RFID im Warenfluss

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Eine Ware durchläuft in ihrem Lebenszyklus von der Anlieferung der Bestandteile bis zum Verkauf an den Endverbraucher mehrere Stationen. Dieser Warenfluss wird von einem enormen inner- und überbetrieblichen Informations- und Geldfluss begleitet. Dabei soll das Supply Chain Management diese Flüsse durch Kooperation zwischen den teilnehmenden Unternehmen möglichst effizient und kostengünstig abwickeln lassen.[1] Der Einsatz von RFID zur Identifikation der Waren soll diesen Wertschöpfungsprozess unterstützen und beschleunigen.

Um den Einsatz der RFID optimal planen zu können, muss zunächst der Warenfluss und die zugehörige Prozesse detailliert betrachtet werden. Obwohl nicht nur der innerbetriebliche, sondern auch der überbetrieblicher Bereich in Betracht gezogen werden sollte. Dies sollte anhand einer typischen Wertschöpfungskette verdeutlicht werden. Die folgende Abbildung zeigt vereinfacht dargestellt den Warenfluss in der Supply Chain zwischen einem Industrieunternehmen und einem Einzelhandelsgeschäft.

Abbildung 1: Warenfluss in der Supply Chain[2]

Die vom Industrieunternehmen produzierten Güter werden entsprechend verpackt an einen Logistikdienstleister übergeben. Dieser transportiert die Güter zu den einzelnen Verteilungszentren. Dort werden die Güter kommissioniert und durch den gleichen oder weiteren Logistikpartner an die zu versorgende Einzelhandelsgeschäfte verteilt. Innerhalb dieser Supply Chain erfolgt eine Verknüpfung von transformierenden bzw. transferierenden Kernprozessen. Diese Prozesse können wie folgt aufteilt und mit der RFID-Technologie verbunden werden:[3]


Produktions- und Montageprozesse

Bei Produktions- und Montageprozessen werden aus unterschiedlichen Komponenten Output-Güter erstellt. Die Identifikation der einzelnen Komponente und der erzeugten Output-Güter durch RFID-Tags ist vor allem bei den Montageprozessen sinnvoll. Dadurch kann der Zusammenbau und die Qualitätsprüfung der Output-Güter durch höhere Automation der jeweiligen Prozesse einfacher umgesetzt werden.[4]


Verpackungsprozesse

Beim Verpackungsprozess wird das Packgut mit der Verpackung vereinigt. Dabei wird bei Verpackungsarten zwischen Einweg- (z.B. Papier, Folie) und Mehrwegverpackung (z.B. Container, Palette) differenziert. Das Anbringen der RFID-Tags an die Verpackung kann eine dezentrale Auswertung und Weiterverarbeitung der auf den RFID-Tag gespeicherten Daten ermöglichen.<re>Vgl. Seifert (2005), S. 215</ref> Die Integration von RFID-Transpondern in die Mehrwegbehälter kann besonders vom Vorteil, wenn man eine langfristige Identifikation und somit die Historisierung des Behälterumlaufs sicherstellen möchte. Somit kann der aktuelle Zustand eines Behälters ermittelt werden und die notwendigen Wartungsintervalle eingehalten werden.[5]


Umschlagprozesse

Umschlagen ist die Gesamtheit der Förder- und Lagervorgängen beim Übergang der Güter auf ein Transportmittel, beim Abgang der Güter von einem Transportmittel und wenn Güter das Transportmittel wechseln.[6] Dabei erfolgt meistens ein Gefahren- und Haftungsübergang, wo die Identität, die Vollständigkeit und der Zustand der Ware überprüft und dokumentiert werden soll. Abgesehen vom Zustand der Ware können die anderen Prozesse durch Einsatz von RFID-Systemen durchgeführt werden. So könnte z. B. eine Vollständigkeitskontrolle durch Pulkerfassung „auf Knopfdruck“ geschehen.[7]


Lagerungsprozesse

Im Lager werden Materiale bzw. Waren für eine bestimmte Zeit aufbewahrt. Eine Optimierung der Belegung der Lagerfläche und eine jederzeit mögliche Echtzeit-Inventur wären mittels RFID-Identifikation der Lagergüter und Lagerplätze denkbar.[8]


Kommissionierungsprozesse

Bei den Kommissionierungsprozessen werden Lieferungen an Kunden aus dem Gesamtangebot des Lagers zusammengestellt.[9] RFID-Transponder am Behälter und an den einzelnen zu kommissionierenden Teilen können durch automatisches Erfassen eine stückgenaue Kommissionierungskontrolle ermöglichen und somit eine Senkung der Kommissionierfehler herbeiführen.[10]


Transportprozesse

Inner- und überbetriebliche Transportprozesse dienen zur Beförderung der Waren von einem Punkt zum anderen. Auch hier kann eine Optimierung durch Einsatz der RFID-Technik erreicht werden. Bei innerbetrieblichen vollautomatisierten Transportsystemen kann eine dezentrale Steuerung zur Verteilung der Waren verwendet werden. Für den überbetrieblichen Bereich ist eine RFID-Identifikation der Waren mit einer weltweit eindeutigen Nummer (z.B. EPC) und somit eine einfachere Nachverfolgbarkeit des Warenflusses vorstellbar.[11]


Konsumtionsprozesse

Die im Unternehmen und Haushalten erfolgten Verwertungsprozesse werden als Konsumtionsprozesse bezeichnet. Hier ist ein Einsatz von RFID zum Zwecke der Wiederbeschaffung von Konsumwaren, z.B. aufgrund einer Warenentnahme, möglich.[12]

1 Literatur

  • Adena, Klaus: Warenwirtschaft: Systeme und Dienste für kleine und mittelständische Unternehmen, 1. Auflage, SPC TEIA Lehrbuch Verlag GmbH, Berlin 2003, ISBN 3-935539-76-2
  • Hansen, Hans Robert / Neumann, Gustaf: Wirtschaftsinformatik 1 (Grundlagen und Anwendungen) , 9. Auflage, Lucius & Lucius Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2005, ISBN 3-8252-2669-7
  • Kummer, Sebastian / Einbock, Markus / Westerheide, Christian: RFID in der Logistik – Handbuch für die Praxis, 1. Auflage, Bohmann Druck und Verlag Ges.m.b.H. & CO.KG., Wien 2005, ISBN 3-901-983597

2 Quellen

  1. Vgl. Hansen/Neumann - WI 1 (2005), S. 727
  2. Quelle: RFID in the Supply Chain - A Balanced View (Business Briefing Paper), Hewlett-Packard Development Company, Stand 2004, S. 6
  3. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 46
  4. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 47 f.
  5. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 49 f.
  6. Definiert nach DIN 30781
  7. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 52 f.
  8. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 54 f.
  9. Vgl. Adena (2003), S. 449
  10. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 57
  11. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 57 f.
  12. Vgl. Kummer/Einbock/Westerheide (2005), S. 61 f.
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