Reputation Management im wissenschaftlichen Bereich

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Name der Autoren: Ismail Er, Nihat Cikrak
Titel der Arbeit: Reputation Management im wissenschaftlichen Bereich
Hochschule und Studienort: FOM Neuss


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Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung

1.1 Vorwort

Dieser Wiki - Beitrag stellt die Ergebnisse der Fallstudie II mit dem Thema "Reputation Management im wissenschaftlichen Bereich" dar. Die Fallstudie II ist Bestandteil im Rahmen des Studienganges für Dipl. Wirtschaftsinformatiker an der Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM). Sie entstand unter der Aufsicht von Herrn Prof. Dr. Uwe Kern.

An der Entstehung dieses Wikis haben Ismail Er und Nihat Cikrak mitgewirkt. Dabei wurde folgender Zeitplan vorgegeben.

Termin Meilenstein
21.03.2009 Eröffnung
29.03.2009 Themenvergabe
27.04.2009 Zwischenbesprechung
14.06.2009 Fertigstellung Text und Präsentation
02.07.2009 Präsentation

1.2 Ausgangslage

Ein guter Ruf und persönliches Ansehen sind wichtige Faktoren des Erfolgs mancher Wissenschaftler. Wir leben im Zeitalter der Inszenierung und der medialen Selbstdarstellung, unsere öffentliche Reputation ist damit ein entscheidender Teil unserer Persönlichkeit. Das Internet wirkt dabei wie ein gigantischer Ruf-Verstärker. Die Privatsphäre ist dort so gut wie abgeschafft und die Selbstpublikation war noch nie so einfach, wie sie es derzeit ist. Wissenschaftler sind in den Massenmedien (insbesondere im Internet) in den verschiedensten Formaten und Rollen präsent. Es wird über ihre Ergebnisse berichtet, ihre fachliche Expertise wird zu aktuellen Problemlagen und Geschehnissen nachgefragt, und sie nehmen zu gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen Stellung. Dabei erreichen manche Wissenschaftler einen Status in den Medien, der dem von Prominenten aus Politik und Unterhaltung nicht unähnlich ist. Prominenz können im Prinzip auch Außenseiter der wissenschaftlichen Szene erlangen. Die Erfolgsbedingungen von Wissenschaftlern in wissenschaftlichen Fachkontroversen und in öffentlichen Diskursen werden offenbar durch unterschiedliche Regeln bestimmt. Für einzelne Wissenschaftler ist die personenzentrierte Wissenschaftsberichterstattung nicht unattraktiv, bietet sich für sie doch die Chance, mit bestimmten Themen schneller eine größere Öffentlichkeit zu erreichen und gerade die langwierigen Qualitätskontrollen innerhalb der scientific community zu umgehen.[1]

1.3 Gegenstand der Abgrenzung

In unseren Ausführungen werden wir im folgenden Text den wissenschaftlichen Bereich in zwei Untersuchungsobjekte unterteilen, die wir näher analysiert haben. Wir haben uns auf allgemeine Objekte der Wissenschaft beschränkt, da der Reputationsprozess sehr transparent ist. Dabei werden wir zwischen Hochschulen und Professoren genauer differenzieren (siehe 4.5). Hochschulen und Professoren werden nicht weiter unterteilt. Da Institute häufig ein direkter Teil einer Hochschule, bzw. Fakultät einer Hochschule bilden, werden diese nicht als separates Untersuchungsobjekt näher betrachtet. In unseren Untersuchungen liegt ein besonderer Fokus auf die Interessen, Ziele und Vorgehen zur Erreichung dieser Ziele der beiden Untersuchungsobjekte. Darüber hinaus werden wir uns auf die Reputation im Internet beschränken und werden nicht auf andere Massenmedien eingehen.

1.4 Zielsetzung

Das Ziel dieser Fallstudie ist die Analyse der Reputation im wissenschaftlichen Bereich und die Bedeutung der Reputation für Professoren und Hochschulen. Dabei werden wir Prozessmodelle für den Aufbau, Erhalt und Auswirkungen der Reputation, anhand allgemeiner Definitionen und Berührungspunkten aus anderen Themengebieten herleiten und auf den wissenschaftlichen Bereich übertragen. Wir werden uns besonders auf die Wechselwirkungen der Reputation von Hochschulen und Professoren beschäftigen.

2 Begriffliche Grundlagen

Im Folgenden werden die grundlegenden Begriffe definiert und von verwaltenden Begriffen abgegrenzt. Eine vertiefte Betrachtung erfolgt jeweils in den betreffenden Abschnitten. Vorerst soll also lediglich ein Grundverständnis für diese Begriffe geschaffen werden.

2.1 Hochschulen

Hochschulen sind Bestandteil des höheren Bildungswesens (tertiäre Stufe) und werden üblicherweise folgenden Institutionen des tertiären Bildungswesens unterschieden:

  • Traditionelle Hochschulen
  • Wissenschaftliche Hochschulen
  • Fachhochschulen

Das Hauptmerkmal der traditionellen Hochschulen besteht darin, dass sie alle klassischen akademischen Fachrichtungen anbieten. Zu dieser Multidisziplinarität der Hochschulen gesellen sich, die im Vordergrund stehende Grundlagenforschung und die auf Forschung basierende Lehre als typische Merkmale. Hauptsächlich besteht die Aufgabe von Hochschulen in der Weiterentwicklung der Wissenschaft durch Lehre und Forschung, wobei die Forschung im Vordergrund steht.

Die wissenschaftlichen Hochschulen unterscheiden sich von den Hochschulen dadurch, dass sie nur eine spezifische Auswahl von Disziplinen führen, sich also beispielsweise vorwiegend auf naturwissenschaftliche Fächer beschränken. Darüber hinaus weisen sie die gleiche Orientierung und Aufgaben wie Hochschulen auf.

Wie es der Name bereits anzudeuten scheint, beschränken sich auch die Fachhochschulen auf bestimmte Fachrichtungen. Ein weiterer Unterschied zu den Hochschulen liegt in ihrer Forschungsorientierung, d.h. Fachhochschulen betreiben ausschließlich angewandte Forschung. Zudem ist auch die Lehre anders ausgerichtet, und zwar sind Fachhochschulen im Berufsausbildungsbereich verankert und streben eine höhere Berufsausbildung an, Hochschulen hingegen eine wissenschaftliche Bildung. Die Hauptaufgaben der Fachhochschulen bestehen in der anwendungsbezogenen Lehre und in der Erschließung und anwendungsbezogenen, wirtschaftlichen Erkenntnissen für die Praxis.[2]

2.2 Professoren

Das Personal von traditionellen Universitäten und wissenschaftlichen Hochschulen lässt sich unterteilen in wissenschaftliches und nicht-wissenschaftliches Personal (siehe Abbildung 01). Die Professoren bilden dabei zusammen mit dem Mittelbau die erstgenannte Gruppe.

Abbildung 01: Personal der Universität
Abbildung 01: Personal der Universität [3]

In der hier betrachteten Personalgruppe der Professoren sind ordentliche, außerordentliche und Assistenzprofessoren eingeschlossen, die in einem arbeitsrechtlichen Verhältnis zur Universität stehen und in Bezug auf Arbeitsinhalt und Motivation eine relativ homogene Gruppe bilden. Professoren haben in der Regel eine wissenschaftliche Laufbahn absolviert und sind habilitiert. Ihr Tätigkeitsspektrum setzt sich aus den primären Aufgaben in Forschung, Lehre und Dienstleistung, sowie aus den sekundären Aufgaben der Selbstverwaltung, Administration und Führung zusammen. Als Hauptträger dieser universitären Aufgaben nehmen sie eine Schlüsselstellung bei der Leistungserbringung von Universitäten ein.[4]

2.3 Institute

Institute sind häufig ein direkter Teil einer Hochschule bzw. Teil einer Fakultät einer Hochschule. Sie werden dann In-Institute genannt. Im Gegensatz dazu gibt es die An-Institute. Hierbei handelt es sich um rechtlich selbständige Einrichtungen in Form einer GmbH oder eines eingetragenen Vereins, die einen Kooperationsvertrag mit einer Hochschule abgeschlossen haben. Diese Bezeichnungen gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Damals pflegten sich Privatschulen als Institut zu bezeichnen.

Auch heute noch ist ein Institut oft eine mit eigener Verfassung (Konstitution) ausgestattete Anstalt, die wissenschaftlichen Arbeiten wie der Forschung oder der Lehre dient. Aufgrund der Wissenschaftsfreiheit ist jedoch auch eine privatrechtliche Organisationsform erlaubt und sinnvoll. So sind sie oft als Stiftung oder Verein organisiert. Zum Beispiel sind Meinungsforschungsinstitute typischerweise forschende Organisationen und gleichzeitig gewinnorientiert wirtschaftende Unternehmen. [5]

2.4 Nachwuchswissenschaftler

Nachwuchswissenschaftler sind Forscher, die an ihrer Promotion arbeiten oder diese kürzlich abgeschlossen haben. In der Charta für Forscher der Europäischen Kommission sind Nachwuchsforscher als Wissenschaftler in den ersten vier Jahren (Vollzeitäquivalent) ihrer Forschungstätigkeit einschließlich der Forschungsausbildungszeit definiert. Nachwuchswissenschaftler erhalten meist ein Stipendium, sind als Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt angestellt oder finanzieren sich durch Nebenjobs. [6]

2.5 Reputation

Reputation ist ein sehr abstrakter Begriff. Im Allgemeinen wird es als Oberbegriff für Ruf, Image, Ansehen, Prestige, Rang und Stellung verwendet und als nicht fassbar, subjektiv, wahrnehmungsabhängig, mehrperiodig und fragil beschrieben. Die Definition des Begriffs ist weder durchgängig, noch einheitlich, sondern hängt stark vom verwendeten Kontext ab. Während in der Soziologie die Reputation in der Regel mit "Prestige" gleichgesetzt wird, ist im Marketing von "Image" die Rede. Des Weiteren unterschieden sich die verschiedenen Blickwinkel auch in anderen Zusammenhängen, wie z.B. im Bezug auf die Träger von Reputation. In der Soziologie werden beispielsweise Berufsgruppen, im Marketing Marken und in der Ökonomie Individuen als Träger von Reputation betrachtet. Zudem machen alle diese Disziplinen auch Aussagen zur Reputation von Organisationen.[7]

2.6 Abgrenzung Reputation und Image

Ein Image repräsentiert den Gesamteindruck auf eine Person. Vergleichbar mit einer Momentaufnahme ist Image ein kurzfristiges Phänomen und daher volatil. Es unterliegt permanenten Änderungen, die reflektieren, wie eine Person, oder eine Einrichtung von seinen Zielgruppen betrachtet werden möchte. Um dies zu erreichen, kann das Image mittels unidirektionaler Kommunikation (z.B. Werbung, Selbstdarstellung, Kampagnen, etc.) schnell angepasst werden. Im Gegensatz dazu zielt die Reputation darauf ab, den langfristigen Wert, bzw. Ruf nachhaltig zu steigern. Dabei wird das Steigern des Images immer als kurzfristiges und nicht langanhaltendes Mittel gesehen.[8]

2.7 Web 2.0

Der Begriff Web 2.0 entstand während einer Brainstorming - Sitzung bei der ein Name für eone neue Internetkonferenz gesucht wurde. Bei der Konferenz sollte es u.a. um den Austausch von Informationen handeln, wie man die neuen Anwendungsmöglichkeiten des Webs einsetzen könnte.

Für den Begriff Web 2.0 selbst gibt es jedoch bis heute keine allgemeinegültige Definition und auch keine DIN- oder ISO- Norm. Dabei handelt es sich nicht nur um eine technologische Weiterentwicklung, die aus dem Namen "2.0" abzuleiten ist, denn einiges wie z.B. Weblogs, die dem Web 2.0 zugeschrieben werden, gab es schon, bevor der Begriff geprägt wurde. Vielmehr handelt es sich um eine kontinuierliche Veränderung des gesamten Umfelds des WWW. Die wesentlichen Entwicklungen werden in der folgenden Liste exemplarisch dargestellt. [9]

  • Wiki:

Unter dem Begriff "Wiki" versteht man ein einfaches Content Management System, bei dem User Einträge erstellen sowie andere Einträge editieren kann, Wikis gab es bereits, bevor der Begriff Web 2.0 geprägt wurde.

  • Weblog:

Ein Weblog ist eine Webseite mit chronologisch sortierten Beiträgen. Es ermöglicht das einfache und schnelle Bearbeiten von Einträgen und kann als eine Art Tagebuch eingesetzt werden.

