Tablet Computing im Einzelhandel
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Fallstudienarbeit | |
| Hochschule: | Hochschule für Oekonomie & Management |
| Standort: | Essen |
| Studiengang: | Bachelor Wirtschaftsinformatik |
| Veranstaltung: | Fallstudie / Wissenschaftliches Arbeiten |
| Betreuer: | Prof._Dr._Uwe_Kern |
| Typ: | Fallstudienarbeit |
| Themengebiet: | Tablet Computing |
| Autor(en): | R. Frochte, D. Pawlik, M. Spiekermann, G. Wittstamm |
| Studienzeitmodell: | Abendstudium |
| Semesterbezeichnung: | |
| Studiensemester: | 2 |
| Bearbeitungsstatus: | begutachtet |
| Prüfungstermin: | |
| Abgabetermin: | |
1 Einleitung
Der Absatz im Einzelhandel geht immer weiter zurück, wogegen der Onlinehandel eine immer stärker werdende Position einnimmt. Diese Arbeit widmet sich dem Einsatz von Tablet Computern im stationären Einzelhandel unter dem Aspekt, die Vorteile des Onlinehandels zu relativieren und seine Prinzipien und Methoden auf den stationären Einzelhandel zu überführen. Dazu wird in der Einleitung zunächst die Ausgangssituation dargestellt und die konkrete Problemstellung skizziert. Es wird die Zielsetzung dieser Arbeit vorgestellt und die Vorgehensweise erklärt.
1.1 Problemstellung
Der Absatz im Einzelhandel erfährt einen kontinuierlichen Rückgang (siehe Abbildung 1: Umsatzentwicklung im Einzelhandel). Die "Geiz ist Geil" Mentalität wird mittlerweile auf alle Branchen des Einzelhandels projiziert, angefangen im Elektronikeinzelhandel über die Baumärkte, bis hin zur Lebensmittelbranche. Dies führt zu einem offensiven Preiskampf, welcher in immer raffinierteren Rabatt- und Sonderpreisaktionen gipfelt. Doch der Preiskampf ist kein Instrument das auf Dauer höhere Absätze oder mehr Kunden generiert, er führt lediglich zu einer Verschiebung von Marktanteilen und kurzfristigen Absatzsteigerungen [1] . Aufgrund dieser Tatsache wird der Preiskampf nicht zu einem dauerhaften Instrument für das Entwickeln von Wettbewerbsvorteilen und neuen Marktanteilen. Der Preiskampf führt immer mehr zu einer Kaufzurückhaltung der Kunden, >> […]wer zu früh kauft, den bestraft das Sonderangebot[…] « [1]. Des Weiteren führt die seit dem Internetzeitalter stetig verbesserte Informationsmöglichkeit dazu, dass Kunden immer mehr Alternativen zur Auswahl haben und meist keine qualifizierte Entscheidung bezüglich der qualitativen Unterschiede zwischen Produkten treffen können. Hinzu kommt, dass es für den Kunden wesentlich leichter geworden ist in Online Communitys wie „idealo.de“ [2] den besten Preis für ein Produkt ausfindig zu machen, gleichzeitig die Erfahrungen anderer Kunden zu lesen und sich mit diesen über Vor- und Nachteile sowie Alternativen auszutauschen. Folglich ist es die weltweit vernetzte Informations- und Kommunikationstechnik die es dem Kunden ermöglicht sich ohne jegliche Vorkenntnis mit der Beschaffenheit eines Produktes auseinander zu setzen und sich ein eigenes Idealbild des Produktes zu erschaffen.Der Onlinewelt entgegen steht der stationäre Einzelhandel, der für den Kunden in gewissen Einsatzbereichen eine besondere Attraktivität darstellt. Neben der Deckung des Bedarfs an Produkten des täglichen Lebens betrachten viele Kunden einen Einkauf als ein Erlebnis des Entdeckens und Begreifens. Dementsprechend versucht der Einzelhandel, für den Kunden diesen emotionalen Aspekt so attraktiv wie möglich zu machen. [3] Dadurch können die Marktanteile, die durch den Onlinehandel beansprucht werden, jedoch nicht zurückerobert werden.
Im Vergleich zum Versandhandel, speziell zum Onlinehandel, hat der stationäre Einzelhandel nämlich einige wirtschaftliche Nachteile auszugleichen. Der stationäre Einzelhandel hat wesentlich höhere Kosten zu tragen, als ein Versandhandel. Es werden Stellflächen zur Warenpräsentation benötigt, so wie ein ausgeklügeltes System zur Versorgung der Standorte mit Waren. Damit einher gehen Kosten für interne Logistik, die ein Versandhandel in dieser komplexen Weise nicht hat.
Um die Verkaufsstätten zu unterhalten ist zwingend Personal notwendig. Der Personalbedarf beim Versandhandel hingegen ist wesentlich geringer. Der Versandhandel kann theoretisch ohne räumliche Einschränkung und ohne beschränkte Öffnungszeiten seine Waren anbieten. Dagegen muss der stationäre Einzelhandel sich oftmals an Gesetzte zur Regelung der Verkaufszeiten halten und kann nur Kunden in räumlicher Nähe erreichen. Er wird sich in der Regel ein Sortiment zusammenstellen, welches in sich logisch geschlossen ist, um sich dadurch dem Kunden als Fachhandel zu präsentieren und eine bestimmte Käuferklientel anzusprechen. Der Onlinehandel hingegen unterliegt auch diesen Beschränkungen nicht. Durch den Zusammenschluss vieler Anbieter kann diese Barriere durchbrochen werden und der Kunde kann auf ein extrem weit gestreutes Produktangebot zugreifen.
Der stationäre Einzelhandel ist also bezüglich des Zugangs zu Kunden, der Verfügbarkeit des Angebotes und der anfallenden Kosten dem Versandhandel gegenüber benachteiligt. Als Abgrenzungsmerkmal bleiben Spezialisierung, Beratung, Service und Fachkompetenz.
Die folgende Tabelle bietet eine Abgrenzung des E-Commerce gegenüber dem Einzelhandel.
| Aspekt | Vorteile des E-Commerce gegenüber dem traditionellen Einzelhandel | Nachteile des E-Commerce gegenüber dem traditionellen Einzelhandel |
|---|---|---|
| Beratung und Kundendienst | umfangreiche Informationen, Beratungs- und Suchhilfen | direkte persönliche Beratung derzeit nur eingeschränkt möglich |
| Marketing und Präsentation | verbesserte Möglichkeiten der Sortimentsindividualisierung (u.a. bedingt dadurch, dass kein Mangel an Regalkapazität herrscht) | erschwerte Möglichkeiten der Vermittlung emotionaler Einkaufserlebnisse |
| Physische Distribution | maximale Ort- und Zeitpräsenz bei digitalisierbaren Leistungen | physische Distribution problematisch |
Quelle:Purper (2000)[4]
Tabelle 1: Vor- und Nachteile des E-Commerce gegenüber dem traditionellen Einzelhandel.
Um die Nachteile des stationären Einzelhandels zu relativieren bleiben also grundsätzlich zwei Aspekte. Zum einen die Reduzierung der Kosten in den Bereichen Logistik und Personal, zum anderen die Übertragung der Konzepte und Methoden des E-Commerce auf den Einzelhandel.
1.2 Zielsetzung
Ziel dieser Arbeit ist es, den Einsatz von Tablet Computern im Einzelhandel zu prüfen. Die Betrachtung konzentriert sich dabei auf den stationären Einzelhandel. Es wird hinterfragt, ob in den Bereichen Logistik und Marketing ein sinnvoller Einsatz möglich ist, um Kosten zu sparen oder Prozesse zu verschlanken. Ebenso wird geprüft, ob durch den Einsatz von Tablet Computern die Konzepte und Methoden des E-Commerce auf den stationären Einzelhandel übertragen werden können.
1.3 Vorgehensweise
Zunächst wird der Leser zum Verständnis dieser Arbeit über wichtige Grundlagen informiert. Dazu gehören Grundlagen über Tablet Computing als auch Grundlagen über ähnliche Geräte und eine Abgrenzung von diesen. Um dem Leser ein gutes Verständnis zu vermitteln, wird jeweils ein typisches Gerät vorgestellt. Es folgt eine strukturierte Analyse des Einsatzes von Tablet Computing für zentrale Bereiche und Prozesse des Einzelhandels. Der Einsatz von Tablet Computing wird für den speziellen Einsatzbereich geprüft und – wenn sinnvoll - mit dem Einsatz ähnlicher Systeme verglichen. Ein geschlossenes Warenwirtschaftssystem wird dabei oftmals vorausgesetzt und nicht mehr explizit in den einzelnen Kapiteln erwähnt. Es findet in jedem Punkt eine Bewertung statt. Oftmals kann der Einsatz von Tablet Computing ohne weitere Differenzierung des stationären Einzelhandels geprüft werden. In einigen Kapiteln wird jedoch auf spezielle Einsatzbereiche eingegangen. Ist dies nicht der Fall, so erfolgt eine übergreifende Betrachtung.
Abschließend wird im Fazit der grundsätzliche Einsatz von Tablet Computing auf Basis dieser Ergebnisse und in Bezug auf die Problemstellung bewertet. Der Leser erhält in kompakter und übersichtlicher Form eine Gesamtdarstellung so wie eine übergreifende Betrachtung der Chancen und Risiken.
2 Grundlagen
In den Grundlagen werden die in dieser Arbeit verwendeten Begriffe erläutert und die zum Verständnis notwendigen Kentnisse vermittelt.
2.1 Einzelhandel
Der Einzelhandel stellt das letzte Glied der Distributionskette von Produktion bis zum Konsumenten dar. Dabei wird das Produkt durch den Einzelhandel in der Regel nicht mehr bearbeitet. Hingegen werden Dienstleistungen angeboten wie Warenpräsentation, Fachberatung oder auch Abwicklung der Präsentation. Der Einzelhandel ist gegliedert in stationären Einzelhandel, ambulanten Einzelhandel und den Versandhandel. Der stationäre Einzelhandel verfügt über ortsgebundene Verkaufsstätten. Der ambulante Einzelhandel zeichnet sich durch mobile Verkaufsstätten aus. Der Versandhandel hingegen hat selber keine eigenen Verkaufsstätten [5].
2.2 Tablet Computer
Tablet Computer, auch Tablet-PC (Personal Computer) genannt (engl. Tablet – Schreibtafel; US-engl tablet – Notizblock). Ein tragbarer Computer, der ohne Tastatur bedient werden kann. Ausgestattet mit einem touchscreen Display, kann er entweder mit einem Eingabestift oder mit Fingergesten bedient werden. Vorläufer des Tablet Computer waren die „Pen Computer“ genannten Geräte, welche alle auf einen Stift als Eingabegerät setzten. Seit Mitte der 90er Jahre verfolgten immer wieder einige Firmen das Konzept eines tragbaren Computers, welcher als Notizblock genutzt werden soll. Aufgrund der früher noch sperrigen Bauweise setzten sich zuerst Geräte wie die PDAs (Personal Digital Assitents) auf dem Markt durch. Erst durch die Verbesserung der Nanotechnologie und die damit einhergehende Verkleinerung der Hardware wurden Tablet Computer wirklich interessant. Der aktuell von Apple generierte Hype um Tablet Computer lässt das Interesse und die Verkaufszahlen für Tablets enorm in die Höhe schnellen. (Siehe Abbildung 2: Anzahl verkaufter Tablet Computer 2009/2010 in Deutschland)Wurden letztes Jahr in Deutschland lediglich 20.000 Tablet Computer verkauft, rechnet man 2010 mit einem Absatz von bis zu 500.000 Stück in Deutschland. Seit der Einführung des iPad im April 2010 wurden bis heute (Stand 07.06.2010) Weltweit ca. 2 Millionen iPads verkauft.
Smartphones und Netbooks haben mit ihrem Mobilen Ansatz eine Nische getroffen, welche durch den Tablet Computer vollends gefüllt und ggf. auch erweitert wird. Im wesentlichen orientiert sich die aktuell in der Entwicklung befindliche neue Generation von Tablets an den Erfolgsfaktoren von iPhone und Co. Ein eigenes abgespecktes Betriebssystem, welches nicht allzu viel Raum für Einstellungen und Modifikationen gibt wie etwa ein Desktop Betriebssystem. Hinzu kommt ein eigenes Angebot von Software, welche unter dem neu generierten Begriff „Apps“ in sogenannten Marketplaces wie Apples Appstore[6] oder Androids Android-Marketplace[7] zum download zur Verfügung stehen. Im folgenden Kapitel werden die aktuellen Eingabetechniken und die am meisten verbreiteten Bauformen vorgestellt.
2.2.1 Technik
Für die Touch-Technologie eines Tablet Computers werden Berührungen des Bildschirms registriert und durch eine Steuerungssoftware in Befehle umgewandelt. Die hier vorherrschende Methode ist die Kapazitiv-Technologie welche auch vom Marktführer Apple im Bereich der Multimedia Touchscreen Geräte genutzt wird. Im folgenden wird auf die drei am meisten verbreiteten Technologien eingegangen.
2.2.1.1 Kapazitiv
Diese Technologie nutzt ein mit Metall-Oxid beschichtetes Glassubstrat, welches mit einer Schicht aus aufgeschmolzenem Glas bedeckt wird. An den Ecken des Screens wird eine elektrische Spannung angelegt, wodurch ein gleichmäßiges elektrisches Feld entsteht.Bei der Eingabe über den Touchscreen führt eine einfache Berührung mit dem Finger zu einem Ladungstransport und somit zu einer Veränderung des elektrischen Feldes. Sensoren können diese Veränderung verarbeiten und daraus die Koordinaten des Berührungspunktes berechnen(siehe Abbildung 4: Funktionsweise)[8].
Eine Weiterentwicklung dieser Technologie ist die Mutual Capacitance (gegenseitige kapazitive Reaktanz).
Hierbei werden zwei Schichten innerhalb des Bildschrims genutzt:
- Driving-Lines-Layer: leitet den. Strom
- Sensing-Lines-Layer: erkennt die durch die Berührung verursachte Stromschwankung und ermittelt so die Koordinate des Punktes.
Erst durch diese Weiterentwicklung ist es möglich Bewegungen und Gesten zu unterscheiden.[9].
Einsatzbereiche:
- Smartphones (zb Apple iPhone /iPod Touch /Samsung B7600)
- Navigationsgeräte
- Trackpads von Notebooks
- DJ Equipment (Korg Chaos Pad3)
- Spielautomaten
2.2.1.2 Resistiv
Resistive Touchscreens bestehen aus einee flexiblen oberen Schicht und einer unteren Glasschicht. Diese sind durch Abstandshalter getrennt. Beide Schichten sind mit einem transparenten Leiter (Indiumzinnoxid) überzogen. An den Seiten der Schichten wird eine elektrische Spannung angelegt, so dass ein gleichmäßiges elektrisches Feld erzeugt wird. Durch leichten Druck auf die obere Schicht berühren sich beide Schichten an diesem Punkt und die Spannung im elektrischen Feld ändert sich. Sensoren werten diese Spannungsänderung aus und können so die Koordinaten des Punktes bestimmen.
[10] Die Möglichkeit mittels resistiver Technik multitouch fähige Screens zu bauen ist sehr kostenintensiv und wird daher ausschließlich im Bereich der Industrie genutzt. Da die resistive Technik mit einer mechanischen Einwirkung arbeitet und keinen elektrischen Transport erfordert, ist es möglich diese Screens auch mit Handschuhen zu bedienen.
Einsatzbereiche:
- Faxgeräte
- Kopiergeräte
- PDAs älterer Generatin
- Smartphones
- Industrie(Maschinensteuerung)
2.2.1.3 Optisch
Optische Touchscreens verwenden die aus Lichtschranken bekannte Technik:
Im Rahmen des Bildschirms befindet sich eine Reihe von Lampen, meist LEDs (Light Emitting Diode), auf der gegenüberliegenden Seite der Lampen befinden sich lichtempfindliche Fotosensoren. So wird ein Gitter aus Lichtschranken über das Display gelegt. Wird nun ein Bereich auf dem Display berührt, wird der Lichtstrahl unterbrochen und so ein Signalabfall erzeugt, welcher durch die Fotosensoren registriert wird. Ein Controller der die Sensoren überwacht kann so die Koordinaten auf dem Display ermitteln.[11]
Einsatzbereiche:
- Infoterminals
- Programmierbare Fernbedienungen
2.2.1.4 Akustisch
Akustische Touchscreens nutzen Schallwellen um Eingaben zu erkennen und die Posiiton zu bestimmen. An den Ecken des Displays sitzen elektronische Wandler die Ultraschallwellen erzeugen und piezoelektrische Sensoren die die Schallwellen messen. Die Schallwellen werdenn durch Reflektorstreifen an den Rändern wie ein Raster über das Display verteilt. Wird der Display berührt, wird so ein Teil der Schallwellen absorbiert. Ein Controller misst die Änderung der Amplitude der Schallwellen und berechnet damit die Position der Berührung.[12]
Einsatzbereiche:
- Geldautomaten
- Fahrkartenautomaten
- Infoterminals
2.2.2 Bauformen
Tablet-Computer werden in verschiedenen Ausführungen gebaut. Es gibt grundlegende Bauformen für Tablet-Computer, sowie einige Bauformen, die eine Weiterentwicklung vorangegangener Bauformen darstellen. Folgend sind die häufigst verwendeten Bauformen von Tablets und deren Eigenschaften erläutert.
2.2.2.1 Convertible
Der convertible (engl. umwandelbar) beschreibt eine Bauform der Tablet Computer, bei der die Funktionalität eines Notebooks/Netbooks mit denen eines Tablets kombiniert wird. Während der convertible über eine Tastatur und Display verfügt, kann das Display um 180 Grad gedreht werden und die Tastatur verdecken. Somit können die Funktionen eines Tablet Computer genutzt werden und Eingaben z.B. mit einem Eingabestift oder mit den Fingern erfolgen. Grundsätzlich ist diese Funktionalität aber auch bei ausgeklappter Tastatur möglich. Somit kann der convertible die Vorteile des Tablet Computing, als auch die Vorteile eines Notebooks wie z.B. die schnellere Eingabe von Informationen über die ausklappbare Tastatur nutzen. Ein großer Nachteil des convertibel ist jedoch, dass durch die zusätzliche Tastatur das Gewicht gesteigert wird und das Tablet im eingeklappten Modus eine gewisse Höhe einnimmt.
