RFID im Grosshandel
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1 Großhandel
Der Großhandel bildet das Bindeglied zwischen dem Hersteller und dem Einzelhandel. Gemeinsam mit dem Einzelhandel übernimmt er den Vertrieb für den Hersteller. Kennzeichen des Großhandels ist, dass er die Güter, die er vom Hersteller erwirbt, nicht eigenständig verarbeitet, sondern in der Regel an verschiedene Einzelhändler, Gastgewerbe, nachgelagerte oder regionale Großhändler, weiterverarbeitende, gewerbliche und industrielle Betriebe weiterverkauft.[1]
1.1 Funktionen des Großhandels
Die Funktionen des Großhandels gliedern sich in eine große Anzahl von Vermittlungs und Überbrückungsfunktionen. Zum einen trägt er zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung bei, indem er eine Verbindung zwischen den Anbietern mit vielen Abnehmern aufbaut und somit die Schnittstellen reduziert. Des Weiteren kann der Großhandel durch seine Nähe zum Markt und seine Produkterfahrung auf die Produktgestaltung Einfluss nehmen.[2]
Durch die Übernahme der Steuerung der Logistik ist der Großhändler für die Abstimmung des Informations- und Warenflusses zwischen Anbieter und Abnehmer verantwortlich. Zudem trägt der Großhandel viele Risiken, die sich von der Lagerhaltung über den Transport sowie Preis und Qualität erstrecken, dadurch dass er die Ware beim Anbieter abnimmt und bezahlt, selber zwischenlagert und teilweise auch ausliefert.[3]
1.2 Struktur des Großhandels
Der Großhandel lässt sich in die folgenden sechs wichtigsten Ausprägungen einteilen.
Sortimentsgroßhandel
- Der Sortimentsgroßhandel bietet in der Regel für eine bestimmte Branche ein breites und
- umfangreiches Spektrum an verschiedenen Warengruppen, die aber den Bedarf
- einer Branche vollständig abdecken.[4]
Spezialgroßhandel
- Das Sortiment des Spezialgroßhandels umfasst nur eine geringe Auswahl von
- Warengruppen, die wiederum sehr umfangreich und tief gegliedert angeboten werden.[5]
Zustellgroßhandel
- Zustellgroßhandel bedeutet, die Waren werden mit eigenen Fahrzeugen oder durch eine
- beauftragte Spedition direkt an den Kunden geliefert.[6]
Abholgroßhandel
- Im Abholgroßhandel bekommt der Kunde die Möglichkeit, die Ware im Großhandel
- selbst auszuwählen und abzuholen, was für den Großhändler bedeutet, das eine ständige
- Auswahl an Waren im Verkaufslager sowie ausreichendes Servicepersonal vorhanden
- sein muss. Die verbreitetste Art dieses Selbstbedienungsgroßhandels ist der sogenannte
- Cash-and-carry Großhandel.[7]
Streckengroßhandel
- Der Streckengroßhandel zeichnet sich dadurch aus, dass er eine reine
- Vermittlungsfunktion zwischen Anbietern und Nachfragern zur Verfügung stellt, ohne
- die Ware selber zu lagern. Er übernimmt das Risiko, die gehandelte Ware zu erwerben,
- ohne jedoch in den physischen Besitz zu kommen und liefert die Ware in der Regel vom
- Hersteller direkt zum Abnehmer.[8]
Regalgroßhandel (Rack-Jobber)
- Beim Regalgroßhandel wird dem Großhändler im Einzelhandelsbetrieb eine
- Regalfläche zur Verfügung gestellt, für die er eigenständig verantwortlich ist. Der
- Einzelhändler erhält für die Bereitstellung der Verkaufsfläche eine Vergütung bzw.
- Mietgebühr vom Großhändler.[9]
2 Grundlegende Optimierungsansätze für den Großhandel
Durch den Einsatz der RFID Technologie können Logistikprozesse aus den Bereichen Akquisitionswesen, Beschaffungswesen und Distributionswesen optimiert, automatisiert oder konsolidiert werden, welche nachfolgend in den in den Unterkapiteln 2.1, 2.2 und 2.3 aufgeschlüsselt werden.
