Vernetzte Gesundheit - IT im Gesundheitswesen
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| Namen der Autoren: | Juliane Rumpel (Matrikel-Nr.: 251058), Nils Tolxdorf (Matrikel-Nr.: 258598) |
| Titel der Arbeit: | "Vernetzte Gesundheit - IT im Gesundheitswesen" |
| Betreuer: | Prof. Dr. Ralf Hötling |
| Hochschule und Studienort: | FOM Berlin |
Inhaltsverzeichnis |
1 Einleitung
Informationssysteme werden nach dem Gabler Wirtschaftslexikon folgendermaßen definiert: „Summe aller geregelten betriebsinternen und -externen Informationsverbindungen sowie deren technische und organisatorische Einrichtung zur Informationsgewinnung und –verarbeitung“ [1]. Um die positiven Synergie-Effekte dieser Verbindungen nutzen zu können, ist ein sinnvoller Einsatz von Ressourcen notwendig. Den bisherigen und zukünftigen Einsatz von Informationssystemen und deren Ressourcen im Gesundheitswesen, genauer im Bereich der niedergelassenen Ärzte, soll in der folgenden Fallstudie kritisch untersucht und analysiert werden.
1.1 Einführung
In unserer heutigen Gesellschaft ist es beinahe selbstverständlich geworden, dass die Digitalisierung in fast alle Lebensbereiche vorgedrungen ist. So ist es keine Seltenheit mehr, dass man immer weniger zum Stift greift. Der Einkaufszettel wird kurzerhand als Memo im Handy abgespeichert, die Geburtstagsgrüße kommen als e-Postbrief per Mail, Verträge werden online abgeschlossen und sämtliche Bestellungen werden überwiegend im Internet getätigt. Dieser Fortschritt, wenn man ihn als solchen bezeichnen kann, hat gleichermaßen im Gesundheitswesen stattgefunden. Die Nutzung einer Krankenversichertenkarte als Nachweis für eine Krankenversicherung ist mittlerweile zur Normalität für jeden Patienten geworden. Auch die Möglichkeit, bei machen Ärzten bereits online Termine zu reservieren oder die eigenen Röntgen- und Tomographie-Ergebnisse als CD mit nach Hause nehmen zu können, zeigt, wie fortgeschritten die Nutzung digitaler Daten und Medien um Gesundheitsbereich ist. Seit einiger Zeit häufen sich aber auch Schlagzeilen um Themen, die überaus weitreichendere Maßnahmen der Digitalisierung von Patientendaten mit sich bringen. So zum Beispiel die Einführung der neuen elektronischen Gesundheitskarte oder die Teilnahme von Ärzten an Kongressen, die ausschließlich über Internetplattformen möglich ist.
1.2 Zielsetzung
Die Fallstudie „Vernetzte Gesundheit – Informationssysteme im Gesundheitswesen“ beschäftigt sich mit der aktuellen Nutzung und dem heutigen Fortschritt der Digitalisierung von Patientendaten in Arztpraxen. Ziel der Fallstudie ist es, durch eine gezielte Befragung von niedergelassenen Ärzten einen Einblick zu erhalten, in wie weit Informationssysteme in Praxen zur Anwendung kommen und welchen Handlungsbedarf die Ärzte für die Zukunft sehen. Ausgehend von den Zukunftswünschen der befragten Ätze, wird ein Konzept für die optimale Erhebung, Nutzung und Verarbeitung von digitalen Patientendaten erstellt. Da die anfängliche Themenrecherche sich als sehr weitläufig heraus stellte, werden die Themen „Neue Gesundheitskarte“, „Digitalisierung von Daten in der Arztpraxis“ und „Kommunikation zwischen Arzt und Patient“ näher aufgegriffen. Auf andere Themen wird der Vollständigkeit halber nur ansatzweise eingegangen.