2.2.2.2 Slate
Slate (engl. Tafel) beschreibt eine Bauform von Tablet-Computern. Diese Bauform kommt beschreibt einen Tablet Computer, der keine Tastatur besitzt. Die Bauform ist auf eine reine Eingabe mit einem Eingabestift oder einer Steuerung über die Berührung des Displays mit den Fingern ausgerichtet. Das Gehäuse besteht bedingt durch die fehlende Tastatur nur aus einem Block, in dem das Display eingelassen ist. Dadurch wird das Gehäuse kompakter und steigert die Mobilität des Tablet Computer. Ein weiterer Vorteil dieser Bauform ist das geringe Gewicht, das den Tragekomfort erhöht und somit ein längeres Arbeiten ermöglicht, während man den Tablet Computer auf dem Arm trägt. Um die Nachteile fehlender Eingabealternativen auszugleichen verfügt das Slate über Anschlüsse für Pheripheriegeräte womit sich bei Bedarf, üblicherweise über USB (Universal Serial Bus), externe Geräte wie eine Tastatur, Laufwerke oder Drucker anschließen lassen.
2.2.2.3 Pad
Tablet Pads bezeichnet man eine Bauform der Tablet Computer, die sich durch eine besonders kompakte, robuste und leichte Bauweise auszeichnet. Die Grundsätzliche Bauweise der Pads ist an die slate-Bauform angepasst, um eine hohe Mobilität zu erreichen. Der Unterschied zu der slate-Bauform findet sich in der Verbauung kleinerer Prozessoren und robusterer Laufwerke. Pads sind auf die Dateneingabe per Finger optimiert worden. Diese Geräte sind besonders geeignet für den Einsatz bei Prozessen, bei denen vom Gerät selber keine große Performance gebraucht wird und geringe Größe und Gewicht eine entscheidende Rolle spielt.
2.2.2.4 Hybrid
Eine Bauform der Tablet Computer ist der hybrid (engl. Mischform), welche eine Mischform der Gehäuseformen convertible und slate darstellt. Während sich die Tastatur, ähnlich wie beim convertible nach hinten klappen lässt, lässt sich diese bei Bedarf auch ganz abnehmen. Wird die Tastatur abgenommen, wird die Form eines slate dargestellt. Hiermit wollte man die Nachteile, welche der convertible durch das höhere Gewicht als auch die eingenommene Höhe mit sich bringt eliminieren, die Vorteile der möglichen Tastatureingaben jedoch ermöglichen. Diese Bauform hat bis zum heutigen Zeitpunkt nur wenig Anwendung gefunden und konnte sich nicht gegen die standardmäßigen Bauformen convertible und slate behaupten.
2.2.2.5 UMPC
UMPC (Ultra-Mobil PC) sind kleine tragbare Computer mit Ähnlichkeit zu PDAs und aktuellen Bauformen der Tablet-Computer. UMPCs werden über einen Touchscreen, durch Berührung mit den Fingern oder einen speziellen Stift bedient. UMPCs verfügen über Schnittstellen, die es erlauben neben den üblicherweise eingebauten Technologien, wie Kamera oder GPS (Global Positioning System), externe Peripheriegeräte anzuschließen.
Auf Betriebssystemebene werden auf UMPCs Linux-Distributionen oder spezielle Windows-Betriebssysteme eingesetzt. UMPCs teilen viele Vorteile der slate Bauweise der Tablet Computer. Sie haben geringe Ausmaße, haben wenig Gewicht und sind leicht zu bedienen, was Sie für den mobilen Einsatz für Geschäftsfelder geeignet macht. »Als ständige elektronische Begleiter bieten UMPC volle PC-Funktionalität und machen es ihren Anwendern so einfach wie möglich, unterwegs, bei der Arbeit oder zu Hause mit dem Internet verbunden zu sein, zu kommunizieren, elektronische Informationen zu bearbeiten und multimediale Inhalte zu nutzen.« [13]
3 Abgrenzung zu anderen Geräten
Um den möglichen Einsatz von Tablet-Computing im Einzelhandel zu beurteilen, wird folgend auf unterschiedliche Gerätetypen eingegangen, die momentan für die Datenverarbeitung innerhalb der Unternehmen oder beim Kunden im Einsatz sind. Durch den Vergleich der Gerätetypen sollen die Vor- bzw. Nachteile von Tablet Computern näher gebracht werden und dem Leser einen allgemeineren Überblick über verwendete Techniken gegeben werden.
3.1 Smartphone
Smartphones vereinen Handy, PDA und den electric Organizer. PDA und Organizer spielen heute praktisch keine Rolle mehr, da deren Funktionen in einem Smartphone integriert sind. Aufgrund ihres Äußeren erinnern sie stark an Handys, gehen aber auf Grund ihrer Leistungsfähigkeit und Funktionsvielfalt weit darüber hinaus.
Zu den Vorteilen der Smartphones zählen, die Verbindung zum Internet, viele Schnittstellen zu anderen Geräten, sowie die Migration von der Tastatur hin zum Touchscreen.
Zum typischen Einsatz im sind Geschäftsbereich zählen Termin- und Adressverwaltung, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Aufgabenliste. Über die Schnittstellen werden Daten häufig mit PC-Applikationen, wie zum Beispiel Outlook oder Office, über USB, Bluetooth oder WLAN (Wireless Local Area Network)synchronisieren[14]. Daher eignen sie sich für Menschen, die geschäftlich viel unterwegs sind. Ein weiterer Vorteil ist die Multimediafähigkeit. In die meisten Geräte sind auch eine Digitalkamera für Foto- und Videoaufnahmen und ein Mikrofon für Sprachaufzeichnungen integriert, womit sie die Digitalkamera und ein Diktiergerät ersetzen können. Durch die Verbidnung zum GPS Netz lassen sie sich auch als Navigationsgeräte nutzen.
Die Akkulaufzeit hängt stark von der Leistungsfähigkeit der Hardware (Prozessor, Farbdisplay, Speicherkapazität) ab. Da sie die meiste Zeit im Stand-by Betrieb sind hält der Akku mehrere Tage. Allerding reduziert sich die Akkulaufzeit bei häufiger Benutzung schneller.
In der Regel verfügen sie über ein eigenes Betriebssystem. Diese Betriebssysteme ermöglichen es dem User, Anwendungen in einem weit größeren Umfang nachträglich zu installieren, als es bei herkömmlichen Handys möglich ist.
Der wesentliche Vorteil ist, ein hervorragendes Gewicht/Leichstungsverhältnis, damit sind viele Funktionen in einem Gerät vereint und durch das kleine Gehäuse ist es sehr mobil.
Allerdings müssen bei Smartphones Kompromisse eingegangen werden, da einige Aufgaben nicht so gut wie mit speziellen Geräten erledigt werden können. Aufgrund Ihrer besonders kleinen und leichten Bauweise unterliegen Smartphone hinsichtlich Hard- und Software einigen Einschränkungen. In der Bedienung ist der Nutzer in mancher Hinsicht stark eingeschränkt, was mit der Gehäusegröße zusammenhängt. Durch die sehr kleine Tastatur sind Prozesse bei denen häufige Benutzerzugriffe nötig sind, wie zum Beispiel bei der Textverarbeitung, sehr umständlich. Hinzu kommt das relativ kleine Display, daher sollte man auf Prozesse, die eine aufwendige grafische Darstellung erfordern verzichten[15]. »Dieser Vorteil kann sich bei ungeübten Nutzern allerdings leicht in einen Nachteil verwandeln. Obwohl die Steuerung relativ einfach ist, kann er sich durch die große Anzahl von Anwendungs- und Einstellungsmöglichkeiten überfordert fühlen.«[16]
| Merkmal | iPhone |
| Bezeichnung | iPhone 3GS |
| Prozessor | keine Angaben |
| Betriebssystem | iPhone OS 3.0 |
| Display | 3,5" Multi-Touch-Widescreen-Display, 480 x 320 Pixel bei 163 ppi |
| Tastatur | bildschirm Tastatur |
| Akku | Li-ion Battery |
| Betriebsdauer | Sprechdauer: bis zu 5 Std., Standbydauer: bis zu 300 Std. |
| Größe L x H x B | 115,5 mm x 62,1 mm x 12,3 mm |
| Gewicht | 135 g |
| WLAN | Wi-Fi (802.11b/g) |
| GPS | Assisted GPS |
| Infrarot | - |
| Bluetooth | Bluetooth 2.1 mit EDH (Enhanced Data Rate) |
| GSM / GPRS | GSM/EDGE (850, 900, 1800, 1900 MHz) |
| USB | - |
| Barcode Leser | - |
| RFID | - |
| Karten Slots | - |
| Kamera | 3M Pixels |
Quelle www.apple.com [17]
Tabelle 2: Hardwareeigenschaften des Apple iPhone 3gs
3.2 Netbook
Netbooks werden heutzutage in vielen Bereichen eingesetzt. Die Weiterentwicklung der Geräte schreitet in einer hohen Geschwindigkeit voran, was an der hohen Anzahl von aufkommenden Konkurrenzprodukten liegt. Das erste Netbook auf dem deutschen Markt war das Asus Eee PC 700 [18] im Januar 2008. Der Marktanteil von Netbooks stieg sehr schnell an, so dass der Marktanteil bereits im 2. Quartal 2008 bei 3% lag. [19] »Ein Netbook ist ein abgespecktes Subnotebook mit kleineren Abmessungen und kleinerem Display, dessen Größe bei 10" und darunter liegt.« [20] Der Vorteil der Netbooks gegenüber seiner Konkurrenz ist seine erweiterte Funktionalität. Netbooks sind sozusagen als "Alleskönner" konzipiert und decken ein breites Spektrum an Funktionen ab, die Konkurrenten wie Mobile Datenerfassungsgeräte oder Tablets nicht erfüllen können. So kann das Netbook z.B. längere Texte über eine Tastatur erfassen, was Vorteile in der Geschwindigkeit und Usability bringt. Über die vorhandenen Betriebssysteme lassen sich alle Arten von Software auf den Netbooks ausführen, was vor allem eine Umstellung/ Integration von Anwendungen auf Desktop-Systemen auf Netbooks erleichtert. Netbooks haben ein geringes Gewicht, was einen Einsatz z.B. bei der mobilen Datenerfassung erleichtert. Netbooks sind in der Regel mit einem Wi-Fi Zugang zum Internet ausgestattet, haben mehrere Anschlussmöglichkeiten für Periphereiegeräte über USB. Desweiteren besitzen Netbooks Anschlüsse für Audiogeräte wie Kopfhörer oder Mikrofone. Netbooks verfügen über kein CD-Laufwerk (Compact Disc) oder DVD-Laufwerk (Digital Versatile Disc), was jedoch über externe Peripherie ausgeglichen werden kann.
In der Nachfolgenden Tabelle werden die Spezifikationen des Asus Eee PC 1011HA [21] und die Spezifikationen des iPad der Firma Apple verglichen, um die technischen Gegebenheiten für den Einsatz im Einzelhandel zu vergleichen und mögliche Unterschiede darzulegen:
| Merkmal | ASUS eeePC 1011HA |
| Bezeichnung | Eee PC Seashell 1011HA |
| Prozessor | Intel® Atom™ Z520 (US15W) |
| Betriebssystem | Genuine Windows® XP Home / GNU Linux |
| Display | 11.6" LED Backlight WXGA Screen (1366x768) with Color-Shine (Glare-type) |
| Tastatur | integrierte Tastatur |
| Akku | 6-Cell 48Wh Li-ion Battery, 6-Cell 63Wh Li-ion Battery |
| Betriebsdauer | 9-11 Stunden |
| Größe L x H x B | 196mm(D) x 21.8mm~ 36.2mm(H) x 286mm(W) |
| Gewicht | 1.38Kg (with 6-Cell Battery) |
| WLAN | WLAN 802.11b/g/n @2.4GHz |
| GPS | - |
| Infrarot | - |
| Bluetooth | - |
| GSM / GPRS | - |
| USB | 3 x USB 2.0 |
| Barcode Leser | - |
| RFID | - |
| Karten Slots | Card Reader |
| Kamera | 1.3M Pixels |
Quelle: www.asus.com [22]
Tabelle 3: Hardwareeigenschaften des Asus EeePC 1011 Seashell
3.3 Mobile Daten Erfassungsgeräte
Mobile Datenerfassungsgeräte werden heutzutage im Einzelhandel sehr häufig genutzt um die Computergestützte Arbeit zu ermöglichen. Die Weiterentwicklung dieser Geräte schreitet in derselben Geschwindigkeit voran, wie die Weiterentwicklung im Personal Computer Bereich. MDEs wurden Mitte der 90er Jahre flächendeckend in deutschen Einzelhandelsunternehmen eingeführt. Ausgelöst durch den Einsatz erster Scannerkassen -eine Kasse die die Artikel autoamtisch per Scanner erfasst- und der damit verbundenen elektronischen Datenverarbeitung, war es das Ziel die nun vorhandenen Daten – wie z.B. Artikel Nummer, Artikelname, Einkaufspreis, Verkaufspreis – zu nutzen, um Bestellungen und Inventuren effizienter und schneller durchführen zu können. Die ersten MDEs glichen eher einem großen Taschenrechner und waren von in ihrer technischen Ausstattung auch nicht stark zu unterscheiden (siehe Abbildung 11: Altes MDE). Technische Neu- und Weiterentwicklungen wie Barcodescanner, GSM, W-Lan, Infrarot, Bluetooth, RFID und GPS fanden schnell ihren Weg in die neuen Generationen von MDEs. Diese Technologien ermöglichen es den Mitarbeitern ständig mit dem ERP-System (Enterprise Ressource Planning) des Unternehmens zu kommunizieren.Im Folgenden wird auf das MDE ID PL3000[23], der Firma Nordic [24] eingegangen. Dieses Gerät wird aktuell von der Supermarkt Kette Kaisers Tengelmann [25] in über 700 Filialen eingesetzt.
Das ID PL3000 wurde extra für den Handel entworfen und ist mit den Übertragungsstandards W-Lan, GPRS, GSM (Global System for Mobile Communications) und Bluetooth ausgestattet. Es ist möglich RFID-Tags zu schreiben, lesen und ändern. Ein eingebauter Barcode-Scanner ermöglicht das lesen von 1D und 2D Barcodes. Wichtig für die Arbeit im Handel ist die Ergonomie des Gerätes, extra für die Einhandbedienung entworfen, bietet es größtmöglichen Komfort bei der Erfassung der Daten im Lager so wie im Verkaufsbereich. Als Betriebsystem kommt Windows CE 6.0 zum Einsatz. Als Display dient ein 3,5“ transflektiver, resistiver Touchscreen Display mit einer Auflösung 320*240 Pixel. Die Schutzklasse IP54 [26] garantiert die notwendige Robustheit für die tägliche Arbeit. Die 200 MHz CPU (Central Processing Unit) wurde eigens für diese Geräteklasse entwickelt.
| Merkmal | Spezifikation |
| Bezeichnung | Nordic ID PL3000 |
| Prozessor | Sharp LH7A400 |
| Betriebssystem | Mircosoft Windows CE 6.0 |
| Display | 3,5“, 320*240 Pixel, resistiver, transflektiver Touchscreen |
| Tastatur | 29 Tasten, tastenbeleuchtung |
| Akku | Li-Ion 2.200 mAh, 7,2 Volt |
| Betriebsdauer | 14 Stunden (28 mit Akkupack) |
| Größe L x H x B | 230 x 45 x90 mm |
| Gewicht | 450 Gramm inkl. Akku |
| WLAN | 802.11 b/g/i/e |
| GPS | - |
| Infrarot | - |
| Bluetooth | Class II v2.0 + DER |
| GSM / GPRS | Ja |
| USB | Ein Anschluß Typ USB 1.1 |
| Barcode Leser | Laser für 1D / 2D Codes, GS1 Databar |
| RFID | HF (High-Frequency) RFID: 13.56 Mhz Multistandard UHF (Ultra-High-Frequency) RFID: Bis zu 30 Tags in der Sekunde lesbar, Reichweite lesen 4 Meter, Schreiben 2 Meter |
| Karten Slots | PCMCIA 2 / SD (Secure Digital )/ MMC (Multimedia Card) |
| Sonstiges | Lautsprecher, erweiterbar um Akkupack |
Quelle: www.nordic.com[27]
Tabelle 4: Hardwareeigenschaften des Nordic ID PL3000
3.4 POS-Systeme
POS (Point of Sale) Terminals werden allgemein auch als Kasse bzw. Registrierkasse bezeichnet. Eine Kasse ist fester Bestandteil einer jeden Einzelhandelsfiliale, sie stellt den monetären Point of Sale dar, an dem der Kunde seine Ware bezahlt. Ein modernes Kassensystem besteht in der Regel aus einer Erfassungseinheit (Tastatur, 2D / 3D Scanner, RFID-Lesegerät, Kamera u.a.), einem Bondrucker, einer Geldlade, einer Waage und einem EC-Karten (Electronic Cash) Leser. Wobei sich das eigentlich Kassensystem auf die wesentlichen Aspekte beschränkt: Es stellt die Zentralerecheneinheit und die Schnittstelle zur genannten Peripherie zur Verfügung. Vereinzelt gibt es auch Kassensysteme welche auf Grund der Anforderungen, Recheneinheit und notwendige Peripherie vereinen. Ein Beispiel hierfür ist der Gastronomiebereich, hier werden keine Waagen und Scanner benötigt, hier beschränkt sich ein Kassensystem auf eine kompakte Lösung aus Recheneinheit, integriertem EC-Karten Leser, Display und Geldlade.Die Kassen sind meist mit einem Filialwirtschaftssystem oder direkt mit dem zentralen Warenwirtschaftssystem des Unternehmens verbunden, um so live Informationen über den Artikel zu erhalten.