2.1 Akquisitionsprozesse
Die Akquisitionsprozesse beinhalten alle Aktivitäten eines Großhandels, um Kundenanfragen entgegen zu nehmen und in einem Kaufvertrag zu münden.
| Prozessschritt | Beschreibung | Aufgaben |
|---|---|---|
| Auftragsklärung | Klärung der Liefermöglichkeiten | kaufmännisch/technisch: Beschaffung, Vormaterial, Verfügbarkeit, Lieferzeit und Kapazitäten |
| Auftragsannahme und Bestätigung | Transportvorbereitungen
und -steuerung | Vereinbarungen, Auftragsbestätigung bzw. Lieferungen, Reservierungen |
Tabelle 1: Akquisitionsprozesse im Großhandel[10]
2.2 Beschaffungsprozesse
Die Beschaffungsprozesse beschreiben alle logistischen Arbeitsabläufe des Großhandels von der Kundenanfrage bis zur Warenbereitstellung.
| Prozessschritt | Beschreibung | Aufgaben |
|---|---|---|
| Bedarfsermittlung | Ermittlung des Bedarfs an Stoffen, Komponenten und Erzeugnisse | MRP-Systeme, Programm- und Auftragsauflösung, Disposition, Bestellvorschläge |
| Bestandsplanung | Planung der Vorräte und Sicherheitsbestände | Bestandsführung, Fehlteilmanagement, Auffüllstrategien |
| Bestellabwicklung | Bestellungen und Abrufe erteilen und überwachen | Bestellverfahren, Terminüberwachung, Bestelländerungen |
| Optimierung | Versorgung, Konditionen, Prozesse, Kosten, Vorräte | Versorgungssicherung, Total Cost of Ownership Ansatz, Bestandoptimierung, Liefererleistungsbewertung |
Tabelle 2: Beschaffungsprozesse im Großhandel[11]
2.3 Distributionsprozesse
Sobald die Ware bereitgestellt wurde, kommen die Distributionsprozesse des Großhandels zur Anwendung.
| Prozessschritt | Beschreibung | Aufgaben |
|---|---|---|
| Fertigwarenlagerung | sachgerechte Bevorratung, Zwischenlagerung, Kommissionierung, Zu- und Abgangsbuchungen | Lagerung, Verteilung, Pflege, Schutz, Inventuren |
| Versand | Transportvorbereitungen und -steuerung | Belegerstellung, Ladungsoptimierung, Streckenoptimierung, Tourenplanung, Verpackung |
| Transport | Ausführung der Transporte und Umschläge | Bereitstellung, Sammlung, Transport, Laden und Entladen |
| Optimierung | Vorräte, Flächen/Raum, Umschlag, Kommissionierung, Kosten, Transporte | Lieferbereitschaft, Lagerplatzsysteme, Lagerbewegungen, First in First out Prinzip, Lagerbelegung, Auffüllstrategien, Ladungsoptimierung Bestandoptimierung, Liefererleistungsbewertung |
Tabelle 3: Distributionsprozesse im Großhandel[12]
2.4 Optimierungspotentiale auf Prozessebene
Aus den oben gelisteten Logistikprozessen lassen sich Optimierungsziele formulieren, die durch den RFID Einsatz erreicht werden sollen. Aus den Prozessen abgeleitet, können Optimierungen im Bereich der Materialverfolgung, Behältermanagement und Betriebshofmanagement erzielt werden.
