Zukunft des Magnetbands als Datenträger

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1 Titel

Namen der Autoren: Björn Berg, Christian Conrads
Titel der Arbeit: "Zukunft des Magnetbands als Datenträger"
Hochschule und Studienort: Fachhochschule für Oekonomie und Management Duisburg


Inhaltsverzeichnis


2 Abbilungsverzeichnis

Abb.-Nr.Abbildung
1Zeitachse Datenspeicher
2Vergleich der Aufzeichnungstechniken


3 Abkürzungsverzeichnis

AbkürzungBedeutung
AEGAllgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft
AITAdvanced Intelligent Tape
bpibits per inch, Maßeinheit für die Datenaufzeichnungsdichte
CDCompact Disk
DATDigital Audio Tape
DLTDigital Linear Tape
DVDDigital Versatile Disc
EDVElektronische Datenverarbeitug
GBGigaByte, Maßeinheit: 109 Byte
GDPdUGrundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen
HGBHandelsgesetzbuch
HPHewlett Packard
HSMhierachisches Speichermanagement; engl.:hierarchical storage management
IBMInternational Business Machines Corporation
LANLocal Area Network
LTOLinear Tape Open
NASNetwork Attached Storage
SANStorage Area Network
TBTeraByte, Maßeinheit 1012 Byte
WORMWrite Once Read Many


4 Tabellenverzeichnis

TabelleBeschreibung
Tabelle 1Generationenübersicht S-AIT
Tabelle 2Generationenübersicht LTO
Tabelle 3Generationenübersicht S-DLT


5 Einführung in die Thematik

Mitte der 1950er Jahre wurden bereits Großrechner eingesetzt, die simple Kalkulationen in Massen bearbeiten konnten. Großrechner oder auch Mainframe genannt, wurden damals mit Programmen in Form von Lochkarten (engl.: Punch Card) mit Informationen versorgt; der Mainframe bearbeitete diese Programme dann nacheinander (Stapelverarbeitung) und gab das Ergebnis auf einem Drucker aus. Da die Mainframes in speziell klimatisierten Räumen standen, befanden sich die Operator-Terminals zum Einlesen der Lochkarten meist außerhalb dieser Räume. Aus diesem Grund wurde Mitte der 1960er Jahre ein Weg gesucht, die Lochkarten vorab einzulesen und alle gesammelten Daten dem Mainframe zur Weiterverarbeitung zu geben - der Ausweg war die Magnetbandtechnologie, die zu diesem Zeitpunkt schon erfolgreich bei der Tonaufzeichnung eingesetzt wurde[1]. An den Operator-Terminals wurden zukünftig die Lochkarten auf ein Magnetband eingelesen und dann zum Mainframe gebracht, der anschließend die Abarbeitung der Programme begann. Im Verlauf der 1960er Jahre bis Anfang der 1970er Jahre wurde die Lochkarte dann komplett durch das Magnetband abgelöst und die Programme direkt auf das Band geschrieben (Vgl. Abbildung 1)[1].

Seit Mitte der 1960er Jahre haben sich die magnetischen Bandspeicher in der Datenverarbeitung als Speichermedium etabliert und verschiedene Rechnergenerationen überlebt, während zum Beispiel die Floppy-Diskette, der Nachfolger des Magnetbands, bereits wieder in der Bedeutungslosigkeit versunken ist.

Diese Ausarbeitung soll im Themengebiet „Entwicklung von Speichertechnologien“ zeigen, dass magnetische Bandspeicher weiterhin technisches und kaufmännisches Entwichlungspotenzial besitzen und nicht zuletzt aufgrund ihrer Vergangenheit auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Speichermanagements im Unternehmensumfeld sein werden und ihren etablierten Platz über die Jahre gegen Alternativen erfolgreich behauptet haben. Hierzu wird kurz die Geschichte beleuchtet und die Funktionsweise des Magnetbandes in der Datenverarbeitung dargestellt. Magnetische Bandspeicher werden mit ihren Konkurrenten verglichen und die Bedeutung ihrer typischen Einsatzfelder wird erläutert.


5.1 Geschichtlicher Hintergrund

Die magnetischen Bandspeicher aus der Oberfamilie der Magnetspeicher, zu denen auch Festplatten und die Floppy-Diskette gehören, haben eine lange Geschichte hinter sich. Bevor Festplatten und Floppy-Disketten entwickelt wurden, gab es schon das Magnetband zur Aufzeichnung von "Daten". Im frühen 20. Jahrhundert versuchte man Ton in Form von Sprache oder Musik zu speichern - mit eher mäßigem Erfolg. Der Durchbruch gelang in den 1930er-Jahren einem deutschen Konsortium bestehend aus AEG und IG-Farben, die den technologischen Grundstein für den magnetischen Bandspeicher legten, wie wir ihn noch heute kennen[2].

Wie bereits eingangs dargestellt, begann die Etablierung des Magnetbandspeichers in der Datenverarbeitung im Großrechnerumfeld. Abbildung 1 zeigt alle wesentlichen Nachfolger im Bereich der Speichermedien. Trotz der Vielzahl der Konkurrenten und ihrer technischen Vorteile, wobei vor allem der schnelle, wahlfreie Zugriff zu nennen ist, wurde das Magnetband mit seiner rein sequentiellen Arbeitsweise bis heute nicht komplett verdrängt. Vielmehr wird weiterhin an seiner Verbesserung, beispielsweise durch den Einsatz höherer Speicherdichte, geforscht und gearbeitet.

Entnommen aus: Yurin, Maxim: The History of Backup, http://www.backuphistory.com/, Stand: 20.04.2009; Abbildung 1: Zeitachse Datenspeicher
Entnommen aus: Yurin, Maxim: The History of Backup, http://www.backuphistory.com/, Stand: 20.04.2009;
Abbildung 1: Zeitachse Datenspeicher


5.2 Funktionsweise des Magnetbandspeichers

In der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) ist das Magnetband Datenträger und gleichzeitig externer Speicher. Bestand in früheren Zeiten das Magnetband noch aus einem beschichteten Papierstreifen[2], ist es heute ein Kunststoffstreifen, der mit einer speziellen magnetisierbaren Schicht behaftet ist. Die Länge des Bandes und die magnetischen Eigenschaften des Kunststoffstreifens geben Auskunft darüber, wie hoch die Speicherkapazität bzw. Speicherdichte des Mediums ist [3].

Die Daten werden sequentiell, d.h. in geordneter Reihenfolge, auf das Band geschrieben. Dementsprechend langsam ist das Band auch beim wiederholten Auslesen von Dateien, wenn dies nicht sequentiell geschieht [3].