Die Beetle iPOS setzt auf Handel und Gastronomie als Zielgruppe. Dies verdeutlicht ihr kompaktes Design, der große Touchscreen und die, im Gegensatz zu den meisten anderen Kassensystemen, umfangreichen Zusatzoptionen wie 12,1“ oder 15“ Zoll Display, kapazitiver oder infrarot Touchscreen, CD/DVD Laufwerk, zusätzliches Display für Kundeninformationen USB Hub, Multimedia oder EC-Karten Leser. Zusätzlich zu diesen integrierten Optionen lassen sich über die vorhandenen Schnittstellen alle relevanten Peripheriegeräte anschließen.
| Merkmal | Spezifikation |
| Bezeichnung | Wincor Nixdorf Beetle iPOS |
| Prozessor | Intel Celeron 1,2 / 2,4 GHz oder Celeron M 1,5 GHz |
| Betriebssystem | WEPOS(Windows), WinXP, WNLPOS (Linux) |
| Display | 12,1“ TFT 800*600 / 15“ TFT (Thin Film Transistor) 1024 * 768 |
| Tastatur | Touchscreen |
| Akku | nur Netzanschluss |
| Betriebsdauer | --- |
| Größe L x H x B | abhängig vom TFT: 318*345*379 / 390*345*438 |
| Gewicht | 12 / 14 kg |
| WLAN | optional |
| GPS | Nein |
| Infrarot | optional |
| Bluetooth | nein |
| GSM / GPRS | nein |
| USB | 0 - 6 |
| Barcode Leser | optional |
| RFID | optional |
| Karten Slots | optional |
| Sonstiges | 2,5“ HDD (Hard Disk Drive), RS232, Geldlade, Optional: CD/DVD Laufwerk, zweiter Display |
Quelle: www.nordic.de[28]
Tabelle 5: Hardwareeigenschaften des Wincor Nixdorf Beetle iPOS
3.5 Bewertung
Tablet Computer und POS-Systeme zeichnen sich durch eine innovative Bedienung aus. Der Benutzer kann sich durch die Eingabe per Finger oder Stift, schnell an die Bedienung gewöhnen. Der Vorteil kann durch eine verständliche Benutzerführung, bei der die Funktionen auf das Wesentliche beschränkt sind verstärkt werden. So kann sich der Nutzer beispielsweise mit Pfeilen durch ein Menü navigieren und über einen Zahlenblock einfache Eingaben machen. Bilder oder Symbole können dabei unterstützend wirken. Durch die innovative Bedienung fällt hier im Gegensatz zu den anderen Geräten eine Einarbeitungszeit kürzer aus oder ganz weg.
Die Größe und Auflösung des Displays erlaubt es auf einem Tablet PC aufwendige Bilder, Texte oder Grafiken anzeigen zu lassen. Im Gegensatz zum MDE oder Smartphone lassen sich Texte angenehm lesen und Tabellen übersichtlich anzeigen. In Kombination mit der Touchfunktion ist es das einzige Gerät im Vergleich, das größere Zeichnungen oder Handschriften sinnvoll registrieren kann. Durch die hohe Rechen-Leistung hat man grundsätzlich alle Möglichkeiten die auch ein PC bietet. Ausserdem ist ein Tablet Computer äusserst mobil und lässt sich auch im Stehen oder Gehen bedienen.
Zu berücksichtigen sind die unterschiedlichen Tablet Bauformen. Der Slate lässt sich zwar durch Peripherie(z.B.: Tastatur, Maus) erweitern, so dass die Eingabe ähnlich wie an einem Laptop erfolgt, allerdings verlieren sie dabei, wie bei der convertible- oder hybrid-Bauform ihre mobile Eigenschaft. Die „Stärken“ eines Tablets liegen in der Bauform des Slates und Pads. Zum Einen ist die Anzeige so groß wie bei einem Netbook oder Laptop, welche mit einer innovativen Bedienung kombiniert ist. Zum Anderen sind sie rechenstark.
Die Vorteile des Tablets relativieren sich, wenn es darum geht Eingaben möglichst schnell durchzuführen. Als effizienter erweisen sich hierbei MDEs. Ihr eingebauter Scanner erlaubt es Informationen schnell abzurufen. Diese sind aufgrund des kleinen Displays und der kleinen Tastatur nur bedingt zu bearbeiten. Für Arbeiten, bei denen man beide Hände frei haben muss und häufig in Bewegung ist, eignen sich MDEs, da sie durch die Befestigung mittels eines Gurtes direkt am Körper getragen werden können. Bedingt durch ihre robuste Bauweise sind sie vor Erschütterungen und Stößen geschützt.
Die eigens für den Handel entwickelten POS-Systeme sind nicht mobil, was ihre Aufgabe als Kassensystem zu fungieren beschränkt.
Smartphones sind in erster Linie, wie in Kapitel 3.1 für den Business Bereich konzipiert. Fundiert wird dies durch die Telefonfunktion und die Bürosoftware.
Die folgende Tabelle zeigt wie stark bedeutendsame Merkmale bei den oben erwähnten Geräten ausgeprägt sind.
4 Tablet Computing im Einzelhandel
Tablet Computer sind aufgrund ihres großen Displays und ihrer immer leichter werdenden Bauform für den Einzelhandel immer interessanter geworden. Im Gegensatz zu den bereits in den 90er Jahren verwendeten MDE-Geräten, verfügen Tablet Computer über ein großes touchscreen Display, welches das Ablesen und Eingeben von Informationen wesentlich komfortabler gestaltet. Tablet Computer können am Einkaufswagen befestigt oder einfach getragen werden. Durch Schnittstellen wie USB, Wireless Lan, Bluetooth oder UMTS kann zu jederzeit auf Informationen aus einer Datenbank zugegriffen werden oder ein Datenaustausch mit einem anderen Gerät (z.B. Smartphone, Handy, Laptop) erfolgen. Das Erfassen von Produkten ist mit Hilfe von integrierten Kameras oder Scannern möglich.
Auf der einen Seite kommen sie intern zum Einsatz um die Ablauforganisation zu unterstützen, in dem sie mehrere Geräte ineinander vereinen. Beispielsweise für einen Paketdienst: Digitales Notizbuch, Messenger, Auftragserfassungssystem, Navigationsgerät, digitaler Unterschriftenblock und EC-Gerät in einem.Auf der anderen Seite bieten Tablets die Möglichkeit dem Kunden den Einkauf zu erleichtern oder interessanter zu gestalten, in dem sie als Einkaufsliste, digitaler Warenkorb, Zahlungsgerät oder Informationspunkt dienen.Durch den Zugriff aus das Internet bietet der Tablet Computer dem Einzelhandel die Möglichkeit Online- und Offlineshopping mit einander zu kombinieren.
In diesem Kapitel wird der Einsatz von Tablet Computern in unterschiedlichen Bereichen des Einzelhandels geprüft. Dazu wird dem Leser zunächst der Bereich vorgestellt, um die anschließende Beschreibung eines bereits gängigen oder potentiellen Einsatzes zu verdeutlichen.
4.1 Logistik
Der Begriff Logistik ist von vielen Autoren unterschiedlich beschrieben worden. Im Bereich des Einzelhandels,» […] wird unter Logistik die integrierte Planung, Gestaltung, Abwicklung, und Kontrolle von Lagerungs- und Transportvorgängen sowie der dazugehörigen Informationsflüsse innerhalb und zwischen Unternehmen, vom Unternehmen zum Kunden sowie der Entsorgungswege verstanden«.[29] Das Entsorgen hat eine kleine Bedeutung und wird im Rahmen dieser Fallstudie vernachlässigt. Wohingegen der Funktionsablauf einzelner Logistikprozesse näher erläutert wird.
Ein reibungsloses Funktionieren der Prozesse und deren Schnittstellen sind ausschlaggebend für die Wertschöpfung des Handels. Somit ist das Ziel der Logistik eine hochwertige Leistung bei möglichst geringen Kosten zu halten. Die Kosten beziehen sich auf die Lager- und Transportkosten. Durch eine optimale Planung der Logistik lassen sich Lohnkosten einsparen.
Mit der Beschaffung der Waren beginnt die Logistikkette. Unternehmen zielen dabei auf niedrige Preise, müssen aber die Qualität der Ware und die Zuverlässigkeit des Lieferanten berücksichtigen. Weiter gilt es die Waren von zentralen Lagern an die stationären Filialen zu verteilen. Um das Bestücken der Regale möglichst komfortabel zu gestalten, werden die Waren im Bereich der Kommissionierungen zusammengestellt. Die Transportplanung beschäftigt sich mit der optimalen Belieferung der Filialen. Ferner wird die Inventur im stationären Einzelhandel erklärt.
Der Warenfluss ist mit dem Informationsfluss verbunden. Um die Wertschöpfung zu steigern, geht der Trend zu einem verstärkten Einsatz von Informationstechnologien. Diese verknüpfen die Prozessketten, führen zu einer verkürzten Durchlaufzeit und zu Einsparungen von redundanten Daten[30]. Voraussetzung sind kostenintensive Hard- und Software-Anschaffungen, dem gegenüber stehen eingesparte Lohnkosten.
Das folgende Kapitel befasst sich mit der Fragestellung, in wie weit Tablet Computer im Bereich Logistik sinnvoll eingesetzt werden können. Dafür werden unteranderem die in Kapitel 3 erläuterten Hardwarelösungen mit Tablet Computern verglichen und untersucht ob und wie weit sich die Vorteile des Tablets Computer in der Logistik ausnutzen lassen.
4.1.1 Beschaffung
Da der Einzelhandel bezugsfertige Waren bezieht und sich dadurch die Wertschöpfung nur gering steigern lässt, ist eine optimale Beschaffungsstrategie bedeutend für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Der Zugang zu guten Beschaffungsquellen, ein schnelles Reaktionsvermögen und zuverlässiges Handeln zählen zu den ausschlaggebenden Prozessen in der Beschaffung.
Heutige Definitionsansätze beschreiben die Beschaffung im Einzelhandel folgendermaßen. »Beschaffung umfasst sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen« [31]. Die Beschaffung wird hier als Kette von strategischen und operativen Prozessen gesehen. Zu den strategischen Zielen gehören:
- Sortimentspolitik:
- Im Rahmen der Sortimentspolitik werden Entscheidungen über das Sortiment der Handelsunternehmung getroffen.
- Im Rahmen der Sortimentspolitik werden Entscheidungen über das Sortiment der Handelsunternehmung getroffen.
- Produktpolitik:
- Produktpolitik umfasst alle Aktivitäten eines Unternehmens, die auf die Gestaltung der Produkte gerichtet sind.
- Produktpolitik umfasst alle Aktivitäten eines Unternehmens, die auf die Gestaltung der Produkte gerichtet sind.
- Lieferantenauswahl
- Die Auswahl der Lieferanten ist eine wichtige Aufgabe der Beschaffungspolitik.
- Die Zuverlässigkeit und die Anzahl der Lieferanten ist hier von Bedeutung. Einflussfaktoren sind Preise, Qualität und Quantität der Waren.
- Preispolitik:
- Analyse, Planung, Durchführung und Bewertung von Aktivitäten, die die Verkaufspreise festlegen.
- Analyse, Planung, Durchführung und Bewertung von Aktivitäten, die die Verkaufspreise festlegen.
Die operative (mittel- und kurzfristige) Planung enthält vorwiegend folgende regelmäßig ablaufende Prozesse.
- Einkauf
- Bestandsabfrage
- Bestellmengenpolitik
Im Einzelhandel wird die Beschaffung EDV (Elektronische Datenverarbeitung ) gestützt und fast vollautomatisch abgewickelt. Das sorgt für einen schnelleren Informationsfluss, weniger Fehlerquellen und Personaleinsparungen. Im Weiteren werden einige zentrale, operative Prozesse im Einzelhandel erläutert und untersucht wie der Einsatz von Tablet Computer die Effizienz steigern kann.
4.1.1.1 Einkauf
Der Begriff des Einkaufes oder der Bestellung beschreibt die juristische und abwicklungstechnische Durchführung des Versorgungsvorgangs mit Aufgaben die Bestellerteilung und Terminüberwachung durchzuführen. Bestellt werden die für den Handel benötigten, aber nicht selbst erzeugten Güter vom Großhändler oder Hersteller[32]. Die übliche Bestellabwicklung erfolgt über Telefon oder Fax. Sie ist personal-, zeit- und kostenintensiv. Außerdem sind zeitliche Verzögerungen und Fehlbestellungen wegen Übermittlungsfehlern nicht ausgeschlossen. Um die Kommunikationsströme zu optimieren, werden heute viele Informations- und Kommunikationstechnologien im Bereich der Bestellung eingesetzt. Diese sparen Personal, Zeit und Kosten ein[33].
Für den Prozess der Bestellung, gibt es verschiedene Ansätze und auch verschiedene Auslöser. Bei einem vollautomatisierten Warenwirtschaftssystem werden automatisch Warenbestände überprüft, die Ware wird bei der Anlieferung und beim Verkauf jeweils registriert. So kennt das Warenwirtschaftssystem zu jederzeit den aktuellen Lagerbestand und meldet drohende Engpässe über einen Terminal an das Personal, welches die Warenbestellung auslösen kann. Diese Form der Überprüfung und Bestellung findet meist in der Non-Food Branche statt. Einen anderen Ansatz verfolgt z.B. der Lebensmitteleinzelhandel, hier erfolgt eine manuelle Erfassung der Bestände, da die Ware aufgrund von Mindesthaltbarkeitsdaten häufig ohne Abverkauf den Laden verlässt. Hier prüfen die Mitarbeiter in den Filialen den Warenbestand im Verkaufsgeschäft. Dabei nutzen die Mitarbeiter MDE-Geräte. Mit diesen Geräten wird ein zu bestellender Artikel, z.B. durch Scannen, erfasst. Anschließend prüft der Mitarbeiter den Lagerbestand und korrigiert ggf. die zu bestellende Menge. Um die Bestellung auszulösen, verbindet der Mitarbeiter das MDE über eine Dockingstation mit dem Filialcomputer. Auf diesem ist eine Software installiert, welche die Bestellung dann an die Lieferanten weiterleitet[34].
Tablet Computer können genutzt werden um MDE und Filialcomputer zu vereinen. Die Ware kann mit dem Tablet Computer erfasst und auch direkt bestellt werden. Die technischen Voraussetzungen wie Kamera oder Scanner und Schnittstellen wie W-Lan und UMTS sind vorhanden. Doch nutzen Tablet Computer und MDEs die selbe Technik, meist liegt der Unterschied nur noch in der Größe des Display und in der bei Tablet Computern fehlenden physischen Tastatur. Doch können Tablet Computer aufgrund ihrer Haptik und der besseren Darstellungsmöglichkeiten, so wie der vielseitigeren Einsatzbereiche gegenüber MDEs zu einem optimierten Einsatz führen. Viele Hersteller von MDEs, wie z.B. digitalConstructions [35], setzen bereits auf die Entwicklung von Tablets als Alternative zu MDEs. Die Hersteller werben mit der Möglichkeit, Windows Applikationen auf den Tablets laufen zu lassen, was es ermöglicht, die gewohnte Oberfläche des Warenwirtschaftssystems auch während der Warenaufnahme bei Bestellungen und Inventuren zu nutzen. Angestellte können mit Tablet Computern vor Ort die Lager- und Regalbestände prüfen und nach Bedarf Bestellungen aufgeben oder korrigieren. Durch die örtliche Nähe zu Ware lässt sich ein besserer Überblick verschaffen. Ist der Regal- oder Lagerplatz wegen geringer Nachfrage zu groß gewählt, oder wegen hoher Nachfrage zu klein, so kann die Bestellung entsprechend angepasst werden.
4.1.1.2 Bestandsabfrage
Bei einer Bestandsabfrage wird der Sollbestand eines Artikels bei einem zentralen EDV-System (abgefragt. Im Bereich Logistik werden je nach Einsatzbereich meist auch noch zusätzliche Artikelstammdaten benötigt und angezeigt, wie z.B. Lager, Lagerort, Charge, Haltbarkeitsdatum, Bestellsystem, Wiederbeschaffungszeit, Artikelbezeichnung, Artikelcode oder EAN-Nummer (European Article Number).
Die Bestandsabfrage ist für viele Arbeiten im Bereich Logistik ein wichtiges Werkzeug. Oftmals finden Bestandsänderungen, wie beispielsweise Auslagerungen, Einlagerungen oder Ergänzungen durch ein zentrales Lagersystem statt. Dadurch werden Bestände im System für verschiedene Aufträge reserviert, so dass nicht mehr der komplette Bestand, wie er für den Mitarbeiter im Lager zu sehen ist, verfügbar ist. Dennoch kommt es auch häufig vor, dass eine so genannte manuelle Entnahme erfolgen muss. Dazu muss der Mitarbeiter den freien Bestand abfragen können und dessen Standort im Lager kennen.
Für diesen Einsatzbereich können Tablet Computer entweder ohne weitere Peripheriegeräte verwendet werden, oder aber mit Barcode Scannern versehen werden. Ein flächendeckendes roamingfähiges WLAN ermöglicht dem Mitarbeiter im ausgeleuchteten Bereich uneingeschränkt auf die Bestandsdaten zuzugreifen. Das große Display der Tablet Computer in Kombination mit der kompakten Form bietet optimale Einsatzbedingungen. So können zusätzlich zu den oben exemplarisch angesprochenen Informationen auch noch Abbildungen des Artikel dargestellt werden. Oftmals ist es schon bei der Bestandsabfrage hilfreich, eine Abbildung des Artikels zu sehen, um sicherzustellen, dass auch der richtige Artikel ausgewählt wurde. Dies ist durch eine Abbildung wesentlich besser möglich, als durch eine Beschreibung.