2 IST-Zustand
Umfrage im eHealth-Report der Bundesärztekammer [2] - wahrgenommene Bedeutung der Telematik im Gesundheitswesen:
2.1 Telematik im Gesundheitswesen
„Telematik“ ist ein Mischbegriff, der für den Zusammenschluss von Telekommunikation und Informatik steht. Technische Einrichtungen zur Ermittlung, Speicherung und Verarbeitung von Daten und Informationen arbeiten heute nicht mehr isoliert, sondern sind mithilfe von Telekommunikationssystemen miteinander vernetzt.[3] Der Begriff Telematik hat in den letzten Jahren schwerpunktmäßig Verwendung im Verkehrsbereich gefunden, aber auch im Gesundheitswesen hat er sich etabliert. Im eHealth-Report der Bundesärztekammer wird deutlich, dass immer mehr Ärzte die wachsende Bedeutung für Telematik und Telemedizin sehen. Anfangs waren viele Ärzte von der neuen Technik nicht überzeigt gewesen. Ambulant wie stationär tätige Ärzte haben Zweifel, dass der Schutz der Patientendaten tatsächlich sichergestellt ist. Mit dem „Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften“ (GKV-Änderungsgesetz) hat der Bundestag die obligatorische Online-Anbindung der Vertragsärzte an die Telematik-Infrastruktur beschlossen. Einmal pro Quartal sollen die Vertragsärzte die Versichertenstammdaten auf der elektronischen Gesundheitskarte mit den Daten der Krankenkassen online abgleichen. Ausdrücklich heißt es in der Begründung zum Änderungsantrag von CDU/CSU und FDP, „dass die Online-Prüfung und -Aktualisierung auch ohne Online-Anbindung der Praxisverwaltungssysteme möglich sein muss. Die von der Ärzteschaft dazu entwickelten Lösungen werden durch die Neuregelung gesetzlich abgesichert.“ Nach der Neuordnung der Zuständigkeiten bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sollen nun stärker medizinische Anwendungen in den Vordergrund rücken. Die Bundesärztekammer verantwortet künftig die Einführung eines Notfalldatensatzes auf der e-Card. Damit ist sie für die Anwendung zuständig, der die Ärztinnen und Ärzte die größte Bedeutung beimessen. Das belegt der eHealth-Report, die repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Bundesärztekammer von 598 Ärzten und Ärztinnen. 76 Prozent der Befragten sind vom hohen Nutzen der Speicherung von Notfalldaten überzeugt. Bei den Krankenhausärzten erwarten 79 Prozent und bei den niedergelassenen Ärzten 57 Prozent dadurch eine deutliche Verbesserung. Nach dem Notfalldatensatz folgen die elektronische Arzneimitteltherapiesicherheitsprüfung sowie der elektronische Arztbrief, für die jeweils mehr als zwei Drittel Vorteile sehen. Deutlich zurückhaltender wird das elektronische Rezept beurteilt. Nur 37 Prozent versprechen sich großen Nutzen davon, 40 Prozent sind ausgesprochen skeptisch. Der eHealth-Report soll Klarheit darüber bringen, wie die Haltung der Ärzte in Klinik und Praxis zu den neuen Möglichkeiten der IT-Technik wirklich ist. Denn obwohl die elektronische Gesundheitskarte und die Telematik innerhalb der Ärzteschaft kontrovers und mitunter hochemotional diskutiert werden, liegen darüber kaum Erkenntnisse vor.[4]
2.2 Elektronische Gesundheitskarte
Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ist der Schlüssel für den Zugang zur Telematik-Infrastruktur und damit für den Zugriff auf die zur Behandlung relevanten Patientendaten. Die Leistungsfähigkeit der Ärzte ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Diagnose und Therapie. Sie wird dadurch unterstützt, dass schnell und sicher wichtige Informationen verfügbar sind und zwischen den Beteiligten ausgetauscht werden können. Die eGK sollte ab 1. Januar 2006 die zum 1. Januar 1995 eingeführte Krankenversicherungskarte in Deutschland ersetzen. Die Einführung hat sich verzögert, zurzeit läuft noch eine Testphase. Die zunehmende Spezialisierung in der Medizin führt häufig dazu, dass medizinische Informationen bei verschiedenen Ärzten dokumentiert und archiviert werden. Im Behandlungsfall kommt es darauf an, dass Ärzte schnell auf alle relevanten Gesundheitsdaten zugreifen können. Das gelingt nur mit Unterstützung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese Technologien helfen dabei, Daten systematisch zu archivieren, zu ordnen, zu verwalten, zu transportieren, aufzubereiten und zu interpretieren. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Patientenversorgung. Die bisherigen Tests haben gezeigt, dass die elektronische Gesundheitskarte die Funktionen der bisherigen Krankenversichertenkarte übernehmen kann. Die Selbstverwaltung hat daher die Vorbereitungen für den "Basis-Rollout" in die Wege geleitet. Dieser Prozess hat in der Region Nordrhein im Frühjahr 2009 begonnen. Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Krankenhäuser sind dort mittlerweile mit Lesegeräten ausgestatte, die sowohl die bisherige Krankenversichertenkarte als auch die neue Gesundheitskarte auslesen können. Der Prozess wird in den weiteren Regionen fortgeführt bis die neue Technik in ganz Deutschland flächendeckend zur Verfügung steht. Dies ist die Voraussetzungen für die Ausgabe von Gesundheitskarten durch die Krankenkassen. Diese Karten werden die Funktionen der Krankenversichertenkarte übernehmen und zusätzlich mit einem Lichtbild ausgestattet sein. Es wurde beschlossen, die Erweiterung der Krankenversichertenkarte zunächst auf ein modernes und sicheres Versichertenstammdatenmanagement zu reduzieren sowie die Bereitstellung der im Notfall wichtigsten medizinischen Informationen des Versicherten (Notfalldaten) zu konzentrieren. Damit kann direkt beim Start ein Nutzen für alle Beteiligten erreicht werden. Die Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte werden schrittweise eingeführt. Dabei wird nach dem Grundsatz verfahren, dass eine Anwendung erst dann umgesetzt wird, wenn sie ihren Nutzen für die Patienten, ihre Praxistauglichkeit sowie die Einhaltung des Datenschutzes in Testverfahren eindeutig nachgewiesen hat.[5]
2.3 Gegenwärtige Situation
2.3.1 IT in Arztpraxen
Da es bereits eine Vielzahl von Anbietern für IT-Lösungen im Gesundheitsbereich auf dem Markt gibt, schließen sich Hersteller zu Verbänden zusammen. Ein bekannter Vertreter dieser Verbände ist der „Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen e.V.“, kurz VHitG e.V.. Auf der eigenen Homepage stellt sich der Verein wie folgt vor: „Der VHitG e.V. repräsentiert die Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen, deren Produkte je nach Segment in bis zu 90 % des ambulanten und stationären Sektors inklusive Reha-, Pflege- und Sozialeinrichtungen eingesetzt werden. Dies sind unter anderem klinische und administrative Informations-Systeme, Archivlösungen, Kommunikationslösungen, Systeme für Apotheken und Materialwirtschaften, Laboratorien, Radiologien und weitere Fachrichtungen sowie Lösungen zum Aufbau einer Sektor übergreifenden Kommunikation. Im VHitG sind die wichtigsten IT-Hersteller Deutschlands aus dem Bereich der Krankenhaussoftware, Arztpraxissoftware und anderer Softwareprodukte vertreten. Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitgliedsunternehmen gegenüber der Politik, Selbstverwaltung und Presse.