| Aufgaben/Lösungen | Nutzen/Vorteile |
|---|---|
| Materialerfassung | Erhöhte Datenqualität |
| Verwaltung der Materialanforderungen | Reduzierung der Erfassungsfehler |
| Kommissionierung | Vermeidung von Abstimmungsvorgängen |
| Kontrollen | nachvollziehbare Materialverwendung |
| Datenmanagement | schneller Umschlag |
| Überwachung/Monitoring | Zeitnahes Reporting und Erhöhung der Transparenz |
Tabelle 4: Anwendungsmöglichkeiten von RFID bei der Materialverfolgung[13]
| Aufgaben/Lösungen | Nutzen/Vorteile |
|---|---|
| Behälteridentifikation | optimierte Ausnutzung |
| Datenverknüpfung mit Warenflüssen | zuverlässige Bedarfsermittlung |
| Überwachung und Benachrichtigung | Vermeidung von Störungen und Irrläufern |
| Auswertungen mit Kennzahlen | automatische Abrechnung |
Tabelle 5: Anwendungsmöglichkeiten von RFID im Behältermanagement[14]
| Aufgaben/Lösungen | Nutzen/Vorteile |
|---|---|
| Fahrzeugidentifikation | optimierte Disposition |
| Fahrzeugabfertigung | weniger Bestandsaufnahmen |
| Auftragsdisposition | Beschleunigte Beladungen und Entladungen |
| Kostenerfassung | automatische Zugangskontrolle |
| Fuhrparkauslastungsoptimierung | Wartungsmanagement, optimale Ressourcenausnutzung |
| Zentrales Datenmanagement | Verbesserung der Datenqualität und des Reportings |
Tabelle 6: Anwendungsmöglichkeiten von RFID im Betriebshofmanagement[15]
3 RFID in der praktischen Anwendung
3.1 Anwendungsbeispiele der RFID Technologie in der Praxis
Die Anwendung der RFID Technologie wird derzeit vor allem von großen Handelsketten getestet, weil sich diese Vorteile z.B. bei der Warenlagerung und -verwaltung davon versprechen. Dies waren z.B. Benetton, Wal-Mart, Tchibo und Metro.[16] Wal-Mart hat seine 100 größten Zulieferer dazu verpflichtet, RFID Transponder auf den Kartons und Paletten anzubringen, die an Wal-Mart geliefert werden. Allein durch diese Testphase wurden 250 Millionen USD in die RFID Technologie investiert. Aufgrund der Testprojekte, die diese Großunternehmen durchgeführt haben, wurden bis heute laut Schätzungen rund 60.000 Zulieferunternehmen mit der RFID Technologie in Verbindung gebracht.[17] Metro ist nach eigenen Angaben der größte Handelskonzern der Welt. In Deutschland gehören dazu Handelsketten wie Media Markt, Saturn, real, extra, Praktiker und Galeria Kaufhof.[18] Die Initiative von Metro zur Einführung der RFID Technologie wurde in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit verfolgt und Metro hat seine Schritte zur RFID Einführung öffentlich kommuniziert. Daher wird in den folgenden Kapiteln die RFID Einführung und Anwendung innerhalb des Metro Konzerns betrachtet.
3.2 Einführung der RFID Technologie beim Metro Konzern
Im Sommer 2002 gründete der Metro Konzern gemeinsam mit SAP und Intel die Future Store Initiative und befasste sich seitdem intensiv mit der RFID Technologie.[19] Am 28. April 2003 eröffnete der Metro Konzern den sogenannten Extra-Future-Store in Rheinberg bei Duisburg, in dem Einsatzmöglichkeiten der RFID Technologie im realen Handelsalltag getestet werden sollten.[20] Für diesen Livetest der RFID Technologieanwendung im Extra-Future-Store erhält der Metro Konzern am 24.10.2003 den BigBrother Award, den Datenschutz-Negativ-Preis. Die Datenschützer kritisierten den Einsatz der RFID Transponder und wiesen auf die Risiken für Kunden hin.[21]
Anfang 2004 hat Metro Kundenkarten mit RFID Chips versehen und diese an die Kunden des Future-Stores ausgegeben. Allerdings hat Metro die Kunden nicht über die Anwendung der RFID Transponder informiert, was bei den Datenschützern der FoeBuD und CASPIAN negativ aufgefallen ist. Metro war der erste Händler, bei dem in den Kundenkarten ein RFID Chip entdeckt wurde. „Kein Händler weltweit hat bisher zugegeben, dass er seine Kundenkarten mit einem RFID Chip ausgestattet hat. Denn dadurch sind die ausgelesenen Daten eindeutig mit einer Person, die Ware und Karte trägt, verknüpfbar.“[22] Die Datenschützer von FoeBuD warnen davor, dass so z.B. ausspioniert werden kann, „wer was wann und wo gekauft oder auch nur in die Hand genommen hat, wer vor welchem Regal wie lange stehen geblieben ist usw.“[23] Mit dem Auslesen der RFID Chips in der Karte können Kunden bereits beim Betreten des Geschäfts eindeutig identifiziert werden. Es können bspw. individuell zugeschnittene Sonderangebote auf den Werbetafeln eingeblendet, kundenspezifische Sonderangebote auf den digitalen Preisschildern angebracht oder Preise für bestimmte Kunden verteuert werden.[24]