  • Podcast:

Der Begriff Podcast setzt sich aus dem Namen des mp3 - Player "iPod" und dem Wort "Broadcasting" zusammen. Dabei handelt es sich um Text- und Audiodaten, die in der Regel kostenlos über das Internet zu jeglichen Themen vertrieben werden können. [10]

3 Reputation

Der dritte Teil der Fallstudie behandelt die Feststellung, dass Reputation ein zentraler und extrinsischer Motivationsfaktor für Wissenschaftler darstellt. Reputation wurde in der Einleitung zunächst definiert als Oberbegriff für Ruf, Image, Ansehen und Prestige. Im Folgenden besteht das Ziel darin, zum einen das allumfassende Phäno­men "Reputation" thematisch einzugrenzen, sowie den Prozess der Entstehung und Erhaltung von Reputation einschließlich seiner Auswirkungen zu analy­sieren.[11]

3.1 Dimensionen und Definition der Reputation

Als generelle Beschreibung der Reputation können die in der folgenden Tabelle aufgelisteten Eigenschaften verwendet werden. Diese Merkmale sind zwar allgemein gehalten, lassen aber ein sehr weites Verständnis von Reputation zu.

Tabelle 01: Generelle Reputationsmerkmale und abgeleitete Konsequenzen
Tabelle 01: Generelle Reputationsmerkmale und abgeleitete Konsequenzen [12]

Im folgenden Schaubild wird die Reputation - zur detaillierteren Analyse - in verschiedene Dimensionen geteilt, um die Vielfältigkeit des Phänomens darzustellen.

Abbildung 02: Dimensionen der Reputation
Abbildung 02: Dimensionen der Reputation [13]

3.1.1 Reputationsträger

Im Allgemeinen liegt die Hauptverantwortung für die enorm vielfältige Bedeutungen des Reputationsbegriffs in den unterschiedlichen Reputationsträgern im Sinne von: "Was" oder "Wer" kann eine Reputation haben? Diese können sich auf Individuen, Gruppen und Organisationen, aber auch auf Güter, Gütergruppen, Dienstleistungen etc. erstrecken. Der Reputationsträger definiert sich i.w.s. durch alles, was eine Reputation haben kann. Bei einer differenzierteren Betrachtung kann zwischen Subjekten - bzw. durch sie gebildete Gruppen und Institutionen - und Produkten bzw. Dienstleistungen unterschieden werden. Ersteres wird im Folgenden als Reputationsträger i.e.S. bezeichnet und im fortlaufenden Text ausgeführt, wobei Letzteres als Reputationseinheit verstanden wird. [14]

Abbildung 03: Begriffliche Abgrenzungen der Reputationsträger
Abbildung 03: Begriffliche Abgrenzungen der Reputationsträger [15]

In der Fachliteratur genießt das Thema Reputation im Bezug auf Unternehmen einen sehr bereiteren Umfang. Dabei dient die Reputation als Mittel eines strategischen Wettbewerbsvorteils, vor allem in Märkten, in denen eine Differenzierung über traditionelle Faktoren wie Preis und Qualität schwierig ist. Eine hohe und positive Reputation auf Unternehmensebene wird in verschiedenen Bereichen als nutzbringend angesehen. Sie soll primär einen besseren Zugang zum Kapitalmarkt, geringere Marketingkosten und höhere Produktpreise ermöglichen. Sekundärer Nebeneffekt ist dabei treuere Kunden und bessere Mitarbeiter etc. zu gewinnen und der Unternehmung dadurch zu einer höheren finanziellen Performance zu verhelfen. Angesichts dieser vielen positiven Auswirkungen ist es nicht verwunderlich, dass das Management der "corporate reputation" in der Literatur einen breiten Raum einnimmt. Weitere fokussierte Organisationen sind die öffentliche Verwaltung und Institutionen der tertiären Ausbildungsstufe (siehe 2.1). Letzeres spiegelt sich oft in einem Ranking von Hochschulen oder einzelnen Fakultäten nieder.

Auf der "Gruppenebene" steht die Reputation bestimmter Berufsgruppen im Vordergrund. Dieser hauptsächlich soziologisch geprägte Literaturbegriff gibt über die Reputation bzw. Prestige bestimmter Berufsgruppen in der Gesellschaft, beispielsweise Politiker oder Wissenschaftler, Auskunft.

Reputation auf der "Individuumebene" beinhaltet, vereinfacht ausgedrückt, den Ruf eines einzelnen Menschen. Dabei kann beispielsweise die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation und/oder Berufsgruppe ein solcher Aspekt sein.

In der folgenden Tabelle wird ein zusammenfassender Überblick über mögliche Reputationsträger gegeben, ergänzt durch spezifische Beispiele für Hochschulen.[16]

Tabelle 02: Reputationsträger verschiedener Ebenen
Tabelle 02: Reputationsträger verschiedener Ebenen [17]

3.1.2 Reputationseinheit

Neben Subjekten bzw. den aus ihnen gebildeten Gruppen und Institutionen können auch Produkte und Dienstleistungen eine Reputation aufweisen. Im Vordergrund stehen hier Produkte und Dienstleistungen, die ihre Reputation mittels einer Marke portionieren. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff des "Reputation Good" geprägt. Es charakterisiert Reputationsgüter als Produkte oder Dienstleistungen, die einen hohen Differenzierungsgrad aufweisen, deren Produktqualität bzw. Beurteilung der Produktqualität konsumentenabhängig ist, de­ren Eigenschaften nur über längere Erfahrungszeit feststellbar sind und die für den Konsu­menten einen hohen Stellenwert einnehmen, weshalb diese bereit sind, einen großen Evaluationsaufwand in Kauf zu nehmen. Alle diese Merkmale führen dazu, dass bei der Suche nach einem entsprechenden Anbieter Verwandte und Freunde für Empfehlungen angefragt werden. [18]

3.1.3 Reputationsbeurteiler und Teilreputation

Ein generelles Charakteristikum von Reputation ist die Subjektivität. Diese ist einerseits abhängig vom Standpunkt des Betrachters bzw. Beurteilers und andererseits von dessen Wahrnehmung. Die Reputation wird demnach auf der Grundlage des "Beurteilers" definiert. Dazu gibt es 2 verschiedene Ansichten. Die erste erklärt den Beurteiler der Reputation als eine bestimmte Zielgruppe, z. B. als Investor, Kunde, Mitarbeiter und als Gesellschaft. Sie alle beurteilen verschiedene Teilbereiche der Unternehmens-Reputation, wie finanzielle Performance, Kundennutzen, Attraktivität als Arbeitgeber und soziale Performance. Der andere Standpunkt ist allgemeiner und geht von verschiedenen Beurteilern aus, jedoch in Bezug auf einen anderen Reputationsträger, nämlich dem Individuum. Somit können Beurteiler verschiedene Ansichten über einen Reputationsträger haben. Diese Beurteilungsunterschiede werden darauf zurückgeführt, dass (je nach Gruppe) die Einflussfaktoren der Reputationsbildung, das Verhalten der Reputationsträger, die Erwartungen der Beurteiler und die Art der Interaktion variieren. In Abhängigkeit des konkreten Reputationsträgers sind gänzlich andere Reputationsbeurteiler und Teilreputationen von Bedeutung. Bei einem Interview formulierte ein Professor folgende zutreffende Aussage: "Dabei gibt es nicht eine eindimensionale, von mehreren Personen geteilte objektivierte Reputation, sondern es gibt wahrscheinlich verschiedene Reputationen in verschiedenen Beobachtergruppen". Die folgende Tabelle vermittelt einen Überblick über Reputationsbeurteiler und abgeleitete Teilreputationen von Unternehmen auf der einen Seite, sowie von Professoren (als spezielles Beispiel der Wissenschaftler auf der Ebene des Individuums) auf der anderen Seite.[19]

Tabelle 03: Reputationsbeurteiler und Teilreputationen
Tabelle 03: Reputationsbeurteiler und Teilreputationen [20]

3.1.4 Reputationsquellen

Die Reputationsquellen befassen sich im Vorfeld mit folgenden Fragen.

  • Welche Faktoren beeinflussen die Reputation?
  • Wovon hängt es ab, ob jemand oder etwas eine gute oder schlechte Reputation hat?
  • Weshalb verändert sich die Reputation über die Zeit?

Es gibt 2 Gruppen von Faktoren, die für die Reputation maßgebend sind. Zum einen handelt es sich um ökonomische Erfolgsgrößen und zum anderen um die Bemühungen der Unternehmung (in diesem Zusammenhang auch Wissenschaft), mit Mitarbeitern und anderen Anspruchsgruppen ein gutes Einverständnis zu erreichen. Generell lässt sich festhalten, dass das Verhalten in der Vergangenheit die Reputation maßgeblich beeinflusst. Dies gilt auch auf der individuellen Ebene. Weitere Faktoren, welche die individuelle Reputation beeinflussen können, sind demographische Variablen wie z.B. Alter, Geschlecht, soziale Schicht, sowie Kompetenz, Fähigkeiten und die äußerliche Erscheinung, soziale Beziehungen, persönliche Eigenschaften etc. Zudem darf nicht vergessen werden, dass jedes Individuum Bestandteil einer Gruppe und/oder Organisation ist. Diese Mitgliedschaft kann ebenfalls eine Quelle der individuellen Reputation sein, wie auch umgekehrt die Reputation von Organisationen und Gruppen durch ihre Mitglieder beeinflusst wird. Dieser Zusammenhang wird am Beispiel von Hochschulen und Professoren bzw. Wissenschaftler besonders deutlich. Es ist selbstverständlich, dass sich die Reputation eines Professors durch die Berufung an einer renommierten Hochschule bzw. Fakultät verbessert. Gleichzeitig kann die Institution der Hochschule von der Reputation ihrer hervorragenden Professoren und Wissenschaftler profitieren. [21]

3.1.5 Reputationsauswirkungen

Unter 3.1.1 Reputationsträger wurden bereits erste Auswirkungen der Reputation angedeutet. In der wissenschaftlichen Reputation hat beispielsweise die Reputation Auswirkungen auf das Ranking der Hochschule. Bei der Reputation von Individuen sind diverse vielfältige Auswirkungen zu erwarten. Hier beeinflusst die Reputation ganz allgemein das Verhalten der Menschen, mit de­nen man interagiert. Beispielsweise kann sie Vertrauen oder Misstrauen verursachen, so­wie den Status in der gesellschaftlichen Umgebung beeinflussen. Zudem gehen von ihr Wirkungen auf das Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl des Individuums aus. In wie weit sich die Auswirkungen auf die Karrieremöglichkeiten der (Nachwuchs-) Wissenschaftler auswirkt, oder auf Hochschulen erstrecken, wird in den folgenden Abschnitten näher erläutert.[22]

3.2 Reputation in den Grundwissenschaften

Die Reputation setzt sich aus drei relevanten Grundwissenschaften zusammen, die als wertvolle Blickwinkel herangezogen werden müssen. Nur unter Betrachtung der folgenden Disziplinen lässt sich ein fachspezifisches Verständnis über die Reputation aneignen.

  • Ökonomie
  • Soziologie
  • Psychologie

Die ökonomische Betrachtungsweise liegt dem Individuum zugrunde. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass er bei gegebenen Präferenzen und unter Berücksichtigung der relevanten Restriktionen jeweils diejenige Handlungsalternative wählt, die grundsätzlich seinen individuellen Nutzen maximiert. Mit anderen Worten geht die Reputation von einem individuellen nutzenmaximierenden, begrenzt rationalen und Risiko scheuen Akteure aus.

Die soziologische Perspektive wird im Wesentlichen durch zwei Merkmale charakterisiert. Das menschliche Handeln wird zum einen unter dem Gesichtspunkt seiner sozialen Determinanten betrachten, d.h. das Interagieren wird durch das Umfeld bzw. die Gesellschaft bestimmt und beeinflusst. Zum anderen verhält sich der Mensch gemäß seiner Rolle, die er innerhalb seiner Gruppe eingenommen hat, z. B. Familienangehöriger, Berufsgruppe, politische Institutionen, ethnische Gruppen, etc. Normabweichungen werden von der Gesellschaft (auch Gruppe) sanktioniert.

Wie in der ökonomischen Theorie geht das psychologische Menschenbild davon aus, dass die Handlungseinheit grundsätzlich das Individuum ist. Im Gegensatz zur Soziologie wird diese Rolle von der Gesellschaft bzw. Gruppe eingenommen. Somit differenziert sich die soziologischen Betrachtungsweise von der Psychologischen dadurch, dass bei Ersteres das Handeln intrinsisch steuert und letzteres extrinsisch. Die Psychologie geht davon aus, dass Einstellungen im Sinne von positiven oder negativen Bewertungen von Einstellungsobjekten (z. B. Personen) handlungsleitend sind. Eine Veränderung der subjektiven Wahrnehmung (z. B. über Lernprozesse oder Motivveränderungen) führt zu einer Handlungsveränderung.[23]

3.3 Allgemeines Prozessmodell der Reputation

Das folgende Prozessmodell versucht die wesentlichen Erkenntnisse zur Reputation nicht nur allgemein, sondern auch bezugnehmend zu den Perspektiven aus 3.2, nämlich Ökonomie, Soziologie und Psychologie zu umschließen. Es ist auf den Reputationsträger des Individuums aufgebaut, ohne auf einen Bezug zu einer konkreten Gruppe zu nehmen.