Hierfür werden klassisch MDEs oder stationäre PC-Systeme eingesetzt. Die MDE-Geräte können zwar im Gegensatz zu den stationären Systemen auch mobil eingesetzt werden, verfügen jedoch nicht über den notwendigen Darstellungsbereich, um alle Informationen übersichtlich und gut lesbar darzustellen. Im Vergleich zum Netbook stellt sich hier der Einsatz eines Tablet Comuters als wesentlich effizienter dar. Beide Geräte verfügen über einen ausreichend großen Anzeigebereich und sind für den Einsatz geeignet. Im Gegensatz zum Netbook ist ein Tablet Computer jedoch wesentlich kompakter und in der Bedienung einfacher zu handhaben. Über die Wahl eines Gerätes mit geeigneter Schutzklasse [36] kann der Einsatz im Bereich Lager auch bei den gehobenen Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit der Gerätes erfolgen.
4.1.1.3 Bestellmengenpolitik
Um die Lagerkosten möglichst gering zu halten ist die optimale Anpassung der Bestellmengen sehr wichtig. Das Kundenverhalten hat oft unvorhergesehene Änderung der Nachfrage zur Folge. Bei neu auf den Markt einzuführenden Produkten, wo die Nachfrage noch ungewiss ist, ist eine schnelle Reaktionszeit nötig. Genauso verhält es sich im Lebensmittelbereich, wo verderbliche Ware mit der Zeit an Wert verliert.
Der benötigte Warennachschub wird durch den Zahlungsvorgang an den Kassensystemen ausgelöst. Durch den Scanvorgang der Ware wird die Abverkaufsmenge registriert. Die Daten werden gesammelt und an ein zentrales Data Warehouse der Handelszentrale übermittelt. Um Out of Stocks (Regallücken) zu vermeiden, welche durch Schwund, Verderb oder Bruch von Waren auftreten können, werden im Rahmen von Teilinventuren die Regalbestände mit den zentralen Datenbeständen verglichen. Die Teilinventuren werden oft durch Einsatz von MDEs durchgeführt [37]. Mitarbeiter scannen dabei einen Artikel und passen gegebenenfalls den Bestand an.
Ein Einsatz von Tablet Computern bringt in der Regel keinen oder nur geringen Nutzen, da lediglich die Artikelbeschreibung und ein Warenbestand verglichen werden. Beim Anpassen der Bestellung können die Eigenschaften eines Tablet Computers nicht effizient genutzt werden.
4.1.2 Kommissionierung
Kommissionieren wird nach VDI 3590a definiert als: »Das Ziel, aus einer Gesamtmenge von Gütern (Sortiment) Teilmengen aufgrund von Anforderungen (Aufträge) zusammenzustellen«[38]. Die Kommissionierung stellt eine operative Einheit des Warenausgangs dar. Aufgabe ist es hier die Ware zu sammeln und zur Auslieferung bereitzustellen. Gerade im Lager ist eine schnelle und effiziente Abwicklung dieser Auftragssteuerung ein entscheidendes Kriterium für die Leistungserstellung.
Der Auftrag wird manuell durch den Kommissionierer oder automatisch durch Kommissioniersysteme zusammengestellt. Je nach Lagergröße und Warenbestand stellt sie einen arbeitsintensiven und personalintensiven Bereich eines Lagers- und Warenverteilzentrums dar. Effiziente und leistungsstarke Kommissioniersysteme erlangen eine immer größere Bedeutung im heutigen Warenfluss[39].
Kommissionieraufträge werden entweder statisch (Mann-zur-Ware-Prinzip) oder dynamisch (Ware-zum-Mann-Prinzip) bearbeitet[40]. Bei der statischen Variante bewegt sich der Kommissionierer auf einer festgelegten Route zur Ware und entnimmt diese. Dynamisch bedeutet, dass die Ware mit Ladehilfsmitteln zum Kommissionierer bewegt wird. Diese Aufgabe wird dann von Förderbänden oder großen Kommissioniermaschienen bewältigt. Ein Tablet Computer bringt hier keinen sinnvollen Nutzen.
Bei einer herkömmlichen Mann-zur-Ware Kommissionierung, wird der Auftrag auf einen Bon gedruckt, an dem sich der Kommissionierer orientiert. Heutzutage lassen sich Lager nur noch computergestützt, ökonomisch führen und damit Lieferungen zeitnah erfüllen. In großen Einzelhandelsketten läuft die Kommissionierung EDV gestützt. Das bietet zwei wesentliche Vorteile. Zum Einen wird damit eine Entlastung des Menschen erreicht, weil er sich weniger auf Laufwege und die zu entnehmende Ware konzentrieren muss. Zum Anderen wird die Suchzeit optimiert. Dies bietet eine Kostenersparnis, da die Kommissionierzeit einen entscheidenden Faktor der Kommissionierung darstellt[41]. Zudem wird die Fehlerrate bei der Entnahme gesenkt, denn falsch bearbeitete Aufträge erhöhen die Kosten und den Zeitaufwand.
An die Kommissionier-Geräte sind nicht viele Forderungen geknüpft. Die Beschreibung der Ware, sollte nur erforderliche Daten enthalten. Die Angabe des Ortes und der Menge ist ausreichend. Wichtig ist, dass diese Daten schnell und leicht erfassbar sind. In der Regel werden daher MDEs für die Kommissionierung eingesetzt. Sie können online arbeiten, womit keine Pausen zwischen den Aufträgen entstehen und durch Ergänzung eines Strichcodescanners Kommissionierfehler merklich reduziert werden können [42]. Die Bauform sorgt für einen handlichen Umgang und die Möglichkeit beide Hände für die Entnahme von Waren frei zu haben. Die Größe des Displays ist ausreichend um sich in einem Lager zu orientieren.
Statistisch gesehen wird mit dem Pick-by-Voice System die geringste Fehlerrate erreicht (0,08%). Hier erhält der Kommissionierer alle Informationen über ein Headset und gibt akustisch Signale mit dem Aufträge quittiert werden. Die Fehlerrate mit MDE Geräten liegt bei 0,46 %[43].
Da ein Kommissionierer ständig in Bewegung ist und möglichst beide Hände frei haben sollte, haben Tablet Computer wegen Ihrer Bauform noch keinen erwähnenswerten Einsatz im Einzelhandel gefunden. Ein großes Display, eine hohe Rechenleistung und eine Touchfunktion sind nicht erforderlich.
Je nach Kommissionierauftrag, kann der Mitarbeiter die dem Auftragspaket entsprechende Anzahl an Fächern am Rollwagen durch Verschieben von Trennwänden optimieren. Logstar errechnet anhand des Gewichts und der Abmessungen der zu kommissionierenden Ware, wie viele Fächer des Wagens für eine Bestellung benötigt werden. Ein Barcodescanner erfasst die entnommene Waren. W-Lan sorgt für Kommunikation zum Server. Dieser errechnet die optimale Route unter Berücksichtigung anderer Rollwagen in den Gängen[44][45].
Das große Display ermöglicht eine Parallelkommissionierung. Der Kommissionierer bearbeitet viele Aufträge gleichzeitig ohne dabei die Übersicht zu verlieren[46]. Es ist auch denkbar, ein Tablet an Farzeugen anzubringen, mit dem sich grössräumige Lagerhallen abfahren ließen.
Grundsätzlich gilt also analog zur Inventur die allgemeine Aussage, dass der flächendeckende Einsatz von Tablet Computern, beziehungsweise die Ablösung von MDEs nicht sinnvoll ist, da im Vergleich zu den MDEs nur in Ausnahmefällen positive Effekte erzielt werden können.
4.1.3 Transportplanung
Die Aufgabe der Transportplanung ist die Gestaltung von Transportnetzen. [47] Dabei konzentriert sich im stationären Einzelhandel die Organisation auf den sogenannten Nachlauf, also den Transport von einem oder mehreren Zentrallagern zu den Verkaufsstätten. Die Herausforderung besteht darin, die Gestaltung des Transportnetzes, die Planung der Transportmittel und Wege so wie die Planung des Fahrzeugeinsatzes wirtschaftlich zu bewerkstelligen. Unternehmen stehen diesen Herausforderungen täglich gegenüber wenn es darum geht, die Geschäfte mit Waren zu versorgen. Es muss ein optimaler Einsatz der Ressourcen erreicht werden. Wie bereits in der Einleitung verdeutlicht wurde, gilt es gerade die Kosten für die Logistik zu optimieren, um neben dem E-Commerce wettbewerbsfähig zu bleiben. Betreibt ein Unternehmen einen eigenen Fuhrpark, so bieten sich durch den Einsatz von Tablet Computern verschiedene Möglichkeiten an.
4.1.3.1 Frachtkosten
Zum einen können die Frachtkosten reduziert werden indem über geeignete Tourenplanung mehrere Transportaufträge, die ein Fahrzeug nicht auslasten, zu einer Tour zusammengefasst werden[48]. Geeignete Logistiksysteme können solche Touren planen und die wirtschaftlichste Route ermitteln. Bei Schnelldrehern im Food-Bereich oder bei Terminware kann dies die schnellste Route sein, in anderen Fällen mag die Route mit dem besten Verhältnis aus Zeit und Kraftstoffverbrauch die am besten geeigneteste sein.
Tablet Computer können hier den Prozess sinnvoll stützen. Kommerzielle Tourenplanungssysteme sind in der Regel Stand-alone Lösungen, die auf PC-Systemen laufen. Die Daten werden meist über Schnittstellen zu anderen Systemen übertragen[49]. Durch den kombinierten Einsatz von einem Tourenplanungssystem und einem speziellen Routenplaner, der auch aktuelle Verkehrsmeldungen berücksichtigt, kann die optimale Route für die Tour unter Berücksichtigung der aktuell vorliegenden Faktoren ermittelt werden. Die Daten beider Systeme werden auf einem Tablet Computer zusammengeführt und dem Fahrer zur Verfügung gestellt. Bei Änderungen an der Planung können durch geeignete Übertragungsmethoden Informationen von der Zentrale direkt an das Gerät übermittelt werden. Das Gerät kann die Daten neu auswerten und dem Fahrer zur Verfügung stellen. Dieser kann dann entsprechend reagieren.
Der Tablet Computer kann in der Fahrerkabine montiert werden und bietet aufgrund seiner guten Darstellung und der Bedienung über Touch Screen optimale Einsatzbedingungen. Bedienung und Aussehen liegen hier sehr nah an herkömmlichen Navigationssystemen. Diese haben in der Regel jedoch ein proprietäres Betriebssystem, was eine Ausweitung der Nutzung erschwert. Tablet Computer unterliegen meist nicht diesen Beschränkungen.
4.1.3.2 Frachtpapiere
Digitale Informationen über die Ladung so wie digitale Bearbeitung der Frachtpapiere können die Nutzung noch optimieren. In vielerlei Hinsicht kann es für ein Unternehmen wichtig sein zeitnah zu erfahren, ob die Ware ihren Bestimmungsort termingerecht erreicht hat. Dies kann erreicht werden, indem die Zustellung digital erfasst wird. Dies kann durch eine Unterschrift auf einem Tablet Computer erfolgen, ähnlich wie man es von Paketdiensten her kennt. So kann die Information über die erfolgreich stattgefundene Lieferung in eine Bestandsbuchung im geschlossen Warenwirtschaftssystem resultieren. Dadurch werden zeitnah die Bestände aktualisiert und auch zeitnah Fehler erkannt, auf die entsprechend reagiert werden kann. Die Gefahr einer Fehllieferung wird reduziert, wodurch unnötige Kosten vermieden werden.
4.1.4 Inventur
Zu bestimmten Zeitpunkten, wie Gründung oder Übernahme eines Unternehmens so wie zum Abschluss eines jeden Geschäftsjahres, ist jeder Kaufmann in der Regel zu einer Inventur verpflichtet. Unter Inventur versteht man die Ermittlung des Inventars, also auch die Bestandsaufnahme aller Vermögensgegenstände.[50] Unter gewissen Voraussetzungen können vereinfachte Verfahren für die Inventur eingesetzt werden. Es muss also nicht zwangsläufig eine körperliche Bestandsaufnahme zu einem Stichtag erfolgen. Dafür muss durch ordnungsgemäße Buchführung und geeignete Verfahren sichergestellt sein, dass der korrekte Wert und Bestand auch ohne Bestandsaufnahme ermittelt werden könnte. [51]
Eine Inventur ist mit erheblichem Aufwand bezüglich Zeit, Personal und damit auch Kosten verbunden. Während einer körperlichen Bestandsaufnahme zu einem Stichtag dürfen keine Bestandsänderungen stattfinden. Dementsprechend ist ein regulärer Verkaufsbetrieb nicht, oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich.
Die digitale Datenerfassung mit Barcodescannern ist bei geeigneter Kennzeichnung der Artikel und Lagerorte eine Arbeitserleichterung. In der Regel werden für die ordnungsgemäße Buchführung zwei Personen mit einem Inventurfeld beauftragt. Eine Person erfasst die Mengen und die andere Person kontrolliert und protokolliert die Angaben. Es gilt also das Vier-Augen-Prinzip. Durch die digitale Datenerfassung kann dies in der Praxis auf eine Person reduziert werden. Die korrekte Datenerfassung wird technisch sichergestellt. Daraus resultiert ein wesentlich effizienterer Personaleinsatz und dementsprechend auch eine Kostenersparnis.
Tablet Computer können unter Verwendung Barcodescanners für diesen Vorgang eingesetzt werden. Die Eingabe der Produktbezeichnung sowie des Lagerortes erfolgt in der Regel durch das Scannen von Barcodes. Lediglich die Eingabe der Menge bedarf einer Benutzereingabe. Durch die Verwendung eines nicht proprietären Betriebssystems kann relativ einfach mit den Erfassungsmasken der Warenwirtschaft gearbeitet werden. Im Gegensatz dazu muss in der Regel für MDEs eine spezielle Software gekauft oder entwickelt werden. Dieser Vorteil relativiert sich jedoch unter dem Aspekt, dass es in der Regel für die gängigen Warenwirtschaftssysteme bereits fertige Lösungen gibt.
Der Einsatz von Tablet Computern im Vergleich zu MDEs wirkt sich meist eher nachteilig aus. Das große Display eines Tablet Computers wird nicht benötigt. Für die Datenerfassung werden nur sehr übersichtliche Masken verwendet. Die Größe ist bei der Inventur eher hinderlich und unhandlich. Die kleinen und kompakten MDEs sind für diesen Einsatzbereich wesentlich besser geeignet.
4.2 Marketing
»Marketing bedeutet Planung, Koordination und Kontrolle die auf die aktuellen Unternehmendaktivitäten und Märkte ausgerichtet sind. Durch eine dauerhafte Befriedigung der Kundenbedürfnisse sollen die Unternehmensziele verwirklicht werden.«[52] Danach ist Marketing eine Konzeption der Markt orientierten Unternehmensführung. Marketing ist ein wichtiger Bestandteil des Einzelhandels, der durch den Wandel von Käufer- zu Verkäufermarkt erheblich an Bedeutung gewinnt. Marketing bzw. die Einführung und Optimierung von Marketingprozessen ist sowohl zeit- wie auch kostenintensiv. Im folgenden Abschnitt wird beschrieben, wie durch den Einsatz von Tablet Computern eine Erweiterung bzw. Optimierung der Marketingprozesse erreicht werden kann. Dabei wird häufig Bezug auf den online Handel genommen, um die dort gegebenen Möglichkeiten - und die daraus ggf. resultierenden Vorteile - auf den stationären Einzelhandel zu übertragen bzw. sie miteinander zu vergleichen.
Der Einsatz von Tablet Computern im stationären Einzelhandel ist an verschiedenen Stellen möglich.
Im folgenden werden mögliche Platzierungen von Tablet Computern genannt, welche für die zu untersuchenden Bereiche Vertrieb und Marketing interessant sind.
Der Einsatz ist sowohl als eine Art MSA (Mobile Shopping Assistent) in Kundenhand, sowie als Unterstützung des Verkäufers denkbar und somit zu untersuchen.
Wie sich in Kapitel 2.2.2, durch die beschriebenen Bauweisen und Unterschiede zu anderen Geräten in Kapitel 3 herausgestellt hat, sind Tablet Computer sehr handlich. Durch diese Eigenschaft sind Tablet Computer prädestiniert für den mobilen Einsatz, der folgende Formen annehmen könnte:
Möglichkeiten den Tablet Computer so zu platzieren, dass er für den Kunden kein Hinderniss darstellt, gibt es viele. So kann der Tablet Computer zum Beispiel direkt auf dem Einkaufswagen montiert werden (siehe Abbildung 16). Der Kunde hat so während seines Einkaufes die Möglichkeit die Anwendungen und Funktionalitäten zu nutzen, ohne bei seinem Einkaufsvorgang ständig ein Gerät in der Hand halten zu müssen.
Doch auch letztere Option ist vorstellbar und wird in der Praxis bereits genutzt. Hierbei kann der Kunde sich am Eingang des Geschäftes ein Gerät abholen, welches er beim verlassen des Geschäftes wieder abgibt. Da der Einkaufs Vorgang längere Zeit in Anspruch nehmen kann, sind hier die Eigenschaften Abmessung, Gewicht und Handling besonders wichtig.
Diese Form der Bereitstellung eignet sich vor allem für den Einsatz beim Verkäufer, der dem Kunden somit direkt Dienstleistungen wie Informationsauskünfte geben kann, ohne ein fest installiertes Terminal in Anspruch nehmen zu müssen.
Tablet Computer eignen sich jedoch ebenfalls für den festinstallierten Einsatz als Terminal.
Der Tablet Computer kann an den Anwendungsspezifischen Orten aufgestellt werden, um dort die jeweiligen Services und Funktionalitäten zur Verfügung zu stellen.