Nachdem Datenschutzorganisationen aufgedeckt haben, dass die Kundenkarten des Future-Stores mit RFID Chips ausgestattet waren und diese ohne ausreichende Information an die Kunden ausgegeben wurden, wurde zu Demonstrationen und Protesten aufgerufen. Dies hat den Metro Konzern dazu veranlasst, die Kundenkarten zurückzuziehen, den Kunden neue Kundenkarten mit Barcode und somit ohne RFID Transponder auszugeben. Nach Angaben von Metro waren bereits 10.000 Karten mit RFID Chips im Umlauf.[25] Im Juli 2004 hat der Metro Konzern das RFID Innovation Center in Neuss gegründet, in dem Handelspartner und interessierte Kunden Anlagen aus den Bereichen Kommissionierung, Lagermanagement, Kaufhaus, Verbrauchermarkt und privater Haushalt im praxisnahen Einsatz testen können.[26]
Seit November 2004 verwendet Metro auf Paletten in ausgewählten Lagern und Märkten der Sparten Metro Cash&Carry, Real sowie Galeria Kaufhof die RFID Technologie. Zu diesem Zeitpunkt haben 30 und bis Ende 2005 35 Handelspartner des Metro Konzerns, darunter internationale Konzerne wie Procter&Gamble, Johnson&Johnson, Esprit, Nestlé, Kraft Foods und Gillette, ihre Lieferungen auf den Paletten mit RFID Transpondern ausgestattet, da diese erste Phase der RFID Einführung vor allem in der Logistik und dem Lagermanagement angesiedelt war.[27] In den Metro Group Distribution Logistics Lagern wurden die auf den passiven Funketiketten enthaltenen Informationen ausgelesen und somit Tests bezüglich der Leseraten vorgenommen. Ziel des Metro Konzerns war es damals, nach einem erfolgreichen Start mit 30 Lieferanten den RFID Einsatz bis Anfang 2006 auf die 300 wichtigsten Lieferanten auszuweiten.[28]
Nach Einführung von RFID in der Prozesskette hat der Metro Konzern Prozesserfolgsraten von mehr als 90 Prozent bekannt gegeben.[29] Einer Studie zufolge, die zwischen 2003 und 2005 von Metro Group, Procter&Gamble und IBM durchgeführt wurde, konnte eine Zeitersparnis beim Abgleich zwischen dem Auftrag und dem elektronischen Lieferavis festgestellt werden, die zu Kosteneinsparungen von bis zu 2,84 Euro pro Lieferschein führen würde. Außerdem wurden reduzierte Transportkosten, wie z.B. verkürzte Wartezeiten von Lkws infolge schnellerer Bearbeitung, in der Studie ausgewiesen, die mit bis zu 5,70 Euro pro Lieferschein veranschlagt wurden. Es wurden zusätzlich reduzierte Lager- und Personalkosten aufgeführt, da ein besserer Überblick über die vorhandenen Produkte möglich war.[30]
Seit März 2005 hat Metro zunächst im RFID Innovation Center und ab Frühjahr 2006 in ausgewählten Lagern RFID Transponder der zweiten Generation getestet. Während einer Übergangszeit wurde sichergestellt, dass sowohl der alte Standard wie auch die Chips der zweiten Generation parallel verarbeitet werden konnten.[31] Seit Juli 2006 hat Metro ausschließlich den neuen Transponderstandard EPCglobal Class 1 / Generation 2 eingesetzt. Mit Hilfe dieser zweiten Generation von Transpondern sollen RFID Chips in Zukunft auch auf Kartons eingesetzt werden.[32] In Tests hat der Metro Konzern nach eigenen Angaben herausgefunden, dass auch bei schwierigen Produkten mit Hilfe der neuen Chips gute Leseergebnisse von mehr als 90 Prozent erzielt werden konnten.[33] Im Jahr 2007 hat der Metro Konzern alle Metro Cash&Carry-Großmärkte in Deutschland sowie mehr als 100 Real Märkte mit RFID-gestützter Wareneingangserfassung ausgerüstet. Damit sollen diese Sparten des Metro Konzerns ab Ende 2007 die meisten Lieferungen beim Wareneingang automatisch erfassen und weiterverarbeiten können. Außerdem wurden 9 MGL Lager mit RFID ausgestattet.[34]