Abbildung 04: Allgemeines Prozessmodell der Reputation
Abbildung 04: Allgemeines Prozessmodell der Reputation [24]

Das Prozessmodell ist folgendermaßen zu interpretieren. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass bereits objektiv vorhandene Reputationsquellen existieren. Im Allgemeinen sind das vergangene Verhaltensweisen, demographische Merkmale, Charaktereigenschaften etc., die sich für eine spezifische Teilreputation konkretisieren lassen. Da sich die Reputation eines Individuums immer nur in Interaktion mit anderen Individuen abspielt, ist die individuelle Reputation abhängig von der Betrachtungsweise Standpunkt des Reputationsbeurteilers. Diese subjektive Komponente bedeutet, dass verschiedene Reputationsbeurteiler die objektiv vorhandenen Quellen unterschiedlich auffassen. Aus der Kombination von Quellen und Wahrnehmung entsteht grundsätzlich Reputation (als zusammengesetztes Produkt aus Teilreputationen) im Sinne einer sozial basierten Konfiguration von Annahmen über ein Individuum. Diese Annahmen werden von mehreren Reputationsbeurteilern geteilt, wodurch die Reputation wieder (teilweise) objektiviert wird. Die Reputation besteht aus verschiedenen Teilreputationen, die in unterschiedlichen Bezugsgruppen des Individuums gebildet werden und sich auf verschiedene Aspekte des Individuums beziehen. Diese Teilreputationen sind nicht völlig unabhängig von einander, sondern beeinflussen sich gegenseitig. Individuen streben nach einer positiven Reputation, da sie dadurch ihr Sozialmotiv der Anerkennung befriedigen und ihr Wohlbefinden steigern können. Darüber hinaus hat Reputation (als Produkt) für den Reputationsträger diverse Folgen. Zu den Auswirkungen auf der Individualebene gehören ganz allgemein formuliert z.B. die Stellung in der Gesellschaft, sowie Macht und Einfluss, Lohn im Berufsleben, etc. Da sich nun die Gesamtreputation auf individuelle Faktoren auswirkt, die gleichzeitig auch Quellen darstellen (z.B. Verhalten), kann es zu Rückkoppelungsprozessen kommen. Auswirkungen auf der Systemebene sind folgende. Da Reputation als Informationssubstitut dient, werden Transaktionskosten gesenkt und dadurch Interaktionen erleichtert. Sie fördert zudem das Akzeptieren einer langfristigen Perspektive und kooperatives Verhalten. Somit dient Reputation auch als sozialer Kontrollmechanismus. [25]

4 Wissenschaftliche Reputation

Die wissenschaftliche Reputation ist die zentrale Kommunikationsform, die das Wissenschaftssystem charakterisiert. Dabei werden die Ergebnisse aus Forschung und Untersuchungen als Publikation vor Mitgliedern der Wissenschaft präsentiert, um diese intern von der Wissenschaftsgemeinde als wissenschaftlich bzw. unwissenschaftlich zertifizieren zu lassen. [26] Im Wissenschaftssystem gilt zunächst ein "abstraktes Wahrheitskriterium" [27] das man mittels wissenschaftlicher Methoden wie Empirie, speziellen Versuchsanordnungen oder logischen Ableitungen versucht zu erfüllen. Es geht dem Wissenschaftler aber wohl auch um die Akzeptanz seiner Forschungsarbeit und somit um eine wissenschaftliche Reputation, die als Erfolgs-Ressource angesehen werden kann. Durch erfolgreiche Veröffentlichungen erhöhen sich die Kompetenz und die fachliche Qualität des Wissenschaftlers und dieser erlangt Anerkennung und einen gefestigten Ruf unter Kollegen. Was wissenschaftlicher Erfolg ist, hängt jedoch von der Perspektive ab: Neben der eigenen Ansicht, was man als erfolgreich empfindet, kommt es auf das gesellschaftliche System an, was dieses als erfolgreich anerkennt.
Die Konkurrenz bzw. der Kampf um die Aufmerksamkeit spielt eine zentrale Rolle im heutigen Wissenschaftsbetrieb. Dieser Kampf geht um die wissenschaftlichen Publikationen, jedoch reichen die Publikationen an sich nicht aus. Entscheidend ist, an wen man sich mit seinen Ideen wendet und bei wem man nach Anerkennung sucht. Verbindet man dieses Bedürfnis nach Aufmerksamkeit mit dem Prozess der Medialisierung der Wissenschaft, kann man sich eine gleiche Verschiebung des Zielpublikums, an das sich ein Wissenschaftler wendet, erklären. Die Veränderung der Öffentlichkeit beeinflusst also den Wissenschaftler in dem Sinne, dass dieser um Aufmerksamkeit zu erlangen, in der Wissensgesellschaft nun ein anderes und vor allem breiteres und größeres Publikum sucht. Ist dieses Publikum das von den Massenmedien Generierte, so werden die Vertreter wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Bürger und den Laien sichtbar. Diese mediale Aufmerksamkeit stiftet zudem Prominenz, für die Medien eine ähnliche Steuerungsfunktion, wie die Reputation für die Wissenschaft unterstellt. [28]. Doch diese strukturelle Ähnlichkeit zwischen medialer Prominenz und wissenschaftlicher Reputation birgt auch einen Konflikt mit sich.
„In der medialen Berichterstattung über Wissenschaft tritt mediale Prominenz potentiell in Konkurrenz zu wissenschaftlicher Reputation. Mediale Kriterien wie Aktualität und Verbreitungsgrad stehen auf kommunikativer Ebene, den wissenschaftlichen Kriterien eines zeitlich dauernden und räumlich abgeschotteten Validierungsprozess von Wissen, widersprüchlich gegenüber. Durch die Medialisierung wird das oben genannte Wahrheitskriterium der Wissenschaft durch medienspezifische Kriterien, wie etwa die Zustimmung des öffentlichen Publikums, ergänzt.[29] Diese Ergänzungen können auch eine Verschiebung und Neuordnung der Kriterien mit sich tragen, nach denen ein Wissenschaftler handelt. Eine Handlungsweise, die bei der Analyse von Prominenten während der letzten Jahre in der Medien und Sozialforschung mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist die der Inszenierung. Der aus dem Bereich des Theaters stammende Begriff der Inszenierung bedeutet im Bezug auf die Gesellschaft, dass öffentliche Handlungen auf eine Effektdramaturgie hin konzipiert werden. [30]

4.1 Umweltanforderungen an Wissenschaftler

Wissenschaftler agieren innerhalb "der in der Gesellschaft wirkenden Zwänge" [31] und sind von einem Ressourcenzufluss abhängig, um ihre Tätigkeit als Wissenschaftler dauerhaft in der gewünschten Form ausüben zu können. Dabei kann es sich um materielle Ressourcen, beispielsweise Stellen, Forschungsgelder oder Ausstattung von Instituten bzw. Lehrstühlen und um immaterielle Ressourcen wie Reputation handeln.[32] Letztere hat hohe Bedeutung, denn sie ist mittelbar für den Erhalt materieller Ressourcen verantwortlich, die vordringlich an Wissenschaftler mit einem guten Ruf fließen.
Für Wissenschaftler ist nicht die gesamte Gesellschaft als relevante Umwelt zu betrachten, sondern es sind nur bestimmte Umweltsegmente von Bedeutung. Diese bilden für die wissenschaftliche Arbeit eine "Arena" und formulieren Anforderungen an solche Individuen, die in diesem Feld agieren. Ein zentrales Umweltsegment für Wissenschaftler sind andere Wissenschaftler, die verschiedene Rollen einnehmen können. Sie treten als "Konkurrenten" um wissenschaftliche Erkenntnis, vor allem aber um Stellen auf. Letzteres wird deutlich, wenn man bedenkt, dass einer Professorenstelle in der Regel Dutzende von Bewerbern gegenüberstehen. Daneben tragen etablierte Wissenschaftler als "Doktormutter/-väter" sowie als Gutachter für Zeitschriften bzw. in Berufungskommissionen zur Ausbildung und – mehr oder weniger restriktiv – zur inhaltlichen Positionierung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei [33]. Studenten stellen als Nachfrager der Lehre "Kunden" dar. Gleiches gilt für die Unternehmenspraxis, die ein Interesse an gut ausgebildeten Akademikern hat, daneben aber auch Geldgeber (Auftragsforschung) sein kann [34]. Der Staat ist insbesondere als Arbeitgeber vieler Wissenschaftler ein wichtiger Geldgeber. Diese Interessengruppen richten unterschiedliche Anforderungen an die Wissenschaft, die in zwei Kategorien gebündelt werden können:

  • Schon seit längerer Zeit wird insbesondere in den Geisteswissenschaften über die Praxisorientierung der Forschung und Lehre diskutiert; Vertreter der Wirtschaft, aber auch Absolventen bemängeln regelmäßig einen zu geringen Praxisbezug und fordern eine stärkere Praxisrelevanz ("relevance") [35] hinsichtlich Inhalten und Aktualität der Lehre [36]. Zudem bestehen Anforderungen an die Qualität und – in Zeiten leerer Kassen – Wirtschaftlichkeit der akademischen Ausbildung. Hochschulen folgen dem daraus resultierenden Veränderungsdruck (mehr oder weniger schnell), um Legitimität zu erhalten. Das zeigt sich in strukturellen Veränderungen wie der Einführung von Bachelor- bzw. Master-Studiengängen, aber auch zunehmend in der Evaluation der Lehre, aus der Verbesserungshinweise abgeleitet werden sollen [37].
  • Die zunehmende Konkurrenz unter (Nachwuchs-) Wissenschaftlern zwingt Fachbereiche und einzelne Forscher, zu aussagefähigen Forschungsergebnissen zu gelangen und diese der Öffentlichkeit bzw. den Mitgliedern der Scientific-Community in angemessener Form zu präsentieren. Nachwuchswissenschaftler wollen Reputation aufbauen und sich dadurch im Wissenschaftssystem zu etablieren; etablierte Forscher sind um Reputationserhalt bemüht. Dabei bestehen seitens der Wissenschaftlergemeinde Anforderungen an die wissenschaftliche Qualität und Sorgfalt ("rigour") sowie Innovativität der Forschung. Außerdem existieren Erwartungen hinsichtlich der Häufigkeit von Vorträgen, durchgeführten Forschungsprojekten und Publikationen, wobei auch das Publikationsorgan eine Rolle spielt. Zunehmend wird die Zitationshäufigkeit als Qualitätsmaßtab herangezogen [38].

Werden die Erwartungen erfüllt, trägt das zur Legitimitätszuschreibung durch die jeweilige Interessengruppe bzw. zu einem Reputationsgewinn bei und sichert damit – zumindest temporär – die notwendigen Ressourcen, beispielsweise in Form einer Berufung auf eine Professorenstelle oder einer Forschungsausstattung. Allerdings weisen "relevance" und "rigour" ein Trade-Off-Verhältnis auf, sodass das Streben nach "relevance" zu Lasten der "rigour" geht und umgekehrt.
Für Wissenschaftler kann das zu einem Dilemma führen. Sie verfolgen das Ziel, Reputation innerhalb der Scientific-Community aufzubauen (Nachwuchswissenschaftler) oder zu erhalten (etablierte Wissenschaftler). Ihre Beurteilung und damit die Zuschreibung von Legitimität bzw. der Aufbau von Reputation erfolgt weitestgehend durch andere Wissenschaftler anhand von Indikatoren, wie Publikationshäufigkeit und -qualität. Es verwundert daher nicht, dass Wissenschaftler ihre Handlungen vor allem an den Erwartungen dieses Umweltsegments ausrichten und von anderen – insbesondere von widersprüchlichen – Erwartungen entkoppeln. Damit kann im Extremfall sogar ein opportunistisches Handeln verbunden sein, wenn in Gebieten geforscht wird, weil diese modern und/oder konsensfähig sind. Ein dadurch wahrscheinlicherer Aufbau von Reputation und eine mögliche positive Beurteilung durch Gutachter trägt dauerhaft zu einer wissenschaftlichen Karriere bei [39].