Waren früher Magnetbänder das bevorzugte Speichermedium, wurden Sie bald zu Gunsten der Magnetplattenspeicher mit wahlfreiem Zugriff, wie der Diskette (Floppy Disk) oder der Festplatte (Hard Disk) im täglichen Gebrauch abgelöst [3]. Dennoch haben die Magnetbänder heute ein Nischendasein in der Datensicherung und Langzeitarchivierung und können mit erstaunlichen Kapazitäten von bis zu 800 GB pro Kassette Daten schreiben. Und die Superlative für die Magnetbandpseicher sind noch nicht erreicht: So soll z.B. die LTO-Technologie, auf die im nächsten Kapitel im Detail eingegangen wird, in ca. zwei Jahren 3,2 TB an komprimierten Daten auf eine Kassette speichern können.

Das Funktionsprinzip ist unabhängig von der Vielzahl der Familien immer das gleiche und allgemein vom Musik-Kassettenrekorder bekannt. Ein auf einer Spule innerhalb einer Kassette oder Cartridge aufgewickeltes und mit einer magnetisierbaren Schicht behaftetes Kunststoffband wird durch Abwickeln von der Spule an einer Schreib- und Leseeinrichtung vorbeigeführt. Das Band wird im Fall der Kassette auf der zweiten Spule innerhalb der Kassette wieder aufgewickelt[4].

Im Fall einer Datenkassette (engl.: Cartridge), die nur eine Spule beinhaltet, ist eine zweite Spule im Laufwerk erforderlich. Dies bedeutet auch, dass bei Cartridges das Medium vor einem Wechsel komplett zurückgespult werden muss. Die Schreib- und Leseeinrichtung besteht aus einem oder mehreren Magnetköpfen, welche auf die Spuren des Magnetbandes ausgerichtet sind. Beim Schreiben wird durch die Spulen des Magnetkopfes ein Strom gesendet, der die Orientierung der magnetischen Partikel auf der Bandoberfläche beeinflusst. Beim Lesen wiederum wird durch die erzeugten Bereiche gleicher magnetischer Orientierung auf dem Band elektrische Spannung in den Spulen des Magnetkopfes induziert, welche durch das Laufwerk in binäre Signale umgewandelt wird. Die Anordnung von Schreib- und Lesekanal ist im Magnetkopf so gewählt, dass soeben auf das Band geschriebene Informationen, direkt durch erneutes Lesen überprüft werden können. Hierdurch wird eine direkte Korrektur im Fehlerfall ermöglicht. Die wesentlichen Einflussfaktoren für die Speicherkapazität des Magnetbandes sind seine Länge, die Anzahl der darauf aufgezeichneten Spuren und die Aufzeichnungsdichte. Diese wird in Bits per inch (bpi) gemessen[4].


5.2.1 Aufzeichnungsverfahren

Grundsätzlich wird bei Magnetbandgeräten anhand der Aufzeichnungstechnik zwischen zwei Gruppen unterschieden: Geräte mit Längsspuraufzeichnung oder linearer Aufzeichnung und Geräte mit Schrägspuraufzeichnung oder Helical Scan.

in Anlehnung an: Hansen, H. R., Neumann, G. (2001), S. 723  Abbildung 2: Vergleich der Aufzeichnungstechniken
in Anlehnung an: Hansen, H. R., Neumann, G. (2001), S. 723
Abbildung 2: Vergleich der Aufzeichnungstechniken

Bei der Längsspuraufzeichnung wird die Oberfläche des Bandes am Magnetkopf vorbeigeführt. Hierbei wird auf mehrere der bis zu 448 horizontal angeordneten Spuren geschrieben bzw. von ihnen gelesen. Das Lesen und Schreiben erfolgt serpentinenartig auf den horizontalen Spuren durch wiederholtes Vor- und Zurücklaufen des Bandes. Hierdurch werden die Spulzeiten verkürzt, da in beide Laufrichtungen geschrieben und gelesen wird. Das lineare Aufzeichnungverfahren wird durch die in Kapitel 5.3 vorgestellten Medientypen LTO und S-DLT genutzt[4].

Bei der Schrägspuraufzeichnung wird das Band um den leicht geneigten, während des Schreibens rotierenden Magnetkopf herum geführt. Durch die Neigung und Rotation entstehen mehrere Millionen kurzer Spuren auf dem Magnetband. Dies erlaubt es, die Spuren dichter aneinander zu Schreiben, als dies beim Längsspurverfahren der Fall ist. Zudem wird das Band in seiner kompletten Breite und Länge ausgenutzt. Hierdurch erlaubt das Helical Scan Verfahren eine höhere Aufzeichnungsdichte im Vergleich zum linearen Verfahren[4]. Jedoch werden auf diese Weise auch besondere Anforderungen an die Laufgenauigkeit des Bandes und die Genauigkeit des Neigungswinkels des Schreib-/Lesekopfes gestellt. Eventuelle Ungenauigkeiten können dazu führen, dass von einem bestimmten Gerät beschriebene Bänder in einem anderen Gerät nicht gelesen werden können. Das Helical Scan Aufzeichnungsverfahren wird durch den in Kapitel 5.3 vorgestellten Medientyp AIT und DAT72 genutzt.


5.2.2 Geräteklassen

Die Lesegeräte können grob in drei Klassen unterteilen[4], deren Einsatzgebiet von der Häufigkeit der Schreib- und Lesevorgänge sowie des zu speichernden Datenvolumens bestimmt wird. In allen Fällen dienen sie der Datensicherung und Archivierung.

  1. Laufwerke, als einzelne interne oder externe Geräte an einem Arbeitsplatzrechner, deren Medienwechsel ausschließlich manuell erfolgt. Diese haben im immer stärker vernetzten, und speicherbedürftigen betrieblichen Umfeld keine große Bedeutung. Mit steigender Verbreitung und Kapazität insbesondere optischer Medien, wie CD-R/RW, DVD-R/RW und BluRay, aber auch von Festplatten ist der Einsatz in diesem Bereich nicht mehr notwendig[5].
  2. Autoloader, mit einem Laufwerk aber zwischen 7 und 22 Fächern für Medien, die durch eine kleinere Robotereinheit gewechselt werden. Diese kommen in kleinen und mittleren Unternehmen zum Einsatz[6].
  3. Bibliotheken, oder häufig wie im Englischen libraries, welche über 2 bis 32 Laufwerke und bis zu 600 Fächer für Medien verfügen. Eine größere Robotereinheit nimmt den Medienwechsel automatisiert vor. Zum Einsatz kommen diese Geräte vor allem in Rechnerzentren im Großrechnerumfeld[7].


5.3 Überblick über die Familien

Im Laufe der Entwicklung der Magnetbänder haben sich verschiedene Typen von Medien und Laufwerken heraus kristallisiert, die untereinander nicht kompatibel sind - meist nicht einmal innerhalb der Generationen einer Familie. Sie unterscheiden sich nicht nur durch die Größe des Datenträgers, die Länge des Bandes und das Beschichtungsmaterial sondern insbesondere auch durch die Technik, die in den Aufzeichnungsgeräten verwendet worden ist (s.a. Kapitel 5.2).