Seit September 2007 wurde im Rahmen eines Pilotprojektes zusätzlich zu den normalen Etiketten in der Essener Filiale des Galeria Kaufhof RFID Etiketten auf annähernd 30.000 Artikeln der Herrenoberbekleidung eingesetzt.[35] Da eine erfolgreiche Umsetzung und Nutzung der RFID Technologie im Metro Konzern von der Unterstützung der Lieferanten abhängt, veranstaltet Metro in regelmäßigen Abständen Fachkongresse sowie Schulungen und bietet eine umfassende Unterstützung bei der Einführung von RFID in Zulieferbetrieben an. Bis Januar 2007 nahmen bereits 50 Lieferanten an Tests und der Umsetzung von RFID in der Prozesskette teil. Um weitere Lieferanten zum Einsatz von RFID zu bewegen, nutzt Metro nicht nur seine Marktführerschaft, sondern bietet Unternehmen auch sogenannte Starter Kits in verschiedenen Varianten an. Diese umfassen z.B. Hard- und Software sowie Serviceleistungen in unterschiedlichen Ausprägungen.[36]
Auch international hat der Metro Konzern bereits RFID bei Handelspartnern eingeführt. Mit Hilfe des Advanced Logistics Asia Projekts (ALA) soll in Zukunft der Weg von Produkten aus China nach Deutschland besser nachvollzogen werden können und eine Transparenz für Unternehmen und Verbraucher über die Prozesskette liefern. Seit Juni 2007 statten 30 chinesische Lieferanten von Metro ihre Produkte mit RFID Chips aus.[37] Nach eigener Aussage strebt der Metro Konzern eine komplette Automatisierung der Prozessvorgänge beim Warenein- und -ausgang in spätestens 15 Jahren an.[38]
3.3 Anwendungsbeispiele der RFID Technologie in der Praxis
Bisher wird RFID nur in Teilen der Warenprozesskette, meist in der Logistik sowie dem Lager- und Bestandsmanagement, eingesetzt. Es wird jedoch angestrebt, dass in Zukunft die komplette Prozesskette mit RFID kontrolliert, vereinfacht und beschleunigt wird. Dieser angestrebte Einsatz der RFID-Technologie entlang der Prozesskette wird in Abbildung 1 dargestellt. So sollen die Hersteller ihre Produkte auf Kartons und Paletten mit RFID Transpondern ausstatten. Wenn die Produkte am Warenausgang auf Lkws verladen werden, werden die Waren durch angebrachte RFID Lesegeräte automatisch erfasst und die Daten an das Warenwirtschaftsystem übermittelt, wo überprüft wird, ob die ausgelesenen Daten der Produkte mit den bestellten Waren übereinstimmen. Nach dem Abgleich der kommissionierten Ware mit der Bestellung wird diese für den Transport freigegeben. Die Daten der versandten Waren werden vom Hersteller an das Warenwirtschaftssystem des Händlers übermittelt. Lesegeräte auf den Lkws kontrollieren die Waren während des Transports zum Distributionslager. Dort angekommen werden beim Wareneingang die Informationen auf den Paletten und Kartons mittels RFID Lesegeräten automatisch erfasst, so dass anschließend eine Verteilung der Waren nach Zielorten vorgenommen werden kann. Mit RFID ausgestattete Gabelstapler und Hochregale ermöglichen eine eindeutige Platzierung der Versandeinheiten im Lager.
Am Warenausgang des Distributionslagers findet erneut eine automatische Erfassung der kommissionierten Ware und ein Abgleich mit den zu versendenden Waren statt. Eine fehlerhafte Versendung von Produkten wird somit ausgeschlossen. Die Informationen werden anschließend an das Warenwirtschaftssystem des Marktes gesendet, der die Waren bestellt hat. Beim Entladen des Lkws am Wareneingang des Marktes werden die Kartons und Paletten erneut mittels RFID Lesegeräten erfasst und die Informationen mit den übermittelten Daten des Distributionslagers sowie mit der Bestellung verglichen. Auch in diesem Lager vereinfachen mit RFID ausgestattete Gabelstapler und Hochregale die Platzierung und Wiederauffindung der Waren. Die Mitarbeiter können somit die Waren schnell und genau lokalisieren und anschließend in den Verkaufsraum bringen. Beim Herausnehmen der Waren aus dem Lager sowie der Platzierung und dem anschließenden Verkauf der Waren wird eine automatische Inventur vorgenommen, so dass eine Verfügbarkeitskontrolle sowie eine Warensicherung bzw. eine Kontrolle von eventuellen Diebstählen möglich ist.[40]
Das bisher eher allgemein gehaltene Anwendungsbeispiel kann aber auch, wie in Abbildung 2 dargestellt, anhand des Advanced Logistics Asia Projektes des Metro Konzerns erläutert werden. Das ALA Projekt sieht den Einsatz der RFID Technologie entlang der Prozesskette für Produkte vor, die für den Metro Konzern von China nach Deutschland transportiert werden. Anhand dieses Beispiels kann die Anwendung der RFID Technologie im Großhandel und die damit erfolgte hilfreiche Unterstützung bei der Erfassung der zu versendenden Waren aufgezeigt werden.