4.2 Medialisierung der Wissenschaft

Neben der übergeordneten politischen Motivation ergeben sich für die Wissenschafts- und Technikkommunikation zudem auf der Ebene einzelner Disziplinen, Institute und Personen interessante Perspektiven zur Erhöhung der Wahrnehmung und (internen) Wettbewerbsfähigkeit. Auch einzelne Disziplinen, Fachbereiche und Personen können über eine Rückkopplung in die Öffentlichkeit ihre Position sichern oder gar ausbauen: Wer oft und positiv in den Medien erscheint, lässt sich schwerer "wegsparen", als jemand mit gleicher Leistungsfähigkeit aber geringerer Außenwirkung – das bekannte Prinzip "publish or perish" erhält hier eine völlig neue Dimension. Entsprechend weicht die Zurückhaltung und Ablehnung von Popularisierung innerhalb der Scientific - Community immer stärker zurück und die Kommunikationsgesellschaft bezieht zusehends die Wissenschaft mit ein.[40]
Im großen Stil haben die Natur- und Technikwissenschaften – allen voran die Biologie – gezeigt, wie der breit gestreute Verweis auf die Nützlichkeit und den ökonomischen Wert des Tuns dafür gesorgt hat, zu den Gewinnern der Profilbildung zu gehören. Nicht eine objektivierbare "Wertigkeit" oder "Schönheit" der Wissenschaft haben den enormen Vorsprung gegenüber den Geisteswissenschaften ermöglicht, sondern die Kapitalisierbarkeit des Wissens [41] und die Kongruenz mit gesellschaftlichen Bedarfen. Dabei ist es der Biologie sogar gelungen, Teil der Popkultur zu werden und mit der Y-Struktur des Antikörpers und der Doppelhelix der DNA zwei allgemeine Symbole der herausragenden Bedeutung von Wissenschaft und Technik für die Zukunft zu schaffen. Ein derartiger Prozess ist unbestritten Ausdruck einer erfolgreichen Medialisierung und positiven Konnotation von Wissenschaft.
Die Medialisierung von Wissenschaft ist gleichermaßen Herausforderung als auch Chance für die Wissenschafts- und Technikkommunikation, da auf diese Weise (politische) Entscheidungsprozesse öffentlich reflektiert, bestätigt oder auch relativiert/korrigiert werden können. Eine erfolgreiche Medialisierung kann die Position und ggf. Autonomie von Disziplinen, Instituten, Abteilungen oder auch Personen ("Wissenschafts-Stars") maßgeblich stärken.

4.3 Wissenschaft und Öffentlichkeit

Während wissenschaftliche Arbeiten im allgemeinen vergleichsweise wenig Resonanz in den Massenmedien finden, ist dies bei wissenschaftlichen Kontroversen anders. Es liegt auf der Hand, dass Konflikte, Kontroversen und Gefahren einen größeren Anklang beim Publikum finden als die tägliche wissenschaftliche Praxis. Sensationen lassen sich immer gut verkaufen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Medien zwar korrekt über die Fakten berichten, den Stand wissenschaftlicher Kontroversen jedoch verzerrt wiedergeben. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Einerseits schenken sie Wissenschaftlern mit wenig innerakademischer Reputation überproportional viel Bedeutung, vor allem wenn das Thema so wichtig ist, dass es nicht ausschließlich von der Wissenschaftsredaktion bearbeitet wird. Da die Medien nach Prominenz und nicht nach (wissenschaftlicher) Reputation schauen, versuchen Sie, Aussagen von prominenten Wissenschaftlern (Nobelpreisträgern, Wissenschaftsmanagern, Akademiepräsidenten usw.) und von Vertretern gegensätzlicher Positionen zu bekommen. Im Gegensatz dazu (und im Gegensatz zur Berichterstattung über politische Themen) bilden sich Wissenschaftsjournalisten ihre eigene Meinung, wobei sie sich erstaunlich genau an die Informationen halten, die sie von den etablierten wissenschaftlichen Sprechern erhalten. Sie hinterfragen diese nicht durch Hinzuziehung anderer Meinungen. Sie reagieren eher missmutig, wenn Expertenurteile widersprüchlich sind und versuchen sie zu glätten, statt sie so stehen zu lassen.[42]
Manche Wissenschaftler meiden den Kontakt zu den Medien, während andere ihn suchen. Im Lauf der Zeit lernen immer mehr Wissenschaftler einen für sie vorteilhaften Umgang mit der Presse. Die Versuchung ist groß, die Erkenntnisse zu übertreiben, um die Finanzierung der eigenen Forschung zu fördern. Diese Strategie birgt jedoch Gefahren in sich, da Wissenschaftler sich durch zu oft geäußerte Warnungen unglaubwürdig machen können.
Ein Teil der Gefahren liegt in der öffentlichen Reaktion auf Alarmstrategien. Die Gefahr der Überdramatisierung besteht auch unabhängig von den Motiven der die öffentliche Aufmerksamkeit erregenden Wissenschaftler, da man zum Zeitpunkt der Aussagen oftmals nicht weiß, was eine angemessene oder überzogene Aussage ist. Öffentlich wirksame Aussagen müssen jedoch über Massenmedien verbreitet werden, wodurch eine Tendenz zur Sensationalisierung und damit zur Überdramatisierung eingebaut ist. [43]

4.4 Betrachtungsweisen der wissenschaftlichen Reputation

Nachdem in den obigen Abschnitten und vor allem unter dem Punkt "3.2 Reputation in den Grundwissenschaften" genannten Erkenntnissen allgemeingültig dargestellt wurde, wird in den folgenden Unterpunkten die unterschiedlichen Betrachtungsweisen mit dem wissenschaftlichen Faktor angereichtert und konkretisiert.

4.4.1 Reputation aus wissenschaftsökonomischer Sicht

Hier wird die individuelle Reputation in Zusammenhang mit dem Verhalten von Akteuren im wissenschaftlichen Bereich - vor allem Hochschulen - auf der Grundlage des ökonomischen Verhaltensmodells (siehe 3.3) gestellt. Es wird davon ausgegangen, dass Wissenschaftler in erster Linie soziale Anerkennung und Prestige unter Kollegen, sowie in der Gesellschaft anstreben und in sofern Reputationsmaximierer sind. Darüber hinaus beabsichtigt die Reputationsmaximierung gleichzeitig eine Einkommensmaximierung. Dies lässt sich folgendermaßen begründen. Das Einkommen von Wissenschaftler (z. B. Professoren) variiert langfristig durch ihre Reputation, da die Wahrscheinlichkeit zur Akquisition von Drittmitteln, von Zusagen im Rahmen von Berufungsverhandlung oder der Zugang zu wichtigen Entscheidungsgremien erhöht wird. Außerdem wird angenommen, dass Reputation in der Hauptsache aus individuellen Forschungsaktivitäten und insbesondere aus einer hohen Publikationsproduktivität ableiten lässt. Im Gegensatz dazu werden Lehraktivitäten als wenig bzw. gar nicht reputationsfördernd eingestuft. Durch die Kombination der relativ breiten Handlungsspielräume von Professoren an Hochschulen führt das Reputationsstreben zu einer Konzentration auf Forschungsaktivitäten und einer tendenziellen Vernachlässigung anderer Aufgaben. Auf den allgemeinen Wissenschaftler übertragen bedeutet das, sie haben zu entscheiden, wie sie ihre knappe Zeit auf die konkurrierenden Aktivitäten Freizeit und Arbeit allokieren, dabei unterteilt sich die Arbeit in Lehre, Forschung und Dienstleistungs- und Selbstverwaltungsaktivitäten. Somit stehen sie in einem Zielkonflikt, in dem die Maximierung des individuellen Nutzens, im Bezug auf Reputation, Einkommen, Konsum am Arbeitsplatz und Freizeit korrelieren.

Eine stärkere ökonomische Sichtweise ist die Betrachtung der Wissenschaftler als Investoren im Reputationsstock der Hochschulen. Am Beispiel des Professors lässt sich diese These wie folgt näher erläutern. Ein auf Lebenszeit berufener Professor hätte ohne den Mechanismus der Reputationen keinen besonderen Leistungsanreiz mehr. Die Reputation wird dabei als die "öffentliche Wahrnehmung von Fähigkeiten und Erfolgen, die auf die Differenzierung von anderen Marktteilnehmern beruht" verstanden. Da jeweils nur wenige Akteure eines Wettbewerbs die ersten Plätze besetzen und damit im Vergleich zu anderen eine hohe Reputation erzielen können, stellt die Reputation ein stark nachgefragtes Gut dar. Diese individuelle Reputation wird über verschiedene Mechanismen kapitalisiert. Zum Einen durch die Aufbesserung des Gehaltes und zum Anderen durch das Ausnutzen von Nebentätigkeitsspielräumen, wie z. B. externe Beratungsleistungen. [44]

4.4.2 Reputation aus wissenschaftssoziologischer Sicht

Die Wissenschaftssoziologie kann als eine separate akademische Disziplin betrachtet werden, die sich mit der Wissenschaft als einer sozialen Institution in ihrem sozialen Kontext befasst. Es handelt sich um eine dabei um eine heterogen zusammengesetzte Forschungsgemeineschaft, die mehrheitlich Soziologen sind. Zu ihnen gehören Politikwissenschaftler, Sozialpsychologen, Ökonomen, Historiker, etc. an. Zum Hervorheben des interdisziplinären Aspekts des Forschungsfeldes finden oft die Bezeichnungen "Wissenschaftsforschung" (science studie) und "Wissenswissenschaft" (science of science) Anwendung. Konkret steht die detaillierte Untersuchung und Bewertung wissenschaftlicher Aktivitäten von Wissenschaftlern im Vordergrund. Im Vordergrund steht die Frage, an welchen Werten und Normen sich Wissenschaftler, im Hinblick auf ihr angeeignetes Wissens auszurichten haben. Diese Fragestellung wird mit folgenden vier grundlegenden Normen, mit einer kritischen Betrachtungsweise näher analysiert.

  • Organisierter Skeptizismus beinhaltet die Verpflichtung zur kritischen und unvoreingenommenen Überprüfung allen wissenschaftlichen Wissens. Diese Norm enthält einerseits die Verpflichtung zur Kritik und andererseits die Selektion von Wissen nach Wissenschaftlichen Kriterien.
  • Die Universalismus - Norm verlangt von den Wissenschaftlern, dass Wahrheitsansprüche - im Sinne von neuen Forschungsresultaten - unabhängig von sozialen und individuellen Merkmalen der Person (wie Rasse, Geschlecht, Nationalität und Religion) nach vorgängig definierten, unpersönlichen Kriterien geprüft und bewertet werden.
  • Kommunismus regelt die Besitzansprüche der Wissenschaftler an die Forschungsresultaten. Diese Norm besagt, dass der einzelne Wissenschaftler seine Entdeckungen nicht alleine besitzt, sondern, dass Wissen gemeinschaftliches Eigentum der Scientific Community ist. Der Wissenschaftler hat lediglich einen Anspruch auf angemessene Anerkennung und Ansehen. Der Zwang zur Verbreiterung von Wissen wird durch den natürlichen Anreiz der Anerkennung verstärkt, die an die Veröffentlichung von Resultaten gekoppelt ist.
  • Die Norm der Uneigennützigkeit dient der Sicherstellung der Integrität des Austauschsystems. Sie weist den Wissenschaftler an, im Dienste der Wissenschaft und der Wahrheit zu stehen, d.h. die Wissenschaft um ihrer selbst willen zu betreiben, anstatt persönlichen Profit und Ruhm zu verfolgen.