In dieser Ausarbeitung sollen nur die drei marktrelevanten "Überlebenden" betrachtet werden: S-AIT, S-DLT, LTO, DAT72. Diese sind auf dem europäischen, asiatischen oder nordamerikanischen Markt verbreitet und haben sich in den zurückliegenden Jahren technologisch weiter entwickelt - entweder durch höhere Speicherkapazitäten oder durch schnellere Schreib-/Leseverfahren.


5.3.1 Super Advanced Intelligent Tape (S-AIT)

Advanced Intelligent Tape (kurz: AIT) respektive die Weiterentwicklung S-AIT ist eine Bandspeichertechnologie von Sony mit besonderen Vorzügen in der technischen Entwicklung des Speichermediums und dem Schreib- und Lesegerät. 1996 entwickelte Sony AIT1 mit einer maximalen unkomprimierten Datenkapazität von 25 GB. Zwei Jahre später erschien AIT2 mit einer unkomprimierten Kapazität von 50 GB. Seitdem wurde die Technik ständig weiterverbessert und hat ihren Einzug in S-AIT gefunden[8]:

Die Produktion des Magnetbandes bei S-AIT findet nicht mehr durch die Beschichtung eines Trägermaterials wie Kunststoff oder Papier statt, sondern das magnetische Material (Cobalt) wird ohne Bindemittel direkt auf das Trägermaterial gedampft[8]. Durch Verzicht auf das Bindemittel werden Verschleißerscheinungen durch Abrieb und die Zerstörung bzw. Ablösung der Magnetbeschichtung bei Temperaturschwankungen vermieden.

Weiterhin wurde in die Kassette ein EEPROM-Speicherchip integriert, der Informationen zum Band, den letzten Schreibzustand und weitere statistische Informationen enthält. Zusätzlich wird in dem Speicherchip eine Art Index angelegt, der es ermöglicht, schneller auf bestimmte Daten bei der Suche z.B. bei der Wiederherstellung von Daten zuzugreifen[8].

Gegenüber dem alten AIT-Format wurde die Datenkompression deutlich verbessert, so dass deutlich mehr Daten bei höheren Transferraten auf den Bändern gespeichert werden können[8].

Weiterhin unterstützt S-AIT, wie auch S-DLT und LTO innerhalb der Laufwerkstechnologie verschiedene Verfahren zur Fehlererkennung bei der Datenübertragung und der Haltbarkeit der Medien[9].

Bezeichnung komprimierte Daten unkomprimierte Daten Schreibgeschwindigkeit
AIT 1 65 GB 25 GB 3 MB/s
AIT 2 130 GB 50 GB 6 MB/s
AIT 3 260 GB 100 GB 12 MB/s
AIT 4 (S-AIT) 420 GB 200 GB 24 MB/s
AIT 5 (S-AIT) 1040 GB 400 GB 24 MB/s

Tabelle 1: Generationenübersicht S-AIT

Trotz der hohen Datenkapazität ist es Sony außerhalb Asiens bisher nicht gelungen, Kunden von der Zuverlässigkeit seiner Technologie zu überzeugen. Dies kann darin begründet sein, dass Sony alleiniger Hersteller und Entwickler der Technologie ist und z.B. hinter dem Standard LTO ein Konsortium aus mehreren Firmen steht[10].


5.3.2 Linear Tape Open (LTO)

Die Besonderheit bei Linear Tape Open liegt an dem Zusatz "Open" im Namen. LTO war von Anfang an nicht als Standard eines einzigen Herstellers wie vergleichsweise S-DLT oder AIT geplant, sondern die Spezifikation ist offen, damit dem Endkunden eine breite Auswahl an Medien und Geräten verschiedener Hersteller zur Verfügung steht. Das Entwicklungskonsortium bestehend aus HP, IBM und früher Seagate lizenzieren die entsprechenden Geräte und Medien [11].

Gleichzeitig liegt der Vorteil einer offenen Entwicklung in einem übergreifenden Standard, der abwärtskompatibel ausgelegt ist und dem Endkunden durch eine vorgeschriebene Roadmap die zukünftige Entwicklung aufzeigt[11].

LTO - anfangs mit zwei verschiedenen Medientypen konzipiert: Accelis und Ultrium. Ultrium sollte nur für das normale Backup bzw. die Datenspeicherung dienen, während Accelis besonders für die Archivierung und die Datensicherung mit großen Tape-Libraries ausgelegt sein sollte. Accelis hat die Konzeptionsphase nicht überwunden und so hat sich das Konsortium entschieden nur Ultrium am Markt anzubieten und Vorzüge von Accelis in Ultrium zu integrieren.

Die LTO-Datenträger weisen spezielle Merkmale für die Nutzung mit Tape-Libraries auf. So sind die Datenkasseten mit speziellen Vertiefungen versehen, die es einem Roboter ermöglichen die Kassete besser zu greifen. Die obere Front der Kassete ist rundlich angeschrägt, dadurch ist es einfach die Kassette sauber und ohne zu verkanten in das Laufwerk einzuführen[11].

Ähnlich wie bei AIT ist im LTO-Datenträger ein EEPROM-Chip integriert, der die letzten Ladevorgänge protokolliert und weitere statistische Informationen speichert[11].

Die Medien kommen mit einem Barcode versehen zur automatischen Verarbeitung und Archivierung in verschiedenen Sicherungslösungen und seit dem Standard LTO 3 sind die Medien auch als WORM-Medien erhältlich. Auf die WORM-Technology, die für Write Once Ready Many steht, wird in dieser Ausarbeitung später eingegangen, wenn allgemeine Eigenschaften eines Mediums betrachtet werden.

Inzwischen wurde Seagate durch Quantum akquiriert und gehört trotz der eigenen Entwicklung von S-DLT weiterhin zum Entwicklungsteam von LTO [12].

LTO Technology hat die folgende Roadmap ausgegeben [13]

Bezeichnung komprimierte Daten unkomprimierte Daten Schreibgeschwindigkeit (komprimiert)
LTO 1 200 GB 100 GB 40 MB/s
LTO 2 400 GB 200 GB 80 MB/s
LTO 3 800 GB 400 GB 160 MB/s
LTO 4 1600 GB 800 GB 240 MB/s
LTO 5 3200 GB 1600 GB 360 MB/s

Tabelle 2: Generationenübersicht LTO

Der Standard LTO 6 ist bereits in Planung aber noch nicht am Markt, deswegen fehlt er in der Auflistung der Leistungsdaten.


5.3.3 Super Digital Linear Tape (S-DLT)

Super Digital Linear Tape (kurz: S-DLT) ist eine Weiterentwicklung der DLT-Technologie. Daher sind die Laufwerke auch kompatibel zu den alten DLT-Medien. Für die Migration auf neue Bandspeichertechnologien ein entscheidendes Kriterium, ermöglicht es die schrittweise Umstellung auf die neue Technik[14].