“ [6] In der Verbandsbroschüre wird die Frage nach der Bedeutung für die IT im Gesundheitswesen gestellt. Dabei wird deutlich, dass IT in keinem Bereich mehr weg zu denken ist. Ob bei der elektronischen Abrechnung, der digitalen Krankenakte, bei medizinischen Geräten bis hin zum komplexen Krankenhausinformationssystem: Die Informationstechnologie ist im deutschen Gesundheitswesen allgegenwärtig. Der Einsatz von IT-Lösungen in Kliniken und ambulanten medizinischen Einrichtungen kann helfen, die Waage zwischen bestmöglicher Patientenversorgung und optimalem Wirtschaften zu halten. IT-Lösungen stellen den reibungslosen Ablauf in deutschen Kliniken und Arztpraxen sicher. Sie erfassen und verwalten Patienten- und Behandlungsdaten und übermitteln Abrechnungsdaten an die Krankenkassen. Aber heutzutage kann IT im Gesundheitswesen noch viel mehr: Sie kann beispielsweise dafür sorgen, dass der behandelnde Hausarzt per Mausklick alle notwendigen Informationen über seinen Patienten erhält oder direkten Zugriff auf die Röntgenbilder in der Klinik hat – ohne dafür telefonieren zu müssen. Den Befund, seine Leistung und die erforderliche Medikation, diktiert er dann in die elektronische Patientenakte. Der Einsatz von IT im Gesundheitswesen kann nachhaltig dafür sorgen, dass überholte Prozesse abgeschafft werden und neue, wirksamere Abläufe sich etablieren. IT-Lösungen helfen medizinischen Einrichtungen dabei die Qualität der medizinischen Versorgung zu erhöhen, die Effizienz und Transparenz erheblich zu steigern und den Verwaltungsaufwand zu minimieren.[7] Trotz all dieser Vorteile, ist die Anwendung von IT-Lösungen noch immer nicht bei allen Ärzten als selbstverständlich zu betrachten. Oft halten vor allem ältere Ärzte an alten Traditionen fest. Im Gegensatz dazu können jüngere Ärzte sich eher mit der Nutzung von digitalen Diensten identifizieren. Um den Nutzen eines zentralen Zugriffs auf eine Patientenakte in einer Arztpraxis zu verdeutlichen, wurde das folgende Schaubild angefertigt. Es zeigt den „Weg eines Patienten“ und wie oft die Patientenakte benötigt wird. Ein zentraler Zugang zu einer digitalen Patientenakte ist dabei beinahe unumgänglich.
2.3.2 Patientenüberwachung
"Die sichere Vernetzung von Ärzten, Kliniken, Patienten und Krankenkassen kann die Kosten im Gesundheitswesen senken, die Versorgung verbessern und das Leben älterer sowie chronisch kranker Menschen erleichtern", sagt Dr. Axel Wehmeier, Leiter des neuen Konzerngeschäftsfeldes ‚Gesundheit‘ der Deutschen Telekom AG.[8] In Friedrichshafen, der offiziellen T-City, erproben Ärzte bereits das Diabetes-Management-System GlucoTel. Das System überträgt Zuckerwerte vom Messgerät der Patienten per Bluetooth an das Handy des Patienten und von dort automatisch in ein Online-Tagebuch. Um den Datenschutz der Patienten zu gewährlisten, verfügt das Portal über die gleichen Sicherheitsstandards wie Online-Banking: Nur der Patient selbst und von ihm autorisierte Personen können die Werte einsehen. Ebenfalls in der T-City im Einsatz ist der Butler - ein Mobilgerät, das per Knopfdruck immer und überall einen Notruf absetzen kann. Bei einem Sturz stellt das Gerät automatisch eine Sprachverbindung zur Notrufzentrale her. Es verfügt auch über ein dreistufiges Ortungsverfahren, mit dem sich Personen auch dann auffinden lassen, wenn andere Ortungsmethoden versagen. Ein steigender Trend in Kliniken ist der Einsatz von Smartphones oder iPads. Auf der MEDICA zeigt die Telekom etwa mit Checkpad MED eine Klinikanwendung für das iPad. Auf dem handlichen Computer laufen alle Daten aus den verschiedenen Systemen - KIS, Radiologie, Labore - eines Krankenhauses zusammen. Ärzte haben somit immer einen aktuellen Überblick über alle Informationen ihrer Patienten. Die Anwendung ist bisher jedoch nur auf einer virtuellen Datenbank abgebildet mit Testdaten. Eine Markteinführung ist bis auf Weiteres in Planung. Weitere Beispiele sind der CardioMessenger, ein Herzschrittmacher, der mit einem Arzt in Verbindung stehen kann. Die Patienten führen ihn immer mit sich und über das Mobilfunknetz leitet das Gerät Daten über den Zustand von Herz und Schrittmacher an ein Servicecenter. Dort werden die Informationen verarbeitet und für den behandelnden Arzt auf einer sicheren Webseite hinterlegt. In dringenden Fällen bekommt der Arzt Informationen auch per Fax, E-Mail oder Mobiltelefon.