Diese vier Normen bilden die Grundlage für permanent ablaufende Bewertungsprozesse, welche zum Teil die Wissenschaft stabilisieren und zum anderen Teil die Reputation fördern. Aus diesen Normen lässt sich folgendes Belohnungssystem ableiten, was einen entscheidenden Faktor für das Weiterentwickeln der Wissenschaft darstellt. Da gemäß der Kommunismus - Norm Eigentumsrechte nur begrenzt vorhanden sind, stehen ideelle Belohnungen in Form von Anerkennung von Fachkollegen für geleistete Arbeit im Vordergrund, was organisierten Skeptizismus und Universalismus voraussezt.Durch die Norm der Uneigennützigkeit wird dem Streben nach Anerkennung allerdings Grenzen gesetzt. Damit wird verhindert, dass nach Anerkennung um jeden Preis - etwa durch Plagiate oder evtl. Betrug - gestrebt wird. Der soziale Mechanismus der Zuteilung von Reputation nimmt im Belohnungssystem einen enorm wichtigen Stellenwert ein. Neben der intrinsischen Motivation durch die wissenschaftliche Tätigkeit selbst, ist die Anerkennung bei Fachkollegen die hauptsächliche - extrinsiche - Motivationsquelle. Alle weiteren extrinsischen Belohnungen wie Einkommen aus wissenschaftlichen Aktivitäten, Vorwärtskommen in der Hierarchie der Wissenschaftler sowie verbesserten Zugang zu Ressourcen beruhen auf dieser Anerkennung der Fachkollegen. Diese extrinsische Motivations- und Belohnugsquelle werden in diesem Zusammenhang auch als Reputation bezeichnet. Grundlage für diese Anerkennung bzw. Reputation bildet das Publikationswesen, das seine Funktion aber nur erfüllen kann, wenn die oben aufgeführten vier Normen sichergestellt sind. [45]

4.4.3 Reputation aus wissenschaftspsychologischer Sicht

Eine gründliche Literaturrecherche hat ergeben, dass die Wissenschaftspsychologie bei weitem nicht so etabliert und umfangreiche ist, wie die Wissenschaftssoziologie. Bei diversen Literaturquellen bleibt es bei vagen Aussagen, wie z. B. dass "Wissenschaft von Menschen gemacht wird und sie deshalb auch sozialpsychologischen Gesetzmäßigkeiten unterliege, dass die psychologischen Wirksamkeiten aber noch einer genaueren Analyse harren" würden. [46] Die nahezu widersprüchlichen Aussagen können in diesem Kontext nicht eindeutig interpretiert werden und bleiben daher in diesem Punkt aus.

4.5 Untersuchungsobjekte der wissenschaftlichen Reputation

Wie bereits in der Einleitung dieser Fallstudie beschrieben, beschränken sich unsere Untersuchungsobjekte auf Professoren einerseits und auf die Hochschulen andererseits. Der Reputationsvorgang der Professoren, der unten beschrieben wird, lässt sich aus unserer Einschätzung auf weitere Personen wie wissenschaftliche Mitarbeiter, Nachwuchsforscher, etc. übertragen und bedarf nicht einer separaten Betrachtungsweise. Gleiches gilt für das allgemein gehaltene Objekt der Hochschulen. Eine Differenzierung dieser in beispielsweise Institutionen gäbe nach unseren Analysen keine neuen Erkenntnisse im Zusammenhang des Reputationsmanagements.

4.5.1 Professoren

Das allgemeine Prozessmodell der individuellen Reputation wurde in Abschnitt 3.3 dargestellt und erläutert. Dieses wurde aufgrund einer Analyse der ökonomischen, soziologischen und psychologischen Grundwissenschaften und ohne Bezugnahme auf den konkreten wissenschaftlichen Kontext entwickelt. Im Folgenden geht es nun darum, dieses allgemeine Prozessmodell der Reputation für Professoren an Hochschulen zu konkretisieren. Zu diesem Zweck werden erstens die Erkenntnisse aus der Analyse der hochschulspezifischen Literatur zum Begriff Reputation herangezogen. Dies hat zur Folge, dass die Reputation von Professoren in vier Teilreputationen unterteilen lässt. Es wird unterschieden zwischen Forschungs-, Lehre-, Dienstleistungs- und Selbstverwaltungsreputation. Auch wenn die einzelnen Teilreputationen nie völlig unabhängig voneinander sind und zwischen den Teilreputationen verschiedene Interdependenzen bestehen, werden sie im Folgenden zu Analysezwecken separat behandelt. [47]

4.5.1.1 Forschungsreputation

Ausgehend von der allgemeinen Definition von Reputation kann die Forschungsreputation eines Professors folgendermaßen definiert werden: Die Forschungsreputation ist eine veränderliche, immaterielle und subjektiv wahrgenommene Konfiguration von Annahmen über verschiedene, auf der Vergangenheit basierende, forschungsrelevante Aspekte eines Professors, die auf verschiedenen Quellen beruht. Diese Konfiguration von Annahmen wird sozial konstruiert sowie von mehreren Mitgliedern der Scientific Community geteilt und ist dadurch teilweise objektiviert.
Die Forschungsreputation von Professoren an Universitäten beruht auf diversen Quellen: Im Vordergrund stehen dabei die Anzahl von Publikationen in referierten Zeitschriften und die Quantität sowie Qualität. Daneben spielen Referate an wissenschaftlichen Kongressen, die Zugehörigkeit zu einem Institut oder einer Forschungsgruppe mit hoher Reputation, ferner Herausgeberschaften und internationale Forschungsaufenthalte etc. eine Rolle. [48]

Basierend auf dem allgemeinen Prozessmodell aus 3.3 und den wissenschaftsökonomischen und -soziologischen Annahmen (siehe 4.4.1 und 4.4.2) lässt sich ein konkretes Prozessmodell der individuellen Reputation von Wissenschaftlern auf die Forschungsreputation übertragen.

Abbildung 05: Prozessmodell der individuellen Forschungsreputation von Professoren an Universitäten
Abbildung 05: Prozessmodell der individuellen Forschungsreputation von Professoren an Universitäten [49]

Das Prozessmodell lässt sich wie folgt interpretieren. Die Wahrnehmung der Quellen der Forschungsreputation durch primäre Reputationsbeurteiler, also Fachkollegen oder generell die Scientific Community, hängt ab von der Forschungsrichtung und -methode, der Beachtung fachspezifischer Normen, sowie der Einbindung des Reputationsträgers in das Kommunikationsnetzwerk. Die Wahrnehmung ist zudem durch eine gute Kommunikationsfähigkeit des Reputationsträgers, sowie durch gezielte Maßnahmen beeinflussbar. Beispielhaft kann das durch Versenden von Sonderdrucken eigener Beiträge an Fachkollegen, um die Wahrscheinlichkeit der Beachtung zu erhöhen. Durch die Wahrnehmung durch Reputationsbeurteiler entsteht die Forschungsreputation als Produkt zusammengesetzter Teilreputationen. Eine hohe Forschungsreputation führt auf der individuellen Ebene zu einem potentiellen Anstieg des Einkommens, und zwar über bessere Chancen auf dem Berufsmarkt und durch einen beschleunigten Stufenanstieg, sofern dieser auf der Grundlage forschungsreputationsrelevanter Merkmale zugelassen wird. Des Weiteren kann - über die erleichterte Akquisition von Drittmitteln und die bessere Berücksichtigung bei der Verteilung der Budgetmitteln der Universität - mit einer besseren Ressourcenausstattung gerechnet werden, wobei hier das Ausmaß der Zunahme wesentlich größer, als die Zunahme des Einkommens sein kann. Zudem steigern auch eine hohe Reputation die Karrierechancen eines Forschungsprofessors (Berufung und universitäre Führungsposition) und die Wahrscheinlichkeit, bestens qualifizierte Mitarbeiter (z. B. Nachwuchsforscher) zu gewinnen. Nicht zu letzt kann eine hohe Forschungsreputation zu einer respektvolleren Behandlung durch Fachkollegen und anderen Bezugsgruppen führen. Eine mögliche negative Folgeerscheinung auf der Individualebene ist der psychische Druck, der aus der Angst des Verlusts der Reputation folgen kann. Von den individuellen Auswirkungen gehen Rückkoppelungseffekte aus, welche die Quellen der Reputation verbessern und so zu einem eigentlichen Kreislauf führen. Durch die besseren Arbeitsbedingungen, die aus einer besseren Ressourcenausstattung resultieren kann der Forschungsprofessor bessere wissenschaftliche Beiträge generieren. Dieser Prozess ist durch den sogenannten "Matthäus - Effekt" definiert. Dadurch ist es möglich, dass sich zusätzliche Reputation um so leichter erwerben lässt, je mehr man davon bereits angesammelt hat. Nachwuchswissenschaftler, bzw. Jungforscher haben es aus diesem Grund besonders schwierig. Da sie nahezu keine Reputation haben, ist es für sie umso schwieriger diese aufzubauen. Im Extremfall verliert ein Professor mit hoher Forschungsreputation diese nicht mehr, selbst wenn seine Leistung abgenommen hat ("Einrast – Effekt"). Auf der Systemebene sind positive und negative Auswirkungen der Forschungsreputation als Prozess zu unterscheiden. Negativ zu beurteilen ist der Anreiz zu unausgereiften Publikationen und die reputationstaktische Wahl von Themen, z. B. die Behandlung von Modethemen ohne nennenswerten Erkenntnisfortschritt. Darüber hinaus sind die positiven Wirkungen auf der Systemebene hervorzuheben. Forschungsreputation als Prozess nimmt eine eigentliche Orientierungs- und Selektionsfunktion wahr, indem sie ein Auswahlkriterium in der Publikationsflut zur Verfügung stellt. Nicht zuletzt stellt Forschungsreputation einen entscheidenden Anreiz dar, weshalb der Wettbewerb um dieses knappe Gut motivierend und leistungsfördernd wirkt. Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Forschungsreputation als Produkt insgesamt vergangenheitsorientiert und als Prozess relativ träge ist. [50]

4.5.1.2 Lehrreputation

Die Lehrreputation ist eine veränderliche, immaterielle und subjektiv wahrgenommene Konfiguration von Annahmen über verschiedene, auf der Vergangenheit basierende, lehrrelevante Aspekte eines Professors, die auf verschiedenen Quellen beruht. Die Konfiguration von Annahmen wird sozial konstruiert sowie von den Studierenden geteilt und ist dadurch teilweise objektiviert.
Auch wenn in der universitätsspezifischen Literatur so gut wie nie von der individuellen Lehrreputation von Professoren die Rede ist, ist es plausibel, dass sie in der oben definierten Form existiert: Die Studierenden machen sich aufgrund ihrer subjektiven Wahrnehmung von lehrrelevanten Aspekten eines bestimmten Professors ein Bild und tauschen diese Ansichten mit anderen Studierenden aus, wobei eine gewisse Übereinstimmung in den Urteilen feststellbar sein dürfte; somit liegt ein teilweise objektiviertes Konstrukt vor.

Abbildung 06: Prozessmodell der individuellen Lehrreputation von Professoren an Universitäten
Abbildung 06: Prozessmodell der individuellen Lehrreputation von Professoren an Universitäten [51]