Die DLT-Technik wurde 1994 von der Digital Equipment Corporation (DEC) entwickelt und in den ersten produzierten VAXstation zur Datensicherung eingebaut [15]. Später ging die Technik an den Speicherhersteller Quantum, der DLT zu S-DLT weiterentwickelt hat und diese Technik an verschiedene andere Hersteller lizenziert. Statt mit einer Spule, arbeiten S-DLT-Laufwerke mit mehreren Magnetköpfen, die auf dem Magnetband hunderte von Datenspuren speichern können und so für eine hohe Datendichte auf dem Band sorgen. Durch diese Technik wird eine hohe Schreib- und Lesegeschwindigkeit gewährleistet, wie sie für die heutigen Datenmengen notwendig ist[14].

Zusätzlich wie auch schon DLT bietet S-DLT Verfahren zur Verifizierung der geschriebenen Daten.

Folgende Standards für SDLT sind bekannt[14]:

Bezeichnung komprimierte Daten unkomprimierte Daten Schreibgeschwindigkeit
S-DLT 320 320 GB 160 GB 32 MB/s
S-DLT 600 600 GB 300 GB 36 MB/s

Tabelle 3: Generationenübersicht S-DLT

5.3.4 Digital Audio Tape 72

An dieser Stelle soll kurz ein Veteran unter der Magnetbandspeichertechnologie genannt werden, der auch heute noch in vielen kleineren Unternehmen eingesetzt wird, zuverlässig seine Arbeit verrichtet und am Markt deswegen immer noch von Bedeutung ist.

Das Digital Audio Tape 72 (kurz: DAT72) ist eine Weiterentwicklung der DAT-DDS-Technik und basiert auf den ersten Entwicklungen zur digitalen Datensicherung auf Magnetspeichern und erreicht seine Datenkapazität von 36 GB nativ (72 GB komprimiert) durch die helicale Ausrichtung des Schreib-/Lesekopfes[16].

Mit Schreibraten von ca. 26 GB/h (komprimiert) bleibt die Technik aber weit hinter dem zurück, was LTO, S-AIT und S-DLT leisten können[16]. Dennoch kann die Technik immer noch für kleine Datenmengen punkten, weil die Anschaffung der Geräte preiswert und die Medien beginnend bei ca. 7 EUR / Stück ebenfalls sehr preiswert sind. Wie hoch die Verbreitung ist, zeigt sich auch daran, dass alle namhaften Speichermedienhersteller DAT72-Medien in ihrem Portfolio führen.


5.4 Die Konkurrenz

Um das Entwicklungspotenzial des magnetischen Datenträgers besser bewerten zu können, ist es notwendig die am Markt verfügbaren und etablierten Konkurrenten gegenüber zu stellen. Wie bereits Simone Schnell erwähnt, wird seit Jahren postuliert, dass die magnetischen Speicher - also die Festplatten - langfristig die Magnetbandspeicher ablösen werden[17]. Bisher ist es bei der Aussage geblieben und das Magnetband kann sich nun seit mehr als 40 Jahren am Markt behaupten, wenn auch hauptsächlich nur im Bereich der Archivierung und Datensicherung.

Archivierung und Datensicherung sollen dem Magnetband durch NAS oder SAN streitig gemacht werden; magneto-optische Speicher mit WORM-Eigenschaften konkurrieren mit den WORM-fähigen Magnetbändern.

Aus diesen Gründen soll die Konkurrenz nur auf den Gebieten betrachtet werden, auf denen sich die Magnetbänder etabliert haben: Langzeitarchivierung und Datensicherung. In diesem Kapitel sollen die wichtigsten Konkurrenten kurz beschrieben werden, da sie in den folgenden Betrachtungen immer wieder für Vergleiche heran gezogen werden.


5.4.1 Network Attached Storage (NAS)

Network Attached Storages (kurz: NAS) wurden entwickelt um zentral in einem Netzwerk für alle Benutzer Daten bereit zu stellen. Dabei handelt es sich meist um einen dedizierten Server mit einer hohen Kapazität an Magnetspeichern (Festplatten) der IP-basiert an das Unternehmensnetzwerk angeschlossen ist[18]. Seitdem die Preise für Festplatten fallen und die NAS-Systeme preisgünstiger werden, werden die Systeme auch zu Backup-Zwecken eingesetzt und der Sicherungssoftware als Massenspeicher oder Wechselspeicher bekannt gemacht[18]. Dadurch können sich NAS-Systeme oder Partitionen in einem NAS-System wie ein Bandlaufwerk bzw. Magnetband (Backup-To-Disk-Verfahren) verhalten.


5.4.2 Storage Area Network (SAN)

Ein Storage Area Network (kurz: SAN) ist wie ein Netzwerk aufgebaut und dient dazu große Datenmengen zu speichern und zu bewegen. Überall dort wo es nötig ist große Datenmengen ggf. auch dezentral vorzuhalten, eignen sich SANs besonders. In einem SAN wird der eigentliche Speicher (Festplatten, Tape-Libraries) zu virtuellen Einheiten zusammengefasst, die als unabhängige Einheiten Servern und Clients als Speicherplatz zur Verfügung stehen. Unabhängigkeit bezieht sich hierbei auf den Standort und das darüberliegende Betriebssystem[19].

SANs werden gewöhnlich getrennt vom eigentlichen Local Area Network (LAN) aufgebaut und über verschiedene Techniken wie Fibre Channel, Ethernet oder iSCSI mit Komponenten des LAN (z.B. Server, Router, Switche) gekoppelt. Das SAN stellt sich dabei virtuell dem LAN als Massenspeicher zur Verfügung, kann aber physikalisch aus vielen Peripheriegeräten bestehen [19].

Ein SAN ist für schnelle Datenübertragungen optimiert; aus diesem Grund hat sich auch Fibre Channel als Übertragungsmedium durchgesetzt, da es 90 % der möglichen Datenübertragung Nutzlast ist. Um ein SAN an einen Server zu koppeln wird zusätzliche Hardware in Form einer PCI-Karte benötigt, die in den Server eingebaut und das SAN mittels Fibre Channel angebunden wird [19].

Datensicherungen in einem SAN sind problemlos möglich ohne dass es zu Verzögerungen im LAN kommt.

Da in einem SAN auch Tape-Libraries als Datenspeicher insbesondere für die Datensicherung eingebunden werden können, ist das SAN nicht direkt als Konkurrenz für eine Tape-Library bzw. das Medium Magnetband zu betrachten, sondern eher als nützliche Ergänzung. Auf Tape-Libraries und ihr Anwendungsgebiet wurde in Kapitel 5.2.2 eingegangen.