3 Analyse
3.1 Fragebogen für Fallstudie
Im Rahmen der Fallstudie haben wir einen Fragebogen für Ärzte mit eigenen Praxisräumen ausgearbeitet, welcher einen Einblick auf den aktuellen Ist-Zustand bezüglich der technischen Ausstattung von Arztpraxen geben soll. Ebenfalls lässt sich damit der zeitliche Rahmen mit der Befassung der Patientenakte ablesen und die Akzeptanz oder Nichtakzeptanz von immer umfangreicherer IT-gestützter Patientendatenerfassung.
Der Fragebogen ist eine wichtige Grundlage für diese Fallstudie.
Zur Vorbereitung haben wir Ärzte aus dem eigenen Umfeld befragt, ob sie generell an einer solchen Umfrage teilnehmen würden und ob eine Bereitschaft vorhanden sei, Auskünfte zu erteilen hinsichtlich des technischen Ausrüstungsstandes, sofern die Umfrage anonym ausgewertet werden würde. Nachdem wir fast ausschließlich positives Feedback erhalten haben, haben wir mit der Ausarbeitung der Fragen begonnen.
Neben den gängigen für die statistische Bewertung notwendigen Eckdaten wie Altersspanne, Fachgebiet und Patientenanzahl haben wir uns bei der Auswahl der Fragen darauf beschränkt, welche elektronischen Systeme in den Praxen vorhanden sind, ob diese auf dem neusten Stand sind und ob der Trend zu immer weiterentwickelten EDV-Systemen akzeptiert wird und Vorkehrungen diesbezüglich seitens der Ärzte getroffen werden.
Den fertigen Fragebogen haben wir zusammen mit einem Anschreiben, in dem wir den Umfang der Fallstudie erklärt und noch einmal deutlich auf die anonyme Auswertung des Fragebogens hingewiesen haben an insgesamt zwanzig verschiedene Ärzte in Berlin verschickt, zusammen mit einem frankierten Rückumschlag. Um ein möglichst breites Spektrum an Fachrichtungen abzudecken, haben wir zusätzlich zu den Ärzten aus dem Bekanntenkreis noch Ärzte aus dem Berliner Online-Ärzteverzeichnis KV-Berlin.de [9] herausgesucht.
3.2 Auswertung des Fragebogens
Von den versandten Fragebögen ließen sich 60% auswerten, dass heißt von denen, die wir zurück erhielten waren zwölf in vollem Umfang ausgefüllt und somit in vollem Umfang für die Fallstudie verwertbar. Die Auswertung gibt Aufschlüsse über den aktuellen Ausrüstungsstand der Praxen mit elektronischen Geräten und die zeitliche Befassung der befragten Ärzte und des dazugehörigen Personals mit der Krankenakte. Das erste Kriterium für die Auswertung, welches unabdingbar für die weitere Analyse ist, ist das Alter der Befragten. 50% der befragten Ärzte sind zwischen 36 und 50 Jahren alt. Insgesamt sind sogar 83,3% älter als 35 Jahre. Daraus lässt die Vermutung zu, dass 83,3% der Befragten nicht mit fortschrittlicher Computertechnik aufgewachsen sind und erst im Laufe Ihres Berufslebens damit konfrontiert wurden.