In Abbildung 5 wird das Prozessmodell der individuellen Lehrreputation grafisch dargestellt: Die Lehrreputation von Professoren an Universitäten beruht auf diversen Quellen: In Bezug auf die Lehrveranstaltungen sind die Lehrinhalte (z.B. Praxisbezug oder theoretische Ausrichtung), die Lehrformen (z.B. Frontalunterricht im Plenum oder selbstgesteuertes Lernen in Kleingruppen) sowie die gestellten Anforderungen, welche den Arbeitsaufwand für die Studierenden bestimmen, relevant. Von Bedeutung sind auch selbst verfasste Lehrbücher und/oder Skripte, insbesondere deren Strukturiertheit und Verständlichkeit.
Die Lehrreputation hat auf der individuellen Ebene folgende Auswirkungen: Bei einer hohen Lehrreputation werden viele Studierende die Lehrveranstaltungen des Reputationsträgers belegen und auch effektiv an ihnen teilnehmen. Dies kann Rückkoppelungseffekte auf die Lehrformen haben, z.B. Vergrößerung der Lerngruppen oder im Extremfall sogar Verunmöglichung dieser Lehrmethode. Ist die Mittelzuteilung innerhalb der Universität allerdings an die Studentenzahlen gebunden, führt eine hohe Lehrreputation - über höhere Studentenzahlen indirekt - auch zu einer besseren Ressourcenausstattung, und der oben beschriebene Effekt wird zumindest abgeschwächt. Es kann auch damit gerechnet werden, dass die Lehrreputation Auswirkungen auf die Motivation und Einsatzbereitschaft der Studierenden hat: Ein begeisterungsfähiger und deshalb hoch reputierter Hochschullehrer kann die Studierenden zu Höchstleistungen bringen, wodurch der Reputationsträger erstens selbst intellektuell herausgefordert wird und zweitens auch persönliche Befriedigung aus der Lehrtätigkeit gewinnt. Positiv wird auch die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, die besten Absolventen als Mitarbeiter zu gewinnen; zudem besteht die Möglichkeit, dass sich die hohe Lehrreputation günstig auf die Karrieremöglichkeiten auswirkt: Eine mit guten Beurteilungen und allenfalls Awards dokumentierte Lehrreputation wirkt sich in einem Berufungsverfahren positiv aus, auch wenn es in der Regel nicht das primäre Kriterium ist.
Durch diese Auswirkungen auf der Individualebene können diverse Rückkoppelungseffekte ausgelöst werden: Die hohe Einsatzbereitschaft der Studierenden führt z.B. zu besseren Klausurresultaten; durch die persönliche Befriedigung des Reputationsträgers in der Lehre ist dieser zu vermehrter und intensiverer Betreuung sowie zur Verbesserung der Lehrveranstaltungen motiviert, was als Quelle wiederum seine Lehrreputation verbessert. Die hohe Lehrreputation führt somit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Im Gegensatz zur oben beschriebenen Forschungsreputation (siehe Forschungsreputation) existiert in der Literatur jedoch keine spezifische Bezeichnung dafür. Auf der Systemebene hat die dargestellte Lehrreputation (als Prozess) verschiedene Auswirkungen; sie übernimmt eine Orientierung bzw. Informationsfunktion bei der Wahl der Lehrveranstaltungen durch die Studierenden und senkt so deren Informationskosten. Dadurch sind auch bis zu einem gewissen Ausmaß Selbstselektionseffekte zu erwarten, da Studierende diejenigen Professoren bzw. deren Fach wählen, deren (inhaltliche) Reputation sie positiv bewerten. So zieht z.B. ein theoretisch orientierter Hochschullehrer auch eher theoretisch interessierte Studierende an oder ein für hohe Anforderungen bekannter Professor eher leistungsbereite Studierende. Als dysfunktional ist der Effekt zu bezeichnen, dass Lehrveranstaltungen von hoch reputierten Professoren zur Überbelegung neigen und dadurch zu einer Überlastung des Reputationsträgers führen können. Da aber davon auszugehen ist, dass einige Quellen der Lehrreputation, z.B. die Attraktivität der einsetzbaren Lehrformen, unter einer zu hohen Studentenzahl leiden, ist langfristig mit einer ausgleichenden Wirkung zu rechnen im Sinne einer sinkenden Lehrreputation und damit verbundenen sinkenden Studentenzahlen - wenn auch zeitlich verzögert, da die Lehrreputation vergangenheitsorientiert und relativ träge ist. Von ausgleichender Wirkung kann auch gesprochen werden, wenn aufgrund höherer Studentenzahlen die Mittelzuteilung durch die Universitätsleitung erhöht wird.
Versucht man, die Lehrreputation eines bestimmten Professors zu erfassen, ergeben sich dafür verschiedene Anhaltspunkte: Sowohl die Quellen der Lehrreputation als auch die individuellen Auswirkungen können Anhaltspunkte liefern. Diese sind aber mit Ausnahme der Betreuungsrektion, der Anzahl Lehrbücher und der Anzahl Studierenden sehr schwer quantifizierbar. Weitere mögliche Indikatoren sind Awards für die Lehre, Belegstunden (Veranstaltungsstunden x Beleger), Teilnehmerstunden (Veranstaltungsstunden x tatsächliche Teilnehmer), Studienfachabbrecher bzw. -Wechsler und Abbruchquoten, die aber teilweise schwer einem einzelnen Professor zurechenbar sind. Deshalb steht hier die Befragung der Reputationsbeurteiler „Studierende" mittels eines standardisierten Fragebogens im Vordergrund, sei es während des Studiums oder im Sinne einer Absolventenbefragung einige Jahre nach Abschluss des Studiums. [52]

4.5.1.3 Dienstleistungreputation

Die Dienstleistungsreputation (als Produkt) ist eine veränderliche, immaterielle und subjektiv wahrgenommene Konfiguration von Annahmen über verschiedene, auf der Vergangenheit basierende, dienstleistungsrelevante Aspekte eines Professors, die auf verschiedenen Quellen beruht Diese Konfiguration von Annahmen wird sozial konstruiert sowie von den externen Abnehmern geteilt und ist dadurch teilweise objektiviert.

Abbildung 07: Prozessmodell der individuellen Dienstleistungsreputation von Professoren an Universitäten
Abbildung 07: Prozessmodell der individuellen Dienstleistungsreputation von Professoren an Universitäten [53]

Die universitätsspezifische Literatur behandelt die Dienstleistungsreputation nicht. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass sie existiert: Außeruniversitäre potentielle oder tatsächliche Abnehmer von universitären Dienstleistungen machen sich aufgrund ihrer subjektiven Wahrnehmung von dienstleistungsrelevanten Aspekten eines Professors ein Bild und tauschen diese Ansichten mit anderen (potentiellen) Abnehmern aus, wobei eine gewisse Übereinstimmung in den Einschätzungen vorhanden ist und somit ein teilweise objektiviertes Konstrukt vorliegt. Zur Abbildung von erbrachten außeruniversitären Dienstleistungen schlägt die Evaluationsliteratur folgende Größen von Mengen- und Zeitgrößen sowie Entgelte für externe Dienstleistungen[54], Anzahl Referate, Gutachten, Drittmittel und Folgeauftrage[55] sowie Erlöse und Umfang der Aufträge.[56] Diese Größen finden teilweise Eingang in das nachfolgend dargestellte Prozessmodell der individuellen Dienstleistungsreputation (Abbildung 6).
Die Quellen der Dienstleistungsreputation werden aufgrund der Vielfalt möglicher Dienstleistungen an Externe in zwei Gruppen unterteilt: Bei stark forschungsbezogenen Dienstleistungen wie beispielsweise Expertisen oder Auftragsforschung wird auf die Quellen der Forschungsreputation verwiesen, bei denen Publikationen und Zitationen im Vordergrund stehen (siehe Forschungsreputation). Für die übrigen Dienstleistungen - wie z.B. Beratungen und Vortragstätigkeit an Praktikertagungen - kommen populärwissenschaftliche Publikationen, früher verfasste Gutachten und abgewickelte Projekte sowie Inhalt und rhetorische Gestaltung gehaltener Referate als Quellen der Dienstleistungsreputation in Frage. Letzteres zeigt sich auch in Form von Tagungsprospekten und -unterlagen. Zudem können auch die Zugehörigkeit zu einem renommierten Institut sowie die Qualität der Absolventen Quellen der Dienstleistungsreputation sein. Die Wahrnehmung dieser Quellen durch die außeruniversitären Abnehmer der Dienstleistungen (Reputationsbeurteiler) erfolgt ebenfalls zweigeteilt: bei den stark forschungsorientierten Dienstleistungen über das bereits geschilderte international standardisierte Wahrnehmungssystem der Wissenschaft - im Gegensatz zu den übrigen Dienstleistungen, bei denen keine standardisierten Wahrnehmungsprozesse bestehen und die Quellen nur lokal wahrgenommen werden. Die Wahrnehmungsprozesse werden allenfalls beeinflusst durch die Aufmachung von Tagungsinseraten oder anderen Unterlagen; ansonsten machen sich (potentielle) Abnehmer selbst ein Bild (primäre Dienstleistungsreputation) oder lassen sich durch andere informieren (sekundäre Dienstleistungsreputation). Wahrnehmungsfehl er können bei allen Arten von Dienstleistungen auftreten.
Eine hohe Dienstleistungsreputation führt zu folgenden Auswirkungen auf der individuellen Ebene: Es kann mit Folgeaufträgen für Beratungsmandate, Gutachten, Referate, Auftragsforschung etc. gerechnet werden. Dies führt zu einem höheren Einkommen über Honorare - über die Quantität, aber auch über den Preis pro Einheit - und zu mehr durch Unternehmen zur Verfügung gestellte Drittmittel. Ist zudem die inneruniversitäre Mittelverteilung u.a. auch an akquirierte Drittmittel geknüpft, ist über diesen Weg mit einer weiteren Verbesserung der Ressourcenausstattung zu rechnen. Nicht zuletzt eröffnet eine hohe Dienstleistungsreputation möglicherweise außeruniversitäre Beschäftigungsmöglichkeiten und Karrierechancen sowie die Aussicht auf Wahlämter wie z.B. Verwaltungsratsmandate. Eine weitere Auswirkung besteht im Respekt, die dem Reputationsträger von außeruniversitären Kreisen entgegengebracht wird und deren Verhalten sich ihm gegenüber verändert, was zur persönlichen Befriedigung des Reputationsträgers beitragen kann.
Rückkoppelungseffekte sind insofern zu erwarten, als durch die Dienstleistungsreputation als Produkt Auswirkungen hervorgerufen werden, die wiederum als Quellen in den Reputationsbildungsprozess eingehen. So kann z.B. über zusätzliche Drittmittel mehr Auftragsforschung betrieben werden, deren Resultate in Form von Publikationen wieder als Quellen in die Dienstleistungsreputation mit einfließen. Auf der Systemebene treten z.T. ähnliche Auswirkungen auf wie bei den anderen Teilreputationen. Positiv zu erwähnen ist die Orientierung bzw. Informationsfunktion der Dienstleistungsreputation (als Prozess) bei der Auswahl des Dienstleistungserbringers durch externe Abnehmer und die Motivationsfunktion für den Reputationsträger insbesondere über die finanziellen Anreize von Dienstleistungen. Dies kann aber auch zu unerwünschten Auswirkungen führen, nämlich dann, wenn aufgrund des beschriebenen Rückkoppelungseffektes immer mehr Dienstleistungen erbracht werden und anderen universitären Aufgaben zu wenig Beachtung geschenkt wird.
Versucht man, die Dienstleistungsreputation eines Professors zu erfassen, bieten sich - neben den bereits bei der Forschungsreputation diskutierten Indikatoren für den Teilbereich der stark forschungsbezogenen Dienstleistungen - v.a. die Anzahl Referate, Gutachten, Folgeaufträge etc. sowie die dafür bezogenen Honorare und Drittmittel von Unternehmen als Indikatoren an. Zudem ist auch hier eine Befragung der tatsächlichen und potentiellen Auftraggeber bzw. Abnehmer möglich. Insgesamt scheint jedoch die Erfassung der Dienstleistungsreputation einfacher, da eine außeruniversitäre Marktbewertung dieser Leistungen stattfindet.[57]

4.5.1.4 Selbstverwaltungsreputation

Neben den Kernaufgaben Forschung, Lehre und Dienstleistung haben Professoren auch sekundäre Aufgaben wahrzunehmen.
Die Selbstverwaltungsreputation ist eine veränderliche, immaterielle und subjektiv wahrgenommene Konfiguration von Annahmen über verschiedene, auf der Vergangenheit basierende, selbst verwaltungsrelevante Aspekte eines Professors, die auf verschiedenen Quellen beruht. Diese Konfiguration von Annahmen wird sozial konstruiert sowie von Kollegen und der Universitätsleitung geteilt und ist dadurch teilweise objektiviert.
Als Quellen der Selbstverwaltungsreputation von Professoren können die Anzahl und Qualität von übernommenen Führungsfunktionen und Gremienmitgliedschaften, persönliche sowie von den angehörenden Gremien produzierte Arbeitspapiere als auch die Kooperationsbereitschaft und das Verhandlungsgeschick betrachtet werden. [58]

4.5.1.5 Reputation als Anreizsystem

Reputation ist einerseits erstrebenswert und wertvoll, andererseits knapp. Zum Aufbau bzw. Erhalt von Reputation müssen Professoren den Erwartungen der Reputationsbeurteiler gerecht werden bzw. diese sogar übertreffen. Die Kombination des Wettbewerbs um Reputation mit den Bedingungen des Aufbaus bzw. Erhalts führen zu erwartungskonformem Verhalten der Professoren. Insofern erfüllt Reputation eine Funktion der sozialen Kontrolle bzw. eine Motivationsfunktion. Dieser Sachverhalt lässt erwarten, dass Professoren von sich aus danach streben, hohe Leistungen in Forschung, Lehre, Dienstleistung und Selbstverwaltung zu erbringen, um ihre jeweiligen Teilreputationen aufzubauen bzw. zu erhalten. Dies widerspricht jedoch teilweise den Erfahrungen aus der Universitätspraxis. Sehr gut dokumentiert ist in diesem Zusammenhang die Vernachlässigung der Lehre zu Gunsten anderer Aufgaben, insbesondere von Forschungsaufgaben.
Daten über Publikationen (Forschungsreputation), Curriculunistruktur (Lehrreputation), erstellte Gutachten (Dienstleistungsreputation) und übernommene Aufgaben im Rahmen der universitären Selbstverwaltung (Selbstverwaltungsreputation) gesammelt. Die systematische Erfassung scheint insbesondere im Bereich der Lehre, Dienstleistung und Selbstverwaltung von besonderer Bedeutung, da diese Informationen sonst gar nicht zur Verfügung stehen würden, im Gegensatz zur Forschung, bei der sich ein standardisiertes Wahrnehmungssystem schon seit längerem etabliert.
Wahrnehmungsverbesserung kann zudem aus der Vergabe von Preisen für besondere Leistungen in Forschung, Lehre, Dienstleistung und Selbstverwaltung resultieren (Indikatoren der Reputation). Von dieser verbesserten Wahrnehmung gehen insbesondere zwei Wirkungen aus. Erstens wird dadurch die Reputation erhöht bzw. deren Aufbau beschleunigt. Dies kann als Belohnung interpretiert werden, da die Reputationsträger eine höhere Reputation mit gleichem "Einsatz" erreichen. Zweitens wirkt die Ankündigung der Veröffentlichung der Evaluationsresultate präventiv. Bei einem erwarteten positiven Resultat als Anreizfaktor, da dieses reputationsbildend wirkt und bei einem erwarteten negativen Resultat als Sanktion, da dieses reputationsmindernd wirkt. Unter der folgenden Abbildung ist die Wissenschaft als Anreizsystem dargestellt und wird in den folgenden Ausführungen näher erläutert.[59]

