
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.18
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.19
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.28
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.20
- ↑ Vgl. Dr. Wolfram (2007), S.312
- ↑ Vgl. Bögel (2007), S.158
- ↑ Vgl. Dr. Wolfram (2007), S.306
- ↑ Vgl. Dr. Wolfram (2007), S.306
- ↑ Vgl. Hellenschmidt, Wichert (2007), S.92
- ↑ Vgl. Dr. Wiegmink (2006), S.87
- ↑ Vgl. Dr. Wiegmink (2006), S.86
- ↑ Vgl. Dr. Wolfram (2007), S.309
- ↑ Vgl. Ahle(2007), S.333
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.126
- ↑ Vgl. Japs (2007), S.4
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.112
- ↑ Vgl. Krüger,Böckle (2007), S.274
- ↑ Vgl. Japs (2007), S.1
- ↑ Vgl. Dipl.-Ing. Greiner (2005), S.90
- ↑ Vgl. Staatskanzelei des Landes NRW(2007), S.11
- ↑ Vgl. Prof. Dr. Holznagel, Bonnekoh(2007), S.390
- ↑ Vgl. Finkenzeller(2008), S.434
- ↑ Vgl. Peters (2009), S.28
- ↑ Vgl. Japs (2007), S.15
- ↑ http://www.future-store.org/fsi-internet/get/documents/FSI/multimedia/pdfs/broschueren/WISSB_Publikationen_Broschueren_RFID-Innovation-Center-dt.pdf, S.29
- ↑ http://www.future-store.org/fsi-internet/get/documents/FSI/multimedia/pdfs/broschueren/WISSB_Publikationen_Broschueren_RFID-Innovation-Center-dt.pdf, S.29
- ↑ http://www.future-store.org/fsi-internet/get/documents/FSI/multimedia/pdfs/broschueren/WISSB_Publikationen_Broschueren_RFID-Innovation-Center-dt.pdf, S.31
- ↑ http://www.future-store.org/fsi-internet/get/documents/FSI/multimedia/pdfs/broschueren/WISSB_Publikationen_Broschueren_RFID-Innovation-Center-dt.pdf, S.23
- ↑ http://www.future-store.org/fsi-internet/html/de/1878/index.html
- ↑ http://www.future-store.org/fsi-internet/html/de/1954/index.html
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.122
- ↑ Vgl. Kern (2006), S.137
- ↑ http://www.zdnet.de/sicherheits_analysen_neuer_personalausweis_wo_die_wirklichen_gefahren_lauern_story-39001544-41533735-5.htm
- ↑ Vgl. Prof. Dr. Holznagel, Bonnekoh(2007), S.366
- ↑ Vgl. Prof. Dr. Holznagel, Bonnekoh(2007), S.367ff
6 Literatur- und Quellenverzeichnis
| Greiner(2005) | Dipl.-Ing. Greiner, Thomas: RFID in der Verkehrstelematik 1. Auflage, Norderstadt 2005 |
| Peters(2009) | Peters, Rolf: Der Deutsche Reisepass und der neue Deutsche Bundespersonalausweis 1. Auflage, Tecklenburg 2009 |
| Finkenzeller(2008) | Finkenzeller, Klaus: RFID Handbuch 5. Auflage, München 2008 |
| Kern(2006) | Kern, Christian: Anwendung von RFID-Systemen, Berlin 2006 |
| Bögel (2007) | Bögel, Gerd vom: Trechnologische Trends bei RFID-Systemen für den Einsatz im Internet der Dinge, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
| Prof. Dr. Holznagel, Bonnekoh (2007) | Prof. Dr. Holznagel, Bernd; Bonnekoh, Mareike: Rechtliche Dimensionen der Radio Frequency Identification, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
| Prof. Dr. Wolfram (2007) | Dr. Wolfram, Gerd: RFID - Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Handels, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
| Hellenschmidt, Wichert (2007) | Hellenschmidt,Michael; Wichert,Reiner: Selbstorganisation: Dinge in eigenverantwortlicher Kooperation - eine Systemanalyse, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
| Ahle (2007) | Ahle, Ulrich: Selbstorganisation: Dinge in eigenverantwortlicher Kooperation - eine Systemanalyse, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
| Dr. Wiegmink (2006) | Dr. Wiegmink, Gerrit: RFID in der Logistik, in: Ebersprächer, Jörg; Reden, Wolf von: Umhegt oder Abhängig, Berlin 2006 |
| Japs (2007) | Japs, Simon: Marktübersicht und politisches Umfeld, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
| Krüger, Böckle (2007) | Krüger, Markus; Böckle, Michael: Kühlketten lückenlos online überwachen - Intelligente Sendungsverfolgung schließt Lücke bei unternehmensübergreifenden Transportprozessen, in: Bullinger, Hans-Jörg;Hompel,Michael ten: Internet der Dinge, Berlin 2007 |
7 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| z.B. | zum Beispiel |
8 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung |
|---|---|
| 1 | RFID als Auszeichnungsetikett der Zukunft |
| 2 | Aufbau eines RFID-Systems |
| 3 | Aktuelle Auto-ID Systeme |
| 4 | Einsatz von RFID in der Logistik |
| 5 | Erfassen von RFID-Tags im Wareneingang |
| 6 | Einsatz von RFID bei der Straßennutzungserfassung |
| 7 | RFID-Chips zur Steigerung der Sicherheit von den neuen Europäischen Reisepässen |
| 8 | Der Futurestore der Metro Group um RFID den Kunden nahe zu bringen |
| 9 | Informationsdisplays in den Spiegeln der Umkleidekabine |
| 10 | Aufladbare Bahntickets mittels RFID in Tokio |
| 11 | RFID-Chips in den Fussball-WM Tickets 2006 |
| 12 | "Stop-RFID" Logo der FoeBuD |
| 13 | Intelligenter Kühlschrank erfasst RFID-Chips der Lebensmittel und liefert die Informationen auf dem Display |
| 14 | Der neue Personalausweis kommt ab November 2010 mit RFID-Chips |