Die chinesischen Lieferanten können ihre Waren selbst mit RFID Transpondern ausstatten und die Waren anschließend direkt zum Hafen liefern. Alternativ bringen sie die Waren zu einem Logistikdienstleister, der die Waren mit RFID Transpondern ausstattet und die Versendung der Waren koordiniert. Die einzelnen Kartons werden dabei mit passiven RFID Transpondern versehen, die beim Warenausgang von Lesegeräten erfasst und ausgelesen werden. Die Warenkartons werden anschließend in einen Transportcontainer verladen, der wiederum mit aktiven RFID Transpondern versehen ist. Die am Container befestigten RFID Chips werden sowohl beim Beladen des Schiffes als auch beim Umladen und anschließenden Ausladen gelesen und erfasst. Nach dem Ausladen der Container vom Schiff werden die Waren mit Lkws zu den jeweiligen Distributionslagern des Metro Konzerns gebracht. Am Wareneingang werden die auf den Lkws befindlichen Container und die enthaltenen Waren automatisch erfasst und auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüft. Mit diesem Projekt testet der Metro Konzern den Einsatz von aktiven und passiven RFID Transpondern im internationalen Handel und die Anwendungs- und Verbesserungsmöglichkeiten durch RFID in der Logistik und der Lagerverwaltung.[42]
4 Bewertung der RFID Technologie für den Großhandel
Die RFID Technologie wird heutzutage vor allem in der Logistik und im Lagermanagement eingesetzt. Hier konnte die Einführung von RFID frühzeitig vorgenommen und ungehindert die Möglichkeiten von RFID getestet werden.[43] Doch auch darüber hinaus wurden Überlegungen angestellt, welche Möglichkeiten und Risiken mit der RFID Technologie verbunden sind.
4.1 Möglichkeiten der RFID Technologie
Handelsunternehmen sehen in der RFID Technologie hauptsächlich die Vorteile und Möglichkeiten, die ihnen diese Technologie bietet. So wäre es problemlos möglich, Produkte in Echtzeit zu verfolgen, die Regale immer rechtzeitig aufzufüllen und immer zu wissen, was in den Lagern vorhanden ist. Industrieunternehmen erforschen auch, ob es mit dieser Technologie möglich wäre, Diebstähle und Produktfälschungen, unter denen derzeit viele Unternehmen leiden, zu verhindern.[44] Durch den Einsatz von RFID können Logistikprozesse vereinfacht und beschleunigt werden. Außerdem erhofft man sich Verbesserungen im Bereich der Qualitätssicherung.[45] Der Großhandel profitiert ebenfalls durch einen verbesserten Überblick über die Prozesskette und kann leichter nachvollziehen, über welche Wege und innerhalb welcher Zeiträume das Produkt vom Hersteller über Zwischenlager bis in den Vertrieb oder in die Verkaufsräume des Handels gelangt ist. Mit Hilfe von RFID kann der Warenein- und -ausgang schnell und unkompliziert abgewickelt, somit ein verbessertes Lagervolumen erreicht und bei Inventuren in kürzester Zeit ein aktueller Überblick über den Lagerbestand erzeugt werden. Fehllieferungen können nahezu verhindert bzw. effizienter vorgebeugt und erkannt werden.[46] Mit Hilfe von RFID können auch eventuelle Produktrückrufaktionen verbessert werden. Da mit Hilfe von RFID Transpondern jede Palette, jeder Karton oder jedes einzelne Produkt eindeutig identifiziert werden kann, wäre es somit möglich, fehlerhafte Produkte zu erkennen, ihren Aufenthaltsort in der Prozesskette herauszufinden und diese anschließend gezielt aus dem Umlauf zu nehmen.[47]