4.2.1 Vertrieb
Definition Vertrieb:
Vertrieb beinhaltet v.a. den Verkauf von Waren; Warenverteilung (Logistik, Marketinglogistik), Steuerung der Außendienstorganisation und Pflege der Beziehungen eines Herstellers zum Handel bzw. beim Direktvertrieb (direkter Vertrieb) zum Endkunden. Neuere Ansätze betonen die hohe Bedeutung des Kundenmanagements im Rahmen des Vertriebs.[53]
Der Vertrieb stellt für den Einzelhandel das Kerngeschäft dar. Hierbei ist lediglich der interne und der externe Vertrieb zu unterschieden. Intern bedeutet, Waren zu beschaffen die verkauft werden sollen. Extern bedeutet, die Waren an den Kunden zu verkaufen. Der stationäre Einzelhandel ist die direkte Schnittstelle zum Kunden, die Geschäfte repräsentieren das Unternehmen ebenso wie die Mitarbeiter die Unternehmensphilosophie bzw. das Leitbild nach außen darstellen sollen. Der Vertrieb wird seit jeher mit technischen Hilfsmitteln unterstützt, hierbei beginnt es bei den Kommunikationsmöglichkeiten die das Aufgeben einer Bestellung ermöglichen, dann geht es zur Überwachung der Bestellung, welche durch Techniken wie RFID, GPS und Internet ermöglicht wird, bis hin zum Verkauf der Ware an einer Kasse die mit einem Warenwirtschaftssystem verbunden ist, welches den Abverkauf der Ware registriert und Lagerlisten aktualisiert. Im stationären Einzelhandel erfolgte die technische Aufrüstung meist im internen Vertrieb, der Kunde kam nur indirekt mit den neuen Techniken in Berührung. Im Gegensatz zum online Handel, wo der Kunde erst durch die Technik die Möglichkeit erhält Waren zu kaufen. Dieser Trend im stationären Einzelhandel wandelt sich nun aber langsam, hin zur Technik für den Konsumenten. Technik soll dem Konsumenten das Einkaufen erleichtern und attraktiver machen, gleichzeitig will der Einzelhandel Kostensparen und Marktvorteile generieren. Da der online Handel in bestimmten Branchen, wie z.B. der Unterhaltungselektronik, dem stationären Einzelhandel enorme Marktanteile abgenommen hat, muss dieser hier reagieren und versuchen die Optionen und ggf. vorhanden Vorteile des online Handels zu integrieren. Auch das gezielte Werben bei speziellen Käufergruppen, wird durch die online Werbung revolutioniert, da persönliche Informationen – wie Standort, Surfvorlieben oder Informationen aus sozialen Netzwerken - eines PC Benutzers zur Auswertung für die werbenden Unternehmen zur Verfügung stehen. Der Tablet Computer stellt hier die Verbindung zwischen online und offline Handel dar, der Kunde kann die Vorteile des online Handels nutzen, während er in einem Geschäft einkauft. Dies geschieht teilweise unbewusst – z.B. wenn der Verkäufer Preisinformationen für den Kunden online abruft -, teilweise aber auch sehr bewusst – wenn ein Käufer Zusatzinformationen zu einem Produkt vor Ort über ein Mobiles Endgerät im Internet abruft. Im Folgenden werden spezielle Bereiche untersucht, um festzustellen ob der Einsatz von Tablet Computern möglich ist, ggf. schon stattfindet oder evtl. auch negative Auswirkungen haben kann.
4.2.1.1 POS Systeme
Der POS, auch POP (Point of Purchase), ist aus Sicht des Konsumenten der Ort des Einkaufs und aus Sicht des Händlers der Ort des Verkaufs. Laut Definition handelt es sich bei dem POS also um den Ort des Warenangebotes (Filiale, bzw. Regal), an welchem die Kunden direkt mit der Ware in Berührung kommen und durch Verkaufsfördernde Maßnahmen zu Impulskäufen verleitet werden sollen. [54]. Allgemein wird auch die Kasse als POS verstanden, wobei es sich korrekter weise um ein POS-Terminal handelt. Die Entwicklung von der mechanischen Registrierkasse hin zu POS-Terminals -eine auf PC-Technik basierende Kasse- ging mit der rasanten Entwicklung der Personal-Computer einher. Für den Einsatz von Tablet Computern kommen im wesentlichen zwei Verwendungsgebiete im Bereich POS-Terminal in Frage, zum einen als Kassensystem an sich, zum anderen als persönlicher Shopping Assistent inkl. Check-Out -Bezahlen der Ware- für jeden Kunden, wodurch herkömmliche Kassensysteme weitgehend abgelöst werden können.
Aktuelle Kassensysteme der führenden Hersteller Wincor Nixdorf / IBM nutzen bereits die Touchscreen Technologie um herkömmliche Tastaturen abzulösen. Dies hat Vorteile im Bezug auf die Ergonomie und Funktionalität sowie auf die Widerstandsfähigkeit der Kassen gegenüber äußeren Einflüssen (Flüssigkeiten in der Tastatur sind eine der häufigsten eingehenden Fehlermeldungen bei Filial HelpDesks). Meist handelt es sich bei herkömmlichen Kassensystemen, wie sie in faste jedem Supermarkt eingesetzt werden, um komplexe Systeme bestehend aus Erfassungseinheit, Bargeldlade, Waage, Bondrucker, Ec-Karten Leser, Tastatur und Logik- / Recheneinheit. Neue Konzepte setzen zum Beispiel auf Apps für das Apple iPad um die wesentlichen Bestandteile eines Kassensystems miteinander zu vereinen. So entwickelt und testet die Firma Lecere Corporation [55] zur Zeit die Einführung einer speziellen App, die aus dem iPad in Kombination mit einem W-Lan Drucker ein vollwertiges, jedoch bargeldloses Kassensystem macht. Die Kostenvorteile sind hierbei ein herausragendes Argument, der CEO (Chief Executive Officer) der Entwickler Firma Lecere, Dr. Jim Morris, beziffert die Kosten für ein iPad Kassensystem auf ca. 2000$ (ca. 1640€), wohin gegen ein herkömmliches Kassensystem ca. 20.000$ (ca. 16640€) kostet [56]. Die Idee der App vereint die Aufnahme von Bestellungen vor Ort, die korrekte Auslieferung und die Bezahlung im iPad. Die Vorteile Gegenüber einer nicht tragbaren Kasse liegen auf der Hand.
Für einen weiteren Einsatzbereich können Tablets zum Self-Checkout -Eigenständiges Bezahlen der Ware ohne Unterstützung eines Verkäufers- genutzt werden. Die sogenannten Selbstbedienungskassen sind heute schon in großen Einzelhandelsketten wie IKEA oder Real,- im Einsatz. Der Kunde scannt seine Artikel selber und bezahlt diese an der Selbstbedienungskasse, der Kassierer wird hier fast vollständig ersetzt, es ist nur vereinzelt Personal notwendig um die Kassiervorgänge zu überwachen und ggf. Hilfestellung zu geben. Die logische Weiterentwicklung findet sich in dem MEA (Mobilen Einkaufs Assistenten) [57] der Metro Group[58]. Das Prinzip des MEA ist einfach, es macht sich den Umstand zu nutze, dass jeder Kunde heut zu Tage ein eigenes mobiles Gerät wie Handy, Smartphone, iPhone, iPad etc. besitzt. Mit Hilfe der in diesen Geräten eingebauten Kamera kann der Kunde die einzelnen zu kaufenden Produkte erfassen. Eine Software ermittelt den Gesamtbetrag und blendet zum Zahlungsabschluss einen Barcode ein, welcher an einer Bezahlstation gescannt werden muss. An dieser Bezahlstation wird der Einkauf dann bezahlt. Diese Lösung beschleunigt den Kassiervorgang, da hier keine Warteschlangen entstehen können, wie es etwa bei herkömmlichen oder auch Selbstbedienungs-Kassen der Fall ist. Der Vorteil für den Einsatz von Tablets wie dem iPad liegt hier in der Größe des Displays. Sowohl der Kunde als auch der Einzelhändler haben einen Zusatznutzen. Der Kunde kann zusätzliche Informationen zu seinen Produkten, wie seine Einkaufsliste, Kochrezepte oder Inhaltsangaben, gut leserlich dargestellt bekommen. Für den Einzelhändler bietet der große Display den Vorteil, dass der Kunde neben den Basisinformationen wie aktueller Warenkorb und Einkaufsliste, auch genug Platz bietet um Werbung oder gezielte Cross Selling Maßnahmen einzublenden ohne die Übersichtlichkeit zu verschlechtern. Des Weiteren kann durch die Onlinefunktionalität der Tablets der Bezahlvorgang über den Tablet abgeschlossen werden. Ein registrierte Kunde kann den Einkauf per Lastschriftverfahren oder auch per Kreditkarte direkt an Ort und Stelle bezahlen, ein weitere Bezahlstation, wie z.B. bei den Mobilen Einkaufs Assitenten, wird somit überflüssig.
4.2.1.2 Preiskontrolle
Im stationären Einzelhandel kommt der Kaufvertrag zu Stande, wenn der der Kunde an der Kasse die von ihm ausgewählte Ware bezahlt. Zur Zeit erfolgt eine Preiskontrolle durch den Kunden in der Regel erst an der Kasse, in einigen wenigen Filialen gibt es Preiskontrollstationen an denen der Kunde ein Produkt scannen und so den Preis prüfen kann . Oftmals bleiben Preisfehler aber unentdeckt, oder werden erst zu Hause entdeckt, wenn es meist schon zu spät ist. Diese Preisfehler kommen zustande, weil Warenpreise durch den Einkauf in der Regionsleitung, bzw. durch die Firmenzentrale gesteuert werden. Diese pflegen Preisänderungen im zentralen Warenwirtschaftssystem, dabei erfolgen meist automatische Mitteilungen - per eMail oder als Systemmeldung auf dem Filialrechner - an die Filialen, darüber das sich die Preise geändert haben und die Waren neu ausgezeichnet werden muss. Hierbei kann sich natürlich das Auszeichnen der Ware mit dem Kauf der Ware überschneiden, so dass ein Preisfehler zustande kommt. Doch auch andere Faktoren können dazu führen das die Preisänderung der Waren nicht rechtzeitig durchgeführt wird: Wirtschaftliche Faktoren spielen eine wichtige Rolle, so wird ein Filialleiter an einem verkaufsstarken Tag (z.B. bestes Sommerwetter und start der Grillsaison) lieber eine zusätzliche Kasse besetzen und die Waren auffüllen lassen, als die Preise anzupassen. Auch Krankheit oder Personalmangel können eine Ursache für ein ausbleiben der neu Auszeichnung sein.Abhilfe schaffen können Tablet Computer -die die Kunden für den Einkauf erhalten- in dem sie mit einer Erfassungseinheit (Kamera oder Barcodeleser) ausgestattet, die Waren direkt scannen und den aktuelle Preis im Warenwirtschaftssystem abrufen. Der Kunde kann so direkt Preisfehler erkennen und ggf. melden. Dabei kann der Kunde in zweierlei Hinsicht profitieren, zum einen kann der Auszeichnungsfehler für ihn positiv sein, zum anderen kann er bei einem für ihn negativen Preisfehler direkt selber entscheiden ob er das Produkt trotzdem kauft.
Die Anforderungen an den Tablet Computer liegen hier im Wesentlichen in der Anbindung an das Datawarehouse, beziehungsweise an spezielle Data-Marts, welche Tagesaktuelle Preise enthalten. Das Datawarehouse sammelt Informationen wie EK-Preis, VK-Preis, Anzahl der Artikel im Lager, Bestell- und Lieferdatum aus verschiedenen Datenquellen und führt diese zu einem gemeinsamen konsistenten Datenbestand zusammen. Ein Data-Mart ist eine Kopie eines Teilbereiches aus dem Datawarehouse, welcher für eine bestimmte Anwendung, wie z.b. zu Preiskontrolle, zur Verfügung gestellt wird.
Die Hardware zum Erfassen des Preises während des Einkaufes wird ebenfalls bereits in verschiedenen Bereichen erprobt und teilweise auch schon genutzt. Hierbei kommen sog. PSAs (Personal Shopping Assitent) zum Einsatz, entweder in Form von Handscannern, wie bei der holländische Supermarktkette Albert Heijn[62] oder in Form von Tablet Computern welche auf dem Einkaufswagen montiert werden, wie im real,- Future Store.
Natürlich lassen sich Preisfehler auch durch den Einsatz von elektronischen Preisschildern stark reduzieren, jedoch bietet der Einsatz von Tablet Computern in Kombination mit einer Produkterkennung wesentliche Nebeneffekte, wie z.B. eine weiter Werbeplattform durch die Cross-Selling (siehe Kapitel 4.3.2.1) möglich wird.
4.2.1.3 Kundenbestellung
Im Versandhandel ist die Bestellung eines Kunden fester Bestandteil eines Verkaufsvorfalls. Im stationären Einzelhandel stellt eine Bestellung tendenziell eher die Ausnahme dar. Allerdings haben sich auch einige Unternehmen darauf fokussiert, in den Filialen Ausstellungsstücke zu präsentieren und Bestellungen entgegen zu nehmen. Im Bereich der Möbelhäuser findet häufig eine Kombination aus dem Verkauf von Lagerartikeln und dem Verkauf auf Bestellung statt. Bei nicht beratungsintensiven Produkten kann über eine geeignete Software, die auf einem Tablet Computer angeboten wird, dem Kunden die Möglichkeit gegeben werden, ein Produkt ohne Involvierung eines Verkäufers zu bestellen. Dadurch werden mögliche Wartezeiten vermieden und seitens des Anbieters kann ein effizienter Personaleinsatz erfolgen. In Bezug auf das Beispiel der Bestandsabfragen kann hier die Möglichkeit geboten werden, bei einem vorübergehend vergriffenen Artikel eine Bestellung auszulösen.
4.2.1.4 Digitaler Warenkorb
Für gewöhnlich ist es im stationären Einzelhandel so, dass der Kunde mit einem Einkaufswagen oder Ähnlichem durch den Verkaufsraum läuft, und die gewünschten Produkte in den Einkaufswagen legt und zuletzt an der Kasse bezahlt. Der Onlinehandel hat diese Prinzip adaptiert, in dem er einen digitalen Warenkorb anbietet. Der Kunde stöbert durch das Onlineangebot und legt die zu bestellenden Artikel in den digitalen Warenkorb. Am Ende des Einkaufes bezahlt der Kunde mit einem der gängigen bargeldlosen Mittel, wie zum Beispiel Kreditkarte, Pay Pal oder Bankeinzug. Hier hat der Onlinehandel also ein dem Anwender bekanntes Element digital nachgebildet. Im Gegensatz zum Einkaufswagen kann der digitale Warenkorb jedoch jederzeit bezüglich Menge und Inhalt verändert werden oder gar für ein späteres Fortsetzen des Einkaufs gespeichert werden. Diese Zusatzfunktion kann man auch zurück in den stationären Einzelhandel führen. Der Kunde kann seine gewünschten Produkte in einem digitalen Warenkorb sammeln. Sind alle Produkte vorrätig, kann das System die günstigste Route für den Kunden ermitteln und ihn durch den Verkaufsraum führen. Müssen Artikel bestellt werden, kann der Kunde direkt aus dem digitalen Warenkorb heraus eine Kundenbestellung auslösen. Auch eine Liste mit regelmäßig gekauften Produkten oder eine daheim zusammengestellte Einkaufsliste, die im Verkaufsraum geladen wird, sind denkbar.
4.2.2 Datenerhebung
Bei der Datenerhebung unterscheidet man zwischen Primärforschung und Sekundärforschung. Quellen für Sekundärforschung können betriebsinterne oder betriebsexterne Daten sein. Als betriebsinterne Quellen beziechnet man die Marketing-Statistik, das Beschwerdemanagement, Außendienstberichte, Kostenrechnung, sowie CRM-Systeme (Customer Relationship Management). Betriebsexterne Quellen können z.B. Veröffentlichungen der Statistischen Landesämter und des Statistischen Bundesamtes, Berichte von Industrie- und Handelskammer und von Verbänden, Veröffentlichungen von Werbeträgern(z.B. von den Verlagen), Fachbücher oder Fachzeitschriften, Forschungsergebnisse von Institutionen, Preislisten, Kataloge, Prospekte von Wettbewerbern, Datenbanken oder das Internet sein. [63] Die Primärforschung bezeichnet die Informationsgewinnung durch Befragungen und Beobachtungen direkt am Markt. Folgend werden diese beiden Erhebungsmethoden genauer betrachtet und auf einen möglichen Einsatz von Tablet Computer überprüft um daraus ein Fazit für den Einsatz von Tablet Computern als Mittel zur Datenerhebung zu folgern.
4.2.2.1 Befragung
»Bei einer Befragung werden Personen durch gezielte Fragen zur Weitergabe von Informationen (z.B. Aussagen, Einstellungen, Meinungen) veranlasst.« [64] Bei der Befragung als Datenerhebungsmethode werden in den meisten Fällen durch repräsentative Umfragen Daten generiert. Im folgenden sollen signifikante Eigenschaften einer Umfrage auf die Verwendung von Tablet Computern überprüft werden.
Komfortabilität:
Der Einsatz von Tablet Computern ist eine komfortable Lösung um eine Kundenbefragung durchzuführen. Der Nutzer kann seine Antworten bequem über das Touchpad eingeben.
Individualität: Befragungen können je nach Eingaben der Benutzer individuell angepasst werden. Je nach Antwort, kann die Anwendung Fragen aus dem Fragenpool des Unternehmens auswählen. Dies verschafft dem Unternehmen die Möglichkeit, die Umfrage abhängig von jeweiligen Kundengruppen die Fragen zu spezialisieren. Durch eine individuelle Anpassung der Fragen an den Kunden kann ein größeres Interesse des Benutzers erzielt werden, die Umfrage auszufüllen.
Mobilität: In Anlehnung an die möglichen Einsatzorte von Tablet Computern im Einzelhandel, wird von einer hohen Mobilität für die Datenerhebung durch eine Befragung ausgegangen. Ist der Tablet Computer z.B. am Einkaufswagen des Kunden angebracht, kann dieser sich während der Umfrage fortbewegen und ist in keinster Weise in seiner Mobilität eingeschränkt. Durch den Einsatz von Tablet Computern ist der Kunde beim Ausfüllen der Umfrage, aber auch bei der Abgabe der Umfrage nicht Standortgebunden. Bei Umfragen im Einzelhandel, die von Mitarbeitern mit einem Fragebogen auf Papier durchgeführt werden, ist dies nicht der Fall.