Zur Konkurrenz wird das SAN erst dann, wenn zwei getrennt voneinander betriebende SANs, die ausschließlich auf Festplattentechnologie setzen, für Datenhaltung und Datensicherung betrieben werden. Allerdings sind die Betriebskosten besonders für die Ausfallsicherheit recht hoch.


5.4.3 Magneto-optische Speicher

Magneto-optische Speicher wurden als Alternative zu den rein optischen Medien wie der CD und DVD entwickelt. Es handelt sich um wiederbeschreibbare Datenträger, die durch einen Laser magnetisiert werden. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften wie Resistenz gegen Temperaturschwankungen, Lichtunempfindlichkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern, gelten sie als besonders geeignet für die Langzeitarchivierung [20].

Aufgrund der hohen Kosten die Medien und Lesegeräte verursachen, hat sich die Technik außerhalb des asiatischen Marktes nicht durchgesetzt und führt eher ein Nischendasein. Hinzu kommt, dass die bisherige Speicherkapazität nicht mit der von konventionellen Festplatten oder Magnetbandtechnologie wie LTO, AIT oder S-DLT mithalten kann [20].

Besonderes Augenmerk soll hier auf die Ultra Density Optical (kurz: UDO) gelegt werden, einer Entwicklung von Sony, deren Datenintegrität auf 50 Jahre zertifiziert ist [20]. Für Unternehmen ist diese Maßzahl allerdings wenig interessant, müssen Sie doch wichtige Geschäftsdaten laut Gesetzgeber in Deutschland maximal 10 Jahre aufbewahren (HGB §257, Abs. 4).

Nutzen und Kosten stehen bei UDO in einem schlechten Verhältnis, so dass über die Jahre immer wieder der Angriff und die Marktdurchdringung der Medien postuliert wurde [17] - außerhalb des asiatischen Marktes hat die Verdrängung des Magnetbandes im Bereich der Langzeitarchivierung allerdings weiterhin nicht statt gefunden.


6 Eigenschaften magnetischer Bandspeicher

Das Medium selbst, also das Magnetband, besteht aus einer Trägerschicht und einer darauf aufgebrachten magnetisierbaren Schicht, die letztlich als Informationsträger dient. Die Trägerschicht ist eine nur 8 bis 15 µm dünne Polyesterfolie, die dennoch sehr beständig und vor allem zugfest ist. Auf diese Trägerschicht wird eine etwa 2 µm dünne magnetisierbare Schicht aus Eisenoxyd oder Chromdioxyd aufgebracht. Dies geschah ursprünglich mit Hilfe eines Bindemittels, in neueren Verfahren wird die Schicht auf das Trägermaterial aufgedampt, was ein eventuelles Ablösen vom Trägermaterial weitgehend verhindert. Die Oxyd-Kristalle sind nadelförmig mit einem Seitenverhältnis von 1:10. Hierdurch wird bei der Magnetisierung durch den Schreibkopf eine deutlich zu unterscheidende Ausrichtung erzielt, die sich bei Lesen in binäre Signale transformieren lässt[21].


6.1 Lebensdauer

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird die Lebensdauer eines Speichermediums häufig in Jahren angegeben. Dadurch wird die Berechnung des Return-On-Investment (ROI) erleichtert. Aus technischer Sicht ist diese Schätzzahl sehr ungenau, denn die Lebensdauer eines magnetischen Speichermediums ist abhängig von der Lagerung und der Nutzung.

Genutzt wird das Medium zum Lesen und Schreiben, daher ist es sinnvoll eine Angabe in Schreib-/Lesezyklen zu definieren, die dann individuell anhand der regelmäßigen Nutzung in Jahre, Tage oder auch nur Stunden umgerechnet werden kann.

Insbesondere bei Magnetbändern wird die Lebensdauer durch verschiedene Einflüsse verkürzt. Die Umgebungstemperatur für die Lagerung des Mediums sollte nicht zu hoch sein, da das Trägermaterial bzw. das Band und die Beschichtung unter hohen Temperaturschwankungen leiden und sich die Anzahl der möglichen Schreib-/Lesezyklen drastisch verringert. Positiven Einfluss auf die Lebensdauer des Magnetbands hat der Schutz durch die Kassettenhülle, von der es umgeben ist.

Häufige Schreib-/Lesezyklen sorgen ebenfalls dafür, dass die magnetische Schicht sich abnutzt. Durch Abnutzung der Beschichtung kommt es im laufenden Betrieb, z.B. bei einem Sicherungslauf zu Schreib- bzw. Lesefehlern: Ein deutliches Zeichen, dass das Ende der Lebensdauer des Mediums erreicht ist.

Bei Aufbewahrung unter idealen Bedingungen und einer geringen Zahl von Schreib-/Lesezugriffen kann man bei auch nach 30 Jahren noch von Lesbarkeit ausgehen[22].

Die Lebensdauer wird bei heutigen Bändern durch eine leitfähige Beschichtung der Rückseite verlängert. Durch die leitfähige Schicht wird statische Elektrizität von der nicht-leitenden Frontseite abgeleitet, was eine Beeinflussung der Magnetisierung durch die statische Elektrizität verhindert. Auch Verbesserungen am Trägermaterial führen zu höherer Beständigkeit gegen Temperatureinflüsse und Feuchtigkeit, was die Bänder auf längere Sicht bruchsicherer macht.[23].


6.2 Anschaffungskosten

Heute haben sich in der Bandspeichertechnologie zwei bis drei Familien etabliert, die den Markt bestimmen. Es gibt mit Bestimmtheit weitere Formate bzw. Familien, die in der Praxis ihren Einsatz finden, die aber nicht marktbestimmend sind. Für den Vergleich der Anschaffungskosten sollen die Familien DAT72, LTO3 und S-AIT mit heutzutage genutzten Techniken wie NAS und SAS auf Festplattenbasis verglichen werden.

Konkrete Zahlen lassen sich nur schwer ermitteln, da die anfallenden Kosten für Bandlaufwerke nach Bauweise, Geschwindigkeit und Speicherformat variieren können [24].

Die Kosten für das Medium innerhalb einer Familie von unterschiedlichen Herstellern differieren dagegen schwach um ca. 10 - 20%, da z.B. LTO-Medien in Lizenz gefertigt werden und ein zentrales Organ auch die Qualität und Kosten der Medien überwacht [24].

Die Kosten für ein Bandlaufwerk liegen zwischen knapp 400 EUR (DAT72) und bis zu 5.000 EUR (S-AIT).

Bandspeichermedien sind nicht so robust und langlebig wie Festplatten, so dass die Betriebskosten höher liegen: So vertragen DAT72-Medien ca. 25 bis 100 Schreibzyklen, so dass diese ziemlich oft ersetzt werden müssen. Dies treibt die Betriebskosten in die Höhe, ist bei einem Preis von ca. 8,00 - 12,00 EUR je Speicherkassette vernachlässigbar gering [24].