Abbildung 08: Wissenschaft als Austauschssystem
Abbildung 08: Wissenschaft als Austauschssystem [60]

Da Professoren nach einer hohen individuellen Reputation streben, kann die Unterstützung beim Aufbau von Reputation als Anreiz eingesetzt werden.
Die Anreizgestaltung kann gegliedert nach Belohnung (materielle Anreize) und Arbeitsgestaltung (immaterielle Anreize). Das Ziel von Anreizsystemen an Hochschulen besteht grundsätzlich darin, steuernd auf das Verhalten der Professoren einzuwirken, damit sie ihr Handeln an den Zielen der Hochschule ausrichten, also ihren individuellen Beitrag zu Forschung, Lehre, Dienstleistung und Selbstverwaltung optimieren. Generell gilt, dass eine effiziente und effektive Gestaltung des Anreizsystems für Professoren bei ihrer Motivstruktur ansetzt.
Bedenken in Bezug auf eine leistungsorientierte Entlohnung von Professoren an Hochschulen lassen sich viele anführen. Die Leistungsbewertung - als Grundlage der Leistungsentlohnung - ist mit großen Problemen verbunden, monetären Anreizen wird nur eine begrenzt leistungssteigernde Wirkung zugeschrieben, [61] intrinsische Motivation kann durch extrinsische (monetäre) Leistungsanreize verdrängt werden (Crowding-out) [62] und hohe Lohndifferenzen zwischen Professoren können negative Auswirkungen auf die Arbeitszufriedenheit, Forschungsproduktivität und Wahrscheinlichkeit der Forschungszusammenarbeit haben.
Während sich also Bestandteile des Anreizsystems, welche die Arbeitsgestaltung betreffen, kaum gezielt einsetzen lassen, bringt der Einsatz von steuerbaren materiellen Anreizen - insbesondere die leistungsorientierte Entlohnung - eine Vielzahl von Nachteilen mit sich. In dieser Situation ist die Reputation von Professoren von entscheidender Bedeutung. Sie ist der zentrale, außerhalb der Arbeit liegende Motivationsfaktor für Professoren. "Reputationsanreize" sind demnach in hohem Masse kompatibel mit der Motivstruktur von Professoren. Zudem passen sie besser zum kulturprägenden Ideal der Autonomie als Leistungslöhne. Dadurch besteht die Möglichkeit, Professoren mit Reputation zu "belohnen" bzw. die Unterstützung beim Aufbau von individueller Reputation als Anreiz für Professoren gezielt einzusetzen.
Zur Unterstützung beim Aufbau von Reputation bietet das Prozessmodell grundsätzlich zwei Anknüpfungspunkte, nämlich die Quellen der Reputation und deren Wahrnehmung. Eine Kategorie von (personalen) Maßnahmen, die bei den Quellen der Reputation ansetzt, ist die Unterstützung bei der Verbesserung von reputationsrelevanten Fähigkeiten. Dazu gehören z.B. die Gewährung eines Frei Semesters zum Erlernen einer neuen Forschungsmethode an einer führenden Hochschule (Forschungsreputation), eine Ausbildung in Rhetorik (Lehr-und Selbstverwaltungsreputation) und ein Einführungskurs über die Funktionsweise der universitäre Selbstverwaltung für neue Professoren (Selbstverwaltungsreputation). Eine weitere Gruppe von (organisationalen) Maßnahmen ist das Bereitstellen von Mitteln, z.B. zur Finanzierung eines Forschungs- oder Lehrprojektes oder zur Veröffentlichung einer Monographie, personelle Mittel zur Verstärkung des Teams und infrastrukturelle Mittel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Alle diese Massnahmen führen dazu, dass sich Professoren mehr und einfacher Reputationsquellen erarbeiten können. Darüber hinaus kann die Hochschule ihre eigene Reputation verbessern, die auch als Quelle in die individuelle Reputation mit einfließt. Da die Reputation eines Professors jedoch nicht nur von den (objektiv) vorhandenen Quellen abhängt, sondern auch von deren Wahrnehmung, kann die Unterstützung bei der Reputationsbildung von Professoren auch dort ansetzen. Mögliche Maßnahmen, welche die Wahrnehmung verbessern, sind die Organisation eines Kongresses durch die Hochschule als Präsentationsplattform für ihre Professoren (in der Scientific Community oder bei Unternehmen), die Vergabe eines Lehrpreises und Bekanntmachung des Preisträgers sowie eine nach Professoren gegliederte, standardisierte Erfassung und Veröffentlichung aller erbrachten Leistungen in der universitären Selbstverwaltung.
Mit der Veröffentlichung von reputationsrelevanten Informationen über einen Professor — insbesondere von Evaluationsresultaten - kann die Motivationsfunktion der Reputation intensiviert werden, wobei schon die Ankündigung der Veröffentlichung den angestrebten Effekt erzielt.

4.5.2 Hochschulen

Nach unseren Analysen nehmen Hochschulen im Kontext der wissenschaftlichen Reputation eine untergeordnete Rolle zu Professoren, oder allgemeiner ausgedrückt Wissenschaftler ein, da sie durch ihre Reputation leben. Je mehr Wissenschaftler mit stark ausgeprägter Reputation eine Hochschule beschäftigt, desto höher ist die Reputation der Hochschule, die von der äußeren Umwelt wahrgenommen und anerkannt wird. Hochschulen nehmen eher eine unterstützende Rolle ein und bieten ihnen ein Framework, um ihr Streben nach einer stärkeren Reputation nachgehen zu können. Dabei werden sie unter Anderem durch finannzielle Mittel, Humanressources, Ausstattung, einfacheren Publikationsmöglichkeit durch die Hochschule, etc. unterstützt.

4.5.2.1 Wettbewerb

Obwohl Hochschulen keinem marktwirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt sind, stehen akademische Institutionen und die ihnen angehörenden Professoren in einem Wettbewerb, und zwar im Wettbewerb um die Reputation. Unter Wettbewerbsbedingungen ist der gute Ruf einer Hochschule von entscheidender Bedeutung. Wie im folgenden Abschnitt näher erläutert wird, hängt dieser unmittelbar von Top - Professoren der Hochschule ab. Sie bilden die Basis für das Ansehen der Hochschule und beeinflussen die Gewinnung erstklassiger Studenten, finanzielle Ressourcen und weiterer Professoren mit hoher wissenschaftlicher Reputation.

4.5.2.2 Reputationsmanagement im universitären Kontext

Die Reputation der Universität und der darin tätigen Professoren beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb spielen bei der Gewinnung von Professoren eine wichtige Rolle. Je höher die Reputation der Universität bzw. ihrer Teilbereich, desto höher ist grundsätzlich die Reputation der ihr angehörenden Professoren. Damit ist der Gedanke verbunden, dass nur hoch qualifizierte Professoren von einer Top-Universität berufen werden. Gehört ein Professor also einer Universität mit hoher Reputation an, kann daraus geschlossen werden, dass er hochstehende Leistungen erbringt, was förderlich für seine individuelle Reputation ist. Dadurch, dass die Reputation der Universität auf ihre Professoren abfärbt, können nun einerseits alle Maßnahmen zur Förderung der universitären Reputation als Unterstützung beim Aufbau der individuellen Reputation der ihre angehörenden Professoren betrachtet werden. Anderseits zeigt sich dadurch, dass die Reputation der Universität auch eine entscheidende Rolle bei der Gewinnung von Professoren spielt. Die hohe universitäre Reputation stellt einen immateriellen Anreiz dar, der das akquisitorische Potential der Universität und somit ihre Attraktivität als Abreitgebern vergrößert.[63]
Die individuelle Reputation der Professoren wird als wesentlicher Einflussfaktor der Reputation ihrer Universitäten betrachtet. "Eine Universität, die über viele renommierte Forscher verfügt, hat langfristig die höhere Reputation." [64]
Ein weiterer Ansatzpunkt zur Förderung der universitären Reputation besteht darin, Auswahlmechanismen für Studienbewerber wie auch für (bereits) Studierenden zu etablieren.[65] Dadurch steigt die Reputation der Universität, da nur solche Studierende aufgenommen und gefördert werden, die den Leistungsanforderungen genügen. Wenn diese sich nach dem Abschluss bei ihrem Berufsanstieg bewähren – sei es in der Wirtschaft oder als wissenschaftlicher Nachwuchs an Universitäten – wird das nicht zuletzt auch auf die hohe Qualität der Universität zurückgeführt.
Der dritte Ansatzpunkt zur Förderung der universitären Reputation wird in einer Verbesserung der Wahrnehmung universitärer Leistungen gesehen. Dazu gehört z.B. wie die Anzahl ausgestellter Lizentiate und angemeldeter Patente als auch spezielle Erfolge wie Nobelpreise und Erfahrungen der Universität und ihrer Angehörigen professionell kommuniziert werden, sei es über periodisch erscheinende Printmedien, Internet, Pressekonferenzen, Fernsehauftritte, Kongresse etc. Durch ein eigentliches universitäres Public Relations-Konzept [66]Modell der strategischen Public Relations für wissenschaftliche Hochschulen können nicht nur positive Effekte auf die Universität ausgehen, sondern auch auf die Mittelzuteilung für die Universität: Sind die Leistungen der Universität sichtbar, ist man auf gesellschaftlicher und politischer Ebene eher zu einer großzügigen Versorgung mit finanziellen Mitteln bereit.

4.5.2.3 Messbarkeit und Wahrnehmung der Reputation

Das Thema Hochschulreputation hat in der deutschen Hochschuldebatte in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Nachdem das Interesse von Ministerien, Studienanfängern und Arbeitgebern an der Leistungsbestimmung von Hochschulen deutlich zugenommen hat, haben sich insbesondere in der Presse Reputationsrankings, bzw. Hochschulrankings verbreitet (z.B. die Rankings im Spiegel, Focus oder in der Wirtschaftswoche). Hochschulrankings sind die sichtbaren Gradmesser für den guten Ruf einer Hochschule, die von allen Zielgruppen immer stärker beachtet werden.
Hochwertige Reputationsrankings tragen wesentlich zur Markttransparenz bei und erhöhen so die Effizienz im Hochschulwesen. Gleichwohl handelt es sich bei der Hochschulreputation um ein vielsichtiges und bisher wenig verstandenes Konstrukt. Zwar sind sich Studenten, Arbeitgeber und Wissenschaftler häufig darüber einig, ob eine Einrichtung reputierlich ist oder nicht. Weitaus weniger Einigkeit besteht hingegen darüber, welche Faktoren für die Hochschulreputation verantwortlich sind.
Bevor die verschieden Faktoren diskutiert werden, die in der Regel mit Hochschulreputation assoziiert werden, ist es sinnvoll, zwischen akademischer Reputation und Reputation der übergeordneten Hochschule zu unterscheiden. Die akademische Reputation resultiert im Wesentlichen aus den akademischen Leistungen eines Forschers oder Forschungsteams und ist damit nur ein Teil der Reputation der übergeordneten Hochschule. Die Hochschulreputation setzt sich, wie gleich gezeigt werden soll, nicht nur aus den Forschungsleitungen, sondern aus vielen unterschiedlichen Faktoren zusammen. Sie kann als gemeinsame Konstruktionsleistung, eine Kollektiveinschätzung verschiedener Anspruchsgruppen in Bezug auf die Leistungsqualität der Gesamtorganisation definiert werden.
Dabei können unterschiedliche Anspruchsgruppen bei der Einschätzung der übergeordneten Hochschulreputation durchaus unterschiedliche Bewertungskriterien zugrunde liegen. So ist beispielweise möglich, dass Studenten Attribute wertschätzen, denen Wissenschaftler oder Arbeitgeber nur eine untergeordnete Bedeutung beimessen würden.
Wissenschaftler können die Reputation einer Hochschule auf Basis Faktoren beurteilen, die Arbeitgeber und Studierende wiederum ignorieren würden. Eine Hochschuleinrichtung kann eine exzellente Forschungsreputation haben, aber nur eine mittelmäßige Reputation unter Studierenden. [67]

5 Optimierungspotential der Reputation

Der Prozess der Reputation kann durch gezielten und effektiven Einsatz von Medien optimiert werden. Im folgenden Abschnitt wird das Optimierungspotential durch den Einsatz von Technologien dargestellt, die das Internet betreffen. Andere Massenmedien sind außerhalb unseres Fokuses und werden daher nicht näher analysiert.