Zeit: Der Kunde ist durch die Nutzung von Tablet Computern bei Befragungen zeitlich nicht gebunden. Während bei einer Umfrage, die durch Mitarbeiter durchgeführt wird alle Fragen in einem Fluss beantwortet werden müssen, gibt der Einsatz von Tablet Computern die Möglichkeit das Ausfüllen der Umfrage zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzuführen.
Auswertung: Ein wichtiger Faktor bei der Datenerhebung durch Befragung ist der benötigte Auswertungszeitraum. Liegen die Daten der befragten Kunden schriftlich vor, ist die Eingabe der Daten in das Data-Warehouse des Unternehmens meist manuell zu erledigen und dadurch zeit- und kostenintensiv. Der Einsatz von Tablet Computern bietet sich hier an, da die Daten direkt über das Netzwerk vom Tablet Computer an die Server des Unternehmens weitergeleitet werden können. Das Unternehmen hat somit direkten Zugriff auf die erhobenen Daten, was sich z.B. im Bereich After-Sales zu einem Nutzen entwickeln kann.
Akzeptanz: Tablet Computer sind erst seit kurzem populär. Demnach könnten einige Nutzer dem Einsatz von Tablet Computern noch kritisch gegenüberstehen. Andererseits kann die Nutzung von Tablet Computern das Interesse der Kunden auf sich ziehen und den Tablet Computern als Befragungsmedium bestätigen.
4.2.2.2 Beobachtung
»Die Beobachtung ist eine Technik der Datenerhebung, die auf eine Kommunikation zwischen Erhebendem und Auskunftsperson durch Fragen und Antworten verzichtet. Dabei wird so verfahren, dass die zu untersuchenden Gegebenheiten und Verhaltensweisen direkt erfasst werden.« [65] Diese Form der Datenerhebung ist im Online-Handel weit verbreitet. Folgend wird geprüft, ob durch den Einsatz von Tablet Computern die Datenerhebungsmethode der Beobachtung für den Einzelhandel verbessert werden kann.
Quantität: Tablet Computer können als möglicher Fixpunkt der Beobachtung eingesetzt werden. Beispielsweise könnten bei der üblichen Beobachtung mit RFID (Radio Frequency Identification) die RFID-Chips Teil des Tablet Computer sein.
Quelle: Durch die eigene Erhebung der Daten und der Einspeisung in das eigene Data-Warehouse, ist das Einzelhandelsunternehmen nicht von externen Dienstleistern abhängig.
Auswertung: Die bei der Beobachtung erhobenen Daten können direkt gespeichert und ausgewertet werden.
4.2.2.3 Erfassen von Kundeninformationen
Detaillierte Informationen über Kunden zu erhalten ist für den Einzelhandel sehr schwer.
Hier hat der online Handel einen klaren Vorteil gegenüber dem Einzelhandel, den jeder online Shop erfordert eine Registrierung des Kunden bevor dieser etwas kaufen kann. Somit weiß der online Händler im Gegensatz zu einem stationären Einzelhändler immer genau wo seine Kunden herkommen, da der Kunde seine Adressinformationen angeben muss. An den durch die Registrierung erstellten Account werden für den Händler relevante Informationen über den Kunden gespeichert: Welche Produkte hat der Kunde gekauft? Welche Produkte hat der Kunde sich angesehen? Wie lange schaut er sich welche Seiten an? Über welche Seiten gelangt er zum online Shop? Wie oft ruft er den online Shop auf? All dies sind Informationen die für den online Handel selbstverständlich erfasst werden. An Hand dieser Informationen lassen sich exakte Kundenprofile erstellen, welche zB personalisierte Werbung und Produktvorschläge zulassen.
Für den stationären Einzelhandel ist das Erfassen dieser Information aufgrund der fehlenden Notwendigkeit schwierig. Um Kundendaten zu erhalten, werden häufig an den Kassen umfragen gemacht wobei zB. nach der Postleitzahl gefragt wird, so kann das Einzugsgebiet erfasst werden. Um aber wirklich umfassende Informationen über das Kaufverhalten des Kunden zu erhalten, muss eine Win-Win Situation geschaffen werden damit der Kunde bereit ist seine Daten preis zu geben. Dies führte zur Einführung sog. Payback Karten im Jahr 2000. Der Kunde muss sich für das Payback Programm mit seinen identifizierenden Daten –Anschrift, Name etc.- anmelden und erhält dann eine Karte in vorm einer EC-Karte. Diese wird beim Bezahlen an der Kasse genau wie die gekauften Waren gescannt. Kundennummer, Filiale, Umsatz, Datum und Artikelnummern werden erfasst. Der Käufer erhält auf die Kaufsumme einen Rabatt oder eine Prämie, was vom jeweiligen Partnerunternehmen abhängig ist. Somit werden also auch im stationären Einzelhandel relevante Informationen erfasst.
Ende 2007 fanden sich in fast 60% der deutschen Haushalte eine Payback Karte, doch der Markt ist rückläufig, immer mehr Unternehmen steigen aus den Programmen aus, der einstige zweite im Payback Markt, HappyDigits, hat im Jahr 2009 alle Handelspartner als Kunden verloren, was das aus des Unternehmens bedeutete. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung nutzen lediglich 55% der Kunden die Karte regelmäßig, 40% nutzten sie gelegentlich, 5% nie.
Der Tablet Computer kann dem Einzelhandel helfen Kundendaten zu sammeln. In einem Modell in dem der Kunde einen Tablet Computer nutzt um seine Artikel selber zu scannen und auch direkt über den Tablet Computer zu bezahlen -Lastschriftverfahren, Kreditkarte, Rechnung etc.- muss der Kunde analog zum online Handel einen Account anlegen. Der Tablet Computer bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten Informationen zu erfassen. Zum einen können lediglich erfasste Produkte –zB zur Preiskontrolle- und wirklich gekaufte Produkte identifiziert werden, die zuvor erstellte Einkaufsliste kann mit den gekauften Produkten abgeglichen werden, es kann mittels GPS und WLAN auch der Weg des Kunden durch das Geschäft und die Verweildauer bestimmt werden. Diese Daten könnten wiederum mit anderen Partnern abgeglichen und ausgetauscht werden. Im laufe der Zeit könnte der Tablet Computer herkömmliche Kassen komplett ablösen, somit wäre eine Erfassung der Kundendaten von nahezu 100% möglich. Somit schafft der Tablet Computer die Möglichkeit die Vorteile des online Handels in den offline Handel zu portieren.
4.2.3 Zusatzverkäufe
Zusatzverkäufe bzw. Anschlussverkäufe beschreiben eine Leistung, die nach Abschluss des eigentlichen Kaufsgegenstandes generiert werden sollen. Zusatzverkäufe haben das Ziel den Umsatz pro Einkauf zu steigern, können aber auch als guter Service verstanden werden. Folgend werden Methoden zur Zusatzverkaufsgenerierung betrachtet und auf einen möglichen Einsatz von Tablet Computer untersucht.
4.2.3.1 Cross-Selling
Cross-Selling (dt. Nebenverkauf) beschreibt einen Begriff aus der Marketingwelt, bei dem einem Kunden ergänzende Produkte zu seinem Kauf vorgeschlagen und zugänglich gemacht werden. Das Ziel ist es den Umsatz proKundenauftrag zu erhöhen. Hierzu werden dem Kunden Produkte und Leistungen aus dem eigenen Produktportfolio angeboten, die in einem direkten Zusammenhang mit dem vom Kunden ausgewählten Kauf stehen oder dem Kunden einen Zusatznutzen bei seinem weiteren Einkauf geben können. Zusätzlich können Abhängigkeiten vom Lebenszyklus des Einkäufers berücksichtigt werden. Das Cross-Selling kann als Phase des Customer-Buying-Cycle [66] gesehen werden und in der Phase der Anregung das Bedürfnis bei Kunden wecken.
Cross-Selling wird momentan verbreitet im Online-Handel angeboten, da die durch ein CRM-System gespeicherten Daten eine schnelle Aufbereitung und Auswertung erlauben. Die Umsetzung im stationären Einzelhandel ist bisher nur punktuell im Einsatz. Ein typisches Beispiel wäre ein Anschreiben aller Kunden, die in diesem Sommer einen neuen PKW gekauft haben, mit dem Angebot sich nun passende Winterreifen bei gleichem Autohändler zu kaufen.
Tablet-Computing ist eine Möglichkeit die Vorzüge des Cross-Sellings für den Einsatz im stationären Einzelhandel zu optimieren und die Kunden auf die stationär vorhandenen Produkte des Sortiments hinzuweisen. Dem Kunden kann während seines Einkaufes die Datenhaltung des Markts zur Verfügung stehen. Entscheidet der Kunde sich nun für ein Produkt wird Ihm direkt eine Liste mit Produkten angezeigt, die in dem System des Einzelhandelsunternehmens mit diesem Produkt in Verbindung stehen. Dies kann beispielsweise eine Liste mit Produkten sein, die andere Kunden während Ihres Einkaufs zu diesem Produkt in Ihrem Warenkorb hatten oder weitere Produkte des gleichen Herstellers, welche das Einzelhandelsunternehmen in seiner Produktpalette aufgenommen hat.
Vorteile für das Einzelhandelsunternehmen ist eine mögliche Steigerung des Umsatzes pro Kundeneinkauf, sowie eine Bekanntmachung weiterer Produkte, auf die der Kunde ohne den Einsatz von Tablet Computing mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Kenntnis gesetzt worden wäre.
Beim Kunden wird ein Informationsgewinn erzeugt. Er kann seinen Nutzen aus dem Cross-Selling des Einzelhandels ziehen und sich benötigte Produkte direkt bei seinem Einkauf mit besorgen. Ansonsten würden Ihm erst später das Bedürfnis weiterer Produkte bewusst.
4.2.3.2 Up-Selling
»Das "Aufwärts-Verkaufen" bezeichnet die Bemühungen eines Anbieters, dem Kunden die, meist auch preislich höher angesiedelten, nächst höhere Produkt- und Dienstleistungskategorie so schmackhaft zu machen, dass er sich zum Kauf derselben entschließt.« [67] Ziel ist es, durch den höheren Verkaufspreis des Produktes den Umsatz pro Einkauf zu steigern.
Im stationären Einzelhandel können diese Produkte durch eine geschickte Produktpräsentationpolitik und eine Optimierung der Verkaufsraumgestaltung [68] erreicht werden. Der Einsatz von Tablet Computing in diesem Bereich kann dem Einzelhandel die Chance einräumen, dem Kunden beim Kauf eines Produktes ein höherwertiges Produkt aus dem eigenen Produktportfolio anzubieten und dem Kunden auf dem gleichen Weg seinen Mehrnutzen durch den Kauf des teureren Produktes darzulegen. Gerade durch Ausnutzung der Daten aus dem CRM-System kann für jeden Kunden spezifisch angezeigt werden, welche höherwertigeren Produkte für den Kunden interessant sind.
Man kann sich hier durch den Einsatz von Tablet Computern die lückenlose Datenhaltung des vom Unternehmen geführten Data-Minings zu Nutze machen und die Anzeige von Up-Selling Produkten z.B. nur anzeigen, wenn es das Einkommen eines Kunden auch wirklich zulässt, sich über den Kauf des teureren Produktes Gedanken zu machen. Diese Analyse ist die Voraussetzung für ein erfolgreiches Up-Selling für verschiedene Produkte und könnte mit heute eingesetzten Methoden im stationären Einzelhandel nicht erreicht werden.
4.2.3.3 Kundenführung
Eine Herausforderung des Einzelhandels ist es, den Kunden so zu führen, dass er möglichst viele potentiell interessante Artikel sieht, hochwertige Artikel in Augenhöhe zugänglich sind und verwandte Artikel beisammen stehen. Voraussetzung ist es, dass der Kunde annähern weiß, wo der gewünschte Artikel zu finden ist. In Anlehnung an das Beispiel der Bestandsabfrage kann der Kunde bereits über den Standort des Artikels informiert werden. Darüber hinaus ist es durch den Einsatz von Tablet Computern auch möglich, den Kunden gezielt zu diesem Ort zu führen. Durch diese Serviceleistung kann der Kunde zum Beispiel auf dem kürzesten Weg zu dem Standort geführt werden. Alternativ kann hier auch eine alternative Route vorgeschlagen werden, bei der der Kunde weitere möglicherweise interessante Produkte präsentiert bekommt. Dies ist eine konsequente Integration des Prinzips der Zusatzverkäufe in die Kundenführung. Dazu ist es jedoch notwendig, dass der Standort des Kunden im Verkaufsraum bekannt ist und sie Standorte aller Produkte in einem zentralen System erfasst sind. Durch den geeigneten Einsatz von zum Beispiel RFID Technologie in Kombination mit einem geeigneten Warenwirtschaftssystem kann dies erreicht werden.
4.2.4 Werbemedium
Der Einsatz von Tablet Computern als Werbemedium ermöglicht dem Einzelhandel neue Möglichkeiten den Kunden auf Produkte aufmerksam zu machen. Der Tablet Computer kann als interaktives Werbemittel eingesetzt werden, die im Online-Handel bereits eine wichtige Rolle spielen oder stationär als Terminalwerbemittel. Für folgende Aussagen werden benötigte Anwendungen für Tablet Computer vorausgesetzt.
Werbemiedien transportieren eine Botschaft, die dem Kunden bestimmte Produkte oder Dienstleistungen näher bringen sollen.
Werbemedien können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
- Printmedien, wie z.B. Zeitungen oder Plakate
- elektronische Medien, wie z.B. der Fernseher
- online-Medien, wie z.B. Suchmaschinen oder Web-kataloge
Folgend werden die Einsatzmöglichkeiten von Tablet-Computern als interaktives Werbemedium betrachtet und die Möglichkeit des Einsatzes in den jeweiligen Medienformen kurz vorgestellt.Ausgangspunkt sind die im Kapitel Marketing (4.2) beschriebenen Einsatzgebiete von tablet-Computern innerhalb der Verkaufsräume.
Der Tablet-Computer bietet Unternehmen als Werbemedium ein breites Spektrum an Möglichkeiten. die multimediale Ausrichtung der neuen Tablet Generation macht einen Einsatz in verschiedenen Formen der Werbemedien möglich. Die Anbindung an die IT-Infrastruktur und das CRM-System erlauben es dem Einzelhandelsunternehmen, Werbungen sinnvoll, individuell, zeitnah und in geeigneter Form zu schalten. Somit kann der Kunde durch die Werbung während seiness Einkaufes positiv beeinflusst werden.
4.2.4.1 Printmedien
Der Tablet-Computer kann innerhalb der Verkaufsräume so eingesetzt werden, dass er Printmedien, wie Zeitungen, Magazine, Werbeprospekte oder Plakate ersetzt.
Werbungen können auf dem Diplay des Tablet-Computer ausgegeben werden und die Angebote wie auf einem Printmedium darstellen.
4.2.4.2 Elektronische Medien
Tablet-Computer unterstützen gängige Video-Fomate, somit kann der Tablet-Computer Werbevideos, Slideshows, Anwendungsbeispiele als Film direkt abspielen.
4.2.4.3 Online-Medien
Durch die Anbindung an das Internet, das Intranet und das CRM-System bekommt der Kunde die Möglichkeit, passende Applikationen vorausgesetzt, Zugriff auf verschiedene Datenbestände und Suchfunktionalitäten zu erhalten. Somit ist der Einsatz von Tablet Computern auch in dieser Fomr als Werbemedium geeignet.
4.2.5 Kundeninformation
In diesem Bereich wird auf eine mögliche Anwendung von Tablet-Computern bei der Kundeninformation eingegangen. Der Bereich der Kundeninformation beschäftigt sich vor allem mit den unterschiedlichen Kommunikationswegen, auf denen der Kunde angesprochen werden kann.
Untersucht werden sowohl Kommunikationswege, die den Kunden während seines Einkaufes informieren, als auch Möglichkeiten, wie sich der Einsatz von Tablet-Computern auf mögliche Beratungsgespräche durch Mitarbeiter auswirken könnten.
Weiter beschäftigt sich dieses Kapitel mit Services, die sich aus der Anwendung von Tablet-Computern und der Anbindung an das Warenwirtschaftssystem ergeben.
Grundlage der Untersuchung sind verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Tablet-Computern wie im Kapitel Marketing(Kap. 4.2) beschrieben.
4.2.5.1 Produktinformationen
Produktinformationen werden über verschiedene Kommunikationswege und von verschiedenen Quellen verbreitet. Der Hersteller verbreitet Informationen über seine Produkte in Printmedien (Zeitungen, Zeitschriften), im Fernsehen, im Radio, im Internet, auf Plakaten oder auch auf dem Produkt bzw. der Verpackung selber. Hierbei handelt es sich meist um plakative Informationen, die ein Bedürfnis bei den Konsumenten wecken und ihn somit zum Kauf animieren sollen.
Eine andere Quelle für Informationen bieten Freunde, Bekannte, Verwandte und Arbeitskollegen. Bei beiden Quellen handelt es sich um gefilterte subjektive Informationen. Objektive Informationen werden durch unabhängige Berichte, z.B. von Fachzeitschriften, verbreitet. Das Problem für den Einzelhandel ist es, dem Kunden durch das Wahrnehmen der Informationen zum Kauf zu animieren. Der Kunde muss die aufgenommen Informationen interpretieren und verstehen[69]. Um es dem Kunden zu erleichtern Informationen zu finden und vor allem zu verstehen setzen Einzelhändler bereits heute auf verschiedene Computer gestützte Maßnahmen. Ikea beispielsweise nutzt einen Avatar, eine künstliche Person, welche in Form einer blonden Schwedin im Internet[70] oder an den Terminals bei Ikea vor Ort, auf die Fragen die man ihr stellt antwortet und wenn möglich direkt auf ein Produkt verweist. In Japan werden von der Firma „ATR Intelligent Robotics and Communication Laboratories“[71] humanoide Roboter entwickelt, welche den Menschen bei seinem Einkauf aktiv helfen sollen in dem sie ihm den Weg zu Produkten zeigen, ihm die Inhaltsstoffe oder alternative Produkte nennen[72]</ref>. Auch die Personal Shopping Assitents, welche in Kapitel 4.2.1 erklärt werden, dienen dazu dem Kunden zusätzliche Informationen zu bieten ohne einen Verkäufer zu suchen und zu fragen.