6.3 Betriebs- und Lagerungskosten

Qualifizierte Vergleiche der Betriebs- und Lagerungskosten zwischen Magnetbändern und konkurrierenden Techniken wie NAS und SAN sind aufgrund der Tatsache, dass es sich um komplett unterschiedliche Infrastrukturen handelt, schwer anzustellen. Zudem wird ein solcher Vergleich auch deshalb erschwert, weil Magnetbänder, wie dargestellt, mit Archivierung und Datensicherung zwei unterschiedliche Einsatzfelder aufweisen. NAS und SAN hingegen übernehmen häufig auch Aufgaben im Speichermanagement des operativen Geschäftsbetriebs. Hier bleibt allenfalls eine qualitative Betrachtung der anstehenden Kosten in den unterschiedlichen Fällen. So fallen für die Archivierung von Magnetbändern ausschließlich die Kosten für deren Einlagerung an, die sich allein aufgrund ihrer physisch geringen Größe im Rahmen halten. Werden Magnetbänder als Sicherungsmedien verwendet, fallen hier bereits Kosten für regelmäßige Wiederbeschaffung der Medien an, da diese aufgrund ihrer Beschränkungen in der Anzahl der möglichen Schreib- und Lesezugriffe häufig ausgetauscht werden müssen. In diesem Fall sind auch die Kosten für Wartung und Betrieb von Autoloadern oder Tape-Libraries und deren Wartung und Reinigung in Betracht zu ziehen. Ebenso fallen für NAS oder SAN kosten für die Aufrechterhaltung des Dauerbetriebs an. Hier sind zusätzlich Kosten für die Absicherung gegen Eindringen von außen und für eine Rechteverwaltung zu sehen.


6.4 Write Once Read Many (WORM)

Write Once Read Many (kurz: WORM) beschreibt ein Speicherverfahren bei dem Medien nur einmal mit Daten beschrieben aber unendlich oft gelesen werden können. Die CD Recordable (CD-R) ist das bekannteste, klassische WORM-Medium. Auf der CD-R können einmalig Daten geschrieben werden und diese lassen sich weder löschen noch überschreiben, aber beliebig oft an jedem Abspielgerät lesen.

In der Magnetbandtechnologie hatten Musikkassetten einen einfachen Überschreibschutz. Wurde an der Kassette am Kopf ein Haken aus einer Vertiefung gebrochen, konnte man an einem Aufnahmegerät die Record-Taste nicht mehr betätigen. Der eigentliche Überschreibschutz lag somit nicht im Medium der Kassette sondern eher in der Technik des Aufnahmegeräts. Daher konnte der Schreibschutz auch leicht durch einen Streifen Tesafilm über der Vertiefung wieder aufgehoben werden. Ältere Magnetbandtechniken wie DAT und DLT nutzen noch dieses Verfahren zur Herstellung eines Schreibschutzes. Hierbei befindet sich allerdings ein kleiner Schiebschalter am Medium, der für die Verriegelung des Mediums sorgt.

Die Magnetbandtechnologie der heutigen Informationstechnik geht da weiter und verlagert die WORM-Fähigkeit in das Medium. AIT und LTO steuern die WORM-Funktion über den EEPROM-Chip der in das Medium integriert ist[9] [11]. Dadurch lassen sich die Medien nur einmal mit Daten beschreiben und beliebig oft lesen. Wurde die Datenkapazität bei einem Schreibzyklus nicht komplett ausgeschöpft, ist es auch bei AIT und LTO nicht möglich weitere Daten an das Medium anzuhängen - vergleichbar mit der Technik der CD-R.

7 Entwicklungspotenzial

Um das Entwicklungspotenzial besser bewerten zu können, ist dieses Kapitel unterteilt: Zunächst werden die Einsatzgebiete für Magnetbänder vorgestellt und anschließend werden im Unterkapitel Technikpotenzial Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Magnetbandtechnologien aufgestellt.


7.1 Einsatzgebiete

Wie bereits in Kapitel 5.2.2 beschrieben, erfolgt der Einsatz von Magnetbandspeichern vor allem in den größeren Kategorien der Autoloader und Bibliotheken. Dementsprechend beschränkt sich der Einsatzbereich für Autoloader und Bibliotheken auch auf größere Unternehmen. Die Verwendung der Bibliotheken kann man insbesondere auf den Großrechnerbereich mit größeren Timesharing-Betriebssystemen wie MVS oder z/OS von IBM eingrenzen. Gerade in diesem Bereich kann man von historisch gewachsenen Strukturen sprechen. Die Banken- und Versicherungsbranche, beim Einsatz von EDV in den 1960er- und 1970er-Jahren Vorreiter, ist auch heute noch einer der häufigsten Nutzer von Großrechnertechnologien. Zur damaligen Zeit standen keine ernstzunehmenden Alternativen zum Magnetband als Speicher großer Datenmengen zur Verfügung. Bis heute finden Magnetbandspeicher vor allem in diesem Bereich Verwendung. Die Gründe hierfür sind im folgenden erläutert.


7.1.1 Hierarchisches Speichermanagement (HSM)

Ein Grund für die Verwendung von Magnetbandspeichern liegt im operativen Bereich der Unternehmen. Die beträchtlichen Datenmengen, die in unterschiedlicher Häufigkeit (täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich) verarbeitet werden, erfordern ein effizientes hierarchisches Speichermanagement (kurz: HSM). Beim HSM werden die Daten anhand von Metainformationen, wie der Anzahl der Zugriffe oder dem Datum der letzten Änderung, bewertet und anhand eines fest definierten Regelwerks in eine der Hierarchiestufen des Speichersystems eingeordnet[25]. Daten, die häufig gelesen und verarbeitet werden, müssen auf schnellen Speichermedien zur Verfügung stehen, während Daten, die nur in längeren Zyklen verarbeitet werden, durchaus auf die langsameren Magnetbänder ausgelagert werden können. Bei Bedarf werden diese dann aus den Bibliotheken angefordert, wo die Robotereinheiten die Bänder aufgrund ihrer Barcode-Kennung identifizieren und zum Einlesen einem Bandlaufwerk zur Verfügung stellen können. Dies ist vor allem aus Gründen der Kosten- und Energieeffizienz sinnvoll, da so nicht sämtliche Daten auf teureren und im laufenden Betrieb Strom verbrauchenden und mit Sicherheitsmaßnahmen abzusichernden NAS oder SAN vorgehalten werden müssen. Zudem zeigt sich in den Autoloadern und den Bibliotheken ein wesentlicher Vorteil gegenüber optischen Speichermedien: Es existieren ausgereifte Techniken, die die Verwaltung der Medien voll automatisiert übernehmen, was etwa für optische Medien nicht der Fall ist.