5.1 Online-Reputations-Management und Web 2.0

Online-Reputations-Management ist die Praxis der konsequenten Erforschung und Gestaltung der persönlichen, beruflichen oder geschäftlichen Reputation im Internet. Während es bei der persönlichen oder beruflichen Reputation um einen Menschen geht, kann die geschäftliche Reputation auch Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen als Ganzes betreffen. Es geht zunächst darum, herauszubekommen welche Reputation oder welcher Ruf eine Person oder ein Unternehmen im Internet hat und parallel darum, durch aktives Handeln auf den Prozess der Reputationsbildung Einfluss zu nehmen. Wichtig ist hier das Parallel. Wer erst an die Reputations-Gestaltung geht, wenn er feststellt, dass der Ruf durch kritische News und Diskussionen in Gefahr gerät, handelt zu spät.
Das Thema Online-Reputations-Management ist durch die Entwicklung des Internets hin zum Web 2.0 zunehmend stärker wahrgenommen werden. Beim Web 2.0 geht es darum, dass die Internet-Benutzer mehr Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Internet suchen. Viele werden mit Blogs und anderen eigenen Aktivitäten auf Online-Plattformen wie Facebook, Xing oder Wikipedia aktiv. Da diese Phänomene zunehmend stärker wahrgenommen werden, ergeben sich hier publizistische Wirkungen, die abseits der bisherigen Mainstream-Medien funktionieren.
Wichtiger Bestandteil des Online-Reputations-Managements ist das Online-Reputations-Monitoring, das Erfassen aller Äußerungen über eine Person oder ein Unternehmen im Internet einschließlich der Bestimmung der Bedeutung der jeweiligen Äußerung. Denn es ist wichtig, auf die Reichweite der jeweiligen Äußerung zu achten. Ein Blogbeitrag in einen nicht beachteten Blog ist anders einzuschätzen als ein Kommentar in einem vielbeachteten professionelle-journalistischen Angebot.
Parallel zum Online-Reputations-Monitoring hat man mit eigenen Möglichkeiten seine Online-Reputation zu unterstützen. Hierzu zählen die traditionellen Möglichkeiten der eigenen Website genauso wie auch die neueren Möglichkeiten des Web 2.0.
Für beide Bereiche des Online-Reputations-Managements können folgende Ansatzpunkte im Internet gewählt werden.

  • traditionelle oder Mainstream-Websites wie die großen Portale der Zeitungen und Zeitschriften
  • soziale Netzwerke (wie beispielsweise Xing oder Facebook)
  • soziale News und Bookmarking-Websites (wie beispielsweise YIGG und del.icio.us)
  • Diskussionsforen wie man sie beispielsweise bei Amazon.com oder heise.de findet
  • User-Generated Content Sites in Blogs und Microblogs
  • Video-Plattformen wie You-Tube oder Clip-Fish etc..

Aufgabe des Online-Reputations-Managements ist es, auf allen diesen Ebenen jederzeit präsent zu sein, um Veränderungen in seiner Reputation wahrzunehmen und gleichzeitig positiv auf sie Einfluss zu nehmen.

6 Schlussbetrachtung

Die Wissenschaft sieht sich tiefgreifenden Veränderungen in ihrer Umwelt ausgesetzt. Die Globalisierung der Wissenschaft und der verschärfte Wettbewerb zwischen Hochschulen um knappe finanzielle Mittel, um wissenschaftliches Personal, die steigende Studierendenzahlen und der stärker problemorientierte Umgang mit Wissen, bedürfen einer grundlegenden Differenzierung von anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Unter dem Stichwort Hochschulmanagement kommen dabei zwecks effizienterem Einsatz der knappen Mittel vermehrt betriebswirtschaftliche Grundsätze und Methoden zum Einsatz, deren Anwendung früher auf Unternehmen beschränkt war. In diesem Wettbewerb nehmen vor allem Professoren eine Schlüsselrolle als Träger von Wissen ein. Sie sind ein knappes und wertvolles Gut für Hochschulen. Hochschulen konkurrieren demnach ganz besonders nach der Gruppe stark reputierten Professoren, denn je mehr Professoren mit einer stark ausgeprägten Reputation eine Hochschule beschäftigt, desto positiver wirkt sich dies für die Reputation der Hochschule aus. Dies schlägt sich hauptsächlich in einer stabilen Positionierung innerhalb des Hochschulrankings nieder. Die große Herausforderung, denen Hochschulen gegenüberstehen ist den Professor (als Individuum betrachtet) für weiteres Streben nach Reputation anzureizen und zu motivieren. Je mehr Reputation ein Professor hat, desto einfacher wird es zwar für ihn, weitere Reputation aufzubauen, aber desto weniger ist er motiviert nach weiterer Reputation zu streben. In unseren Ausführungen haben wir ein Anreizsystem abgeleitet, wie es in der heutigen Zeit Anwendung findet. Unter Beachtung der oben erwähnten Wettbewerbsbedingungen, wodurch Hochschulen immer mehr betriebswirtschaftliche Grundzüge annehmen und unter Berücksichtigung der abnehmenden Motivation bei zunehmender Reputation von Professoren, lässt sich unserer Einschätzung nach folgendes Fazit ableiten: Hochschulen müssen in Zukunft wesentlich mehr in das Anreizsystem für Professoren investieren und bei der Motivation dieser immer innovativer werden, um die Fluktuation von Professoren so gering wie möglich zu halten, da die Wahrscheinlichkeit der Fluktuation bei stark reputierten Professoren zu nimmt. Andernfalls kann eine Hochschule an Reputation verlieren, bzw. nicht weiter ausbauen und dadurch nicht mehr in der Lage sein, Wettbewerbsfähig zu bleiben.

7 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen

  • Abbildung 01: Personal der Universität
  • Abbildung 02: Dimensionen der Reputation
  • Abbildung 03: Begriffliche Abgrenzungen der Reputationsträger
  • Abbildung 04: Allgemeines Prozessmodell der Reputation
  • Abbildung 05: Prozessmodell der individuellen Forschungsreputation von Professoren an Universitäten
  • Abbildung 06: Prozessmodell der individuellen Lehrreputation von Professoren an Universitäten
  • Abbildung 07: Prozessmodell der individuellen Dienstleistungsreputation von Professoren an Universitäten
  • Abbildung 08: Wissenschaft als Austauschssystem

Tabellen

  • Tabelle 01: Generelle Reputationsmerkmale und abgeleitete Konsequenzen
  • Tabelle 02: Reputationsträger verschiedener Ebenen
  • Tabelle 03: Reputationsbeurteiler und Teilreputationen

8 Fußnoten

  1. vgl. Quellangabe Nr. 01, Seite 2
  2. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 10 f.
  3. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 60
  4. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 60 - 61
  5. vgl. Quellangabe Nr. 28
  6. vgl. Quellangabe Nr. 29
  7. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 14
  8. vgl. Quellangabe Nr. 30
  9. vgl. Quellangabe Nr. 03, Seite 5
  10. vgl. Quellangabe Nr. 03, Seite 6 f.
  11. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 113
  12. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 113
  13. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 113
  14. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 114 f.
  15. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 115
  16. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 115 f.
  17. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 116
  18. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 116 f.
  19. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 117 f.
  20. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 118
  21. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 118 f.
  22. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 120
  23. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 120 f.
  24. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 155
  25. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 154 f.
  26. vgl. Quellangabe Nr. 04, Seite 69
  27. vgl. Quellangabe Nr. 05, Seite 239
  28. vgl. Quellangabe Nr. 05, Seite 240
  29. vgl. Quellangabe Nr. 05, Seite 239
  30. vgl. Quellangabe Nr. 06, Seite 7
  31. vgl. Quellangabe Nr. 07, Seite 145
  32. vgl. Quellangabe Nr. 02
  33. vgl. Quellangabe Nr. 12, Seite 25
  34. vgl. Quellangabe Nr. 10, Seite 358
  35. vgl. Quellangabe Nr. 13, Seite 707
  36. vgl. Quellangabe Nr. 11, Seite 740
  37. vgl. Quellangabe Nr. 08, Seite 275
  38. vgl. Quellangabe Nr. 09, Seite 474-475
  39. vgl. Quellangabe Nr. 07, Seite 140
  40. vgl. Quellangabe Nr. 14
  41. vgl. Quellangabe Nr. 15
  42. vgl. Quellangabe Nr. 17, Seite 585-597
  43. vgl. Quellangabe Nr. 16, Seite 131-132
  44. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 157 f.
  45. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 162 f.
  46. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 177
  47. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 178 - 179
  48. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 179
  49. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 180
  50. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 180 f.
  51. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 185
  52. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 182-188
  53. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 191
  54. vgl. Quellangabe Nr. 25, Seite 243-244
  55. vgl. Quellangabe Nr. 24, Seite 120f
  56. vgl. Quellangabe Nr. 26, Seite 409
  57. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 188-192
  58. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 193
  59. vgl. Quellangabe Nr. 19, Seite 201
  60. vgl. Quellangabe Nr. 02, Seite 166
  61. vgl. Quellangabe Nr. 27, Seite 71
  62. vgl. Quellangabe Nr. 08, Seite 144
  63. vgl. Quellangabe Nr. 20, Seite 145
  64. vgl. Quellangabe Nr. 21, Seite 331
  65. vgl. Quellangabe Nr. 21, Seite 135
  66. vgl. Quellangabe Nr. 22
  67. vgl. Quellangabe Nr. 18, Seite 14-15

9 Literatur- und Quellenverzeichnis

Nr.Quellebezeichnung
01Buch "Die Bedeutung von Medien für die Reputation von Wissenschaftlern" von Peter Weingart / Petra Pansegrau / Matthias Winterhager
02Buch "Reputation von Professoren" von Barbara Brenzikofer
03Buch "WEB 2.0 - Einsatzpotentiale im Unternehmen" von Uwe Leitermann
04Buch "Zur Bedeutung des Mediums Computer für das Kommunikationssystem Wissenschaft" von Uwe Rutenfranz (1997)
05Buch "Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft" von Peter Weingart (2001)
06Buch "Medieninszenierungen im Wandel" von Ontrup/Schicha (1999)
07Buch "Wege der Wissenschaft" von Chalmers Alan (1999)
08Buch "Die Betriebswirtschaft" von Alexander Dilger (1999)
09Buch "Selektion und Veredelung von Humankapital" von Egon Franck/Christian Opitz (2000)
10Buch "Transzendentale Ökonomik" von Ulrich Thielemann (2004)
11Buch "Entwicklungslinien der Betriebswirtschaftslehre" von Eberhard Witte (1998)
12Buch "Organisation, Management, Unternehmensführung" von Joachim Wolf (2003)
13Buch "Herausforderungen an die Betriebswirtschaftslehre" von Luther Siegfried (1998)
14Buch "Expedition ins Lehrreich" von M. Bell (2002)
15Buch "Die Kapitalisierung des Wissens" von M. Bovenschulte und O. Gaus (2000)
16Buch "Transnationale Umweltpolitik zum Schutz der Ozonsicht" von Reiner Grundmann (1999)
17Buch "The Role of the Mass Media in Scientific" von Rae Goodell (1987)
18Buch "Vermarktung von Hochschulweiterbildung" von Anke Hanft und Annika Simmel (2007)
19Buch "Hochschulreform in Europa--konkret" von Stefan Titscher, Sigurd Höllinger, Peter Bendixen (2003)
20Buch "Personalmanagement in Universitäten" von W. Weber (1999)
21Buch "Strategisches Personalmarketing (Überblick)" von B. Staffelbach (1994)
22Buch "Public Relations für wissenschaftliche Hochschulen" von H. Escher (2001)
23Buch "Die Universität als Dienstleistungsunternehmen" von D. Amrhein (1998)
24Buch "Evaluation von Hochschulleistungen" von Schenker-Wiki (1996)
25Buch "Ansätze und Perspektiven einer anspruchsgruppenorientierten Hochschulgestaltung" von A. Stegner (1996)
26Buch "Ökonomie der Hochschule Band I: Eine betriebswissenschaftliche Untersuchung" von H. Bolsenköter (1976)
27Buch "Personalmanagement und Diestleistungsreform an deutschen Hochschulen" von Eckardstein (2001)
28Internet "http://de.wikipedia.org/wiki/Institut"
29Internet "http://de.wikipedia.org/wiki/Nachwuchswissenschaftler"
30Internet "http://de.wikipedia.org/wiki/Reputation"

10 Anhang

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