Um eine übersichtlichere Auswertung vornehmen zu können, haben wir für die Altersgruppen jeweils Buchstaben von A bis D vergeben. Folgende allgemeine Aussagen bezüglich unserer Umfrage lassen sich nach der Auswertung der Fragebögen treffen:
- EDV-Systeme zur Patientendatenpflege sind in den Praxen aller Befragten vorhanden, ebenso wie gängige Bürotechnik wie Scanner und Faxgeräte.
- Die Digitalisierung von Patientendaten ist bei allen Befragten lediglich im Anfangsstadium vorhanden.
- Die elektronischen Geräte sind bei allen Befragten nicht auf dem aktuellsten Stand.
- Vorkehrungen für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte sind bei allen Befragten getroffen worden.
- Im Schnitt befassen sich Ärzte und Personal ca. sieben Minuten mit der Patientenakte vor, nach und während des Arztbesuches.
- Alle Befragten äußerten ein generelles Interesse an Ferndiagnostik und Fernlernmethoden.
3.3 Wünsche aus Fragebogen ableiten
Der Fragebogen wurde unter anderem so von uns konzipiert, dass sich daraus Wünsche der Ärzte ablesen lassen. Diese Wünsche können ebenfalls statistisch ausgewertet werden. So benötigen z.B. 66% der Ärzte zusätzliche Elektronische Hilfsmittel. Ebenfalls 66% befürworten die Einführung der neuen Gesundheitskarte. Aber es zeigen sich auch Ängste: z.B. hat die Hälfte der Befragten Angst vor möglichem Datenverlust. Man kann sagen, das Ärzte der jüngeren Altersgruppen eher dazu bereit sind, neue Geräte und Technik anzuschaffen und die der älteren Altersgruppen eher nicht. Auch ist das Vertrauen in den Datenschutz nur bei 16,6% vorhanden, der Rest vertraut der digitalen Datenverarbeitung in diesem Punkt nicht. Die Digitalisierung von Patientendaten ist bei allen Befragten nur in den Anfängen vorhanden. Dies alles gibt uns Anlass zur Überlegung, ob die Potentiale der modernen Datenverarbeitung aufgrund des vorhandenen Misstrauens bezüglich des Datenschutzes nicht ausgeschöpft werden, oder aufgrund von Berührungsängsten seitens der Ärzte mit neuer Technik, vor allem bei den älteren Generationen. Da die Weiterentwicklung auf dem IT-Sektor für ein erfolgreiches Bestehen der Arztpraxen jedoch zwingend notwendig für die Zukunft ist, gilt zu überlegen, wie man dem entgegenwirken kann.