7.1.2 Archivierung und Datensicherung - zwei unterschiedliche Gebiete

Ein weiterer Grund liegt in der Archivierung von Daten in Unternehmen. Laut einer Studie des Fachmagazins Speicherguide.de aus dem Jahr 2006 fand in 31 % der befragten Unternehmen in den Jahren 2004 bis 2007 eine Erhöhung des Speicherbedarfs von über 75 % statt, in 19 % der Unternehmen eine Erhöhung von 50 % bis 75 %[26]. Allein hieraus lässt sich ableiten, dass der Bedarf zur Archivierung auch weiterhin ansteigen wird. Zudem wurden auch striktere gesetzliche Vorschriften bezüglich der Archivierung und den Fristen, in denen digitale Daten weiter vorgehalten werden müssen, ausgegeben. Hier sind insbesondere die GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) mit Wirkung vom 01.01.2002 zu nennen. In großen Unternehmen existieren ganze Organisationseinheiten, die für die Einhaltung (Compliance) solcher gesetzlicher Vorschriften Sorge tragen. Es existiert hier also durchaus ein Bewusstsein für die Notwendigkeit. Allerdings erfordern die immer größeren Mengen an Daten auch hier das genaue Betrachten der Anschaffungs- und Betriebskosten. Diese sind für die Medien selbst mit etwa 0,10 EUR pro GB sehr preisgünstig. Professionelle Laufwerke kosten dagegen schnell zwischen 3000 und 4000 EUR[22]. Auch diese Kosten müssen vor dem Hintergrund des langfristig angelegten Nutzungszwecks, sprich der Archivierung oder Datensicherung, und der langfristigen Nutzungsmöglichkeit der Medien betrachtet werden.

Hierneben finden Magnetbandspeicher auch in ihrem klassischen Einsatzgebiet, der Datensicherung, weiterhin Verwendung. Die Datensicherung ist insofern von der Archivierung zu unterscheiden, als ihr Hauptaugenmerk auf der zusätzlichen, extern gelagerten Datenhaltung liegt, während dies bei Archivierung das langfristige Bereithalten der Daten ist. Eine externe Lagerung ist als mögliche Quelle für Datenrettungen nach technischen Komplettausfällen oder Katastrophen, wie zum Beispiel Feuer, im Hinblick auf die Datensicherheit erforderlich. Auch hierbei haben die Magnetbänder entscheidende Vorteile in Sachen Kosten und Langlebigkeit. Zudem ermöglichen die Bänder durch gute Transport- und Lagerfähigkeit eine einfache und platzsparende, somit kostengünstige Auslagerung an andere Orte. Im Vergleich zu Festplatten, bei denen das Risiko des Aushärtens der Lagerflüssigkeit besteht, wenn sie nicht mindestens zwei Mal im Jahr in Rotation versetzt werden, ist eine langfristige Lagerung der Bänder unproblematisch[22].


7.2 Technikpotenzial

Wie in Kapitel 5.2 beschrieben, sind die wesentlichen Einflussfaktoren für die Speicherkapazität die Länge des Bandes, die Anzahl der Spuren und die mögliche Datendichte. Die Datendichte lässt sich vor allem durch die Beschaffenheit der magnetisierbaren Schicht beeinflussen. Durch den Einsatz feinerer Partikel aus bisher nicht verwendeten Werkstoffen lassen sich Beschichtungen mit sehr hoher magnetischer Dichte erzeugen. Genau in diese Richtung wird auch die aktuelle Forschung in diesem Bereich betrieben. IBM hat in Kooperation mit dem japanischen Unternehmen Fuji Photo Film in seinem Entwicklungszentrum ein Testband entwickelt welches durch Einsatz einer Barium-Ferrit-Verbindung 6,67 Milliarden bpi an Datendichte erlaubt. Ein solches Band soll in etwa fünf Jahren Marktreife besitzen. In einer Kassette des Typs LTO könnten hiermit bis zu 8 TB unkomprimierte Daten gespeichert werden, was dem Zwanzigfachen heutiger LTO-Kassetten entspricht[23]. Verbesserungen der Haltbarkeit der Bänder werden von den Herstellern durch den Einsatz unter extremen Testbedingungen erreicht. So testet Imation seine Bänder in manipulierten Laufwerken, die in puncto Geschwindigkeit außerhalb der Herstellerspezifikationen betrieben werden oder setzt die Bänder über längere Zeit hohen Temperaturen aus. Hierbei gewonnene Erkenntnisse lassen sich in Steigerungen der Robustheit der Bänder umsetzen[23].

Im folgenden werden Prognosen für die Entwicklung der in dieser Ausarbeitung genannten Magnetbandtechnologien aufgestellt:


7.2.1 DAT72 Technologie

DAT72-Technologie findet man heute noch in kleineren Unternehmen zur Speicherung des Datenbestandes von kleineren Datenmengen, da die Technologie historisch mit dem Unternehmen gewachsen ist. Festgehalten werden kann aber, dass die DAT72-Technologie mittelfristig vom Markt verschwinden wird, da Kapazitäten von 36 GB (resp. ca. 72 GB komprimiert) bei der heutigen Datenflut nicht mehr genügen um moderne Systeme zu sichern. Durch die niedrigen Anschaffungskosten und Betriebskosten stellt die DAT72-Technologie nur für kleine zu sichernde Datenmengen eine Alternative dar, sollte aber nicht zur Langzeitarchivierung eingesetzt werden, da die verwendeten Medien durch Temperaturschwankungen schnell unbrauchbar werden.


7.2.2 S-DLT Technologie

Die Weiterentwicklung von S-DLT wird durch Quantum fortgesetzt. Inzwischen sind 600 GB Medien auf dem Markt, die auch WORM-Technik mitbringen, so dass sie sich für die Langzeitarchivierung eignen. S-DLT-Laufwerke eignen sich für alle Unternehmen, die bereits auf DLT-Technik setzen. Soll die neue Technik im Unternehmen genutzt werden, besteht die Möglichkeit auch die alten DLT-Medien in den neuen Geräte zu lesen und zu beschreiben. Diesen Grad der Abwärtskompatibilität bietet nur noch AIT von Sony am Markt.


7.2.3 S-AIT Technologie

S-AIT hat nach wie vor das Problem, dass die Technik nur im asiatischen Raum einen breiten Absatzmarkt besitzt. Ähnlich wie bei S-DLT ist die Weiterentwicklung der Technik abhängig von einem einzigen Hersteller, kann im Gegensatz zu S-DLT aber nicht mit der Abwärtskompatibilität zu einem weit verbreiteten älteren Standard punkten. S-AIT ist allerdings die Technologie mit dem besten Kompressionsfaktor, der über dem gängigen Standard einer 2:1-Kompression liegt.