Der Kunde will neben dem zwangsweise notwendigen Versorgungskauf (Kauf von Gütern des täglichen Bedarfs) einen Erlebniskauf erfahren. Der Erlebniskauf stellt das angenehme im Leben dar, er bietet Luxus und Qualität, hierfür spart der Konsument auch in anderen Bereichen ein. Beim Versorgungskauf sind Erreichbarkeit, Parkplatzsituation, kurze Wege und die Möglichkeit des One-Stop-Shopping -Alle notwendigen Waren an einem Ort- relevant. Beim Erlebniskauf kommen Werte wie angenehme Atmosphäre, verweil Möglichkeiten und soziale Interaktion zum tragen [73]. Den Erlebniskauf machen sich immer mehr online Marktplätze zu nutzen, in dem Sie dem Kunden die Möglichkeit geben sich beim Kauf eines Produktes gut informiert zu fühlen, nachweislich einen guten Preis gezahlt zu haben und selber zu interagieren. Die soziale Interaktion steht hierbei immer mehr im Vordergrund. Shopping Communitys wie „Brands4Friends“ [74]erfreuen sich hoher Beliebtheit. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Verbindung zwischen virtuellem Marktplatz und dem physischen Point of Sale der logische nächste Schritt ist. Schon heute finden sich zahlreiche Angebote welche die beiden Welten miteinander vereinen. Angefangen bei Unternehmen wie „KaufDa“[75], welches Prospekte und Flyer von Einzelhändlern digitalisiert und täglich aktualisiert im Internet und über Apps auf mobilen Geräten zur Verfügung stellt, bis hin zu „CityDealz“[76]. Letzteres macht sich die Popularität von Shopping Communitys zu nutze und bietet den Kunden die Möglichkeit ein bestimmtes Produkt oder einen Service zu verkaufen. Hierbei wird beispielsweise ein Produkt für einen bestimmten Zeitraum, in einer bestimmten Stadt besonders günstig angeboten, die Käufer können sich nach einer Registrierung die Option sichern das Produkt zu dem angegeben Preis zu kaufen. Ab einer durch den Verkäufer definierten Käuferanzahl kommt der Kauf verpflichtend zustande. Die Informationen über die Produkte werden somit immer häufiger digitalisiert, bzw. werden durch die Diskussion und Bewertung der Nutzer von Shopping Communitys verbreitet. Das Angebotsspektrum im Onlinehandel reicht von A wie Apotheke bis Z wie Zahntechnik, wobei jedes dieser Angebote mit seinen eigenen Vorzügen gegenüber dem physischen POS aufarten kann. Sei es der Diätplan mit zugehörigen Vitaminprodukten der Internetapotheke Doc Morris [77], welche sogar das online Geschäft mit dem offline Geschäft kombiniert, oder der persönliche Weinführer des online Weinhändlers Meevio [78]. Die meisten online Händler nutzen also zusätzliche Informationen bzw. Dienste welche Informationen spezifisch für den einzelnen Kunden aufbereiten. Der Weintest gibt Informationen über die persönlichen Weinvorlieben und die online Apotheke bietet anhand der bestellten Artikel zusätzlich Produktevorschläge an die sich ergänzen, wie Erkältungsmedikamente und dazu Vitaminpräparate. Vorreiter im Bereich der Zusatzverkäufe durch Cross-Selling ist eindeutig die amerikanische Firma Amazon [79].
Der als Empfehlungsdienst (engl. Recommender Service) bezeichnetet Service empfiehlt durch den Vergleich von gekauften bzw. angeschauten Produkten dem Kunden weitere Produkte die andere Kunden gekauft bzw. angesehen haben. Dazu analysiert eine Software das erstellte Kundenprofil und vergleicht es mit anderen Kundenprofilen, übereinstimmende Interessen werden so gebündelt und Produktalternativen werden angeboten.
Der Tablet Computer kann genutzt werden um die Möglichkeiten der Informationsdarstellung, der Informationserfassung und Anwendungen wie „Anna“, den persönlichen Weintest von “www.meevio.de „ oder Produkt und Standortinformationen offline und mobil direkt beim Kunden zu platzieren. Augumented Reality Applikationen können durch das Erfassen der Produkte per Kamera, Preis-, Test- oder Inhaltsinformationen vor Ort liefern. Gekoppelt mit einem sozialen Netzwerk können Freunde und Bekannte Informationen zu bestimmten Produkten zur Verfügung stellen wenn diese im Digitalen Warenkorb des Kunden landen. Der Händler kann sich den Empfehlungsdienst und weitere Methoden des online Shoppings zu Nutze machen und zu den erfassten Produkten, Produkte einblenden die den Kunden aktuell auch interessieren könnten. Der Kunde könnte sich anhand eines digitalen Lageplans direkt zu den Produkten auf seiner Einkaufsliste navigieren lassen und unterwegs weitere Produktvorschläge -ggf. Rezeptvorschläge- zu diesen bekommen. Der Tablet Computer kann den Einkauf also zu einem Erlebniskauf werden lassen, die Möglichkeiten des online Shoppings nutzen und gleichzeitig dem Kunden das Gefühl vermitteln gut informiert zu sein.
4.2.5.2 Warenpräsentation
Die Warenpräsentation ist ein Instrument des Handelsmarketing, welches sich mit dem Konsumverhalten der Käuferschicht auseinandersetzt. Es geht darum, den Kunden in positiven Sinn zu beeinflussen und Verkaufsräume und Produktplatzierungen möglichst effizient einzusetzen und zu optimieren. Grundlage des Warenpräsentationsinstrumentes ist die Tatsache, dass die Kunden sich immer mehr kurzfristig im Laden für den Kauf eines bestimmten Produktes entscheiden. Dies ist vor allem durch die Informationsüberflutung, die der Kunde durch das Internet und weitere öffentliche Medien erhält. [80] Die Warenpräsentation kennt unterschiedliche Formen und kann an verschiedenen Stellen eingesetzt werden. Mögliche Formen sind Inspektion, Probe und Abbildung bzw. Beschreibung. [81] Im Folgenden wird auf die Form der Warenpräsentation durch Abbildung bzw. Beschreibung eingegangen. Diese Form ist eine Möglichkeit das Instrument der Warenpräsentation durch den Einsatz von Tablet-Computern zu optimieren. Beschreibung und Abbildung ist zugleich ein gängiges Mittel der Warenpräsentation im Online-Handel und somit für den Gesamtzusammenhang dieser Arbeit und dem Vergleich der Möglichkeiten des stationären Einzelhandel zum Online-Handel interessant. »Die Warenpräsentation durch Abbildung bzw. Beschreibung erfolgt losgelöst vom konkreten Präsentationsobjekt in Bild-, Zeichen- oder Schriftform. Dies ist die typische Präsentationsform des Versandhandels, das auf Katalog-Kontakte angewiesen ist, und des Internet-Handels. Aber auch im stationären Einzelhandel können Warenabbildungen und –beschreibungen aller Art (visual merchandising) eingesetzt werden und zwar
- Innerhalb der Verkaufsräume und in den Schaufenstern: z.B. Schautafeln, mit Produktinformatio; Dia- Filmprojektionen; Videobänder, Bildpaletten und DVD-Projektionen;« [82]
Bei allen oben angeführten Methoden eignet sich der Einsatz von Tablet-Computern im stationären Einzelhandel. Gerade die Auslegung der neuen Tablet Generation als Multimedia-Center bringt hier Vorteile für die Warenpräsentation im stationären Einzelhandel. Somit können durch den Einsatz von Tablet-Computern alle Werbepsychologischen Instrumente der Warenpräsentation auf den Kunden angewendet werden. Der stationäre Einzelhandel könnte weitere Möglichkeiten ausschöpfen, die im Online-Handel schon erfolgreich implementiert wurden und somit Defizite im Zusammenhang der Warenpräsentation ausgleichen.
4.2.5.3 Beratung
Wie bereits in der Einleitung beschrieben wurde, unterliegt das Käuferverhalten einem kontinuierlichen Wandel begleitet durch immer neue technische Innovationen. Der typische Prozess den der Konsument durchläuft wenn er ein Produkt kauft, hat sich hinsichtlich seiner Phasen jedoch nicht geändert, allerdings hat sich die inhaltliche Abarbeitung der Phasen geändert. Die Phasen sind in Abbildung 21 "Phasen der Kaufentscheidung" abgebildet.
Ist der Kunde früher für die Phase "Informationssuche" in ein Geschäft gegangen und hat danach die Produkte und Preise in verschiedenen Geschäften verglichen, gelangt der Kunde heute über das Internet - in wesentlich kürzerer Zeit und meist ohne das Haus zu verlassen- zu einer ständig aktualisierten Quelle von Informationen. Für die "Bewertung von Produktalternativen" kommt für den Großteil der Kunden heute nicht mehr das direkte Gespräch mit dem Fachberater vor Ort in Frage, sondern die Rezessionen, Bewertungen und Empfehlungen von anderen Konsumenten auf online Portalen wie "Amazon.de"[83]. Der stationäre Einzelhandel versucht die Kaufentscheidung der Konsumenten durch Impulsive Kaufentscheidungen zu fördern, in dem versucht wird über reizgesteuerte Maßnahmen (z.B. Produktproben in Supermärkten) oder situationsspezifische Involvierung des Kunden ein stärkeres Bedürfnis für ein Produkt zu erzeugen[84]
Diese situativen Faktoren können den Konsumenten dazu bewegen, sich anstatt für ein vorher ausgesuchtes Produkt, für ein ganz anderes Produkt zu entscheiden. Einer dieser Faktoren kann die Beratung durch einen Verkäufer im Fachhandel sein, auch kann ein Sonderangebot oder ein gut platzierter Promotionsstand dazu führen das der Kunde sich für ein anderes Produkt entscheidet[85].
Die letzte Phase des Prozesses, dass "Verhalten nach dem Kauf" ist für den Einzelhandel von besonderer Bedeutung, den die Kundenbindung ist für den Einzelhandel enorm wichtig. Wurde ein Kunde gut beraten und ist er mit dem gekauften Produkt zufrieden, wird er bei seiner nächsten Kaufentscheidung wieder auf den Händler zurückkommen.
Die oben geschilderte Situation zeigt das der Einzelhandel immer mehr aus der Prozesskette heraus rutscht. Verdeutlicht man sich den Begriff der Beratung, so wird klar das der Einzelhandel sich genau in diesem Punkt wiederfinden und die Kundenberatung mit Hilfe moderner Technik unterstützen muss.
Definition "Beratung":
"Produktberatung ist die Unterstützung, die ein Verkäufer einem Kunden mittels Interaktion zur Lösung eines vom Kunden aufgezeigten Kaufentscheidungsproblems zukommen lässt, welches sich aus der Wahl einer Produktalternative aus einer Menge vergleichbarer Alternativen ergibt."[86]
Tablet Computer können dem Einzelhandel somit helfen sich wieder in den Prozess einzugliedern, in dem sie es dem Kunden in einem Geschäft ermöglichen auf online Informationen zu zugreifen und gleichzeitig mit einem Fachverkäufer vor Ort über die Informationen und das Produkt zu sprechen. Für die Verkäufer ist ein Tablet Computer wie ein mobiler Arbeitsplatz, so kann der Verkäufer, ohne den Ort des Verkaufsgespräches zu verlassen, dem Kunden direkt Auskunft über zusätzliche Informationen wie Lagerbestand, Lieferdauer, Produktionsdatum, Nachfolge- oder Vorgängerprodukte usw. geben. Auch kann der Verkäufer dem Kunden direkt online zeigen wo er Informationen über Produktupdates o.Ä. erhält. Somit wird der Verkäufer zu einer lebendigen Anlaufstelle mit Zugriff auf online Informationen. Wie in der Definition des Wortes "Beratung" beschrieben, hilft der Verkäufer dem Kunden qualifiziert die verschiedenen Alternativen zu Unterscheiden und löst somit das Problem der Kaufentscheidung. Spezielle Anwendungen könnten es ermöglichen ein auf den Kunden zugeschnittenes Profil zu erstellen, welches seine bisher gekauften Produkte enthält. Anhand des Profils kann der Kunde durch den Verkäufer individuell beraten werden und ggf. auch offene Punkte vergangener Beratungsgespräche ansprechen bzw. sich ein Informationsupdate einholen. Die Beratung kann durch das Eingrenzen der relevanten Informationen auf die Bedürfnisse des Kunden so eine stärkere Kundenbindung erzeugen.
4.2.5.4 Bestandsabfrage
Die Möglichkeit der Bestandsabfrage für Kunden ist eine klassische Funktion wie sie aus dem Online-Handel bekannt ist. Der Kunde kann bei dem Produkt seiner Wahl sofort sehen, ob noch Bestand vorhanden ist, ggf. sogar wie viel Bestand noch frei verfügbar ist. Die Information kann seine Kaufentscheidung beeinflussen. Ist z.B. nur noch eine geringe Menge vorhanden, kann dies ein Anreiz für den Interessenten sein, schnell zu reagieren und sich kurzfristig für den Erwerb des Produktes zu entscheiden. Ist hingegen kein Bestand da, wirkt sich das auf die Lieferzeiten aus. Der Interessent kann sofort darüber informiert werden, wann der Artikel wieder verfügbar sein wird. Auch dies kann den Interessenten dazu bewegen, sich doch schon für den Kauf zu entscheiden. Er bekommt eine gewisse Sicherheit bezüglich des Lieferdatums, was den Anbieter gegebenenfalls von anderen Anbieter abhebt.
Dieses Prinzip kann durchaus auch auf den Einzelhandel übertragen werden. Oftmals ist man als Kunde in einer großen Verkaufsfiliale nicht in der Lage, einen gewünschten Artikel auf Anhieb zu finden. Ob der Artikel im Sortiment ist, ob er vorrätig ist und wo der Artikel steht ist für den Kunden nicht transparent. Er muss also selber suchen oder einen Verkäufer finden und ansprechen. In beiden Fällen kann nach bereits kurzer Zeit eine gewisse Frustation erreicht werden, so dass der Kunde auf die weitere Recherche verzichtet und den Artikel lieber bei einem anderen vertrauten Anbieter oder im Internet erwirbt. Natürlich liegt dies nicht im Interesse des Anbieters. Über den Einsatz von Tablet Computern im Verkaufsraum kann der dem Kunden jedoch eine Möglichkeit bieten, sich selbständig über Standort und Bestand des Artikel zu informieren. Bei einer geeigneten und vor allem leichten und intuitiven Bedienung des Abfragesystems kann der Aufwand zur Erlangung der gewünschten Information also deutlich reduziert werden und es entfällt die Hemmschwelle einen Mitarbeiter anzusprechen.
5 Fazit
Eine immer schneller voranschreitende Web 2.0 Wirtschaft führt dazu das Unternehmen an Umsatz im offline Handel einbüßen. Um Marktanteile zurück Zugewinnen bzw. zu halten müssen Unternehmen sich mit dem online Handel auseinander setzen. In bestimmten Branchen haben Unternehmen weniger das Problem Käufer an online Plattformen zu verlieren, als das die Kundenbindung verloren geht. Der Lebensmittelhandel zum Beispiel wird niemals gänzlich durch online Dienste ersetzt werden können, doch führen Preissuchmaschinen dazu, dass ein Kunde nicht immer in dasselbe Geschäft geht. Waren wie Autos, Möbel oder Textilien will der Kunde physisch ansehen und ggf. testen bevor er sie kauft. Viele Käufer nutzen daher den physischen Handel nur noch als Showroom, um die Produkte zu testen und anschließend von zu Hause aus bei einem günstigeren online Händler zu bestellen. Dieser Entwicklung können Tablets natürlich nicht gänzlich entgegen wirken, doch können sie dazu dienen den Kunden wieder mehr an den offline Handel zu binden.
Die Ablösung der herkömmlichen Hardware wird nur teilweise erfolgen. Spezielle Produkte wie die Mobilen Daten Erfassungsgeräte sind für spezifische Prozesse, wie Inventur und Warenbestellung entworfen worden. Aufgrund der ähnlichen technischen Ausstattung, haben Tablets hier lediglich durch das größere Display einen Vorteil. Denkbar wäre jedoch den Tablet als eine Art Kombigerät zu verwenden, so dass der Verkäufer nur ein Gerät nutzt um Bestellungen & Inventur zu machen und dieses Gerät auch nutzt um den Kunden zu beraten und immer und überall komfortablen Zugriff auf interne Informationen wie Lagerbestand usw. zu haben.
| Der Einsatz von Tablet Computing im Bereich Logistik des stationären Einzelhandels ist in Bezug auf die Problemstellung differenziert zu betrachten. Die Faktoren zur Reduzierung der Kosten sind im Wesentlichen auf schnellen und fehlerfreien Informationsfluss zu begrenzen, um Prozesse zu optimieren oder einen effektiven Personaleinsatz zu stützen. Dabei kommen meist bereits mobile Geräte zum Einsatz. Führend sind hier die MDE-Geräte, welche sich aufgrund ihrer kompakten Bauweise, leichten Handhabung und robusten Konstruktion besonders eignen. Die Vorteile des Tablet Computing im Vergleich zu den MDE-Geräten, also die größere Darstellungsfläche und höhere Rechenleistung, können hier jedoch teilweise zur Optimierung der Prozesse eingesetzt werden. Insbesondere wenn es wichtig ist, viele Informationen im Zugriff zu haben, können Tablet Computer sinnvoll eingesetzt werden. Dies zeigt das Fallbeispiel der Firma LUNZER + PARTNER, in denen das Potential der Tablet Computer genutzt werden kann.