4 Konzept
Es hat sich im Rahmen der Fallstudie gezeigt, dass die Digitalisierung in Arztpraxen nur bei den jüngeren praktizierenden Ärzten fortgeschritten ist und sie somit noch sehr ausbaufähig ist und viel Potential birgt. Diesbezüglich bietet es sich an, eine Dienstleistungsfirma zu gründen, die sich darauf spezialisiert, Geschäftsprozesse der Arztpraxen zu optimieren mithilfe von technischen Neuerungen und Methoden zur Patientenüberwachung und der Ferndiagnostik. Dies beinhaltet die Unterbreitung eines Konzepts, die Entwicklung eigener oder die Nutzung vorhandener Verwaltungssoftware und das Durchführen von Mitarbeiterschulungen. Hierfür wären weitere Analysen notwendig in großem Umfang, da es bereits Firmen gibt, die Praxissoftware entwickeln. Eine aktuelle Übersicht hierfür findet sich auf der Internetseite von Softguide [10]
4.1 Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Es gelten einige gesetzliche Vorgaben bezüglich dem Einsatz von Praxissoftware. So darf in der Bundesrepublik Deutschland derzeitig nur Praxissoftware eingesetzt werden, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifiziert ist. Die KBV determiniert auf Basis aktueller Studien, welche Anforderungen es gibt an Hard- und Software in der Praxis, was im Hinblick auf Datenschutz beachtet werden muss und welche Software für welchen Bereich zertifiziert ist. vgl.: [11] Mithilfe des Leitfadens der KBV können Ärzte und Psychotherapeuten geeignete Praxissoftware und Hardware für ihren Betrieb aussuchen. Der Leitfaden enthält darüber hinaus Hinweise zur sicheren Nutzung von Online-Diensten. Er informiert über das KV-SafeNet, ein KV-übergreifendes Online-Netzwerk, das die Kommunikation zwischen Ärzten und Kassenärztlichen Vereinigungen erleichtern soll. Informationen zum Datenschutz und zur Datensicherheit finden sich am Ende des Dokuments. vgl.: [12]
Ein Hauptaugenmerk der Standardisierung liegt nach Aussage der KBV im elektronischen Datenaustausch: „In erster Linie erfolgt eine Standardisierung in Bezug auf den elektronischen Datenaustausch zwischen Praxis, MVZ oder Notfallambulanz und Kassenärztlicher Vereinigung (KV) oder anderen Datenempfängern“ vgl.: [13] „Die Hersteller von Praxissystemen müssen die Einhaltung der Standards und Vorgaben gegenüber der der KBV nachweisen.“
4.2 Realisierbarkeit
So könnte eine mögliche Lösung der zentralen Anbindung der Patientenakte aussehen: Ein Server mit den Patientendaten befindet sich in der Praxis und die Patientenaktie kann vom Empfang und von jedem Behandlungsraum beispielsweise auf „Thin Clients“, PDAs oder Tablet-PCs aufgerufen und bearbeitet werden und muss nicht mehr mühsam von einem Raum zum anderen getragen werden. Angefügt an die Patientenakte sind z.B. digitale Röntgenbilder, CT-Scans und somit verringern sich die Laufwege des Personals und der Ärzte und der Stauraum für die Lagerung der Akten. Solche Projekte, in denen Firmen und Praxen vernetzt werden, zeichnen sich durch eine hohe Realisierbarkeit aus, da die technischen Mittel heutzutage sowohl erschwinglich als auch in kurzer Zeit ohne Arbeitsausfälle zu realisieren sind.
5 Fazit und Einschätzung
Das Angebot an moderner Informationstechnologie für Arzt- und Psychotherapeutenpraxen ist bereits sehr groß. Inzwischen beschränkt sich die EDV-Arbeit in Arztpraxen nicht mehr nur auf Abrechnungen und Dokumentationen. Die Anforderungen an moderne EDV-Ausstattung sind gestiegen. vgl.:[14] Um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen, welches sich auf die Beratung von Ärzten hinsichtlich IT-Ausrüstung und Entwicklung von Praxissoftware spezialisiert, bedarf es intensiver Recherche zu bereits auf dem Markt vorhandenen Unternehmen und zu vorhandener Software. Es wäre von Vorteil, eine Marktlücke zu entdecken und sich von den Mitbewerbern abzuheben. Beispielsweise könnte ein ganzheitlicher Ansatz angestrebt werden: Ein Unternehmen, welches sämtliche Dienstleistungen von der Beratung über die Beschaffung und Installation von Hardware und nachträgliche Betreuung sowie Durchführung von Schulungen abdeckt. Weiterhin hat sich im Rahmen der Fallstudie gezeigt, dass es bereits konkurrierende Firmen gibt, welche sich auf Praxissoftware spezialisiert haben. Es gibt jedoch nach wie vor Potential für Firmengründungen auf diesem Sektor, da längst nicht alle Ärzte mit aktuellen IT-Systemen ausgerüstet sind, wie unsere Umfrage ergeben hat. Die Fallstudie lief insofern erfolgreich, dass unsere Erwartungen an die Umfrage, einem Kernstück dieser Fallstudie erfüllt wurden. Die Umfrage konnte abgeschlossen und ausgewertet werden. Rückblickend kann man sagen, dass für eine repräsentativeres Ergebnis eine größere Umfrage nötig gewesen wäre, z.B. eine deutschlandweite Befragung. Unser Anliegen, einen Einblick in den IST-Zustand bezüglich der IT-Ausrüstung der Berliner Ärzte zu erhalten wurde erfüllt.