Über die Einsatzmöglichkeiten und deren Vorteile im Großhandel hinaus bietet die RFID Technologie auch Vorteile für den in der Handelskette nachgelagerten Einzelhandel und letztendlich auch für den Kunden. Die bereits durch den Großhandel etikettierten Waren kann der Einzelhandel nutzen und seine Warenversorgung und somit die Verfügbarkeit der Produkte verbessern. Hierzu gibt das EDV-System des Einzelhandels eine Meldung heraus, wenn der Produktbestand im Lager der Filiale den festgelegten Mindestbestand erreicht hat. Der Einzelhandel wird aufgrund dieser Meldung eine Bestellung veranlassen und in Kürze neue Ware in den Verkaufsregalen vorhanden sein. Aber nicht nur die Bestellung neuer Waren könnte sich verbessern, sondern auch die Ausstattung im Verbrauchermarkt. Denn RFID Chips könnten an die Mitarbeiter eine Meldung herausgeben, bei welchen Produkten das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, so dass dem Kunden nur frische Lebensmittel angeboten werden.[48] Darüber hinaus gibt es viele Anwendungsbeispiele außerhalb der Industrie und des Handels, bei denen bereits heutzutage RFID Chips eingesetzt werden, z.B. bei Eintrittskarten, Reisepässen, Flugtickets und in der Tierkennzeichnung.[49]
4.2 Risikien der RFID Technologie
Im Zusammenhang mit der RFID Technologie sind viele verschiedene Bedrohungsszenarien vorstellbar, da diese Technik eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten bietet. Die meisten dieser Szenarien werden allerdings im Zusammenhang mit der Verwendung von RFID Chips im Endverbraucherbereich aufgestellt, da dort die Datenschutzrichtlinien durch RFID verletzt werden könnten.[50] In Verbindung mit dem Großhandel, der die RFID Technologie vorwiegend nur auf Paletten und Umverpackungen verwendet, sind im Zusammenhang mit dem Datenschutz keine Einschränkungen zu erwarten. Da im Großhandel die RFID Chips bisher vorwiegend in der Logistik und im Lagermanagement eingesetzt wurden, und somit die Verbraucher beim Einkaufen damit nicht konfrontiert wurden, ist der Einsatz dieser neuen Technologie datenschutzrechtlich nicht relevant. Enthält der RFID Chip keine personenbezogenen Daten und werden die auf dem Chip enthaltenen Produktdaten nicht mit personenbezogenen Daten verknüpft, finden die Datenschutzgesetze keine Anwendung.[51] Das Datenschutzgesetz hat die Aufgabe, die Privatsphäre von Personen vor dem Datenmissbrauch durch Dritte zu schützen. Unternehmen dürfen grundsätzlich keine personenbezogenen Daten speichern oder verarbeiten, außer wenn die Person der Verarbeitung ausdrücklich zugestimmt hat. Wenn die Speicherung personenbezogener Daten erforderlich ist, müssen diese Daten für den Betroffenen nachvollziehbar erhoben werden und er muss jederzeit die Möglichkeit haben, der Speicherung und Verarbeitung der Daten zu widersprechen.[52] Um diesen Anforderungen nachzukommen, setzen die Unternehmen auf Information und Aufklärung und wollen u.a. Waren, die mit einem RFID Chip versehen sind, mit einem EPC-Warenlogo, also einem Logo für den elektronischen Produktcode, versehen, welches von der EPCglobal Inc. entwickelt wurde.[53]
Doch verschiedene Datenschutzgruppen sehen in der zunehmenden Verbreitung von RFID eine Gefahr für die Privatsphäre der Bürger und erhebliche Kollissionsgefahr mit den Datenschutzgesetzen.[54] Da RFID Chips von außen nicht erkennbar sind sowie aufgrund der Funkübertragung und der damit kontaktlosen Lesemöglichkeit, äußern viele Datenschutzgruppen die Bedenken, dass Unternehmen nicht verantwortungsvoll mit dieser neuen Technologie umgehen würden und diese rechtswidrig, z.B. beim versteckten Anbringen von RFID Etiketten und versteckten Lesegeräten. Aber nicht nur die verdeckte Sammlung von Daten, sondern die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von RFID, geben aus datenschutzrechtlicher Sicht Anlass zur Sorge, wie z.B. die Lokalisierung von Personen in Geschäften oder an öffentlichen Plätzen, der Erstellung von Kundenprofilen durch Beobachtung des Kaufverhaltens, das Auslesen von Informationen über gerade getragene Kleidungsstücke oder mitgeführte Accessoires und den Tascheninhalt.[55] Nach der Entwicklung von waschbaren RFID Chips ist die Verwendung von solchen Chips, eingenäht in Kleidungsstücken, technisch möglich. Durch diese technischen Möglichkeiten sehen Datenschützer eine weitere Beeinträchtigung der Privatsphäre der Bürger und Endverbraucher.[56]