In Bereichen, in denen nur wenig Informationen benötigt werden und der Schwerpunkt der Anforderungen auf einer leichten Bedienbarkeit und einem sonst störungsfreien Arbeiten liegt, werden in der Regel auch weiterhin MDE-Geräte zum Einsatz kommen. Hier kann der Trend sogar eher zu noch kleineren Geräten wie Smartphones gehen, falls auf eine komfortable manuelle Eingabe verzichtet werden kann. Im Bereich der Transportplanung kann sich der Einsatz von Tablet Computing sehr positiv auf die Kosten und Prozesse auswirken. Die Informationen aus Tourenplanung und Routenplanung können effektiv unter Einsatz einer geeigneten Software auf einem Tablet Computer vereint werden. Die Eigenschaften eines Tablet Computers wie große Anzeige und einfache Bedienung über Touch Display dienen hier zum Vorteil. Es kann auf Grund der optimierten Routen eine effizienter Einsatz der Ressourcen Zeit und Energie erfolgen und damit zu Kosteneinsparungen führen. Eine digitalen Bearbeitung der Frachtpapiere führt zu einem optimierten Informationsfluss, weniger Verwaltungskosten und einer geringeren Fehlerquote und damit auch zu einer Zeiteinsparung bei vielen Prozessen. Abbildung 23 bietet eine Übersicht über die defferenzierte Betrachtung im Bereich Logistik. |
Als Fazit für den Bereich Marketing, Kapitel 4.2, bleibt strukturiert nach der Gliederung der Studie folgendes fest zu halten: Im Bereich der Kassensysteme kommen Tablet Computer bereits zum Einsatz. Wie in Kapitel 4.2.1.1 beschrieben, können die Mobilen Einkaufs Assistenten und die Personal Shopping Assitents als Vorstufe für die kommende Generation der Kassen- bzw. Self-Checkout Systeme bezeichnet werden. Hierbei bietet der Tablet Computer für den Kunden Vorteile in dem er Wartezeit an der Kasse einspart, direkt Preisinformationen und Auskünfte wie Position des Artikels im Geschäft zur Verfügung stellt. Der Einzelhandel spart durch Verlagerung der Kassensysteme in Mobile Geräte die Fläche des herkömmlichen Kassenbereichs ein und kann diese zusätzlich als Verkaufsfläche nutzen. Hinzu kommt das Personalkosten gespart werden. Je nach Konzept spart der Einzelhandel Hardwarekosten – z.B. wenn der Kunde seinen eigenen Tablet Computer nutzt - bzw. muss zusätzliche Investitionen tätigen – wenn der Einzelhändler die Hardware für den Einkauf zur Verfügung stellt. Nachteile können durch die demographische Entwicklung entstehen, da der Umgang mit der neuen Technik für ältere Menschen nicht selbstverständlich ist. Unter Betrachtung einer jüngeren Käuferschicht kommt die Verbindung von online Applikationen, wie in Kapitel 4.2.1.2 beschrieben, mit dem offline Handel stark zum tragen, da sich für diese Kunden die Vorteile Informationssicherheit, Informationsvorsprungs und soziale Interaktion herausstellen. Eine digitale Einkaufsliste, welche zu Hause erstellt wird und im Geschäft zu einem Digitalen Warenkorb gewandelt wird, in Verbindung mit Data-Mining und Cross-Selling Methoden, können auf einem Tablet Computer aufgrund des großen Displays sehr gut dargestellt werden. Dies ermöglicht dem stationären Einzelhandel die Vorteile des online Handels auf zu greifen. Wie in Kapitel 4.2.5.3 beschrieben kann ein Tablet Computer die Kundenberatung effizienter gestalten. Ein Verkäufer der mit einem Tablet Computer ausgestattet ist, welcher Zugriff auf das Warenwirtschaftssystem und das Internet hat, kann dem Kunden direkt an Ort und Stelle Auskünfte erteilen, ohne zu einer der fest Installierten Arbeitsstationen laufen zu müssen. Die Verbindung von online und offline Informationen, so wie die Möglichkeit Kundenspezifische Profile, inklusive Beratungsprotokollen u.Ä., zu speichern, gibt dem Einzelhandel neue Möglichkeiten in Bezug auf Kundenorientierung und Kundebindung.
Bei Datenerhebungen (Kap. 4.2.2) durch Befragungen oder Beobachtungen beispielsweise können Tablet-Computer die momentan eingesetzten Prozesse und Verfahren ablösen und diese optimieren.
Der stationäre Einzelhandel kann so Informationen über seine Kunden generieren und stärker auf die individuellen Bedürfnisse eingehen. Diesen Vorteil kann der stationäre Einzelhandel sowohl bei der Werbung als auch während des Einkaufs innerhalb der Verkaufsstätte nutzen. Hier haben Tablet- Computer durch ihre technische Anbindung an die IT-Infrastruktur große Vorteile gegenüber zur Zeit eingesetzten Methoden wie z.B. die manuelle Befragung durch Mitarbeiter.
Tablet-Computer können dem stationären Einzelhandel, durch Anbindung an die IT-Infrastruktur und das Data-Warehouse des Unternehmens helfen Zusatzverkäufe durch Up-Selling oder Cross-Selling zu generieren und somit Vorteile des Online-Handels zu minimieren. Somit kann der Vorsprung des Online-Handels, bedingt durch den Wandel vom Käufer- zum Verkäufermarkt und damit verbundene Dienstleistungen bzw. Methoden zu Gunsten des stationären Einzelhandels verringert werden. Der für den stationären Einzelhandel wichtige Aspekt der Beratung, welcher innerhalb dieser Arbeit als großer Vorteil gegenüber dem Online-Handel identifiziert wurde geht durch die Nutzung der Tablet-Computer nicht verloren. Das heißt der Einzelhandel zieht einen großen Vorteil aus der Nutzung ohne negative Folgen zu befürchten.
Zusätzlich erhält der Kunde während seines Einkaufes eine neue Möglichkeit sich über Produkte zu informieren, was dem Einzelhandel zugleich neue Wege der Produktpräsentation eröffnet.
Durch den Einsatz von Tablet-Computern im Bereich der Warenpräsentation(Kap. 4.2.5.2) ist es möglich den Kunden im positiven Sinn zu manipulieren. Hier stellen die neuen Tablet-Generationen mit ihrer Auslegung auf multimediale Anwendungen geeignete Darstellungsformen in einem Gerät zur Verfügung, was dem Einzelhandelsunternehmen die Möglichkeit bietet schnell und kundenorientiert Präsentationen zu ändern und anzupassen.
Dies wird auch im herausgearbeiteten Kapitel zum Werbemedium (Kap. 4.2.4) deutlich.
Hier kann positiv festgehalten werden, dass der Einsatz nicht ortsabhängig ist und mobil wie auch fest angebracht möglich ist. Und somit dem Einzelhandelsunternehmen die Möglichkeit bietet seine Werbung elegant während des Einkaufs an den Kunden zu bringen.
Zusammenfassend ist der Einsatz von Tablet Computing im Bereich Marketing durchweg positiv zu beurteilen. Hier stellt sich die Frage, warum sich der Einsatz von Tablet Computing noch nicht etabliert hat, um eine Brücke zwischen E-Commerce und stationärem Einzelhandel zu bauen. Eine mögliche Erklärung liegt darin, dass Tablet Computing eine relativ neue Erscheinung ist. Technische Innovationen erscheinen in immer kürzeren Abständen. Dabei werden die Produktlebenszyklen immer kürzer und eine technische Errungenschaft, die vor kurzem noch aktuell war, ist auch schnell wieder durch eine neue Innovation abgelöst. Eine neue Innovation muss sich also zunächst etablieren. Dies kann ein Zögern seitens der Wirtschaft teilweise erklären. Es müssen jedoch auch noch weitere Faktoren berücksichtigt werden. In Kapitel 4.2 wurde vorgestellt, wie der Tablet Computer im Verkaufsraum angeboten werden kann. Allerdings bedeutet eine solche flächendeckende Ausstattung mit den Geräten auch einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor. Mit einher gehen fortlaufende Kosten für die Wartung der Geräte und die notwendigen Infrastruktur. Zusammen mit der Ungewissheit, ob die neue Technik durch den Kunden angenommen wird, mag dies ein Grund für die eher zögerliche Einführung sein. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Datenschützer eine relativ mächtige Lobby gegen Einsatzfelder aufbauen, wie sie im Kapitel 4.2 und den Unterkapiteln vorgestellt werden. In der Kritik stehen insbesondere die unter anderem in Kapitel 4.2.2.2 angesprochene RFID-Technologie in Bezug auf die Datenerhebung[87]. Wie auch die aktuellen Ereignisse um die Internetplattform facebook.de zeigen, werden die Verbraucher zunehmend sensibler, wenn es um die Sammlung und Nutzung ihrer persönlichen Daten geht. Hier mag ein weiterer Grund für die eher zögerliche Einführung liegen. Es bleibt abzuwarten, wie Feldversuche, wie der bereits in Kapitel 4.2.1.2 erwähnte real,- Future Store vom Kunden angenommen werden.
6 Weiterführende Links zum Thema
(Nach Abgabetermin hinzugefügt, der Info halber)
Artikel im Spiegel Online vom 09.07.2010
Wie das iPhone dem Einzelhandel hilft online Vorteile offline zu nutzen;
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,705544-2,00.html
Artikel im CIO Magazin vom 03.03.2010
Teile unserer in der Fallstudie erarbeiteten "Visionen" finden anscheinend nun auch Anwendung:
COOP in der Schweiz arbeitet mit einer iPhone Applikation welche das Einkaufen in COOP Märkten ermöglicht und liefert die Einkäufe noch am selben Abend aus:
http://www.cio.de/retailit/bestpractice/2225286/index1.html
7 Abkürzungsverzeichnis
| Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| CD | Compact Disc |
| CEO | Chief Executive Officer |
| CPU | Central Processing Unit |
| CRM | Customer Relationship Management |
| DVD | Digital Versatile Disc |
| EAN | European Article Number |
| EDH | Enhanced Data Rate |
| ERP | Enterprise Ressource Planning |
| GPS | Global Positioning System |
| GSM | Global System for Mobile Communications |
| HDD | Hard Disk Drive |
| LED | Light Emitting Diode |
| MDE | Mobiles Datenerfassungs Gerät |
| MEA | Mobiler Einkaufs Assistent |
| HF | High-Frequency |
| MSA | Mobile Shopping Assistent |
| MMC | Multimedia Card |
| PC | Personal Computer |
| PDA | Personal Digital Assistent |
| POP | Point of Purchase |
| POS | Point of Sale |
| PSA | Personal Shopping Assistent |
| RAM | Random-Access-Memory |
| RFID | Radio Frequency Identification |
| SD | Secure Digital |
| TFT | Thin Film Transistor |
| UHF | Ultra-High-Frequency |
| UMPC | Ultra-Mobil PC |
| UMTS | Universal Mobile Communication System |
| USB | Universal Serial Bus |
| VDI | Verein Deutscher Ingenieure |
| WLAN | Wireless Local Area Network |
| z.B. | zum Beispiel |
8 Abbildungsverzeichnis
| Abb.-Nr. | Abbildung | Quelle |
|---|---|---|
| 1 | Umsatzentwicklung im Einzelhandel | Umsatzentwicklung im Einzelhandel 2006 bis 2009. Quelle: www.statista.de; Ursprünglich vom Statistischen Bundesamt der BRD 12.2009 |
| 2 | Anzahl verkaufter Tablet Computer 2009/2010 | |
| 3 | Funktionsweise kapazitiv | Gesellschaft für technische Informatik mbH, Touchtechnologien, Heuchelheim 2007, http://www.tci.de/Kapazitiv.888.0.0.html?&L=0 |
| 4 | Funktionsweise Mutual Capacitance | Schreier, Daniel (2010): Mobile Business Technologies: Strategische Bedeutung, Grundlagen, Potential und Risiken, 1. Aufl., S. 27 |
| 5 | Funktionsweise Resistiv | Visam GmbH http://www.visam.de/images/lexikon/touch_resistive.gif |
| 6 | Funktionsweise Resistiv | Gesellschaft für technische Informatik mbH, Touchtechnologien, Heuchelheim 2007, http://www.tci.de/Infrarot.891.0.0.html?&L=0 |
| 7 | Funktionsweise Akkustischer Touchscreens | Gesellschaft für technische Informatik mbH, Touchtechnologien, Heuchelheim 2007, http://www.tci.de/Acoustic_Wave.890.0.0.html?&L=0 |
| 8 | Two Way Tablet | HWM Magazin - Dezember 2004, S. 53 ,http://books.google.de/books?id=oOoDAAAAMBAJ&pg=PA53#v=onepage&q&f=false |
| 9 | HP-Slate | http://cache.gawker.com/assets/images/4/2010/01/sideview_hp_slate.jpg |
| 10 | ASUS Eee PC 1011HA | http://www.asus.de/product.aspx?P_ID=8AF6gYB7thq87JM8 |
| 11 | Altes MDE | http://www.eyepc.biz/images/prod/mde_x6sd.gif |
| 12 | Nordic ID PL3000 | http://www.nordicid.com/de/produkte/nordic-id-pl3000/nordic-id-pl3000-basic.html |
| 13 | Kompletter POS | |
| 14 | Martkverteilung der Kassenhersteller | |
| 15 | Beetle iPOS | Abbildung der Wincor Nixdorf Beetle iPOS, http://www.wincor-nixdorf.com/internet/site_DE/DE/Products/Hardware/POSSystems/BeetleIPOS/Node.html |
| 16 | Vergleichstabelle Gerätetypen | |
| 17 | Tablet Computer mit Barcodescanner | Abbildung aus „FM – Das Logistikmagazin“, Ausgabe 4 / 2009, S.45 |
| 18 | Einsatz des Tablet-PCs als interaktives Werbemittel | http://www.rp-online.de/wissen/Der-Supermarkt-der-Zukunft_bid_6286.html |
| 19 | Einsatz des Tablet-PCs als Werbemittel | http://www.rp-online.de/wissen/Der-Supermarkt-der-Zukunft_bid_6286.html |
| 20 | Preis-Look-Up Station | http://www.handscanner.biz/uploads/File/handscanner-2.jpg |
| 21 | iBarcode | http://www.macfreak.de/wp-content/uploads/2009/12/ibarcode.jpg |
| 22 | Phasen der Kaufentscheidung | Matthias Sander, Marekting-Managment, Lucius&Lucius, Stuttgart 2004, S.51 |
| 23 | Übersicht Potential Logistik |
9 Tabellenverzeichnis
| Nr. | Quelle | Beschreibung | ||
| 1 | Vgl. Purper (2000), S.690f | Vor- und Nachteile des E-Commerce gegenüber dem traditionellen Einzelhandel. | ||
| 2 | Vgl. http://www.apple.com/de/iphone/iphone3gs-specs.html | Hardwareeigenschaften des Apple iPhone 3gs | ||
| 3 | Vgl. Asus (2010) (b) | Hardwareeigenschaften des Asus EeePC 1011 Seashell | ||
| 4 | Vgl. Nordic (2010)(b) | Hardwareeigenschaften des Nordic ID PL3000 | ||
| 5 | Vgl. Nordic (2010)(b) | Hardwareeigenschaften des Wincor Nixdorf Beetle iPOS |
10 Fußnoten
- ↑ 1,0 1,1 Vgl. Mett, Udo (2003), passim
- ↑ www.idealo.de
- ↑ Vgl. Henneking, K. (1998), S. 7 f.
- ↑ Vgl. Purper (2000), S.690 f.
- ↑ Vgl. Henneking, K. (1998), S. 5 f.
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- ↑ Vgl. TCI (b)
- ↑ Vgl. The Tablet Store GmbH (2010)
- ↑ Vgl. itwissen.info (2010)
- ↑ Vgl. Wieckner, M. (2007), S. 416 ff.
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- ↑ Vgl. Asus (2008)
- ↑ Vgl. Gartner GmbH
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- ↑ Vgl. Asus (2010) (b)
- ↑ Vgl. Asus (2010) (b)
- ↑ Vgl. Nordic ID (2010)
- ↑ Vgl. Nordic ID (2010)(a)
- ↑ Vgl. Kaisers GmbH(2010)
- ↑ Vgl. Heise(2010)
- ↑ Vgl. Nordic (2010)(b)
- ↑ Vgl. Nordic (2010)(b)
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- ↑ Vgl. Kallweit, A. (2007) S. 23 ff.
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- ↑ Vgl. Hompel, M. (2008), S. 255
- ↑ Vgl. Centin, D. (2007), S. 18
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- ↑ Vgl. Pro Orga GmbH (2008), S. 1 bis 4
- ↑ Vgl. Henrich Publikationen GmbH (2010)
- ↑ Vgl. Verlag Industrie und Logistik GmbH (2009), S. 44 ff
- ↑ Vgl. D. Arnold et al. (2008), S. 137
- ↑ Vgl. D. Arnold et al. (2008), S. 144
- ↑ Vgl. D. Arnold et al. (2008), S. 150
- ↑ S. § 240 Abs. 1 und 2 HGB
- ↑ S. § 241 Abs. 2 HGB
- ↑ Meffert, H. (1999)
- ↑ Vgl. Gabler (2010)(a)
- ↑ Vgl. Gabler(2010)(b)
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- ↑ http://www.Metrogroup.de
- ↑ iBarcode affiliate Link: http://itunes.apple.com/de/app/ibarcode/id340184122?mt=8
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- ↑ Vgl. Pesch, J. (2010) S.28fff
- ↑ Pesch, J. (2010) S.34
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- ↑ Vgl. KaufDa (2010)
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- ↑ Vgl. Meevio (2010)
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- ↑ Vgl. Hurth, J. (2006) Kap. 2.2.4)
- ↑ Vgl. Schenk (2007)S. 192f
- ↑ Vgl. Schenk (2007)S. 193
- ↑ http://www.Amazon.de
- ↑ Sander (2004) S.49 f.
- ↑ Vgl. Sander (2004) S.52 f.
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11 Literatur- und Quellenverzeichnis
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12 Rechtsquellenverzeichnis
Handelsgesetztbuch vom 10. Mai 1897 (RGB1. S. 219) (BGB1. III 4100-1) zuletzt geändert durch Investmentänderungsgesetzt vom 21. Dezember 2007 (BGB1. I S. 3089, 3138)