6 Glossar
- E-Health - Anwendungen elektronischer Medien im Rahmen der medizinischen Versorgung.
- EDV - elektronische Datenverarbeitung
- eGK - elektronische Gesundheitskarte
- KBV - Kassenärztliche Bundesvereinigung
- KV - Kassenärztliche Vereinigung
- MEDICA - jährlich in Düsseldorf stattfindende Medizin-Messe mit begleitendem Kongress.
- PDA - Personal Digital Assistant (englisch: persönlicher digitaler Assistent) - kompakter, tragbarer Computer.
- T-City - Projekt der Deutschen Telekom AG, bei dem die Siegerstadt Personal- und Finanzmittel von der DTAG zum Aufbau von Hochleistungsinfrastruktur und der Umsetzung von Projektideen erhält.
- Telematik - Mischbegriff für den Zusammenschluss von Telekommunikation und Informatik.
- Thin Client - bezeichnet innerhalb der EDV einen Computer als Endgerät (Terminal) eines Netzwerkes.
7 Literaturverzeichnis
Verwendete Quellen:
- ↑ http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/informationssystem.html Wirtschaftslexikon Gabler
- ↑ http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=1.134.3421.8696 eHealth-Report
- ↑ http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/telematik.html Wirtschaftslexikon Gabler
- ↑ http://www.bundesgesundheitsministerium.de/cln_169/nn_1211088/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/E/Glossarbegriff-Elektronische-Gesundheitskarte-Telematikinfrastrukltur.html?__nnn=true
- ↑ http://www.bundesgesundheitsministerium.de/cln_151/nn_1168248/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/E/Glossar-Elektronische-Gesundheitskarte/Fragen-Antworten.html
- ↑ http://www.vhitg.de/vhitg/int/02_News_Presse/News.php
- ↑ http://www.vhitg.de/vhitg/int/01_Verband/VHitG_Verbandsbroschuere.pdf Seite 2
- ↑ http://www.telekom.com/dtag/cms/content/dt/de/951854
- ↑ http://www.kvberlin.de Berliner Online-Ärzteverzeichnis
- ↑ http://www.softguide.de/software/aerzte-aerztesoftware.htm aktuelle Praxissoftware
- ↑ http://www.kbv.de/25431.html Standards der KBV
- ↑ http://www.kbv.de/25718.html
- ↑ http://www.kbv.de/25431.html
- ↑ http://www.kbv.de/25718.html
Themen aus dem Text - weiterführende Informationen im Internet:
- Elektronische Gesundheitskarte
- Kassenärztliche Bundesvereinigung
- Kassenärztliche Vereinigung Berlin
- Aktuelle Marktübersicht - Software für Ärzte und Arztpraxen
- Telematik aktuell
- Telemedizin
- KV-Safenet
- CheckPad Med
- Cardio Messenger
- Der Butler
- GlucoTel
8 Abbildungsverzeichnis
- Abb. 1 Umfrage Telematik Bundesärztekammer
- Abb. 2 Umfrage Telematik Bundesärztekammer
- Abb. 3 Elektronische Gesundheitskarte
- Abb. 4 Der Weg eines Patienten
- Abb. 5 Fragebogen
- Abb. 6 Altersstruktur Umfrageteilnehmer
- Abb. 7 Der Weg digitaler Daten