Aber es werden nicht nur Risiken für den Endverbraucher einer mit RFID ausgestatteten Ware gesehen, sondern auch für die Industrie und den Handel. Denn es ist derzeit nicht auszuschließen, dass mittels einer Umprogrammierung eines De-Activators die Daten der RFID Chips im Geschäft gelöscht oder als bezahlt gekennzeichnet werden könnten. Um einen solchen Schaden anzurichten, müsste der Täter die Datenstruktur des eingesetzten RFID Systems kennen. Doch derzeit ist die Rechenleistung von RFID Chips noch nicht für die Anwendung eines verschlüsselten Zugangsschutzes ausreichend.[57] Nicht nur Datenschutzvereine warnen vor den Einsatzmöglichkeiten von RFID Chips, sondern auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, äußerte, dass[58] „RFID-Chips nur so gestaltet werden dürften, dass der Nutzer den Inhalt auslesen und die Sendefunktion deaktivieren kann. Technische Systeme müssen so gestaltet werden, dass eine heimliche Überwachung der Nutzer unterbleibt.“[59]
5 Fazit
RFID bietet Unternehmen und Institutionen die Möglichkeit, Vorgänge und Prozesse einfacher und effizienter zu gestalten. Im Gegensatz zu klassischen Barcodesystemen können die Informationen aus RFID Tags kontaktlos ohne Sichtverbindung eingelesen werden. Dem Großhandel wird es so möglich, alle Produkte auf z.B. einer Palette durch einen einzigen Lesevorgang auf einmal zu erfassen. Auch in der Lagerverwaltung beschleunigt das automatisierte Auslesen die Arbeitsabläufe und reduziert ebenfalls den Aufwand. Zusammen mit einer elektronischen Weiterverarbeitung und Übermittlung der Informationen an den Einzelhandel bildet dies einen weitgehend automatisierten und rationalisierten Prozess. Aus diesen Gründen haben der Metro Konzern und andere große Handelsunternehmen RFID eingeführt und den Einsatz in den letzten Jahren stark forciert. Im Rahmen einer Studie ließ der Metro Konzern die Wirtschaftlichkeit des RFID Einsatzes prüfen, mit dem Ergebnis, dass durch schnellere Verarbeitung und geringeren Arbeitsaufwand der Mitarbeiter Kosteneinsparungen erzielt werden konnten. Die sinkenden Preise für Transponder steigern zusätzlich die Attraktivität von RFID Systemen für Unternehmen.
In jüngster Zeit äußerten immer mehr Datenschützer Bedenken, ob durch die Datenspeicherung in RFID Chips die Privatsphäre der Bürger weiterhin gewahrt ist und keine Datenschutzrichtlinie verletzt wird. Da der Großhandel im RFID Transponder keine personenbezogenen Daten speichert, verstößt der Großhandel nicht gegen das Datenschutzgesetz und hat diesbezüglich nicht mit Konsequenzen zu rechnen. Aus diesen Gründen wird RFID bereits heute in vielen Bereichen im Großhandel eingesetzt. Im weiteren Verlauf der Handelskette profitiert auch der Einzelhandel, indem er die bereits auf den Waren befindlichen RFID Transponder für seine eigene elektronische Weiterverarbeitung nutzt. Es ist davon auszugehen, dass zukünftig durch die zunehmende Verbreitung der Preis für RFID Tags weiter sinkt. Ein Einsatz auf immer mehr Produkten wird wirtschaftlich und es stehen zunehmend Informationen über diese zur Verfügung. Die zusätzlichen Informationen und die sinkenden Preise machen den Einsatz für immer mehr Teilnehmer der Handelskette interessant, so dass letztendlich der RFID Tag die gesamte Handelskette durchdringen wird.
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