7.2.4 LTO-Technologie

Die LTO-Technologie ist mit recht preisgünstigen Laufwerken und Medien eine echte Alternative zu einem NAS oder SAS, bietet Sie doch die Möglichkeit die Sicherungskopien schnell und einfach von einem Ort zum anderen zu transportieren und separat aufzubewahren, ohne großen technischen Aufwand betreiben zu müssen und mit optimalen Anpassungen für Speicherbiblioteheken. Mit Speicherkapazitäten von 200 - 800 GB je Medium sind die Kasseten der aktuellen Festplattentechnik ebenbürtig, bei einem ca. 40 % niedrigeren Beschaffungswert [24].

8 Totgesagte leben länger

Auch wenn die Väter des Magnetbandes - die IG Farben und die AEG - schon lange nicht mehr existieren [2], so forschen Unternehmen wie IBM auch heute immer noch im Bereich der Magnetbänder, um diese weiter zu verbessern. Dabei steht nicht allein die Kapazität - also die Datendichte - im Vordergrund, sondern auch die Lebensdauer des Mediums. Das Medium alleine zu verbessern, hilft nicht die heutigen Speicherkapazitäten eines Servers auf ein Band zu schreiben, auch die Aufzeichnungs- bzw. Abspielgeräte (allgemein: Laufwerke) müssen verbessert werden.

Mit dem heutigen Standard LTO können bis zu 800 GB (komprimiert) auf ein Band gesichert werden. Die entsprechenden Laufwerke aus den Häusern HP oder IBM sorgen dafür, dass die Daten komplett innerhalb von vier Stunden auf das Band geschrieben werden können.

Wie in Kapitel 7.1.2 beschrieben, führt der zunehmende Trend zu Compliance auch zu höherem Bedarf an Archivspeicher. Dieser muss vor allem kostengünstig verfügbar sein. Zudem möchte sich kaum ein Unternehmen heute noch durch den Einsatz proprietärer Technologien an einzelne Dienstleister binden. Vor allem dann nicht, wenn es um ein Thema mit solch langfristiger Wirkung geht, wie es die Archivierung ist. Daher ist hier häufig das Magnetband im allgemeinen und LTO im speziellen die Wahl der Unternehmen[27]. Denn hinter LTO steht ein ganzes Konsortium von großen Unternehmen aus dem Storage-Bereich, was neben der Tatsache, dass es ein offener Standartd ist, für den Kunden als Indikator dafür dient, dass LTO auch in einigen Jahren noch verfügbar sein wird.

Neben der hohen Datendichte der heutigen Bänder, haben die Kassetten gegenüber einem Network Attached Storage (NAS) oder Storage Area Network (SAN) den großen Vorteil der Transportabilität. Das Medium ist leicht und bei korrekter Lagerung ist auch die Lebensdauer von bis zu 30 Jahren sicher gestellt.

Bei einem SAN oder NAS besteht das Problem, dass es meist an einem anderen Ort eine genaue Kopie des NAS oder SAN geben muss, so dass bei einer totalen Vernichtung durch Feuer oder Wasser des Gebäudes bzw. der IT-Infrastruktur, die Daten trotz allem an dem anderen Ort weiter bestehen können. Magnetbänder dagegen können z.B. zusätzlich im Tresor einer Bank oder einem anderen Ort aufbewahrt werden, ohne dass große Kosten für Strom, räumlicher Sicherung und Ausfallsicherheit anfallen. Heute werden aus diesem Grund immer noch Bandlaufwerke genutzt, um die Substanz eines Unternehmens bei niedrigen Kosten sicherzustellen. Magnetbänder können somit das elektronische Gedächtnis eines Unternehmens darstellen.

Die Medien sind ebenfalls günstiger als jeder handelsübliche Magnetplattenspeicher vergleichbarer Kapazität.

Zahlreiche Konkurrenten bieten keine wesentlichen Vorteile was Datenintegrität, Langlebigkeit, Betriebs- und Anschaffungskosten angeht. Einzelne dieser Parameter sind bei Konkurrenten besser, wie zum Beispiel die auf 50 Jahre zertifizierte Datenintegrität bei UDO. Lediglich der wahlfreie Zugriff auf die gespeicherten Daten ist nach wie vor bei allen Medien, außer dem Magnetband möglich. Auch hier gibt es Verbesserungen in Form von eingebauten Chips mit Zusatzinformationen, die für verbesserte Zugriffszeiten sorgen. Dies alles hat in Kombination mit der Tatsache, dass es sich bei Datensicherungs- und Archivierungslösungen mit Magnetbändern in der Regel um historisch gewachsene Infrastruktur in den Unternehmen handelt, dafür gesorgt, dass trotz häufiger anderslautender Aussagen das Magnetband als Datenträger auch heute noch nicht gestorben ist. Vielmehr deuten die aufgezeigten Trends in den Unternehmen und die weiterhin betriebene Forschung und Entwicklung am Medium Magnetband auch mittelfristig auf eine Zukunft des Mediums im wirtschaftlichen Kontext hin.

9 Literatur- und Quellenverzeichnis

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10 Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Vgl. Tanenbaum, Andrew S. (2003), S. 19 f.
  2. 2,0 2,1 2,2 Vgl. Magnetband-Museum
  3. 3,0 3,1 3,2 Vgl. Gabler (2004), S. 1951
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Vgl. Hansen, H. R., Neumann, G. (2001), S. 721 ff.
  5. Vgl. Hansen, H. R., Neumann, G. (2001), S. 823 ff.
  6. Vgl. Fröhlich, Karl; Rieß, Ulrike (2006)
  7. Vgl. Fröhlich, Karl (2006)
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 Covey, Bob (2000), Stand: 08.06.2009
  9. 9,0 9,1 Sony (Hrsg.), Stand: 08.06.2009
  10. TecChannel (2002), Stand: 08.06.2009
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 Vgl. LTO Technology (2008)
  12. Vgl. LTO Technology
  13. Vgl. LTO Technology Roadmap
  14. 14,0 14,1 14,2 IT-Wissen.info (Hrsg.), S-DLT
  15. Vgl. Z-DBackup
  16. 16,0 16,1 Vgl. Quantum, Stand: 14.06.2009
  17. 17,0 17,1 Vgl. Schnell, Simone (2005)
  18. 18,0 18,1 Vgl. Rieß, Ulrike (2006)
  19. 19,0 19,1 19,2 Vgl. Elektronik-Kompendium
  20. 20,0 20,1 20,2 Vgl. NetMedia Europe (2008)
  21. Vgl. ITWissen.info (Hrsg.), Magnetband
  22. 22,0 22,1 22,2 Vgl. Etirel, Dagmar (2008)
  23. 23,0 23,1 23,2 Vgl. Dannehl, Siegfried (2006)
  24. 24,0 24,1 24,2 24,3 Vgl. Fröhlich, Karl (2007), Stand: 17.05.2009
  25. Vgl. Vogelsang, Dirk (2004)
  26. Vgl. Speicherguide.de (Hrsg., 2007)
  27. Vgl. Hörmannsdorfer, Engelbert (2009)
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